Champagner schrieb:Sossusvlei – Montag, 2. Mai 2011
Passend dazu hören wir ein Donnergrummeln, das kann ja heiter werden. Schon beim Sundowner hat Achim uns erzählt, dass ein Pärchen aus Süddeutschland die ganze vorherige Nacht nicht schlafen konnte, weil ein Unwetter über der Lodge getobt hat. Gestern sind sie dann nicht bis zum Vlei gekommen, weil alles unter Wasser stand.
Sollte uns das gleiche Schicksal wiederfahren??
Ja, die Nacht hat es in sich – ein heftiger Wind lässt die Zeltwände und das Dach kräftig flattern. Bei dem Lärm kann man schlecht schlafen, außerdem mache ich mir Gedanken, was dies wohl wettertechnisch für den kommenden Morgen, an dem der Ausflug zu den Dünen geplant ist, bedeuten würde.😕
Aber siehe da: als wir aufstehen, hat sich der Wind beruhigt, und obwohl es noch Nacht ist (natürlich wollen wir auch rechtzeitig zur Toröffnung dort sein), kann man erkennen, dass der Himmel einigermaßen freundlich aussieht.
Frühstück fällt natürlich aus, wir treffen uns an der Rezeption, trinken dort einen schnellen Kaffee und schon geht es los. "Alle da?" - "Jaaa!" "Alle gut geschlafen?" Grummel... "Alle gut gefrühstückt?" Grummel....😠
Am Gate sind wird nicht die ersten....
Aber da unser pfiffiger Tulivu das Permit schon am Abend vorher besorgt hat, sind wir dann doch ganz weit vorne beim Start zur Dünenralley.
Die Geschwindigkeitshinweise sind für unserer Driverguide nur höfliche Vorschläge, die er ebenso höflich missachtet. Ich bete, dass alle Tiere noch schlafen und nicht auf die Idee kommen, diesem Irren in den Weg zu laufen...😃
Tun sie nicht, haben aber alle überlebt!
Seine Begründung für die Raserei: wir wollen ja rechtzeitig zum Sonnenaufgang an einer Düne sein....
Das mit der Sonne ist allerdings so ein Ding: der nächtliche Wind hat doch ein paar Wolken herbeigepustet und die verharren ziemlich hartnäckig am morgendlichen Himmel. Allerdings entstehen dadurch Motive, die nahezu surreal wirken. Dazu noch die Heißluftballons...
Die Sonne erbarmt sich dann aber doch und kämpft sich für uns durch die Wolken! 🙂
Wir machen natürlich auch einen Fotostopp an Düne 45 und fahren dann zum 4x4-Parkplatz. Dort steigen wir in ein "Taxi" ein, das wir für uns alleine haben. Die Fahrt zum Vlei ist sehr schön, überall blüht es und die Dünen zeigen noch Spuren von dem vielen Regen, der zum Glück vor unserer Zeit runterkam.
Auch auf dem Weg ist es zum Teil noch recht nass.
Achim möchte gerne auf die höchste Düne, Big Daddy, steigen. Tulivu muss ihn leider enttäuschen, nix Daddy, Mami ist angesagt - unser Ziel ist Big Mama.
Sche.... Emanzipation, denkt Achim vermutlich 😉 . (Nebenbei: beim Fotosichten für heute habe ich soooo schöne Bilder von Achim mit seinem Tropenhelm gefunden! Schade, dass ich mich nicht traue, sie reinzustellen. Aber eigentlich sind sie auch nicht perfekt – es fehlt noch der Schmetterlingskescher... 😛 )
Wir halten an einem romantischen Plätzchen unter einem Baum an,
Tulivu erklärt uns ein paar Dinge zum Vlei und schickt uns dann hoch auf die Düne – als Belohnung soll es ein Frühstück in ca. 45 Minuten geben. Gesagt getan – wir finden den Ein- bzw. Aufstiegspunkt
und wissen gar nicht, wohin wir zuerst schauen sollen. Das Vlei ist mit Wasser gefüllt und die Ausblicke werden mit jedem Höhenmeter, den man gewinnt, immer toller.
So vergisst man auch die Anstrengung – wobei ich es mir aufgrund der Berichte hier im Forum schlimmer vorgestellt hatte. Aber vermutlich ist Big Mama sowieso nur eine Herausforderung für Gruppenreisende und nicht für durchtrainierte Selbstfahrer – die erklimmen sicher Big Daddy.
Schweren Herzens machen wir uns auf den Rückweg, es wird auch langsam warm, da die Sonne nun endgültig den Durchbruch geschafft hat. Und wer kommt uns da entgegen? Die Trenchcoatladies mit ihrer Truppe! Wie beim Stadtbummel versuchen sie an Höhe zu gewinnen – da wir ja in die entgegengesetzte Richtung unterwegs sind, weiß ich nicht, wie weit sie es geschafft haben.
Wir werden aber abends dank meiner Schwester noch eine interessante Story über diese sonderliche Gruppe erfahren.
Kurz vor dem Ziel (Frühstück!!) rutsche ich in einem Schlammloch aus – und komme gerade noch irgendwie wieder auf die Füße – das wäre ein gelungenes Motiv geworden... Schampus im Matsch! Man merkt, wie viel Nässe noch überall vorhanden ist.
Das Frühstück ist sensationell, liebevoll gedeckter Tisch, leckeres Essen aus dem Korb der Lodge und beste Stimmung.
Wir lassen uns Zeit und genießen dieses einmalige Picknick in traumhafter Kulisse.
Irgendwann wird es Zeit zum Aufbruch – unser Rücktaxi, das Tulivu bestellt hat, kommt pünktlich
und bringt uns zu unserem Bus, dieser wiederum fährt uns zum Sesriem Canyon. Dort wagen wir ein paar Blicke in die Tiefe,
sind aber eigentlich so ausgefüllt mit Eindrücken aus dem Vlei, dass wir nicht böse sind, als wir recht schnell wieder in den Bus gerufen und zur Lodge gefahren werden. Dort genießen wir den restlichen Nachmittag und lassen die Seele baumeln bei Kaffee und Gebäck. Die Glanzstare unterhalten uns dabei,
und dann entdecke ich noch dieses Kerlchen.
Zum Sundowner trifft meine Schwester zufällig den Manager aus der Hammerstein Lodge an der Bar. Er erzählt, dass der grüne Bus der Trenchcoatladies erst nachts bei ihm eingetroffen ist, erstens hatten sie eine Panne und zweitens fährt die Driverin (ja, es ist schon die zweite Frau, die ich als Guide und Driver hier in Namibia arbeiten sehe) vermutlich keinen solch heißen Reifen wie Tulivu (dafür sollte uns später auf der Reise noch der Beweis geliefert werden). Als Folge davon hatten sie nur drei Stunden Schlaf, weil sie ja zwecks Sossusvlei-Besuch morgens um 4 Uhr wieder aus den Federn mussten. Kein Wunder, dass sie so zerknittert aussahen und die Dünen hochgeschlichen sind, die Armen...
Schwesterherz hat auch noch die Reiseleiterin erlebt, wie sie sich gegenüber anderen Guides beschwert hat, nie wieder würde sie mit solch einer Truppe unterwegs sein wollen. Sie selber kommt wohl aber auch nicht sonderlich sympathisch rüber, so dass man sagen kann: jeder wie er es verdient! Oder gleich und gleich gesellt sich gern.
Wir essen wieder im Dunkeln, warten, ob dem Springbock am Wasserloch noch andere folgen (nein! Die Kulissenschieber haben vermutlich Feierabend) und gehen sehr früh ins Bett, mit Schlafmangel von der vorherigen Nacht und mit Aussicht auf frühes Aufstehen am nächsten Morgen (unser Sklaventreiber will uns bei Sonnenaufgang am Frühstückstisch sehen!).

