loeffel1'412 Beiträge · seit 201327. März 2018 · #161
Oh Mann, was für eine Enttäuschung mit der Unterkunft nach den ganzen bisherigen tollen Erlebnissen und Unterkünften. Uns wäre da bestimmt auch das Gesicht runtergefallen, so eine klebrige Hütte mit Klostein-Flair geht ja gar nicht 🤢 . Das Nest Hotel haben wir in guter Erinnerung von unserer Ersttäterreise 2013 (ist das tatsächlich schon 5 Jahre her ? 😮 ). Das dortige Restaurant ebenso.
Martina56573 Beiträge · seit 201427. März 2018 · #162
Liebe Sabine, welch ein trauriges Erlebnis in Lüderitz. Aber sehr gut, dass Ihr so schnell Ersatz gefunden habt. Wir hatten 2015 Glück mit dem Wetter in Lüderitz - dann herrscht natürlich gleich eine ganz andere Stimmung. Ich hoffe, es blieb bei Euch auch nicht so trübe. Ich zehre immer noch von den schönen Erlebnissen, die Ihr bisher gehabt habt. Wirklich traumhaft. Ich hoffe Ihr auch, sodass Ihr dieses Intermezzo mit diesem Zimmer einfach nur als Pech abhaken konntet. 🙂
ApplegreenThemenstarter1'796 Beiträge · seit 201429. März 2018 · #164
18. Februar 2018 – Mauern, die Geschichte atmen
Am heutigen morgen sieht die Welt schon gleich ganz anders aus 🙂. Wir haben wunderbar ohne Geruchsbelästigung zum Rauschen des Meeres geschlafen, das Frühstück ist hervorragend und die Sonne lugt aus den Wolken hervor!
Nach dem Frühstück fahren wir notgedrungen und widerwillig nochmal zur „Butze“, um den Schlüssel zum Klosteinzimmer abzugeben 🤢. Kurz und bündig teile ich Frau Flodder mit, dass wir bereits gestern Abend abgereist sind. Sie gibt sich aufgesetzt bestürzt – ist uns aber egal – die Agentur wird ohnehin informiert 😛.
Von hier geht es Richtung Kolmanskop. Vor uns haben Camper offensichtlich das gleiche Ziel. Ein umgebauter IVECO-LKW an der Tete, gefolgt von einem knallroten Feuerwehrauto mit Schweizer Kennzeichen und einem Hilux mit Womo-Aufbau. Auf dem Parkplatz kommen mit den sehr netten Campern direkt ins Gespräch. Der IVECO geht mit seinen deutsch-namibischen Besitzern auf 7-jährige Weltreise, das Feuerwehrauto beherbergt eine junge Familie mit zwei Kindern auf einjähriger Tour durch das südliche Afrika und ein Paar aus Mainz sind „normale“ Urlauber genau wie wir 😉.
Die Führung beginnt pünktlich um 10.00 Uhr und wir lauschen nun gespannt den Ausführungen von Gisela. Wir beginnen in einem der wenigen noch sehr gut erhaltenen und möblierten Wohnhäuser.
Der neueste Stand der Technik jener Zeit – natürlich deutsche Qualitätsarbeit - hat in den Küchen Einzug gehalten.
Die Eisfabrik und ehemalige Metzgerei sind unser nächstes Ziel. Hier wurden für jeden Haushalt täglich Eisblöcke produziert und nebenbei die Wurstwaren mittels ausgeklügelter Technik gekühlt.
Weiter geht es in die Kegelbahn mit holzgetäfelter Bar. Die Tour endet im riesigen Kasino, das heute einem Museum ähnelt. Hier beeindruckt ein für damalige Zeiten hochmoderner Großküchen-Herd.
Der Elektriker von Kolmanskop war sicher gut beschäftigt.
Gisela erläutert, dass die Diamantengesellschaft leider keinerlei Interesse an dem Erhalt der Gebäude hat und diese daher auch weiter dem Verfall preisgegeben sind. Einige Restaurierungsversuche der letzten Jahre haben sind kläglich gescheitert. So wurden zum Beispiel aufwändige Wandmalereien einfach überstrichen. Wie lange die verfallenen Häuser überhaupt noch zu besichtigen sind, kann niemand sagen. Jedoch sind bereits heute einige aufgrund massiver Einsturzgefahr komplett gesperrt.
Die Geschichte über den blühenden Aufstieg und Verfall der deutschen Stadt ist schnell erzählt. Im Diamantenrausch wurde 1910 die Stadt aus dem Wüstenboden gestampft.
Der größte Teil der Baumaterialien und die moderne Technik wurden aus Deutschland eingeschifft. In der Blütezeit fehlte es den Bewohnern in der Wüste an Nichts. Die hochmoderne Villensiedlung mit Eisfabrik, Schule, Bäckerei, Schlachterei, Elektrizitätswerk, dem Kegelklub "Gut Holz", einer Eisenbahn für den Transport von Wasser, Eis und einkaufswilligen Damen und sogar einem Schwimmbad ermöglichte den Bewohnern ein sicher überaus angenehmes Leben – und das inmitten der von Sandstürmen und Naturgewalten heimgesuchten Wüste.
Nach dem Rückgang des Diamantenvorkommens in diesem Gebiet gab man die Stadt ab dem Jahr 1931 allmählich auf, die letzten Bewohner verließen Kolmanskop im Jahr 1956 ohne auch nur ein Möbelstück mitzunehmen, manche ließen Fenster und Türen einfach geöffnet. Seitdem versinkt die Stadt nun wieder im Sand – irgendwann wird hier nichts mehr übrig sein.
Kolmanskop – auch „Geisterstadt“ genannt. Eine Stadt voller Geschichten und Träume. Aufstieg und Fall innerhalb eines Wimpernschlags in der Zeitrechnung. Die modernste Stadt im südlichen Afrika wurde nicht einmal 50 Jahre alt.
Die Führung beendet Gisela mit den Worten, wir dürften nun die innerhalb des Zauns liegenden verfallenen Häuser zwar besichtigen, dies jedoch auf eigene Gefahr. Alle Häuser sind einsturzgefährdet, von Schlangen und Skorpionen bewohnt und die oberen Stockwerke sollten besser nicht betreten werden – mit diesen Worten werden wir mehr als mahnend vor allen möglichen in und um den Häusern lauernden Gefahren gewarnt.
Zwei Reisegruppen werden diese Möglichkeit erst gar nicht wahrnehmen können – die Tourguides mahnen zur Eile. Noch ein paar schnelle Fotos vom Krankenhaus und schon brausen die Busse davon. Wir begeben uns trotz Giselas Warnung in dieser schaurig-schönen Kulisse auf Entdeckungstour und zwar „gegen den Strom“ – so bin ich meist vollkommen alleine in den altehrwürdigen Gemäuern – denn auch Armin ist mir immer ein Haus voraus.
Hinweise auf den Berufsstand der ehemaligen Bewohner sind fast überall zu finden.
Während ich mich von Haus zu Haus vorsichtig vorantaste ist mir bisweilen fast unheimlich – der Wind rüttelt an den maroden Dächern - es knarzt und ächzt in jeder Ecke …. 😮
Die Fußböden sind häufig brüchig oder gar nicht mehr vorhanden, so dass man über einzelne Holzbalken balancieren muss ….
Schön geschwungenen Treppen führen selten tatsächlich noch nach oben …
Der Sand hoch aufgetürmt kriecht durch alle Ritzen ….
Flure und Zimmertüren enden unverhofft in einer Sackgasse ….
Die Sonne zaubert interessante Schatten ….
Freistehende Badewannen nun mit Sand gefüllt ….
Verblichene Wandmalereien lassen den einstigen Wohlstand erahnen ….
Einblicke und Ausblicke durch Fenster …
... und Türen …
Welche Menschen wohl in diesen Mauern gelebt haben und welche Geschichten sie wohl zu erzählen hätten? Freud und Leid, Kinderlachen, Freundschaften, Streitereien, Familienfeiern – wie schön es doch wäre, wenn diese alten Mauern die Geschichten ihrer Bewohner erzählen könnten.
Im riesigen Krankenhaus riecht es in einigen Räumen tatsächlich noch schwach nach „Krankenhaus“. Alles nur Einbildung 😊?!
Hier kann man sich durchaus verlaufen…
Der kleinen Toilette zufolge müsste es sogar eine Kinderstation gegeben haben ….
Vorbei an den Häusern der „Arbeiter“, die nur schlecht oder gar nicht mehr zugänglich sind, begebe ich mich langsam und seltsam berührt auf den Rückweg.
An diesem Ort wird einem die Vergänglichkeit überdeutlich vor Augen geführt.
Am Parkplatz treffe ich meinem Mann und die „Camperfraktion“ wieder. Bei kühlen Getränken und Biltong plaudern wir bis zur Schließung des Gates und dann wir müssen weiter.
***
Von Kolmanskop fahren wir entlang der Second Lagoon zunächst durch das karge und der Mondlandschaft ähnelnde Hinterland.
Mit Glück soll man hier Springbock, Schakale, Braune Hyäne und andere Tiere finden. Wir haben leider keinen guten Deal mit der Sichtungsfee – eine Braune Hyäne würde ich zu gerne mal sehen. Wir „arbeiten“ uns von der Großen Bucht über die vielen kleinen Buchten Richtung Diaz Point.
Hier scheint ein Paradies für Offroad-Fahrer zu sein, es gibt unzählige und verwirrende Fahrspuren - wir verirren uns an einem Abzweig zum „Kleinen Fjord“, der uns ziemlich ins Schwitzen bringt 😣. Eine steile, enge Abfahrt führt uns über große Gesteinsbrocken – hier können wir definitiv nicht weiterfahren und mein armer Mann muss den Hilux geradeaus rückwärts aus der Engstelle entlang von scharfkantigen Felsen in Millimeterarbeit wieder herausmanövrieren 😗 .
An der Guano Bay angekommen liegt vor uns die Insel Halifax.
Diese Bucht ist bekannt für gute Möglichkeiten Flamingos zu beobachten. Diese Jungspunte sind aber noch scheu und mögen sich nicht zeigen.
Eine Truppe Greater Flamingos stolziert hoch erhobenen Hauptes am Strand entlang.
Wer kann zu der graugefiederten Spezies im Vordergrund Bestimmungshilfe leisten? Stinknormale Möwen laut Matte 😗
White-fronted Plover an Greater Flamingos (Danke Matte für den Plover)
Nun machen wir uns auf den Weg Richtung Achat-Strand – auch Agate Strand genannt – dort angekommen drehen wir allerdings ziemlich enttäuscht wieder um. Der Strand ist zugebaut mit unzähligen „Braai-Häuschen“ und am Sonntag ist hier auch richtig was los.
Alternativ schauen wir uns die Felsenkirche und Umgebung an.
Den späten Nachmittag genießen wir bei Kaffee und Kuchen auf der Terrasse unseres Hotels – auch von hier hat man einen schönen Blick auf die Felsenkirche (hier der Blick von der Felsenkirche auf das Nest Hotel).
Vor unserem Fenster turtelt in der Abendsonne ein Oystercatcher-Pärchen.
Bei diesem schönen Sonnenuntergang allzu verständlich.
Morgen geht es für uns märchenhaft weiter – wir werden entführt in ein Märchental, das Grillenthal und einen Hexenkessel.
lormon169 Beiträge · seit 200729. März 2018 · #169
Ich habe jetzt in einem Rutsch den Reisebericht gelesen - und sage ganz herzlich DANKE! Tolle Fotos, schöne Texte, so macht es Spaß! Und da wir im nächsten Jahr auch dort unterwegs sein werden, macht es doppelt Spaß!
Graskop960 Beiträge · seit 201329. März 2018 · #170
Hallo, wunderschöne Bilder zeigst du da von Kolmannskuppe! Und gleichzeitig sparst du mir noch Arbeit. Da brauch ich in meinem Bericht nicht so viele Bilder hochladen wenn wir nächsten Monat da sind. LG Silvio
Hallo Sabine , ein supertoller Bericht Seufffzt ich will wieder dorthin . Kohlmannskuppe hat uns vor 2 Jahren auch ohne Führung( waren gleich bei Öffnung da ) super gefallen ( ich hätte noch stundenlang dort stöbern könnnen ) . Für uns war es sehr kurios - hab es während des Knipsens gemerkt - ein Erlaubnisschein zum Betreten des Diamantengebietes - auf den Tag genau 1o2 Jahre vorher . ( Bild hochladen schaffe ich heute nicht mehr ). Freue mich auf deine Fortsetzung , LG Conny
Namibia zum 1.
Elefantenrunde
Abschied für immer
Auf neuen Wegen ins Kaokoveld (hummeldumm?")
[url//namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/306123-der-kreis-hat-sich-geschlossen-bot-nam.
Hallo Fromis, an alle Lüderitz Fans, Kratzplatz hat 2 neue Zimmer 100m um die Ecke vom Haupthaus weg. Schön eingerichtet mit Kochnische und Braaiplatz. Hund Odin ist auch immer zur Stelle wenn was abfällt. Gut und günstig war letzte Woche dort.
Gruß Albrecht
LolaKatze846 Beiträge · seit 201430. März 2018 · #173
Liebe Sabine, uns hat Kolmannskuppe auch vollkommen in den Bann gezogen. Und auch wir konnten uns nur schwer von einzelnen Fotos trennen. Bei deinen tollen Bildern ist das aber auch überhaupt kein Problem 🤩 . Es ist einfach ein wunderschöner und geschichtsträchtiger Ort. Liebe Grüsse und schöne Ostern Nina
casimodo4'528 Beiträge · seit 200730. März 2018 · #174
Mojn Sabine,
jaaaaa. Ein Märchen 😎 Hexenkessel........ ich bin gespannt und kann etwas Ablenkung gebrauchen. Ich lese gerade von hinten, deswegen kann ich zu Deinen letzten Kapiteln noch gar nix schreiben 😉 ABer ich sage jetzt schon mal Danke und frohe Ostern.
ApplegreenThemenstarter1'796 Beiträge · seit 201431. März 2018 · #175
Hallo Ihr Lieben,
@ lormon: Herzlich Willkommen und vielen Dank für Dein Lob. Freut Euch auf den Süden Namibias!
@ Silvio: Viel Spaß Euch Beiden und noch eine schöne Zeit. Und von wegen weniger Fotos und Arbeit sparen – nix da 😗 ! Jeder erlebt und sieht die Dinge anders und ich bin schon sehr gespannt auf Eure Eindrücke 😎.
@ Conny: Es freut mich, wenn ich schöne Erinnerungen wecken konnte – wir hätten da auch noch Stunden verbringen können. Dein Fund eines 102 Jahre alten Erlaubnisscheins ist wirklich interessant 🤩 – vielleicht schaffst Du es ja noch ein Foto hier einzustellen.
@ Albrecht: Deine Unterkunftsempfehlung kommt in meinem Bericht für uns leider zu spät 😗 . Vielleicht stellst Du die Unterkunft ja nochmal als eigenen Beitrag unter die Rubrik Namibia/Unterkünfte ein. Dann lesen das sicherlich mehr Fomis als hier im Bericht 😉.
@ Nina: Wie recht Du hast – Kolmanskop ist wirklich ein spannender Ort und wer weiß, wie lange die Häuser noch zugänglich sind. Wir könnten da glatt nochmal hin. Dir und Hansi wünsche ich auch schöne Ostern 😘 !
@ Carsten: Ich wünsche Dir gute Besserung! Liebe Grüße an Euch beide 😘
Mal sehen, ob ich es heute noch schaffe, das nächste Kapitel einzustellen 😕
Guggu2'261 Beiträge · seit 201131. März 2018 · #176
Liebe Sabine,
du zeigst uns tolle Fotos von der Kohlmannskuppe. Ich fühle mich in Zeit und Raum versetzt. Uns hat es dort auch sehr gut gefallen. 🙂 Wie war das nochmal, du und dein neuer Foto?? Das war doch echt ffc. *duck und weg* Mir gefallen deine Fotos sehr gut. 🙂 🙂
Schön, dass ihr Frau Flodder zeigen konntet was eine Harke ist. 🤩
Logi16,9k Beiträge · seit 201231. März 2018 · #177
Hallo Sabine,
vielen Dank für die wundervollen Fotos und Beschreibungen von Kanaan. 😛 Ein Traum! Ich beneide Dich dafür - ganz ehrlich.
Und ich könnte mich selbst in den Hintern beißen, dass wir uns im Dezember nicht dort eingebucht hatten, als wir an der D 707 waren. 🤢
Herzlichst Logi
Strelitzie2'845 Beiträge · seit 201131. März 2018 · #178
Guten Morgen, liebe Sabine,
die Kolmanskuppe, wie wunderschön! Ich schwelge in Erinnerung. Ich kann immer gar nicht verstehen, dass so oft empfohlen wird, Lüderitz auszulassen. Kolmanskop ist ein so besonderer Ort, dazu so unglaublich fotogen, den sollte man gesehen haben (wenn man schon in Namibia ist) Und sollte es uns dorthin wieder verschlagen, werden wir ganz sicher Kanaan mit auf der Liste haben.
Liebe Grüße -und schöne Ostertage! Christina
ApplegreenThemenstarter1'796 Beiträge · seit 201431. März 2018 · #179
Hallo zusammen,
@ Guggu: Danke Dir 😘 ! Und der Kampf mit der Kamera bezog sich überwiegend auf Tiere und Vögel - da habe ich im entscheidenden Moment volle Kanne nix Zustande gebracht 🤢 - insbesondere im KTP und der KRD-Lodge - leider einige schöne Situationen total versemmelt - diese Bilder kann ich leider auch nicht zeigen 😗
@ Logi: Das freut mich sehr, dass Du uns begleitest 😘
Und Du musst Dich gar nicht ärgern - ich schätze Euch führt der Weg eines Tages auch noch nach Kanaan 😎 Dafür hast Du sicherlich schon einige Ecken mehr von Namibia gesehen als wir und tolle Unterkünfte waren sicherlich auch dabei - die Entscheidung fällt in diesem schönen Land mit den vielen Unterkünften auch immer schwer 😗
@ Christina: Ich stimme Dir zu was Lüderitz betrifft - die Ecke wird ziemlich unterschätzt. Wir sind froh, auf dieser Tour dort einige Tage verbracht zu haben. Wer weiß, wie lange gerade die Geisterstädte in dieser Form noch erhalten und zugänglich bleiben. Auch die Buchten werden unterschätzt. Ich vermute, wenn man dort noch mehr Zeit hätte, würde man doch auch ein paar Tiere zu sehen bekommen.
So und heute geht es dann auch weiter im Bericht. Nochmal ziemlich bilderlastig. Ich versuche über das lange Wochenende noch ein paar Kapitelchen einzustellen, denn nächste Woche wird es zeitlich ganz sicher nix mit weiterschreiben.
ApplegreenThemenstarter1'796 Beiträge · seit 201431. März 2018 · #180
19. Februar 2018 – Ein hochkarätiges Märchen am Ende der Welt
Bereits im Hotel treffen wir unsere einzigen Begleiter für die heutige Tour ins Diamantensperrgebiet – ein sehr nettes junges Paar aus Deutschland nebst zweijährigem, extrem wohlerzogenem Töchterlein.
Unser sympathischer Guide Erik erwartet uns bereits und es geht nun für die nächsten 30 Kilometer entlang der B4. Während der Fahrt erfahren wir von Erik, dass sich Coastways Tours noch in diesem Jahr neu um die Konzession für Touristenfahrten in das Sperrgebiet bewerben muss. Es kursieren wohl aber auch Gerüchte, dass es Überlegungen seitens der Minengesellschaft gibt, das Sperrgebiet für Touristen überhaupt nicht mehr zugänglich zu machen.
Es ist die Zeit der Veränderungen – auch die Elizabeth Bay Mine wird Ende 2018 geschlossen. Man spricht von rund 2.000 Arbeitsplätzen, die zukünftig verloren gehen. Das Minengeschäft verlagert sich in die Tiefen der Gewässer des Atlantiks - Dort unten liegt die Zukunft der Diamantförderung.
Am Rotkop Gate muss Erik unsere bereits Monate im Voraus beantragten Genehmigungen und Passkopien vorzeigen. Hier befindet sich auch der Hochsicherheitstrakt in dem alle ein- und ausfahrenden Arbeiter kontrolliert und durchleuchtet werden. Plötzlich taucht hinter uns ein weiteres Auto auf 😕. Zwei hochoffiziell aussehende Herren bitten um unsere Pässe und beäugen diese kritisch. Es herrscht einige Minuten eine leicht angespannte Stimmung. Dann die erlösenden Worte – wir dürfen passieren. DAS hat Erik noch nie erlebt – und er fährt diese Tour schon ziemlich lange.
Vor uns liegt schon bald unser erstes Ziel. Der Versorgungsposten und Pumpstation „Grillenthal“.
Heute dient ein noch recht gut erhaltenes Gebäude als Stützpunkt des „Brown Hyena Research Projects“ und ist daher nicht zugänglich.
Grillental bestand aus einem Wohnhaus, dem Pumpenhaus sowie zwei weiteren Brunnen.
Ursprünglich wurde auch hier Diamanten gefunden – aber auch Wasser – in der Wüste wertvoller als Diamanten. Das Wasser von Grillental versorgte in früheren Zeiten sowohl die Stadt Pomona als auch die Diamantenwaschanlage. Hier findet sich noch allerlei Werkzeug aus vergangenen Tagen.
Die Diamantenwaschanlage ist unser nächstes Ziel. Die manchmal von Wanderdünen blockierte Piste führt uns nun durch eine endlos scheinende Wüstenlandschaft. Auf einer Anhöhe angekommen erscheint der Ozean am Horizont.
Nun passieren wir eine weitere Pumpstation mit Überresten von Unterkünften der ehemaligen Arbeiter. Ein weiterer Außenposten im Nirgendwo.
Die Wellblechkonstruktionen zerfallen zusehends – der stete unerbittliche Wind und der scharfkörnige Sand werden eines Tages nichts als Staub zurücklassen.
Aber auch hier gibt es Anzeichen von Leben.
Bald erreichen wir das Pomonatal – hier bietet sich uns ein skurriler Anblick. Der Boden ähnelt einem Schachbrett, auf dessen Feldern jeweils ein Häufchen Sand aufgetürmt wurde. In diesem Tal wurde jeder Quadratzentimeter akribisch von Hand durchsiebt. Auf diesem Wüstenboden lagen die Edelsteine einfach herum – und zwar Millionenfach!
Die nun nicht mehr weit entfernte Stadt Pomona – ursprünglich „Pomonapforte“ genannt – galt in den Anfängen des Diamantenbooms als „Eingang“ zu diesen Diamantenfeldern – auch „Claims“ genannt.
Ein gewisser August Stauch entdeckte zusammen mit Robert Scheibe aus Berlin diese Gegend im Januar 1909. Stauch selbst benannte später die Täler nach den Namen seiner Familie: Idatal (das frühere „Märchental“), Barbaratal, Mariannental und Stauchslager. Die „Claims“ wurden mittels aufgehäufter Steine abgesteckt – diese waren in der Regel 1200 x 1200 Meter groß.
Die „Waschanlage“ von Pomona mitten in der Wüste bietet reichlich Fotomotive.
Die unzähligen – früher handbetriebenen – Trommelsiebe wurden wie alle anderen Gerätschaften und Produktionshallen einfach hier zurückgelassen.
Auch andere Kreaturen finden hier ihre letzte Ruhestätte.
Die zerfallene Gesteinsmühle, unzählige verrostete Waschtrommeln und die eingestürzten und mit Sand zugewehten Gebäude sind letzte Zeugen der einst hochkarätigen Geschäftigkeit.
Bänder, Zahnriemen, Waschtrommeln der damaligen Produktionslinie rosten langsam vor sich hin.
Das Holz hält sich erstaunlich gut.
Antriebsräder sandgestrahlt.
Auch hier sorgte eine Schmalspureisenbahn für den An- und Abtransport von Sand, Diamanten aber auch Wasser.
Eine kurze Weiterfahrt vorbei an völlig zerfallenen Arbeiterunterkünften, erreichen wir schließlich die auf einem windigen Hügel gelegene Geisterstadt Pomona. Während Erik unser Lunch im ehemaligen Schulhaus zubereitet begeben wir uns auf Entdeckungstour.
Eine Kegelbahn gehörte natürlich zur standesgemäßen Ausstattung und auf der öffentlichen Toilette herrschte noch Zucht und Ordnung.
Das leider nicht zugängliche, jedoch noch gut erhaltene ehemalige Arzthaus mit einem dekorativen Köcherbaum wurde am 30.8.1912 errichtet und dient auch heute noch als Stützpunkt für Mitarbeiter der Minengesellschaft aber auch Forschungsteams.
Hier sind die Häuser im Gegensatz zu Kolmanskop weiter verstreut. 1935 haben die letzten Familien Pomona verlassen. Auch hier haben die Sanddünen einige Häuser mittlerweile unter sich begraben. Die meisten Dächer sind nicht mehr intakt – hier rüttelt an 365 Tagen der Sturm an den altehrwürdigen Gebäuden.
Der Wind trägt zu einer schaurig-schönen Geräuschkulisse bei. An jedem Gebäude, in jedem Raum nagt der Zahn der Zeit. Der feine Sand kriecht in die Gebäude durch jede Öffnung und wie in Kolmanskop auch zeigen sich Überreste von hübschen Farben und Mustern.
Manchmal ist der Fußboden komplett eingebrochen – Fenster und Türen aus den Angeln gehoben – überall zersplittertes Glas.
Über einer Tür ist die Inschrift „Wohnzimmer“ immer noch gut zu erkennen.
Welche Menschen hier wohl ein- und ausgegangen sind? Auch hier würde ich nur allzu gerne die Geschichten der Bewohner dieses Wüstenstädtchens hören.
Nun ist es aber Zeit für eine kleine Stärkung. Im alten Schulhaus serviert Erik gut bürgerlich Deutsche Küche: Paniertes Schnitzel mit Kartoffelsalat 😛.
Bevor wir Pomona wieder verlassen besuchen wir noch den kleinen Friedhof mit Aussicht.
Irgendwo meine ich gehört zu haben, dass sich jener Polizeiwachtmeister Dohndorf im Städtchen Pomona nicht allzu beliebt gemacht hat 😗 – ich kann mich aber nicht mehr genau erinnern 😕.
Während der Weiterfahrt tauchen wir nun nochmals in die märchenhafte Geschichte ein. Denn für uns geht es nun in das berühmte Märchental und den Hexenkessel und was es mit diesen Namen auf sich hat, werden wir nun erfahren.
Dazu nochmal zurück zu August Stauch und seiner unglaublichen Lebensgeschichte. Stauch und Scheib hielten sich oft monatelang in der Wüste auf und schlugen ihr Lager auf. In einer mondhellen Nacht glitzernden die umherliegenden Diamanten im Licht des Mondes und Stauch wurde quasi über Nacht zu einem der reichsten Männer Deutsch-Südwestafrikas.
Professor Scheibe taufte dieses Tal in jener Nacht fasziniert von dem glitzernden Diamantenmeer im Mondschein „Märchental“ auch unter „Fairytale Valley“ bekannt. Tatsächlich wurden in diesem Tal innerhalb der darauf folgenden zwei Jahre über 1 Million Karat Diamanten gefunden! Steine bis zu 50 Karat waren keine Seltenheit.
Wir erreichen nun auch das Märchental – jedoch zeigt sich uns „Nix als Wüste“ – inmitten von grauweißem Sand und Steinen können wir so gar nichts Märchenhaftes finden 😮. Auch der „Hexenkessel“ beherbergt keine Märchenfiguren – das Tal verdankt seinen Namen der Lage in einer Senke in der kein Lüftchen weht und die Hitze für die Diamantengräber unerträglich gewesen sein muss.
Der märchenhafte Reichtum und die Geschichte von August Stauch endet leider auch ohne Happy End. Herr Stauch wurde STEINreich und lebte mit seiner Familie noch lange Jahre in Südwest, verlor aber in der Weltwirtschaftskrise in den 30iger Jahren sein ganzes Vermögen. Er starb im Jahre 1954 völlig verarmt in Thüringen.
Nach dem Besuch der Originalschauplätze dieses (wahren) Märchens erreichen wir das blaue Meer und den majestätischen Bogenfelsen, der einer Pforte zum Atlantik ähnelt.
Ein schmaler, steiler Pfad führt hinab zum Wasser.
Entlang der Küste ist eine weiterer kleiner Felsenbogen zu sehen.
Für uns geht es vom Fuße des Bogenfelsens noch hoch hinauf in schwindelerregende 55 Meter Höhe. Von hier hat man einen phantastischen Ausblick in die Umgebung – aber auch durch ein kleines Loch im Bogenfelsen hinunter zum Meer.
Über Bogenfels-„Town“ – eine Ansammlung von verfallenen Holzhütten – machen wir uns am späten Nachmittag auf den langen Rückweg nach Lüderitz. Immer entlang der „Hauptstraße“, die von der Elizabeth Bay Mine bis zum Rotkopf Gate führt.
Zurück am Gate muss Erik uns ordnungsgemäß abmelden und sich einem Alkoholtest unterziehen. Uns bleibt eine weitere Kontrolle oder gar Leibesvisitation erspart und kurze Zeit später sind wir zurück im Hotel und genießen unseren letzten Abend am Meer.
Morgen erwartet uns ein reiner Fahrtag entlang einer schönen Nebenstrecke und ein ziemlich „schrottiges“ Vergnügen.