Topobär5'479 Beiträge · seit 200922. Nov. 2011 · #61
Danke für die Info. Dann werde ich den North Luangwa NP mal von meiner Target-Liste streichen.
Fürs eigene Fahrzeug zahlen, um dann im überfüllten Safari-Wagen zu sitzen muss ich nicht haben. 2 Personen pro Sitzbank ist für mich das Maximum, dass ich noch akzeptiere.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200622. Nov. 2011 · #62
Mittwoch, 10. August 2011
Auf die Minute pünktlich kam Sunday uns wecken. Heute Morgen aßen wir zum Kaffee auch ein paar Kekse aus unserem schwindenden Vorrat. Wir haben zwar noch jede Menge Getränke, aber weder frisches Gemüse noch Fleisch. Insbesondere schaden die mehrtägigen Standzeiten ohne Strom unseren gekühlten Lebensmitteln. Länger als einen Tag hält die Kühlschrank-Batterie nicht durch, so dass die Temperatur dort nach und nach ansteigt. Wir hoffen, dass nicht alles verdirbt. Heute fuhren wir zunächst ein Stück und liefen dann Richtung Camp zurück. Die Gruppe war dieselbe wie am Vortag. Sunday zeigte uns interessante Pflanzen. Der Blütensaft des Leberwurst-Baumes hilft gegen Stiche von Tsetsefliegen. Aus einem anderen Strauch kann man ein Mittel gegen Hautkrebs gewinnen. Besonders beeindruckend war, als Matthew, ein Angestellter des Camps, mit zwei Hölzern Feuer machte. Er drehte ein Stück hartes Holz in einem passenden Brettchen aus weichem Holz. Bereits nach kurzer Zeit stieg Rauch auf, und mit etwas trockenem Gras entstand eine Flamme.
Wir entdeckten eine abgestreifte Schlangenhaut und sahen noch zwei große Eulen wegfliegen. Am Fluss liefen zwei Kronenkraniche und flogen dann davon. Während des gesamten Walks sollten wir hintereinander in einer Reihe laufen. Das sah dann ungefähr so aus:
Wir haben bewusst nur unsere Schatten fotografiert, an unseren Gesichtern hätte man mittlerweile unsere Laune nur zu deutlich ablesen können. Unvorstellbar, wie geräuschvoll man sich als kleine Gruppe durch den Busch fortbewegen kann. Auch sinnvoll, sich lautstark während der gesamten Tour über das Essen zu unterhalten. Außerdem dolmetschte Mr. Guide die wirklich interessanten Informationen von Sunday simultan ins Italienische, was es uns nahezu unmöglich machte, noch etwas zu verstehen. So begann für uns beide ein alberner Kampf um den zweiten und dritten Platz in der Reihe hinter Sunday, um vielleicht doch noch den ein oder anderen Brocken aufzuschnappen.
Zwei Mal durchquerten wir barfuß den Fluss, sahen aber außer einem toten Elefanten und einigen Pukus nicht mehr viel, bevor wir für das letzte Stück zum Camp wieder vom Auto abgeholt wurden. Wieder war es völlig selbstverständlich, dass alle sofort auf „ihre“ Sitze kletterten. Wir mussten uns wieder getrennt voneinander – natürlich ganz hinten – zwischen die restliche Gruppe quetschen. Ob wir wohl lieber nebeneinander gesessen hätten, schien niemanden zu beschäftigen, uns dafür zunehmend mehr. Gegen zehn Uhr waren wir zurück und ruhten uns aus. Zu Mittag aßen wir das Brot vom Vortag mit Kräuter-Frischkäse und Schinken. Danach backte Uwe ein neues. Dabei verwendete er weniger Kohle, und das Ergebnis war deutlich besser. Die Mittagszeit verbrachten wir in unserem Chalet bei 30 Grad im Schatten. In der Sonne waren es über 40 Grad. Wir duschten und planten die kommenden Tage. Dabei müssen wir gestehen, dass wir auf Grund unserer rücksichtsvollen Mitcamper ernsthaft in Erwägung zogen, das Buffalo Camp einen Tag früher als geplant zu verlassen. Aber die Flexibilität lässt leider sehr nach, wenn die kompletten Parkgebühren, die ja ziemlich happig waren, bereits bezahlt sind. Also beschlossen wir, uns nicht weiter ärgern zu lassen und das beste aus der Situation zu machen. Um halb vier startete unsere letzte Fahrt im Buffalo Camp. Wir verzichteten auf den Nachmittagskaffee und verstauten statt dessen demonstrativ unsere Fotoausrüstung in der ersten Sitzreihe des Landcruisers. Und das auch noch auf zwei nebeneinanderliegenden Sitzen! Das wäre doch gelacht! Dann konnte es losgehen. Geduldig (nun ja, zumindest am Anfang) ertrugen wir jeden Halt an wirklich jedem Toko. Schließlich ist dieser Vogel äußerst selten, und es ist ungemein erstrebenswert, ihn von hinten im Wegfliegen und gegen die Sonne abzulichten. Bah, wir intoleranten, unlustigen, schweigsamen Deutschen aber auch! Zum Glück hatte Sunday ein Einsehen und drängte darauf, nun nicht mehr bei jedem Vogel mit langem, gebogenem, gelbem Schnabel anzuhalten. Er hatte mit unserer Gruppe aber auch seine liebe Not. Wir hätten nicht mit ihm tauschen wollen. Er gab sich wirklich alle Mühe, uns noch ein paar Löwen zu zeigen. Aber leider klappte es nicht. Stattdessen entdeckten wir einige Greifvögel, einen einzelnen Elefanten, unzählige Impalas, Warzenschweine und Zebras.
Besonders war eine riesige Büffelherde auf ihrem Weg zum Fluss.
Zum Sonnenuntergang postierten wir uns so an einem Aussichtspunkt am Ufer, dass wir die Büffel beobachten konnten. Mehrere hundert Tiere kamen ans Wasser, sprangen die steile Böschung hinunter und verteilten sich im Fluss. Lange bevor die letzten gekommen waren, liefen die ersten schon wieder zurück. Es war ein riesiges Schauspiel.
Auch nach Sonnenuntergang fuhr Sunday noch viele Umwege und querfeldein, um uns möglichst viel zu bieten. Wieder sahen wir ein paar Ginsterkatzen und Hasen. An einer Stelle hörten wir Löwengebrüll, konnten diese jedoch wieder nicht entdecken. Dennoch war es ein aufregendes Erlebnis. Zum Abendessen kochten wir nicht, sondern machten Wurstsalat und aßen dazu das frische Brot. Anschließend bezahlten wir die Rechnung. Sunday hatte uns angeboten, einen Teil des Betrags in Euro zu bezahlen. So konnten wir ein paar der wertvollen Dollars sparen. Bei Hyänengekichere und –geheul schliefen wir ein.
Tageskilometer: 46 (gewandert und gefahren worden)
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200624. Nov. 2011 · #63
Donnerstag, 11. August 2011
Schon um viertel vor fünf klopfte es außerplanmäßig an unserer Tür, und Sunday teilte uns mit, dass er in 5 Minuten zu einer kleinen Runde aufbrechen würde, um noch einmal mit uns auf Löwenjagd zu gehen. Zuvor hatten auch wir schon die Löwen von ferne brüllen gehört. Nicht so genau wissend, wo oben und unten war, rappelten wir uns völlig verschlafen auf, zogen uns schnellstens an und hörten schon auf der Toilette den Motor des Landcruisers. Schnell die Kontaktlinsen, die Fotoapparate und vor allem die warmen Jacken geschnappt, und schon ging es bei völliger Dunkelheit los. Alle waren gespannt, ob wir die Löwen entdecken würden. Wir fuhren vom Camp aus in verschiedene Richtungen und sahen ein paar Büffel, einzelne Hyänen, Ginsterkatzen, Hasen, aber leider keine Löwen. Einmal hörten wir sie noch ganz nah. Sunday schaltete den Motor ab. Außer dem Rascheln des hohen Grases um uns herum war nichts zu hören, so dass uns das plötzliche Gebrüll aus der Finsternis ganz schön durch Mark und Bein ging. Da das Gelände zu unwegsam wurde und wir im Dickicht nichts erkennen konnten, drehten wir leider wieder um. Zurück am Camp begannen wir, unsere Sachen im Auto zu verstauen. Auch wenn wir keine Raubkatzen gesehen hatten, hat es uns im Buffalo Camp sehr gut gefallen. Vor allem Sundays Witz und sein großes Wissen über die Tiere und Pflanzen haben den Aufenthalt sehr schön gemacht. Mit der Gruppe Italiener konnten wir uns allerdings trotzdem nicht anfreunden.
Nachdem wir uns verabschiedet hatten, brachen wir bereits um sieben Uhr auf. Zunächst fuhren wir nach Osten zum Luangwa und dann parallel zum Fluss nach Norden.
Über den Weg flitzte eine Ginsterkatze. Wir kamen durch bewaldete Gegend und hatten immer wieder einen schönen Blick auf den Luangwa. Dort lagen Hippos und schwammen Krokodile. Versteckt sahen wir Kudus und ein paar Wasserböcke. Zu dieser Jahreszeit war das Wasser zu tief, um mit unserem Auto an einer Furt hindurchzufahren. Daher mussten wir an eine Stelle fahren, an der ein kleines Ponton-Floß lag, das uns über das Wasser brachte. Das Auf- und Abfahren war eine wackelige Angelegenheit, klappte aber gut. Das Floß wurde dann von Hand über den Fluss gezogen.
Damit hatten wir den North Luangwa verlassen und suchten uns nun den Weg in Richtung Süden. Dank Wegbeschreibung im Reiseführer und GPS klappte das sehr gut. Wir kamen durch viele kleine Dörfer, die aus runden Hütten bestanden, aber teilweise auch einige gemauerte Gebäude hatten. Oft kamen Kinder zu unserem Auto gelaufen und winkten.
Der Weg war meist gut zu fahren. Ab und zu mussten wir ein trockenes Flussbett durchqueren. Dort lagen Holzbalken quer für die Zeit, in der der Fluss Wasser führt. An einer Stelle war tatsächlich noch ein wenig Nass.
Auf einer sandigen Waldstraße stand plötzlich ein Kleinlaster vor uns, der sich festgefahren hatte. Der Fahrer und zwei Mitfahrer hatten schon vergeblich geschaufelt. Mit einem Seil verbanden wir unsere Autos, und Uwe zog den Wagen rückwärts aus dem tiefen Sand. So hatten wir für heute unsere gute Tat getan.
Nach Mittag kamen wir zum Eingangstor des Luambe Nationalparks. Nachdem wir gehalten hatten, kamen sofort ein paar Kinder angelaufen. Ruth spielte ein wenig mit ihnen Fußball. Der Luambe Nationalpark ist ein kleines Schutzgebiet zwischen North und South Luangwa und wird in der Regel nur als Transitstrecke benutzt. Da wir jedoch schon so früh auf den Beinen gewesen waren, wollten wir hier für eine Nacht bleiben. Sunday hatte uns geraten, die Strecke zum South Luangwa nicht an einem Tag zu fahren und den Campingplatz der Luangwa Wilderness Lodge empfohlen. Dieser war auch wirklich sehr schön unmittelbar an der Abbruchkante zum Fluss gelegen, und man hatte eine schöne Aussicht. Direkt unterhalb der Lodge lag eine riesige Hippo-Herde im Wasser. Es waren über 100 Tiere. Sie schnauften und grunzten um die Wette. Ständig blubberte es, wenn die riesigen Kolosse auf- und untertauchten. Am gegenüberliegenden Ufer lagen ein paar Krokodile, und Ruth fotografierte auch Ibisse und Klaftschnäbel. Es war ein ruhiger Nachmittag. Da wir die einzigen Gäste waren, hatten wir den ganzen Platz für uns und konnten herrlich abschalten und die Ruhe genießen. Wir spannten die Hängematte zwischen zwei Bäumen unmittelbar oberhalb des Flusses, sahen mit einem Gin Tonic den friedlich blubbernden Hippos im letzten Sonnenlicht zu und waren uns einmal mehr darüber im klaren, warum es immer wieder nach Afrika gehen muss.
Da es Uwe zurzeit im Magen nicht so gut ging, entschieden wir, ein großes Abendessen heute ausfallen zu lassen. Doch auch zu einem kleinen sollte es nicht kommen. Wir hatten gerade geduscht und wollten uns noch mit einer Kleinigkeit zu Knabbern neben unser Auto setzen, als es laut im Gebüsch krachte und sich ein riesiger Elefant seinen Weg in Richtung unseres Autos bahnte. Dieser war uns von den Angestellten bereits angekündigt worden, allerdings erst für sehr viel später. Ruth war sofort im Auto, aber Uwe räumte noch schnell die Lebensmittel in die Schubladen. Er wollte eigentlich noch Zähne putzen gehen – schließlich war der Elefant ja noch so weit weg. Das plötzlich einsetzende Löwengebrüll überzeugte ihn jedoch sehr schnell, auch schleunigst ins Zelt zu krabbeln. Da fast Vollmond war, konnten wir den Elefanten gut beobachten, als er um unser Auto lief. Sein weißer Stoßzahn schimmerte unmittelbar hinter unserem Mückengitter, und wir wagten nicht, uns zu mucksen. Er fraß ein wenig auf der einen, dann auf der anderen Seite des Autos. Schließlich wollte er hinunter zum Wasser. Überall, wo er es versuchte, war die Böschung jedoch zu steil. Dabei lief er mehrfach um unsere Hängematte herum und spielte mit seinem Rüssel an den Befestigungsseilen. Als er schließlich weiter ging, wagten wir wieder zu atmen, trauten uns wegen der Löwen aber nicht mehr aus dem Zelt. Zu allem Überfluss hatten wir auch noch eine Mücke im Zelt, die wir ohne Licht zwar hören, aber nicht finden konnten, wenn wir die Taschenlampen anknipsten. Wir wurden fast wahnsinnig. Irgendwann übermannte uns der Schlaf.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200626. Nov. 2011 · #66
Freitag, 12. August 2011
Trotz des unruhigen Abends konnten wir gut und lange schlafen. Um halb sieben standen wir auf und frühstückten gemütlich ein Müsli. Dann räumten wir in Ruhe alles ein und bezahlten unsere Rechnung. Zum Glück konnten wir in Kwachas zahlen, da unsere Dollars langsam knapp wurden. Toni, ein Engländer, bei dem wir gestern eingecheckt hatten, sagte uns, dass er mit ein paar Arbeitern vorfahren würde, um ein paar Flussdurchfahrten passierbar zu machen. Wir machten uns auf und entschieden uns bei einer Abzweigung für einen Umweg am Luangwa. Die Straße führte teilweise oben an der Steilkante entlang und gab den Blick auf das Flusstal frei. Wir entdeckten Hippos, dicke Krokodile, Störche, einen Wiedehopf und andere Vögel.
Irgendwann wurde die Fahrspur jedoch immer unscheinbarer und war schließlich gar nicht mehr zu erkennen. Wir fuhren noch ein Stückchen querfeldein, konnten dann aber trotz GPS-Karte den weiterführenden Weg nicht mehr finden. So drehten wir um und bogen auf der Hauptstraße wieder in Richtung Süden ab. An einem kleinen See machten wir eine Pause. Die gesamte Wasseroberfläche war mit grün-roten Wasserpflanzen bedeckt, zwischen denen Krokodile perfekt getarnt auf Beute lauerten. Alles machte einen sehr friedlichen, aber trügerischen Eindruck.
Ein paar Minuten später kamen wir an eine Flussdurchquerung. Sie war nicht sonderlich breit und führte kein Wasser mehr. Dort trafen wir Toni mit den Arbeitern. Sie waren überrascht, dass wir nicht schon längst hinübergefahren waren. Während wir unsere Zeit am Fluss vertrödelten, hatten sie gerade damit begonnen, die Konstruktion aus Baumstämmen auseinander zu nehmen. So lange der Fluss Wasser führte, sollte diese die Durchfahrt auf dem schlammigen Untergrund erleichtern. Nun könne man sich an den trockenen Holzstämmen leicht die Reifen aufschlitzen. Daher hatten sie mit dem Abbau begonnen, Drahtverbindungen gelöst und einzelne Baumstämme bereits zur Seite geschleppt. Nun blieb uns nichts anderes übrig, als mitzuhelfen. In so einem Fall ist es immer von großem Vorteil, eine Frau zu sein. Und so sah die Hilfe recht unterschiedlich aus: Uwe packte mit an, entfernte Balken um Balken und warf sie neben die Fahrspur. Befestigungsdraht kam auf einen separaten Haufen.
Ruth lief ein wenig herum, machte Fotos und wartete einfach ab. Nach einer guten halben Stunde war das Holz entfernt, übrig blieb eine Fahrspur mit mehr oder weniger ebenem Untergrund. Die Arbeiter glätteten noch die recht steile Ausfahrt aus dem Flussbett, und Uwe schaltete den Allrad ein. Toni warnte ihn noch vor einem übrig gebliebenen Balken, der eine kleine Stufe in der Fahrbahn darstellte.
Uwe ließ das Auto den Abhang hinunter rollen, hob das Vorderrad langsam über den Balken und gab dann vorsichtig Gas. Doch das Auto fuhr nicht weiter. Auch mehr Gas änderte nichts. Der Rückwärtsgang brachte ebenfalls keinen Schwung mehr in die Karosserie. Stattdessen gruben sich die Räder in den weichen Lehm, das Auto saß fest. Das hatten wir nicht erwartet. Zumindest Uwe nicht. Ruth hatte bei ihrem Spaziergang in der Nähe die tief in den Schlamm eingesunkenen Spuren eines Hippos durchaus bemerkt und kurzzeitig noch überlegt, auf diese hinzuweisen.
Aber man will als liebes Frauchen nicht klugscheißern. Schließlich waren fünf Männer, noch dazu vier, die in dieser Gegend zu Hause sind, gerade 40 Minuten lang genau über diese Stelle gelaufen. Hätte man doch vielleicht davon ausgehen können, dass sie in der Lage seien, die Situation richtig einzuschätzen. Aber weit gefehlt! Und so sollte es nicht lange dauern, bis Ruth ihren Entschluss, die Klappe zu halten, bereuen sollte. Uwe hatte das Auto also mit viel Gefühl über den Baumstamm hinweg in die Pampe betoniert. Und das so richtig! Wir saßen mit dem kompletten Unterboden auf.
Alle fünf Helden und zugegebenermaßen auch die eine Heldin schauten nun ratlos unter das Auto. Zum Glück waren Toni und seine Helfer noch da, und zusammen wurde entschieden, sich mit Hilfe der Seilwinde aus dem Matsch zu befreien. Das Stahlseil wurde zunächst noch zuversichtlich abgewickelt. Bald war jedoch klar, dass es nicht lang genug war, oder es in Reichweite zumindest keinen Baum oder etwas anderes gab, woran man es hätte befestigen können. So wurde das Seil – möglichst unter Spannung – wieder aufgerollt, und wir versuchten es zunächst mit Schaufeln. Der Spaten wog mit der schlammigen Last unglaublich schwer, und es war sehr anstrengend, die Räder auch nur ein wenig frei zu bekommen. Zusätzlich legten wir noch ein paar Äste unter. Mit nicht allzu großer Hoffnung starteten wir den nächsten Versuch, der die Reifen sowohl vorwärts als auch rückwärts wieder nur zum Durchdrehen brachte. Das war auch nicht verwunderlich, da das Fahrzeug immer noch auflag.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200626. Nov. 2011 · #67
Nun gingen uns langsam die Ideen aus. Tonis Wagen stand leider vor der Durchfahrt, also noch hinter unserem Auto. Damit wir uns an ihm hätten herausziehen können, musste es irgendwie auf die gegenüberliegende Seite. Also wurden wieder sämtliche Holzbalken ein Stück weiter zur Seite geschleppt, um die Spur so weit zu verbreitern, dass Toni an uns vorbeifahren konnte. Zusätzlich musste die Fahrbahn mit kleinen Holzstücken ausgelegt werden, damit ihm nicht das gleiche passierte wie uns. Es war Millimeterarbeit, als er seinen Pickup mit Schwung zwischen unserem Auto und den Holzbalken hindurchmanövrierte, und Ruth konnte gar nicht hinsehen, da sie sicher war, dass er dabei an der kompletten Längsseite unseres Autos entlangschrammen würde. Bei der steilen Auffahrt musste er ordentlich Gas geben, schaffte es aber mit durchdrehenden Rädern, oben auf festem Untergrund anzugelangen. Nun konnten wir unser Seil an Tonis Auto befestigen.
Uwe kauerte sich hinter das Steuer und betätigte die Winde. Zunächst passierte nichts, dann rutschte Tonis Wagen rückwärts den Hang hinunter, hatten wir im Matsch doch mehr Bodenhaftung als er. Toni gab Gas, doch unser Auto bewegte sich nicht. Erst durch die Kombination aller Kräften, als Uwe ebenfalls etwas Gas gab und die Unterstützung sämtlicher Schutzengel und Stoßgebete gelang es in einer schwarzen Abgaswolke, unser Auto aus dem Matsch zu befreien. Schlamm spritzte, als wir aus dem Flussbett herausfuhren. Geschafft! Erleichtert bedankten wir uns bei allen Helfern, schüttelten Hände und tranken erst mal einen Schluck.
Dann machten wir uns auf den Weg. Diese Furt hatte uns viel Zeit gekostet. Es war schon weit nach Mittag, als wir den Luambe Park verließen und die Parkgebühr bezahlten. Der weitere Weg ähnelte dem des Vortages. Wir kamen durch viele kleine Dörfer, durchquerten ein paar trockene, zum Glück nicht matschige Flussbetten, die wir vor der Durchfahrt allerdings genau begutachteten und trafen wieder viele Fahrradfahrer und Menschen auf den Wegen.
Am Nachmittag durchquerten wir ein weiteres Schutzgebiet, den Nsefu-Sektor des South Luangwa-Parks. Am Tor registrierten wir uns und nahmen die kürzeste Strecke nach Süden.
Auf einer weiten Ebene sahen wir eine große Ansammlung von Kronen-Kranichen, mindestens 100 Stück. Wir hielten und beobachteten die Vögel, die wir bisher noch nicht in dieser Anzahl gesehen hatten.
Vier junge Einheimische kamen uns auf der Straße entgegen, ein junger Mann mit drei Frauen, eine trug ein Baby. Wir grüßten und wechselten ein paar Worte. Ruth fragte, ob sie die Leute fotografieren dürfe. Sie hatten nichts dagegen und freuten sich, als Ruth ihnen ihre Bilder in der Kamera zeigte. Wir boten ihnen an, ein paar Papierabzüge der Fotos zu machen. So druckten wir drei Bilder aus und gaben sie ihnen mit. Die vier waren begeistert.
Auf dem weiteren Weg durch den Park sahen wir fünf Hornraben, Pukus, Warzenschweine und weitere Kronenkraniche. Außerdem standen viele schöne Baobabs in der Ebene.
Ein paar Kilometer vor Mfuwe erreichten wir die Teerstraße, auf der wir dann schnell vorankamen. Wir entschieden uns für das Croc-Valley-Camp am Luangwa und bekamen einen der letzten Stellplätze ganz rechts am Rand. Wir duschten und aßen Steak und Hamburger an der Bar. Per Satellitentelefon erreichten wir Stefan und Gaby, die planmäßig morgen in Mfuwe eintreffen werden. Nach der ganzen Aufregung dauerte es nicht lange, bis wir eingekuschelt in unsere Schlafsäcke eingeschlafen waren.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200601. Dez. 2011 · #68
Samstag, 13. August 2011
Wir standen um halb sechs auf und packten im Dunkeln unsere Sachen zusammen. Viertel nach fuhren wir los. Bereits kurz nach der Ausfahrt aus dem Croc Valley Camp standen mehrere Safari-Fahrzeuge am Straßenrand. Wenige Meter daneben lag ein totes Puku. Wir wurden ganz kribbelig, und unser Verdacht bestätigte sich, als man uns mitteilte, dass dies die Beute eines Leoparden sei, der in der Nähe im Gebüsch saß. Hektisch fummelten wir unser Fernglas vom Rücksitz, und Ruth konnte im dichtesten Dornengestrüpp tatsächlich den schemenhaften Umriss eines Fleckenmusters erkennen. Für den Bruchteil einer Sekunde wandte das Tier den Kopf und schaute in unsere Richtung. Das Fernglas wechselte zu Uwe, und Ruth packte erwartungsfroh den Fotoapparat. Nur war der Leopard leider nicht mehr zu entdecken. Er hatte sich weiter ins Gesträuch zurückgezogen, was zur Folge hatte, dass nun die Safariwägelchen – ihn von allen Seiten umkreisend – an die Büsche heranfuhren. Die Wege nicht zu verlassen, gilt anscheinend nicht für alle gleichermaßen. Trotz der Bemühungen der Guides blieb der Leopard wohl verschwunden, denn so nach und nach fuhren alle anderen Fahrzeuge weiter, und wir blieben allein mit dem toten Puku zurück. Nach kurzer Beratung entschlossen wir uns, die Totenwache für das arme Tier zu übernehmen, hofften wir doch auf die Rückkehr des Leoparden. Man muss nur Geduld haben! Und die haben wir ja. Zumindest Ruth. Wir verzichteten also auf sämtliche Löwen, Büffel, Hyänen und andere aufregende Begegnungen im South Luangwa, denn zu uns würde schließlich irgendwann der Leo zurückkehren. So verstrichen die Minuten, und Uwe begann nach und nach unsere Entscheidung ein ganz klein wenig anzuzweifeln. Egal, wir warteten! Wir mussten auch gar nicht mehr so lange warten, denn schon nach etwa einer Dreiviertelstunde kam ein Pickup querfeldein angefahren. Ohne uns eines Blickes zu würdigen oder eine weitere Erklärung abzugeben, sprangen die beiden Männer aus und luden das tote Puku auf den Wagen. Dann fuhren sie wieder davon. Wir konnten es nicht glauben! Da hatten wir extra so lange gewartet, bis es ein wenig ruhig geworden war, und dann wurde uns die Leopardengarantie einfach abtransportiert. Nach unserer zweiten Leopardensichtung in diesem Urlaub kamen wir daher bestens gelaunt nach der Registrierung und nach Entrichten des Parkeintritts über die Luangwa-Brücke in den Park. Es war nicht mehr ganz so früh, und so standen bei jedem Büffel und jeder Giraffe sicherlich fünf weitere Safari-Autos mit uns um das Tier herum. Auch im Park verloren sich die Fahrzeuge nur langsam. Wir fuhren verschiedene Loops. Es gab Elefanten, Pukus, Buschböckchen, Impalas und Paviane zu sehen. An einer Lagune tummelten sich viele Krokodile, Nimmersatt-Störche und Reiher staksten durchs Wasser. Im Luangwa lagen wie immer große und kleine, junge und alte Hippos, teils mit rosa Schühchen, dösend im Wasser.
Als wir gegen Mittag einige Marabus kreisen sahen, fuhren wir zu dieser Stelle. Dort war ein kleiner, wasserpflanzenüberwucherter Tümpel, auf dem die großen Vögel landeten, um im verbleibenden Wasser die letzten Fische zu ergattern. Überall in den benachbarten Bäumen saßen Marabus, Schreiseeadler und sogar ein Kampfadler. Schließlich landete auch noch ein Trupp Pelikane, der das Wasser mit seinen großen Schnäbeln systematisch durchsiebte. Es war sehr spannend, da überall etwas in Bewegung war.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200601. Dez. 2011 · #69
Nach dem Park fuhren wir zur einzigen Tankstelle im Ort und fragten nach unverbleitem Benzin. Der Tankwart verstand unseren ausgefallenen Wunsch nicht so recht und holte einen Kollegen. Der bejahte und bot uns den Liter Benzin für 12.000 Kwachas an, umgerechnet zwei Euro. Obwohl dies sehr teuer war, wollten wir zumindest ein paar Liter auftanken. Doch anstatt die Zapfsäule anzustellen, sollten wir quer über die Straße zu einem Container fahren, aus dem gerade einige junge Kerle Sprit aus Fässern in Kanister umfüllten. Das war uns nicht geheuer, schließlich wollen wir nicht riskieren, verbleites oder irgendwie gepantschtes Benzin zu tanken und damit einen Motorschaden zu riskieren. Zum Glück hatten wir die Reservekanister dabei und waren nicht unbedingt darauf angewiesen, in Mfuwe zu tanken. Die Mittagspause verbrachten wir im Croc Valley Camp. Wir bekamen einen schönen Stellplatz oberhalb des Flusses und unterhielten uns ein wenig mit den vorigen Campern. Die drei Herren kamen aus Deutschland und fuhren in christlicher Mission einen Land-Rover von Südafrika nach Tansania. Sie waren sehr nett. Außerdem unterhielten wir uns mit einem älteren schweizer Pärchen, das seit 2007 auf einer Weltreise per Fahrrad ist. Unheimlich beeindruckend, was die beiden so alles erlebt hatten. Kurz nach zwei Uhr trafen auch Gaby und Stefan ein. Wir begrüßten uns und tauschten ein paar Geschichten aus. Etwas später als geplant machten wir uns zur Nachmittagsrunde durch den Park auf. An der Wawfra-Lagune sahen wir eine riesige Anzahl an Nimmersatt-Störchen und Pelikanen. Elefanten liefen am Wasser, Krokodile lagen in der Sonne. Es war sehr idyllisch.
Auf dem Weg zum Gate sahen wir noch ein kleines, fluffiges Puku mit seiner Mutter.
Und auf den letzten hundert Metern vor unserem Camp gab es Elefanten, ein Hippo, eine Horde Affen, ein Buschböckchen und eine Familie Zebramangusten zu entdecken. Zum Abendessen kochten wir Nudeln mit Tomaten-Bohnen-Mais-Soße.
diangelika138 Beiträge · seit 201102. Dez. 2011 · #70
Hallo Eulenmuckels, ihr habt wirklich einen tollen Reisebericht geschrieben! Und viele Informationen für unsere geplante Reise konnte ich daraus entnehmen. Außerdem sind Eure Bilder so was von Top, da werd ich richtig neidisch. Ihr habt offensichtlich auch viel Glück mit mit Tiere sehen gehabt. Also ein riesengroßes Lob an Euch Fotografen!!! Gleich noch eine Frage: Mit was für einer Karte seid Ihr durch Botswana gereist und sollte man unbedingt ein GPS mieten? In Namibia war das nicht nötig, aber für Bots scheint mir das doch angebracht zu sein. In Nam hatten wir die Karte 1:1200000 von Reise Know How, die hab ich für Bots auch gekauft, aber da ist weder das Tsau Gate noch die Kori Campsite drauf zu finden.
Liebe Grüße Angelika
chantier7340 Beiträge · seit 201002. Dez. 2011 · #71
Hallo dieangelika,
beim Hupe Verlag gibt es u.a die für Botswana guten Straßen/Wegekarten von Shell. 1. Straßenkarte Botswana 2. Regionalkarte Chobe NP 3. Regionalkarte Moremi für je €9,90. Dort sind auch viele GPS-Koordinaten für wichtige Wegpunkte/Kreuzungen/etc. eingetragen, die dir bei einer GPS-Navigation sehr helfen können. Diese Karten haben uns bei unserer 2010-Tour sehr gute Dienste geleistet und werden auch in 2012 wieder im Gepäck dabei sein. Ich habe deine geposteten Threads und Fragen mal durchgeschaut und möchte dir von meiner Seite empfehlen, ein GPS mit dem aktuellen Kartenmaterial von tracks4africa zu mieten. Um gleich vorzubeugen: das ist NUR meine Meinung. Warum? Du bist einfach entspannter beim Navigieren vor allem in den Parks, kannst in etwa (meistens ziemlich genau) deine noch zurückzulegende Fahrzeit ablesen und entsprechend deinen Tag planen, etc, etc.. Frag mal deinen Autovermieter, ob er dir ein günstiges Angebot machen kann. Eine gute Alternative wäre allerdings auch: hier Kostet €15.00 pro Woche. Abzuholen und abzugeben bei Carsten Möhle (Bwana Tucke-Tucke) in Windhuk --> geht super-easy...wir waren sehr zufrieden, da auch scheinbar die "unmöglichsten" Wege im Navi hinterlegt waren.
Viele Grüße Christian
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200602. Dez. 2011 · #72
Liebe Angelika,
ich würde immer ein GPS empfehlen, auch für Namibia. Selbst wenn man es an vielen Stellen nicht braucht, schafft es einfach Sicherheit, wenn man immer weiß - wo man ist - wie weit es bis zum Ziel/ zum nächsten Abzweig ist - welche Unterkünfte/ Tankstellen/ Läden in der Nähe sind - wie man bei einer Wanderung wieder zum Auto zurückfindet.
Und die Karten von T4A kann sehr empfehlen. Dort sind alle Wege, die man als Normalsterblicher nimmt (auch noch die kleinste Fahrspur) eingetragen.
ich würde immer ein GPS empfehlen, auch für Namibia. Selbst wenn man es an vielen Stellen nicht braucht, schafft es einfach Sicherheit, wenn man immer weiß - wo man ist - wie weit es bis zum Ziel/ zum nächsten Abzweig ist - welche Unterkünfte/ Tankstellen/ Läden in der Nähe sind - wie man bei einer Wanderung wieder zum Auto zurückfindet.
Und die Karten von T4A kann sehr empfehlen. Dort sind alle Wege, die man als Normalsterblicher nimmt (auch noch die kleinste Fahrspur) eingetragen.
Viel Spaß bei der weiteren Planung, Uwe und Ruth
Hallo Angelika, so sehen wir das auch. 🙂 Es hält den Beifahrer auch beschäftigt, 😄 und wie Uwe schon sagt, man weiß immer wo was ist und wann man ankommt. 🙂
Liebe Grüße Cécile 🙂
"I never knew of a morning in africa when I woke up and was not happy". Ernest Hemingway
Reisebericht:2010 "Nach 4 Anläufen als Selbstfahrer in Namibia"
http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/140297-nach-4-anlaeufen-als-selbstfahrer-in-namibia.html
Reisebericht 2011 Eine neue Erfahrung....
http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/187663- eine-neue-erfahrung.html
2007 ,2008 ,2009 2mal ,2010,2011 Namibia Botswana.
2011 Shanghai, 2012 Florida Virgin islands Karibik.
2012 Namibia und KTP
2013 Das erste Mal Südafrika Kruger NP
2014 Kapstadt und Kruger NP
2015 Kruger National Park
2016 kruger National Park
2017 Kruger National Park
2 KLICKS auf die "SONNE" und man liest den Reisebericht OHNE Kommentare !!!!!
diangelika138 Beiträge · seit 201103. Dez. 2011 · #74
Hallo Uwe und Ruth und Christian, ich danke Euch für die Tipps. Im Lauf der Zeit kommen bestimmt noch ein paar Fragen zusammen. Schöne Adventszeit wünsche ich! Angelika
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200603. Dez. 2011 · #75
Sonntag, 14. August 2011
Bereits heute Nacht kamen uns ein paar Elefanten auf dem Campingplatz besuchen. Uwe bekam davon jedoch nichts mit, da er tief und fest schlief. Am Morgen hatten wir uns extra früh den Wecker gestellt. Sämtliche neben dem Weg liegenden Pukus würden wir heute ignorieren und schnurstracks in den Park fahren. Wieder einmal mussten wir feststellen, dass man in Afrika zwar einen Plan haben kann, es jedoch nicht unbedingt nach diesem ablaufen muss. Als wir noch bei Dunkelheit aufstehen wollten, waren in unmittelbarer Nähe unseres Autos wieder einige Elefanten. So steckten wir nur unseren Kopf aus dem Zelt und warteten erst einmal ab, bis wir gefahrlos von der Leiter klettern konnten. Wir zogen uns an und liefen zur Toilette. Doch als wir nach einer kurzen Katzenwäsche zurückkamen, war unser Wagen von einer kleinen Elefantenherde umstellt. Drei Tiere fraßen in aller Ruhe an den umstehenden Bäumen und Büschen und hatten es in keinster Weise eilig. Insgesamt waren neun der großen Tiere auf dem Campingplatz verteilt. So blieb uns nichts anderes übrig, als die Elefanten zu beobachten und zwischen den aufgestellten Zelten und Autos Deckung zu suchen, wenn einer der grauen Riesen langsam in unsere Richtung stapfte. Darüber wurde es hell, bis auch Stefan und Gaby aufwachten. Auch sie konnten sich nur tot stellen und mussten ansonsten abwarten. Es dauerte noch eine ganze Weile, bis wir uns wieder in die Nähe unseres Autos trauten. Eigentlich schön, dass sich die Elefanten von dem Campingplatz und den Menschen nicht abhalten lassen, dort zu fressen, wo sie möchten.
Als die Tiere abgezogen waren, klappten wir das Zelt ein und fuhren in den South Luangwa. Wir hielten uns in westlicher Richtung, damit wir die Sonne im Rücken hatten. Bis nach zehn Uhr kurvten wir durch den Park und sahen die üblichen Verdächtigen: Elefanten, Impalas, Pukus, Hippos, Krokodile, Warzenschweine, Ibisse, den ein oder anderen Sattelstorch und ein paar besondere Eisvögel. Ruth entdeckte noch einen Toko, den wir bisher noch nie gesehen hatten.
Alles in allem konnten wir zwar viele Tiere entdecken, uns fehlte aber noch die Löwen- oder Leopardenbegegnung. Ein wenig mehr Katziges hatten wir uns nach den Beschreibungen im Reiseführer doch erhofft.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200603. Dez. 2011 · #76
Aus dem Park fuhren wir zum Wildlife-Camp, das wir uns als Alternative zum Croc Valley Camp ansehen wollten. Auf der Campsite entdeckten wir eine sehr kleine, schmale, bräunliche Schlange mit einem hellen Band an der Seite. Leider hatten wir den Fotoapparat im Auto gelassen. Das Camp war sehr viel weitläufiger und machten auf uns einen sauberen und sehr freundlichen Eindruck, etwas ursprünglicher und rustikaler, dafür weniger überfüllt, und wir beschlossen, unsere letzte Nacht in Mfuwe dort zu verbringen. Zunächst mussten wir aber mit Gaby und Stefan reden und fuhren wieder zum Croc Valley. Die beiden wollten lieber dort bleiben, und so entschieden wir uns um, obwohl das Wildlife-Camp sicherlich auch nett gewesen wäre. Den Mittag verbrachten wir damit, zwei Benzinkanister zu tanken, Wäsche zu waschen, zu duschen, Akkus aufzuladen und ein wenig auszuruhen. Zwischendurch mussten wir unsere Stellplätze gegen ein paar Elefanten und später gegen eine Horde Affen verteidigen.
Die Bande hatte es in erster Linie auf den Mülleimer abgesehen, aus dem sie Tüten herausriss und den Inhalt überall verteilte. Nachdem Ruth zweimal die Uferböschung zum Fluss hinuntergeklettert war, um leere Bier-, Cola- und Gemüsedosen wieder einzusammeln, verklebten wir die Tonne mit Panzerband. So, jetzt hatte das Pack keine Freude mehr!
Für den Abend hatten wir uns mit Gaby und Stefan zu einer Fahrt des Camps angemeldet. Um 16 Uhr stiegen wir zusammen mit neun Italienern auf einen offenen Gelände-LKW. Eigentlich hatten wir uns extra erkundigt und man hatte uns versichert, dass nie mehr als neun Personen an einer Fahrt teilnehmen. Aber anstatt aus den schlechten Erfahrungen vom North Luangwa gelernt zu haben und konsequenterweise nicht an der Fahrt teilzunehmen, fügten wir uns in unser Schicksal. Man könnte ja etwas verpassen! Außerdem hatten wir mit der Aussicht auf diese kombinierte Afternoon- und Sundowner-Tour heute den ganzen Tag faul im Camp verbracht und auf eine eigene Pirschfahrt verzichtet. Unser Fahrer hieß Fred, oder besser gesagt Freeed. Freeed machte alles gaaanz langsaaam. Vor allem Auto fahren, was im Park selbst ja an sich keine schlechte Sache ist. Waren wir uns jedoch auf dem Weg dorthin bald nicht mehr ganz sicher, ob wir jemals dort ankommen würden. Sämtliche Safariunternehmen überholten uns und waren schon bald am Horizont verschwunden, während wir immer noch im Schneckentempo gemütlich gen Eingang tuckerten. Freeed hatte allerdings unsagbar gute Augen. Er zeigte uns eine einzelne Hyäne, die auf der Ebene lag und die niemand sonst je entdeckt hätte. Er fuhr mit uns zu der Lagune, an welcher wir am Abend zuvor die Elefanten, die Pelikane und die Nimmersatt-Störche gesehen hatten. Auch heute waren sie wieder dort, allerdings kamen wir zum Sundowner eigentlich zu spät, denn die Sonne war schon versunken. Woran das bloß gelegen haben könnte?
Die Gruppe Italiener erwies sich als nicht so schlimm, wie wir befürchtet hatten, obwohl es dieser Nationalität wahrscheinlich nicht zuzumuten ist, sich flüsternd zu unterhalten. Nach einem kurzen Zwischenstopp mit Popkorn und einem quietschgelben, sehr süßen Getränk zuckelten wir mit Suchscheinwerfer weiter durch die Dunkelheit. Das Verkehrsaufkommen im Park kam uns schon am Tag sehr geballt vor, wurde aber im Dunkeln regelrecht getoppt. Überall geisterten die Suchscheinwerfer, welche von den Guides sehr gekonnt über die entgegenkommenden und parallel fahrenden Wagen hinweggehoben wurden, wie tastende Finger über die Landschaft. Äußerst verwunderlich, dass sich bei dieser Disko-Laser-Show und dem ganzen Terror überhaupt irgendein Tier zeigen sollte. Neben vielen Impalas und Pukus sahen wir ein paar Ginsterkatzen und einige grasende Hippos. Ein besonderes Highlight war ein Stachelschwein, welches mit hoch aufgerichteten Stacheln schnell das Weite suchte. In dem offenen Laster wurden wir auf der letzten Bank ganz schön durchgeschüttelt und fuhren wieder zurück zum Camp. Doch halt! Hätten wir doch fast unsere sagenhafte dritte Leopardenbegegnung vergessen! Plötzlich sammelten sich sechs der umherirrenden Safarikutschen an einem kleinen Abhang, und der Strahl sämtlicher Suchscheinwerfer wurde gebündelt auf ein Gebüsch in gut 50 Metern Entfernung gerichtet. Wenn man mit dem Fernglas ganz genau hinsah, konnte man sich einbilden, die Augen eines Tieres reflektieren zu sehen. Eifrig wurde uns versichert, dass diese zu einem Leoparden gehörten. Wollen wir das mal glauben, obwohl wir eine Fledermaus, ein Eichhörnchen oder eine Klimmzüge machende Schildkröte genauso wenig erkannt hätten. Zurück im Camp gingen wir zum Abendessen. Anschließend wollten wir unsere Rechnung bezahlen. Das war ein echtes Abenteuer. Zunächst fragte uns der Barmann, ob wir etwas zu essen gehabt hätten. Angesichts der leeren Teller vor uns (wir waren übrigens mit einem anderen Pärchen die einzigen Gäste an der Bar) war das schon eine sehr interessante Frage. Dann zählten wir ihm auf, was wir heute gegessen und getrunken hatten und halfen ihm dabei, unsere Restaurant-Rechnung von vorgestern zu finden. Als die Summe feststand, wollten wir noch die Campinggebühr hinzufügen. Jetzt wurde es aber wirklich kompliziert. Martin musste dazu in irgendein Büro, um die entsprechende Rechnung zu holen. Die von Stefan brachte er der Einfachheit halber gleich mit. Anschließend kam unsere Nachmittagsfahrt hinzu, die auf einer separaten Rechnung stand. Nun konnten wir die Gesamtsumme per Kreditkarte bezahlen. Dafür verschwand Martin aber wieder für unbestimmte Zeit im Büro. Uwe unterschrieb, und schon konnte Stefan seine Rechnung aufmachen. Er wollte mit seiner Mastercard bezahlen. Bereits nach wenigen Minuten hatte Martin herausgefunden, dass die Lodge keine Mastercard akzeptiert. Um Martin das Aufteilen von Stefans Rechnung auf mehrere Bargeld-Währungen und den damit verbundenen Rechenmarathon zu ersparen, übernahm Uwe die Rechnung, und wieder verschwand Martin im Büro. Nach zusammen gut 30 Minuten hatten wir endlich alles bezahlt. Morgen werden wir Mfuwe über die Petauke-Route verlassen und sehen, was Sambia als nächstes für uns bereithält. Wir sind gespannt.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200604. Dez. 2011 · #77
Montag, 15. August 2011
Unser letzter Morgen auf dem Croc Valley Camp in Mfuwe brach an. In der Nacht waren zwar noch ein paar Elefanten zu Gast, aber am Morgen waren wir für uns. Wir standen um viertel nach sechs auf und frühstückten mit Kaffee, Tee und Müsli. Dabei beobachteten wir ein Buschböckchen im Flussbett.
Dann falteten wir die getrocknete Wäsche und packten zusammen. Stefan brachte noch einen vom Camp geliehenen Strom-Adapter zurück und schaffte es tatsächlich, die hinterlegte Kaution in weniger als einer Viertelstunde zurück zu bekommen. Dann nahmen wir den Weg Richtung Petauke. Im Reiseführer war er mit etwa 180 Kilometern und sieben bis acht Stunden Zeit beschrieben. Er führte wieder durch bewaldete Gegend und kreuzte einige trockene Flussläufe. Bereits bei einem der ersten war die Brücke zerstört. Die erste Umfahrung war eine Sackgasse. Wir suchten ein wenig ratlos nach einer Möglichkeit, durch den Trockenfluss zu kommen, fanden aber keine. So fuhren wir ein Stück zurück und entdeckten schließlich doch eine Umfahrung, die wir nehmen konnten. Auf unserem weiteren Weg sahen wir einen Elefanten und fuhren dann an vielen Palmen vorbei. Die Straße war an manchen Stellen breit, an anderen sehr eng. Die Fahrbahn wechselte zwischen sandigem, steinigem und festem Untergrund. Manchmal konnte man schnell fahren, musste dann aber wegen einer Senke abrupt bremsen.
Tiere sahen wir heute keine, sondern konzentrierten uns in erster Linie auf die Strecke und die Fahrbahn. Wir passierten wieder einige Dörfer, in denen wir überall anhalten und kiloweise Süßigkeiten hätten verteilen können, da die Kinder mit eindeutigen Gesten am Straßenrand patrouillierten. Wir fühlten uns nicht ganz wohl, zumal nicht alle freundlich reagierten, wenn ihnen klar wurde, dass von uns keine Süßigkeiten zu erwarten waren.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200604. Dez. 2011 · #78
Der Weg führte uns an vielen schönen Baobabs vorbei. Mittags vertrieben sich Uwe und Stefan über einige Stunden die Zeit damit, per Funk verschiedene Schlager und andere Lieder an- und weiter zu singen und Blödsinn zu erzählen. Für Ruth und Gaby, die mal mehr, mal weniger unter dem jeweiligen Motto des Talentwettbewerbes litten, war es im großen und ganzen aber auch eine sehr lustige Fahrt.
Die Straße hatte einige schwierige Passagen. Mal ging es auf schmaler Fahrbahn bergab, dann stieg der Weg über lose Steine steil an. Es war aber machbar, und keine Stelle besonders heikel. Am Nachmittag erreichten wir Petauke und tankten. Anschließend kauften wir bei einer Bäckerei Brot, Brötchen, Wasser und Milch.
Als wir weiterfuhren, verloren wir Stefan und Gaby. Als wir sie zuletzt gesehen hatten, waren sie mehrere Autos vor uns gefahren, so beeilten wir uns, um sie einzuholen. Nach einigen Kilometern tauchten sie jedoch erstaunlicherweise hinter uns auf. Sie waren einen kleinen Umweg gefahren und hatten sich ganz schön ranhalten müssen, um noch hinterher zu kommen. Ihr Funkgerät hatte einen leeren Akku, so konnten sie uns keine Nachricht übermitteln.
Die Fahrt führte noch über 150 Kilometer entlang der Great East Road Richtung Westen. Nach dem Sonnenuntergang wurde es schnell dunkler, und wir fuhren auch wegen der riesigen Schlaglöcher besonders vorsichtig. Bei Dunkelheit erreichten wir das Luangwa Bridge Camp. Wir checkten ein, meldeten uns für das Abendessen an und errichteten unser Lager. Das Abendessen war sehr lecker, und der Besitzer gab uns noch nützliche Tipps für die Fahrt in den Lower Sambesi Park. Je nachdem, ob wir ankommen, oder Abenteuer haben wollten, riet er uns, einen von drei Wegen zum Lower Sambesi zu nehmen. Jeder davon würde die gleiche Zeit in Anspruch nehmen. Von der kürzesten (und anspruchsvollsten) Strecke rieten uns andere Camper ab. Sie waren auf diesem steilen Weg von Elefanten umzingelt, entnervt umgekehrt. Unser Plan war es, am kommenden Tag nicht den fahrtechnisch einfachsten Weg über Lusaka zu fahren (Uwe bekam bei der bloßen Erwähnung von Lusaka schon rote Flecken im Gesicht!), sondern vorher abzubiegen und die südlichere Strecke, die sog. Leopard Hill Road zu nehmen. Ruth, die eigentlich nur ankommen wollte, war schnell überstimmt. Uwe freute sich auf diese anspruchsvolle Allradstrecke. Nun denn, wir werden sehen … Nun ist bereits der größte Teil unseres Urlaubs vorbei. Die vergangenen Tage fühlen sich bereits jetzt wie eine Ewigkeit an. Wir haben Mühe, uns an Einzelheiten der ersten zwei Wochen zu erinnern. Es ist einfach eine wunderbare Zeit, die wir hier in Afrika verleben. Jeder Tag birgt genügend Eindrücke für eine Woche. Es gelingt uns nicht, die Landschaften, Tiere und Erlebnisse eines Tages gänzlich in Worte zu fassen. Sambia ist ein wunderschönes Land mit sehr schönen, freundlichen Menschen. Die meisten strahlen uns an, wenn wir an ihnen vorbei fahren und grüßen.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200607. Dez. 2011 · #79
Dienstag, 16. August 2011
Nach dem Frühstück fuhren wir um kurz nach acht los. An der Hauptstraße im Ort gab es viele Stände mit Korbwaren. Schalen, Taschen und Beutel in allen Größen wurden mit den unterschiedlichsten Mustern angeboten. Die Teerstraße zog sich bergauf und bergab und sehr kurvenreich durch eine hügelige, grüne Landschaft. Wir kamen gut voran. Am frühen Morgen waren noch nicht sehr viele Lastwagen unterwegs.
Ein Highlight dieses Urlaubs erwartete uns am Nordrand des Lower Sambesi Nationalparks. Die Hauptstraße war offiziell mit einer Schranke abgesperrt: der Tse-Tse-Fliegen-Kontrollpunkt. Ein Tse-Tse-Fliegen-Kontrolleur mit gelbem Warnwestchen stellte sicher, dass man weder unwissentlich noch beabsichtigt Fliegen über diese imaginäre Grenze transportierte. Dies tat er, indem er die Insassen mehrfach fragte, ob Fliegen im Auto seien. Wir verneinten und schauten staunend zu, wie er mit seinem Fangnetz bewaffnet wild fuchteln um das Auto herumtänzelte. Zur Sicherheit wurde noch kurz gegen die Sonnenblende geklopft. Wir waren zunächst ein wenig irritiert, dann belustigt und schließlich zutiefst beeindruckt von dieser lückenlosen Überprüfung, bei welcher selbstverständlich jedes noch so kleine Tse-Tse-Fliegchen im Wagen sofort aufgefallen wäre. Wie beruhigend nämlich, dass Tse-Tse-Fliegen außerhalb von geschlossenen Fahrzeugen keine Möglichkeit haben, diesen Posten zu überqueren. Diese sinnvolle Maßnahme sorgte noch lange Zeit für riesige Erheiterung und steht auf unserer Liste der Absurditäten in Afrika ab sofort an erster Stelle. Wir sind uns sicher, dass dieser Mensch den Kreativitätswettbewerb bei der Erfindung eines Berufs, der noch einen halbwegs sinnvollen Anschein erwecken könnte, mit großem Abstand gewonnen hatte. Uns ist auch nach reiflicher Überlegung nichts eingefallen, was diesen Posten hätte toppen können. Bliebe noch darüber nachzudenken, diesen Job zu übernehmen. Ein entsprechender Eintrag im Lebenslauf („habe ein Jahr lang die Tse-Tse-Kontrolle in Sambia durchgeführt“) macht sich bestimmt nicht schlecht. Mal sehen, wenn Ruth demnächst zu sehr von ihren Schülern geärgert wird …
In Chongwe tankten wir noch einmal und stellten fest, dass wir anschließend kaum noch Kwachas hatten. Kurz nach dem Ort bogen wir auf die Schotterstraße nach Mulalika. Bis auf einen kurzen Abschnitt mit tiefen Furchen in der Straße war der Weg gut zu fahren.
Anschließend kamen wir auf die Leopard Hill Road, die durch wunderschöne Landschaft führte. Wir fingen gerade an, uns zu wundern, warum diese Strecke als schwierig bezeichnet wurde, als einige recht steile und steinige Abschnitte folgten. Eine Abfahrt hatte sehr tief ausgefahrene Spuren. Wir versuchten, neben diesen Furchen zu fahren. Leider ertönte schon bald Gabys Stimme über Funk: „Wartet mal kurz, wir hängen!“ Da wir vorgefahren und auf diesem Abschnitt nicht unbedingt rückwärts fahren wollten, liefen wir zu Fuß zurück und sahen, dass Stefan mit den linken Rädern in eine der tiefen Spalten gerutscht war. Der Versuch, vorwärts wieder herauszufahren, war gescheitert, da die Rinne immer tiefer wurde und nun das hintere Differenzial auf der Fahrbahn aufsaß und die Räder fast frei durchdrehten. Der Wagen ließ sich weder vor noch zurück bewegen. Zunächst versuchten wir, Steine unter die Räder zu klemmen, um das Durchdrehen zu verhindern. Beim Gasgeben, wurden die Steine jedoch unter den Reifen hindurchgezogen und an der anderen Seite herausgeschleudert. Während Stefan am Steuer saß, versuchten Gaby und Ruth, vorne anzuschieben. Dabei traf Ruth ein Stein am Schienbein und hinterließ eine kleine, aber schmerzhaft blutende Wunde.
Nach zwei Versuchen mit Steinen, die sich zugegebenermaßen im Nachhinein nicht als sonderlich klug herausstellten, probierten wir etwas anderes. Mit einem Wagenheber hoben wir das Auto links hinten an und legten große, flache Steinplatten unter den nun frei schwebenden Reifen. Außerdem legten wir die Spurrinne mit weiteren Steinen aus. Nachdem wir den Wagenheber wieder heruntergekurbelt hatten, stand der Wagen auf der Steinplatte, und das Differenzial lag nicht mehr auf der Straße auf. Dieser Versuch glückte, und Stefan konnte das Auto aus dem Graben befreien. Wir waren alle staubig und verschwitzt (und teilweise blutig), aber froh, den Wagen ohne Schaden wieder auf den Weg bekommen zu haben.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200607. Dez. 2011 · #80
Auf den kommenden Abschnitten fuhren wir nun umso vorsichtiger. Es kamen noch einige Punkte, bei denen wir ausstiegen und überlegten, wie wir die Autos am besten über eine schwierige Stelle fahren sollten. Oft gaben Ruth und Gaby von vorne Anweisungen, wie die Fahrer die Räder einzuschlagen hatten. Mit Geduld und Teamarbeit schafften wir es ohne Schwierigkeiten und wunderten uns wieder einmal, wo man mit Geländewagen überall fahren kann. An einer steilen Stelle hob sogar ein Vorderrad ab und drehte sich frei schwebend in der Luft. Uwe bemängelte noch, dass Ruth von diesem Moment keine Aufnahme gemacht hatte. Die war mit Anweisungen geben und beten jedoch völlig ausgelastet.
Nachmittags erreichten wir den Sambezi. Zuvor kamen wir an einem riesigen Getreidefeld vorbei. Am Fluss gab es außerdem eine große Bananen-Plantage. Auf den letzten Kilometern zur Mvuu-Lodge waren viele kleine Dörfer, und überall kamen Kinder zur Straße gerannt und riefen nach Süßigkeiten. Teilweise kamen sie uns dabei schon fast wieder aggressiv vor. Ohne anzuhalten fuhren wir zwischen Akazien und Baobabs zur Lodge.
Kurz vorher sahen wir einige Elefanten neben dem Weg. Einer hatte einen verstümmelten Rüssel. Wir vermuteten, dass ein Krokodil ein Stück abgebissen hatte. Das Handicap schien ihn aber nicht sehr zu beeinträchtigen, denn er war ansonsten gesund und gut genährt.
Der Campingplatz der Mvuu-Lodge war sehr schön unter großen Bäumen gelegen, aber leider voll belegt. Wir hatten Glück. Ein Pärchen aus Holland, welches zeitgleich mit uns ankam, war einverstanden, einen Stellplatz zu teilen. Wir duschten und gingen zum Abendessen ins Restaurant. Außer uns saß dort nur noch eine Gruppe älterer Deutscher. Es gab als Vorspeise kalten Spargel mit Bechamel-Soße, danach ein Büffet mit sehr lecker gebratenem Rindfleisch, Kartoffel-Pürree, Bohnengemüse und Gemsquash. Der Nachtisch war Schokoladenkuchen mit warmer Vanillesoße. Als wir zu unserem Auto zurückkehrten, warnten uns die Franzosen vom Nachbarcampsite vor einem sehr aggressiven Elefanten, der sich ganz in der Nähe aufhalten würde. Unseren Rat, das Tier doch nicht ständig mit der Taschenlampe anzuleuchten, nahmen sie jedoch nicht an. Während wir unsere Sachen für die Nacht zusammenpackten, hörten wir plötzlich ein lautes Krachen im Gebüsch, gefolgt von einem bedrohlichen Trompeten. Dann rannte jemand verfolgt von einem wütend trampelnden Eli über die Camsite. Mit einem Satz waren Ruth und Stefan im Zelt bzw. im Auto. Ruth rief Uwe noch zu, besser im Waschzelt zu bleiben. Noch einige Male hörten wir das empörte Trompeten des Elefanten, bevor wieder Ruhe einkehrte. Unsere Nachbarn konnten es jedoch nicht lassen und suchten weiter mit ihren Taschenlampen aus dem Auto heraus den Zeltplatz ab. Erst die unmissverständliche Aufforderung in Gabys souveränstem Lehrerinnen-Autoritätston auf Französich sorgte dafür, dass die Scheinwerfer ausgemacht wurden und es endlich ruhiger wurde. Wir waren beeindruckt, krochen aber schon bald in unsere Schlafsäcke, denn wir wollten dem übellaunigen, grauen Burschen nicht unbedingt in der Dunkelheit begegnen.