Unterwegs in den 1970er Jahren

550 Antworten · 99,5k Aufrufe · gestartet 24. Juli 2011 von wernerbauer
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2'338 Beiträge · seit 200715. Aug. 2011 · #21
Hallo zusammen

Habe erst jetzt Werners Bericht über frühere Zeiten durchgelesen.

Er schreibt über Gorongoza:
Nach meiner Erinnerung gab es keinen Campingplatz, sondern nur Bungalows und Verköstigung im Restaurant, alles über dem Preisniveau in SA oder Zim (Erika weiß vielleicht noch präziser).
Wir campten 1971 direkt vor dem Parkeingang auf einer Wiese. Nachts gab es jeweils sogar unmittelbar neben unserem Fahrzeug Löwen- und Elefantenbesuch. Jeden Tag unternahmen wir mit unserem VW-Bus auf relativ gut befahrbaren Pisten Ausflüge in den Park und konnten unglaublich viele Tiere beobachten. Vor allem Löwen gab es in sehr grosser Anzahl. Sie lagen faul und gut genährt unter Fächerpalmen und öffneten kaum die Augen, wenn wir nahe an sie heran fuhren. Man hatte den Eindruck, dass sie im Schlaraffenland wohnen.

An die Eintrittspreise von damals kann ich mich nicht mehr erinnern. Jedenfalls war es bestimmt nicht teuer und der Camping vor dem Parkeingang war gratis. Zudem war der Preisunterschied zwischen Einheimischen und Ausländern im Gegensatz zu heute sowieso kein Thema…..
Vor diesem Hintergrund zu bedauern, „dass dort ein steinreicher Ami das Sagen hat“ (Zitat Erika) ist schon starker Tobak.


Meine Bemerkung über den „steinreichen Ami“ machte ich, weil ich weiss, dass die Amerikaner einen etwas anderen Geschmack bezüglich Tierparks haben. Es ist auch nicht unsere Art, in Afrika am Abend bei Westernsongs und Gitarrenklängen am Lagerfeuer zu sitzen, wie wir‘s schon im Chobe erlebt haben oder sogar, wenn wir ein Tier sehen „oh my god“ rufend zu klatschen. Mr. Carr setzt sich für die Tierwelt ein, das ist die Hauptsache, eine einfache Aufgabe ist das bestimmt nicht. Und es ist ja schon klar, dass er als grosser Geldgeber den Park somit auch nach seinem Gutdünken (mit Fokus auf amerikanische Touris) führen möchte.

Eines hat uns aber dann doch beschäftigt. Am Rande des Gorongosa NP sahen wir Ende 2010 an einem Flussufer eine unglaublich armselige Siedlung. Im Gegensatz zu den sonst hübschen Hüttchen hausten die vielen Familien unter schwarzer Plastikfolie. Die Vermutung kam in uns auf, dass diese Menschen aus dem Park ausgesiedelt worden waren und nun mit ein paar Rollen Plastikfolie als Abfindung ihrem Schicksal überlassen werden. Das wäre schon die hässliche Kehrseite der Medaille, wenn das so wäre.

Naja, wie auch immer, Gorongoza ist wieder im Aufbau. Mal sehen, wie es in einigen Jahren aussieht. Schade, dass es überhaupt so weit kommen musste.

Grüessli
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
ThemenstarterGast16. Aug. 2011 · #22
Danke Hans, Carl und Erika,
wie von euch und anderen hier gesagt, gibt es diesen schon eher tropischen Landschaftscharakter des Gorongaza im südlichen Afrika ansonsten kaum, die Bilder von Carl zeigen das sehr gut. Annähernd Vergleichbares habe ich nur noch in der Reserva dos Elefantes do Maputo gesehen, z.B:
[foto: 33116]
@Erika: Sicher, vor dem Eingang bzw. „wild“ kampieren konnte/kann man immer und überall, das hatte ich nicht gemeint. Bei Bungalow mit Halbpension war das für uns etwas teurer als sonst, ist aber auch egal. Wir haben den Park genauso erlebt, wie von dir begeistert geschildert….
[foto: 33112] [foto: 33111] [foto: 33113] [foto: 33114] [foto: 33115]
Wir waren auch per PKW, ich vermute aber, dass 1973 einige Routen schon gesperrt waren. In der Morgendämmerung kamen immer freundliche „Touristen mit MP“ im offenen Militärjeep von der Kontrollfahrt durch den Park. Ein paar Monate später wurde die Restaurantterrasse beschossen und es gab Verletzte; Frelimo wollte wohl nur Präsenz demonstrieren, denn Verfehlen kann man aus dieser Distanz Niemanden. Die Wege waren, wie von Dir geschildert, mit Pkw gut befahrbar…....bis es ein bisschen geregnet hat (Mai) und mir einen wie oben bereits diskutierten Ausritt beschert hat. Der Flur- und Straßenschaden hielt sich in Grenzen, aber ich musste arbeiten bis ich das Auto wieder in der Spur und die Lenkung und Federung wieder frei hatte, so voll waren die Radkästen mit schwarzem Lehm.
Dass der neue Park nun so gestaltet wird, wie von Dir und anderen kritisiert, finde ich auch schade. Aber die Lagerfeuerromantik Mancher im Planet Baobab hat mir auch nicht gefallen. Trotzdem meinte ich halt, man sollte froh sein und anerkennen, wenn ein Privater viel Geld ausgibt um ein Stück Natur wiederherzustellen.
@ Tierbeobachtungen noch Folgendes: Soweit ich das aus den Medien kenne, begann die Wiederansiedlung des Tierbestandes erst vor ein paar Jahren. Außerdem liegt das Wildern auch noch nicht so lange zurück. Es wird also schon noch dauern, bis die Beobachtungsmöglichkeiten die Qualität der etablierten Parks erreichen. Beispielsweise wurde der Gonarezhou in ZIM auch erst in den 1960/70-er Jahren eingerichtet. Zuvor hatte die damalige rhodesische Regierung im östlichen Tiefland außerhalb des Parks „wildfreie“ Korridore durch Totalabschuss unterhalten, weil man (falsch) glaubte, die Rinder so vor Tsetse und der Schlafkrankheit schützen zu können. Nach Einstellung der Jagd waren dann die nächsten paar Tieregenerationen immer noch „auf Flucht programmiert“. 1974 war ich in Gonarezhou und das war noch deutlich zu merken. Die Elefanten sind bei Tageslicht im dichten Busch und Wald geblieben, wir haben nie welche gesichtet, obwohl recht häufig. Der warden sagte auch, dass sie für Beobachtungen sowie zu nervös und aggressiv seien. Fazit, es dauert bis die Wildtiere nicht mehr vor Autos flüchten
Grüße, Werner
2'338 Beiträge · seit 200717. Aug. 2011 · #23
Der Wasserhahn von Ai-Ais 1970:

Zum Jahreswechsel 1970/1971 fuhren wir von Kapstadt aus mit unserem VW-Bus nach Namibia. Dort hatten wir in Ai-Ais ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Wir hörten, dass es dort eine heisse Quelle gibt und ein Camp gebaut wird, also nichts wie hin.

Unten angekommen, entdeckten wir hoch erfreut einen Wasserhahn und dachten uns, dass wir hier unsere Wasservorräte auffüllen könnten. Kurz entschlossen holten wir unsere Kanister aus dem Bus und waren gerade am Einfüllen, als plötzlich ein Weisser mit einer Knarre in der Hand aus dem Nichts auftauchte. Mit finsterer Miene befahl er uns, sofort abzuhauen 🙁 . Unbeeindruckt füllten wir weiter auf, als er plötzlich die Waffe auf uns richtete und ganz hysterisch schrie, dass er uns erschiessen würde, wenn wir uns nicht sofort verpissen würden 🤢 . Das kostbare Nass plätscherte immer noch fröhlich in den Kanister während er immer bedrohlicher mit seinem Gewehr rumfuchtelte. Seelenruhig und unbeeindruckt (nur äusserlich 😵 ) machten wir ihm klar, dass wir erst auffüllen und dann verschwinden würden, was wir dann, nachdem wirklich alles gefüllt war auch sehr gerne taten.

Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
2'612 Beiträge · seit 200717. Aug. 2011 · #24
Hallo Erika,

schön, dass ich Dich noch kennen lernen durfte. Hätte vielleicht auch schlechter ausgehen können 😉

Viele Grüße,

Volker
Bye bye Forum
2'346 Beiträge · seit 200617. Aug. 2011 · #25
@ Erika

...versteh ich nicht. Warum müsst ihr auch bei der Hitze zum Jahreswechsel eure Kanister mit dem wertvollen heißen Wasser auffüllen? 😎

Mit sommerlichen Grüßen
Armin
2'338 Beiträge · seit 200717. Aug. 2011 · #26
Volker
Wenn du in der Wüste die Wahl hast zwischen verdursten und erschossen werden, dann finde ich, dass eine Kugel schneller und schmerzloser ist……..😄

Armin
Wasser ist Wasser, ob heiss oder kalt, wobei ich ehrlich zugeben muss, dass ich mich nun nicht mehr daran erinnern kann, ob das Wasser aus dem Wasserhahn heiss oder kalt war 😕 .

Grüessli
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
2'612 Beiträge · seit 200717. Aug. 2011 · #27
Erika schrieb:Volker
Wenn du in der Wüste die Wahl hast zwischen verdursten und erschossen werden, dann finde ich, dass eine Kugel schneller und schmerzloser ist……..😄

Und der Weiße wird sich überlegt haben, ob es die Kugeln wert sind. Kudu, Springbock oder Oryx geben einfach mehr her für den Grill 😄
Bye bye Forum
327 Beiträge · seit 200817. Aug. 2011 · #28
hier gibts ate Bilder aus Maun und Botswana
www.jacanaent.com/Old%20Maun%20Pix/!Pages/OldMaun.htm
Stefan
2'338 Beiträge · seit 200717. Aug. 2011 · #29
Volker schrieb:
Und der Weiße wird sich überlegt haben, ob es die Kugeln wert sind. Kudu, Springbock oder Oryx geben einfach mehr her für den Grill


Nur so zur allgemeinen Info: Vor 40 Jahren wäre ich auch noch geniessbar = jung und zart gewesen 😈 😈 !!!!!

Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
1'287 Beiträge · seit 200817. Aug. 2011 · #30
SFiedler2 schrieb:hier gibts ate Bilder aus Maun und Botswana
www.jacanaent.com/Old%20Maun%20Pix/!Pages/OldMaun.htm
Stefan
Hey Stefan,

Dein Link (Danke dafür) ist ein bisschen kaputt. 😉 Dieser sollte funktionieren.

Gruß
Carl
Madam und Boss Unterwegs (2014/15) "Bacon and Eggs - A day's work for a chicken; A lifetime commitment for a pig." (Anon) "I will go anywhere, provided it be forward" (David Livingston)
2'612 Beiträge · seit 200717. Aug. 2011 · #31
Erika schrieb:Volker schrieb:
Und der Weiße wird sich überlegt haben, ob es die Kugeln wert sind. Kudu, Springbock oder Oryx geben einfach mehr her für den Grill


Nur so zur allgemeinen Info: Vor 40 Jahren wäre ich auch noch geniessbar = jung und zart gewesen 😈 😈 !!!!!

Erika
Und vermutlich nicht viel dran, sprich Idealgewicht 😉

Mensch, sollte ein Kompliment sein - nicht, dass es hier zu schweren atmosphärischen, grenzüberschreitenden Störungen kommt 😗
Bye bye Forum
ThemenstarterGast18. Aug. 2011 · #32
SchweizerCampmobil1977.jpg

Hallo Erika, wir sind also Zeitgenossen aus den 1970er Jahren. Dieses Prachtstück eines Campmobils unterwegs in Afrika haben wir 1977 bei Fishriver Canyon gesehen, gefahren von einem schweizerischen Paar, ca. Ende 30.

Du oder kanntest du?
Grüße, Werner
2'338 Beiträge · seit 200719. Aug. 2011 · #33
Hallo Werner

Nein, das waren nicht wir. Den Fishriver Canyon besuchten wir erstmals Ende 1970 mit einem VW-Bus mit Westfalia-Aufstelldach, mit welchem wir einige Monate später von Kapstadt bis in die Schweiz fuhren. Gewohnt haben wir in Claremont/Kapstadt. Dann war lange Zeit Reisepause in Afrika, stattdessen bereisten wir Amerika und Australien. 1986 besuchten wir Afrika erneut und nachdem es uns gepackt hatte, verschifften wir 1991 einen Mercedes G, Jahrgang 1982 nach Walfishbay, mit welchem wir bis heute noch immer 4 Monate pro Jahr rumkurven. In der Zwischenzeit hat der Gute 630‘000 km auf dem Buckel und läuft und läuft und läuft….

Grüessli Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
1'003 Beiträge · seit 200819. Aug. 2011 · #34
@Erika, Werner,
vielen Dank Euch zwei,
damals konnten wir dann grad mit dem Wartburg bis nach Bulgarien fahren... .:( Wobei das auch schon ganz schön weit war. 😄

Vielen Dank für die schönen Einblicke - habt Ihr vielleicht noch mehr Bilder von damals ? Werner?
Gruss
Christian

das erinnert mich an den Juni 1990, als wir mit einem 20 Jahre alten Lada und den ersten D-Mark dann an der Fähre nach Honningsvåg standen ... selbst für die damals dreieinhalb Westdeutschen, die damals dort hoch fuhren überraschend... . 😛
zuletzt bearbeitet 19. Aug. 2011
ThemenstarterGast27. Aug. 2011 · #35
Ponta Malongane bis zur Zeit der Unabhängigkeit 1974/1975:
Ich habe hier im Forum weiter über Mozambique geschmökert. Originell war eine Anfrage, ob es in Mozambique wohl schöne und lohnende Strände gäbe. Das wurde dann mehrheitlich bestätigt und dem kann man sich nur anschließen, in (Ponta) Malongane waren wir Stammgäste,
Malongane1.jpg

das war für uns schön genug.
Malongane2.jpg

Hier einige Erinnerungen für an den „alten Zeiten“ Interessierte.
Der Parque de Malongane war damals der schönste von den wenigen Plätzen mit touristischer Infrastruktur in diesem Küstenabschnitt. Ponta do Ouro war weniger attraktiv; ein bescheidenes Hotel, Bäcker und ein paar einfache Privathäuser, kein schöner Campingplatz. Auf südafrikanischer Seite gab es nördlich von St. Lucia nur einen Campingplatz in Sodwana Bay. Kosi Bay war noch völlig unentwickelt und mit Pkw nicht erreichbar und man musste „wild“ kampieren. Die jetzigen Resorts, Lodges und Campingplätze sind alle erst in den letzten ca. 2 Jahrzehnten entstanden, schon eine beachtliche Entwicklung. Auch damals kamen viele Besucher hauptsächlich zum Fischen und Tauchen nach Malongane und wenn sie gut gefangen haben, haben sie auch an uns Badetouristen verkauft. Ansonsten haben wir im Restaurant LM-prawns, king-size, zum Spottpreis genossen. Organisierten Tauchtourismus, so wie heute, gab es nicht. Malongane und Umgebung war daher nur für Supersportler mit Erfahrung und Mut geeignet. Die Riffe in dieser Region sind ja bekanntlich vorgelagert und ab 15/20 Meter Tiefe. Boot, Kompressor und Flaschen hatten damals nur wenige Leute, beim Tauchen mit Flasche war Harpunieren sowieso verboten; Ehrensache, dass man sich daran hält. Das hieß: Zum Riff schwimmen und wieder zurück und Frei-(Apnoe)Tauchen und Harpunieren. Wir waren nicht in dieser Liga und sind im Tauchkindergarten am Strandriff von 3rd Point bei Ebbe geschnorchelt, das war auch schön.
Bis 1974 (Nelkenrevolution und Ende der Diktatur in Portugal) wurde Malongane von Besuchern aus SA sehr frequentiert, in der Hochsaison war Vorausbuchung unbedingt nötig. Auch die wenigen Resorts nördlich von Maputo waren von südafrikanischen Besuchern abhängig. Nach der Nelkenrevolution verweigerten Teile des portugiesischen Militärs in Moz den Gehorsam, dann wurde mit Frelimo ein Waffenstillstand geschlossen und schließlich wurde die Unabhängigkeit für den 15. Juni 1975 vereinbart. Mozambique war ja bis dorthin eine „überseeische Provinz“ von Portugal gewesen, so ersparte man auch den NATO-Partnern die Peinlichkeit (indirekt) in einen Kolonialkrieg verwickelt zu sein. In der Verwaltung waren daher auch viele (oft zwangsversetzte) Beamte aus Portugal eingesetzt, die keine Wurzeln in Mozambique hatten. Diese und die Mehrheit der portugiesischen Mozambiquer (aber auch Afrikaner), die nicht unter Frelimo leben wollten/konnten, verließen ab der zweiten Hälfte 1974 das Land in Scharen, nicht ohne vorher noch viel verbrannte Erde zu produzieren. Damit und weil die meisten Südafrikaner natürlich nicht in so einen Hort afrikanischer Kommunisten gefahren sind, brach der Tourismus in Mozambique dann völlig zusammen. Zum Jahreswechsel 1974/1975, also Hochsaison, waren nur mehr wenige Besucher in Malongane. Im Camp war bereits eine Frelimo „Wachmannschaft“, die Burschen waren sehr freundlich und entspannt. Für diese Reise hatte die portugiesische Botschaft in Pretoria noch Visa ausgestellt und die Ein- und Ausreise war problemlos. Davon ermutigt sind wir im August 1975 dann nochmals nach Malongane (sind dank eines fürsorglichen Schutzengels auch angekommen) und hatten schließlich noch einen letzten schönen Urlaub in Parque Malongane, exklusiv. Nur zum Wochenende kamen einige wenige Portugiesen aus LM, während der Woche waren wir alleine.
In der Rückschau war dieser Besuch natürlich purer Leichtsinn. Andererseits haben wir so aber auch ein (End-) Stück von Kolonialgeschichte erlebt. Für die afrikanische Landbevölkerung im Süden war Frelimo als neue Staatsmacht und ideologisch ja total fremd und wurde nicht nur als Befreier sondern auch mit Vorbehalten und Befürchtungen wahrgenommen. Einige des Stammpersonals im Camp sprachen Englisch und da wir meistens die einzigen Gäste waren, war ausreichend Gelegenheit zum Tratsch. Alle fürchteten um die Arbeitsplätze im Tourismus und in SA, ein Reizthema war auch die beabsichtige Abschaffung des Brautpreises. Ein highlight war die Mobilisierung der Frauen, welche für Frelimo ein großes Anliegen war. Zu diesen von Frelimo organisierten (verordneten?) Versammlungen kamen die Frauen aus der Umgebung immer singend aufmarschiert und sie haben ihre neue Rolle und Wichtigkeit sichtlich genossen. Die afrikanischen Herren der Schöpfung haben diese Aufwertung der Frauen bzw. Verlust an männlicher Bedeutsamkeit weniger goutiert.
Die Sicherheitssituation war angespannt und unübersichtlich, Südafrika hatte eben über der Grenze Geschütze aufgebaut und Mozambique verbal und militärisch gedroht, es kursierten Gerüchte, dass südafrikanische Saboteure über die grüne Grenze kämen. Die Nervosität war groß und Frelimo hatte daher in Ponta do Ouro eine Garnison eingerichtet. Darüber hatten wir vorab keine Information, bis ich nach ein paar Tagen zum Einkaufen am Strand entlang nach Ponta do Ouro gelaufen bin und plötzlich (durch die Hintertür von Strand aus) mitten in einem Frelimo Militärlager mit jungen Rekruten beim Morgendrill stand. Diese bemerkten mich (aber nicht der Ausbildner der mit dem Rücken zu mir stand), schauten in meine Richtung, was den Ausbildner in Rage brachte. Um mich bemerkbar zu machen fiel mir spontan nichts Besseres als „good morning“ ein, was ein Teil der Rekruten reflexartig mit freundlichem Lachen und weiteren good mornings erwiderte. Die Szene war kabarettreif; Frelimo-Freiheitskämpfer beim Morgenapell für wernerbauer mit Einkaufstasche, sie hätte aber auch total schief gehen können. Für den Rest des Urlaubs bin ich jedenfalls nur mehr per Auto auf der Straße nach Ponta, wo mich der Kontrollposten schon von weitem sehen konnte.
Auch die Rückfahrt und Ausreise gestaltete sich typisch für diese Zeit. Für diese Fahrt gab es kein vorher besorgtes Visum, sondern man wurde direkt an der Grenze abgefertigt. War auch kein Problem, nur dass der überforderte (jetzt afrikanische) Grenzer uns bei der Einreise einen Ausreisestempel in den Pass gedrückt und wir das nicht bemerkt hatten. Bei der Ausreise wollten wir also zum zweiten Mal ausreisen, ohne je eingereist zu sein, ein Problem. Die Grenzer studierten und diskutierten diesen Umstand für eine Weile, nahmen die Pässe an sich und da wurden wir schon eher nervös. Schließlich übergaben sie das einem Vorgesetzten, der blätterte in meinem Pass, fand Gott sei Dank mein Visum für die Tschechoslowakei aus 1974 und das entspannte die Situation sichtlich. SAIDA wurde handschriftlich auf ENTRADA geändert und comrade wernerbauer samt Familie durften ausreisen.
Entrada.JPG

Nach diesem Erlebnis haben wird dann unsere letzten Badeurlaube in SA in Sodwana Bay verbracht. In den folgenden Jahren haben wir nur mehr gehört, dass der Parque de Malongane zunehmend verfiel. Schön, dass Malongane und die ganze Region jetzt wieder so einen Aufschwung erlebt haben, anscheinend haben auch einige der Bungalows von damals überlebt
Malongane1972.jpg

vergleiche mit http://www.parquedemalongane.com/)
Grüße Werner
Gast27. Aug. 2011 · #36
Hallo Werner,

dieser Bericht, war wie schon die vorhergehenden sehr spannend zu lesen.

Natürlich sitze ich jetzt wieder "mit den Hufen scharrend" wartend auf den nächsten. Vielleicht für Dich eine Anregung all die alten Geschichten in einem Buch für Dich, Deine Familie und das Forum zusammenzufassen?

Viele Grüße und vilen Dank

baboon
137 Beiträge · seit 201027. Aug. 2011 · #37
Hallo Werner,

Du hast wieder sehr schön und spannend über ein Stück jüngerer Geschichte Afrikas geschrieben. Ich hoffe, wir bekommen noch einige interessante, authentische Berichte dieser Art von Dir zu lesen.😗 🙂 😄

Vielen Dank und herzliche Grüsse

Manfred
147 Beiträge · seit 200927. Aug. 2011 · #38
Hallo,

danke, danke, danke. 🤩 🤩 🤩 🤩 🤩 🤩
Ich habe zu meiner Freunding gesagt wies wohl vor 50 Jahren gewesen sein muss. Jetzt weiß ichs. Mein liebster Reisebericht den ich je gelesen habe. Ich denke jetzt wird es erst einem bewusst wie einfach und trotzdem fantastisch es damals war auch wenn die Strapazen sicher um vieles höher waren als heute.

Hast auch noch mehr so alte Bilder?

gruß mike
1'003 Beiträge · seit 200829. Aug. 2011 · #39
Danke Werner,
weiter so 😎
Gruss
Christian
2'338 Beiträge · seit 200729. Aug. 2011 · #40
Hallo zusammen

Hier nochmals eine kleine Geschichte aus meiner Schublade:

Die freundlichen Menschen von Lusikisiki in der Transkei/Südafrika:

Im Juni 1971 durchquerten wir zusammen mit unseren Freunden die Transkei. Da es langsam Abend wurde, suchten wir einen Übernachtungsplatz und fanden ein geeignetes Plätzchen am Wegesrand. Es war schon fast dunkel, als wir plötzlich Stimmen hörten. Zwei Männer mit Gewehren kamen zögernd und laut “sorry, sorry” rufend auf uns zu. Um zu demonstrieren, dass sie uns nicht bedrohen, nahmen sie die Munition aus den Waffen.

Sie erzählten uns, dass in der Nacht zuvor jemand versucht habe, im Dorfladen den Tresor rauszuspitzen und da sie unser Licht gesehen hätten zuerst glaubten, dass die Einbrecher wieder in der Gegend seien. Bei ein oder zwei Bier stellten sie sich uns vor. Der eine Typ war der Ladenbesitzer und der andere der Dorfschullehrer. Sie luden uns ein, am nächsten Morgen ihr Dorf zu besuchen und verabschiedeten sich leicht besäuselt 🤨 .

Am nächsten Morgen kamen sie nochmals vorbei um uns zu sagen, dass obwohl sie gestern Abend ein wenig zu tief ins Bier geschaut hätten, die Einladung ins Dorf ernst gemeint gewesen sei. Wir packten zusammen und fuhren runter nach Lusikisiki, wo wir schon erwartet wurden. Man zeigte uns den halb rausgespitzten Tresor um zu beweisen, dass sie nicht gelogen hatten. Dann wurden wir zu Schule geführt, wo wir bereits erwartet wurden. Der Lehrer demonstrierte uns den Schulunterricht, die Kinder zeigten uns ihre Schulhefte und da eine Weltkarte an der Wand hing, zeigten wir ihnen, wo die Schweiz ist. Dann gingen wir alle ins Freie, die vielen Schüler stellten sich auf und sangen für uns so schön, dass ich fast heulen musste. Wir beschlossen, der Schule etwas Geld zu spenden und da wir ja zusammen mit unseren Freunden dort waren, kam ein schöner Betrag zusammen, welchen wir dem Lehrer übergaben. Es hat ihm fast die Sprache verschlagen. Als er sich wieder gefasst hatte, trat er vor die Klasse und sagte: “Hört mal Kinder, nun haben wir endlich das Geld zusammen, das wir für den Bus nach Umtata benötigen um am Gesangswettbewerb teilzunehmen”. Die Kinder vollführten einen Freudentanz und dann sangen sie nochmals für uns, und zwar noch viel schöner als zuvor und wir waren uns ganz sicher, dass sie den Gesangswettbewerb haushoch gewinnen werden.

Zum Abschied wurde für uns mit viel Mühe eine wild um sich schlagende Kuh gemolken und ein Perlhuhn geschlachtet 😕 . Mit diesen Geschenken in der Hand verabschiedeten wir uns von den netten Menschen aus Lusikisiki.

Vor einigen Jahren fuhren wir wieder mal durch das einst kleine Dorf und staunten nicht schlecht, dass es nun zu einer richtigen Stadt herangewachsen war. Nichts deutete mehr auf die einstige Idylle hin. Es ist nun eben eine elende, unpersönliche Siedlung geworden, wie viele andere.

Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html