Hallo liebe Forumsmitglieder, nachdem wir nun über zwei Wochen wieder auf deutschem Boden sind, möchten wir uns bei Euch in Form eines kleinen Reiseberichts für die vielen wertvollen Tipps bedanken (wenn wir sie denn genutzt hätten, dazu später mehr). Natürlich muss ich Euch erst einmal langweilen mit den Vorbereitungen etc. aber gerade diese Zeit ist wohl prägend für die Wahrnehmung unserer Reise gewesen 🙂
Bilder folgend dann wohl auch erst am Abreisetag, aber ich hoffe Ihr habt trotzdem ein wenig Spaß bis dahin!
Vor der Reise: Es ist bereits lange mein Wunsch gewesen, eine Dachzelttour im südlichen Afrika zu unternehmen und irgendwie ist es mir gelungen, meine Frau, die der festen Auffassung war, sie würde Camping hassen, tatsächlich davon zu überzeugen, dass wir so eine Reise machen müssen. So beschlossen wir, oder vielleicht beschloss ich und bekam eine vorsichtige Einwilligung meiner Frau, im Januar dieses Jahres das wir so eine Reise noch dieses Jahr unternehmen würden. Vor, während und vor allem nach dem Entscheidungsprozess packte mich das Fieber des Namibia Forums und es verging kein Abend an dem ich nicht Stunde um Stunde im Netz verbrachte, um mich mit tausenden von Insiderinformationen, Routenvorschlägen, Reiseberichten etc. auseinandersetzen. Anfangs erntete ich noch Bewunderung dafür, wie viel Zeit ich mir für diesen Urlaub nehmen würde, später wich die Bewunderung einer leichten Irritation, wie viel man über so einen Urlaub denn wissen müsse und endete in handfesten Auseinandersetzungen, ob es für mich noch irgendetwas anderes gäbe, als dieses dusselige Forum. Ich war also bereits vom Afrika Virus befallen ohne je einen Schritt auf afrikanischen Boden gesetzt zu haben (zumindest nicht als Selbstfahrer)!
Nach unendlichen Überlegungen und Wirrungen meinerseits konnten wir uns endlich auf eine Route einigen. Ich glaube, meine Frau wäre mit der ersten, pauschal bei Carsten Möhle angefragten Route, bereits zufrieden gewesen, ich hatte jedoch bereits zu viel Insiderinformation gesammelt, um so eine, meiner Meinung nach, viel zu einfache, anspruchlose und nicht individuell ausgetüftelte Route buchen zu können. Letztendlich entschieden wir uns für Folgendes:
1. Tag: Flug Frankfurt nach Windhoek 2. Tag: Windhoek – Mietwagenübernahme – Okambara Elefant Lodge 3. Tag: Kalahari Bush Breaks Camping 4. Tag: Kaa Gate 5. Tag: Polentswa 6. Tag: Polentswa 7. Tag: Nossob 8. Tag: Rooiputs 9. Tag: Mesosaurus Fossil Camp 10. Tag: Klein Aus Vista Camp 11. Tag: Klein Aus Vista Camp 12. Tag: Koiimasis Camp 13. Tag: Sessriem Campsite 14. Tag: Sessriem Campsite 15. Tag: Windhoek, Hotel Thule 16. Tag: Rückflug Windhoek nach Frankfurt
Natürlich hatte ich mir nach wochenlangem Studium der Foren bereits die Tracks4Africa Karten zugelegt und die Route akribisch durchgeplant. Ich konnte also schon vor der Reise die Ankunftszeit am Rückflugtag am Flughafen Windhoek berechnen, wusste jede Aufstehzeit und mögliche Verweildauer an bestimmten Plätzen und würde in absoluter Kenntnis der Route weder Navi noch Kompass mehr benötigen. Natürlich hatte ich bereits vier Monate vor der Reise generalstabsmäßig sämtliche Packlisten und Checklisten, die das Forum hergab, ausgedruckt und Einkaufszettel für Equipment etc. bereit gelegt. Es musste unbedingt der beste Urlaub werden den meine Frau je gesehen hat, damit wir zu Wiederholung ansetzen konnten.
Meine Frau verließ sich also auf mich als Reiseleiter und Experte in Sachen Vorbereitung und unsere beiden Firmen (wir sind beide selbstständig) nahmen im Sommer noch einmal richtig Fahrt auf, so dass wir ab Juli so gar nicht mehr zu irgendwelchen Vorbereitungen und später nicht einmal mehr Vorfreuden finden konnten. Ich versuchte noch hektisch in den letzten zwei Wochen mir die, meiner Meinung nach, wichtigsten Equipment-Gegenstände im Internet zu bestellen, hatte jedoch bereits hoffnungslos den Überblick über all meine tollen Listen verloren. Die Vorbereitung drohte sich mehr und mehr in Luft auf zu lösen und natürlich fing meine Frau an, meiner Planung zu zweifeln.
Als ein Zwischenfall in meiner Firma vier Tage vor Abreise auch noch dazu führte, dass ich mir plötzlich nicht mehr sicher war, ob ich überhaupt abreisen könne, war das Chaos perfekt. Meine Frau war bedient! Die Reise war natürlich jetzt eh nur mein Wunsch. Einfach, unkompliziert und erholsam hätte sie doch eh viel besser gefunden und warum sie sich auf das alles eingelassen hatte verstünde sie auch nicht mehr. Am Tag vor der Abreise würde es bei mir noch einmal richtig stressig werden, soviel wusste ich und während endlosen Meetings und hunderten von Telefonaten dachte ich verzweifelt an die Dinge, die ich noch unbedingt vor Abfahrt erledigen musste: Das Garmin Navi meiner Mutter abholen, die T4A Karten überspielen, die Notfallnummern für Namibia/Botswana raussuchen, unsere Reisedokumente scannen und auf einen USB Stick ziehen, Sachen packen, die Reiseroute noch einmal durchgehen und unsere Einzelziele noch einmal hervorrufen... Ich wusste, irgendetwas würde auf der Strecke bleiben. Egal dachte ich, im Flieger kann ich eh nie schlafen, also werde ich dort die Zeit nutzen, noch mal alles wieder zu recht zu sortieren.
Als ich am Abend vor der Abreise um 22:30 Uhr aus der Firma zurück kam (immerhin schon mit Navi meiner Mutter bewaffnet) und endlich verkünden konnte, dass alle Probleme in der Firma gelöst seien und wir uns nun endlich auf die Reise freuen können, erwartete mich jedoch mein nächstes Problem: Meine Frau hatte keine Lust mehr und konnte sich nicht einmal mehr über die in last Minute abgewendete Katastrophe in meiner Firma freuen. Noch nie habe sie weniger Vorfreude auf eine Reise verspürt. Sie habe sich nun so gar nicht mehr mit der Reise befasst und hatte somit natürlich auch nicht die passenden Klamotten für diese Reise. Ein perfekter Zeitpunkt, um auch gleich unsere Beziehung in Frage zu stellen, denn schließlich ließen sich ja nicht einmal mehr Urlaube verlässlich planen. Was bleibt dann überhaupt? Ok, jetzt Nerven bewahren! Was würde der nächste sinnvolle Schritt sein? Amarula! Wir hatten doch tatsächlich noch eine Flasche Amarula im Kühlschrank und so konnte ich feierlich einen Tropfen afrikanische Vorfreude servieren. Es half! Nach ein, zwei Gläsern und einigen gewechselten Worten begannen wir tatsächlich, zu packen.
Nachdem ich bereits alle sieben Sachen zusammen hatte und ein kritisches Auge auf die Tasche meiner Frau geworfen hatte, war ich beruhigt, es nahm alles Formen an und so konnte ich mich schon einmal schnell der Installation der T4A Karten auf dem Navi widmen. Ein richtiger Mann und Explorer braucht natürlich keine Bedienungsanleitung dafür, selbstredend! Schon nach kurzer Zeit hatte ich verschiedene Übertragungsmodi und Importfunktionen erkannt und ausprobiert und wie von Geisterhand waren die T4A Karten mit unserer Route und allen dazugehörigen Detailkommentaren weder auf dem Navi noch auf dem Laptop mehr aufzufinden. Das konnte doch nicht wahr sein! Aus dem Gedächtnis konnte ich nicht mal mehr sagen, in welchen Unterkünften wir übernachteten und nun war diese mega geplante Route einfach weg! Ja, keine Chance, nicht einmal auf dem Rechner war irgendein Fragment dieser Route mehr zu finden und BaseCamp konnte nicht mehr auf T4A Material zu greifen. So langsam wurde ich doch ein wenig nervös. Selbstsicher berichtete ich meiner Frau, dass das mit dem Navi doch nicht funktioniere, wir ja aber die umfangreiche Selbstfahrermappe von Carsten Möhle in Windhoek bekämen, in der ja noch mal alles haarklein beschrieben sein wird.
Abflug nach Windhoek und Tag 1 in Namibia Tatsächlich haben wir es dann geschafft, um 3:00 Uhr nachts alles gepackt zu haben und irgendwie nicht mal ein ungutes Gefühl zu verspüren, irgendetwas vergessen zu haben. Am Abreisetag ging es dann erschöpft, ein wenig vorfreudig und auch ein bisschen skeptisch mit dem ICE nach Frankfurt.
Ich telefonierte während der fünf- stündigen Fahrt auch höchstens drei Stunden mit der Firma, dann war der Akku leer und ab jetzt sollte es nur noch uns beide in Afrika geben. Die Anreise verlief problemlos und anscheinend hatte Air Namibia mittlerweile alles fest im Griff. Jedenfalls konnte ich kaum einen Unterschied zu großen Airlines feststellen, obwohl wir ja noch im alten Flieger saßen. Es war wirklich alles ok, man gab sich sichtlich Mühe mit den Passagieren, Essen war weder schlechter noch besser als in den Star Alliance Fliegern und es gab das erste Windhoek Lager für uns! Das war doch schon mal ein tolles Erlebnis. ☺
Schlafen konnte ich trotz allem nicht. Die letzten Tage vor dem Abflug hatten es in sich und so dachte ich noch viel über die Arbeit, aber auch das Bevorstehende nach und ohne irgendeine Detailinformation wieder in Erinnerung rufen zu können landeten wir auch schon in Windhoek. Jetzt kam aber doch noch mein heller Moment! Ich wusste plötzlich wieder um die Schwierigkeiten und das Prozedere bei der Einreise. Wir mussten den von Carsten Möhle mitgelieferten Einreisezettel ausfüllen und schnell vom Flieger in den Terminal, um nicht Gefahr zu laufen, stundenlang an der Immigration anstehen zu müssen. Natürlich wollte ich gerne unseren ersten Namibia Moment fotografieren, wurde jedoch sofort von einem Sicherheitsbeamten daran gehindert und zum zügigen Weitergehen ermahnt. So waren wir also tatsächlich unter den ersten 50 Passagieren im Terminal wovon uns gefühlte 40 gleich wieder entgegen kamen, da sie den Immigrations-Zettel nicht ausgefüllt hatten. Ha, das fühlte sich gut an ☺. Die Immigrationsbeamtin war freundlich und zügig und nach 5 Minuten waren wir bereits in der Gepäckhalle. Unser Gepäck ließ auch nicht lange auf sich warten uns so wurde es spannend, ob uns nun jemand von Bwana Tucke Tucke in Empfang nehmen würde. Mir fiel ein, es sollte ja nun erst einmal ein leckeres Frühstück in Bwanopolis geben und dann zur Mietwagenübernahme gehen. Wir kamen in die Ankunftshalle und eine Vielzahl freundlicher Guides lächelte uns an... keiner mit unserem Namensschild! Ich merkte, dass meine Frau innerlich die Situation nicht ganz so witzig fand, aber mein nächster heller Moment sollte zum Glück nicht lange auf sich warten lassen: Geld wechseln! Jetzt! Bevor alle anderen kommen! Gesagt getan, ohne in einer Schlange zu stehen wollte ich unsere Urlaubskasse von 1.000 € einwechseln, meine Frau war jedoch der Meinung, es würden auch erst einmal 500 € reichen, schließlich könnten wir ja später noch wechseln... Ich widersprach nicht, obgleich ich natürlich wusste, dass die nächste Wechselgelegenheit wahrscheinlich erst in Keetmannshoop in 8 Tagen sein würde, egal. Sie hatte ein besseres Gefühl, wir hatten Geld parat und zurück am Eingang wartete jetzt ein junger freundlicher Mann mit unserem Namensschild in der Hand. Aloe Car Hire, richtig, dass war unsere Autovermietung. Wieso er uns nun abholte wusste ich nicht genau, auch nicht, warum es nun doch erst zur Autovermietung ging, aber als er sagte, dass Manuela von Bwana gleich mit zur Fahrzeugübernahme komme, war ich beruhigt.
Wir fuhren auf das Gelände der Autovermietung und da stand ein weißer Toyota Hilux. Mein erster Blick galt den Reifen. Hier waren tolle Geländereifen aufgezogen, unser gemeinsamer zweiter Blick ging aufs Dach... kein Dachzelt?!? Der junge, freundliche Mann, der uns vom Flughafen abgeholt hatte, wollte nun damit beginnen, uns unser Fahrzeug zu erklären. Ich erklärte ihm jedoch erst einmal, dass wir ein Fahrzeug mit Dachzelt und Camping Ausrüstung gebucht haben und präsentierte ihm unser Anschreiben von Bwana. Er verschwand sichtlich irritiert im Verwaltungsgebäude und kam nach gefühlten 10 Minuten wieder heraus, bewaffnet mit einer E-Mail aus der hervorging, dass Carsten Möhle leider „plain“ geordert hätte. Dann sagte er, er müsse schnell die nächsten Gäste am Flughafen abholen und verschwand. Etwas irritiert saßen wir nun im schönen Empfangsbereich direkt am Pool und warteten gespannt darauf, was als nächstes geschehen würde. Plötzlich öffnete sich die große Eingangspforte und statt Manuela erschien Uwe von Bwana Tucke Tucke. Dann kam auch die Besitzerin der Autovermietung und entschuldigte sich bei uns für die Komplikationen. Der Wagen würde schnell ausgerüstet werden und gleich für uns bereit stehen. Wir könnten in der Zwischenzeit schon einmal die Vertragsunterlagen durchgehen. Ich wäre zwar lieber in der Zwischenzeit frühstücken gegangen, aber egal.
Wir gingen alles durch, der junge Mann der eben noch zum Flughafen fahren wollte, brachte nun unseren Hilux zur Werkstatt und zwei Stunden später konnten wir endlich zu Bwana Tucke Tucke zum heiß ersehnten Frühstück. Uwe fuhr im uralt Landrover voraus und ich folgte. Es klappte ganz gut im Linksverkehr, da ich mich zunächst erst einmal nur auf das vorausfahrende Fahrzeug konzentrieren musste. Ein paar mal Scheibenwischer statt Blinker, na klar, aber dann lief es auch schon.
Wir wurden sehr nett von Manuela empfangen und machten tatsächlich erst einmal gemeinsam ein tolles Frühstück. Die Ereignisse der Vortage, der Flug und die unglaubliche Hitze in Windhoek machten sich jetzt bemerkbar. Manuela ging mit uns die Reiseroute durch. Ich konnte aus dem Augenwinkel erkennen, dass meine Frau kaum noch einer Erklärung folgte und sie mir die weitere Reiseleitung wieder überlassen würde. Anhand der Erklärungen kam wenigstens die Erinnerung an einige Bruchstücke der Planung zurück. So richtig schlau war ich jedoch trotzdem nicht. Ich erfragte noch schnell einige Öffnungszeiten und sonstige Details und wir konnten sogar noch ein Navi mit den T4A Karten leihen. Bestens, jetzt würde Manuela noch bis zur Merua Mall voraus fahren und dann würde unser Abenteuer beginnen.
Beim Superspar angekommen verabschiedete sich Manuela und wir stürmten in den Laden zum Großeinkauf. Was genau wollten wir denn eigentlich alles besorgen fragte mich meine Frau. Ich weiß nicht, ob es an der Hitze, der Aufgeregtheit oder der Müdigkeit lag - eine Einkaufsliste hatte ich jedenfalls nicht parat und konnte mich auch nicht erinnern, eine erstellt zu haben. Ich sagte, lass uns einfach einpacken worauf wir Lust haben, dazu noch ein paar Konserven für den Notfall, den Rest gucken wir dann später. Wir shoppten ein paar leckere Sachen zusammen und verstauten diese glücklich in unserem Toyota. Wie nützlich eine Liste gewesen wäre stellte sich natürlich erst später heraus als ich versuchte, Folienkartoffeln ohne Alufolie zu machen und angebrochenes Gemüse so gerne in Zip-Beutel verstauen wollte. Es war uns in dem Moment egal und es ging endlich los.
Nun fuhren wir gute 120 km auf der Teerstraße B6 östlich zur Okambara Elephant Lodge. Eine gewisse Eingewöhnungszeit brauchte ich dann doch in den Toyota, der weitaus toplastiger durch das Dachzelt war, als ich es mir hätte vorstellen können. Durch eine versehentliche Buchung durften wir auf der Lodge selbst und nicht wie vermutet im Bush Camp nächtigen. Dies war auch sehr, sehr angenehm. Da nach den ganzen Strapazen eine angenehme Dusche und ein leckeres Dinner wirklich wohltuend wirkten.
Teil 217. Dez. 2013
Tag 2: Okambara Elephant Lodge – Kalahari Bush Breaks Wir wurden morgens um 5:30 Uhr geweckt und machten uns auf zu unserem ersten Gamedrive in Namibia. Im offenen Geländewagen ging es knapp drei Stunden durch dichtes Terrain. Zwar konnte unser Tracker, trotz Peilsendereinsatz keine Elefanten entdecken, dafür ereilte uns aber das Glück einer Nashornsichtung. Das Nashorn entdeckte übrigens ein Gast, da der Tracker zu beschäftigt mit dem Auffinden der Elefanten war ☺.
Sicher sind wir, was Gamedrives anbelangt, unglaublich verwöhnt. Wir waren 2011 in Südafrika in dem privaten Wildreservat „Sabi Sands“ und wurden auf wirklich jedem Gamedrive mit der Sichtung aller Big5 mehr als verwöhnt. So kam uns dieser morgendliche Gamedrive ein wenig misslungen vor, dennoch wussten wir die Nashorn-Sichtung sehr zu schätzten. Außerdem kann ich mich an Blue Wilderbeests, Red Harterbeests und Gemsböcken eh nicht satt sehen. Wir brannten zudem einfach darauf, unseren ersten Gamedrive selber fahren zu dürfen.
Wir verabschiedeten uns nach dem Gamedrive bei den deutschen Besitzern der Lodge, die uns viel Spaß für die Reise wünschten und uns vor dem heutigen Thunderstorm warnten. Es war bislang unglaublich heiß und trocken und nachdem wir damals in Südafrika viel Regen hatten, waren wir jedenfalls sehr froh über dieses endlich typische Wüstenklima und konnten nicht so recht glauben, dass es heute wirklich noch gewittern sollte.
Der Trans Kalahari Highway (B6) ist für die weitere Eingewöhnung in das Fahrzeug zwar ganz nett, doch die Strecke ist nach kurzer Zeit doch ein wenig eintönig. Wir waren froh, nach ca. zweieinhalb Stunden endlich angekommen zu sein.
Die nächste Überraschung war auch gleich parat: Eine Buchung lag für uns natürlich nicht vor! Während meine Frau schon unseren Reiseveranstalter verfluchte, beschlich mich ein unangenehmes Gefühl. Irgendetwas stand in dem Angebot, dass nur unterstrichene Unterkünfte gebucht waren... Hätte ich mich darum jetzt selber kümmern sollen? Irgendwie konnte ich mir nicht vorstellen, dass wir ohne weiteren Hinweis auf die Reise geschickt wurden. Die Dame an der Rezeption erkundigte sich per Mail bei Bwana und in der Antwort hieß es natürlich: „nicht unterstrichene Unterkünfte seien nicht Teil des Angebots“. Oh Gott, auch das noch! Ich vor Scham im Boden versunken, dass ich so augenscheinlich überhaupt keinen Plan mehr von dem hatte, was ich gebucht haben wollte, meine Frau entnervt von der erneuten knapp zweistündigen Wartezeit, erfragten wir, ob eine Buchung trotzdem möglich sei. Die freundliche Dame lachte und erklärte mir, dass dies eigentlich der Regelfall für Selbstfahrer hier sei und es überhaupt kein Problem darstelle. Wir wären heute bis auf einen weiteren Gast die einzigen Camper und können uns unseren Platz frei aussuchen. Und auch den kostenpflichtigen 4x4 Trail dürfen wir heute kostenfrei nutzen, damit wir uns mal wieder freuen würden. Wow, klasse diese Mentalität!
Auf den Schock hin suchten wir uns erst einmal eine Campsite aus. Leider entsprachen diese so überhaupt nicht dem, was ich erwartet hatte. Zehn Plätze auf sandigem, ödem Wüstenboden ohne jeglichen Felsen oder idyllische Verpackung. Egal, erst einmal gönnten wir uns ein eiskaltes Windhoek Lager aus dem Kühlschrank bevor wir uns auf den 4x4 Trail machten. Dieser war recht einfach zu befahren und gut, um wieder etwas in Übung zu kommen. Auch meine Frau konnte sich an dem Trail erfreuen. Wahrscheinlich jedoch mehr dadurch, dass sie bemerkte wie viel Spaß es mir machte, durch die Wildnis zu fahren. Wir sahen dann auch große Zebra- und Wilderbeestherden und eine tolle Aussichtsplattform rundete dieses kleine Übungserlebnis wirklich ab.
Nachdem es eine Stelle dann doch noch fahrerisch in sich hatte (Flussbettausfahrt) und ich meine 4x4 Fahrkünste zeigen konnte, nickte meine Frau zustimmend und ich hatte das Gefühl, wenigstens in meine fahrerischen Qualitäten würde sie noch vertrauen (und zum Glück, ich mir auch!).
Nun ging es endlich daran, das erste Mal das Dachzelt alleine aufzubauen und unseren ersten Braii zuzubereiten! Das Dachzelt war schnell gemacht und sah unfassbar gemütlich aus. Und auch das Feuer war schleunigst entfacht.
Es sollte heute Oryx Filet, Maiskolben und Folienkartoffeln geben. Folienkartoffeln, gingen natürlich ohne Alufolie nicht, dank der nicht auffindbaren Einkaufsliste, entfiel dieser Punkt also ersatzlos. War auch weiter nicht schlimm. Das Fleisch war gerade durch und in dem Moment, an dem ich es auf den Tellern angerichtet hatte, setzte natürlich der angekündigte Thunderstorm ein. Es regnete wie aus Eimern, blitzte und donnerte um uns herum und wir mussten unter unserer Bodenplatte des Dachzeltes unseren Oryx im Stehen zu uns nehmen. Natürlich reichte der Platz nicht und wir, nebst unserer Speisen, waren innerhalb von Minuten durchnässt. Irgendwo zwischen witzig finden, völliger Frustration und der Angst, der Urlaub könnte die reinste Katastrophe werden, verkrochen wir uns ins Cockpit unseres Toyotas. Ich konnte es nicht fassen, dass aber auch so wirklich gar nichts glatt laufen wollte. Warum hatte ich mich nie mit Regen befasst? Eine entsprechende Plane hätte doch Abhilfe schaffen können... Ich hatte zu allem Überfluss sogar noch eine mitgenommen, diese war jedoch jämmerliche 50 cm breit und 4 Meter lang und als Markise oder Regenschutz einfach unbrauchbar. Einmal vorher auseinanderfalten hätte Aufschluss gebracht. Es nützte alles nichts, ich musste der Realität das erste Mal ins Auge blicken und mir insgeheim eingestehen, dass ich wohl doch noch kein super Abenteurer war.
Nun wurde es kühl und wir verkrochen uns ins Dachzelt. Es hörte für eine ganze Weile nicht mehr auf zu regnen und meine Gedanken kreisten bereits darum, ob man ein nasses Zelt wohl auch einfach einklappen könnte oder ob dann alle Decken, Matratzen und Kissen den ganzen Urlaub über nass sein würden. Geschlafen haben wir trotz allem sehr gut. Und am nächsten Morgen bemerkten wir dann auch das Wasserloch neben dem wir genächtigt hatten. Einige Kudus kamen, um zu trinken und irgendwie stellte sich ein bisschen Wildnisfeeling ein. Wir mussten früh aufbrechen, denn heute Stand eine längere Etappe zum KTP an. Zum Glück schien die Sonne schon wieder mit voller Kraft und die Sorge um nasse Decken und Kissen löste sich in Luft auf, denn alles war bereits wieder knochentrocken.
Teil 318. Dez. 2013
Tag 3: Kalahari Bush Breaks – Kaa Gate KTP bzw. Swartpan
Heute sollte es endlich zu meinem auserkorenen Lieblingsort dieser Reise gehen - Swartpan. Einsamkeit, Wildnis pur, genau das, was ich suchte. Diese Strecke würde kein Kinderspiel werden, soviel wusste ich noch. Und so ging es auch leicht angespannt auf die Fahrt. Am Grenzübergang Buiteputs nach Botswana hätten mich meine Forumsinformationen mal wieder vor viel Peinlichkeit bewahrt. Wir fuhren also, wie wir nun wissen, auf den Namibianischen Ausreisegrenzposten zu. Keiner stoppte uns in einem Grenzhäuschen und so dachte ich mir, so lange mich keiner anhält wird wohl alles richtig sein. Am Botswanischen Einreiseposten wurden wir dann in eine Parklücke gelotst, danach kümmerte sich wieder keiner um uns. Ich stiefelte also selbstbewusst los, guckte ein wenig verwirrt in dem Grenzgebäude herum, bis ein Grenzer augenzwinkernd auf die Einreisezettel, die ich ja noch aus dem Flugzeug kenne, zeigte. Ich füllte diese schnell für meine Frau und mich aus, holte meine Frau samt Reisepässen herein und streckte dem Beamten freudestrahlend unsere Dokumente entgegen. Dieser bearbeitete irgendwelche Einreisepermits und wollte dann offensichtlich unsere Pässe stempeln. Plötzlich brach Hektik aus, ein weiterer Beamter wurde zu Rat gezogen, es wurde etwas lauter und in der Sekunde wurde mir schon klar, ich bin ohne Stempel aus Namibia ausgereist. Dies erklärte mir der Grenzbeamte ebenfalls unmissverständlich und natürlich mussten wir noch einmal zurück auf die Namibianische Seite, um die Stempel einzuholen. Mit Stempel wurden wir dann jedoch freundlich empfangen und man wünschte uns alles Gute. Alles Gute? Sehen wir schon so verloren und hilflos aus? Mir wurde immer unwohler und ich fühlte mich mehr und mehr wie der trotteligste Touri auf Erden.
In Charles Hill mussten wir von der B6 abbiegen und nach kurzer Zeit ging es endlich auf Gravel Pad. Nach ca. einer Stunde würde ich das Wort „endlich“ bereuen, es war übelstes Wellblech und wirklich alles an dem Toyota begann lautstark zu klappern. Wir kämpften uns für weitere zwei Stunden über Wellblech bis wir in eine der beiden auf der 300 km langen Piste liegenden Ortschaften kamen. Eigentlich sah die Routenführung auf der Karte relativ leicht aus und ich entschied mich gegen die Nutzung des Navis. Meine Freu liest hervorragend Karten und so machte ich mir keine großen Sorgen. Die Piste wurde wesentlich sandiger, dadurch aber auch ruhiger und wir kamen zügig voran. Ich wusste nicht mehr wie lange das Kaa Gate geöffnet haben sollte, vermutete aber so bis um 17:00 Uhr. Wir hatten jetzt noch ca. 150 km und es war 13:00 Uhr. Ich befand, wir lägen gut in der Zeit und kämen ca. gegen 15:30 Uhr am Kaa Gate an und hätten genügend Zeit, den Wilderness Trail bis nach Swartpan zu fahren. Jetzt kamen meine Erinnerungen an die Tourplanung wieder richtig zum Vorschein. Ich wusste aus dem Forum, dass wir noch durch ein Riverbed und eine Tiefsandpiste fahren mussten, die wohl nicht so einfach sein sollen. Wir kamen jedenfalls immer schneller voran. Es waren zwischen den beiden Ortschaften auf der Strecke ca. 75 km, ich überprüfte dies anhand des Kilometerstandes auf dem Tacho. Nach 80 km wurde ich unruhig, irgendwas kann nicht stimmen. Ich weckte meine Frau, die auf der ruhigen Piste doch tatsächlich eingeschlafen war und befragte sie zur Kartensituation. Keine wirklich klare Auskunft. Ich zückte schnell meinen extra erstandenen Multizonen Kompass und bemerkte sofort, dass wir anstatt südlich in östliche Richtung fuhren. Ich guckte auf die Karte und vermutete, dass wir in der letzten Ortschaft nicht korrekt abgebogen waren. Ich hatte für einen kurzen Moment das Gefühl, als ob mich meine Frau für meine Fähigkeit, den Kompass lesen zu können, bewunderte. Dann zog sie überlegen das Navi aus dem Handschuhfach, gab Kaa Gate ein und sagte, bitte zurück zur letzten Ortschaft, wir sind falsch abgebogen. Toll! 80 km Sandpiste in die verkehrte Richtung! Es gab noch eine kleine Querverbindung als Abkürzung auf der Karte, diese war nur 500 Meter entfernt. Ich steuerte die Einfahrt schnell an und stellte schockiert fest, dass es eine reine Tiefsandpiste war. Solche Straßen fahre ich nicht mit Dir allein, bemerkte meine Frau und auch mir war das eine Spur zu unheimlich, da wir ja zu allem Überfluss jetzt auch noch Zeitdruck im Nacken hatten. Ich wendete also missmutig, konnte meine Genervtheit darüber kaum verbergen und es entfachte sich natürlich sofort eine brennende Diskussion darüber, wer nun Schuld an der Misere war, Kartenleser oder Fahrer? Als wir endlich zurück in der letzten Ortschaft angekommen waren, zeigte uns das Navi den richtigen Weg und wir beide bemerkten, dass diese Abzweigung nicht annäherungsweise in der Karte so verzeichnet war und der Zustand der Straße eher an eine Garagenauffahrt erinnerte als an eine Hauptverbindung zu einem Nationalpark. Schuld war also keiner. Nun ging es auch gleich richtig los. Wir fuhren mehrere Kilometer in einem roten Flussbett entlang, inklusive schräger Ausfuhr über die Böschung aus dem Wasserbett und über sehr steinige Ebenen. Wir kamen damit jedoch sehr gut zurecht und ich grinste schon ein wenig süffisant, von wegen, schwere Anfahrt... Wie schnell sich so etwas rächen soll!
Es folgte noch einmal 60 km gradet Cutline – übelste Pad mit Schlaglöchern, großen losen Steinen, sandigen Stellen und steilen Abhängen zu beiden Seiten. Eintönig, langweilig und unter Zeitdruck einfach nervtötend! Natürlich pushte ich die Geschwindigkeit ein wenig, jedoch immer im Hinterkopf behaltend, wie gefährlich diese Pads sind. Dann passierte es jedoch, ohne Vorwarnung und warum auch immer, wahrscheinlich ein Schlagloch, mir brach plötzlich das Hinterteil des Wagens aus. Wir standen quer zur Fahrbahn und steuerten geradewegs auf den Abhang zu. Sofort erinnerte ich mich wieder an einen Forumsbericht, in dem ein junger Mann beschrieb, wie er seinen Landrover überschlagen hat in einer solchen Situation. Aber Gott sei dank machte ich intuitiv das Richtige. Ich fing den Hilux mit einer sanften Lenkbewegung ein, gab weiter Gas und riss ihn dann in letzter Sekunde vom Abhang weg, schleuderte noch einmal quer auf die Straße zurück bevor ich abbremsen konnte. Während dieses Vorgangs guckte meine Frau in aller Ruhe und ohne jedwede Panik zu mir rüber und fragte mich: Kriegst Du das hin? Wie eiskalt kann man denn bitte in so einer Situation bleiben? Nichts passiert, zum Glück! Es wurde nun unsanft nach einer Pause vom Beifahrersitz aus gefordert und wir nahmen uns Zeit, um etwas runter zu kommen. Diese Situation war extrem gefährlich und mir war sofort klar, dass ich auf den kommenden 3.500 km nichts mehr unterschätzen darf. Mein Gefühl als trotteliger Touri verstärkte sich natürlich weiter und ich konnte nicht glauben, dass mir das soeben passiert ist.
Es war mittlerweile 15:30 Uhr und durch unseren kleinen Umweg waren wir nun doch irgendwie zu spät dran. Es waren jedoch aber auch nur noch knapp 80 km bis zum Gate weswegen wir noch einigermaßen entspannt waren. Es ging noch einmal über eine wirklich bucklige, knochige Piste, die bis dahin der schlimmste bzw. schwierigste Teil für uns war. Wir sagten nun zu uns, dass die Fomis schon Recht hatten, wenn sie von einer eher schwierigen Anfahrt auf das Kaa Gate sprachen. Dann endlich sahen wir ein riesiges Schild mit der Aufschrift „Kgalagadie Transfrontier Park – Kaa Gate 75 km“! Wir müssten laut Karte nur noch einmal rechts abbiegen und dann immer gerade aus zum Gate. Für kurze Zeit machte sich Erleichterung breit, bis wir in die Abbiegung einbogen... Wir sahen eine ca. 20 Meter breite Tiefsandpiste die bis zum Horizont verlief. Das konnte doch nicht ernsthaft jetzt 75 km so gehen oder was? Irgendwie war mir so, als hätte ich einen Reisebericht im Forum gelesen der das so bestätigte, aber so einen Tiefsand für 75 km? Es war kurz vor 16:00 Uhr die Sonne strahlte, das Thermometer zeigte 38° und ich war mir sicher, jetzt ist der Sand ganz besonders weich, super!
Egal, zurück ging nicht mehr, 4x4 rein und los, mit ein bisschen Schwung ging es auch die ersten paar hundert Meter ganz gut. Ich dachte mir, ich könnte ggf. mal in den dritten Gang schalten, Pustekuchen. Wir blieben natürlich sofort stecken. Und befreien konnten wir uns auch nicht. Also 4L rein und ganz langsam raus. Zumindest das funktionierte. Nach gefühlten 26 Versuchen endlich in den 3. Gang zu gelangen, gab ich auf. Noch einmal 4L rein, eine bergab Stelle suchen, umschalten in 4H und dann im zweiten Gang mit 4000 U/min. durch die Piste. Wir kamen so dann auch mit fast 50 km/h voran und meine Frau erwies sich als unglaublich motivierender Beifahrer und verstand es, die ein wenig ängstliche Stimmung beiseite zu schieben. Bei all dem Steckenbleiben und Anfahrversuchen war mir doch ein wenig mulmig geworden, ob wir diese Piste nicht mit 20 km/h und 4L bis zum Ende zuckeln und natürlich, auf Grund der Zeit, auch noch unterwegs übernachten müssten. Irgendwann fing es natürlich dann auch an, Spaß zu machen als klar war, dass wir es schaffen würden. Noch einmal mussten wir abbiegen und durch eine sehr bucklige twospoor uns die letzten 10 km bis zum Gate kämpfen. Wir kamen um kurz vor 18:00 Uhr dort an und ein Ranger war gerade dabei, alles abzuschließen. Wir huschten schnell rein und stellten fest, dass das Gate selbst offiziell erst um 19:30 Uhr schließen sollte, alle Aufregung umsonst ☺!
Wir entschieden uns jedoch, direkt am Gate zu bleiben und nicht noch weitere 60 km 4x4 Wilderness Trail bis nach Swartpan dran zu hängen. Dies war auch überhaupt kein Problem, wir bekamen die sehr schöne Campsite Nr. 1 und konnten es nicht fassen, tatsächlich angekommen zu sein.
Zur Belohnung gab es erst einmal ein eiskaltes Lager. Gerade hatten wir es auf gemacht und uns ganz vorsichtig ein weinig auf der Campsite umher bewegt, fing es denn auch schon wieder an zu regnen. Wir saßen für ca. 45 Minuten im Cockpit und ich fragte mich ernsthaft, was ich verbrochen habe. Wie um alles in der Welt soll meine Frau Gefallen an dieser Reise finden? Es hörte zum Glück auf zu regnen und wir konnten schnell unser Zelt aufbauen und Abendessen bereiten. Als brave trottelige Touris haben wir natürlich kein Fleisch und kein Feuerholz mit über die Grenze genommen und konnten hinter der Grenze nichts der gleichen mehr erwerben und hatten nun außer Ravioli, Spagetti und sonstigem Dosenzeug nichts für ein anständiges Braii, na super!
Egal wir waren eh ein wenig ängstlich ob der Uneingezäuntheit und genossen es, auch nur schnell etwas warm zu machen, um danach gleich im Zelt zu verschwinden und die Lage von oben zu begutachten. Erschöpft von der Fahrt schliefen wir auch schnell ein. Natürlich mussten wir in der Nacht ein, zwei mal raus, was aber gar nicht so unheimlich war wie gedacht. Nachts hörte ich noch irgendein Hecheln im Halbschlaf, vermochte aber vorerst keine weiteren Erkenntnisse daraus zu gewinnen.
Teil 419. Dez. 2013
TAG 4: Kaa Gate – Polentswa
Wir wachten morgens bereits um 5:00 Uhr auf und sprangen sofort aus dem Zelt, um nach Tierspuren zu gucken. Und tatsächlich, das Hecheln in der Nacht muss ein Gepard gewesen sein, der um unsere Campsite spaziert ist – großartig!
Erstes Bushfrühstück, die Sonne schien, alles war herrlich und wir machten uns auf den knapp 100 km langen 4x4 Trail nach Polentswa. Zunächst zeigte meine Frau eine unbegeisterte Skepsis ob der einhundert Kilometer 4x4 Strecke. Doch als wir uns daran gewöhnt hatten, dass wir heute keinerlei Zeitdruck mehr hatten und die Strecke in aller Gemütlichkeit mit Pausen und Fotostopps zurücklegen konnten, verflog jeder Zweifel. Der botswanische Teil des Parks entpuppte sich als wild und wunderschön und während der knapp fünfstündigen Fahrt begegnete uns kein Mensch!
Drei Stunden konnten wir die Fahrt in vollen Zügen genießen, freuten uns weiterhin über jedes Harterbeest, jeden Strauss und jeden Gemsbock den wir sehen durften. Doch getrieben von unserer westlichen Welt der Superlative nahm die Sensationslust irgendwann überhand und wandelte sich in Frust, denn natürlich sahen wir keine Großkatze an diesem Tag. Es ist bemerkenswert, wie sehr man sich auf diese Sichtungen versteifen kann. Kurz vor Polentswa machten wir dann jedoch noch eine spektakuläre Sichtung: eine Windhose, die den Wüstensand geschätzte 100 Meter in den Himmel trug. Für etwa fünf Minuten konnten wir dem Naturschauspiel mutterseelenallein folgen, bis die Windhose irgendwann im Nossob Valley ihre Kraft verlor und zusammen fiel. Ein toller Anblick den keiner von uns je zuvor erleben durfte.
Immer noch ein weinig getrieben fuhren wir also zu unserer Campsite für die nächsten zwei Nächte - Polentswa Campsite Nr. 3. Ein wunderschöner Platz mit einer wahnsinns Aussicht auf das Nossob Tal.
Teil 519. Dez. 2013
TAG 4: Kaa Gate – Polentswa Teil 2
Ich war zwar ein wenig enttäuscht, dass nicht gleich Löwen bei unserer Ankunft im A-Shelter oder den Abolutions lagen, aber es war toll. Wir inspizierten vorsichtig die Campsite und machten uns erst einmal einen kleinen Snack zum Mittag. Ich glaube, es gab so etwas Furchtbares wie aufgekochte zwei Minuten Asia Nudeln. Gut, dann sofort los zum Gamdedrive.
Ich hatte so viel über die Tierwelt des KTP gelesen, so viele Bilder gesehen, aber wie es genau funktionieren würde war mir irgendwie unklar oder ich hatte es nicht sehen wollen in den Berichten. Es gibt tatsächlich nur eine große Hauptstrasse durch den Park auf der alle Besucher ihre Gamedrives machen. Das Tierleben spielt sich hauptsächlich in den Flussebenen ab. Also gut und gerne 500-1000 Meter von der Strasse entfernt. Es gibt alle 10 – 20 km künstliche Wasserlöcher, an denen man auf die Tiere warten kann. Mehr nicht! Keine Querwege, keine größeren Loops, nichts! Alles wird von der Hauptstrasse aus erlebt. Im Gegensatz zur botswanischen Seite. Eine krasse Umstellung!
Auf unserem ersten Gamedrive sahen wir, außer den üblichen Verdächtigen, eine Tüpfelhyäne am Wasserloch. Eine erste, erfolgreiche Sichtung für uns.
Alles in allem wirkte der Park jedoch an diesem Tag sehr tierleer und wir fuhren, etwas unsicher, ob wir alles richtig machen würden, zurück zur Campsite. Dort kamen wir schon fast in der Dunkelheit an und so galt es, schnell das Zelt aufzubauen und Dinner zu kochen. Dinner kam natürlich wieder aus der Dose und hieß Chakalaka „extra hot“. Wir essen gerne scharf, aber das war denn doch zu viel des Guten und so gab es, so zu sagen als zweiten Gang, noch einmal Nudeln mit Tomatensauce hinterher, um das ganze Dosenrepertoire abzurunden!
Wir saßen an diesem Abend noch lange draußen, lauschten den Geräuschen der Nacht und wunderten uns über diesen Teil des KTP. Wir besprachen, am nächsten Tag vielleicht doch schon einmal nach Nossob zu fahren. Vielleicht würden weiter südlich mehr Tiere zu finden sein. Einmal einkaufen wäre auch toll, damit wir nicht im Taschenlampenlicht, sondern auch einmal bei Lagerfeuer sitzen könnten. Es schien uns ein guter Plan. Ich wusste zwar, dass mir Nossob als Nachtlager nicht gefallen würde, aber sollte es dort wirklich vor Großkatzen nur so wimmeln würde ich auch damit klar kommen. Ansonsten können wir ja auch die 50 km nach Polentswa mühelos zurück fahren, dachte ich mir...
Irgendwie war es mir nun doch ein wenig unheimlich geworden und wir kletterten ins Zelt. Es war sehr ruhig draußen und so schliefen wir sehr schnell ein. Wach wurden wir nachts durch Löwengebrüll. Sicher noch etwas entfernt, aber es ging mir, dem unerschrockenen, allwissenden Traveller durch Mark und Bein. Meine Frau war ganz ruhig und genoss es fast, während ich wirklich zu kämpfen hatte, Herz und Atmung bei einander zu halten. Und ich dachte mir insgeheim, was ich nicht doch für ein jämmerlicher Waschlappen bin.
Teil 619. Dez. 2013
TAG 5: Polentswa – und huch Bitterpan?
Nachdem wir am morgen alles nach Tierspuren abgesucht haben, waren wir beruhigt. Keine Katzen im Camp, alles ganz still geblieben. Wir machten uns sofort wieder zu einem Gamedrive auf. Unser Frühstück war nun auf Ouma Breakfast Rusks, gestippt in Milch, zusammengeschrumpft, was aber irgendwie cool und lecker war. Wir fuhren nun alle Wasserlöcher auf dem Weg nach Nossob an und wieder erlebten wir das gleiche Spiel wie am Vortag – keine Löwen, keine Leoparden, keine Geparden und auch nichts, was auf deren Anwesenheit schließen ließe. Ungefähr zwanzig Kilometer vor Nossob ging es dann los, überall auf dem weichen Sand der Hauptstrasse waren Löwenspuren zu sehen. Es gibt sie hier also wirklich, nur wie würden wir sie finden? Dann schrie meine Frau plötzlich: Löwen! Löwen! Und tatsächlich, direkt neben uns im Gebüsch gingen vier Löwen. Ich bremste und bemerkte, dass wir kurz vor dem Wasserloch Cubitje Quab waren.
Ich positionierte schnell unseren Toyota am Wasserloch und da kamen sie auch schon. Eine Mutter mit drei Jungtieren von ca. 1 Jahr (würde ich so schätzen). Wir konnten zusammen mit noch einem anderen Fahrzeug die Löwenfamilie für ca. eine halbe Stunde beobachten, bevor sie Richtung Nossob Ebene im Gebüsch verschwanden. Wir strahlten nun und freuten uns über viele tolle Fotos, die wir von den Löwen machen konnten. Was für ein tolles Erlebnis! Aufgeregt und glücklich über die Sichtung fuhren wir nach Nossob. Nun wollten wir erst einmal unsere Vorräte auffüllen, endlich Feuerholz besorgen und ich wusste, nun würde endlich alles so, wie ich es mir erhofft hatte.
In Nossob warfen wir einen Blick auf das Sighting Board und stellten fest, dass überall südlich von Polentswa Löwen gesichtet wurden. Nossob, Bitterpan, Urikaruus und bei Mata Mata. Wir fingen an zu überlegen, ob wir nicht doch unsere Route ein wenig anpassen sollten und zugunsten von vermeintlichen Tiersichtungen schneller richtung Süden zu reisen. Wir erklärten also unseren Wunsch dem Camp Manager und fragten ihn, was er uns raten würde und ob es überhaupt möglich sei, etwas umzubuchen. Es war möglich! Er zählte verschiedenste Alternativen auf und merkte sofort, dass wir aufgrund der sich auftuenden Möglichkeiten nur noch mehr verwirrt waren. Bitterpan sagte er, do Bitterpan tonight. Ich wusste, was er meinte und erinnerte mich an viele tolle Berichte über die Wildernesscamps. Ich erklärte meiner Frau kurz, was uns erwarten würde und irgendwie schien diese Option genau das Richtige für uns „wanna be Adventurers“ zu sein. Hey, wir sind immer noch unfenced und mitten unter wilden Tieren, aber wir haben einen Ranger und brauchen nicht ganz so große Sorgen haben. Und ein bisschen mehr convenient wird es auch sein. Wir buchten also und waren sehr erleichtert. Der Camp Manager riet uns dazu, den Luftdruck zu reduzieren und ich dachte mir, na endlich kann ich das auch noch mal in Ruhe ausprobieren. Auf dem Weg durch das Camp zur Ausfahrt auf die 4x4 Anfahrt stoppte uns ein Südafrikaner und fragte uns, ob es für uns nach Bitterpan geht. Als wir dies bejahten, kam er überhaupt nicht mehr aus dem Schwärmen über diesen „absolute magnificent and wonderful place“. Und Löwen wären seit einigen Tagen Dauergäste im Camp und würden jede Nacht ein lautstarkes Brüllkonzert geben. Ok, ist ja gut, mehr schien jetzt nicht mehr zu gehen! Der Camp Manager entließ uns auf die Piste und wow, mit gesenktem Reifendruck fuhr es sich fast wie auf Teer. Es war eine unglaublich schöne Anfahrt durch ein Meer von roten Dünen. So hatte ich mir den Park vorgestellt. Unsere Vorfreude stieg, als ungefähr fünf Kilometer vor dem Camp frische Löwenspuren direkt auf dem Weg auftauchten und geradewegs bis zwanzig Meter vor das Camp verliefen. Der im Camp ansässige Ranger erklärte uns kurz die Spielregeln des Camps und teilte uns mit, dass heute nur noch ein weiteres Pärchen im Camp sei. Es war toll, das Camp war wirklich wunderschön hergerichtet, der Ausblick auf die Salzpfanne einzigartig und das kleine Zimmer mit den beiden Einzelbetten (ok, Abzug in der B-Note) war urgemütlich.
In der Gemeinschaftsküche traf ich dann auf unsere beiden Mitbewohner. Nicky und Mickey aus Kapstadt. Entgegen meiner norddeutschen, unterkühlten Art, stellte ich mich höflich vor und wir kamen sofort ins Gespräch. Sie, passionierte Wildlifefotografin (lebt aber von Gelegenheitsjobs wie Fingernägel lackieren, Stickwaren verkaufen und lauter anderem wirren Zeug), er, erfolgreicher Bauunternehmer. Als wir erzählten, wie es uns bislang im Urlaub so ergangen ist, weckten wir die Elterninstinkte der beiden. Sie kamen seit über zehn Jahren jedes Jahr in den KTP für mindestens drei Wochen und fühlten sich nun berufen, uns zu zeigen, wie Urlaub denn hier richtig geht. Als erstes wurde geklärt, dass wir heute natürlich zu einem gemeinsamen Braii eingeladen sind und sie uns gern zeigen würden, wie im Bush gekocht wird. Dann berichteten sie von den nächtlichen Löwenbesuchen der letzten vier Tage und zeigten uns die entsprechenden Fotos. Unglaublich liebe und gastfreundliche Menschen die zwei. Nachdem wir den ganzen Nachmittag mit den beiden im Camp verbrachten und dabei zusahen, wie sehr sie in ihrem Element waren und ihre Zeit genossen, stieg meine Bewunderung für die zwei. Mickey kümmerte sich erst einmal um unser leibliches Wohl und servierte nach einiger Vorbereitungszeit die besten Dolmadakia (ich wusste vorher auch nicht, was es war; mit Reis gefüllte Weinblätter) die ich je gegessen hatte. Er nahm sich bei der Speisenzubereitung alle Zeit der Welt, fing an, ein Brot für den Folgetag am Lagerfeuer zuzubereiten und stellte schon einmal die ersten paar Sachen für das Dinner zum Garen bereit. Es sollte gefüllten Butternutkürbis, Sweet Corn und Frikadellen geben. Um es vorweg zu nehmen, alles war der absolute Hammer und wir verstanden nun endlich auch die Ratschläge der Fomis, immer zwei Tage an einer Stelle zu bleiben. So kann man mit Sicherheit die Ruhe der Umgebung viel besser genießen! Wir tranken Windhoek Lager zum Dinner und warteten angespannt auf die Löwen, die nach Nickis Meinung auf jeden Fall noch kommen würden, das versprach sie. Ich tauschte mich mit Mickey über die Einstellung der Südafrikaner zur Arbeit aus und erblasste vor Lebensweisheiten, die der sympathische Endfünfziger so aussprudelte. Er war so cool und relaxed und ich wollte mir diese Einstellung zum Leben ein wenig konservieren. Es war ein herrlicher Abend, der uns noch lange in Erinnerung bleiben sollte. Löwen kamen keine mehr. Wir gingen ins Bett und verabredeten mit den beiden, dass wenn jemand etwas von den Löwen hören sollte, er den anderen auf jeden Fall wecken würde. Wir schliefen so glücklich und friedlich in dieser Nacht, dass ich nicht weiß, ob uns jemand hätte wecken können.
Teil 722. Dez. 2013
Tag 6 Bitterpan – Nossob – nee - Twee Revieren – ach quatsch, Two Rivers
Wir wurden erst von wunderbarem Kaffeegeruch wach. Es war 4:30 Uhr und als wir auf die Terrasse blinzelten, saß Mickey schon am Feuer, brühte einen frischen Kaffee auf und lud mich auf eine Tasse ein. Dann zeigte er auf das Wasserloch und flüsterte „Brown Hyenas – two of them, very rare sighting“. Tatsächlich befanden sich am Wasserloch zwei braune Hyänen, die sich von Zeit zu Zeit anfauchten. Natürlich waren unsere Akkus alle und so konnten wir keine Bilder machen, was uns zwar ärgerte, aber in dieser unglaublichen Atmosphäre auch irgendwie banal und egal war. Es war eh äußerst peinlich, mit unserer Lumix Kompaktkamera und unserem Videocamcorder neben Nicky und ihren gefühlt drei Meter langen Objektiven, Stativen und Kameras Bilder zu machen ☺
Das Highlight sollte für mich jedoch noch folgen. Sowohl wir, als auch Nicky und Mickey mussten heute wieder abreisen und ich verfolgte gespannt, was für Adventure-Geräte er in seinen Wagen schleppte. Solarpanels für den Kühlschrank im KFZ, eine riesige Kühltruhe, von der ich dachte, sie sei eher Campeigentum, ein riesiges Batterie Power Pack, usw. Ich erblasste vor Neid und Mickey erklärte mir, dass man solche Gerätschaften eben für solche Art von Reisen braucht. Die Einkäufe, die sie bereits vor mehr als zwei Wochen noch in Südafrika getätigt hatten, waren noch frisch und sie hatten nicht vor, für die verbleibende Woche noch etwas anderes, als Getränke zu kaufen. Ich war baff und musste an unseren kleinen Camping Kühlschrank im Toyota ohne double Batterie denken, dessen Boden stets mit fünf Zentimetern Schmelzwasser von den Eiswürfeln bedeckt war und in dem einige lauwarme, aufgeweichte Getränkekartons nebst einigen Dosen Bier dümpelten. So konnte es nun nicht mehr bleiben, nun wussten wir, wie Afrika Urlaub wirklich geht und machten uns beflügelt auf den Weg.
Nur wohin? Eigentlich waren wir heute für Nossob eingebucht. Auf diese, eher unpersönliche Campsite, wollten wir nach diesem tollen Erlebnis nun nicht mehr. Also fuhren wir runter nach Twee Revieren und wollten unser Glück entweder bei Kilie Kranke oder Urikaruus versuchen. Auch unsere restliche Reiseplanung im KTP sollten wir noch einmal umstellen. Wir wollten nun unbedingt die letzte Nacht in Mata Mata verbringen, da wir sonst von Rooiputs direkt nach Mesosaurus hätten durchfahren müssen. In Twee Revieren angekommen stellten wir enttäuscht fest, dass kein Wildernesscamp mehr frei war. Auch ein Chalet in Twee Revieren gab es nicht mehr und da wir unbedingt das Auobtal erkunden wollten (nachdem Nicky von so vielen Löwen dort berichtet hatte), entschlossen wir uns, dann eben in Twee Revieren auf dem unpersönlichen Camping Platz zu nächtigen. Wir beide wussten, es war nicht das, was wir uns vorgestellt hatten, taten jedoch so, als ob es ok gewesen wäre. Dann stempelten wir uns noch in Botswana aus, um bei Mata Mata wieder in Namibia einreisen zu können. Wir fuhren schon mal auf die Campsite, um uns ein Plätzchen auszusuchen und merkten, wie der Frust über die gewählte Übernachtungsmöglichkeit in uns stieg. Ich konnte meinen Ärger über die verloren gegangene Nacht in der Wildnis in Rooiputs nicht verbergen und konnte mich so gar nicht mit diesem Platz in Twee Revieren anfreunden. Als dann noch ein großer Overlander Bus eine vierzigköpfige Reisegruppe auskippte, war es vorbei! Meine Frau bemerkte meine Missstimmung und auch ihr standen fast die Tränen in den Augen. Wir entschlossen uns schließlich zurück zur Botswanischen Rezeption zu gehen, um zu erfragen, ob wir doch noch einmal die Stornierung in Rooiputs rückgängig machen könnten. Die freundliche Dame lachte mitleidig und fragte, was uns denn nicht gefiele. Wir erklärten ihr unser Dilemma und lachend sagte sie uns, dass auf der botswanischen Seite von Twee Revieren der Campingplatz Two Rivers liegt und wir einfach dort übernachten dürfen, auch wenn wir bereits ausgestempelt waren und nun auch keine Buchung hätten. Was für ein Glück!
Wir fuhren noch einmal auf einen kurzen Gamedrive und kehrten dann in Two Rivers ein. Es war tatsächlich so, wie wir es uns vorgestellt haben. A-Shelter mit Feuerstelle und wir waren die einzigen Gäste!
Natürlich gab es heute Essen deluxe: Oryx Filet mit gefülltem Butternut und Sweet Corn! Wie herrlich, wenn man nun weiß, was man tut! Dass wir das immer noch nicht so ganz richtig wussten, zeigte sich kurz nach Einbruch der Dunkelheit. Hinter einer Düne am Horizont tauchte ein rötliches Licht auf, das mit der Zeit immer heller wurde. Wir rätselten woher dieses Licht kommen könnte. Zunächst dachten wir an einen sich nähernden LKW, später war es ganz klar die helle Beleuchtung der Rooiputs Lodge und als das Licht sich immer heller und größer entwickelte, wurde uns fast unheimlich. Dann erschloss sich uns die unheimliche Lichtquelle – der Mond ist aufgegangen... Oh man, wie peinlich! Wir sind auch solche Deppen! Das gute an der Einsamkeit ist, dass diese Momente keiner mitbekommt ☺!!!
Teil 822. Dez. 2013
Tag 7: Two Rivers – Mata Mata
Wir brachen früh morgens auf, um die besten Chancen auf Katzen zu wahren, aber auch heute hatten wir nicht viel Glück. Zwar konnten wir einige tolle Bilder von Schakalen, Kapfüchsen und Erdhörnchen machen, aber natürlich befriedigten diese Motive kaum unsere Sensationslust.
Wir machten ausgiebige Pausen in Auchterlonie und Kamqua, bevor wir das letzte Teilstück nach Mata Mata in Angriff nahmen. Tatsächlich schien sich im Auobtal mehr abzuspielen. Wir sahen große Herden Springböcke und Wilderbeests und entdeckten die ersten Giraffen.
Irgendwie befanden wir, dass uns das Auobtal doch mehr zusagen würde, als das des Nossob. Als wir zwei haltende Fahrzeuge sahen, wussten wir, es würde etwas Spannendes zu sehen geben. Langsam rollten wir heran und platzierten uns in der Nähe. Unter einem etwa 500 Meter entfernten Baum sah ich dann einen männlichen Löwen liegen und wir waren ganz aus dem Häuschen.
Als ich die Gegend mit unserem Werbegeschenk-Fernglas meiner Frau absuchte, entdeckte ich irgendetwas, was aussah wie zwei Ohren hinter einem Hügel. Wir fuhren in eine andere Position und da lag ein Löwe zusammen mit einer Löwin im Schatten.
Gerade als wir uns noch mehr über die Sichtung freuen wollten erhob sich der Löwe und schritt mit seiner Dame zum Liebesakt. Ein lautes Knurren und Fauchen durchzog die Luft und unser Tag war gerettet. Die Löwen wiederholten ihr Schauspiel noch 5 – 6 Mal und meine Frau quietschte vor Freude, ich möge mir doch daran ein Beispiel nehmen. Ich dachte, woran denn nur? An der Länge des Aktes, kein Problem ☺...
Mit gefühlten 200 Bildern auf unseren Winzkameras reicher fuhren wir nach Mata Mata. Es war gar nicht so leicht, ein halbwegs schattiges Plätzchen zu ergattern, aber eine Ansammlung vollständig ausgerüsteter Südafrikaner mit Offroad Wohnwagen, Vorzeltlandschaften und allem Schnick Schnack hatte Erbarmen mit uns und rangierte kurzerhand ein paar Fahrzeuge durch die Gegend, so dass wir tatsächlich noch mit unter den großen Baum passten. Geschafft! Mickey hatte uns berichtet, in Mata Mata können wir zu Fuß zu der nächstgelegenen Farm gehen und Game Meat kaufen. Da unser Kühlschrank ja bekanntermaßen ca. 1 Stunde lang kalt hielt, brauchten wir täglich frisches Fleisch und waren für den Tipp sehr dankbar. Nach kurzem Fußmarsch bei gefühlten 46° Grad Celsius erreichten wir die Farm und erhielten wunderbares Springbockfilet für heute Abend.
Wir erholten uns etwas und sahen abermals eine Windhose, diesmal kam sie direkt auf uns zu. Etwas unsicher, was zu tun ist, schauten wir uns um, was die augenscheinlich erfahrenen Südafrikaner so machen würden. Sie kümmerten sich überhaupt nicht um dieses Phänomen. Die Windhose kam näher und näher und streifte ca. 10 Meter an uns vorbei – unglaublich. Als wir ihr nachblickten, konnten wir uns vor Lachen kaum halten, denn die etwa 20 Meter lange, voll mit frischer, weißer Wäsche behängte Wäscheleine der Südafrikaner wurde kurz in ein sandfarbenes Khaki getaucht und der Aufschrei ließ auch nicht lange auf sich warten – herrlich!
Wir entschlossen uns, zurück zu den Löwen zu fahren und trafen diese tatsächlich noch am gleichen Ort bei der selben Beschäftigung an. Na gut, ich ziehe respektvoll meinen Hut vor dieser Fähigkeit! Wir beobachteten die Löwen für ungefähr zwei Stunden, bevor wir noch ein wenig weiter fuhren. Auf dem Rückweg das gleiche Bild der Löwen, unglaublich!
Die Nacht im gesicherten Camp von Mata Mata sollte eigentlich recht entspannt verlaufen, doch nachts um 3:00 Uhr wurde ich geweckt. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich nicht doch im Halbschlaf Löwengebrüll gehört hatte. Und das vermeintliche Gebrüll, bzw. jetzt Geknurre sollte sich auch nicht legen... Ich war wirklich schlaftrunken und murmelte vor mich hin, dass ja nichts passieren könne wegen des Zauns. Aber irgendwie war dieses Geräusch sehr nah am Zelt und was auch immer es war, musste in unmittelbarer Nähe zum Auto sein. Ich wurde nun schnell wach und realisierte, dass unsere südafrikanischen Nachbarn ein unvorstellbar lautes Schnarchkonzert angestimmt hatten. Ich musste laut lachen und auch meine Frau bemerkte den Schwindel. Wir fragten uns, da wir wussten, dass sie in Polentswa campen wollten, wie lange sie ohne neugierige Tierbesuche bleiben würden.
Teil 923. Dez. 2013
Tag 8: Mata Mata – Mesosaurus Fossilcamp
Unsere letzte Pirschfahrt im KTP stand an und uns wurde ein wenig wehmütig ums Herz. Jetzt wo wir den Park erst verstanden hatten, hätten wir gut und gerne Lust gehabt, die Strecke einfach wieder zurück zu fahren und ewig weiter, auf Tiersichtungen zu warten. Wir kurvten ein wenig im Auobtal herum, doch wir sollten so recht kein Glück haben. Die sich paarenden Löwen waren weiter gezogen und auch sonst war es wirklich sehr ruhig an diesem Morgen. Wir beschlossen nun, den Park zu verlassen und uns dem zweiten Teil unserer Reise zu widmen. Doch da bremste ein entgegenkommendes Fahrzeug und fuhr links ran. Auch ich bremste und für ungefähr eine Minute konnten wir zwei Geparden beobachten, die augenscheinlich von einem Wasserloch kamen und wieder in den Dünen verschwanden. Nun war auch der größte Wunsch meiner Frau, Geparden in freier Wildbahn zu sichten, endlich in Erfüllung gegangen. Jetzt war irgendwie alles perfekt und wir freuten uns auf alles, was noch kommen würde.
Nachdem wir erfolgreich wieder nach Namibia eingereist waren, hielten wir noch einmal kurz bei der Farm und deckten uns noch einmal mit frischem Springbockfilet ein. Dann ging es ab auf die C17 und auf guter Gravel Pad flogen wir durch eine großartige Dünenlandschaft. Ich hatte diesen Teil des Weges bereits im Forum erspähen können und freute mich nun umso mehr, dass ich die gleichen Bilder dieses unglaublich schönen Straßenabschnittes fotografieren konnte. Natürlich während der Fahrt mit meinem kleinen Camcorder...
Wir wollten in Keetmannshoop noch einmal alle Vorräte auffüllen und wussten, dass es dort einen Superspar gab. Diesen haben wir auch schnell gefunden und in Anbetracht der herbeistürmenden jugendlichen Schar, die alle auf unser Auto aufpassen wollten, beschloss meine Frau, im Auto zu warten, während ich den Einkauf erledigte. Zwar fühlte ich mich beruhigt, dass dem Auto wohl nichts geschehen würde. Doch, dass meine Frau nun alleine da rumsitzen sollte, war mir irgendwie auch nicht recht. Zum Glück hatten wir in Mata Mata diesmal schon eine Einkaufsliste erstellt und so konnte ich in Windeseile durch den Spar fliegen und alle Sachen besorgen. Ich kaufte noch eine Kühlbox, denn ich wollte das ganze frische Gemüse nicht wieder in unserem Pfützenkühlschrank einlagern. Dank Mickeys Tipp, mit einer gefrorenen Wasserflasche als Kühlakku, dachte ich mir, habe ich mal etwas Tolles mitgebracht. Meine Frau guckte mich zwar während des Verladens der Einkäufe in den Toyota fragend, obgleich der überdimensionalen Kühlbox an, aber letztendlich konnte ich ihr Verständnis gewinnen.
Wir kamen weiterhin zügig voran und erreichten das Mesosaurus Fossil Camp gegen 14:00 Uhr. Wir trafen den Besitzer Giel und fragten ihn, ob er uns noch für eine Nacht aufnehmen könne (wieder keine unterstrichene Unterkunft, somit nicht gebucht). Er ging kurz in das Verwaltungsgebäude, prüfte irgendwelche Listen und teilte uns freudig mit, dass wir heute die Einzigen wären. Wozu er dafür nachgucken musste erschloss sich mir nicht ganz, aber ok. Ein Chalet war nicht möglich, denn angeblich wurden diese gerade umgebaut. Diese standen zwar hergerichtet und bezugsfähig da, aber für nur einen Gast lohnt es sich wohl nicht. Die Campsites an der Straße sagten uns überhaupt nicht zu und so verwies er uns stolz auf das Bush Camp. Hier würde allerdings tagsüber ein Bienenschwarm wüten, nachts würde man davon jedoch nichts bemerken. Wie beruhigend, dachte ich mir. Wir fuhren die zwei Kilometer zum Camp und fanden eine wirklich urige Lichtung in mitten der bizarren Felsformationen und Köcherbäume. Die Bienen waren lediglich an der Wasserleitung des Abolutionblocks aktiv, sonst merkte man von ihnen nichts.
Irgendwie hatten wir nun aber ein Problem. Was machen wir denn hier jetzt den ganzen Nachmittag? Dieser Stopp war ja wirklich nur als Transitübernachtung geplant. Nun hatten wir aber einen ganzen Nachmittag. Fossilien, Versteinerungen und irgendwelche Abdrücke sind überhaupt nicht unser Ding und so lachten wir uns etwas verlegen an und entschieden, einfach mal gar nichts zu machen. So richtig Ruhe hatten wir noch nicht. Wir versuchten, noch für den folgenden Tag ein Chalet im Eagles Nest in Klein Aus Vista zu buchen, wir wollten uns jetzt einfach mal was gönnen. Handyempfang zu bekommen war garnicht so einfach und nur auf einer Stelle auf einem kleinen Fels überhaupt möglich. Natürlich sollte es nicht klappen...
Wir campten zudem noch unter einem Webelvogelnest, aus dem gefühlte 1.000 Vögel pro Minute ein und ausflogen und einen extremen Nerv veranstalteten. In mir stieg schon wieder die Angst, dass meine Frau sagen würde, ich hätte die bekloppteste Reise des Jahrhunderts zusammengestellt, aber nach 2-3 eiskalten Lager am Nachmittag verwickelten wir uns in wirklich tolle Gespräche und genossen die Einsamkeit in dieser unglaublich skurrilen Kulisse.
Abends gab es leckeres Springbockfilet mit Sweet Corn und gegrilltem Brot. Die Nächte der ersten Woche waren geprägt von der Helligkeit des Vollmondes, was zwar toll für die nächtliche Orientierung beim Wasserlassen war, jedoch den erwartet tollen Sternenhimmel nicht zur Geltung kommen lassen sollte. An diesem Abend jedoch tauchte der Mond erst sehr spät in der Nacht am Himmel auf und so kamen wir zum ersten Mal in den Genuss des berühmten Namibian Skys.
Teil 1024. Dez. 2013
Wünsche allen Mitreisenden ein frohes Fest! Vor der Bescherung noch schnell einen weiteren Tag unserer Reise...
Tag 9: Mesosaurus Fossil Camp – Klein Aus Vista
Wir brachen in aller Frühe nach Aus bzw. Klein Aus Vista auf. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich sich die afrikanischen Landschaften präsentieren. Eben noch skurrile Gesteinsformationen, jetzt öffneten sich ewige Weiten mit sanften Erhebungen.
Uns gefällt es tatsächlich, viel Zeit im Auto zu verbringen und viele unterschiedliche Eindrücke zu gewinnen. In Klein Aus Vista bekamen wir die Campsite Nr. 2 und freuten uns über die tolle Aussicht. Der Campingplatz war unglaublich gut gepflegt, die Abolutionblocks hielten den Badezimmereinrichtungen einiger Hotels locker Stand und überhaupt, gefiel es uns hier sehr gut.
Ich wusste jedoch, dass noch ein kleines Experiment folgen sollte. Schon als ich meine Frau kennen gelernt habe und erzählte, dass ich ganz gerne auch mal wandere, verzog sie skeptisch ihre wunderschönen Augenbrauen. Nun wollte ich tatsächlich mit ihr auf den Hausberg klettern und zum Viewpoint über die Namib Ebene wandern. Ich wusste, sie würde es ausschließlich mir zu Liebe tun und ich hätte sie in ihrem Wanderoutfit dafür umarmen können.
Tapfer meisterte sie mit mir in der Mittagshitze von ca. 40° den etwa einstündigen Aufstieg zum Viewpoint. Wir wurden mit einem großartigen Ausblick belohnt.
Ich war glücklich, meine Frau zurecht stolz auf ihre Überwindung und der Rest des Rundgangs war mir plötzlich völlig egal. Noch auf der Aussichtsplattform entschieden wir, schnell wieder abzusteigen und doch noch zu den Wild Horses raus zu fahren. Wir wussten, nach ca. 20 km würden wir die Pferde gut zu Gesicht bekommen und es war gerade 17:00 Uhr, so dass die Chancen recht gut standen. Leider wussten wir wieder nicht, wie es wirklich ging. Wir fuhren weitere 30 km Richtung Lüderitz, ohne ein einziges Pferd zu sichten. Irgendwie fanden wir es nicht schlimm, sollten wir diese Sichtung verpassen und wir besprachen schon den morgigen Tag in Lüderitz, als mir plötzlich ein Wegweiser auffiel, auf dem „Wild Horses View Point“ stand. Großartig, wir waren auf dem Hinweg einfach blind dran vorbei gefahren! Wir bogen also nun zum Viewpoint ein und erblickten in einem kleinen Hide auch eine große Herde der wilden Pferde.
Diese waren wirklich nett anzuschauen, aber was genau sie so wild machte, erschloss sich mir nicht ganz. Pferde, die in einem bestimmten Gebiet leben, jeden Tag fast berechenbar zur selben Zeit zu einer künstlichen Wasserstelle kommen, um zu trinken, unterscheiden sich für mich nicht großartig von unseren Pferden auf der Koppel. Ich schluckte diese Unromantik runter und empfand es trotzdem als ein tolles Erlebnis.
Der heiß ersehnte und viel gepriesene Braii Basket des Dessert Horse Inns war ganz lecker, aber auch kein Knaller. Nach dem Essen guckten wir noch stundenlang in den Sternenhimmel und freuten uns über unsere Freiheit.
Teil 1126. Dez. 2013
Tag 10. Klein Aus Vista und Lüderitz
Ein wichtiger Punkt unserer Reise war der Besuch von Kolmannskoop. Irgendwie hat es mir diese Zeit des Aufbruchs und des überschwänglichen Reichtums durch den Abbau von Bodenschätzen angetan und ich brannte darauf, die Ruinen einmal live zu sehen. Wir fuhren zunächst nach Lüderitz hinein und erkundeten ein wenig die kleine Stadt am Meer. Die Luft am Hafen ist uns Norddeutschen wohl vertraut und es war faszinierend für uns, nach so langer Dürre, das Meer zu erblicken. Lüderitz selbst hat, für uns Kulturbanausen, dann aber doch nicht so viel zu bieten. Und so machten wir uns zur zweiten Führung in Kolmannskoop an diesem Tag auf. Es war das erwartet spannende Erlebnis und ich hätte noch Stunden in den alten Gemäuern verweilen können. Es muss eine tolle Zeit damals gewesen sein, in der viele in unglaublichem Luxus schwelgten. Das große Krankenhaus erinnerte jedoch daran, dass es auch eine sehr harte Zeit gewesen sein muss, in der viele Mienenarbeiter während der strapaziösen Arbeit zu Schaden gekommen sein müssen. Ein Teil, der in den Führungen irgendwie doch ein wenig untergeht.
Leider war dann um 13:00 Uhr Schluss mit der Besichtigung und wir mussten Kolmannskoop verlassen. Bei der Ausreise kontaktierten wir noch kurz ein Schweizer Ehepaar in einem sehr coolen Unimog Reisemobil, die wir auf unserer Strecke schon öfter gesehen hatten und bis zum Ende unserer Route immer wieder treffen sollten.
Teil 1226. Dez. 2013
Unsicher, was wir mit dem Rest des Tages denn noch anfangen sollten, fuhren wir etwas unentschlossen zum Diaz Point. Ohne jegliche Erwartungshaltung ankommend, überschlugen wir uns fast vor Begeisterung. Nicht nur die Robbenkolonie auf dem nahe liegenden Felsen, sondern die raue, wilde See an sich entzückten uns vollständig. Die Sichtung einiger Delfine im Wasser, machten den Moment schon fast unwirklich.
Wir fuhren weiter die Küste entlang, besichtigen jede, noch so kleine Bucht und waren vollständig in den Bann der rosa Flamingos gezogen. Für uns Menschen von der Küste ist das Meer irgendwie immer ein magischer Ort, der uns sofort zuhause fühlen lässt.
Wir gingen stundenlang am Strand spazieren, staunten über die riesigen Muscheln, die wir im Sand fanden und hatten Spaß, unseren Toyota jetzt in dem steinigen und felsigen Terrain doch noch ein, zwei Mal richtig auszutesten.
Angekommen an „Große Bucht“ schnappte sich meine Frau den Reiseführer, um einmal nachzulesen, warum ich so überhaupt nichts über diesen Teil von Lüderitz wusste. Plötzlich entschied meine Frau, wir müssen zurück nach Halifax Island, dort seien Pinguine beheimatet. Ich wusste zwar um die kalte Benguela Strömung hier, aber dass hier tatsächlich Pinguine leben würden, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wir kletterten bis auf die Spitze der langen Steinmole vor der Insel, von wo aus wir mit unserem Werbegeschenk Fernglas und dem 40-fachen Digitalzoom unseres Minicamcorders tatsächlich Pinguine erkennen konnten! Großartig!
Beseelt von den Sichtungen ging es schließlich zurück nach Klein Aus Vista, wo es heute am Lagerfeuer gefüllte Paprikaschoten geben sollte. So langsam kam ich mit der Benutzung des offenen Feuers als Gourmetzubereitungsstelle klar und würde nun nie wieder langweiler-mäßigen Dosenkram zubereiten müssen.
Teil 1329. Dez. 2013
Tag 11: Klein Aus Vista - Koiimasis
Am nächsten Morgen brachen wir erst recht spät nach Koiimasis auf. Es war keine besonders lange Fahrt und so waren wir von Grund auf entspannt. Die D707 entpuppte sich für uns wirklich als eine der sehenswertesten Straßen Namibias. Rechts von uns das zerklüftete Gebirge, links die sanften roten Dünen der Namib. Es war wirklich eine Landschaft zum Träumen und so fuhren wir schweigsam in aller Ruhe durch diesen wunderschönen Teil Erde.
Mein Autofahrerellenbogen, den ich mir bereits im KTP einmal richtig ordentlich verbrannt hatte, (ein echter Explorer braucht natürlich auch keine Sonnenmilch) fing nun an, zu pellen und in Gedanken konnte ich schon wieder über mich und all die Anfängerfehler lachen. Ich merkte wie endlich die Entspannung bei uns einsetzte und wir nicht weiter sensationsgetrieben durch das Land jagten. Nachdem meine Frau in brütender Hitze die gefühlten 100 Farmpforten auf dem Weg zur Ranch für uns geöffnet hatte, kamen wir nach zwanzig Kilometern recht rauer Farmpad auf der Straussenfarm an. Natürlich war uns klar, dass es heute Abend frischen Strauss geben sollte und wir freuten uns bereits auf die Explorer Küche. Mit uns warteten zwei junge Damen auf das Farmpersonal. Wir bekamen mit, dass die Wünsche der beiden, Farmausritt und Farmrundgang, irgendwie nicht erfüllt werden sollten. Etwas mürrisch teilte man uns unsere Campsite mit und wie es irgendwie schon zu erwarten war, würde es heute kein Straussenfleisch mehr geben. Freiwillig teilte man uns auch gleich mit, dass es heute auch nicht möglich sei, eine Farmbesichtigung durchzuführen und es darüber auch nicht möglich sei, Dinner in der Lodge zu reservieren, da die Vorräte auf die Gäste angepasst seien. Kein Straussenfleisch auf einer Straussenfarm? Was für ein schlechter Witz dachte ich mir. Gut, es war 13:00 Uhr, die Sonne stand im Zenith bei gefühlten 50° im Schatten und die gute Dame trug keine Kopfbedeckung, egal. Wir mussten über die „freundliche“ Art des Empfanges schon etwas schmunzeln, verzogen uns aber schnell zur Campsite in der Schlucht. Belohnt wurden wir mit einem unglaublichen Ausblick auf tollste Gesteinsformationen und einer wirklich sehr gut gepflegten Campsite.
Wir, mittlerweile eh tiefenentspannt, machten uns zunächst erst einmal einen kleinen Snack, bevor wir uns kurzer Hand unsere beiden mitgebrachten Bücher schnappten, um den Nachmittag mit Lesen zu verbringen. Wie bitte, lesen? Ich hatte seit der Schulzeit kein Buch mehr angefasst, kann keine zwanzig Minuten still sitzen und entspanne mich nun hier mit einem Buch? Unfassbar, dachte ich mir. Aber irgendwie machte es Spaß. „Hummeldumm“ von Tommie Jaud, wie passend! Zwischendurch bekam ich lautstarke Lachanfälle. Oh Gott, wie peinlich, ich bekam mich zu Weilen gar nicht mehr ein, musste aber zugeben, wie gut es getan hatte. Ich musste schnell selbst ein Beweisfoto dieser Lesestunde (insgesamt sechs Stunden und die gesamten zweihundert Seiten des Buches) knipsen, um diesen einmaligen Moment festzuhalten.
Teil 1429. Dez. 2013
Tag 12: Koiimasis – Sessriem
Heute sollte es nun zu den berühmten roten Dünen gehen. In freudiger Erwartung fuhren wir die Strecke wie im Flug. Angekommen in Sessriem schluckten wir schon ein wenig obgleich des ganzen Trubels. Aber gut, wir waren ja nicht anders zu bewerten, als der Rest der Touris. Ich stellte mir vor, wie furchtbar es erst sein muss, wenn es tatsächlich mal ausgebucht ist und die overflood Campsites noch zusätzlich in den Betrieb gehen müssen. Die uns zugewiesene Campsite war direkt neben den Abolution Blocks in der Mitte des Geländes. Ich verhandelte noch einmal mit der etwas unmotivierten jungen Dame an der Rezeption und konnte sie tatsächlich dazu bewegen, uns eine Campsite in vorderster Front zu geben.
Wir erledigten noch schnell einige Einkäufe, vor allem eiskalte Getränke, in der Soussous Oase. Der Trupp Overlander vor dem Shop fotografierte im Kollektiv das Thermometer – „44°“. Na gut, dachte ich, dass ist dann schon mal ein Foto wert. Aber irgendwie war es dann doch nicht cool genug, sich in der Schlange anzustellen und ebenfalls ein Foto dieses Thermometers zu machen!
Wir entnahmen dem Reiseführer, dass der Sessriem – Canyon eine kühle Abwechslung in der erbarmungslosen Wüstenhitze sein würde und so krachselten wir um 13:00 Uhr hinein. Die Sonne zeigte uns hier dann doch einmal kurz, was die Stunde geschlagen hatte. Es ist nun wirklich kein anspruchsvoller Abstieg in den Canyon und wir waren gerade einmal zehn Minuten unterwegs, aber der Körper meldete sich sofort mit akuten Mangelzuständen. Zum Glück hatte ich als pflichtbewusster Touri meinen Rucksack mit, in dem genügend Wasser geladen war, so dass wir uns, im tiefsten Punkt angekommen, erst einmal die 1,5 Liter schnell verinnerlichten. Das wir tatsächlich vermuteten, es könne noch Wasser im Canyon sein, schoben wir schnell auf Fatamorgana-ähnliche Wunschvorstellungen und nicht auf absolute Fehleinschätzung der Sachlage.
Ja, der Canyon ist ganz beeindruckend, wenn man sich vorstellt, wie viel Wasser dazu nötig ist, diese Schneise in den Boden zu schneiden. Und das direkt in der Wüste. Alles in allem, ist es jedoch ein überschaubares Erlebnis und dauerte nicht länger als eine Stunde für uns. Wir gingen, obgleich wirklicher Erschöpfung durch die Sonne, das Wagnis ein, nun weiter ins Soussousvlei zu fahren. Die Anfahrt ins Vlei zog sich zäh wie Kaugummi dahin. Da wir bereits in den letzten zwei Tagen rote Dünen im Überfluss von Ferne gesehen haben, mussten wir nun endlich näher dran kommen. Schließlich kamen wir zum 2x4 Parkplatz und ich ließ nun wie selbstverständlich den Reifendruck ab. Wir fuhren, ohne irgendwelche Probleme, durch den heißen Sand und ich bemerkte, dass ich jetzt in Punkto Tiefsandfahren endlich wieder fit war.
Wir hielten bei einem Pärchen, das sich auf dem Rückweg festgefahren hatte und fragten, ob sie Hilfe benötigen würden. Sie war sehr dankbar ob der angebotenen Hilfe. Er eher ablehnend und ich konnte mir gut vorstellen, was in ihm vorging. Ich hätte mir die Krätze an den Hals geärgert, hätte ich mich da eingewühlt und irgendein Schnulli fragt, ob ich Hilfe bräuchte, worauf hin meine Frau sich auch noch ganz begeistert zeigen würde. Dann fährt der auch noch ohne Probleme aus dem Stand im tiefen Sand an und zieht von dannen. Oh, wir Männer und unsere männliche Ehre wenn es ums Autofahren geht! ` Wir fuhren also ins Soussousvlei und waren wieder einmal ratlos, was nun zu tun wäre. Wir waren die einzigen Besucher des Vleis und konnten keiner trägen Herde hinterher trotten. Durfte man hier wirklich einfach überall herum laufen? Was waren das für Begrenzungen durch niedrige Tauabsperrungen? Wo war denn bloß das Deadvlei und welche Düne war Big Mama und welche Big Daddy? Fragen über Fragen! Wir setzten uns erst einmal auf die Heckklappe des Hilux und tranken ein kühles Lager. Ich erinnerte mich an eine alte Tuborg Werbung, wo ein Mann in der Wüste stand und ein Bier trank. So ungefähr fühlte ich mich. Großartig!
Dann fassten wir uns ein Herz und beschlossen, noch einmal kurz auf einen Dünenkamm zu klettern. Wir erspähten einen recht ausgetrampelten Pfad und dachten uns, wir würden nicht all zu viel falsch machen, wenn wir diesem folgen würden. Mittlerweile war es bereits 18:30 Uhr und uns war klar, dass wir spätestens um 19:15 Uhr wieder im Wagen sein mussten, um die Gateclosing Time um 20:30 Uhr nicht zu verpassen. Irgendwie war die Sonne immer noch gnadenlos und es war wirklich sehr anstrengend, in dem Sand voran zu kommen. Meiner Frau reichte es schon, hier einfach gemütlich entlang des Vleis spazieren zu gehen, ich musste natürlich unbedingt auf diesen Dünenkamm. Mit den Worten, wir müssen ja nicht immer alles zusammen machen, entließ mich meine Frau und ich stapfte wie ein wahnsinniger auf den Kamm drauf los. Schon nach wenigen Metern merkte ich, wie mein Atem und vor allem mein Puls in Wallung geriet. Immer wieder blickte ich ungläubig zum Kamm hinauf und berechnete wie viele Minuten mir noch für den Aufstieg verbleiben würden. Immer wieder musste ich stehen bleiben, um mich auszuruhen und ich konnte nicht verstehen, wie hier Rentner, Frauen und Kinder einfach hoch laufen, wenn ich als ehemaliger Profisportler hierzu kaum in der Lage war. Beißen jetzt, motivierte ich mich selbst und stampfte weiter. Pünktlich um 18:55 Uhr war ich endlich oben. Als ich mich umdrehte, war meine Frau ca. 50 Meter hinter mir und winkte mir fröhlich zu. Na super, welch unglaublich sportliche Leistung von mir! Schnell machte ich ein paar Fotos und rannte ihr bergab entgegen.
Ich keuchte und prustete den gesamten Rückweg zum Auto neben ihr her, während sie die Landschaft in vollen Zügen genoss. Auch auf dem Rückweg blieben wir nirgends stecken und kamen pünktlich um 20:20 Uhr am Gate an.
Ich fuhr zu unserem Platz auf der Campsite und fing an, den Toyota unter dem, wie von meiner Frau bereits am Nachmittag schon erwähnt, sehr niedrigen Baum herumzurangieren. Nachdem ich mehrere Winkel und Möglichkeiten und zentimetergenaue Manöver im Dunklen gefahren war, fing meine Frau mir an, einige weitere Vorschläge zur richtigen Position zu machen. Natürlich verlor ich irgendwann die Nerven, weil ich wusste, die Campsite hatte ich ausgesucht, die uns zugeteilte hätte gepasst, der Toyota würde im Leben nicht unter dem Ast über der Einfahrt mehr durchpassen und Bock zu fahren hatte ich auch nicht mehr. Ich stellte den Wagen einfach außerhalb der kleinen Steinmauer ab und schäumte vor Wut. So ein Dreck, jetzt haben wir diese wunderschöne Campsite und passen nicht rauf, schnaubte ich vor mich hin. Natürlich reagiert meine Angetraute recht scharf auf solche Gefühlsausbrüche, erträgt aber diese Launen grundsätzlich mit stoischer Ruhe.
Als dann auch noch eine riesige Spinne (ich, als wahrer Adventurer und Explorer, habe ungünstiger Weise eine ausgewachsene Spinnenphobie) über die kleine Steinmauer lief, drohte meine Stimmung gänzlich zu versagen. Irgendwie bekamen wir uns aber wieder in den Griff und erlebten noch einen langen und schönen Abend am Lagerfeuer. Meine Lagerfeuerkochkünste konnte ich immer weiter verfeinern und so guckte heute ein Schakal über die Mauer und wunderte sich, ob wir wohl schon fertig seien und ein Stück Fleisch übrig hätten. Kaum waren wir später im Zelt verschwunden, hörten wir ihn hektisch die Campsite nach brauchbarem absuchen. In dieser Nacht war es unerträglich heiß und wir konnten kaum schlafen. Als um 5:00 Uhr etliche Motoren starteten, um zur großen Sonnenaufgangsrally in Richtung der Vleis aufzubrechen, beschlossen wir noch einmal, die Augen zu schließen. Wir hatten bereits gestern wundervolles Licht zu Sonnenuntergang und waren sehr zufrieden.
Teil 1501. Jan. 2014
Tag 13: Sessriem – Kulala Dessert Lodge
Nicht mehr ganz so früh morgens fuhren wir nun also wieder zurück ins Vlei. Ich wollte unbedingt das Deadvlei sehen und hatte gestern auf dem Rückweg gesehen, wo wir anhalten mussten. Der Anblick heute war dann doch ein gänzlich anderer. Bereits an der Düne 45 erspähten wir ca. 50 Personen auf dem Dünenkamm. Am Parkplatz zum Deadvlei parkten bereits mehrere Lodge Fahrzeuge und eine ganze Menschenansammlung trottete zwischen den Dünen hin und her. Ok, so vorsichtig hätten wir uns augenscheinlich gestern nicht verhalten müssen, dachten wir. Der trägen Masse hinterher, stiefelten wir zum Deadvlei. Als es vor unseren Augen auftauchte, ging noch einmal ein schmaler Pfad hinauf auf die Düne. Dieser sah bei weitem nicht so steil aus wie mein gestriges Experiment und meine Frau erklärte sich bereit, es wenigstens einmal zu versuchen. Es war nun wesentlich kühler als gestern und der Aufstieg war ganz entspannt. Auf dem Kamm der Düne gingen wir noch einige weitere hundert Meter entlang, machten ausgiebig Pause und genossen den Ausblick. Glücklich versuchten wir, ein Selbstportrait von uns beiden zu knipsen und waren wirklich stolz auf uns.
Dann folgten wir wieder einigen Spuren und rannten die Dünen hinunter. Ich konnte genau sehen und hören wie viel Spaß dies meiner Frau bereitete und dass sind für mich immer die schönsten Momente im Urlaub! Wir stapften noch ein wenig durchs Deadvlei und machten die einschlägigen Fotos.
Irgendwann hatten wir genug und machten uns auf den Rückweg. Diesen bestritt ich natürlich barfuss und fing auf der Hälfte der Strecke an, zu tanzen, denn jetzt knallte die Sonne wieder herunter und der Sand unter meinen Füßen war unglaublich heiß. Ich hoffte inständig, dass ich mir jetzt nicht auch noch die Fußsohlen ernsthaft verbrennen würde und rannte die letzten Meter, wie von der Tarantel gestochen, zum Auto. Wir machten auf dem Rückweg noch etliche Fotos der so berühmten Motive und beschlossen, unsere Reiseplanung ein weiteres Mal zu verändern.
Wir hatten noch eine Nacht in Sessriem gebucht bevor es dann wieder nach Windhoek gehen würde. Da wir aber rundum glücklich mit dem Erlebten waren, mussten wir nicht unbedingt noch einmal an diesem Nachmittag ins Vlei. Wir entschlossen uns, Windhoek als rein abflugorganisatorisch letzten Tag anzusehen und uns für unseren letzten, wirklichen Urlaubstag noch einmal richtig etwas zu gönnen. Wir fuhren zur Kulala Dessert Logde und fragten, ob für heute Nacht noch ein Zimmer frei war – war es! Wir bekamen ein wunderschönes Chalet, halb Steinbau, halb Canvas Zelt. Wir entspannten den ganzen Nachmittag auf der Lodge und genossen die wunderbare Aussicht auf die Namib Wüste.
Die Nacht verbrachten wir auf der Chalet eigenen stargazing Plattform, ein Erlebnis, wie es irgendwie nur im Bilderbuch gibt, dachten wir. Mmmh, so ganz können wir dem Luxus wohl doch nicht abschwören und dann sagte meine Frau etwas, was mich wirklich sehr erstaunte: Wir sollten auf unserer nächsten Afrika-Reise vielleicht zwei, drei Übernachtungen auf solchen Lodges einplanen! Auf unserer nächsten was...? Ich hätte sie sofort noch einmal heiraten können, als sie von sich aus sagte, nächstes Mal wolle sie unbedingt das Okavango Delta und den Caprivi-Streifen sehen!!!
Ich werde wohl demnächst ein paar Fragen zur Route an Euch stellen 😗
Teil 1605. Jan. 2014
Tag 14 – Sessriem – Windhoek
Nachdem wir gegen 5:00 Uhr morgens unser Nachtlager von der Stargazing Plattform noch einmal in unser Chalet verlegt haben, schliefen wir so richtig aus. Wir genossen in vollen Zügen den Luxus einer großzügigen und eleganten Dusche und frühstückten danach ausgiebig im Haupthaus. Als anständiger Touri erstand ich noch ein Safari Hemd (was zugegeben aber wirklich alltagstauglich und schön ist) und wir verabschiedeten uns beim freundlichen und aufmerksamen Personal. Dieser Tag auf der Lodge hat uns zum Ende der Reise noch einmal vollständige Entspannung und Ruhe gebracht und uns Zeit gegeben, das bislang Erlebte ein wenig Revue passieren zu lassen. Wir waren ja bereits auf unserer Hochzeitsreise 2011 auf einer Lodge und auch dieses Mal waren wir begeistert von der Einrichtung, der naturnahen Aufmachung und der Atmosphäre, die auf solchen Lodges herrscht. Hier finden wir sofort Ruhe, Entspannung und Zeit, um über elementare Dinge im Leben nachzudenken. Einziger Wehrmutstropfen dabei ist natürlich immer der Preis 🙁. Glücklich und beseelt brachen wir auf und machten uns auf die Rückfahrt nach Windhoek. Die gut fünf-stündige Tour haben wir über Solitaire und den Spreetshogte-Pass geplant und so trafen wir pünktlich zur Kaffee und Kuchenzeit in der Bäckerei mit dem berühmten Apfelkuchen ein.
Diese kleine Oase ist wirklich für einen Zwischenstopp sehr faszinierend und wir sollten sowohl ein Pärchen, das ebenfalls mit uns von der Lodge abgereist war, als auch die Schweizer in ihrem Unimog-Wohnmobil dort antreffen. Hier kann man wohl einfach nicht achtlos vorbeifahren.
Der Spreetshoogte-Pass war stellenweise wirklich schön, ich glaube nur, dass er in die entgegengesetzte Richtung viel eindrucksvoller zu befahren wäre, denn so bewunderten wir die tolle Aussicht stets im Rückspiegel.
Die weitere Strecke nach Windhoek zog sich dann recht langweilig in die Länge und wir waren froh und dankbar, als wir endlich ankamen. Unsere letzte Übernachtung sollte im Hotel Thule statt finden und trotz dessen, dass wir durch die gesamte Stadt fahren mussten, fanden wir das Hotel unproblematisch. Unsere Erwartungshaltung war jedoch irgendwie mal wieder anders, als das, was uns erwarten sollte! Wir gingen davon aus, weil wir ja über Bwana gebucht hatten, das das Hotel sich wohl auf Ankömmlinge von Selbstfahrertouren eingestellt hätte. Als wir jedoch damit begannen, unseren Toyota aufzuräumen und alles Überflüssige zu entsorgen, kam gleich ein besorgter Schlips tragender Manager angestürmt und fragte uns, ob bei uns alles ok sei, meinte jedoch augenscheinlich, ob wir dieses Rumgeräume doch bitte einstellen könnten! Überall auf dem Parkplatz standen auf Hochglanz polierte Luxusautos und alle Gäste liefen telefonierend im hochfeinen Zwirn herum. Augenscheinlich fand gerade eine Firmentagung oder ähnliches statt und wir passten mit unserem vermatschten Hilux in staubigen Klamotten und Arbeitshandschuhen zum Entrümpeln des Canopys so gar nicht ins Bild. Wir verkrochen uns schnell in unser Zimmer und versuchten, unser verstreutes Gepäck zu sortieren und wieder in unseren Reisetaschen zu verstauen. Irgendwie hat letztendlich alles gepasst und wir entschlossen, uns bereits recht früh am Abend, auf den Weg zu Joes Beerhouse zu machen. Ich orderte an der Rezeption selbstsicher ein Taxi, fragte den Fahrer auch gleich wie viel die Tour denn kosten würde, empfand NAM$ 50 auch ok und wir setzten uns entspannt ins Taxi. Der Fahrer fuhr los und hielt bereits nach zwei Minuten Fahrt mit den Worten „ok, we are at Joes“ wieder an. Oh man, ein Blick auf den Stadtplan hätte mal wieder geholfen! Und nun wurde mir auch klar, warum wir von Bwana hier eingebucht waren! Wir lachten uns schlapp, dass wir unser Touri Image in diesem Urlaub einfach nicht abschütteln konnten.
Wir bestellten uns das Namib Bushfire und das Bushmans Sosatie und später etliche Cocktails! Es ist hier wirklich sehr gemütlich und urig und man kann viele interessante Menschen beobachten. Wirklich eine tolle Location für den Ausklang! Den Rückweg meisterten wir nun natürlich zu Fuß. Auch wenn wir, auf Grund der etlichen Cocktails doch einige Orientierungsprobleme zu bewältigen hatten, fanden wir unser Hotel zum Glück auf Anhieb. Einen geruhsamen Schlaf sollten wir trotz allem Komfort nicht genießen. Geschlossene Fenster, Klimaanlage und kein einziges Naturgeräusch waren doch wirklich verwirrend und gewöhnungsbedürftig.
Teil 1706. Jan. 2014
Tag 15 – unser letzter Tag
Wir wurden bereits sehr früh wach und die Cocktails des Abends zuvor meldeten sich prompt in unseren Köpfen. Dementsprechend rappelten wir uns nur langsam auf und schleppten uns zum Frühstück. Etwas Kaffee, Spiegeleier und frische Säfte belebten unsere Körper schließlich wieder. Heute sollte es zum Abschluss auf die Stadtrundfahrt mit Bwana gehen. Was uns genau erwarten würde wussten wir nicht so recht. Ich hatte in Erinnerung, dass einige Forumsmitglieder begeistert von der Rundfahrt waren. Auch wir mögen Stadtrundfahrten immer gern zur Orientierung und springen eigentlich immer zuerst in einen Hop-on Hop-off Bus auf unseren Städtereisen. Unser Guide Martin kam in Bwanas 64er Landrover, der mich sofort begeisterte.
Martin fragte uns noch, ob wir uns sicher seien, die Stadtrundfahrt ohne Kopfbedeckung und ohne Sonnenmilch zu machen, vermochte unserer selbstsicherer Ablehnung jedoch nichts entgegen zu setzten. Also fuhren wir los, ohne weitere Vorkehrungen zu treffen. Martin war wirklich sehr freundlich und kompetent. Auf die Frage nach seinem guten Deutsch und seinem hessischen Dialekt erklärte er uns zunächst seine sehr spannende Herkunftsgeschichte. Gebannt lauschten wir seinen Ausführungen zu seinen Erfahrungen mit der politischen Entwicklung Namibias, als plötzlich die Strasse endete und wir in eine wirklich steile und versetzte Piste hinein fuhren.
Wir kamen sicher auf dem Gipfel an und genossen Ausblick und die erstaunlich umfangreichen Erklärungen von Martin. Erstaunlich, wie gut und detailliert und dennoch sehr kurzweilig die gesamte Geschichte Windhoeks erklärt wird. Auf dem Rückweg ging es dann in Sachen 4x4 richtig zur Sache. Die steile Piste machte doch mehr Probleme als gewollt und so musste ich im Landy nach hinten klettern, um etwas mehr Gewicht auf die Hinterachse zu bringen. Wir holperten und polterten uns die Strecke zurück und die Fahrt glich eher einer Achterbahnfahrt als einer Stadtrundfahrt, großartig! Weiter ging es zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten Windhoeks: Christuskirche, Tintenpalast, Bahnhof und Hereos Acres. Es wurde langsam heißer und wir stellten fest, dass die Mittagssonne nun doch ganz schön herunter glühte. Martin fragte, ob bei uns alles klar war, natürlich, was soll denn schon sein! Nun ging es nach Katatura und da Martin hier aufgewachsen war, konnte er seinen Stolz und seine Erfahrungen über diesen Stadtteil nicht verbergen. Uns beeindruckte dieses Erlebnis doch sehr. Die Menschen, die in unseren Augen in großer Armut lebten, grüßten uns freundlich und es war keinerlei Frust, Neid oder Verärgerung in Ihren Augen erkennbar.
Ich hätte dies gut verstanden, denn ich glaube, ich würde anders reagieren, wenn bei mir zu Haus ständig superreiche Ölmultis vorbeifahren und Fotos von meiner, in Ihren Augen, erbärmlichen Behausung machen und darüber philosophieren würden, wie ich so leben könne. Man kommt sich schon ein wenig voyeuristisch und merkwürdig vor, doch Martin versteht es wirklich hervorragend, einen in die Gespräche mit Einheimischen einzubeziehen und einem so ein gutes Gefühl zu geben. Wir fuhren sehr lange in den Straßen Kataturas und die Sonne zeigte sich nun wieder von ihrer erbarmungslosen Seite. Martin sah uns an, grinste und meinte, ob es nicht doch ratsam gewesen wäre, sich einzucremen. Irgendwie haben wir die Situation mal wieder unterschätzt. Es gab nun keinen einzigen Fleck Schatten mehr auf der Tour und wir wurden förmlich gegrillt. Verzweifelt versuchten wir, unsere Knie und Unterarme irgendwie zu verdecken und uns war klar, dass unserer beider Stirn wie Feuermelder leuchteten. Hatte Martin die Chance ergriffen, um sich für so viel Blödheit von Touris zu rächen? Sicher nicht! Musste er zwar ein wenig über unsere Verrenkungen schmunzeln, zeigte er sich jedoch besorgt und fuhr schnell zu den Tukondjeni Markthallen, wo wir erstens etwas Schutz vor der Sonne und, dank Martin, auch gleich etwas Kaltes zu trinken finden sollten. Der Markt war natürlich abenteuerlich, besonders der Frischfleischverkauf bei 30° im Schatten, mit tausenden, das Fleisch besiedelnden Fliegen, ist für uns Europäer immer wieder sonderbar. Doch, das so genannte Kapana ist wirklich sehr lecker. Viel faszinierender war es jedoch, die Wertschöpfungskette so puristisch und unkompliziert zu beobachten. Die Kapanaverkäufer stehen Rücken an Rücken zu den Frischfleischverkäufern und kaufen Ihr Fleisch ein, was sie fünf Minuten später gegart weiter verkaufen.
Direkt gegenüber wird Brennholz verkauft, was die Kapanaverkäufer einkaufen, um damit die Grillstation zu befeuern. Zwei Stände weiter werden die Gewürze verkauft, in die man das gegrillte Fleisch dippt, Groß- und Einzelhandel in Reinkultur!
Etwas gestärkt und vor allem gut abgekühlt ging es wieder in den offenen Landrover. Martin machte sich nun angesichts unserer Hautfarbe doch große Sorgen und wir waren dankbar, dass er uns nun auf direktem Weg wieder in unser Hotel brachte. Es war mittlerweile 14:00 Uhr und so nutzten wir die Chance, im Hotel noch einmal eine Kleinigkeit zum Mittag zu uns zu nehmen. Unsere Knie, Unterarme und Stirn spannten, brannten wie Feuer und ließen sich nun kaum noch aushalten. Was für ein riesiger Mist!!! Weder After Sun noch sonstige Lotions waren griffbereit und mir graute vor dem langen Flug mit aufsteigender Hitze. Mein Gott, wie blöd kann man sich denn am letzten Tag noch anstellen, na ja, so nehmen wir wenigstens ein länger anhaltendes Souvenir mit nach Hause!
Wir sollten uns spätestens um 16:00 Uhr bei Aloe Car Hire einfinden, um die Mietwagenrückgabe in Ruhe durchführen zu können und rechtzeitig am Flughafen zu sein. Wir waren schon ein wenig aufgeregt, wie genau der Vermieter wohl hingucken würde und wie hoch die Toleranzgrenze für Verdreckung und Schrammen sein würde. Gedanklich hatten wir die 50 € Polishing fee schon abgeschrieben. Angekommen bei Aloe ging jedoch alles ganz schnell. Der junge Mann, der uns bereits bei Ankunft vom Flughafen abgeholt hatte, begrüßte uns und teilte uns mit, dass er uns nun ganz schnell zum Flughafen bringen müsse, damit er seinen Bus nach Hause noch schaffen würde. Ein kurzer Blick auf den Hilux reichte ihm aus, um uns mitzuteilen, dass alles ok sei. Auf die Frage, ob wir noch irgendetwas Schriftliches bekommen würden, sagte er nur: „ no no, everything is ok! Gut, so läuft das wohl hier, wir vertrauen auf sein Wort. So waren wir nun also schon um 16:30 Uhr am Flughafen – Vier Stunden Wartezeit also, na super!!! Nachdem ich mir und meiner Angetrauten noch ein Super-Touri-Shirt „Namibia Sand Lover“ verschafft hatte, beobachteten wir, während wir mehrere eiskalte Windhoek Lager zu uns nahmen, die eintrudelnden Touris. Zum Teil in 30er Gruppen, abgeworfen von Rotel-Tours oder Reisebussen, war das schon ein kleines Spektakel.
So verging die Wartezeit überraschend schnell und letztendlich öffnete der Air Namibia Schalter. Natürlich standen vor dessen Öffnung schon mindestens 200 Personen in Reihe und Glied und irgendwo mitten drin befanden auch wir uns. Wir hatten wieder Plätze in der Mitte, Gang und Mittelplatz und ich fragte höflich, ob wir vielleicht doch einen Fensterplatz haben könnten. Recht ruppig antwortete die Dame: no, fully booked. Na, gut für Air Namibia, doof für uns dachte ich... Als wir den neuen Airbus betraten, änderte ich postwendend meine Meinung. Wir waren in der ersten Reihe hinter der Business Class eingecheckt, die Reihe, wo normalerweise die Babybettenfraktion sitzt, die mit dem extrem großen Fußraum! Ich konnte mein Glück kaum fassen, in so einer Reihe habe ich auf all meinen Flügen noch nie gesessen! Und eh ich mich versah, sollte ich das erste Mal auf einer Flugreise tief und fest schlafen und erst zum morgendlichen Kaffee wieder erwachen. Ob dafür die grenzenlose Entspannung der letzten Tage oder vielleicht die extreme Sonnenbestrahlung dafür verantwortlich zeichneten, vermag ich nicht zu sagen, aber es war wirklich einer der angenehmsten Flüge die ich je erlebt habe! So bleibt nun auch das letzte namibische Erlebnis in guter Erinnerung für uns und mit Fug und Recht können wir BEIDE sagen, dass es eines der besten Reiseerlebnisse überhaupt für uns war!
Ein kleines Fazit, bzw. eine kleine Zusammenfassung aus Sicht eines Ersttäters werde ich noch erstellen, dann ist der Reisebericht bzw. der Urlaub trauriger Weise zu Ende...