BerLin schrieb:
Spricht da eigentlich jemand aus eigener Erfahrung?
Ja, ich.
Ich bin in etlichen Ländern Afrikas schon per Anhalter unterwegs gewesen und in Namibia mindestens 2.500 km, eher mehr. Ich war alleine unterwegs und da ist es leichter. Zu zweit mag es auch noch gehen, aber mit mehr Leuten würde ich es nicht versuchen. Da bekommen zwei Personen 'ne Mitfahrgelegenheit und die anderen x Personen kommen Stunden später oder am nächsten Tag. Da verbringt man ja mehr Zeit, aufeinander zu warten als mit sonst irgendwas. Außerdem hält erst keiner an, wenn da 'ne Gruppe von z.B. vier Personen steht und per Anhalter fahren will. Zu zweit würde ich sagen, dass es möglich ist.
Leute an der Tankstelle ansprechen oder sonst irgendwo, wo sie halten müssen und aus dem Auto steigen ist besser als an der Asphaltstraße, wo sie mit 100 Sachen vorbeidonnern. Daumen hinhalten ist ungebräuchlich, eher den ausgestreckten Arm mit der flachen Hand langsam auf und ab bewegen. Läuft man irgendwo die Piste entlang, halten viele Autofahrer von selbst und fragen nach.
Schon vor dem Einsteigen fragen, was die Fahrer als Bezahlung wollen. Manche nehmen einen gratis mit, manche erwarten eine faire Spritkostenbeteiligung und andere unverschämte Beträge. Die lässt man dann entweder fahren oder verhandelt vorher. Versäumt man das, kann das Fahrtende recht unschön werden, besonders wenn mehrere Personen im Auto sind. Die werden evtl. sogar handgreiflich, um den aus ihrer Sicht "gerechten" Betrag einzufordern. Ist mir fast mal passiert, als ich noch nicht wusste, dass Bezahlung durchaus üblich ist.
Gefährlicher als mit Mietwagen ist das Fahren per Anhalter definitiv. Die Fahrzeuge sind oft in desolatem Zustand und die Fahrweise nicht angepasst. Hier mal ein Beispiel:
Strecke von Keetmanshoop bis Windhoek getrampt - ca. 500 km.
Zwei Mäner an einer Tankstelle angesprochen, ob sie zufällig nach Windhoek fahren und mich mitnehmen könnten. Ja, könnten sie, aber sie müssten erst noch 'ne Kleinigkeit reparieren und das würde ein paar Minuten dauern. Die paar Minuten waren 120 und ich konnte mir das Auto ein bisschen ansehen. An keinem der vier Räder waren mehr als drei Radmuttern, manchmal nur zwei. Zustand der Reifen natürlich auch zweifelhaft. Auf den ersten 60 km rollte das Fahrzeug sechsmal mit Panne am Fahrbahnrand aus. Jedesmal war es ein anderes Problem, was der Fahrer jeweils schnell fand. Zweimal half uns das Werkzeug weiter das ich dabei hatte, weil er kein passendes hatte. Fahrzeit trotz der sechs Pannen war knapp über vier Stunden, also immer noch ein Schnitt von ca. 120 km/h. Wenn er fuhr, hatte er so ca. 150 auf dem Tacho. Ich saß hinten auf dem Pickup und konnte durchs Heckfenster auf den Tacho schauen.
Zelten am Pistenrand oder in kleinen Siedlungen geht auch. Im Damaraland oder Kaokoveld findet sich am Pistenrand immer eine Möglichkeit und in Siedlungen fragt man einfach, ob man sein Zelt hinstellen darf. In größeren Ortschaften habe ich auch bei Polizeistationen gezeltet.
Weiter im Süden ist -wie bereits geschildert- praktisch alles eingezäuntes Farmland. Zwischen dem Zaun und der Fahrbahn befinden sich immer ein paar Meter Platz zum Zelten. Der Boden ist oft durch Büsche und Dornengewächse ungeeignet, aber irgendwo findet sich immer ein Fleckchen. Als Radler habe ich wegen der Entfernungen zwangsläufig öfter mal derart übernachten müssen.
Ich sehe das Ganze nicht so pessimistisch wie Andere. Genug Wasser solltet ihr dabei haben. Das wird gerne unterschätzt. Ich habe bei körperlicher Anstrengung und Hitze häufig über 10 Liter am Tag getrunken. Rekord waren 40 Liter in drei Tagen und da sind diverse Biere am Abend des dritten Tages noch nicht mitgerechnet.
Mein Rat:
Macht es einfach.
Irgendein Seefahrer(?) sagte mal sinngemäß, man könne keine neuen Kontinente entdecken, ohne die Sichtweite des sicheren Hafens zu verlassen.
Ihr habt Erfahrung in der Mongolei, die IMHO schwieriger bereisbar ist als Namibia. Ohne diese Info wäre ich vorsichtiger mit meinem Rat.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...