EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200614. Dez. 2017 · #101
Tag 11 – 25. Juli 2017 – Hüterin der Schlange – Desolation Valley
Campsite am Elephant’s Head – Huab
Eigentlich dachten wir, in Namibia auf einer Campsite in der Wüste zu schlafen. Aber heute Morgen war alles außerhalb des Autos nass. Nicht einfach nur feucht, sondern triefend. Der Fotoapparat, den wir für die nächtlichen Sternenaufnahmen draußen stehen hatten, war voller Tropfen, auf Tisch und Stühlen hatten sich kleine Pfützen gebildet, und die Handtücher, die wir an einen Baum gehängt hatten, waren wie gerade aus der Waschmaschine gezogen. Noch mehr als sonst freuten wir uns auf die ersten wärmenden Sonnenstrahlen und stellten alles zum Trocknen auf. Auf unserem Gaskocher versuchten wir, für alle Mann eine große Kanne Wasser zum Kochen zu bringen. Das war aber ein unmögliches Unterfangen. Es dauerte ewig, bis das Wasser annähernd heiß war, obwohl wir versuchten, den Wind abzuschirmen.
Trotzdem ließen wir uns den Spaß nicht verderben. Wir frühstückten gemütlich mit Brötchen und Müsli und hörten immer wieder die Rufe der Rüppeltrappen. Dann machten wir eine kleine Wanderung um den Berg, an dessen Fuß wir campierten. Der Campattendent, dessen Namen wir uns leider nicht gemerkt hatten, begleitete uns zunächst zum namensgebenden Elefantenfelsen.
Er war sichtlich erfreut über die Abwechslung. Seit zwei Wochen sei schon niemand mehr bei ihm zu Besuch gewesen. Manchmal sei es schon recht einsam, aber er sei hier glücklich. Auf die Frage, wie lange er diesen Job noch machen wolle, entgegnete er: Wer weiß, vielleicht einen Monat, ein Jahr, sein ganzes Leben lang … . (Ruth überlegt auf Grund des ganz normalen Schulwahnsinns vor Weihnachten, aktuell mit ihm zu tauschen. Spätestens zum nächsten Samstag und zum nächsten Heimspiel wird sie aber wahrscheinlich wieder eine ganz andere Meinung haben.) Vom Elephant’s Head aus liefen wir den sandigen Weg bergauf, den wir vor vier Jahren nicht mehr mit dem Auto hinaufgekommen waren, nachdem wir leichtsinnigerweise in den Kessel hinabgefahren waren. Wir hatten damals lange überlegt und einige Steine als Rampe schleppen müssen, um uns aus der dummen Situation zu befreien. Die naheliegendste Idee, ordentlich Luft aus den Reifen zu lassen, war uns damals gar nicht gekommen. Uwe hätte es zu gerne noch einmal mit weniger Luftdruck probiert, aber Ruth war skeptisch, dass man die steile Anfahrt auf diese Weise bewältigen würde. So war sie nicht traurig, dass die Zufahrt inzwischen gesperrt war, was wohl darauf schließen lässt, dass sich an dieser Stelle noch weitere Touristen so dämlich angestellt hatten wie wir. Wir umrundeten den Hügel, entdeckten ein paar Agamen und Geckos und freuten uns fast alle über den kleinen Spaziergang.
Auch hier sollen zwei Elefanten im Felsen stehen.
Bergschmätzer
Uwe, der Zeitwächter, mahnte, sich nicht zu vertüddeln. Wir müssten noch die verlorenen Kilometer von gestern bis zum Rhino Ugab Camp aufholen. Trotzdem kletterten wir zu fünft unter der Führung des Campattendents auf den kleinen Berg und erlebten eine tolle Aussicht über die Ebene. Wahrscheinlich hätten wir den Aufstieg auch alleine bewältigt, aber mit Begleitung mussten wir nicht lange nach einem geeigneten Weg suchen.
Erkennt ihr das Gesicht?
Während Michael und Annette erfahren im Bergsteigen wie die Gazellen vorwegsprangen, war der steile Abstieg für uns schon eine kleine Herausforderung. Kurz bevor wir wieder zurück an der Campsite waren, entdeckten wir eine Schlange zwischen den Felsen. Sie war ca. 1,50 Meter lang und sehr dünn.
Unser Führer erklärte uns, dass sie nicht giftig sei, sammelte aber dennoch ein paar große Steine. Ruth war alarmiert. Was er denn mit den Steinen wolle. Die Schlange müsse getötet werden. Ruths Mine war ziemlich eindeutig. Nein! Das geht nicht. Unter gar keinen Umständen. Die Schlange sei wunderschön, und überhaupt hätten wir erst ganz selten mal eine zu Gesicht bekommen. Ob es an Ruths Lehrerinnenblick lag, oder ob sie ihn durch ihr ständiges Mantra: „Stopp! Nein! Auf keinen Fall!“ ins Koma gelullt hatte, blieb unklar, aber er ließ schließlich die Steine fallen, war jedoch alles andere als begeistert. Wir folgten dem Reptil in einigem Abstand, als es sich geschickt über die Steine bewegte.
Die Schlange war ein wenig dunkler gefärbt als diejenige, die wir vor ein paar Tagen im Namib-Naukluft-Park gesehen hatten, erschien uns aber dennoch ähnlich. Als wir uns endlich von ihr losreißen konnten und zum Auto zurück wollten, hatte unser Campattendent doch tatsächlich schon wieder ein paar Felsbrocken in der Hand. Also begann das Spielchen von Neuem. Nur eine tote Schlange sei eine gute Schlange. Nein! Doch! Nein! Doch! Ruth weigerte sich, die Schlange ihrem Schicksal zu überlassen und schüttelte so lange energisch den Kopf, bis unser Guide kapitulierte und sich endgültig an den Abstieg machte. Sieg für Ruth und die Schlange! Zumindest für heute. Wir packten alle Sachen zusammen, und Uwe half noch, die defekte Wasserleitung an unserem Stellplatz zu reparieren. Michael hatte zuvor gemerkt, dass eine Schlauchschelle an einem Verbindungsstück verrutscht war. Deswegen waren bereits zig Liter Wasser in den Sand gelaufen, nachdem man uns die Leitung für die Duschen geöffnet hatte.
Dann bezahlten wir unsere Rechnung und gaben dem Campattendent noch etwas Geld für seine Begleitung bei der Wanderung.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200614. Dez. 2017 · #102
Es war schon nach elf Uhr, als wir aufbrachen. Wir fuhren ca. 60 Kilometer Richtung Norden zum Ugab. Die Landschaft wechselte zu dunklen Steinformationen. Die Aussicht war toll.
Die letzten Kilometer vor dem Rhino Ugab Camp waren steinig und eine gute Einstimmung auf die weitere Strecke nördlich des Ugab.
Im Camp machten wir eine kurze Pause und begaben uns dann auf die Etappe hinauf auf das Hochplateau. Etwas anspruchsvoller waren zwei Passagen, bei denen wir steil bergauf fahren mussten. Mit Untersetzung und ganz langsam meisterten wir aber ohne Schwierigkeiten diese Stellen. Besonders Michael als 4x4-Neuling wurde gefordert, zumal die Autos bisweilen nur auf drei Rädern fuhren.
Oben angekommen machten wir eine größere Pause und picknickten.
Dann richteten wir uns nach Westen und fuhren an der Quelle von Gai-As vorbei. Dort gab es Wasser und einige Steinhäuschen.
Zahlreiche Tierspuren zeugten davon, dass die kleine Wasserstelle häufig von Wild frequentiert wird. An einem nahegelegenen Felsen war außerdem eine Kamera montiert. Zu gerne hätten wir einen Blick auf die Aufnahmen geworfen.
Unser Ziel war das Flussbett des Huab. Die Strecke dorthin zog sich sehr, war aber landschaftlich besonders reizvoll und ausgesprochen schön.
Wir fuhren über Stock und Stein und erreichten gegen 17.00 Uhr die westlichen Ausläufer des Huab-Trockenflusses. Zum Glück zeigte das GPS bald einen Picknickplatz. Da wir keine Lust bzw. Zeit mehr hatten, weiter zu suchen, blieben wir dort und richteten uns ein.
Anfangs war es ziemlich zugig und kühl, denn es blies ein starker Wind, der zum Glück später nachlies. Auf einem großen Feuer kochten wir Blumenkohl, Möhren und Broccoli im Potije und grillten ein paar Oryx-Steaks. Wieder hatten wir eine lange Fahretappe hinter uns gebracht. Die Landschaften, die wir durchfuhren, waren atemberaubend schön. Uns war nicht eine Minute langweilig.
franzicke2'085 Beiträge · seit 201214. Dez. 2017 · #103
Guten Morgen Muckels, bei euch geht's ja gleich ziemlich abenteuerlich los - und mit wunderschönen Eindrücken von einer mir völlig unbekannten Ecke. Ich bin ja gern mal ein bisschen faulig, wenn man tagelang im Auto festsitzt und so gar keine Bewegung hat, aber ich sehe schon andere machen das anders 😎 Liebe Grüße und ein Zwischendurch-Danke Ingrid
Daxiang5'050 Beiträge · seit 201414. Dez. 2017 · #104
Unser Führer erklärte uns, dass sie nicht giftig sei, sammelte aber dennoch ein paar große Steine. Ruth war alarmiert. Was er denn mit den Steinen wolle. Die Schlange müsse getötet werden. Ruths Mine war ziemlich eindeutig. Nein! Das geht nicht. Unter gar keinen Umständen. Die Schlange sei wunderschön, und überhaupt hätten wir erst ganz selten mal eine zu Gesicht bekommen. Ob es an Ruths Lehrerinnenblick lag, oder ob sie ihn durch ihr ständiges Mantra: „Stopp! Nein! Auf keinen Fall!“ ins Koma gelullt hatte, blieb unklar, aber er ließ schließlich die Steine fallen, war jedoch alles andere als begeistert.
Hallo ihr Zwei,
ich wollte mich nicht nur für den Bericht und die tollen Bilder (hatte auch nichts anderes erwartet) bedanken, sondern auch für die Schlangenrettung! Es ist schon schlimm genug, wenn Giftschlangen getötet werden - aber eine harmlose Sandrennnatter geht ja wohl gar nicht!
Anita40875 Beiträge · seit 200814. Dez. 2017 · #106
danke an ruth, dass sie diese schlange erst einmal retten konnte. ich finde es immer ganz schlimm, dass man diese wunderschönen und durchaus nützlichen tiere immer gleich "tod machen" will. wir haben uns angewöhnt, immer gleich eine buch zu zücken und die schlange auf einem bild zu zeigen und zu erklären ob diese giftig ist oder nicht. und vor allen dingen, wofür sie gut ist zu erklären. leider hilft das nicht immer bei der einsicht.
danke an uwe, für die unterstützung beim reparieren der wasserleitung. soviel wasser was oft bei den campsites unnötig gemorscht wird, bringt uns oft zur verzweifelung. anette und ihr leatherman haben da oft schon gute hilfestellung gegeben
diese tour ist immer wieder sooooooo schön. wir sind diese strecke schon mehrfach gefahren und haben tolle erlebnisse gehabt. danke für die superfotos und die erzählung eurer reise. lg anita
Hi Eulenmuckels, Gottseidank seid ihr weitergefahren und zeigt uns die phantastischen Landschaften. Fotomatte ist ja in den Streik getreten und lässt uns alle bis zum Wochenende schmoren 😉 . Schade, dass Dieter und ich schon zu betagt -Quatsch zu bejahrt - sind, um uns noch in solche Abenteuer zu stürzen. Deshalb bin ich so dankbar, dass ich mich in so manchen Bushcamper schmuggeln konnte, um doch dabei zu sein. 🤪 LG von einem treuen Borussenfan Ute
Champagner8'701 Beiträge · seit 201014. Dez. 2017 · #108
Guten Abend meine Lieben,
genau so soll es sein: morgens aufstehen, Kaffee machen und dann zwei Kapitel von euch vorfinden! Und schon ist der Start in den Tag gelungen 🙂 😘 ! (Zum Schreiben hat's dann heute früh allerdings nicht mehr gereicht, weil kurz mal eben die Welt untergegangen ist und ich drei nasse und vom Gewittersturm traumatisierte Katzen einsammeln und trösten musste 🙄 .)
Tolle Landschaften und ebensolche Fotos davon zeigt Ihr - und nett, eure Freunde mal wieder zu sehen, ist ja schon ne Weile her seit Rundu 😉 .
Natürlich gings auch nicht ohne ein bisschen Lachen ab - zuerst die Vorstellung, wie Ruth mit dem Schlangenfeind "redet", und dann Uwe, der Allesheilmacher 😄 !
Ich hoffe, es geht etwas weniger zögerlich voran - das Wochenende steht ja nun quasi vor der Tür!
Liebe Grüße und einen schönen (Schreib?)Abend wünscht Bele
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200615. Dez. 2017 · #109
@Ingrid: Die Bergwanderung war eine schöne Abwechslung, hat uns zeitlich aber ein bisschen zurückgeworfen.
@Konni: Deshalb hat sich Ruth auch so für die Schlange eingesetzt. Sie konnte ja niemandem gefährlich werden (die Schlange).
@Annick: Herzlich willkommen!
@Anita: Die Idee mit dem Buch ist gut. Aber da wir schon kiloweise Vogelbücher mitschleppen, ist für einen Schlangenführer vermutlich kein Platz mehr. Außerdem sind die Schlangen sonst eh immer schon verschwunden, wenn wir vorbeikommen. Um das Wasser hat es uns auch Leid getan.
@Ute: Als Dortmund-Fan nehmen wir dich natürlich besonders gerne in unserem Bushcamper mit. 😉
@Bele: "weniger zögerlich"!? Ich verzichte schon auf Schlaf, nur um die immer unverschämter werdenden Ansprüche hier zu bedienen. 😉 Aber wir müssen dich leider enttäuschen. Die nächste Etappe ist erst halb fertig. Ruth muss sie noch ein wenig salzen.
Champagner8'701 Beiträge · seit 201015. Dez. 2017 · #110
Eulenmuckel schrieb: @Bele: "weniger zögerlich"!? Ich verzichte schon auf Schlaf, nur um die immer unverschämter werdenden Ansprüche hier zu bedienen. 😉 Liebe Grüße Uwe
Ich sag nix mehr 😊 😕 - außer: ein schönes und erholsames Wochenende mit viel Schlaf wünsche ich Euch 😘 !
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200615. Dez. 2017 · #111
Liebe Bele,
Ich sag nix mehr
Bitte nicht! Das wäre sehr schade. Sei mal nicht allzu zerknirscht. Wir freuen uns ja sehr über deine Begleitung. Aber zurzeit geht es leider nicht schneller. Heute oder spätestens morgen geht es aber weiter.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200615. Dez. 2017 · #112
Tag 12 – 26. Juli 2017 – Sackgasse im Huab und kleine Planänderung
Huab – Bambatsi
Was für ein Tag. Wir standen nicht allzu spät auf. Leider befanden wir uns mit unserem Bushcamp im Schatten eines kleinen Berges. Dennoch war es nicht kalt, und wir entschieden, zunächst lediglich Kaffee zu trinken und später zu frühstücken, wenn wir bereits einen Teil der unbekannten Wegstrecke bewältigt hätten. Uwe sammelte Stöckchen für den Kelly Wasserkocher.
Zum Kaffee bzw. Tee gab es nur ein paar trockene Rusks. Wenn man diese in das heiße Getränk tunkt, schmeckten sie sogar ganz gut. Wir packten unser Lager zusammen, und obwohl wir eigentlich früh los wollten, war es schon halb neun, bis wir uns endlich auf den Weg machten.
Zunächst führte die Strecke nördlich des Flussbettes entlang. Es ging hügelauf und -ab auf ziemlich steiniger, holpriger Pad. Manchmal sahen wir das grüne Band des Huab, welches sich zwischen den Bergen dahinschlängelte, manchmal fuhren wir im Flussbett, dann wieder über ein etwas höher gelegenes, felsiges Plateau. Nach jeder Biegung und hinter jeder Kuppe öffnete sich ein neuer Blick. Die Landschaft war fantastisch. Genau diese Stellen sind es, die Namibia so einzigartig machen.
Nach wenigen Kilometern kamen wir zu einem Aussichtspunkt. Michael, mittlerweile ganz Offroad-Profi, steuerte den Hilux gekonnt die ziemlich steile, steinige Auffahrt auf den kleinen Hügel hinauf. Wir machten große Augen, als wir sahen, wie die Reifen durchdrehten und die Steine unter dem Auto hinausspritzten. Ruth entschied sehr schnell, dass man das Hügelchen auch hinauflaufen könne. So parkten wir unser Auto unten und kraxelten die Zufahrt hinauf. Hier oben wehte ein kräftiger Wind.
Uwe bereute es ein wenig, von unserem Auto nicht auch ein Foto am Abgrund zu haben.
Der eigentlich auf unserem GPS markierte Aussichtspunkt lag aber noch einen guten Kilometer entfernt. Da wir ja so ausgesprochen gut in der Zeit lagen, marschierte Ruth auch gleich los. Der Zeitwächter konnte nur den Kopf schütteln und in sein Auto steigen. Er sollte sich wohl verstärkt Gedanken über seine Autorität machen, war vielleicht aber auch einfach froh, seine Ruhe zu haben. Außerdem muss ja irgendjemand seine Fahrt in dieser grandiosen Landschaft dokumentieren.
Die Aussicht über das grüne Huab-Tal war einfach nicht zu toppen. Im Flussbett raschelte hohes Schilf im Wind, was sich fast so anhörte, als fließe tatsächlich Wasser. In einiger Entfernung sahen wir noch einige größere Tümpel stehen. Tiere waren allerdings keine zu erkennen. Wir waren ganz beeindruckt von dem Ausblick. Jeder suchte sich ein Plätzchen und schaute gebannt ins Tal.
Die Magie des Augenblicks lässt sich mit Worten nicht ansatzweise beschreiben. Dieser Ort war einfach der Knüller.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200615. Dez. 2017 · #113
Als wir uns endlich losreißen konnten und der Zeitwächter auf die vor uns liegende Strecke verwies, eröffnete uns Annette, dass sie die Idee von Ruth, einfach ein Stück zu Fuß zu laufen, großartig fände. Was sein muss, muss sein. Gleiches Recht für alle!
Von nun an führte der weitere Weg bergab ins Huab-Tal.
Er war sehr rumpelig, und wir wurden in unserem Auto ganz arg hin und her gerüttelt. Schließlich endete die Spur für uns in einer Wasserdurchfahrt. Sie führte für etwa zehn Meter durch Wasser mit sehr matschigem Untergrund. Als Ruth versuchte hindurch zu waten, kam sie keine zwei Schritte weit und verlor dabei fast ihren rechten Croc.
Das GPS zeigte zu allem Überfluss den Wegpunkt „Huab river crossing (difficult to impossible)“. Na großartig! Hatten wir doch glatt übersehen bei unserer Planung. Heute war der Fall klar: Es war nicht difficult, sondern impossible. An dieser Stelle war kein Durchkommen, weder zu Fuß, noch mit den Autos. Selbst wenn es irgendwie geklappt hätte, hätten vielleicht noch weitere derartige Problemstellen auf uns gewartet. Leider gab es auch keine Umfahrungen. So war hier nach nur 14 km der geplanten Tagesetappe erst mal Schluss. Wir konsultierten die Karten.
Große Ratlosigkeit war angesagt. Wir hätten zurück fahren und dann auf der östlichen Huab-Seite nach Norden fahren können. Aber auch diese Route erschien und nicht sicher/ trocken genug. Oder doch die Schlammquerung wagen? Michael hätte wohl zu gerne einmal die Winch ausprobiert. Die Aussicht auf Erfolg war bei dieser Möglichkeit allerdings sehr gering. Schließlich entschieden wir uns, zwar auch bis fast zu unserem Übernachtungsplatz zurückzufahren, dann aber die westliche Route in großem Bogen nach Norden zur C39 zu nehmen. Dies war zwar ein großer Umweg von etwas über 90 km, barg aber die wenigsten Risiken. Auch wenn der Zeitwächter schon hektische, rote Flecken im Gesicht bekam – es war schließlich schon beinahe halb zwölf –, bissen wir in den sauren Apfel und machten uns in Ermangelung weiterer Alternativen auf den Rückweg.
Im Nachhinein war dies für uns die richtige Entscheidung. Die Strecke führte überwiegend bergauf durch Steinfelder – große, grobe, runde, eckige Steine, Geröll, Schotter und Sand, rot, braun, schwarz, anthrazit, grau, beige und kupfer.
Gut anderthalb Stunden waren wir so recht zügig unterwegs, nur von kurzen Fotostopps unterbrochen.
In dieser kargen Landschaft rechneten wir eigentlich nicht mit Tieren. Umso überraschter waren wir, als wir plötzlich einige Zebras erblickten. Die Tiere flüchteten sofort. Die hohe Anzahl grüner Büsche ließ auf vorhandene Feuchtigkeit im Boden schließen. Zu unserer großen Freude meldete Hanna von vorne: Nashorn! Und tatsächlich entdeckten wir bald darauf neben einem Baum ein einzelnes Rhino. Es schnaubte und entfernte sich ebenfalls rasch von uns. Dabei markierte es mehrmals die Umgebung. Um es vor Wilderern zu schützen, war sein Horn bereits gekürzt worden, mittlerweile aber wieder nachgewachsen.
Wir freuten uns sehr über diese besondere Sichtung. Der Umweg hatte sich also gelohnt. Nachdem das Rhino über den angrenzenden Hügel verschwunden war, stiegen wir aus dem Auto und erkundeten ein wenig die Gegend. Wir stellten fest, dass in einer Vertiefung nahe der Felsen tatsächlich noch ein paar kleinere Wasservorkommen lagerten. Zahlreiche kleinere Vögel flatterten herum und stillten ihren Durst.
Lerchenammer
Da das Gelände durch die vielen dichten, grünen Büsche recht unübersichtlich war, war uns ein wenig unbehaglich zu Mute. Die Wasserstelle war offensichtlich eine beliebte Anlaufstelle für verschiedenstes Wild. Wir wollten bei unserem Spaziergang nicht aus Versehen über ein zweites Rhino oder ein schlafendes Leopardenkind (;-)) im Geheimversteck stolpern. Deswegen sahen wir uns immer wieder in alle Richtungen um und kehrten bald zum Auto zurück. Kurz bevor wir wieder einstiegen, entdeckte Ruth diese Grille, oder war es eine Heuschrecke? Lieber Herr Professor hilf, was ist da eigentlich gleich der Unterschied?!
Auf den letzten Kilometern der 4x4-Strecke sahen wir noch mehr Zebras und ein paar Giraffen. Ein paar Kilometer vor der Hauptstraße machten wir eine längere Rast. Da es weit über dreißig Grad, aber keinen einzigen schattenspendenden Baum in der Nähe hatte, spannten wir die Markise auf und stellten unseren Tisch darunter. Es war mittlerweile Viertel nach drei, und unsere Pause ging wohl nicht mehr ganz als Frühstück durch. Trotzdem war die Laune gut.
Wir machten einen Avocado-Salat mit Thunfisch und Mais. Nach der anstrengenden Fahrerei des bisherigen Tages genossen alle die kleine Auszeit. Ein Stück entfernt saßen drei Schildraben auf einem Bäumlein und bekrächzten, ob wohl auch etwas von unserem Picknick für sie abfallen würde. Immer mal wieder flog einer von ihnen auf und drehte ein Ründchen über unseren Köpfen. Nichts! Keine Avocadoschale, kein Nüsslein, kein Brotkanten. Da sind wir eisern, geiziges Pack aber auch. 😉 Als es weiterging, kreuzten zwei Schakale eilig unseren Weg,
bevor wir nach vielen Kilometern auf Allrad-Strecken die C39 erreichten und Richtung Osten fuhren. Zu Beginn sahen wir hier mehrfach ein paar Giraffen und Strauße in einiger Entfernung neben der Straße. Wir hielten nur kurz, denn das Zeitmännlein fand Giraffen in der Senke ohne Beine und Bauch, noch dazu weit weg, nur mäßig spannend. Außerdem hatte es ja auch wirklich Recht. Da wir aus unerklärlichen Gründen bereits mächtig spät dran waren, mussten wir uns wieder mal beeilen. Mit den maximal erlaubten 80 Stundenkilometern galoppierten wir über Berge und durch Täler. Unsere Fahrt hatte ein wenig etwas von einer Achterbahnfahrt, war nur sehr viel langsamer.
Wir machten uns ein wenig Sorgen um die Belastbarkeit unserer drei Begleiter, da wir diese mit unserer heutigen Etappe – wieder mal – ganz schön forderten. Anscheinend umsonst, denn als sie auf der C39 die Führung übernahmen, war bald nichts mehr außer einer langen Staubfahne von ihnen zu sehen.
Die Strecke zog sich dahin, war aber trotzdem landschaftlich sehr schön und abwechslungsreich.
Einmal hielten wir noch kurz an, um mit einer Flasche Wasser auszuhelfen.
Eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang erreichten wir Khorixas. Während Michael, Annette und Hanna tankten und noch in den Supermarkt gingen, fuhren wir die letzten 60 Kilometer auf der Teerstraße zur Bambatsi Gästefarm voraus. Wir checkten ein und warteten bei einem Sundowner auf der Zufahrt zum Campingplatz auf unsere Freunde. Endlich hatte der Zeitwächter Feierabend.
Als sie eintrafen, war es bereits stockdunkel, und wir parkten die Autos. Nachdem der Donkey befeuert war, dauerte es nicht mehr lange, bis wir alle mit warmem Wasser duschen konnten. Nach der Nacht am Elefantenkopf und im Huab war dies eine wahre Wohltat. Zum Glück war der Abend angenehm warm, so konnten wir gemütlich das Abendessen zubereiten. Wir grillten Oryx-Steaks und aßen dazu Folienkartoffeln. Lange saßen wir noch um unser großes Feuer zusammen. Aus verschiedenen Richtungen ertönte immer wieder der zirpende Ruf von mehreren African Scops Owls.
Champagner8'701 Beiträge · seit 201015. Dez. 2017 · #114
Hallo Muckels,
pädagogisch wertvoll war das ja nun nicht unbedingt, so schnell auf mein Genöhle zu reagieren 😎 - aber ich bin natürlich froh, dass der Riesenzaunpfahl seine Wirkung getan hat! 😄 Wie Ihr merkt, lauere ich hier nämlich schon eine ganze Weile 🤪 .
Eulenmuckel schrieb: Der eigentlich auf unserem GPS markierte Aussichtspunkt lag aber noch einen guten Kilometer entfernt. Da wir ja so ausgesprochen gut in der Zeit lagen, marschierte Ruth auch gleich los. Der Zeitwächter konnte nur den Kopf schütteln und in sein Auto steigen. Er sollte sich wohl verstärkt Gedanken über seine Autorität machen, war vielleicht aber auch einfach froh, seine Ruhe zu haben. Außerdem muss ja irgendjemand seine Fahrt in dieser grandiosen Landschaft dokumentieren.
😄 😄 😄
Määähhhh 🙁 😠 - und für uns blieb dann nur noch so ein enges Tal mit farblosem Sand und Geröll ! 🤩
Tolle Landschaftsfotos - und wenn der erste zitierte Absatz das erwähnte Salz ist, dann soll Ruth mal kräftig weiter würzen - ich hab soooo gelacht 😘 !
fotomatte2'519 Beiträge · seit 200915. Dez. 2017 · #115
Werter Zeitwächter,
das fragliche Insekt ist natürlich keine Grille, sondern eine Schrecke. Hierzulande würde ich sie bei den Ödlandschrecken suchen, vermutlich gibt es in Namibia aber sehr viel mehr Arten. Von Insekten habe ich aber (noch) keine Literatur. Bombastische Landschaften habt ihr da sehen dürfen.
casimodo4'529 Beiträge · seit 200715. Dez. 2017 · #116
Hi Ruth und Uwe,
ich komme ja hier überall gar nicht mehr hinterher 🙄
Die Magie des Augenblicks lässt sich mit Worten nicht ansatzweise beschreiben. Dieser Ort war einfach der Knüller.
Selbst auf dem Foto kann man die "Magie des Ortes" nachempfinden. In echt muss das ja der Klopper gewesen sein. Ganz phantastische Landschaften zeigt Ihr uns da mal wieder 😎 DIe Gegend dort würde mich auch mal reizen....
elotse191 Beiträge · seit 201616. Dez. 2017 · #117
Hallo Muckels, ihr haltet mich ja ganz schön auf Trab. Mit der Karte alleine schaff ich es überhaupt nicht euch zu folgen. Erst mit der T4A Version auf dem PC finde ich eure Spuren. 🙂 Unglaublich wo ihr rum kurvt, ihr eröffnet mir immer wieder neue Aussichten, fantastische Landschaften, kleines und großes Getier, einfach super. Mich würde mal interessieren wie viel Wagen euch an dem Tag begegnet sind (0,1 oder 2..) Was wäre bei einer Panne, steht dann als Notfallplan Übernachtung im Nirgendwo an?
Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung "meiner" besser eurer Entdeckungstour, gerne reise ich mit 😎
Liebe Grüße Klaus
Carpe diem
Hier findest Du mehr zu meinen Aktivitäten:
www.kk4you.de - In dem Blog berichte ich zu den Themen: Reisen, mit dem Schwerpunkt Griechenland, Segeln, Outdoor Aktivitäten und den Dingen die mich sonst bewegen.
wie witzig, wir sind am 2.10. auch die Strecke vom Ugab nach Twyfelfontain gefahren, allerdings ohne Euren Abstecher nach Westen. 😛 Ich glaube, wir haben Euer Rhino auch getroffen!!!
Liebe Grüße und vielen Dank für Euren wie immer genialen Reisebericht!
franzicke2'085 Beiträge · seit 201216. Dez. 2017 · #119
Liebe Ruth und lieber Uwe, das ist ja unsäglich schön bei euch - wenn auch gleich mal bisschen ZigZag ... das muss ich mir auch unbedingt mal auf der geliebten großen T4A-Papierkarte anschauen. Und das Rhino ist ja überhaupt die Krönung. Begeisterte Grüße Ingrid
Auch wenn ich zwischendurch den Anschluss verloren habe, ich habe aufgeholt und bin nachwievor dabei.
Besonders erwähnen möchte ich die Schlangenrettung von Ruth! Ich liebe Schlangen und kann nicht verstehen, wie man eine ungiftige Schlange töten will. Ich hab schon kein Verständnis für die Amis, die über jede Klapperschlange drüber fahren, aber eine ungiftige *kopfschüttel*