GunnarThemenstarter44 Beiträge · seit 201316. Dez. 2013 · #1
Hallo liebe Forumsmitglieder, nachdem wir nun über zwei Wochen wieder auf deutschem Boden sind, möchten wir uns bei Euch in Form eines kleinen Reiseberichts für die vielen wertvollen Tipps bedanken (wenn wir sie denn genutzt hätten, dazu später mehr). Natürlich muss ich Euch erst einmal langweilen mit den Vorbereitungen etc. aber gerade diese Zeit ist wohl prägend für die Wahrnehmung unserer Reise gewesen 🙂
Bilder folgend dann wohl auch erst am Abreisetag, aber ich hoffe Ihr habt trotzdem ein wenig Spaß bis dahin!
Vor der Reise: Es ist bereits lange mein Wunsch gewesen, eine Dachzelttour im südlichen Afrika zu unternehmen und irgendwie ist es mir gelungen, meine Frau, die der festen Auffassung war, sie würde Camping hassen, tatsächlich davon zu überzeugen, dass wir so eine Reise machen müssen. So beschlossen wir, oder vielleicht beschloss ich und bekam eine vorsichtige Einwilligung meiner Frau, im Januar dieses Jahres das wir so eine Reise noch dieses Jahr unternehmen würden. Vor, während und vor allem nach dem Entscheidungsprozess packte mich das Fieber des Namibia Forums und es verging kein Abend an dem ich nicht Stunde um Stunde im Netz verbrachte, um mich mit tausenden von Insiderinformationen, Routenvorschlägen, Reiseberichten etc. auseinandersetzen. Anfangs erntete ich noch Bewunderung dafür, wie viel Zeit ich mir für diesen Urlaub nehmen würde, später wich die Bewunderung einer leichten Irritation, wie viel man über so einen Urlaub denn wissen müsse und endete in handfesten Auseinandersetzungen, ob es für mich noch irgendetwas anderes gäbe, als dieses dusselige Forum. Ich war also bereits vom Afrika Virus befallen ohne je einen Schritt auf afrikanischen Boden gesetzt zu haben (zumindest nicht als Selbstfahrer)!
Nach unendlichen Überlegungen und Wirrungen meinerseits konnten wir uns endlich auf eine Route einigen. Ich glaube, meine Frau wäre mit der ersten, pauschal bei Carsten Möhle angefragten Route, bereits zufrieden gewesen, ich hatte jedoch bereits zu viel Insiderinformation gesammelt, um so eine, meiner Meinung nach, viel zu einfache, anspruchlose und nicht individuell ausgetüftelte Route buchen zu können. Letztendlich entschieden wir uns für Folgendes:
1. Tag: Flug Frankfurt nach Windhoek 2. Tag: Windhoek – Mietwagenübernahme – Okambara Elefant Lodge 3. Tag: Kalahari Bush Breaks Camping 4. Tag: Kaa Gate 5. Tag: Polentswa 6. Tag: Polentswa 7. Tag: Nossob 8. Tag: Rooiputs 9. Tag: Mesosaurus Fossil Camp 10. Tag: Klein Aus Vista Camp 11. Tag: Klein Aus Vista Camp 12. Tag: Koiimasis Camp 13. Tag: Sessriem Campsite 14. Tag: Sessriem Campsite 15. Tag: Windhoek, Hotel Thule 16. Tag: Rückflug Windhoek nach Frankfurt
Natürlich hatte ich mir nach wochenlangem Studium der Foren bereits die Tracks4Africa Karten zugelegt und die Route akribisch durchgeplant. Ich konnte also schon vor der Reise die Ankunftszeit am Rückflugtag am Flughafen Windhoek berechnen, wusste jede Aufstehzeit und mögliche Verweildauer an bestimmten Plätzen und würde in absoluter Kenntnis der Route weder Navi noch Kompass mehr benötigen. Natürlich hatte ich bereits vier Monate vor der Reise generalstabsmäßig sämtliche Packlisten und Checklisten, die das Forum hergab, ausgedruckt und Einkaufszettel für Equipment etc. bereit gelegt. Es musste unbedingt der beste Urlaub werden den meine Frau je gesehen hat, damit wir zu Wiederholung ansetzen konnten.
Meine Frau verließ sich also auf mich als Reiseleiter und Experte in Sachen Vorbereitung und unsere beiden Firmen (wir sind beide selbstständig) nahmen im Sommer noch einmal richtig Fahrt auf, so dass wir ab Juli so gar nicht mehr zu irgendwelchen Vorbereitungen und später nicht einmal mehr Vorfreuden finden konnten. Ich versuchte noch hektisch in den letzten zwei Wochen mir die, meiner Meinung nach, wichtigsten Equipment-Gegenstände im Internet zu bestellen, hatte jedoch bereits hoffnungslos den Überblick über all meine tollen Listen verloren. Die Vorbereitung drohte sich mehr und mehr in Luft auf zu lösen und natürlich fing meine Frau an, meiner Planung zu zweifeln.
Als ein Zwischenfall in meiner Firma vier Tage vor Abreise auch noch dazu führte, dass ich mir plötzlich nicht mehr sicher war, ob ich überhaupt abreisen könne, war das Chaos perfekt. Meine Frau war bedient! Die Reise war natürlich jetzt eh nur mein Wunsch. Einfach, unkompliziert und erholsam hätte sie doch eh viel besser gefunden und warum sie sich auf das alles eingelassen hatte verstünde sie auch nicht mehr. Am Tag vor der Abreise würde es bei mir noch einmal richtig stressig werden, soviel wusste ich und während endlosen Meetings und hunderten von Telefonaten dachte ich verzweifelt an die Dinge, die ich noch unbedingt vor Abfahrt erledigen musste: Das Garmin Navi meiner Mutter abholen, die T4A Karten überspielen, die Notfallnummern für Namibia/Botswana raussuchen, unsere Reisedokumente scannen und auf einen USB Stick ziehen, Sachen packen, die Reiseroute noch einmal durchgehen und unsere Einzelziele noch einmal hervorrufen... Ich wusste, irgendetwas würde auf der Strecke bleiben. Egal dachte ich, im Flieger kann ich eh nie schlafen, also werde ich dort die Zeit nutzen, noch mal alles wieder zu recht zu sortieren.
Als ich am Abend vor der Abreise um 22:30 Uhr aus der Firma zurück kam (immerhin schon mit Navi meiner Mutter bewaffnet) und endlich verkünden konnte, dass alle Probleme in der Firma gelöst seien und wir uns nun endlich auf die Reise freuen können, erwartete mich jedoch mein nächstes Problem: Meine Frau hatte keine Lust mehr und konnte sich nicht einmal mehr über die in last Minute abgewendete Katastrophe in meiner Firma freuen. Noch nie habe sie weniger Vorfreude auf eine Reise verspürt. Sie habe sich nun so gar nicht mehr mit der Reise befasst und hatte somit natürlich auch nicht die passenden Klamotten für diese Reise. Ein perfekter Zeitpunkt, um auch gleich unsere Beziehung in Frage zu stellen, denn schließlich ließen sich ja nicht einmal mehr Urlaube verlässlich planen. Was bleibt dann überhaupt? Ok, jetzt Nerven bewahren! Was würde der nächste sinnvolle Schritt sein? Amarula! Wir hatten doch tatsächlich noch eine Flasche Amarula im Kühlschrank und so konnte ich feierlich einen Tropfen afrikanische Vorfreude servieren. Es half! Nach ein, zwei Gläsern und einigen gewechselten Worten begannen wir tatsächlich, zu packen.
Nachdem ich bereits alle sieben Sachen zusammen hatte und ein kritisches Auge auf die Tasche meiner Frau geworfen hatte, war ich beruhigt, es nahm alles Formen an und so konnte ich mich schon einmal schnell der Installation der T4A Karten auf dem Navi widmen. Ein richtiger Mann und Explorer braucht natürlich keine Bedienungsanleitung dafür, selbstredend! Schon nach kurzer Zeit hatte ich verschiedene Übertragungsmodi und Importfunktionen erkannt und ausprobiert und wie von Geisterhand waren die T4A Karten mit unserer Route und allen dazugehörigen Detailkommentaren weder auf dem Navi noch auf dem Laptop mehr aufzufinden. Das konnte doch nicht wahr sein! Aus dem Gedächtnis konnte ich nicht mal mehr sagen, in welchen Unterkünften wir übernachteten und nun war diese mega geplante Route einfach weg! Ja, keine Chance, nicht einmal auf dem Rechner war irgendein Fragment dieser Route mehr zu finden und BaseCamp konnte nicht mehr auf T4A Material zu greifen. So langsam wurde ich doch ein wenig nervös. Selbstsicher berichtete ich meiner Frau, dass das mit dem Navi doch nicht funktioniere, wir ja aber die umfangreiche Selbstfahrermappe von Carsten Möhle in Windhoek bekämen, in der ja noch mal alles haarklein beschrieben sein wird.
Abflug nach Windhoek und Tag 1 in Namibia Tatsächlich haben wir es dann geschafft, um 3:00 Uhr nachts alles gepackt zu haben und irgendwie nicht mal ein ungutes Gefühl zu verspüren, irgendetwas vergessen zu haben. Am Abreisetag ging es dann erschöpft, ein wenig vorfreudig und auch ein bisschen skeptisch mit dem ICE nach Frankfurt.
Ich telefonierte während der fünf- stündigen Fahrt auch höchstens drei Stunden mit der Firma, dann war der Akku leer und ab jetzt sollte es nur noch uns beide in Afrika geben. Die Anreise verlief problemlos und anscheinend hatte Air Namibia mittlerweile alles fest im Griff. Jedenfalls konnte ich kaum einen Unterschied zu großen Airlines feststellen, obwohl wir ja noch im alten Flieger saßen. Es war wirklich alles ok, man gab sich sichtlich Mühe mit den Passagieren, Essen war weder schlechter noch besser als in den Star Alliance Fliegern und es gab das erste Windhoek Lager für uns! Das war doch schon mal ein tolles Erlebnis. ☺
Schlafen konnte ich trotz allem nicht. Die letzten Tage vor dem Abflug hatten es in sich und so dachte ich noch viel über die Arbeit, aber auch das Bevorstehende nach und ohne irgendeine Detailinformation wieder in Erinnerung rufen zu können landeten wir auch schon in Windhoek. Jetzt kam aber doch noch mein heller Moment! Ich wusste plötzlich wieder um die Schwierigkeiten und das Prozedere bei der Einreise. Wir mussten den von Carsten Möhle mitgelieferten Einreisezettel ausfüllen und schnell vom Flieger in den Terminal, um nicht Gefahr zu laufen, stundenlang an der Immigration anstehen zu müssen. Natürlich wollte ich gerne unseren ersten Namibia Moment fotografieren, wurde jedoch sofort von einem Sicherheitsbeamten daran gehindert und zum zügigen Weitergehen ermahnt. So waren wir also tatsächlich unter den ersten 50 Passagieren im Terminal wovon uns gefühlte 40 gleich wieder entgegen kamen, da sie den Immigrations-Zettel nicht ausgefüllt hatten. Ha, das fühlte sich gut an ☺. Die Immigrationsbeamtin war freundlich und zügig und nach 5 Minuten waren wir bereits in der Gepäckhalle. Unser Gepäck ließ auch nicht lange auf sich warten uns so wurde es spannend, ob uns nun jemand von Bwana Tucke Tucke in Empfang nehmen würde. Mir fiel ein, es sollte ja nun erst einmal ein leckeres Frühstück in Bwanopolis geben und dann zur Mietwagenübernahme gehen. Wir kamen in die Ankunftshalle und eine Vielzahl freundlicher Guides lächelte uns an... keiner mit unserem Namensschild! Ich merkte, dass meine Frau innerlich die Situation nicht ganz so witzig fand, aber mein nächster heller Moment sollte zum Glück nicht lange auf sich warten lassen: Geld wechseln! Jetzt! Bevor alle anderen kommen! Gesagt getan, ohne in einer Schlange zu stehen wollte ich unsere Urlaubskasse von 1.000 € einwechseln, meine Frau war jedoch der Meinung, es würden auch erst einmal 500 € reichen, schließlich könnten wir ja später noch wechseln... Ich widersprach nicht, obgleich ich natürlich wusste, dass die nächste Wechselgelegenheit wahrscheinlich erst in Keetmannshoop in 8 Tagen sein würde, egal. Sie hatte ein besseres Gefühl, wir hatten Geld parat und zurück am Eingang wartete jetzt ein junger freundlicher Mann mit unserem Namensschild in der Hand. Aloe Car Hire, richtig, dass war unsere Autovermietung. Wieso er uns nun abholte wusste ich nicht genau, auch nicht, warum es nun doch erst zur Autovermietung ging, aber als er sagte, dass Manuela von Bwana gleich mit zur Fahrzeugübernahme komme, war ich beruhigt.
Wir fuhren auf das Gelände der Autovermietung und da stand ein weißer Toyota Hilux. Mein erster Blick galt den Reifen. Hier waren tolle Geländereifen aufgezogen, unser gemeinsamer zweiter Blick ging aufs Dach... kein Dachzelt?!? Der junge, freundliche Mann, der uns vom Flughafen abgeholt hatte, wollte nun damit beginnen, uns unser Fahrzeug zu erklären. Ich erklärte ihm jedoch erst einmal, dass wir ein Fahrzeug mit Dachzelt und Camping Ausrüstung gebucht haben und präsentierte ihm unser Anschreiben von Bwana. Er verschwand sichtlich irritiert im Verwaltungsgebäude und kam nach gefühlten 10 Minuten wieder heraus, bewaffnet mit einer E-Mail aus der hervorging, dass Carsten Möhle leider „plain“ geordert hätte. Dann sagte er, er müsse schnell die nächsten Gäste am Flughafen abholen und verschwand. Etwas irritiert saßen wir nun im schönen Empfangsbereich direkt am Pool und warteten gespannt darauf, was als nächstes geschehen würde. Plötzlich öffnete sich die große Eingangspforte und statt Manuela erschien Uwe von Bwana Tucke Tucke. Dann kam auch die Besitzerin der Autovermietung und entschuldigte sich bei uns für die Komplikationen. Der Wagen würde schnell ausgerüstet werden und gleich für uns bereit stehen. Wir könnten in der Zwischenzeit schon einmal die Vertragsunterlagen durchgehen. Ich wäre zwar lieber in der Zwischenzeit frühstücken gegangen, aber egal.
Wir gingen alles durch, der junge Mann der eben noch zum Flughafen fahren wollte, brachte nun unseren Hilux zur Werkstatt und zwei Stunden später konnten wir endlich zu Bwana Tucke Tucke zum heiß ersehnten Frühstück. Uwe fuhr im uralt Landrover voraus und ich folgte. Es klappte ganz gut im Linksverkehr, da ich mich zunächst erst einmal nur auf das vorausfahrende Fahrzeug konzentrieren musste. Ein paar mal Scheibenwischer statt Blinker, na klar, aber dann lief es auch schon.
Wir wurden sehr nett von Manuela empfangen und machten tatsächlich erst einmal gemeinsam ein tolles Frühstück. Die Ereignisse der Vortage, der Flug und die unglaubliche Hitze in Windhoek machten sich jetzt bemerkbar. Manuela ging mit uns die Reiseroute durch. Ich konnte aus dem Augenwinkel erkennen, dass meine Frau kaum noch einer Erklärung folgte und sie mir die weitere Reiseleitung wieder überlassen würde. Anhand der Erklärungen kam wenigstens die Erinnerung an einige Bruchstücke der Planung zurück. So richtig schlau war ich jedoch trotzdem nicht. Ich erfragte noch schnell einige Öffnungszeiten und sonstige Details und wir konnten sogar noch ein Navi mit den T4A Karten leihen. Bestens, jetzt würde Manuela noch bis zur Merua Mall voraus fahren und dann würde unser Abenteuer beginnen.
Beim Superspar angekommen verabschiedete sich Manuela und wir stürmten in den Laden zum Großeinkauf. Was genau wollten wir denn eigentlich alles besorgen fragte mich meine Frau. Ich weiß nicht, ob es an der Hitze, der Aufgeregtheit oder der Müdigkeit lag - eine Einkaufsliste hatte ich jedenfalls nicht parat und konnte mich auch nicht erinnern, eine erstellt zu haben. Ich sagte, lass uns einfach einpacken worauf wir Lust haben, dazu noch ein paar Konserven für den Notfall, den Rest gucken wir dann später. Wir shoppten ein paar leckere Sachen zusammen und verstauten diese glücklich in unserem Toyota. Wie nützlich eine Liste gewesen wäre stellte sich natürlich erst später heraus als ich versuchte, Folienkartoffeln ohne Alufolie zu machen und angebrochenes Gemüse so gerne in Zip-Beutel verstauen wollte. Es war uns in dem Moment egal und es ging endlich los.
Nun fuhren wir gute 120 km auf der Teerstraße B6 östlich zur Okambara Elephant Lodge. Eine gewisse Eingewöhnungszeit brauchte ich dann doch in den Toyota, der weitaus toplastiger durch das Dachzelt war, als ich es mir hätte vorstellen können. Durch eine versehentliche Buchung durften wir auf der Lodge selbst und nicht wie vermutet im Bush Camp nächtigen. Dies war auch sehr, sehr angenehm. Da nach den ganzen Strapazen eine angenehme Dusche und ein leckeres Dinner wirklich wohltuend wirkten.
Champagner8'672 Beiträge · seit 201017. Dez. 2013 · #2
Hach - so fängt der Tag gut an: schon um halb sechs lauthals lachen zu können finde ich klasse 😄 !!
Gunnar, auch wenn ich vor Weihnachten eigentlich Wichtigeres zu tun habe (hätte....) hab ich deinen Bericht gleich abonniert - ich liebe Selbstironie 😎 !
Und da du dem Forum nach der Reise nicht den Rücken gekehrt hast gehe ich davon aus, dass das Unternehmen "Reise" nicht der totale Flop war, sondern eher in Gegenteil der Virus zugeschlagen hat.... 😗
erstmals danke, dass Du Dir die Zeit nimmst uns an Deiner Reise teilhaben zu lassen. Finde super , wie amüsant man hinterher schreiben kann, obwohl vorab oftmals die Nerven blank lagen und es eventl. fetzig zuging. Ich bin auf die Reise gespannt wie ein Flitzebogen, leg los und lass uns nicht zu lange schmoren. Beste Grüsse Hanne
8 x Südafrika,1x Zimbabwe, 22x Namibia, 4x Botswana, 1x Lesotho, 1 x Swasiland
ich habe mich wiedererkannt! Ich habs ganz genauso gemacht und bin ständig in diesem Forum unterwegs gewesen. Nichts im Leben ist schöner als das ganze Jahr diese Reise vorzubereiten! Und dann der viel zu kurze Urlaub. Ich freu mich sehr über Deinen so unterhaltsam geschriebenen Bericht.
Hallo Gunnar, was,ihr packt am Tag zuvor ??? Kann ich nur sagen " Reschpeckt"! Wir beginnen min. 8 Wochen vorher,das ist schon wie halber,naja sagen wir Viertel-Urlaub. Klingt im Nachhinein lustiger als es manchmal wahrscheinlich war? Wann geht`s weiter? Grüße Mutsel
Topobär5'479 Beiträge · seit 200917. Dez. 2013 · #6
Was habe ich mich schon beim 1.Kapitel amüsiert. Bin gespannt, wie es weiter geht.
fotomatte2'512 Beiträge · seit 200917. Dez. 2013 · #7
Hallo Gunnar,
also wenn dein Prolog schon so lustig,ausführlich und in wohl formulierten Sätzen gehalten ist,freue ich mich sehr,meine mittlerweile überschaubare Restverweildauer in Deutschland mit deinem äusserst amüsanten ( also zumindest für mich ) Bericht weiter zu verkürzen. Herzlichen Dank dafür.
Susi651'127 Beiträge · seit 201117. Dez. 2013 · #8
Hallo Gunnar,
der Anfang Eurer Reise klingt ja schon sehr "vielversprechend" (okay, für Deine Frau vielleicht nicht so unbedingt 🙂 😉 ), aber ich reise gerne bei Euch mit, denn es scheint sehr amüsant zu werden 😉 .
Berg-Eule2'060 Beiträge · seit 201317. Dez. 2013 · #9
Ich bin auch dabei, denn der Anfang war spannend: Alle Vorbereitungen verschwunden, packen am letzten Tag, die Frau hat keine Lust auf die Reise - na denn mal los! 😄
Liebe Grüße von Gabriele
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Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)
chrissie2'460 Beiträge · seit 200617. Dez. 2013 · #12
Hallo Gunnar, trotz meiner Zeitknappheit bin ich an deinem Thread hängen geblieben, weil er sehr amüsant zu lesen war. Da wir am Samstag in Urlaub fahren, werde ich deinen Bericht erst nach dem Urlaub weiterlesen können, aber wenn er weiter so gut geschrieben ist, werde ich euch schnel wiederl einholen 😄
Biologe1'162 Beiträge · seit 201217. Dez. 2013 · #13
Hallo Gunnar,
das ist echt Stress pur. Wie hält man das aus? Wahrscheinlich nur mit rel. jungen Jahren -- deshalb auch die herrliche Selbstironie. Bei solchen Aufregungen bereits im Vorfeld wäre bei mir der nächste Infarkt schon im Anmarsch. Aber gut finde ich, dass erst in letzter Minute gepackt wird. Zeugt von etwas Routine und Gelassenheit, trotz allem! Nachdem der Sprung nach Namibia nun mal geschafft und der "Point of no return" überschritten ist, kann's ja weiter gehen.
Beste Grüße B.
7x Namibia, 2x S-Afrika, ca. 45x Atlantische Inseln (Kapverden > 25x, Kanaren, Madeira, Azoren); 7x W-Afrika (Senegal, Guinea Bissau, Gambia, Sierra Leone), Marokko, Tunesien, Jemen, Madagaskar, USA, Kanada, Costa Rica, ziemlich viel ME & SE rauf und runter und kreuz und quer
GunnarThemenstarter44 Beiträge · seit 201317. Dez. 2013 · #14
Vielen Dank für das liebe Feedback! Fühle mich geehrt!
Ja, Selbstironie und ein wenig Zynismus helfen gut dabei das Erlebte zu verarbeiten 🙂 Ich hoffe Ihr werdet auf der weiteren Reise weiterhin gut unterhalten. Ich werde mir jedenfalls alle Mühe geben, denn trotz meiner Schusseligkeit, habt ihr Fomis uns wirklich sehr geholfen eine großartige Reise erleben zu dürfen (so viel schon mal vorweg 🙂
@ Fleur, dafür hab ich sie ja auch lieb! Bestimmt stellt sie der Reisebericht bis jetzt auch viel zu schlecht dar, das muss ich natürlich später noch einmal korrigieren 🙂
GunnarThemenstarter44 Beiträge · seit 201317. Dez. 2013 · #16
Tag 2: Okambara Elephant Lodge – Kalahari Bush Breaks Wir wurden morgens um 5:30 Uhr geweckt und machten uns auf zu unserem ersten Gamedrive in Namibia. Im offenen Geländewagen ging es knapp drei Stunden durch dichtes Terrain. Zwar konnte unser Tracker, trotz Peilsendereinsatz keine Elefanten entdecken, dafür ereilte uns aber das Glück einer Nashornsichtung. Das Nashorn entdeckte übrigens ein Gast, da der Tracker zu beschäftigt mit dem Auffinden der Elefanten war ☺.
Sicher sind wir, was Gamedrives anbelangt, unglaublich verwöhnt. Wir waren 2011 in Südafrika in dem privaten Wildreservat „Sabi Sands“ und wurden auf wirklich jedem Gamedrive mit der Sichtung aller Big5 mehr als verwöhnt. So kam uns dieser morgendliche Gamedrive ein wenig misslungen vor, dennoch wussten wir die Nashorn-Sichtung sehr zu schätzten. Außerdem kann ich mich an Blue Wilderbeests, Red Harterbeests und Gemsböcken eh nicht satt sehen. Wir brannten zudem einfach darauf, unseren ersten Gamedrive selber fahren zu dürfen.
Wir verabschiedeten uns nach dem Gamedrive bei den deutschen Besitzern der Lodge, die uns viel Spaß für die Reise wünschten und uns vor dem heutigen Thunderstorm warnten. Es war bislang unglaublich heiß und trocken und nachdem wir damals in Südafrika viel Regen hatten, waren wir jedenfalls sehr froh über dieses endlich typische Wüstenklima und konnten nicht so recht glauben, dass es heute wirklich noch gewittern sollte.
Der Trans Kalahari Highway (B6) ist für die weitere Eingewöhnung in das Fahrzeug zwar ganz nett, doch die Strecke ist nach kurzer Zeit doch ein wenig eintönig. Wir waren froh, nach ca. zweieinhalb Stunden endlich angekommen zu sein.
Die nächste Überraschung war auch gleich parat: Eine Buchung lag für uns natürlich nicht vor! Während meine Frau schon unseren Reiseveranstalter verfluchte, beschlich mich ein unangenehmes Gefühl. Irgendetwas stand in dem Angebot, dass nur unterstrichene Unterkünfte gebucht waren... Hätte ich mich darum jetzt selber kümmern sollen? Irgendwie konnte ich mir nicht vorstellen, dass wir ohne weiteren Hinweis auf die Reise geschickt wurden. Die Dame an der Rezeption erkundigte sich per Mail bei Bwana und in der Antwort hieß es natürlich: „nicht unterstrichene Unterkünfte seien nicht Teil des Angebots“. Oh Gott, auch das noch! Ich vor Scham im Boden versunken, dass ich so augenscheinlich überhaupt keinen Plan mehr von dem hatte, was ich gebucht haben wollte, meine Frau entnervt von der erneuten knapp zweistündigen Wartezeit, erfragten wir, ob eine Buchung trotzdem möglich sei. Die freundliche Dame lachte und erklärte mir, dass dies eigentlich der Regelfall für Selbstfahrer hier sei und es überhaupt kein Problem darstelle. Wir wären heute bis auf einen weiteren Gast die einzigen Camper und können uns unseren Platz frei aussuchen. Und auch den kostenpflichtigen 4x4 Trail dürfen wir heute kostenfrei nutzen, damit wir uns mal wieder freuen würden. Wow, klasse diese Mentalität!
Auf den Schock hin suchten wir uns erst einmal eine Campsite aus. Leider entsprachen diese so überhaupt nicht dem, was ich erwartet hatte. Zehn Plätze auf sandigem, ödem Wüstenboden ohne jeglichen Felsen oder idyllische Verpackung. Egal, erst einmal gönnten wir uns ein eiskaltes Windhoek Lager aus dem Kühlschrank bevor wir uns auf den 4x4 Trail machten. Dieser war recht einfach zu befahren und gut, um wieder etwas in Übung zu kommen. Auch meine Frau konnte sich an dem Trail erfreuen. Wahrscheinlich jedoch mehr dadurch, dass sie bemerkte wie viel Spaß es mir machte, durch die Wildnis zu fahren. Wir sahen dann auch große Zebra- und Wilderbeestherden und eine tolle Aussichtsplattform rundete dieses kleine Übungserlebnis wirklich ab.
Nachdem es eine Stelle dann doch noch fahrerisch in sich hatte (Flussbettausfahrt) und ich meine 4x4 Fahrkünste zeigen konnte, nickte meine Frau zustimmend und ich hatte das Gefühl, wenigstens in meine fahrerischen Qualitäten würde sie noch vertrauen (und zum Glück, ich mir auch!).
Nun ging es endlich daran, das erste Mal das Dachzelt alleine aufzubauen und unseren ersten Braii zuzubereiten! Das Dachzelt war schnell gemacht und sah unfassbar gemütlich aus. Und auch das Feuer war schleunigst entfacht.
Es sollte heute Oryx Filet, Maiskolben und Folienkartoffeln geben. Folienkartoffeln, gingen natürlich ohne Alufolie nicht, dank der nicht auffindbaren Einkaufsliste, entfiel dieser Punkt also ersatzlos. War auch weiter nicht schlimm. Das Fleisch war gerade durch und in dem Moment, an dem ich es auf den Tellern angerichtet hatte, setzte natürlich der angekündigte Thunderstorm ein. Es regnete wie aus Eimern, blitzte und donnerte um uns herum und wir mussten unter unserer Bodenplatte des Dachzeltes unseren Oryx im Stehen zu uns nehmen. Natürlich reichte der Platz nicht und wir, nebst unserer Speisen, waren innerhalb von Minuten durchnässt. Irgendwo zwischen witzig finden, völliger Frustration und der Angst, der Urlaub könnte die reinste Katastrophe werden, verkrochen wir uns ins Cockpit unseres Toyotas. Ich konnte es nicht fassen, dass aber auch so wirklich gar nichts glatt laufen wollte. Warum hatte ich mich nie mit Regen befasst? Eine entsprechende Plane hätte doch Abhilfe schaffen können... Ich hatte zu allem Überfluss sogar noch eine mitgenommen, diese war jedoch jämmerliche 50 cm breit und 4 Meter lang und als Markise oder Regenschutz einfach unbrauchbar. Einmal vorher auseinanderfalten hätte Aufschluss gebracht. Es nützte alles nichts, ich musste der Realität das erste Mal ins Auge blicken und mir insgeheim eingestehen, dass ich wohl doch noch kein super Abenteurer war.
Nun wurde es kühl und wir verkrochen uns ins Dachzelt. Es hörte für eine ganze Weile nicht mehr auf zu regnen und meine Gedanken kreisten bereits darum, ob man ein nasses Zelt wohl auch einfach einklappen könnte oder ob dann alle Decken, Matratzen und Kissen den ganzen Urlaub über nass sein würden. Geschlafen haben wir trotz allem sehr gut. Und am nächsten Morgen bemerkten wir dann auch das Wasserloch neben dem wir genächtigt hatten. Einige Kudus kamen, um zu trinken und irgendwie stellte sich ein bisschen Wildnisfeeling ein. Wir mussten früh aufbrechen, denn heute Stand eine längere Etappe zum KTP an. Zum Glück schien die Sonne schon wieder mit voller Kraft und die Sorge um nasse Decken und Kissen löste sich in Luft auf, denn alles war bereits wieder knochentrocken.
Sorimuc355 Beiträge · seit 201318. Dez. 2013 · #18
Hallo Gunnar,
ich musste direkt lachen bei deiner Beschreibung der Vorbereitungen - so in etwa ging es mir auch. Die Leute gucken einen komisch an, als wäre man besessen - und das von einem Land, in dem man bis dahin noch nicht mal war 😄 Ich hatte zwischenzeitlich auch Bedenken, dass meine Erwartungen durch das viele Lesen zu hoch sein würden - aber im Gegenteil, Namibia hat sie sogar noch übertroffen 🤪
GunnarThemenstarter44 Beiträge · seit 201318. Dez. 2013 · #19
Tag 3: Kalahari Bush Breaks – Kaa Gate KTP bzw. Swartpan
Heute sollte es endlich zu meinem auserkorenen Lieblingsort dieser Reise gehen - Swartpan. Einsamkeit, Wildnis pur, genau das, was ich suchte. Diese Strecke würde kein Kinderspiel werden, soviel wusste ich noch. Und so ging es auch leicht angespannt auf die Fahrt. Am Grenzübergang Buiteputs nach Botswana hätten mich meine Forumsinformationen mal wieder vor viel Peinlichkeit bewahrt. Wir fuhren also, wie wir nun wissen, auf den Namibianischen Ausreisegrenzposten zu. Keiner stoppte uns in einem Grenzhäuschen und so dachte ich mir, so lange mich keiner anhält wird wohl alles richtig sein. Am Botswanischen Einreiseposten wurden wir dann in eine Parklücke gelotst, danach kümmerte sich wieder keiner um uns. Ich stiefelte also selbstbewusst los, guckte ein wenig verwirrt in dem Grenzgebäude herum, bis ein Grenzer augenzwinkernd auf die Einreisezettel, die ich ja noch aus dem Flugzeug kenne, zeigte. Ich füllte diese schnell für meine Frau und mich aus, holte meine Frau samt Reisepässen herein und streckte dem Beamten freudestrahlend unsere Dokumente entgegen. Dieser bearbeitete irgendwelche Einreisepermits und wollte dann offensichtlich unsere Pässe stempeln. Plötzlich brach Hektik aus, ein weiterer Beamter wurde zu Rat gezogen, es wurde etwas lauter und in der Sekunde wurde mir schon klar, ich bin ohne Stempel aus Namibia ausgereist. Dies erklärte mir der Grenzbeamte ebenfalls unmissverständlich und natürlich mussten wir noch einmal zurück auf die Namibianische Seite, um die Stempel einzuholen. Mit Stempel wurden wir dann jedoch freundlich empfangen und man wünschte uns alles Gute. Alles Gute? Sehen wir schon so verloren und hilflos aus? Mir wurde immer unwohler und ich fühlte mich mehr und mehr wie der trotteligste Touri auf Erden.
In Charles Hill mussten wir von der B6 abbiegen und nach kurzer Zeit ging es endlich auf Gravel Pad. Nach ca. einer Stunde würde ich das Wort „endlich“ bereuen, es war übelstes Wellblech und wirklich alles an dem Toyota begann lautstark zu klappern. Wir kämpften uns für weitere zwei Stunden über Wellblech bis wir in eine der beiden auf der 300 km langen Piste liegenden Ortschaften kamen. Eigentlich sah die Routenführung auf der Karte relativ leicht aus und ich entschied mich gegen die Nutzung des Navis. Meine Freu liest hervorragend Karten und so machte ich mir keine großen Sorgen. Die Piste wurde wesentlich sandiger, dadurch aber auch ruhiger und wir kamen zügig voran. Ich wusste nicht mehr wie lange das Kaa Gate geöffnet haben sollte, vermutete aber so bis um 17:00 Uhr. Wir hatten jetzt noch ca. 150 km und es war 13:00 Uhr. Ich befand, wir lägen gut in der Zeit und kämen ca. gegen 15:30 Uhr am Kaa Gate an und hätten genügend Zeit, den Wilderness Trail bis nach Swartpan zu fahren. Jetzt kamen meine Erinnerungen an die Tourplanung wieder richtig zum Vorschein. Ich wusste aus dem Forum, dass wir noch durch ein Riverbed und eine Tiefsandpiste fahren mussten, die wohl nicht so einfach sein sollen. Wir kamen jedenfalls immer schneller voran. Es waren zwischen den beiden Ortschaften auf der Strecke ca. 75 km, ich überprüfte dies anhand des Kilometerstandes auf dem Tacho. Nach 80 km wurde ich unruhig, irgendwas kann nicht stimmen. Ich weckte meine Frau, die auf der ruhigen Piste doch tatsächlich eingeschlafen war und befragte sie zur Kartensituation. Keine wirklich klare Auskunft. Ich zückte schnell meinen extra erstandenen Multizonen Kompass und bemerkte sofort, dass wir anstatt südlich in östliche Richtung fuhren. Ich guckte auf die Karte und vermutete, dass wir in der letzten Ortschaft nicht korrekt abgebogen waren. Ich hatte für einen kurzen Moment das Gefühl, als ob mich meine Frau für meine Fähigkeit, den Kompass lesen zu können, bewunderte. Dann zog sie überlegen das Navi aus dem Handschuhfach, gab Kaa Gate ein und sagte, bitte zurück zur letzten Ortschaft, wir sind falsch abgebogen. Toll! 80 km Sandpiste in die verkehrte Richtung! Es gab noch eine kleine Querverbindung als Abkürzung auf der Karte, diese war nur 500 Meter entfernt. Ich steuerte die Einfahrt schnell an und stellte schockiert fest, dass es eine reine Tiefsandpiste war. Solche Straßen fahre ich nicht mit Dir allein, bemerkte meine Frau und auch mir war das eine Spur zu unheimlich, da wir ja zu allem Überfluss jetzt auch noch Zeitdruck im Nacken hatten. Ich wendete also missmutig, konnte meine Genervtheit darüber kaum verbergen und es entfachte sich natürlich sofort eine brennende Diskussion darüber, wer nun Schuld an der Misere war, Kartenleser oder Fahrer? Als wir endlich zurück in der letzten Ortschaft angekommen waren, zeigte uns das Navi den richtigen Weg und wir beide bemerkten, dass diese Abzweigung nicht annäherungsweise in der Karte so verzeichnet war und der Zustand der Straße eher an eine Garagenauffahrt erinnerte als an eine Hauptverbindung zu einem Nationalpark. Schuld war also keiner. Nun ging es auch gleich richtig los. Wir fuhren mehrere Kilometer in einem roten Flussbett entlang, inklusive schräger Ausfuhr über die Böschung aus dem Wasserbett und über sehr steinige Ebenen. Wir kamen damit jedoch sehr gut zurecht und ich grinste schon ein wenig süffisant, von wegen, schwere Anfahrt... Wie schnell sich so etwas rächen soll!
Es folgte noch einmal 60 km gradet Cutline – übelste Pad mit Schlaglöchern, großen losen Steinen, sandigen Stellen und steilen Abhängen zu beiden Seiten. Eintönig, langweilig und unter Zeitdruck einfach nervtötend! Natürlich pushte ich die Geschwindigkeit ein wenig, jedoch immer im Hinterkopf behaltend, wie gefährlich diese Pads sind. Dann passierte es jedoch, ohne Vorwarnung und warum auch immer, wahrscheinlich ein Schlagloch, mir brach plötzlich das Hinterteil des Wagens aus. Wir standen quer zur Fahrbahn und steuerten geradewegs auf den Abhang zu. Sofort erinnerte ich mich wieder an einen Forumsbericht, in dem ein junger Mann beschrieb, wie er seinen Landrover überschlagen hat in einer solchen Situation. Aber Gott sei dank machte ich intuitiv das Richtige. Ich fing den Hilux mit einer sanften Lenkbewegung ein, gab weiter Gas und riss ihn dann in letzter Sekunde vom Abhang weg, schleuderte noch einmal quer auf die Straße zurück bevor ich abbremsen konnte. Während dieses Vorgangs guckte meine Frau in aller Ruhe und ohne jedwede Panik zu mir rüber und fragte mich: Kriegst Du das hin? Wie eiskalt kann man denn bitte in so einer Situation bleiben? Nichts passiert, zum Glück! Es wurde nun unsanft nach einer Pause vom Beifahrersitz aus gefordert und wir nahmen uns Zeit, um etwas runter zu kommen. Diese Situation war extrem gefährlich und mir war sofort klar, dass ich auf den kommenden 3.500 km nichts mehr unterschätzen darf. Mein Gefühl als trotteliger Touri verstärkte sich natürlich weiter und ich konnte nicht glauben, dass mir das soeben passiert ist.
Es war mittlerweile 15:30 Uhr und durch unseren kleinen Umweg waren wir nun doch irgendwie zu spät dran. Es waren jedoch aber auch nur noch knapp 80 km bis zum Gate weswegen wir noch einigermaßen entspannt waren. Es ging noch einmal über eine wirklich bucklige, knochige Piste, die bis dahin der schlimmste bzw. schwierigste Teil für uns war. Wir sagten nun zu uns, dass die Fomis schon Recht hatten, wenn sie von einer eher schwierigen Anfahrt auf das Kaa Gate sprachen. Dann endlich sahen wir ein riesiges Schild mit der Aufschrift „Kgalagadie Transfrontier Park – Kaa Gate 75 km“! Wir müssten laut Karte nur noch einmal rechts abbiegen und dann immer gerade aus zum Gate. Für kurze Zeit machte sich Erleichterung breit, bis wir in die Abbiegung einbogen... Wir sahen eine ca. 20 Meter breite Tiefsandpiste die bis zum Horizont verlief. Das konnte doch nicht ernsthaft jetzt 75 km so gehen oder was? Irgendwie war mir so, als hätte ich einen Reisebericht im Forum gelesen der das so bestätigte, aber so einen Tiefsand für 75 km? Es war kurz vor 16:00 Uhr die Sonne strahlte, das Thermometer zeigte 38° und ich war mir sicher, jetzt ist der Sand ganz besonders weich, super!
Egal, zurück ging nicht mehr, 4x4 rein und los, mit ein bisschen Schwung ging es auch die ersten paar hundert Meter ganz gut. Ich dachte mir, ich könnte ggf. mal in den dritten Gang schalten, Pustekuchen. Wir blieben natürlich sofort stecken. Und befreien konnten wir uns auch nicht. Also 4L rein und ganz langsam raus. Zumindest das funktionierte. Nach gefühlten 26 Versuchen endlich in den 3. Gang zu gelangen, gab ich auf. Noch einmal 4L rein, eine bergab Stelle suchen, umschalten in 4H und dann im zweiten Gang mit 4000 U/min. durch die Piste. Wir kamen so dann auch mit fast 50 km/h voran und meine Frau erwies sich als unglaublich motivierender Beifahrer und verstand es, die ein wenig ängstliche Stimmung beiseite zu schieben. Bei all dem Steckenbleiben und Anfahrversuchen war mir doch ein wenig mulmig geworden, ob wir diese Piste nicht mit 20 km/h und 4L bis zum Ende zuckeln und natürlich, auf Grund der Zeit, auch noch unterwegs übernachten müssten. Irgendwann fing es natürlich dann auch an, Spaß zu machen als klar war, dass wir es schaffen würden. Noch einmal mussten wir abbiegen und durch eine sehr bucklige twospoor uns die letzten 10 km bis zum Gate kämpfen. Wir kamen um kurz vor 18:00 Uhr dort an und ein Ranger war gerade dabei, alles abzuschließen. Wir huschten schnell rein und stellten fest, dass das Gate selbst offiziell erst um 19:30 Uhr schließen sollte, alle Aufregung umsonst ☺!
Wir entschieden uns jedoch, direkt am Gate zu bleiben und nicht noch weitere 60 km 4x4 Wilderness Trail bis nach Swartpan dran zu hängen. Dies war auch überhaupt kein Problem, wir bekamen die sehr schöne Campsite Nr. 1 und konnten es nicht fassen, tatsächlich angekommen zu sein.
Zur Belohnung gab es erst einmal ein eiskaltes Lager. Gerade hatten wir es auf gemacht und uns ganz vorsichtig ein weinig auf der Campsite umher bewegt, fing es denn auch schon wieder an zu regnen. Wir saßen für ca. 45 Minuten im Cockpit und ich fragte mich ernsthaft, was ich verbrochen habe. Wie um alles in der Welt soll meine Frau Gefallen an dieser Reise finden? Es hörte zum Glück auf zu regnen und wir konnten schnell unser Zelt aufbauen und Abendessen bereiten. Als brave trottelige Touris haben wir natürlich kein Fleisch und kein Feuerholz mit über die Grenze genommen und konnten hinter der Grenze nichts der gleichen mehr erwerben und hatten nun außer Ravioli, Spagetti und sonstigem Dosenzeug nichts für ein anständiges Braii, na super!
Egal wir waren eh ein wenig ängstlich ob der Uneingezäuntheit und genossen es, auch nur schnell etwas warm zu machen, um danach gleich im Zelt zu verschwinden und die Lage von oben zu begutachten. Erschöpft von der Fahrt schliefen wir auch schnell ein. Natürlich mussten wir in der Nacht ein, zwei mal raus, was aber gar nicht so unheimlich war wie gedacht. Nachts hörte ich noch irgendein Hecheln im Halbschlaf, vermochte aber vorerst keine weiteren Erkenntnisse daraus zu gewinnen.
GunnarThemenstarter44 Beiträge · seit 201319. Dez. 2013 · #20
TAG 4: Kaa Gate – Polentswa
Wir wachten morgens bereits um 5:00 Uhr auf und sprangen sofort aus dem Zelt, um nach Tierspuren zu gucken. Und tatsächlich, das Hecheln in der Nacht muss ein Gepard gewesen sein, der um unsere Campsite spaziert ist – großartig!
Erstes Bushfrühstück, die Sonne schien, alles war herrlich und wir machten uns auf den knapp 100 km langen 4x4 Trail nach Polentswa. Zunächst zeigte meine Frau eine unbegeisterte Skepsis ob der einhundert Kilometer 4x4 Strecke. Doch als wir uns daran gewöhnt hatten, dass wir heute keinerlei Zeitdruck mehr hatten und die Strecke in aller Gemütlichkeit mit Pausen und Fotostopps zurücklegen konnten, verflog jeder Zweifel. Der botswanische Teil des Parks entpuppte sich als wild und wunderschön und während der knapp fünfstündigen Fahrt begegnete uns kein Mensch!
Drei Stunden konnten wir die Fahrt in vollen Zügen genießen, freuten uns weiterhin über jedes Harterbeest, jeden Strauss und jeden Gemsbock den wir sehen durften. Doch getrieben von unserer westlichen Welt der Superlative nahm die Sensationslust irgendwann überhand und wandelte sich in Frust, denn natürlich sahen wir keine Großkatze an diesem Tag. Es ist bemerkenswert, wie sehr man sich auf diese Sichtungen versteifen kann. Kurz vor Polentswa machten wir dann jedoch noch eine spektakuläre Sichtung: eine Windhose, die den Wüstensand geschätzte 100 Meter in den Himmel trug. Für etwa fünf Minuten konnten wir dem Naturschauspiel mutterseelenallein folgen, bis die Windhose irgendwann im Nossob Valley ihre Kraft verlor und zusammen fiel. Ein toller Anblick den keiner von uns je zuvor erleben durfte.
Immer noch ein weinig getrieben fuhren wir also zu unserer Campsite für die nächsten zwei Nächte - Polentswa Campsite Nr. 3. Ein wunderschöner Platz mit einer wahnsinns Aussicht auf das Nossob Tal.