Unterwegs in den 1970er Jahren

550 Antworten · 99,6k Aufrufe · gestartet 24. Juli 2011 von wernerbauer
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68 Beiträge · seit 201007. Sept. 2011 · #61
moin Werner,

Anfang der 70-er Jahre war ich auch das 1.Mal in Botswana. Damals war es schwierig, Autos zu mieten. schliesslich gelang es mir ein altes "Buschtaxi" und einen noch älteren Landrover in Jo'burg zu mieten. Camping-Equipment mussten wir zusammensuchen. Landkarten hatte ich nicht. Aber es war klar die Hauptrichtung war Norden. Nach 2 bis 3 eiskalten Nächten, die meistens mit Reparaturen verbracht wurden, standen wir eines Morgens am Ufer des Thamalakanes. An der Grenze hatten wir einen Flyer bekommen, in dem Stand was von einem traditionellen Rasthaus am Ufer: das Crocodile Camp. Zu der Zeit wurde gerade das Delta gegen Tsetse nachts besprüht. Nach getanere Arbeit kamen die Piloten immer noch ins Camp, und dann gings zur Sache!! Mit dem Chef der Truppe stehe ich immer noch in Kontakt (Skype macht's für lau 😉 In der Folgezeit habe ich eigene Fahrzeuge (alte Unimogs et alt.) und Camping-Utensilien nach Maun gebracht, sodass für die jedes jahr folgenden reisen in Botswana etc. alles vorhanden war (inzwischen reduziert auf 1 "Buschtaxi")
Ngami See: den kenne ich voll bis oben hin und auch völlig trocken (bin quer durchgefahren ohne 1 Pfütze! durchqueren zu müssen). Na ja, die Zeiten haben sich verändert, Spiro ist nicht mehr da, dafür "Spar" et alt.
Und Maun hat sich zur Safari-Haupstadt von Afrika entwickelt. Den Menschen dort sei es gegönnt, aber alle Afrika-Liebhaber werden vieles vermissen.
Gruss Gernot
Gruss Gernot
ThemenstarterGast08. Sept. 2011 · #62
Hallo Gernot, sehr gut, noch ein 70er. Lebst du noch in der Region?
1976 waren wir am Lake Ngami. Die damalige Straße von Maun dürfte anders verlaufen sein als die jetzige. An den Punkt wo man an den See kam, war Wasser in beide Richtungen. Für eine Weiterfahrt nach Ghanzi hätte man den See umfahren müssen. Das dürfte ein Höchststand gewesen sein. So eine Ansammlung von Wasservögeln habe ich nie wieder irgendwo gesehen, das war phantastisch. 1977 bzw. ein Jahr später, hatte sich der See schon etwas zurückgezogen und wir haben am Weg nach Namibia bereits eine Abkürzung über den Seeboden nehmen können. 2002 haben wir, recht uninformiert, nach dem See gefragt und einige haben nicht gewusst, wovon ich rede.
Dass damals bereits gegen Tsetse gespritzt wurde, wusste ich nicht. In Moremi kamen sie jedenfalls noch in dicken Wolken.
Grüße Werner
68 Beiträge · seit 201008. Sept. 2011 · #63
wernerbauer schrieb:Hallo Gernot, sehr gut, noch ein 70er. Lebst du noch in der Region?
1976 waren wir am Lake Ngami. Die damalige Straße von Maun dürfte anders verlaufen sein als die jetzige. An den Punkt wo man an den See kam, war Wasser in beide Richtungen. Für eine Weiterfahrt nach Ghanzi hätte man den See umfahren müssen. Das dürfte ein Höchststand gewesen sein. So eine Ansammlung von Wasservögeln habe ich nie wieder irgendwo gesehen, das war phantastisch. 1977 bzw. ein Jahr später, hatte sich der See schon etwas zurückgezogen und wir haben am Weg nach Namibia bereits eine Abkürzung über den Seeboden nehmen können. 2002 haben wir, recht uninformiert, nach dem See gefragt und einige haben nicht gewusst, wovon ich rede.
Dass damals bereits gegen Tsetse gespritzt wurde, wusste ich nicht. In Moremi kamen sie jedenfalls noch in dicken Wolken.
Grüße Werner
Gruss Gernot
4'129 Beiträge · seit 200808. Sept. 2011 · #64
Es ist nicht einfach, die uralten Reisezeiten wieder im Kopf lebendig werden zu lassen. Allerdings reden wir anlässlich dieser Geschichten plötzlich ziemlich viel miteinander über die alten Reisen. Aber alles, was nicht aufgeschrieben ist, ist sehr lückenhaft...


Malawis Kleider-Etiquette

Schon an der Grenze wurde jedem Reisenden klar, dass in Malawi ein strenges Regiment herrscht. Das wusste man im Prinzip schon vorher, es aber zu erleben, war schon sehr speziell.
Für den Grenzübertritt gab es eine Kleider-Etiquette: Männer hatten Hemd und lange Hosen zu tragen, Frauen adrett mit Knie-bedeckendem Rock zu erscheinen. Langhaarige freakig angelotterte Bartträger fanden bei den Grenzern keine Gnade. Die hatten ernste Probleme und mussten mitunter vor Ort „Körperpflege“ betreiben...

(Sich auf Reisen an wie auch immer geartete Kleider- oder Benimmregeln anzupassen, macht uns nie Probleme, im Gegenteil: Man schlüpft in eine interessante Rolle, um der jeweiligen Kultur Respekt zu zollen. Resonanz: Man erweist auch uns Respekt und Gastfreundschaft. So würde z.B. kein Araber, der etwas auf sich hält, eine „halbnackte“ weiße Frau und einen jungen Mann in kurzen „Unterhosen“ einladen, das ganze Dorf würde hernach über ihn herziehen...)

Also hielten wir rechtzeitig vor der Malawi-Grenze an: Rasieren, Haare kämmen (tags zuvor meinem Mann die zu langen Haare geschnitten, sie durften "nicht lose über den Kragen fallen"!) und die „Botschaftskleidung“ (unsere einzig gute Kleidung) angezogen. Zur Einreise waren wir wie aus dem Ei gepellt.
Nachdem wir aus dem Grenzgebiet heraus waren, zogen wir bei der ersten Pause wieder unsere üblichen Reiseklamotten an.

Dann, beim ersten Einkaufsgang über einen kleinen Markt zupften Frauen an meiner Hose, zischelten und zeigten mit dem Finger deutlich ihren Unwillen. (Ob es nur ihr Unwille war oder ob sie uns mehr warnen wollten, konnten wir nicht ausmachen.) Frauen war es eben nicht gestattet, in der Öffentlichkeit Hosen zu tragen - und wir hörten später, dass die Polizei tatsächlich Reisende verwarnt.
Ihre Aufforderung war jedenfalls so deutlich, dass es uns sehr unangenehm war und wir sofort zum Auto zurück gingen, um uns erneut umzuziehen. Dieses Mal musste der Khanga und die lange Jeans reichen.
In dieser Kleidung waren wir dann willkommene Kunden auf dem kleinen Markt. Alle Frauen, die uns zuvor gesehen hatten lachten zufrieden, dass wir Muzungus nun wussten, wie man sich zu benehmen hat...

Gruß lilytrotter




Nachtrag:
Hab noch Preise gefunden: Wechselkurs 1988 (Bank of Malawi): 1DM=1,36Kwacha
Schwarzmarktkurs ca. das 2fache
Mzuzu Supermarket: 2 Rollen Toilettpapier 3,60Kw – 1Pfund Butter 7,60!Kw– 1l Diesel 1,61Kw – Carsberg Bier 0,95Kw – Sprite 0,55Kw – 1/2l wässrige Milch 2Kw - 1kg erstklassiges Rumpsteak 11,50Kw
Früchten und Gemüse der Saison gabs am Straßenrand oder auf den lokalen Märkten, es kostete nur sehr wenig (1 Mango im Dez. (Mangozeit) 2 Pfg)
Camping Livingstonia Beach Hotel 4,00Kw
Luxustage sahen dann so aus:
Camping Golf Course Lilongwe 10Kw - 1h Tennisspielen (incl.Schläger) 2Kw - Swimmingpoolbenutzung: 20 Tambala 🙂
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 14. Sept. 2011
4'129 Beiträge · seit 200811. Sept. 2011 · #65
Zum Folgenden gabst du neulich das Stichwort, Werner:
...Davor gab es eine Verbindung per Wasserflugzeug ab Kairo, in Tagesetappen über den Nil und die Seen bis Malawi...
In Salima gab es neben dem schönen Livingstonia Beach Hotel eine sehr beliebte Campsite am Strand unter Schattenbäumen. Ein schöner Flecken Erde. Man konnte morgens, mittags, abends wählen zwischen selber kochen, local food oder sehr guter Hotelküche. Entsprechend unserem Budget waren wir mehr nebenan, in den Buden der Locals als im Hotelrestaurant anzutreffen. Außerdem war das Fischerdorf sehr lebendig, täglich brachten die Fischer ihren Fang in den kleinen Booten nach Haus, der dann gleich an den Mann gebracht wurde oder auf die Trockengestelle.
Der Tagesablauf war gleichförmig mit Freizeit ausgefüllt. Am Strand liefen allabendlich pünktlich die Pfeifenten an der Wasserlinie entlang und versüssten uns mit ihrem fipsigen „Wiwiwi“ unseren Sundowner. Welch ein Leben!
Eines Nachmittags wurde die süße Langeweile von einem Brummen durchbrochen und ein Flugzeug schwebte heran. Es war nicht schwer zu erkennen, seine Form und die Schwimmer wiesen es als Wasserflugzeug aus. Es landete direkt vor dem Hotel und fuhr seine Gäste bis an den Strand. Gut gelaunte und gestylte Herrschaften entstiegen dem kleinen Wasserflugzeug. Man war auf Safari: Africa in 10 Days... - auf historischer Route - uns Campern klappten die Kinnladen runter. Das musste unser kleines Traveller-Hirn sich erstmal vorstellen, - wir waren auf dieser Strecke schon gut ein Jahr unterwegs: Kairo, Assuan, Wadi Halfa, Khartoum, Lake Turkana, Lake Victoria, Lake Malawi, - der nächste Stopp ihrer Route war der Lake Kariba (keine Ahnung welche Seen noch dabei waren).
Am nächsten Morgen sollte es weitergehen, doch hatte der Flieger ein kleines Problem: Der eine Riefen war platt und man bekam ihn nicht ab, weil... man keinen vernünftigen Wagenheber hatte. So kam es, dass plötzlich jemand dastand und uns fragte, ob wir vielleicht... Hatten wir. Unser hydraulischer 10t-Wagenheber brachte die nötige Hilfe. Derweil saßen die Gäste auf der kolonialen Terrasse und nippten an ihrem Drink. Nach gelungener Reparatur musste noch ein wenig gebuddelt werden, bis der Flieger wieder im Wasser war und schon konnte es losgehen.
Es war ein toller Anblick die 40 Jahre alte Maschine abfliegen zu sehen.

Gruß lilytrotter

Hab mal versucht ein Dia abzufotografieren...

Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 11. Sept. 2011
ThemenstarterGast11. Sept. 2011 · #66
Danke Lilytrotter, mit den Erzählungen kommen wieder viele Erinnerungen ins Bewusstsein. Dir und Erika Hochachtung für euer Gedächtnis, Lebensmittelpreise in Malawi 19?? und so, Respekt; so genau kann ich mich nicht mehr erinnern.
Ich bin auch der Meinung, dass man als Reisender die Etiquette fremder Länder respektieren soll, auch was einem nicht passt ist eine Reiseerfahrung, schließlich fährt man ja freiwillig hin. Die von dir erzählten Bekleidungsvorschriften in Malawi hatte Hastings Kamuzu Banda verordnet, der immer und ganz besonders im hohen Alter ein großer Spinner war. Die Bekleidungsgebräuche in SA Ende der 60er waren eine Mischung von kolonial/bürgerlicher Etiquette und bigottem Afrikaanertum, z.B: In den Innenstadtkinos in Pretoria musste Mann Sakko und Krawatte tragen, zum Wochenende kamen viele Frauen im „Langen“ ins Kino. An der Pretoria-Uni durften Frauen keine Jeans oder Hosen tragen, Jhbg war liberaler. Nach langen Debatten haben sie dann in Pretoria schließlich Hosen nur als Hosenanzüge mit Jacke erlaubt, so entstand der Merkel-Look. Im öffentlichen Schwimmbad sind wir einige Male gerüffelt worden, als wir unsere Buben nackig im Rasen krabbeln ließen.

Betr. Malongana (siehe weiter oben) habe ich nochmals back to the roots betrieben und habe eine Frage an Kenner dieser Gegend in alten Zeiten: Der Zugang zu Malongane ist heute offensichtlich genau umgekehrt zu damals. Jetzt wird über SA/Kosi Bay gefahren und die nördliche Zufahrt über Mozambique (heutige N4, Boane, Ponta do Ouro) wird als „Allradstrecke“ beschrieben, siehe http://www.parquedemalongane.com/More/Gettinghere/tabid/438/language/en-US/Default.aspx . Diese Strecke sind wir in den 70er Jahren von Pretoria aus mit Pkw immer leicht in einem Tag gefahren. Das war eine normale „dirt road“ und außer bei/nach sehr starken Regenfällen mit PKW problemlos befahrbar. Dagegen war die Zufahrt nach Kosi Bay mit Pkw nicht zu machen und ein Grenzübertritt nach Ponta do Ouro war nicht möglich. 1974 bin ich aber auch ein Mal von Ndumo in SA kommend nach Mozambique eingereist. Die Piste führte von Ndumo ein Stück nach Osten in Richtung Kosi Bay und dann nach Norden bis zur Hauptstraße Boane nach Ponta do Ouro/Malongane. Auch diese Route war nicht Pkw-tauglich.
NdumonachMalongane.jpg

Laut meinem Reisepass habe ich SA in Muzi verlassen, der MOZ Einreisestempel ist unleserlich. Obwohl das damals schon eine deutliche Piste mit Grenzposten war, kann ich diese Route auf google maps nicht orten. Kennt das jemand oder gibt es das nicht mehr?
Grüße Werner
4'129 Beiträge · seit 200814. Sept. 2011 · #67
@Werner: Natürlich hatte ich die Preise nicht im Kopf, sondern in meinen chaotischen alten Reiseaufzeichnungen. Hab die Jahreszahl jetzt ergänzt.

Nur allzu gern würden wir dir etwas über Mozambique sagen können, doch das blieb bisher immer ein Traum, denn derzeit war dort Krieg und jetzt sind wir noch nicht so weit gekommen. Vielleicht machst du für deine Mozambique-Frage einen extra Thread auf, da gucken dann vielleicht noch ein paar mehr Leute drauf.



Für das traumhafte Mozambique waren wir viele Jahre zu spät...
Bei uns sah dieser Reiseabschnitt folgendermaßen aus:


Korridor durch Mozambique oder durch Zambia

Das war die große Frage.

Ende der 80ger fuhr einmal wöchentlich ein Konvoi mit Militärbegleitung durchs kriegsgeschüttelte Mozambique. Es wurde von regelmäßigen kleinen Schießereien berichtet. Dann mussten alle rausspringen, sich unter ihre Fahrzeug schmeißen oder den weiteren Anweisungen des Militärs folgen. War das Scharmützel vorbei, hieß es „Aufsitzen“ und weiter.
Zambia galt auch nicht als sicher. Alle Reisenden und Einheimischen fuhren lieber den Konvoi, als durch Zambia. Von dort kursierten Geschichten über Wegelagerei, Überfälle und sonstige Gräueltaten.
Ewig hatten wir es durchgespielt. Gern wären wir von Malawi nach Zimbabwe den Konvoi durch Mozambique mitgefahren, aber wir waren mit unserem alten MAN einfach zu langsam. Mit den neuen kleineren Reifen, die wir aus Sparsamkeitsgründen in Tanzania gekauft hatten, war unsere Höchstgeschwindigkeit von sagenhaften 64,5km/h auf 57 gesunken. Für den Konvoi wurde die Geschwindigkeit von 65km/h verlangt. Keine Chance den anderen zu folgen. Man prognostizierte uns, dass sie uns irgendwann davon fahren und wir dann als „Nachhut“ hinterher fahren müssten... - das war uns zu gefährlich.
Also Zambia.

So fuhren wir, präpariert mit allen guten Ratschlägen, NIE anzuhalten, wenn jemand an der Straße steht und winkt, oder gar ein Unfall zu sein scheint (der simuliert sein könnte) durch das Land.
Der Grenzübergang war locker und freundlich. Die Zambier machten unser mittlerweile ungültig gewordene Visum wieder gültig, durch die einfache Zahlung der üblichen Gebühr, - genauso wie man uns in der Botschaft zuvor gesagt hatte. Devisendeklaration, Carnet abstempeln, einmal ins Auto geschaut, nix angerührt. Fertig.
Alle waren relaxt und freundlich.
Hinter der Grenze auf dem Weg nach Chipata, stand das „Elefantengras“ locker zwei Meter hoch neben der Straße, kilometerweit. Niessalven quälten uns, denn wir schienen allergisch auf das blühende Gras zu reagieren. Dort, wo es zum South Luangwa ging, standen uns die Tränen in den Augen..., aus eben zwei Gründen: Das blühende Gras und wir trauten uns nicht in den Luangwa. Seit Monaten hatten wir jeden Reisenden ausgequetscht und auch in Malawi die Leute gefragt, niemand traute sich dort hin, wegen der Wilderei. Angeblich gab es eh kaum noch Wild und der Rest war sowieso so scheu, dass man es nicht zu Gesicht bekam, - so der allgemeine Tenor, Informationen aus zweiter und dritter Hand... Deprimiert fuhren wir weiter nach Westen. Übernachtung in Petauke, Nyika Motel, wir konnten hinter der Küche stehen. Sie waren so nett und nahmen Malawi-Kwacha zur Bezahlung. Wir hatten ja noch keine Zambischen Kwacha.
Entlang der Strecke waren Straßendörfer, manche überaus gepflegt, mit großen Vorratskammern. Auffallend war der „andere“ Hausbau: Die lehmverputzten Häuser mit Reetdächern waren oft schön angemalt und mit Mustern verziert und hatten einen auf Holzpfählen gestützten Gang drumrum. Das gefiel mir, denn ich hatte mich schon häufig gefragt, warum solch ein Sonnen- und Regenschutz in Afrika nicht Standart ist.
Die Straße hatte auf ca. 150 km einige Schlaglöcher, ansonsten guter Asphalt. Die Polizei an den Roadblocks war freundlich. Schlagbaum vor der Brücke über den Luangwa: Dort durfte nur 1 LKW zur Zeit fahren, mit 5 km/h, - und das wurde sehr gewissenhaft überwacht. 100 km vor Lusaka Tse-Tse Fliegen Kontrolle. Mit kleinem Catcher und Spraydose kontrollierten zwei Leute das Auto, klopften hier und sprühten da...
Dann verbrachten wir zwei nette Tage im sehr übersichtlichen Lusaka. Zur Übernachtung fuhren wir nach außerhalb, zum „Andrew’s Motel“, 7 km südl. der Stadt. Über die Campingmöglichkeit in Lusaka, beim Caravan Camp, stand im Därr, dass es wohl der sicherste Platz wäre, um sich einem nächtlichen Überfall preiszugeben... Hmm, das schien uns nach Ansicht des Platzes durchaus glaubwürdig: Selten, eigentlich noch nie auf unserer Reise hatten wir so was Heruntergekommenes gesehen.
Das Zentrum war klein und sehr lebendig, der kräftige Bodycheck eines Taschendiebes fiel negativ aus, es war nix in den Gesäßtaschen.
Hier und da standen lange Schlangen vor mehreren kleinen Geschäften. Eine Shortage? Weit gefehlt. Es waren Wettbüros! Die Sambier sind ein wetteifriges Volk...
Der große Souvenirshop konnte leider den Einfluss intensiver DDR-Entwicklungshilfe in Design und Auswahl nicht verbergen! Deutsche Spießbürger-Scheußlichkeiten: Kupferteller-Uhren mit Gazelle, Vasen und Becher-Sets im 60er Jahre Design hätten ebenso in Ost-Berlin stehen können. Landestypische Kunst kam kaum vor, nur einige wenige Schnitzereien ließen erahnen, was sambische Künstler hervorbringen können, wenn sie nicht dazu angehalten werden, der „Röhrende Hirsch“ herzustellen...
Den ganzen Tag dudelte überall „Radio Mulungushi“, ein absoluter fun-Sender mit super Musik (wir haben damals eine Kasette mitgeschnitten, unterirdische Qualität, aber ein witziges Souvenir), nachmittags ging man in den Garden Club, eine sehr nette Adresse.
Auf einer Nebenstraße östlich von Lusaka, sahen wir auch unsere größte Python: Als sie die schmale Asphaltstraße überquert hatte und ihr Kopf im Randstreifenbewuchs verschwand, war das Schwanzende noch nicht zu sehen. Mit großen Augen beobachten wir das Roadcrossing. Und nicht nur wir. In respektvollem Abstand standen einige Einheimische und einige Männer gingen mit Pangas hinter ihr her. Lange hat sie sicher nicht mehr gelebt... Seitdem halten wir die Erzählungen über Riesenpythons nicht mehr für Fantasiegeschichten.

Das Bewegendste aber, war irgendwann der Anblick der Victoria Fälle.
Schon viele Kilometer zuvor sahen wir den „Rauch“ in der Ferne. Die Gischt sieht man ja sehr weit und man fährt sehr lange darauf zu (wir jedenfalls...). Letztendlich konnten wir uns kaum noch retten vor Entdeckergedanken. (Es war ja noch nicht lange her, dass wir in Livingstonia in Malawi mehrere Tage neben Livingstones Haus gecampt hatten und auf seinen Spuren wandelten. Das hatte uns schon sehr beeindruckt - allemal hatte er dort einen Traumplatz für sein Wohnhaus gewählt!)
Was er wohl damals empfand, als sich seine Expedition durch den Busch schlug, - welch eine Belohnung, nach Anstrengungen und Entbehrungen eine solche Entdeckung zu machen. Welch ein Gefühl muss Livingstone übermannt haben, als er die Fälle endlich erreichte (er kam allerdings den Sambezi runtergerudert). Nein, nein, Gefühlsduseleien wie die unsrigen, waren seine Sache sicher nicht, - Forscherseelen waren sehr diszipliniert, - aber er schrieb: „Es war der herrlichste Anblick, den ich je in Afrika erlebt habe.“
Ja. Und beeindruckend gewaltig.
Genauso wie heute.

Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 15. Sept. 2011
2'168 Beiträge · seit 200915. Sept. 2011 · #68
Hallo Werner,
Laut meinem Reisepass habe ich SA in Muzi verlassen, der MOZ Einreisestempel ist unleserlich. Obwohl das damals schon eine deutliche Piste mit Grenzposten war, kann ich diese Route auf google maps nicht orten. Kennt das jemand oder gibt es das nicht mehr?
Muzi liegt 25 km nord-westlich von Kangwanase, am oestlichen Rand vom Thembe elephant Park. Das ist heute nur ein "Police Border Post (no crossing)". 5 km noerdlich davon, in Mozambique, liegt Manhoca.

Gruss aus Sodwana
Maddy
Reiseberichte: Camping Tour Northern Namibia, August 2010 Dlinza Forest, Eshowe, KZN, South Africa Die erste Reise - Loggerhead Camping trip 2020: KNP-Mapungubwe-Magoebaskloof-Mt.Sheba
2'338 Beiträge · seit 200715. Sept. 2011 · #69
Hallo zusammen

@ liytrotter
Anfangs der Siebzigerjahre war es noch absolut problemlos und sogar sehr angenehm, Mosambik zu bereisen. Viele Südafrikaner verbrachten dort ihren Urlaub. Vor Zambia hingegen wurde man damals eindringlich gewarnt, da in jedem Weissen ein verhasster Südafrikaner oder Rhodesier vermutet wurde. Viele behaupteten sogar, dass Zambia für Weisse das gefährlichste Land in Afrika sei.

Zum Thema Mosambik:

Ein Haus in Ponta d‘Ouro
Ein guter Schweizer Freund, welcher bereits seit dem Ende der Sechzigerjahre im südlichen Afrika wohnt, liess sich anfangs der Siebzigerjahre in Ponta d’Ouro/Mosambik ein Ferienhaus bauen. Als 1976 der fast zwanzigjährige Bürgerkrieg ausbrach, konnte er dort natürlich nicht mehr Urlaub machen. Da in den späteren Neunzigerjahren die Lage wieder einigermassen sicher wurde und die Minen weggeräumt waren, fuhr er nach über 20 Jahren wieder mal dort hin, um zu schauen, was sein Haus macht. Er musste feststellen, dass es von einem Portugiesen bewohnt wurde 😮 . Unser Freund zeigte ihm ein Dokument, aus welchem hervorging, dass er der Besitzer war, aber der Portugiese zeigte sich wenig beeindruckt, bot aber“grosszügigerweise“ unserem Freund an, auf das selbe Grundstück nochmals ein neues Haus zu bauen, da ja genügend Platz vorhanden sei 🤩 . Vor Gericht zu gehen wäre natürlich absolut sinnlos gewesen, da der Vertrag noch mit der portugiesischen Kolonial-Regierung abgeschlossen worden war. So hätte unser Freund eigentlich ein Haus in Ponta d’Ouro, aber leider nur auf dem Papier 😐 .

Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
2'262 Beiträge · seit 201115. Sept. 2011 · #70
Liebe Werner, Erika und Lilytrotter,
vielen Dank dafür, dass ihr mich an Eure frühen Erlebnisse in Afrika teilhaben lässt!
Ihr habt die Sachen gemacht welche ich immer davon geträumt habe, aber niemals gehofft, dass sie auch nur annähernd in Erfüllung gehen. Ich habe dort oben in NOR auf meine verblasene Fischerinsel nicht mal gewagt zu hoffen ich komme z. B. nach Malle. Einfach utopisch damals in den 60ern – es war eine Weltreise in die nächste Stadt!
Dass ich mal der Liebe wegen in Süd-Deutschland lande, habe ich auch nicht auf der Agenda
Gehabt, aber zweitens kommt es anders als man denkt. Thank God!
So sind wir dann auch -87 – unsere 1. Fernreise- das erste Mal nach Afrika gekommen. Mit Unterstützung von Meryl Streep, Robert Redford und „Im Osten von Afrika“ habe ich mein Mann überreden können diesen „gefährlichen“ Kontinent zu betreten. Hübsch brav als Pauschaltouris zwar, aber Massai Mara war damals für uns ein unvergessliches Erlebnis.
Zeit dem sind wir ziemlich herumgekommen, haben viel gesehen und erleben dürfen.
Ende der 90er war ich auch in Ponta d´Ouro zum tauchen - ziemlich abenteuerlich und
Nichts für Warmduscher.
Jetzt freuen wir uns auf Namibia 2012 – die Flüge haben wir gestern Abend gebucht.
Nur auf Malle waren wir noch nie…………………………
Liebe Grüße
Guggu
Reiseberich Namibia August 2012: Tagebuchaufzeichnungen einer Wikingerin in Namibia Reisebericht Namibia/Botsuana August 2013: Frau HIRN on the floodplains Reisebericht Namibia 2015:A trip down Memory Lane NAM/BOT 2017 :So weit! So gut! Kenia/Masai Mara 2019 :Der Kreis schliesst sich
41 Beiträge · seit 201015. Sept. 2011 · #71
danke für diese schönen reisebeschreibungen.
mhhh, erika und ich dachte du wurdest in den 70'er noch im kinderwagen durch die schweiz geschoben. tsetsetse wie man sich irren kann 😉
"I never knew of a morning in Africa when I woke that I was not happy" Ernesto Hemingway
ThemenstarterGast17. Sept. 2011 · #73
Danke Erika, danke Lilytrotter,
ich schildere hier noch ein bisschen den historischen Hintergrund, vor welchem wir alle das südliche Afrika damals touristisch erlebt haben. Auch in SA lebend hat man, wegen der strengen Medienzensur, einiges davon nicht mitbekommen. Interessierte mussten sich schon um „inoffizielle“ Informationen bemühen und dabei sehr vorsichtig sein. Wir europäische Touristen verdrängen meistens, in welchem Umfeld von Konflikten, Vorbehalten und Misstrauen wir uns auf Fernreisen bewegen (das ist heute auch nicht anders), und in jungen Jahren ist einem das meistens auch egal. Dass wir uns das heute alles erzählen können, verdanken wir teilweise unseren Schutzengeln und dem Umstand, dass anfänglich keine „weichen Ziele“ angegriffen wurden. Bis sich das änderte, hatte sich die Vorgeschichte schon 10 bis 15 Jahre vor unserer Nase abgespielt, dazu einige Jahreszahlen.
@ Mozambique:
Frelimo begann den bewaffneten Aufstand 1964, von Tansania ausgehend. Es hat dann einige Jahre lang gedauert bis sie sich bis in die Mitte von Mozambique vorgearbeitet hatten. Ab ca. 1970 haben sie (erfolglos) die Cabora Bassa Baustelle in der Teteprovinz angegriffen. 1972 waren sie dort schon sehr aktiv. Freunde sind 1973 (glaube ich) auf dem Weg nach Malawi über den „Tetekorridor“ schon im Konvoi fahren. 1974 gab es Kampfhandlungen bis zur Region um Gorongoza (siehe weiter oben im Thread). Weiter südlich war Frelimo sicher politisch im Untergrund aktiv, aber nach meiner Kenntnis nicht militärisch, weil es dann 1974 nach der Nelkenrevolution in Portugal sehr rasch zu einem Waffenstillstand kam. 1975 entstand von Rhodesien aus die Renamo, 1976 begann der Krieg mit Frelimo, später der noch viel schlimmere Bürgerkrieg in Mozambique, der dann bis 1990 dauerte. Die Sicherheits- und Reisebedingungen in dieser Zeit sind oben von Lilytrotter beschrieben.
@Rhodesien/Zimbabwe/Zambia
Zambia wurde 1964 unabhängig. 1965 hat Ian Smith in Rhodesien die „Einseitige Unabhängigkeit“ (UDI) ausgerufen, die Grenzen bzw. Transportwege mit Zambia dicht gemacht und militärisch gedroht. Ab Mitte der 60er begann das Einsickern von ZANU/ZAPU in Rhodesien/Zimbabwe und Überfälle. Durch diese Kanäle und durch Botswana wurden auch die ANC-Leute aus SA aus- und zurückgeschleust. Bereits in den 70ern hatten die personell überforderten rhodesischen Streitkräfte einen hohen Anteil an ausländischen Söldnern.
@ SA/Namibia/Angola
1961 begann der ANC in SA mit Sabotageakten, 1966 die Swapo in Namibia. SA war die einzige militärische Großmacht in der Region und agierte dem entsprechend, z. B. der Einmarsch in Angola 1978. SA hat laufend ANC-Einrichtungen in allen Staaten der Region angegriffen, z. B. 1986 mit Luftangriffen in Lusaka, Gaberone und Harare (während bereits laufender Verhandlungen mit ANC/Mandela), in diesem Jahr hat man auch Samora Machel in Mozambique „abstürzen lassen“.
Einige der guten Fernstraßen, auf denen wir heute fahren, entstanden aus militärisch/strategischen und politischen Gründen während und wegen der damaligen Kriege und Konflikte, z. B. die B8 durch den Caprivi, die heutige Trasse von Maputo nach Beira und der sogenannte Tetekorridor in Mozambique. Das Militär brauchte ganzjährig befahrbare Straßen und durch die Asphaltierung sollte die Verminung erschwert bzw. leichter entdeckbar gemacht werden, die höhere Fahrgeschwindigkeit sollte Überfälle erschweren. Die befestigte Straße nach Nata und weiter nach Kazungula entstand um die Isolierung von Zambia und Botswana durch Smith zu verhindern. Sie wurde durch internationale Hilfe und Kredite finanziert.
Grüße Werner
PS 1: In diesem Forum gibt es viele, die seit langem in der Region leben und/oder tätig sind. Bitte um Einspruch falls ich etwas falsch widergegeben habe.
PS2: Die heutigen Sicherheitsprobleme sind anderer Art.
2'168 Beiträge · seit 200917. Sept. 2011 · #74
Hallo Werner,
Die Region ist jetzt offensichtlich mehr nach SA bzw. Kosi Bay orientiert als nach Maputo. Laut www.parquedemalongane.com/More/Gettinghe...e/en-US/Default.aspx gibt es ja nicht einmal mehr eine vernünftige Straße von Maputo. oder ist das eher übertrieben?
Ich kenne die Strasse nach Maputo nicht, aber kann mir gut vorstellen dass das nicht uebertrieben ist!
Und die Strasse nach dem Kosi Bay Grenzposten sieht auch dort genau so aus wie in diesem Absatz beschrieben: "You will get to grasslands and the road will become seriously challenging. Drop your tyre pressure to anything between 1.8 and 2.2 bars, depending on how brave you feel. You may find traffic in the same direction on the same path as you. Make sure that if you stop to make way that it is on a hard patch and preferably a bit downhill. You will also find sometimes more than one sand road to take. All roads here go to the same place. Play the lotto and choose the one looking the best to you. (You will be wrong anyway and ended up struggling through deep sand while old bakkies packed with smiling Mozambiquans will whisk pass you on one of the other adjacent roads)."
Also von dieser Seite ist die Anfahrt auch nicht besser!

Was sich seit den 70iger Jahren auch noch merklich veraendert hat: die Strassen sind um sehr vieles schlechter geworden, vor allem in Maputaland!

Gruss aus Sodwana
Maddy
Reiseberichte: Camping Tour Northern Namibia, August 2010 Dlinza Forest, Eshowe, KZN, South Africa Die erste Reise - Loggerhead Camping trip 2020: KNP-Mapungubwe-Magoebaskloof-Mt.Sheba
2'338 Beiträge · seit 200720. Sept. 2011 · #75
Werner schrieb:
@Rhodesien/Zimbabwe/Zambia
Zambia wurde 1964 unabhängig. 1965 hat Ian Smith in Rhodesien die „Einseitige Unabhängigkeit“ (UDI) ausgerufen, die Grenzen bzw. Transportwege mit Zambia dicht gemacht und militärisch gedroht. Ab Mitte der 60er begann das Einsickern von ZANU/ZAPU in Rhodesien/Zimbabwe und Überfälle. Durch diese Kanäle und durch Botswana wurden auch die ANC-Leute aus SA aus- und zurückgeschleust. Bereits in den 70ern hatten die personell überforderten rhodesischen Streitkräfte einen hohen Anteil an ausländischen Söldnern.
Victoria Falls 1971:

Unsere Reise führte uns natürlich auch zu den VicFalls. Einen Campingplatz gab es nicht, aber die Polizei schickte uns in den Garten des Victoria Falls Hotels, wo wir die Nächte verbringen durften 😄 . Sogar ein Nachtwächter wurde uns zur Verfügung gestellt. Das ehrwürdige Hotel war geschlossen und verrammelt, da wegen der unsicheren politischen Lage keine Touristen da waren. Man erzählte uns, dass ab und zu von der Zambiaseite aus auf Touristen geschossen worden war und es Tote gegeben habe 🙁 .

Wir waren überwältigt vom Anblick der Fälle. Kein Mensch war ausser uns und einem schwarzen Besucher dort, der uns entsetzt fragte, was denn das für ein Tier sei, als ein Warzenschwein über den Weg rannte. Natürlich warfen wir von Zeit zu Zeit auch einen Blick auf die gegenüberliegende Seite, um zu schauen, ob da jemand mit einer Knarre steht 🤢 . Eintritt mussten wir keinen bezahlen und an irgendeinen Zaun um die Fälle kann ich mich auch nicht erinnern. Die Versorgung war praktisch zusammengebrochen. Es gab nur ein ganz kleines Geschäft, das einige Zwiebeln, Seife, Schuhcrème, Haarstrecker, Hautbleichmittel und sonstige Ladenhüter im Sortiment hatte.

Der grosse Unterschied zu heute war, dass man praktisch keine Möglichkeiten hatte, sich über das aktuelle Weltgeschehen zu informieren. Die südafrikanische Presse hielt sich in Bezug auf solch heikle Themen wie Rhodesien sehr bedeckt. Erst vor Ort wurde einem dann berichtet, dass es im Untergrund brodelt. Das hatte natürlich auch den Vorteil, dass man völlig unbeschwert und sorglos reiste. Wenn es zu brenzlig wurde, fuhr man halt weiter.

Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
ThemenstarterGast22. Sept. 2011 · #76
Danke Erika, unser Erleben der Victoria Fälle zeigt, wie rasch sich die Verhältnisse ändern konnten.
Wir waren 1970 und 1974 dort. 1970 haben wir ziemlich zentral in einer Art municipal camp in einem sehr einfachen Bungalow gewohnt. Das schöne Hotel war in Betrieb. Wir haben wohl nicht gewusst oder ignoriert, dass der Flughafen bereits beschossen worden war und einen herrlichen Rundflug über die Fälle gemacht. 1974 sind wir von Wankie/Nentwich aus auf einen Tagesausflug hingefahren. Beide Male waren doch einige Besucher dort, jedenfalls nicht so einsam wie bei deinem Besuch in 1971; aber sicher weniger als wir das viel später in 1997 erlebt haben. Mir fehlt aber der Vergleich zu „besseren Zeiten“, denn 1997 war, nach 17 Jahren von Bob’scher Regentschaft, sicherlich auch keine gute Zeit. An einen Zaun kann ich mich aus den 70ern auch nicht erinnern, der ist wahrscheinlich erst mit der Einführung der Eintrittskarten entstanden.

Durch diesen Austausch habe ich jetzt auch verschüttete Kenntnisse wieder aufgefrischt und alte Bücher ausgegraben, war interessant. Laut „From Rhodesia to Zimbabwe“ von A. R. Wilkinson (Penguin Books, 1976) war da ein eher intensiver Buschkrieg im Gang. Gut, dass ich das Buch erst nach unseren Besuchen in Zimbabwe gelesen habe, denn, wie du sagtest
„Die südafrikanische Presse hielt sich in Bezug auf solch heikle Themen wie Rhodesien sehr bedeckt“
Genau, die Pressezensur in SA war strikt, Rhodesien wird nicht anders gewesen sein. In die Zeitung kam nur, was sich nicht mehr verheimlichen ließ, und dann auch nur das Ereignis selbst bzw. kein Hintergrund.
Grüße Werner
ThemenstarterGast22. Sept. 2011 · #77
Fotografieren in den 1970ern
Ich habe hier noch etwas über die damalige Fotografie geschrieben, dann in den Zeiten der digitalen Fotografie haben wir rasch vergessen, wie viel komplizierter (und auch teurer) es früher war, gute Fotos zu produzieren; insbesondere von Wildtieren, wo die Schnelligkeit bei der Kamerabedienung oft ausschlaggebend ist.
@Kameras:
Unseren Einstieg in die Wilddtierfotografie habe ich bereits im Thema „Mein liebstes Nashornbild“ so berichtet:
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Es gibt hier schon so viele exzellente Bilder von Nashörnern, daher ein etwas anderes. Dieses Meisterfoto entstand 1969 in Mkuze mit einer Braun Paxette aus den 1950er Jahren, mit Normalobjektiv. Es war eigentlich unsere erste Wildtiersichtung in Afrika und die war so: Wir waren eben in Mkuzi angekommen. Ich war gerade Fahrschüler und Freund Kurt ließ mich Übungsfahrt machen, weil ideal, kein Verkehr, langsam….von wegen. Hinter einer Kurve im dichten Busch stand ein uns unbekanntes schwarzes Tier auf der Straße, so groß wie ein Schwein und mit einem komischen Knubbel am Kopf. Plötzlich bebte der Busch, Mama erschien und dann war es sogar uns klar. Die Alte attackierte das Auto sofort; das war schon beeindruckend, im VW sitzend ist man da etwa auf Augenhöhe. Es ging alles blitzschnell, bei 2 Metern Abstand röchelte Kurt nur noch „zurück, zurück“ und ich habe das, ohne abzuwürgen, geschafft. Die Alte setzte noch einmal kurz nach und ich bin zurück um die Kurve. Wir haben dann nochmals vorsichtig um die Kurve geschaut, da standen sie noch kurz so wie am Bild, dann waren sie weg. Wir schnauften durch… wow…so ist also Afrika. So dramatisch ging es dann aber nicht weiter und die Bilder wurden auch besser.
Dafür haben wir dann rasch aufgerüstet auf eine
Spiegelreflexkamera Pentax S3 (noch mit aufgesetztem Belichtungsmesser bzw. nicht durch die Linse messend) und ein 200 mm Soligor Teleobjektiv
und dann nochmals nachgerüstet mit einer
Pentax Spotmatic mit bereits integrierter Belichtungsmessung durch die Linse und ein Tamron 80/250 mm Zoomobjektiv, f3,8, beide mit automatischer Springblende.
Das war damals ein guter Hobbyfotografenstandard und diese Ausrüstung haben wir bis zum Umstieg auf die digitale Fotografie verwendet und sie ist noch immer funktionsfähig.
@Filme:
Die Negativfilme und Papierabzüge hatten damals eher mäßige Qualität und Haltbarkeit, ich schreibe also hier nur über Dias:
Bekanntlich hat jedes Produkt seine eigene Farbpalette. Kodak und Fuji haben uns weniger gefallen und wären mehr für üppig/grüne Tropenlandschaften geeignet gewesen. Agfa hat die warmen Gelb-/Braun-/Rottöne der südlich/afrikanischen Landschaft am besten gebracht und wir haben fast ausschließlich den Agfachrome verwendet. Von Verwandtenbesuchen habe ich gesehen, dass Ferrania und Orwo auch gute Resultate lieferten, aber die waren in SA nicht erhältlich. Zuerst war der Agfachrome CT18 (50 ASA), der dann später (leider) durch den CT21 (100 ASA) ersetzt wurde. Bei schlechten Lichtverhältnissen war das zwar eine Erleichterung, aber der CT21 war schon deutlich körniger und hat Detail weniger gut gezeichnet. Das gleiche gilt natürlich auch für die schnelleren Filme der anderen Marken. Beim Digitalisieren der bis zu 42 Jahre alten Dias war die exzellente Qualität des CT18 gegenüber CT21 oder anderen Produkten immer noch deutlich erkennbar (siehe später). Für eine gute Qualität ist aber nicht nur der Film, sondern auch (oder vor allem) das Labor maßgeblich, und die war in SA damals leider sehr wechselhaft bis nicht zuverlässig. Das war manchmal frustrierend und wir haben dann öfters den Agfa Professional Diafilm verwendet. Dieser Film war für die Selbstentwicklung geeignet, man brauchte dazu bloß einen Dunkelraum, Entwicklerdose, Thermometer und eine Studioleuchte für die Nachbelichtung. Das Resultat war auf Anhieb gut und einen Mist wie manchmal vom Agfa-Labor habe ich auch als totaler Laie nie produziert.
@Tierfotographie
Gute Wildtierfotos zu produzieren war nicht einfach: Mit 50 ASA Filmen und f3,8 bis 5,6 Objektiven ist man nämlich auf gute Lichtverhältnisse angewiesen um überhaupt (aus der Hand) fotografieren zu können, noch dazu wenn das Objekt nicht still hält. Früh morgens oder abends oder bei bedecktem Himmel war man da bald an der Grenze des Möglichen. Die zweite Schwierigkeit war die langsame Kamerabedienung, weil ja damals alles manuell zu bedienen war, also: Einzoomen, Scharfstellen, Belichtungseinstellung, Zoomen auf Ausschnitt, eventuell Belichtungskontrolle, Auslösen (falls das Tier noch da stand), Film transportieren. Mit Erfahrung und bei gutem Licht konnte man natürlich rasch die richtige Blende schätzen, fokusieren und abdrücken und/oder mehrere Bilder mit verschiedenen Einstellungen machen. Da man aber nur so viele Filme hatte, musste man schon selektiv vorgehen. Einfach „Draufhalten“, wie jetzt mit den Digitalkameras, konnten nur Profis mit mehreren Kameras in Bereitschaft und unbegrenztem Filmvorrat und Budget.
Das heißt, viele Bilder schöner Beobachtungen wurden gleich gar nicht auf Film sondern im Kopf verewigt, was auch kein Nachteil ist. Wie viele von den gemachten Bildern man dann letztlich auch behalten konnte, ist sowieso eine Geschmackssache. Über 10 Jahre mit jährlichen Gamereservebesuchen ist schon einiges zusammengekommen. Ca. 1/4 der Bilder war meistens gleich zu verwerfen, Grenzfälliges haben wir so lange behalten bis Besseres nachkam. Von den ersten Jahren sind so nur wenige Bilder übergeblieben, die entweder gute Qualität oder besonderen Erinnerungswert hatten.
@Digitalisieren von Dias
Da einige der Älteren hier im Forum das u. U. noch vor sich haben, schreibe ich hier noch über meine Erfahrungen damit; diese sind laienhaft, weil mein digitaler Horizont eher begrenzt ist.
Nachdem ich schon lange, zu lange, mit Aussortieren, Ordnen und Neurahmung beschäftigt war und ich das alles noch erleben wollte, habe ich die Digitalisierung von Profis durchführen lassen. Ich habe ein vergleichsweise teures Angebot mit manueller Bildoptimierung und Staubkorrektur gewählt und das nicht bereut, weil das sehr viel Zeit danach erspart hat. Nach Probescans habe ich mich für 2500 ppi und JPEG entschieden, das reicht für Bildschirmbetrachtung und kleine Ausdruckformate und dort wo der ganze Prozess an seine Qualitätsgrenzen stößt, ist es mit höherer Auflösung auch nicht viel besser. Mit einem Qualitätsverlust hatte ich gerechnet, generell waren die Scans aber besser als erwartet. Die Scans werden grundsätzlich so gut oder schlecht wie die Originale sind. Die dem Verfahren inhärenten „Mängel“ sind bei detail- und/oder kontrastreichen Bildern wenig auffällig/störend, das wird dann so,

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beim Gegenteiligen wird das evident bzw. das Resultat enttäuschend.

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Hätte ich Letzteres vorher gewusst, hätte ich vieles gleich gar nicht scannen lassen.
Ob und wie viel man selber noch nachbearbeitet, ist Geschmackssache. Da aber jeder seine eigene bevorzugte Farbpalette (im Kopf) hat, die Ausrüstung (Bildschirm, Viewer, Drucker) auch eine Rolle spielt, wird es sich wohl nicht vermeiden lassen, die „Feinabstimmung“ selbst zu machen.

Die Digitalisierung machte auch die Verschlechterung der Diafilmqualität über die Jahre deutlich. Die über 40 Jahre alten feinkörnigeren und „dichten“ Dias waren meistens besser als viele erst in den 80/90ern in Europa gemachte Dias. Das Vergilben und die „Patina“ lassen sich ganz gut „elektronisch“ korrigieren. Am schlechtesten waren die Kodak Dias. Damit waren wir damals schon nicht zufrieden und sie sind auch stärker gealtert als die Agfa.
Grüße Werner
ThemenstarterGast27. Sept. 2011 · #78
Mit dem PKW unterwegs in den 1970ern
(nur für an Oldtimern Interessierte geeignet)

Es wurde hier schon mehrfach berichtet, dass damals nur wenige Leute einen 4x4 hatten oder sich leisten konnten und viele heute als „Allradstrecken“ klassifizierte Routen mit Pkw und Bakkie gefahren wurden, sogar Transafrikafahrten wurden mit Pkw oder Kleinbus bewältigt (Erika, Lilytrotter). Da es uns heute so gut geht, dass wir uns die diversen Allradler leisten können, stellt sich die Frage nicht mehr, aber damals war es völlig normal vieles mit Pkw zu machen, weil die robusteren Bakkies als Familienfahrzeug ausschieden. Auch wenn das heute eher auf Ungläubigkeit stößt, ging das recht gut. In Europa wird ja auch mit Pkw auf Güterwegen und Forststraßen gefahren, damals wurden bloß längere Distanzen so zurückgelegt und man konnte es nicht einfach bleiben lassen, wenn die Fahrbedingungen schwierig wurden. Schotterstraßen sind bei trockenen Bedingungen sowieso keine Schwierigkeit (außer der Beanspruchung am Auto), alle anderen unbefestigten Wege oder auch querfeldein ist auch befahrbar, solange die Bodenfreiheit und Traktion ausreichen. Wenn man ans Ziel kommen und sein Auto noch länger nutzen möchte, muss man bloß umsichtig, langsam „auf Sicht“ fahren und die schlimmsten Schläge vermeiden. Die zweite Voraussetzung für problemlose Fahrten war ein taugliches Auto, dazu eine paar Reminiszenzen aus den 70ern:
Grundsätzlich waren die Autos damals robuster und haben mehr vertragen als die heutigen, die schon nach ein paar tausend km auf Wellblech etliches unterwegs abmontieren. Mit gutem Grund sperren heute manche Autovermieter Pkws für ruppige Routen. Die Bauweise und einfache Technik der damaligen Autos hatte auch den Vorteil, dass man alle Wartungsarbeiten und die meisten Reparaturen selbst und mit einfachem Werkzeug durchführen konnte, auch unterwegs.
Ich will jetzt nicht die ganzen Automarken durchgehen, aber es war damals bestimmt kein Zufall, dass sich die „drei Franzosen“ gut bewährt haben, weil sie mit ihrer starken Präsenz auf vielen afrikanischen Märkten die Erfahrung hatten, wie man Autos für diese Bedingungen baut. In dieser Zeit hatten schon etliche Marken auf „wartungsfreie“ Gelenke an der Vorderachse umgestellt und diese haben der Beanspruchung überhaupt nicht standgehalten. Nach ein paar tausend Kilometern auf Wellblech war die Schmiere raus und das Gelenk hinüber. Dagegen hat Peugeot auch in dieser Zeit Vorderachse und Kardanwelle noch mit Schmiernippeln ausgestattet.
Die von Erika erwähnte 2CV-Ente war nach meiner Erinnerung in SA nicht häufig anzutreffen, eher die größeren Modelle, aber die „Geländetauglichkeit“ war legendär, weil: Hohe Bodenfreiheit, gute Federung, Vorderradantrieb, große, schmale Räder, geringes Gewicht.
In den deutschsprachigen Immigrantenkreisen in SA war natürlich VW sehr beliebt, das waren damals nur die luftgekühlten Boxermotormodelle. Fürs „Grobe“ gut bewährt hat sich m. E. nur der Käfer (siehe Erika/Kurt) und zwar die älteren Modelle mit kleinerem Hubraum und Leistung. Der Käfer bot aber leider zu wenig Platz für eine Familie mit Campingausrüstung. Die größeren Modelle mit 1500/1600 cc und gutem Platzangebot hatten aber ein gravierendes Kühlungsproblem und waren für Afrika eigentlich ungeeignet. Anscheinend hat der Motor im Bus besser „Luft gekriegt“, sonst hätte es Erika nie bis nach Hause geschafft (siehe Bericht von Erika weiter oben). Unser erstes Auto war dieser VW-Variant, ein fleißiger Ölvernichter über Auspuff und Leckagen.

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Wenn er „gut aufgewärmt“ war, hat er im Standgas mit den Lagern gerasselt und das Öldruckwarnlicht ging erst wieder bei erhöhter Drehzahl aus. Bei einem Stopp musste man nach Abschaltung der Zündung auch noch mit eingelegtem Gang abwürgen, sonst wäre der Motor noch ewig durch Selbstzündung nachgelaufen. Größere VW-Fachwerkstätten hatten werksüberholte Austauschmotoren zum „Schnelltausch“ vorrätig, das sagt eigentlich alles. Manche frustrierte Besitzer haben vor langen Fahrten 90er Öl eingefüllt oder diverse Additive zugemischt, Bastler haben den Lufteintritt vergrößert oder zusätzliche Ölkühler außen/seitlich angebracht und wir haben uns nach nur kurzer Zeit (und einem Motortausch) rasch ein anderes Auto zugelegt und zwar diesen Peugeot 404.

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Und noch eines, weil er so schön war


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Damit sind wir ca. 120.000 km in SA, ZIM, MOZ gefahren, vieles davon auf sehr schlechten Wegen, ohne eine einzige Panne! Nach meiner Erinnerung habe ich am Fahrwerk nur 1 x Stoßdämpfer getauscht und Federbeine überholt, sonst nichts; Motor/Antriebsstrang und Vorderachse waren absolut i.O.. Das Platzangebot war für eine Familie mit Kleinkindern sehr komfortabel, auch für lange Campingfahrten. Den hinteren Beinraum habe ich mit genau eingepassten Vorratskisten zugemacht; mit einer Matratze drüber hatten es unsere Buben bequem, zur Not auch einer einen Schlafplatz für die Nacht. Mit Campingausrüstung ging es sowieso nicht ohne Dachgepäcksträger und auch dieser war afrikatauglich für Wellblechfahrten ausgeführt, nämlich am Dach festgeschraubt (!) bzw. nicht in der Dachrinne befestigt.

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Zum 404 gab es auch noch eine Handkurbel, die bei flacher Batterie im Busch und bei Wartungsarbeiten gute Dienste leistete.
Die „Hülle“ und Innenverkleidung waren allerdings „franzosenhaft“. Fenster haben geklemmt, Verkleidungen sind abgefallen etc.. Die Rostanfälligkeit im feuchten Küstenklima war schlimm aber für uns im highveld kein Problem. Diese „Mängel“ wurden alle in Kauf genommen, weil der 404 mechanisch so zuverlässig war. Das Auto haben sie mir beim Verkauf auch mit dem hohen Kilometerstand noch aus der Hand gerissen. Es gab auch ein 404-bakkie, das am platteland in ZIM/MOZ/BOTS häufiger als die Japaner anzutreffen war und das sagt viel. 1997 habe ich in ZIM noch welche gesehen, sogar noch letztes Jahr eines in Südfrankreich, das ist Qualität!!!!
Bei so viel Lob für den 404 muss ich aber auch den größten Schwachpunkt erwähnen: Er war besonders „wasserscheu“, weil die Zündkerzen in der Zylinderachse und daher in einem Schacht im Zylinderkopf lagen. Wenn Wasser in mehrere Zündkerzenschächte eindringt steht man; man konnte den 404 schon bei einer Motorraumwäsche lahmlegen. Motoren mit seitlichen Zündkerzen sind da weniger anfällig; da kann es zwar ein paar Zündaussetzer geben, aber keinen totalen black out. Der 404 war damals zwar Seriensieger bei der Ostafrika-Rallye, aber die dort verwendeten Abdichtungen hat Peugeot im Handel nicht verkauft. Ich habe mir dann welche selbst gebastelt. Das hier war auf einer Rückfahrt von Malongane,
nachdem es in zwei Tagen 300 mm (!) geregnet hatte. Zwei Tage später wäre es schon besser gegangen.

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Nachdem ich in einer Wasserdurchfahrt zuvor durch Zündungsausfall abgesoffen bin, habe ich mich durch diese Lacke langsam durchschleppen lassen um mir das ständige Trockenlegen des Motors zu ersparen. Grundsätzlich war auch diese Wassertiefe mit PKW zu durchfahren, wenn man nasse Füße in Kauf genommen hat. Ich war der einzige Abgesoffene auf der Route, weil ich es nicht wie die erfahrenen Buschpiloten gemacht hatte, nämlich: Motorhaube öffnen, Zylinderkopf mit Handtuch oder Fetzen abdecken, eventuell Keilriemen abnehmen, und langsam fahren!!!
Das hauptsächliche Problem bei PKW-Fahrten in der nassen Jahreszeit waren eher lange Matschpassagen, die nicht hin und wieder Halt boten. Wenn man sich dabei festgefahren hat, konnte man sich meistens alleine nicht mehr befreien.
Viele Südafrikaner haben eher größere Autos bevorzugt, wie GM oder Ford. Die großen Europäer BMW und Mercedes waren in der Qualität wohl besser aber sehr teuer. Generell war m. E. das Fahrverhalten auf losem oder rutschigem Untergrund bei den großen, leistungsstarken Autos mit Hinterradantrieb viel unangenehmer, so wie bei uns im Schnee.
Übrigens sind derartige Fahrerlebnisse mit Pkw für alle in Afrika, die sich keinen 4x4 leisten können, bis heute ganz normaler Alltag. Mit dem dadurch angeeigneten Fahrkönnen und mit Streckenkenntnis werden ganz unglaubliche Kunststücke vollbracht. Ich habe auch den Eindruck, dass der Zustand mancher „dirt roads“ bzw. die Befahrbarkeit mit Pkw seither schlechter wurde, was mich eigentlich überrascht hat. Neben dem gestiegenen Verkehrsaufkommen mag auch die gestiegene Antriebsleistung der Autos dabei eine Rolle gespielt haben.
Grüße Werner
PS. Damit habe ich mein Pulver betreffend die damaligen Reisebedingungen endgültig verschossen und bin, so zu sagen, thematisch am

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angelangt.
zuletzt bearbeitet 29. Sept. 2011
1'287 Beiträge · seit 200827. Sept. 2011 · #79
wernerbauer schrieb:b]Mit dem PKW unterwegs in den 1970ern
(nur für an Oldtimern Interessierte geeignet)
Stimmt nicht! Also auch alle anderen unbedingt lesen!

@Werner: Solche Erdung in Form einer sehr anschaulichen Retrospective finde ich neben der lehrreichen Unterhaltung auch ungemein nützlich. Gerade bereite ich mich auf eine Tour durch den KTP vor, solche Einblicke in eine Zeit, in der man keine Wahl hatte als "normale" Ausrüstung zu nehmen, helfen mir, mich auf das wesentliche zu konzentrieren. Verglichen mit Euren Reisen habe ich mehr oder weniger das Equipment zur Verfügung, um auf dem Mars spazieren zu fahren.

Vielen Dank und bitte finde noch andere Themen, z.B. Begegnung mit den Menschen (ein bisschen hast Du uns ja schon geschildert, aber da muss doch noch mehr sein!)

Viele Grüße aus Berlin
Carl
Madam und Boss Unterwegs (2014/15) "Bacon and Eggs - A day's work for a chicken; A lifetime commitment for a pig." (Anon) "I will go anywhere, provided it be forward" (David Livingston)
409 Beiträge · seit 200928. Sept. 2011 · #80
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"Nothing is more powerful than an idea whose time has come" (Victor Hugo)
zuletzt bearbeitet 28. Sept. 2011