EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200613. Dez. 2011 · #81
Mittwoch, 17. August 2011
Um fünf Uhr ging unser Wecker. Wir standen leise auf und packten, denn es sollte schon früh in den Lower Sambesi Nationalpark gehen. Stefan fuhr mit uns im Auto, während Gaby einmal ausschlafen wollte. Eine Tasche und einen Schlafsack, die wir normalerweise auf dem Rücksitz transportieren, ließen wir im anderen Wagen, damit Stefan Platz hatte. Die Fahrt bis zum Eingangstor des Parks dauerte fast eine Stunde inkl. einer harmlosen Wasserdurchfahrt. Dort bezahlten wir zusammen 105 US-Dollar und fragten den Ranger, wo wir die besten Chancen hätten, Tiere zu sehen. Er gab uns den überaus wertvollen Hinweis, entlang der Hauptstraße zu fahren und ab und zu links und rechts einen Abstecher zu machen. Wir versuchten immer, möglichst nah am Sambesi zu fahren.
Lange Zeit entdeckten wir kaum Tiere, bestenfalls ein paar Impalas oder ein vereinzeltes Warzenschwein. Wir waren etwas enttäuscht, obwohl die Landschaft sehr schön war. Linkerhand erhoben sich hohe Berge, rechts lag der breite Fluss. Wir waren schon darauf gefasst, den Park wieder zu verlassen, ohne etwas Besonderes gesehen zu haben. Weder die im Reiseführer beschriebenen Büffel und Wasserböcke noch Giraffen, Gnus oder Kuhantilopen ließen sich blicken. Von Löwen, Leoparden und Wild Dogs fehlte ebenfalls jede Spur, und wir begannen schon zu witzeln, dass uns zur Motivation selbst ein einzelnes Zebra erfreuen würde.
Das erste Auto, das uns kurz darauf an diesem Morgen begegnete, war ein Safari-Wagen mit Gästen. Wir fuhren eine Zeit lang hinter ihnen her, verloren sie aber, als wir endlich eine kleine Elefantenherde mit einem Jungtier entdeckten, die wir sehr nahe an unserer Fahrspur beim Fressen beobachten konnten.
Erst als wir ein paar Kilometer weiter um eine Ecke bogen, sahen wir sie wieder, entdeckten jedoch gleichzeitig eine Löwin. Wir fuhren näher und sahen, dass ein ganzes Löwenrudel zwischen den Büschen lag und schlief oder döste. Wir blieben etwa zwei Stunden bei dem elfköpfigen Rudel. Die Tiere waren wunderschön.
Irgendwann verzogen sie sich weiter ins Gebüsch, und wir fuhren wieder. Inzwischen war es schon später Vormittag, und wir nahmen den kürzesten Weg zurück. Am Tor kamen uns sechs Autos im Konvoi entgegen. Wir waren froh, in entgegengesetzter Richtung unterwegs zu sein. Diesmal kamen wir an eine andere Furt des Flusses, die deutlich breiter war. Das Flussbett lag voller großer Steine, was die Durchfahrt deutlich unangenehmer machte als am Morgen. Ruth lief durch das Wasser und zeigte den besten Weg an, aber Uwe fuhr, von ihrem eindeutig zu verstehenden Gefuchtel in 20 Metern Entfernung nur wenig beeindruckt, einen eigenen Weg und blieb beinahe zwischen den Steinen stecken. Nach kurzem Zurücksetzen konnte er sich aber glücklicherweise alleine wieder befreien.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200613. Dez. 2011 · #82
Kurz vor zwölf Uhr kamen wir wieder an der Mvuu-Lodge an. Wir frühstückten, wuschen Wäsche, luden Fotos in den Computer und planten die nächsten Tagesetappen. Wir entschieden, nur noch eine Nacht am Sambezi zu bleiben, damit wir im Caprivi etwas mehr Zeit zur Verfügung haben. So werden wir uns morgen von Gaby und Stefan trennen. Schade. Nachmittags ließen wir uns mit einem kleinen Motorboot über den breiten Sambezi fahren. An den Ufern sahen wir sowohl auf sambischer Seite als auch in Zimbabwe Elefanten und Nilpferde.
Wir entdeckten verschiedene Reiher und andere Wasservögel. Es war schön, einmal ohne die Unebenheiten einer afrikanischen Straße durch die tolle Landschaft gefahren zu werden. Hinter dem Ufer auf der Sambia-Seite erhoben sich Berge, in Zimbabwe standen viele große Bäume. Wir hielten an einer kleinen Insel und gingen an Land. Dort zeigte uns der Bootsführer einige Tierspuren im Sand. Es war ein sehr schöner Ausflug.
Zum Abendessen kochten wir eine Kürbissuppe, Gaby und Stefan machten Spaghetti mit einer leckeren, scharfen Soße aus Zwiebeln, Lauch, Möhren und Linsen. Es schmeckte sehr gut. Anschließend saßen wir an unserem letzten gemeinsamen Abend noch lange am Feuer zusammen und erzählten.
Nunanani521 Beiträge · seit 201113. Dez. 2011 · #83
Ich hoffe, Eure Reise ist noch lange nicht vorbei, so dass wir Euren tollen Bericht noch lange weiterlesen dürfen! Das klingt nach einer so tollen Reise! Vielen Dank fürs uns teilhaben lassen.
diangelika138 Beiträge · seit 201114. Dez. 2011 · #85
Hallo Eulenmuckels, eure Bilder sind ja der helle Wahnsinn!!! Und sanke für den schönen Bericht, da wird man schon ganz ungeduldig auf den eigenen nächsten Urlaub. Die Nahaufnahmen sind der Hammer! Habt ihr so ein großes Tele oder seid ihr gut Freund mit wilden Tieren? Angelika
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200614. Dez. 2011 · #86
Liebe Nunanani, lieber Maddin, liebe Angelika, liebe Silke+Hans und alle anderen, die mit uns reisen,
vielen Dank für die positive Kritik. Es freut uns, dass euch die Fotos gefallen und ihr so lange durchhaltet, obwohl wir nur sehr unregelmäßig schreiben. Es geht noch etwas weiter. Nun steht der Namibia-Teil an.
@Angelika: Wenn du die Löwen meinst, die waren recht nah.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200614. Dez. 2011 · #87
Donnerstag, 18. August 2011
Wir standen um kurz nach sechs auf und duschten. Dann packten wir schon die meisten Sachen zusammen und frühstückten kurz. Als wir fast fertig waren, standen Gaby und Stefan auf. Ruth spülte das Geschirr, und Uwe ging die Rechnung bezahlen. Wir ließen viele der übrigen US-Dollars hier, da wir sie wohl nicht mehr benötigen werden. Dann verabschiedeten wir uns von Stefan und Gaby und wünschten uns gegenseitig eine gute Weiterfahrt. Mit den beiden war es sehr lustig gewesen, wir haben uns gut verstanden. Nun muss jeder wieder auf sich selbst aufpassen. Kurz nach acht machten wir uns auf den Weg. Das erste Stück am Sambesi waren wir vor zwei Tagen gekommen. Bei der großen Bananenplantage ging es dann geradeaus weiter zum Kafue-Fluss. Dort wartete bereits eine Motorfähre, die uns auf die andere Seite brachte. Wir waren das einzige Auto und bezahlten für die dreiminütige Überfahrt stolze 30 US-Dollar.
Anschließend ging es noch ein kleines Stück auf unebener Schotter- bis zur Teerstraße Richtung Lusaka. Wir wichen vielen tiefen Schlaglöchern aus oder mussten immer wieder stark abbremsen, um sie langsam zu durchfahren. Die Landschaft entschädigte für die schlimmen Straßenverhältnisse. Auffällig waren aber die vielen umgekippten Lastwagen, deren Überreste erschreckend oft noch unmittelbar neben der Straße lagen.
An der T-Kreuzung, bei der wir vor gut zwei Wochen nach Lusaka abgebogen waren, hielten wir an und kauften bei den Ständen am Straßenrand ein wenig ein: Äpfel, Tomaten, Orangen, Bananen und zwei schöne Körbe – ein größerer Einkaufskorb und eine Schale. Die Sachen haben uns gut gefallen und waren sehr günstig. Ruth weiß nur noch nicht, wie sie den Korb im Flugzeug noch ins Handgepäck schmuggeln soll.
Dann kam die längste Etappe des Tages. Wir mussten noch vierhundert Kilometer bis Livingstone fahren. Die Straße wurde aber zunehmend besser. Außerdem kannten wir die Strecke bereits. Mit Bananen und Äpfeln, die sehr lecker waren, vertrieben wir während der Fahrt den Hunger. Außerdem stauten wir immer wieder über das reichhaltige Warenangebot entlang der Straße. Neben den üblichen Obst- und Gemüsesorten wurden dem Vorbeifahrenden auch Enten, Puten und Hühner, Stoffe und sogar Betten und Sitzmöbel angeboten. Leider hatten wir für die schönen Sessel keinen Platz mehr im Auto.
Gegen 17.00 Uhr erreichten wir die Livingstone Safari Lodge. Wir bezogen denselben Campingplatz, auf dem wir die erste Nacht mit Stefan und Gaby verbracht hatten. Es ist schon ein wenig einsam ohne die beiden. Zum Abendessen wärmten wir den Rest Kürbissuppe auf und rösteten Brot über der Glut, auf das wir gehackte Tomaten strichen, die wir im Potjie erhitzt hatten. Nach dem Spülen gingen wir zur Bar der Lodge, wo wir noch ein Bier tranken, E-Mails lasen und ein paar Neuigkeiten aus dem Internet erfuhren. Vor dem Schlafengehen stellten wir fest, dass es hier wieder kälter ist: unter 13 Grad abends.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200614. Dez. 2011 · #88
Freitag, 19. August 2011
Nachts fiel die Temperatur deutlich. Morgens waren es nur weniger als vier Grad. So warteten wir mit dem Aufstehen ein wenig, bis die Sonne aufgegangen war. Beim Frühstück besuchten uns ein paar Hühner, die wir mit Brotkrumen fütterten und die drei Hunde der Lodge. Ruth taten die abgemagerten Tiere leid, und so bekamen sie die Wiener Würstchen, die wir seit Windhoek im mehr oder weniger kalten Kühlschrank durch die Gegend geruckelt hatten. Wir selbst hätten sie eh nicht mehr essen wollen. Nach dem gemütlichen Zusammenpacken machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Dort holten wir Bargeld und gingen in den Shoprite Supermarkt. Dort gab es wirklich eine große Auswahl. Wir kauften Gin und Tonic, Wasser, Gemüse, Salat, Brötchen, Grillfleisch und vieles mehr. Anschließend gingen wir in ein kleines Souvenirgeschäft und kauften Postkarten und für Uwe ein T-Shirt. Bei „hungry Lion“ aßen wir einen Burger mit Pommes. Das restliche Bargeld gaben wir an der Tankstelle aus. Dort erfuhren wir, dass die Benzinpreise vom Staat festgelegt werden, an allen Tankstellen im Land gleich sind und das letzte Mal vor einem Jahr geändert wurden. So sollte es in Deutschland auch sein. Der Tankwart wollte uns gar nicht glauben, dass sich bei uns die Preise an ein und derselben Tankstelle manchmal zweimal am Tag ändern. Diese Vorstellung fand er äußerst amüsant. Wir fuhren aus der Stadt und knapp 200 Kilometer nach Sesheke. Dort kamen wir an die Grenze nach Namibia. Die Aus- und Einreiseformalitäten waren wesentlich einfacher und schneller bewerkstelligt als bei der Einreise nach Sambia. Kurz nach Mittag erreichten wir Katima Mulilo. Dort holten wir bei der Bank Geld und tankten voll. Dann verließen wir die Stadt und legten die letzten Kilometer zur Kalizo Lodge östlich der Stadt zurück. Auf dem Weg dorthin fuhren wir an einem großen Teich voller Seerosen vorbei. Es waren tausende der schönen Water Lilies, zwischen und auf denen viele African Jacanas herumliefen.
Bei der Lodge bekamen wir einen kleinen Campingplatz am Sambesi und konnten sogar noch eine Bootstour für den Nachmittag arrangieren. Hendrik, unser Fahrer, fuhr uns stromaufwärts, weil er uns die berühmte Kolonie der Karminspinte zeigen wollte. Dies war auch der Grund unseres Besuchs. Doch leider waren die schönen Vögel heute nicht anwesend. An dieser Stelle hätten wir besser umgedreht, denn nun tuckerten wir in der Mitte des Flusses der Sonne entgegen.
Wir waren ständig geblendet, hielten uns die Hand als Sonnenschutz vor die Augen und fragten Hendrik schließlich, was denn sein Plan B (falls keine Karminspinte anwesend sind) wäre. Er wollte uns eventuell ein paar Hippos oder Krokodile zeigen. Obwohl wir ihm mitteilten, dass uns ein paar Wasservögel schon genügen, wir dafür nur ein wenig näher am Ufer entlang fahren sollten, änderte er seine Fahrweise kaum. So kamen wir zu dem Schluss, dass er sonst wohl eher Angler und keine Fotografen durch die Gegend schaukelt, denn der Sambesi ist an dieser Stelle schon recht breit, und die Reiher und Kormorane waren kaum wahrzunehmen. Außerdem hätte ihm ja auch auffallen können, dass wir beide einen Fotoapparat dabei hatten, diesen jedoch nicht benutzten. Irgendwann baten wir ihn noch einmal zu wenden und mit der Sonne im Rücken direkt am Ufer weiterzufahren. So drehten wir endlich, waren aber im Grunde bereits zu spät. Die Sonne stand so tief, dass die Vögel am Ufer nun schon im Schatten saßen. Dennoch sahen wir sehr viele Eisvögel und Bienenfresser. Alles in allem war die Fahrt aber ausgesprochen enttäuschend für uns, da Hendrik auch sonst nicht besonders mitteilsam war. Die Angler-Theorie schien bestätigt.
Als wir zurück am Camp waren, erschien Hendrik nach einer Viertelstunde an unserem Auto und fragte nach einem Trinkgeld für den Guide. Wir vergewisserten uns, dass er sich damit selbst meinte und erklärten ihm noch einmal deutlicher, warum wir mit der Fahrt ganz und gar nicht zufrieden waren. Allerdings hatten wir dabei doch ein wenig schlechtes Gewissen. Vielleicht hätten wir bereits auf dem Boot noch öfter und vor allem deutlicher unsere Wünsche äußern sollen. Es wäre ja möglich, dass Hendrik uns einfach nicht richtig verstanden hatte. Auf jeden Fall versprach er uns, sich morgen mehr Mühe zu geben. Diese Absicht wird dann hoffentlich den nächsten Gästen, die fotografieren und nicht angeln wollen, zu Gute kommen, denn wir werden trotz dieses Versprechens wohl keine zweite Nacht mehr hier bleiben und stattdessen nach Nambwa weiterfahren. Zum Abendessen grillten wir Fleisch und aßen leckeren Salat und Grillbrote mit Knoblauchbutter.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200627. Dez. 2011 · #89
Samstag, 20. August 2011
Den Morgen auf dem Campingplatz der Kalizo Lodge verbrachten wir in aller Ruhe. Wir frühstückten ausgiebig, und dann setzte sich Ruth an den Fluss und beobachtete Vögel.
Besonders spannend war es, den Graufischern zuzusehen. ER beobachtete das Wasser und tauchte im Sturzflug nach einem Fisch, den er IHR dann als Geschenk darbot. Aber so ganz überzeugt war die Angebetete nicht. Entweder war ihr der Fisch zu klein oder sonst irgendwie unpassend oder der Typ zu uninteressant. Soviel er ihr auch hinterherhopste und mit dem Geschenk wedelte, er fand einfach keine Beachtung. Der arme Kerl konnte es ihr nicht recht machen und verspeiste sein Fischlein schließlich selbst. Und in dem Moment kam prompt auch noch ein Rivale angeflogen und versuchte nun seinerseits sein Glück. Doch auch er und sein Fisch wurden verschmäht. Die Dame war aber auch wählerisch!
Frau Bienenfresser war da einfacher zu betören. Der mitgebrachte Grashüpfer wurde trotz oder gerade wegen aller Konsequenzen begeistert angenommen.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200627. Dez. 2011 · #90
Es gab ständig etwas Interessantes zu beobachten und zu fotografieren. Milane und grüne, papageienartige Tauben saßen im Baum unmittelbar über uns, und ein Waran schlenderte wackelnd an unserem Platz vorbei.
Lustig war auch ein Bülbül-Männchen, das wie jeck einen vermeintlichen Rivalen in unserem Autospiegel bekämpfte. Uwe räumte ein wenig im Auto auf und brachte das Foto-Backup im Computer auf den aktuellen Stand.
Da wir nicht sonderlich weit zu fahren hatten, ließen wir uns viel Zeit. Kurz vor Mittag hatten wir alles eingepackt und fuhren zunächst bis Katima Mulilo. Dort kauften wir im Supermarkt noch ein paar Getränke, Holz und Brot. Dann ging es auf die Teerstraße Richtung Kongola, das wir nach einer Stunde erreichten. Dahinter bogen wir zur Susuwe Rangerstation ab, um das Permit für den Bwabwata-Park zu bezahlen. Anschließend ging es die sandige Strecke zum Nambwa-Camp. Im Gegensatz zum letzten Jahr sahen wir viele Elefanten. Besonders eine Herde war sehr nah, als sie am Wasser stand und trank. Wir beobachteten sie und freuten uns über die kleinsten Elefanten, die noch ganz unbeholfen mit ihrem Rüssel umgingen.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200627. Dez. 2011 · #91
Außerdem entdeckten wir Kudus und große Riedböcke. Kurz vor dem Camp überholten wir zwei Gespanne mit Südafrikanern, die wohl wegen irgendeines Problems angehalten hatten. Als wir passierten, winkten sie jedoch ab. Alles sei in Ordnung. Am Nambwa-Camp bekamen wir aufgrund einer fehlenden Reservierung wieder den Stellplatz Nummer 1. Der ist zwar im Vergleich zu den anderen nicht besonders schön, aber für uns wie ein Zuhause. Wir stellten das Auto ab und liefen zu dem Hochsitz, von dem aus man einen tollen Blick über die Ebene vor dem Camp hat. Dort verbrachten wir lange Zeit und beobachteten Impalas, Lechwes, einen Buschbock, Meerkatzen, Elefanten und einige Vögel, die zum Teil unmittelbar über uns im Baum saßen. Nach und nach kamen auch einige der anderen Camp-Gäste, darunter viele Deutsche.
Als wir zurück zu unserem Auto wollten, stand ein Elefant direkt daneben. Wir näherten uns vorsichtig, doch er drehte sich zu uns um, wedelte unmissverständlich mit den Ohren und hob den Rüssel. Als er dann noch Anstalten machte, auf uns zuzukommen, waren wir schnell überzeugt, noch eine Runde über den Campingplatz zu drehen und den Sonnenuntergang vom Hochsitz aus zu beobachteten. Dumm war nur, dass wir beide kurze Hosen und Shirts trugen. Die Mücken hatten ihre wahre Freude mit uns. Der Elefant entfernte sich nur sehr langsam und auch nicht auf direktem Wege von unserem Auto. Aber als er weit genug weg war, übernahmen wir den Stellplatz, machten Feuer und bereiteten das Abendessen zu. Ruth zündete Kerzen an und verteilte sie rund um unseren Tisch in der Dunkelheit. Das war sehr romantisch, und das Licht vermittelte gleichzeitig eine Spur von Sicherheit, denn überall um uns herum knackte und raschelte es im Gebüsch. Es gab Nudeln mit einer Tomaten-Bohnen-Broccoli-Soße aus dem Potije und einen grünen Salat mit Feta, Gurke und Tomaten. Es war sehr lecker. Trotz der Kerzen und ihres Lichtscheins war uns nicht ganz geheuer, denn nicht weit entfernt brach sich ein Elefant seinen Weg durch das Dickicht. Da wir nicht ständig wild mit der Taschenlampe umherleuchten wollten, uns die Elefanten im Nacken und in der Dunkelheit doch ein wenig zu nah waren, verschoben wir das Spülen auf morgen. So löschten wir die Kerzen, krochen ins Zelt und schliefen vor Müdigkeit früh ein.
diangelika138 Beiträge · seit 201127. Dez. 2011 · #92
Hallo Ihr, die Fähre kenne ich! Da haben wir 2007 auf dem Rückweg von einer Kanutour auf dem sambesi 4h warten müssen, bis sie repariert war. War aber kurzweilig. Angelika
diangelika138 Beiträge · seit 201127. Dez. 2011 · #93
Mein Gott Ihr habt aber auch ein Händchen für´s fotografieren!!! Tolle Bilder!!! Angelika
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200627. Dez. 2011 · #94
Sonntag, 21. August 2011
Obwohl wir uns den Wecker für sechs Uhr gestellt hatten, blieben wir bis um sieben liegen. In der Nacht waren noch ein paar Elefanten über den Campingplatz geschlichen, und die ganze Nacht hatten Frösche gequakt. Wir räumten alle Sachen zusammen und fuhren hinter dem Camp recht weit am Kwando entlang. Eine Fluss-Schleife wird Horse-Shoe genannt, und dort führte eine tiefsandige Piste vorbei. Wir fuhren ein paar Kilometer und sahen Impalas, Lechwes, Paviane, Senegal-Kiebitze und eine Höhlenweihe, die von zwei Nilgänsen von deren Nest vertrieben wurde.
Irgendwann kehrten wir um und entdeckten im Gebüsch sogar noch einige Zebras. Gegen Mittag waren wir zurück bei Nambwa und erhielten für die kommende Nacht den Platz Nummer 5. Dieser lag etwas tiefer am Wasser, war aber genauso staubig. Wir frühstückten in Ruhe, und Ruth schaukelte ein wenig in der Hängematte. Ein paar Vögel, u.a. auch ein Haubenbartvogel, interessierten sich für unsere Apfelschalen. Wir genossen es, einmal nichts zu tun, lasen ein wenig, ordneten die Dinge im Auto und gingen duschen.
Am Nachmittag fuhren wir noch eine Runde bis zum Horse-Shoe, ohne jedoch etwas Besonderes zu entdecken. Die Tiere schienen genauso faul zu sein wie wir. Außer dem Senegal-Kiebitz mit den gelben Lappen am Kopf sahen wir noch einen Wasserbock und eine Leierantilope. Die Landschaft war sehr schön.
Zurück am Camp setzten wir uns wieder auf den Hochsitz. Doch heute war auf der Ebene noch weniger los als gestern.
Dennoch genossen wir den Sonnenuntergang und liefen dann zu unserem Auto zurück. Wir kochten Nudeln und aßen die Soße von gestern. Dazu machte Ruth frischen Salat. Uwe zündete ein großes Feuer an. Es war ein gemütlicher Abend am Lagerfeuer. Beim Zirpen der Grillen, dem Quaken der Frösche, dem Grunzen der Hippos (das wir übrigens sehr vermissen werden) und unter einem tollen Sternenhimmel kletterten wir ins Zelt. Morgen werden wir wohl endgültig wieder zurück in die Zivilisation fahren und in Grootfontein Heribert, Monika und Oliver treffen.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200628. Dez. 2011 · #95
Montag, 22. August 2011
Wir standen noch bei Dunkelheit auf, um möglichst früh loszufahren. Bei einem Kaffee bzw. Tee genossen wir die aufgehende Sonne und verabschiedeten uns dann von dem wirklich schönen Campingplatz bei Nambwa. Wir sagten noch dem deutschen Paar auf der Nachbarcampsite Tschüss. Mit den beiden hatten wir uns am Vorabend auf der Aussichtsplattform ein wenig unterhalten. Während wir noch ein paar Worte wechselten, hatte Uwe den Anfängerfehler schlechthin gemacht und die Autotür sperrangelweit offen gelassen. Welch Gelegenheit für die Horde Meerkatzen, unser Auto von innen zu untersuchen! Als wir zurückkamen, sprang gerade das letzte Tierchen aus dem Wagen. Zunächst waren wir erleichtert, dass die Affen nichts beschmutzt hatten und auch die Kameras noch unbeschädigt auf der Rückbank lagen. Dann stellten wir fest, dass sie uns die Packung mit den restlichen Keksen geklaut hatten. Ein bisschen Strafe muss eben doch sein. Auf dem Weg zur Hauptstraße sahen wir noch einmal Elefanten und Kudus. Bei einem schönen Aussichtspunkt machten wir Halt und schauten weit über den Kwando. Dabei beobachteten wir die letzten Hippos dieses Urlaubs, von denen wir in den letzten Wochen so viele wie noch nie gesehen hatten. Nun mussten wir endlose Kilometer den Caprivi nach Westen fahren.
Über Divundu ging es nach Rundu. Wir machten eine Picknickpause, bei der wir Wildschinken, Käse und Brot aßen. In Rundu tankten wir und besuchten kurz Brigitte, der neben der neuen Tankstelle ein Schnellimbiss gehört. Die letzten 250 Kilometer nach Grootfontein legten wir nach Mittag zurück. In der Stadt kauften wir im Supermarkt noch Gemüse und ein paar andere Kleinigkeiten ein. Einem Jungen, der auf unser Auto aufgepasst hatte, brachten wir ein Brot mit. Am Campingplatz Maori begrüßten wir Peter und Conni. Vor uns waren bereits drei Autos da. So mussten wir uns etwas abseits stellen. Bei Peter suchten wir uns leckeres Wildfleisch für die kommenden Tage aus. Er empfahl uns Zebra-Fleisch, das wir sofort für heute Abend auftauten. Ruth war nämlich etwas skeptisch und hatte ihm angekündigt, es umgehend zu ihm zurückzubringen, wenn es nach Pferd schmecken würde. Bald trafen auch Heribert, Monika und Oliver ein. Sie waren auf dem Weg nach Zimbabwe. Es wehte ein ordentlicher Wind. Ruth duschte, dann wuschen wir ein bisschen Wäsche. Mit den anderen setzten wir uns zum Sonnenuntergang auf den Turm. Dann machten wir Abendessen. Es gab zwei Salate, Kartoffeln und Fleisch. Das Zebra schmeckte wirklich sehr lecker. Wir saßen lange zusammen und erzählten alle möglichen Afrika-Erlebnisse, wir natürlich in erster Linie aus dem aktuellen Urlaub. Es war ein netter, aber kühler Abend. Als es uns zu ungemütlich wurde, gingen wir ins Zelt.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200628. Dez. 2011 · #96
Dienstag, 23. August 2011
Knapp über null Grad zeigte das Thermometer, als wir um halb sieben aufstanden. Wir wollten früh weg und frühstückten daher schnell auf der Ladeklappe ein Nutella- bzw. Marmeladenbrötchen. Dann kam Peter und nahm uns noch mal mit in den Souvenirladen im Turm. Dort erzählte er uns wieder allerhand über die Teufelskralle, Marula-Öl und die Buschmänner. Irgendwann hatte sich Ruth für ein paar Dinge entschieden und ließ wie immer unser restliches Geld dort. Wir verabschiedeten uns von Heribert, Monika und Oliver. In Grootfontein holten wir Geld bei der Bank und fuhren dann später als erwartet los. Die Kilometer zogen sich dahin.
Es ging über Otavi, Otjiwarongo, Okahandja Richtung Windhoek. An einem Rastplatz machten wir eine Pause und picknickten.
In Windhoek tankten wir und kauften Holz. Dann brachen wir zur letzten Etappe auf. Wir verließen die Hauptstadt in südlicher Richtung, und die Landschaft wurde nun noch schöner. Zwischen Bergen zog sich die Straße in Kurven dahin, und die Nachmittagssonne zauberte ein wunderschönes Licht auf das goldgelbe Gras.
Wir sahen heute besonders viele Polizeiautos und auf der gesamten Strecke drei Geschwindigkeitskontrollen. Kurz vor Mariental bogen wir ab und fuhren die letzten Kilometer zur Anib-Lodge. Dort wurden wir aufgrund der Buchung bereits erwartet. Wir entschieden uns, am Abendessen in der Lodge teilzunehmen. Der Campingplatz war sehr schön gelegen und hatte ein eigenes kleines Häuschen mit Dusche und Toilette, leider jedoch zunächst kein Wasser. Wir hatten gerade das Zelt aufgeklappt, als die Sonne unterging und die Temperaturen deutlich fielen. Gegen 18.00 Uhr waren es nur noch 7 Grad. Wir hatten gehört, dass es gestern in Aus geschneit hatte und machten uns auf eine eisige Nacht gefasst. Um so mehr freuten wir uns auf ein gemütliches Essen in der mollig warmen Lodge. Dort waren außer uns noch etwa 60 andere Gäste, und es herrschte ein ziemlicher Trubel. Besonders laut wurden die erlebten Abenteuer in den beiden größten Gruppen verkündet, und wir mussten unwillkürlich an Hummeldumm denken. Trotzdem genossen wir einen leckeren Rotwein und fanden es schön, sich einmal nicht selbst um das Essen kümmern zu müssen, das sehr lecker war. Es gab einen Salat mit Hühnchenstreifen und Feta, eine Süßkartoffelsuppe, Oryxrouladen mit Reis und einen Schokoladenkuchen mit Vanillesoße. Anschließend liefen wir bibbernd durch die Kälte zurück zum Auto und beglückwünschten uns zu der Entscheidung, den Abend in der Lodge zu verbringen. Nachdem Ruth zuvor etwa zehnmal mit Stirnlampe auf dem Kopf um das Auto gerannt war (Tipp des Schlafsackverkäufers: niemals unterkühlt oder frierend in den Schlafsack steigen! Und zum Glück wird man alleine auf der Campsite auch nicht beobachtet!), zeigte sich Uwe trotz der Kälte tapfer und machte noch ein paar Fotos des einmaligen Sternenhimmels. Bei knapp zwei Grad mummelten wir uns dann in die Schlafsäcke und hatten es tatsächlich warm. Ein Hoch auf Ruths Schlafsack und den zugehörigen Verkäufer!
diangelika138 Beiträge · seit 201129. Dez. 2011 · #97
Hallo Eulenmuckels, das ist das Tolle, der Sternenhimmel in Afika! Man sieht richtig einen Teil der Milchstraße! Ich habe sowohl in Namibia als auch im letzten Sommer in Kamerun versucht, das zu fotografieren, aber hab es nicht so toll hinbekommen. Was für eine Belichtungszeit habt Ihr dafür gehabt? Übrigens könnte ich mich bezüglich eines Reisberichts revanchieren. Wenn Ihr wollt könntet Ihr in der Geo Reisekommunity unter diesem Link http://www.geo-reisecommunity.de/reisebericht/466991/1/Abenteuer-Kamerun etwas über Kamerun lesen. Liebe Grüße und einen guten Rutsch wünscht Angelika
tiggi1'558 Beiträge · seit 201129. Dez. 2011 · #98
Hallo Eulenmuckels! Ein super Bericht! Ich habe für Juli/August 2012 eine ähnliche Tour geplant, aber bei euren tollen Bildern muss ich mir noch Gedanken um ein weiteres Objektiv machenB) Leider konnte ich die Chope Safari Lodge nicht vorbuchen, habe es versucht, bin gespannt wie voll es dann ist? Bin gespannt, wie euer Bericht weitergeht. Liebe Grüße und alles Gute für 2012 Birgit
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200602. Jan. 2012 · #99
Liebe Angelika,
wir sind auch immer wieder begeistert von dem tollen Sternenhimmel in Namibia. Dieses Foto habe ich 30 Sekunden lang belichtet bei ISO 6400 (Blende 5,6).
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200612. Jan. 2012 · #100
Mittwoch, 24. August 2011
Die Nacht war zwar kalt, aber gut auszuhalten. Wir standen erst auf, als die Sonne schon aufgegangen war und ein wenig wärmte. So frühstückten wir gemütlich in der Sonne. Nach dem Abwasch klappten wir das inzwischen aufgetaute und trockene Zelt zusammen und fuhren zur Lodge, um unsere Rechnung zu bezahlen. Dort kauften wir auch noch ein paar Postkarten. Es war schon kurz vor zehn Uhr, als wir aufbrachen.
Wir fuhren über Mariental nach Maltahöhe. Dort tankten wir und bogen auf die Schotterstraße nach Helmeringhausen. Die Landschaft war grandios. Obwohl wir schon oft hier im Süden Namibias waren und auch diese Strecke einige Male gefahren sind, fasziniert uns immer wieder die Aussicht. Hinter jeder Hügelkuppe öffnet sich die Landschaft zu einem neuen, überwältigenden Ausblick.
Das Gras leuchtete golden im Nachmittagslicht, als wir in die Tirasberge kamen und auf die D707 abbogen. Vorbei an verschiedenen Gästefarmen, die wir in den vergangenen Jahren bereits besucht hatten, kamen wir nach Kanaan und wurden von Hermi, dem Besitzer begrüßt. Auf der Farm waren wir die einzigen Gäste. Außer Hermi war noch der Praktikant Maiko da. Hermi nahm uns sehr nett und herzlich in Empfang und fuhr sofort mit uns über seine Farm. Während er mit Maiko und einem Angestellten den Campingplatz für die nächsten Gäste vorbereitete, kletterten wir in den umliegenden Felsen herum und machten Fotos von der unvergleichlichen Landschaft mit weiten Ebenen, Bergen und dem Abendlicht. Der einzige Campingplatz der Farm besteht aus genau einem komfortablen Stellplatz mit einer tollen Aussicht. Hier wollen wir auch einmal campen.
Anschließend fuhren wir im Abendlicht zurück zur Farm. Wir zogen uns etwas Wärmeres an, und schon ging es weiter auf einen Berg hinter der Farm zum Sonnenuntergang, der jedoch sehr schnell hereinbrach. Wir machten noch einige Fotos, tranken etwas und fuhren wieder zurück.
Dort packten wir unsere Sachen aus dem Auto ins Zimmer und warteten auf das Abendessen. Hermi briet im Wohnzimmer Fleisch in einer Pfanne auf dem Feuer. Dazu gab es verschiedene Salate. Beim Essen unterhielten wir uns. Hermi bemühte sich, Deutsch zu sprechen, was sehr sympathisch war und mit einigen Fantasiewörtern sehr nett klang. Hier auf Kanaan sind wir im Paradies angekommen. Nach den Wochen im ungemütlichen Dachzelt, nach den Mücken- und Elefantenbesuchen und nach den Angriffen der Tse-Tse-Fliegen können wir hier in einem weichen Bett schlafen, bekommen alle Mahlzeiten zubereitet und serviert und werden zu den schönsten Fotomotiven gefahren. Wir fühlen uns hier sehr wohl.