lopeThemenstarter64 Beiträge · seit 201207. Okt. 2012 · #41
23.07.12 Isalo - Gebirge
"Nein, nicht schon wieder wandern!" Wie oft mussten wir Erwachsenen wohl diesen Satz unserer Kinder schon zur Kenntnis nehmen. "Aber Nationalpärke sind nun mal zum Wandern da": Der Isalo Nationalpark ist eine spektakuläre Gebirgslandschaft aus zerklüfteten Schluchten und in allen Farben schillerndem erodierendem Gestein. Der Park liegt wie eine Insel in dieser unendlichen Steppenwüste und ist mit seinen tiefen Canyons der Wasserspeicher der Gegend. So bietet er vielen Tieren und Pflanzen eine abgeschiedene Heimat. "Es gibt doch nichts Schöneres, als diese einzigartige Umgebung des Isalo-Massives mit unseren Füssen zu erkunden." Fehlgeschlagen! Unsere Kids haben genug von unseren kurzen Spaziergängen und verweigern die Gefolgschaft.
Jetzt ist Claude's spontane Improvisation gefragt. Und,... er hat auch schon einen "Plan B" im Ärmel: Am Rande des Gebirgszuges gibt es einen gut zugänglichen Privatpark. Er liegt inmitten der spektakulären Schluchten, in einer tropischen Pflanzenwelt und hat sogar einen natürlichen Pool zum Baden. "Anstatt auf den hochfrequentierten Wanderwegen des Nationalparks schlange zu wandern, ist diese Oase doch eine gute Alternative. Dorthin verirrt sich bestimmt keine andere Menschenseele." Wir brauchen uns nicht lange zu besinnen, dieser Plan B schlägt auch bei uns Eltern ein und als sich uns auch ein Teil von Nicoles Franzosen anschliessen, sind alle mit dem Tagesprogramm zufrieden. Wir verstehen uns gut mit dieser Gruppe und unsere Kinder haben auch mit der Sprachbarriere keine Probleme.
Da wir doch jetzt eine ansehnliche Truppe abenteuerlustiger Familien sind, nehmen wir alle für einmal den "Franzosenbus" um zum kleinen Paradies zu fahren. Noch schnell die wichtigsten sieben Sachen gepackt und auf geht's, alles einsteigen.
Nach wenigen Metern auf der Dorfstrasse wendet unser Chauffeur den Bus und wir fahren allesamt wieder zurück zum Hotel. Ich weiss nicht mehr genau, wem es zuerst aufgefallen ist, aber irgendwie ist die kurze Zeit so ruhig und gesittet verstrichen, eben irgendwie zu still, bis augenblicklich jemand nach DI gefragt hat. „DI? Wo ist DI?“ „DI!!!“ niemand meldete sich. ...ojeoje... wir haben sie im Hotel zurückgelassen. Richtig, die hat sich doch mit einem der französischen Mädchen noch die kleinen Hasen hinter der Open-Air-Küche angesehen und jetzt sitzt nur ihre Freundin im Bus. Wenn sie jetzt bloss nicht wegläuft, oder nach uns sucht.
Ich glaube dem ganzen "Businhalt" fällt ein Stein vom Herzen, als wir beim Spukhotel unsere DI wieder in Empfang nehmen können. Sie setzt sich ganz "duch" vorne beim Fahrer auf einen Sitz, ...ja, sie hat nach uns gesucht und gemerkt, dass niemand mehr zugegen gewesen ist. Es ist uns gar nicht recht und wir entschuldigen uns mehrmals bei unserer jüngsten Tochter.
Von der Hauptstrasse ab geht’s noch wenige Hundert Meter über eine Sandpiste und dann parkiert unser Buschauffeur das Fahrzeug. Der steinige Fusspfad führt uns an den ausgewaschenen Felsen entlang in ein schmales, grünes Tal. Schon von Weitem hören wir ein leises Plätschern und nach wenigen Metern stehen wir auf einer grosstreppigen Tribüne, direkt vor einem kleinen, tropisch anmutenden Teich. Auf den Gesichtern der Kinder zeichnet sich ein fröhliches grinsen ab: "Jaa.. hier lässt es sich gut verweilen." So südländisch warm sich die Oase auch gibt und sich das Wetter anfühlen mag, so "erfrischend kalt" ist das Wasser im Naturbad. Claude würde da ja nie und nimmer reingehen, alles, was unter 25°C liegt, ist ihm eh zu kalt und dieser Teich hat bestimmt gerade mal 18 Grad. Nichtsdestotrotz sind wir anderen alle kurzum im kühlen Nass und geniessen danach einfach das "dolce far niente".
Doch nicht ganz alle: Nicole, Claude's Frau ist mit Arbeit beschäftigt. Zuerst flechtet sie MA stundenlang Zöpfe ins Haar. Danach macht sie sich an Claude’s Füssen zu schafen. Claude hat sich am Strand von Manakara, an der Ostküste, irgendwelche abgelagerten Eier eines Sandflohs geholt. Genauer, dieser Floh hat sein "Gelege" in die Füsse unseres Reisebegleiters gelegt. Igitt, und das juckt... Nicole holt die Nester mit einer Nadel wieder aus der Haut. Es sieht relativ schmerzhaft aus, aber Claude nimmt’s gelassen, er liest ein Buch während dieses operativen Eingriffes und versucht sich so abzulenken.
Am Nachmittag üben PE und ich uns im Erkunden der gebirgigen Steinformationen. Nicht ganz unbedenklich. Das Massiv ist das reinste Labyrinth und die Felsen aalglatt. Trotzdem, wir machen uns auf und begrenzen dabei unsere Wanderdauer auf zwei Stunden; sollte die angegebene Zeit ohne unser Auftauchen verstreichen, "darf" Claude aufbrechen, um nach uns zu suchen. Erst versuchen wir, einzelne jener runden gugelhopfartigen Felsköpfe zu besteigen, um uns einen Rundblick zu verschaffen. Das geht allerdings schwer daneben, zu rutschig ist der sandige Stein und so brechen wir das Vorhaben wieder ab.
Wir umrunden eine Gruppe dieser Sandsteinblöcke und steigen in ein üppig bewachsenes Tal ab, folgen dem Wasserlauf durch einen dicht überwucherten Palmen-"Dschungel", nicht wirklich ahnend, wo uns dieser Weg noch hinführen wird.
Das Gestrüpp und die bauchhohen Farne werden jetzt immer undurchdringlicher. Umkehren oder doch weiter? Die Richtung stimmt! da..., erst ganz fern, dann immer näher hören wir das Planschen und Lachen der badenden Kinder. Wir kehren nach ein-einhalb Stunden von der entgegengesetzten Richtung zu "unserem Pool" zurück.
Wieder im " Chez Berny", so heisst unser Spuckschloss, füllen PE und die Kinder all die gesammelten leeren Wasser-Petflaschen, deren Inhalt uns auf unserer bisherigen Reise den Durst löschten, mit "sauberem" Hahnenwasser ab. Diese aufgetankten Flaschen geben morgen, auf unserer Weiterfahrt in den Westen, der Bevölkerung in den ausgetrockneten Siedlungen ein tolles Geschenk ab.
lopeThemenstarter64 Beiträge · seit 201208. Okt. 2012 · #42
Um nochmals auf den umbefangenen Umgang unserer Kindern mit fremdsprachigen Kindern zurück zu kommen. Wären wir länger mit den französisch sprechenden Kindern unterwegs gewesen hätten Sie wohl am Schluss unserer Reise fliessend französisch gekonnt. Auch bei den madagassischen Kinder hatten sie keine Berührungsängste, da funktionierte es über Zeichensprache oder einfach umgekehrt: Unsre Kinder sagten was auf „schwiizerdütsch“ vor und die Madagassen haben es einfach nachgesprochen. Ob sie es verstanden haben spielte dabei keine Rolle, es tönte auf jeden fall wie aus dem Mund eines Papageis, ohne Akzent einfach einwandfrei. Ein bsp: Angrenzend ans Spuckhotel befand sich eine private Schule. Die Kinder spielten mit einem Fussball ganz aus Plastiksäcken gefertigt, welcher alsbald in unsere Richtung flog und wir ihn natürlich retour kickten. Eine Weile ging dieses Spiel schweigend hin und her, bis DI anfing ihnen zu rufen und sie einfach mit Wiederholungen antworteten. Am Anfang waren es nur Laute wie hej, hoo, uuu aber zum Schluss hatten sie von unseren Kindern das Liedchen „alli mini Entli, schwümmet uf em See…..“ gelernt. Am nächsten Abend warteten wieder alle an der Mauer…………….. PE
erdferkel414 Beiträge · seit 200908. Okt. 2012 · #43
Wir haben damals in der Schule "Von Luzern auf Wäggis zue" gesungen, natürlich auch im Originaldialekt, inklusive Jodeln. Das muss sich ziemlich gaga angehört haben 🤪 wenn man das nicht mit der Muttermilch aufgesogen hat...
lopeThemenstarter64 Beiträge · seit 201208. Okt. 2012 · #44
24.07.12 Ranohira – Toliara - Ifaty
So überraschend das Isalo- Massiv, wie aus dem nichts vor unseren Augen aufgetaucht ist, so magisch verschwindet es bei der Durchfahrt auch wieder in unserem Rückspiegel. Und einmal mehr fahren wir durch die Einöde, eine Grassteppe bis weit zum Horizont hin. Vereinzelte, der Dürre trotzende Vakaka- und Fandra-Schraubenpalmen, widerstandsfähige Satranapalmen flimmern an unseren Fensterscheiben vorbei. aber sonst..... unsere nächste angestrebte Destination: Die Sandbeach von Ifaty, nach Toliara
"Wilder Westen" nennt Claude diese Gegend und er würde sich hüten, mit uns da irgendwo anzuhalten. Zu unsicher ist ihm dieser Landstrich, es ist die Heimat der Sakalava. Nach eigenem Verständnis ist die ethnische Gruppe der Sakalava Viehzüchter, es war aber auch ein kriegerisches Volk und dabei oft in den Sklavenhandel verwickelt. Die heutigen Nachfahren verfügen wohl immer noch über jene kämpferischen Gene.
Mitten in dieser verlassenen Welt treffen wir auf einen grösseren Ort. Es ist Ilakaka, eine richtige "Wildwest"-Stadt. Noch 1990 lebten in dieser Siedlung gegen 40 Einwohner und dann, ja dann brach das "Saphirfieber" aus. die Ortschaft platzte sogleich aus allen Nähten und nur 15 Jahre später, während der Blütezeit der "Goldgräber" lebten hier 60'000 Menschen, die alle nur ein Ziel vor Augen hatten: Den grossen "Edelstein-Fund" zu machen. Heute sind es vorwiegend asiatische Grossfirmen, welche die grossen Geschäfte und Gewinne einheimsen. Für die einheimische Bevölkerung und die herbeigezogenen "Träumer" bleibt oft nur die Drecks-Arbeit und der "leere Magen" übrig.
Ohne uns auch nur einen Saphir-Stein anzusehen, durchqueren wir diese eigenartige Stadt und nehmen weiter Kurs, durch die trostlosen Savannen, Richtung Westen. Je tiefer wir gegen das Meer zusteuern, desto häufiger treffen wir jetzt wieder auf Zivilisationen. Meist sind es kleine Siedungen am Strassenrand, ohne grosse Aussichten auf eine (bessere) Zukunft. Bei der Behausung steht ein kleiner Haufen, von Hand zerkleinerter Schottersteine zum Verkauf bereit, ein paar selbst geflochtene Stricke werden angeboten, aber das Wenige vermag den Lebensunterhalt der Familien kaum zu decken.
Hier hält Claude seinen 4WD-Toyota an und weist uns an, die gefüllten Wasserflaschen bereit zu stellen. Innerhalb kürzester Zeit ist der Wagen von den Dorfbewohner umstellt und das Gedränge ist kaum zu überbieten. Alle wollen sie eine Flasche von dem "kostbaren Nass", das sie sonst aus weiter Ferne mühsam zu ihren Häuschen herbeischleppen müssen. Wir verteilen das Wasser so gerecht wie nur möglich und können uns dabei einfach nicht vorstellen, wie die Menschen hier nur leben müssen, können und wollen.
Nach fast 250 Kilometer Präriefahrt, kurz vor Toliara wird auch die Vegetation zunehmend wieder dichter. Unter die dornenbewachsenen Pflanzen mischt sich allmählich auch der Baobab-Baum. Mächtige, uralte Flaschenbäume, die 15 Meter an Höhe und fast soviel an Umfang erreichen können. Sie gehören wohl zu den eindruckvollsten und faszinierendsten Bäumen der Welt.
in der madagassischen Überlieferung ist er der Baum, der verkehrt herum wächst. Die Madagassen glauben, dass er einst die Götter mit seiner Eitelkeit erzürnte: "Ich weiss dass ich der grösste Baum auf Madagaskar bin," sagte der Baobab, "Aber warum darf ich nicht auch so schöne Blüten tragen, wie der Jakaranda- oder so süsse Früchte wie der Mangobaum?" doch die madagassischen Götter duldeten keine frechen Widerworte, sie zogen den Baobab kurzerhand heraus und pflanzten ihn mit den Wurzeln nach oben wieder ein. Mit dieser Geschichte im Hinterkopf betrachten wir den Baum mit ganz anderen Augen und schenken ihm bei der Vorbeifahrt ein verschmitztes "Zwinkern".
Die Hafenstadt Toliara, oder französisch Tuléar (wo man gut ankern kann) wurde bereits im Mittelalter gegründet. Trotz eines Piratenstützpunkts in früherer Zeit, scheiterten europäische Besiedlungen am Klima und an der Malaria. Sehenswürdigkeiten gibt's da nicht wirklich zu bestaunen. Nach dem Besuch des botanischen Gartens, durchschlendern wir den farbenfrohen Markt in der Innenstadt. noch ein feines Mittagessen und dann machen wir uns auf die restlichen 25 Kilometer Schotter- und Sandpiste nach Ifaty.
Diese kurze Strecke hat es aber in sich! Wir benötigen mehr als eine Stunde um über das Gemisch aus Sand und Geröll, durch Gräben und Löcher an unseren "Traumstrand" zu gelangen. Unser Track führt uns an Mangroven und seichten Meerengen vorbei,
ab und zu weichen wir grossen, geländegängigen Lastwagen aus. Die mächtigen, voll beladenen Fahrzeuge transportieren reisende Madagassen an ihre, oft über mehrere Tage entfernten Ziele. Da geniessen wir doch unsere komfortable Sitzgelegenheit im Land Cruiser, auch wenn wir dabei in diesem Schüttelbecher so richtig durchgerüttelt werden.
"Wir sind da!" Claude hält seinen Wagen auf einem sandigen Parkplatz, unter schattenspendenden Bäumen an. Ein unscheinbarer "Hintereingang" markiert das Hotel "Ifaty Beach Club",... ist das wirklich unsere Destination für die nächsten sechs Tage? Etwas ungläubig laden wir unsere Koffern aus und treten wohl ohne grosse Erwartungen durch die schmale Lücke in der begrenzenden Mauer. Noch ein paar Schritte durch den Sand, einer Hausmauer entlang und wir stehen inmitten einer schlichten aber wunderschön gepflegten Bungalowanlage. Kokospalmen und leuchtend rote Büsche umrahmen die weissen, einfachen Häuschen und dazwischen liegt der blaue Pool, wie in einer weissen Sandlagune. unsere Unterkunft, ein für uns fünf etwas grösseres Häuschen, steht am äusseren Rand der Anlage, direkt am Strand und frei zum offenen Meer. Fantastisch!
Eine goldig blendende Kugel leuchtet uns in die Zimmer, als am westlichen Horizont, über Afrika die Sonne im Meer versinkt.
lopeThemenstarter64 Beiträge · seit 201210. Okt. 2012 · #45
25.4.2012 Ifaty
Wie schön! Wir haben den ganzen Tag keine Verpflichtungen: kein Ein- und Auschecken, keine Weiterreise, keine Besichtigungstermine und wichtig für die Kinder: keine Wanderungen, einfach kein gar nichts! Wir werden aus unseren Betten direkt in die Liegestühle am Strand von Ifaty fallen. Beim Entspannen dem Rauschen des Meeres zuhören, Muscheln suchen, zu Mittag essen, Sonne geniessen, im (zu kühlen) Pool baden und zu Abend essen und.... Träume sind Schäume.... Keine Stunde würden wir diesen Lebensrhythmus durchziehen können, uns würde es dabei viel zu langweilig. Ein bisschen runterfahren, ok, aber gleich gar nichts mehr unternehmen?!
Wir verbringen heute den letzten Tag mit Claude und seiner Nicole. Die Beiden werden Morgen in aller Frühe die Rückreise nach Antsirabe antreten, das heisst, sie werden die gesamte Strecke in nur zwei Tagen durchfahren. Dort vor Ort wird Claude eine neue Reisegruppe übernehmen und mit neuem Enthusiasmus wieder gegen Süden losziehen. Jetzt nehmen wir uns noch die Zeit, zusammen die verschiedenen Aktivitäts-Möglichkeiten hier am Strand durchzugehen. Zu diesem Zweck hat Claude zwei einheimische junge Männer an den Frühstückstisch eingeladen: Florent und Aubin. Die Beiden werden uns auf unseren Exkursionen rund um Ifaty begleiten.
Heute aber schalten wir einen "Gang zurück". Anfänglich spazieren wir zusammen dem weissen, mit Palmen gesäumten Sandstrand entlang, lassen uns von den Strandverkäufern alle möglichen Sachen, wie farbige Tücher, Halsketten, irgendwelche Holzschnitzwaren und Massagen anbieten.
Und wir bestaunen die farbenfrohen Pirogen der Fischer mit ihren, so scheint es, aus Tischtüchern und Bettlaken zusammengeschnurpften Segel.
Zu alldem sammeln die Kinder eifrig Muscheln und Schneckenhäuser jeglicher Art: schön geschwungene, nur Scherben, geschraubte, mit und ohne Löcher
oder auch mit Einsiedlerkrebsen. Das sind dann jene „Objekte“, die plötzlich in der Sammlung fehlen (weil auf und davon), oder später im Koffer gen Himmel stinken.
Am Nachmittag machen wir uns auf die Suche nach dem Dorfzentrum, was sich dann als gar nicht so einfach erweist. Da ist die staubige Durchfahrtsstrasse, welche ihrer Länge nach simple Holz- und Strohhäuschen aufweist. Jede Behausung hat zur Strasse hin einen kleinen Marktstand oder einen Ladentisch. Und die Bewohner? Alle handeln sie, ob mit Gemüse, Backwaren, Fisch oder Fleisch. Bei Strassenkreuzungen sammeln sich jeweils mehrere solcher Geschäftsstände an, sodass ein wirkliches Zentrum nicht auszumachen ist. Zum Unmut unserer Jugend decken wir uns an den Markttischen mit allerlei Essbarem und Ungeniessbarem ein. "Der Versuch in die ungewisse Unkenntnis zu beissen lohne sich bestimmt", meint PE und wird damit hoffentlich recht bekommen....
Gerade als wir bei einem Stand frischgebackene "Schenkeli und Tirggel" bezahlen, verirrt sich ein kleiner Junge unter PEs leichtem gelben Rock. Und wie es die Situationskomik so will, findet das Kleinkind den Ausgang aus dem verwirrenden Zelt aus Stoffwellen und Beinen nicht. Beide machen meist dieselben Ausfallschritte und so bleibt der Kleine stets im Rock hängen. Wir hören ein leises Wimmern und Schluchzen, bis schliesslich die rettende Mutterhand zu Hilfe kommt und den Schützling wieder ans Tageslicht befördert. Jetzt erst geht die Post aber richtig ab: Als der kleine Junge PEs weisse Gesichtsfarbe erkennt, bleibt er wie angewurzelt stehen und schreit los, was das Zeug hält. Da nützen selbst die beruhigenden, wenn auch lachenden Worte seiner Mutter wenig. ... er war im Kleid einer weissen Frau gefangen!...Wie sich das Erlebte wohl in seiner Zukunft widerspiegeln wird? ...Entweder, er verachtet weisse Frauen fürs Leben, oder aber, er wird wohl eher "Touristenguide" von Beruf.
Das Abendessen wird auf einer grossen, abgeschirmten Terrasse serviert. Durch das warme Dämmerlicht, die schön gedeckten Tische und die aus Tausenden auf Fäden aufgezogenen Muscheln und Schneckenhäuschen, zu Eckbündel gebundenen Vorhänge, bekommt der Anlass den Hauch eines gediegenen Dinners. Das Essen wird uns von einer jungen Madagassin serviert, sie ist stets aufgestellt, hat ein sonniges Gemüt und ständig ein fröhliches Lachen auf den Lippen.
Auch zwei einheimische Männer machen sich an unserem Tisch zu schaffen. Der eine ist nur schwierig einzuschätzen, gross aber eher schmächtig, sein Alter zwischen 30 und 50. Er wirkt sehr gemächlich und trägt eine schmale, rundliche Brille, die ihn auch nur mehr schlecht als recht weiterbringt. Wir nennen ihn liebevoll "den Professor", denn sein Wesen ist stets korrekt und eher ernst. Der andere ist so ziemlich das Gegenteil, ein eher älterer Herr, er gibt sich geschäftig, wirblig und engagiert, ist immerzu hilfsbereit. Alle drei sind so was wie die guten Geister des Hotelbetriebs, ständig anzutreffen und wohl für alles und jegliches zuständig.
lopeThemenstarter64 Beiträge · seit 201212. Okt. 2012 · #48
erdferkel schrieb:Wart Ihr eigentlich auch im Chez Freddy, dem besten Restaurant in ganz Ifaty?
nein, das chez freddy kommt mir jetzt nicht bekannt vor, aber ich denke, die umstände hätten einen besuch damals eh nicht zugelassen! 🤢 liebi grüess, lo
lope schrieb:Jetzt erst geht die Post aber richtig ab: Als der kleine Junge PEs weisse Gesichtsfarbe erkennt, bleibt er wie angewurzelt stehen und schreit los, was das Zeug hält. Da nützen selbst die beruhigenden, wenn auch lachenden Worte seiner Mutter wenig. ... er war im Kleid einer weissen Frau gefangen!...Wie sich das Erlebte wohl in seiner Zukunft widerspiegeln wird? ...Entweder, er verachtet weisse Frauen fürs Leben, oder aber, er wird wohl eher "Touristenguide" von Beruf.
In Madagaskar haben manche kleine Kinder eine gewisse Scheu vor weißen Menschen. So wie man früher bei uns den Kindern oft drohte, wenn es nicht artig sei, würde es der schwarze Mann holen, so ist es dort die Drohung vor dem weißen Mann... Schon verrückt. Und plötzlich in den Röcken einer weißen Frau verheddert zu sein, kann schon ganz schön traumatisierend sein. 🤩
lopeThemenstarter64 Beiträge · seit 201212. Okt. 2012 · #50
connych schrieb:Esch halt scho schön bi üs 😉
liebi conny s'eschimmerschönwänn'sschönisch. lo 😗
lopeThemenstarter64 Beiträge · seit 201212. Okt. 2012 · #51
MooseOnTheLoose schrieb:
lope schrieb:Jetzt erst geht die Post aber richtig ab: Als der kleine Junge PEs weisse Gesichtsfarbe erkennt, bleibt er wie angewurzelt stehen und schreit los, was das Zeug hält. Da nützen selbst die beruhigenden, wenn auch lachenden Worte seiner Mutter wenig. ... er war im Kleid einer weissen Frau gefangen!...Wie sich das Erlebte wohl in seiner Zukunft widerspiegeln wird? ...Entweder, er verachtet weisse Frauen fürs Leben, oder aber, er wird wohl eher "Touristenguide" von Beruf.
In Madagaskar haben manche kleine Kinder eine gewisse Scheu vor weißen Menschen. So wie man früher bei uns den Kindern oft drohte, wenn es nicht artig sei, würde es der schwarze Mann holen, so ist es dort die Drohung vor dem weißen Mann... Schon verrückt. Und plötzlich in den Röcken einer weißen Frau verheddert zu sein, kann schon ganz schön traumatisierend sein. 🤩
sihste! und drum meide ich fremde röcke! lo 😊
lopeThemenstarter64 Beiträge · seit 201212. Okt. 2012 · #52
erdferkel schrieb:Wart Ihr eigentlich auch im Chez Freddy, dem besten Restaurant in ganz Ifaty?
Wir waren nicht im Chez Freddy, weil das Essen in unserem Hotel einfach auch spitzenmässig und sehr reichhaltig war, sodass wir am Mittag nur Kleinigkeiten, die am Strand verkauft wurden, assen. Wir wollten ja nicht mit 10 Kg mehr auf den Rippen zurück in die Schweiz. PE
lopeThemenstarter64 Beiträge · seit 201212. Okt. 2012 · #53
Das Meer glänzt im aufgehenden Sonnenlicht. Wir sitzen alle auf einem offenen Zwischenboden, gleich neben der Bar, unter einem riesigen afrikanischen Baum und warten auf das Frühstück. Ausgerechnet heute fehlen aber die Brötchen und dabei haben wir doch mit Florent, einem der beiden madagassischen Jungs, um Punkt 9.00 Uhr abgemacht. "Der Bäcker ist wohl mit dem Ochsenkarren stecken geblieben."
Die Piroge, Florent und sein Segel-Vorschoter-Gehilfe liegen bereits im Sand bereit, als wir doch noch unser geliebtes Z’morge geniessen dürfen. Parisettbrote mit Butter und Wildhonig und dazu einen feinen Vanille Tee, oder einen .... naja... (irgendwie) Kaffee.
Ganz alle sitzen nicht am Tisch, Claude und Nicole fehlen in unserer Runde. Sie sind bestimmt schon über alle Savannen, unterwegs ins zentrale Hochland. Etwas traurig schlucken unsere Kinder die letzten Bissen runter, und dann begeben wir uns an den Strand zum ausgemachten "Rendez-vous".
Flossen, Taucherbrillen und Schnorchel liegen im Einbaum-Segelboot bereit, so nehmen wir denn die Herausforderung an und setzen uns irgendwie auf die Planken und Latten des Schiffs, der Törn aufs naheliegende Riff kann beginnen. Der Wind trägt uns fünf Kilometer aufs offene Meer hinaus, dorthin wo sich in untiefem Wasser die Wellen wieder brechen.
An der inneren Seite des Riffs befestigt unser Skipper die Piroge an einem vor Anker liegenden Boot. Weit ab vom sicheren Land steigen wir fünf in die raue See und versuchen uns im tropicfish-snorkeling. Tropisch sind leider nur die Fische, das Wasser erscheint uns frisch und auch der Seegang entspricht doch eher dem des Nordatlantiks als demjenigen des ruhigen pazifischen Ozeans. Nach einer Viertelstunde Kampf gegen die Wellen steigen unsere Kinder bereits wieder fröstelnd in den Schutz der wärme spendenden Piroge. Auch wir Erwachsenen halten dem Wellengang nicht länger stand und brechen unser Vorhaben, Nemo, den Clownfisch auf seiner Durchreise zu treffen, ab. Trotzdem, die Fahrt auf der Piroge für sich ist schon den Aufwand wert. Ohne grosse Hightechsegel, -Winden und -Falle gleitet das einfache Segelboot durchs rauschende Meer und steht einem industriellen Segelschiff in nichts nach.
Am späteren Nachmittag holt uns Florent, zusammen mit einem Zebubauer im, mit Ochsen bespannten Karren beim Hotel ab. Im Licht der späten Sonne besuchen wir den angrenzenden, unter Naturschutz stehenden "Dornenwald". Die Zebuochsen ziehen unseren Wagen durchs Dorf, über staubige Wege bis hin zu den dürren Dornengewächsen, heilenden Aloepflanzen, den tentakelähnlichen Didieraceen (Kompassbäumen) und den mächtigen Baobab-Bäumen. Mit lustigen schnalzenden und grunzenden Geräuschen steuert der Bauer die Tiere in die richtige Richtung, schön bedächtig und geruhsam verrichten die Zebus friedlich ihre Arbeit.
Bei einer stattlichen Gruppierung dieser "upside down tree's" hält unser Karrenfahrer an und wir verlassen das Gefährt über die Räder. Endlich können wir die Baumriesen auch von nahe sehen. Sechs der acht Baobabbaumarten sind auf Madagaskar endemisch und werden nach vorhandenen Möglichkeiten auch geschützt. In diesem Wald gibt es drei Arten: Der gelb-blütige "Reniala", der graue "Za" und der "Fony", er ist orange und sieht aus wie ein Rüebli, daher wird er auch Karottenbaum genannt. Wir würden wohl auch den "Farafatsy" zu diesen Riesen zählen, er ist aber kein Baobab und wird für den Pirogenbau verwendet. Das Holz des echten Baobabs findet glücklicherweise kaum Verwendung im Alltag der Malagasy, es ist schwammig und zu weich. So schaffen es die ältesten Flaschenbäume, über 1000 Jahre alt zu werden.
Auf unserem Waldrundgang entdecken wir kleine, dünne, ja unscheinbare Halme. Es sind zehnjährige Baobabs, die schutzlos in dieser Wildnis am Boden stehen. Ganze drei Millimeter legen sie jährlich an Umfang zu. Wir besuchen aber auch uralte, mehrere Meter dicke Exemplare, die ihren Rang im Wald auf sicher haben. Es gibt welche, die stoisch wie ein Denkmal ihren Platz einnehmen, solche, die sich seit Jahrhunderten umarmen und es gibt jene mit löchriger Rinde, an denen die Kinder hochklettern können.... kennen wir vielleicht auch daher den Namen: "Affenbrotbaum"?
Florent zeigt uns noch viele andere Holzarten, so den "goldenen Delonix", aus seinem Holz werden Instrumente hergestellt. Er wird unserem Aussehen nach, auch der "Vasaha-Baum" genannt, weil er so bleich ist und sich an der Sonnenseite pellt.
Auf der Rückreise besuchen wir noch die Schildkröten-Schutzstation "village des tortues". Hier werden vom Aussterben bedrohte Strahlen- und Spinnenschildkröten gezüchtet, gepflegt und wieder ausgewildert.
Was für ein vielseitiger und abwechslungsreicher Tag neigt sich dem Ende zu. Und wie im billigen Abenteuerroman reiten wir fünf auf unserem Ochsenkarren in den roten Sonnenuntergang, heimwärts, dem ruhigen, glänzenden Meer entgegen.
lopeThemenstarter64 Beiträge · seit 201212. Okt. 2012 · #54
Die in leuchtenden Farben gestrichenen Auslegerboote, die sogenannten Pirogen oder auf madagassisch Sakalava-Fischerboote, sind immer noch praktisch gleich, wie die Schiffe mit denen die ersten Indonesier Madagaskar erreichten. „Haben die Ahnen schon so gemacht“ antwortet dir auch hier jeder, wenn du sie fragst, weshalb sie keine Motorboote benützen. Als Reisender in Madagaskar sind es wunderbare Erlebnisse, wird die jahrtausendalte Kultur nach wie vor täglich gelebt. Und z.B. diese Pirogen nicht einfach für die Touristen aufrecht erhalten. Leider trägt diese Einstellung auch negative Aspekte mit sich, so zum Bsp. gehört die Brandrodung endlich abgeschafft, könnten Reisfelder ertragsreicher angebaut werden, würden neue Metoden angenommen. Aber auch dies alles haben halt die Ahnen schon so gemacht… PE
lopeThemenstarter64 Beiträge · seit 201213. Okt. 2012 · #55
27.0712 Ifaty: Pirogenfahrt zum 8 km entfernten Fischerdorf
Wie mit der Pünktlichkeit einer Schweizer Bahnhofsuhr läuft die Piroge von Florent und seinem Vorschoter am Strand vor unserem Häuschen in den Sand auf. Da auch unser Frühstück mit derselben zeitlichen Präzision auf dem Tisch bereitstand, sind wir alle bereit für unser nächstes Abenteuer.
Wir besuchen mit Florent ein Fischerdorf, circa acht Kilometer abseits, an der lang gezogenen Küste vor Ifaty. Wie "alte Hasen" besteigen wir unser Boot und die Crew setzt nach wenigen Paddelschlägen das farbige, viereckige Tischtuch-Segel, trimmt noch etwas den Mast und ab geht’s in die Wellenlandschaft, entlang dem Riff, durch die "Meeresstrasse von Mosambik". Die Mädchen singen ihre Schulliedchen und JO sinniert über grosse Segeljachten nach, und so legen wir nach einer Stunde Fahrt an unserem Zielort "Ambolomailaka" an.
Einmal mehr werden wir von der Dorfjugend stürmisch in Empfang genommen, und als PE die noch vorhandenen Animanca-Sammelsteine der Migros hervorholt, ist ihr der Kinderpulk auf sicher. Wir knöpfen die tierverzierten Steine an die in Warteschlange stehenden Handgelenke und geniessen das muntere und fröhliche Treiben der immer zahlreicher auftretenden Dorfkinder.
Weit draussen auf dem Meer, noch ausserhalb des Riffes, erkennen wir die vielen verschiedenen Segel der Fischerpirogen, die sich am Horizont tummeln. Je nach Volumen des Fangs kann es manchmal spät am Abend werden, bis die Fischer an ihren Stützpunkt zurückkehren. So folgen wir Florent und den Kindern über die Dünen zu den Holz-, Schilf- und Strohbauten des kleinen Ortes.
Die Hinterhöfe der Hintergassen sind fast menschenleer, das Leben spielt sich am Tage nicht zuhause ab, die Männer und Jungs sind bei den Fischen auf ihren Schiffen und die bunt bemalten Frauen verkaufen ihre Waren an der staubigen Landstrasse. Die Frauen bemalen ihr Gesicht mit einer gelben oder orangen Naturfarbe. Die Schminke wirkt nicht nur als Sonnenschutz, sie hält auch die Haut geschmeidig und lässt das Antlitz in Schönheit erstrahlen. Wir schlendern gemütlich der Überlandstrasse entlang und versuchen hie und da die frittierten, in allen farben leuchtenden Backwaren. Autos gibt es da keine, nur alte, schön bemalte Zebukarren mit riesengrossen Holzspeichenwagenräder. Sie und die handelnden Frauen gestalten das Strassenbild des Fischerortes.
Die spielenden Kinder begleiten uns zurück ans Meer, wo wir jetzt geduldig die ersten heimkehrenden Fischerboote erwarten. Ein kleines Mädchen angelte sich bereits an der Landstrasse die Hand von PE und liess diese die ganze Zeit über nicht mehr los. Die Kleine hat sich PE sozusagen adoptiert. Jetzt, wo wir am Strand sitzen und warten, gesellt sich ein älterer Mann zu uns. Er interessiert sich sehr für unsere Reise. Er möchte wissen, wie es sich beim Fliegen anfühlt, wie lange denn so ein Flug von Europa nach Madagaskar dauert und was so was denn auch kostet... Auf die letzte Frage kann und will ich ihm nicht antworten. Er würde die Verhältnisse wohl nicht verstehen und meine Antwort womöglich falsch interpretieren. Ich versuche ihm zu erklären, was denn eine Flasche Wasser bei uns im Handel kostet. Dieser Vergleich reicht ihm voll und ganz..... ich vermute, es träumt ihm jetzt noch davon. Zum Abschluss der kurzen Unterhaltung will der Mann uns noch eine Pyxi-Schildkröte, gefangen in einem Plastiksack verkaufen, da lehnen wir doch dankend aber bestimmt ab.
Es kommt so, wie es Florent zum Voraus prognostiziert hat: Die Fischerboote kehren nicht vor dem Abend ans Ufer zurück. Bloss eine einzige Piroge findet ein Herz für uns und strandet noch vor unserem Abgang. Alle eilen schnell zu den Fischern hin und begutachten deren Fang. Der Beutezug war aber nur spärlich, zwei drei kleinere Fischchen liegen in der Pilge, und so wie die aussehen, sind sie kaum zum essen. Aufwendig bergen die Fischer die Netze aus dem Boot und transportieren sie auf langen Holzstangen an Land. Dort werden sie ausgelegt und mit der groben Nadel wieder geflickt.
Wieder zurück in Ifaty, geniessen wir den sonnigen Nachmittag vor unserm Häuschen. Unsere Kinder fangen sich Einsiedlerkrebse und bauen ihnen einen kleinen Zoo im Sand. Das Salzwasser wird mühsam aus dem Meer in die "Aquarien" und "Terrarien" transportiert und zu essen kriegen die Tiere irgendwelche Algen aufgetischt. Alles geschieht selbstverständlich immer innerhalb der geltenden madagassischen Tierschutzgesetzte.
lopeThemenstarter64 Beiträge · seit 201213. Okt. 2012 · #56
Weil's so farbig war:
lopeThemenstarter64 Beiträge · seit 201214. Okt. 2012 · #57
28.07.12 Ein Tag auf offener See
Das Wasser vor dem Bug und unter unserem Kiel schlägt hart wie Stein an unser Boot. "Endlich tut sich mal was unter unserem Hintern!" finden unsere Kinder. Ja, heute fahren wir mit einem richtigen "Flitzer", einem starken Motorboot raus, hinter das Riff auf's offene Meer. Die Haare der Frauen fliegen durch den Wind und ich halte mein Cap mit der einen Hand fest. Die andere brauche ich für den Fotoapparat und irgendwie müsste ich mich doch auch noch an die Sitzbank klammern. Die rasante Motorbootsfahrt haben wir an einem der Vortage gebucht, sie soll uns zum Horizont bringen, hinaus zu den grössten Meeresbewohner: den Walen.
Jetzt im Juli und August tummeln sich die Meeressäuger in der Strasse von Mosambik und in den tropischen Gewässer rund um die madagassische Insel. Hier kalben sie und ziehen während des antarktischen Winters ihre Jungen auf, bevor sie wieder die lange Wanderung gegen den Südpol antreten. Naja... ich schaue der Sache noch etwas skeptisch entgegen, denn noch nie hatte ich auf meinen Touren das Vergnügen einen lebenden Wal zu beobachten. Entweder war ich zum falschen Zeitpunkt zugegen oder aber, die Tiere hatten grad keinen Bock drauf, mich kennen zu lernen. Diesmal soll aber alles ganz anders werden, versicherte uns der Geschäftsführer des Walwatching-Anbieters, sonst würden uns allenfalls die Kosten zurückerstattet.
Das offene Motorboot nimmt Fahrt weg und gleitet nur noch leise und sachte durch die Wellen, wir sind am "Horizont", am Ort des angekündigten Spektakels. Doch ringsum ist es vorderhand noch ruhig und es tut sich nichts. Angespannt schauen wir alle in jede nur mögliche Himmelsrichtung, wo bläst wohl der erste ab? ...Da plötzlich, das Wasser unter unserem Boot wird ganz glatt und ruhig, ein zusammengetriebener, riesiger Fischschwarm aus kleinen und kleinsten Fischen umgibt das Boot.... wenn da bloss jetzt nur kein Riese auftaucht! Irgendwie ist mir "Moby Dick", der alte Kinostreifen mit Gregory Peck allgegenwärtig... "bitte bloss nicht jetzt und hier!" .... Phuuu, Fehlalarm... da springt kein Wal.... war das nun Glück, ...oder doch eher Pech?
Ringsum nichts als Wasser und unter uns, irgendwo da unten die Wale. Da kommst du dir so richtig munzigklein vor. "Daaa! da drüben!" Bestimmt fast einen halben Kilometer entfernt erblicken wir die Fontäne eines ausblasenden Wals. Jetzt gibt unser Seemann aber Gas. Schnell reisst er das Steuer rum und ab geht's in die angegebene Richtung. Tatsächlich, da atmet, schwimmt und taucht ein Buckelwal. Unser erster Buckelwal! Imposant steigt sein Rückgrat aus dem Wasser, er schnaubt die Atemluft aus den Blaslöcher hoch, zeigt einen "Buckel" und taucht wieder ab, um gleich wieder aufzusteigen und einzuatmen. Wir dürfen höchstens bis an einen Umkreis von 100 Meter an das Tier heran, vorne und hinten muss sein Weg frei bleiben. Der Buckelwal ist ein relativ "kleiner" Bartenwal, er erreicht höchstens eine Länge von 18 Meter und wird zwischen 25 und 35 Tonnen schwer. Reicht wohl allemal aus, unser kleines Boot zu versenken. So schnell wir den Wal gesichtet haben, so schnell verschwindet er auch wieder in den Tiefen der See. Unsere Nussschale schaukelt einsam und verlassen vor sich hin.
Doch jetzt geht's Schlag auf Schlag: "Dort drüben, ein Wal", "hier bläst er", "da springt einer", und jedes mal fliegen die Arme und Hände in die Richtung der entdeckten "Objekte unserer Begierde". Ganze Walgruppen tauchen auf, spielen, drehen und tummeln sich im Wasser. Und wenn die Zeit gekommen ist, zeigen sie uns ihre Schwanzflossen und tauchen weg. Unsere kleinen "Smart-digi-cams" laufen heiss, meist mit Serienbildaufnahmen. Es ist einfach ein grossartiges Schauspiel.
Nach gut vier Stunden See- und "Walfahrt" wendet unser Bootsmann das Schiff und wir rauschen wieder dem schmalen, kaum sichtbaren Küstenstreifen entgegen. Ich habe mittlerweilen meine Meinung revidiert und gebe zu: Es gibt doch Wale im Meer, und man kann sie sogar besuchen.
Noch den ganzen Nachmittag verbringen wir am Meer, schlendern dem Strand entlang und sammeln eifrig Muscheln. Und als sich die Sonne dem Horizont nähert, steht sie unmittelbar über unseren Walen. Sie wird zu ihnen abtauchen und bei den sanften und friedlichen Giganten zum rechten sehen.
lopeThemenstarter64 Beiträge · seit 201214. Okt. 2012 · #58
Wie erwähnt hatten wir nur Poketkameras,........... hier vielleicht zum Glück, denn ab und an waren die Riesen so nah an unserem Boot, dass wir sie mit Mega-Teleskopen gar nicht mehr hätten einfangen können............:)
Unsere Nussschale unweit eines Trozo misy trafo
PE
Champagner8'681 Beiträge · seit 201015. Okt. 2012 · #59
lope schrieb: 📎 DSC01795.jpg
Toller Bericht - tolle Fotos! Und dieses hat es mir besonders angetan!
Habe mir die letzten Seiten deines Berichts inklusive der Wale zum Frühstück gegönnt, um froh gelaunt in die neue Woche zu starten!