Schweden? Ja, kann man auch mal machen!

Reisebericht 86 Antworten · 6'561 Aufrufe · gestartet 11. Jan. 2025 von Papa Kenia
Themenstarter541 Beiträge · seit 201219. Jan. 2025 · #21
Tag 4
Die morgendliche Dusche brachte wieder Leben in meinen Körper. Frisch gestylt ging es mit dem Fahrstuhl runter und Richtung Frühstücksraum. Mittlerweile hatten sich innerhalb der Reisegruppe kleinere Grüppchen gebildet. So saßen meistens dieselben Leute morgens und abends beim Essen zusammen.

Auf zu neuen Taten. Wir starteten Richtung Vätternsee, Schwedens zweitgrößtem See.

Meine Busnachbarn und ich hatten uns schon mehrfach gefragt, was der Zettel auf dem Sitz der uns gegenüberliegenden Busseite zu bedeuten hat. Seit der Abfahrt lag wie vorher auf allen übrigen Sitzen ein Namenszettel. Da wir nun aber doch unterwegs waren, hätte man den ruhig entfernen können. Da drängten sich schon einige Fragen auf. Man hat ja auch sonst nichts zu tun.

Die Lösung nahte. Wir hielten vor einem Hotel. Und es stieg ein, ein geschätzt 60 bis 65jähriger Mann. Seinem Outfit nach zu urteilen war er schon einige Tage unterwegs.

„Wo kommst du denn her?“

Seine direkten Sitznachbarn waren natürlich neugierig. Er hatte schon eine gut 2-wöchige Schweden-Rundreise mit anderen Zielen (ich hätte auch ‚Destinations‘ schreiben können – tue ich aber nicht 😊) hinter sich. Flexibel, wie unser Reiseunternehmen nun mal ist, wurde für diese Person eine Übernachtung mehr im letzten Hotel gebucht. Während der Rest seiner Gruppe nach Deutschland zurückfuhr, schloss er sich nun einer neuen Gruppe an. Und jetzt ist er da und macht eine Anschlussreise mit uns! Auch nicht schlecht!

Unser heutiges Ziel war der Nationalpark Tiveden. Wer wollte, konnte auf eigene Faust eine Wanderung unternehmen. Es gibt drei Rundwege in unterschiedlichen Längen. Die längste Strecke beträgt zwei Stunden. Man hatte aber auch die Möglichkeit, sich einfach auf eigene Faust ein wenig umsehen oder die Natur und die Stille genießen.

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Ich begnügte mich damit, die light Variante unter meine Schuhe zu bringen. Beine sind nicht nur zum Wandern da. Nach knapp 10 Minuten war ich fertig und genoss anschließend den Ausblick auf den See. Relaxen kann ich sehr gut!

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Bevor wir weiterfuhren, gab es erstmalig Verpflegung aus der Busküche. Herbert und Akim servierten Brühwürstchen, Kaffee, kalte Getränke, Kekse und Schokis. Sie beherrschten auch diesen Job perfekt. Alle Teilnehmer standen in lockerer Runde zusammen und ließen es sich schmecken.
zuletzt bearbeitet 19. Jan. 2025
Themenstarter541 Beiträge · seit 201219. Jan. 2025 · #22
Der zweite Punkt des heutigen Tages war die Besichtigung der Festung Karlsborg aus dem 19. Jahrhundert. Hier wartete bereits eine deutschsprachige Fremdenführerin auf uns, die uns eine gute Stunde durch die Anlagen führte und uns ausgiebig mit Informationen zuschüttete.

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Themenstarter541 Beiträge · seit 201219. Jan. 2025 · #23
Zum Abschluss des Tages statteten wir dem Schloss Läckö einen Besuch ab. Auch hier kamen wir in den Genuss einer Führung durch das Barockschloss.

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Danach fuhren wir zum Hotel in Lidköping zurück. Auch heute Abend war wiederum in einem Lokal extra für unsere Gruppe eingedeckt worden.

Ich wollte mich aber heute von der Rudelbildung lösen und begab mich, nachdem ich Jonas bereits am Morgen informiert hatte, Richtung Ortskern.

Ich hatte mit mehr gerechnet. Das, was ich sah, war eher enttäuschend. Hier war nicht viel bis gar nichts los. Ein Urlaubermagnet ist Lidköping bestimmt nicht. Außerdem war anscheinend Corona wohl noch allgegenwärtig. Also konzentrierte ich mich nach rund 45 Minuten Rundgang durch Lidköping auf das scheinbar einzige Lokal, das heute wohl geöffnet hatte. Es war eine ausgezeichnete Idee. Ich habe noch nie in meinem Leben einen sooo leckeren Burger gegessen. Phantastisch!

Den harten Kern der Reisegruppe fand ich selbstverständlich in der Pizzeria von gestern wieder.

Viele Grüße
Dieter
zuletzt bearbeitet 07. Feb. 2025
8'684 Beiträge · seit 201019. Jan. 2025 · #24
Guten Morgen Dieter,

nun bin ich endlich auch nachgereist - danke fürs Berichten soweit!

Auch wenn mir Schweden (bzw. Nordeuropa insgesamt) nichts sagt, weil ich noch nicht dort war, lasse ich mich auch gerne von solchen Reiseberichten inspirieren, und wenn das nicht klappt, dann zumindest unterhalten 😉 .

Übrigens passen solche Berichte durchaus ins Forum, wenn auch vielleicht nicht in die Rubrik "Namibia" 😗 😎 .

Nicht umsonst hat Chrigu ja inzwischen den Bereich "Andere Länder" eingeführt, in dem wir uns austoben dürfen 🤪 . Es ist also "salonfähig", einen nichtafrikanischen Bericht zu schreiben! Und ich glaube, dass viele hier gerne davon profitieren.

Liebe Grüße von Bele
Meine Reiseberichte im Namibia-Forum von 2011 bis heute
Themenstarter541 Beiträge · seit 201219. Jan. 2025 · #25
Hallo Bele,

danke für den Hinweis. War eigentlich der Meinung, dass ich unter "andere Länder" eingestellt hätte. Aber wie das bei alten Leuten nun mal sein kann. 😛 . Schön, dass Chrigu aufpasst!

Schönen Sonntag noch!

Viele Grüße
Dieter
Themenstarter541 Beiträge · seit 201220. Jan. 2025 · #26
Tag 5

Heute stand reichlich Fahrerei auf dem Programm. Im Tagesverlauf hatten wir rund 500 km zu bewältigen! Diese Zeit wurde von dem ‚Knaller‘ bestens überbrückt. Es war eine Freude, ihm zuzuhören.

Jonas plauderte ein wenig mehr als sonst über sich selbst. Sein erlernter Beruf war Lehrer. Wenn das alles so stimmte, was er uns erzählte, hat er in seinem Leben eigentlich nie zu viel gearbeitet. Er war jemand, der sehr gerne reiste. Jedes Mal, wenn er im Urlaub war, besuchte er irgendeinen Kursus und bekam hinterher einen Schein, der ihm erlaubte, andere auszubilden. Nach einigen Urlauben hatte er dann genug Erfahrung und Scheine, so dass er seinen Lehrerjob aufgab und irgendwo in der Welt unterwegs war. Immer da, wo es schön war und wo er seine erworbenen Kenntnisse weitergeben und damit Geld verdienen konnte, machte er Station. Mal war er Tauchlehrer, mal Skilehrer, mal Surflehrer oder er brachte Urlaubern das Fahren auf Wasserskiern bei. Nebenbei lernte er auf diese Weise auch noch andere Sprachen.

Der Grund, warum er nun hier in Schweden lebt, ist ganz plausibel: Lange Beine, blonde Haare. Irgendwann hat es ihn erwischt. Er ist mittlerweile verheiratet und lebt nun mit Frau und Kindern in Schweden. Inzwischen ist er wieder in seinem erlernten Beruf tätig. Durch seine diversen Reisen in verschiedene Länder konnte er an seiner jetzigen Schule Deutsch, Englisch und Spanisch unterrichten. Lehrkräfte, die diese Sprachen sprechen, sind wohl Raritäten und in Schweden total gefragt. Und so konnte er sich, - immer vorausgesetzt, alles stimmte, was er sagte -, den Job aussuchen. Ich habe ihm geglaubt. Meiner Meinung nach war er kein Spinner oder Schwätzer.

Dass er an unseren Veranstalter geraten war und uns nun während der Ferien als Reiseleiter zur Seite stand, war eine zufällige Begegnung mit Sören, der mich bei meinen drei ersten Skandinavien- bzw. Norwegenreisen als Reiseführer begleitet hat.

Sören und er liefen sich irgendwo in Schweden über den Weg. Kamen ins Gespräch. Und Sören gab Jonas die Kontaktdaten unseres Veranstalters. Alles weitere kann man sich denken.

Wir fuhren zunächst nach Värmland. Erster Halt war beim riesigen Rottneros Park. Hier handelt es sich unter anderem um einen Skulpturenpark. Die meisten Figuren stammten vom schwedischen Bildhauer Carl Eldh. Der Park ist weitläufig und bietet jede Menge Fotomotive.

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Auch Figuren aus Märchen, die fast jeder von uns gelesen hat, sind hier zu finden. Unter anderem erblickten wir nach einigem Suchen Nils Holgersson mit seinen Gänsen. Außerdem steht hier eine Kopie von ‚Diana mit Hirsch‘. Auch die Blumenpracht war schon recht beeindruckend. Insgesamt hat sich der Besuch hier gelohnt.

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Und belohnt haben wir uns dann kurz vor Abfahrt auch noch. Es gab Kaffee und Kuchen im kleinen Café am Ausgang.
zuletzt bearbeitet 20. Jan. 2025
Themenstarter541 Beiträge · seit 201220. Jan. 2025 · #27
Als nächster Punkt stand ein Besuch auf dem Gut Märbacka auf dem Plan. Die Schriftstellerin Selma Lagerlöf wurde hier geboren. Natürlich konnte man auch ihr Geburtshaus besuchen. Hier herrschte aber so ein Gedränge, dass ich mich lieber auf dem Gelände umsah. Von den Mitreisenden erfuhr ich hinterher, dass man regelrecht durch das Gebäude geschleust worden wäre. Man hatte wohl mit Besserem gerechnet.

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Abschließend fuhren wir zur nächsten Unterkunft, wo wir zwei Nächte bleiben würden. Abendessen und Übernachtung in einem Hotel in Tällberg.

Da wir hier zwei Übernachtungen hatten, nahm ich heute meine Reisetasche mit ins Hotel. Das war eine ziemliche Hampelei für mich. Nachdem die ersten Reisenden die Zimmerschlüssel hatten, wurde es an der Rezeption etwas ruhiger und gesitteter. Zu Viert stiegen wir in den Fahrstuhl. Immerhin mussten wir auf die 3. Etage. Wir wollten gerade oben aussteigen, da kamen uns die ersten wieder entgegen: „Seid ihr auch auf drei? Das ist hier aber nicht. Wir müssen wieder runter und am anderen Flügel die Treppen hoch.“

‚So ein Scheiß‘, dachte ich bei mir. Ich war froh, bis zum Fahrstuhl gekommen zu sein. Und jetzt wieder zurück? Was soll der Quatsch? Irgendwann kam ich doch am anderen Ende des Gebäudes an und schaffte es die 19 Stufen hinauf. Auf dieser Seite gab es keinen Fahrstuhl.

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Wie ich allerdings mit meinem Gepäck die Treppen in den zweiten und dritten Stock hochkommen wollte, wusste ich noch nicht so recht. Personal um Hilfe bitten? Dazu ist Papa Kenia viel zu stolz. Männer kriegen so was allein hin. Ich ließ mich also zunächst in einen Sessel fallen, um Luft zu holen und einen Plan zu machen. Nachdem ich mental gefestigt war, hievte ich die Reisetasche ins nächste Stockwerk.

Endlich stand ich vor der Zimmertür. Ging rein. Schnell ein Rundumblick. Alles schien topp in Schuss. Ich stellte Tasche und Rucksack in eine Ecke und ließ mich auf das Bett fallen. Ich lag noch nicht ganz, da ging es: ‚Miep, miep, miep, miep‘. Was ist denn jetzt los? Ich schaute vorsichtig auf den Flur und sah eine Mitreisende aus dem Nachbarzimmer schon gestikulieren: „Raus hier! Feueralarm!“ - Nicht das auch noch!

Ich ergriff meinen Rucksack. Dann folgte ich den anderen so gut es ging. Völlig ausgelutscht und mit Atemnot kam ich vor dem Hotel an. Alle Gäste versammelten sich in angemessener Entfernung vor dem Hoteleingang. Nach wenigen Minuten kam tatsächlich die einheimische Feuerwehr vorgefahren. Wenn ich die Gestik der Feuerwehrleute und der Hotelangestellten richtig deutete, war es wohl nicht das erste Mal, dass ein Fehlalarm vorlag.

So war es dann auch.

Nach rund 15 Minuten konnten wir wieder auf unsere Zimmer.

Ich hatte eine knappe Stunde Zeit, meinen Puls wieder runterzufahren. Dann stiefelte ich im Urlaubertempo Richtung Speisesaal zum Abendessen. Das Buffet bot einiges. Es mundete allen wohl richtig gut. Mein Bier (nicht nur eins) schmeckte mir nach diesen Strapazen noch besser als sonst!! Heute Abend verschwanden fast alle Reiseteilnehmer relativ früh auf ihren Zimmern. In der näheren Umgebung war auch nichts, was man sich hätte ansehen müssen. Das Hotel liegt auf einem Hügel in einer Streusiedlung, wo alle 50 oder 100 m ein Haus steht.

Viele Grüße
Dieter
zuletzt bearbeitet 21. Jan. 2025
3'883 Beiträge · seit 201120. Jan. 2025 · #28
Also Dieter,
es gibt kein größeres Leid, als Mann 😗 sich selber andeit. Gut, dass du die Prozedur ohne Schaden überstanden hast!

Kopfschüttelnd verabschiedet sich freshy in die Nacht!
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988 Beiträge · seit 202321. Jan. 2025 · #29
Guten Morgen Dieter,
Ich habe mal im dritten Stock gewohnt und kann ein Lied davon singen, wie es sich anfühlt die Einkäufe hoch zu schleppen und das mit dreißig Jahren weniger auf dem Buckel und mit gesunden Lungen.

Bei dem was du hier beschreibst, hätte ich auch nicht Hurra gerufen.

Aber mittlerweile Weile dürften diejenigen, die dich inzwischen ein bisschen besser kennen, mitbekommen haben, dass du ein Sauerstoffproblem hast. Da hätte auch mal jemand auf die Idee kommen können, dir Hilfe anzubieten.

Bestimmt hättest du bei der Zimmerbuchung auch angeben können, dass du mobilitätseingeschränkt bist. Ich würde das ohne mit der Wimper zu zucken machen und ich würde es als etwas ganz normales betrachten, wenn das jemand anderer tut. Es geht halt nun mal nicht jedem Menschen gleichgut.

Liebe Grüße und einen schönen Tag,
Silvia
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298 Beiträge · seit 200721. Jan. 2025 · #30
Hallo Dieter,

ich lese sehr gerne deinen Bericht, nicht nur wegen des trockenen Humors, den du darin verpackst. Ich war mal im Norden von Schweden beim Wandern mit Rentieren im Muddus-Nationalpark. Ein einmaliges Erlebnis in traumhafter Landschaft und bei Sonnenschein. Bei deinen tollen Fotos hat man den Eindruck, als ob immer die Sonne gescheint hat.
Wir sind auch gerade in einer "Umplanungsphase". Im September 2023 haben wir die letzte Reise nach Namibia gemacht und beschlossen, keine langen Nachtflüge mehr zu machen. Wir werden uns künftig innerhalb Europas bewegen und auch einige Busreisen stehen schon auf dem Programm. Also kann ich dich sehr gut verstehen. Hauptsache man bleibt aktiv und fährt einige Gänge langsamer. Mach weiter so und schreibe Berichte.

Herzliche Grüße
Silvy
Themenstarter541 Beiträge · seit 201222. Jan. 2025 · #31
@ freshy
Hallo freshy,
vielen Dank für Deine Rückmeldung. Bei „andelt“ musste ich googlen. Obwohl ich schon so alt geworden bin, habe ich das noch nie gehört.

@ Nacho
Hallo Silvia,
vielen Dank für die aufbauenden Worte.
Da hätte auch mal jemand auf die Idee kommen können, dir Hilfe anzubieten.
Jeder ist sich selbst der Nächste. Manche Ehepaare waren so mit ihrem Gepäck beschäftigt, dass ich dachte, die machen keine Rundreise, sondern einen Umzug.

@ Silvy
Hallo Silvy,
mit Rentieren wandern muss wahrlich ein unvergessliches Erlebnis sein.
Irgendwann kommt der Zeitpunkt, da merkt man, dass es körperlich nicht mehr so geht wie mit 30 oder 40. Dann muss man halt umdenken.

Wettermäßig waren die ersten Tage sehr gut. Es beginnt aber gleich zu regnen 😊

Viele Grüße
Dieter
3'883 Beiträge · seit 201122. Jan. 2025 · #32
Papa Kenia schrieb:@ freshy
Hallo freshy,
vielen Dank für Deine Rückmeldung. Bei „andelt“ musste ich googlen. Obwohl ich schon so alt geworden bin, habe ich das noch nie gehört.

Viele Grüße
Dieter
Guten Morgen Dieter,
"andeit" ist plattdeutsch und bedeutet "antut", Aber das hätte sich ja nicht gereimt 🤪 Alles klar?
LG freshy
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Themenstarter541 Beiträge · seit 201222. Jan. 2025 · #33
Hallo freshy,
alles klar! Man lernt nie aus! Danke!

Schönen Tag noch und viele Grüße
Dieter
Themenstarter541 Beiträge · seit 201222. Jan. 2025 · #34
Tag 6

Der heutige Tag verlief für mich ruhig. Auf dem Programm stand eine Fahrt nach Nusnäs, wo die Dalarna-Pferdchen geschnitzt werden. Diese Tiere sind für Schweden-Urlauber ein MUSS als Souvenir.

Danach sollte es weitergehen nach Rättvik zu einem Besuch in einem Freilichtmuseum. Anschließend stand noch eine Fahrt mit einem alten Dampfer an.

Bereits vor der Buchung der Reise hatte ich diesen Tag innerlich ausgeklammert und beschlossen, das Tagesprogramm ausfallen zu lassen. Grund dafür war die Fahrt mit der M/S Gustav Wasa, mit der die Gruppe heute fahren würde. Aufgrund meines Alters bin ich natürlich nostalgisch angehaucht und so ein altes Schiff hätte mich normalerweise auch interessiert, aber eine volle Dröhnung Dieselabgase braucht meine Lunge wahrlich nicht. Also ließ ich es, nachdem ich mich bereits beim Frühstück bei Jonas abgemeldet hatte, langsam angehen.

Ich hatte während der vergangenen Tage genügend Gelegenheit, mich mit Akim zu unterhalten. Heute Morgen hieß es jedoch Abschied nehmen. Akim würde morgen als Fahrer für eine andere Tour unseres Reiseveranstalters einspringen. Wer weiß, vielleicht sieht man sich in diesem Leben noch mal.

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Die restliche Reisegruppe verabschiedete sich noch winkend und ich ging zunächst auf mein Zimmer. Hier vertiefte ich mich die nächste Stunde in meinem Reiseführer.

Wegen Corona war das Hallenbad leider geschlossen. So entschloss ich mich, einen richtigen Gammeltag einzulegen. Also besorgte ich mir ein Bier und begab mich damit vor die Tür, wo ich mir eine windgeschützte Ecke suchte.

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Der Ausblick auf den Siljansees war nicht schlecht. Super Ausblick, ein Bier und Lieblingsmusik vom ipod, auch das ist Urlaub. Man braucht nicht unbedingt nur Schlösser! Bei schönem Wetter wäre es bestimmt noch besser gewesen. Die Wolkendecke zog sich immer mehr zu und kurz vor Mittag begann es zu regnen.

Zum Mittagessen ging ich ins Restaurant. Ich gönnte mir zunächst eine Suppe. Anschließend wurde ich am Buffet fündig. Kartoffeln, Fleisch und Salat. Das war genau passend zum Mittag. Dem aufmerksamen Leser ist aufgefallen, dass da noch etwas fehlte! Das Bier! Natürlich hatte ich mir dieses auch bestellt. Wollte es nur nicht explizit erwähnen! 😊

Da wir in diesem Hotel nur übernachteten war mein Mittagessen nicht im Preis enthalten; ich musste also das Essen bezahlen. Ich hätte ja mit der restlichen Truppe mitfahren können. Auf der Gustav Wasa gab es nämlich inkludiertes Mittagessen.

Für schwedische Verhältnisse fand ich den Preis für mein Mittagessen im Hotel absolut in Ordnung.

Es regnete immer noch. Hier oben auf dem Hügel war es ziemlich zugig.

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Daher begab ich mich auf mein Zimmer und bearbeitete mein Laptop.

Nachmittags hatten sich die Wolken fast verzogen und die Sonne kam zum Vorschein. Ich suchte mir eine bequeme Bank vor dem Hotel, genoss die Wärme und chillte so vor mich hin. Chillen gehört zu meinen Paradedisziplinen.

Irgendwann am späten Nachmittag kehrte die Reisegruppe zurück. Sie schilderten mir ihr Erlebtes. Einige waren von der Tour begeistert. Andere schimpften auf den Dieselgeruch, der während der gesamten Dampferfahrt wie eine Glocke über dem Schiff lag. Dann war meine Entscheidung ja nicht ganz so verkehrt gewesen.

Viele Grüße
Dieter
Themenstarter541 Beiträge · seit 201225. Jan. 2025 · #35
Tag 7

Wer die roten Häuser Skandinaviens kennt - die Farbe dafür kommt vermutlich von hier: Falun. Falun ist eine Stadt in der Provinz Dalarnas. Hier gibt es eine Kupfergrube. Seit 2001 gehört diese zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Das typische rot ist ein Abfallprodukt, welches bei der Kupfergewinnung entsteht. Aus diesen Farbpigmenten wird Dispersionsfarbe hergestellt.

Wir hatten vom Hotel aus nur rund 50 Kilometer bis dahin zurückzulegen. Dann standen wir auf dem Gelände der ‚Falu Gruva‘.

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Das Gelände ist groß und der Blick in die Erzgrube war beeindruckend. Das Wetter spielte wieder mit. Es war angenehm warm.

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Wer wollte, konnte an einer Besichtigungstour in den Stollen teilnehmen.

Jonas riet mir, an dem Abstieg nicht teilzunehmen.

Das hätte ich mir sowieso geklemmt. Bereits bei den Recherchen vor der Buchung hatte ich den Hinweis gefunden, dass Menschen mit Behinderung der Besuch nicht angeraten wird. Für Frostbeulen ist die Führung ebenso wenig geeignet. Die Temperaturen im Stollen sollen bei knapp über 0 Grad C liegen. Das waren also zwei Punkte, die gegen eine Teilnahme sprachen. Außerdem ist der Boden rutschig und matschig. Der Abstieg erfolgt auf eigene Gefahr.

Diesen Ausflug habe ich locker verschmerzt. Etwas ähnliches hatte ich vor Jahren erlebt. Ich komme aus dem Ruhrgebiet. Sprich: Aus dem Kohlenpott. Hier herrschte lange Zeit der Kohleabbau. Selbst in meinem kleinen Geburtsort gab es eine Zeche. Durch eine frühere Arbeitskollegin, deren Mann Steiger auf eben dieser Zeche war, hatten meine damalige Arbeitskollegen und ich (gendern gab es da noch nicht 😊 – und wird es für mich auch nie geben) Mitte der 90er Jahre die Möglichkeit, einen Ausflug nach ‚Unter Tage‘ zu machen. In voller Bergmannsmontur, mit Helm und Grubenlampe ging es runter in den Stollen. Mit dem Förderkorb dauerte der Abstieg nicht lange. Nach schätzungsweise zwei Minuten hielten wir auf 900 m Tiefe. Wir wurden damals durch Stollen gescheucht, die wir teilweise nur auf allen Vieren bewältigen konnten (reinste Schikane!). Auch war es hier nicht kalt, sondern gefühlte 40 Grad C warm. Während sich die übrigen die Fummel vom Leib rissen, weil es ihnen zu warm war, hat es mir sehr gut gefallen.

Die heutige Falun-Stollen-Tour war dagegen ‚Wellness‘. In Ordnung! - ist natürlich ein wenig übertrieben. Es geht über insgesamt 400 Stufen hinunter in den Berg. Das ist also schon etwas für Durchtrainierte. Für den Rückweg kann allerdings ein Fahrstuhl benutzt werden. Außer mir nahmen doch noch ein paar Leute nicht an dem Abstieg teil.

Wir wünschten den Abenteurern alles Gute und machten uns auf den Weg, das Gelände näher zu erkunden. Da jeder seine eigenen Vorstellungen von Erkundungen hatte, trennten wir uns und jeder ging für sich. Fotomotive gab es hier selbstverständlich wieder in Hülle und Fülle.

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Themenstarter541 Beiträge · seit 201225. Jan. 2025 · #36
Das Museum war ebenfalls sehenswert. Es gibt hier auch so was wie Living Museum. Wie vor 100 Jahren saßen Mann, Frau und zwei Kinder in einem kleinen Holzhaus und handwerkten.

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zuletzt bearbeitet 25. Jan. 2025
Themenstarter541 Beiträge · seit 201225. Jan. 2025 · #37
Irgendwann stießen die Bergleute wieder zu uns. Das Gelächter der Personen, die nicht mit waren, war schon ein wenig peinlich. Man sah genau, wer aus der Reisegruppe ‚unten‘ war.

Alter Schwede! Wie sahen die denn aus? Bin ich bei ‚Herr der Ringe‘? Sind das Orks?

Die Schuhe und Hosen hätte man eigentlich entsorgen müssen, so gefärbt waren sie durch den roten Kupferstaub.

Auch ein abendlicher Reinigungsversuch im Bad des Hotels hat nicht viel gebracht. An Schuhen und Hosen konnte man auch Tage später noch erkennen, wer an der Führung teilgenommen hatte. Oder wer vor Abreise vergessen hat, eine Ersatzhose ( 😊 ) in seinen Koffer zu packen.

Vor der Weiterfahrt nutzten einige Personen die Gelegenheit, sich im netten Café mit einem Snack und Getränk zu stärken.

Nach der Besichtigung von ‚Falu Gruva‘ fuhren wir nach Sundborn. Ein kleiner Ort am Toftasee. Hier wohnte der schwedische Maler Carl Larsson. Angeblich hat er durch seine Bilder mit den roten Häusern zum Durchbruch der roten Farbe verholfen. Auf dem Gelände hatte jeder ausreichend Zeit, sich das Museum und die Außenanlagen anzusehen.

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Anschließend fuhren wir zum nächsten Hotel nach Uppsala. Hier würden wir unser Abendessen einnehmen und eine Nacht im Radisson Blu verbringen. Wer wollte, hatte vor dem Abendessen noch ein wenig Zeit, die nähere Umgebung und das Treiben in der Stadt zu beobachten.

Bis bald
Dieter
zuletzt bearbeitet 25. Jan. 2025
3'883 Beiträge · seit 201128. Jan. 2025 · #38
Hallo Dieter, alles okay bei dir?
Mir fehlt das morgendliche virtuelle Reisestück durch Schweden.

Lieben Gruß
freshy
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Themenstarter541 Beiträge · seit 201229. Jan. 2025 · #39
Guten Morgen freshy!
Bist Du auf Entzug? 😄 Danke erstmal der Nachfrage. Es ist alles in Ordnung und es geht gleich weiter!
Schönen Tag noch und liebe Grüße
Dieter
Themenstarter541 Beiträge · seit 201229. Jan. 2025 · #40
Tag 8

Nach einer ruhigen Nacht und einem kräftigen Frühstück machten wir zunächst eine kleine Stadtrundfahrt. Jonas kommentierte die Sehenswürdigkeiten, wo wir bei einigen wenige Minuten Zeit hatten, die Aussicht aus dem Fenster zu genießen, denn Regen hielt uns davon ab, aus dem Bus zu steigen. Wir sahen den Dom mit seinem hohen Turm und kamen an der Universität vorbei. Fotos aus dem Fenster zu schießen ist nicht unbedingt mein Ding. Daher gibt es hier wenige Bilder.

Anschließend konnten wir heute Vormittag für rund zwei oder drei Stunden Uppsala auf eigene Faust erkunden. Leider spielte das Wetter heute gar nicht mit. Trotzdem war der Rundgang lohnend, Fotomotive habe ich natürlich gefunden. Fasziniert haben mich die haushohen Street-Art-Bilder. Einige waren so gut, dass man sie für Fotos hätte halten können.

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Interessant fand ich auch die öffentlichen Toiletten in einer Shopping-Mall. Hier kam man erst rein, wenn man die Kreditkarte gezückt hatte. Für umgerechnet einen Euro?? Manchmal denke ich, ich bin im falschen Film. Die Schweden hatten jedoch eine kostensparende Technik entwickelt. Wenn jemand herauskam, hielt er dem Nächsten die Tür los. Sozusagen mit Platzanweiser. Auf diese Weise konnten rund 10 Leute für 1 € die Örtlichkeit benutzen. Das rechnet sich dann auch 😊.

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Alle fanden sich pünktlich zur vereinbarten Uhrzeit am Treffpunkt wieder. Verhungert oder verdurstet war niemand. Die meisten hatten sich über die Mittagszeit gerettet und kurz vor der Abfahrt des Busses mit Snacks ihren Hunger vertrieben.
zuletzt bearbeitet 07. Feb. 2025