Besser spät als nie! Ich habe nun doch noch einen Bericht zu Papier (oder auf den Monitor) gebracht.
Wir schreiben das Jahr 2021! Und wir sind noch mitten in der Corona-Zeit.
Trotz meiner Lungenkrankheit habe ich keinen Bock zu Hause rumzusitzen. Ich will nochmal raus.
Da wegen ärztlichem Veto ja nix mehr mit ‚fliegen‘ ist, bleibt also wie in den letzten Jahren wieder nur der Bus. Seit 2018 begnüge ich mich daher mit solchen Best-Ager-on-Tour Rundreisen.
Dieses Mal geht es nach Schweden.
Wer mit dem Norden Europas nichts anfangen kann, braucht erst gar nicht weiterlesen. Klickt einfach dahin, wo es Giraffen oder Wüstenelefanten gibt! Diese Tiere sieht man in Schweden auch mit Sichtungsfee nämlich relativ selten.
Dass dieses die letzte Tour werden würde, hatte ich im Vorfeld bereits geahnt. Dass es aber so hart für mich werden würde, hatte ich nicht vermutet.
Tag 1 Eigentlich war es wie die drei Jahre zuvor. Natürlich kannte ich bereits vor der Buchung die Route auswendig. Da die Hotels der Rundreise ebenfalls bekannt waren, hatte ich mich tagelang intensiv mit den Hotelbeschreibungen und Bewertungen befasst. Es schien wieder alles zu passen. Immerhin war das nunmehr die vierte Tour mit diesem Veranstalter. Bisher hat es meinerseits nie irgendwelche Beanstandungen gegeben.
Es war wie immer. Morgens um sieben Uhr war nicht nur die Welt noch in Ordnung, sondern ich wurde mit einem Shuttlebus direkt vor der Haustür abgeholt. Toll! Ja, lüg ich denn? Mein Lieblingsfahrer Akim stieg aus dem Fahrzeug. Durch die Rundreisen in den Jahren zuvor war er mir bestens bekannt.
Dass Reisende den Fahrer ‚duzen‘ ist völlig normal. Dass Fahrer die Urlauber auch ‚duzen‘ ist eigentlich nicht normal. Wir beide lagen voll auf einer Wellenlänge. Bereits bei unserer ersten Tour hatte ich ihm das ‚du‘ angeboten.
Kurze, aber herzliche Begrüßung. Dann rein in den Shuttle. Knappe Vorstellung bei den bereits im Fahrzeug sitzenden Personen. Und ab ging es wie in den letzten Jahren über die A43 nach Münster.
An einer Autobahnraststätte hatten wir Gelegenheit unsere Blasen zu erleichtern oder wie einige wenige, sich die Lungen noch mal mit Nikotin vollzuhauen. Dieses Laster habe ich Gott sei Dank hinter mir.
Mein Lieblingsfahrer verabschiedete sich: „Wir sehen uns noch! Ich fahre nachher bei euch mit!“
Dann trafen zwei oder drei weitere Zubringerfahrzeuge und auch unser Fünf-Sterne-Super-Luxus-Bus mit ein paar Minuten Verspätung ein. Während die Fahrer der Zubringerfahrzeuge unsere Koffer und Taschen im Reisebus verstauten, konnten wir Gäste nun unsere Plätze in Beschlag nehmen.
Wie in den Jahren zuvor hatte bereits bei der Buchung die Möglichkeit bestanden, sich seinen Wunschplatz auszusuchen. Auf den Sitzen lagen nun wiederum Zettel mit den Namen der Urlauber.
Wir waren noch mitten in der Corona Zeit. Der Reiseveranstalter hatte damit geworben, allerneueste Filteranlagen in seine Busflotte eingebaut zu haben und garantierte auch, dass nicht alle Plätze belegt werden würden. Wegen dieser Vorsichtsmaßnahmen würde im Bus keine Maskenpflicht herrschen.
Es waren 31 Urlauber an Bord. In Schweden würde noch ein Reiseleiter hinzusteigen.
Der Platz neben mir blieb frei. Zwei Sitze für mich allein, also so richtig zum Räkeln. Obwohl das eigentlich nicht erforderlich ist, denn diese Reisebusse bieten wirklich sehr viel Beinfreiheit.
Nachdem sich der Fahrer über die Bordanlage gemeldet und als ‚Herbert‘ vorgestellt hatte, stellte er ebenfalls Akim vor. Der hatte auf dem Reiseleitersitz Platz genommen. Die ersten Stationen würde Akim mit uns fahren und dann in Schweden eine andere Tour übernehmen. Die ersten paar Tage hatte ich nach Ankunft in unseren Hotels noch Gelegenheit genug mich mit ihm zu unterhalten.
Bevor wir jetzt jedoch losfuhren, verteilten Akim und Herbert Frühstücksboxen und schenkten Kaffee aus. Einige Leute waren zu diesem Zeitpunkt bereits ja noch länger unterwegs als ich. Diese lechzten geradezu nach Kaffee.
Endlich setzte sich der Bus Richtung Kiel in Bewegung. Während einer längeren Pause konnten wir hinter Hamburg an einem Rasthof unseren Mittagshunger stillen. Nach einem weiteren Zwischenstopp kamen wir nachmittags in Kiel an. Bisher bin ich nur vom Norwegen-Kai mit einer Fähre der Color-Line in See gestochen. Dieses Mal hielten wir am gegenüberliegenden Schweden-Kai. Schließlich wollten wir ja nach Göteborg.
Wir wurden vom Fahrer darauf hingewiesen, dass alle Dinge, die für eine Nacht benötigt werden, nun unbedingt mitgenommen werden müssen. Reisetaschen und Koffer könnten im Bus bleiben. Der würde im Schiffsrumpf geparkt werden. Aber auch erst wieder zugänglich sein, wenn wir in Göteborg von Bord gefahren sind.
Herbert besorgte für alle Teilnehmer die Tickets. Nachdem diese verteilt waren, begaben sich alle Urlauber ins Gebäude der Stena-Line.
Die Einschiffung erfolgte ungefähr ab 17 Uhr. Da ich schlecht zu Fuß bin, mogelte ich mich durch die Wartenden nach relativ weit vorne. Für eine Einzelperson ist das gar nicht so schwer. Als ich endlich durch den Check-In war, begannen für mich schon Qualen. Die Gangway, in schöner leichter Steigung, nahm und nahm kein Ende. Immer geradeaus bis zum Horizont. Dann schräg links. Letzter Schwenk nach ganz links. Das Empfangskomitee wartete bereits und begrüßte die Ankömmlinge. Ich ging an Bord und ließ mich zunächst in die erstbeste Sitzgelegenheit fallen.
Nachdem ich hier ein paar Minuten meine Module heruntergefahren und meine Lunge hochgefahren hatte, machte ich mich auf die Suche nach meiner Kabine. Gott sei Dank hatte ich nur meinen Rucksack zu schleppen, der neben Kamerazeugs den Inhalt für die nächsten drei Tage beherbergte.
Bei Buchung der Reise waren angeblich keine Außenkabinen buchbar, so dass ich nun mit einer Innenkabine Vorlieb nehmen musste. Das muss aber eine Ausrede gewesen sein. Von den paar Passagieren, die an Bord waren, hat sich ja wohl nicht jeder eine Außenkabine genommen. Was solls? Für die eine Nacht war das völlig in Ordnung.
Schnell noch die Kabine inspizieren und für gut befinden. Alles wie gehabt und wie erwartet. Rucksack ablegen, Kamera schnappen und dann begab ich mich auf das Oberdeck, um die Abfahrt nicht zu verpassen.
Pünktlich um 18.45 Uhr legte die Fähre mit Ziel Göteborg ab. Das Wetter spielte mit. Es herrschten angenehme Temperaturen. Die Hafenausfahrt habe ich sehr genossen.
Zum Abendessen traf sich unsere Gruppe vor dem Speisesaal. Alle Teilnehmer waren pünktlich und so konnten wir uns an den uns zugewiesenen Tischen niederlassen.
Der Speisesaal war fast leer. Zu der Auslastung der Fähre kann ich nur Schätzungen abgeben. Ich vermute, dass irgendwo so um die 200 bis 300 Passagiere an Bord waren.
Trotzdem war das Buffet vom Feinsten und es fehlte an nichts. Das Schönste jedoch waren die kostenlosen alkoholischen Getränke. Wein und Bier waren inkludiert.
Es folgte wie immer auf solchen Rundreisen das erste vorsichtige Abtasten zwischen den Reiseteilnehmern. Wer sich nicht die Namen der anderen merken konnte (wer kann das schon), hatte in den nächsten Tagen noch genügend Gelegenheit.
Nach dem Abendessen begab ich mich ein weiteres Mal an Deck.
Tag 2 Auf jeden Sonnenuntergang folgt ein Sonnenaufgang. So auch heute.
Ich bin Frühaufsteher. Also war ich nach dem üblichen morgendlichen Ritual im Bad bereits um kurz nach sechs Uhr an Deck. Es wehte ein lausiges Lüftchen. Um nicht zu sagen, es war schweinekalt und der Wind hob mich fast von den Füßen (ich wiege ja auch nicht viel). Ich beeilte mich, ganz schnell wieder unter Deck zu kommen.
Um sieben Uhr öffneten sich die Türen zum Speisesaal. Hier war es windstill😊. Heute Morgen gab es keine feste Sitzordnung. Man nahm dort seinen Platz ein, wo gerade frei war. Und das war fast überall.
Das Frühstücksbuffet war reichlich. Es gab nichts, was es nicht gab. Gut gestärkt begab ich mich danach wieder an Deck.
Die Einfahrt nach Schweden war großartig. Es war zwar immer noch windig bis stürmisch, aber die Sonne schien mittlerweile und gab eine wohltuende Wärme ab.
Wir legten um ein paar Minuten nach neun Uhr in Göteborg an. Bei so wenig Fahrzeugen und Personen ging das Ausschiffen schnell über die Bühne. Um 9:30 Uhr setzte ich meine Füße auf schwedischen Boden. Schnell noch zwei oder drei Bilder geschossen und dann kam auch schon unser Reisebus auf uns zu.
Als alles überflüssiges Gepäck endgültig im Bus verstaut war und wir unsere Plätze vereinnahmt hatten, setzte sich der Bus in Bewegung.
Bekannte, die ich auf der Skandinavien-Rundfahrt 2018 kennengelernt hatte, und zu denen ich auch heute noch regen Mail- oder Telefonkontakt habe, beglückwünschten mich zu der Entscheidung der Schweden-Rundreise. Sie hatten diese Tour bereits im Jahre 2017 gemacht. Sie drückten mir die Daumen: „Wenn du den Jonas als Reiseleiter bekommst, hast du das große Los gezogen! Der Typ ist der ‚Knaller‘. Viel Glück!“
So war es. Genau dieser ‚Knaller‘ war mit uns eingestiegen. Jonas stellte sich über die Bordanlage vor und gab uns die ersten Informationen zur Rundreise und kommentierte sogleich die Strecke und sehenswerten Gebäude, die links und rechts der Straße zu sehen waren.
Der erste Eindruck von Jonas war positiv. Er schien völlig sympathisch zu sein.
Zunächst fuhren wir bei unserer Stadtrundfahrt auf eine Anhöhe nahe der Stadt. Zur Masthauerkirche, wo wir eine Pause einlegten und ausreichend Gelegenheit hatten, uns die Kirche anzusehen und genügend Fotos zu schießen.
Teil 313. Jan. 2025
Danach ging es weiter mit der Stadtrundfahrt. Der nächste Halt war bei der Oper. Bevor wir ausstiegen, wies uns Jonas auf das rot-weiße Hochhaus ‚Skanskaskrapan‘ hin. Im Volksmund wird es nur ‚Lippenstift‘ genannt.
Vor dort oben muss man eine gigantische Aussicht über Göteborg haben. Leider stand dieses nicht mit auf unserem Plan.
Gegenüber der Oper war eine riesige Baustelle, eingezäunt mit einem Bauzaun. Damit der Zaun nicht mit irgendwelchen Schmierereien und Parolen verschandelt würde, hatte der Stadtrat den Zaun für Profi-Sprayer für die Dauer der Baustelle freigegeben. Man musste sich für eine freie Fläche extra bewerben.
Es waren wirklich sehenswerte Arbeiten dabei.
Bei der Weiterfahrt kamen wir zum Götaplatsen mit der Poseidon Statue. Rings um den Platz herum befinden sich auch das Theater und das Museum. Anschließend ließ uns unser Fahrer am Gustav-Adolfs-Torg aussteigen. Wir hatten nun Freizeit und konnten auf eigene Faust die nähere Umgebung erkunden und auch mal in die Einkaufspassagen reinschnuppern.
Teil 413. Jan. 2025
Nachmittags fuhren wir nach Marstand. Vom Färjeläge ‚Fähranleger‘ wollten wir auf die vorgelagerte kleine Insel. Das heißt, wir wollten gar nicht. Wir mussten. Das stand schließlich so in unseren Buchungsunterlagen. Es bestand die Möglichkeit, hier die Carlsten Festung zu besichtigen.
Trotz meiner Lungenkrankheit war ich bisher relativ locker mit der Maske umgegangen (schließlich waren wir noch voll in der Corona-Zeit). Als ich diese Fähre betrat, hatte ich jedoch keine Hemmungen, mir dieses schicke Teil wieder ganz schnell über Mund und Nase zu ziehen. Irgendwie kam ich mir vor wie bei einer Viehzählung in einem eingezäunten Gatter zu Zeiten von Wyatt Earp, aus dem es kein Entkommen gab. Einheimische und Touristen ohne Ende. Wo war ich denn hier gelandet? Dicht gedrängt standen nicht nur gefühlt Hunderte Schulter an Schulter. Es war wirklich so!
Die Überfahrt dauerte höchstens drei oder vier Minuten. Ich war froh, als wir endlich von der Fähre konnten.
Sinngemäß stand im Reiseprospekt: ‚Die gemütlichen Gassen laden zu einem Bummel ein? ‚Hallo??‘ Da war nix mit gemütlichen Gassen.
Ich dachte, ich bin auf der Cranger-Kirmes gelandet. Hully Gully in allen Gassen. Ist denn wirklich ganz Schweden hier und heute und dieser Insel anwesend? Gibt es kein anderes Ausflugsziel? Hilfe!!
Mir war sofort klar, dass ich hier nicht lange bleiben werden. Die Festung konnte mich mal. Kaffeedurst trieb mich zunächst in ein nettes Café, das von der Promenade etwas zurückversetzt lag. Hier suchte ich mir einen ruhigen Platz in der Sonne und genoss, abseits des Trubels, in Ruhe ein Stück Kuchen bei einer Tasse Kaffee.
Ich weiß nicht mehr, wann ich mich in die Schlange auf die Fähre eingereiht habe. Es ging sehr diszipliniert zu. Meine Maske setzte ich auch schnellstens wieder auf. Nach wenigen Minuten waren wir wieder an Land und ich beobachtete aus einiger Entfernung diesen Trubel. Das brauch‘ ich im Urlaub kein zweites Mal.
Gegen 18 Uhr waren alle Mitreisenden wieder am Bus. Einige begeistert, andere teilten meine Meinung.
Es ging nun nach Stenungsund. Zu unserer ersten Unterkunft an Land während der Rundreise. Es handelte sich um einen Yachtclub. Das Hotel liegt, wie es sich für einen ordentlichen Yacht-Club gehört, direkt am Wasser. Ich bekam ein Zweibett-Zimmer. Es war top ausgestattet und relativ groß. Das Bad war sehr ansprechend und absolut sauber. Das Abendessen, welches es vom Buffet gab, war ebenfalls voll in Ordnung. Heute Abend kamen beim ‚dinnieren‘ auch die ersten intensiveren Gespräche zustande.
Mit vollem Bauch vertrat ich mir bei angenehmer Luft noch ein wenig die Beine vor dem Hotel, bevor ich voller Hoffnung an die Bar ging, um zu testen, ob die Bierpreise in Schweden günstiger sind als in Norwegen. Doch das war ein frommer Wunschtraum. Über die Alkoholpreise ist man sich in ganz Skandinavien wohl einig.
Bis dann! Grüße Dieter
Teil 515. Jan. 2025
Tag 3
Ich hatte sehr gut geschlafen und kam auch ohne Wecker frühzeitig aus dem Bett. Vor dem Hotel machte ich heute erst die ersten Fotos. Zu dieser Stunde waren noch nicht allzu viele Gäste auf den Beinen und so gelang es mir, fast touristenlose Bilder zu schießen.
Nachdem sich unsere Gruppe am Frühstücksbuffet gestärkt hatte und alle Koffer und Taschen wieder im Bus verstaut waren, fuhren wir nach Fjällbacka. Ein kleiner, malerischer Fischerort. Hier war seinerzeit „Ronja Räubertocher“ verfilmt worden. Wir parkten den Bus knapp außerhalb des Ortes und gingen zu Fuß zum Wasser hinunter. Das war wirklich Bilderbuch-Schweden, wie man es sich vorstellt.
Es gibt ein Ingrid-Bergmann-Denkmal. Welches zu Ehren der Schauspielerin errichtet wurde, da sie in diesem Ort mehrere ihrer Urlaube verbracht hat. Angeblich wurde auch ihre Asche hier ins Meer gestreut.
Die ganz Abenteuerlichen aus unserer Truppe konnten noch einen halsbrecherischen Weg nach oben auf den Berg Vetteberget nehmen. Zwischen zwei Felswänden kann man über Geröll und Felsbrocken aller Größen nach oben klettern. Die Aussicht von oben soll großartig sein. Ich nahm mit der Aussicht hier unten am Wasser vorlieb. Die war schon toll genug. Das reichte mir. Und meine Knochen bleiben heile.
Teil 616. Jan. 2025
Nächster Halt unserer heutigen Tour waren die Felszeichnungen von Tanumshede. Sie sind geschätzte 3000 Jahre alt. Die Unesco hat sie zum Weltkulturerbe erklärt.
Vom Parkplatz aus war es eine ziemliche Strecke zu den Steinen mit den Ritzungen. Das wollte ich meiner Lunge nicht zumuten und konzentrierte mich sofort auf das Museum und die Außenanlagen. Zumal unser Reiseleiter uns mitgeteilt hatte, dass wir das Museum und die Außenanlagen ebenfalls besichtigen werden. Also hatte ich hier schon mal einen Vorsprung. Felsenmalereien hatte ich in Norwegen, in Alta, schon genug bewundern können.
Die Außenanlagen waren ganz nett anzusehen. Wesentlich beeindruckender fand ich allerdings letztes Jahr „Maihaugen“ in Norwegen. Das Museum war überschaubar. Nachdem ich das Gelände abgelaufen hatte, ging ich zurück ins Gebäude. Hier gönnte ich mir ein Stückchen Kuchen mit einem Pott Kaffee. Nach geraumer Zeit setzten sich zwei Ehepaare zu mir und wir unterhielten uns angeregt.
Teil 716. Jan. 2025
Dann war Zeit zum Aufbruch. Kurz vor 15 Uhr kamen wir am nächsten Ziel an. Häverud. Angeblich Europas einzige Stelle, wo Wasser-, Schiene- und Asphaltstraße sich kreuzen.
Der Dalslandkanal besteht aus mehreren Kanälen, die den Vänern-See (größter See Schwedens) und mehrere andere Seen in der Nähe verbindet. Hier vor Häverud gibt es eine 4stufige Schleuse.
Nach ein paar Fotos mit Blick auf die Brücken und Kanäle fuhren wir hinunter zum Wasser.
Wir hatten ausreichend Zeit uns die Gegend, die Schleusen und das ganz Drumherum anzuschauen. Es gibt hier noch eine Fischrösterei, ein Kanalmuseum, Cafés sowieso und Souvenirshops.
Irgendwann rief dann der Bus wieder nach uns. Auf dem Weg dorthin gönnte ich mir noch ein leckeres Eis. Bei diesen Temperaturen schmeckte es noch mal so gut!
Dann starteten wir Richtung Lidköping zur Unterkunft für die zweite Übernachtung in Schweden.
Warum es von Lidköping und/oder unserem Hotel überhaupt kein einziges Foto gibt, ist für mich nicht mehr nachvollziehbar. Bei mir eigentlich kaum vorstellbar. Vielleicht hatte ich einen Dauerkrampf in meinem Auslöser-Finger.
Das Hotel war – obwohl Ausstattung und Sauberkeit top waren –, nicht ganz so mein Ding. Alle Singles bekamen im obersten Stock ihr Zimmer. Immerhin gab es hier einen Fahrstuhl. Auf den ersten Blick schien das Zimmer in Ordnung zu sein. Das Bad auch. Aber die Hitze! Eigentlich bin ich ja hitzeresistent. In diesem geschätzten 18 m² Backofen bekam ich jedoch Schnappatmung. Als ich das Fenster öffnete, erschrak ich zunächst. Die beiden Tauben auch. Ich hatte zwei Tauben aufgescheucht, die außen auf der Fensterbank saßen. Und wo diese zwei Tauben waren, haben vorher wohl hunderte gesessen. Die Fensterbank nach außen war vollgekackt bis zum geht nicht mehr. Also Luke wieder dicht. Wer weiß, welche Bazillen ich mir hier sonst noch einfange. Dann lieber heute Nacht schwitzen und im eigenen Saft schmoren.
Zum Abendessen trafen wir uns in der Hotelhalle. „Schwitzt ihr auch so? Das ist vielleicht eine Affenhitze im Zimmer!“ Das entsprach der Tatsache.
Es war heute nicht nur warm, es war sogar richtig heiß. Bisher hatten wir nicht ein Wölkchen am Himmel gesehen. Das wird sich aber bald ändern.
Als sich alle Teilnehmer vor dem Hotel eingefunden hatten, marschierten wir zu einem knapp 10 Minuten entfernten griechischem Restaurant, welches nur für unsere Reisegruppe geöffnet hatte.
Das Essen hat wohl allen geschmeckt. Es gab keine Meckerei. Meiner Meinung nach gab es hierfür auch keinen Grund.
Nach dem Abendessen suchten sich einige Leute noch eine geöffnete Lokalität, um sich einen Absacker zu gönnen. Das erwies sich als gar nicht so einfach, da in Schweden viele Restaurants sonntags geschlossen bleiben. Immerhin fanden wir recht nah beim Hotel eine Pizzeria, wo wir uns einen Absacker gönnten.
Die erste Nacht in diesem Hotel war doch erträglicher als zunächst befürchtet.
Bis dann! Grüße Dieter
Teil 819. Jan. 2025
Tag 4 Die morgendliche Dusche brachte wieder Leben in meinen Körper. Frisch gestylt ging es mit dem Fahrstuhl runter und Richtung Frühstücksraum. Mittlerweile hatten sich innerhalb der Reisegruppe kleinere Grüppchen gebildet. So saßen meistens dieselben Leute morgens und abends beim Essen zusammen.
Auf zu neuen Taten. Wir starteten Richtung Vätternsee, Schwedens zweitgrößtem See.
Meine Busnachbarn und ich hatten uns schon mehrfach gefragt, was der Zettel auf dem Sitz der uns gegenüberliegenden Busseite zu bedeuten hat. Seit der Abfahrt lag wie vorher auf allen übrigen Sitzen ein Namenszettel. Da wir nun aber doch unterwegs waren, hätte man den ruhig entfernen können. Da drängten sich schon einige Fragen auf. Man hat ja auch sonst nichts zu tun.
Die Lösung nahte. Wir hielten vor einem Hotel. Und es stieg ein, ein geschätzt 60 bis 65jähriger Mann. Seinem Outfit nach zu urteilen war er schon einige Tage unterwegs.
„Wo kommst du denn her?“
Seine direkten Sitznachbarn waren natürlich neugierig. Er hatte schon eine gut 2-wöchige Schweden-Rundreise mit anderen Zielen (ich hätte auch ‚Destinations‘ schreiben können – tue ich aber nicht 😊) hinter sich. Flexibel, wie unser Reiseunternehmen nun mal ist, wurde für diese Person eine Übernachtung mehr im letzten Hotel gebucht. Während der Rest seiner Gruppe nach Deutschland zurückfuhr, schloss er sich nun einer neuen Gruppe an. Und jetzt ist er da und macht eine Anschlussreise mit uns! Auch nicht schlecht!
Unser heutiges Ziel war der Nationalpark Tiveden. Wer wollte, konnte auf eigene Faust eine Wanderung unternehmen. Es gibt drei Rundwege in unterschiedlichen Längen. Die längste Strecke beträgt zwei Stunden. Man hatte aber auch die Möglichkeit, sich einfach auf eigene Faust ein wenig umsehen oder die Natur und die Stille genießen.
Ich begnügte mich damit, die light Variante unter meine Schuhe zu bringen. Beine sind nicht nur zum Wandern da. Nach knapp 10 Minuten war ich fertig und genoss anschließend den Ausblick auf den See. Relaxen kann ich sehr gut!
Bevor wir weiterfuhren, gab es erstmalig Verpflegung aus der Busküche. Herbert und Akim servierten Brühwürstchen, Kaffee, kalte Getränke, Kekse und Schokis. Sie beherrschten auch diesen Job perfekt. Alle Teilnehmer standen in lockerer Runde zusammen und ließen es sich schmecken.
Teil 919. Jan. 2025
Der zweite Punkt des heutigen Tages war die Besichtigung der Festung Karlsborg aus dem 19. Jahrhundert. Hier wartete bereits eine deutschsprachige Fremdenführerin auf uns, die uns eine gute Stunde durch die Anlagen führte und uns ausgiebig mit Informationen zuschüttete.
Teil 1019. Jan. 2025
Zum Abschluss des Tages statteten wir dem Schloss Läckö einen Besuch ab. Auch hier kamen wir in den Genuss einer Führung durch das Barockschloss.
Danach fuhren wir zum Hotel in Lidköping zurück. Auch heute Abend war wiederum in einem Lokal extra für unsere Gruppe eingedeckt worden.
Ich wollte mich aber heute von der Rudelbildung lösen und begab mich, nachdem ich Jonas bereits am Morgen informiert hatte, Richtung Ortskern.
Ich hatte mit mehr gerechnet. Das, was ich sah, war eher enttäuschend. Hier war nicht viel bis gar nichts los. Ein Urlaubermagnet ist Lidköping bestimmt nicht. Außerdem war anscheinend Corona wohl noch allgegenwärtig. Also konzentrierte ich mich nach rund 45 Minuten Rundgang durch Lidköping auf das scheinbar einzige Lokal, das heute wohl geöffnet hatte. Es war eine ausgezeichnete Idee. Ich habe noch nie in meinem Leben einen sooo leckeren Burger gegessen. Phantastisch!
Den harten Kern der Reisegruppe fand ich selbstverständlich in der Pizzeria von gestern wieder.
Viele Grüße Dieter
Teil 1120. Jan. 2025
Tag 5
Heute stand reichlich Fahrerei auf dem Programm. Im Tagesverlauf hatten wir rund 500 km zu bewältigen! Diese Zeit wurde von dem ‚Knaller‘ bestens überbrückt. Es war eine Freude, ihm zuzuhören.
Jonas plauderte ein wenig mehr als sonst über sich selbst. Sein erlernter Beruf war Lehrer. Wenn das alles so stimmte, was er uns erzählte, hat er in seinem Leben eigentlich nie zu viel gearbeitet. Er war jemand, der sehr gerne reiste. Jedes Mal, wenn er im Urlaub war, besuchte er irgendeinen Kursus und bekam hinterher einen Schein, der ihm erlaubte, andere auszubilden. Nach einigen Urlauben hatte er dann genug Erfahrung und Scheine, so dass er seinen Lehrerjob aufgab und irgendwo in der Welt unterwegs war. Immer da, wo es schön war und wo er seine erworbenen Kenntnisse weitergeben und damit Geld verdienen konnte, machte er Station. Mal war er Tauchlehrer, mal Skilehrer, mal Surflehrer oder er brachte Urlaubern das Fahren auf Wasserskiern bei. Nebenbei lernte er auf diese Weise auch noch andere Sprachen.
Der Grund, warum er nun hier in Schweden lebt, ist ganz plausibel: Lange Beine, blonde Haare. Irgendwann hat es ihn erwischt. Er ist mittlerweile verheiratet und lebt nun mit Frau und Kindern in Schweden. Inzwischen ist er wieder in seinem erlernten Beruf tätig. Durch seine diversen Reisen in verschiedene Länder konnte er an seiner jetzigen Schule Deutsch, Englisch und Spanisch unterrichten. Lehrkräfte, die diese Sprachen sprechen, sind wohl Raritäten und in Schweden total gefragt. Und so konnte er sich, - immer vorausgesetzt, alles stimmte, was er sagte -, den Job aussuchen. Ich habe ihm geglaubt. Meiner Meinung nach war er kein Spinner oder Schwätzer.
Dass er an unseren Veranstalter geraten war und uns nun während der Ferien als Reiseleiter zur Seite stand, war eine zufällige Begegnung mit Sören, der mich bei meinen drei ersten Skandinavien- bzw. Norwegenreisen als Reiseführer begleitet hat.
Sören und er liefen sich irgendwo in Schweden über den Weg. Kamen ins Gespräch. Und Sören gab Jonas die Kontaktdaten unseres Veranstalters. Alles weitere kann man sich denken.
Wir fuhren zunächst nach Värmland. Erster Halt war beim riesigen Rottneros Park. Hier handelt es sich unter anderem um einen Skulpturenpark. Die meisten Figuren stammten vom schwedischen Bildhauer Carl Eldh. Der Park ist weitläufig und bietet jede Menge Fotomotive.
Auch Figuren aus Märchen, die fast jeder von uns gelesen hat, sind hier zu finden. Unter anderem erblickten wir nach einigem Suchen Nils Holgersson mit seinen Gänsen. Außerdem steht hier eine Kopie von ‚Diana mit Hirsch‘. Auch die Blumenpracht war schon recht beeindruckend. Insgesamt hat sich der Besuch hier gelohnt.
Und belohnt haben wir uns dann kurz vor Abfahrt auch noch. Es gab Kaffee und Kuchen im kleinen Café am Ausgang.
Teil 1220. Jan. 2025
Als nächster Punkt stand ein Besuch auf dem Gut Märbacka auf dem Plan. Die Schriftstellerin Selma Lagerlöf wurde hier geboren. Natürlich konnte man auch ihr Geburtshaus besuchen. Hier herrschte aber so ein Gedränge, dass ich mich lieber auf dem Gelände umsah. Von den Mitreisenden erfuhr ich hinterher, dass man regelrecht durch das Gebäude geschleust worden wäre. Man hatte wohl mit Besserem gerechnet.
Abschließend fuhren wir zur nächsten Unterkunft, wo wir zwei Nächte bleiben würden. Abendessen und Übernachtung in einem Hotel in Tällberg.
Da wir hier zwei Übernachtungen hatten, nahm ich heute meine Reisetasche mit ins Hotel. Das war eine ziemliche Hampelei für mich. Nachdem die ersten Reisenden die Zimmerschlüssel hatten, wurde es an der Rezeption etwas ruhiger und gesitteter. Zu Viert stiegen wir in den Fahrstuhl. Immerhin mussten wir auf die 3. Etage. Wir wollten gerade oben aussteigen, da kamen uns die ersten wieder entgegen: „Seid ihr auch auf drei? Das ist hier aber nicht. Wir müssen wieder runter und am anderen Flügel die Treppen hoch.“
‚So ein Scheiß‘, dachte ich bei mir. Ich war froh, bis zum Fahrstuhl gekommen zu sein. Und jetzt wieder zurück? Was soll der Quatsch? Irgendwann kam ich doch am anderen Ende des Gebäudes an und schaffte es die 19 Stufen hinauf. Auf dieser Seite gab es keinen Fahrstuhl.
Wie ich allerdings mit meinem Gepäck die Treppen in den zweiten und dritten Stock hochkommen wollte, wusste ich noch nicht so recht. Personal um Hilfe bitten? Dazu ist Papa Kenia viel zu stolz. Männer kriegen so was allein hin. Ich ließ mich also zunächst in einen Sessel fallen, um Luft zu holen und einen Plan zu machen. Nachdem ich mental gefestigt war, hievte ich die Reisetasche ins nächste Stockwerk.
Endlich stand ich vor der Zimmertür. Ging rein. Schnell ein Rundumblick. Alles schien topp in Schuss. Ich stellte Tasche und Rucksack in eine Ecke und ließ mich auf das Bett fallen. Ich lag noch nicht ganz, da ging es: ‚Miep, miep, miep, miep‘. Was ist denn jetzt los? Ich schaute vorsichtig auf den Flur und sah eine Mitreisende aus dem Nachbarzimmer schon gestikulieren: „Raus hier! Feueralarm!“ - Nicht das auch noch!
Ich ergriff meinen Rucksack. Dann folgte ich den anderen so gut es ging. Völlig ausgelutscht und mit Atemnot kam ich vor dem Hotel an. Alle Gäste versammelten sich in angemessener Entfernung vor dem Hoteleingang. Nach wenigen Minuten kam tatsächlich die einheimische Feuerwehr vorgefahren. Wenn ich die Gestik der Feuerwehrleute und der Hotelangestellten richtig deutete, war es wohl nicht das erste Mal, dass ein Fehlalarm vorlag.
So war es dann auch.
Nach rund 15 Minuten konnten wir wieder auf unsere Zimmer.
Ich hatte eine knappe Stunde Zeit, meinen Puls wieder runterzufahren. Dann stiefelte ich im Urlaubertempo Richtung Speisesaal zum Abendessen. Das Buffet bot einiges. Es mundete allen wohl richtig gut. Mein Bier (nicht nur eins) schmeckte mir nach diesen Strapazen noch besser als sonst!! Heute Abend verschwanden fast alle Reiseteilnehmer relativ früh auf ihren Zimmern. In der näheren Umgebung war auch nichts, was man sich hätte ansehen müssen. Das Hotel liegt auf einem Hügel in einer Streusiedlung, wo alle 50 oder 100 m ein Haus steht.
Viele Grüße Dieter
Teil 1322. Jan. 2025
Tag 6
Der heutige Tag verlief für mich ruhig. Auf dem Programm stand eine Fahrt nach Nusnäs, wo die Dalarna-Pferdchen geschnitzt werden. Diese Tiere sind für Schweden-Urlauber ein MUSS als Souvenir.
Danach sollte es weitergehen nach Rättvik zu einem Besuch in einem Freilichtmuseum. Anschließend stand noch eine Fahrt mit einem alten Dampfer an.
Bereits vor der Buchung der Reise hatte ich diesen Tag innerlich ausgeklammert und beschlossen, das Tagesprogramm ausfallen zu lassen. Grund dafür war die Fahrt mit der M/S Gustav Wasa, mit der die Gruppe heute fahren würde. Aufgrund meines Alters bin ich natürlich nostalgisch angehaucht und so ein altes Schiff hätte mich normalerweise auch interessiert, aber eine volle Dröhnung Dieselabgase braucht meine Lunge wahrlich nicht. Also ließ ich es, nachdem ich mich bereits beim Frühstück bei Jonas abgemeldet hatte, langsam angehen.
Ich hatte während der vergangenen Tage genügend Gelegenheit, mich mit Akim zu unterhalten. Heute Morgen hieß es jedoch Abschied nehmen. Akim würde morgen als Fahrer für eine andere Tour unseres Reiseveranstalters einspringen. Wer weiß, vielleicht sieht man sich in diesem Leben noch mal.
Die restliche Reisegruppe verabschiedete sich noch winkend und ich ging zunächst auf mein Zimmer. Hier vertiefte ich mich die nächste Stunde in meinem Reiseführer.
Wegen Corona war das Hallenbad leider geschlossen. So entschloss ich mich, einen richtigen Gammeltag einzulegen. Also besorgte ich mir ein Bier und begab mich damit vor die Tür, wo ich mir eine windgeschützte Ecke suchte.
Der Ausblick auf den Siljansees war nicht schlecht. Super Ausblick, ein Bier und Lieblingsmusik vom ipod, auch das ist Urlaub. Man braucht nicht unbedingt nur Schlösser! Bei schönem Wetter wäre es bestimmt noch besser gewesen. Die Wolkendecke zog sich immer mehr zu und kurz vor Mittag begann es zu regnen.
Zum Mittagessen ging ich ins Restaurant. Ich gönnte mir zunächst eine Suppe. Anschließend wurde ich am Buffet fündig. Kartoffeln, Fleisch und Salat. Das war genau passend zum Mittag. Dem aufmerksamen Leser ist aufgefallen, dass da noch etwas fehlte! Das Bier! Natürlich hatte ich mir dieses auch bestellt. Wollte es nur nicht explizit erwähnen! 😊
Da wir in diesem Hotel nur übernachteten war mein Mittagessen nicht im Preis enthalten; ich musste also das Essen bezahlen. Ich hätte ja mit der restlichen Truppe mitfahren können. Auf der Gustav Wasa gab es nämlich inkludiertes Mittagessen.
Für schwedische Verhältnisse fand ich den Preis für mein Mittagessen im Hotel absolut in Ordnung.
Es regnete immer noch. Hier oben auf dem Hügel war es ziemlich zugig.
Daher begab ich mich auf mein Zimmer und bearbeitete mein Laptop.
Nachmittags hatten sich die Wolken fast verzogen und die Sonne kam zum Vorschein. Ich suchte mir eine bequeme Bank vor dem Hotel, genoss die Wärme und chillte so vor mich hin. Chillen gehört zu meinen Paradedisziplinen.
Irgendwann am späten Nachmittag kehrte die Reisegruppe zurück. Sie schilderten mir ihr Erlebtes. Einige waren von der Tour begeistert. Andere schimpften auf den Dieselgeruch, der während der gesamten Dampferfahrt wie eine Glocke über dem Schiff lag. Dann war meine Entscheidung ja nicht ganz so verkehrt gewesen.
Viele Grüße Dieter
Teil 1425. Jan. 2025
Tag 7
Wer die roten Häuser Skandinaviens kennt - die Farbe dafür kommt vermutlich von hier: Falun. Falun ist eine Stadt in der Provinz Dalarnas. Hier gibt es eine Kupfergrube. Seit 2001 gehört diese zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Das typische rot ist ein Abfallprodukt, welches bei der Kupfergewinnung entsteht. Aus diesen Farbpigmenten wird Dispersionsfarbe hergestellt.
Wir hatten vom Hotel aus nur rund 50 Kilometer bis dahin zurückzulegen. Dann standen wir auf dem Gelände der ‚Falu Gruva‘.
Das Gelände ist groß und der Blick in die Erzgrube war beeindruckend. Das Wetter spielte wieder mit. Es war angenehm warm.
Wer wollte, konnte an einer Besichtigungstour in den Stollen teilnehmen.
Jonas riet mir, an dem Abstieg nicht teilzunehmen.
Das hätte ich mir sowieso geklemmt. Bereits bei den Recherchen vor der Buchung hatte ich den Hinweis gefunden, dass Menschen mit Behinderung der Besuch nicht angeraten wird. Für Frostbeulen ist die Führung ebenso wenig geeignet. Die Temperaturen im Stollen sollen bei knapp über 0 Grad C liegen. Das waren also zwei Punkte, die gegen eine Teilnahme sprachen. Außerdem ist der Boden rutschig und matschig. Der Abstieg erfolgt auf eigene Gefahr.
Diesen Ausflug habe ich locker verschmerzt. Etwas ähnliches hatte ich vor Jahren erlebt. Ich komme aus dem Ruhrgebiet. Sprich: Aus dem Kohlenpott. Hier herrschte lange Zeit der Kohleabbau. Selbst in meinem kleinen Geburtsort gab es eine Zeche. Durch eine frühere Arbeitskollegin, deren Mann Steiger auf eben dieser Zeche war, hatten meine damalige Arbeitskollegen und ich (gendern gab es da noch nicht 😊 – und wird es für mich auch nie geben) Mitte der 90er Jahre die Möglichkeit, einen Ausflug nach ‚Unter Tage‘ zu machen. In voller Bergmannsmontur, mit Helm und Grubenlampe ging es runter in den Stollen. Mit dem Förderkorb dauerte der Abstieg nicht lange. Nach schätzungsweise zwei Minuten hielten wir auf 900 m Tiefe. Wir wurden damals durch Stollen gescheucht, die wir teilweise nur auf allen Vieren bewältigen konnten (reinste Schikane!). Auch war es hier nicht kalt, sondern gefühlte 40 Grad C warm. Während sich die übrigen die Fummel vom Leib rissen, weil es ihnen zu warm war, hat es mir sehr gut gefallen.
Die heutige Falun-Stollen-Tour war dagegen ‚Wellness‘. In Ordnung! - ist natürlich ein wenig übertrieben. Es geht über insgesamt 400 Stufen hinunter in den Berg. Das ist also schon etwas für Durchtrainierte. Für den Rückweg kann allerdings ein Fahrstuhl benutzt werden. Außer mir nahmen doch noch ein paar Leute nicht an dem Abstieg teil.
Wir wünschten den Abenteurern alles Gute und machten uns auf den Weg, das Gelände näher zu erkunden. Da jeder seine eigenen Vorstellungen von Erkundungen hatte, trennten wir uns und jeder ging für sich. Fotomotive gab es hier selbstverständlich wieder in Hülle und Fülle.
Teil 1525. Jan. 2025
Das Museum war ebenfalls sehenswert. Es gibt hier auch so was wie Living Museum. Wie vor 100 Jahren saßen Mann, Frau und zwei Kinder in einem kleinen Holzhaus und handwerkten.
Teil 1625. Jan. 2025
Irgendwann stießen die Bergleute wieder zu uns. Das Gelächter der Personen, die nicht mit waren, war schon ein wenig peinlich. Man sah genau, wer aus der Reisegruppe ‚unten‘ war.
Alter Schwede! Wie sahen die denn aus? Bin ich bei ‚Herr der Ringe‘? Sind das Orks?
Die Schuhe und Hosen hätte man eigentlich entsorgen müssen, so gefärbt waren sie durch den roten Kupferstaub.
Auch ein abendlicher Reinigungsversuch im Bad des Hotels hat nicht viel gebracht. An Schuhen und Hosen konnte man auch Tage später noch erkennen, wer an der Führung teilgenommen hatte. Oder wer vor Abreise vergessen hat, eine Ersatzhose ( 😊 ) in seinen Koffer zu packen.
Vor der Weiterfahrt nutzten einige Personen die Gelegenheit, sich im netten Café mit einem Snack und Getränk zu stärken.
Nach der Besichtigung von ‚Falu Gruva‘ fuhren wir nach Sundborn. Ein kleiner Ort am Toftasee. Hier wohnte der schwedische Maler Carl Larsson. Angeblich hat er durch seine Bilder mit den roten Häusern zum Durchbruch der roten Farbe verholfen. Auf dem Gelände hatte jeder ausreichend Zeit, sich das Museum und die Außenanlagen anzusehen.
Anschließend fuhren wir zum nächsten Hotel nach Uppsala. Hier würden wir unser Abendessen einnehmen und eine Nacht im Radisson Blu verbringen. Wer wollte, hatte vor dem Abendessen noch ein wenig Zeit, die nähere Umgebung und das Treiben in der Stadt zu beobachten.
Bis bald Dieter
Teil 1729. Jan. 2025
Tag 8
Nach einer ruhigen Nacht und einem kräftigen Frühstück machten wir zunächst eine kleine Stadtrundfahrt. Jonas kommentierte die Sehenswürdigkeiten, wo wir bei einigen wenige Minuten Zeit hatten, die Aussicht aus dem Fenster zu genießen, denn Regen hielt uns davon ab, aus dem Bus zu steigen. Wir sahen den Dom mit seinem hohen Turm und kamen an der Universität vorbei. Fotos aus dem Fenster zu schießen ist nicht unbedingt mein Ding. Daher gibt es hier wenige Bilder.
Anschließend konnten wir heute Vormittag für rund zwei oder drei Stunden Uppsala auf eigene Faust erkunden. Leider spielte das Wetter heute gar nicht mit. Trotzdem war der Rundgang lohnend, Fotomotive habe ich natürlich gefunden. Fasziniert haben mich die haushohen Street-Art-Bilder. Einige waren so gut, dass man sie für Fotos hätte halten können.
Interessant fand ich auch die öffentlichen Toiletten in einer Shopping-Mall. Hier kam man erst rein, wenn man die Kreditkarte gezückt hatte. Für umgerechnet einen Euro?? Manchmal denke ich, ich bin im falschen Film. Die Schweden hatten jedoch eine kostensparende Technik entwickelt. Wenn jemand herauskam, hielt er dem Nächsten die Tür los. Sozusagen mit Platzanweiser. Auf diese Weise konnten rund 10 Leute für 1 € die Örtlichkeit benutzen. Das rechnet sich dann auch 😊.
Alle fanden sich pünktlich zur vereinbarten Uhrzeit am Treffpunkt wieder. Verhungert oder verdurstet war niemand. Die meisten hatten sich über die Mittagszeit gerettet und kurz vor der Abfahrt des Busses mit Snacks ihren Hunger vertrieben.
Teil 1829. Jan. 2025
Dann fuhren wir eine gute Stunde weiter bis Sigtuna.
Sigtuna ist ein typischer Touristenort und liegt rund 50 km vor Stockholm. Angeblich ist es die älteste Stadt Schwedens. Vermutlich steht dieser Besuch auf jedem Plan bei Rundreiseprogrammen.
Das Erste, was man sah, war das Rathaus. Es soll das kleinste Rathaus Schwedens sein.
Zugegeben, der Ort hat was. Schnuckelige Häuschen und enge Gassen. An den Wänden der Holzhäuser wehten kleine Fähnchen und Wimpel.
Aber auch hier herrschte schlechtes Wetter und drückte unsere Stimmung.
Nachdem ich den Ort mehr oder weniger trocken in voller Länge abgeschritten und einige Souvenirshops durchstöbert hatte, kehrte ich am anderen Ortsausgang in ein kleines gemütliches Café ein. Vermutlich wegen des miesen Wetters war das Café gut besucht. Ich ergatterte trotzdem einen Einzelplatz am Fenster. Hier bekam ich sehr guten Kuchen und leckeren Kaffee serviert. Einige Reiseteilnehmer sahen mich durch die Fenster und winkten herüber.
Der Regen hatte zwischenzeitlich nachgelassen.
Guter Dinge fuhren wir am Nachmittag nach Schloss Drottningholm. Drottningholm ist der ständige Wohnsitz der schwedischen Königsfamilie. Früher war es eine Sommerresidenz der regierenden Könige.
Wir konnten an einem Rundgang durch das Schloss teilnehmen. Einige Räume sind für die Öffentlichkeit freigegeben und können besichtigt werden. Die restlichen Zimmer werden von der Königsfamilie bewohnt und sind daher nicht zugänglich.
Nach der Schlossbesichtigung fuhren wir zu unserer nächsten Unterkunft nach Stockholm, zum Clarion Hotel. Wo wir die nächsten vier Nächte bleiben würden.
Es verging schon einige Zeit, bis die komplette Reisegruppe die Formalitäten an der Rezeption erledigt hatte. Wir konnten nun die Zimmer beziehen und uns ein wenig frisch machen. Danach war erneuter Treffpunkt vor dem Hotel.
Das Abendessen sollte es in einem nahegelegenen Restaurant geben. Daher fuhren wir mit dem Bus zum Restaurant Pavillion, welches direkt am Wasser liegt. Es gab ein Einheitsessen mit Vorspeise und Nachtisch. Auch das Ambiente in diesem Lokal mit seiner großen Terrasse war nett.
Gegen 21 Uhr ging es zurück zum Hotel.
Viele Grüße Dieter
Teil 1931. Jan. 2025
Tag 9 Heute wir würden mehrere Stunden an Bord von Fähren verbringen. Den Ausblick auf vorbeiziehende, teilweise kaum besiedelte Inseln genießen. Zwischendurch mal eine Kleinigkeit essen und trinken. Ansonsten alles entspannt angehen lassen! Das war so ganz nach meinem Geschmack.
Bereits gestern hatte uns Jonas mitgeteilt, dass er den geplanten Tagesablauf über den Haufen werfen würde. Jonas hatte manchmal seine eigene Vorstellung davon, wie man den Tagesablauf besser gestalten konnte als im Buchungsprogramm stand. Wir sind ja flexibel und niemand hatte Einwände. Stressig wurde es heute nicht. Nur die Zeit bis zur Abfahrt des Busses musste im Schweinsgalopp überbrückt werden.
Bereits um kurz nach sechs Uhr machte ich die ersten Aufnahmen.
Ab 6.30 Uhr war der Speisesaal geöffnet. Viel Zeit für das Frühstück hatten wir aber nicht. Ist das eine Hetzerei!! Urlaub sieht anders aus!
Kurz vor sieben Uhr saßen wir reisefertig im Bus und fuhren auf direktem Weg zum Hafen. Bereits eine halbe Stunde später gingen wir an Bord einer Fähre. Die M/S Viking Grace sollte uns zur Inselgruppe Åland bringen Das Wetter war gut. Die Stimmung war gut. Die Sonne im Gesicht zu spüren, tat auch richtig gut. Was will man mehr? Es waren nicht allzu viele Wolken am Himmel.
Da unser Frühstück heute Morgen im Hotel sehr unter Zeitdruck oder auch gar nicht eingenommen wurde, hatten wir hier an Bord nun Gelegenheit zu einem zweiten Frühstück.
Auf unserer gut fünfstündigen Fahrt bot sich ein schönes Landschaftsbild.
Teil 2031. Jan. 2025
Man achte auf die Feinheiten: Åland gehört zu Finnland. Trotzdem gibt es auf Åland nur eine einzige Amtssprache: Schwedisch. Da Åland zu Finnland gehört, gehen hier auch die Uhren anders. Åland ist der Zeit eine Stunde voraus. Die Uhren ticken hier wie in Finnland.
So erklärt sich auch, dass auf dieser Fähre zwei Uhren mit zwei unterschiedlichen Zeiten tickten.
Ankunft der Fähre in Mariehamn war gegen 14:15 Uhr Ortszeit! Danach begannen wir sofort mit einer Inselrundfahrt. Nach rund einer Stunde Fahrzeit hielt unser Bus an einem schönen Plätzchen und wir wurden wieder vom Fahrer und Reiseleitung aus der Busküche bewirtet. Die kulinarische Delikatesse, bestehend aus Würstchen und Weißbrot, garniert mit Ketchup oder Senf schmeckte ausgezeichnet. Danach gab es noch einen Kaffee oder kalte Getränke. Und die obligatorischen Schokis! Lecker!! Gut gesättigt, hätten einige von uns bestimmt gerne ein Nickerchen einlegen wollen.