H.BadgerThemenstarter1'822 Beiträge · seit 201611. März 2025 · #121
@ Big_Sven und Gabi_Muc
Guten Morgen Sven und Gabi,
wie schön, dass euch die Fotos gefallen! Zufalls-Elche hatten wir auch ein paar. Einer kommt noch in den nächsten Tagen. Aber auch da war die Kamera nicht am Start. Und so war das bewusste Suchen nach Elchen für schöne Aufnahmen wahrlich die bessere Alternative. Auf den Lofoten ist das Hinterland oft in Privathand und auf der Tour haben uns zwei Landbesitzer tatsächlich kritisch angesprochen und wurden erst freundlich, als sie unseren Guide erkannt haben... Die Erklärung mit der Dämmerungsaktivität hätte ich nicht besser formulieren können. Danke! 😉 Das Dovrefjell folgt hier in den kommenden Kapiteln. Was soll ich sagen? Es ist auch nach Besuch Nummer 2 einer meiner Lieblingsorte.
@ all Sorry, dass es mit dem Bericht so schleppend vorangeht. Aber das Wetter in der letzten Woche war so wunderbar, dass ich meine Freizeit anders füllen "musste". Als kleine "Entschuldigung" bzw. Erklärung für meine Schreibfaulheit hier eine Fotoauswahl aus den letzten Tagen.
Aber jetzt geht es bestimmt bald weiter. Es ist Schmuddelwetter angesagt. 😛
H.BadgerThemenstarter1'822 Beiträge · seit 201611. März 2025 · #122
9. und 10. Station: Fauske, Grong und wenig zu berichten
Die kommenden zwei Tage lassen sich am besten im Schnelldurchlauf erzählen. Viele Fotos gibt es nicht. Man wird gleich verstehen, wieso das so ist. 😗
Den Beginn markiert ein trauriger Abschied von Kalle und den Lofoten bei grau bedecktem Wetter. An einem solchen Morgen sieht man, dass wir in der vergangenen Woche echt Wetterglück hatten… Unser Weg führt uns zuerst 113 Kilometer durch potentiell schöne Landschaft, die sich aber hinter tiefhängenden Wolken verbirgt, nach Lødingen. Auch hier ist alles grau und ungemütlich. Das macht die Trennung von den Lofoten etwas leichter. Mit der Fähre geht es nach Bognes. Leckere Hotdogs verkürzen uns die Fahrt bei trüben Ausblicken.
Ab Bognes warten weitere 188 Kilometer Autofahrt nach Fauske. Zwischendurch ein zweiter Stopp am Polarkreis. Draußen ist es noch immer feucht, drinnen im Informationszentrum locken vielerlei Dinge, die die Welt nicht braucht. Wir bleiben nicht lange.
Heute bleibt es hartnäckig regnerisch-grau und in dieser Stimmung empfängt uns am Nachmittag die kleine Stadt Fauske. Hier wohnen wir im Scandic, einem typischen Stadthotel ohne viel Identität. Als der Regen aufhört, spazieren wir ein wenig in der Stadt herum – nothing to write home about. Fauske ist Norwegens Marmorstadt. Leider interessieren wir uns nicht besonders für Marmor. 🤪 Schließlich gucken wir Olympiaübertragungen und so vergeht die Zeit. Zum Abendessen gibt es selbst belegtes Polarbröd. Alles Andere wäre eine echte Investition. Da schmecken die Stullen gleich doppelt so gut. Das Scandic hat bequeme Betten und wir eine entsprechend gute Nacht.
Am nächsten Morgen ist es trocken. Weiterhin dominiert aber das Grau. Nach einem guten Frühstück – das ist in allen Scandic Hotels, die wir kennen, immer überzeugend gewesen – brechen wir auf gen Grong. Die Strecke ist eine unserer längsten mit 450 Kilometern und gut sechs Stunden Fahrzeit. Vor allem führt die Straße durch Wald, Wald und (Trommelwirbel!) noch mehr Wald. Wie immer ist das entspannt zu fahren, aber eben nicht sehr anregend. Kurz sehen wir eine Elchkuh mit Kalb auf einem Feld stehen – das war es dann auch an Höhepunkten. Grong haben wir als Zwischenstopp gewählt, weil wir die langen Transfertage in den Süden möglichst sinnvoll aufteilen wollten und sich gar nicht mal so viele Übernachtungsmöglichkeiten an der Strecke finden lassen. Außerdem gibt es dort das „Grong Hotel“. 🤩
Wir fanden den Namen ulkig und erwarteten augenzwinkernd Großes. Leider unterscheidet sich das Etablissement trotz enorm stolzer Zimmerpreise eklatant von echten Grand-Hotels. Unser Zimmer hat den Charme einer Jugendherberge. Das Bad eher den eines in die Jahre gekommenen Krankenhauses. Naja – für eine Nacht wird’s reichen… Passend zum Ambiente essen wir in den nahen Tankstelle zu Abend – hier gibt es stilecht bezahlbares Fastfood. 😛 Schön ist aber, dass man als Hotelgast das kommunale Fitness-Center nutzen darf und so haben wir am Ende des langen Fahrtages doch noch etwas Familienspaß.
Am nächsten Tag geht es bei weiterhin bedecktem Himmel gen Dovrefjell. 377 Kilometer müssen wir hinter uns bringen. Das entspricht einer reinen Fahrzeit von gut fünf Stunden.
Etwas südlich von Grong machen wir aber bereits Station und sehen uns das wirklich interessante Museum der südlichen Samen an. Viel zu wenig wissen wir über diese ethnische Minderheit in Norwegen und die Ausstellung gewährt aufschlussreiche Einblicke in Geschichte und Gegenwart der Samen. Ein nettes Café rundet den empfehlenswerten Besuch mit Zimtschnecken ab.
Je weiter südlich wir kommen, desto mehr verabschieden sich die Wolken. Und so erreichen wir am späten Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein die Dovrefjell Lodge (vormals Furuhaugli Fjellhytter), unsere Unterkunft für die nächsten drei Nächte. Hier haben wir eine Familienhütte gemietet: Zwei Schlafzimmer, eine Wohnküche, ein Bad – rustikal und doch zum Wohlfühlen.
Und auch ein erster - wenn auch wenig kooperativer - Elch zeigt sich bereits gegenüber der Einfahrt zu unserer Unterkunft.
Während unseres ersten Besuchs im Dovrefjell im Vorjahr haben wir uns trotz wechselhaften Wetters in die Gegend verliebt und so war klar, dass der Nationalpark auch auf unserer zweiten Norwegentour seinen festen Platz haben wird. Nach der langen Fahrt sind wir einfach froh, wieder hier zu sein. 🙂
Wir (manche zugegebenermaßen mehr als andere 😉 ) freuen uns auf Wanderungen im Gebirge (hoffentlich mit Moschusochsenbegegnungen) und auf das Feuchtgebiet Fokstumyra, das quasi vor unserer Hüttentür liegt (hoffentlich mit Elchbegegnungen). Die Wetteraussichten für die kommenden Tage sind fantastisch: Von morgens bis abends Sonnenschein.
Was will man mehr? (Nun ja: Schöne Sichtungen natürlich…)
ich finde es beeindruckend, wie du/ihr es schafft, so viel tolles Wildlife in einen vermeintlichen Standard-Outdoor-Urlaub unterzubringen.
Und ich beneide euch wahnsinnig um euer schönes Sommerwetter. Ich kenne (Nord)Norwegen nur im Mai/Juni und August und kann mir gar nicht vorstellen, dass es so warm sein kann.. Wenn ich nur daran denke, wie sehr wie Anfang (!) August überall gefroren haben bei max. 12-15 Grad..
tina76794 Beiträge · seit 200712. März 2025 · #124
Hallo Sascha, urlaubsbedingt konnte ich erst jetzt Deinen Bericht wieder nachlesen und bin total begeistert von Euren Sichtungen und den wunderbaren Elch- und Adlerbildern. Auch die nächtlichen Farben und die eingefangene Stimmung, wenn die Elche durch das Wasser traben, sind großes Kino! Überaus gut gefallen mir als Eulenfan aber auch Deine "Entschuldigungs-Bilder" aus der Umgebung! Wahnsinn, was bei Euch alles so herumflattert...Danke fürs Teilhaben lassen und ich freue mich schon auf die Fortsetzung!
H.BadgerThemenstarter1'822 Beiträge · seit 201614. März 2025 · #125
@ fidel Der hohe Wildlifeanteil war mir bei dieser Reise besonders wichtig, weil wir 2024 ein afrikafreies Jahr eingelegt haben. Und so habe ich mich im Vorfeld recht ausführlich informiert, an welchen Orten man welche Arten gut beobachten kann. Und rückblickend kann ich sagen, dass Norwegen eine tolle Destination für Tierbeobachtung ist. Irgendwann will ich auf jeden Fall auch mal ein Braunbär-Hide mieten - aber da ist Finnland wohl die erste Adresse. Das Wetter kannten wir aus dem Jahr 2023 auch von seiner anderen Seite... Bei Reisen nach Skandinavien scheint man hier die Möglichkeit einer ganzen Bandbreite mitzubuchen... 😛
@ Tina Danke für das Fotolob! Die Elche und die Adler sind aber auch einfach sehr fotogen. Was die Eulen unserer Umgebung betrifft: Die wollten auch erst gefunden werden. Da sie aber sehr standorttreu sind, kann man sie, wenn man ihre Präferenzen erstmal kennt, recht einfach "besuchen".
H.BadgerThemenstarter1'822 Beiträge · seit 201614. März 2025 · #126
11. Station: Dovrefjell (Teil 1)
Nachdem wir uns in der Hütte häuslich eingerichtet haben, nutzen drei von uns die Stunden des späten Nachmittags und frühen Abends für einen Abstecher ins nahe gelegene Fokstumyra.
Das Moor liegt direkt gegenüber unserer Unterkunft. Für einen Zugang müssen wir jedoch ein paar Kilometer nach Süden fahren. Dort findet sich ein Parkplatz, von dem aus ein Pfad ins Feuchtgebiet führt. Dieser ist vor allem als gut gepflegter Holzweg angelegt, der rund zwei Kilometer tief ins Moor hineinreicht.
An seinem Ende kann man entweder umkehren oder aber einen Rundweg versuchen, der sich jedoch schnell im Morast verliert. Ich habe das im Vorjahr mit unserer jüngeren Tochter ausprobiert und es war durchaus abenteuerlich, dem kaum existenten Pfad zu folgen und mehr als einmal sind wir auf dem glitschigen Untergrund geschlittert. Aber wir haben es damals durchgezogen. Dazu haben wir heute jedoch keine Lust und so bleiben wir auf dem Boardwalk.
Wir lieben dieses Naturschutzgebiet. Im schönen Licht des Abends entfaltet es seinen ganzen Zauber. Unsere Tochter bestimmt mittels App die am Wegesrand zu findenden Pflanzen und ist zufrieden. Die Erwachsenen lauschen den Vogelstimmen, deren Verursacher durch den dichten Bodenbewuchs aber nur schwer auszumachen sind. Immerhin lässt sich eine weibliche Kornweihe aus der Nähe beobachten, die unsere Anwesenheit aber gar nicht so lustig findet, denn in etwas weiterer Entfernung können wir zwei Jungvögel ausmachen. Und so kreist der Altvogel immer wieder laut rufend über uns, bis wir uns endlich zu seiner Befriedigung weit genug entfernt haben.
Elche werden wir heute Abend nur im tiefen Gestrüpp entdecken. Der eigentliche Star ist die Landschaft mit ihren weiten Feuchtebenen und kleinen Seen. Alles leuchtet golden und man ist geneigt, tief zu seufzen im Angesicht dieser Schönheit.
Wir sind froh, in direkter Nachbarschaft dieses Kleinods zu wohnen und werden in den nächsten Tagen regelmäßig wiederkommen.
Am nächsten Tag soll es aber vor allem in die Höhen des Dovrefjell Nationalparks gehen. Auch hier lockt schönste Landschaft. Und als Bonus die Möglichkeit, auf Moschusochsen in freier Wildbahn zu treffen. 🙂
H.BadgerThemenstarter1'822 Beiträge · seit 201617. März 2025 · #127
11. Station: Dovrefjell (Teil 2)
Der heutige Tag wird einer der schönsten der Reise werden. Für mich beginnt er früh, denn kurz vor Sonnenaufgang werde ich wach und beschließe zur E6 hinunter zu spazieren, um dort ein wenig ins Fokstumyra zu spähen. Dabei ist der frühmorgendliche Soloausflug vor allem mit Blick auf die Vogelwelt schön. Im Licht des jungen Tages zwitschert es in vielen Gebüschen. Einige Vögelchen lassen sich zum Glück dabei auch passabel ablichten.
Rohrammern
Erlenzeisig
Bergfink
Aber auch elchtechnisch lohnt das frühe Aufstehen. Eine Kuh äst unweit der Straße und lässt sich dabei von meiner Anwesenheit überhaupt nicht stören.
Bei meiner Rückkehr werden nach und nach auch die anderen Familienmitglieder wach und gemeinsam machen wir uns fertig für den Hauptprogrammpunkt dieses Tages: Eine Wanderung im Dovrefjell. Dazu fahren wir ein wenig gen Norden, bis wir am Weiler Kongsvoll ankommen. Hier gibt es einen Parkplatz an der E6, auf dem wir unser Auto abstellen. Westlich der Straße geht ein Wanderpfad durch einen Birkenwald hinauf in die Berge. Ziemlich steil ist er und bei Sonnenschein und schnell steigenden Temperaturen ist der Aufstieg eine durchaus schweißtreibende Angelegenheit. Tritt man schließlich aus dem Birkenwäldchen heraus, hat man damit auch die Baumgrenze erreicht. Vor dem noch japsenden Wanderer entfaltet sich eine karge Tundralandschaft.
Moderat geht es weiter hinauf. Immer wieder scannen wir dabei die Umgebung, um Moschusochsen zu entdecken. In der Entfernung sind die Tiere leicht mit den regelmäßig herumliegenden Felsbrocken zu verwechseln. Nach einiger Zeit erspähen wir tatsächlich eine Herde, die erreichbar zu sein scheint. Nur ein kleiner Bachlauf will dabei überquert werden, aber das stellt kein größeres Problem dar. Und so geht es querfeldein in Richtung Moschusochsen. Gerade die Möglichkeit dieses Wanderns abseits von gekennzeichneten Wegen macht einen großen Reiz der norwegischen Natur aus. Ungleich intensiver ist das Naturerlebnis, wenn man seinen Weg zwischen Steinen und Morastflächen selbst finden muss. Mehr als einmal kehren wir um und müssen einen Alternativweg finden. Außerdem unterschätzt man leicht die Distanz, die zwischen dem Erstentdecken der Tiere als Fernglas-Pünktchen und dem Erreichen des Ziels besteht und so dauert es eine ganze Weile, bis wir in die Nähe der Herde kommen.
Aber dann ist es irgendwann doch so weit: Wir stehen in guter Sichtweite einer Moschusochsenherde gegenüber. Sie besteht aus zwei Kühen, einem Kalb, einem jüngeren und einem schon älteren Bullen. Vor allem über die letztgenannten freue ich mich sehr, denn im Vorjahr konnten wir auf einer geführten Tour nur Kühe mit Kälbern entdecken. Die Tiere grasen friedlich am Rand eines kleinen Plateaus. Aber man soll sich nicht täuschen – wenn sich Moschusochsen bedroht fühlen, nehmen sie nicht Reißaus. Vor allem die Bullen können schnell zum Angriff übergehen und dabei in drei Sekunden auf 60 km/h beschleunigen. Das möchte man nicht erleben. 🙄 Daher bleiben meine Frau und die Kinder in guter Fernglasdistanz stehen. Für überzeugende Fotos ist dies jedoch zu weit entfernt. Und so mache ich langsam und vorsichtig eine Kreisbewegung auf die Moschusochsen zu, immer genau beobachtend, ob die Tiere ein Zeichen der Beunruhigung sehen lassen. Sie bleiben zum Glück entspannt und so kann ich mich bald auf einem Felsbrocken niederlassen und diese besonderen Tiere aus guter Teleobjektiv-Entfernung beobachten. Eine Begegnung mit diesen eiszeitlichen Fellbergen gehört für mich zu den wirklich beeindruckenden Erlebnissen in Norwegens Natur.
Auf dem Rückweg hören wir am Bachlauf den Ruf einer Wasseramsel – dem Nationalvogel Norwegens. Hier lohnt also ein genauerer Blick. Und tatsächlich: Ein Altvogel ist auf Fütterungsmission unterwegs. Der Nachwuchs wartet ungeduldig auf einem Felsen inmitten des rauschenden Wassers. Eine juvenile Wasseramsel ist eine Erstsichtung für uns. Das löst Freude aus.
Der Rückweg ist entspannt. Es geht erst sanft und später steiler bergab und so lassen wir die Blicke entspannt über die schöne Landschaft schweifen.
Nach einer langen Regenerationspause statten wir am späten Nachmittag einmal mehr dem Fokstumyra einen Besuch ab. Immer wieder sehen wir dabei juvenile Blaukehlchen über den Weg huschen. Endlich lässt sich eines auch fotografisch festhalten.
Außerdem zeigen sich einige Elche, die jedoch in größerer Entfernung im Dickicht stehen. Immerhin von einer Kuh mit Kalb gelingt ein Erinnerungsfoto.
Nach diesem vollen Wandertag sind wir ganz schön erledigt, kochen gemeinsam in der Hütte und verbringen den Abend in aller Ruhe lesend.
Ein wunderbarer Tag in grandioser Natur geht zu Ende. Morgen soll ein weiterer folgen.
freshy3'883 Beiträge · seit 201117. März 2025 · #128
Boah, der Sichtungswilli meint es aber wirklich gut mit euch! Abgesehen von den urwüchsigen Muskelklopsen gefällt mir das Licht auf den frühmorgens gemachten Fotos besondes gut.
fotomatte2'511 Beiträge · seit 200918. März 2025 · #130
Lieber Sascha,
gerade zurück aus Portugal und der Extremadura habe ich hier nun nachgelesen. Beim letzten Kapitel mit den morgendlichen Kleinvögeln habe ich noch gedacht: "fehlt eigentlich noch ein Rotsterniges Blaukehlchen." Und ein paar Bilder weiter kommt es auch schon, wenn auch in der unfertigen Ausgabe. 😎 Was aber auch wieder gut ist, denn es bedeutet, dass die Brut erfolgreich war.
Ich freue mich über jeden weiteren Piepmatz, den Du zeigst, werde aber auch bei den Landschaftsbildern nicht wegschauen.
tina76794 Beiträge · seit 200718. März 2025 · #131
Lieber Sascha,
war für ein traumhafter Tag (und ebensolche Bilder) mit Moschusochsen, Elchen und interessanten Vögeln! Einfach toll, dass man auch in Norwegen so gut "Safari" machen kann. So hast Du Dein afrikafreies Jahr gut anderweitig genutzt. Es war mit gar nicht bewusst, dass Norwegen in dieser Hinsicht so viel bietet.
Danke weiterhin fürs Berichten und liebe Grüße Tina
H.BadgerThemenstarter1'822 Beiträge · seit 201620. März 2025 · #132
Guten Morgen in die Runde!
@ freshy Das Licht am frühen Morgen und Abend ist im Norden zauberhaft. Ähnlich schön, wie ganz im Süden... Moschusochsen auf einer Wanderung zu treffen, ist ein ganz tolles Norwegen-Erlebnis. Und die Chancen auf eine Begegnung stehen wirklich gut!
@ CuF Jaaa - das geht mir beim Erinnern ganz ähnlich... SEUFZ
@ Fotomatte Willkommen zurück! Ich hoffe, du hattest eine ganz tolle Zeit in Spanien und Portugal mit vielen schönen Sichtungen! Die Jahreszeit ist ja wahrscheinlich ziemlich perfekt für tolle Vogelbeobachtungen! Auch wenn ich an Monfragüe denke: SEUfZ... Der ein oder andere Vogel kommt noch - aber wir nähern uns auch langsam dem Ende des Ganzen.
@ tina76 Ja, "Safari-Land" Norwegen kann in dieser Hinsicht schon sehr überzeugen - vor allem, wenn man sich auch für Vögel interessiert. Und das tolle ist, dass man auch die großen Säuger ohne Auto erleben kann. Das macht die Begegnung sehr intensiv. Und: Trotz Hochsaison hat man so manchen Elch und so manchen Moschusochsen ganz für sich alleine. Und ganz viel Landschaft auch! Jedenfalls in der Dovrefjell-Gegend.
H.BadgerThemenstarter1'822 Beiträge · seit 201620. März 2025 · #133
11. Station Dovrefjell (Teil 3)
Der heutige Tag ähnelt vom Ablauf her dem gestrigen. Aber der war ja auch sehr schön.
Bereits kurz vor Sonnenaufgang hält mich nichts mehr im Bett und einmal mehr unternehme ich einen frühmorgendlichen Ausflug. Heute möchte ich die ersten Stunden des Tages im Fokstumyra verbringen – in der Hoffnung, dort auf Elche zu treffen. Und so steige ich ins Auto und fahre die wenigen Kilometer bis zum Wanderparkplatz. Bereits unterwegs kommt es zur ersten Elchsichtung des Tages direkt neben der E6. Hier sind zwei Bullen und eine Kuh unterwegs, die sich jedoch bald zurückziehen, als ich das Auto zum Stillstand bringe. Immerhin würdigt mich vorher einer der Bullen noch eines Blickes. Von den anderen zwei Tieren habe ich nur Bilder der Kategorie „Norwegen von hinte(r)n.“ 😛
Weiter geht’s auf dem Holzweg durch das Moor. Zuerst fliegt eine Bekassine vor mir auf. Dann flüchten einige Kraniche vor meiner Anwesenheit. Im dichten Bodenbewuchs kann ich aber auch hier bald einen ruhenden Elchbullen ausmachen, der, als er mich entdeckt, langsam aufsteht und mich aufmerksam beäugt.
Es vergehen einige Momente, bis auch er sich entscheidet, mehr Abstand zwischen sich und seinen Beobachter zu bringen. Dabei quert er vor mir den Weg (welch ein riesiges Tier!) und posiert dann im schönsten Morgenlicht im hohen Gras des Moors. So habe ich mir das erträumt.
Der weitere Weg hält keinen Elch mehr für mich bereit. Jedoch lässt sich ein Singschwan entdecken. Oder wenigstens sein Kopf.
Außerdem freue mich über die Fernglassichtung eines Prachttauchers. Ein vorzeigbares Bild von dieser Erstsichtung entsteht leider nicht. (Aber darum geht es dem echten Birder ja schließlich nicht, gell Bele?)
Die letzte Sichtung meines Solo-Ausflugs ist ein Kranich, dem ich auf der Rückfahrt zu unserer Hütte begegne. Durch das Autofenster gelingen ein paar nette Nahaufnahmen. Ganz anders als bei den Kranichen zu Beginn des Spaziergangs.
Der gemeinsame Teil des Tages führt uns wieder hoch ins Dovrefjell. Heute nehmen wir den Nationalparkbus, der uns vom nahen Hjerkinn aus in ca. dreißig Minuten zur Snøheim Hütte inmitten des Nationalparks fährt. Bereits unterwegs haben wir das Glück einen Moschusochsen seines Weges ziehen zu sehen.
Eigentlich wollten wir zwei Nächte in dieser Hütte verbringen, die am Fuße des der Snøhetta liegt. Dieser Berg ist mit 2286 m der höchste Berg Norwegens außerhalb Jotunheimens. Leider waren die Preise für ein einfaches Familien-Stockbettzimmer in Regionen angesiedelt, die uns die letztendliche Entscheidung für die Dovrefjell Lodge leicht gemacht haben… 😗
Nach dem Aussteigen entdecken die Kinder sofort ein nahes Schneefeld und so ist als erster Programmpunkt Schneespaß im Hochsommer angesagt.
Von der Hütte aus kann man sehr schön übers Fjell wandern. Das haben wir im Vorjahr von hier aus bereits gemacht und dabei z.B. eine schöne Begegnung mit Mornellregenpfeifer samt Nachwuchs gehabt.
2023
2023
Heute marschieren wir auf diesen altbekannten Pfaden (leider ohne Mornellbegegnungen) zu einem Flusstal, in dem sich in den Morgenstunden mit hoher Wahrscheinlichkeit Moschusochsenherden aufhalten. Fleißig wird auch heute die Umgebung gescannt.
Und schließlich werden wir fündig. Über Stock und Stein, immer wieder durch morastige Stellen balancierend, suchen wir unseren Weg ins Tal.
Nach einiger Zeit finden wir erst eine Herde am gegenüberliegenden Flussufer, die nur aus großer Distanz und im besten Gegenlicht zu beobachten ist. Als wir weitergehen, werden wir jedoch auf eine weitere Herde aufmerksam, die sich auf unserer Flussseite befindet. Wir nähern uns vorsichtig und lassen uns mit Sicherheitsabstand auf den weichen Flechten nieder.
Die Herde ist groß. Zwei alte Bullen, einige Kühe und Kälber. Zuerst liegen die Fellberge flach auf dem Boden. Wer will es ihnen verübeln? Heute gibt es große Flächen blauen Himmels und die Sonne scheint mit großer Intensität. Unter dem Moschusochsenpelz muss es wirklich warm sein… Irgendwann stehen die Tiere eines nach dem anderen auf und wir beobachten sie beim Grasen. Leider ist die Wärmeeinstrahlung der Sonne so groß, dass die klare Bergluft gehörig flimmert und so sind die meisten Fotos, die im Rahmen dieser schönen Beobachtung entstehen, ärgerlicherweise Ausschuss. Das harte Licht des späten Vormittags hilft da auch nicht weiter. Zum Glück hatten wir gestern bessere Bedingungen… Einige Aufnahmen sind aber doch ganz okay.
Nach langer Zeit bei den Moschusochsen ziehen wir uns mehr oder weniger wehmütig zurück und suchen unseren Weg nach Snøheim. Das stellt sich als durchaus herausfordernd heraus, denn die Steigungen, die wir talwärts ohne große Anstrengung hinter uns bringen konnten, halten uns nun ganz schön in Atem. Auch fällt das Finden eines brauchbaren Pfades immer schwerer und so sind wir die nächste Zeit gut damit beschäftigt, voranzukommen, die Kinder bei Laune zu halten und uns nicht anmerken zu lassen, dass wir auch nur die grobe Richtung kennen… Wenn man dann glaubt, ein Plateau erreicht zu haben, aber hinter der Kuppe nur der Anstieg zu einer neuen Kuppe sichtbar wird, ist das durchaus frustrierend… 😣
Unterwegs treffen wir auf eine weibliche Spornammer. Das motiviert mich mehr als die Kinder.
Als wir nach anstrengendem Marsch schließlich ganz schön erschöpft die Hütte erreichen, will gerade ein Shuttlebus abfahren. Im letzten Jahr mussten wir eine Ewigkeit (bei sündhaft teurem Kakao) in der Berghütte auf den Bus warten und so sind wir froh, ihn gerade noch zu erwischen und können daher alsbald nach weitgehend schöner und schweißtreibender Wanderung in unserer Hütte regenerieren.
Genau wie am Vortag verbringen wir die frühen Abendstunden im Fokstumyra. Heute jedoch nur zu zweit – die Kinder wollen lieber in der Hütte bleiben. Wir spazieren auf dem Holzweg, genießen Landschaft und Licht und beobachten einmal mehr die Kornweihe mit ihrem Nachwuchs.
Die weitere Vogelwelt hat sich weitgehend ins Gebüsch zurückgezogen. Nur Fitis und Rotdrossel können wir dokumentieren.
Dann aber huscht etwas am Boden ins Gebüsch und unsere Sinne sind alarmiert. Die Schwanzspitze des Flüchtenden haben wir gerade noch erspähen können: Vielleicht ein Hermelin? Der Fotografenpuls geht hoch. Wir beschließen zu warten und werden tatsächlich belohnt. Nur wenige Minuten später wagt sich das kleine Tier – es ist tatsächlich ein Hermelin! – aus der Deckung und wieselt in hoher Geschwindigkeit hin und her. Als es für ganz kurze Momente mal innehält, entstehen die ersten Hermelinfotos unserer Sammlung.
Glücklich mit dieser Sichtung unseres einzigen norwegischen Landraubtiers ( 😉 ) ziehen wir weiter. Elche verstecken sich heute Abend gut vor unseren Blicken. Jedoch erfahren wir von zwei anderen Vogelbeobachtern, dass sich am Bahnhofsgebäude am Rand der Sümpfe zwei Merline aufhalten sollen. Da wollen wir unbedingt nachsehen, denn einen Merlin haben wir noch nie gesehen. Bevor wir uns aber so richtig in Bahnhofsnähe auf die Suche begeben können, kreuzen zwei junge Elche die Schienen. Und so gehen wir auch heute Abend doch nicht elchleer aus.
Die Merline finden wir wenig später tatsächlich auch. Es ist ein Paar. Das Männchen sitzt völlig unfotogen auf einer Stromleitung – ein Scherenschnitt vor dem sich eindunkelnden Himmel. Das Weibchen aber hat jüngst Beute geschlagen und sitzt am Boden. Auch kein Hammermotiv in der Schienenumgebung, aber immerhin unser erstes Foto eines Merlins.
Zufrieden treten wir die kurze Heimfahrt an und lassen den letzten Abend im Dovrefjell gemeinsam gemütlich ausklingen.
Morgen in der Frühe geht’s nochmal auf Abschiedstour ins Fokstumyra – und dann leider auch bereits weiter zur letzten Station. Oslo wartet.
Champagner8'666 Beiträge · seit 201024. März 2025 · #134
Guten Morgen Sascha,
H.Badger schrieb: Außerdem freue mich über die Fernglassichtung eines Prachttauchers. Ein vorzeigbares Bild von dieser Erstsichtung entsteht leider nicht. (Aber darum geht es dem echten Birder ja schließlich nicht, gell Bele?)
So sagt man 😎 - aber wie du weißt habe ich schon auch mal ein Problem damit, dies so zu sehen 😗 🤪 !
Jetzt aber zu deinen letzten Kapiteln: das war mal wieder ganz großes Kino! 🤩 Sowohl was die Landschaften als auch die Tierwelt betrifft. Diese Moschusochsen gefallen mir ausnehmend gut 🙂 , aber auch bei den Elchen würde ich nicht nein sagen. Und die Vogelpics sind beeindruckend, da sieht man mal wieder, dass es sich schon lohnen kann, solch eine Kanone mit sich rumzuschleppen 🙄 (natürlich gepaart mit der dafür nötigen Geduld und dem Auge für Vogelbeobachtungen sowie Beherrschung der Technik) .
Danke für die viele schönen Einblicke in ein mir unbekanntes Land.
H.BadgerThemenstarter1'822 Beiträge · seit 201624. März 2025 · #135
Liebe Bele, wie schön, dass du noch mit an Bord bist! Ich gehöre ja unbedingt zu denen, die sich lieber anhand von Fotos an Erlebtes erinnern als mit Hilfe von Sichtungslisten. Mal sehen, ob ich auch noch mal dahinkomme, einfach mit den Augen zu genießen und zufrieden zu sein. Manchmal würde ich mir das wünschen.
Das Dovrefjell ist für den Wildlife-Enthusiasten eine wirklich gute Ecke, um Urlaub zu machen. Neben den Tieren, die uns vor die Linse gekommen sind, gibt es hier auch wilde Rentiere und Polarfüchse. In der Snoheim-Hütte hängen tolle Aufnahmen, die einen neidisch werden lassen.
Seit wir das 500er haben, ist es ein treuer Begleiter, den ich trotz seines Gewichts nicht missen möchte. Und mit einem guten Schultergurt ist das Mitschleppen auch halb so schlimm. Aber demnächst wird ja auch wieder eher bequem aus dem Fahrzeug heraus fotografiert... 🙂
H.BadgerThemenstarter1'822 Beiträge · seit 201625. März 2025 · #136
12. Station: Dovrefjell – Oslo
Als ich heute wieder in aller Frühe wach werde, zeigt der Blick aus dem Fenster eine zutiefst in Nebel gehüllte Landschaft mit Sichtweiten unter hundert Metern. Lohnt sich da ein Abstecher ins Fokstumyra? Ich zweifle einige Momente und denke dann an Elche im Nebel. Vielleicht könnte das ein lohnenswertes Motiv sein… Also raffe ich mich auf und fahre durch die suppig-weiße Welt gen Wanderparkplatz. Heute hat es gar keinen Sinn, vom Auto aus das Moor nach Elchen zu scannen und so bin ich ruckzuck am Ziel.
Die Kornweihe ist auch heute wieder unterwegs, war bei Sonnenlicht aber ein dankbareres Motiv. Bald kann ich aber eine Elchkuh mit Kalb in weiterer Entfernung ausmachen. Sie sind auf einem Grad unterwegs und heben sich so mit ihren Silhouetten schön deutlich vom Hintergrund ab. So hatte ich mir das vorgestellt.
Auch der weitere Weg durch das Moor lohnt sich heute wieder. Drei weitere Elche lassen sich aus Nahdistanz beobachten. Hier stört dann der Nebel auch nicht mehr wirklich, sondern sorgt eher für schöne Atmosphäre, indem er als Diffusor fungiert.
Der letzte Elch dieser Reise:
Nach einem letzten Frühstück in unserer Hütte ist Packen angesagt. Nach drei Nächten an einem Ort ist das immer ein besonderes Vergnügen. In den späten Morgenstunden geht es dann gen Süden. Der Nebel hat sich aufgelöst. Die Sonne lacht. Was will man mehr? Wir steuern auf das Gudbrandstal zu, die Heimat von Ibsens „Peer Gynt“, der hier als Taugenichts mit Trollen und anderen Wesen verkehrt hat, um sich am Ende seines Lebens zu fragen, was denn der Kern seines Seins gewesen ist. Ein tolles Stück Theater. Da liegt es nahe, die schöne Landschaft auf dem Peer-Gynt-Vegen zu erleben, einer Schotterstraße, die abseits der E6 durch das Gebirge verläuft und immer wieder schöne Ausblicke bietet. Wir kennen die Straße bereits aus dem Vorjahr bei dichter Bewölkung – heute aber strahlt die Sonne und so ist die Fahrt nochmal etwas lohnenswerter.
Am Nachmittag erreichen wir nach circa fünfstündiger Fahrt schließlich Oslo und beziehen das gleiche Quartier wie im letzten Jahr: The Sweet – ein schickes Appartementhotel im schönen Stadtteil Frogner. Von hier sind es nur fünfhundert Meter bis zum Königspalast und so lädt der späte Nachmittag bei schönstem Wetter zu einem ausgiebigen Stadtspaziergang ein.
Besichtigungstechnisch sind wir tiefenentspannt, da wir im letzten Jahr die klassischen Highlights, darunter die Skischanze Holmenkollen, die Oper, das Munch-Museum, das Freilichtmuseum, und das Fram-Museum, besucht haben. Und so lassen wir uns heute einfach treiben.
Parlament
Königspalast
Morgen haben wir noch einen ganzen Tag in Oslo – für uns wirklich eine der schönsten Städte, die wir bisher kennengelernt haben.
tina76794 Beiträge · seit 200727. März 2025 · #139
Lieber Sascha,
ach schade, dass der Bericht schon dem Ende zugeht. Ich bin gerne dabei und sehr begeistert von Eurer letzten - was Tiere und Vögel angeht - so ergiebigen Station. Die ist direkt notiert. Besonders die schönen Bilder vom Hermelin im Abendlicht haben mir gefallen. Ein Tier, dass mir in der Sichtungsliste auch noch fehlt. Aber in der Hinsicht werden die Ziele ja sowieso nie ausgehen. 😎
Danke fürs Teilen und ich freue mich auf den Rest des Berichts.
Beatnick1'712 Beiträge · seit 201628. März 2025 · #140
Hallo Sascha,
im Moment fehlt mir leider meist die Zeit, in Ruhe im Forum zu stöbern, aber bei euch lese ich nach, wann immer es geht, und habe den RB für eine eigene Norwegen-Tour binnen hoffentlich der nächsten zwei Jahre favorisiert.
Ihr hattet wirklich tolle Erlebnisse und Ziele, schöne Landschaften und Tiere und das Wetter hat auch mitgespielt. Ich tingele zwischen den Casimodos und euch hin und her und bin hin- und hergerissen zwischen den Jahreszeiten und ihren jeweiligen Vorzügen. Vielleicht muss man einfach mehrfach hin (so wie nach Island) und dann auch noch Wetterglück haben. Auch in dieser Hinsicht lief es bei euch ja rund, deine schönen Bilder zeugen davon.
Vielen Dank für den Bericht und die wunderbaren Eindrücke. Wir kommen nun an Norwegen wohl endgültig nicht mehr vorbei. 😉