comme les gagas - eine Reise mit KINDERN

78 Antworten · 23,8k Aufrufe · gestartet 20. Sept. 2012 von lope
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Themenstarter64 Beiträge · seit 201217. Okt. 2012 · #61
29.07.12 Crêpes essen

Schaff ich's wohl, mich heute auf den Beinen zu halten? Schlafen war letzte Nacht eher Nebensache. Das Essen lag mir schwer im Magen, ...da war doch diese Ente, die ich (mehr widerwillig) zu Abend gegessen hatte, oder lag es doch eher am Nachtisch, irgend so einem Früchtekuchen. Und so kam's halt, wie es in solchen Situationen kommen muss:.. eben nicht wirklich ordnungsgemäss durch den "Hinterausgang".... und später ... da kam's dann ordnungsgemäss, aber unkoordiniert und nicht terminierbar.

Nun sitzen wir gemeinsam am Frühstückstisch und ich bring nicht mal mein "Lebenselixier", den Kaffee runter. Ich fühl mich schwach und elend. Zum Glück braucht mich heute niemand zu motivieren, unser einziges Vorhaben an diesem Tag: "Crêpes essen", auf einer schöngelegenen Restaurantterrasse mit Meerblick. Ansonsten halt ich mich im Umkreis unseres Häuschens auf und in diesem Zirkel befindet sich nebst der Toilette grad mal der Liegestuhl und ein schatten-spendender Sonnenschirm.

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Nur wenige Meter von meinem Liegestuhl entfernt sitzt eine kleine Gruppe madagassischer Mädchen und junger Frauen im Sand. Im Schatten einer stillliegenden Piroge ziehen sie Pflanzensämchen an Fäden auf und stellen so verschiedenartige, bunt durchmischte Halsketten her. So entsteht eine stattliche Menge "Naturpur-Schmuck", der in einem weiteren Schritt den wenigen Touristen am Strand verkauft werden will. Nähert sich also eine "weisse Vasaha" der Kettenproduktion, so wird diese auch gleich von den Damen überrannt, mit Kernenhalsschmuck umgarnt, eingedeckt und gut verschnürt. Amüsant, das Geschehen zu beobachten.... tja,... bis dann eben wieder das "stille Örtchen" ruft.

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links im Bild: Frauen vor Piroge am Ketten aufziehen

Auch ein Junge versucht sein Glück am Strand zu finden. Er hält den Leuten kleine, kandierte Erdnuss-Caramel Plätzchen feil, die er in einem Plateau auf seinem Kopf dem Meer entlang trägt. Wie schön für ihn, mit JO und uns hat er eine treue Kundschaft gewonnen. Wir kaufen unserem "Snickers-Boy" jeweils gerne seinen Restposten ab, und trotz Bauchschmerzen kann ich es auch heute nicht lassen, von dem süssen Gebäck zu kosten.

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Am Nachmittag begebe ich mich doch noch von meinem "Thron" herunter und wage die paar Schritte zu jenem Restaurant, wo wir am Vortag fünf Honigcrêpes reserviert hatten, zu spazieren. Das Ambiente auf der Terrasse ist gediegen, die Crêpes "madagassisch", - besonders speziell: die vielen vielen kleinen Mücken und Termiten im Honig....

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Ein Preis entwickelt sich bekanntlich nach dem Angebot und der Nachfrage, in diesem Fall vielleicht auch noch nach der überzähligen Konkurrenz. So ungefähr muss sich das abgespielt haben, als PE mit "ein paar" Halsketten in den Bungalow heimkehrt. Die Verkäuferinnen überschlugen sich förmlich mit unterbieten und PE tat wohl auch noch das Ihrige dazu. Sie lobte ihnen die schön bemalten Gesichter und rühmte die bunten Waren, bevor die gegenseitigen Verhandlungen begannen. Jedenfalls ist sie nun stolze Besitzerin von mindestens 50 Kernen- und Sämchenketten, die sie als Geschenke mit in die Schweiz nehmen wird.

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Die Freude über die neu erstandenen Ketten währt leider nur kurz, denn mittlerweilen hat auch DI ihre gesundheitlichen Probleme: Bereits am Nachmittag klagte sie über plötzlich auftretende Kopfschmerzen und nun liegt sie mit hohen 39.5 Grad Fieber im Bett. Für ein Kind eigentlich nichts Aussergewöhnliches, wären wir nicht in Madagaskar, am Sandstrand von Ifaty, rund 30 Kilometer Schotterpiste vom nächsten ärztlichen Stützpunkt entfernt. Hat sie zu viel Sonne getankt?... etwas Verdorbenes gegessen?.... Die Spekulationen der französischen Hotelgäste gehen hoch:.. vielleicht doch Malaria...? Nein, das kann nicht sein...das darf doch nicht sein! Der Besitzer des kleinen Hotels möchte DI nun doch ins Spital bringen lassen, doch wir wiegeln ab. Die Wahrscheinlichkeit, im Winterhalbjahr durch Malaria infiziert worden zu sein ist sehr gering und drum möchten wir erst mal den nächsten Morgen abwarten. DI würde diese Reisestrapazen nur schlecht überstehen.

Mit Medikamenten, einer pürierten Gemüsesuppe und gutem Zuspruch besuchen der "Professor" und die freundliche "Gouvernante" unsere kleine Tochter. Wir verabreichen DI eine kleine Dosis von einer fiebersenkenden Tablette, kühlen ihre Stirn mit kaltem Wasser und lassen sie schlafen. Der Morgen wird es mit sich bringen…

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zuletzt bearbeitet 18. Okt. 2012
1'470 Beiträge · seit 200818. Okt. 2012 · #62
Oh weh, lope, Eure DI ist krank geworden! Jetzt bin ich aber besorgt. Schreib schnell weiter!

Mich hatte es ja auch erwischt. Während erdferkel nur 2 Tage Halsschmerzen hatte, gefolgt von einer zweitägigen triefenden Nase und anschließenden 3 Wochen Husten, hat es mich richtig umgehauen. Ich hatte den einen Abend in Ranohira auch 38,5° Fieber, sehr ungewöhnlich für mich. Dank unseres Breitbandantibiotikas, was wir auf solchen Reisen immer dabei haben, hatte ich das zum Glück schnell im Griff. Es war die krasseste Bronchitis meines Lebens, die leider zu Hause in Berlin nochmal einen Rückfall brachte, obwohl ich brav die Tabletten bis zu Ende genommen hatte. Es sind halt auf Madagaskar doch etwas anders geartete Erreger, die unser Körper nicht kennt. Ich dachte wirklich, ich hätte mir eine Lungenentzündung eingefangen, so schlimm war es, ich bin aber haarscharf dran vorbei gerutscht.

Ich bewundere Euch wirklich, die Reise mit Euren Kindern gemacht zu haben. Wir selbst haben keine Kinder, haben aber immer wieder gedacht, wenn wir welche hätten, würden wir solche Reisen wahrscheinlich nicht machen. Ich bin da irgendwie überängstlich, wenn es nicht nur um mich geht.

Erdferkel und ich waren 2004 auch mal zusammen in Süd-Indien, nachdem ich im Jahre 2000 schon mal mit 2 Freundinnen eben dort unterwegs war. Und ich finde, in Indien fängt man sich noch viel leichter irgendwas dummes ein als in Madagaskar. Vielleicht sind wir auf Madagaskar auch deshalb vorsichtiger gewesen mit dem Essen auf der Straße, weil uns Indien so sehr sensibilisiert hat. Damals hatte es mein Erdferkel 4-5 Tage völlig lahmgelegt, während ich immerhin noch etwas rumlaufen konnte, um Wasser, Kekse und Bananen ranzuschaffen, aber beide waren wir wirklich krank.

Ach ja, Indien. Wir sind damals von Kerala bis Mumbai einen Monat lang mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf eigene Faust unterwegs gewesen. Es war eine der intensivsten Reisen unseres Lebens. Aber doch muss ich sagen, dass wir jetzt in Madagaskar einen noch viel tieferen Einblick in Land und Leute gewonnen haben, allein geschuldet der Tatsache, dass uns Klaus und Nicole so hervorragend begleitet haben. 🙂 Wenn man allein unterwegs ist, kommt man den Leuten vor Ort einfach nicht so nah...

Erzähl doch bitte mal kurz etwas von Eurer Indienreise. Das interessiert mich sehr. Mit 2 kleinen Kindern und schwanger... Wie seid Ihr dort herumgefahren?

Liebe Grüße, Moose.
http://www.bilder-upload.eu/show.php?file=a8a948-1342536910.jpg Fotobericht Madagaskar 2012 - Zwei Knäckebrote auf Lemurensuche Fotobericht Südafrika 2013 - Von Elefanten gejagt, von Katzen verlassen Fotobericht Madagaskar 2014 - Madagascar Ostküste - Teil 2 der Knäckebrot-Saga
Themenstarter64 Beiträge · seit 201218. Okt. 2012 · #63
30.07.12 Phelsumas und andere Bungalow-Bewohner

Nein, so hab ich mir den abschliessenden Aufenthalt an der weissen Sandküste von Ifaty nicht vorgestellt. Die Nacht verbrachte ich wieder mehrheitlich auf- und bücklings vor der Kloschüssel und jetzt am Tag starre ich vom Bett aus an die Decke. Naja, diese Zimmerdecke ist weiss, so richtig farbig wird sie jeweils erst, wenn mich ein blaugrüner Gecko besucht. Er huscht den Ecken entlang zur Wand, bevor er durch irgendwelche Ritzen wieder verschwindet.

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Taggecko Phelsuma

Auch der Hausgeist leistet mir Gesellschaft und trägt auf seine Weise zur Unterhaltung bei. Im Raum steht eine mobile Abtrennwand, mit ihr unterteilen wir unser Zimmer in zwei Schlafstätten, eine für JO und eine für uns Eltern. In dieses Bambusgebilde muss sich irgendein Holzwurm verirrt haben, genüsslich raspelt er an den Geflechten und zermalmt kontinuierlich das Innere der Rohre. Immer im selben Takt, mit demselben Rhythmus. Stunde um Stunde, Tag für Tag ...und auch nächtelang.

.....Sonst bin ich einfach nur froh und zufrieden, wenn ich nicht aufstehen und zum altbekannten Örtchen eilen muss.

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DI? War da was, gestern Abend? .... Kaum zu glauben, aber DI springt und spielt bereits wieder mit den anderen Kindern im Sand, auch das Mundwerk läuft unüberhörbar auf Hochtouren. Beim Frühstückstisch war sie eine der Ersten und biss genüsslich in ihr Konfibrot. Die Hausangestellten kamen wohl zum Staunen nicht mehr heraus, ja, sogar der ansonst so in sich gekehrte Professor zauberte ein entspanntes Lächeln in den noch jungen Tag. Allen stand die Erleichterung ins Gesicht geschrieben, denn die Auswirkungen, schwerwiegend krank zu sein, im Süden Madagaskars, am "Ende der Welt", stellen selbst den hartgesottenen Hotelchef vor eine schwierige Herausforderung. Ein Abbruch unserer Reise ist auf jeden Fall vom Tisch und zum Glück kein Thema mehr.... hoff ich doch jedenfalls, ...beim Holzwurm!

Am Abend geb ich mir einen Ruck und verlasse die schützende Herberge. Eigentlich möchte ich doch auch von der köstlichen Küche profitieren. Auf den guten Rat und den Zuspruch meiner Familie hin, lass ich's aber schliesslich bei Reis und Banane bewenden. (aber auch das will nicht bei mir bleiben.)


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LO war für die letzten zwei Tage so ziemlich von der Bildfläche verschwunden, DI einen halben Tag und eine kochende Nacht. Der Rest der Familie ist aber nicht einfach pflegerisch umhergetigert, sondern hat trotz allem Ferien gemacht. JO hat sich mit ein paar anderen Touristenkindern und dem Sohn des Patrons angefreundet. Er war selber erstaunt, wie gut sie sich alle in einem ganz einfachen Englisch, unterhalten konnten. Neben selbst gebastelten Drachen steigen lassen, sind sie auf alle möglichen Palmen in der Umgebung geklettert oder haben rund herum fangen gespielt.

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MA und DI haben sich aus Sand und Wasser ein eigenes Reich geschaffen, mit TV und Betten. Oder Sandkugeln wie die Einheimischen auf dem Kopf transportiert. Ich bin als Einzige jeden Tag im Meer schwimmen gewesen. Einmal haben mich vier madagassische Kinder in Beschlag genommen, ich habe sie im Wasser herumgewirbelt, sie sind auf meinen Rücken gestiegen, um mit mir abzutauchen, MA konnte ich auch dazu bewegen mitzumachen. Danach haben sie zusammen am Strand gespielt, bis es MA zu bunt wurde, weil sie sich um sie stritten.

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Am Abend machten MA, JO und ich uns nochmals auf für einen ausgedehnten Spaziergang entlang des Strandes. Ich weiss es nicht, aber ich habe das Gefühl man könnte bis ganz nach Nordmadagaskar und auch runter zur Spitze im Süden der Küste wandern ohne den Strand verlassen zu müssen. Es hat mich aber schon verblüfft, wie auf den wenigen Kilometern die wir zurückgelegt hatten, alle paar 100 Meter die Muschelarten gewechselt haben. Da hast du für einen Abschnitt riesengrosse Austern, dann liegen überall grosse Schneckenhäuser herum, sind die vorbei findest du nur noch ganz kleine weisse Müschelchen…

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Ganz auf die Natur kannst du dich aber nicht konzentrieren, „musst“ du dich doch immer wieder mit den Einheimischen unterhalten. Wobei dies meist gleich abläuft: „Salut, vazaha! Ny vaovao?“(ausgesprochen wie das leise Bellen eines Hundes „wauwau“) Worauf du antworten kannst: „ Salama, tsy vaovao!“ (Grüezi Fremder, was gibt es Neues? – Hallo, nichts Neues!) und danach kannst du meist weiterlaufen, ohne dass sie dir ihre Ware andrehen wollen. Bist du aber unhöflich, grüsst nicht mal mit einem einfach Salama, laufen sie dir nach und belagern dich. Sehr weit folgen sie dir aber dann doch nicht, wie ein Gespräch beweist: Eine junge Frau wollte von uns wissen, was das ist, was wir in unseren Händen tragen. „Muscheln von dort ums Eck“ gaben wir ihr zu verstehen. „Ah die sind wunderschön, solche habe ich noch nie gesehen……………….“


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zuletzt bearbeitet 19. Okt. 2012
Themenstarter64 Beiträge · seit 201218. Okt. 2012 · #64
MooseOnTheLoose schrieb:

Ich bewundere Euch wirklich, die Reise mit Euren Kindern gemacht zu haben. Wir selbst haben keine Kinder, haben aber immer wieder gedacht, wenn wir welche hätten, würden wir solche Reisen wahrscheinlich nicht machen. Ich bin da irgendwie überängstlich, wenn es nicht nur um mich geht.

Als unser erstes Kind auf die Welt kam, hat LO mir zum Geburtstag ein Buch mit vielen wunderschönen Fotoaufnahmen unserer Erde geschenkt, mit der folgenden Widmung: „Symptombekämpfung gegen mind. 17 Jahre Fernreiseentzugserscheinungen.“ Als JO ein halbes Jahr alt war, sind wir nach Island gefahren…Das Bewusstsein verändert sich, ist man nicht mehr nur für sich selber verantwortlich. Es wird abgewogen und Kompromisse eingegangen. Unsere Art Ferien zu machen konnten und wollten wir aber nie aufgeben. Wir bereiten uns jeweils sehr ausführlich auf unsere nächsten Abenteuer vor, ich erlaube mir zu behaupten, dass wir oft mehr über unser nächstes Ziel informiert sind, als mancher Auswanderer. Bei Madagaskar galt unsere grösste Sorge wohl wirklich der Malaria. Aber auch hier sind wir nicht fahrlässig ohne Medikamente losgezogen. Als Medizinische Praxisassistentin fühle ich mich in gesundheitlichen Dingen sicher…DI wurde in diesem Monat fast täglich von irgendwas gestochen, da hatten wir in dem Moment, als das Fieberthermometer auf über 39 Grad kletterte schon auch Zweifel, ob wir wohl falsch entschieden hatten……….Unsere Devise beim Reisen ist und bleibt aber: Du kannst gerade so gut zu Hause über die Strasse gehen und dabei überfahren werden. Überall auf der Welt ist es gefährlich. Es mögen uns viele für GAGA halten, unsere Leidenschaft ist trotzdem stärker.

Erzähl doch bitte mal kurz etwas von Eurer Indienreise. Das interessiert mich sehr. Mit 2 kleinen Kindern und schwanger... Wie seid Ihr dort herumgefahren?


Erstens mal waren wir nicht in Südindien, sondern im Norden, was schon viel weniger intensiv ist und zweitens haben wir uns auch da auf die Familiensituation eingestellt: Die ersten zwei Wochen waren wir in Sikkim, dort arbeitete ein Kollege von mir für das EDA. Wir konnten bei seiner Familie wohnen und haben uns mit Taxis im Umkreis von 30 Kilometern bewegt. Unsere Idee war, danach mit dem Bus nach Nepal überzusetzen. Da aber zu dieser Zeit (ebenfalls 04) insbesondere in Katmandu Unruhen herrschten mussten wir nicht zwei Mal überlegen, um diese halsbrecherische Idee fahren zu lassen. Mit dem Zug in Indien unterwegs zu sein wäre eine schöne Alternative gewesen. Aber wir hatten uns für – ähnlich wie in Madagaskar – einen Privatchauffeur entschieden, welcher uns an all die touristischen Sehenswürdigkeiten Nordindiens geführt hat. Er war so übervorsichtig, dass er mir nicht mal erlaubte, irgendwo im Busch meine Blase zu entleeren und ich sage dir, wenn du schwanger bist………………….wie auch immer es war die richtige Entscheidung und wir hatten uns die ganzen vier Wochen in Indien sicher gefühlt. Programmässig mussten die Kinder einen halben Tag Erwachsenenkram mitmachen, dafür sind wir mit Ihnen an den Nachmittagen auf Spielplätzen, in Parks oder Zoos unterwegs gewesen.
Es ist nicht so, dass unsere Kinder sich keine andere Art Ferien wünschen würden, wie 1 Woche nur Hotel mit Animation, Strand, Essen…………unsere Antwort darauf sind Campingferien mit Tagesausflügen. Reicht das Geld für ferne Abenteuer sind wir wieder weg. (JO ist jetzt dann 12 und war neben Indien und Madagaskar noch im südlichen Afrika, ansonsten haben wir uns auf Europa konzentriert).
Liebi Grüess PE

zuletzt bearbeitet 18. Okt. 2012
1'470 Beiträge · seit 200819. Okt. 2012 · #65
Liebe lope,

ich finde die Auswahl Eurer Reiseziele sehr spannend. Mir kommt das alles irgendwie bekannt vor. 😉
Island habe ich mal im Jahre 1999 bereist. Damals konnte ich noch eine richtige Trekkingtour machen, mit Camping-Gepäck für 10 Tage auf dem Rücken. So etwas schaffe ich heute nicht mehr. Nichtsdestotrotz planen erdferkel und ich für das nächste Jahr... Island. Wir wollen auch wieder campen, aber ansonsten wohl eher mit dem Auto unterwegs sein. Mal sehen, was aus diesem Vorhaben wird. Ob nicht vielleicht doch noch unsere Sehnsucht nach Afrika die Oberhand gewinnt?
Das südliche Afrika haben wir jetzt auch schon 3x bereist, wobei wir bisher nur Teile von Namibia und Südafrika gesehen haben. Auf zwei dieser Reisen haben wir uns auch für Camping mit dem 4x4 entschieden, für Südafrika hatte sich dann allerdings eher ein Pkw mit Bed&Breakfast angeboten. Auch ganz schön, aber anders. Wir haben herausgefunden, dass wir unsere besten Fotos immer am späten Nachmittag bis hin zur Dämmerung gemacht haben, eben zu der Zeit, als wir uns schon auf unserer jeweiligen Camp Site befunden haben...
Wir planen unsere Reisen auch immer selbst und starten bestens vorbereitet auf Land und Leute. Wir lieben es, auf eigene Faust unterwegs zu sein und vielleicht auch mal von unserer geplanten Route abweichen zu können. Als wir uns mit Madagaskar auseinandersetzten, sahen wir schnell ein, dass es diesmal anders sein würde. Als Selbstfahrer auf der roten Insel herum zu reisen, das trauten wir uns dann doch nicht zu. Es war schon merkwürdig, einen Großteil der Planung und die komplette Organisation aus der Hand geben zu müssen. Nichtsdestotrotz hatte ich unseren Reiseführer mindestens 2x komplett von vorn bis hinten verschlungen. Ich brauche auch einfach diese Phase, mich auf die Reise zu freuen und mich auf das Land einzustellen. Und das Ergebnis war natürlich unvergleichlich schön! (Danke, Klaus & Nicole!)
Ich jedenfalls finde Eure Art zu Reisen toll und gar nicht gaga. Es ist bewundernswert, wie Ihr das alles organisiert und verwirklicht. Und man sieht es immer wieder, es funktioniert auch mit Kindern! Ich fände es schrecklich, wenn ich pötzlich nur noch nach Dänemark fahren könnte (für mich der Inbegriff der Langweiligkeit), nur weil ich Kinder habe. Wahrscheinlich würde bei uns auch immer das Fernweh obsiegen.
Liebe Grüße,

Moose.
http://www.bilder-upload.eu/show.php?file=a8a948-1342536910.jpg Fotobericht Madagaskar 2012 - Zwei Knäckebrote auf Lemurensuche Fotobericht Südafrika 2013 - Von Elefanten gejagt, von Katzen verlassen Fotobericht Madagaskar 2014 - Madagascar Ostküste - Teil 2 der Knäckebrot-Saga
108 Beiträge · seit 201219. Okt. 2012 · #66
Ich schrieb:

Bewundernswert sind sie schon die Eltern die es "wagen" trotz den vielen Verängstigungen der Verwandtschaft, des Freundeskreises oder wem auch immer eine Reise mit Kindern nach Afrika zu wagen.
Solche Reisen sind nicht schwieriger (aber angenehmer) zu begleiten, man muss natürlich vieles bei Reisen mit Kindern anders anpassen als mit Erwachsenen. Auf ihren Rhythmus angepasste Etappen, Tage wo sie leicht Kontakte zu Einheimischen Kindern finden können (was auf Madagaskar überall sehr leicht möglich ist und natürlich geschieht), ungefährliche Tiere mit denen die Kinder einen hautnahen Kontakt haben können.
Am Anfang hatte ich gedacht das die Tour mit Lope und den Kindern zu lange dauern würde (über einen Monat) aber danach hat es sich raus gestellt das die Kinder sich sehr gut angepasst hatten und keine Lust hatten die Reise zu beenden.
Zur gleichen Zeit war eine Reise mit 9 Kindern aus Frankreich im Gange (von meiner Frau begleitet) und da gab es auch keine Schwierigkeiten, ich würde eher sagen das die Erwachsenen nicht so widerstandsfähig wie die Kinder sind.
Kindersafari Reisen sind wirklich toll, für die beteiligten Kinder für ihre Eltern und für uns.
L.G. Klaus (Claude)
https://urlaub-auf-madagaskar.com
Themenstarter64 Beiträge · seit 201219. Okt. 2012 · #67
31.07.12 Rückflug nach Tana

Jeder, auch noch so wundervolle Reiseabschnitt geht einmal zu Ende. Unsere Zeit in Ifaty ist gekommen und wir müssen von den liebenswerten Hotelangestellten, der schlichten, aber gut gepflegten Anlage, der Sandybeach und unserem Holzraspelwurm abschied nehmen.

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Fischer bei Ebbe weit draussen im Meer

Die fröhliche Gouvernante hat sich persönlich verabschiedet und der Professor begleitet uns sogar bis zum Auto, wo er uns bei der Wegfahrt ein letztes Mal beherzt zuwinkt. Etwas traurig machen wir uns mit einem Toyota-Bus auf die Piste nach Toliara. Zurück entlang der Mangrovensümpfe und den vom Riff belagerten Meerengen. Vorbei an Algenplantagen und Schilfhütten. Wir werden heute den Südwesten mit dem Flugzeug verlassen und nach Antananarivo fliegen, zurück ins Moloch...

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Zeit für was Neues (Hier Hausneubauten und deren Materialbeschafung)

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Die Fahrt verläuft reibungslos und so treffen wir bereits drei Stunden vor der Abflugzeit auf dem Flugplatz von Toliara ein. Kein offizielles Airlinepersonal ist anwesend, kein Desk hat geöffnet und schon gar keine Passagiere befinden sich auf dem Areal. Nur wir fünf.... und fast so viele Gepäckträger!

Eigentlich will PE, dass wir unsere Rollkoffer selber in die Abflughalle befördern, ich denke mir aber, dass diese Jungs den Eincheckprozess bestimmt besser kennen und uns gleich von Beginn weg an den richtigen Ort hinlotsen würden. Die vier Träger nehmen sich also je einem Koffer an und tragen diese knappe zehn Meter durch den Haupteingang vor den einzigen möglichen Eincheck-Schalter. Tja, und dann machen alle vier die hohle Hand.... einfacher kannst du dir kaum Geld verdienen! Die Aufruhr ist aber gross, als ich ihnen eine, der kurzen Distanz entsprechende Entlöhnung in die Hand drücke..... um eine Konfrontation zu vermeiden, verdoppelte ich schliesslich den Einsatz kurzfristig...

Bereits geschlagene zwei Stunden warten wir in der menschenleeren Halle und versuchen uns mit irgendwelchen Spielchen die Zeit zu vertreiben. Jetzt, nach und nach treffen weitere Passagiere auf dem Gelände ein und wir glauben nun zu wissen, dass da heute doch noch so was wie ein Flug stattfinden könnte. Tatsächlich öffnen nacheinander die Souvenirshops und die Snackbar... und auch der Checkin-Desk wird besetzt. Uff, die letzte Wartestunde ist so wohl auch gerettet.

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Der Flug nach "Tanarive" wird von der Air Madagascar durchgeführt, und wer nun das Gefühl hegt, das Flugzeug entspreche in etwa derjenigen nachgebauten Pinguin-Eigenkonstruktion aus dem gleichnamigen Animationsfilm, dem muss ich widersprechen. die Maschine ist zwar bestimmt nicht neu, aber doch immerhin eine neubemalte Boing 737. In luftiger Höhe passieren wir nochmals all die zuvor mit Claude befahrenen Landstriche: die dürren Steppen, die weiten Savannen, die rundlich anmutenden Felsengebirge und das fruchtbare, wenn auch zerfurchte Hochland.

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Nach einer Stunde Flugzeit landen wir wohlbehütet und äusserst pünktlich auf dem chaotischen Flughafen von Antananarivo.

Froh, all unsere Gepäckstücke wieder vereint in den Händen zu halten verlassen wir das Ankunftsgebäude und gehen dem Flughafenausgang entgegen. Hier sollten wir durch unsere neue Reisebegleiterin "Nicole" (nicht Claudes Frau) und dem Chauffeur "Eric" willkommen geheissen werden. ...nur, da wartet weder eine Nicole, noch sehen wir einen Eric im "Empfangskomitee" spalierstehen. Konsequent wimmeln wir die übereifrigen Taxifahrer ab, die uns alle in die bestmöglichsten Unterkünfte verfrachten wollen. Und trotzdem, man sieht es uns an, wir stehen da an der Pforte, so ungefähr: wie bestellt und nicht abgeholt.

Völlig ausser sich, entschuldigend und beschämt trifft unsere Nicole, gute 20 Minuten verspätet am vereinbarten Treffpunkt ein. Ihr Fahrer Eric hat sie sitzen lassen und so musste sich Nicole kurzfristig nach einem anderen Chauffeur und Wagen umsehen. Das war gar nicht so einfach, da dieses Gespann nun für mindestens eine Woche mit uns mithalten muss. Sie hat in "Patrick", einem mächtigen, abdetachierten Armeeangehörigen, und einem Toyota-Minibus bestimmt eine gute Wahl getroffen. Die Fahrt in die Stadt dauert nur kurz und endet im bereits bekannten "Hotel des cygnes", wo wir unser grosses Zimmer und die "etwas harten" Betten wieder beziehen dürfen.


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PS: Gerollt nicht getragen haben die Gepäckträger unsere Koffer. Ich wollte die Stücke selber hineinbringen, weil ich von Anfang an sah, dass der Desk sich gleich hinter der Tür befindet…nicht, weil ich Geld sparen wollte. Als wir beim Einchecken sehen, dass die gleichen Typen unsere Koffer auch ins Flugzeug einladen………..bin ich doch froh, haben wir sie bezahlt, ansonsten wären unsere Gepäckstücke wohl nie in Tana angekommen. PE
zuletzt bearbeitet 20. Okt. 2012
Themenstarter64 Beiträge · seit 201220. Okt. 2012 · #68
01.08.12 Lebendige und blecherne Schlangen

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Antananarivo... diese Stadt platzt schier aus allen Nähten. Innert einem Jahrhundert „flüchteten“ so viele Madagassen in die Metropole, dass ihre Einwohnerzahl vom einstigen "Dorfcharakter" auf mittlerweilen gegen zwei Millionen Menschen geschätzt wird. Antananarivo ist Hauptstadt, Verwaltungssitz, Mittelpunkt und Drehscheibe Madagaskars. Leider dreht sich diese Scheibe nicht wirklich rund: Der Verkehr läuft gänzlich aus dem Ruder, die permanent verstopften Strassen sind durch schweflige Abgase und dicken, schwarzen Dieselruss belastet. Auch die Infrastruktur vermag dem Wachstum nicht folge zu leisten. In den neuen, wilden Siedlungsgebieten ist der Abfall ein Riesenproblem, es fliesst kaum sauberes Wasser und ein Kanalisationssystem bleibt wohl unerfüllbares Wunschdenken.
Und trotzdem, mein erster Eindruck trügt: Hinter den aus roten Ziegelsteinen, vorwiegend den Strassenzügen entlang erbauten Wohn- und "Erwerbshäuschen" sichten wir auch grosse landwirtschaftliche Anbauflächen. In diesen weiten, gefluteten Grossstadtoasen wird hauptsächlich Reis angepflanzt.

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Patrick führt uns mit dem gecharterten Minibus durch das Gewirr der Vorstadtmärkte, vorbei an staubig braunen Pflanzen und roten Fassaden zum Stadtrand. Hier, unweit vom Flughafen besuchen wir einen Reptilienpark. Da wir auf unserer bisherigen Reise die Krokodile nur auf Distanz beschnuppern durften und nicht wirklich ein Tier zu Gesicht bekommen haben, bietet sich uns nun die Gelegenheit mit den urigen Wesen in "Kontakt" zu treten. Schon von Weitem erblicken wir bei der Anfahrt an einen stillen Flusslauf die Konturen der massigen und ledrigen, etwas verkannten Fressmaschinen.

Der Park entpuppt sich als eine erstaunlich gut geführte Klein-Zooanlage. Bereits nach den ersten Schritten gesellt sich ein angenehmer, kompetenter Wärter zu unserer kleinen Gruppe und erklärt auf dem Rundgang sehr eingehend die verschiedenen Verhaltensweisen der im Tierpark lebenden "Bewohner". In Terrarien leben Geckos, Chamäleons und Frösche. Die Fossas, Schildkröten und Schlangen in Auslaufgehegen.

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Der Tag ist noch jung und entsprechend hungrig sind die Lemuren. Eine ganze Familie Sifakas nähert sich uns, turnend und hangelnd von den hohen Bäumen herunter. Die vorwitzigen Lemuren geniessen mit voller Hingabe die (Bananen-)Aufmerksamkeit unserer Kinder.

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Schaut genau, dieses Weibchen hält nicht nur eine Banane in ihren Armen

Die Nil- und australischen Krokodile sind die Hauptattraktion der Reptilienfarm: In mehreren Wasserbecken werden Tausende, jeweils gleichaltrige Jungtiere aufgezogen. Ihr Schicksal ist aber bereits besiegelt, die Mehrheit dieser Zuchttiere landet nämlich als Ledertasche, -Handschuh oder -Gürtel auf dem Laden- oder als Speise auf dem Esstisch. Nur etwa 100 ausgewachsene Weibchen und 50 Männchen habens geschafft, sie dürfen an die grossen Fleischhappen und auf den "gemütlichen" Sandbänken der Flussanlage für Nachwuchs sorgen. Grosse weisse "Dentistenvögel" sorgen nach dem "Dessert" für eine gesunde Zahnhygiene.

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Zu guter Letzt möchten unsere Kinder noch kurz ausreiten.... es ist aber darauf zu achten, dass sie dabei nicht einschlafen, denn der Ritt wird alles andere als spektakulär ausfallen! ...Die drei dürfen sich auf die Riesenschildkröten setzen und sich wenige Schritte tragen lassen.

in Autokolonen und Staugedränge, hinter Schubkarren und Ochsengespann, versuchen wir die Innenstadt von Tana zu erreichen. Patrick kennt zwar einige Schleichwege und Ausweichrouten, jedoch bewegen wir uns nur mühsam, mehr schlecht als recht dem Ziel entgegen. Hoch oben auf einem Hügel thront der Rova, heute auch "Palais de Reines" genannt. Der Palast (ehemals sechs Bauten) liegt sehr zentral, sodass wir vom danebenliegenden Aussichtspunkt einen fantastischen Blick über die, uns zu Füssen liegende Stadt geniessen können. Das Auge schweift über das Nationalstadion zu einem kleinen, herzförmigen See, hin zu dem, sich im Bau befindenden Wolkenkratzer und bis weit hinaus in ein unendliches, chaotisches Meer von kleinen und kleinsten Hausdächern.

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Dazwischen immer wieder Reisfelder, deren Wasseroberflächen sich im bläulich grauen Dunst spiegeln.

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Der Königinnen-Palast selber ist nach einem Brand baufällig und im Moment leider nicht zugänglich. Renovationsarbeiten mussten während des Regierungswechsels in den 90er Jahren unterbrochen und ausgesetzt werden. Heute weiss wohl niemand mehr so genau, was mit dem einstigen Prunkbau weiter zu geschehen hat.

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Bei der Fahrt durch das zentrale Stadtviertel von Analakely ("kleiner Wald") noch einen kurzen Blick auf die Avenue- und den Place d'Independence und bereits stehen wir vor dem kolonial anmutenden Bahnhofgebäude. Hier befinden wir uns im Herzen und Verkehrszentrum von Antananarivo. Das alterwürdige Haus ist zwar grösstenteils zweckentfremdet und beheimatet hauptsächlich teure Marken- und Souvenirgeschäfte, dennoch bestehen auf der Gegenseite der Eingangshalle noch bediente Gleisanlagen. Mit dem Vorwand, bitte doch rasch auf die Toilette zu dürfen, kämpfen MA und ich uns bis zum abgesperrten Bahnsteig durch. Und da sehen wir sie: die alte rotweisse "Frieda" von der zürcherischen Forchbahn!

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Seit geraumer Zeit (mittlerweilen über fünf Jahre) steht der Triebwagen-Zug ausrangiert auf einem Abstellgleis beim Depot still. Die Frieda war als ein gut gemeintes Entwicklungshilfeprojekt nach Madagaskar verschifft worden. Sie sollte ihren "Lebensabend" als Stadtbahn in der Metropole verbringen und das grosse Verkehrsaufkommen auf den Strassen zu beruhigen helfen. Leider ging der Schuss nach hinten raus: Zuerst wurde die Strassenbahn auf einem Transportschiff vom Zoll blockiert und nur durch die hohe Zahlung von 300'000 Euro durch den madagassischen Staat freigegeben. Einmal in Tana angekommen, fehlten ganz einfach die Mittel und das Know-how um das Projekt weiterzuführen. Nichts wurde vorabgeklärt: Die Trassen sollten der Spurbreite angepasst und neu verlegt werden. Auch ist die ehemalige Forchbahn ein elektrisches Fahrzeug, also müssten irgendwelche Dieselgeneratoren die Stromproduktion übernehmen, um so die Elektromotoren anzutreiben. ...ausser Spesen nichts gewesen!

Noch ein letztes Augenzwinkern in Friedas Richtung und dann verlassen wir den Bahnhof auch schon wieder. Während Nicole, PE und ich uns zu Fuss auf den Weg durchs Menschengedränge machen, vertrauen wir Patrick unsere Kids an (mutig, mutig), sie schleichen im Auto zum Piratenmuseum. Das Museum ist unscheinbar in einem Dachstock eines Häuserblocks einquartiert und vermittelt dem Besucher die weltweite und madagassische Piratengeschichte von den einstigen Seefahrern bis zum heutigen PC-Hacker. Eine junge Frau erläutert uns in ihrem faszinierenden, oft Wort wörtlich übersetzten Deutsch die komplexen Texte auf den plakativ illustrierten Bildern. Leider gibt es kaum authentisches Anschauungsmaterial, sodass der bemühende Vortrag die Kinder nicht wirklich in dessen Bann zu ziehen vermag. Dass zum Abschluss unseres Museumsbesuches, DI statt der WC-Schüssel das "Bidet" für ihr "dickes Geschäft" benützt, gehört wohl nicht in einen Reisebericht. Also verzichte ich auf detailgetreue Erläuterungen. Wir entschuldigen uns förmlich und verlassen die Piratenhöhle.

Nachdem wir endlich ein Postbüro ausfindig gemacht haben, das unsere Ansichtskarten entgegennimmt, stellen wir uns wieder selbstbewusst in den Strassenstau, wo wir nun bis zum Eindunkeln den Abend des Ersten Augusts, unseres Nationalfeiertages verbringen. Im Hotel angekommen dekorieren wir unser Dinnergedeck mit patriotischen Schweizerkreuzservietten und Fähnchen und staunen nicht schlecht, als uns der Küchengehilfe ein glühend heisses, den kühlen Raum erwärmendes Holzkohlenfeuer, (hurra, unser eigenes Höhenfeuer) an den Tisch stellt. Mit einem improvisierten Fackelumzug im tropischen Garten beschliessen unsere Kinder den Festakt und dabei empfinden zumindest wir Eltern den Feiertag als gerettet.
zuletzt bearbeitet 01. Feb. 2013
Themenstarter64 Beiträge · seit 201222. Okt. 2012 · #69
02.08.12 Fahrt ins „Blaue“

Wir fühlen uns bereits als gestandene und routinierte Stauprofis, denn so drei bis vier Stunden blockiert im Verkehrschaos zu stehen ist doch mittlerweilen ein Kinderspiel. Besonders dann, wenn's wirklich mitten durchs Gewühl zur anderen Stadtseite "fahren" soll. Es wird gedrängt und gehupt, dazwischengequetscht und gestopft. Die Strasse ist das Schlachtfeld der Gesetzlosen, der Stärkere bestimmt und gewinnt. Das muss sich wohl auch jener Lernfahrer eintrichtern lassen, der mit seinem Fahrlehrer und einem alten, verbeulten Kleinwagen eingeschüchtert und verschüpft am Strassenrand hängen bleibt. Nun, ich auf jeden Fall, wäre mit meinem Fahrstiel inmitten dieses Treibens und ohne einer Hinweis- oder Richtungstafel hoffnungslos überfordert. Da lob ich mir unseren Patrick, der hat die misslichen Umstände voll und ganz im Griff.

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Unser Stau führt uns in ein kleines, nordöstlich gelegenes Dorf namens Ambohimanga. Es liegt 16 Kilometer ausserhalb der Stadtgrenze und seine blauen Hügel galten lange Zeit als Sitz der königlichen Herrscher des Merina-Reiches. Die ersten Palastanlagen entstanden im 15. Jahrhundert und stehen heute unter Schutz der Unesco, dem Patronat für das Weltkulturerbe.

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Während sich MA und DI mit den Gartengehilfen ums einsammeln und aufstecken der welken Blätter kümmern, die rund um den heiligen, 450 jährigen Ficus-Baum auf dem Residenz-Vorplatz liegen, begeben wir andern uns zum Eingangsportal der Anlage. Auf diversen Grundstücken sind die verschiedenen Behausungen, Epochen und Dinastien der ehemaligen Königinnen und Könige ersichtlich. Unsere Kinder bemerken richtig, dass die damaligen Herrscher nach unserem heutigen Verständnis in relativ einfachen Verhältnissen gelebt haben mussten, sind doch im Holzpalast des ersten Inselkönigs "Andrianampoinimerinanur" nur Tontöpfe und hölzerne Gerätschaften vorhanden. Gegen ende des 18. Jahrhunderts verliess der König den blauen Hügel und zog nach Antananarivo.

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Der Felsen mit der wundervollen Aussicht auf die umliegenden grünen Täler, (so einmalig wie sich dieses Panorama uns heute bietet), sowie der Palast selbst wurde von der damaligen Obrigkeit nur noch als Erholungsstätte genutzt. Auf der Aussichtsplatte hinter den königlichen Gruften präsentiert uns ein Parkgärtner noch seinen wohlbehüteten Schatz. Der Mann erfragt Museumsbesucher und Passanten nach heimischem Kleingeld und so ist im Verlaufe der Jahre eine beachtliche Sammlung entstanden, weltweit, mit Münzen aus allen Herrenländer. Mit unserem dazutun verfügt er jetzt auch über ein schweizerisches "Föiferli" und einen "Füfzger".

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Unweit der Palastanlagen, etwas versteckt in einem kleinen Wald, befindet sich ein unscheinbarer, kleiner Hof. Kaum zu glauben, dass hier einst Königsfamilien ein und aus gegangen sind. Dieser bewaldete Hügel war in früheren Jahren das Rückzugsgebiet der Herrscher. Rund um das Bauernhaus ist noch die dreifach gesicherte Schanzanlage zu begehen.

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Vermutlich können wir einfach nicht genug davon kriegen: Innerhalb dieser Schutzverbauungen mit ihren Gräben, hoch oben in den Ästen des Waldes leben ganze Sippen Coquerel Sifakas. Wieder und wieder gönnt sich meine Familie eine Auszeit und wir vergnügen uns bei diesen Lemuren. Für DI ist es mittlerweilen kein Problem mehr, sich mit den Tieren zu verständigen, sie schnalzt, pfeift, quietscht und heult mit, wie wenn sie selbst dazugehören würde. Im Klettern scheut DI ja eh keine Mühe und so würde sie auch sicherlich (oder für eine handvoll Bananen) von den Sifakas in ihrer Runde aufgenommen. Doch augenblicklich ist fertig mit Friede, Freude, Eierkuchen: der Hofhund gesellt sich zu den rumtollenden Lemuren und mitkraxelnden Kinder. Schwierig zu entscheiden, wer von allen jetzt am lautesten bellt. Nur DI hängt geschockt im Baum inmitten der kreischenden Bande. Wie angewurzelt, mit weiten Augen und offenen Ohren harrt sie der Dinge, die da geschehen. Das geht jetzt glaub's sogar ihr zu weit.

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In drei Hofumrundungen durch die Wehranlage erkunden wir die Gehege der gefangen gehaltenen Frösche, Echsen und Schlangen. Oft weiss die Bäuerin selber nicht, ob und wo überhaupt noch welche Tiere leben. Eine "sanfte" Renovation würde dem Tiergarten bestimmt gut anstehen.

Zu Fuss begeben wir uns auf den Weg zurück in die Siedlung. Hier "bunkern" wir nochmals günstiges Wasser und versuchen mit vereinten Kräften, die riesige, runde, mittelalterliche Steinplatte vor den Dorfzugang zu schieben. Was uns angesichts der rund 20 Tonnen Gesteinsmasse natürlich nicht gelingt.

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Auf der Rückfahrt in den Stau von Tana legen wir noch einen Stop bei einem Dorfschulhaus ein. Claude ist ein guter Bekannter der Rektorin und Initiantin dieser Bildungsstätte. Leider sind während unseres Besuches grad Schulferien, sodass das kleine doppelstöckige Ziegelsteingebäude ziemlich verwaist dasteht. Bei normalem Schulbetrieb gehen hier gegen 200 Schüler ein und aus; unvorstellbar der Pausenbetrieb auf dem schmalen Vorplatz. Hinter dem Schulhaus, auf einem kleinen Bauernhof begegnen wir vier kleinen Kindern. Ihnen schenken wir die mitgebrachten Farbstifte und Ausmalpapiere. Wir staunen, mit wie viel Hingabe die Bildchen bemalt werden, auch wenn mittlerweilen eher die "grossen Kinder" dabei Hand anlegen.

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Schnell unter die Dusche, die noch sauberen Kleider aus dem Koffer ausgegraben und dann geht's zur Feier des Tages ins benachbarte vier Sterne Restaurant. Ja, eigentlich zur Feier des Vortages, denn Claude hatte uns bereits am Vorabend Platz und Tisch reserviert. Er wollte uns doch eine Überraschung bereiten und alle zum "Erstaugustfeiertag" mit einem herrlichen Dinner beschenken. Irgendwo blieb wohl der äusserst liebenswürdige Gedanke im Handynetz hängen. Macht gar nichts! Wir nehmen diesen Kerzenlicht-, Gourmet- und Kinderkniggeabend auch einen Tag später mit viel Freude und Herz entgegen.
"Na, schmeckt's?"... "Und wie's mundet in dieser gediegenen Chemineestube"! In diesem wärmenden und feudalen Ambiente läuft die "soupe de poisson" (Fischsuppe), das "fillet de cebu" (Zebufillet) mit "du chou" (Kohl) und "des pommes de terre" (Kartoffeln) wie "miel" (Honig) den "palais" (Gaumen) hinunter. Sogar unsere Kinder schlagen für einmal kräftig zu. Für sie gibt's Pouletbrüstchen mit Tagliatelle (und für einmal keine ungesalzene Spaghettis).
Themenstarter64 Beiträge · seit 201224. Okt. 2012 · #70
03.08.12 Andasibe

Schlimmer kann's wohl nicht mehr kommen. Der heutige Stau wird noch zusätzlich durch einen Unfall erschwert. Ein Ladekran ist vor unserer Durchfahrt in ein Haus gedonnert und blockiert so eine der Hauptverkehrsadern. Wir ertragen’s mit Fassung, denn dies sind für den Moment die letzten Stunden in Antananarivo. Unsere Reise geht dem Ende und einem weiteren Höhepunkt entgegen. Das letzte Ziel ist die Vakona-Lodge beim Andasibe Nationalpark. Schon so einiges ist uns im Vorfeld über diese Unterkunft erzählt worden, sodass unsere Erwartungen vielleicht etwas über dem Niveau liegen, als sonst üblich.

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Die Taxibrousses, kleine, öffentliche, meist überbesetzte Nahverkehrsmittel werden immer weniger und wir lassen die pulsierende Stadt hinter uns. Unsere Route führt hinaus, über die RN2 Richtung Moramanga. Die Strasse ist die Hauptverkehrsachse für den Gütertransport nach Antananarivo. Grosse Lastwagen reihen sich über die teils steile Passstrasse ein und transportieren alle möglichen Waren von Toamasina am Meer, bis in die, auf 1400 Meter Höhe liegende Hauptstadt. Nach fünf Stunden kurvenreicher Autofahrt biegt Patrick links ab und eine steinige Überlandstrasse führt uns in ein dichtes Waldgebiet.

Nein, die Versprechungen laufen nicht ins Leere. Mitten im saftigen Grün des Dschungels, an einem mit Seerosen und Elefantenohren bepflanzten Kratersee, liegt das sechseckige, kegelförmige Hauptgebäude des Hotel-Resorts. Etwas versteckt im bewaldeten Hang, am Rund des Sees verteilt, stehen die Gästehäuser; schlicht und unspektakulär. Wir beziehen am oberen Ende der Talkerbe, leicht abseits des Geschehens ein Haus, rundherum nichts als tropische Pflanzen und grüner Wald. Was für ein Aufatmen, welche Wohltat nach der stickigen Luft von Tana. Ja, unsere Erwartungen werden gar übertroffen.

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Wir "erquicken" uns rasch mit einem erfrischenden Bad im Pool (brrrrr...rrr) und begeben uns gleich im Anschluss durch den anmutenden, saftigen Dschungel. Hinunter durch den Talverlauf, dem Bach entlang, über Holzträmelbrücken bis zur Lemureninsel, einer kleinen Flussinsel, eben, voller Lemuren. Ich mag mich noch gut an die ersten Worte von Claude erinnern: "Ihr werdet Lemuren sehen, bis euch die Ohren wackeln", ...oder so ähnlich. Spätestens hier wird er wohl recht bekommen. Mit einem Kanu setzen wir auf die Insel über und dann werden wir auch schon von unzähligen Tieren überrennt. DI wird dabei dermassen bedrängt, dass sie bereits beim ersten Kontakt ihre ganzen Bananenreserven hergeben muss. Dass auch so wollige und flauschige "Stofftierchen" mal ihren Stoff-wechsel-n müssen, darf PE an ihrem eigenen Leib erfahren. Der eine Lemur entleert seinen "Stoff" auf ihrer Schulter. Igitt....sieht irgendwie aus wie Bananenmus.....

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Nur einen Steinwurf von dieser Insel entfernt, erreichen wir über die Strasse das Krokodil-Reservat. Mit einem kundigen Führer umrunden wir einen kleinen See und beobachten dabei, die sich an der Sonne wärmenden Krokodile. Schon ein spezielles Gefühl, wenn man bedenkt, dass die Tiere nicht ausschliesslich durch einen Zaun vom Besucher abgetrennt leben.

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Nebst diesen Reptilien hält sich der Park auch noch Fossas (Frettkatzen) und Schlangen. Immer für ein neues Abenteuer offen, lässt sich DI mit breitem Grinsen eine grüne Baum Boa in die Hände legen. Die Mundwinkel fallen aber schlagartig auf Sturm, denn die Schlange mag es nicht sonderlich, wenn man sie all zu stark in den Magen drückt. Wie ein Blitz jagt ihr Kopf auf DI'S Kopf zu und beisst dem Mädchen direkt in die Nase. Der Schock liegt tief, der kleine Biss brennt und die arme DI fällt aus allen Wolken. Doch alles ist nur halb so tragisch: glücklicherweise ist nicht nur DI für das Tier ungiftig, sondern die Schlange für unsere Tochter auch nicht.


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Ich bin kein Opossum,

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ich kein Quala

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und ich ganz bestimmt nicht Scrat
zuletzt bearbeitet 25. Okt. 2012
Themenstarter64 Beiträge · seit 201224. Okt. 2012 · #71
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Manchmal wäre die Geduld eines solchen Körnlipickers von Vorteil - dann müsste frau nicht irgendwas reinstellen, nur weil sonst ein Nichts oder der 3.8. doppelt drinsteht...guet Nacht PE
zuletzt bearbeitet 24. Okt. 2012
Themenstarter64 Beiträge · seit 201224. Okt. 2012 · #73
Ursprünglich wären wir auch im Feon Ny Ala abgestiegen. Wir hatten aber Angst, dass es bei unserem Besuch im Andasibe NP (der Jahreszeit entsprechend) "viel regnen" und einiges kälter sein würde. Und erlaubten uns daher, fast am Ende unseres einmonatigen Madagaskaraufenthalts angelangt, etwas mehr Luxus - Heizung im Bungalow mit wasserdichtem Dach....

Dieses Schild "Trespassers will be eaten" hatte ich vor Reisebeginn immer wieder im Internet gesehen. Im Park selber, ist es uns irgendwie durch die Lappen - das Kroki mit Messer und Gabel in der Hand...wahrscheinlich waren wir zusehr mit DI'S Schlangenbiss beschäftigt.
Themenstarter64 Beiträge · seit 201228. Okt. 2012 · #74
04.08.12 Regen - Regen - Regenwald?

"Was ist das nur für ein sonderbares Geräusch?" Mitten in der Nacht werde ich durch ein eigenartiges Rauschen aus dem Schlaf geweckt. Ist es der Wind, der durch die Palmenblätter säuselt? Oder ein Wasserfall, der in der Stille der Nacht vor sich hinplätschert? Wird gar der nebenan liegende Pool nachts mit Frischwasser aufgefüllt? Letzterer Gedanke ist gar nicht so abwegig. ...es regnet draussen nämlich in Strömen! Ein Geräusch, das wir während unserer Reise, für beinahe einen Monat nicht mehr gehört haben. "Endlich, ein Regenwald inklusive Regen!" Das Prasseln der Regentropfen auf unser Dach beflügelt mich zum Weiterschlafen. Am Morgen werden wir wohl zum ersten Mal die Regenjacken hervorholen müssen.

Als der Tag erwacht, ziehe ich die Vorhänge vor den Fenstern weg.... wo aber ist bloss der Regen geblieben? Der Himmel ist noch leicht mit nebligen Wolken verhangen, aber sonst ist ringsum alles ziemlich trocken. Nur wenige kleine Pfützen zeugen noch vom nächtlichen Niederschlag. "Nichtsdestotrotz" werden wir heute bei unserem Ausflug in den Nationalpark die "Sturmausrüstung" mitnehmen, ...für was denn eigentlich, haben wir diese Kleidung nach Madagaskar mitgenommen?!

Nein, Regen ist das nicht, aber ein ganz feiner Nieselstaub geht nieder, als uns Jean-Claude beim "Nebeneingang" vom Andasibe-Mantadia Nationalpark, zum Analamazoatra-Mitsinjoforest, einem kleineren Regenwaldstück, begrüsst. Dieser Teil des Reservats wird durch die einheimische Dorfgemeinschaft selbst verwaltet und der Erlös kommt vollumfänglich in deren eigene Kasse.

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Über einen schmalen Pfad betreten wir den geschützten Wald, der noch primäre, endemische Pflanzen in sich birgt (die grossen und mächtigen Urwaldriesen wurden bereits in den 1930er Jahren von den französischen Besetzern abgeholzt). Jean-Claude ist in seinem Element, mit eingehenden und herrlich umschweifenden Worten erklärt er uns all die sich anbietenden, am Wegrand stehenden Heilpflanzen. Jene gegen Magenbrennen, Bauchbeschwerden, Bluthochdruck, Hauterkrankungen und Schürfungen, Blutmangel, Kopfschmerzen und Fieber und und... zum roh essen, auflegen oder als Tee im Wasser gekocht, oder oder... der Wald ist der reinste Arztneischrank!

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Unser Weg führt uns unter Schraubenpalmen und riesigen Farnbäumen an Flusswindungen vorbei. Hier ist die Heimat der Indris, dem grössten noch lebenden Lemuren von Madagaskar.
Das Wort Indri bedeutet „da ist es“, offensichtlich ein Missverständnis zwischen uns westlichen Völkern und den einheimischen Madagassen; in deren Sprache heisst das Tier "Babakoto". Die eheliche Treue, das gesangartige Schreien und Heulen haben zu allerlei Aberglauben geführt. Nach Meinung der Madagassen verehren die Tiere die Sonne, auch sollen die Seelen Verstorbener in diesen Lemuren weiterleben. Diese Ansicht hat die Indris bis vor Kurzem vollständig vor der Bejagung geschützt.

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Mit jenem Heulgesang und dem "Kindergeschnalze" pirschen wir also nach den Indris. Es dauert nicht lange und wir stehen unter diesen hellen, mit buschigen Ohren, Stummelschwänzchen und kleinen, nahezu unbehaarten Schnauzen gekennzeichneten Lemuren. Friedlich grast die Familie in den Baumwipfeln und lässt ungeachtet, der sich darunter befindlichen "Menschheit", ihr Waldbodendüngendes Geschäft fallen.

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Wir verlassen den Wunderwald bei sonnigem und klarem Wetter und beschliessen uns spontan (unter der ebenso spontanen Protestnote unserer Jugend) das Örtchen Andasibe "per pedes" zu erkunden.

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Die Ortschaft lebte einst durch den Holzschlag und den Grafitabbau. Die beiden Rohstoffe wurden vor Ort in die Eisenbahn verladen und zum naheliegenden Hafen von Toamasina verfrachtet. Noch heute dominiert der grosse Bahnhof das Ortsbild, das "buffet de la gare" war bis Mitte der Neunziger das einzige Hotel weit und breit.

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Wir schlendern durch die Dorfstrasse, links und rechts säumen hübsche, kleine Holzbauten mit "prächtig" schiefen Balkonen das lang gezogene Zentrum. Ein vertrautes Bild belebt die Szene: An der Strasse wird verkauft und in den Hinterhöfen spielen die Kinder.

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Als ob PE und ich heute nicht schon genug gewandert wären, umrunden wir noch vor dem Abendessen den "Kraterrand" unseres Vakonasees, und, oh welch Wunder, die Kinder schliessen sich nacheinander freiwillig dem Unternehmen an. Auch wenn JO unterwegs wieder umkehrt und zurück zum Häuschen eilt, rechnen wir ihm seinen Willen, mitzugehen hoch an. ...Er hat mit schrecken bemerkt, dass er zuvor die Tür unseres Bungalows nicht verschlossen hatte.
zuletzt bearbeitet 28. Okt. 2012
Themenstarter64 Beiträge · seit 201230. Okt. 2012 · #75
05.08.12 Auf Ab- und Umwegen

In der Vacona-Lodge liegen Prospekte und Flyers über den Hotelbetrieb und dessen "Outback" auf. Interessiert durchschnüffeln wir die Papiere und stossen dabei auf die unterschiedlichsten Wanderungen, die sich rund um das Resort befinden. Der gelb eingezeichnete Rundwanderweg heisst "Indri", er zweigt etwas oberhalb der Anlage in den Mantadia-Nationalpark ab und genau diese gelbe Farblinie hat es uns angetan. Also bepacken wir unsere Rucksäcke, schnüren die Wanderschuhe und vereinbaren mit Nicole einen Termin: -zurück beim Hotel für den frühen Nachmittag. Auf geht's, und immer schön drauflos. Informationen brauchen wir nicht wirklich, es ist ja schön alles aufgezeichnet und der Weg ist bestimmt mit Wanderwegweiser ausgerüstet.

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Denkste: So "Handgelenk mal Pi" treten wir in den Wald ein und folgen einem schön ausgetretenen Wanderweg, wir sind uns einig, das muss dieser gelb markierte "Indripfad" sein. Aber irgendwie, so kommt es uns zumindest vor, verläuft dieser Weg viel länger gerade aus, einem Grat entlang, als dies uns und der Pseudowanderkarte lieb ist. Kann es sein, dass der gezeichnete Massstab nicht getreu eingehalten wird? ...muss bestimmt so sein.

Lieber Leser, du kannst es erahnen. Es ist das erste Mal, dass wir einen madagassischen Wald ohne einen kundigen Führer betreten und unsere Ausrüstung ist doch eher dürftig: Keine richtige Wanderkarte, keinen Kompass und leider auch kein funktionierendes Handy. Obschon wir es gewohnt sind, viel und weit zu wandern, sind wir schlicht mit der Orientierung etwas überfordert. Nach diesem ersten urigen Teil lichtet sich der Wald und lässt den Blick in eine, durch Gestrüpp überwucherte Talrinne frei. Wir steigen in das Tal ab, immer noch der Überzeugung, uns auf dem korrekten Weg zu befinden. Die Kinder heulen in den gegenüberliegenden Wald und kriegen dabei eine prompte Antwort der dort lebenden Indris. Das muss mit Bestimmtheit der Indriweg sein!

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Nach einer guten Stunde Wanderzeit wird der Pfad immer enger, die Gebüsche und Pflanzen immer wilder und höher. Die Kinder tauchen nun fast gänzlich im Tropengrün unter und ein allfälliger Weg ist nicht mehr mit Sicherheit auszumachen. Da muss ja schon seit einer geraumen Ewigkeit niemand mehr durchmarschiert sein. Wir überqueren sumpfige und verschlammte Bäche und ich denke mir bei alledem, uns hoffentlich nicht umgehend durch diese "militärische Kampfbahn" zurückkämpfen zu müssen. Diverse Verzweigungen können nicht mehr definiert werden und die Richtungen entsprechen kaum noch dem, auf Papier gelb eingezeichneten "Indriweg." Befinden wir uns denn bereits auf dem grünen, etwas grösseren Rundgang? Ist die rettende Strasse nicht gleich nach der nächsten Kurve zugegen? Mir kommt urplötzlich ein Lied eines bekannten Schweizer Troubadours (Liedermacher) in den Sinn, wonach sich ein Mann zum geladenen Aufgebot in ein Verwaltungsgebäude begibt, sich verirrt und entsprechend bis heute im Hauptgebäude Bock II, das Büro 146 sucht... "Mani Matter" lässt grüssen!

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Die Zeit verstreicht und wir verlieren uns gänzlich in dieser einen Richtung. Der Entscheid fällt uns nicht leicht, aber jetzt ist der Augenblick gekommen, den Schaden zu begrenzen, wohl zu retten, was noch zu retten ist und aus dem geplanten "Circle" einen "Return" zu machen: Wir kehren um. Zurück durch die meterhohen Büsche und Sträucher, über die sumpfigen Wasser, durch seichte Bäche. Der Termin mit Nicole kann nun auch nicht mehr eingehalten werden, hoffentlich macht sie sich nicht zu grosse Sorgen und beginnt nicht gleich mit der Suche nach uns...

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Der Weg ist weit, wir schleppen grosse Äste mit, um unterwegs Bachläufe zu überwinden und bei einer Verzweigung verirren wir uns sogar auf diesem Rückweg. Aber die Moral bleibt ausgezeichnet und die Kindertruppe zieht voll und ganz mit. Nach beinahe fünf Stunden intensivstem Wandern treffen wir wohlbehütet wieder in der Vakona-Lodge ein und begrüssen eine heitere und fröhliche Nicole. Sie hat eisern auf uns gewartet, ohne sich dabei gross in Gedanken zu verstricken. Zum Dank an die toll mitgewanderten Kids gibt's riesengrosse Croc Monsieur und etwas Süsses zum Trinken.

Nicole hatte sich während unserer Abwesenheit mit anderen widrigen Umständen zu beschäftigen: Unser Fahrer nutzte seine freie Zeit, dem Auto frische Räder aufzusetzen. Kaum zurück in der Unterkunft platzte einer dieser „neuen“ Pneus. Da Patrick für den Wechsel auch das Ersatzrad benutzt hatte, blieb ihm nichts anderes übrig, als nochmals nach Moramanga zurück zu gehen... und dies wortwörtlich. Der gute Mann lief zu Fuss bis zur acht Kilometer entfernten Hauptstrasse, um per Autostopp in der Stadt einen Ersatzreifen zu besorgen. Vergeblich, die Rarität lies sich da nicht auftreiben, und so gab es für Patrick nur noch eine einzige Lösung, nämlich: einen Reifen per Taxi aus Tana einfahren lassen… Mit dem neuen Rad wandert unser Chauffeur nun wieder zurück zum Toyota-Bus und versucht anschliessend den Schaden zu reparieren. Nicole versucht uns damit zu erklären, dass wohl heute Nachmittag kein Transportmittel zur Verfügung stehen wird. Für uns ist das kein Problem, haben wir doch bereits genug Abenteuer durchlebt…

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Drum begleiten MA, DI, PE und ich die Nicole über einen grossen Umweg zurück zu ihrer Unterkunft. Der Weg nennt sich Kalanoros-Trail und wird durch holzgeschnitzte, zwergenhafte Kobolde gesäumt. Die Sage erzählt, dass wer auf seiner Wanderung einen echten Kalanoros sieht, die Begegnung als stilles Geheimnis in sich tragen und behüten muss. Wer nicht auf seinen Mund sitzen kann, der erntet Spott und Gelächter. Der Weg führt anfänglich ziemlich unspektakulär durch einen Eukalyptuswald, biegt dann aber in einen Bachlauf ein, und dieser Bach hat's wirklich "faustdick hinter den Ohren".

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Märchenhaft schlängelt sich der Pfad durch primären Regenwald dem Gewässer entlang, kreuzt riesige Farne, Vakõna-Palmen (welche unserer Lodge den Namen geben) und Elepfantenohren, bis wir auf halber Distanz an einen kleinen Wasserfall gelangen. Hier ist die Heimat der kleinen "Waldwächterkobolde". Sie halten sich im grünen Dickicht versteckt, sodass wir... naja, und verraten darf ich's ja eh keinem.

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Zurück in der Lodge setzen wir uns im Saal an den wärmenden Kamin und geniessen die feinen Köstlichkeiten der "Sterneköche". Insgeheim sind wir doch alle glücklich und froh, dass wir nicht im dichten Wald auf Wurzeln und unter Deckblättern bei den Indris und Kalanoros übernachten müssen.
zuletzt bearbeitet 01. Nov. 2012
Themenstarter64 Beiträge · seit 201201. Nov. 2012 · #76
06.08.12 Im Gesicht, in den Beinen, in den Ohren

"Päng"..., ein ohrenbetäubender, klar definierbarer Knall weckt uns aus unseren Tagträumen. Wie auf Kommando ziehen alle den Kopf ein. "Wer um Himmelswillen schiesst da gegen uns"! Wir sitzen in unserem Minibus, irgendwo im Niemandsland, unterwegs nach Antananarivo, in Gedanken der einmaligen, durchziehenden Landschaft verloren, als uns dieser "Schuss" zurück in die Realität holt.

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Dieser Tag steht im Zeichen des Aufbruchs, in den Gängen, Windungen und Schubladen unserer Köpfe, drehte sich noch kurz zuvor bereits alles um unsere Heimreise. So sinnierte jeder für sich der langen Madagaskarreise und vor allem dem heutigen Tag nach... Strassenkilometer-Distanzstein um Distanzstein .....:

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Noch ein letztes Mal geniessen wir an diesem Morgen die Vorzüge der formidablen Vakona-Lodge, decken uns am Frühstücksbuffet mit Köstlichkeiten ein und bepacken anschliessend unseren "frischbereiften" Toyota-Bus. Bereits nach wenigen Kurven zweigt Patrick ab und steuert auf einen schlossartigen Gutshof zu. Als Abschluss unseres Andasibe-Aufenthalts gönnen wir hier unseren beiden Mädchen einen Ausritt auf richtig grossen Pferden.
Die Augen glänzen und die Ehrfurcht ist gewaltig, als die Zwei auf den Sätteln, hoch zu Ross platz nehmen. Stundenlang reiten MA und DI durch Wälder und Auen, im Galopp, auf und davon.... o.k. etwas konkreter: Eine halbe Stunde lang werden MA und DI über die kleine Grasflugpiste, entlang des Waldes bis hin zu einem Weiler "geführt". Gefühlt ist ihr Ausflug aber überwältigend! Wir drei übrig bleibenden zotteln den Reitenden hinterher und staunen dabei nicht schlecht über zwei Gärtner: Die beiden mähen die etwa einen Kilometer lange Start- und Landebahn des Flugfeldes mit je einem Handrasenmäher....

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Auf halbem Weg der Überlandstrasse RN2, bevor die Route in den Berghang des Zentralen-Hochlands ansteigt, befindet sich eine Schmetterlingsfarm. Schmettervögel sind zwar kaum mehr welche auszumachen, dafür hatten wir bisher nie das Vergnügen, so viele unterschiedliche Echsen, Reptilien und Amphibien "auf einem Haufen" anzutreffen. Flughunde, Gottesanbeterinnen und Tausendfüssler komplettieren unser "animalisches" Album der madagassischen Insel und so befinden wir denn auch den relativ teuren Eintrittspreis als gerechtfertigt.

Ein Zoowärter legt MA als Anschauungsunterricht ein riesengrosses, braun-graues Blattgecko in den Schoss, PE kriegt ein weiteres Tier zur Beobachtung in ihre Arme. Aber irgendwie wollen die beiden Echsen zueinanderfinden, und so springt diejenige von PE’s Händen in einem Satz mitten in MA's Gesicht. Da unsere Tochter bereits alle Hände voll zu tun hat, bleibt das, als welkes Blatt getarnte Gecko noch etwas an der ungünstigen Stelle kleben. Zu unserem Erstaunen lässt MA die missliche Situation mit einer gewissen Gelassenheit über sich ergehen.

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Auf einem waldigen Rastplatz, direkt am kleinen Fluss, der die Passstrasse säumt, machen wir halt und nehmen den, an einem Marktstand von Moramanga eingekauften Lunch zu uns. Dieser Platz könnte sich ebenso gut an unserer Jona befinden, wären da nicht all die frisch angesetzten Reisfelder in der nahen Umgebung. In einem weichen, hellen Grün leuchten sie in der Mittagssonne und verkünden den beginnenden Frühling in dieser Höhenlage. Wir Erwachsenen geniessen noch ein letztes Mal die frische Waldluft und die Kinder bauen sich.... eine "Raupenburg".

Langsam ziehen die Kilometer-Distanzsteine an uns vorbei... 30...29...28... ab und zu überholen wir einen Lastwagen, Taxibrousse und andere Toyotabusse... 27...26...25... "Päng"... und jetzt, wie aus dem nichts schiesst jemand auf uns!

Anstatt zu fliehen, lenkt Patrick den Wagen sofort an den Strassenrand und stellt den Motor ab!? Er erkennt die heikle Lage nur zu gut und gibt augenblicklich Entwarnung. Das Rad der hinteren Achse ist explodiert und nun platt. Für ihn: einmal mehr. Erleichtert, dass nichts Schlimmeres passiert ist, steigen wir aus dem Bus und begutachten den entstandenen Schaden am Pneu. Der Felgen mit dem zerschnittenen Gummi muss ersetzt werden! ...Ein kleines Problem besteht allerdings: Wir haben kein Ersatzrad mehr, jenes ist nämlich bereits montiert.

Ohne lange zu zögern, eilt Patrick ein paar Meter der Strasse entlang zurück, in die Richtung aus der wir gekommen sind, und es vergehen keine fünf Minuten, ehe einer der überholten Toyotabusse zu uns an den rechten Rand steuert. Patrick hat ihn aufgehalten und erkundigt sich jetzt nach einem Reserverad. Mit wenigen Handgriffen und der Unterstützung der herumliegenden Randsteine (als Aufbockhilfe sehr geeignet) ist das Auto bald wieder fahrfähig und so brauchen wir die anbrechende Nacht doch nicht in der kühlen Prärie zu verbringen.

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Zurück im "des Cygnes" kriegen alle eine straßendreckentstaubende Dusche verabreicht und zum letzten Mal fallen uns im fernen Madagaskar die Augen zu.
zuletzt bearbeitet 04. Nov. 2012
Themenstarter64 Beiträge · seit 201204. Nov. 2012 · #77
07.08.12 Mandrampihaona Madagasikara?!

Die Kleiderberge der Schmutzwäsche türmen sich. Reisehandbücher, Drecksocken, Souvenirs und Unterwäsche liegen querbeet durcheinander und verwandeln das Hotelzimmer in ein Schlachtfeld. Heute ist unser Heimreisetag und diesen letzten Morgen reservieren wir uns für das bepacken der vier Koffer. Obschon wir viele ältere und zu klein gewordene Kinderkleider gleich bei Nicole zurücklassen, entpuppt sich das Stopfen der Gepäckstücke als logistische Meisterprüfung. Für PE ist die Koordination und Zuweisung der einzelnen Textilien, Schuhe sowie Utensilien kein Problem, sie hat entsprechend die Auszeichnung "Chief-Backpack-Master" bereits auf sicher.

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Ein letztes Mal wühlen wir uns mit Patrick durch den Stau der Vorstadt von Antananarivo und fahren beim "Tsimbazaza - Zoo" vor. Dieser grössere Zoo ist eine grüne Stadtoase und daher ein ausgezeichneter Zeitvertreib für diesen langen und "mühevollen" Tag. Sollte es nun wirklich noch ein madagassisches Tier geben, das sich noch nicht vor unsere Füsse verirrt hat, dann begegnen wir ihm mit Bestimmtheit hier. Beim Eingang vergleichen wir mit einer gewissen Skepsis (aber auch Belustigung) die Eintrittspreise und nehmen dabei zur Kenntnis, dass "nicht Malagasy sprechende Vasahas" das 20-fache des einheimischen Ticketpreises zu berappen haben. So bezahlen erwachsene Madagassen umgerechnet 15 Cents und wir Weissen ca. drei Euro p.P. Da dieser Zoo eigentlich die einzige grüne Lunge der Innenstadt von Tana bezeichnet, so findet PE, könnte man die einheimischen Stadtbürger auch gleich ganz gratis eintreten lassen.

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Leider fehlt es auch hier, trotz aufwendiger Spendenaktionen an allen Ecken, Kanten und Enden. Viele Gehege sind leer und diverse Bauten bleiben wegen angeblichen Renovationsarbeiten geschlossen. Schade, so auch das von uns mit Spannung erwartete "Haus der nachtaktiven Tiere".
Ein Karussell sorgt bei den Kindern für den Spassfaktor: Für ungefähr 10 Rappen schiebt ein Mann mehrere halbe, an Stangen im Kreis aufgehängte Ölfässer an. Der Adrenalinpegel hält sich zwar in Grenzen, aber als gutes Training für den Magen und gegen Flugangst geht die "Fassfliegerei" allemal durch.

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Sozusagen als Abschluss unserer Reise besuchen wir auf der Rückfahrt den Touristenmarkt von Tana. Heja... schliesslich dürfen wir ein Present für unsere "Haustieraufseher" von zuhause nicht vergessen, und dafür drängt sich dieser Markt mit seinen rund 200, Wand an Wand aneinandergereihten Souvenirverkaufshäuschen geradezu auf. Viele hübsche und weniger hübsche, von Hand gefertigte Bastelarbeiten werden an den Ständen angeboten. Ohne zu märten geht hier aber nichts, es ist ganz gut möglich, dass leichtgläubige Kunden bis um das 20fache des angemessenen Preises für ein Objekt bezahlen. So gesehen lohnt sich ein Preisvergleich beim Durchschlendern der etwa zwei Kilometer langen Ladenstrasse. Erst beim Eindunkeln verlassen wir gemeinsam den Markt und fahren die kurze Strecke zurück in Richtung Flughafen.

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Tja... und dann wird’s Zeit, abschied zu nehmen: Wir nehmen nicht nur von Madagaskar abschied, einem Land mit den unterschiedlichsten Gesichtern, voller Wunder und Facetten, ein Land mit einem eigenen Natur- und Lebensrhythmus und einem speziellen politischen Verständnis. Nein, wir verabschieden uns allem voran von Patrick dem liebenswürdigen, schweigsamen, stets hilfsbereiten Chauffeur. Sein warmes und ruhiges Lachen, seine bedächtige Überlegenheit zeichnen ihn aus. Und von Nicole, unserer herzlichen, eher scheuen Reisebegleiterin. Auch sie ist uns sehr ans Herz gewachsen. Zum Abschied laden wir die beiden in die Pizzeria ein und feiern bei einem feinen Essen die schöne, vergangene gemeinsame Zeit.

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Für den Dessert dislozieren alle noch einmal ins "des Cygnes" (wir können's halt einfach nicht lassen) und da taut sogar Patrick auf. Er erzählt Geschichten aus seiner Militärzeit, umschreibt sie mit etwas französisch, oft auch malagasy und noch mehr mit Händen und Füssen.

Die Menschenkolonne ist ellenlang und wir stellen uns ganz hinten an, als wir die Halle des Check-in vom Ifato-Airport betreten. Noch einmal stellen Patrick und Nicole ihre guten Dienste unter Beweis, beide stehen mit uns in die Warteschlange, schieben dabei unser Gepäcktrolly vor sich hin und leisten uns Gesellschaft. Auf die Frage, ob er denn nicht auch mit nach Europa fliegen möchte, antwortet uns Patrick mit einem Augenzwinkern: "In ein Land, wo ich im Restaurant für eine Flasche Wasser 20'000 Ariari bezahle? - Oh nein, da bleibe ich doch lieber hier bei meinen Wurzeln, ...in Madagaskar!"
4'129 Beiträge · seit 200807. Nov. 2012 · #78
Hallo, lope!

Vielen Dank an euch, für euren hochinteressanten und netten Reisebericht!
Madagaskar ist mir nach erdferkels/MooseOnTheLoose und eurem Bericht nun ziemlich nahe – im Kopf, - und es gefällt mir sehr, was ich durch euch „miterlebt“ habe.

Nie zuvor hatte ich Madagaskar „auf’m Zettel“ – noch ein paar Jahre – und dann werden wir es wohl doch einmal bereisen – und ihr alle habt „Schuld“... 🙂

Grüße lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 07. Nov. 2012
Themenstarter64 Beiträge · seit 201207. Nov. 2012 · #79
lilytrotter schrieb:Hallo, lope!

Vielen Dank an euch, für euren hochinteressanten und netten Reisebericht!
Madagaskar ist mir nach erdferkels/MooseOnTheLoose und eurem Bericht nun ziemlich nahe – im Kopf, - und es gefällt mir sehr, was ich durch euch „miterlebt“ habe.

Nie zuvor hatte ich Madagaskar „auf’m Zettel“ – noch ein paar Jahre – und dann werden wir es wohl doch einmal bereisen – und ihr alle habt „Schuld“... 🙂

Grüße lilytrotter
liebe lilytrotter(s)

vielen lieben dank für deine nette rückmeldung! mit diesem "statement" lässt es sich selbstverständlich sehr gut leben; schön, wenn's gefallen hat und wir euch für madagaskar begeisten konnten.


"wenn einer eine reise tut, dann kann er was erzählen..."


in diesem sinne durften unsere kinder und wir eltern viele interessante erfahrungen, tolle abenteuer, spannende und intensive momente sammeln und erleben. und dafür möchte ich an dieser stelle ganz besonders unserem reiseleiter Klaus K. danken. seine spontanität, unmögliches möglich zu machen und unseren kurzfristigen gedankengängen folge zu leisten, umbuchungen durchzusetzen und auszuführen sowie unseren wünschen nachzukommen, war für ihn stets selbstverstänlich.


eine autopanne gehört nach meinem verständnis einfach zu einer afrika-tour. europäische standarts sind hier schlichtweg kaum möglich. bei jeder panne die wir je in afrika erlebten, auch jene kleine in madagaskar, unternahmen die einheimischen beteiligten jeweils alles nur mögliche, um den schaden schnellstens zu beheben und uns zu unterstützen. wie haben wir dabei oft gelacht und schöne bekanntschaften geschlossen. ich glaube fast, ich wäre enttäuscht gewesen, wäre diesmal alles so reibungslos verlaufen. denn: "wenn einer eine reise tut.....


liebe gruess, lo
zuletzt bearbeitet 08. Nov. 2012