Uganda, Ruanda, Kongo - Liebe auf den ersten Blick

Reisebericht 162 Antworten · 34,9k Aufrufe · gestartet 27. Aug. 2017 von adriana
1'296 Beiträge · seit 200706. Okt. 2017 · #101
Hallo Adriana,

wir sind natürlich immer noch dabei und lesen fleißig mit. Ob Gorillatracking, Besuch der Pygmäen oder das Vulkantrekking. Wir haben "mitgelitten" 😐 Aber der Ausblick auf den Vulkan hat ja dann für die Anstrengung entschädigt. Wirklich beeindruckend.
Die Unterkunft am Lake Kivu sieht gut aus und das Frühstück sieht ja mal richtig abwechslungsreich und lecker aus 🙂

Wir sind auf eure weiteren Abenteuer gespannt, ahnen aber schon nicht Gutes bei deiner Anmerkung (..was für eine schwere Prüfung uns morgen bevorsteht.) 😵

Schöne Grüße in den Norden

Ralf + Martina
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2'516 Beiträge · seit 200907. Okt. 2017 · #102
Hallo Adriana,

bislang habe ich deinen phantastischen Bericht still und heimlich mitgelesen. Besonders die Bilder vom Vulkan-Trekking sind faszinierend.

Der erste Greif zeigt eine junge Gymnogene, oder African Harrier-hawk, zu deutsch Höhlenweihe.

Der Zweite scheint mir ein Schmarotzermilan zu sein.

Viele Grüsse,
Matthias
NAM die Fünfte – und immer noch kein Sossusvlei - 2013 , Der (ganz alte) Südwesten - 2014 , Die Märchentour - 2014/15 , Kavango, Kwando, Kalahari - 2016 , Just Birds - 2017 , Unter Eulen und anderen Käuzen - die O-S-T 2017 , NAM die Elfte 2018, Caprivi satt - 2019
1'543 Beiträge · seit 201307. Okt. 2017 · #103
Hallo Adriana,

bisher eigentlich nur stille Mitleserin möchte ich mich auch endlich einmal für deinen Reisebericht bedanken. Meiner Meinung nach eine der interessantesten Routen hier z.Z. im Forum. Ihr seid schon sehr mutig gewesen mit eurem Krater Trecking in der DR Kongo. Auf Grund der politischen Lage hätte ich mich wohl nicht getraut. Was für ein einzigartiges Erlebnis, einem aktiven Vulkan in den Schlund zu schauen 😮 . Tja, das ist unser Planet Erde in sehr vielen Regionen der Welt: sehr aktiv und nicht beherrschbar. Im Yellowstone NP brodelte die ganze Erde, überall zischte und qualmte es, und ab und an entlud sich alles in hohen Fontänen. Dass ich mich auf dem Territorium einer dieser, zwar schlafenden, Supervulkane befand, wollte ich mir lieber nicht vorstellen. Einmal wird er ausbrechen, das ist ganz klar. Wann, kann keiner genau vorhersagen, und danach wird unser Planet ein völlig anderer sein. Aber diese Orte umgibt eine einzigartige Schönheit, und du hast es gesehen und warst nach den Strapazen sicherlich doppelt froh und dankbar.
Andriana: vielen Dank, dass du diese nicht alltäglichen Erlebnisse mit uns teilst.

Herzliche Grüße
Beate
Reiseberichte: Patagonien 2020: Zwischen Anden, Pampa und Eis: https://namibia-forum.ch/forum/weiterelaender/299353-patagonien-2020-zwischen-anden-pampa-und-eis.html Das schönste Ende der Welt-Südafrika März 2017 https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/292402-das-schoenste-ende-der-welt-suedafrika-maerz-2017.html Südafrika 2018-Ohne Braai gibt es keine Katzen https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/296432-suedafrika-2018-ohne-braai-gibt-es-keine-katzen.html
751 Beiträge · seit 201108. Okt. 2017 · #104
Ich hätte es nicht besser schreiben können... schließe mich voll und ganz Beate an.

Vielen Dank, Adriana, für den eindrucksvollen, ausführlichen und so mitfühlenden Bericht!
VG, Nette
36 Beiträge · seit 201708. Okt. 2017 · #105
Ich bin jetzt auch wieder auf dem neusten Stand 🙂

Bei dem Blick in dem Krater fehlen einem fast die Worte! Ich finde es schon beeindruckend, wie ihr die rotleuchtende Lava auf den Bildern eingefangen habt. Wie muss dieses Gefühl erst für euch gewesen sein? Unvorstellbar welche Urgewalten dahinter stecken, aber wie schnell ein Ausbruch auch zu einer tötlichen, alles verändernden Gefahr werden kann.
Glückwunsch, dass ihr so eine tolle Sicht hattet! Nach den Strapazen des Aufstiegs war das auch mehr als verdient!

Habe ich es richtig verstanden, dass die anderen Leute keinen Koch mit hatten? Haben die selber was gekocht oder hatten Lunch-/Dinner-Pakete oder irgendwas mit dabei?

Prima, dass der Abstieg euch leichter fiel und ihr wieder heil in Ruanda angekommen seit bzw. einreisen konntet.

Ging es dem Magen von Matthias nach dem Abstieg wieder besser?

Dieser bunte Gecko gefällt mir sehr gut. Von dem Stein dadrunter kann er die Farbe jedoch nicht haben. 😉

Gespannt warte ich auf die Fortsetzung.

LG
Sandra
Interesse an einem Kalender mit Bildern von Uganda? Auf www.eickys-adventures.com findet ihr die Verlinkung. www.allmos-adventures.com
Themenstarter358 Beiträge · seit 201308. Okt. 2017 · #106
panther schrieb:
Ob Gorillatracking, Besuch der Pygmäen oder das Vulkantrekking. Wir haben "mitgelitten" 😐 Aber der Ausblick auf den Vulkan hat ja dann für die Anstrengung entschädigt. Wirklich beeindruckend.

Bis auf die Pygmäen-Tour würden wir alles genau so wiedermachen. Die Anstrengung wurde jedes Mal mit unvergeßlichen Erlebnissen belohnt. Bei den Pygmäen hatten wir genau so wenig wie ihr Glück, ich würde aber sagen, lieber eine enttäuschende Tour als Martinas Verletzung. Ich hoffe, ihr gehts wieder gut.
Das Vulkan-Trekking war für mich der Höhepunkt der Reise, aber auch die restliche Tour wird alles andere als langweilig sein.
fotomatte schrieb:
bislang habe ich deinen phantastischen Bericht still und heimlich mitgelesen. Besonders die Bilder vom Vulkan-Trekking sind faszinierend.
Der erste Greif zeigt eine junge Gymnogene, oder African Harrier-hawk, zu deutsch Höhlenweihe.
Der Zweite scheint mir ein Schmarotzermilan zu sein.

Vielen Dank, Matthias, für die Identifizierung der Greifvögel! Da ich mich auf diesem Gebiet wirklich nicht auskenne, hätte ich fast gesagt, dass die Beiden der gleiche Vogel sind. Jetzt aber merke ich, dass die Köpfe unterschiedliche Farben haben! Ich hoffe auch weiterhin auf heimliche Mitleser. 🙂
Old Women schrieb:
bisher eigentlich nur stille Mitleserin möchte ich mich auch endlich einmal für deinen Reisebericht bedanken. Meiner Meinung nach eine der interessantesten Routen hier z.Z. im Forum. Ihr seid schon sehr mutig gewesen mit eurem Krater Trecking in der DR Kongo. Auf Grund der politischen Lage hätte ich mich wohl nicht getraut.

Vielen Dank, Beate.
Wir haben die Sicherheitslage im Kongo vor und während der Reise so gut wie möglich beobachtet: Internet-News, Auswärtiges Amt, Online-Zeitung Kongo-Kinshasa (von Picco hier im Forum bekannt gemacht) www.kongo-kinshasa.de/news/.
Aber ein Risiko bleibt immer...
Old Women schrieb:
Was für ein einzigartiges Erlebnis, einem aktiven Vulkan in den Schlund zu schauen 😮 . Im Yellowstone NP brodelte die ganze Erde, überall zischte und qualmte es, und ab und an entlud sich alles in hohen Fontänen. Dass ich mich auf dem Territorium einer dieser, zwar schlafenden, Supervulkane befand, wollte ich mir lieber nicht vorstellen.

Der Yellowstone NP muss auch beeindruckend sein, es ist halt diese Naturgewalt, die einen fasziniert.
speed66 schrieb:Ich hätte es nicht besser schreiben können... schließe mich voll und ganz Beate an.
Vielen Dank, Adriana, für den eindrucksvollen, ausführlichen und so mitfühlenden Bericht!

Dankeschön, Nette. Ich freue mich sehr, dass der Reisebericht gut ankommt und einen Teil der Urlaubstimmung wiedergeben kann. Und ich würde mich besonders freuen, wenn meine Infos anderen Usern bei der Reisevorbereitung helfen werden.
ftc2010 schrieb:Ich bin jetzt auch wieder auf dem neusten Stand 🙂

Unser Ranger Jean-Paul würde jetzt sagen "Two minutes!!". 🤩
ftc2010 schrieb:
Habe ich es richtig verstanden, dass die anderen Leute keinen Koch mit hatten? Haben die selber was gekocht oder hatten Lunch-/Dinner-Pakete oder irgendwas mit dabei?

Einige kamen zu unserer Feuerstelle und haben gefragt, ob sie sich Wasser für Tee und Kaffee heiß machen dürfen. Natürlich durften sie das. Andere haben sich dabei auch Nudelsuppe aus Instant gekocht, auch an unserer Feuerstelle. Eine Frau hat sich einfach hingesetzt und mitgegessen. 🙂 Dann war noch eine Gruppe von lustigen Briten, die haben Chips und eine große Flasche Whiskey gehabt. Aber die meisten werden wohl Sandwiches oder so ähnlich gehabt haben.
ftc2010 schrieb:
Ging es dem Magen von Matthias nach dem Abstieg wieder besser?

Am Abend waren seine Magenkrämpfe wieder weg und wir konnten ganz normal essen, so dass wir den Aufenthalt am Lake Kivu sehr genossen haben.


Und nochmal ein Danke an alle Danke-Button-Drücker und auch an alle heimlichen Leser! 🙂
2018: Uganda, Ruanda, DR Kongo
zuletzt bearbeitet 08. Okt. 2017
8'684 Beiträge · seit 201008. Okt. 2017 · #107
adriana schrieb: Ich hoffe auch weiterhin auf heimliche Mitleser. 🙂
Ich bin auch einer, bzw. eine 🙂 ! Schon im Bericht von Heinz hatte ich damals (etwas neidisch) den Anblick dieses Lavasees bestaunt - und auch jetzt bin ich hin und weg! Er hatte damals gemeint, ich solle mir ein Herz fassen und die Tour auch machen, aber mich strengt ja schon das Lesen an 🙄 !

Meine Hochachtung für diese Leistung und ein Dankeschön für die tollen Fotos und die eindrückliche Beschreibung eurer Erlebnisse!

Liebe Grüße von Bele
Meine Reiseberichte im Namibia-Forum von 2011 bis heute
Themenstarter358 Beiträge · seit 201308. Okt. 2017 · #108
Champagner schrieb:
adriana schrieb: Ich hoffe auch weiterhin auf heimliche Mitleser. 🙂
Ich bin auch einer, bzw. eine 🙂 !

Jetzt haben wir uns gegenseitig bei Heimlichtuerei erwischt! Auch ich schiele regelmäßig in deinen Reisebericht! 🙂
Champagner schrieb:
Schon im Bericht von Heinz hatte ich damals (etwas neidisch) den Anblick dieses Lavasees bestaunt - und auch jetzt bin ich hin und weg! Er hatte damals gemeint, ich solle mir ein Herz fassen und die Tour auch machen, aber mich strengt ja schon das Lesen an 🙄 !

Ich kenne Heinz nicht, aber er hat Recht!!
Champagner schrieb:
Meine Hochachtung für diese Leistung und ein Dankeschön für die tollen Fotos und die eindrückliche Beschreibung eurer Erlebnisse!

Ich danke dir für die schönen Worte!
2018: Uganda, Ruanda, DR Kongo
319 Beiträge · seit 201209. Okt. 2017 · #109
adriana schrieb:
Ich kenne Heinz nicht, aber er hat Recht!!
Schaust du hier: https://www.namibia-forum.ch/forum/166-diverses/287267-leidenschaft-die-leiden-schaffft.html

einer der besten Reiseberichte, welche ich hier gelesen habe. Viele Kontakte mit den Einheimischen - eben reales Leben der Menschen hautnah erlebt. Schade, daß er nicht auch durch den Congo am Kivusee langgeradelt ist. Hätte mich interessiert, welche Eindrücke er gesammelt hätte (und die Bilder hätten mich auch interessiert - war manchmal etwas neidisch auf seine Bilder).

toumtoum
Themenstarter358 Beiträge · seit 201310. Okt. 2017 · #110
18. Tag
Dienstag, 01. August 2017
Kigali (Ruanda) - Chez Lando


Heute heißt es, Abschied nehmen vom "Paradise Malahide" und von Gisenyi. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Blick auf den Lake Kivu packen wir unsere Sachen. Wir bezahlen die Rechung mit Kreditkarte, dann gibt uns Emanuel, unser Lieblingskellner, noch 2 kleine, in Bananenblättern eingepackte Abschiedsgeschenke. Er sagt, wir sollen sie später aufmachen, auf der Fahrt. An der Ausfahrt steht er dann mit einem anderen Mitarbeiter und schmeißen Blumenblätter über und in unser Auto, während wir die Ausfahrt passieren. Freude mischt sich bei mir mit Traurigkeit, wir haben hier so liebe Menschen kennengelernt.

Bis zu unserem nächsten Ziel, Kigali, der Hauptstadt Ruandas, sind es circa 170 km. Diese werden wir durchweg auf Asphalt bewältigen. Ruanda wird auch das Land der 1000 Hügel bezeichnet und dies können wir auf unserer Strecke nach Kigali bestätigen. Immer wieder geht es serpentinenartig Hügel / Berge rauf und runter. Immer wieder fahren wir durch typische Dörfer, in denen am Straßenrand unzählige Leckereien verkauft werden. Es gibt Obst, Fleisch und typisches Gebäck. Gebäck!? Darauf hätte Matthias jetz Lust. Ganz spontan hält er nach circa 50 km an, setzt bis zum Stand zurück, wo eine Frau mit einem Eimer Gebäck steht und teilt mir seinen Entschluss mit, hier schnell etwas für unterwegs kaufen zu wollen. "Soll ich im Auto bleiben?" frage ich, aber er meint, ich soll mitkommen, schaltet den Motor aus, wartet bis ich ausgestiegen bin und schließt den Wagen ab, obwohl wir nur 2 Meter vom Stand entfernt sind. Matthias bleibt kurz stehen, guckt den Autoschlüssel an und sagt nur "Damit könnten wir noch Probleme bekommen". Er hat einen kleinen Widerstand beim Schliessen bemerkt und der alte, krumme Schlüssel hat tatsächlich eine kleine Bruchstelle. Eigentlich möchte ich mit damit gar nicht befassen, das Auto ist seine Baustelle und viel verstehe ich auch nicht davon. Ich frage nur, ob wir noch einen Reserveschlüssel haben. Nein, haben wir nicht.

Wir kaufen ein paar von den kleinen Teigbällchen, bezahlen und Matthias öffnet im Anschluß wieder das Auto. Wir sitzen kaum im Fahrzeug, die Türen sind gerade geschlossen, als er den Schlüssel ins Zündschloss steckt und den Schlüssel dreht. Anstatt dass der Motor angeht, hat er die obere Hälfte vom einzigen Fahrzeugschlüssel in der Hand, starrt ein paar Sekunden auf den abgebrochenen Schlüssel, guckt mich an, guckt das Zündschloss an und sagt dann:
"Jetzt ist er drin.".
Pause.
"Und abgebrochen.".
Noch mehr Pause.
Dabei hält er das obere Ende des Schlüssels fast wie eine Trophäe hoch und schaut mich an. "Nein! Nein!" - ich schüttle den Kopf und weigere mich, das zu akzeptieren!

Wir sitzen ein paar Minuten regungslos im Auto. Um unser Fahrzeug stehen noch immer die Einheimischen, vor allem Kinder, die uns zuvor beim Kauf des Gebäcks zugeschaut hatten. Wieso fahren die Muzungus nicht los???

Wir können es gar nicht fassen: Nach 2 kaputten Reifen, eines Motor-Problems, der Annullierung unseres Super-Multi-Entry-Visums kommen nun der abgebrochene Fahrzeugschlüssel und die damit verbundene Strandung im Nirgendwo!

Kigali, wo es mit Sicherheit etliche, mehr oder weniger gut ausgestattete Werkstätten gibt, ist circa 120 km entfernt. Die nächste Stadt, Gisenyi, aus der wir ja heute Morgen abgefahren sind, circa 50 km wieder zurück. Der ADAC ist noch weiter entfernt!

Nach einer Weile, wohl weil wir einfach im Auto sitzen und nicht wegfahren, klopft es auf Matthias Seite. Inmitten der ganzen Kinderschar steht ein älterer Herr, besser gekleidet und fragt uns, ob alles ok ist. Matthias steigt aus und erklärt ihm unser Problem, zum Schluß zeigt er ihm den kümmerlichen Rest unseres Fahrzeugschlüssels. Er versteht das Dilemma: "Oooooh!". In circa 100 Meter Entfernung soll eine Werkstatt sein, er würde schnell den Dorfmechaniker holen und geht schon los. Soll das wirklich so einfach sein?

Nach ein paar Minuten kommt der ältere Herr tatsächlich in Begleitung zweier Männer in Monteurkleidung zurück. Die Beiden sprechen kein Englisch, aber der ältere Herr übersetzt, er ist der Dorflehrer. Einer der beiden macht sich gleich ans Werk mit Schraubendreher und schickt den zweiten Monteur etwas holen. Als dieser wieder kommt, trauen wir unseren Augen nicht. Der hat doch tatsächlich Sekundenkleber!! Während wir noch immer unseren Augen nicht trauen, schmiert der erste Monteur Kleber auf den Schlüsselrest und steckt diesen in das Zündschloss. Ist der irre, will der noch zusätzlich das ganze Schloss verkleben?? Er will tatsächlich das abgebrochene Stück im Zündschloss mit Kleber an den Rest vom Schlüssel ankleben! Inzwischen sind dutzende Kinder um unser Auto herum versammelt, sie kleben ihre Gesichter an den Autoscheiben, wollen rein gucken. Die Kleineren klettern auf das Auto, damit sie auch etwas sehen, das Auto wackelt schon. Ich habe alle Türen verschlossen und bleibe die ganze Zeit im Auto auf dem Beifahrersitz. Nicht dass ich den Kindern böse Absichten unterstellen würde, aber Kinder sind nun mal neugierig, wollen alles anfassen und studieren und ich möchte nicht, dass sie plötzlich mit unseren Pässen auf der Straße spielen.

Wir kommen hier nie weg, ich sollte lieber die Telefonnummer vom Autovermieter in Uganda raussuchen. Für alles, was mit dem Auto zu tun hat, sollen wir Patrick von Alpha Car anrufen, wurde uns gesagt. Die Nummer haben wir im Telefon gespeichert, jedoch stellen wir fest, dass unser Telefon mit einer ugandischen SIM-Karte in Ruanda nicht funktioniert, es ist nicht für Roaming freigeschaltet. Ich versuche alle Varianten: mit Null, ohne Null, mit mehreren Null, nichts geht, wir haben kein Roaming.

Mittlerweile hat der erste Monteur die Verkleidung vom Armaturenbrett entfernt und probiert mit einem Schlitzschraubendreher, das abgebrochene Teil aus dem Zündschloss herauszuhebeln. Immer mehr Dorfbewohner drängeln sich um unser Auto und man hat kaum Platz zum Atmen. Die Kinder um und auf dem Auto werden immer mutiger und man hört kaum noch etwas außer Geschrei. Der Dorflehrer verteilt ab und zu ein paar Ohrfeigen und befreit unser Auto. Wir fragen ihn, ob wir sein Telefon benutzen dürfen, natürlich gegen Bezahlung. Ja, klar! Doch wir haben uns zu früh gefreut, denn als er hört, dass wir in Uganda anrufen wollen, gibt er an, nicht genug Guthaben zu haben. Wir schicken ihn mit Geld los, Guthaben aufladen und kurz darauf kommt er zurück und gibt sogar das Wechselgeld ab, 2000 RWF von den 4000 RWF. Wir sind über diese Ehrlichkeit ein wenig peinlich berührt. Dann ruft Matthias Patrick von Alpha Car in Uganda an, aber auch da haben wir kein Glück: kein Anruf unter dieser Nummer. Dorflehrer und mehrere junge Männer rätseln jetzt darüber, wie wir die Nummer am besten wählen: mit Null, ohne Null, rückwärts... Nichts. Ich weiß aus anderen Ländern, dass manchmal die Prepaid-Karten auch für den Empfang von Auslandgesprächen freigeschaltet sein müssen. Wahrscheinlich ist hier so ein Fall, denn wir kommen nicht durch. Jetzt hole ich unseren Auto-Mietvertrag raus und sage Matthias, er soll ALLE, wirklich alle Nummern durchprobieren, die er dort findet. Da stehen die Nummern von ein paar anderen Mechaniker, nichts. Dann versucht er mit der Nummer aus der Geschäftsstelle. Bingo! Der jenige, der antwortet, sagt nicht, wer er ist, aber ja, wir sind tatsächlich mit Alpha Car verbunden und er weiß, dass Matthias und Adriana zurzeit mit einem Auto unterwegs sind. Als er von dem abgebrochenen Autoschlüssel hört, kommt nur ein "Ooooh!". Wo sind wir denn? fragt er. In Ruanda, zwischen den Orten Gisenyi und Ruhengeri, in dem kleinen Dorf Jenda (hatte uns der Dorflehrer gesagt). Die GPS-Koordinaten habe ich auch aufgeschrieben, die könnten wir durchgeben. Er unterbricht uns: wir sind zu weit, sie können uns nicht helfen, wir müssen das Problem alleine lösen, sie werden uns die Kosten dafür erstaten. Gespräch beendet.

Matthias steht wortlos mitten auf der Straße und sagt nichts. Nach ein paar Sekunden der Resignation erklärt er dem Dorflehrer unsere Situation und das Ergebnis des Telefonates. Darauf fängt eine Diskussion zwischen den Mechanikern und dem Dorflehrer an. Die beiden Dorfmechaniker geben zu, dass sie das Problem nicht lösen können, aber sie können versuchen, einen anderen Mechaniker zu holen. Nach ein paar Telefonaten gibt es endlich eine positive Nachricht. Der Mechaniker hat einen anderen Mechaniker aus Gisenyi erreicht, der kommen würde. Er möchte aber 30.000 RWF (circa 37 US Dollar) von uns haben. Sofort willigen wir ein, eine andere Lösung gibt es ja sowieso nicht zurzeit. Es sind inzwischen fast 2 Stunden vergangen und während wir auf den Super-Mechaniker warten, verteilt Matthias unser erworbenes Gebäck und etwas Wasser. Genüsslich wird das Gebäck gegessen. Wegen dem Gebäck stehen wir jetzt hier, sagt Matthias und macht sich Vorwürfe. Quatsch, der Schlüssel war alt und verbogen, er wäre sowieso irgendwann demnächst abgebrochen. Als ich in das Gebäck beiße, erwische ich einen Sandkorn. Oh je, ich möchte nicht auch noch den Dorfzahnarzt kennenlernen. Wahrscheinlich macht der Mechaniker diesen Job.

Nach gut 45 Minuten hält ein Motorrad hinter uns. Der Mechaniker aus Gisenyi ist da. Nachdem ihm das Problem geschildert wurde, guckt er ins Auto und erhöht den Preis auf 60 US Dollar! Dies ist natürlich ein Muzungu-Spezial-Preis. Matthias ärgert sich: erst 30 USD, dann 60 und wenn er fertig wieviel?? Wir sind aber nicht in der Position, zu verhandeln, also willigen wir ein. Ich rufe den Mechaniker zu mir, denn ich bewache immer noch meinen Platz als Wagen-Glucke und mache ihm klar: 60 USD für eine gute Arbeit! Löst er das Problem nicht, gibt es gar kein Geld! Er hört mir sehr ernst zu, sagt nichts und macht sich sofort an die Arbeit. Aus seiner Werkzeugtasche holt er eine Bohrmaschine, die er an unsere Autobatterie anschliesst. Dann kommt er in den Wagen und bohrt von unten das Zündschloss an. Was macht er da?? Er bohrt sehr großzügig, in Rotation links und rechts, anscheinend bohrt er ein sehr breites Loch. Ich sehe schon Douglas Gesicht: "Was habt ihr mit meinem Auto gemacht???". Aber der Mechaniker weiß ganz genau, was er tut. Nach ein paar Minuten hat er das Zündschloss in der Hand, schüttelt es und holt den abgebrochenen Autoschlüsselteil raus. Wir machen große Augen. Jetzt holt er aus der Tasche noch einen Blanko-Schlüssel und eine große Feile. Er steckt den Blanko-Schlüssel in das Zündschloss, kritzelt ein paar Zeichen, dann feilt er den Schlüssel zurecht, wiederholt das Prozedere ein paar Mal, fertig der Schlüssel! Dann baut er die Verkleidung vom Armaturenbrett zusammen, steckt das Werkzeug in die Tasche, kommt zu mir und sagt nur "Ready". Das war das einzige Wort, das er gesagt hat. Er bekommt sein Geld und fährt wieder weg. Genau 20 Minuten hat er insgesamt gebraucht! Die beiden Dorfmechaniker wollen nur 10 USD, auch sie werden von uns bezahlt. Dann sammelt Matthias noch unser Warndreieck ein, wir nehmen den Dorflehrer mit ins Auto und fahren ihn nach Hause.

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Das Zündschloss wird angebohrt:
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Hier möchte ich schon erwähnen, dass wir die insgesamt 70 USD problemlos von dem Autovermieter zurück bekommen haben.

Ohne weitere Störungen und mit einem neuen Schlüssel fahren wir nach Kigali. Wer hätte das vor einer Stunde gedacht? Ich malte mir schon aus, wie wir im Auto oder im besten Fall bei den Einheimischen auf einer Schlafstelle aus Stroh übernachten.

In Kigali erleben wir den afrikanischen Verkehr einer Großstadt und lassen uns bis zu unserem Hotel einfach mittreiben. Hier ist zwar weniger Chaos als in Kampala, dafür aber mehr Tempo. Hast du eine Ausfahrt verpasst, bist du verloren.

Unser Hotel "Chez Lando" liegt in der Nähe des Flughafens. Im Innenhof können wir unseren Wagen sicher parken, dann müssen wir durch eine Kontrolle mit Metalldetektor und schon stehen wir an der Rezeption. Wir sind froh zu hören, dass es eine Reservierung für uns gibt. Wir füllen alle Formulare aus, die Frau macht noch Fotokopien von unseren Pässen, dann bekommen wir den Zimmerschlüssel. Da scheint aber noch etwas zu sein, die Frau zögert aber. Sie beugt sich etwas über den Tresen und fragt uns mit leiser Stimme: "Do you need 2 rooms?". Tja, so sehen wir nach diesem ereignisvollen Tag aus...

Das Zimmer ist groß genug, der Balkon hat eine schöne Sicht auf den Garten, das Bad ist sauber, es gibt Warmwasser - wir sind absolut zufrieden. Heute geben wir Wäsche in der Laundry ab, inklusive Unterwäsche! Mir ist es mittlerweile egal, ob die Wäsche per Hand oder in der Maschine gemacht wir, wir brauchen dringend saubere Wäsche!

Die kleinen Geschenke aus dem Hotel haben wir komplett vergessen. Jetzt machen wir sie auf und... es sind kleine Teigbällchen, genau wie die, wegen denen Matthias auf der Straße angehalten hat. 🙂

Land der tausend Hügel:
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Kigali:
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Hotel Chez Lando:
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Hotel Chez Lando:
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Inzwischen ist es schon fast dunkel und wir haben Hunger. Wir machen uns frisch und gehen runter zur Rezeption. Da hat man für uns eine gute Empfehlung für afrikanische Küche: das Restaurant "Repub Lounge" mit ruandischen Spezialitäten. Wir nehmen ein Taxi für circa 4 Euro und fahren hin. Das Restaurant ist fast leer, Touristen kommen auch später nicht, nur ein paar Einheimische. Der Kellner macht uns gern eine Platte mit verschiedenen Leckereien und bei einem leckeren Dinner auf der Terrasse mit Blick über Kigali reden wir über unsere heutige Fahrt und sind uns einig: ein Urlaub ohne Abenteuer wäre doch langweilig!

Restaurant "Repub Lounge":
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2018: Uganda, Ruanda, DR Kongo
zuletzt bearbeitet 10. Okt. 2017
Themenstarter358 Beiträge · seit 201313. Okt. 2017 · #111
19. Tag
Mittwoch, 02. August 2017
Kigali (Ruanda) - Chez Lando


Der heutige Tag ist Kigali, der Hauptstadt Ruandas gewidmet. Am Vormittag besichtigen wir die Genozid Gedenkstätte Ntarama, circa 25 km südlich von Kigali. Hier wurden 1994 während des Völkermordes über 5000 Tutsi auf brutalster Weise ermordet. Die meisten von ihnen waren Frauen und Kinder, die in der Kirche Zuflucht vor den Hutu-Milizen gesucht haben. Ein Ort des Grauens!

Am Nachmittag fahren wir in die Stadt und trinken im Hotel "Mille Collines" einen Kaffee. Wir sitzen im Garten am Pool nachdenklich. In diesem Hotel haben 1994 während des Völkermordes über 1500 Menschen Zuflucht gefunden. Dem damaligen Hotel-Manager gelang es, sie mit Trinkwasser aus dem Schwimmpool zu versorgen und zu retten. Die Geschichte wird in dem Film "Hotel Ruanda" erzählt.

Bei einem Spaziergang durch die Innenstadt schauen wir einfach diese lebendige Stadt an, während der Wagen sicher auf dem Parkplatz vom Hotel "Mille Collines" steht. Der Straßenverkehr kann für uns Europäer schon ein kleiner Kulturschock sein. Die Motorradfahrer wimmeln überall und in allen Richtungen, Autos kämpfen um jeden Straßenzentimeter, es wird gehupt. Als wir das Postamt suchen, stellen wir fest, dass die Post in Ruanda den niedlichen Namen Iposita trägt.

Wie in ganz Ruanda ist auch in der Hauptstadt Kigali alles sehr, sehr sauber. Im Nakumatt-Supermarkt, wo wir ein paar Einkäufe machen, werden unsere Sachen in Papiertüten eingepackt.

Am Abend gehen wir in Lalibela äthiopisch essen. Als wir nach Besteck fragen, erklärt uns der Kellner geduldig, wie man die Speisen mit der Hand isst. Bei einem leckeren Dinner mit einem kühlen Bier entspannen wir uns und machen die Pläne für die nächsten Tage.

Kigali:
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Gedenkstätte Ntarama:
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Hotel "Mille Collines"
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Hotel "Mille Collines"
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Hotel "Mille Collines"
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Hotel "Mille Collines"
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Kigali Innenstadt:
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Kigali und sein Straßenverkehr:
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Links ist die Post Iposita zu sehen:
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Äthiopisches Restaurant Lalibela:
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Äthiopisches Restaurant Lalibela:
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Äthiopisches Restaurant Lalibela:
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2018: Uganda, Ruanda, DR Kongo
zuletzt bearbeitet 13. Okt. 2017
36 Beiträge · seit 201713. Okt. 2017 · #112
adriana schrieb:
ftc2010 schrieb:
Habe ich es richtig verstanden, dass die anderen Leute keinen Koch mit hatten? Haben die selber was gekocht oder hatten Lunch-/Dinner-Pakete oder irgendwas mit dabei?

Einige kamen zu unserer Feuerstelle und haben gefragt, ob sie sich Wasser für Tee und Kaffee heiß machen dürfen. Natürlich durften sie das. Andere haben sich dabei auch Nudelsuppe aus Instant gekocht, auch an unserer Feuerstelle. Eine Frau hat sich einfach hingesetzt und mitgegessen. 🙂 Dann war noch eine Gruppe von lustigen Briten, die haben Chips und eine große Flasche Whiskey gehabt. Aber die meisten werden wohl Sandwiches oder so ähnlich gehabt haben.
Warum wundert mich das nicht, dass die Briten Whiskey dabei hatten. Anstelle der Chips hätte ich jedoch Popcorn erwartet 🤪
Interesse an einem Kalender mit Bildern von Uganda? Auf www.eickys-adventures.com findet ihr die Verlinkung. www.allmos-adventures.com
36 Beiträge · seit 201713. Okt. 2017 · #113
Oh mein Gott, was für ein Tag. 🤩

Erst fing alles nett und rührend an und dann die „Schlüsselsituation“, was für ein Wortspiel, die den Tag komplett auf den Kopf stellte. Ich habe mir bildlich vorgestellt, wie ihr sprach- und fassunglos im Auto sitzt, Matthias die Reste vom Schlüssel in der Hand … 😕

Sehr aufmerksam von dem Dorflehrer, der ohne es zu wissen, bemerkte, dass irgendwas wohl nicht stimmen muss. Wiedermal zeigt sich wie lösungsorientiert die Menschen dort sind. Sofort wird versucht zu helfen, auch wenn das mit dem Sekundenkleber vielleicht doch keine Ideallösung war. Der Wille war auf jeden Fall da.
Von der Rental Car Firma finde ich es etwas „traurig“, dass sie euch so wenig unterstützt haben. Und erstmal die Schwierigkeit überhaupt jemanden von Ruanda aus in Uganda zu erreichen. Meiner Meinung nach, müssten die bei Grenzübertritten auch einen Support in dem anderen Land leisten oder zumindest einen Kontakt angeben können.

Kinder die an der Scheibe klebten hatten wir auch mal, als wir etwas planlos auf einer grünen Wiese standen und nicht erkennen konnten, dass die Straße dort weiter ging. Irgendwann klebten sie an den halb geöffneten Scheiben, beäugten den Inhalt des Autos. Nicht das sie die Absicht hatten etwas zu entwenden (außer Alex und Heini vielleicht), aber man muss es ja auch nicht heraufbeschwören. Ich hätte genauso das Auto gehütet wie du.

Mit dem „eingefahrenen“ Monteur hat es dann ja zum Glück geklappt. Klar, dass er ein wenig Profit machen wollte. Hauptsache ihr hattet dann endlich und sehr schnell einen funktionierenden Schlüssel. Ich hoffe er hält auch bis zum Ende des Urlaubs. Toi toi toi.

Obwohl ihr keinen Beleg hattet, hat euch Alpha Rental die 70 USD zurückgezahlt? Das finde ich sehr löblich. Vermutlich hätte man hier in Europa ein Vielfaches von diesem Preis gezahlt.

Nicht alle Reservierungen sind nicht auffindbar 😉 Aber wieso wollte man auch zwei Zimmer geben? Saht ihr so aus, als ob ihr euch vorher an die Gurgel gegangen seid?

Stimmt! Ohne Abenteuer wäre es einfach zu langweilig!!!

Wie hat das Essen mit den Fingern geklappt? Gab es hinterher Tücher zum säubern?

Den von dir erwähnten Film habe ich mir direkt auf dem Watchlist von a….n gesetzt.

LG
Sandra
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Themenstarter358 Beiträge · seit 201314. Okt. 2017 · #115
ftc2010 schrieb:
Oh mein Gott, was für ein Tag. 🤩

Jetzt können wir über den abgebrochenen Schlüßel lachen, aber damals war das wirklich nicht lustig! Und selbst jetzt sagen wir manchmal auch "Oh mein Gott, was für ein Tag!".
ftc2010 schrieb:
Obwohl ihr keinen Beleg hattet, hat euch Alpha Rental die 70 USD zurückgezahlt? Das finde ich sehr löblich. Vermutlich hätte man hier in Europa ein Vielfaches von diesem Preis gezahlt.

Während wir auf den Mechaniker warteten, hatte ich tatsächlich die Idee, so eine Art Quittung von ihm zu verlangen, einen Zettel mit der Summe, dem Datum uns seiner Unterschrift. Ich hatte auch mein Notizheft rausgeholt. Als der Mechaniker aber da war, habe ich die Quittung komplett vergessen. 🙂
Der Autovermieter hat die Summe nicht kommentiert und als ich anfing zu erklären, wie es zu dieser doch für Afrika hohen Summe kam, hat er gesagt, dass er die Situation sehr gut kennt und ich mich nicht rechtfertigen muss.
ftc2010 schrieb:
Nicht alle Reservierungen sind nicht auffindbar 😉 Aber wieso wollte man auch zwei Zimmer geben? Saht ihr so aus, als ob ihr euch vorher an die Gurgel gegangen seid?

Wir hatten überhaupt keinen Streit, ganz im Gegenteil, wir waren froh, diese Situation mit Glück doch gut gemeistert zu haben, aber ich denke, wir waren müde und den Stress des Tages stand uns im Gesicht, was für die Frau vom Hotel als "wir sind kein Paar" bedeutete. 🙂
ftc2010 schrieb:
Wie hat das Essen mit den Fingern geklappt? Gab es hinterher Tücher zum säubern?
Vor und nach dem Essen kam jemand mit Waschschüssel, Seife und einer Kanne mit Warmwasser, sodass wir uns die Hände waschen konnten. Das Essen mit den Fingern war jedoch keine "fettige Schweinerei". Man benutzt kleine Stücke von so einer Art weichem Fladenbrot, mit denen man das Essen in den Mund schaufelt. Auf dem Foto sind das die kleinen Röllchen, genannt Injera. Der Kellner hat wirklich sehr geduldig mit uns geübt, bis wir das konnten. 🙂
picco schrieb:
ftc2010 schrieb:Den von dir erwähnten Film habe ich mir direkt auf dem Watchlist von a….n gesetzt.
Keine leichte Kost, aber es lohnt sich definitiv den zu schauen!!!

Und deswegen habe ich mich bis jetzt geweigert, diesen Film zu sehen. Matthias darf mir auch nicht die Details erzählen. Irgendwann, wenn ich einen mutigen Tag habe... 🙂

Da wir bei dem Thema sind... Ich habe mich nicht getraut, die Einheimischen zu fragen, wie die Versöhnung konkret funktioniert. Können Menschen, die früher verfeindet waren, jetzt wieder einfach Freunde sein? Kann man seinem Nachbarn wieder vertrauen.
Picco, du warst ja mehrmals in Ruanda unterwegs und hattest auch einen Guide. Hat er sich dazu geäußert?
Ich habe gelesen, dass es neue Gesetze gibt, die einem verbieten, sich oder andere als Hutu/Tutsi zu bezeichnen, eben um diese Trennung nicht wieder in Erinnerung zu bringen. Aber was genau denken die Menschen??
2018: Uganda, Ruanda, DR Kongo
zuletzt bearbeitet 14. Okt. 2017
382 Beiträge · seit 200616. Okt. 2017 · #116
Hallo Adriana,
wir waren damals sehr überrascht über die Aussagen einiger Menschen mit denen wir gesprochen haben wie problemlos das alles mittlerweile im Zusammenleben der Menschen geht.
Ein Guide der uns die Kirche in Ntamara gezeigt hat, haben wir gefragt ob er damals betroffen war und wie er damit heute umgeht. Er hat uns nur geantwortet das es heute keinen Unterschied mehr macht, es fühlen sich alle als Ruander. Das hat uns schon beeindruckt, wir hatten aber auch wirklich das Gefühl das sich das in den letzten Jahren zum positiven entwickelt hat,wir persönlich haben nie etwas negatives gehört.
Wir waren tief betroffen von der Geschichte des Genozids, sind aber auch sehr beeindruckt über den Umgang mit der Vergangenheit und sind immer wieder an den entsprechenden Orten bzw. Denkmälern von unheimlich freundlichen Menschen rumgeführt worden, wir hatten das Gefühl die Menschen freuen sich das wir uns als Muzungus für die Geschichte Ruandas interessiert haben.

Viele Grüsse
Christian
719 Beiträge · seit 201120. Okt. 2017 · #118
Hallo Adriana,

nachdem wir von unserem Uganda-Trip wieder zurück sind, hab ich jetzt die letzten Tage eures Reiseberichtes nachgelesen.
Ihr hattet ja ganz schön viel Abenteuer.
Bei meiner 4. Reise nach Uganda hatten wir auch diesesmal einiges an Abenteuer zu erleben.
Ich hoffe, dass ich Zeit für einen Reisebericht habe.
Die Vulkanbesteigung finde ich auch sehr reizvoll.

LG Uli
Big 5 Africa Tours Reiseberichte: Namibia's Süden 2017, Uganda's Norden 2016 , Uganda Juli 2015 , Namibia Mai 2013 ,Namibia Mai 2012
Themenstarter358 Beiträge · seit 201321. Okt. 2017 · #119
chris p schrieb:
wir waren damals sehr überrascht über die Aussagen einiger Menschen mit denen wir gesprochen haben wie problemlos das alles mittlerweile im Zusammenleben der Menschen geht.

Das hoffe ich sehr. Eigentlich habe ich auch nie den Eindruck gehabt, die Leute in Ruanda wären verbittert oder sonst von irgendwelchen negativen Gefühlen geführt, aber ich hätte gern mit ihnen direkt darüber gesprochen. Aus Respekt vor deren Gefühlen habe ich mich nicht getraut.
Danke für deine Antwort!
picco schrieb:Sorry, ich bin einige Tage unterwegs, kann aber auch nicht viel Anderes dazu beitragen als Christian schon getan hat.

Gut möglich, dass solche Ereignisse auch dazu führen, ein Volk zusammenzuschweißen.
Uli.S schrieb:
Bei meiner 4. Reise nach Uganda hatten wir auch diesesmal einiges an Abenteuer zu erleben.
Ich hoffe, dass ich Zeit für einen Reisebericht habe.

Welcome back!
Ich, wir alle hier, würden uns sehr über einen Reisebericht freuen! Ich weiß jetzt selbst, wieviel Arbeit es bedeutet, aber es macht auch eine große Freude!
2018: Uganda, Ruanda, DR Kongo
Themenstarter358 Beiträge · seit 201321. Okt. 2017 · #120
20. Tag
Donnerstag, 03. August 2017
Lake Bunyonyi (Uganda) - Birdnest Bunyonyi Resort


Heute verlassen wir Kigali und Ruanda, wir werden zurück nach Uganda fahren. Unser Ziel ist Lake Bunyonyi, wo wir 2 Tage in einer schönen Landschaft im Kalebas Camp entspannen möchten. Diese Unterkunft habe ich selbst im Internet ausgesucht, ein großer Fehler, wie man später sehen wird...

Der Autoverkehr in Kigali ist für mich einfach nur schrecklich! Motorräder von links und rechts, von hinten und vorne, Autos aller Art und Größen, lautes Gehupe, machtlose Polizisten, die an den Kreuzungen vergeblich versuchen, das Chaos zu regeln. Und alles im hohen Tempo, dem man sich anpassen muss. Über das iPad habe ich kein GPS Signal, also muss ich Matthias nur mit Hilfe des Navi, das zu dem Auto gehört, lotsen. Das Gerät geht aber immer wieder aus, entlang des Kabels muss ein Wackelkontakt sein. Wir verpassen ein paar mal die Ausfahrt und Matthias muss das Unmögliche meistern: wenden in diesem höllischen Verkehr. Er passt sich aber schnell an, schimpft und hupt wie die Einheimischen und sagt sogar, dass es Spaß macht. Lebe ich unwissend mit einem weißen Afrikaner zusammen??

Am Rande der Stadt besichtigen wir das Kigali Genocide Memorial Centre. Es ist eine Art Museum mit einer großen Fülle an Informationen über den grausamen Völkermord der Hutu an den Tutsi im Jahre 1994 in Ruanda. Es wird in Bildern, Texten und Videos versucht zu erklären, wie es dazu gekommen ist, wie dieser Hass entstanden ist, wie die brutalen Morde angefangen haben, wie die ganze Weltgemeinschaft tatenlos zugesehen hat und wie der Frieden wiederhergestellt werden konnte. Die Informationen sind sehr interessant, aber machen einen auch traurig. Leider haben wir nicht genug Zeit, um alles zu sehen, denn uns steht heute noch der Grenzübergang von Ruanda nach Uganda bevor und, nicht vergessen, wir haben kein Visum mehr!

Kigali Genocide Memorial Centre:
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Kurz vor Mittag verlassen wir Kigali in Richtung Norden. Die asphaltierte Straße ist in einem sehr guten Zustand und wir sehen unterwegs Reisfelder, dann Tee- und Bananenplantagen. Serpentinenartig fahren wir über unzählige Hügel, die man schon als Berge bezeichnen kann. Und immer wieder bewundern wir die Sauberkeit, die überall zu sehen ist.

Gegen 13 Uhr sind wir an dem Grenzübergang Gatuna. Wir haben schon viele Grenzübergänge gesehen, aber dieser hier... Oh je! Es gibt keine Straße mehr, man fährt auf einer staubigen, löchrigen Piste ohne eine wirkliche Straßenabgrenzung. Dutzende LKWs stehen überall herum, andere "fahren" (genauer gesagt versuchen zu fahren) kreuz und quer, Einheimische laufen zwischen den Autos herum und bieten Währung zum Tausch an, kleine Hütten/Läden stehen überall. Und wir mitten drin! Matthias muss sich Millimeter genau zwischen den großen LKWs durchschlängeln und ich achte darauf, wo denn in diesem Chaos das Immigration Office sein könnte. Endlich gefunden! Wir halten an, steigen aus und erledigen relativ schnell die Ausreise aus Ruanda. Der Beamte will von mir irgendwelche Papiere für das Auto, aber ich weiß ganz genau, welche Papiere nötig sind und halte dagegen. Irgendwann gibt er nach und wir dürfen weiter fahren. Wir steigen ein und fahren los... nein, wir fahren nicht los! Schon vergessen? Das Auto startet nicht, wenn der Motor zu heiß ist. Wir müssen in diesem Verkehrschaos eine Viertel Stunde warten, bis der Motor abgekühlt ist und wir weiter fahren können. Also legen wir uns ein dickes Fell an und ignorieren die Rufe der anderen Autofahrer. 🙁 Nach circa 200 Meter steht links das Immigration Office für Uganda. Wir stellen den Motor ab (es geht nicht anders!) und gehen hin. In der Hütte hat sich eine Schlange gebildet und wir stellen uns an. Gleich danach kommen immer mehr Einheimische, die sich nach vorne drängeln. Jetzt ist die Hütte voll und es gibt keine Ordnung mehr. Der Beamte ist ein Ordnungs-Freak, er verlässt seinen Schalter, kommt in den Wartebereich und macht Ordnung. Er schubst die drängelnden Einheimischen raus und macht ihnen deutlich, dass er eine einzige Reihe von jeweils einer Person sehen will! Auch mich faucht er an, weil ich nicht hinter sondern neben Matthias stehe. Da unser East Africa Tourist Visa bei dem Grenzübergang in die DR Kongo annuliert wurde und wir nicht wissen, was jetzt passiern wird, bleiben wir ruhig, bloß den Beamten nicht ärgern!

Als wir dran sind, ist er wieder gut gelaunt, scherzt mit Matthias und klatscht einfach einen Einreisestempel in den Pass. Der Nächste! Wir müssen nichts zahlen, das alte Visum wird wortlos anerkannt. Möglicherweise ist das Visum bei einem Grenzübergang innerhalb der 3 ostafrikanischen Länder wieder gültig, was ich aber nicht glauben kann, denn ein annuliertes Visum bleibt ein annuliertes Visum! Oder der Beamte hat einfach nicht bemerkt, dass unser Visum annuliert war, obwohl das "USED" in großen Buchstagen da stand. Wir werden es nie erfahren, denn wir haben selbstverständlich nicht nachgehakt! 🙂
Also nochmal: Afrika ist voller Überraschungen!

Reisfeld:
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Gute Straßen in Ruanda:
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Gute Straßen in Ruanda:
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Hügel, Hügel, viele Hügel in Ruanda:
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Hügel, Hügel, viele Hügel in Ruanda:
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Teeplantagen in Ruanda:
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Teeplantagen in Ruanda:
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Bis zu der nächsten Unterkunft ist es nicht mehr weit und nach weniger als einer Stunde erreichen wir das Kalebas Camp am Lake Bunyonyi. Die Landschaft ist wunderschön, man blickt direkt auf den See und das Camp ist klein, so wie wir es mögen. Wir steigen aus und ein junger Mann kommt auf uns zu. Wir grüßen uns und stellen uns mit Namen vor. Er heißt Ronaldo. Welche Funktion Ronaldo hier hat, sagt er nicht und überhaupt sagt er gar nichts mehr und geht. Vergeblich suchen wir eine Rezeption. Dann sehen wir ein junges Mädchen, das auf uns zu kommt und auch nett grüßt. Aber sie sagt auch nicht viel und kichert nur. Es muss hier doch jemand sein, der für die Anmeldung zuständig ist! Wir sagen dem Mädchen, dass wir eine Reservierung für 2 Tage haben. Boooom! Bei diesem Stichwort hört das Gekichere auf. Eine Reservierung? Sie ist schon verwundert und ruft Ronaldo, der genau so verwundert ist. Die Beiden sind überfordert, wissen nicht, was jetzt zu tun ist. Wie wir später erfahren, sind die beiden die einzigen Mitarbeiter hier, also sehr wohl für Reservierungen, Anmeldungen, Essen, einfach alles zuständig. Ronaldo fragt, ob wir schon bezahlt haben. Ja, es ist schon für 2 Nächte bezahlt. Die beiden haben immer noch keinen Plan. Dann fragt uns das Mädchen, welches Zimmer wir haben. Ähmmm, wir dachten, sie sagt uns das. Sie weiß es aber nicht. Ich hole jetzt meine Unterlagen raus und zeige den Beiden die Reservierung. Da steht "Kalebas Camp - Cabin". Die Beiden schauen sich an, reden kurz miteinander in ihrer Sprache, dann sagt das Mädchen, dass sie uns unser Zimmer zeigt. Endlich! Über hohe Treppen führt sie uns zu einem schmalen Gebäude, wo die Zimmer sich befinden. Vor jedem Zimmer ist eine kleine Terrasse mit Sitzmöglichkeit. Wir haben das erste Zimmer und es ist auch das einzige Zimmer mit einem halben Seeblick. Alle anderen Zimmer haben als Sicht ein altes, kaputtes Gebäude, das auseinander fällt. Ich bin der Meinung, das Gebäude ist abrissbereit, Matthias aber meint, es wird erst gebaut.

Das Zimmer ist mehr als spartanisch. Ein Bett und basta. Kein Tisch, kein Stuhl, kein Platz. Hinten rechts führt eine Tür aus Brettern zum Bad. Ich will hin, aber ich finde keinen Griff und frage nochmal, ob das wirklich das Bad ist. Ja, ist es. Wie öffne ich die Tür? Sie zeigt mit den Händen, dass man greifen und öffnen soll. Matthias hilft mir, krallt sich die Finger in den unteren Bereich der Tür und öffnet sie. Als erstes sehe ich eine Wasserpfütze neben der "Toilette". Das restliche Bad beschreibe ich lieber nicht... Das Mädchen will eigentlich schon gehen. Klar, wir wissen jetzt, wo unser Zimmer ist. Ich halte sie auf und frage nach Warmwasser. Schock! Ja, ich will wissen, ob wir hier Warmwasser haben. Jetzt?? fragt das Mädchen. Nein, nicht jetzt sofort, aber heute Abend und überhaupt. Heute Abend?? Ja, heute Abend. Sie sagt nur leise "ok". Mir ist klar, hier werden wir kein Warmwasser haben. Aber warum sagt man uns das nicht deutlich? Jetzt ist das Mädchen weg und wir sind still. Um uns Mut zu machen, bewundern wir unsere Terrasse, wir können den See ein bißchen sehen. Ach, lass uns doch einen Drink nehmen. Wir gehen runter, zum "Bar-Restaurant". Das ist ein überdachter Platz mit 3 bescheidenen Tischen und ein paar Stühlen, die meisten kaputt. Da steht jetzt Ronaldo. Wir fragen, ob wir hier heute Abend essen können. Ja, er bringt uns die Menükarte, wir müssen frühzeitig bestellen. Das kennen wir, ist ok. Ich schaue gar nicht auf die Karte und frage ihn, ob wir einfach gegrilltes Hähnchen mit irgendeiner Beilage bestellen können. Nein, können wir nicht, nur das, was auf der Karte steht. Von der ganzen, großen Karte zeigt er uns 3 Gerichte, nur die können wir bestellen. Sonst nichts. Keine Suppe, keinen Salat, nur diese 3 Gerichte. Die sind alle etwas mit Hähnchen. Wir entscheiden uns für Hähnchen mit Kartoffeln. Matthias fragt, ob er Reis dazu haben kann, denn unter den 3 Gerichten steht "Beilage Ihrer Wahl: Reis, Kartoffeln, Chapati". Nein, wiederholt Ronaldo laut und deutlich, wir können NUR eins dieser 3 Gerichte haben, so wie sie da stehen. Ok, dann Hähnchen mit Kartoffeln wie auf der Karte steht. Aber wie soll ich das bitte verstehen, wenn nicht mal die Beilage geändert werden kann?? Ein Fertiggericht?? Oben am Nyiragongo Kraterrand, am Ende der Welt, konnte der Koch uns eine leckere Mahlzeit aus frischem Gemüse zubereiten und hier, 20 Minuten von der nächsten Stadt entfernt, nicht??

Jetzt wollen wir einen Drink. Ja, ich weiß, wir sind anspruchsvoll. :-D Wir fragen Ronaldo nach "Gin and Tonic", aber das versteht er nicht. Wir wollen 2 Gin und 2 Tonic Water. Ja, hat er. Er kommt mit einer intakten, nicht geöffneten, großen Flasche Gin zu uns, also 1 L. Wir wollen 2 Gläser Gin, nicht eine ganze Flasche. Das geht nicht, sagt Ronaldo, wir müssen die ganze Flasche kaufen. Mir reicht es! Ich frage ihn, ob er wirklich glaubt, dass jemand hier eine ganze, große Flasche kaufen wird. Ronaldo ist es egal, er zuckt mit den Schultern und geht zurück in den Bereich, den er bestimmt "Bar" nennt. Wir haben gestern in Kigali kleine Fläschchen mit Waragi, ugandischem Bananengin, als Geschenke gekauft, also könnten wir uns selbst den Drink mixen. Hat er Tonic Water? Ja, hat er, aber nur 2 kleine Flaschen. Und 2 Gläser bitte. Auf einer Tischecke stehen so circa 7-8 Gläser, das ist das ganze Inventar. Er gibt uns 2 unterschiedlich aussehende Gläser, denn es gibt wirklich keine 2 gleiche Gläser! Memo an mich: "die Gläser vor dem Gebrauch reinigen!". Wir nehmen die Gläser und die Flaschen mit Tonic Water und gehen auf unsere Luxus-Terrasse. Wir stellen fest, dass nebenan ein Häuschen mit Toiletten und Duschen ist, d.h. andere Zimmer haben kein Bad. Vorteil wir!

Ich überlege mir, warum ich damals diese Unterkunft ausgewählt habe. Da stand, dass die Unterbringung in schönen Zelten auf Stelzen ist, so ähnlich wie wir in Ishasha hatten. Wo sind die Zelte auf Stelzen?? Wir gehen auf der Anlage ein bisschen herum und entdecken tatsächlich 2 Konstruktionen auf Stelzen. Oben sind einfache Bodenzelte aufgespannt, voller Löcher und Staub. Es sieht alles verlassen und schon lange nicht mehr benutzt aus. Ich will mir das Zelt genauer ansehen, aber die Holztreppe ist kaputt und echt lebensgefährlich. Aber ich will das Zelt sehen! Mit großer Vorsicht klettern wir nach oben und sehen uns das kaputte Zelt an. Drin ist eine kaputte Matratze, voller Löcher und Dreck. Das müssen früher die Zelte für die Gäste gewesen sein. Warum reist man diese Ruinen nicht ab?

Wir gehen zurück auf unsere Terrasse, es ist schon 17 Uhr und wir haben Hunger, das Essen ist aber erst für 18 Uhr vorbestellt. Da zeigt mir Matthias plötzlich auf der anderen Seite des Wassers ein großes, schönes Gebäude. Ob das ein Hotel ist? Es sieht schon sehr groß aus, aber gucken kostet nichts. Wir lassen unsere Drinks auf der Terrasse und steigen in den Wagen. Plötzlich springt Ronaldo vor unseren Wagen!
Wohin wollt ihr??
Wir wollen uns die Gegend ein bisschen ansehen.
Ihr habt aber Essen für 18 Uhr bestellt.
Ja, wir kommen gleich zurück.
Um wieviel Uhr kommt ihr zurück?
Wissen wir nicht genau.
Und wohin fahrt ihr?
Wissen wir nicht genau.
Fahrt ihr nach links oder nach rechts?
(Was soll das denn??)
Diese Fragen stellt er tatsächlich und mir wird diese Unterkunft immer unsympathischer.

Wir fahren zum großen, schönen Gebäude und stellen fest, es ist das Birdsnest Hotel. Der Empfang ist so warmherzig, so wie wir bisher Uganda kennen. Die Anlage ist gar nichts sooo groß, nur 15 Zimmer, sehr schön, sehr sauber und sehr gepflegt, das Restaurant hat auch in dem Reiseführer einen guten Ruf. Hier gefällt uns alles sehr gut! Die nette Dame von der Rezeption sagt, es ist ausgebucht, aber die Honeymoon Suite ist frei, sie zeigt sie uns. Was soll ich sagen, die Suite ist riesengroß, mit Wohn- und Schlafbereich, mit großem Bad aus Natursteinen, mit einer riesigen Terrasse herum, aus dem Bett blickt man durch die Glastüren direkt auf den See. Und die Suite hat einen separaten Eingang, weg vom Hotel. Können wir uns das leisten? Die Dame macht uns ein faires Angebot, aber ich weiß, dass man noch mehr machen kann. Ich sage ihr, dass die ganze Anlage super schön ist, aber wir können uns das nicht leisten und nenne ihr einen anderen Preis, den ich mit Matthias vorher abgesprochen hatte. Sie sagt, sie muss ihren Boss anrufen. Wir gehen zurück zur Rezeption und sie telefoniert kurz mit dem Boss. Sie sagt uns, dass der Boss einverstanden ist, aber nur wenn wir Cash in USD zahlen, nicht mit Kreditkarte. Deal!

Wir fahren zurück und wollen auschecken. Nach dem letzten Wortgefecht ist mir Ronaldo sehr unheimlich und Matthias bekommt die unangenehme Aufgabe, ihn über unserer Abreise zu informieren. Wie auf der Flucht schleppe ich unser Gepäck auf den Treppen zum Wagen, während Matthias den Ronaldo sucht. Der ist nicht zu finden und ein junger Mann, der auf den kaputten Stühlen neben einem kaputten Billardtisch im Pavillon liegt, sagt nur, dass Ronaldo später zurück kommt. Diese Antwort gibt er uns im Liegen, bewegt nur kurz eine Hand. Auf der Suche nach Ronaldo stellt Matthias fest, dass die kaputten Zelte, die wir für verlassen und lebensgefährlich fanden, bewohnt sind!! Da werden tatsächlich Gäste untergebracht! Weg von hier so schnell wie möglich!

Auf dem Hof treffe ich eine Frau, die mich nett grüßt. Ich nehme an, sie ist eine Angestellte und frage sie, wo Ronaldo, der Manager ist. Sie sagt, Ronaldo ist nicht der Manager, aber sie holt ihn. Sie geht zu dem jungen Mann im Pavillon und plötzlich weiß er, wo Ronaldo ist, er ruft ihn einfach und der taucht endlich auf. Ich überlasse das Reden Matthias. Matthias fängt gerade an, als die Frau sich einmischt und sagt, wir sollten das bitte mit ihr besprechen. Sie hat hier das Sagen!

Und dann sagt Matthias folgendes: Ich arbeite in meiner Heimat hart für mein Geld und das hier ist mein Urlaub. Ich bin bereit, viel zu zahlen, aber ich möchte mich in meinem Urlaub entspannen. Das hier ist kein schöner Platz um zu entspannen! Ihr glaubt, Muzungus haben einen Haufen Geld, aber das ist nicht wahr. Auch Muzungus achten auf ihr Geld. Das hier ist kein schöner Platz zum Entspannen! Schau dich mal um, was siehst du? Ist das ein schöner Platz?
Matthias zeigt der Managerin spontan das, was direkt vor uns ist: ein zerrissener, kaputter Billardtisch, ein paar schmutzige, kaputte Plastikstühle, überall Unordnung.

Sie hört aufmerksam zu, es ist ihr sichtbar peinlich, während Ronaldo weg guckt. Sie entschuldigt sich und sagt, dass es ihr sehr leid tut. Wir zahlen noch unsere Tonic Water, sagen aber, dass wir das bestellte und nicht gegessene Essen nicht bezahlen werden. Die 2 Übernachtungen sind schon bezahlt, das Geld bekommen wir nicht mehr zurück, wir wollen nur noch weg. Sie entschuldigt sich nochmal.

Wir fahren zum Birdsnest Hotel und vergessen die Enttäuschung bei einem schönen, leckeren Dinner auf der Terrasse mit Blick auf Lake Bunyonyi.

Es ist einfach so, dass wir wirklich auf jeder Reise sehr schöne Unterkünfte haben, bis auf eine! Diese Eine ist dann so schlimm, dass wir unabhängig davon, ob schon bezahlt oder nicht, nur noch weg wollen! Auf dieser Reise war diese eine Unterkunft das Kalebas Camp am Lake Bunyonyi. Douglas hatte uns hier eine andere Unterkunft vorgeschlagen, aber ich wollte das Kalebas Camp. 🙁
Eins möchte ich noch betonen: wir sind nicht anspruchsvoll, können auch im Zelt oder in einer Hütte gut schlafen, ABER:
1. Es soll unsere Entscheidung sein, in einer bescheidenen Unterkunft zu nächtigen. Im Internet stand etwas ganz Anderes, als das, was wir hier gefunden haben.
2. Die bescheidene Unterkunft soll einen fairen Preis haben! Kalebas Camp hat den Preis einer normalen Mittel-Klasse Unterkunft gehabt und das ist es definitiv nicht!

Fahrt zum Lake Bunyonyi in Uganda:
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Birdnest Bunyonyi Resort:
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Birdnest Bunyonyi Resort:
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Blick auf Lake Bunyonyi vom Birdnest Bunyonyi Resort:
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2018: Uganda, Ruanda, DR Kongo
zuletzt bearbeitet 21. Okt. 2017