endlich ist es so weit. Nachdem schon Zaunpfosten in aller Öffentlichkeit den Besitzer wechseln und bevor noch jemand eine Zerrung oder einen Tennisarm vor Überanstrengung bekommt, ergeben wir uns. Gerne versuchen wir, euch mit einem weiteren Reisebericht durch den dunklen Winter zu bringen und wollen mit euch zusammen ein wenig von Afrika träumen.
Prolog
Ein Jahr ist vorbei, wir waren in den letzten Sommerferien wieder im südlichen Afrika unterwegs, und nun schreiben wir hier unseren Reisebericht. Soweit klingt es nach Alle-Jahre-wieder, denn wie immer haben wir viel erlebt und entdeckt. Aber diesmal war manches für uns besonders. Bis auf die erste Woche hatten wir immer nette Begleitung. Eine gute Freundin mit Tochter und Lebensgefährten, für den es die erste Afrikareise war, fuhren mit uns ein Stück durch Namibia. Sie hatten sich erst spät entschlossen und sich daher an die von uns bereits geplante Route angehängt. Wir hatten eine schöne gemeinsame Zeit, auch wenn die Route im Nachhinein betrachtet vielleicht etwas zu ambitioniert für mehr oder weniger Einsteiger war. Die zweite Hälfte unserer Reise hatten wir zusammen mit Bele und Matthias geplant. Aus einer flapsigen Bemerkung unsererseits im März 2016 in Matthias‘ Reisebericht wurde innerhalb von einer Woche mit vielen E-Mails eine komplette Tourplanung. Die Route durch das Kaokoveld und über den Caprivi nach Botswana war ziemlich perfekt, und auch wenn nicht alles nach Plan lief, hatten wir jede Menge Spaß miteinander. Weder Landschaften noch Tiere kamen zu kurz. Ein besonderer Schwerpunkt lag beim Entdecken, Bestimmen und Fotografieren von Vögeln, daher trug die Reise auch den Arbeitstitel „Orni-Special-Tour“. Matthias ist ein passionierter Birder und beeindruckte uns täglich mit seinem Wissen. Auch Bele pirschte eifrig mit und war eine große Bereicherung für unsere Truppe. Sie ist einfach ein Schatz. Vieles von diesem Teil unserer Reise kennt ihr bereits aus den beiden Reiseberichten unserer Freunde. Wir machen uns schon ein paar Gedanken, ob ihr die gleiche Route nun auch noch ein drittes Mal ertragt.
Bevor ihr uns also bereits beim Vorspann einschlaft, verraten wir euch, was euch in den kommenden Wochen erwartet:
– Es gibt einen elektrischen Schlag. – Wir sind gefangen. – Wir rennen vor einer Schlange davon. – Der Huab entpuppt sich als Sackgasse. – Löwen jagen Zebras. – Uwe spielt mit dem Feuer. – Staub, Sand und Steine in den Trockenflusstälern des Nordwesten – Birder-Wünsche erfüllen sich. – Nächtliche Wasserdurchfahrten für Anfänger – Wildhunde am laufenden Band
Und für die Freunde des Dramatischen gibt es auch eine Episode über einen goldenen Ring. Falls ihr jetzt nicht neugierig seid, müssen wir die einzelnen Punkte nochmal etwas reißerischer formulieren. 😉
Ein kleines Fazit vorab: Auch wenn wir schon oft im südlichen Afrika unterwegs waren und daher etwas Übung mit einigen Abläufen haben, empfinden wir es niemals als Routine, dort unterwegs zu sein. Es ist ein Privileg und jedes Mal anders. Gerade die Erfahrung bewirkt, dass wir die Zeit vollends genießen können – besonders zusammen mit netten Menschen.
Hier sind die gefahrene Route sowie die Stationen:
Wir freuen uns über eure Begleitung und eure Anmerkungen. Wer den Reisebericht ohne Kommentare lesen möchte, klickt auf die Sonne oben rechts.
Liebe Grüße Uwe und Ruth
Teil 226. Nov. 2017
Teil 1 – Anreise und eine ruhige Woche allein
Tag 0 – Freitag, 14. Juli 2017 – Hier fängt die Reise an.
Das ganze Jahr freuen wir uns auf den kommenden Afrika-Urlaub, und die letzten Tage vor der Abreise vergehen dann ziemlich schnell. So fühlt es sich doch immer etwas stressig an, bis alles zu Hause parat ist und alle Sachen in den Taschen verstaut sind. Aber da wir ja nicht zum ersten Mal ins südliche Afrika aufbrechen, wissen wir schon, was wir mitnehmen müssen. In den drei Reisetaschen war sogar noch etwas Luft, als Ruths Vater uns pünktlich abholte und zum Bahnhof nach Siegburg brachte. Sogar Ruths Schwester kam noch mit unserem Neffen, um uns am Gleis zu verabschieden. Jan hatte sein Namibia-T-Shirt an, das wir ihm letztes Jahr mitgebracht hatten. Eigentlich hätten wir ihn gleich mitnehmen können. Zumindest versuchte er, uns beim Taschen-Tragen zu helfen.
Der ICE war wie erwartet superschnell in Frankfurt, und noch am Bahnhof trafen wir unsere Freunde Sarah und Philipp, die heute ebenfalls nach Afrika aufbrechen. Leider werden wir dort keine gemeinsame Zeit verbringen, da die beiden nach Johannesburg fliegen und dann eine völlig andere Route fahren als wir. Wir checkten für unseren Air Namibia Flug ein und saßen mit den beiden noch ein wenig bei McDonalds. Eigentlich hatten wir sie mit in die Sky-Lounge nehmen wollen, aber das ging leider nicht, da sie nicht mit uns zusammen flogen. So wünschten wir uns gegenseitig schöne Reisen, und wir gingen noch für eine Stunde alleine in die Lounge. Nach dem Aufruf begann das Boarding, und wir hoben pünktlich ab. Der Flug war unbequem, aber erträglich.
Teil 326. Nov. 2017
Tag 1 – Samstag, 15. Juli 2017 – Auto, Einkauf usw.
Casa Piccolo, Windhoek
Mit Nackenschmerzen landeten wir bei fünf Grad und Dunkelheit auf dem Hosea Kutako Airport. Am Einreiseschalter gehörten wir zu den ersten, aber auf unser Gepäck mussten wir lange warten.
Der Fahrer von Savanna wartete schon auf uns und brachte uns in die Stadt. Bei der Autovermietung bekamen wir einen fast neuen Bushcamper mit neuem Oryx-Camper-Aufbau. Dieser ist wieder ein wenig anders als die Alucab-Aufbauten, mit denen wir in den letzten Jahren unterwegs waren. Im Prinzip ist er gegenüber den Alucab-Bushcampern gespiegelt. Alles ist wie immer sehr durchdacht und macht einen robusten Eindruck. Als wir fast mit der Fahrzeugübernahme fertig waren, traf auch unsere Freundin Annette mit ihrer Tochter Hanna ein. Sie waren kurz nach uns mit dem Condor-Flug gelandet. Sie verbringen eine Woche bei Mariental, und wir werden sie dann in Swakopmund wieder treffen. Mit dem Landcruiser fuhren wir zur Pension und frühstückten in Ruhe. Da unser Zimmer noch nicht frei war, ließen wir unser Gepäck an der Rezeption und fuhren zum Einkaufen. Beim Metzger in Klein-Windhoek kauften wir Rauchfleisch und Rinderfilet. Bei der Maerua-Mall holten wir Geld und drehten unsere Runde durch den Superspar. Obwohl wir zunächst nur für drei Tage einkaufen mussten, war der Wagen am Ende randvoll. Es folgten noch ein Besuch im Bottlestore und eine weitere kleine Runde im Spar, denn irgendetwas vergisst man ja immer.
Auf dem Rückweg zur Pension tankten wir. Dann folgte wie immer das große Räumen. Wir suchten für alle Teile der Ausrüstung sowie für die Vorräte und Utensilien den besten Ort im Wagen. Wir schnitten Kartons zurecht, damit sie in die Seitenfächer des Camperaufbaus passten. Fünfundziebzigmal liefen wir um den Wagen, nahmen jedes Teil in die Hand und packten es an seinen Platz. Zwischendurch kamen andere Pensionsgäste vorbei und warfen einen Blick ins Auto. „Ihr seid doch bestimmt die Eulenmuckels“, sprach uns eine Dame an. Durch das Namibia-Forum ist die Welt im südlichen Afrika schon recht klein geworden. Wir unterhielten uns ein bisschen mit Birgit und Wolfram. Liebe Grüße an BiWo.
Da der große Doppelkühlschrank im Auto noch immer eine zu hohe Temperatur zeigte, schlossen wir den Aufbau per Kabel an eine Steckdose an. Nach einer Pause wollten wir nochmal losfahren, und Uwe zog den Stecker am Auto ab. Er hatte sich keine großen Gedanken gemacht, und als er das Kabel über den Wagen zu Ruth reichen wollte, schwang der Stecker zurück, Uwe kam mit der Hand an die freiliegenden Pole und bekam eine gewischt. Zum Glück ist nichts weiter passiert. Sicherlich haben wir uns nicht besonders clever angestellt, aber das Kabel ist schon recht gefährlich, weil im Grunde an beiden Enden Stecker befestigt sind. In Zukunft müssen wir es immer zuerst von der stromführenden Steckdose trennen, dann vom Auto (um es vorwegzunehmen: Wir haben das Kabel nie wieder benutzt). Leider hatte die zusätzliche Stromversorgung den Kühlschrank nicht zu niedrigeren Temperaturen bewegen können. Wir riefen bei Savanna an und kündigten uns für morgen früh an. Am späten Nachmittag fuhren wir ein paar Kilometer zum Avis Dam. Dort bezahlten wir 25 N$ Eintritt und liefen eine gute Stunde um den kleinen See. Am Samstagabend war es dort rappelvoll, und es waren viele Leute mit Hunden unterwegs. Wir konnten ein paar Vögel entdecken, darunter Nilgänse, Stelzenläufer, Wellenastrilde und Kapstelzen.
Wellenastrild
Lerchenammer
Gegen Sonnenuntergang waren wir zurück in der Pension und duschten. Zwei anstrengende Tage lagen hinter uns, aber wir freuten uns sehr auf das Abendessen. Ein Taxi brachte uns zu Joe’s Beerhouse. Wir hatten einen Tisch im Warmen reserviert und aßen leckeres Oryxfilet. Damit kamen wir auch kulinarisch in Namibia an. Wir teilten uns noch einen Schokobrownie zum Nachtisch, ließen uns zum Casa Piccolo fahren und fielen todmüde ins Bett.
Kilometer: 9
Teil 427. Nov. 2017
Tag 2 – Sonntag, 16. Juli 2017 – Endlich auf Pad
Casa Piccolo, Windhoek – Namibgrens
Wir schliefen wunderbar und standen kurz vor sieben auf. Nachdem wir noch ein wenig Kram ins Auto geräumt und die Sachen zusammengepackt hatten, die wir bei der Autovermietung lassen, fuhren wir zu Savanna. Während wir uns noch das Permit für Botswana ausstellen ließen, wurde der Kühlschrank gegen ein geringfügig kleineres Modell ausgewechselt. Wir tauschten noch ein paar Plastikboxen und waren schnell fertig. Zurück in der Pension frühstückten wir, und Ruth machte den neuen Kühlschrank sauber, bevor wir alles einluden. Diese Räumerei an den ersten Tagen ist wirklich anstrengend. Aber das gibt sich ja zum Glück. Wir verabschiedeten uns von Birgit und Wolfram und machten uns auf den Weg. Auf Anhieb fanden wir die C26 Richtung Südwesten. Wir sahen viele Radfahrer, die sich bergauf und bergab aus oder in die Stadt quälten – zumindest sah es für uns so aus. Sämtliche BikeAfricas werden uns an dieser Stelle wahrscheinlich vehement widersprechen. 😉 Schnell endete die Teerstraße, und weiter ging es auf Gravel. Wir fuhren ganz gemütlich durch die schöne namibische Landschaft und freuten uns, endlich wieder hier unterwegs zu sein. Einige Male hielten wir an und genossen die Stille. Die Luft war kühl.
Schon vor 14.00 Uhr erreichten wir die Farm Namibgrens. Es kann also im weiteren Verlauf unserer Reise eigentlich unmöglich unsere Schuld gewesen sein, dass wir unser Tagesziel nie wie geplant am Mittag, sondern meistens erst deutlich später erreichten. 😉 Schon auf dem Weg zum Campingplatz sahen wir einige Rosenköpfchen-Papageien an einer Wasserstelle. Auf dem großzügig angelegten Platz gibt es mehrere, weit voneinander entfernte Stellplätze mit eigener Dusche. Wir richteten uns ein, klappten das Zelt auf und gingen dann mit unseren Kameras bewaffnet zum Pool. Dort wollten wir natürlich nicht wie normale Leute die Füße ins Wasser hängen, sondern das ständige Kommen und Fliegen der Vögel beobachten. Mit Nutella- und Guaven-Marmeladen-Brötchen machten wir es uns am Rand bequem und sollten uns nicht langweilen. Ammer, Taube, Fink und Star und die ganze Vogelschar sorgten für einen abwechslungsreichen, bunten Nachmittag.
Lerchenammer
Maskenbülbül
Angolagirlitz
Bergstar
Senegaltaube
Rotkopfamadine
Buntastrild
Sichelhopf
Kapammer
Maskenweber-Weibchen
Hinter unserem Stellplatz entdeckten wir mehrere Familien Klippschliefer, die auf einem Felsen in der Sonne saßen und uns misstrauisch beäugten. Sie ließen uns nicht allzu nah herankommen und machten sich schleunigst und für die kleinen, moppeligen Klopse erstaunlich geschickt in flinken Sprüngen davon, sobald wir auch nur einen Schritt in ihre Richtung setzten. Verhielten wir uns ruhig, kamen sie nach einiger Zeit wieder aus ihren Löchern hervorgekrochen, um ihr Sonnenbad fortzusetzen.
Vor dem Abendessen genossen wir die Freiluftdusche. Dann grillten wir das Rinderfilet aus Windhoek. Dazu machte Ruth Salat und Knoblauchbutter. Es war sehr lecker. Aber leider kühlte die Luft nach Sonnenuntergang stark ab. Wir verschoben das Spülen auf morgen und suchten uns ein schönes Plätzchen für ein paar Sternenaufnahmen. Der Nachthimmel mit der Milchstraße war sehr beeindruckend. Bei unter 9 Grad kletterten wir zum ersten Mal in diesem Urlaub in unser Zelt.
Kilometer: 176
Teil 528. Nov. 2017
Tag 3 – 17. Juli 2017 – Naukluft I
Namibgrens – Mirabib
Die Nacht war etwas unruhig, da der Wind mal mehr, mal weniger am Zelt rappelte. So waren wir immer wieder wach und noch ziemlich müde, als die Sonne aufging. Uwe wollte wie immer als erster aus dem Zelt steigen, konnte aber dummerweise die Tür des Bushcampers von innen nicht mehr öffnen. Sie hatte von Beginn an etwas schief in den Angeln gehangen. Beim Schließen der Tür hatte sich der untere Splint außen automatisch verriegelt. Wir waren gefangen. So blieb Uwe nichts anderes übrig, als die hintere Zeltplane mit dem Reißverschluss aufzumachen und über das Ersatzrad hinauszuklettern. Auch wenn ein wenig Frühsport ja gesund sein soll, waren wir nur wenig begeistert, falls dies nun unsere Dauerlösung für die nächsten knapp sechs Wochen sein sollte. 😵 Der erste Blick auf das außen angebrachte Thermometer brachte die nächste Ernüchterung: 2 Grad. Ruth entschied spontan, noch etwas im Schlafsack zu bleiben. Uwe kochte schon mal Kaffee und fotografierte die ersten Vögel, die sich auf unserer Campsite blicken ließen, darunter ein kleiner Priritschnäpper.
Maskenbülbül
Erst als die Sonne hoch genug stand und ordentlich wärmte, krabbelte auch Ruth aus dem Zelt. Wir frühstückten Nutella- und Marmeladenbrötchen und tranken Tee und Kaffee. Zwischendurch besuchte uns ein Bokmakiri, der eine mittelgroße Schrecke in unserer Dusche fallen ließ, aber leider nicht mehr abholte.
Bergschmätzer
Wir ließen uns viel Zeit mit dem Spülen und Zusammenpacken, so dass wir erst nach zehn Uhr aufbrachen. Auch auf dem Weg zur Hauptstraße sahen wir noch einige spannende Vögel, darunter eine Akaziendrossel, ein paar Rosenköpfchen-Papageien und einen Drosselwürger. Auf der D1275 kamen wir schnell zum Spreetshoogte-Pass. Immer wieder ist die Aussicht grandios. Über 400 Höhenmeter ging es bergab in die weite Ebene.
Beim Camp Gecko hielten wir kurz an und bestellten Rene und Heidi liebe Grüße von unserer Freundin Nicola, die vor einigen Jahren hier ein paar Monate gearbeitet hatte. Dann fuhren wir die letzten Kilometer bis Solitaire. Dort war es sehr windig und entsprechend staubig. Wir kauften Feuerholz und leckeres Naukluft-Wasser. Dann aßen wir in der Bäckerei den traditionellen Apfelkuchen und einen Schokomuffin. Leider waren sämtliche Siedelweber, Spatzen und Glanzstare, die wir von den vergangenen Besuchen kannten, verschwunden. 🙁 Zurück ging es auf die C14 und über den Ghaub- und Kuiseb-Pass nach Nordwesten. Die Landschaft faszinierte uns ein weiteres Mal, und wir genossen jeden Kilometer durch diese endlose Ebene mit gelbem Gras, roten Bergen und dem ein oder anderen Springbock und Oryx.
Am „Tropic of Capricorn“ hielten wir wie vermutlich sämtliche anderen Touristen auch und machten einen kurzen Stopp. Der Vergleich mit 2009 zeigt, dass nicht nur die (Schuhe der) Frauen, sondern auch die Schilder älter werden. 😉 Damals sah das Schild noch fast neu aus.
Hinter dem Kuiseb bogen wir auf die Permit-pflichtige Strecke durch den Namib-Naukluft-Park nach Mirabib ab. Dieser Felsen liegt unübersehbar mitten in der weiten Ebene der Namib.
Als wir dort ankamen, waren die beiden ersten Stellplätze bereits besetzt, und so befürchteten wir schon, dass alle anderen ebenfalls belegt sein könnten. Umso größer war die Überraschung, als wir feststellten, dass alle weiteren und unserer Meinung nach noch viel schöneren Campsites frei waren. Wir entschieden uns für die letzte mit Blick nach Süd-Südost, klappten das Zelt auf und richteten unser Lager ein.
Und weil es im Moment ja ganz besonders wichtig ist, darf dieses Foto natürlich nicht fehlen:
Wie ihr seht, liegt das momentane Formtief wohl nicht an Ruth. Sie hat weder Platz im Koffer gespart, noch Mühen gescheut. Was für den einen das Kuscheltier, ist für den anderen der Ringelschal … 🤪
Vor dem Sonnenuntergang liefen wir um den halben Mirabib-Felsen, um das letzte Licht der Sonne einzufangen. Es war fast windstill und herrlich warm.
Bei über 20 Grad machten wir Abendessen. Wir grillten Rinderfilet, machten Salat und rösteten Brote mit Knoblauchbutter. Es schmeckte phantastisch.
Als das erste Keckern der Bellgeckos erklang und wir bei recht angenehmen Temperaturen am Feuer saßen, war Ruth nahe daran, ein paar Tränchen zu verdrücken. Nie im Leben würden wir diesen Platz unter dem endlosen Sternenhimmel mit dem dazugehörigen Mir-gehört-die-Welt-Gefühl gegen eine der teuersten Luxuslodges eintauschen. Für wirklichen Luxus braucht es unserer Meinung nach so viel weniger. Obwohl uns natürlich in genau solchen Momenten immer wieder bewusst ist, wir gut wir es doch haben.
Kilometer: 201
Teil 629. Nov. 2017
Tag 4 – 18. Juli 2017 – Naukluft II
Mirabib – Tinkas
Die zweite Nacht im Camper war schon wesentlich angenehmer.
Das lag zum einen an dem deutlich schwächeren Wind und zum anderen an der Wärme. Wir standen kurz vor Sonnenaufgang auf und beobachteten die Sonne, die ihr Licht in die Ebene warf und die Schatten mit jeder Viertelstunde weiter verdrängte.
Ruth pirschte ein paar Rüppeltrappen hinterher und versuchte, einen kleinen Sunbird zu erwischen, der jedoch immer schneller war. Wir frühstückten gemütlich und genossen die grandiose Aussicht in die weite Ebene, die am Horizont von den ersten roten Sanddünen der Namib begrenzt wurde. Über dem Mirabib-Felsen kreisten ein paar Falken, und ein zutraulicher Bergschmätzer umrundete uns. Zum Müsli aßen wir frische Maracuja, und die Brötchen aus Sesriem waren sehr lecker mit Meikes Guaven-Marmelade. Nach dem Spülen packten wir alles zusammen und brachen gegen zehn Uhr auf. Mirabib gefällt uns immer sehr gut – ein ganz besonderer Ort. Auf dem Rückweg überquerten wir nun schon zum wiederholten Mal in diesem Urlaub den Wendekreis des Steinbocks. Auf der Ebene entdeckten wir immer wieder Oryx, Strauße, Springböcke und Zebras.
Zurück an der C14 fuhren wir ca. zehn Kilometer nach Osten und schauten uns den Rastplatz Aluvlei an. Dieser liegt einige hundert Meter von der Hauptstraße entfernt in einem Dickicht. Mehrere Tische und Toiletten bieten auch Platz für größere Gruppen. Als wir umherliefen, bemerkten wir ein leises Rascheln in den Büschen. Wir schauten genauer hin und trauten unseren Augen kaum.
Dicht an dicht krabbelten unzählige Sattelschrecken auf den Zweigen umher. Die meisten von ihnen waren noch ziemlich klein. Während Uwe die gepanzerten, kleinen Aliens zum Gruseln findet, ist Ruth immer wieder aufs Neue fasziniert und kann es einfach nicht lassen …
Es gibt Jahre, in denen wir keine einzige Schrecke gesehen haben und dann wieder solche, in welchen sie so zahlreich sind, dass man aufpassen muss, wohin man tritt und es nicht vermeiden kann, die ein oder andere auf der Straße ins Jenseits zu befördern. Als nächstes fuhren wir zum Aussichtspunkt über den Kuiseb, der uns schon vor einigen Jahren beeindruckt hatte. Steil fällt die Felswand ab und gibt einen tollen Ausblick auf die zerklüfteten Berge frei.
Wir liefen auch noch das Stück zur Höhle von Henno Martin und Hermann Korn. Erneut beeindruckten uns die Landschaft und die Geschichte hinter dieser Behausung. Die Wanderung durch die pralle Sonne war recht schweißtreibend.
Teil 729. Nov. 2017
Auf demselben Weg fuhren wir auf der C14 wieder nach Westen
und bogen auf die Permit-Strecke Richtung Norden ein. Nach einigen Kilometern entdeckten wir unmittelbar neben der Pad eine Kolonie Erdmännchen. Es waren mindestens ein Dutzend recht scheue Tiere. Einige liefen davon, sobald wir anhielten. Die anderen verschwanden zunächst in ihrem Bau, ließen sich dann aber schnell wieder blicken und schauten neugierig zu uns herüber. Wir beobachteten uns gegenseitig, bis die letzten Tiere in die Ebene davonliefen. Wir freuten uns sehr, da wir in diesem Urlaub gar nicht mit Erdmännchen gerechnet hatten.
An einem Aussichtspunkt spazierten wir ein wenig herum.
Namibschmätzer
Wir fuhren weiter durch den Namib-Naukluft-Park und kreuzten die C28. Bald kamen wir an die Blutkuppe und schlugen den Weg Richtung Tinkas ein, als eine große Zahl Geier am Himmel kreiste.
Noch mehr Lappen- und Weißrückengeier saßen an einem Oryxkadaver. Ruth lief zu Fuß über die Ebene, und Uwe fuhr in einem großen Bogen auf der Pad zu den Aasfressern. Nahezu einhundert Geier, zum Teil mit Nummern markierte Exemplare, waren hier unterwegs.
Vorbei an den zwei Soldatengräbern fuhren wir über Mittel-Tinkas zum Bogenfelsen. Die Strecke gefiel uns wie schon vor 10 Jahren, als wir zum ersten Mal dort waren.
Am Rock Arch war die erste Campsite noch frei. Wir entschieden, hier zu bleiben und richteten unser Lager ein. Da wir keine Lust hatten, das Auto in einem waghalsigen Manöver auf den Berg zu lenken, ließen wir es unten auf dem Weg stehen und trugen alle Sachen ein paar Meter nach oben unter den Felsvorsprung.
Die Aussicht über die Ebene war fantastisch.
Wir machten ein kleines Picknick mit Wildschinken, Möhren, Frischkäse und Butterbroten.
Ohne Begleitung darf man auch noch die Füße auf den Tisch legen. 😉
Felsenschwalben
Uwe probierte die Dusche in unserem Bushcamper, und dann liefen wir zum Bogenfelsen. Als wir uns gerade überlegt hatten, wo wir später die Kamera für die Sternenaufnahmen aufstellen wollten, kam ein einzelner Wagen angefahren. Der Fahrer parkte hinter einem Felsen auf einem nicht offiziellen Platz und begann, sein Zelt aufzuschlagen. Ruth hatte schon ein Déjà-vu zu unseren erfolglosen Sternenaufnahmen von 2016, als uns eine Gruppe Profifotografen an der Spitzkoppe unser Vorhaben durchkreuzte. Also wurde Uwe ausgeschickt, die Sache auszuspionieren. Er erklärte unseren Plan für die Nacht und der Mann war sehr interessiert an den Sternenaufnahmen und versprach, nicht in Richtung des Bogenfelsens zu leuchten, um unsere Aufnahmen nicht zu sabotieren. Puh, Glück gehabt! Nach Sonnenuntergang standen wir noch einige Zeit auf dem Felsen und lauschten dem Konzert der vielen Bellgeckos in der Ebene.
Wir machten Feuer und kochten Broccoli, Blumenkohl und Möhren im Potije. Dazu grillten wir die letzte Portion Rinderfilet. Nach dem Essen und Spülen brachten wir den Fotoapparat in Position und starteten die Serienaufnahme am Bogenfelsen.
Kilometer: 158
Teil 830. Nov. 2017
Tag 5 – 19. Juli 2017 – Schlange
Tinkas – Meikes Gästehaus
Wie am Vortag war es warm und windstill, als wir aufstanden. Uwe sammelte den Fotoapparat ein und kontrollierte die nächtlichen Aufnahmen. Dann sicherte er Fotos und kochte Kaffee. Mit Blick in die Ebene frühstückten wir.
Ab und zu hörten wir Flughühner oder den markanten Ruf der Rüppeltrappen. Wir spazierten ein wenig umher und bestiegen einige Felsen.
Ruth entdeckte ein paar Felsenratten, die zwischen den Steinen umherhuschten und sich in der Sonne wärmten. Mit ihrem dicken Fell, den puscheligen Schwänzen und tapsigen kleinen Füßen sehen sie richtig nett aus.
Nachdem wir alles zusammengepackt hatten, fuhren wir noch das kleine Stück zur letzten Campsite von Tinkas, die inzwischen leer war. Auch von dort hat man eine fantastische Aussicht, muss jedoch das letzte Stück recht steil bergauf fahren. Daher ließen wir unser Auto unten stehen und erkundeten den Platz zu Fuß. Es gibt ebenfalls ein Felsentor mit Grillstelle, allerdings alles etwas schräg und weniger weitläufig als an unserem Übernachtungsplatz. Wir können uns gut vorstellen, auch hier einmal länger zu bleiben, vorausgesetzt, es weht kein Wind.
Dann machten wir uns langsam zurück auf den Weg Richtung Blutkuppe.
Vereinzelt sahen wir ein paar Strauße und einige Geier.
Ohrengeier
Weißrückengeier? (Er hat ein dunkles Auge, sieht aufgrund der hellen Unterschwingen aber eher wie ein Kapgeier aus.)
Wir durchquerten das Tinkas-Flussbett, machten einen kurzen Stopp an den Soldatengräbern und fuhren weiter bis zum Rock Sculpture Trail.
Dort sprang Ruth auch sogleich aus dem Auto und marschierte entschlossen los. Immer den Markierungen hinterher. Na prima! Genau so sollte man es machen. Ohne Wanderschuhe, Sonnenschutz und Wasser einfach mal in sengender Hitze in die Pampa davonrennen. Da es nach 10 min. immer noch nicht so aussah, als würde sie bald umkehren, blieb Uwe wohl nichts anderes übrig, als hinterher zu tapern.
Ihm war völlig klar, dass er wohl bald einen Hitzeschlag, zumindest aber einen Sonnenstich bekommen würde und wies mit zunehmender Dringlichkeit darauf hin, dass wir nun aber wirklich schon sehr weit gelaufen seien, wir gar nicht so genau wüssten, wie lang dieser Trail überhaupt dauern würde und ihn die kleinen Eidechsen auch einfach nicht vom Hocker reißen würden. Also kehrten wir wieder um, standen noch einige Zeit bei einem großen Köcherbaum und beobachteten die Nektarvögel, die an den Blüten saßen.
Rußnektarvogel
Nachdem wir nochmal an den Resten des Oryxkadavers vorbeigeschaut und uns alle Campsites rund um die Blutkuppe angesehen hatten, fuhren wir Richtung C28, nahmen aber den Umweg, der einige Zeit parallel zur Hauptstraße führt. Auf einer weiten, nahezu vegetationslosen Ebene wollte Ruth anhalten und Uwe ahnte Schlimmes. Es kam, wie es kommen musste: „Ich will mir nur ein wenig die Füße vertreten und die Landschaft ansehen!“ – Was? Hier? Füße hatten wir uns doch schon bei Tinkas, den Soldatengräbern, dem Rock Sculpture Trail und gerade eben erst an der Blutkuppe vertreten. Völlig egal! Ruth war schon aus dem Auto gesprungen und lief durch die Gegend.
Uwe ergab sich in sein Schicksal, wild entschlossen, nicht schon wieder einen Hitzschlag zu riskieren, spielte ein wenig am GPS, sah sich die noch verbleibende Fahrstrecke bis Swakopmund an und begann sich zu langweilen. Wie kann man denn bitte so lange da mitten im Nichts herumlaufen? Hitzschlag im oder außerhalb des Autos war eigentlich auch egal, und so entschied er schließlich doch, das Fahrzeug zu verlassen und sein hyperaktives Frauchen wieder einzusammeln. Plötzlich nahm er aus dem Augenwinkel eine schnelle Bewegung wahr. Eine dünne, etwa einen Meter lange Schlange war aufgeschreckt, hatte sich ein wenig aufgerichtet und ergriff nicht etwa schleunigst die Flucht, sondern bewegte sich rasch auf ihn zu. Erschrocken stellte er mit ein paar langen Sprüngen wieder den nötigen Sicherheitsabstand zu dem Reptil her. Ruth hatte ihn wie Rumpelstilzchen hüpfen sehen und war natürlich neugierig zurückgekommen. Aus sicherer Entfernung beobachteten wir nun die Schlange, wenn sie innehielt und sich aufrichtete.
Da wir uns nicht mit Schlangen auskennen, stuften wir sie als potentiell gefährlich ein und hielten respektvoll (im Nachhinein, wenn sie es tatsächlich gewesen wäre, viel zu wenig) Abstand. Fasziniert betrachteten wir ihre schöne Färbung und die großen Augen und rannten immer wieder ein Stückchen davon, wenn sie sich auf uns zu schlängelte. Da wir nur selten Schlangen sehen, waren wir sehr beeindruckt von dieser Begegnung. Und Ruth hatte mal wieder Recht gehabt: Auch im Nix gibt es irgendetwas zu entdecken. Das letzte Wegstück nach Swakopmund fuhren wir ohne Pause und trafen kurz vor drei bei Meike ein. Unser schönes Zimmer wartete bereits. Wir luden unsere Sachen aus dem Bushcamper, duschten und gingen zu Meike und Klaus zum Kaffee. Dort saßen wir und erzählten und erzählten. Wir fühlen uns bei den beiden schon fast wie Zuhause. 😘 Irgendwann gab es ein leckeres Abendessen mit Butternut-Suppe, Gulasch, Oryx, Süßkartoffeln, Möhren, Quinoa und Nachtisch.
Kilometer: 127
Teil 902. Dez. 2017
Tag 6 – 20. Juli 2017 – Ausspannen in Swakopmund
Meikes Gästehaus
Der erste Tag „Urlaub vom Urlaub“ stand bevor. Wir schliefen gemütlich im weichen Bett und gingen spät zum Frühstück, das wir uns mit leckeren Brötchen, Marmelade, Schinken, Käse und Ei schmecken ließen. Wieder verquatschten wir die Zeit, bis der morgendliche Nebel strahlendem Sonnenschein gewichen war. Während sich Ruth ein wenig im Hof in die Sonne setzte, kümmerte sich Uwe um die hintere Tür des Buschcampers – irgendwie ein Déjà-vu in Swakopmund. Zufällig hat der Hersteller unseres Aufbaus Oryx-Canopys seinen Sitz in der Stadt, und nach einigem Herumfragen fand Uwe die Adresse. Das Team war so nett, sich der Sache sofort anzunehmen. Sie erkannten schnell, dass sich die Tür aufgrund des Gewichts des montierten Ersatzrades ein wenig abgesenkt hatte. Sie demontierten das Rad sowie die zwei äußeren der vier Scharniere und rückten die Tür gerade. Dann befestigten sie neue Scharniere, aber nicht nur die bisherigen vier, sondern weitere, um der Tür mehr Stabilität zu geben. Nach dem Motto „viel hilft viel“ wurden nach und nach immer mehr Scharniere mit Nieten angebracht, bis schließlich kein Platz mehr war – über die gesamte Höhe der Tür. Anstelle der zuvor vier Scharniere besitzt unser Buschcamper jetzt neun. Hier ist ein Foto vom folgenden Tag, auf dem man das Ergebnis sehen kann.
Während der Arbeiten stellte Uwe fest, dass der rechte Vorderreifen kaum noch Luft hatte und pumpte ihn wieder auf. Hoffentlich behält er den Druck – vermutlich jedoch nicht. Zurück in der Pension schauten wir ein wenig den Wellenastrilden im Hof zu und machten uns dann zu Fuß auf ins Stadtzentrum.
Wir bummelten ein wenig durch die Läden und erstanden die ersten Souvenirs. Ruth fand im selben Laden wie letztes Jahr ein Kleid und einen Rock. So zielstrebig wie sie das Geschäft ansteuerte, ist Uwe jetzt schon klar, dass sie einen neuen Lieblingsladen gefunden hat. Warum auch nicht seine Garderobe in Swakopmund aufstocken? Das Schlendern machte Spaß, aber auch hungrig, und so fuhren wir nach einer weiteren Pause im Gästehaus schon früh zum Abendessen in den Norden von Swakopmund zum „The Wreck“. Das Restaurant gehört zur Beach Lodge und liegt direkt am Meer.
Unser Tisch befand sich an der großen Glasfront mit Blick auf den Sonnenuntergang.
Wir teilten uns eine Vorspeise aus gebackenem Gemüse und Camembert. Ruth aß gegrillten Kingklip und Uwe ein Game-Steak. Zum Nachtisch hatten wir einen Pekanusskuchen und einen Apfel-Cranberry-Crumble mit Eis. Alles war ganz hervorragend. Hier würden wir jederzeit wieder essen. Obwohl es gerade mal acht Uhr war, waren wir vom vielen Nichtstun völlig geschafft und fuhren durch das für unser Empfinden nächtliche Swakopmund zurück.
Kilometer: wenige
Teil 1003. Dez. 2017
Tag 7 – 21. Juli 2017 – Einkaufen und Spazieren
Meikes Gästehaus
Wieder standen wir bei Sonnenschein auf, nachdem sich der Morgennebel einigermaßen verzogen hatte. Nach dem ausgedehnten Frühstück fuhren wir zu Fruit and Veg zu einer ersten Einkaufstour. Wir besorgten Müsli und Trockenfrüchte, Biltong, Getränke, Holz und Kohle. Anschließend ging es zur Reifenwerkstatt. Der rechte Vorderreifen hatte leider schon wieder Druck verloren. Während Uwe bei Trentyre wartete, lief Ruth zurück zur Pension. Nachdem der Reifen geflickt war, fuhren wir aus der Stadt und am Ende der D1901 in den Dorob Nationalpark. Dort ging es auf einer 4x4-Strecke durch die steinige Wüstenlandschaft. Wir hielten bei klingenden Steinen und entlockten ihnen verschiedene, metallische Töne, indem wir ein wenig auf ihnen herumhämmerten. Von einer erkennbaren Melodie, wie Giel vom Mesosaurus Fossil Camp uns das vor ein paar Jahren vorgemacht hatte, waren wir aber ziemlich weit entfernt. Der Steinstimmer war wohl noch nicht unterwegs gewesen.
Wir fuhren an vielen Dollarbüschen vorbei. Aber so sehr wir auch danach Ausschau hielten, konnten wir leider kein Wüstenchamäleon entdecken. Trotzdem war die Fahrt abwechslungsreich und landschaftlich sehr schön. Die Pad schlängelte sich hügelauf und –ab durch sehr karge, staubige Mondlandschaft bis wir gegen Ende ins Swakoptal gelangten. Dort sahen wir noch ein paar Klippschliefer über die Felsen flitzen. Immer wieder hielten wir an und spazierten ein wenig herum.
An einigen Stellen war der Lehm des trockenen Flussbettes in fingerdicke, große Schollen aufgesprungen. Die einzelnen Teile breiteten sich wie ein unregelmäßiges Mosaik über weite Teile des Swakoptals aus. Eine Vielzahl von Spuren, die sich in den noch feuchten Lehm gedrückt hatten, zeugte von den unterschiedlichen Lebewesen, die hier unterwegs gewesen waren und zog hübsche Muster in den Boden.
Zurück in Swakopmund fuhren wir zum Superspar. Hier bekamen wir leckere Muffins, weitere Getränke und andere Kleinigkeiten. So langsam verwandelt sich unser Wagen in einen fahrenden Lebensmitteltransporter. Nachdem wir alles verstaut hatten, ging es mit Meike und Emmi zum abendlichen Hundespaziergang in die Dünen. Trotz Nebel über dem Meer hatten wir einen schönen Sonnenuntergang. Emmi spielte mit einem Stein, den sie immer wieder vergrub und dann ausbuddelte. Dabei wurde sie es nicht müde, im nachrieselnden Sand kleine Krater in die Düne zu bauen.
Anschließend fuhren wir mit Meike und Klaus zum Pizzaessen in den Secret Garden. Wir hatten einen weiteren schönen Abend mit leckerem Essen und netten Gesprächen.
Kilometer: 64
Teil 1104. Dez. 2017
Tag 8 – 22. Juli 2017 – Goanikontes
Meikes Gästehaus
Heute hatten wir einen guten Plan: Wir wollten den Sonnenaufgang in der Mondlandschaft erleben. Dazu standen wir natürlich im Dunkeln auf und wunderten uns auch nicht, dass es in Swakopmund noch recht neblig war. In den letzten Tagen hatte sich dieser mit Sonnenaufgang stets verzogen, und einige Kilometer im Landesinneren würde ja ohnehin sofort die Sonne scheinen. Soweit der Plan. Als wir Swakopmund gegen 6 Uhr verließen, war der Nebel so schwer, dass wir wie durch feinen Sprühregen fuhren. Der Scheibenwischer lief permanent.
Daran hatte sich dummerweise auch nichts geändert, als wir 40 Minuten später am Aussichtspunkt in die Mondlandschaft standen. Wir erblickten viel graue Suppe und noch mehr Nichts, von Aussicht ganz zu schweigen. Als winziges, wörtlich gemeintes Highlight konnten wir lediglich eine graue Wand verzeichnen, die mit Sonnenaufgang ein bisschen heller wurde. Als es etwas aufklarte, gelang uns ein rascher Blick in die Weite.
Dieser war aber nur von kurzer Dauer, denn der Nebel kam gleich darauf wieder zurück.
Außerdem war es empfindlich kalt. Da wir nicht viel ausrichten konnten, kehrten wir nach ein paar Minuten um und fuhren zurück in die Pension. Unser Auto war durch die morgendliche Fahrt über die nasse Piste ziemlich dreckig, und Ruth war sich sicher, dass der gute Plan, unser weiches, warmes Bett gegen die nebelige Mondlandschaft zu tauschen, allein Uwes gewesen war. Einer muss ja schuld sein! Noch mehr als sonst freuten wir uns auf ein Frühstück bei Meike. Anschließend gingen wir zu Fuß in die Stadt und besorgten ein Permit für unsere Fahrt am Montag durch den Dorob Nationalpark. Überraschenderweise mussten wir dafür nichts bezahlen. Es blieb den ganzen Tag trüb und kühl in der Stadt. Gegen Mittag sollte die Mondlandschaft ihre zweite Chance bekommen. Während es an der Brücke über den Swakop immer noch recht trist und grau war, hielten wir kurz, um ein paar Vögel zu beobachten.
Kapente
Hirtenregenpfeifer
Je weiter wir von der Küste weg ins Landesinnere fuhren, verabschiedeten sich auch die grauen Wolken. Und am Aussichtspunkt schien diesmal die Sonne.
Bei Goanikontes im Swakoptal machten wir eine lange Mittagspause.
Wir aßen eine Kleinigkeit. Der Toast mit Schinken und Käse war sicher nichts Besonderes, aber wir freuten uns über die warmen Sonnenstrahlen und unzählige Vögel in den Palmen und Büschen um uns herum. Besonders viele Nektarvögel flatterten hektisch von Blüte zu Blüte und hielten ebenso wie Crombec, Brillen- oder Mausvogel kaum für ein Foto still. Über eine Stunde lang pirschten wir mit den Fotoapparaten und sehr mäßigem Erfolg den Vögeln hinterher.
Für uns ist dies ein Kapbrillenvogel, den es aber eigentlich hier gar nicht gibt. Sachdienliche Hinweise nehmen wir gerne entgegen.
Maskenbülbül
Rotschwanzschmätzer
Weißrücken-Mausvogel
Kapsperling
Schwalbenschwanz-Bienenfresser
Weißkehlgirlitz (vielen Dank an Konni und Matte für die Bestimmung)
Kapstelze
Dann ging es wieder zurück in die Pension. Wir duschten und fuhren zum Abendessen nach Sophia Dale. Dort waren unsere Freunde Annette, Michael und Hanna schon aus Windhoek angekommen. Annette und Hanna erzählten von ihrer ersten Woche, die sie bei Mariental verbracht hatten. Hanna hatte ein Waisenhaus besucht, in dem sie vor zwei Jahren bereits mehrere Monate gearbeitet hatte. Annette hatte in der dazugehörigen Schule unterrichtet. Wir lernten Manfred, den Besitzer von Sophia Dale, kennen. Er hat früher in Königswinter gewohnt, also ganz bei uns in der Nähe. Das Abendessen war sehr lecker. Das Oryxsteak war riesig und schmeckte sehr gut. Alle waren pappsatt. Wir verabredeten uns mit den dreien für den kommenden Morgen im Städtchen und fuhren im Dunkeln zurück.
Kilometer: 168
Teil 1207. Dez. 2017
Tag 9 – 23. Juli 2017 – Ein letzter Tag im Städtchen
Meikes Gästehaus
An unserem letzten Tag in Swakopmund saßen wir um kurz vor acht Uhr gerade beim Frühstück, als Michael, Annette und Hanna eintrafen. Michael konnte gerade noch einen Kaffee trinken, als er auch schon zur Living Desert Tour abgeholt wurde. Da es sein erster Besuch in Namibia war, sollte er unbedingt daran teilnehmen. Wir anderen frühstückten gemütlich und erzählten mit Meike. Anschließend begaben wir uns auf Einkaufstour, bei der wir hauptsächlich Annette und Hanna berieten und selbst noch letzte Kleinigkeiten wie Brot und Gemüse kauften. Das große Müsli-Sortiment bei Fruit and Veg ist jedes Mal aufs Neue ein Traum. Wir freuen uns immer schon darauf, ein Tütchen von dieser und eines von jener Mischung abzufüllen. Zusätzlich wanderten die verschiedensten Trockenfrüchte in unseren Einkaufswagen.
Nach einem Besuch im Superspar waren beide Autos (unseres ja eigentlich vorher schon) wirklich gut gefüllt, so dass wir in den kommenden Tagen weder verhungern noch verdursten sollten. Kein Wunder, dass wir immer so viel Zeit in Swakopmund verbringen, wenn wir zig-mal einkaufen gehen. 😉 Wir parkten die Toyotas in der Pension und liefen zu Fuß in die Stadt. Am Sonntag hatten nicht alle Geschäfte geöffnet, und es waren auch nicht allzu viele Leute unterwegs. Wir besuchten noch ein oder zwei Souvenirläden und setzten uns dann ins Bojos-Café in der Nähe des Leuchtturms, tranken Kaffee bzw. Kakao und aßen eine Kleinigkeit.
Irgendwann kam Michael von der Wüstentour zurück und setzte sich dazu. Es hatte ihm gut gefallen, in seinem kurzärmeligen Hemd war er jedoch ziemlich durchgefroren, hatte der Verrückte doch keine Jacke dabei gehabt, und der Nebel um die Stadt hatte sich leider auch heute nicht gelichtet. Wir verabschiedeten uns für heute von den dreien und fuhren nach Walvis Bay. Südlich der Stadt erhofften wir uns auf dem Weg vor und zwischen den Salzfeldern ein paar Vogelsichtungen. Tatsächlich sahen wir dort
Zwerg- und Rosaflamingos,
ein paar Reiher,
Pelikane
und sogar weit entfernt vier Schwarze Austernfischer.
Kapkormoran
Unzählige Säbelschnäbler liefen durch sehr flaches Wasser und suchten nach Futter.
Wir sahen schon einige Wasservögel, aber oft waren sie recht weit entfernt, und zum Fotografieren fehlte eigentlich das Licht. Die Sonne ließ sich auch in Walvis Bay nicht blicken.
Steinwälzer
Dreibandregenpfeifer
An der Küste kehrten wir um und fuhren zurück nach Swakopmund.
Erst nach halb sechs kamen wir in der Pension an und machten uns schnell fertig zum Abendessen. Zu Fuß liefen wir zum The Tug ans Meer. Der Besuch dort ist für uns jedes Jahr ein Highlight. Wie reserviert erhielten wir den Tisch im Erker über der Brandung. Unser Kellner war sehr sympatisch und zuvorkommend, und unsere Fischspeisen schmeckten hervorragend. Nach Ebony and Ivory und einem Cocktail machten wir uns auf den Rückweg. Das exklusive Essen war ein schöner Abschluss für unseren Aufenthalt in Swakopmund.
Kilometer: 108
Teil 1310. Dez. 2017
Teil 2 – Mit Annette, Michael und Hanna durch Zentral-Namibia
Tag 10 – 24. Juli 2017 – Durch den Messum-Krater
Meikes Gästehaus – Campsite am Elephant’s Head
Wir standen relativ früh auf, da wir noch alles Mögliche zu packen hatten und nicht allzu spät losfahren wollten. Uwe duschte und fuhr zur Tankstelle. Es dauerte wie erwartet ewig, bis der große Doppeltank voll mit Diesel war. In der Zwischenzeit wurden auch die Scheiben geputzt und der Ölstand kontrolliert. Noch vor dem Frühstück räumten wir die meisten unserer Sachen ins Auto. Der Kühlschrank platzte aus allen Nähten. Als wir den Wassertank auffüllen wollten, mussten wir feststellen, dass unser Trichter für die Einfüllöffnung zu kurz war. Entweder lief das Wasser ins Auto oder aus dem Trichter neben den Wagen. So parkten wir um und benutzten den Schlauch auf Meikes Hof. Für die nächste Gelegenheit müssen wir uns aber eine andere Lösung suchen oder basteln. Wir frühstückten ein letztes Mal in Swakopmund, und als Michael, Annette und Hanna eintrafen, räumten wir den Rest ins Auto und verabschiedeten uns von Klaus und Meike. Die beiden sind wahre Schätze, und wir können gar nicht sagen, wie sehr wir uns bei ihnen immer wohlfühlen. Der Aufenthalt in Swakopmund ist jedes Jahr so schön, dass wir wirklich traurig sind, wieder abreisen zu müssen. Wir fuhren am Atlantik entlang nach Norden. Es blieb neblig und kalt. Die Strecke zog sich mit mehreren Baustellen sehr in die Länge.
Wir hielten an dem 2008 gestrandeten Schiffswrack der Zeila. Sofort kamen mehrere Verkäufer angelaufen, die uns Mineralien und Kristalle anboten. Es war gar nicht so leicht, sie abzuwimmeln, und wir waren froh, als noch weitere Touristen anhielten.
Hier ein Vergleichsfoto aus 2010:
Kurz vor dem Abzweig zu Cape Cross warfen wir einen Blick auf einen der zahlreichen Stände mit Salzkristallen.
Während unsere Reisepartner der Robbenkolonie einen Besuch abstatteten, verzichteten wir diesmal auf den Anblick der vielen Seerobben und vor allem auch auf den zugehörigen Geruch und liefen zu Fuß zu dem kleinen Friedhof am Meer und warteten.
Zusammen ging es dann auf direktem Weg Richtung Messum-Krater. Zum Glück wich bald der Nebel zurück, und durch die Sonne stiegen auch die Temperaturen. Wir fuhren durch den Krater und waren völlig begeistert von der Landschaft. Die endlose Ebene in verschiedenen Weiß-, Grau-, Rot- und Brauntönen, Felder von Welwitschia Mirabilis und die Berge am Horizont bildeten eine eindrucksvolle Kulisse.
Ein kurzer Stopp folgte auf den nächsten. Mal sprang Ruth nur wegen der 85. Welwitschia aus dem Auto, mal vertraten wir uns alle ein wenig die Füße.
Teil 1410. Dez. 2017
An einer als Bakkrans markierten Stelle im GPS machten wir einen etwas längeren Stopp, und die Damen erklommen einen Hügel mit einem kleinen Felsüberhang, von dem aus man eine fantastische Sicht ins Umland hatte.
Hinter dem Messum-Krater bogen wir schließlich nach Norden ab, um über eine Nebenstrecke zu dem Aussichtspunkt über den Ugab zu gelangen. Schnell wurde der Weg steinig oder sandig, und wir kamen nun deutlich langsamer vorwärts. Wir schalteten den Allrad ein, und Michael machte seine ersten 4x4-Erfahrungen. Durch diverse Pausen über den Tag hatten wir ohnehin schon viel Zeit verloren. Es würde knapp werden, bis Sonnenuntergang wie geplant im Rhino Ugab Camp anzukommen. An einer Stelle verpassten wir eine Abzweigung und fuhren einen guten Kilometer in die falsche Richtung über eine steinige Pad auf einen Berg. Wir erkannten unseren Fehler und kehrten um. Nun fuhren aber Michael und Annette vor und bogen leider nicht an der richtigen Stelle ab, sondern fuhren immer weiter den Weg zurück, den wir gekommen waren. Wir versuchten, sie per Funk, durch Hupen und mit der Lichthupe aufzuhalten, aber die drei fuhren unbeirrt immer weiter. Bis wir sie auf der Rumpelstrecke stoppen konnten, waren wir schon mehrere Kilometer zurückgefahren. Nun war es wirklich zu spät, und wir machten uns ernsthafte Sorgen, noch bei Tageslicht am Ugab anzukommen. So beratschlagten wir, und Uwe entschied, weiter zurück zu fahren und den Main Track vom Messum in Richtung D2342 zu nehmen. Dies würde einen erheblichen Umweg bedeuten, führte uns aber auf schnellstem Weg zu breiteren und schneller zu befahrenen Strecken. Wir holperten, so schnell es die Strecke zuließ, zurück Richtung Messum und anschließend nach Osten. Das Nachmittagslicht wurde immer schöner. Auch wenn wir aufgrund der Uhrzeit etwas im Stress waren, genossen wir die tolle Landschaft in diesem Licht.
Für dieses Steinböckchen mussten wir ebenfalls einen kurzen Halt einbauen.
Und so war die Sonne bereits untergegangen, als wir die D-Straße erreichten. Bis zum Rhino Ugab Camp wären es nun noch über 45 Kilometer. Im Dunkeln und mit unseren drei Freunden im Schlepp, für die wir uns verantwortlich fühlten, würde das sicherlich kein Spaß werden. So änderten wir erneut den Plan und fuhren zur Campsite am Elephant Head, die nur noch 15 Kilometer entfernt lag. Der Campattendent freute sich sehr, uns zu so später Stunde noch begrüßen zu dürfen. Er hatte heute sicherlich niemanden mehr erwartet und war für die Nacht schon in sein Zelt gekrabbelt. Nun zeigte er uns eifrig die verschiedenen Stellplätze. Wir freuten uns ebenfalls, noch im allerletzten Tageslicht einen Campingplatz erreicht zu haben und nahmen direkt den erstbesten. Zu einer Dusche hatten wir so spät keine Lust mehr. Später stellten wir fest, dass eh kein Wasser vorhanden war.
Rasch stellten wir die Autos möglichst gerade, richteten unser Lager ein und machten Feuer. Wir grillten Boerewors und aßen Salat und Knoblauchbrote. Nach der langen und anstrengenden Fahrt waren alle erschöpft und genossen das Feuer und den ruhigen Abend mit leckerem Essen. Zu unserer großen Freude hörten wir ab und zu das langgezogene Heulen einer Hyäne aus der Ferne. Anschließend bewunderten wir den besonders grandiosen Sternenhimmel und krabbelten bei 11 Grad ins Zelt.
Kilometer: 262
Teil 1514. Dez. 2017
Tag 11 – 25. Juli 2017 – Hüterin der Schlange – Desolation Valley
Campsite am Elephant’s Head – Huab
Eigentlich dachten wir, in Namibia auf einer Campsite in der Wüste zu schlafen. Aber heute Morgen war alles außerhalb des Autos nass. Nicht einfach nur feucht, sondern triefend. Der Fotoapparat, den wir für die nächtlichen Sternenaufnahmen draußen stehen hatten, war voller Tropfen, auf Tisch und Stühlen hatten sich kleine Pfützen gebildet, und die Handtücher, die wir an einen Baum gehängt hatten, waren wie gerade aus der Waschmaschine gezogen. Noch mehr als sonst freuten wir uns auf die ersten wärmenden Sonnenstrahlen und stellten alles zum Trocknen auf. Auf unserem Gaskocher versuchten wir, für alle Mann eine große Kanne Wasser zum Kochen zu bringen. Das war aber ein unmögliches Unterfangen. Es dauerte ewig, bis das Wasser annähernd heiß war, obwohl wir versuchten, den Wind abzuschirmen.
Trotzdem ließen wir uns den Spaß nicht verderben. Wir frühstückten gemütlich mit Brötchen und Müsli und hörten immer wieder die Rufe der Rüppeltrappen. Dann machten wir eine kleine Wanderung um den Berg, an dessen Fuß wir campierten. Der Campattendent, dessen Namen wir uns leider nicht gemerkt hatten, begleitete uns zunächst zum namensgebenden Elefantenfelsen.
Er war sichtlich erfreut über die Abwechslung. Seit zwei Wochen sei schon niemand mehr bei ihm zu Besuch gewesen. Manchmal sei es schon recht einsam, aber er sei hier glücklich. Auf die Frage, wie lange er diesen Job noch machen wolle, entgegnete er: Wer weiß, vielleicht einen Monat, ein Jahr, sein ganzes Leben lang … . (Ruth überlegt auf Grund des ganz normalen Schulwahnsinns vor Weihnachten, aktuell mit ihm zu tauschen. Spätestens zum nächsten Samstag und zum nächsten Heimspiel wird sie aber wahrscheinlich wieder eine ganz andere Meinung haben.) Vom Elephant’s Head aus liefen wir den sandigen Weg bergauf, den wir vor vier Jahren nicht mehr mit dem Auto hinaufgekommen waren, nachdem wir leichtsinnigerweise in den Kessel hinabgefahren waren. Wir hatten damals lange überlegt und einige Steine als Rampe schleppen müssen, um uns aus der dummen Situation zu befreien. Die naheliegendste Idee, ordentlich Luft aus den Reifen zu lassen, war uns damals gar nicht gekommen. Uwe hätte es zu gerne noch einmal mit weniger Luftdruck probiert, aber Ruth war skeptisch, dass man die steile Anfahrt auf diese Weise bewältigen würde. So war sie nicht traurig, dass die Zufahrt inzwischen gesperrt war, was wohl darauf schließen lässt, dass sich an dieser Stelle noch weitere Touristen so dämlich angestellt hatten wie wir. Wir umrundeten den Hügel, entdeckten ein paar Agamen und Geckos und freuten uns fast alle über den kleinen Spaziergang.
Auch hier sollen zwei Elefanten im Felsen stehen.
Bergschmätzer
Uwe, der Zeitwächter, mahnte, sich nicht zu vertüddeln. Wir müssten noch die verlorenen Kilometer von gestern bis zum Rhino Ugab Camp aufholen. Trotzdem kletterten wir zu fünft unter der Führung des Campattendents auf den kleinen Berg und erlebten eine tolle Aussicht über die Ebene. Wahrscheinlich hätten wir den Aufstieg auch alleine bewältigt, aber mit Begleitung mussten wir nicht lange nach einem geeigneten Weg suchen.
Erkennt ihr das Gesicht?
Während Michael und Annette erfahren im Bergsteigen wie die Gazellen vorwegsprangen, war der steile Abstieg für uns schon eine kleine Herausforderung. Kurz bevor wir wieder zurück an der Campsite waren, entdeckten wir eine Schlange zwischen den Felsen. Sie war ca. 1,50 Meter lang und sehr dünn.
Unser Führer erklärte uns, dass sie nicht giftig sei, sammelte aber dennoch ein paar große Steine. Ruth war alarmiert. Was er denn mit den Steinen wolle. Die Schlange müsse getötet werden. Ruths Mine war ziemlich eindeutig. Nein! Das geht nicht. Unter gar keinen Umständen. Die Schlange sei wunderschön, und überhaupt hätten wir erst ganz selten mal eine zu Gesicht bekommen. Ob es an Ruths Lehrerinnenblick lag, oder ob sie ihn durch ihr ständiges Mantra: „Stopp! Nein! Auf keinen Fall!“ ins Koma gelullt hatte, blieb unklar, aber er ließ schließlich die Steine fallen, war jedoch alles andere als begeistert. Wir folgten dem Reptil in einigem Abstand, als es sich geschickt über die Steine bewegte.
Die Schlange war ein wenig dunkler gefärbt als diejenige, die wir vor ein paar Tagen im Namib-Naukluft-Park gesehen hatten, erschien uns aber dennoch ähnlich. Als wir uns endlich von ihr losreißen konnten und zum Auto zurück wollten, hatte unser Campattendent doch tatsächlich schon wieder ein paar Felsbrocken in der Hand. Also begann das Spielchen von Neuem. Nur eine tote Schlange sei eine gute Schlange. Nein! Doch! Nein! Doch! Ruth weigerte sich, die Schlange ihrem Schicksal zu überlassen und schüttelte so lange energisch den Kopf, bis unser Guide kapitulierte und sich endgültig an den Abstieg machte. Sieg für Ruth und die Schlange! Zumindest für heute. Wir packten alle Sachen zusammen, und Uwe half noch, die defekte Wasserleitung an unserem Stellplatz zu reparieren. Michael hatte zuvor gemerkt, dass eine Schlauchschelle an einem Verbindungsstück verrutscht war. Deswegen waren bereits zig Liter Wasser in den Sand gelaufen, nachdem man uns die Leitung für die Duschen geöffnet hatte.
Dann bezahlten wir unsere Rechnung und gaben dem Campattendent noch etwas Geld für seine Begleitung bei der Wanderung.
Teil 1614. Dez. 2017
Es war schon nach elf Uhr, als wir aufbrachen. Wir fuhren ca. 60 Kilometer Richtung Norden zum Ugab. Die Landschaft wechselte zu dunklen Steinformationen. Die Aussicht war toll.
Die letzten Kilometer vor dem Rhino Ugab Camp waren steinig und eine gute Einstimmung auf die weitere Strecke nördlich des Ugab.
Im Camp machten wir eine kurze Pause und begaben uns dann auf die Etappe hinauf auf das Hochplateau. Etwas anspruchsvoller waren zwei Passagen, bei denen wir steil bergauf fahren mussten. Mit Untersetzung und ganz langsam meisterten wir aber ohne Schwierigkeiten diese Stellen. Besonders Michael als 4x4-Neuling wurde gefordert, zumal die Autos bisweilen nur auf drei Rädern fuhren.
Oben angekommen machten wir eine größere Pause und picknickten.
Dann richteten wir uns nach Westen und fuhren an der Quelle von Gai-As vorbei. Dort gab es Wasser und einige Steinhäuschen.
Zahlreiche Tierspuren zeugten davon, dass die kleine Wasserstelle häufig von Wild frequentiert wird. An einem nahegelegenen Felsen war außerdem eine Kamera montiert. Zu gerne hätten wir einen Blick auf die Aufnahmen geworfen.
Unser Ziel war das Flussbett des Huab. Die Strecke dorthin zog sich sehr, war aber landschaftlich besonders reizvoll und ausgesprochen schön.
Wir fuhren über Stock und Stein und erreichten gegen 17.00 Uhr die westlichen Ausläufer des Huab-Trockenflusses. Zum Glück zeigte das GPS bald einen Picknickplatz. Da wir keine Lust bzw. Zeit mehr hatten, weiter zu suchen, blieben wir dort und richteten uns ein.
Anfangs war es ziemlich zugig und kühl, denn es blies ein starker Wind, der zum Glück später nachlies. Auf einem großen Feuer kochten wir Blumenkohl, Möhren und Broccoli im Potije und grillten ein paar Oryx-Steaks. Wieder hatten wir eine lange Fahretappe hinter uns gebracht. Die Landschaften, die wir durchfuhren, waren atemberaubend schön. Uns war nicht eine Minute langweilig.
Kilometer: 130
Teil 1715. Dez. 2017
Tag 12 – 26. Juli 2017 – Sackgasse im Huab und kleine Planänderung
Huab – Bambatsi
Was für ein Tag. Wir standen nicht allzu spät auf. Leider befanden wir uns mit unserem Bushcamp im Schatten eines kleinen Berges. Dennoch war es nicht kalt, und wir entschieden, zunächst lediglich Kaffee zu trinken und später zu frühstücken, wenn wir bereits einen Teil der unbekannten Wegstrecke bewältigt hätten. Uwe sammelte Stöckchen für den Kelly Wasserkocher.
Zum Kaffee bzw. Tee gab es nur ein paar trockene Rusks. Wenn man diese in das heiße Getränk tunkt, schmeckten sie sogar ganz gut. Wir packten unser Lager zusammen, und obwohl wir eigentlich früh los wollten, war es schon halb neun, bis wir uns endlich auf den Weg machten.
Zunächst führte die Strecke nördlich des Flussbettes entlang. Es ging hügelauf und -ab auf ziemlich steiniger, holpriger Pad. Manchmal sahen wir das grüne Band des Huab, welches sich zwischen den Bergen dahinschlängelte, manchmal fuhren wir im Flussbett, dann wieder über ein etwas höher gelegenes, felsiges Plateau. Nach jeder Biegung und hinter jeder Kuppe öffnete sich ein neuer Blick. Die Landschaft war fantastisch. Genau diese Stellen sind es, die Namibia so einzigartig machen.
Nach wenigen Kilometern kamen wir zu einem Aussichtspunkt. Michael, mittlerweile ganz Offroad-Profi, steuerte den Hilux gekonnt die ziemlich steile, steinige Auffahrt auf den kleinen Hügel hinauf. Wir machten große Augen, als wir sahen, wie die Reifen durchdrehten und die Steine unter dem Auto hinausspritzten. Ruth entschied sehr schnell, dass man das Hügelchen auch hinauflaufen könne. So parkten wir unser Auto unten und kraxelten die Zufahrt hinauf. Hier oben wehte ein kräftiger Wind.
Uwe bereute es ein wenig, von unserem Auto nicht auch ein Foto am Abgrund zu haben.
Der eigentlich auf unserem GPS markierte Aussichtspunkt lag aber noch einen guten Kilometer entfernt. Da wir ja so ausgesprochen gut in der Zeit lagen, marschierte Ruth auch gleich los. Der Zeitwächter konnte nur den Kopf schütteln und in sein Auto steigen. Er sollte sich wohl verstärkt Gedanken über seine Autorität machen, war vielleicht aber auch einfach froh, seine Ruhe zu haben. Außerdem muss ja irgendjemand seine Fahrt in dieser grandiosen Landschaft dokumentieren.
Die Aussicht über das grüne Huab-Tal war einfach nicht zu toppen. Im Flussbett raschelte hohes Schilf im Wind, was sich fast so anhörte, als fließe tatsächlich Wasser. In einiger Entfernung sahen wir noch einige größere Tümpel stehen. Tiere waren allerdings keine zu erkennen. Wir waren ganz beeindruckt von dem Ausblick. Jeder suchte sich ein Plätzchen und schaute gebannt ins Tal.
Die Magie des Augenblicks lässt sich mit Worten nicht ansatzweise beschreiben. Dieser Ort war einfach der Knüller.
Teil 1815. Dez. 2017
Als wir uns endlich losreißen konnten und der Zeitwächter auf die vor uns liegende Strecke verwies, eröffnete uns Annette, dass sie die Idee von Ruth, einfach ein Stück zu Fuß zu laufen, großartig fände. Was sein muss, muss sein. Gleiches Recht für alle!
Von nun an führte der weitere Weg bergab ins Huab-Tal.
Er war sehr rumpelig, und wir wurden in unserem Auto ganz arg hin und her gerüttelt. Schließlich endete die Spur für uns in einer Wasserdurchfahrt. Sie führte für etwa zehn Meter durch Wasser mit sehr matschigem Untergrund. Als Ruth versuchte hindurch zu waten, kam sie keine zwei Schritte weit und verlor dabei fast ihren rechten Croc.
Das GPS zeigte zu allem Überfluss den Wegpunkt „Huab river crossing (difficult to impossible)“. Na großartig! Hatten wir doch glatt übersehen bei unserer Planung. Heute war der Fall klar: Es war nicht difficult, sondern impossible. An dieser Stelle war kein Durchkommen, weder zu Fuß, noch mit den Autos. Selbst wenn es irgendwie geklappt hätte, hätten vielleicht noch weitere derartige Problemstellen auf uns gewartet. Leider gab es auch keine Umfahrungen. So war hier nach nur 14 km der geplanten Tagesetappe erst mal Schluss. Wir konsultierten die Karten.
Große Ratlosigkeit war angesagt. Wir hätten zurück fahren und dann auf der östlichen Huab-Seite nach Norden fahren können. Aber auch diese Route erschien und nicht sicher/ trocken genug. Oder doch die Schlammquerung wagen? Michael hätte wohl zu gerne einmal die Winch ausprobiert. Die Aussicht auf Erfolg war bei dieser Möglichkeit allerdings sehr gering. Schließlich entschieden wir uns, zwar auch bis fast zu unserem Übernachtungsplatz zurückzufahren, dann aber die westliche Route in großem Bogen nach Norden zur C39 zu nehmen. Dies war zwar ein großer Umweg von etwas über 90 km, barg aber die wenigsten Risiken. Auch wenn der Zeitwächter schon hektische, rote Flecken im Gesicht bekam – es war schließlich schon beinahe halb zwölf –, bissen wir in den sauren Apfel und machten uns in Ermangelung weiterer Alternativen auf den Rückweg.
Im Nachhinein war dies für uns die richtige Entscheidung. Die Strecke führte überwiegend bergauf durch Steinfelder – große, grobe, runde, eckige Steine, Geröll, Schotter und Sand, rot, braun, schwarz, anthrazit, grau, beige und kupfer.
Gut anderthalb Stunden waren wir so recht zügig unterwegs, nur von kurzen Fotostopps unterbrochen.
In dieser kargen Landschaft rechneten wir eigentlich nicht mit Tieren. Umso überraschter waren wir, als wir plötzlich einige Zebras erblickten. Die Tiere flüchteten sofort. Die hohe Anzahl grüner Büsche ließ auf vorhandene Feuchtigkeit im Boden schließen. Zu unserer großen Freude meldete Hanna von vorne: Nashorn! Und tatsächlich entdeckten wir bald darauf neben einem Baum ein einzelnes Rhino. Es schnaubte und entfernte sich ebenfalls rasch von uns. Dabei markierte es mehrmals die Umgebung. Um es vor Wilderern zu schützen, war sein Horn bereits gekürzt worden, mittlerweile aber wieder nachgewachsen.
Wir freuten uns sehr über diese besondere Sichtung. Der Umweg hatte sich also gelohnt. Nachdem das Rhino über den angrenzenden Hügel verschwunden war, stiegen wir aus dem Auto und erkundeten ein wenig die Gegend. Wir stellten fest, dass in einer Vertiefung nahe der Felsen tatsächlich noch ein paar kleinere Wasservorkommen lagerten. Zahlreiche kleinere Vögel flatterten herum und stillten ihren Durst.
Lerchenammer
Da das Gelände durch die vielen dichten, grünen Büsche recht unübersichtlich war, war uns ein wenig unbehaglich zu Mute. Die Wasserstelle war offensichtlich eine beliebte Anlaufstelle für verschiedenstes Wild. Wir wollten bei unserem Spaziergang nicht aus Versehen über ein zweites Rhino oder ein schlafendes Leopardenkind (;-)) im Geheimversteck stolpern. Deswegen sahen wir uns immer wieder in alle Richtungen um und kehrten bald zum Auto zurück. Kurz bevor wir wieder einstiegen, entdeckte Ruth diese Grille, oder war es eine Heuschrecke? Lieber Herr Professor hilf, was ist da eigentlich gleich der Unterschied?!
Auf den letzten Kilometern der 4x4-Strecke sahen wir noch mehr Zebras und ein paar Giraffen. Ein paar Kilometer vor der Hauptstraße machten wir eine längere Rast. Da es weit über dreißig Grad, aber keinen einzigen schattenspendenden Baum in der Nähe hatte, spannten wir die Markise auf und stellten unseren Tisch darunter. Es war mittlerweile Viertel nach drei, und unsere Pause ging wohl nicht mehr ganz als Frühstück durch. Trotzdem war die Laune gut.
Wir machten einen Avocado-Salat mit Thunfisch und Mais. Nach der anstrengenden Fahrerei des bisherigen Tages genossen alle die kleine Auszeit. Ein Stück entfernt saßen drei Schildraben auf einem Bäumlein und bekrächzten, ob wohl auch etwas von unserem Picknick für sie abfallen würde. Immer mal wieder flog einer von ihnen auf und drehte ein Ründchen über unseren Köpfen. Nichts! Keine Avocadoschale, kein Nüsslein, kein Brotkanten. Da sind wir eisern, geiziges Pack aber auch. 😉 Als es weiterging, kreuzten zwei Schakale eilig unseren Weg,
bevor wir nach vielen Kilometern auf Allrad-Strecken die C39 erreichten und Richtung Osten fuhren. Zu Beginn sahen wir hier mehrfach ein paar Giraffen und Strauße in einiger Entfernung neben der Straße. Wir hielten nur kurz, denn das Zeitmännlein fand Giraffen in der Senke ohne Beine und Bauch, noch dazu weit weg, nur mäßig spannend. Außerdem hatte es ja auch wirklich Recht. Da wir aus unerklärlichen Gründen bereits mächtig spät dran waren, mussten wir uns wieder mal beeilen. Mit den maximal erlaubten 80 Stundenkilometern galoppierten wir über Berge und durch Täler. Unsere Fahrt hatte ein wenig etwas von einer Achterbahnfahrt, war nur sehr viel langsamer.
Wir machten uns ein wenig Sorgen um die Belastbarkeit unserer drei Begleiter, da wir diese mit unserer heutigen Etappe – wieder mal – ganz schön forderten. Anscheinend umsonst, denn als sie auf der C39 die Führung übernahmen, war bald nichts mehr außer einer langen Staubfahne von ihnen zu sehen.
Die Strecke zog sich dahin, war aber trotzdem landschaftlich sehr schön und abwechslungsreich.
Einmal hielten wir noch kurz an, um mit einer Flasche Wasser auszuhelfen.
Eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang erreichten wir Khorixas. Während Michael, Annette und Hanna tankten und noch in den Supermarkt gingen, fuhren wir die letzten 60 Kilometer auf der Teerstraße zur Bambatsi Gästefarm voraus. Wir checkten ein und warteten bei einem Sundowner auf der Zufahrt zum Campingplatz auf unsere Freunde. Endlich hatte der Zeitwächter Feierabend.
Als sie eintrafen, war es bereits stockdunkel, und wir parkten die Autos. Nachdem der Donkey befeuert war, dauerte es nicht mehr lange, bis wir alle mit warmem Wasser duschen konnten. Nach der Nacht am Elefantenkopf und im Huab war dies eine wahre Wohltat. Zum Glück war der Abend angenehm warm, so konnten wir gemütlich das Abendessen zubereiten. Wir grillten Oryx-Steaks und aßen dazu Folienkartoffeln. Lange saßen wir noch um unser großes Feuer zusammen. Aus verschiedenen Richtungen ertönte immer wieder der zirpende Ruf von mehreren African Scops Owls.
Kilometer: 292
Teil 1917. Dez. 2017
Tag 13 – 27. Juli 2017 – Einkaufen und Strecke machen
Bambatsi – Maori, Grootfontein
In der Nacht und am Morgen rappelte der Wind an unserem Zelt. Aber es war schön warm und vor allem trocken. Da wir gestern Abend erst so spät angekommen waren, hatten wir nur eine normale Campsite mit kurzem Anfahrtsweg bekommen. Sie war nichts Besonderes, aber völlig ausreichend.
Uwe kochte Wasser mit der Kelly, und wir frühstückten mit Müsli, Papaya, Brötchen, Marmelade und Nutella.
Ein wenig gehandicapt waren wir durch ein paar Wart-a-bikkie-Äste, die direkt neben unserem Frühstücksplatz in den Weg zu unseren Autos ragten. Jeder von uns blieb mindestens einmal mit irgendetwas darin hängen. Vielleicht hätten wir unsere Tische doch an einer anderen Stelle aufklappen sollen.
Nach dem Einpacken fuhren wir zum Farmhaus, bezahlten und warfen noch einen kurzen Blick auf die große Terrasse. Das Farmhaus liegt auf einem Hügel mit einer tollen Aussicht. Wir fuhren getrennt voneinander nach Outjo.
An einer Tankstelle füllten wir Diesel auf. Nach 70 Litern lief der Kraftstoff nur noch so langsam in den zweiten Tank, dass wir es dabei beließen und die Zeit lieber dazu nutzten, uns nebenan vor die neu eröffnete Outjo Bakery zu setzen. Diese ist inzwischen renoviert und vergrößert worden. Alles ist sauber und modern. Trotzdem finden wir, dass die alte Bäckerei ein wenig mehr Charme hatte. Inzwischen waren unsere Freunde ebenfalls eingetroffen. Sie ließen in der Werkstatt gegenüber eine Warnleuchte prüfen, die seit gestern in ihrem Wagen aufleuchtete. Währenddessen saßen wir im Café, aßen eine Kleinigkeit und genossen die warme Sonne.
Dann fuhren wir weiter nach Otjiwarongo. Vor dem Superspar hielten wir, und während Uwe beim Auto blieb und ein wenig Luft aus den zu stark gefüllten Reifen ließ, kaufte Ruth ein paar Lebensmittel ein. So kamen wir schnell weiter. Bei Otavi bogen wir auf die B8 nach Grootfontein. Am Straßenrand standen immer mal wieder Warzenschweine. Kurz vor der Ortsausfahrt von Grootfontein gab es eine Baustelle mit einer Umleitung, dann erreichten wir das Camp Maori. Peter war da und begrüßte uns auf seine gewohnt urige Art. Außer uns stand noch ein Wohnmobil auf dem Campingplatz. Wir schlugen unser Lager auf, und während Ruth duschte, unterhielt sich Uwe ein wenig mit den anderen Campern. Danach spazierte sie durch den Garten auf der Suche nach ein paar schönen Blüten oder Vögeln, denn das markante Quietschen der Rosenköpfchen hatte Ruth hellhörig werden lassen.
Ein Papagei war auch bald gesichtet. Nun musste man ihn nur noch erwischen. Ruth folgte ihm quer durch den Garten im Zick-Zack unter sämtlichen Büschen und Bäumen hindurch.
Wie sich bald herausstellte, war zu viel Hans-guck-in-die-Luft aber auch nicht gut. Die Vogelpirsch musste kurz darauf nämlich abgebrochen werden, denn Ruth war in einen Ast getreten. Ein besonders langer, spitzer Dorn war durch ihren Croc hindurch gegangen und beim Herausziehen aus dem Schuh unglücklich abgebrochen und im Fuß stecken geblieben. Ruth hüpfte und fluchte und benötigte eine ganze Weile, um den kleinen Splitter mit Nadel und Pinzette wieder zu entfernen. Wesentlich vorsichtiger wurde der ursprüngliche Plan danach fortgesetzt.
Weißbauch-Nektarvogel
Grautoko
Graulärmvogel
Trauerdrongo
Wir wuschen Wäsche, Uwe duschte, und dann gingen wir zum Sundowner auf den Turm. Zum ersten Mal seit drei Tagen schafften wir es, den Sonnenuntergang pünktlich mit einem Getränk zu genießen.
Wir machten ein großes Feuer und grillten die letzte Portion Oryx. Dazu gab es einen Salat aus Gurke, Tomaten, Feta, Blumenkohl und Möhre. Außerdem grillten wir ein paar Brote und verbrauchten einen Rest Knoblauchbutter.
Kilometer: 366
Teil 2018. Dez. 2017
Tag 14 – 28. Juli 2017 – Endlich Tiere
Maori, Grootfontein – Namutoni, Etosha
Als wir aufstanden, war die Luft noch frisch, und das blieb auch während des Frühstücks so, denn wir saßen leider im Schatten eines Baumes. Dennoch schmeckten uns Kaffee, Tee, Müsli und vor allem das Brot und die Brötchen, die wir gestern in der Bäckerei in Outjo gekauft hatten, sehr gut. Dann spülten wir und packten unsere Sachen zusammen. Noch einmal statteten wir dem großen Garten von Peter und Conny einen Besuch ab. Hier flatterte es überall. Während sich Ruth mit Conny unterhielt, pirschte vor allem Uwe den vielen Vögeln hinterher.
Rotzügel-Mausvogel
Damaratschagra
Elsterdrossling
Büffelweber
Wir bezahlten unsere Rechnung und wollten anschließend nur noch Fleisch in Peters Souvenirshop kaufen. Aber so einfach ließ er uns natürlich nicht davonkommen. Wir mussten zunächst seine verschiedendsten Waren begutachten. Dazu gab es, ob man wollte oder nicht, ausführliche Erklärungen. Tischdecken, Makalani-Nüsse, Schnitzereien, Armbänder und, und, und mussten ausgiebig bestaunt werden, bevor Peter seinen Kühlschrank öffnete und wir einige Portionen leckeres Springbock-, Oryx- und Wildebeest-Fleisch bekamen. Peter hatte ganze Arbeit geleistet. Obwohl wir ja eigentlich genau wussten, was wir haben wollten – nämlich ausschließlich Fleisch – war sich Ruth plötzlich sicher, die beiden gar nicht mal so kleinen Metall-Zebras könnten ganz prima in unserem Wohnzimmer herumgaloppieren. Auch Annette erstand noch zusätzlich zu ihren Fleischvorräten eine Tischdecke und ein Straußenei. Wir nahmen noch einen Sack Holz mit und füllten unseren Wassertank auf. Dann verabschiedeten wir uns von Peter und Conny und fuhren nach Grootfontein. An der ersten Total-Tankstelle gab es einen Geldautomaten, der sogar funktionierte. Daher hoben wir in mehreren Etappen Bargeld ab, tankten und kauften auch noch ein paar Brötchen. Unsere Freunde wollten noch ihre Vorräte aufbessern, und so beschlossen wir vorauszufahren und uns erst in Namutoni wieder zu treffen. In Tsumeb machten wir eine erneute Pause, denn einmal im Urlaub packt es Ruth, und sie hat plötzlich Lust auf Fritten und einen Burger bei Wimpy. Die Frikadelle im lätscherten Brötchen, die matschige Gurke und der komische, süße Ketchup mit dem Maximum an Farbstoff bedeuten dann pures Glück! 🤪 🤢
Bestens mit Vitaminen versorgt ging es dann endlich zum Etosha. Am Gate wurden wir belehrt, dass rohes Fleisch und Eier nicht aus dem Park ausgeführt werden dürfen. Im Office in Namutoni bezahlten wir den Parkeintritt und kauften im Shop innerhalb des Forts eine Etosha-Karte zum Ankreuzen unserer Tiersichtungen. Auf der Campsite erhielten wir einen schönen, großen Stellplatz in der Mitte. Noch während wir Tisch und Stühle aufstellten, bekamen wir Besuch. Eine Schar Zebramangusten wieselte (oder mangustelte?) über den Platz.
Nach einer kurzen Duschpause fuhren wir in den Park. Zuerst sahen wir bei Koinachas über ein Dutzend Silberreiher, einige Nilgänse, Blutschnabelweber und Impalas.
Um es vorwegzunehmen, wir sahen heute weder Gepard, noch Leopard oder Löwe auf unserer ersten Runde durch den Park. Bei Chudop standen Giraffen, und gegenüber der Wasserstelle verspeiste eine Riesentrappe die Reste eines kleinen Vogels. (Löwenkill kann ja jeder! Trappenkill ist der Hit.)
Nach einiger Zeit ging es dann Richtung Kalkheuwel.
Gabelracke
Dort standen zwei Elefanten am Frischwasser, und die meisten anderen Tiere hielten Abstand. Nach vorsichtigem Zögern kamen aber auch hier Giraffen, Impalas und jede Menge Vögel zum Trinken.
Goldbugpapagei
Blutschnabelweber
weibliche Spitzschwanz-Paradieswitwe (vielen Dank an Konni für den Tipp und Matthias für die Bestätigung)
Graukopfsperling
Kaptäubchen
Maricoschnäpper
Wir standen recht lange dort, bevor wir zurück nach Chudop fuhren.
Gerade war eine größere Elefantenherde zum Wasser gekommen. Die Tiere tranken und schoben sich ein wenig hin und her. Die kleinsten wälzten sich auf dem Boden und wuselten zwischen den dicken Beinen ihrer Familienangehörigen hin und her. Es gab viel zu sehen.
Nach einiger Zeit näherte sich ein einzelner Elefantenbulle in der Musth. Alle anderen Tiere machten ihm respektvoll Platz. Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, einmal um das gesamte Wasserloch zu schreiten, um auch ja jeden anderen Elefanten vom Wasser zu verscheuchen. Danach ging er ohne zu trinken, zufrieden und scheinbar deutlich besserer Laune seiner Wege.
Zwergtaucher
Als wir wieder in Namutoni ankamen, waren Annette, Hanna und Michael ebenfalls eingetroffen. Auch heute Abend gab es ein schönes Feuer. Zusammen grillten wir das Fleisch von Maori und aßen gemischten Salat.