Topobär schrieb:BerndW schrieb: In den ersten zwei Wandertagen in einem Park war er extrem angespannt und leise, er scannte förmlich die ganze Landschaft beim Wandern.
Leise zu sein ist in Bärengegenden genau das falsche. So kann es sein, dass man einem Bären plötzlich gegenüber steht und ihn überrascht. In Bärengegenden sollte man vielmehr besonders laut sein, damit der Bär einen rechtzeitig hört
... richtig.
und verschwinden kann. Aus diesem Grund haben in Kanada viele ein kleines Glöckchen am Rucksack.
... ein Bär ist in der Regel viel zu neugierig, um wirklich abzuhauen. Er wird sich in den meisten Fällen verstecken und einen beobachten. In Alaska und Canada gab es damals hin und wieder Schilder mit der sinngemäßen Aufschrift "Dass Du keinen Bären siehst, bedeutet nicht, dass keiner in der Nähe ist". Das ist aber auch kein Problem, denn Bären mögen vor allem nicht überrascht werden und sind normalerweise eher scheu. Das ändert sich allerdings, wenn sie von Touristen gefüttert werden oder Touristen so häufig sind, dass Bären sich daran gewöhnt haben.
Ich bin über 5.000 km alleine durch Alaska und Nordwest-Canada geradelt und wie das als Radler so ist (genau wie in Afrika), möchte man ja möglichst gar nicht so vielen großen Tieren begegnen, während Autotouristen oft gerade deswegen hinfahren. Irgendwann ist es halt doch passiert.
Hier meine erste Begegnung mit einem Schwarzbären:
Ich radelte eine leichte Steigung auf dem Alaska Highway (der damals noch teilweise eine kurvige zweispurige Landstraße war) hoch, als etwa 50 Meter vor mir ein Bär aus dem Gestrüpp auf die Straße trat. Ich blieb praktisch sofort stehen, indem ich zu treten aufhörte. Der Bär schlenderte fast bis zur Straßenmitte, bis er mich bemerkte und stehenblieb. Er schaute mich an und ich versuchte, mit langsamen Bewegungen die Kamera aus der Lenkertasche zu kramen. Nach endlosen Sekunden schlenderte der Bär scheinbar desinteressiert davon und verschwand auf der anderen Straßenseite im Gebüsch. Auf dem Foto sieht man gerade noch die letzten 20 cm seines Hinterteils im Gestrüpp verschwinden. 😉
Jetzt blieb ich erst einmal noch eine ganze Weile stehen und befolgte die schwachsinnigen Tipps, die sich durch alle Reiseführer ziehen. Lautes Rufen oder Pfeifen mit einer Trillerpfeife würde die Bären vertreiben, hieß es immer. Nach einigen Minuten Rufen und Pfeifen, während sich der Bär gefragt haben muss, mit welchem Volltrottel er es hier zu tun hat, fuhr ich weiter. Ich hatte in der einen Hand das entsicherte Pfefferspray, das ich dort gekauft hatte und fuhr sicherheitshalber auf der linken Fahrbahnseite, da der Bär rechts im Wald verschwand.
Als ich die Stelle passierte, an der der Bär im Wald verschwand, sah ich, dass er hinter dem ersten Busch saß und neugierig wissen wollte, wem er da begegnete. Die Fahrbahnbreite einer Landstraße trennte uns. Er sprang auf und flüchtete in den Wald. Der Bär hat sich kein bisschen um meinen Lärm gekümmert, sondern wollte wissen, wer oder was ich bin und er hatte genauso viel Angst vor mir wie ich vor ihm. Ab diesem Moment konnte ich die nächste Begegnung mit einem Bären kaum erwarten und ich hatte noch einige.
Gefährlich wird es dann, wenn man einem Bären sehr nahe kommt und er das nicht rechtzeitig merkt. Dann fühlt er sich evtl. bedroht und greift an.
Meine erste Erfahrung mit dem Pfefferspray:
Ich hatte das Spray in Alaska gekauft. Der Inhalt war etwa 500 ml und es hatte einen Handgriff mit Ring für ein oder zwei Finger, damit man es beim Verwenden nicht vor Schreck fallen lassen kann und eine Sicherung, damit es nicht versehentlich losgehen kann. Ich habe es damals gedankenlos ins Gepäck gepackt und mit nach Deutschland genommen.
Irgendwann kam ich auf die Idee, es mal zu testen, bin ins Badezimmer und habe das Fenster geöffnet. Das Spray hatte einen Strahl mit 6 Meter Reichweite und ich stand 2-2,5 Meter vom Fenster entfernt, als ich abdrückte. Ohne den Ring für die Finger wäre mir die Dose vor Schreck vermutlich weggeflogen. Da war ein Druck mit richtig Rückschlag drauf und ich habe sofort wieder losgelassen. Ein Teil des Pfeffersprays wurde durch (kaum vorhandenen) Wind zurückgeblasen oder durch die verrissene Dose gegen die Wand gesprüht oder was auch immer. Die Wirkung war heftig. Ich musste sofort aus dem Bad und habe die Tür hinter mir zugemacht und auch gleich noch die Wohnungstür und erst einmal verschnauft. Dann habe ich kräftig Luft geholt und habe in der Wohnung alle Türen und Fenster geöffnet, damit sich das Zeug verzieht. Danach haben erst einmal die Augen getränt. Nach einer halben Stunde konnte man die Wohnung langsam wieder betreten. Wer so ein Spray gegen einen Bären verwendet, der muss sich ziemlich sicher sein, dass die Windrichtung in dem Moment passt. Viel Glück. 😉
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...