freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201103. Okt. 2016 · #1
In 5 Wochen von Kapstadt nach Windhoek
Liebe Fomis, unser Reisebericht und die Fotos sind fertig. Wenn jemand nur Interesse an den Fakten unserer diesjährigen Reise hat, muss nach meinem ersten Eintrag nicht weiterlesen. Für Liebhaber von Reiseberichten wird es ausführlicher. Nach und nach werde ich das Tagebuch einstellen und Fotos beifügen. Aber: Niemand muss das lesen und die Bilder angucken. Beides habe ich für den privaten Gebrauch zusammengestellt. Ich würde mich trotzdem freuen, wenn der eine oder die andere Interesse an unserer Tour zeigen würde.
Die Fotos von Pflanzen und Tieren habe ich mit den Bezeichnungen versehen, die ich finden konnte. Carruthers und die regionalen Infos haben mich oftmals verwirrt, weil die Bezeichnungen z. T. in Afrikaans, Englisch, Deutsch oder nur Latein aufgeführt sind.
Fakten
Route: s. Map: 4 937 gefahrene Kilometer
Flug: Gabelflug mit SAA Kapstadt hin; Windhoek zurück, jeweils über Johannesburg Anflug auf Johannesburg
Fahrzeuge: - kleiner Pkw für 2 Tage in Kapstadt über Mietwagen-billiger.de, günstiger Preis, unkomplizierte Abwicklung, empfehlenswert - Buschcamper von Africamper auf Toyota Hilux vom 17. 8. bis 18.9., plus Einwegmiete (400 Euro). Besonderheiten an Bord: Porta Potti, eigenes elektr. 500W-Heizöfchen, Moskitonetz am Einstieg zur Kabine
Heizöfchen
Wildcard: wurde häufig eingesetzt, gültig bis zum letzten Tag im KTP
Fotoausrüstung und Technik: - Canon 600D, Objektiv Sigma 17 – 70 mm; Canon 7D, Objektiv Canon EF 70 – 300 L IS USM, Polfilter, Ergebnis: 1900 Fotos - Notebook, sog. eeePCmit SSD, für Mails und Reisetagebuch im Web - Mobiler WLAN-Router mit Vodacom SimCard - Garmin Nüvi mit Karten von T4A und OSM, SD-Speicherkarte mit komplett gerouteter Strecke - Handy bekam eine SA-Identität, war mehrfach im Einsatz
Literatur: - Fauna und Flora im südlichen Afrika von Vincent Carruthers - Südafrika, Reiseführer von Stefan Loose - National Parks and Nature Reserves, South African Field Guide, von Chris & Mathilde Stuart - Sanparks Infohefte über Namakwa NP, Augrabies Falls NP und KTP, - Know How-Straßenkarten Südafrika und Namibia
Unterkünfte: Die teuerste Campsite kostete Rand 350/2P/Nacht – die billigste Rand160/2P/N. Die B&Bs Rand 800 oder 900 für 2P/N. Näheres zu einzelnen Unterkünften kann bei Interesse im Reisebericht nachgelesen werden.
2 Ü B&B „Two Oaks“ in Somerset West, günstige Lage zur Campervertretung, riesige Mall in der Nähe für den ersten Einkauf,
2 Ü Camping Palmiet in Kleinmond, direkt am Meer, riesiger Platz mit teilweise schönen Nischen als Campsites, Ablutions okay, der Besitzer auch, während unseres Aufenthalts fast leer, günstige Lage für Walbeobachtung in Hermanus und Pinguinbesuch in Betty’s Bay
1 Ü Camping Oat Lands in Simon’s Town, Halbinsel Cape of Good Hope, terrassiert, steile Zufahrt, keine Bewertung, da wegen eines Baggerbisses teilweise Stromausfall, Baustelle wegen Verlegen neuer Wasserleitungen
1 Ü Tietiesbaai bei Paternoster, Westcoast NP, riesiges Gelände am Meer mit glatten Felsen ohne sichtbare Einteilung von Campsites, Hinweise auf mögliche Stellplätze liefern die betonierten Braaigestelle, traumhafte Lage, teilweise weiter Weg zu den Ablutions, Warmwasser funktionierte nicht, kein Strom
1 Ü Mosselbank B&B in Paternoster wegen einsetzender Kälte und starkem Regen, gemütlich mit Heizung
3 Ü Wilderness Area Algeria, Cederberg NP, schön gelegen unter Zedern mit Ausblicken auf die Berge, gute Ablutions mit Sinks fürs Abspülen und für Wäsche, die Stromkästen funktionieren nur teilweise
2 Ü Lambertsbay, Kommunaler Platz am Ende des Ortes in marodem Zustand, enge Einzelablutions vorhanden, schöner Blick auf das Meer und die Dünenlandschaft
2 Ü Nieuwoudtville (beschränkte Einkaufsmöglichkeiten), Farmcamping Groenrivier bei Elsa Goldfarb, großzügige Einrichtungen in Natursteinhäuschen, es fehlt an nichts, überdachter großer Braaiplatz für je 2 Campsites, Frau Goldfarb hat Infos über Wildblumen
2 Ü Kamieskroon (beschränkte Einkaufsmöglichkeiten), Kroon Lodge, neue Anlage mit festen Unterkünften und Campsites mit komfortablem Braaiplatz, sehr bemühtes freundliches Ehepaar, Campsites für Fahrzeug plus Anhänger etwas klein. Zwischen diesen 2 Ü:
1 Ü Hondeklip Bay, Zeltanlage Skulpieskraal, nicht empfehlenswert, Rand400
3 Ü Augrabies Falls NP, großer Platz mit wenig Schatten, Stromkästen weit auseinander, gute Ablutions, Wasserfälle und Restaurant in Laufweite, sandig, die zahlreichen Baboons und Monkeys werden durch Wächter in Schach gehalten, Dassiefamilien am Platz, Verschiedene Trails ab Platz
1 Ü Farmcamping auf der Farm Duin-in-die-Weg, 65 km südlich von Upington, teuer aber mit ausgezeichneten Ablutions, schattige Plätze auf Wiese, nach unserem Aufenthalt hatten wir Bisse durch Grasflöhe zu beklagen! Zufahrt zur Campsites durch haarige Sandkuhle (4x4!)
7 Ü KTP: Twee Rivieren, Nossob, Matopi (Übernachtungsplatz), Mabuasehube Pan, Matopi, Nossob mit Pool, Mata Mata, die Campsites auf der SA-Seite könnten liebevoller gestaltet werden. Der Platz an der Mabuasehube Pan bietet eine herrliche Aussicht, stabile großzügige Schattendächer in Zeltform, ekliges Plumpsklo – vermutlich weil es kein Wasser gab, Fuchsmangustenkolonie
2 Ü Mesosaurus Fossils Restcamp, Namibia, wunderschönes Buschcamping umgeben von Doleritgestein und Köcherbäumen, auf einfache Weise ist alles vorhanden, was gebraucht wird – außer Strom, der Eigentümer Will Steenkamp bietet eine interessante Fossilienführung an.
2 Ü Bagatelle Game Ranch, Namibia, Luxuscamping mit Pool, Restaurant, Bibliothek, Bar, Andenkenshop, umfangreiches Aktivitätenangebot, Campsites mit eigenen Ablutions, Springbock als Haustier, Erdmännchenkolonie, 230V nur an Rezeption
1 Ü Gästehaus Tamboti in Windhoek, schöne Unterkunft, günstig gelegen, sympathische Wirtsleute
mein Wunsch ist also erhört worden 🤩 Ich freu mich sehr auf den ausführlichen Bericht! Auf Herberts Homepage habe ich schon gestöbert, aber etwas mehr Fotos und noch ausführlichere Berichte wären natürlich noch soooooo viel schöner... In Niewoudtville und im Namaqua + Augrabies NP waren wir etwa zur gleichen Zeit wir ihr unterwegs - allerdings in den selfcatering Cottages. Bin gespannt auf eure Erlebnisse und vielen Dank, dass ihr es schafft so zeitnah zu berichten! Beste Grüße, Nette
freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201103. Okt. 2016 · #3
7. August 2016: Nicht ohne meine Kaffeekanne!
Nur noch sieben Mal schlafen! Die Haufen rund um unsere Reisetaschen werden täglich größer. Wieder dabei ist unsere Kaffeekanne, die wir 2007 in Cairns (Queensland) gekauft haben, nachdem wir feststellen mussten, dass sich kein Gefäß im gemieteten Camper für das Aufbrühen unseres mitgebrachten Filterkaffees eignete. Trotz der Bilder von Anfang August mit Schneegestöber in Durban und in den Drakensbergen sind wir guter Hoffnung, dass uns das Wetter nichts anhaben wird. Schließlich liegt Kapstadt weit weg von diesen Gegenden. Und vielleicht trägt das Kap der Guten Hoffnung seinen Namen zu Recht. Heizöfchen und Daunen, warme Unterwäsche, Fleecejacken, Mützen und Schals gehören zur diesjährigen Ausrüstung.
15. bis 17. August: Schlangestehen für eines der sieben Weltwunder der Natur
Schwarze Gesichter strahlen intensiver und wärmer als weiße. Die Mienen unseres Begleitservice durch den Airportdschungel in Johannesburg und die Mitarbeiterin bei Europcar in Kapstadt bestätigen es.
Mit Hilfe des Navi schaffen wir die Fahrt nach Somerset West mit dem gemieteten Pkw ohne Probleme und landen in einem etwas angestaubten Bed & Breakfast. Eine der Eichen von Two Oaks
Nichts los, denn es ist Winter. Der Wirt leidet an Sprechdurchfall, doch weil er freundlich und sympathisch ist, üben wir uns in Geduld. Wir kaufen in der nahen Somerset West Mall ein und laufen kilometerweit, bis wir alles haben. Das anschließende Abendessen bei Henri’s entschädigt uns, ist sterneverdächtig und ein würdiger Abschluss für den ersten Abend auf südafrikanischem Boden.
Das Winterwetter in Kapstadt entspricht ungefähr dem Sommerwetter 2016 in Europa. Anstatt Stadtbesichtigung folgen wir am nächsten Tag den Ratschlägen von Insidern und nehmen aufgrund des sonnigen, klaren Wetters den Tafelberg in Angriff. Wer weiß, was der nächste Tag für Wetter bringt.
Nachdem unser Wirt uns eine weitere halbe Stunde gekostet hat, brechen wir auf. Kein Problem glauben wir, hier herrscht Winter, deshalb ist nichts los. Doch der Verkehr entspricht den Erfahrungen rund um Stuttgart zur Rush Hour. An der Talstation der Cable Car auf den Table Mountain erfahren wir, was Schlangestehen heißt. Die eineinhalb Stunden bis wir den Lift betreten dürfen, nutzen wir zum Studium des Publikums, das internationaler nicht sein könnte. Hier stört sich niemand an Halb- und Vollverschleierung. Doch an der körperlichen Distanz beim Schlangestehen müssen wir noch arbeiten. Warteschlange an der Talstation Wir haben das Glück, die Tafel des Tafelbergs und eine grandiose Aussicht bei bestem Sonnenschein genießen zu dürfen. Beim Blick auf die schattenlosen Hiking Trails (Fußpfade), die hinaufführen, schätzen wir uns glücklich, auf die Gondel gewartet zu haben. Fußpfad auf den Tafelberg
Eine Gondel, die ihre Fahrgäste im Kreis dreht
Bergstation
Ausblick nach Süden
Wanderung auf der Tafel
Blick auf die Autoschlange
Aloe
Dassie
Rote Heide
Robben Island
weiblicher Goldbrustnektarvogel
Vor der Rückfahrt haben die Götter eine weitere Schlange eingebaut, die uns mindestens eine Stunde Beine-in-den-Bauch-stehen kostet. Und dann suchen wir unser Mietauto, das weiß, klein und eine Allerweltsmarke ist. („Weißt du noch die Autonummer?“ „Du vielleicht?“) Mittels Funkschlüssel meldet es sich, steht inzwischen ganz allein im Abseits. Für die vierzig Kilometer Autofahrt zu unserer Unterkunft verbringen wir weitere eineinhalb Stunden in einer Schlange, diesmal aus Blech. Macht nichts, wir sind a) Rentner und haben b) sowieso viel zu viel Zeit.
Anderntags bringen wir den Mietwagen zum Airport zurück, holen unseren Camper ab und reißen die Augen auf, als wir die positive Veränderung des Buschcampers sehen.
In Kapstadt bedient der Eigentümer selbst, was sorgfältige Einweisung und ein bisschen fachliches Geplänkel bedeutet. Er hat das Dach den Buschcampern der Konkurrenz angepasst. Dann fahren wir gemütlich entlang der Küste nach Kleinmond zum heutigen Campingplatz und halten unterwegs mehrmals an den Aussichtsbuchten an. Es ist so stürmisch, dass wir beinahe von den Füßen geblasen werden. Doch die Sonne scheint und die Wolken präsentieren sich malerisch weiß.
freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201104. Okt. 2016 · #4
18. August: Besuch bei Walen und Pinguinen
Heute stehen Whalewatching und Penguinvisiting auf dem Programm. Wir beginnen mit den Walen, deren Auftauchen von einem Wächter mit Horn signalisiert wird.
Warten auf die Wale
Pro Wal bläst er 1x ins Horn
Ein Wal, ein Wal!
Und noch einer
Blick auf Hermanus
Während die Meeresriesen nur eine Abordnung von drei oder vier Tieren nach Hermanus schicken, treten die kleinen Frackträger in Betty’s Bay zu Hunderten auf. Leider hat sich das Wetter entschieden, uns vorzuführen, wie ungemütlich der Winter hier werden kann.
Mamas sehnsüchtig erwartete Rückkehr
Er hat sich einen Vorgarten angelegt
Die Kormorane bilden eine große Kolonie
Es ist kalt und windig, und unser Campingplatz „Palmiet“ in Kleinmond liegt am Meer. Über die Hecken hinweg haben wir einen schönen Ausblick, doch der Wind lässt sich dadurch nicht bremsen. Mit unseren warmen Schlafsäcken und dem Heizöfchen sehen wir der kommenden Nacht trotzdem gelassen entgegen.
Der Sturm treibt die "Monsteralgen" an die Wasseroberfläche
freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201104. Okt. 2016 · #5
19. August: Fahrt zum Cape of Good Hope
Wir fahren über die traumhafte Straße entlang der Südküste zurück nach Westen, die an vielen Stellen Möglichkeiten zur Walbeobachtung bieten soll. Uns zeigt sich weder Fluke noch Fontäne. Die Sonne drängelt sich durch die Wolkenbänke, bevor sie sich anschicken, an den Berghängen abzuregnen.
Der Morgendunst lichtet sich nur langsam Überall Aussichtsbuchten
Um ans Kap zu gelangen, bleibt es uns nicht erspart, durch die verkehrsreichen südlichen Vororte von Kapstadt zu fahren. In Fish Hoek machen wir Halt, um Fischern beim Einholen ihrer riesigen Netze zuzuschauen. Harte Arbeit für viele junge Männer und Frauen, aber die Ausbeute ist mager. Möwen kreisen schreiend über der Szene und Seehunde tummeln sich zwischen den Netzen, um zu profitieren. Eine Fischerin informiert mich auf die Frage, woran es liegt, dass das Meerwasser so schmutzig braun ist, das sei das Plankton, im Winter als Futter für die Fische eine Delikatesse. Wir fotografieren die spektakuläre Szene, wobei Herbert nicht mit der steigenden Flut rechnet und bis zu den Knöcheln überspült wird. Nein, er war nicht barfuß!
Quietschbunte Badehäuschen in St. James
Die Strecke zum Kap beträgt hundertachtzig Kilometer, und drei Stunden nach unserem Aufbruch in Kleinmond stehen wir am Gate zum Nationalpark. Gate zum Nationalpark
Wenig später heißt es wieder einmal Schlangestehen, weil eine kilometerlange Baustelle im NP uns zum Warten zwingt. Am Kap herrscht Trubel wie auf einem Weihnachtsmarkt. Touristen aus aller Welt stehen an, um sich am Hinweisschild für ein Beweisfoto ablichten zu lassen: Muslime mit Familien, ein orthodoxer Jude mit Gebetsschnüren, die unterm weißen Hemd hervorlugen, wir hören Italienisch und Französisch und Sprachen, die wir nicht einordnen können.
Beweisfoto: Er war auch da!
Leider ist es für die vorgesehene Wanderung entlang der Küste zu spät, so dass wir mit dem Auto zum Leuchtturm und mit der Standseilbahn hinauf fahren. Schließlich gibt die Wildcard Rabatt … So überwältigend die Aussicht auf eine der gefährlichsten Schifffahrtsstraßen auch ist, es sind zu viele Menschen um uns herum. Blick zum Kap
Der alte Leuchtturm
Panorama Fußweg
Sturm an der Küste
Außerdem wird es Zeit, einen Campingplatz anzusteuern, denn um 7:00 Uhr abends ist es dunkel. Wir landen auf einem Platz in Simon’s Town, wo zur Zeit eine neue Wasserleitung verlegt wird. Da ein Bagger dabei ein Stromkabel angehackt hat, gibt es nur wenige funktionierende Stromanschlüsse, und das Wasser in der Damendusche bleibt leider kalt.
Als Herbert die Feuerstelle aufräumen will, ist es dunkel. Prompt tritt er mit seinen trockenen Schuhen in eine tiefe Pfütze. Wie soll das nur alles trocken werden, da sich nachts überall der Tau niederschlägt?
freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201104. Okt. 2016 · #6
speed66 schrieb:Hallo Freshy,
mein Wunsch ist also erhört worden 🤩 Ich freu mich sehr auf den ausführlichen Bericht! Auf Herberts Homepage habe ich schon gestöbert, aber etwas mehr Fotos und noch ausführlichere Berichte wären natürlich noch soooooo viel schöner... In Niewoudtville und im Namaqua + Augrabies NP waren wir etwa zur gleichen Zeit wir ihr unterwegs - allerdings in den selfcatering Cottages. Bin gespannt auf eure Erlebnisse und vielen Dank, dass ihr es schafft so zeitnah zu berichten! Beste Grüße, Nette
Hallo Nette, zufrieden mit Länge des Berichts und Fotoanzahl? 😕 😉 Wann genau wart ihr denn in den beiden NPs?
... zufrieden mit Länge des Berichts und Fotoanzahl? 😕 😉
.... da komme ich ja mit dem Bedanken gar nicht hinterher... Absolut perfekt: habe exakt einen Milchkaffee lang geschwelgt 🙂 Du weißt schon, dass das jetzt der Maßstab ist 😉 Herzlichen Dank, Nette
(Wir haben uns über den Tankwa NP nach Niewoudville (24.8 u.25.8.) hochgearbeitet, haben im Skilpad leider nur 1 Nacht bekommen (26.8.) und waren vom 30.8. für 2 Nächte im Augrabies.)
freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201105. Okt. 2016 · #8
20. August: Chapman’s Peak Drive und der Tafelberg „von hinten“
Herberts Schuhe sind am nächsten Morgen noch nass. Außerdem ist sein Handtuch in die Dusche gefallen und trieft. Wir starten bei herrlichem Sonnenschein gen West Coast in der Hoffnung, dass sich dort weniger Touristen tummeln. Die kostenpflichtige Panoramastraße „Chapman’s Peak Drive“ gehört zum Einzugsgebiet von Kapstadt und ist dicht befahren.
Ausblick Richtung Süden
Lookout am Chapman's Peak Drive
Cable Car "von hinten"
Souvenirstand am Drive
Küstenlinie Hout Bay
So schmal und kurvig sie ist, müssen sich Auto-, Motorrad- und Radfahrer sowie todesmutige Jogger die Fahrbahn teilen. Wir umrunden Chapman’s Peak und bekommen Gelegenheit, den Lift auf den Table Mountain aus einer anderen Perspektive zu fotografieren.
Am frühen Nachmittag erreichen wir das Columbine Nature Reserve. Der weitläufige Campingplatz Tietiesbaai liegt direkt am Meer. Zwischen den rund geschliffenen Felsen gibt es viel Platz sich auszubreiten, parzellierte Plätze gibt es nicht. Es ist traumhaft hier. Wir klettern auf den glattgeschliffenen Felsen umher, beobachten Austernfischer und Möwen und genießen zum Abschluss des Tages eine deftige Gemüsesuppe, unser traditionelles Samstagsessen! Danach ziehen wir uns huschhusch in den Camper zurück, denn nach Sonnenuntergang hat der Tau das Sagen.
Camping am Strand von Tieties Bay
Erste Blütenteppiche
Malerischer Felsenstrand
"Monsteralgen"
Abendrot, gut Wetter Bot'? In dieser Gegend nicht!
21.August: Regen in Paternoster
Der Sonntag macht seinem Namen keine Ehre, deshalb sollten wir ihn streichen. Es regnet ununterbrochen und heftig, so dass wir den West Coast NP nur hinter Regenschleiern sehen. Wir beschließen, ausnahmsweise in einem B&B zu übernachten, was an einem Sonntag gar nicht so einfach ist, weil die Wochenendgäste zwar ausgecheckt haben, die Zimmer aber erst montags von den Putzgeistern gereinigt werden. Im Mosselbank B&B klappt es, weil die Wirtin noch selbst sauber macht.
freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201106. Okt. 2016 · #9
speed66 schrieb:
... zufrieden mit Länge des Berichts und Fotoanzahl? 😕 😉
(Wir haben uns über den Tankwa NP nach Niewoudville (24.8 u.25.8.) hochgearbeitet, haben im Skilpad leider nur 1 Nacht bekommen (26.8.) und waren vom 30.8. für 2 Nächte im Augrabies.)
Hallo Nette, ich bin dir noch eine Antwort schuldig: Nein, die Termine passen nicht, wir waren nur ungefähr zu euren Zeiten in Nieuwoudtville und im AugrabiesFallsNP. Beide Stationen habe ich in bester Erinnerung.
freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201106. Okt. 2016 · #10
22. August: Durch Blütenfelder in die Cederberge
Petra, unsere Pensionswirtin, freut sich, dass ich ihr Haus gemütlich finde. „Chämuddlik“ wiederholt sie auf Afrikaans und strahlt. Wir genießen das burisch üppige Frühstück, finden aber, dass unser eigener Kaffee besser schmeckt.
Herbert hat sich vorgenommen, auf dem Power Trail nördlich von Paternoster einige Geocaches zu loggen. Leider sind sie entweder deaktiviert worden oder so gut versteckt, dass er die Suche bis auf wenige „Found it“ ergebnislos aufgibt. Doch wir werden mit weißgelben Blütenfeldern entschädigt. Unsere ersten Wildblumen! Ich habe mehrfach die Bezeichnung „Daisy“ gehört, weiß inzwischen von den Forumsspezialisten, dass alle Margeritenartigen so genannt werden.
Noch ist der Sand gut zu fahren
Blick auf Paternoster
Neben uns der Atlantik
Euphorbia Burmannii
Medusenhaupt
Einsames Haus am Powertrail
Ein Feld mit lauter Daisies
Regenmargerite
Der Weg ist tiefsandig und nur für 4×4-Fahrzeuge geeignet. Unser Toyota schafft eine felsige Steigung wegen der zu geringen Bodenfreiheit nicht. Wir müssen nach Paternoster umkehren und gehen von Neuem an den Start unserer Fahrt nach Algeria in den Cederbergen.
Bevor wir aufsitzen, kehren wir um
Flamingos bei Wittewater
Nach und nach verzieht sich die Sonne hinter Wolken und schickt stattdessen kräftigen Regen. Algeria liegt mitten in den Bergen, der achtzehn Kilometer lange Abzweig ist aufgeweicht. Entgegenkommende Fahrzeuge sind bis zur Hüfte eingesaut, doch wir schaffen es ohne Schlammkruste bis ins Wilderness Camp.
In den Cederbergen
Schön ist es hier, wir campen unter riesigen Zedern, vor uns rauscht ein Bach, den der Regen hat anschwellen lassen, der Blick auf die Berge rundum ist phantastisch. Doch es ist lausig kalt. Wir legen einige Stoffhäute zusätzlich um uns und setzen unser Heizöfchen in Gang. Kaum zu glauben, dass das abgelegene Camp einen gut funktionierenden Internetanschluss und Strom bietet.
sphinx1'624 Beiträge · seit 201506. Okt. 2016 · #11
Hallo freshy
natürlich bin ich auch bei Deinem Bericht dabei. Ich freue mich schon so noch mehr von Euren Blumenbildern und viel Landschaft zu sehen. Ich weiß es schon jetzt, es wird mich vor Sehnsucht fast verreißen.
freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201107. Okt. 2016 · #12
sphinx schrieb:Hallo freshy
natürlich bin ich auch bei Deinem Bericht dabei. Ich freue mich schon so noch mehr von Euren Blumenbildern und viel Landschaft zu sehen. Ich weiß es schon jetzt, es wird mich vor Sehnsucht fast verreißen.
Liebe Grüße Elisabeth
Danke Elisabeth. Die blühenden Wildblumen standen bei unserer Reise absolut im Vordergrund. Ich verrate dir: Es kommen noch mehr 🙂 .
freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201107. Okt. 2016 · #13
23. August: Von 500 auf 950 Höhenmeter in 100 Minuten
Brrr, ist das kalt heute Morgen! Nachdem uns nachts das Heizöfchen und warme Schlafsäcke mollig warm gehalten haben, sind die Temperaturen ein Schock. Kaum schaut die Sonne über die Berge, heizt die Natur auf. Wir frühstücken unter den hochgewachsenen Zedern sogar im Freien.
Frühstück mit bester Aussicht
Ein Wald aus Zedern
Erste Kontaktaufnahme mit unseren Campingnachbarn: Lächeln und vorsichtiges Winken. Dann brechen wir zum Wasserfall auf. Um diese Tageszeit zeigen sich die Temperaturen wandererfreundlich, der felsige Aufstieg führt oft durch Schatten.
Steiniger Aufstieg
Am Wegrand öffnen Wildblumen nach und nach ihre Kelche in leuchtenden Farben und wenden sie der Sonne zu.
Ein Hartlaubgewächs
(Sternförmige) Strohblumen
Wilde Gerbera
In Serpentinen windet sich der Pfad um Felsen und Abgründe, die Klettertour fordert unsere Beinmuskeln. Endlich oben angekommen, braust über uns ein Wasserfall zu Tal, an den nur näher herankommt, wer absolut schwindelfrei und trittsicher ist. Herbert wagt es und schießt ein paar spektakuläre Fotos für die interessierte Nachwelt.
Noch sind wir nicht oben
Dieser Anblick war nur Herbert vergönnt
Unsere Campingnachbarn sind inzwischen sichtlich erschöpft ebenfalls angekommen. Doch wir nehmen uns keine Zeit für ein Schwätzchen und steigen abwärts. Ich staune immer wieder, wie unterschiedlich zum Hinweg die Landschaft auf einem Rückweg aussieht.
Unter dem Zedernhain verschwindet der Campingplatz
Als wir nach dem Abendessen zu den Ablutions gehen, passen mich die beiden Frauen von der Nachbarcampsite ab. Smalltalk ist ein nicht zu unterschätzender sozialer Kitt auf Reisen. Ich mache den Fehler, unseren Wohnort in Deutschland zu verraten, was noch Folgen haben wird. Danach verziehen wir uns in den Camper, laden die Fotos vom Tag im Reiseblog hoch und beantworten unsere Mails. Erstaunlich, wie fix das Internet und Mobilnetz in dieser Einsamkeit im Gegensatz zu Paternoster an der Küste funktionieren. Ein Glück, denn morgen werden wir es brauchen.
freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201108. Okt. 2016 · #14
24. August: Nicht ohne Porta Potti!
Diese Nacht war kurzweilig. Ein heftiges Poltern reißt uns aus dem ersten Schlaf, als ein Tier unsere Abfalltüte in die Mangel nimmt. Es verschwindet, sobald ich nach draußen eile, um die Tüte diebessicher zu verstauen. Menschliches Rühren lässt sich leider nicht ignorieren, weshalb ich notgedrungen kurz nach Mitternacht ein weiteres Mal aus meinem Hochbett klettere. Als ich den Verschluss des Porta Pottis betätige, knackst es unheilvoll, und ich habe den verrosteten Griff in der Hand. Für das nächste menschliche Rühren muss ich den längeren Weg zur Toilette einplanen.
Morgens telefoniere ich mit unserem Fahrzeugvermieter, der sich nach einigem Hin und Her entschließt, uns mit einem neuen Porta Potti entgegenzufahren. Eine andere Möglichkeit besteht nämlich nicht, weil so ein selten gebrauchter Gegenstand wie ein Porta Potti an der Westküste der ZAR nur in Kapstadt oder Upington zu haben ist, wo wir erst in zehn Tagen ankommen werden.
Unsere Campingnachbarn nehmen Anteil an unserem Problem und wünschen uns viel Erfolg. Einer der Männer spricht uns darauf an, dass wir doch aus einem Ort kämen, wo eine berühmte Schokolade hergestellt würde. Tja, man sollte manchmal den Mund halten können. Wir treffen unseren Fahrzeugvermieter in Citrusdal, übernehmen ein neues Porta Potti, halten einen Schnack miteinander und brechen dann wieder auf: Herr Schäfer nach Cape Town, wir nach Clanwilliam zur Wildblumenblüte, die hier gefeiert wird wie ein Volksfest.
Geflaggt für die Frühjahrsblüher
Unterwegs kaufen wir an einem Stand einen Sack Clementinen und sind verblüfft, wie lecker diese Früchte schmecken können. Wie der Name sagt, wachsen in der Umgebung von Citrusdal alle Arten von Zitrusfrüchten. Kilometerweit fahren wir an Plantagen mit den erntereifen Früchten vorüber.
Ein Sack voller Clementinen kostet nur wenige Rand
In Clanwilliam werden die Samen endemischer Wildblumen gesammelt und auf Anfrage versandt. Die Pflanzen wachsen leider nur unter bestimmten Bedingungen, sonst würden wir ein paar Samen mit nach Hause bringen. In einem botanischen Garten präsentiert der Ort alle bekannten Wildblumen. Kleine Schildchen nennen ihre Namen, doch leider nur auf Afrikaans. Wir gucken und fotografieren uns schwindelig, bevor wir den Heimweg nach Algeria antreten.
Blauer Flachs
Ein Feld voller Blüten
Raketenprotea
Gazania Rigida (Butterblume)
Ein Meer von Blumen
Nadelkissenprotea
Köcherbäume
Früchte der Köcherbäume
Blutwurzel
Termiten schwärmen aus
„Hat es geklappt?“, fragt unsere Nachbarin und meint das neue Porta Potti. Ich halte den Daumen hoch. Zum Dessert bringe ich den vier Nachbarn je ein Ritter Sport Schokolädchen. Selbstverständlich nicht, ohne darüber zu informieren, wo Waldenbuch liegt.
freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201108. Okt. 2016 · #16
CuF schrieb:Hallo Freshy, ich bin ganz begeistert von Deinen Pflanzenaufnahmen! Danke! Gruß Friederike
Lieben Dank, Friederike! Ich hab' noch mehr davon. Dass sogar die passenden Bezeichnungen angegeben sind, ist Maddy, Bhekisisa und Biologe zu verdanken. Blumen fotografieren ist vergleichsweise einfach - wenn es nicht gerade stürmt. Üblicherweise halten sie still. Als Nächstes sind Tölpel dran, die ausgesprochen flott unterwegs sind.
Anbei noch eine einzelne Blüte, die ich in der Reihe vergessen habe: Taublume (Drosanthenum speciosum) Wir konnte ich dieses Wunderwerk der Natur nur vergessen!
@Zugvogel547 Beiträge · seit 201408. Okt. 2016 · #17
Hallo freshy
Toller Reisebericht mit super Fotos! Wir haben Ende August bis Mitte September dieses Jahres teilweise dieselben Orte wie ihr besucht (Skilpad, Cederberge, Augrabies, KTP mit Mabua) 🙂 . Bin gespannt, was ihr erlebt und gesehen habt. Vielleicht sind wir uns ja sogar mal "unbekannterweise" über den Weg gelaufen 😉 ?! Schön dass du dir die Zeit nimmst, diesen Bericht zu schreiben und hochzuladen.
Hanne6'152 Beiträge · seit 200609. Okt. 2016 · #18
hallo freshy, bin auch noch zugestiegen, toller Reisebericht gespickt mit wunderschönen Bildern, wir fahren die Strecke im Februar da wirds nicht so bunt aussehen, eben anderst aber sicher auch beeindruckend. Einen schönen Sonntag wünscht Hanne
8 x Südafrika,1x Zimbabwe, 22x Namibia, 4x Botswana, 1x Lesotho, 1 x Swasiland
Pascalinah2'772 Beiträge · seit 200609. Okt. 2016 · #19
Hallo Freshy,
danke für den unterhaltsamen, top bebilderten Bericht (ohne detaillierte Angabe wer wann was gegessen hat 😉 ). Wir sind vor 2 Jahren eine ähnliche Strecke gefahren und freuen uns immer wieder die Tour aus der Sicht anderer zu erleben. Ich freue mich schon auf weitere Passagen Deines Berichtes.
freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201109. Okt. 2016 · #20
Guten Morgen Stefanie, Hanne und Pascalina, vielen Dank für eure Lobesworte 🙂 . Ich hatte schon die Befürchtung, dass Blümchen das "Game" verwöhnte Forum nicht interessieren. @Stefanie: Ich bin gespannt, ob wir uns tatsächlich irgendwo hätten über den Weg laufen können. @Hanne: Im Februar wird die Tour mit Sicherheit anders aussehen. Aber jede Jahreszeit hat ihre eigenen Vorzüge. @Pascalinah: Ich vermute, unsere Schwerpunkte lagen auch deswegen anders, weil wir nicht in Lodges übernachtet haben.
Zur Abwechslung geht es jetzt mit Tölpeln weiter, bevor wir nach Nieuwoudtville und in den Namakwa NP weiterfahren.