diangelika138 Beiträge · seit 201112. Nov. 2011 · #41
Hallo Uwe, du empfiehlst den Hilux Double Cabin. Da hat man doch 2 Zelte, ist da auch im Auto mehr Platz? Angelika
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200612. Nov. 2011 · #42
Liebe Angelika,
"Double Cabin" bedeutet "Doppel-Kabine", d. h., das "Fahrerhaus" vor der Ladefläche des Pick-Ups besteht aus zwei Sitzreihen (wie in einem PKW). Man kann also auch mit vier Personen fahren. Für zwei Personen würde auch ein sog. Single Cabin genügen, dann ist die Ladefläche entsprechend länger. Wir nehmen immer den Doppelkabiner, weil wir dann auf den Rücksitzen unseren ganzen Krempel (Jacken, Fotoausrüstung, Klamotten, die nicht einstauben sollen) lassen können.
Man kann auf einen Double Cabin ein oder zwei Dachzelte montieren (eines auf dem Fahrerhaus, das zweite auf dem Canopy). Da wir nur zu zweit fahren, nehmen wir natürlich nur ein Dachzelt und davor (oder dahinter) einen Dachgepäckträger zum Transportieren von Reservekanistern und Feuerholz.
diangelika138 Beiträge · seit 201112. Nov. 2011 · #43
Hallo Uwe, meine Fragen klingen sicher ein bißchen "doof", aber in den Katalogen sind die Abbildungen nicht so, dass man wirklich viel erkennen kann. Also danke erst mal, es hilft wirklich weiter. In Namibia hatten wir damals einen Bushcamper, da haben wir auch alles hinter den Sitzen aufbewahrt, war aber eng, auch zum Schlafen hinten, deshalb wollten wir es diesmal mit dem Dachzelt probieren. Man kann ja ab und zu auch mal in einem festen Haus übernachten. LG Angelika
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200613. Nov. 2011 · #44
Dienstag, 2. August 2011
Die halbe Nacht dröhnte noch Musik aus dem nahe gelegenen Dorf zu uns herüber. Morgens kühlte es sehr ab, so dass wir uns auf die ersten Sonnenstrahlen freuten. Nach einem ausgiebigen Frühstück bezahlten wir den Campingplatz und fragten den Besitzer der Livingstone Lodge nach dem Weg nach Lusaka. Unsere GPS-Karten gaben Fahrzeiten von acht bis zehn Stunden an. Aber er sagte, es sollte nur etwa sechs Stunden dauern, womit er sich irrte. In Livingstone holten wir noch einmal Bargeld und kauften im Shoprite Supermarkt ein, der wirklich sehr gut sortiert war. Dann fuhren wir Richtung Norden. Die Landschaft war geprägt von trockenem Gras, Büschen und einigen Bäumen. In den Ortschaften waren viele Leute unterwegs. Wie wir es vor vier Jahren in Mosambik erlebt hatten, schien sich das gesamte Leben entlang der Hauptstraße abzuspielen. Alle möglichen Waren, besonders Lebensmittel, wurden angeboten und teilweise sogar bis zu den haltenden Autos gebracht. Orangen und Tomaten wurden zu kleinen Häufchen aufgetürmt an Ständen an der Straße verkauft. Blaue Kleinbusse waren vollgestopft mit Menschen und fuhren und hielten überall.
Im Unterschied zu Namibia und Botswana sind in Sambia sehr viele Menschen mit Fahrrädern unterwegs. Die Hauptstraße hat einen breiten Seitenstreifen. Besonders wichtig an jedem Fahrrad ist der Gepäckträger. Wenn dort nicht eine weitere Person befördert wird, hat der Fahrer mindestens ein paar große Säcke Kohle, mehrere Taschen oder sogar einen Schrank darauf befestigt. Am Nachmittag erreichten wir die Hauptstadt Lusaka. Und plötzlich wurden wir von einer Polizeikontrolle aus dem Verkehr gewunken. Wir sollten zu schnell gefahren sein: 72 statt der erlaubten 65 km/h. Da konnten wir uns noch so sicher sein, dass dies nicht der Fall gewesen war. Der Polizist zeigte uns den Bußgeldkatalog, der beim ersten Vergehen eine Strafe von 540.000 Kwachas vorsah. Uwe griff in die Tasche und holte 300.000 Kwachas heraus. Leider ein wenig mehr als geplant. Hiermit zeigte sich der Polizist zufrieden, er wolle uns ja nicht um unser gesamtes Bares bringen. Wie rücksichtsvoll und nett von ihm! Natürlich bekamen wir keine Quittung oder einen Strafzettel ausgestellt. Im Nachhinein ärgerten uns die etwa 45 Euro Strafe, die vielleicht zu vermeiden gewesen wären. Wir waren uns relativ sicher, dass wir wirklich nicht zu schnell waren und fragten uns, ob eine andere Verhaltensweise im Umgang mit dem Polizisten besser gewesen wäre. Dummerweise war da ja noch die Sache mit dem kaputten Blinker, und die beiden Warndreiecke und den Feuerlöscher hätten wir für eine Überprüfung unter den Rücksitzen, Reisetaschen, Jacken und dem ganzen anderen Krempel auch nur sehr ungern hervorkramen wollen. Wir beschlossen, in Zukunft nicht weiter aufzufallen und hielten – wie bei uns üblich – an der nächsten roten Ampel. Dummerweise waren wir die einzigen, die das taten. Wir wurden von allen Seiten angehupt und sahen uns irritiert um. Sollte diese Ampel nicht für die gesamte Straßenbreite gelten? So ging es uns noch dreimal, und wir konnten nicht herausfinden, was wir falsch gemacht hatten. Aber einfach über eine rote Ampel zu fahren, trauten wir uns auch nicht, denn dann wären wir mit Sicherheit unmittelbar wieder zur Kasse gebeten worden und wollten kein zweites Vergehen riskieren. Wir haben gelernt: In Lusaka bedeutet eine rote Ampel: zügig weiterfahren, bestenfalls Vorfahrt achten. Im Zentrum von Lusaka herrschte das absolute Verkehrschaos. Unzählige Autos waren unterwegs, und es war ein einziger Stau. Zwischen den Reihen stehender Auto liefen Straßenhändler hindurch, um die abenteuerlichsten Waren anzubieten: Sonnenbrillen, Musik-CDs von Abba, Handy-Ladekabel, Hosen, Schuhe, Hundeleinen, Öl-Trichter, Werkzeug und sogar Klobürsten. Es war nicht ganz einfach, die Händler abzuwimmeln, zumal Stefan im voranfahrenden Auto netterweise immer wieder behauptete, dass wir gerade verzweifelt auf der Suche wären nach ausgerechnet dem Artikel, der uns gerade mit viel Überredungskunst angepriesen wurde. Nach reiflicher Überlegung entschieden wir uns aber doch gegen die neonpinke Krawatte, das Lockenwickler-Set und die Abfluss-Pömpel. Ohne funktionierenden Blinker kämpften wir uns durch zwei Kreisel mit viel Verkehr. Dann folgte eine große Kreuzung mit dem schlimmsten Verkehrskollaps, den wir je gesehen haben. Aus vier Richtungen mit jeweils zwei bis drei Spuren drängten PKWs und Lastwagen, um in eine jeweils individuelle Richtung weiterzufahren. Es gab jedoch keine Ampel. Stattdessen stand ein lebensmüder Verkehrspolizist auf der Kreuzung und ließ sich die Zehen platt fahren. Seine Versuche, den Verkehr zu regeln, scheiterten jedenfalls kläglich. Man kann sagen, jeder fuhr, wie er wollte. Das bedeutete, die Kreuzung war voller Autos, die alle in eine andere Richtung wollten. Dabei war niemand bereit, Rücksicht zu nehmen und auf einen anderen zu warten. Es wurde nur angehalten, wenn es nach vorne nicht mehr weiter ging. Wir hielten die Luft an, als um unser Auto herum die Abstände immer kleiner wurden. Gaby und Stefan waren vor uns plötzlich verschwunden. Ein absolutes Rätsel, wie sie sich da durchgebeamt hatten. Zur Überquerung der Kreuzung tasteten wir uns jedenfalls nur zentimeterweise voran und brauchten etwa 20 Minuten und unzählige Nerven. Kurzfristig überlegten wir auch, das Auto einfach mitten auf der Kreuzung stehen zu lassen und einen Kaffee trinken zu gehen. Aber das Vorhaben hätten wir sicherlich nicht überlebt. Hier ist ein kurzes Video der Situation:
www.saliger.de/africa/Lusaka-Kreuzung.avi
Nach diesem Abenteuer tankten wir und verließen bei Sonnenuntergang Lusaka. Überall am Straßenrand waren kleine und große Stände für Lebensmittel, Klamotten, aber auch Sessel und Türen aufgebaut. Man konnte praktisch alles dort kaufen. In der Dunkelheit kamen wir nördlich von Lusaka bei der Fringilla-Farm an. Dort waren wir die einzigen Gäste auf dem Campingplatz und im Restaurant. Wir aßen leckere Steaks und erholten uns von dem anstrengenden Tag. Beim Einschlafen trällerten uns die Kühe auf der nebenan gelegenen Weide ein zugegebenermaßen recht eintöniges Schlafliedchen, und ein Vogel, den wir seit Jahren das „rostige Windrad“ nennen, pfiff seinen Ton ohne Pause.
lilytrotter4'129 Beiträge · seit 200813. Nov. 2011 · #46
Hallo, ihr Beiden!
„Zwischen den Reihen stehender Auto liefen Straßenhändler hindurch, um die abenteuerlichsten Waren anzubieten: Sonnenbrillen, Musik-CDs von Abba, Handy-Ladekabel, Hosen, Schuhe, Hundeleinen, Öl-Trichter, Werkzeug und sogar Klobürsten. Es war nicht ganz einfach, die Händler abzuwimmeln, zumal Stefan im voranfahrenden Auto netterweise immer wieder behauptete, dass wir gerade verzweifelt auf der Suche wären nach ausgerechnet dem Artikel, der uns gerade mit viel Überredungskunst angepriesen wurde.“
Das sind wahre Freunde! 🤪 😄 So bringt reisen Spaß.
Wir schmeißen uns grad wech, - einfach zu schön!
lilytrotters
Gruß lilytrotter
Always look on the bright side of life... :-)
Walvisbay boomt
diangelika138 Beiträge · seit 201114. Nov. 2011 · #47
Halli hallo, na ihr hattet ja Spass! Den Verkehr in Sambis konnten wir auch schon mal "genießen", allerdings waren wir mit einem Drifters-Truck unterwegs. Da waren wir die Stärkeren... Die Händler mit all ihren tollen Angeboten, da kann man doch nicht nein sagen! Wir waren vergangenen Juli in Kamerun und haben ähnliches erlebt. Das ist eben Afrika... Unter anderem Mopeds mit 3 und mehr Personen oder statt der Personen Ziegen oder Fahrräder oder Hühner rechts und links am Lenker. Das sollten unsere Tierschützer mal sehen :)) Ja tolle Erlebnisse hattet ihr und ich bin gespannt, wie´s weitergeht! diangelika
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200614. Nov. 2011 · #48
Mittwoch, 3. August 2011
Am Morgen waren die Kühe still, und es war relativ warm. In der Sonne frühstückten wir, dann gingen wir zur Schlachterei auf dem Hofgelände und kauften Kudusteaks. Diese kamen als tiefgefrorenes Tier aus dem Kühlraum und wurden in kleine Quader gesägt und einzeln verpackt.
Auf der Hauptstraße ging es einige Kilometer nach Norden, hinter Kapiri Mposhi bogen wir nach Osten ab. Endlos zog sich die Straße von Ort zu Ort, große, bewässerte Getreidefelder wechselten sich mit Wäldern ab.
Schon aus großer Entfernung sahen wir immer wieder Buschbrände, auch direkt am Straßenrand. Die Menschen reagierten gelassen auf die Flammen, da sie wohl zum Alltagsbild gehören. Wie wir später erfuhren, werden die Feuer gelegentlich absichtlich gelegt, um Ungeziefer und Schlangen zu vertreiben, neues Ackerland zu gewinnen oder die Samenhüllen bestimmter Bäume zu öffnen.
Es gab lange Auf- und Abfahrten, und überall waren Menschen zu Fuß oder auf dem Fahrrad unterwegs. Einmal hielten wir zu einer Mittagspause und einmal zum Tanken. Wie gestern passierten wir einige Polizeikontrollen, die uns entweder durchwinkten oder ein paar nette Worte mit uns wechselten. Auf der letzten Etappe wurde die Straße extrem schlecht. Riesige Schlaglöcher mussten wir in Schrittgeschwindigkeit durchqueren. Dann bogen wir nach Mutinondo ab und legten die letzten 20 Kilometer durch niedrigen Wald zurück. Das Camp lag unter schattigen Bäumen. Von der erhöhten Rezeption genossen wir den Blick über die Wälder, während die Sonne unterging.
Zum Abendessen kochten wir Kürbissuppe im Potije, Stefan briet Fleisch, und Gaby kochte Nudeln mit einer Erbsensoße. Es war ein buntes Essen, das wieder mal richtig gut schmeckte. Wir saßen noch einige Zeit beisammen und erzählten.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200614. Nov. 2011 · #49
Donnerstag, 4. August 2011
Schon am Abend ging es Uwe nicht gut. Am Tag hatte er wieder viel gehustet, und abends fröstelte er. In der Nacht hatte er wahrscheinlich Fieber. Am Morgen schliefen wir lange aus, denn heute stand nichts auf dem Programm. Nach dem Aufstehen nahm Uwe eine Aspirin, und danach ging es ihm zunehmend besser. Vor dem Frühstück wurde noch geduscht, dann saßen wir in der Sonne, kochten Wasser mit der Kelly und tranken ganz gemütlich Kaffee. Ruth und Stefan machten sich zu einer Wanderung auf. Gaby konnte wegen ihres Steißbeins nicht so weit laufen, und Uwe musste sich sowieso schonen. Er räumte ein wenig im Auto auf, wusch Wäsche und lag ansonsten in der Hängematte, las im Reiseführer und schlief. Es war sehr erholsam.
Ganz anders war es bei Ruth. Die Wanderung war sehr anstrengend, da es ständig bergauf und –ab über buckelige Felsrücken ging. Außerdem legte Stefan einen Stechschritt vor (von dem er hinterher allerdings nichts wissen wollte).
Sehr praktisch waren auch die beiden riesigen Fotoapparate (man muss schließlich für jeden Fall gerüstet sein), die geschleppt werden wollten. Von dem im Reiseführer angekündigten Vogelreichtum war weit und breit nichts zu sehen. Ehrlich gesagt haben wir an keiner Stelle in Afrika weniger Vögel gesehen als in Mutinondo. Aber man kann die kiloschwere Fotoausrüstung ja trotzdem mal mitnehmen, verbessert die Laune beim Klettern ungemein. Besonders dann, wenn man sich nicht mehr so ganz im Klaren darüber ist, ob man sich noch auf dem richtigen Weg befindet, da die Karte, die man im Camp erhalten hat, nicht so wirklich übersichtlich war. Stefan bot sich – ganz Gentleman – an, einen Fotoapparat zu tragen, doch Ruth wollte sich diese Blöße nicht geben und stapfte je eine Kamera wie ein Maschinengewehr im Arm über den Waldweg. Die Landschaft war besonders an den zahlreichen Wasserfällen sehr schön.
Eidechsen, Schmetterlinge und immerhin ein Wiedehopf ließen sich blicken. Der Rundweg war über acht Kilometer lang, kam Ruth aber mit sämtlichen Kletterpartien entlang der Wasserfälle fast doppelt so lang vor. Obwohl es eine schöne Wanderung war, taten ihr zurück im Camp die Beine weh, und sie beneidete Stefan nicht, der am Nachmittag schon bald gemeinsam mit Gaby zu einem Reitausflug aufbrach. Wir machten inzwischen Feuer und kneteten den Teig für unser erstes Brot im Potije. Zum Abendessen gab es den Rest Kürbissuppe, kleine Folienkartoffeln, Kudu-Steaks und Salat. Dann legten wir die Glut auf die Potijes. Stefan hatte auch einen Teig gemacht. Es dauerte zwar ein wenig, aber die Brote sahen gut aus, als wir sie aus dem Topf nahmen. Mal sehen, wie sie morgen früh schmecken werden. Im Dunkeln hatten wir später noch eine gruselige Begegnung: Eine gar nicht mal so kleine Spinne spazierte über unseren Campingplatz und fand uns wahrscheinlich auch nicht sehr nett, weil Ruth sie zum Fotografieren mit der Taschenlampe anleuchtete.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200617. Nov. 2011 · #50
Freitag, 5. August 2011
Wieder war es angenehm warm, als wir ausgeschlafen aus den Zelten krochen. Auch heute blieben wir den ganzen Tag bei Mutinondo Wilderness. Zum Frühstück machten wir Omelett, das diesmal sogar am Stück blieb. Unser selbstgebackenes Brot schmeckte hervorragend. Das hatte schon mal gut geklappt.
Nach dem Mittag machten wir uns zu viert auf, noch einmal die Wasserfälle anzuschauen, die Ruth und Stefan gestern bereits erwandert hatten. Uwe ging es wieder gut, und so liefen wir langsam los. Auf mehreren Kilometern kann man an einem Fluss entlang wandern, der an ein paar Stellen in kleinen Stromschnellen oder Wasserfällen hinunterfließt. An zwei dieser Stellen machten wir Pause, und Ruth und Stefan gingen tatsächlich im eiskalten Wasser baden oder setzten sich direkt in den Wasserfall. Gaby und Uwe hielten nur die Füße ins Wasser. Wir entdeckten einige Tausendfüßler, die eingekringelt in Erdlöchern saßen, eine riesige Wanze und die abgestreifte Haut einer kleinen Schlange, die Ruth mitnahm.
Zurück am Campingplatz duschten wir. Zum Sonnenuntergang liefen wir den Berg hinauf zur Rezeption, bezahlten die Rechnung und genossen die Aussicht auf die grünen Hügel. Zum Abendessen kochten wir Nudeln mit Zucchini-Sahne-Soße. Gaby und Stefan werden morgen die kürzeste Strecke ins Luangwatal nehmen, um so schnell wie möglich nach Malawi zu kommen. Wir fahren weiter nach Nordosten zu den Kapishia Hot Springs. Es wird höchste Zeit, wieder weiter zu fahren. Die Batterie für unseren Kühlschrank ist leer, und auch alle anderen Akkus müssen aufgeladen werden. Außerdem freut sich Ruth wieder auf Handyempfang, damit sie die Ergebnisse der beginnenden Bundesliga-Saison erfährt.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200617. Nov. 2011 · #51
Samstag, 6. August 2011
Der vorerst letzte Morgen mit Stefan und Gaby brach an. Wir standen recht früh auf, da die beiden eine lange Wegstrecke vor sich hatten. Nach einem schnellen Frühstück verabschiedeten wir uns voneinander. Wir fuhren sehr gemütlich los. Zurück an der Hauptstraße ging es weiter Richtung Nordosten nach Mpika. Auffallend waren die vielen verunglückten Lastwagen, die von der Straße abgekommen und dann umgekippt waren. In Mpika tankten wir und gingen in den ersten Supermarkt. Dieser hatte leider keine großen Wasserkanister und auch kein Gemüse. Dennoch kauften wir ein paar Getränke.
Anschließend besuchten wir ein Internet-Café und schrieben eine E-Mail nach Hause. Ruth erfuhr, dass Dortmund das Eröffnungsspiel mit 3:1 gegen Hamburg gewonnen hatte. Sie freute sich sehr. Dann fuhren wir weiter ins Zentrum zu einem Freiluftmarkt und weiteren kleinen Geschäften. Dort war alles sehr afrikanisch, und wir stachen ein wenig aus der Menge. Aber auch hier gab es kein Trinkwasser in großen Kanistern oder Petroleum für unsere Lampe. So begnügten wir uns mit ein paar Kerzen und fuhren weiter. Die Atmosphäre in dem kleinen Ort war schon sehr beeindruckend gewesen.
Weitere 80 Kilometer fuhren wir lange Steigungen hinauf und betrachteten die immer grüner werdende Landschaft Zentralafrikas. Dann zweigte die Straße Richtung Kapishia Hot Springs ab. Eine dreiviertel Stunde fuhren wir durch Wald und an Schulen und landwirtschaftlichen Betrieben vorbei. Wir hatten den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht und waren etwa 2000 Kilometer von Windhoek entfernt. Bei der Shiwa Lodge suchten wir uns einen Stellplatz auf dem noch freien Campingplatz und machten Brotzeit. Dann spazierten wir einen kleinen Weg zurück zur Lodge. Dabei kamen wir an dem natürlichen, 37 Grad heißen Pool vorbei. Vielleicht werden wir uns morgen mal hinein trauen. In den Baumwipfeln sahen wir einen Ross-Turako, einen Vogel, den wir bisher noch nirgendwo beobachten konnten. An der Rezeption buchten wir das Abendessen für den kommenden Tag und liehen uns eine Karte und Wegbeschreibung für einen Wanderweg, den wir auch morgen laufen wollen. Auf dem Rückweg fotografierte Ruth noch einen kleinen Nektarvogel. Im Auto machten wir ein wenig Ordnung, bevor wir müde und früh ins Zelt gingen. Uwe sicherte noch alle Fotos und Videos.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200617. Nov. 2011 · #52
Sonntag, 7. August 2011
Nachts hörten wir eine Eule und eine Schar andere Vögel, die wir jedoch nicht bestimmen konnten. Noch einen Tag blieben wir bei Kapishia. Es war sehr angenehm, Zeit zu haben, das Auto aufzuräumen, Vorräte zu sortieren, Wäsche und sich selbst zu waschen. Zum Frühstück aßen wir leckere Brötchen, die wir gestern in Mpika gekauft hatten. Am späten Vormittag brachen wir zu einer Wanderung auf. Ein etwa vier Kilometer langer Rundweg führte uns über einen steilen Aufstieg auf einen Hügel. Von dort hatten wir einen tollen Ausblick auf die grüne Waldlandschaft mit ein paar kleinen Dörfern.
Oben auf dem Hügel sahen wir einen Gaukler, der seine Bahnen zog. Dann begann der Abstieg. Wir beobachteten viele Grashüpfer, sonst gab es keine Tiere zu entdecken. Zurück am Camp machten wir Brotzeit und besuchten dann die heißen Quellen. Es gibt dort einen natürlichen Pool, in dem aus unterirdischen Quellen heißes Wasser aufsteigt. Es hat etwa 40 Grad. Wir setzten uns hinein. Zum Schwimmen war es kaum tief genug. An den Stellen, an denen das Wasser aufstieg, bewegte sich der sandige Boden und gab nach, so dass es ein bisschen unheimlich wurde. Ruth hatte Angst, dass sie schwuppdiwupp ins Erdinnere hineingezogen würde.
Nach diesem Bad im Whirlpool waren wir porentief sauber und mussten nur noch Haare waschen. An der Rezeption gab es Internet. Wir tauschten kurz Emails mit unseren Eltern aus, und Ruth gab ihre Tipps für die kommenden Bundesliga-Spieltage ab. Bis zum Abendessen im Restaurant ruhten wir uns aus oder räumten noch ein paar Sachen im Auto hin und her. Beim Dinner saßen wir mit der Besitzerin Mell und einem jungen Mann aus England zusammen, der zurzeit dort arbeitet. Es gab eine Broccoli-Suppe mit leckerem, frischen Brot, Reis mit Rindfleisch-Pilz-Soße und verschiedenes Gemüse. Als Nachtisch bekamen wir einen Pudding. Alles schmeckte gut, und wir unterhielten uns über alles mögliche.
casimodo4'528 Beiträge · seit 200717. Nov. 2011 · #53
Hallo Ruth und Uwe,
ich habe gerade Euren Bericht verschlungen und freue mich auf die Fortsetzung. Ich war schon zigmal auf Eurer Homepagem und in der FC und habe Eure Erlebnisse und insbesonders die tollen Bilder bewundert.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200618. Nov. 2011 · #55
Montag, 8. August 2011
In der Nacht war auf dem Campingplatz einiges los. Nachdem wir bereits eingeschlafen waren, traf noch ein Kleinbus ein. Wir wachten vom Einschlagen der Heringe für das Bodenzelt auf. Ein paar Stunden später brach der Lastwagen auf, der bereits den ganzen Tag in unserer Nachbarschaft verbracht hatte. Die Fahrer hatten sich auf eine Reisegruppe vorbereitet, indem sie den Wagen von allen Seiten gewaschen und alle Staufächer neu sortiert hatten. Bevor sie losfuhren, ließen sie jedoch mindestens 20 Minuten lang den Motor laufen. Während wir frühstückten, ließen wir noch ein wenig das Zelt trocknen, das in diesem Klima morgens sehr feucht ist. Als wir alles gepackt hatten, meldeten wir uns an der Rezeption ab. Der junge Engländer gab uns noch einen Umschlag für Sunday, den Leiter des Buffalo Camps, mit auf den Weg.
Wir fuhren zurück zur Teerstraße und dort knapp 30 Kilometer in Richtung Mpika. Dort bogen wir auf die Zufahrt zum North Luangwa ab. Zunächst war die Straße sehr gut, und wir kamen früh am Mano Gate an. Dort erwartete uns eine kleine Ernüchterung: Der Parkeintritt lag wesentlich höher, als wir erwartet hatten. Zu den im Reiseführer benannten Parkeintrittsgebühren pro Person und Auto kam noch eine sog. „bed levy“, die genauso hoch war wie der Parkeintritt pro Person. Wie es aussieht, können wir uns den North Luangwa zwar noch leisten, haben anschließend aber fast keine Dollars mehr. Für die anschließenden Aktivitäten in Sambia müssen wir uns etwas einfallen lassen.
Die Straße wand sich nun steinig und steil ins Luangwatal hinab. Wir sahen ein paar Paviane und einen Gaukler, der nicht weit vor uns neben der Straße landete und sich eine kleine Schlange schnappte. Bevor wir reagieren konnten, war er schon wieder gestartet. Es folgten weitere Tore, die mit jeweils einem Park-Officer besetzt waren. Einer fragte uns nach Zeitschriften, da ihm so langweilig sei. Leider konnten wir ihm keine geben. Mit der Einfahrt ins Luangwa-Tal machten wir die Bekanntschaft von bis dahin für uns unbekannten Flugobjekten, die von außen unsere Autofenster attackierten. Wie kleine Hagelkörner trommelten sie an die dunklen Scheiben: Tsetsefliegen. Nach dem ersten Fotostopp hatten wir sofort ein paar blinde Passagiere an Bord. Eine Zeit lang versteckten sie sich im hinteren Teil des Wagens, um dann plötzlich entweder unter dem Sitz hervorzukrabbeln und durch die Socken zu beißen, oder einen Flugangriff in Kopfhöhe zu starten. Es dauerte nicht lange, bis wir hysterisch um uns schlugen. Jedes weitere Fenster- oder Türen-Öffnen wurde ab sofort gut überlegt. Die entlang des Weges aufgestellten schwarz-blauen Fahnen, die mit einem Lockstoff und einem Insektizid getränkt sind, konnten offensichtlich nur einen Teil der Biester vergiften. Als wir im Camp ankamen, waren wir noch die einzigen Gäste. Sogar die Tsetses hatten wir abgeschüttelt. Wir bekamen ein einfaches, aber schönes Strohhüttchen mit einem eigenen Waschbereich und offener Sicht auf den Mwaleshi-Fluss. Es war traumhaft gelegen. Nach einer kurzen Pause begaben wir uns auf den ersten Game-Walk. Als erstes lief Henry, ein bewaffneter Park Officer, danach kam Sunday, der Camp-Manager. Danach liefen wir und am Ende der kleinen Gruppe der Spurenleser Matthew mit Handtüchern und Getränken. Wir kamen uns ein wenig überbehütet vor mit den drei Aufpassern. Zuerst schreckten wir ein einzelnes Hippo auf, das friedlich in einem kleinen Tümpel lag. Ärgerlich schnaubend kam es aus dem Wasser und lief davon. Dann überquerten wir barfuß den Fluss. Am anderen Ende bekamen wir ein Handtuch, um uns die Füße abzutrocknen.
Sunday hielt häufig an und erklärte uns alle möglichen Spuren, Verhaltensweisen und Gegebenheiten. Er wusste unheimlich viel und konnte vor allem Tiergeräusche und Vogelstimmen hervorragend imitieren. Als wir drei Elefanten entdeckten, entfernten wir uns schnell, da es sich um eine Mutter mit zwei Kälbern handelte. Kurz nach Sonnenuntergang sahen wir noch fünf Zebras und ein paar Büffel. Dann liefen wir durch den Fluss zurück zum Camp. Das Abendessen bereiteten wir selbst in der Küche des Camps zu. Wir brieten das restliche Wildfleisch und kochten Nudeln. Es war in Ordnung, aber nicht mehr. Inzwischen waren weitere Gäste eingetroffen: eine zehnköpfige Gruppe Italiener mit ihrem persönlichen Führer. Als wir im Bett lagen, hörten wir viele Tierstimmen durch die Nacht: Wildhunde, Hyänen, Löwengebrüll aus der Ferne und sogar das Husten eines Leoparden. Vielleicht können wir morgen ein paar dieser Tiere entdecken.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200618. Nov. 2011 · #56
Dienstag, 9. August 2011
Um 5:30 Uhr wurden wir geweckt. Es war schon nicht mehr ganz dunkel und auch nicht kalt. Wir machten uns fertig und tranken eine heiße Tasse Kaffee. Gegen halb sieben brachen wir zusammen mit einer Gruppe von sechs Italienern zu einer Morgenwanderung auf. Etwa vier Kilometer spazierten wir mehr oder weniger nahe (und mehr oder weniger leise) am Fluss entlang. Sunday blieb sehr oft stehen, um uns etwas zu zeigen und zu erklären.
Wir sahen eine Gruppe junger männlicher Büffel, Herden von Impalas und eine Python-Schlange, die im Fluss schwamm und sich dann am Ufer versteckte, um auf ein kleines Impala zu warten.
Es gab viele Vögel zu entdecken: Sattelstörche, Ibisse, Reiher, Eisvögel, einen Hammerkopf, viele Tauben und Webervögel. Es ist wirklich ein Paradies, und besonders Ruth freute sich sehr. Unter dem Löwenbaum, unter dem an vier Tagen pro Woche ein ganzes Rudel ausruht, war heute leider nichts zu entdecken. Zurück im Camp ruhten wir uns in unserer Hütte aus. Ruth hatte pausenlos Kamera und Fernglas neben ihren Vogel-Bestimmungsbüchern bei der Hand, kreuzte immer wieder neue Vögel an und freute sich darüber, wie nur sie es kann.
In der langen Mittagspause versuchten wir, ein Brot zu backen. Nachdem der Teig gegangen war, schaufelte Uwe eine Ladung Glut auf den Deckel. Wir kannten uns mit dem Buschofen jedoch nicht aus, und so war das Brot unter der heißen Kohle bereits nach einer guten halben Stunde oben schwarz. Wenn man die Kruste abschnitt, schmeckte es jedoch gut, insbesondere, weil es kein anderes gab. Anschließend entspannten wir im Schatten.
Von Sunday erfuhren wir, dass das Buffalo-Camp jedes Jahr neu aufgebaut wird, da permanente Camps im North Luangwa nicht gestattet sind. Der Aufbau der Hütten, Duschen und Toiletten aus Elefantengras, Holz und Draht dauert ca. drei Wochen. Am Ende der Saison wird alles wieder abgerissen. Die großen Holzstücke werden für das nächste Jahr gelagert, der Rest zur Entsorgung einfach in den Fluss geworfen.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200618. Nov. 2011 · #57
Zur Nachmittagsfahrt waren wir zusammen mit den Italienern 12 Personen. Auf dem offenen Landcruiser mussten daher in jeder Reihe vier Leute sitzen. Das war ziemlich eng. Wir fuhren eine lange Strecke. Auf dem Weg hatten wir endlich unsere erste Leoparden-Begegnung dieses Urlaubs (es sollten weitere, spektakuläre folgen ;-)). Völlig entspannt chillte er in einer Astgabel, und selbst, als wir näher kamen, machte er keine Anstalten abzuhauen. Möglicherweise lag das daran, dass ihm der Kopf fehlte. Er roch auch etwas streng. Sunday vermutete, dass er von einem Rivalen getötet worden war.
Ein Stück weiter sahen wir einen Schlangenadler auf einem Baum sitzen. Außerdem kamen wir an Impalas, Warzenschweinen und ein paar Pukus vorbei. Ziel der Fahrt war ein Punkt am Fluss, von dem aus wir noch ein Stück zu Fuß gingen.
Der Weg zog sich jedoch endlos in die Länge, da wir nur schildkröten-schnell vorankamen. Eine der Mitreisenden hatte einen verstauchten Fuß und konnte nicht unbewacht am Fahrzeug zurückbleiben. Statt daher im Camp zu bleiben, war sie jedoch mitgefahren und bremste nun die gesamte Gruppe. So senkte sich die Sonne hinter den Horizont, bevor wir am Ziel ankamen. Dort, wo der Mwaleshi und der Luangwa zusammenfließen, tummelte sich eine große Zahl an Hippos im Wasser. Sie schnauften und grunzten um die Wette. Am gegenüberliegenden Ufer lag eine stattliche Anzahl großer Krokodile. Leider waren sie recht weit entfernt, und auch das Licht zum Fotografieren wurde schlecht.
Wir versuchten, den Augenblick zu genießen und gingen dann zum Auto zurück. Dort gab es Getränke, dann fuhren wir in der Dunkelheit zurück.
Der Reiseleiter der Italiener („Le Guide“ war unübersehbar auf jedes seiner Kleidungsstücke gestickt und bedeutete „sehr wichtig“) stand mit einem großen Suchscheinwerfer direkt vor Ruths Nase und leuchtete in alle Richtungen. So wurde aus der Fahrt zurück ins Camp eine kleine Nachtpirschfahrt. Wir entdeckten eine Elefantenspitzmaus, eine Ginsterkatze, ein paar Triele und natürlich Impalas.
Die gesamte Fahrt war zwar spannend, aber nicht sonderlich ergiebig gewesen. Ein paar Elefanten, eine Büffelherde oder sogar eine Großkatze hätten wir uns schon gewünscht. Mal sehen, was der morgige Tag bringt. Zum Abendessen machten wir die restlichen Nudeln mit der Soße von gestern heiß und dazu einen kleinen Tomaten-Gurken-Salat mit Feta. Da wir wieder um 5:30 Uhr aufstehen werden und auch kaum mit der italienischen Reisegruppe ins Gespräch kamen (wir sind aber auch stoffelig), gingen wir schnell schlafen.
madmaddin153 Beiträge · seit 201121. Nov. 2011 · #59
Eulenmuckel schrieb:[...] Auf dem Weg hatten wir endlich unsere erste Leoparden-Begegnung dieses Urlaubs (es sollten weitere, spektakuläre folgen ;-)). Völlig entspannt chillte er in einer Astgabel, und selbst, als wir näher kamen, machte er keine Anstalten abzuhauen. Möglicherweise lag das daran, dass ihm der Kopf fehlte. Er roch auch etwas streng. Sunday vermutete, dass er von einem Rivalen getötet worden war.
Seine erste Leoparden-Begegnung stellt man sich wohl grundsätzlich anders vor. 😉 Ich bin aber schon auf die weiteren geaspannt...!
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200621. Nov. 2011 · #60
@Topobär: Nein, man darf im North Luangwa mit dem eigenen Auto nur vom Gate bis zum Camp fahren und am Abreisetag wieder zum Gate. Private Game Drives sind nicht erlaubt. Man muss jedoch für jeden Tag Aufenthalt eine Gebühr für das Fahrzeug bezahlen. 😵
@madmaddin: Allzu gespannt brauchst du nicht zu sein. Um es vorwegzunehmen: Die erste Leoparden-Sichtung war sogar die beste. Nichtsdestotrotz kommen noch welche.