Kapitel 8: Die unglaubliche Sensation im Dead Vlei!Ich bin mir nicht ganz sicher. Aber vermutlich war es entweder der unruhige Schlaf meines bandscheibengeplagten Privat-Reiseleiters, oder der Bio-Blasen-Wecker, der uns um 4:50 Uhr aufstehen ließ. Oder vielleicht auch beides. Da wir ja am Vorabend nicht wirklich zum Campieren sondern nur zum Schlafen gekommen waren, musste mein Privat-Reiseleiter auch nur das Dachzelt zusammenklappen und einpacken. Und so kam es, dass wir um 5:30 Uhr tatsächlich die Ersten am zweiten inneren Gate waren! Da blieben noch ein paar Minuten, um sich schnell was zwischen die Zähne zu schieben, bevor dann überpünktlich um 5:43 Uhr die Schranken geöffnet wurden.
Mit den erlaubten 60 km/h sind wir losgefahren. Alle schön vorbildlich in einer Reihe, wie eine in der Dunkelheit leuchtende Lichterkette. Dann, hinter der ersten Kurve und ausser Sichtweite des Gates, waren plötzlich alle Geschwindigkeitsbeschränkungen egal. Die Kolonne zerfiel, Motoren heulten auf, und es wurde beschleunigt, was das jeweilige Fahrzeug hergab. Mein Privat-Reiseleiter meinte, dass wir teilweise bestimmt mit weit über 100 km/h überholt wurden. Und das, wie wir später rekonstruieren konnten, vom Sossusvlei-Shuttle-Service und anderen professionellen Reiseleitern!
Okay, zugegeben. Als wir auf halben Weg, nach dem "Tsauchab-River-Crossing", dann wieder überholt wurden, hat sich mein Privat-Chauffeur an den Überholer dann auch drangehängt und ihn quasi als Strassenzustands-Auskundschafter ausgenutzt. Zumindest solange bis dessen Geschwindigkeit dann doch wieder für sein eigenes Sicherheitsgefühl zu gross wurde.
Mit dem Gefühl Letzter zu sein, erreichten wir den 4x2-Parkplatz am Ende der Teerstrasse und liessen ihn gleich links liegen. Nur schnell den All-Pfoten-Antrieb hinzugeschaltet, einmal tief durchgeatmet und schon ging es in das berühmte sandige Flussbett des ausgetrockneten Tsauchabs.
Rolands Tipp vom 4x4-Fahrtraining folgend, bauten wir gut Geschwindigkeit auf (ca. 40 km/h), um die Gefahr eines Steckenbleibens zu minimieren. Mit dieser Strategie überholten wir dann wiederum tatsächlich ein anderes Fahrzeug auf dem Abschnitt, welches nur halb so schnell war wie wir. Und als wir am "Dead Vlei-Parkplatz" ankamen, waren wir die Ersten?!?
Okay... damit hatten wir jetzt nicht gerechnet, aber hatten natürlich auch nichts dagegen die Ersten am "Dead Vlei-Parkplatz" zu sein. =^.^=
Also schnell in der Morgendämmerung, wo ja noch alles schattig ist, einen möglichst schattigen Parkplatz für später gesucht, Trinken und Kamera in den Wanderrucksack gepackt und schon machten uns auf den Weg.
Und gerade als wir mit unserer Wanderung ins Dead Vlei starteten, kamen die nächsten Fahrzeugen mit den nächsten Touristen an.

Da war es übrigens 6:45 Uhr und die Sonne konnte nicht mehr weit vom östlichen Horizont entfernt sein.

Denen in fast gerader Linie stehenden und weiß bemalten Pfosten folgend, liefen wir in nur 15 Minuten ins Dead Vlei. Und zusammen mit einer netten Gruppe Japaner, waren wir dann tatsächlich die Allerersten Besucher an diesem noch sehr frühen Morgen.
Ich glaube ein völlig menschenleeres Dead Vlei sieht auch nicht jeder.

Vorbildlich studierten wir ersteinmal die hier geltenen Benimm-Regeln. Keine Drohnen, kein Klettern und generell kein Berühren der Bäume!

Mit der Qual der Wahl, machten wir uns auf zu unserem ersten Baum und machten das was wohl jeder Tourist hier macht. Fotos.

Doch dann! Völlig unerwartet, machte mein Privat-Fotograf eine wirklich sensationelle Entdeckung!
Während ich das tat was Löwinnen nunmal so tun, entdeckte mein Privat-Fotograf eine Antilope im Dead Vlei! Ein Springbock der wirklich am allerletzten grünen Busch vor der sich dahinter ewig erstreckenden Namib-Wüste seinen Magen füllte!

Doch wer jetzt denkt, dass war schon alles - nein!
Denn was er dann sah, würde ihm wirklich niemand glauben, wenn er nicht ein Beweisfoto gemacht hätte!
Und das war wirklich die Senstion des Tages! Ach was sage ich! Die Sensation des Jahrhunderts!
Erst nur eine kurze Bewegung in seinem Augenwinkel wahrnehmend, entdeckte er eine sich anschleichende, jagende Löwin!
- Absolut senstationelles Foto von einer jagenden Löwin im Dead Vlei !!! -

Unglaublich, nicht wahr?
So natürlich wundervoll!
Und einfach nur elegant und fotogen!
Ich mag Aktion-Fotos von mir. =^.^=
Leider bot das Gelände viel zu wenig Deckung, so dass ich am Ende wirklich keine Chance hatte auch nur ansatzweise dem Springbock näher zu kommen, ohne von ihm gesehen zu werden. Er ist daher seiner Wege gegangen, zurück ins Sossusvlei.
Wir hingegen widmeten uns wieder den toten und lebenden Bäumen. Die laufen auch wenigstens nicht weg. =^.^=


Und gegen kurz nach 7:30 Uhr schaffte es dann auch die Morgensonne über die riesige Düne des "Dead Vlei".


Baum Nummer 3, oder 4? Ach wer weiss das schon so genau.



Es waren jedenfalls genug Bäume für alle da.


Irgendwann wurde der Schatten im Tal der toten Bäume immer spärlicher. Und da weder ich noch mein Privat-Fotograf grosse Lust darauf hatten von der heissen Sonne durchgebraten zu werden, machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Toyota auf dem Parkplatz.
Privat-Fotograf: "Safari? Würde es dir was ausmachen dich auf dem Rückweg im Rucksack zu verstecken?"
Safari: "Kann ich machen. Was hast du vor?"
Privat-Fotograf: "Ich hab da eine Idee die dir gefallen könnte."
Und damit ihr die folgende Begegnung auch in vollen Zügen miterleben könnt, hier noch die "Original-Fotos" von meiner Springbock-Jagd am frühen Morgen. Diese bitte kurz einprägen. Denn diese Fotos werden ab nun eine wichtige Rolle spielen.
!!!!! Sensationelles Foto A: "Springbock im Dead Vlei!!!!!

!!!!! Noch sensationelleres Foto B: Jagende Löwin im Dead Vlei!!!!!

Wir waren noch nicht ganz oben auf der ersten Sattel-Düne, als uns auch schon ein erstes geeinetes Opfer entgegenkam. Es war ein englisches Ehepaar eines schon etwas älteren Semesters. Und die nicht ganz so sportliche Frau, ich nenne sie jetzt einfach mal "Elisabeth", keuchte schon merklich durch den für sie anstrengenden Anstieg.
Private-Photographer: "Hi! How are you?"
Elisabeth: *breathing heavingly* "Hi! I'm fine, I'm fine"
Private-Photographer: "Congratulations! You just did the last slope. It's amazing down there in the Vlei. The light, the shadows and the dead trees between the dunes...
And I even saw a hunting lioness this morning!"
Elisabeth: *looking suspicious* "You are kidding me!"
Private-Photographer: "No! Really! I can show you the photos I made."
Elisabeth: "Seriously?!"
Private-Photographer: *showing her sensational photo A* "See! Here is the antilope gazing at the bush..."
Private-Photographer: *skipping to sensational photo B* "...and here is the lioness."
Elisabeth: *a bit shocked* "Oh my god!!! Darling see! He is telling the truth! A lioness!! Unbelievable!"
Was soll ich sagen... Ich war stolz wie Simba nach der Rückeroberung seines Königreiches!!!
Ich meine ich bin jetzt doch wirklich in voller Grösse auf dem Foto zu sehen. Und trotzdem war Elisabeth und auch ihr Mann völlig überzeugt, dass ich eine wahrhaftig echte Antilopen-jagende Löwin bin!
Boah! Mein plüschiges Löwinnen-Herz platze nur so vor Freude!
Danke, völlig besorgte und leicht verängstigte Elisabeth! Danke, Danke, Danke!!! =^.^=
Elisabeth: *now worried* "Is the lioness..., is she still down there?!?"
Private-Photographer: "No, don't worry! I caught her!"
Elisabeth: *puzzled* "YOU DID WHAT??!!"
Unter den ungläubigen Augen von Elisabeth nahm mein Privat-Fotograf seinen Rücksack vom Rücken und öffnete das Hauptfach, aus welchem ich ihr wiederum mit einer Freudenträne in meinen Augen entgegenstrahlte.
Privat-Fotograf: "Here she is! Sorry for the joke, but I hope I made your day!"
Elisabeth: *laughs with all her heart* "You did! You definetly did!"
Ich glaube die Frau war sehr froh darüber es am Ende doch nicht mit einer erwachsenen 130kg schweren Raubkatze zu tun zu haben, sondern nur mit einer kleineren süssen 3kg schweren Kuschelkatze. Und ich glaube auch, dass ihr diese Begegnung wirklich den Tag gerettet hat. Denn ich bin mir fast sicher, dass sie nur aus Liebe zu ihrem Mann die Strapazen auf sich genommen hat. Damit er, wie sollte es auch anders sein, im Dead Vlei Fotos von toten Bäumen machen kann.
*Safari zu ihrem Privat-Fotografen*
Safari: "Das war ja aber schon etwas gemein, so eine ahnungslose Touristin hinters Licht zu führen. Mit einem erfahrenen einheimischen Guide würde das hier vermutlich nicht funktionieren."
Privat-Fotograf: "Top die Wette gilt! Da vorne kommt einer mit seiner Touri-Gruppe!"

Ich versteckte mich also ganz schnell wieder im Wanderrucksack und lauschte gespannt der Dinge die da kamen.
Privat-Fotographer: "Hi! How are you?"
Tour-Guide: "Fine! And you?"
Privat-Fotographer: "I am excited! I just had an unbelievable sighting!
I saw a hunting lioness in the Dead Vlei over there!"
Tour-Guide: "That's impossible. You must have misjuged something."
Privat-Fotographer: "No really! I can show you the photos!"
Privat-Fotographer: *showing ihm photo A* "See! Here is the springbock at the bush..."
Privat-Fotographer: *skipping to photo B* "...and here is the hunting lioness."
*Tour-Guide stares for some seconds at photo B on the camera display...*
Tour-Guide: "I can't believable it! I never ever heard of a similar sighting here. When did you see the lion?"
Privat-Fotographer: "This morning! Just when the sun came up."
*Some of his tour guests also take a look at photo B*
Tour-Guide: "This morning!?! And in which direction did the lion go?"
Privat-Fotograf: "Well, I catched her!"
Tour-Guide: "Sorry, what?"
Privat-Fotograf: "I catched the lioness!"
Tour-Guide: "WHAT!?!"
Tourist: "Ah, that's a toy lion!"
*Tour-Guide takes a third look at the photo and starts to laugh*
Tour-Guide: "Oh! You tricked me! You really tricked me!"
Ich war fassungslos! Ist es denn zu glauben? Er glaubte es auch! Er, der hier bestimmt schon tausendmal im Dead Vlei und Sossusvlei war!
Ich werd noch verrückt! Nein, was rede ich denn! Ich werd noch zu einer echten Löwin! Zu einer
ECHTEN LÖWIN !!!!!
Ich könnte BRÜLLEN VOR FREUDE!!!
Mit einem absolut unbeschreiblichen Glücksgefühl sind wir dann das restliche Stück zum Parkplatz gelaufen und haben uns dort ersteinmal einen erfrischenden Schluck gut gekühlten Wassers gegönnt. Einmal zum Abkühlen der Körpertemperatur und einmal zum Abkühlen meines Gemütszustandes. Nicht das ich wieder in eine Glücksstarre verfalle wie vor zwei Jahren schonmal.
Und auch wenn ich am Anfang das Gefühl hatte durch das Folgen der linken Fahrspur vom Kurs abgekommen zu sein, war der Weg durch den Tiefsand für mich trotzdem noch wie fliegen... . Genauso wie die Teerstrasse ab dem 4x2-Parkplatz. Die Dünenlandschaft links und rechts wehte nur so an uns vorbei, während ich weiterhin mit meinen Gefühlen über allen Wolken schwebte.


Erst die grosse Oryx-Herde, welche am "Sossuspoort Viewpoint" bei der "Dune 1" vor uns die Strasse überquerte, holte mich wieder aus meinem schönen Tagträumen zurück.



Zum Glück ist das kein Nashorn, sonst hätte mein Privat-Fotograf das Foto wegen der genauen Positionsangabe wohl leider zensieren müssen. -_-

Aber bei diesen ganzen Oryx-Sichtungen und unseren dadurch verursachten Foto-Stopps kam mir eine Idee...
Safari: "Du ich habe da eine Idee..." *flüster*
Privat-Fotograf: "Das funktioniert nie im Leben! Aber ich bin dabei!"
Safari: "Das werden wir ja sehen!"
Wir hielten also bei der kleinen Flussdurchfahrt beim Abzweig zur "Sossus Dune Lodge" an. Und während ich mich gerade noch sichtbar unter einem Baum versteckte, holte mein Privat-Fotograf seine Kamera mit dem grossen Teleobjektiv hervor.
Die Falle war gestellt...