Namibia mit einem 10 Monate altem Kind

62 Antworten · 9'410 Aufrufe · gestartet 16. Juli 2015 von andy_y
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Gast18. Juli 2015 · #41
Gabriele, Gerhards Sohn war 5 Jahre alt als er mit ihm in Namibia war.
(@ Gerhard: ich gebe nur den Tipp, solche Bilder lieber nicht in ein öffentliches Forum zu stellen. Es gibt eine Menger kranker Menschen da draussen die nur darauf warten)
Und genau da geht's ja schon los: in diesem Thread geht es um ein Baby von 10 Monaten, nicht um Kinder im Allgemeinen. Und dementsprechend geht es auch nicht um generelle Kinderfeindlichkeit, sondern um die Frage, was man bei einer solchen Reise beachten sollte, und dazu gehört meiner Meinung nach auch, dass man die Eltern auf die Risiken hinweist und auf Alternativen.

Was mich bei diesen Diskussionen immer so stört ist die fehlende Bereitschaft, auch nur ein Quentchen von der eigenen Meinung abzuweichen und dem anderen hier und da einen Punkt zuzugestehen. Und da ist gerade die "kinderfreundliche" Fraktion die aggressivere. Warum?

Wer sich allgemein von Kindern belästigt fühlt, sollte keine Langstreckenflüge machen oder erster Klasse fliegen, denn Kinder gehören nunmal zum Leben dazu. Die meisten von uns waren mal selber eins.
ABER: man kann sehr wohl erwarten, dass die Eltern sich darum kümmern, dass ihre Kinder sich in einem angemessenen Rahmen verhalten. Dieser Beitrag zeigt recht gut was ich damit meine.
Bei einem Baby ist es naturgemäss viel schwieriger, es ruhig zu halten wenn es Schmerzen hat, sich nicht wohl fühlt, schlafen will aber nicht kann. Darum halte ich es für rücksichtsvoll, wenn man lange Flugstrecken mit einem Baby nur dann zurücklegt, wenn es sich nicht vermeiden lässt. As easy as that. Das hat nichts mit deutscher Kinderfeindlichkeit zu tun, sondern mit Rücksichtnahme. Nicht die Kinder sollen (können) dabei Rücksicht üben, sondern die Eltern - und es ihren Kindern damit von klein auf beibringen, dass sie nicht der Nabel der Welt sind. Und nein, ich denke nicht, dass Erwachsene umgekehrt pauschal Rücksicht auf die Bedürfnisse fremder Kinder nehmen müssen. Als Erwachsener kann man das Schreien eines Babys durchaus ertragen, wenn man sieht dass die Eltern sich nach Kräften darum kümmern. Und insofern Rücksicht auf die Eltern nehmen, dass man ihnen nicht noch zusätzlich missbilligend zu verstehen gibt, dass der Lärm nervt. Man kann spielende Kinder ertragen (und sich sogar daran erfreuen), aber man muss nicht überdrehtes permanentes Gequengel mögen. Und ja, man hat als Erwachsener auch ein Recht auf Bedürfnisse.
_Matthias_ schrieb:

Ein 10monatiges Kind wird schon bald keinerlei Erinnerung an diesen Urlaub haben, egal wo er stattgefunden hat. Die Eltern dagegen schon. Und wenn daher der Urlaub dort stattfindet wo es den Eltern gefällt und nicht irgendwo, wo sie gar nicht hinwollen, dann ist das für die Stimmung in der Familie doch nur gut und somit indirekt auch fürs Kind.
Jaaa, genau. Die Eltern wollen wohin, und wenn sie da nicht hinkommen dann ist die Stimmung dahin. Sehr erwachsen. Genau das wurde hier auch schon angesprochen: wenn man Kinder hat, sollte man zumindest dazu bereit sein, die eigenen Wünsche auch mal zurückzustellen. Wenn man mal seinen Willen nicht bekommt, wird man nicht gleich sterben - man wird vielleicht sogar daran wachsen. Sich weiterentwickeln.
In diesem Faden wurden eine Menge Tipps gegeben, wie und wo ein Urlaub mit einem Baby für alle Beteiligten möglicherweise sogar entspannender und gewinnbringender sein könnte, als es ausgerechnet nach Afrika zu schleppen ( hat eigentlich irgendjemand diesen Beitrag gelesen? Sehr informativ!). Ausserdem viele Tipps, wie es auch in Namibia klappen könnte.

Am wichtigsten ist das Wohl des Kindes. Wenn sich das mit dem Willen der Eltern nicht vereinbaren lässt, dann müssen die Eltern eben zurückstecken. Falls schon, dann ist alles okay.
_Matthias_ schrieb:ch habe viel mehr den Eindruck, dass die Kinderfeindlichkeit am meisten bei denen vertreten ist, die inzwischen erwachsene Kinder haben und den jüngeren Eltern den entspannteren Umgang mit dem Nachwuchs nicht gönnen.

Sorry, aber das finde ich jetzt völlig daneben. "Den entspannteren Umgang mit dem Nachwuchs nicht gönnen"??? Ich hab selten so einen Schwachsinn gelesen - und ich bewerte normalerweise die Meinung anderer Menschen nicht.
Mehr sag ich lieber nicht dazu.
zuletzt bearbeitet 18. Juli 2015
338 Beiträge · seit 201518. Juli 2015 · #42
hallo woma
habe das bild gelöscht. ich werde mich nie daran gewöhnen das ein einfaches kleines bild von einem jungen, das den meisten ein schmunzeln entlockt , bei anderen krankhafte fantasien erzeugt. sorry an meinen kleinen
gerhard
521 Beiträge · seit 201118. Juli 2015 · #43
Hallo Andreas,

Wir hatten auch schon überlegt, ob wir mit unserem jetzt acht Monate lten Sohn in nächster Zeit nch Namibia wollen, unser Afrikaweh ist so groß...
Aber dann habe ich mit vorgestellt, wie ich mit dem krabbelnden, stehenden, purzelnden Kind auf einem sandigen Campingplatz bin, ich ihn rumtrage, wenn er müde ist, er alles untersuchen will und alles in den Mund steckt, ich glaube, vom Camping und Landschaft in Namibia hätte ich selber nicht viel. Tiere beobachten wäre bei uns auch nicht soo entspannt, ginge nur, wenn er im Auto schläft und irgendwie überzeugt mich das nicht so.

Wir werden aber so bald wie möglich nach Südafrika/Kapstadt fliegen. 🙂

Fliegen ist mit unserem kleinen bis jetzt kein Problem, aber Ihr wisst ja selber wie das mit allem ist, mal gut, mal schlecht 😉

Dies nur meine Überlegungen in Kürze,
Grüße,
Nunanani
Südafrika, Botswana, Namibia, Zimbabwe, Mosambik,...
Gast20. Juli 2015 · #45
Liebe Christa,
Botswanadreams schrieb:was meinst Du denn mit "möglicherweise viel"? Du spricht doch sonst nur von statistischen Fakten, die jeder hier zu akzeptieren hat. Persönliche Meinungen sind doch bei Dir nicht erlaubt. Soll "möglicherweise viel" etwa heissen, was das Baby nicht umbringt, macht es stark.
Statt befremdliche Vermutungen anzustellen oder mir einfältige Formeln unterstellen zu wollen, könntest Du einfach noch mal im Thread nachlesen. Ich habe das bereits geschrieben. Aber gern noch mal ausführlicher.

Richtig ist, dass das Kind sich später nicht bewusst an die Reise erinnern wird. "Aber auf die bewusste Erinnerung kommt es gar nicht an. Das Gehirn profitiert von den fremden Reizen, die sich unbewusst sehr wohl einbrennen. [...] Solche Reize verbessern die Fähigkeit des Gehirn sich zu strukturieren. [...] Tendenziell gilt: Je größer der Unterschied [zum Zuhause], desto intensiver die Lernerfahrung. [...] Viele Eltern lieben die Wiederholung, sind Stammgäste in immer derselben Ferienanlage...., das ist sicher bequem und entspannend, aber Kinder lernen nur durch neue Erfahrungen." Alles Originalaussagen von Prof. Dr. Kristian Folta-Schoofs, Hirnforscher und Lernpsychologe, Universität Hildesheim, basierend auf entsprechenden Studien. Es gibt weitere Forscher, die die gleichen Aussagen machen und deshalb ist das Argument, dass solche Reisen dem Kleinkind nichts bringen, wohl nicht zu halten. (Es verdrehe mit jetzt bitte nicht wieder jemand das Wort im Mund und schreibe, dass also alle Kinder dumm bleiben, die keine Fernreisen erleben durften).
travelNAMIBIA schrieb:
Zum einen wäre das kein Argument speziell gegen Namibia-Reisen, sondern ein Argument gegen Urlaub mit Babies und Kleinkindern generell.
bitte? 99,9% der Deutschen reisen z.B. mit ihren kleinen Kindern in ein Familienhotel in der Türkei o.ä. Sowas gibt es in Namibia nicht. Das ist das klassische "Reisen mit Kindern". Ob man das mag ist eine ganz andere Frage (ich z.B. mag es nicht)
Du hattest geschrieben, das eine Namibiareise dem Kind nichts bringt. Das Familienhotel in der Türkei, die Mallereise oder die Reise an diese Ostsee "bringt" dem Kind in dem Alter auch nichts oder noch weniger. Insofern wäre das eben kein Argument speziell gegen eine Namibiareise mit kleinen Kindern, sondern ein Argument gegen Reisen mit Kleinstkindern generell.

Ein potentielles Problem möchte ich ausdrücklich noch nennen, weil das selten erwähnt wird: Frühgeburten - die ja nicht so selten sind - haben auch noch in den ersten 12 Monaten nach der Geburt erhöhte Risiken bei Flugreisen. Entsprechend ist das eher ein Ausschlusskriterium bzw. sollte sehr sorgfältig mit einem versierten Arzt abgeklärt werden.

Zur Kinderfeindlichkeit. Natürlich weist jeder empört von sich, dass er kinderfeindlich ist. Wie kann eigentlich unsere Gesellschaft so kinderfeindlich sein, wie sie es ist, wenn sich 100% als große Kinderfreunde ausgeben? Auch komisch das alle die großen Kinderfreunde in Deutschland immer gleich klagen, wenn in der Nachbarschaft ein Spielplatz oder Kindergarten neu entstehen soll. Ist schon paradox. Aber gut das sind andere Themen und der Begriff schürt offenbar zu viele Emotionen und hilft dem Threadstarter nicht. Also konzentrieren wird uns besser auf die Vor- und Nachteile. Am besten die mit Fakten unterlegten. Die Aussagekraft von irgendwelchen erlebten Anekdoten liegt bei nahe null.

Beste Grüße

Guido
1'450 Beiträge · seit 200620. Juli 2015 · #46
Guido. schrieb:
Richtig ist, dass das Kind sich später nicht bewusst an die Reise erinnern wird. "Aber auf die bewusste Erinnerung kommt es gar nicht an. Das Gehirn profitiert von den fremden Reizen, die sich unbewusst sehr wohl einbrennen. [...] Solche Reize verbessern die Fähigkeit des Gehirn sich zu strukturieren. [...] Tendenziell gilt: Je größer der Unterschied [zum Zuhause], desto intensiver die Lernerfahrung. [...] Viele Eltern lieben die Wiederholung, sind Stammgäste in immer derselben Ferienanlage...., das ist sicher bequem und entspannend, aber Kinder lernen nur durch neue Erfahrungen." Alles Originalaussagen von Prof. Dr. Kristian Folta-Schoofs, Hirnforscher und Lernpsychologe, Universität Hildesheim, basierend auf entsprechenden Studien.
Aber anscheinend konnte dieser Professor als Kind keine Fernreise machen, denn sonst würde er nicht solchen Schwachsinn schreiben.

Was er schreibt, heisst ja letztendlich, dass alle Eltern, die kein Geld haben, mit ihren Kindern eine Fernreise zu machen, Rabeneltern sind.
Und wir, die Nachkriegsgeneration, geboren in den ersten Jahren nach dem Krieg, als an Urlaub überhaupt nicht zu denken war, und Jahre später vielleicht mal eine Reise an die Adria das non-plus-ultra war, wir sind alle sooo doof geblieben. Ich frage mich nur, wie ausgerechnet unsere Generation, ohne Fernreisen in der Kindheit, es geschafft hat, dass Deutschland heute so gut dasteht und wir so reich sind, dass wir solchen Quatsch verzapfen können wie dieser Professor.

Beate
663 Beiträge · seit 201520. Juli 2015 · #47
Sind wir mal ehrlich: Egal ob Namibia oder AI Hotel in der Türkei, welche Eltern denken denn bei der Urlaubsplanung an die positiven Einflüsse für die Entwicklung des Kindes? Da geht es doch erst einmal nur um die eigene Erholung. Was jetzt geschrieben etwas negativer klingt als ich es meine, denn ich sehe das nicht negativ, auch (oder gerade?) Eltern müssen sich mal Erholen können. Man sollte es nur eben so machen, dass es möglichst wenige negative Folgen für die Kinder hat.
2'060 Beiträge · seit 201320. Juli 2015 · #48
Guido. schrieb:
Es gibt weitere Forscher, die die gleichen Aussagen machen und deshalb ist das Argument, dass solche Reisen dem Kleinkind nichts bringen, wohl nicht zu halten. (Es verdrehe mit jetzt bitte nicht wieder jemand das Wort im Mund und schreibe, dass also alle Kinder dumm bleiben, die keine Fernreisen erleben durften).
Warum soll man diesen Umkehrschluss nicht ziehen dürfen? Er impliziert sich doch von selbst: Wenn Fernreisen kleinen Kindern so viel Nutzen bringt, müssen zwangsläufig die, welche keine unternommen haben, Defizite aufweisen, sonst hat das ganze doch keinen Sinn.

Im Übrigen kann man Studien manipulieren - erst recht mit Kindern - und aus Erfahrung nehme ich an, dass man in spätesten 10 Jahren genau das Gegenteil behauptet - ebenfalls durch Studien belegt! Für mich ist die Psychologie ohnehin keine exakte Wissenschaft.

Was die Kinderfeindlichkeit und das Beispiel mit Spielplatz oder Kindergarten angeht, so möchte ich dazu nur sagen, dass dies ein Phänomen ist, das in vielen Bereichen zu beobachten ist: (Fast) jeder fährt mit dem Auto herum oder kauft Lebensmittel, die von irgendwoher gefahren werden müssen - aber niemand möchte eine Straße oder Bahnlinie vor seinem Haus haben. Jeder benutzt Strom, aber niemand möchte ein Windrad oder eine Hochspannungsleitung vor seinem Haus haben. ...........

Und noch einmal: Es sind nicht die Kinder, die nerven, sondern die Eltern. Auch wenn du selbst erlebte Anekdoten nicht schätzt, für mich haben sie Aussagekraft. Gestern Mittag beim Italiener im Garten: Es kommt ein junges Paar mit ca. 2-3-jährigem Sohn. Der Kleine war auf dem Spielplatz, hat Autos mit "brumm brumm" herumgeschoben, ist einmal hingefallen, tappelte zu den Eltern und wieder zurück zum Spielplatz (innerhalb des Gartens)... aber es gab keinerlei Geschrei, durch das man sich hätte belästigt fühlen können. Normales Reden und Lachen von Kindern stört genauso wenig wie das von Erwachsenen. Störend ist, wenn die Kinder herum kreischen, von weitem nach den Eltern schreien, die nicht reagieren - vor allem letzteres.

Diese Eltern haben sich während ihres gesamten Aufenthaltes ständig um ihr Kind gekümmert, haben geschaut, was es macht, sind ab und zu ihm auf den Spielplatz gegangen, haben reagiert, wenn das Kind etwas wollte, ... dann muss ein Kind auch nicht laut werden, um Aufmerksamkeit zu erhalten - das ist nun meine laienhafte Psychologie! 😁

Aber dies erfordert von den Eltern Zeit, die ihrer eigenen Freizeit abgeht, denn man möchte sich ja nicht einschränken - da kann ich nur sagen: arme Kinder! Meiner nicht-professoralen, aber aus der Praxis geschöpften Meinung nach ist Zeit, die die Eltern für ihr Kind aufwenden, viel wichtiger als fremde Reize von außen.
Liebe Grüße von Gabriele ----------------------------------------------- Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)
zuletzt bearbeitet 20. Juli 2015
Gast20. Juli 2015 · #49
Hallo,
beate schrieb:Aber anscheinend konnte dieser Professor als Kind keine Fernreise machen, denn sonst würde er nicht solchen Schwachsinn schreiben.

Was er schreibt, heisst ja letztendlich, dass alle Eltern, die kein Geld haben, mit ihren Kindern eine Fernreise zu machen, Rabeneltern sind.
Und wir, die Nachkriegsgeneration, geboren in den ersten Jahren nach dem Krieg, als an Urlaub überhaupt nicht zu denken war, und Jahre später vielleicht mal eine Reise an die Adria das non-plus-ultra war, wir sind alle sooo doof geblieben. Ich frage mich nur, wie ausgerechnet unsere Generation, ohne Fernreisen in der Kindheit, es geschafft hat, dass Deutschland heute so gut dasteht und wir so reich sind, dass wir solchen Quatsch verzapfen können wie dieser Professor.
Köstlich. Wirklich köstlich. Das aus dem obigen Beitrag zu konstruieren, ist eine echte Leistung. Hätte ich nicht für möglich gehalten.

Noch mal zum Mitmeißeln auf der Steintafel:
1. Es ging konkret - Du kannst das gern noch mal nachlesen - um die Frage, ob Reisen mit so kleinen Kindern den Kindern irgendwas bringen, weil sie sich wohl kaum daran erinnern werden. Die wissenschaftliche Antwort darauf ist: Ja Reisen mit so kleinen Kindern kann auch den Kindern etwas bringen.
2. Die Entwicklung des Gehirns ist von unzähligen Parametern abhängig. Fernreisen können ein Parameter von vielen sein. Niemand und schon gar nicht "dieser Professor" hat gesagt, dass man ohne Fernreisen zwangsweise "doof bleibt". Wenn Du diesen Zusammenhang herstellen möchtest, sagt das möglicherweise etwas über Dich aus, aber nicht über "diesen Professor".

Beste Grüße

Guido
1'450 Beiträge · seit 200620. Juli 2015 · #50
Guido,
und wie interpretierst Du dann diese Stelle:

Solche Reize verbessern die Fähigkeit des Gehirn sich zu strukturieren. [...] Tendenziell gilt: Je größer der Unterschied [zum Zuhause], desto intensiver die Lernerfahrung.


Also wenn eine Reise das Gehirn "verbessert", dann hinterlässt also KEINE Reise ein schlechteres Gehirn.
Wenn ein Kind keinen Unterschied zum Zuhause erlebt, hat es also weniger Lernerfahrung???

Meine Güte, wie gut scheint es uns zu gehen, dass jeder seinem Kind eine Fernreise, oder zumindest jede Menge Unterschied zu seinem Zuhause, bieten muss!!!!

Beate
Gast20. Juli 2015 · #51
Hallo,
Berg-Eule schrieb:Warum soll man diesen Umkehrschluss nicht ziehen dürfen? Er impliziert sich doch von selbst: Wenn Fernreisen kleinen Kindern so viel Nutzen bringt, müssen zwangsläufig die, welche keine unternommen haben, Defizite aufweisen, sonst hat das ganze doch keinen Sinn.
Das ist doch nicht so schwer? Die Entwicklung des Gehirns hängt von unzähligen Faktoren ab, von der Ernährung, von der Zuneigung der Eltern, von der Förderung, vom Verlauf der Schwangerschaft, und, und, und. Fernreisen können ein positiver Faktor sein, aber sie sind nicht der einzige relevante Faktor. Niemand wird 100,0% aller möglichen positiven Faktoren auf sich vereinigen. Und noch einmal: es ging bei den Ausführungen um die Frage, ob Fernreisen kleinen Kindern etwas bringen.
Berg-Eule schrieb:Was die Kinderfeindlichkeit und das Beispiel mit Spielplatz oder Kindergarten angeht, so möchte ich dazu nur sagen, dass dies ein Phänomen ist, das in vielen Bereichen zu beobachten ist: (Fast) jeder fährt mit dem Auto herum oder kauft Lebensmittel, die von irgendwoher gefahren werden müssen - aber niemand möchte eine Straße oder Bahnlinie vor seinem Haus haben. Jeder benutzt Strom, aber niemand möchte ein Windrad oder eine Hochspannungsleitung vor seinem Haus haben. ...........
Ja, da hast Du Recht. Kinder oder Strommaste sind aber schon noch ein Unterschied 😉
Ausländerfeindlichkeit ist auf moralischer Ebene noch ein passendes Äquivalent zur Kinderfeindlichkeit. Der typische Satz beginnt mit "Ich bin ja nicht ausländerfeindlich, ABER ..." Und es ist auch niemand kinderfeindlich, aber... Ganz offen und ehrlich: Bevor sich eigener Nachwuchs eingestellt hat, war ich aus heutiger Sicht auch kinderfeindlich.

Da ich an Argumenten nicht viel mehr zu dem Thema beitragen kann, als ich schon geschrieben habe, ist das dann auch mein letzter Beitrag in dem Thread. Anekdoten hätte ich auch noch ganz viele, die meine Ansichten zu bestätigen scheinen, aber die halte ich wie schon geschrieben nicht für aussagekräftig.

Ein Punkt vielleicht noch: Oft kommt der Tipp, man kann doch in 5 oder 10 Jahren wieder reisen, wenn das Kind größer ist. Wer weiß denn, was in 5 oder 10 Jahren ist? Die Welt ist nach meinem Eindruck in Sachen Politik, Terror, Finanzsystem, ... ziemlich fragil geworden. Bis auf Marokko ist z.B. ganz Nordafrika in den letzten 5 Jahren als einst hochattraktives Reiseziel weggebrochen. Auch Simbabwe war übrigens von 2008-2009 kaum zu bereisen (Unruhen nach der Wahl 2008, Hyperinflation, Benzinknappheit, ...). Auch in Namibia und Südafrika sind die Rahmenbedingungen nicht sooo stabil. Selbst wenn nichts Grundsätzliches passiert - ich brauche nur 5 Jahre zurück denken und mir fallen ein paar Erlebnisse in Afrika ein, die so heute nicht mehr möglich sind. Weil X nicht mehr existiert, y heute verboten ist und z um mehr als 1.000 Prozent teurer geworden ist. Insofern von meiner Seite immer ein Plädoyer, lieber heute als morgen zu reisen - wenn möglich auch mit Kind.

Beste Grüße

Guido
2'060 Beiträge · seit 201320. Juli 2015 · #52
Wenn also Fernreisen nach deinen Aussagen ein Punkt unter vielen sind, dann sind sie doch gar nicht sooo wichtig - oder? Denn andernfalls müsste der Umkehrschluss zutreffen.

Mir geht es genau andersherum: Seit ich selbst Kinder bekam, wurde ich "kinderfeindlich" bzw. bezeichne ich es treffender als "elternfeindlich" - denn von da an konnte ich aus eigener Praxis beurteilen, was machbar ist.

Dein letzter Absatz ist für mich ein typischer Ausdruck der heutigen Gier, alles mitnehmen zu wollen, was nur geht - ohne Rücksicht auf Verluste. Manche früheren Generationen haben keine ruhigen Zeiten gekannt, haben Kriege, Depressionen, Armut, ... erlebt, mussten immer wieder von vorne anfangen. Das waren vermutlich schlimmere Zeiten, als sie uns vielleicht bevorstehen mögen. Haben sie umsonst gelebt, weil sie keine Fernreisen machen konnten?

Ich gehöre zur Nachkriegsgeneration, meine Eltern mussten ganz klein anfangen, Urlaub gab es alle heilige Zeit mal in Kärnten oder an der Ostsee. Nach der Heirat war ein Geschäft da, das aufgebaut werden wollte, man konnte nicht mehr als ein paar Tage Urlaub machen - ich fühle mich trotzdem heute nicht benachteiligt.

Dass ich nun im Alter und nach Krankheiten noch einige schöne Erlebnisse in Namibia haben durfte, schätze ich weit mehr und genieße es viel intensiver als mancher junge Mensch das tun kann. Insofern beneide ich niemanden, gebe aber auch zu bedenken, dass die Haltung, die du da propagierst, von einem sehr hohen Ross herunter geschieht - denn nicht jeder kann es sich leisten einerseits - und der Tourismus in jeder Form macht viele der Dinge in den Zielländern kaputt, die du heute bedauerst, dass man sie nicht mehr so erleben kann wie vor Jahren.
Liebe Grüße von Gabriele ----------------------------------------------- Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)
2'338 Beiträge · seit 200720. Juli 2015 · #53
Hallo zusammen

Unsere Freunde in Tansania haben mal ein Pärchen mit einem 2 1/2-jährigen Kind bei sich aufgenommen. Die waren jahrelang per Fahrrad in Afrika unterwegs und als dann ein Kind zur Welt kam, haben sie es einfach in einen Anhänger gepackt und sind weitergefahren, bis der Anhänger eines Tages von einem Fahrzeug angefahren und das Kind verletzt wurde.

Dieses Kind war sehr apathisch und konnte noch kein Wort sprechen, weil es hinten im Anhänger total vereinsamt war. Wie man uns erzählte, bedurfte es vieler Überredungskünste, bis die Eltern endlich einsahen, dass sie dem Kind zuliebe ihre Reise abbrechen und in die Heimat zurückkehren müssen.
Das arme, vernachlässigte Geschöpf hat ganz bestimmt nicht von dieser Reise profitiert, ganz im Gegenteil.

Was ich damit sagen möchte ist, dass es in erster Linie schon auf die Eltern drauf ankommt, ob eine Reise einem Kind gut tut oder nicht und ich möchte auch niemandem hier im Forum unterstellen, dass er das seinem Kind antun würde. Es ist ein Unterschied, ob man eine Fernreise plant und auf die Bedürfnisse des Kindes eingeht, oder ob man einfach auf nichts verzichten möchte und das Kind halt wohl oder übel mit muss, weil man es daheim nicht bei den Grosseltern abliefern kann.

Ich könnte noch mehr so haarsträubende Geschichten erzählen, aber der geschilderte Fall hat natürlich alles geschlagen.

Viele Grüsse
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
1'796 Beiträge · seit 201420. Juli 2015 · #54
Hallo zusammen,

ich lese die ganze Zeit hier nur still und den Danke-Button-Drückend 😛 mit.

Ist eigentlich irgendjemand aufgefallen, dass der Fragesteller andy_y seit der Erstellung seiner Frage im Forum nicht mehr online war?! 🤩

In erster Linie steht wohl Frage nach den gesundheitlichen Risiken für einen Säugling bei Fernreisen im Raum.

Dazu sind ein paar Anregungen aus ärztlicher Sicht des Zentrums für Reisemedizin in Österreich in diesem Link zu finden:

http://www.reisemed.at/reisemedizin/reisemedizinische-tipps/kinder-auf-fernreisen

Bevor ich ein Forum zu diesem Thema befragen würde, wäre zunächst mein erster Ansprechpartner der Kinderarzt meines Vertrauens, wenn ich ernsthaft erwäge mit einem Kleinkind eine Fernreise zu unternehmen.

Ich selbst war vor der Geburt unseres Sohnen aus beruflichen Gründen über einen Zeitraum von mehreren Jahren permanent im Ausland unterwegs - auch in Ländern, die man als Tourist eher nicht bereisen würde.

Mir wäre es niemals in den Sinn gekommen, mit unserem Sohn im Säuglings- oder Kleinkindalter eine Fernreise (wohin auch immer) zu unternehmen.

Das ist jedoch meine ganz persönliche Einstellung zu diesem Thema, vielleicht gerade deshalb, da ich hinsichtlich der Risiken von Fernreisen in "exotische" Länder seitens meines damaligen Arbeitgebers jährlich geschult wurde und auch nicht wenige Kollegen gesprochen habe, die z.B. mit den Folgen einer Malaria (oder aber auch einer permanenten Prophylaxe) zu kämpfen hatten.

Wir waren mit unserem Sohn in den ersten Lebensjahren überwiegend als Selbstversorger an der Nordsee oder auch mal auf Mallorca zu Besuch bei Freunden unterwegs. Weitere Reisen in das europäische Ausland kamen später hinzu.

Eine klassische Fernreise hat unser Sohn im letzten Jahr erstmalig und alleine anlässlich seines Freiwilligendienstes in Namibia unternommen, wo er nun seit knapp einem Jahr lebt.

Seit letztem Jahr hat er das Abi in der Tasche, absolviert wie oben schon erwähnt gerade ein freiwilliges soziales Jahr in einem Kindergarten in Namibia und wird im Herbst ein Studium beginnen - und das alles hat er ohne jemals eine exotische Fernreise unternommen zu haben geschafft. 🤩 😐

Wir finden unser Sohn ist trotz mangelnder Lernerfahrung/Gehirnverbesserung durch Auslandsreisen im Säuglings- und Kleinkindalter ein super Typ und wir sind mächtig stolz auf ihn. 😐 😄


Liebe Grüße
Sabine
Kaoko BA Light //"Nix als Wüste" // Botswana Bush Adventure Light // Von Wilderness zum Addo NP // Karibuni Tansania // ... und das Beste kommt zum Schluss! // Ein 80ster Geburtstag // Neulinge auf Tour
2'497 Beiträge · seit 201120. Juli 2015 · #55
Hallo,

ich glaube, Andreas, der Threaderöffner, wollte Auskünfte über einen Urlaub für einige Wochen und wollte nicht mehrere Jahre mit Baby/Kleinkind herumfahren. Das Beispiel mit Baby im Fahrradanhänger ist natürlich gruselig und hat nun gar nichts kindgerechtes mehr.

Ich bin blutjung (Jahrgang 1961) 😛 und kann daher nicht für mich verbuchen, unser Land nach dem Krieg wieder aufgebaut zu haben, aber alt genug, um erfahren zu haben, dass das Geschäft immer wichtiger war als Familienurlaub, Abiturfeier der Tochter oder ähnliches, außerden jung genug, um zu erfahren, dass Forschungsergebnisse, die nicht lückenlos in mein persönliches Erleben der Welt passen, dennoch Wahrheiten beinhalten können.

Gerade weil ich keinen einzigen Urlaub mit meinen Eltern erleben durfte, war es mir wichtig, mit meinen Kindern gemeinsame schöne Zeiten zu verbringen, wir waren nicht mit ihnen in exotischen Ländern, weil wir einen Doppelschlag hatten und uns das zu teuer und zu anstrengend war und weil einer der Beiden echt pingelig bei der Nahrungsaufnahme war. So hatten wir aber eine Steigerungsmöglichkeit. 😗

Der gesundheitliche Aspekt bezüglich Infektionen, Klima etc. hat ebenfalls eine Rolle gespielt und unsere Kinder sind (inzwischen 23) auch nicht grenzdebil wegen fehlender Fernreisen, aber genau das sagt Guido´s zitierter Aufsatz ja aus, dass dies nur ein einzelner Aspekt bei der Entwicklung des Gehirns ist und dass verschiedenartige Reize für das Gehirn nun mal von Vorteil sind, kann auch die Nachkriegsgeneration nicht ernsthaft verleugnen.

Die hier oft beschriebene Kinderfeindlichkeit spricht allerdings für einen Urlaub zumindest im europäischen Ausland und nicht in Deutschland, denn abweisende Haltung ist uns eigentlich nur im eigenen Land (wir wollten bei klirrender Kälte mir unseren zwei Säuglingen in Kinderwagen in ein Cafe an der Nordsee, um ihnen im Warmen die Fläschchen zu geben und man wies uns ab, es sei zu eng, nur um ein Beispiel zu nennen) entgegengebracht worden, in Spanien, Italien, Frankreich und sogar England ist uns das nicht passiert.

Liebe Grüße
Karin

P.s. Ich habe kindgerechte Urlaubsplanung (da mag sich jeder was anderes drunter vorstellen) übrigens nie als "Verzicht" gesehen sondern als Selbstverständlichkeit.
Würde sollte niemals ein Konjunktiv sein. Namibia 2016: Infos zu Auto+Camps+die "Jahrhundertsichtung" Namibia 2015: Namibia - Mein Seelenland Namibia und Botswana 2014: Überraschungstour Namibia und Botswana mit Guide Namibia 2013: Drei Heidjer in Namibia - Guck mal, Elefanten!
zuletzt bearbeitet 20. Juli 2015
2'497 Beiträge · seit 201120. Juli 2015 · #56
Liebe Sabine,

man braucht nur Deinen Reisebericht und den Thread, in dem Du Eure nächste Reise planst, zu verfolgen, um sich unschwer vorstellen zu können, dass Euer Sohn anderweitige "Reize" durch Euch vermittelt bekommen hat. Eltern, die engagiert sind, finden natürlich auch andere Möglichkeiten als Fernreisen, um ihren Kindern Anreize zu schaffen. Ich glaube, das hat Guido mit seinen Zitaten auch keineswegs in Abrede gestellt.

Viele Grüße
Karin
Würde sollte niemals ein Konjunktiv sein. Namibia 2016: Infos zu Auto+Camps+die "Jahrhundertsichtung" Namibia 2015: Namibia - Mein Seelenland Namibia und Botswana 2014: Überraschungstour Namibia und Botswana mit Guide Namibia 2013: Drei Heidjer in Namibia - Guck mal, Elefanten!
zuletzt bearbeitet 20. Juli 2015
Themenstarter22 Beiträge · seit 201020. Juli 2015 · #57
Lieben Dank für Eure Antworten, mit einer so überwältigenden Anzahl hätten wir nie gerechnet. Die Frage scheint ja mehr als kontrovers zu sein.

Unser Sohn hat momentan Freude daran, wenn man mit ihm spielt, er mal planschen kann und wir mit ihm Zeit verbringen. Meiner Meinug nach macht es daher für ihn keinen Unterschied, ob wir nach Namibia, an die Ostsee oder nach Teneriffa fahren.

Als problematisch empfinde ich den Flug, weil er sehr leicht ablenkbar ist und sicherlich nicht gut wird schlafen können. Daher hätte wir auch einen Flug tagsüber gebucht - auch aus Rücksicht auf die Mitreisenden, die ein lautes Kind tagsüber besser aushalten, als wenn sie nachts vom Schlaf abgehalten werden. Leider haben wir für den Rückflug bislang nur Nachtflüge gefunden. Vielleicht hat von Euch noch jemand eine Idee (Zwischenstop irgendwo)?

Auf den Lodges würden wir ohnehin auf Gamedrives verzichten, das haben wir bisher höchst selten gemacht, weil wir lieber selbst am Steuer sitzen. Wir würden eben dort die Zeit zu dritt genießen.

Was das Verhältnis zu Kindern angeht, sollte man doch auf beiden Seiten tolerant sein. Baby-/Kleinkindgeschrei gehört nun mal zu unserem Leben dazu. Familien deswegen auszuschließen, finde ich nicht richtig - dann wären ja auch Restaurants, Veranstaltungen etc. etc tabu. Außerdem herrschen in anderen meist südlicheren Ländern ganz andere Lautstärken vor. Sobald man aber einem Kind mit Vernunft vermitteln kann, dass es Rücksicht auf andere Menschen nehmen muss, sollte man das als Eltern natürlich tun.

Über die Gesundheitsgefahren kann man trefflich streiten, aber in Namibia besteht ein vergleichsweise hoher Standard.

Viele Grüße, Andreas
33,1k Beiträge · seit 200620. Juli 2015 · #58
Hi Andreas,
Auf den Lodges würden wir ohnehin auf Gamedrives verzichten, das haben wir bisher höchst selten gemacht, weil wir lieber selbst am Steuer sitzen.
was Du aber auf 99,9% der Lodges ja gar nicht darfst. Ausnahme ist eben Erindi wenn du im Self-Catering-Camp bist. Ansonsten seid ihr auf die staatlichen Schutzgebiete angewiesen.

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
Gast20. Juli 2015 · #59
andy_y schrieb:
Unser Sohn hat momentan Freude daran, wenn man mit ihm spielt, er mal planschen kann und wir mit ihm Zeit verbringen. Meiner Meinug nach macht es daher für ihn keinen Unterschied, ob wir nach Namibia, an die Ostsee oder nach Teneriffa fahren.
Genau so ist es. Und weil eigentlich klar sein sollte, dass man einem Säugling einen Langstreckenflug (und fremden Leuten die nicht fliehen können das eigene Kind) nur zumutet, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt, wäre es doch eigentlich so einfach.
Ich hab übrigens auch einen Sohn (jetzt 24). Mit dem ich relativ entspannt umgegangen bin (jedenfalls hat er mir das vorgestern erst bestätigt), und trotzdem war ich immer darauf bedacht, Rücksicht auf andere Menschen zu nehmen, denn schliesslich war es nicht deren Entscheidung, dass wir ein Kind bekommen, sondern unsere.
Unsere erste Fernreise als Familie hatten wir, als er 16 war - da sind wir ausgewandert. Er ist ein fleissiger, intelligenter und umgänglicher junger Mann geworden (okay, ich bin da voreingenommen).
Weder mein Mann noch ich sind als Kinder über Europa hinausgekommen. Wir sind nicht mal dauernd von unseren Eltern bespasst worden. Sind aber trotzdem recht erfolgreich im Leben bisher 😉

Nochmal: trefft eure Entscheidung nicht nur in Bezug auf das was IHR wollt, sondern vor allem im Hinblick darauf, was für den Kleinen das Beste ist, und ob ihr in der Lage seid, die nötige Rücksichtnahme auf andere Mitreisende aufzubringen (kann ja auch sein, dass andere Reisende auf EUCH keine Rücksicht nehmen, was für den Kleinen auch Stress ist. Ihr könnt euch wehren, aber das hilft ja auch nix wenn er dann schon weint).

Ich wünsche euch eine gute Entscheidung!
zuletzt bearbeitet 20. Juli 2015
1'737 Beiträge · seit 201020. Juli 2015 · #60
Noch mal zum Mitmeißeln auf der Steintafel:
Lieber Guido

Du kannst versuchen, was Du willst. Ich jedenfalls lasse mir Deine Meinung nicht aufzwingen, da ich selbst, wie viele hier auch, meine eigene Lebenserfahrung habe.

Vielleicht macht Dir der Ausschnitt aus dem von Applegreen verlinkent Artikel nochmals deutlich, dass es auch Risiken gibt, die nicht unerheblich sind. Das hast Du wohl völlig ausser Acht gelassen.
Kinder bis zum vollendeten ersten Lebensjahr

In dieser Altersgruppe sind Fernreisen sicherlich mit den größten Problemen verbunden. Grundsätzlich ist davon abzuraten, mit Säuglingen im ersten Lebensjahr in jenen Gebieten den Urlaub zu verbringen, in denen die medizinische Versorgung merklich unter dem europäischen Standard liegt. Damit scheiden praktisch alle Entwicklungsländer als Reiseziele aus. Dieser Ratschlag klingt zwar im ersten Moment etwas hart, ist aber darin begründet, dass für Säuglinge bereits die meisten, für den Erwachsenen als völlig banal zu wertenden Gesundheitsstörungen zu ernsten, ja sogar zu lebensbedrohlichen Zustandsbildern führen können. Als typisches Beispiel hierfür ist die gerade unterwegs so häufig auftretende akute Durchfallserkrankung (Reisediarrhöe) zu nennen. Kinder dieses Alters sind von einer konstanten Zufuhr an in Relation zum Körpergewicht sehr großen Mengen an Flüssigkeits- und Nährstoffen außerordentlich stark abhängig, und jede Ernährungsstörung kann schwere Folgen haben: Bereits ein kurzer Durchfall, bei Kleinkindern häufig mit Erbrechen verbunden, kann zu erheblichen Flüssigkeits- und auch Elektrolytverlusten mit der Gefahr einer Dehydratation und sogar einer aufkommenden Toxikose führen, sodass zur Behandlung unbedingt ein entsprechend ausgebildeter Arzt aufzusuchen ist. Dieser muss dann auch in der Lage sein, die Situation diagnostisch zu evaluieren und zumindest eine Infusionstherapie vorzunehmen. Allerdings ist die parenterale Behandlung in Ländern mit schlechter medizinischer Versorgung oft riskant, unter Umständen sogar überhaupt unmöglich.

Aber auch viele andere Gesundheitsstörungen, wie plötzlich einsetzende, hochfiebernde Zustände jeglicher Ursache, allergische Hautausschläge und schwere katarrhalische Infekte, können eine pädiatrische Intervention erforderlich machen, die in vielen Gebieten der Dritten Welt nicht erreichbar ist. Die Eltern sind in derartigen Situationen mit ihren kleinen Kindern hilflos, sie fühlen sich alleingelassen und geraten verständlicherweise leicht in Panik. Tatsächlich ist es – etwa bei einem dann rasch in die Wege geleiteten Notruf in die Heimat -–selbst für einen geschulten Außenstehenden nicht leicht, die Gefährlichkeit der Situation einzuschätzen, namentlich da zusätzliche unkalkulierbare Faktoren , wie die Hitzebelastung, die Transportmöglichkeiten in die nächste größere Stadt und vor allem die Qualität der örtlichen medizinischen Versorgung kaum abzuschätzen sind.

Die gesamte Verdauung ist in dieser ersten Lebensphase noch sehr labil, und jede Infektion führt über eine Stoffwechselstörung zu einer Dyssynergie des Verdauungstraktes in Form einer Hyperperistaltik, woraus letztlich eine inadäquate Chymusbildung resultiert. Die südliche Hitze bewirkt außerdem eine längere Verweildauer der Speisen im Magen und im Dünndarm. Jede Ernährungsstörung führt bei sehr kleinen Kindern zu einer Resistenzminderung und zu einer Infektionsgefahr. Jede Infektion bewirkt eine Stoffwechselstörung, die ihrerseits wieder eine Ernährungsstörung zur Folge hat. Durch diesen Circulus vitiosus laufen Säuglinge rasch Gefahr, in eine Exsikkose zu geraten, namentlich unter höheren Umgebungstemperaturen. In schweren Fällen kann der Zustand, wie gesagt, bis zur Toxikose führen.

Nicht zuletzt muss man bedenken, dass bei Kindern vor Vollendung des ersten Lebensjahres in vielen Fällen ein optimaler reisemedizinischer Schutz im Sinne von Impfungen nicht möglich ist. Es sind ja in diesem Lebensalter viele der üblichen Kinderimpfungen noch nicht vervollständigt, das heißt, sogar hinsichtlich der notwendigen Basisimpfungen ist nur ein teilweiser Schutz gegeben. Außerdem können viele Reiseimpfungen, die für den Erwachsenen selbstverständlich sind, einfach noch nicht verabreicht werden. Gleichermaßen stößt die gegebenenfalls erforderliche medikamentöse Malariaprophylaxe auf Schwierigkeiten, schon allein deshalb, weil man einem Kind unter einem Jahr die sehr bitter schmeckenden Tabletten kaum wird verabreichen können.

Aus dem Gesagten ist abzuleiten, dass sich Reisen mit Kindern im ersten Lebensjahr – aus touristikmedizinischer Sicht – am besten auf den westeuropäischen Raum (inklusive Griechenland) beschränken sollten, wo auch eine zu starke Hitzebelastung vermieden werden kann. Bereits die Türkei ist – namentlich wegen der hohen Durchfallswahrscheinlichkeit – als problematisch einzustufen. Lange Flugreisen sind Kindern in diesem Alter ebenfalls nur schwer zumutbar.

Des weiteren sollten auch die sprachlichen Barrieren nicht außer Acht gelassen werden.
Wie dem auch sei, es geht nicht um mein Kind oder Enkelkind.

LG uns Schluss zum Thema
Christa
www.botswanadreams.de "Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach." Ernest Hemingway
zuletzt bearbeitet 20. Juli 2015