ftc201036 Beiträge · seit 201727. Sept. 2017 · #81
Nun habe ich auch noch den Putz-Black-alles-Gut-Freitag gelesen.
Bewundernswert, dass gerade in ärmlicheren Ländern Wert darauf gelegt wird seine Sachen sauber zu halten (was würden die Nachbarn denken 😉 ). Mir war es auch unbegreiflich, wie die Kinder immer eine saubere und ordentliche Schulkleidung tragen können. Wir sahen innerhalb kürzester Zeit wie staubige Schweinchen aus.
Leichte Schnappatmung machte sich breit, als ich las, dass man in den Hotel eure Reservierung nicht finden konnte und das die Visa für Kongo nicht gültig sein sollen. Zum Glück wendete sich für euch noch alles zum Guten. Sehr nett von dem Herrn von der Rezeption mit euch gemeinsam auf Unterkunftssuche zu gehen.
Meine Knie würden die bevorstehende Wanderung vermutlich nicht überleben. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
picco6'369 Beiträge · seit 201128. Sept. 2017 · #82
Hoi Sandra
ftc2010 schrieb:Ob allerdings die Einschätzung stimmt, dass die Touris auch für 1500 USD kommen? Ganz ehrlich: Wir wären nicht bereit diese Summe zu zahlen.
Als wir da waren wars wenn ich mich nicht irre auch schon auf $1500.-, aber die Touristenmenge hat mich eher an $150.- denken lassen... 🤩
adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201328. Sept. 2017 · #83
tiggi schrieb: Leider seid ihr soviel gewandert, dass dieses für uns nicht in Frage kommt. Manfred würde mit seinem Herzen diese Schwierigkeiten in feuchter Luft und steilem Bergauf- Laufen nicht schaffen.
Liebe Biggi, Wir wollten euch nicht verunsichern! 😕 Für mich war das Gorilla-Trekking schwer, weil das Gelände so steil und rutschig war, während wir parallel und horizontal laufen musste, also praktisch wie entlang einer Wandseite. Unterwegs habe ich aber von anderen Touristen gehört, dass sie teilweise sogar sehr leichte Trekkings hatten, auch hier im Forum wird so berichtet. Wir haben am Ende der Reise noch mit Douglas gesprochen und er meinte, das nächtste Mal wird er für uns ein Permit in Bwindi Buhoma buchen, da sind die Trekkins leichter. Es gibt also viele Möglichkeiten! 😎 Euch noch einen guten Start in die afrikanische Welt, es ist bald wieder so weit! 🤩 Liebe Grüße, Adriana
ftc2010 schrieb: Leichte Schnappatmung machte sich breit, als ich las, dass man in den Hotel eure Reservierung nicht finden konnte und das die Visa für Kongo nicht gültig sein sollen. Zum Glück wendete sich für euch noch alles zum Guten. Sehr nett von dem Herrn von der Rezeption mit euch gemeinsam auf Unterkunftssuche zu gehen.
Liebe Sandra, Das Visa-Problem ist noch nicht zu Ende, siehe meinen nächsten Beitrag, auch wenn es nicht um das Kongo-Visum geht. 😈 Und ja, der nette Mann hat uns sehr geholfen, überhaupt haben wir auf dieser Reise sehr viel Hilfe von den Einheimischen bekommen. offtopic: Habe köstlich gelacht, als ich in deinem Reisebericht gelesen habe, wie ihr Wasser im Kanister in Kinigi gesucht habt. Ihr habt 1.5-Liter Flaschen, wir einen 18-Liter Kanister bekommen! 🤩 Liebe Grüße, Adriana
adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201328. Sept. 2017 · #84
15. Tag Samstag, 29. Juli 2017 Vulkantrekking Nyiragongo (DR Kongo)
Teil 1/4: Die Stadt Goma (DR Kongo)
Ich habe die ganze Nacht kaum geschlafen, zu groß ist die Aufregung. Heute werden wir in die DR Kongo fahren und das anspruchsvolle Trekking auf dem aktiven Vulkan Nyiragongo machen. Wir werden hoch klettern, dort am Kraterrand in einfachen Hütten übernachten und morgen zurück kommen. Die Tour haben wir bei Kasitu Eco Tours gebucht, inklusive eigenen Guide und eigenen Koch. Sogar um Wasser und Lebensmitteln werden sie sich kümmern.
Um 7 Uhr sitzen wir schon im Garten beim Frühstück. Die nette Mitarbeiterin von dem Hotel fragt mich, was ich essen möchte. Ein Spiegelei und einen Tee, bitte. Sie guckt mich ungläubig an. Toast, Fruit? No, thank you. No fruit? No. Sie schüttelt den Kopf und geht. Als sie mit dem Essen kommt, bringt sie für mich 2 Spiegeleier, Toast, einen Teller mit Obst und sagt mit Mitgefühl "Please, try to eat, please!". Mir ist heute Morgen schon aufgefallen, dass meine Hose nicht mehr sitzt, sie fällt runter und ich muss sie immer wieder hochziehen, aber anscheinend sind mir die letzten Trekkings auch im Gesicht anzusehen. Innerhalb einer Woche ist dieses das vierte Trekking, dazu auch noch das anspruchsvollste von allen. Ich esse nur ein Ei und ein kleines Stück Ananas, mehr kriege ich nicht runter. Matthias ißt mit Appetit und das ist gut so, einer muss mich ja hochtragen. 🙂
Um 7:45 sind wir am Treffpunkt im Hotel "Discover Rwanda Gisenyi Beach", wo wir auch unseren Wagen bis morgen lassen werden. Unser Guide Tresor, von Kasitu Tours, wartet schon auf uns. Wir nehmen ein Taxi und fahren zur Border "Grand Barriere" zur DR Kongo. Wir werden mit Tresor zu Fuß über die Grenze gehen.
Zuerst bekommen wir in einem großen, hallenartigen Raum den Stempel für die Ausreise aus Ruanda. Wir gehen jetzt alle drei zu Fuß in Richtung Kongo. Ein Beamter überprüft an der Schranke noch unsere Pässe. Er fragt, wohin wir wollen. In die DR Kongo, oder wohin kann man an dieser Border noch gehen?? No, no, Madame, sagt er, so einfach ist es nicht. Wir müssen zuerst unser Visum annullieren lassen. Ich muss mich verhört haben, oder mein Englisch ist noch schlechter geworden, oder der Beamte macht einen Witz, oder oder oder... Wir haben aus Deutschland ein teures "East Africa Tourist Visa", welches uns erlaubt, innerhalb von 3 Monaten in Uganda, Ruanda und Kenia so oft wir wollen ein- und auszureisen, soll heißen ein Multiple Entry Visa für jedes der 3 Länder, gültig 3 Monate. Der Beamte sagt, wir verlassen jetzt den Raum dieser 3 Länder und deswegen muss das Visum annulliert werden. Das steht aber nirgendwo und ich verstehe auch nicht die Logik. Ich verlasse Ruanda, ja, aber es ist doch egal, wohin ich reise. Ich erkläre dem Beamten, dass dies ein Multiple Entry Visa ist, aber er bleibt stur: wenn wir in die DR Kongo wollen, müssen wir unsere Visa für Ruanda und Uganda annulieren lassen, punkt! Und wie kommen wir morgen nach dem Trekking zurück nach Ruanda?? Er sagt, wir müssen morgen einen Antrag stellen und 30 USD pro Person zahlen. Wir müssen aber in ein paar Tagen nach Uganda, dafür haben wir auch kein Visum mehr, wenn dieses annulliert wird. Oh, kein Problem, nach Uganda dürfen wir auch wieder, wir müssen nur erneut einen Antrag stellen und 30 USD pro Person zahlen. Also praktisch alles so, als hätten wir kein Visum aus Deutschland. Wir schauen erschrocken zu Tresor, er nickt, aber die Entscheidung müssen wir treffen. Zur Beruhigung flüstert er noch, dass er uns später mehr dazu sagen wird, aber nicht jetzt und nicht hier. Und später erklärt er uns, dass das Ganze nur eine Geldmacherei ist. Die Geldmacherei geschieht aber auf unsere Kosten.
Wir haben keine andere Wahl, kehren zurück in die große Halle und, ich kann es selbst nicht glauben, lassen unsere Visa für Ruanda und Uganda annullieren. Der Beamte klatscht auf unsere Visa ein großes "USED". Nun stehen wir im Niemandsland zwischen Ruanda und Kongo und haben gar kein Visum mehr, für gar kein Land. Hoffen wir, dass wir morgen zurück nach Ruanda kommen dürfen.
Wir reisen zu Fuß in die DR Kongo und jetzt werden unsere Impfpässe und unsere Temperatur von einer sehr ernsten, kräftigen Dame geprüft. Tresor zeigt noch irgendwelche Dokumente und wir bekommen für die DR Kongo ein Visum von 14 Tagen. Immmerhin, wir haben jetzt irgendein Visum.
Auf der kongolesischen Seite wartet ein Auto samt Fahrer auf uns, das uns zum Virunga National Park bringen wird. Wir sind hier in Goma, einer Stadt von circa 1 Mio Einwohner, die 2002 durch den gewaltigen Ausbruch des Vulkans Nyiragongo teilweise zerstört wurde. Damals floss heiße Lava durch die Stadt und über den Flughafen, viele Menschen verloren ihre Häuser und ihr Leben, andere mussten nach Ruanda flüchten. Tresor erzählt, dass auch seine Eltern damals ihr Haus verloren haben, sie haben alles verloren und mussten nach Ruanda fliehen. Einen Tag davor haben die Nachbarländer eine Warnung rausgegeben, die aber von der kongolesischen Behörde ignoriert wurde. Einen Tag davor war Tresor sogar oben, am Vulkanrand, niemand ahnte etwas. Und am 17. Januar 2002 hörten die Menschen einen großen Knall, den Ausbruch.
Wir sehen viele dieser afrikanischen Holz-Fahrräder, die hier Tshukudu heißen, nach dem Geräusch, das das Fahrrad auf der Straße macht. Bei einer kleinen Stadtrundfahrt zeigt uns Tresor das Tshukudu-Denkmal, denn dieses Gefährt ist hier Kult! Wir fahren durch diese lebendige Stadt und wir merken, wir sind nicht mehr in Ruanda, die Armut ist überall präsent. Die Geschäfte sind klein und bescheiden, die Straßen sind voll. Am Stadtrand sind viele Unterkünfte aus Vulkansteinen gebaut, man sieht an manchen Stellen noch die Lavareste.
Das Tshukudu-Denkmal in Goma: Die Stadt Goma:
Wir verlassen die Stadt und die asphaltierte Straße und treffen auf eine Straßensperre mit Schranke, die von bewaffneten Soldaten kontrolliert wird. Tresor gibt dem Fahrer ein paar Scheine, die dem einen Soldaten diskret durch das geöffnete Fenster weitergereicht werden. Die Schranke öffnet sich und wir fahren weiter. Wir fragen nicht nach Details, aber diese Sperre kommt uns schon etwas merkwürdig vor. Ein paar Kilometer weiter fahren wir an einem UN-Stützpunkt vorbei und kurz vor 10 Uhr sind wir beim Kibati Ranger Camp, unserem Startpunkt für das Vulkan-Trekking. Die letzten 10-20 Meter sind steil und voller Geröll, so dass wir aussteigen und zu Fuß gehen müssen. Wir sind am Startpunkt! Das letzte Stück:
TOtoumtoum319 Beiträge · seit 201228. Sept. 2017 · #85
adriana schrieb: Der Beamte sagt, wir verlassen jetzt den Raum dieser 3 Länder und deswegen muss das Visum annulliert werden. Das steht aber nirgendwo und ich verstehe auch nicht die Logik. Und später erklärt er uns, dass das Ganze nur eine Geldmacherei ist. Die Geldmacherei geschieht aber auf unsere Kosten.
Da muß ich jetzt den kongolesischen Grenzbeamten in Schutz nehmen. Er hat nämlich recht, und wie sollen denn die kongolesischen Beamten davon profitieren?
Außerdem steht es auch bei bei den Regeln für ein T12 (EAC) Visa dabei: An East Africa Tourist Visa is multiple entries within!!! the three countries and shall be valid for 90 days.
später dann nochmals:
Multiple entries within!! the Republic of Kenya, Republic of Rwanda and Republic of Uganda.
Das ist wie bei den KAZA-Visas. Als ich von Rwanda mit dem Rad in den Congo eingereist bin und durch den Congo geradelt bin und dann wieder nach Rwanda zurück, wurde mir das auch von den Grenzbeamten von Rwanda bestätigt (habe da einfach nochmals zur Betsätigung nachgefragt, was ich in den Regulations gelesen hatte), daß ein EAC Visa keinen Sinn macht, da es bei einer Ausreise aus Rwanda, Kenia oder Uganda in ein anderes Land die Gültigkeit verliert. Also das ist schon mit rechten Dingen zugegangen. Man muß sich eben nur die Regulations sehr genau durchlesen.
adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201328. Sept. 2017 · #86
toumtoum schrieb: Da muß ich jetzt den kongolesischen Grenzbeamten in Schutz nehmen. Er hat nämlich recht, und wie sollen denn die kongolesischen Beamten davon profitieren?
Hallo toumtoum, die "Geldmacherei" ist nicht als Profit für die kongolesischen Beamten gemeint, sondern als Profit für die ruandische Behörde! Und nicht der Beamte sondern unser Guide hat uns das erklärt, wie ich auch im Reisebericht geschrieben habe. Er (der Guide) sagte, dass das früher definitiv nicht so war! Es kamen Touristen über Ruanda nach Kongo, um diverse Trekkings in der DR Kongo zu machen, dann sind sie zurück über Ruanda/Kigali abgereist. Ruanda war somit ein "Transintland" und hatte nicht viel davon. Wir haben am Ende unserer Reise Douglas von Alpha Car davon berichtet, er hat ein Foto von meinem Visum gemacht und wollte bei der Tourismusbehörde nachfragen, denn er fand diese Vorgehensweise auch merkwürdig. Gruß, Adriana
TOtoumtoum319 Beiträge · seit 201228. Sept. 2017 · #87
Ich hatte nur zwei Aussagen aus dem Bericht zusammengeschnitten - war mir schon klar, daß es der Guide war, der so etwas dann mit der Geldmacherei behauptet hat. Egal, bei mir vor zwei Jahren wurde es so von den Beamten in Ruanda so bestätigt, daß das EAC Visa nur innerhalb EAC Staaten gilt - also bei mir war es dann definitiv so, wobei definitiv eben dehnbar in Afrika ist. Man kann Glück haben, daß es nicht ungültig gestempelt wird - dann hat man eben Glück. Aber in den Regeln steht eindeutig, daß man die EAC Länder nicht verlassen darf. Geht es dann "schief", dann ist es eben so. Und euch hat der kongolesische Beamte zurückgeschickt und daß er für den Profit für die Regierung von Rwanda arbeitet ist wohl nicht anzunehmen - da sind die Beziehungen zwischen den Ländern noch etwas zu angespannt (obwohl sie sich schon gebessert haben).
picco6'369 Beiträge · seit 201128. Sept. 2017 · #88
Hoi zämä
Wir hatten zwar nur je ein Visa für die DR Congo und Rwanda, aber das für Rwanda war ein Multiple Entry-Visa. Ich hätte jetzt auch gedacht dass das EA-Visa passen würde und hätte es genau wie Adriana gemacht. Gut zu wissen! Wobei es für mich in der nächsten Zeit eh nicht aktuell ist und ich aus meist gut informierten Quellen auch Warnungen für die Gegend zwischen Lake Albert und Lake Kivu für die Zeit ab Dezember 2017 bekommen habe. Wobei ich nicht genau weiss warum vor eventuellen Ausschreitungen gewarnt wurde. Wenn ich mehr weiss schreib ichs hier ins Forum.
adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201329. Sept. 2017 · #89
Fortsetzung 15. Tag Samstag, 29. Juli 2017 Vulkantrekking Nyiragongo (DR Kongo)
Teil 2/4: Nyiragongo – der Aufstieg
Kurz vor 10 Uhr sind wir beim Kibati Ranger Camp des Virunga National Parks. Es ist Wochenende und fast ausgebucht, von möglichen 24 Plätzen für das Vulkan Trekking sind 23 besetzt. Hier treffen wir auch Amani, unseren privaten Koch, der für unsere Mahlzeiten während des Trekkings sorgen wird. Sowohl Tresor, unser privater Guide, als auch Amani, unser Koch, sind uns sehr sympathisch. Auf dem Trekking werden uns 3 bewaffnete Ranger begleiten, von denen Jean Paul der Chef der ganzen Expedition sein wird. Er wird ganz vorne laufen, er bestimmt das Tempo und die Pausen, er verteilt die Hütten, er trifft alle Entscheidungen. Es stehen auch noch etliche Jungs da, die das Gepäck tragen sollen, sogenannte Porter. Für 24 USD kann man einen Porter engagieren, der ein Gepäckstück von maximal 15 kg trägt. Wir können unseren Augen nicht trauen, als wir sehen, was für Gepäckstücke manche Touristen abgeben wollen. Ein Mitarbeiter von der Parkverwaltung läuft herum und spricht die Leute an. Eine Frau holt aus ihrem riesigen Rucksack 3 Wasserkanister a 5 Liter raus. Allein das wäre schon das maximale Gewicht! In den seitlichen Taschen sind Bücher zu sehen. Einige Teilnehmer tragen Sachen, die für ein Trekking nicht geeignet sind, Jeans und Straßenschuhe. Das wird noch weh tun...
Ich und Matthias haben jeweils einen leichten Rucksack mit Sachen, die auf dem Weg nach oben sofort greifbar sein müssen (Regenjacke, Regenhülle, Fleece-Jacke) und noch einen großen Rucksack mit Gepäck für die Übernachtung, der aber keine 6 kg wiegt und den wir einem Porter geben werden. Tresor entscheidet, dass er unseren Rucksack trägt, während der Porter den Rucksack mit Wasser, Lebensmitteln und unseren 2 Schlafsäcken bekommt. Dieser Rucksack ist schwerer, aber noch in Grenzen. Uns wird Joseph als Porter zugeteilt, ein sehr junger Mann, schüchtern, der uns sofort ebenfalls sympathisch ist.
Ein Mitarbeiter von der Parkverwaltung erklärt uns ein paar wichtige Sachen, unser Guide Tresor übersetzt auf Englisch, denn hier scheinen die meisten nur Französisch zu sprechen. Das Trekking soll wie folgt verlaufen: Der Startpunkt ist in circa 2000, der Endpunkt in circa 3500 Meter Höhe, insgesamt werden wir 1500 Meter Höhenunterschied auf einer Länge von 8 km durchlaufen. In der ersten Etappe werden wir in 1 1/2 Stunden 200 Höhenmeter durch den Wald laufen. In der zweiten Etappe steigen wir weitere 500 Höhenmeter auf einem Pfad mit Lava-Geröll. In der dritten Etappe sind 400 Höhenmeter durch Wald und wieder über Lavageröll zu bewältigen. Die letzten 400 Höhenmeter werden über Lavafelsgestein erklommen. Zwischen den Etappen machen wir eine Viertel Stunde Pause. Geschätzte Laufzeit 5-6 Stunden.
Einfahrt zu Virunga NP, früher Albert NP: Am Startpunkt mit Tresor und Amani: Am Startpunkt: Am Startpunkt: Bereit für den Start:
Um 10:30 Uhr ist es so weit und wir gehen los auf dem schmalen Pfad, einen nach dem anderen hinter unserem Anführer Jean Paul.
Nach kurzer Zeit bin ich aus der Puste, das Steigen kostet mich viel Energie. Ich versuche, das Tempo mitzuhalten, was dazu führt, dass ich kaum noch atmen kann. Eigentlich brauche ich nur öfter kurze Pausen, so circa 10 Sekunden, aber die Leute rennen an mir vorbei und ich möchte nicht zu weit zurückfallen. Wurde uns heute beim Briefing nicht gesagt, "This is not a competition!" ?? Außerdem wurde gesagt, dass die Stärksten hinten und die weniger Starken vorne laufen sollen, damit alle das Tempo mithalten. Davon ist hier nichts zu sehen! Vorne hat sich ein starker Kern gebildet, der das Tempo bestimmt. Fallen die letzteren zu weit zurück, wartet Jean Paul mit seiner vorderen Elitentruppe, bis wir sie eingeholt haben, dann starten sie sofort wieder, sodass wir aus dem hinteren Teil nie zu einer Pause kommen. Ich sage unserem Guide, dass ich eine kurze Pause brauche. Er ruft und pfeift, bis er Jean Paul erreicht und ich kriege meine Pause. Die reicht aber nicht mal, um einen Schluck Wasser zu trinken, wir werden zum Weitermarsch verdonnert! Nach eineinhalb Stunde sollten wir den ersten Pausenplatz erreichen, wir sind aber schon nach einer Stunde da. Das zeigt doch ganz deutlich, dass das Tempo zu schnell ist.
Der Koch und der Guide kommen zu mir und versuchen mit Obst und Keksen, mich zum Essen zu animieren. Mir ist aber übel und ich bin so aus der Puste, dass ich nicht mal antworten kann. Matthias übernimmt meinen Rucksack, jetzt muss er 2 Rucksäcke tragen, aber das hilft auch nicht viel, denn eigentlich wiegt mein Rucksack keine 3 kg. Ich kann mit diesem Höhenunterschied, mit dieser Steigung nicht umgehen. Zu Hause jogge ich regelmäßig 10-12 km und habe keine Probleme, als Vorbereitung bin ich sogar noch öfter joggen gewesen, hier gehts aber nur nach oben. Schwer, für Flachlandmenschen wie mich. Später hat mir Matthias gesagt, dass ich kreidenweiss im Gesicht war und schon blaue Lippen hatte.
Erster Pausenplatz, Amani macht gute Stimmung: Und weiter auf dem Lavageröll: Langsam, langsam:
Auf der zweiten Etappe hilft mir Matthias immer öfter, er zieht mich hoch und entweder Tresor oder Amani, einer ist immer hinter mir, um zu helfen. Ich will nicht zum Problemfall werden, vor allem weil ich weiß, dass kurze Pausen eine Lösung sind. So hat die Rangerin auf dem Dian Fossey Trail gemacht und es hat sehr gut funktioniert. Bei der nächsten Pause spreche ich Jean Paul direkt an, ich sage ihm, dass wir zu schnell sind und wir öfter eine kurze Pause brauchen. Jean Paul grinst ganz doof, sagt nichts und bei der nächsten Etappe ändert sich nichts. Inzwischen sind auch andere am Ende ihrer Kräfte. Der eine Mann, der Straßenschuhe trägt, kann kaum noch laufen. Ein anderer hat seinen großen Rucksack seinem Porter gegeben, der schon einen Monster-Rucksack trägt. Auch Joseph, unser Porter hat sich angeboten, meinen Rucksack zu übernehmen, aber das können wir nicht machen, denn, wie ich sehe, trägt er außer dem Rucksack mit Lebensmitteln, Wasser und Schlafsäcken auch noch eine rote Kiste um die Schulter, wo unser Koch Essen für unterwegs hat.
Der zweite Pausenplatz: Da, ganz oben... Kurze Pause: Jetzt wird es besser:
Nach der nächsten Pause wird es etwas besser, denn ich warte nicht mehr, bis ich nicht mehr atmen kann und mache immer Pausen von 6-7 Sekunde, das hilft, ich finde langsam aber sicher mein Tempo. Außerdem habe ich eine Banane und Traubenzucker gegessen und Matthias hilft mir ständig.
Sehr, sehr ernst: Ich bin so weit zurück gefallen, dass wir jetzt zusammen mit den Portern laufen: Und noch eine kurze Pause: Ein erloschener Krater - die Landschaft ist wirklich schön:
Irgendwann erreichen wir die alten Hütten und Tresor sagt, dass wir sehr schnell waren, wir werden schon um 16 Uhr das Ziel erreichen. Normalerweise sind sie erst gegen 17 Uhr da. "This is not a competition" wurde beim Briefing gesagt...
Jetzt ist es nur noch ein relativ kurzes Stück bis zu den Hütten, wir sehen sie schon, aber das ist der schlimmste Teil, es wird 45 – 60 Minuten dauern. Es geht nur noch steil, ganz steil nach oben über große, scharfkantige Lavasteine und einen Pfad gibt es nicht mehr, jeder klettert, wie er kann. Tresor und Amani gehen schon vor, sie müssen sich um die Hütte und die Kochstelle kümmern und jetzt ist es unser Porter Joseph, der uns von der Seite nicht mehr weicht und die Arme bereit hält, um uns zu helfen. Auf diesem Stück hält Matthias die ganze Zeit meine Hand fest und nach insgesamt 5 1/2 Stunden sind wir angekommen! Ohne seine Hilfe hätte ich es nie geschafft! Zurück wäre ich aber auch nicht gegangen! 🙂
Man sieht schon die Hütten: Bereit für das letzte Stück - Pause an den alten Hütten:
picco6'369 Beiträge · seit 201129. Sept. 2017 · #90
Hoi Adriana
Phu, ich erlebs gleich nochmals mit!!! 😵 Sehr mitreissend geschrieben! 🤩
Wenn man sich die Berge nicht gewohnt ist dann macht man meist viel zu grosse Schritte (Seh ich auf Deinem Bild auch bei Dir...oder ist das nur gestellt?) und geht zu schnell. Vielfach noch auf den Zehenspitzen rauf und auf den Fersen runter, was viel anstrengender ist als einen Fuss vor den anderen (ohne Platz dazwischen) parallel zum Boden zu setzen und nur so schnell zu gehen dass man noch durch die Nase atmen kann. Denn das Tempo halten auch untrainierte Leute wie ich durch. 😗 ...meist... 😉 Ich weiss, es ist jetzt zu spät, ich hätt Dir das beim Treffen sagen sollen, hab da aber auch nicht realisiert dass Ihr Berge nicht gewohnt seid.
ftc201036 Beiträge · seit 201729. Sept. 2017 · #91
Glückwünsche zum erfolgreichen Aufstieg!!!
Ich habe förmlich mitgelitten. Bei der Aufzählung der Etappen und deinem Hinweis, dass erst nach jeder Etappe eine Pause gemacht wird, hat mich schon fertig gemacht. So lange könnte ich nie im Leben ohne Pausen durchlaufen!!!
Das Verhalten eures "Drill-Instructors" finde ich sehr grenzwertig. Er kann doch vorher nicht erzählen, dass es kein Wettkampf ist und dann so durchstarten. Selbst wenn andere aus der Gruppe schneller laufen können muss man dennoch rücksicht nehmen. Besonders, wenn ihr die erste Etappe schon viel schneller als gedacht gemeistert hattet und die ihn auch noch auf kurze Pausen ansprichst, muss es doch KLICK machen.
Habt ihr mal nachgefragt, wie oft Leute dort hoch bzw. wieder runtergetragen werden müssen, weil sie kollabieren?
Ich finde es unbegreiflich, wie die Porter diese Strecken mit Gummistiefeln bewältigen können, das ganze Gepäck schleppen und dann immer noch eine helfende Hand haben. Hut ab!
Unverständlich für mich ist, wie andere Touris an so eine Wanderung ran gehen: falsche Kleidung und dann noch unnötiges Gepäck. Die müssten zur Strafe ihren Rucksack selber tragen.
stimmt, das Visa-Abenteuer geht weiter: Ohne gültiges Visum durch's Niemansland (zwischen Ruanda und Kongo) zu stapfen muss ein sehr mulmiges Gefühl sein. Ich bin gespannt, wie es euch auf den Rückwegen bei der neuen Visa-Beschaffung ergehen wird. Toi toi toi!!!
Aber jetzt sind wir erstmal happy, dass ihr erfolgreich oben angekommen seit!
LG Sandra
P. S.: Die 1,5 Liter Flaschen sind eindeutig handlicher als euer riesen Kanister 😉
kalachee1'059 Beiträge · seit 200630. Sept. 2017 · #92
Hallo Adriana
Jetzt muss ich mich doch auch mal zu Worte melden. Lese deinen Bericht schon von Anfang an sehr gespannt mit und freue mich über jedes neue Kapitel. Du schreibst sehr schön und lebhaft, es macht Spass, bei euch mitzureisen und grosse Lust, dann auch wieder mal nach Uganda oder Rwanda zu reisen.
Schon ein wenig erstaunlich, dass du scheinbar ganz gut trainiert bist und dann trotzdem so viel Mühe hattest beim Trekking. Vermutlich war es wirklich einfach die Höhenlage, die dir hier einen richtig fetten Strich durch die Rechnung gemacht hat. Das wird schon gerne mal unterschätzt und da ihr scheinbar nicht so gewohnt seid, euch in den Bergen zu bewegen, kann das dann recht heftig werden. Aber wunderbar, dass du es dann doch ziemlich bravourös bis nach oben geschafft hast. 🙂
So ein Trekking muss ich definitiv auch mal machen. Freue mich daher schon jetzt auf die Fortsetzung! 😎
adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201302. Okt. 2017 · #93
picco schrieb: Wenn man sich die Berge nicht gewohnt ist dann macht man meist viel zu grosse Schritte (Seh ich auf Deinem Bild auch bei Dir...oder ist das nur gestellt?) und geht zu schnell.
Jetzt wo du es sagst, fällt mir auch auf, dass meine Schritte zu groß sind, auch den Stock setze ich sehr weit vom Fuß. Sehe ich auch auf anderen Fotos von dem Aufstieg. 😕
picco schrieb: Ich weiss, es ist jetzt zu spät, ich hätt Dir das beim Treffen sagen sollen, hab da aber auch nicht realisiert dass Ihr Berge nicht gewohnt seid.
Fakt ist, dass wir Flachlandmenschen sind. Der höchste Berg in der Hamburger Umgebung ist erschreckliche 116 Meter hoch! 🤩
ftc2010 schrieb:Glückwünsche zum erfolgreichen Aufstieg!!!
Danke, ich war sehr stolz! 🙂
ftc2010 schrieb: Ich finde es unbegreiflich, wie die Porter diese Strecken mit Gummistiefeln bewältigen können, das ganze Gepäck schleppen und dann immer noch eine helfende Hand haben. Hut ab!
Die Schuhe waren sogar teilweise kaputt und manche von den Portern sahen aus, als wären sie noch keine 16. Es ist für sie wahrscheinlich eine der wenigen Möglichkeiten, ein bißchen Geld zu verdienen. Und dann kommen noch ein paar Touristen mit Monster-Rucksäcken... Muss man wirklich für die paar Stunden Bücher mitnehmen??
kalachee schrieb: Lese deinen Bericht schon von Anfang an sehr gespannt mit und freue mich über jedes neue Kapitel. Du schreibst sehr schön und lebhaft, es macht Spass, bei euch mitzureisen und grosse Lust, dann auch wieder mal nach Uganda oder Rwanda zu reisen.
Dankeschön!
kalachee schrieb: Schon ein wenig erstaunlich, dass du scheinbar ganz gut trainiert bist und dann trotzdem so viel Mühe hattest beim Trekking. Vermutlich war es wirklich einfach die Höhenlage, die dir hier einen richtig fetten Strich durch die Rechnung gemacht hat. Das wird schon gerne mal unterschätzt und da ihr scheinbar nicht so gewohnt seid, euch in den Bergen zu bewegen, kann das dann recht heftig werden.
An dem Startpunkt habe ich ein paar Leute gesehen, die älter als ich aussahen und ich dachte, gut für mich. Wie ich später erfahren habe, waren das die Profis!! Zum Glück konnte ich doch noch mein Tempo finden und eins ist sicher: die ganze Anstrengung hat sich gelohnt!
adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201302. Okt. 2017 · #94
Fortsetzung 15. Tag Samstag, 29. Juli 2017 Vulkantrekking Nyiragongo (DR Kongo)
Teil 3/4: Nyiragongo – on the top
Gegen 16 Uhr, nach circa 5 1/2 Stunden Trekking, erreichen wir die Hütten. Hinter uns klettern noch die letzten Touristen und ihre Porter hoch, aber an eine Pause wollen ich und Matthias gar nicht denken! Wir klettern mit den letzten Kräften weiter hoch bis zum Kraterrand, wir wollen es sehen! Wir schauen nach unten in den Krater und... wooow! Wow, wow, ich kann nicht mehr aufhören zu wow-en! 🙂 Die ganze Anstrengung ist sofort vergessen und mir kommen fast die Tränen, so grandios ist die Sicht! Ganz unten in dem terrassenförmigen Krater sieht man die Lava, schwarz beim Tageslicht und mit einigen roten, glühenden Stellen, aus denen Dampf aufsteigt. Wenn man den Kopf leicht über den Rand beugt, fühlt man die große Hitze im Gesicht. Man kann sogar das Geblubber der Lava hören. Tresor ist auch bei uns und sagt, dass er heute zum 96-sten Mal hier steht, aber so eine klare Sicht hat man nur selten. Rechts von dem großen Krater ist ein anderer, sehr kleiner und spitzer Krater zu sehen, der im Abstand von ein paar Minute mit einem "wummm!" kleine Lavafunken hoch spuckt, wie eine Fontaine. Von ihm fließt ein schmaler Lavafluß zum großen Krater. Wir kommen nicht mehr aus dem Staunen heraus, haben uns gemütlich auf die Erde gesetzt und schauen uns den Spektakel an. Der große Krater hat einen Durchschnitt von circa 1 km und wir sind ungefähr 500 Meter vom Vulkanzentrum entfernt. Was wir hier sehen und empfinden, ist mit Worten nicht zu beschreiben, schaut euch einfach die Bilder an.
Der kleine Vulkan:
Unsere Hütte ist die gleich neben der Koch-Hütte und ist lediglich mit 2 Matrazen ausgestattet, mehr würde auch nicht rein passen. Für die Touristen gibt es 12 Hütten mit Platz für jeweils 2 Personen, deswegen die maximale Teilnehmerzahl von 24. Die Ranger haben eine ältere Hütte, in der zweiten älteren Hütte ist die Kochstelle, wo Amani für uns kocht. Die Porter schlafen ein Stück weiter, an der letzten Pausenstation in den alten, ehemaligen Touristenhütten. Und es gibt auch ein Toilettenhäußchen mit 2 Plätzen! Dafür muss man circa 5 Minuten auf dem Lavageröll runter klettern, man kann sich an einem Seil festhalten. Die Toiletten haben keine Türen, dafür aber eine grandiose Sicht auf den erloschenen Nebenkrater.
Das Toilettenhäußchen:
Blick von dem Toilettenhäußchen:
Unsere Hütte:
Ich und Matthias sind die einzigen, die einen Koch und einen Guide haben. Wir sehen gerade, wie Amani sich an die Arbeit macht und frisches Gemüse schält. Hier, so weit weg von der Zivilisation, kocht er alles frisch!
Wir ziehen uns um, denn die Kleidung ist durchgeschwitzt, kommen wieder raus und gehen für eine längere Zeit gucken, wir können uns nicht satt sehen. Tresor kommt mit uns und erzählt, dass wir großes Glück mit dieser klaren Sicht haben. Manchmal kommen sie hier an und man kann so gut wie gar nichts sehen, sehr zum Ärger von Touristen, die dann fragen, wo die Sicht ist, die sie bei youtube gesehen haben. Wir lachen und sind schon ein bißchen schadenfroh.
Nach einer Stunde gehen wir in die Kochhütte. Amani hat eine leckere Suppe mit viel Gemüse und Würstchen gekocht, die ist jetzt mehr als willkommen! Nach diesem Starter holen wir unsere Stirnlampen und Jacken, denn es ist schon etwas kühler geworden. Wir gehen mit Tresor etwas abseits und genießen die Sicht auf den Lavasee im Dunkel. Jetzt ist es noch imposanter! Das Bild ändert sich von Minute zu Minute. Der kleine, spitze Minivulkan rechts errinert mich an Stromboli. Wir machen Fotos und plaudern lange mit Tresor. Er sagt dabei etwas, was uns sehr berührt. Die Menschen in DRC (wie man zu DR Kongo sagt) freuen sich sehr, wenn sie westliche Touristen sehen. Das ist für sie ein Zeichen, dass der Frieden ein Stück näher gerückt ist. Menschen, die sich nichts mehr als Frieden wünschen.
Tresor und Amani:
Leckere Suppe in der warmen Kochhütte:
3500 Meter hoch: die Frisur sitzt... bei Matthias! Bei mir steht!
Ein bißchen Werbung für die Schuhe 🙂 :
Um 19 Uhr ruft Amani zum Tisch und es gibt ein fürstliches Dinner serviert auf echten Porzellantellern, mit Besteck und Servietten. Wir sitzen in der kleinen, warmen Kochhütte um das Feuer und fühlen uns wie in einer liebevollen Familie. In einem Topf dampft ein sehr leckerer Gemüseeintopf mit Soße, in einem anderen sind große Stücke Rindfleisch mit Sahnesoße, dazu gibt es noch Spaghetti mit einer anderen Soße. Unglaublich, was der Koch hier oben gezaubert hat. Es kommen auch andere Touristen, die sich wärmen und an unserer Kochstelle einen Kaffee oder Tee kochen.
Abendessen:
Sehr lecker:
Nach dem Essen gehen wir nochmal zum Krater und am liebsten würden wir die ganze Nacht draußen bleiben, aber die Müdigkeit macht sich fühlbar und gegen 21 Uhr gehen wir mit unseren Schlafsäcken in die Hütte schlafen. Wir schlüpfen gerade in unsere Schlafsäcke, als Matthias Magen sich meldet! Ähm, gerade hier... Ein paar Mal muss er mit der Stirnlampe raus, dann ist es wirklich Ruhe. Zumindest für ihn. Nachdem sein Magen sich beruhigt hat, schläft er sofort ein, was an einem gut hörbaren "hrrrr-gggrrrr" zu erkennen ist. Bei mir ist aber nicht so. Die warme Kochstelle ist weit weg, die Matraze sehr dünn, der Schlafsack auch nicht der Hit, kurz: ich friere! Eine halbe Stunde versuche ich vergeblich, die Kälte zu ignorieren, dann habe ich Eisbeine. Ich überlege mir, zu Matthias in den Schlafsack zu krabbeln, aber das ist doch Quatsch, zu zweit passen wir nicht rein. Ich stehe wieder auf, Stirnlampe an, alles anziehen, was man anziehen kann, Füsse in eine Decke einwickeln, die wir mitgenommen haben, wieder in den Schlafsack rein und warten. Ja, es wird besser, ich kann irgendwann einschlafen. Gute Nacht, Nyiragongo.
picco6'369 Beiträge · seit 201103. Okt. 2017 · #95
Hoi Adriana
Wau, wie sich das verändert hat!!! Wenn ich nur die beiden Bilder vergleiche, meines vom 23.August 2016
Und deines ein Jahr später ... Und auch im Krater, der Kleine war bei uns daueraktiv, aber da war er ja auch erst etwa 3-4 Monate 'alt', jetzt mit 5/4 Jahren schwächelt er schon... 🙄
Treppen neben den Häuschen hatten wir auch noch keine, aber die Kochstelle und die Kälte sind offenbar geblieben! Die Erinnerungenkommen hoch...
Schöne Bilder, und wieder mal Danke für den tollen Reisebericht!
adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201303. Okt. 2017 · #96
picco schrieb: Wau, wie sich das verändert hat!!! Wenn ich nur die beiden Bilder vergleiche...
Total cool der Bildvergleich! Der gleiche Landschaftsausschnitt aus dem gleichen Blickwinkel! Wie man sieht, macht der Fortschritt auch im Kongo nicht Halt, siehe neue Treppen. Oder waren sie extra für mich... 🤩
picco schrieb: Und auch im Krater, der Kleine war bei uns daueraktiv, aber da war er ja auch erst etwa 3-4 Monate 'alt', jetzt mit 5/4 Jahren schwächelt er schon... 🙄
Unser Guide hat uns gesagt, dass der kleine Vulkan in den vorigen Wochen teilweise gar nicht mehr zu sehen war, auch wegen der diesigen Sicht und er schon dachte, der kleine wäre erloschen.
picco schrieb: Schöne Bilder, und wieder mal Danke für den tollen Reisebericht!
Ich danke dir für das unermüdliche Mitfahren, Mitwandern, Mitfiebern! 🙂
adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201304. Okt. 2017 · #97
16. Tag Sonntag, 30. Juli 2017 Vulkantrekking Nyiragongo (DR Kongo)
Teil 4/4: Nyiragongo - Der Abstieg
In der Nacht hat es zwei Mal leicht geregnet. Regen können wir hier nicht gebrauchen, denn dann werden die Steine rutschig und wir müssen heute den Abstieg bewältigen.
Um 5:45 weckt uns Tresor wie abgemacht. Wir schauen uns mit ihm den Sonnenaufgang am Kraterrand an und verabschieden uns von unserem Lavasee. Um 6 Uhr gibt es Frühstück und auch diesmal ist Amani zu bewundern, was er an diesem Ort für leckere Sachen gezaubert hat! Spanish Omelette, warmes Toast, gegrillte Tomaten, Obst, Tee. Jemand sagte, wir hätten ein 5-Sterne Restaurant bestellt, haben aber ein 7-Sterne bekommen! Recht hat er!
Lavasee beim Sonnenaufgang:
Sonnenaufgang am Kraterrand:
Guten Morgen! Alle wach? 🙂
Frühstück in der Kochhütte:
Kurz vor 7 Uhr startet der Abstieg. Zuerst geht es steil runter bis zu den alten Hütten, auf dem sehr steilen Lavafelsgestein, auf den nassen und rutschigen Steinen. Joseph, unser Porter, bleibt an meiner Seite und als ich seitlich ausrutsche, hat er sofort meinen Arm und ich bin schnell wieder auf den Beinen.
Der erste, steile Abschnitt:
Und weiter auf Lavageröll:
An den alten Hütten wird erstmal gewartet, bis alle ankommen und Jean Paul hetzt wieder "Two minutes!". Ich spreche ihn an und bitte ihn um ein langsames Tempo mit Pausen. Er grinst, sagt nichts, ändert nichts, wie gestern. Kann sein, dass Jean Paul nur Französisch spricht?
Wir reihen uns ein und setzen den Abstieg fort. Die meisten sind heute müde, haben Schwierigkeiten und kommen nur langsam voran. Besonders der Straßenschuhe-Mann kann kaum noch laufen, hat einen Sonnebrand und schmerzt bei jedem Schritt. Ich dagegen bin fit und platze vor Energie, was für ein Paradox! Dafür gehts Matthias nicht gut! Er hat Magenkrämpfe und ist blass im Gesicht, besteht aber darauf, seinen und meinen Rucksack zu tragen. Gegen seinen Willen schnappe ich mir meinen Rucksack und das ganze Wasser, hole seine Sachen in meinen Rucksack, dann bekommt er noch eine Banane und Traubenzucker.
An dem Tempo hat sich nichts geändert und die eine Pause auf dem Rastplatz soll sogar ganz ausfallen. Da ich so fit bin und es Matthias besser geht, eilen wir nach vorne, mal sehen wie es ist, in der kleinen, vorderen "Elitetruppe" mitzulaufen. Der vordere Ranger fragt irgendwann, ob wir ein paar Minuten Pause machen wollen, aber die eine Touristin, die auch gestern einen Stammplatz vorne hatte, meint, WIR brauchen keine Pause. Wie schön, dass sie für alle 23 Teilnehmer spricht. Ich habe aber keine Lust, mich darüber zu ärgern und sage nichts mehr, wir haben es bald geschafft.
Für mich und Matthias verläuft der Abstieg problemlos und kurz vor 11 Uhr, nach fast 4 Stunden, sind wir am Ranger Camp. Hier verteilen wir noch das gut verdiente Trinkgeld, bedanken uns bei allen, machen noch ein Foto mit Tresor und Joseph und werden dann von dem gleichen Auto mit dem gleichen Fahrer wie gestern abgeholt.
Wir haben es geschafft:
Auf dem Weg nach Goma erreichen wir wieder die Straßensperre mit der Schranke, Tresor gibt dem Fahrer Geld, der Fahrer gibt das Geld dem Soldaten und dieser schüttelt den Kopf und zeigt zu uns. Soll heißen, das Wegegeld ist höher, wenn Muzungu im Wagen sitzt. Tresor legt ein paar Scheine nach und wir dürfen passieren. Ich weiß einfach nicht, was das für eine Straßensperre ist.
Bald sind wir an der Border, wir verlassen Kongo und auch hier gibt es keine Probleme. Ich finde aber schon lustig, als der Beamte unsere Pässe in der Hand hält und uns noch fragt "nationality?".
Bei der Einreise nach Ruanda macht das annulierte Visum keine Schwierigkeiten. Wir bezahlen 30 USD pro Person und bekommen jetzt ein Single Entry Visum für 30 Tage. Und so haben sie unser teueres Multiply Entry für 3 Monate in ein noch teuereres Single Entry für 1 Monat umgewandelt. Mal sehen, ob wir nächste Woche überhaupt noch nach Uganda einreisen dürfen!
Gegen Mittag sind wir mit Tresor bei unserem Wagen, verabschieden uns schweren Herzens von ihm und fahren zu unserem Hotel "Paradise Malahide" in Gisenyi, direkt am Lake Kivu mit einer schönen Sicht auf den See. Wir sind froh, dass wir hier ein Cottage reserviert haben, um es uns in den nächsten Tagen richtig gut gehen zu lassen, um die überwältigenden Eindrücke dieses Trekkings zu verarbeiten. Aber mehr dazu im nächsten Beitrag.
chris p382 Beiträge · seit 200604. Okt. 2017 · #98
Hallo Adriana, jetzt gibt es von uns erst einmal ein WOW³. Euer ganzer Bericht und jetzt auch die Vulkanbesteigung sind so lebendig und spannend geschrieben, da muss man einfach immer weiter mitlesen und freut sich auf jeden neuen Tag. Dazu kommen dann immer wieder ganz tolle Fotos, auf denen Ihr auch immer die Stimmung so einfangt wie wir es selbst empfunden haben, schön das Ihr es auch mit den Einheimischen ähnlich handhabt und einfach ganz entspannt und locker auf sie zugeht. Die Vulkanbesteigung ist schon der Hammer, toll das Ihr es gemacht und geschafft habt und dann dieses Erlebnis mit uns teilt, vielen Dank dafür. Sehr schön auch, das Du so detailliert alles beschreibst, das hilft bei unseren Planungen.
Viele Grüsse und macht so weiter Christian
adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201306. Okt. 2017 · #99
chris p schrieb: jetzt gibt es von uns erst einmal ein WOW³. Euer ganzer Bericht und jetzt auch die Vulkanbesteigung sind so lebendig und spannend geschrieben, da muss man einfach immer weiter mitlesen und freut sich auf jeden neuen Tag.
Dankeschön! Ich teile diese Erlebnisse sehr gern mit euch und hoffe, dass auch andere User nutzvolle Informationen in meinem Bericht finden, so wie auch ich hier im Forum eine Menge Infos für unsere Reise gefunden habe.
chris p schrieb: Die Vulkanbesteigung ist schon der Hammer, toll das Ihr es gemacht und geschafft habt und dann dieses Erlebnis mit uns teilt, vielen Dank dafür.
Für mich war dieser Vulkan inklusive Trekking der Hit dieser Reise!
adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201306. Okt. 2017 · #100
17. Tag Montag, 31. Juli 2017 Gisenyi (Ruanda) - Paradis Malahide
Freitag Abend waren wir in "Paradise Malahide", ein paar Kilometer außerhalb von Gisenyi, Fisch essen. Am Lake Kivu gibt es immer frischen, leckeren Fisch. Die Anlage gefiel uns so gut, dass wir gleich eine Reservierung für 2 Tage machten. Als wir Sonntag Nachmittag erschöpft und verstaubt von dem Vulkan-Trekking kamen, waren wir sehr froh darüber.
Die Anlage ist ein grünes Paradis mit Palmen, Hibisken, Bougainvillea und verschiedenen Bäumen, liebevoll eingerichtet und direkt am Lake Kivu. Wir haben den Bungalow Nr. 5 und nur ein paar Meter entfernt ist der Strand. Hier erholen wir uns, lassen es uns gut gehen, schauen auf den See und hören nachts das Rauschen der Wellen. Das Essen ist exzellent und das Personal ist bemüht, jeden Wunsch zu erfüllen.
Gleich zum Frühstück geniessen wir ein bißchen Luxus: Toast mit Butter, Ananasmarmelade, Pfannkuchen, Spanish Omelette, dazu eine schöne Sicht auf Lake Kivu. In den großen Bäumen hat eine Greifvogel-Familie Nest und den Jungen wird gerade das Fliegen beigebracht. Von morgens bis abends singen sie so schön für uns: trrrüüüü! 🙂 Leider kennen ich mich nicht aus und weiß nicht den genauen Namen des Vogels.
Auf externe Aktivitäten verzichten wir ganz bewußt und geniessen am Nachmittag Kaffee und Tee im Garten, dabei beobachten wir den kleinen Hafen nebenan und die Kinder, die im Wasser baden und spielen.
Heute Abend geniessen wir den Sonnenuntergang am See und bleiben bis spät am Strand, es ist schön warm.
Morgen gehts weiter nach Kigali, in die Hauptstadt Ruandas und wir sind schon gespannt, wie eine große, saubere, afrikanische Stadt aussieht. Dabei ahnen wir nicht, was für eine schwere Prüfung uns morgen bevorsteht... 😕