Tag 13 - 18.10.: Elefanten im Glashaus, Wächterkatzen und fremde BräucheUnerwartet früh 😗 klingelt das Smartphone, in unserem kuscheligen Dachzelt, dass auf einem 3.0l Hilux aufgeschraubt ist, der mit allem Luxus aufwarten kann. Klimaanlage, Navi, Media-Entertainment System… wir schälen uns aus dem Bett, statten der Dusche mit fließend Wasser und dem Keramikklo im Felsen einen Besuch ab, während gerade frischer Kaffee aufbrüht. Nachdem wir unsere Kamera-Ausrüstung und Gore-Tex Wanderschuhe angezogen haben stoppen wir noch kurz am Engel-Kühlschrank, um 2 kleine Flaschen eisgekühltes Wasser einzupacken.
Wie befreiend, einfach mal dem ganzen Luxus zu entsagen und sich mit dem Camper durch die
“Wildnis“ zu schlagen. 🤨
Keine Sorge, jetzt kommt kein Plädoyer für
„Lasst uns mal selbstreflektiert an die Nase fassen!“. Das ist nämlich Quatsch, es ist einfach nur ein kleiner Opener für unsere Morgenaktivität auf Hoada, bei der ich nur sagen kann:
Machen! 😎

Für heute Morgen steht ein Walk mit Descka zu seiner eigenen Farm an. Also mal ein Einblick, was Leben auf einer Farm in der Wildnis eigentlich bedeutet. Wir treffen uns an der Verwaltung mit 2 weiteren Paaren aus Frankreich und Amerika. Es geht früh los, da es ca. eine Stunde zu Fuß bis zu Desckas Farm ist. Oder besser gesagt, mit Touristen dauert es eine Stunde, alleine schafft er es in 30min und wir brauchen die goldene Mitte und nach knapp 45min kommt die Farm in Sicht.
Schon der Hinweg gestaltet sich interessant, weniger wegen der Umgebung, mehr aufgrund dessen, was Descka erzählt. Die Farmer in der Umgebung sind sehr aktiv wenn es um den Tierschutz geht und sie helfen bei Tierzählungen, halten ein Auge auf die Wildtiere in der Region und nicht ohne Stolz, aber auch gemischt mit etwas Trauer, erzählt er, dass sie vor ein paar Wochen vier Wilderer gestellt haben und diese gefasst werden konnten, leider erst nach der Tat.
“Nur wenn die hier ein Rhino sichten, dass umgesiedelt werden soll, ist verrückt… dann ist das hier wie im Krieg. Hubschrauber, überall Jeeps und viel zu viele Leute.“ stellt er amüsiert fest. 😄
Elefantenschulter mit der Farm im Hintergrund
Die Schulter gehört zu einem Problemelefant, der vor ein paar Jahren hier erschossen werden musste. Wir lernen in dem Zuge, dass die Farmer am meisten Angst vor Elefanten haben, die Community alles vom Elefanten behalten und verkaufen darf
(außer das Elfenbein natürlich, dass in staatliche „Verwaltung“ über geht) und das Elefantenfleisch nicht schmeckt! 😉
Auf der Farm lebt Descka mit seiner Familie, sprich Vater, seine drei Mütter… äh, ok… ähem… blöd stammeln können wir ja. 😣 Sein blinder Onkel lebt mit auf der Farm, noch andere Tanten und Onkel, Omma und seine Schwester und natürlich seine eigene Familie. Er arbeitet normalerweise 6 Wochen auf der Campsite und dann 2 Wochen auf der Farm. Diese Touren hat er vor ein paar Wochen vorgeschlagen und für ihn ist es die perfekte WIN-WIN Situation. Sonst kam er 6 Wochen nicht zu Farm, jetzt kann er alle paar Tage nach dem Rechten sehen, verdient noch zusätzlich Geld damit, was er auch dringend braucht, denn er ist der einzige mit einem Job und unterhält die Farm alleine.
Die Häuser oder kleinen Siedlungen liegen immer ein paar Hundert Meter voneinander entfernt, als erstes besuchen wir die kleine Ansiedlung, wo auch seine Omma lebt. Hier gibt es Radio, aber da laufen nur Nachrichten den ganzen Tag, weil Omma diese Musik nicht mag erzählt er die Augen verdrehend. Sogar einen Fernseher wollte er mal holen, aber Omma hält das für Teufelszeug. Wenigstens Glühbirnen hat die aus feinem Sand und Kuhmist erbaute Lehmhütte, aber die werden praktisch nie benutzt… das grelle Licht tut Omma in den Augen weh. 🤩 … es ist einfach herrlich schräg, wie Descka jede dieser Storys mit einer Spur Verzweiflung zum Besten gibt.
Das AKTUELLE Familienauto, also das eine das funktioniert.
Müll?
Stromversorgung
Und das EHEMALIG, beste Auto der Familie. Blau scheint ihre Farbe zu sein
Natürlich spielt sich vieles draußen ab und so sind die Küchen nach außen verlagert und hier hat es auch einen kleinen Kräutergarten. Descka wird von Omma dazu verdonnert sich drum zu kümmern, dass der Arbeiter nicht da war, der den Hof aufräumt… generell verstehen wir nicht so ganz, wieso nicht nur hier, sondern auf der ganzen Farm, nicht mehr Ordnung herrscht. Da der Rest nicht arbeitet, könnte man doch zumindest nicht überall Müll rumfliegen haben, aber es scheint hier keiner so wahrzunehmen. 🙄



Auf der Farm verteilt hat Descka mehrere Ziegenställe. Die sind leichter zu halten erklärt er, da die Dürre der letzten Jahre einen hohen Tribut gefordert hat. Nur noch 5, der ehemals 70, Rinder in seinem Besitz haben überlebt. Wasser war kein Problem, aber es war einfach kein Futter mehr für die Tiere vorhanden. Die hiesigen Großfarmer haben das besser weggesteckt, aber er kann ein Rind für 4.000-7.000 N$ verkaufen, was ok ist, wenn man eine Herde hat… sein Problem ist, dass er gut 10.000 N$ für neue Rinder an die Großfarmer zahlen müsste.
Also sind es jetzt Ziegen, die sind genügsamer, aber es kommt nur 1 von 6 Jungtieren durch. Die meisten werden von Hyänen etc. erwischt.
(das hat uns doch gewundert, wir wären nicht auf die Idee gekommen, dass dort in der Nähe Hyänen sind??!)

In den einfachsten Hütten des Anwesens leben Desckas blinder Onkel und seine Schwester, allerdings baut er auch hier gerade an. Das „Gerippe“ eines weiteren Gebäudes steht schon und ist gerade im Bau. Die Schwester backt gerade Muffins in der Außenküche,
“Für Lunchpakete, die sie an der Schule verkaufen.“ erklärt Descka. Sein blinder Onkel sitzt vor der Hütte. Er orientiert sich an tiefen Furchen im Boden um von A nach B zu kommen und in und um sein Haus hat es immer Katzen… Katzen hassen Schlangen und greifen diese sofort an. Da sein Onkel die Schlangen selber nicht sehen würde, übernehmen die Katzen die Wächterrolle für ihn. 😎
Descka erzählt uns, dass selbst wenn die Katzen gebissen werden, sie manchmal überleben, weil sie das Gift, fein-literarisch gesprochen, wieder auskotzen können. Naja, bei späterer Recherche habe ich nichts dergleichen gefunden, also lassen wir das mal so stehen. 😉

Ein typischer Kühlschrank mit Verdunstungs-Prinzip

Milchgefässe (Kalebassen - danke KarstenB) aus Kürbissen, wenn man draufklopft hart wie Stein
Hochzeits-Kuhschädel
Zum letzten Bild muss ich kurz ausholen. Bei einer Heirat schenkt der Bräutigam der Brautfamilie eine Kuh. Da muss aber alles dabei sein. Jeder Tropfen Blut wird aufgefangen, alle Knochen müssen vorhanden sein etc., sonst bringt es Unglück. Desckas Frau kommt aus Uis und er musste gleich 2x die WELTREISE! antreten um alles für die Hochzeit unter Dach und Fach zu bringen. Geheiratet wurde dann aber bei ihm…
“Dann sind nicht sooo viele Gäste da und es wird nicht zu teuer.“ 😄
Und was hat das jetzt mit dem Schädel auf sich? – der bringt Glück und den bewahrt man auf. Das ist aber nicht seiner, sondern der Hochzeits-Schädel seiner Eltern, der seit 30 Jahren in der Hütte dort baumelt.
*ein bisschen creepy ist das schon*Weiter geht es zum größten Haus der Siedlung, mit Gemüsegarten und da werfen wir auch keinen Blick rein. Zweifellos ist es sein Haus und wir schauen uns in erster Linie den Garten an. Der Zaun ist eigentlich nur Attrappe verrät uns Descka, aber die ganzen Dosen und reflektierenden Objekte sollen die Elefanten abhalten, die gerne alles zertrampeln, überall Schäden anrichten und jegliches Grünzeug wegfressen.
Elefanten mögen sie hier wirklich nicht…Wir bekommen noch frische Peri-Peri aus eigen Zucht geschenkt, verabschieden uns von der Familie und gehen noch zum Herzstück der Farm weiter, der Wasserpumpe.




Eine der Wächterkatzen… die hatte schon nen fiesen Blick drauf
…auch eher außer Betrieb
Angekommen bei der Wasserpumpe
(inkl. Elefantenschutz = Stahlturm rund um die Pumpe) fragen wir Descka, ob er nicht eher in der Stadt wohnen würde, da es ja schon hart ist, gerade mit der Dürre, die Farm fast in Eigenregie am Laufen zu halten. Die Antwort hatte was:
„Ich habe mal gehört, wenn du in der Stadt arbeitest und dann deinen Job verlierst und mal kein Geld hast, dann schmeißen die dich aus deiner Wohnung raus!!!- das ist doch verrückt. Nein, ich habe hier ja keine Ausgaben, wir können uns fast autark versorgen, ich brauche nur Diesel um den Generator für die Wasserpumpe am Laufen zu halten, das ist alles.“Wir gehen da so her und man denkt sich, dass die Hütten etc. für unsere Augen eher so aussehen, als wäre hier vieles zerfallen. Aber wenn man sich mal vor Augen hält, dass er seine ganze Familie vor Ort unterhält, knapp ein Dutzend Gebäude sein Eigen nennt und autark leben kann… das ist viel mehr, als die meisten von uns hier von sich behaupten können. Also Hut ab und Respekt. 😎


Komisch, das hier noch das Lebenselixier aus dem Boden quellt…
… und gleich nebenan die Opfer der Dürre liegen.
Wir verlassen die Farm nicht über den Weg, sondern gehen etwas direkter durch den Busch und hier sehen wir, was Descka uns vorher erzählt hat… die Dürre hat Opfer gefordert und die Knochen der verendeten Rinder begleiten unseren Weg zurück. 🙁

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Zurück an der Campsite ist es mittlerweile wieder heiß geworden. Die Mopanefliegen sind auch wieder aufgewacht, also machen wir uns nach einer kurzen Dusche und einem kleinen Frühstück fertig für die Weiterfahrt. Es steht nur eine sehr kurze Etappe bis Kamanjab an, in der Nähe dort verbringen wir den Tag im Onjowewe Filmhaus, zum Ausspannen und mal alles für den Etosha neu zu sortieren.
Das bisschen Zeit auf der Campsite wird aber noch dazu genutzt, ein paar der gefiederten Besucher abzulichten.
Glanzstar… aber welcher?
leicht bekiffter Mahaliweber?
Maskenbülbül
FAZIT: Farmtour mit DesckaEin toller Einblick in das „wahre Leben“ vor Ort. Wir hatten uns schon vor’m Urlaub geeinigt, dass so etwas wie ein bewirtschaftetes Eingeborenen-Dorf nichts für uns ist. Deswegen waren wir erst skeptisch, aber dieser sehr nahe und authentische, weil echte, Einblick hat sich absolut gelohnt und so lange das angeboten wird, wiederhole ich gerne für Alle die da sind mein Credo vom Anfang:
Machen! Nett verabschiedet wurden wir dann auch noch, von einem sehr aufmerksamen, kleinen Gesellen. 🤩
FORTSETZUNG FOLGT…Gruß,
Robin