13.09.17 – Windhoek – Bagatelle Kalahari Game LodgeUm kurz vor 7 sitzen wir schon beim Fruehstueck und ich bekommen erst einmal ein schlechtes Ei serviert.
Da wissen wir noch nicht, dass das heute das kleinere Uebel sein wird.
Noch bevor die Eier am Tisch sind, kam uns der faule Duft entgegen. Ich bringe sie postwendent wieder zurueck in die Kueche. Ausser mir merkt das wohl keiner, obwohl die ganze Bude stinkt. Das Buffet ist ok, aber der Hunger ist mir erst einmal vergangen. Na ja, ein starker Kaffee tut es auch.
Fuer weniger oder gleiches Geld hatten wir schon mal bessere Unterkuenfte. Es ist sauber und ok, aber mehr auch nicht. Die Zimmer koennten eine Auffrischung gebrauchen. Die Innenstadtlage ist ein Pluspunkt, allerdings gibt es grad eine grosse Baustelle gegenueber.
Wir packen unsere 7 Sachen und deponieren sie im Aufbewahrungsraum. „Denk dran, das Fleisch duerfen nachher nicht vergessen!“, rufen wir uns noch gegenseitig zu.
Um kurz vor 8 werden wir zu Savanna gebracht. Das Gepaeck wollen wir spaeter nach dem Einkauf abholen.
Da steht ja unser Bushcamper schon vor der Tuer. Super Teil!
Waehrend ich fuer den Papierkram zustandig bin , will DH sich schon mal unserem Wagen widmen. Aber halt, es ist gar nicht unser Bushcamper der da steht. Unserer steht noch dreckig hinten im Hof. Er ist gestern nachmittag erst zurueckgekommen und wird noch durchgecheckt und gewaschen. Eine Weile wird es wohl noch dauern. Na toll... warum holt man uns dann schon so frueh ab?
Im Office bekommen wir von Valerie noch ein paar Infos und Erklaerungen. Sie kennen wir uebrigens schon von unserer Reise 2013, da war sie noch bei African Tracks beschaeftigt.
DH wird langsam ungeduldig und schaut den Jungs hinten im Hof ueber die Schulter. Nach der Wagenwaesche wird erst das ganze Geruempel vom Vorgaenger aus der Kuechenklappe entladen und nach und nach kommen dann die neuen sauberen Sachen aus dem Lager. Da wir eh nur dumm rumstehen, schauen wir uns schon mal alles selber an, helfen beim Einladen des Equipments und dem Befuellen des Wassertanks und der Kisten. Wir hatten, w.m., um einen grossen 60 ltr. Engel Kuehlschrank gebeten und bekommen ihn auch. Normalerweise ist der Grosse wohl nur in den Landcruisern eingebaut. Der Kuehlschrank ist schon kalt, auch das sep. Gefrierfach und wird mit Spanngurten auf die freie Flaeche hinter den Sitzen gezurrt und angeschlossen. Daneben haben wir noch genuegend Platz fuer sonstige Dinge. Tagesrucksaecke, Toolbox, leere Taschen, Wasserkanister und Schuhe.
Der Bushcamper hat 101.000 KM auf dem Buckel, macht aber einen guten Eindruck. Das Dachzelt ist zwar schon etwas abgenutzt, aber die Zipper scheinen zu funktionieren und es hat keine Loecher oder Risse. Ueber die vielen stratches an beiden Seiten der Fahrerkabine sind wir ganz froh, dann muessen wir im Busch nicht bei jeden vorbeischrammenden Ast in Panik geraten.
Es folgt dann noch einmal eine richtige Einweisung und um 10.45 Uhr verlassen wir endlich den Hof.
Nun schnell zur Maruea Mall zum Einkauf. Haette Savanna uns informiert, dass der Wagen erst spaeter fertig ist, haetten wir diese 2 Std. schon fuer den Einkauf sinnvoll nutzen koennen.
Um 12.35 Uhr fahren wir vor die Pension und laden schnell unser Gepaeck ein . Erst einmal alles hinten reinschieben und Klappe zu. Rucksaecke und Kleinkram verstauen wir neben dem Kuehlschrank. An der Tankstelle gegenueber tanken wir noch schnell voll, denn der Tank ist nur 1/3 befuellt.
Ein Glueck sind wir schnell auf der B1. Jetzt nix wie raus aus der Stadt und so schnell wie moeglich Richtung Sueden. Urspruenglich hatten wir geplant, gemuetlich ueber Dorbabis zu fahren, das koennen wir jetzt knicken. Wir sind viel zu spaet dran.
Wir sind grad ein paar KM raus aus der Stadt raus, auf der Hoehe einer Polizeistation auf der B1, da faellt es uns ein:
das Fleisch! Scheeiii....
Wir wenden am Strassenrand und fahren das ganze Stueck wieder zurueck zur Pension. Ich stopfe das Fleischpaket in den Engel und schnell geht’s wieder los.
Boah, was fuer ein Stress. Was hatten wir gesagt? Denk an das Fleisch!
Es ist heiß, wir haben nix gegessen oder getrunken und sind noch nicht vom Fleck.
Natuerlich sind an allen Kreuzungen alle Ampeln auf rot . An der 3. Kreuzung, wir stehen gerade, fuchtelt auf einmal ein junger Bursche an DH Fahrertuer. Er reisst die Tuer auf und haelt DH irgendwelche bunte Zettel vor die Nase. Ich, vom Beifahrersitz aus, bruelle ihn an, reflexartig auf Portugiesisch natuerlich und der Typ verschwindet wieder. DH zieht die Tuere wieder zu. Das ganze dauert vielleicht 2-4 Sekunden. Die Ampel geht auf gruen und wir fahren los. Wir kommentieren diese Ablenkungsmasche an den Ampeln noch etwas belustigt, denn wir kennen das alles von Rio. Blos nicht drauf eingehen, ignorieren und weiterfahren. Und immer mit zentralverriegelten Tueren fahren. Geht beim Anfahren eigentlich bei fast jeden Auto schon automatisch. Nur nicht bei unserem Hillux, da muss man noch aufs Knoepfchen druecken.
Ca. 2-3 km weiter ueberholt uns ein weisser Bakkie, der Fahrer macht irgendwelche Handzeichen und deutet nach hinten auf die Kabine. Alles klar amigo, tschuess und winke-winke! Du kannst uns mal. Wir ignorieren es und fahren weiter.
Endlich sind wir raus aus der Stadt, der Verkehr nimmt ab und und die Landschaft wird oeder. Dann bemerke ich, dass es an der hinteren Beifahreseite etwas rauscht. Es zieht auch etwas.
Da faellt sofort der Groschen. Die hintere Tuer ist nicht richtig zu und mein Tagesrucksack, der hinter meinem Sitz klemmte, ist nicht mehr da.
Ich kann es noch garnicht glauben. Wir halten an und steigen aus.
40 Jahre Brasilien und viele andere Reisen ohne Schaden ueberstanden. Da muss man zur Premiere zum 3. Mal nach Windhoek kommen.
Es ist uns sofort klar, wie die Sache gelaufen ist. Der Typ mit den Zetteln an der Fahrerseite war das Ablenkungsmanoever, waherend ein zweiter ganz leise die hintere Tuer oeffnet und sich das erste schnappt, was greifbar ist. Und das war mein Rucksack. Mit Kamera und -tasche, das ganze Gedoens an Kabeln, SD-Karten, Ladegeraeten, meine einzige Jacke, eine Ersatzlesebrille sowie die Tracks4Africa Botswana + Namibia Papierkarte.
Da unser Wagen keine automatische Zentralverriegelung hat, koennen wir jetzt nicht mehr genau nachvollziehen, ob DH in dem ganzen Stress des Zurueckfahrens, Fleisch einladen und wieder losfahren dann auch wieder auf den Knopf gedrueckt haben. Wir wissen es einfach nicht. Es kann aber auch sein, dass die Tueren doch verriegelt waren. Als der Typ anfingt an der Tuer rum zu fuchteln, griff DH reflexartig zur Verriegelung und dabei kann es passiert sein, dass die Tueren wieder entriegelt wurden.
Wir vermuten allerdings , dass es die erste Variante war. Dumm gelaufen, wir wissen es.
Ihr koennt euch nicht vorstellen, wie wir uns darueber geaergert haben. Selbst schuld. Man sieht, 3-4 Sekunden reichen dafuer.
Mir wird ganz schlecht. Erst recht, als mir dann klar wird, dass wir eigentlich Glueck im Unglueck hatten. Denn beim erneuten Losfahren, diesmal mit Fleisch, hole ich aus dem besagten Rucksack noch unsere ganzen Papiere und Reiseunterlagen, Voucher und Geld raus und packe diese Sachen in meine Handtasche. Diese ist immer zu meinen Fuessen, egal wo, mit einem Karabinerhaken am Sitz befestigt.
Haette ich das nicht gemacht, waere der Urlaub jetzt wohl zu ende gewesen bevor er ueberhaupt begonnen hatte. Ich mag gar nicht daran denken.
Wir fahren weiter. DH versucht mich zu troesten, was aber nicht so richtig gelingt. Ich weiss nicht ob ich losheulen soll oder froh sein soll, dass es nicht schlimmer ausgegangen ist.
Zurueck nach Windhoek zu fahren, zur Polizei und Anzeige erstatten erscheint uns ueberfluessig. Wir werden nur eine Zahl mehr sein in derer Statistik, wenn ueberhaupt. Aendern wird das eh nichts. Die Typen stehen bestimmt schon wieder an irgendeiner Kreuzung und suchen sich das naechste Opfer. Es ist so, wir kennen das Thema nur zu gut.
Nun fahren wir also in den Urlaub und haben keine Kamera mehr! Yess...
Dann faellt mir ein, dass im anderen Rucksack noch die kleine alte Digikam ist. Ein Glueck hatten wir diese ueberhaupt eingepackt. Und das Ladekabel dazu auch. Der Urlaub ist gerettet, na ja, so ein bisschen fuer den Moment jedenfalls.
Irgendwo unterwegs halten wir einen einem neuen Einkaufscenter, dort kaufe ich 3 sauteure SD Karten. Irgendwie muessen wir ja jetzt weiterdenken, nachdem uns bewusst ist, dass wir hier in der Budnik auch nicht an eine neue Kamera kommen. Nach einer Flasche Cola und einem igitt Sandwich kommen wir dann langsam wieder runter.
Jetzt wollen wir nur noch ankommen. Wir hatten uns diesen ersten Tag doch so anders vorgestellt.
Bei schoensten Sundownerlicht kommen wir endlich auf Bagatelle an. Die traumhafte Landschaft laesst uns das Geschehene wenigsgten fuer eine Weile vergessen.
Wir bekommen Campsite #4.und sind begeistert. Jetzt erst einmal Stuehle raus (dafue muessen aber erst gefuehlt 100 Einkaufstueten aus dem Canopy geraumt werden) und das erste Savanna geniessen, nein, zelebrieren ist eher angesagt. Bis wir heute mit dem Aufbauen, Auspacken, Einrauemen und sonstige Gedoens fertig sind, ist es schon dunkel. Also alles im Stirnlampenlicht.
Beim staendigen rein- und wieder rausklettern aus der Kabine bricht auf einmal die Aluleiter aus der Befestigungschiene im Einstig ab. Ich stuerze, natuerlich vollbeladen, zwischen die Tritte der Leiter und schramme mir ordentlich das Schienbein. Ein Glueck ist es keine offene Wunde, aber ein Bluterguss wie aus dem Bilderbuch. Dann... der Kuehlschrank fuehlt sich etwas warm an. Egal, spaeter, jetzt nicht. Es reicht.
Es ist so schooooeeen hier. Langsam kommen wir an.
Spaeter fahren wir zum Abendessen noch einmal in die Lodge und lassen es uns gutgehen. Ziemlich kaputt fallen, ach nee, steigen wir dann irgendwann in unsere Betten im Faltdach. Die gewohnten Geraeusche sind auch wieder da. Wir sind wieder da, in Africcaaaa....
Unser Fazit des Tages: Das Fleisch war schuld!
Sorry, heute war es etwas Textlastig. Ab morgen sieht die Urlaubswelt wieder besser aus, na ja, so ein bisschen zumindest...
LG,
Elsa