erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200923. Okt. 2014 · #1
Die Knäckebrote sind heute wohlbehalten nach dreieinhalb Wochen aus Madagaskar zurück gekommen (was es mit diesem Begriff auf sich hat, steht hier). Schwerpunkt dieser Reise war die Ostküste, mit Canal des Pangalanes, Masoala-Regenwald und Ile Sainte Marie.
Vorab möchten wir schon mal ein dickes fettes MISAOTRA an alle loswerden, die dazu beigetragen haben, dass das Projekt ein voller Erfolg geworden ist!
Rückblende:
24.06.2012 - wir stehen am Flughafen Ivato in dieser merkwürdigen Halle, die wie drei aneinandergeschraubte Finnhütten aussieht und sind auf dem Weg zurück nach Europa. Mit einem dicken Kloß im Hals verabschieden wir uns von unserem Reiseleiter und seiner Frau, die uns auf der ersten Tour begleitet hatten. Das einzige, was einen in solchen Momenten aufmuntert, ist die Hoffnung, eines Tages wieder vor diesem seltsamen Gebäude zu stehen und zu sagen Da sind wir wieder!.
Wann das wohl sein würde? Deux mille quatorze – zweitausendvierzehn fassen wir schließlich ins Auge. 2013 ist zu nahe und in diesem Moment waren wir so voll mit Eindrücken, dass wir uns eine sofortige Fortsetzung gar nicht vorstellen konnten. Wir wollten nicht mal nach Afrika fahren. Was übrigens aus diesem Vorsatz geworden ist, könnt ihr hier nachlesen 😉
Im Herbst 2013 beginnen wir dann mit der Planung für Madagaskar 2.0. Wir wollen noch mal mit Andasibe anfangen, danach ein paar schöne Ecken an der Ostküste mit Pangalanes, Masoala und Ile Sainte Marie. Die Planung gestaltet sich als sehr schwierig, weil die Verkehrsverbindungen erschreckend kompliziert sind. Insbesondere ist die Ausgangsbasis für Touren in den Masoala-Regenwald, Maroantsetra, auf dem Landweg von Süden aus praktisch unerreichbar. Damit es dann doch klappt, entsteht ein komplexes Konzept aus Mietwagen mit Fahrer, 5 langen Bootsfahrten und 3 Inlandsflügen. Unser Reiseleiter von damals macht diesmal die Organisation, begleitet uns aber nicht, was in diesem Falle auch nicht wirklich viel Sinn machen würde. Außerdem haben wir ja schon etwas Erfahrung und kommen auch so ganz gut zurecht. Im Masoala-Regenwald werden wir sowieso eine Woche von einem lokalen Guide betreut.
Nicht nur wegen der Planungsschwierigkeiten scheint die Reise unter keinem guten Stern zu stehen: am Ende verschiebt sich unser Umzugstermin so weit nach hinten, dass er fast auf die geplante Reise fällt. Nachdem wir den Umzug dann doch noch über die Bühne gebracht haben, fangen zwei Wochen vor Abflug die Piloten von Air France an, zu streiken.
In der letzten Woche suchen wir fieberhaft nach alternativen Flügen, aber die sind schon alle weg. Am Ende kommen wir mit einem blauen Auge davon: nur der Zubringer nach Paris wurde annulliert, wir kriegen einen Ersatzflug einen Tag vorher und müssen eine Nacht bei Paris verbringen.
Moose hat ein günstig gelegenes Hotel in der Nähe des alten Flughafens Le Bourget gefunden und reserviert. Als wir am 26.09. in CDG landen, nehmen wir uns das nächstbeste Taxi zum Hotel. Wir wundern uns schon, warum der Taxameter bei 25 Euro anfängt. Am Hotel sind es 50 Euro, aber der Fahrer will 60, weil das angeblich der Minimaltarif für Flughafentransfers sei.
Ja nee, ist klar: wenn man als Air France Pilot eine Viertelmillion Euro im Jahr verdient, kann man sich auch für 60 das Taxi leisten – Patt Probläääähm! 😠 .
Die Wirtin unserer schnuckeligen kleinen Pension macht mir trotz meiner bescheidenen Französischkenntnisse klar, dass wir einem Halsabschneider aufgesessen sind.
Auf dem Tisch lieten Zeitungen aus, auf einer steht auf der Titelseite in dicken Lettern La grève kamikaze.
Immerhin liegt das Hotel sehr günstig, Wir gehen um die Ecke beim Inder zum Abendessen. Direkt nebenan ist das Luftfahrt- und Raumfahrt-Museum:
Und ein bißchen französisches Flair hätten wir da auch noch:
27.09.2014
Wir finden heraus, dass die RATP Buslinie 350 fast direkt vor dem Hotel losfährt um am Flughafen CDG hält. Kostenpunkt: 4 Euro pro Nase! 🤩
Als dann am späten Vormittag unser Schicksalsflug AF934 endlich – mit uns an Bord – abhebt, fällt uns eine FCE-Güterzugladung Last von den Schultern.
Zehn Stunden später setzt die Boeing 777 mit einem satten "Wumms" auf der einzigen Landebahn in Ivato auf und kommt vor einem Gebäude zu stehen, das wie drei aneinandergeschraubte Finnhütten aussieht. Wir steigen aus, schnuppern die ersten Atemzüge madagassischer Luft und sagen:
Reiseleiter108 Beiträge · seit 201223. Okt. 2014 · #2
Liebe Knäckebrote,
Diese Reise war viel schwieriger als die Erste und das Unerwartete lauerte an allen Ecken. Erst als die schöne und beruhigenden SMS vom Flughafen ankam war ich völlig beruhigt und jetzt kann ich mit viel Freude den 2. Teil der Knäckebrot Saga lesen und die Bilder davon ansehen. Ich wünsche euch noch mehr Nachglut als nach der Ersten Reise, ich bin sicher das die Fortsetzung noch spannender wird weil die bereisten Gebiete diesmal viel schwieriger zu erreichen waren und weil die Fotos sicherlich noch beeindruckender sind. Ich freue mich schon auf diesen neuen Reisebericht.
schön, dass Ihr gesund wieder zu Hause angelangt seid. Seit einiger Zeit schaue ich immer mal nach einem neuen spannenden Reisebericht von Euch, nun ist es endlich soweit. Obwohl ich den genauen Reisetermin nicht wußte, saß ich die letzten Wochen (in Gedanken) auf Eurem Rucksack. Und jetzt kann es losgehen, ich freue mich auf kurzweilige Erzählung und superschöne Bilder.
nun seid Ihr auch schon wieder zurück - für uns ja eine Freude, weil Ihr dann mit Bildern und Bericht aufwartet 😉 Der Beginn ist schon mal wieder wunderbar, ganz lieben Dank!! Freu mich schon riesig auf Madagaskar 2.0 🤪
Liebe Grüße Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
schön, dass Ihr so schnell schon mit dabei seid. Ich muss leider noch ein Mitbringsel von unserem letzten Restaurantbesuch kurz vor Abflug auskurieren, der war leider einer dieser afrikanischen Momente... Aber ansonsten sind wir tatsächlich in einem Stück zurückgekommen und vor einer Stunde hat man uns sogar unsere 3 "Gebäckstücke" nachgeliefert. Die Leute von Air France sagen das Wort immer recht niedlich, klingt fast sächsisch... Liebe Grüße,
Reiseleiter108 Beiträge · seit 201223. Okt. 2014 · #8
Hallo Annick,
Hat zwar mit dem Thema nichts zu tun aber ich bin auch dafür die arroganten Franzosen und vor allem ihre Airline zu boykottieren. Vor 6 Tagen kam eine ganze Gruppe von 12 Gästen mit dem Handgepäck in Antananarivo an, ALLE Koffer sind in Paris versandet! Davor gab es zwei Wochen lang Streik (dem die Knäckebrote knapp, sehr knapp entgangen sind). Hoffentlich gibt es bald kein quasi Monopol der Franzosen für Madagaskar.
Solange Air France die schnellste Verbindung nach Madagaskar betreibt, wird sie uns vielleicht ja doch wieder als Kunden gewinnen. Obwohl wir schon stark geschädigt sind... Und damals nach Johannesburg war alles prima. Schauen wir mal. Wir haben Schweizer getroffen, die mit Air Madagascar geflogen sind ab Europa. Da hat die Airline mal eben ihren Hinflug verschoben um 3 Tage und aus 14 Tagen Urlaub wurden 11... Und Air France hat sich schon sehr bemüht, uns rüberzubringen. LG
schön, dass Ihr alle dabei seid. Bitte habt etwas Geduld mit uns. Wir werden bestimmt nur langsam voran kommen mit dem Bericht. Wir sind 5 Wochen vor der Reise umgezogen und in unserer neuen Wohnung herrscht immer noch ziemliches Chaos. Wir haben so erschreckend viel Zeug und werden dem nur allmählich Herr. Aber wir arbeiten dran. 🙂 Liebe Grüße,
26.09.14 - Flug nach Paris 27.09.14 - Flug nach Antananarivo und Ankunft spät abends - Villa Sibylle 28.09.14 - Fahrt nach Andasibe - Vakona Lodge 29.09.14 - Andasibe NP - Vakona Lodge 30.09.14 - Mantadia NP- Vakona Lodge 01.10.14 - Fahrt zur Ostküste per Pkw und Boot - Palmarium 02.10.14 - Canal de Pangalanes - Palmarium 03.10.14 - Canal de Pangalanes - Palmarium 04.10.14 - Fahrt nach Tamatave per Boot - Hotel Joffre 05.10.14 - Ivoloina Park, Tamatave - Hotel Joffre 06.10.14 - Flug von Tamatave nach Maroantsetra und Bootsfahrt auf die Masoala-Halbinsel - Chez Arol Ecolodge 07.10.14 - Masoala NP - Chez Arol Ecolodge 08.10.14 - Masoala NP - Chez Arol Ecolodge 09.10.14 - Masoala NP - Chez Arol Ecolodge 10.10.14 - Masoala NP - Chez Arol Ecolodge 11.10.14 - Masoala NP - Chez Arol Ecolodge 12.10.14 - Bootsfahrt auf die Insel Nosy Mangabe in der Antongilbucht - Camping 13.10.14 - Bootsfahrt nach Maroantsetra und Flug von Maroantsetra nach Tamatave - Hotel Joffre 14.10.14 - Bus- und Bootsfahrt auf die Ile Sainte Marie und von dort Bootsfahrt auf die Ile Aux Nattes - Les Lemuriens 15.10.14 - Ile Aux Nattes - Les Lemuriens 16.10.14 - Bootsfahrt auf die Ile Sainte Marie - Ecolodge Ravoraha 17.10.14 - Ile Sainte Marie - Ecolodge Ravoraha 18.10.14 - Ile Sainte Marie - Ecolodge Ravoraha 19.10.14 - Ile Sainte Marie - Ecolodge Ravoraha 20.10.14 - Flug von Ile Sainte Marie nach Antananarivo - IC Hotel Ivato 21.10.14 - Antananarivo - abends Villa Sibylle und zum Airport 22.10.14 - Rückflug 1:40 Uhr
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200926. Okt. 2014 · #14
Die Einreise nach Madagaskar ist übrigens eine langwierige Angelegenheit, insbesondere wenn man das Visum erst vor Ort bekommt. In der aus drei Finnhütten bestehenden Halle standen wir ewig an, dann wurden unsere Pässe eingesammelt und wir durften hinter dem Schalter zusehen, wie von Hand entliche Male unsere Daten in Computer und auf Formulare übertragen wurden. Danach hatten wir Glück, unsere Pässe in den Händen eines Beamten zu sehen und gleich zum Tresene zu springen, sonst hätten wir unsere Namen mit madagassisch-französischem Akzent gewiss nicht verstanden. In der Ankunfthalle wartete dann auch schon unser Fahrer Aina auf uns, der uns im ersten Drittel der Reise begleiten wird. Nach eine Viertelstunde Fahrt durch die schummrig beleuchteten Gassen von Ivato landen wir in der Villa Sibylle und fallen entspannt ins Bett, nun mit der Gewissheit, es geschafft zu haben.
Am nächsten Morgen geht es dann los Richtung Andasibe-Nationalpark. Auf diesem Gruppenbild sehen wir:
(vlnr) Justine, Steffi's Cousine, Steffi, MooseOnTheLoose und Aina, unseren Fahrer, der uns mit stoischer Gelassenheit über alle möglichen und unmöglichen Pisten schaukeln wird.
Während wir von dem großen Sabberschlapphund verschont blieben, hat uns dieser Papagei begrüßt:
Diese Pflanze wird uns auf der Reise noch sehr oft begegnen:
Dann geht es schließlich "auf Pad", auch wenn man das hier nicht so nennt. An uns vorbei ziehen die chaotischen Straßen von Antananarivo, in denen sich weder wir noch ein Navi zurecht funden würden:
Kryptische Ansammlung von Buchstaben mit Säulen... wär' was für die Documenta
Das willkommene Erfrischungsgetränk am Abend eines erleblisreichen Tages, das allen Unkenrufen zum Trotz als besser so manch eine Plörre schmeckt, die bei uns aus dem Zapfhahn fließt:
Liebe Knäckebrote, Auch wenn man mit Visum im V.I.P. Modus nach Madagaskar einreisen möchte braucht man Geduld, die ganze reise ist eine Anforderung an die Geduld. Also, es geht keineswegs schneller wenn man das Visum schon in Europa erhält und man muss ja sowieso auf das Gepäck warten auch wenn man die verschiedenen Hürden in Windeseile überspringt und die roten Stempel sofort im Pass hat. Die Finnhütten verlässt man nicht so schnell wenn man Nachts mit Air France ankommt, wenn dann noch zur gleichen Zeit der Flug aus Bangkok und China ankommt dann sind die Beamten deutlich überfordert. Den ganzen Tag kommen fast keine Flugzeuge an und dann kommen in der Nacht gleich zwei Langstreckenflüge zur gleichen Zeit. Es geht allerdings wesentlich schneller wenn man Tagsüber mit South African Airlink, Air Austral oder Air Mauritius ankommt. Schönes Wochenende an alle
ich kann dazu nur sagen, vor 2,5 Jahren hat die Einreise nach Madagaskar nicht einmal halb so lang gedauert. Ob es an dem Visum lag, weiß ich nicht. Damals hatten wir es uns im Vorfeld besorgt. Allerdings bedeutet das, man muss seinen Pass per Post an das Konsulat verschicken. Etwas unheimlich. Die Öffnungszeiten sind dort in etwa von halb 12 bis halb 1. Also nichts für Beruftstätige. Zufällig wäre immerhin das Konsulat in einem Vorort Berlins gewesen. Diesmal dachten wir, wir lassen es mal drauf ankommen und holen uns das Visum vor Ort. Aber sowas habe ich tatsächlich noch nie erlebt: man muss am Einreisehäuschen seinen Pass abgeben, darf durch die Absperrung laufen, und hinter dem Häuschen stapeln sich die Leute fast dreidimensional an dem Tresen, wo die Pässe nach Aufruf des Namens wieder ausgegeben werden. Allein dort warteten wir eine halbe Stunde. Mehrere Staatsdiener hatten derweil unseren Pass in ihren Händen gehabt, Stempel hier, Stempel da, Unterschrift hier, Datum da, in einen PC wurde auch etwas eingegeben. Jeder hatte seine Aufgabe. Sehr abenteuerlich, auch ein ganz besonderer afrikanischer Moment. Hinterher lachten wir natürlich darüber, aber in dem Moment war es bereits weit nach Mitternacht und wir waren hundemüde. Ich muss nicht erwähnen, dass es von diesen Häuschen mindestens 3 gegeben hätte, aber nur eines war besetzt...
Ja, ich denke, es ist keine ganz schlechte Idee, das nächste Mal NICHT mit Air France zu fliegen... South African klingt gut!
(vlnr) Justine, Steffi's Cousine, Steffi, MooseOnTheLoose und Aina, unseren Fahrer, der uns mit stoischer Gelassenheit über alle möglichen und unmöglichen Pisten schaukeln wird.
Hach wie schön, dass die Kilos auf dieser Reise nur so gepurzelt sind! Da sah ich ja noch richtig propper aus! 🤩 😛 (Zu unserem Schaden war es nicht.)
erdferkelThemenstarter414 Beiträge · seit 200926. Okt. 2014 · #18
Weiter durch Antananarivo:
Oh Schreck... Knäckebrote!!! 😮 Nüscht wie weg hier!
Erfrischende Fassadengestaltung (1):
Schulranzen, Innereien, Gemüse – alles, was man so braucht:
Erfrischende Fassadengestaltung (2):
Motorrad und Wurst...
Aina klärt uns auf: hier handelt es sich nicht um eine Wäscherei im gewöhlichen Sinne, sondern eine Totenfeier, bei der die Kleider eines Verstorbenen gereinigt werden:
lionfight1'324 Beiträge · seit 201326. Okt. 2014 · #19
Ich bin auch dabei und freue mich schon sehr darauf wie es weitergeht.
Gruß! der Joe
"I detest racialism, because I regard it as a barbaric thing, whether it comes from a black man or a white man." Nelson Mandela
10x Süfafrika, 2x Namibia, 1x Botswana, 1x Zimbabwe, 1x Tanzania
Ich möchte zu der Waschzeremonie anmerken, dass es sich dabei nicht um eine Totenfeier handelt. Aber ganze Familien treffen sich nach dem Tode eines Angehörigen zum gemeinsamen Waschen, und dabei gar nicht mal zum Waschen der Sachen des Verstorbenen. Ich glaube, sie waschen einfach alles, was grad gewaschen werden muss, das aber alle gemeinsam im Andenken an den Verstorbenen. So habe ich das verstanden.
Ich habe während der Reise einen sehr schönen Roman gelesen, der in Madagascar um 1880 spielt. (Er war schön kurzweilig und las sich leider viel zu schnell weg.) Genau eine solche Szene wurde dort beschrieben. Wen das Buch interessiert, es ist "Die Insel des Mondes" von Beatrix Mannel.
Weitere interessante Reiselektüre möchte ich empfehlen. (Ja ja, wir sind diesmal auf unserer Reise wirklich auch zum Lesen gekommen!) Es ist das Buch "Wenn die Geister weichen" von Sergej F. Kulik. Dieses gibt es nur noch antiquarisch. Die Berichte Kuliks sind ein paar Tage älter, aber er zeichnet ein sehr detailiertes Bild der roten Insel und seiner Menschen.