adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201315. Sept. 2017 · #61
11. Tag Dienstag, 25. Juli 2017 Kisoro (Uganda) - Travellers Rest Hotel
Gestern haben wir den Batwa Trail für heute gebucht. Ich bin recht neugierig auf die Pygmäen und stelle mir den Trail so vor, dass wir auf einer schönen Wanderung durch den Mgahinga National Park zu einem geheimnisvollen Pygmäen-Dorf kommen werden. Allein schon das Wort "Pygmäen" - mysteriös! Dort wird man uns zeigen, wie sie leben, was sie essen, wie sie im Wald zurecht kommen, wir werden halt eine uns unbekannte Lebensweise und Kultur kennenlernen. Der Batwa Trail ist der einzige Grund, warum wir 2 Tage und überhaupt in Kisoro sind.
Um 8 Uhr früh sollen wir in Kisoro vor dem Office stehen, um mit einem Guide zum Meetingpoint zu fahren, wo um 9 Uhr der Batwa Trail beginnt. Wir sind viel früher da und treffen 2 Wachleute. Die wissen aber von nichts, sie haben mit dem Batwa Trail nichts zu tun, das sind nicht unsere Leute. Wir warten noch bis 8 Uhr, aber es kommt keiner. Dann entscheiden wir, selbst zum Startpunkt, dem Muhabura Camp, zu fahren. Den Weg habe ich mir auf der Map so ungefähr angeschaut, aber nicht sehr genau, denn ich dachte, wir fahren mit einem Guide dahin, wie man uns versprochen hat. Von unserem Guesthouse müssen wir gleich auf der Seitenstraße nach Süden, es sind circa 10 km bis dahin, aber wir brauchen dafür wirklich eine Stunde. Die Straße ist die reine Katastrophe und jetzt verstehen wir vollkommen, warum kein Autovermieter die Reifen versichern will.
Wir kommen an, die Straße geht nicht weiter, also muss das der Startpunkt sein. Ein Junge, vielleicht 16 Jahre alt, spricht uns an, wir sollen mit ihm hoch zum Office kommen. Aha, dann sind wir hier doch richtig, sehr gut. Das Office scheint am Ende der Welt, ja fast im Himmel zu sein! Auf einem sehr schmallen Pfad, rechts und links durch Gärten, Zäune und weiß nicht was abgegrenzt, klettern wir steil nach oben, und klettern und klettern. Das ist aber erst der Weg zum Office! Zwei Mal verliert Matthias den Glauben, dass wir hier richtig sind und fragt den Jungen, wo das Office ist. Da oben, zeigt er immer wieder. Nach einer Ewigkeit kommen wir endlich an, es ist tatsächlich ein Office von UWA und jetzt heißt es warten. Kurze Zeit später erscheind ein Ranger. Er stellt sich als Lucky vor und wird unser Guide auf dieser Tour sein. Wo sind die anderen Touristen, wollen wir wissen. Wir sind die Einzigen. Und wie geht es jetzt weiter? Wir müssen auf die Führer warten, das sind Batwa-Pygmäen, die uns auf dieser Tour führen werden und die nur ihre Ursprache sprechen, so dass Lucky auch als Übersetzer fungieren wird.
Während wir warten, frage ich Lucky, ob das üblich ist, dass wir die Einzigen sind. Er sagt, das ist immer unterschiedlich und zeigt mir das Buch, in das wir uns mit Adresse und Reisepassnummer eintragen müssen. Ich schaue zwei Mal hin: die letzten Touristen, die den Batwa-Trail gemacht haben, waren gestern da, 4 Leute. Davor noch 2 Personen im April 2017, dann im Oktober 2016. Was hat das zu bedeuten?? 😕
Das Warten zieht sich in die Länge und Matthias schildert Lucky unser Problem, wir müssen nach dem Trekking zurück zu unserem Wagen. Lucky sagt, dass wir zu Fuß (2 Stunden) oder schnell mit Boder-Boder zurück kommen können. "I think, we take the boder-boder". Ich muss mich verhört haben!!! Diese Wörter sind wirklich aus Matthias Mund gekommen!!?? Gestern noch hat er betont, dass wir viele verrückte Sachen machen, aber dass es Grenzen gibt und wir auf keinen Fall mit so einem Motorrad-Taxi auf Schotterpisten und überhaupt fahren werden, viel zu gefährlich. Und jetzt? Jetzt sagt er, dass 2 Stunden zu Fuß nach den 4 Stunden Trekking zu viel sind und "besser schlecht gefahren als gut gelaufen". Ja, aber was ist, wenn dannach ein Arm oder ein Bein fehlt?? Wir überlegen uns noch ein bisschen und schlagen dem Guide vor, die Tour so abzukürzen, dass wir den Endpunkt an einem Ort näher an unserem Wagen verlegen und wir nach insgesamt 4 Stunden wieder am Auto sind. Wir verzichten auf den Besuch der Garama Cave, wir wollen nur etwas über die Lebensweise erfahren, das Dorf sehen. In meiner Vorstellung leben die Pygmäen alle in einem schönen, abgelegenen Dorf mitten im Dschungel... Der Guide ist einverstanden. Jetzt warten wir noch auf die Pygmäen-Führer.
Gegen 10:15, mit über einer Stunde Verspätung, tauchen endlich 4 kleine Gestalten auf. Sie haben ihre Hosenbeine hochgekrempelt und unter den Tierfällen, mit denen sie verkleidet sind, versteckt. Sie sind barfuß und tragen klassische Waffen: Pfeil, Bogen und Speer. Der Anführer trägt lediglich eine Alkoholfahne und ist sehr müde. 🙁 Wir sind verwirrt. 😕
Die Vier stellen sich mit Namen und großen Gesten vor, dann erklärt der Anführer den bevorstehenden Trail, auf dem das ursprüngliche Leben der Pygmäen im Wald dargestellt werden soll, der Guide übersetzt. Dann werden wir gebeten, uns auch selbst vorzustellen. Zu uns gesellt sich noch Bosko, ein bewaffneter Ranger und schon geht’s los. Lucky, Bosko, 4 Pygmäen und wir zwei Muzungu.
Zwei Stunden lang laufen wir auf Pfaden, die eigentlich gut sind, jedoch stetig bergauf führen. Wir haben noch Muskelkater von dem Gorilla-Tracking, es kann nur besser werden. An bestimmten Stellen bleiben wir stehen und die Pygmäen zeigen uns mal Bienen, mal Heilpflanzen, eine Hütte, eine Tierfalle und erklären uns, wie ihr Volk Nahrung besorgt, wie es lebt, welche Traditionen es hat. Dabei machen sie die Gesten mit viel Schauspieltalent nach, wie sie Tiere jagen, wie sie essen, wie sie Kranke heilen usw. An einer kleinen Hütte, die anscheinend extra für diesen Trail da steht, wollen sie uns zeigen, wie sie mit der Familie leben. Es wird nur zusammen gegessen, wenn die 4 Ehefrauen sich miteinander verstehen, was doch selten ist. Der eine Pygmäe schmeißt sich auf die Erde und stopft sich hastig trockene Blätter in den Mund. Was ist das jetzt??? Er macht einfach nach, wie man die Speisen zu sich nimmt, wenn die eine Ehefrau gut gekocht hat. Lucky übersetzt immer und muss sich zusammenreißen, um nicht zu lachen. Bosko ist da freier. Und wir können nicht glauben, was für eine Tour wir gebucht haben.
Eine interessante Sache habe ich mir doch gemerkt, weil sie im krassen Widerstand zu unserer Kultur als Europäer steht. Wenn bei den Pygmäen jemand stirbt, wird nicht darüber geredet, keiner fragt nach dem Verstorbenen, er ist einfach weg. Eine richtige Beerdigung gibt es auch nicht, sondern seine Hütte wird auf ihn niedergerißen, das ist halt sein Grab und die Familie bekommt von dem Dorfvorstehen ein Stück Land, wo sie sich eine andere Hütte bauen. Sie haben keine Friedhöfe!
Als letzte Vorstellung wollen sie uns zeigen, wie man Feuer durch das Reiben von zwei Holzstücken macht. Der Anführer rollt seine Hosenbeine runter, deckt sich mit einer Jacke zu und gönnt sich in dieser Zeit ein Nickerchen ein paar Meter weiter, während die anderen vergeblich versuchen, Feuer zu machen. Sogar Lucky kommt zur Hilfe, sie reiben und reiben fast 40 (!!) Minuten, aber nichts passiert. Ich und Matthias müssen uns anstrengen, um nicht zu lachen.
Zum Schluß führen sie uns noch zu ein paar kleinen Hütten, in denen die Pygmäen leben sollen. Ich weiß nicht, ob das wirklich so ist, es sieht alles sehr, sehr ärmlich aus. Lucky fragt, ob wir Woman Dancing sehen wollen und als Matthias nein sagt, ist er mehr als enttäuscht. Ok, sage ich, wir wollen den Tanz sehen. Die Frauen tanzen und singen, was uns fast ein bißchen peinlich ist. Jezt soll Matthias auch mitmachen! Er tut mir richtig Leid, denn er will nicht und eigentlich war die Tanzvorstellung nicht sein Wunsch. Es gibt auch ein Foto davon, aber es wurde mir verboten, das Foto zu zeigen. 🤩 Gegen 13:15 ist endlich Feierabend und Bosko führt uns über Vulkangeröll zu unserem Auto. Der letzte Marsch dauert eine 3 Viertel Stunde, wir müssen noch über ein paar Zäune aus Lavasteinen klettern und um 14 Uhr sitzen wir in unserem Auto.
Fazit: Diesen Batwa Trail könnte man in den Kasper Trail umbenennen und er ist nicht zu empfehlen. Von den 80 USD pro Person kommt ein Teil der Comunity der Pygmäen zu Gute, das ist ein kleiner Trost.
Auf dem Rückweg machen wir ein paar Fotos von dem Straßenbild und für den Rest des Tages genießen wir die Ruhe im Garten.
Abends haben wir wieder einen Stromausfall und essen beim Kerzenlicht, was eigentlich schön und romantisch ist. Das Dinner ist wieder 1A! Um circa 20 Uhr wollen wir nochmal raus, aber es ist schon dunkel. Wir fragen den Hotelmanager, ob man um diese Zeit noch auf der Straße laufen kann/darf und er sagt, es ist in Ordnung, wir sollen aber bis 22 Uhr zurück sein. Wir machen einen kleinen Spaziergang durch den Ort und alles ist dunkel, sogar das Cafe um die Ecke ist dunkel, es gibt halt keinen Strom in der ganzen Stadt. Wir sind schnell zurück und genießen im Salon, wo im Kamin Feuer gemacht wurde, ein Gin&Tonic.
Morgen werden wir in Richtung Ruanda aufbrechen und wir sind sehr neugierig. Wie wird der Grenzübergang sein? Dürfen wir unsere Plastikflaschen mit Wasser mitnehmen? Und wie wird Ruanda, das Land der tausend Hügel, sein?
ftc201036 Beiträge · seit 201716. Sept. 2017 · #64
Topobär schrieb:
adriana schrieb: Als wir zum Restaurant gehen, kriegt Matthias einen Schock: ein netter Angestellter hat unser Auto gewaschen und zeigt uns stolz sein Werk, das Auto sieht wie neu aus! Das jedoch gefällt Matthias gar nicht, er meint, ein Offroad Wagen muss staubig und schmutzig sein!
Das sieht man in Afrika ganz anders. Da muss ein Auto immer sauber sein. Auch wenn man sofort nach dem Putzen wieder eine Schlammpiste unter die Räder nimmt. Die Tourguides waschen jeden Abend Ihre Wagen. Wir wurden sogar schon von der Polizei angehalten, weil unser Wagen zu dreckig war.
Echt??? Dafür kann man angehalten werden? 😮
Ich dachte die Guides würden abends immer die Autos waschen, damit die Touris in sauberen Autos rum kutschiert werden.
Wir sind auch der Ansicht, dass ein Auto das durch Staub und Schlamm fährt auch so aussehen muss.
ftc201036 Beiträge · seit 201717. Sept. 2017 · #65
Liebe Adriana,
ich bin nun auch noch hinterhergereist (wobei wir genau vor euch in Uganda waren 😉 )
Hoffentlich bekomme ich noch alles zusammen, was ich kommentieren wollte. Ich fange mal an:
Auf eure Erlebnisse mit den Chimps in Kibale war ich sehr, sehr neidisch. Wobei es bestimmt ein sehr mulmiges Gefühl war, als ein paar Chimps euch attakieren wollten. Kibale scheint den Fluch der platten Reifen zu haben (wobei es bei uns bei diesem einen platten Reifen bleiben sollte).
Euer Auto hat euch aber ganz schön auf dem Kieker (und es soll noch schlimmer kommen?). Wie man so ein Auto an Touris rausgeben kann ist mir echt ein Rätsel.
Bei euren Fotos von der Bootstour auf dem Kazinga Channel wurden wir ganz schön neidisch. Wir hatten uns die Tour gespart, weil wir eine im Murchison Falls NP mitgemacht hatten. Wie ich aber schon bei den Panthers und nun auch bei euch sehen konnte, hätte sich diese Tour mehr als gelohnt 🙁
Die Straße zwischen dem QENP und Ishasha fanden wir eigentlich in einem recht guten Zustand. Klar kommt man nicht sehr schnell voran, aber es waren keine schwierigen oder grenzwertigen Passagen dabei.
Am Eingang zum Ishasha scheint es nur die eine Angestellt mit Baby zu geben 😄 Die vergebliche Suche nach den Baumlöwen kommt uns auch bekannt vor. Wir sind morgens fast um jeden Fig Tree gefahren, haben unter diversen Bäumen angehalten, gewartet und gehofft, dass sich endlich irgendwas tut ... Vergeblich. Außer uns, war auch kein anderes Auto zu der Zeit dort unterwegs. Es freute mich zu lesen, dass es dann zumindest mit Bodenlöwen geklappt hat. Der Leopard zum Abschluss war dann doch noch ein klein wenig Entschädigung. Wobei man den auch fast hätte übersehen können, oder?
Bei deinen Schilderungen zum Gorilla Tracking ist mir ganz anders geworden. Das muss echt der Horror gewesen sein. Aber es stimmt: egal wie schlimm es war und wie schwierig es ist die Gorillas zu sehen, man bekommt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. 🤩
Was für ein Reinfall mit den Pygmäen.
Ich habe bestimmt noch etwas vergessen zu kommentieren.... In Ruanda waren wir nicht, daher bin ich gespannt wie die Reise weiter geht.
adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201317. Sept. 2017 · #66
ftc2010 schrieb: ich bin nun auch noch hinterhergereist (wobei wir genau vor euch in Uganda waren 😉 ) ... In Ruanda waren wir nicht, daher bin ich gespannt wie die Reise weiter geht.
Liebe Sandra,
Dann schaffst du es gleich mit uns nach Ruanda! 🙂
Wir haben wirklich eine Menge auf dieser Reise erlebt und eins gelernt: es gibt immer eine Lösung! Die Leute in diesen Ländern waren uns sehr behilflich. Wir mussten leider den Murchison Falls NP auslassen, weil wir keine Hetze im Urlaub haben möchten.
adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201317. Sept. 2017 · #67
12. Tag Mittwoch, 26. Juli 2017 Volcanoes National Park (Ruanda) - Kinigi Guesthouse
Heute verlassen wir Uganda und fahren nach Ruanda. In Ruanda sind Plastiktüten verboten, womöglich wird unser Auto an der Grenze kontrolliert und wir haben uns zu Hause entsprechend vorbereitet und nur Stoffbeutel für das Gepäck mitgenommen. Es ist ein bißchen unpraktisch, die nassen Badelatschen in einen Stoffbeutel einzupacken. Aber was ist mit Plastikflaschen? Im Auto haben wir immer noch den Monster-Kanister mit 18,7 Liter Wasser, dessen Deckel nicht wiederverschließbar ist. Der Plan ist, das Wasser auf die 3 leeren 5-Lister-Kanister und die kleinen leeren Flaschen zu verteilen. Da wir wieder Strom und Internet im Guesthouse haben, suche ich schnell nach einer Antwort im Forum. Picco's Reisebericht "Picco geht mit Schnorchelmaske zum Lavasee" ist da eine Goldgrube! Da, auf der ersten Seite: auf seinem Foto von dem Hotelzimmer in Kigali ist eine Plastikflasche neben dem Fernseher zu sehen! Wir brauchen noch ein Messer, um den großen Kanister zu öffnen. Wir gehen in die Küche und fragen einen Mitarbeiter. Er ist schon überrascht, sagt aber, dass er sich darum kümmert. Nach ein paar Minuten gehe ich wieder in die Küche und frage einen anderen Mitarbeiter. Der weiß aber schon Bescheid und gibt mir gleich ein großes Messer, die Klinge ist im Küchentuch eingepackt. Ich sage, ich bringe das Messer gleich zurück und er kontert schnell, ich soll mich nicht beeilen, alles gut. Ich gehe mit dem Messer zum Auto, wo Matthias schon unser Gepäck hingebracht hat und sehe, dass die ganze Mannschaft aus der Küche draußen steht und neugierig beobachtet, was wir mit dem großen Messer machen. Als sie sehen, wie Matthias den großen Kanister aufschneidet, sagen sie laut lachend und erleichtert "Aaach, you open the water!".
Nach 10 km erreichen wir den Grenzübergang Cyanika. Von den Formalitäten her sind afrikanische Grenzübergänge alle sehr ähnlich: zuerst die Ausreise aus dem einen Land, noch ein paar Schritte, dann die Einreise in das andere Land. Dabei jeweils Polizei-, Zoll- und Immigration Office Kontrolle. Andrew von Alpha Car hat mir erklärt, was ich für das Auto brauche: die Comesa, das Registration Book und noch ein Dokument, das von der ruandischen Behörde einbehalten wird. Da bekomme ich ein anderes Dokument, das bei der Ausreise aus Ruanda eingezogen wird.
Zuerst gehen wir zu einem Häußchen, wo die ugandische Polizeikontrolle stattfindet. Der Officer guckt sich unsere Pässe an, dann schickt er uns auf die andere Straßenseite, wo wir die Zollpapiere für den Wagen erledigen müssen. Matthias trägt wieder sein Bayern München Trikot. Gespräche über Fußball kommen immer gut an und lockern die Atmosphäre auf. Der Zollbeamte entpuppt sich aber als Arsenal-Fan und will von Matthias wissen, wie er Arsenal findet. Ähm... Matthias stottert ein bißchen und sagt ihm, die Frage beantwortet er erst, wenn unsere Papiere gestempelt sind. Das findet der Beamte lustig, plaudert noch ein bißchen mit uns und wir bekommen die gestempelten Papiere. Jetzt bekommt er auch seine Antwort: Arsenal ist die beste Mannschaft aus England. Damit kann er leben. 😛
Weiter gehts zum ugandischen Immigration Office, die Pässe werden schnell abgestempelt, dann fahren wir weiter zur ruandischen Behörde. Hier steht eine Polizistin, die ihren Job mehr als ernst nimmt. Mit wenigen, dafür aber sehr ernsten Worten fordert sie mich auf, auszusteigen und gegenüber zum Imigration Office zu gehen. Matthias soll allein zu ihr kommen. Ach ja?? Da wird er unterrichtet, dass er ab jetzt rechts fahren muss, dann darf er auch zu mir zum Immigration Office. Hier sitzt ein sehr geduldiger Beamter, der unsere Pässe überprüft und gleichzeitig eine afrikanische Soap auf seinem Laptop guckt. Zwischendurch stellt er uns noch verschiedene Fragen, echt multitaskingfähig.
Insgesamt verlaufen die ganzen Formalitäten problemlos und dauern circa eine halbe Stunde.
Jetzt sind wir in Ruanda und Matthias muss sich konzentrieren, denn wir haben einen Wagen aus Uganda mit Steuerrad auf der rechten Seite (für Linksverkehr), müssen aber rechts fahren, in Ruanda herrscht Rechtsverkehr. Die Leute hier sprechen Kinyarwanda und Französisch, wir nicht.
Das Straßenbild in Ruanda ist irgendwie anders als in Uganda, hier spürt man mehr "Zivilisation", die Häuser sehen viel besser aus und vor allem sehen sie wie Häuser aus. Durch die geöffneten Türen kann man sehen, dass der Fußboden aus Beton ist, in Uganda war die nackte Erde. Die Motorradfahrer tragen Helme, es fahren nur jeweils 2 Personen auf einem Motorrad und wir sehen teilweise sogar Gehwege. Die Taxi-Fahrräder haben hinten eine Art gepolsterte Bank, wo der Taxi-Kunde bequem sitzt und dabei noch locker sein Handy checkt, der Fahrer trägt eine Art Taxi-Weste, um sich bemerkbar zu machen. Insgesamt wirkt das Land sehr, sehr sauber. Auch Uganda empfanden wir als sauber, aber das hier ist eine Steigerung.
In Ruhengeri holen wir bei der Bank of Kigali unsere ersten ruandischen Franks. Auch hier stehen am Eingang Polizisten, die die Bankkunden nach Waffen kontrollieren.
Die nächste Unterkunft "Kinigi Guesthouse" ist in Kinigi, am Rand des Volcanoes National Parks und ist schnell erreicht. Die nette Dame, die sich um alles kümmert, spricht Englisch genau so gut wie ich, das gefällt mir. 🙂 Da wir inzwischen schon Hunger haben, bestellen wir uns auf der Restaurantterrasse eine Kleinigkeit, Hähnchen-Sandwich. Als wir das Essen bekommen, machen wir große Augen: große, gebackene Teigtaschen gefüllt mit Hähnchen, dazu ein Avocado-Salat und eine riesen große Portion Pommes, alles schmeckt köstlich.
Am Headquartier des Parks, nur ein paar Meter weiter, buchen wir für 75 USD pro Person den Dian Fossey Trail für morgen, dann machen wir noch einen Spaziergang durch das Dorf. Ältere Leute grüßen uns nett auf Französisch und würden gern mit uns plaudern, die jüngeren sprechen auch Englisch. Wir gehen dann über eine Wiese, wo Jugendliche Fußball spielen. Ein Junge spricht uns nett an, fragt uns, woher wir kommen und zeigt uns in die Ferne die großen Virunga-Vulkane an der Grenze mit Uganda: Muhabura (4127 m), Gahinga (3474 m) und Sabinyo (3634 m) und an der Grenze mit Kongo: Karisimbi (4507 m) und Bisoke (3711 m). Er erklärt uns, was die Namen bedeuten und wie hoch die Vulkane sind. Er hat ein Fahrrad und bietet uns spontan an, mit seinem Rad eine Runde zu drehen. Wir lehnen ab, plaudern noch ein bißchen, dann sagt uns der Junge, dass es wahrscheinlich gleich Regen gibt und wir lieber zum Guesthouse gehen sollten.
Mount Gahinga 3474 m: Mount Sabinyo 3634 m:
Inzwischen ist es richtig kühl geworden, wir sind hier in 2300 m Höhe. Wir gehen zurück zum Guesthouse und wärmen uns im großen Salon beim Kaminfeuer. Um 19 Uhr gibts Abendessen. Matthias hatte vorher mit dem Koch gesprochen und ihn gebeten, uns etwas Lokales zu kochen. Er sagte dem Koch, er soll uns bitte das kochen, was er auch zu Hause isst. Als wir unseren gedeckten Tisch sehen, sind wir überwältigt. In einer großen Schüssel dampfen Kochbananen, braune Bohnen, Kürbis, Kartoffeln. In einer anderen Schüssel sind Hähnchenstücke mit reichlich Soße. Das Essen schmeckt nicht gut, es schmeckt himmlisch! Dazu gibt es das lokale Bier Mützig. Spät gehen wir in unser Zimmer und bereiten unsere Rucksäcke für morgen früh vor, denn um 7 Uhr müssen wir beim Headquartier sein, dem Meetingpoint für den Dian Fossey Trail, auf den wir sehr, sehr gespannt sind. Es wird bestimmt sehr emotionell sein...
ftc201036 Beiträge · seit 201717. Sept. 2017 · #68
adriana schrieb:
ftc2010 schrieb: ich bin nun auch noch hinterhergereist (wobei wir genau vor euch in Uganda waren 😉 ) ... In Ruanda waren wir nicht, daher bin ich gespannt wie die Reise weiter geht.
Liebe Sandra,
Dann schaffst du es gleich mit uns nach Ruanda! 🙂
Wir haben wirklich eine Menge auf dieser Reise erlebt und eins gelernt: es gibt immer eine Lösung! Die Leute in diesen Ländern waren uns sehr behilflich. Wir mussten leider den Murchison Falls NP auslassen, weil wir keine Hetze im Urlaub haben möchten.
Liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen, Adriana
Stimmt, es gibt für jedes Problem eine Lösung. Manchmal werden aber auch unnötige Probleme geschaffen und dann müssen arme Landsleute gucken, wie sie das gelöst bekommen. Sehr unfair 😠
Mit Ruanda hatte ich mich bisher noch nie beschäftigt. Verwirrt war ich darüber, warum nach Ruanda viel mehr Touris kommen als nach Uganda. Nun scheint es sich mir jedoch zu erschließen: Weil es zivilisierter ist als Uganda. Allein das Straßenbild ist ein ganz anderes und die Umgebung mit den Bergen 🤩
picco6'369 Beiträge · seit 201118. Sept. 2017 · #69
Hoi Adriana
🤩
adriana schrieb:Da wir wieder Strom und Internet im Guesthouse haben, suche ich schnell nach einer Antwort im Forum. Picco's Reisebericht "Picco geht mit Schnorchelmaske zum Lavasee" ist da eine Goldgrube! Da, auf der ersten Seite: auf seinem Foto von dem Hotelzimmer in Kigali ist eine Plastikflasche neben dem Fernseher zu sehen!
🤩 Dass da eine Plastikflasche steht wusste nicht mal ich! 🤩 Aber danke dass Du mir auch die verborgenen Seiten meines Reiseberichtes vor Augen führst! 😄 😉 😎 Top, Adriana! 😁
PS: Hab Deine RB ab dem Grenzübertritt nun auch in der RB-Zusammenfassung Ruanda eingefügt! 😉
adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201320. Sept. 2017 · #70
13. Tag Donnerstag, 27. Juli 2017 Volcanoes National Park (Ruanda) - Kinigi Guesthouse
Um 7 Uhr sind wir schon beim Headquartier des Volcanoes National Parks. Der Parkplatz ist voll, es wird Kaffee und Tee kostenlos angeboten, die Touristen werden auf ihre Trekking-Gruppen verteilt und in der Mitte finden lokale Tänze statt. Hier ist der Treffpunkt für alle, die ein Trekking gebucht haben, egal welcher Art. Wir werden zu Olile geführt, einer Rangerin, die heute unser Guide sein wird. Außer uns ist noch ein deutsches Paar bei dem Dian Fossey Trail dabei.
Auf diesem Trail werden wir zu der ehemaligen Forschungsstation Karisoke geführt, mitten im Dschungel, nahe der Grenze zur DR Kongo, wo Dian Fossey die Berggorillas studiert und vor Wilderern beschützt hat. Neben der Station liegt ein Affenfriedhof, auf dem auch sie beerdigt ist, neben ihren geliebten Gorillas. Die Station, oder was noch übrig geblieben ist, befindet sich zwischen den Mount Karisimbi und Mount Bisoke, daher auch der Name: KariSoke.
Wer war Dian Fossey und warum ist sie so wichtig? Ich werde hier nur die kurze Version erzählen. Dian Fossey war eine amerikanische Anthropologin, die im Jahr 1966 mitten im Dschungel die Forschungsstation Karisoke gegründet hat. An der Station sollten die Berggorillas beobachtet werden, die damals noch mehr als heute vorm Aussterben bedroht waren und von denen es nur noch sehr wenige gab. Ihre größten Feinde waren die Wilderer, die vor nichts zurückschreckten. Dian Fossey hat 18 Jahre auf dieser Forschungsstation verbracht und hart gegen die Wilderer gekämpft. 1985 wurde sie in ihrer Hütte ermordet aufgefunden, der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt. Gemäß ihrem Wunsch wurde sie auf dem Gorilla-Friedhof, neben ihrem Lieblings-Silberrücken Digit beerdigt. Es wurde nicht nur Gutes über sie geschrieben, aber es wird gesagt, dass es ohne ihr Engagement die Berggorillas heute nicht mehr geben würde. Ihre ganze Lebensgeschichte wurde im Film "Gorillas im Nebel" verfilmt.
Um 8 Uhr fahren wir los zum Startpunkt und nehmen die Rangerin bei uns im Auto mit. Zuerst fahren wir 15 Minuten auf guter Asphaltstraße, dann 15 Minuten auf Schotterpiste und nochmal 15 Minuten auf einer katastrophalen Straße, die voller Löcher und scharfkantigen Vulkansteine ist. Es ist mit Abstand die schlechteste Straße, die wir je gesehen haben. So muss der Weg zur Hölle sein!
Um 8:45 sind wir am Startpunkt und beginnen das Trekking. Mit uns kommen außer der Rangerin noch 3 bewaffnete Ranger und ein Porter (Gepäckträger) mit. Es beginnt gleich mit steilen Aufstiegen und ich bin schnell aus der Puste. Zum Glück ist die Rangerin heute sehr müde, sagt uns das gleich am Anfang und macht öfter kleine Pausen mit uns: "Break for the ladys?". So macht Trekking Spaß.
Die Landschaft ist sehr schön, hier ist der Regenwald anders als in Bwindi, nicht so dicht, mehr Licht, andere Pflanze, irgendwie wie in einem Märchenwald, gefällt mir sehr gut. Die großen Bäume und der Boden sind mit moosartigen Pflangen und Farn bedeckt. Und alles ist grün! Gorillas treffen wir unterwegs nicht, nur ihre Hinterlassenschaften, die Olile uns zeigt. Die 3 bewaffneten Ranger beobachten ständig die Umgebung sehr aufmerksam. Immer wenn wir stehen bleiben und Olile uns etwas erklärt, verteilen sich die Ranger im Dreieck um uns herum und achten sehr angestrengt auf die Umgebung. Ich vermute, die Nähe an der DR Kongo ist der Grund dafür. Auch die letzten Kämpfe mit den Rebellen sollen sich in der Nähe abgespielt haben.
Nach 2 Stunden Aufstieg erreichen wir die Ruinen der ehemaligen Forschungsstation und es ist ein sehr emotionaler Moment, die Rangerin erzählt immer mehr Einzelheiten von dem damaligen Kampf der Dian Fossey gegen die Wilderer. Es war eine harte Zeit gegen die Wilderer und Berggorillas wurden brutal ermordet. Digit, der Liebliengsgorilla und bester Freund von Dian wurde ohne Kopf und ohne Hände im Dschungel aufgefunden. Seine Gorillafamilie konnte damals den skrupellosen Wilderern entkommen, während er geblieben und gegen die Wilderer gekämpft hat. Auf dem Friedhof ist Dian gleich neben Digit beerdigt, ihr Wunsch. Wir sind alle sehr berührt. An ihrem Grab liegen frische Blumen und es ist alles so ruhig.
Hier stand die Hütte von Dian Fossey: Der Friedhof, auf dem Dian Fossey und ihre Gorillas beerdigt sind:
Von der ehemaligen Forschungsstation ist nicht mehr viel übrig und da, wo die Hütte von Dian stand, steht jetzt nur noch ein Schild. Eine halbe Stunde bleiben wir an der Station und dem Friedhof, dann beginnt der Abstieg, der logischerweise besser und schneller zu bewältigen ist. Nach eineinhalb Stunde sind wir wieder bei unseren Autos. 4 Stunden hat das Trekking insgesamt gedauert und wir sind immer noch sehr berührt.
Die Reste der ehemaligen Forschungsstation Karisoke: Die Reste der ehemaligen Forschungsstation Karisoke:
Auf dem Rückweg:
Müde und verstaubt, aber beeindruckt von diesem Trekking fahren wir zurück zum Guesthouse. Wir haben gerade geduscht, als vor unserer geöffneten Tür eine Frauenstimme zu hören ist. Sie sagt nur hallo und wartet ganz schüchtern vor der Tür. Ich gehe raus und grüße sie, habe sie schon mal auf dem Hof gesehen. Ich glaube meinen Ohren nicht, als sie schüchtern sagt "Can I clean for you... this?" und zeigt auf unsere dreckigen Gamaschen, die draußen hängen. Ooooh, aber liebend gern, sie erspart uns eine Menge Arbeit! Ich gebe ihr noch unsere verschwitzten Oberteile, wir haben nachher mehr Freizeit und sie verdient sich ein bißchen Trinkgeld. Selbstverständlich ist auch diese Wäsche reine Handarbeit. Sie zeigt noch auf unsere Schuhe, sie will sie auch putzen. Nein, die Schuhe kriegt sie nicht! Wer weiß, nachher habe ich saubere, aber nasse Schuhe. Sie hakt nach: "The boots are dirty!". Ja, sie sind sogar sehr dirty, aber sie kriegt sie nicht. Um sicher zu sein, hole ich unsere Schuhe in das Zimmer, dann gehen wir auf die Terrasse. Wir geniessen die Sonne und schauen uns unsere Fotos an.
Abends zaubert der Koch wieder ein afrikanisches Essen für uns, das wunderbar schmeckt. Es gibt Beef in Sahnesoße, dazu typisch afrikanisches Gemüse und wir sind mal wieder die einzigen Gäste. Sehr spät kommen noch ein paar Leute. Wir verbringen den restlichen Abend im großen Aufenthaltsraum beim Kaminfeuer. In zwei Tagen haben wir das Vulkan-Trekking auf Nyiragongo und es wird kein Spaziergang sein. Seit dem Gorilla-Trekking mache ich mir Sorgen um meine Fähigkeit, ein solches Trekking zu bewältigen... Was ist, wenn der Pfad auch so steil ist, dass man sich an nichts mehr festhalten kann und ich in den Abgrund falle??
ftc201036 Beiträge · seit 201720. Sept. 2017 · #71
Den Film "Gorillas im Nebel" haben wir erst vor ein paar Wochen und somit erst nach unserem Urlaub gesehen. Die Forschung an den Gorillas für Dian damals ein unvorstellbares Erlebnis gewesen sein. Vermutlich zunächst verbunden mit Ängsten, als der Silberrücken noch nicht so genau wusste, wie er mit ihr umgehen soll und dann die unbeschreiblichen Glücksmomente bei den ersten Kontakten/Berührungen. Im Film sieht man nachher auch, wie sie neben Digit beigesetzt wird. Er hatte extra sein Leben geopfert, um den Rest seiner Familie zu schützen.
Ein sehr emotionaler, nachdenklicher und ergreifender Trail, wenn man die Geschichte dazu kennt.
Sehr rücksichtsvoll von der Rangerin genügend Pausen für die Ladies einzulegen 😉
Habt ihr euch wegen de Nähe zum Kongo Sorgen gemacht?
adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201321. Sept. 2017 · #72
Liebe Sandra,
ftc2010 schrieb: Den Film "Gorillas im Nebel" haben wir erst vor ein paar Wochen und somit erst nach unserem Urlaub gesehen. Die Forschung an den Gorillas für Dian damals ein unvorstellbares Erlebnis gewesen sein.
Die Rangerin hat uns erzählt, dass im Dorf noch ein paar Leute leben, die Dian Fossey persönlich kennengelernt haben, u.a. auch ein Porter von dem National Park. Von "ihren" Gorillas lebt auch noch die Gorilla-Dame Poppy, ca 40 Jahre alt. Und es gibt jetzt einen neuen Friedhof, wo die Ranger die verstorbenen Gorillas beerdigen. Sie hat uns wirklich eine Menge interessante Informationen erzählt.
ftc2010 schrieb: Sehr rücksichtsvoll von der Rangerin genügend Pausen für die Ladies einzulegen 😉
So macht sogar ein anstrengendes Trekking Spaß. Außerdem war die Rangerin sehr nett und humorvoll, hat immer wieder Scherze mit uns gemacht.
ftc2010 schrieb: Habt ihr euch wegen de Nähe zum Kongo Sorgen gemacht?
Der Kongo war während der Reise ein wichtiges Thema, weil wir selbst vorhatten, auf ein Vulkan-Trekking in den Kongo zu gehen. Die Details werde ich in den nächsten Tagen schreiben. Aber auf diesem Trail habe ich mir keine Sorgen gemacht.
picco6'369 Beiträge · seit 201121. Sept. 2017 · #73
Hoi Adriana
adriana schrieb:Wir werden zu Olile geführt, einer Rangerin, die heute unser Guide sein wird.
Das könnte 'unsere' Odile gewesen sein, mit der wir beim Aufstieg und beim Abstieg Gorillas gesehen haben! Die ist echt gut, erzählt und weiss viel! Im Vergleich mit dem Ranger den wir bei unserer ersten Tour zur Forschungsstation hatten ist sie um ein Mehrfaches besser informiert und deutlich gesprächiger ohne dabei irgendwie aufdringlich oder lästig zu sein! Top! Und wie man bei Deiner Antilope sieht findet man mit ihr offenbar immer Tiere im Wald! 😉
adriana schrieb:Die 3 bewaffneten Ranger beobachten ständig die Umgebung sehr aufmerksam. Immer wenn wir stehen bleiben und Olile uns etwas erklärt, verteilen sich die Ranger im Dreieck um uns herum und achten sehr angestrengt auf die Umgebung. Ich vermute, die Nähe an der DR Kongo ist der Grund dafür. Auch die letzten Kämpfe mit den Rebellen sollen sich in der Nähe abgespielt haben.
Ich hab hier (klick mich) etwas zum letzten mir bekannten Rebellenangriff in der Gegend geschrieben, war letzten Januar zwischen dem Mount Mikeno und dem Mount Karisimbi sowie am Mount Sabinyo.
adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201322. Sept. 2017 · #74
picco schrieb: Das könnte 'unsere' Odile gewesen sein, mit der wir beim Aufstieg und beim Abstieg Gorillas gesehen haben!
D.h. wir haben "deine" Rangerin abgeworben und sie in "Olile" umbenannt! 😛 Aber im Ernst, sie war eine sehr angenehme Person. Wir haben über tausend Sachen mir ihr gesprochen. Auch z.B. über die Verteuerung der Gorilla-Permits in Ruanda. Ich habe sie gefragt, ob man dadurch die Touristenmassen abschrecken will, aber sie meinte, man möchte mit dem Geld die Community stärker unterstützen. Ihre Prognose war, dass die Touristen auch für die 1500 USD weiterhin kommen werden.
adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201322. Sept. 2017 · #75
14. Tag Freitag, 28. Juli 2017 Gisenyi (Ruanda) - Hotel Musanto
Wir verlassen heute den Volcanoes National Park und fahren zum Lake Kivu, nach Gisenyi. Unterwegs halten wir noch in Ruhengeri an und besuchen The Dian Fossey Gorilla Fund. Unzählige Fotos aus ihrer Zeit sind zu sehen, wir werden wieder sentimental und ich kann nicht oft genug sagen, wie sehr wir sie und ihre Leistung im Kampf zum Schutz der Tiere bewundern.
Dian Fossey Gorilla Fund:
Es ist zwar erst Freitag, aber am letzten Wochenende des Monats ist in Ruanda "Putztag". Alle gehen auf die Straße und machen sauber. Es wird gefegt, Laub und Müll (den es kaum gibt) eingesammelt, die Abwasserkanälle gereinigt, jeder leistet seinen Beitrag und das läßt sich sehen. Ruanda ist ein sehr, sehr sauberes Land. Ich habe ein paar Tage später einen Einheimischen gefragt, was passiert, wenn ein Bürger bei diesem Putztag nicht mitmacht und überhaupt, wenn er keine Lust hat, die Straße vor seiner Wohnung sauber zu halten. Bekommt er eine Geldstrafe? Der Einheimische hat zuerst gelacht: nein, dafür bekommt keiner eine Geldstrafe. Aber, und er wurde sehr ernst, wer macht denn sowas? Was sollen die Nachbarn über mich denken, wenn ich nicht sauber mache?? Vorbildlich!
Auf dem Weg von Ruhengeri nach Gisenyi: Auf dem Weg von Ruhengeri nach Gisenyi: Auf dem Weg von Ruhengeri nach Gisenyi: Auf dem Weg von Ruhengeri nach Gisenyi: Auf dem Weg von Ruhengeri nach Gisenyi: Auf dem Weg von Ruhengeri nach Gisenyi: Auf dem Weg von Ruhengeri nach Gisenyi:
Plötzlich steht vor uns auf der Straße ein umgekipptes Fahrrad samt schweren Kartoffelsacks. Der junge Mann, dem das gehört, kann natürlich die schwere Ladung nicht wieder aufrichten. Wir halten an, Matthias steigt aus und bietet seine Hilfe an. Der junge Mann freut sich, sofort kommen noch ein paar junge Männer, die mithelfen. Die schwere Last wird wieder auf das Fahrrad aufgerichtet und wir fahren weiter unter jubelnden Zurufe "Muzungu! Muzungu!".
Auf dem Weg von Ruhengeri nach Gisenyi:
Der Plan für die nächsten Tage ist wie folgt: Wir checken in Gisenyi im Hotel "Discover Rwanda Gisenyi Beach", das von Kasitu Tours empfohlen wurde, ein. Hier parken wir den Wagen auf dem sicheren Parkplatz für die nächsten 2 Tage. Am nächsten Tag, am Samstag, kommt jemand vom Kasitu Tours und bringt uns über die Grenze in die DR Kongo zum Vulkan Trekking auf Nyiragongo. Die Nacht verbringen wir am Kraterrand in einfachen Hütten. Am Sonntag steigen wir ab und werden zurück zum Hotel in Gisenyi gebracht, wo wir 2 Tage am Lake Kivu entspannen wollen. Das ist der Plan!! Überhaupt ist der Plan sehr grob abgesprochen und es gab nur wenige Emails, in denen eher so was wie "wir kümmern uns darum" stand, ohne Bestätigungen, Uhrzeiten und so ein europäischen Kram.
Sämtliche Unterkünfte in Ruanda sind zwar reserviert, aber nicht bezahlt, weil wir keine Lust hatten, für jede Unterkunft eine teuere Banküberweisung zu tätigen. Wir sind noch vor Mittag in Gisenyi und wollen in unserem Hotel "Discover Rwanda Gisenyi Beach" einchecken. Benett, der junge Mann von der Rezeption, findet keine Reservierung auf unseren Namen und er hat leider auch keine Zimmer frei. Wir erklären ihm unsere Situation: der Autovermieter Alpha Car aus Uganda hat uns einen Kontakt mit der Agentur Kasitu Tours aus DR Kongo vermittelt und diese Agentur hat dieses Hotel als Treffpunkt für ein Vulkantrekking im Kongo und als sicheren Parkplatz für unser Auto empfohlen. Wir sollen hier die heutige Nacht verbringen, morgen für den Übergang nach Kongo abgeholt werden und das Auto für 2 Tage hier lassen. Klingt das kompliziert? Benett hört sehr aufmerksam zu und sagt, er kennt die Agentur Kasitu Tours, aber er kennt Alpha Car aus Uganda nicht und er hat auch keine Reservierung auf unsere Namen. Er fragt, ob wir irgendwelche Unterlagen haben. Ich hole meinen Ordner mit den Reiseunterlagen aus dem Rucksack und zeige ihm ein paar Emails. Da steht leider nur ein kurzer Schriftverkehr zwischen Alpha Car und Kasitu Tours, dass wir dies und jenes für das Vulkantrekking brauchen und dass das Hotel "Discover Rwanda Gisenyi Beach" als Unterkunft und sicheren Parkplatz empfohlen wird. Hm, Benett ist wirklich sehr geduldig und versucht uns zu helfen. In meinen Unterlagen hat er Forumlare für die Kongo-Visa gesehen. Er fragt mich, ob er die Formulare sehen darf und ich zeige sie ihm. Benett kennt sich gut damit aus und schüttelt den Kopf "Oh no, no... I’m afraid...". Es fehlt die Registrierungsnummer auf den Formularen, die sind somit wertlos und wir haben kein Visum für den Kongo! Dann sagt er uns, wir sollen uns erstmal auf das Sofa hinsetzen, er gibt uns das Passwort für Wifi und in dieser Zeit wird er in Kongo bei Kasitu Tours anrufen, denn er kennt die Jungs dort. Während er die Telefonnummer sucht, sind ich und Matthias enttäuscht, deprimiert. Anscheinend gab es Kommunikationsprobleme zwischen dem Autovermieter Alpha Car aus Uganda und dem Trekking-Agent Kasitu Tours aus Kongo. Nun sitzen wir in Ruanda und haben keine Bleibe für die nächsten Tage und das Vulkan Trekking können wir auch vergessen und und..., der schwarze Freitag...
Benett erwischt endlich jemanden im Kongo am Telefon und klärt für uns die Sache ab: aber natürlich wissen die Leute von Kasitu Tours, dass Adriana und Matthias morgen das Trekking auf dem Nyiragongo Vulkan machen, die Visa sind schon erledigt, ein Mitarbeiter kommt heute Nachmittag vorbei und bespricht alles mit uns. Ooooh! Freude! In Afrika laufen die Uhren anders, aber sie laufen!
Jetzt brauchen wir noch eine Unterkunft für heute Nacht. Benett sagt, er kommt gleich mit uns und wir suchen zusammen ein Hotel, denn wenn wir zwei Muzungu in Hotelnot allein suchen, verlangen alle astronomische Preise. Wir fahren los, fragen in mehreren Hotels nach und finden letztendlich ein Zimmer im Musanto Hotel, welches gegenüber vom Strand liegt. Als ich bezahlen will, stelle ich fest, dass 1-USD Scheine nicht akzeptiert werden, so wie ich auch von anderen Touristen unterwegs gehört habe. Es liegt wohl daran, dass die Bank sie nicht akzeptiert.
Am Nachmittag gehen wir in den Garten. Kurze Zeit später kommt Tresor von Kasitu Tours. Bei einem kühlen Getränk im Schatten besprechen wir die Details des morgigen Trekkings. Als erstes möchte Tresor unsere Impfpässe sehen, denn er hat schon so einige Überraschungen mit Touristen erlebt. Bei uns scheint aber alles in Ordnung zu sein. Dann erzählt er uns ein paar Infos über den Vulkan Nyiragongo, über den Ostafrikanischer Graben, er hat sogar Fotomaterial und Karten mitgebracht. Tresor, ein Koch und ein Porter (Gepäckträger) werden uns morgen auf dem Trekking begleiten und sich um uns beide inklusive um Essen und Getränke kümmern. Als ich ihn vorsichtig frage, ob das Trakking wirklich sehr schwierig ist, antwortet er lachend: "Ich bin hier, um dir zu sagen, dass das Trekking nicht schwer ist!". Das kann ja jeder sagen, aber dieser Satz und die Nachricht, dass er uns morgen begleiten wird, machen mir sehr viel Mut. Dann bezahlen wir noch für das Trekking und verabreden uns für den nächsten Tag um 7:45 Uhr bei dem Hotel "Discover Rwanda Gisenyi Beach", wo wir unseren Wagen für 2 Tage abstellen werden.
Inzwischen ist es schon spät Nachmittag und wir haben Hunger. Im Reiseführer sind ein paar Empfehlungen für Fisch und als ich von "Paradis Malahide" lese, erinnere ich mich an Picco's Reisebericht. Da sind Fotos und wir suchen eine Unterkunft für die 2 Tage nach dem Trekking, also fahren wir hin. Wir essen gegrillten Fisch an einem Tisch im Garten direkt am Wasser und es schmeckt ausgezeichnet, das ganze Ressort macht einen guten Eindruck, alles grün und bunt, viele Pflanzen und Blüten. Wir reserviern gleich ein Cottage für die 2 Tage nach dem Trekking, hier kann man bestimmt gut entspannen.
Am späten Abend fahren wir zurück in unser Stadthotel und ich versuche vergeblich einzuschlafen. Ich freue mich auf den Vulkan, aber der Weg bis dahin... 🙁 Unseren Lieben zu Hause schreiben wir noch "Drückt uns die Daumen, wir fahren in die DR Kongo und klettern auf einen aktiven Vulkan!". 🤩
Hallo Adriana, ich folge Deinem Beitrag schon die ganze Zeit. Bin echt gespannt auf euren Kongo-Teil 🙂 Eine Frage zwischendurch: hattet ihr in den letzten 1,5 Wochen Kontakt zu eurer Autovermietung? Ich bekomme, seit Tagen keine Antwort von Douglas auf meine Miet-Anfrage und wundere mich nur etwas, weil es hier im Forum ja immer hieß er antworte so schnell. Ich Tippe auf Spam Ordner, aber vielleicht wisst ihr ja auch etwas, dass er gerade Urlaub macht oder so 🙂 Jan
adrianaThemenstarter358 Beiträge · seit 201323. Sept. 2017 · #77
JanBr schrieb: Ich bekomme, seit Tagen keine Antwort von Douglas auf meine Miet-Anfrage und wundere mich nur etwas, weil es hier im Forum ja immer hieß er antworte so schnell.
Hallo Jan,
Douglas antwortet eigentlich sehr schnell, innerhalb von 24 Stunden. Wir haben in der letzten Zeit keinen Kontakt mit ihm gehabt, aber mir ist gestern aufgefallen, dass seine Website ein neues Design hat. Gestern gab es auf seiner Website mehrere Bereiche, die nicht funktioniert haben, heute sehe ich schon neue Bereiche (z.B. CEO, FAQ). Ich tippe auf eine Server- und Design-Umstellung und da kann schon mal passieren, dass der Email-Verkehr nicht mehr zuverlässig funktioniert. Ich an deiner Stelle würde nachhaken. Wann soll bei dir die Reise los gehen?
Hi Adriana, vielen Dank für Deine Antwort. Hab gestern einfach mal den Versuch gestartet ihn mit verschiedenen Email-Adressen anzuschreiben. Das hatte dann auch Erfolg. Irgendwie scheinen meine früheren Mails wohl alle nicht durchgekommen zu sein. Warum auch immer. Anfang Februar geht es los 🙂 Viele Grüße, Jan
tiggi1'558 Beiträge · seit 201124. Sept. 2017 · #79
Hallo Ihr Lieben, mit Spannung verfolge ich immer noch euren Reisebericht, es macht Spaß bei euch zu sein. 😘 🤪 Leider seid ihr soviel gewandert, dass dieses für uns nicht in Frage kommt. Manfred würde mit seinem Herzen diese Schwierigkeiten in feuchter Luft und steilem Bergauf- Laufen nicht schaffen. 😉 Dennoch habt ihr viel erlebt. Nun kenne ich zwar eure super( 🤪 ) Vulkanbilder, aber hier im Forum sind sie ja größer. Ich warte ganz gespannt und habe hoffentlich noch nicht zu viel verraten! Schönen Sonntag und liebe Grüße Biggi
ftc201036 Beiträge · seit 201727. Sept. 2017 · #80
adriana schrieb:
picco schrieb: Das könnte 'unsere' Odile gewesen sein, mit der wir beim Aufstieg und beim Abstieg Gorillas gesehen haben!
D.h. wir haben "deine" Rangerin abgeworben und sie in "Olile" umbenannt! 😛 Aber im Ernst, sie war eine sehr angenehme Person. Wir haben über tausend Sachen mir ihr gesprochen. Auch z.B. über die Verteuerung der Gorilla-Permits in Ruanda. Ich habe sie gefragt, ob man dadurch die Touristenmassen abschrecken will, aber sie meinte, man möchte mit dem Geld die Community stärker unterstützen. Ihre Prognose war, dass die Touristen auch für die 1500 USD weiterhin kommen werden.
Eine nette, aufgeschlossene, humorvolle Rangerin, die ihr Wissen passgenau mit euch teilt und auf Fragen auch vernünftig antwortet ist sehr, sehr viel Wert!!!
Ob allerdings die Einschätzung stimmt, dass die Touris auch für 1500 USD kommen? Ganz ehrlich: Wir wären nicht bereit diese Summe zu zahlen.