Luigi15Themenstarter411 Beiträge · seit 201901. Feb. 2022 · #121
Fortsetzung Reisetage 26 und 27:
Kurz vor 15:00 Uhr brechen wir wieder auf, um ein zweites Mal an diesem Tag unser Glück zu versuchen. Ziel ist das Nossob-Tal. Gestern war hier, wenn man von der Gepardensichtung absieht, nicht wirklich viel los. Mal schauen, was heute kommt… Noch im Camp stoppen wir für einen Afrikanischen Riesentausendfüßer (Archispirostreptus gigas), von denen es eine große Zahl gibt.
Unser erster Halt ist bei einer kleinen Kolonie Erdmännchen. Die putzigen Tiere sind fleißig am Graben, zwischendurch stehen sie aber auf und sondieren die Umgebung.
Als nächstes sticht uns eine Weißflügeltrappe (Northern Black Korhaan) ins Auge, die in unmittelbarer Nähe zur Straße nach Insekten oder kleinen Reptilien sucht.
In letzter Sekunde sehen wir gerade noch einen Honigdachs, der aber sofort verschwindet und sich nicht einmal zu uns umdreht… Mit diesen Tieren habe ich noch nicht meinen Frieden geschlossen, die wollen mich irgendwie nicht!
Ein junger Kampfadler sitzt auf einem Webervogelnest – da müssen wir kurz reversieren, um einen besseren Blickwinkel zu erhaschen. Das Manöver mit dem Auto scheint ihn aber nicht zu stören, denn er bleibt brav auf seinem Ausguck sitzen.
Weiters sehen wir eine Kapturteltaube (Ring-necked Dove) und einige Kaptäubchen (Namaqua Dove).
Bei Kij Kij sehen wir die üblichen Spießböcke, die auch gestern bereits dort in der Nähe zu sehen waren, ansonsten bleibt es aber ziemlich still… Wir beschließen bei der Rückfahrt hier zu stoppen, dann sind auch die Lichtverhältnisse noch etwas besser. Kurz nach Kij Kij sehen wir ein paar Mahaliweber (White-browed Sparrow-Weaver) und einen Damara-Sperling (Grey-headed Sparrow), der auf einem Baumstamm herumturnt und eifrig einige Krümel aufpickt.
Heute Nachmittag ist offenbar der „Tag der Vögel“, denn die Säugetiere sind noch nicht bereit sich zu zeigen… Dafür zeigt sich auch noch ein Lannerfalke (Lanner Falcon), dessen kräftige Krallen mir besonders imponieren.
Als wir dabei sind, einen schönen Baum mit Siedlerwebernestern zu fotografieren, fällt unser Blick auch auf einige Afrikanische Borstenhörnchen, die direkt neben der Straße herumtollen. Sie haben in der Böschung zumindest einige Eingänge in ihren unterirdischen Bau.
Inzwischen glühen die Dünen in der Nachmittagssonne, das Licht wird nun langsam immer besser und lässt das Herz höher schlagen.
Bevor wir uns entschließen zu wenden, um nach Twee Rivieren zurückzufahren, sehen wir noch einen einsamen Springbock, eine laut krächzende Kapkrähe (Cape Crow) und einen weiteren jungen Singhabicht (Southern Pale Chanting Goshawk).
Genau an der Stelle, an der wir den Wagen wenden, fällt uns eine Vierstreifen Grasmaus (auch: Striemengrasmaus) auf, die zunächst am Boden und bald darauf in einem Busch herumturnt. Auch in einem anderen Busch daneben tummelt sich ein niedlicher Nager…
Am Rückweg bereiten uns zwei Schabrackenschakale viel Freude, die aus dem hohen Gras schielen, das nun bereits schön von der sich langsam senkenden Sonne bestrahlt wird.
Einer der interessantesten Vögel, denen man hier begegnen kann, ist für mich immer wieder der Sekretär (Secretarybird). Dieser große Greifvogel, der eine Flügelspannweite von etwa zwei Metern aufweist, schreitet majestätisch neben der Pad dahin. Wir hatten bereits am Vormittag einige dieser Vögel im Auob-Tal gesehen, aber relativ weit entfernt. Dieser hier hat offensichtlich kein Problem mit unserer Anwesenheit und lässt sich bereitwillig ablichten…
Wir begleiten ihn ein ganzes Stück weit und stoppen dann bei einem Maricoschnäpper (vielen Dank, Friederike!!!).
Bei Kij Kij ist inzwischen mehr los, dort wo gestern noch der Löwe lag, hat sich eine ganze Herde Spießböcke und Springböcke versammelt. Wir stellen uns oberhalb des Wasserloches, dort wo die Verbindungsstraße ins Auob-Tal beginnt, auf und beobachten die Szenerie…
Dort halten sich offensichtlich sogar Oryx-Antilopen an die Verkehrszeichen, bevor sie die Straße queren…
Auch in weiterer Folge sehen wir diese Antilopen mit ihren gewaltigen, spitzen Hörnern.
Für mich sind dies die schönsten Botschafter dieses Nationalparks, sie passen auch farblich fantastisch in die grandiose Szenerie! Am Heimweg sehen wir noch einige Strauße, einen Singhabicht, der direkt neben uns eine Maus aus dem Gras fängt, mit ihr auf- und davonfliegt und das arme Nagetier in ein Nest hoch oben in einem Baum verfrachtet – die ganze Angelegenheit ging leider sehr rasch vor sich – Zeitlupe wäre hier hilfreich…
Auch bei Leeuwdril gibt’s nochmals ein paar Spießböcke.
Das letzte Bild des Tages stammt schließlich noch von einem Raubadler (Tawny Eagle), da ist die Sonne aber leider schon hinter einem Hügel verschwunden…
Sehr müde und mit brennenden Augen kehren wir in unser Chalet zurück, wo wir heute zur Abwechslung wieder einmal ein Steak auf den Grill werfen. Wir nehmen die letzte verbliebene Flasche Wein aus dem Fundus und genießen den Abend – ein wenig neidisch schielen wir zu den Nachbarn, die vor ihrer Hütte mit schwerem Grillgerät auffahren und mindestens ein 5-Gänge Menü auf die Teller zaubern. Lange wird gezecht und gelacht, vermutlich reisen sie am nächsten Morgen ab… 😠
Fortsetzung folgt!
leo1962102 Beiträge · seit 201801. Feb. 2022 · #122
Hallo Peter, Dann wünsche ich dir eine schöne Reise! Lg Birgit
Klaudi373 Beiträge · seit 201202. Feb. 2022 · #123
Hallo Luigi15,
vom ersten Tag an begleite ich dich auf dieser Reise, aber nun muss ich außer Danke-Button drücken auch mal ein paar Worte schreiben: Was für eine schöne Reise, was für schöne, gute Fotos. Ich hatte ganz vergessen, wie schön Südafrika sein kann. Und dein Text gefällt mir auch, sehr informativ und - zumindest für meinen Geschmack - angenehm unaufdringlich geschrieben.
Zu Anfang hatte ich gedacht, dass mir zwischendurch bestimmt die Luft ausgehen wird bei 100 Tagen Reise. Aber ich bin mir nun sicher, dass ich locker dabei bleiben werde. Also, danke, dass du dir diese große Mühe machst, und uns an deiner Reise teilhaben lässt. Und Gratulation zur Südbüscheleule! Eine schöne Sichtung und ein tolles Foto.
Luigi15Themenstarter411 Beiträge · seit 201902. Feb. 2022 · #125
Guten Abend, Klaudi - vielen Dank, dass du seit Beginn dabei bist und immer noch Interesse an diesem Reisebericht zeigst 😄 100 Tage sind tatsächlich eine lange Zeit und ich merke auch allmählich, dass es durchaus anstrengend ist, die vielen Erinnerungen in Worte zu kleiden... Aber jetzt haben wir uns bald eine Pause verdient - ich fliege für ein paar Wochen in die USA, da muss der Bericht ruhen. Ich freue mich aber, wenn du mich ab Ende März wieder begleitest! Einstweilen beste Grüße, Peter
Luigi15Themenstarter411 Beiträge · seit 201902. Feb. 2022 · #126
Vielen Dank, Friederike - du bist ja sehr vertrauensvoll, was diese gefiederten Freunde angeht! Maricoschnäpper scheint sehr passend. Vielen Dank nochmals, einen schönen Abend, Peter
Na ja, gib es zu: Du wolltest nur herausfinden, ob man auch alles liest. 😉 Auf diesen Allerweltsvogel - obwohl ich die wunderhübsch finde - wärst Du auch allein gekommen 😎 Gruß Friederike
brisen407 Beiträge · seit 201502. Feb. 2022 · #128
Ach Peter, das ist unfair. 🙁 Lässt uns hier noch vor Johannesburg hängen und fliegst einfach mal so in die USA. Geniesse die Zeit dort, darf ich fragen wo es hin geht?
casimodo4'528 Beiträge · seit 200702. Feb. 2022 · #129
Hallo Luigi15,
wenn man hier mal den Anschluss verloren hat, ist man verloren 🤩 😉 ! Wenn Du irgendwann fertig mit Deinem Bericht bist, wird man ihn getrost als Südafrika-komplett-Reiseführer nutzen können.
Danke für die Flut an wunderschönen Bildern und Schilderungen! Vermutlich wird Dir erst jetzt beim Reiseberichtscheiben bewusst, was Du alles erleben durftest!
Luigi15Themenstarter411 Beiträge · seit 201902. Feb. 2022 · #130
CuF schrieb:
Maricoschnäpper scheint sehr passend
Na ja, gib es zu: Du wolltest nur herausfinden, ob man auch alles liest. 😉 Auf diesen Allerweltsvogel - obwohl ich die wunderhübsch finde - wärst Du auch allein gekommen 😎 Gruß Friederike
Liebe Friederike, ich bin zwar Lehrer, aber das war kein Test... es ist manchmal leider so, dass man bei den banalsten Dingen schwächelt... tatsächlich vielen Dank!! glG Peter
Luigi15Themenstarter411 Beiträge · seit 201902. Feb. 2022 · #131
Guten Abend, brisen! Ich glaube es ist gut, jetzt mal eine Pause einzulegen - ich bringe euch noch gut zurück nach Johannesburg, aber bevor ich mit dem nächsten Teil starte geht's zunächst zu Bekannten nach Florida und dann weiter an die Westküste... wie genau, wo genau ist noch offen! Ich werde die Zeit sicher genießen, dort gibt's schon ein wenig mehr Frühling glG Peter
Luigi15Themenstarter411 Beiträge · seit 201902. Feb. 2022 · #132
Lieber casimodo, mir geht's leider auch so, dass ich über manche Berichte erst verspätet stolpere, aber beim Schreiben des eigenen Berichts ist man doch ganz ordentlich beschäftigt. Die Sache mit dem Komplett-Reiseführer überlege ich mir 😄 aber es fehlen doch ein paar Ecken... ja, es war eine intensive Zeit und ein Vorteil eines Reiseberichtes ist es, die spannende Zeit vor Ort nochmals durchleben zu können, die Aufzeichnungen auszugraben undundund... die Vorbereitung der Bilder ist tatsächlich eine Challenge - manchmal wünsche ich mir, ich hätte weniger fotografiert...Schön, dass du dabei bist! Einen schönen Abend, lG Peter
Luigi15Themenstarter411 Beiträge · seit 201903. Feb. 2022 · #133
Fortsetzung Reisetage 26 und 27:
Einmal geht es noch am Vormittag in den Park – irgendwie wird man etwas wehmütig, wenn eine Reise zu Ende geht. Für mich geht es ja noch etwas weiter, aber Christian werde ich in den wenigen Tagen am Flughafen abliefern. Man plant eine Reise, dann freut man sich drauf – und schwupps, ist die Sache auch schon wieder Geschichte… Aber vielleicht ist es so besser, denn eine Reise, die einem ewig lange vorkommt, ist wohl nicht immer ganz gelungen…
Es ist heute etwas später und ich steige wieder in das Auto, Christian ist noch nicht ganz fertig, er braucht noch etwas… kein Problem, ich hole das Permit und dann geht’s los, wir haben definitiv keinen Stress... Der Plan für heute: Wir fahren durch das Nossob-Tal bis zum Picknickplatz Dikbaardskolk, dann weiter über die Dünenstraße ins Auob-Tal und durch dieses Tal dann wieder zurück nach Twee Rivieren. Da wir annähernd den ganzen Tag unterwegs sein wollen, haben wir etwas Proviant für ein verspätetes Frühstück und/oder einen Brunch mitgenommen, Kekse und Karotten, dazu etwas Brot und Käse sowie ein paar hartgekochte Eier. Wasser führen wir ohnedies immer in unserem Kühler mit… Christian spaziert bereits an der Tankstelle vorbei, als ich mit dem Permit am Weg zu ihm bin – umso besser, wir können also gleich loslegen!
Am ersten größeren Baum, den wir auf der rechten Seite der Straße innerhalb des Parks sehen, sitzt ein schlaftrunkener Milchuhu (Verreaux’s Eagle-Owl). Wieder müssen wir kurz reversieren, um einen astfreien Blick auf das Gesicht erhaschen zu können. Der große Vogel mit den gewaltigen Krallen blinzelt nur kurz auf, damit war es das an Aufmerksamkeit uns gegenüber. Da schon der nächste Wagen hinter uns hält, fahren wir weiter das Tal entlang…
Auch am Wasserloch Samevloeiing, wo wir am ersten Besuchstag die grazilen Geparde bewundern durften, ist wieder etwas los, ein Gaukler (Bateleur) sitzt am Beckenrand und putzt sein Gefieder. Als ein Schabrackenschakal auftaucht, fliegt der große Raubvogel auf und davon… Was mich hier stört ist, dass Arbeiter bei Ausbesserungsarbeiten offenbar ein Gitter neben der Wasserstelle vergessen haben - hoffentlich wird das nicht zu einer bösen Falle...
Auch heute sehen wir einen Lannerfalken (Lanner Falcon), doch heute ist es ein Jungtier mit dem für ihn typischen Federkleid.
In der Nähe von Rooiputs ist der Tag für uns bereits nach einer rund 45-minütigen Fahrt gerettet – ein Auto steht am Wegrand und der Fahrer deutet mit der Hand, indem er wild herumgestikuliert: Ein wunderschöner Leopard marschiert aus dem Schatten eines Baumes auf uns zu… Da die Zahl der Autos aber zunimmt und sich einige wirklich blöd verhalten (ein Junge setzt sich direkt ins Fenster, der Oberkörper ist weit aus dem Wagen…) dreht der Leo schließlich ab und stapft davon… Vermutlich wirft das bevorstehende Wochenende seine Schatten voraus.
So ein Glück, wir sind begeistert! Wir waren mit dem bisher Gesehenen schon mehr als zufrieden… Wir sehen weiters einen Rotbauchwürger (Crimson-breasted Shrike), der an den Panzern von Käfern herumpiekt und einen weiteren Sekretär.
Hinsichtlich weiterer Säugetiere ist dieses Tal auch heute leider ziemlich ausgestorben – stimmt nicht ganz, ein Steinböckchen ausgenommen.
Kurz vor Kij Kij steuert eine Gruppe Gnus eilenden Schrittes auf das Wasserlochen zu, andere suchen bereits den Schatten und stehen nur herum.
Nun geht es für uns zum Picknickplatz von Melkvlei, wo wir eine Pause einlegen. Wir essen Käsebrote und spazieren ein wenig auf und ab, tauschen uns mit einigen Reisenden aus, die auch hier stoppen. Auch die Vierstreifen-Grasmäuse, die wir gestern schon fotografiert hatten, flitzen herum und warten unter den Tischen auf Krümel. Ich bin hinter einem Mahaliweber (White-browed Sparrow-Weaver) her.
Nach einer knappen Stunde geht es für uns wieder weiter, es ist nun bereits die Mittagszeit angebrochen und wir sind skeptisch, viele Tiere zu sehen, obwohl es heute nicht sonderlich warm ist, eher ein etwas kühlerer Wind weht, der immer wieder auch Wolken vor sich hertreibt… Wir fahren schließlich ein kurzes Stück über Melkvlei hinaus, machen das eine oder andere Landschaftsfoto und sehen – weit entfernt – den zweiten Leoparden dieses Tages… Diese Raubkatze ist aber so weit weg, dass kein gutes Foto gelingt…
Nicht weit entfernt von Kransbrak stoppen wir für einen Gleitaar (Black-winged Kite), der malerisch auf einem Ast thront. Das Tier ist tatsächlich sehr nahe und auch nicht scheu…
Es geht eine ganze Weile bergauf und bergab, aber es tut sich nicht besonders viel. Eine alte Pantherschildkröte wechselt die Straßenseite und ein weiterer Gleitaar ist zu sehen, der aber sofort wegfliegt.
Kurz vor Dikbaardskolk biegen wir auf die „Dünenstraße“ ab, die uns hinüber in das Auob-Tal bringen wird. Kurz sehen wir eine Tüpfelhyäne, die sich aber nur von hinten zeigt und zudem sehr rasch wieder verschwunden ist. Wir haben die totale Einsamkeit vor uns, es sind überhaupt keine weiteren Fahrzeuge zu sehen, dagegen war das Nossob Rivier richtig verkehrsreich… Ich denke, es ist die Wasserstelle von Moravet, die wir nach einiger Zeit erreichen – eigentlich wollen wir schon weiterfahren, entscheiden uns dann aber doch, das kurze Stücke rechts weg zur Wasserstelle zu fahren – vielleicht eine der besten Entscheidungen (in fotografischer Hinsicht), die ich jemals getroffen habe: Da steht, direkt an der künstlich angelegten Tränke, ein Karakal… natürlich unsere Erstsichtung (nach dem Motto: „once in a lifetime“). Er spaziert entlang der Tränke, blickt sich zu uns um und verschwindet den Hang aufwärts laufend auch schon wieder aus unserem Blick – ich war so perplex und hatte damit zu tun, zumindest ein paar Fotos zu schießen, dass alles andere zu kurz kommt, wir sind richtiggehend geflasht…
Das sind Momente, für die gibt man viel… Vor zwei Jahren war es ein Erdwolf im Etosha Nationalpark, dann ebenfalls vor zwei Jahren, das Erdferkel in der Entabeni Lodge in den Waterbergen und nun der Karakal hier im KTP… Glückseligkeit! Das ganze Schauspiel ist vermutlich nach einer Minute vorbei – dann stehen wir wieder allein in einer weiten Landschaft. Die Straße schlängelt sich dahin und wir haben uns viel zu sagen, wir philosophieren über Glück und Pech, darüber, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz zu stehen; was wäre gewesen, wenn wir eine längere (oder kürzere) Pause eingelegt hätten, was hätten wir gesehen, wenn wir die Runde von heute in die andere Richtung gefahren werden… usw. Von der Anhöhe blicken wir in das Tal hinunter, eine kleine Gruppe Oryx-Antilopen steht hier dicht beieinander.
In der Nähe vom Picknickplatz Kamqua treffen wir auch noch auf eine größere Gruppe Giraffen. Während einige der Tiere im Tal unterwegs sind, zieht eine weitere Gruppe die südliche Talschulter entlang. Erst in letzter Sekunde fällt unser Blick auf einen Buschhasen, der unter einem Strauch kauert.
Im Auob-Tal, wo der Baumbestand etwas dichter ist, sehen wir einen weiteren Singhabicht, von denen es offenbar doch eine relativ große Zahl im Nationalpark gibt. Dieser sitzt mit seiner Beute, einer Echse, auf dem Boden.
Zurück im Nossob Tal, kurz nach der Wasserstelle von Samevloeiing, stoppen wir hinter einem stehenden Auto, aus dem zwei Teleobjektive herausragen. Wir erhalten den Hinweis, dass sich in dem Baum, der ein riesiges Webervogelnest trägt, eine Eule befinden würde. Nach einigem Suchen werden wir fündig: Ein weiterer Fleckenuhu (Spotted Eagle-Owl) schläft zwischen den Zweigen.
Am Weg zurück zum Camp halten wir schließlich auch noch, um einen Steppenfalken (Greater Kestrel) zu bewundern.
Diese letzte Fahrt durch den Park war ein voller Erfolg, voll unglaublich schöner Eindrücke kehren wir in das Camp zurück. Heute wollen wir nicht selbst kochen, sondern im Restaurant zu Abend essen – das Ergebnis dieses Versuchs habe ich schon in der Einleitung zum KTP beschrieben… Wir sind extra etwas früher zurückgekehrt, um keinen Stress hinsichtlich der Restaurantöffnungszeiten zu haben – des wäre im Nachhinein betrachtet, nicht wirklich nötig gewesen. Aber diesen Tag kann nichts trüben!
Gefahrene Tageskilometer: 260
Daxiang5'049 Beiträge · seit 201403. Feb. 2022 · #134
Hallo Peter,
nachdem sich der erste Teil deiner Tour dem Ende neigt, wird es mal wieder Zeit für ein Dankeschön! Dein Bericht ist echt super und sorgt für Fernweh! Die Sichtungen im ersten Teil deiner Reise sind top und du hast sie perfekt im Bild festgehalten. Einen besseren Abschluss als dieses „once in a lifetime“ Erlebnis mit dem Karakal
kann ich mir echt nicht vorstellen!
Ich glaube es ist gut, jetzt mal eine Pause einzulegen - ich bringe euch noch gut zurück nach Johannesburg, aber bevor ich mit dem nächsten Teil starte geht's zunächst zu Bekannten nach Florida und dann weiter an die Westküste...
Luigi15Themenstarter411 Beiträge · seit 201903. Feb. 2022 · #135
Daxiang schrieb: Ich wünsche dir eine tolle Zeit in den USA!
Vielen Dank, Konni
Luigi15Themenstarter411 Beiträge · seit 201903. Feb. 2022 · #136
Reisetage 28 und 29 (29. und 30. August 2021) – Kgalagadi NP – Johannesburg OR Tambo
Die Gefühlslage hat sich auch über Nacht nicht verändert – das Stimmungsbarometer steht immer noch auf Hochdruck… Wir konnten wunderschöne Momente im KTP genießen und ich freue mich schon auf eine Rückkehr, obwohl wir den Nationalpark noch nicht verlassen haben. Wir haben gestern noch ein wenig darüber diskutiert, ob wir heute vielleicht am Morgen nochmals in den Park fahren sollten – letztendlich haben wir die Idee aber verworfen, denn die Ausbeute ist jetzt schon gigantisch und wir fühlen uns zusehends müde… Das waren intensive Tage und wir beschließen, etwas kürzer zu treten. Hinsichtlich der Route nach Kuruman, wo wir heute Nachmittag in der Red Sands Country Lodge eintreffen werden, verständigen wir uns darauf, den Umweg über Upington zu nehmen. Die Strecke ist zwar um einiges Länger, aber wir können uns beim Fahren abwechseln. In Upington wollen wir zudem in der Mall ein gutes Frühstück einnehmen, unsere Lebensmittelvorräte sind aufgebraucht. Die Strecke über Van Zylsrus kenne ich zu wenig, da kann ich nichts dazu beitragen, ob wir auch dort ein Restaurant finden würden, vermutlich wohl eher nicht… Gegen 09:00 Uhr checken wir aus, geben den Schlüssel zum Chalet zurück und rollen die eintönige R360 vorbei an Askam nach Upington, wo wir kurz nach 11:00 Uhr eintreffen. In der Kalahari Mall gibt es ein verspätetes Frühstück, ich wähle einen Cheesecake und trinke dazu zwei Espressi – der Cafe hat mir eindeutig gefehlt. Christian kauft noch etwas Biltong, das er mit nach Österreich nehmen will. Kurz nach Mittag geht es bei uns wieder zurück auf die Straße und wir fahren die öde N14 entlang, eine mehr oder weniger endlos wirkende Gerade. Wir kommen gut voran, lediglich die zahllosen LWK sind etwas störend. Den nächsten Stopp legen wir beim Mugg & Bean in Kathu ein, denn inzwischen ist auch ein Boxenstopp für uns wichtig. Ich trinke einen weiteren Cafe, Christian bleibt bei Cola. Begeistert fotografiert er noch die riesigen Bagger, die von der Shishen-Mine, einer der größten Eisenerz-Tagebauminen der Welt, ausgestellt sind. Ich bin etwas faul und lehne nur am Auto… Von Kathu ist es nun nicht mehr weit bis zu unserem Übernachtungsziel, der Red Sands Country Lodge wenige Kilometer westlich von Kuruman, wo wir kurz vor 16:00 Uhr eintreffen. Diese Lodge kenne ich noch nicht, ich bin aber angenehm überrascht. Von der N14 führt eine kurze Stichstraße über Sand zu einer weitläufigen Anlage. Es gibt viele Chalets und auch einen großen Bereich für Camper. Alles ist blitzblank sauber. Da diese Anlage speziell auf die Bedürfnisse von Familien abzielt, ist sogar ein Streichelzoo vorhanden. Aufgrund der derzeitigen Lage ist es aber sehr ruhig. Ich spaziere ein wenig herum und beobachte einen kannibalistischen Graureiher, der sich an einer Kapturteltaube zu schaffen macht.
Auch einige Afrikanische Borstenhörnchen tollen herum.
In einem Busch hinter unserem Chalet sitzt zudem ein Gleitaar (Black-winged Kite) – mit dem hatte ich hier sicher nicht mehr gerechnet…
Zum Abendessen gehen wir in das Restaurant des Hotels und gönnen uns nochmals ein gutes, saftiges Steak. Die Beilagen und Salate werden von einem kleinen Buffet geholt – alles schmeckt vorzüglich. Christian ist schon den ganzen Nachmittag über mit Packen beschäftigt – sein tolles GPS verbleibt bei mir, es wird in den kommenden Wochen gute Dienste leisten; sonst muss aber alles im Koffer und im Fotorucksack verstaut werden – irgendwie dürften die Dinge Zuwachs bekommen haben…
Fazit Red Sands Country Lodge: Diese Unterkunft ist aus meiner Sicht mehr als geeignet für eine Zwischenübernachtung auf dem Weg von Johannesburg nach Upington. Alles ist sehr sauber, das Personal zuvorkommend, das Restaurant eigentlich der Hammer – grandioses Preis-/Leistungsverhältnis. Eine wirklich positive Überraschung!
Auch das Frühstück nehmen wir wieder hier im Restaurant ein. Wir starten um 8:00 Uhr, denn wir wollen in Kuruman noch einen kurzen Abstecher zur Moffat-Mission einstreuen. Es schmeckt wieder vorzüglich und wir genießen die urige Atmosphäre. Gegen 9:00 Uhr sind wir startklar, es sind nur wenige Kilometer bis nach Kuruman zurückzulegen. Hier stoppen wir, nachdem das Auto wieder mit Kraftstoff versehen wurde, zunächst am „Auge“. Diese Quelle, die hier als „Oog“ (Eye of Kuruman) bezeichnet wird, ist die stärkste Süßwasserquelle der gesamten Südhalkugel. Täglich werden rund 20.000 m³ Trinkwasser ausgeschüttet, die sich in einen großen Teich ergießen; die Einheimischen füllen das Wasser aber auch in Kanistern ab. Ich habe schon wissenschaftliche Berichte darüber gelesen, dass auch Teile des im Okawango-Delta versickernden Wassers hier wieder an die Oberfläche gelangen.
Der Teich ist zudem voll mit Fischen. Diese Quelle ist angeblich auch dafür verantwortlich, dass in Kuruman (das damals natürlich noch nicht existierte) Robert Moffot seine Missionsstation gegründet hatte – jener Moffat, dessen Tochter Mary mit dem berühmten Afrikaforscher David Livingstone verheiratet war. Livingstone lebte zwischen seinen Reisen immer wieder in Kuruman in der Missionsstation, die auch heute noch besucht werden kann. Wir fahren also zu diesem geschichtsträchtigen Ort, der nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt liegt. Wir schlendern durch die schöne Anlage.
Wir werfen auch einen Blick in die Kirche und studieren ehrfurchtsvoll die Reisekarte von Dr. Livingstone – es ist schon beachtlich, was Menschen auf sich genommen haben, um Neues zu entdecken, um die Welt zu erforschen.
Von Kuruman fahren wir nun weiter auf der N14 über Vryburg und Ventersdorp. Kurz nach Ventersdorp wechseln wir auf die N12, die uns direkt in den Großraum Johannesburg bringt. Um 15:40 Uhr haben wir den Flughafen von Johannesburg erreicht – der erste Kreis hat sich geschlossen… Ich verabschiede mich von Christian, der mir in den letzten Wochen wieder ein wirklich wertvoller Partner war – wir haben uns viel ausgetauscht, hatten unsere Meinungsverschiedenheiten mit der einen oder anderen Unstimmigkeit – aber die jahrzehntelange Freundschaft hat dies wohl nur weiter bestärkt, denn er spricht auch heute noch mir… Wir sind, und das ist das wichtigste, unfallfrei (abgesehen vom umgefahrenen Grill im Mokala NP) unterwegs gewesen, hatten unglaubliche Sichtungen und viel Spaß miteinander. Danke für diese schöne Zeit! Ich fahre etwas nachdenklich weiter zu meinem Quartier, dem Garden Court OR Tambo, das nur wenige Kilometer vom Flughafen entfernt liegt. Hier verbringe ich eine ruhige Nacht und morgen werde ich dann wieder zum Flughafen fahren, um Frau und Tochter abzuholen…. Dann beginnt hier Teil B meines Reiseberichts. Bis es so weit ist, dauert es nun aber etwas, denn ich fliege übermorgen in die USA und eine Fortsetzung des Reiseberichts gibt es dann ab Ende März… Bei den Leser*innen dieser Seiten bedanke ich mich einstweilen, ich hoffe, es war möglichst kurzweilig!
Gefahrene Tageskilometer: 545 bzw. 604
Ein kleiner Vorgeschmack auf die kommenden Reisetage:
Bis bald, beste Grüße, Peter
H.Badger1'822 Beiträge · seit 201603. Feb. 2022 · #137
Hallo Peter, jetzt melde ich mich auch einmal zu Wort. Deine Fotos gefallen mir sehr. Ihr hattet wirklich stets wunderbares Licht! Und jetzt der KTP - ein Sehnsuchtsort. All die schönen Eulensichtungen - wunderbar! Und dann der Karakal! So etwas ist unvergesslich - auf die Begegnung warte ich noch... 😉
Und es freut mich, dass das ohr- und schwanzlose Spitzmaul im Etosha noch lebt - wir haben es 2013 am Camp-Wasserloch von Halali gesehen.
Ich wünsche dir eine gute Zeit in den USA Herzlich Sascha
maddy2'167 Beiträge · seit 200903. Feb. 2022 · #138
Hallo Peter, Wow, welch tolle Reise! Und so ein Glueck mit den Sichtungen, und dem Sonnenschein, und ueberhaupt... Herzlichen Dank fuer's teilen! Wie man sieht, hat dich das Sichtungsglueck auch im naechsten Teil nicht verlassen... Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!
Gruss aus Sodwana, und gute Reise! Maddy
PS. kleine Korrektur, wenn ich darf: er heisst Black-shouldered Kite, und antreffen kannst du den im ganzen Suedlichen Afrika...
franzicke2'085 Beiträge · seit 201203. Feb. 2022 · #139
Hallo Peter, das war jetzt wirklich mal ein Reisebericht so ganz nach meinem Geschmack! Tolle Beschreibungen, zügiges Tempo, super Fotos und ganz viel Sinn für Stimmungen. Beim KTP sind wir hier immer etwas geteilter Meinung - so ganz ohne Elefanten und mit ausschließlich künstlichen Wasserlöchern schafft er es bei meinem Ranger nicht so ganz auf die Wiederholungsliste, aber wenn ich das so sehe, könnte ich durchaus ... Aber noch viel viel mehr, hat mich euer Weg dahin begeistert - für uns noch viele weiße Stellen auf der Karte und wirklich höchste Zeit! Danke bis hierher - ich freu mich jetzt schon auf den nächsten Teil. Jetzt aber eine schöne Reise und eine richtig gute Zeit in den USA. Herzliche Grüße Ingrid
Luigi15Themenstarter411 Beiträge · seit 201904. Feb. 2022 · #140
Guten Morgen, Sascha! Vielen Dank für dein tolles Feedback - das freut mich wirklich. Das schwanz- und ohrlose Rhino, das du ansprichst, war tatsächlich nur wenige Kilometer östlich von Halali unterwegs. Wir haben es gesehen am Weg nach Helio... Hoffentlich darf es in der Gegend noch länger möglichst ungestört unterwegs sein! Beste Grüße, Peter