H.BadgerThemenstarter1'824 Beiträge · seit 201615. Feb. 2025 · #83
Fortsetzung
Am späten Nachmittag und bei herrlichstem Wetter erreicht unsere Fähre den kleinen Hafen von Moskenes. Bereits das kleine Hafenbecken mit den es umgebenden Holzhäusern und der weißen Kirche macht Lust auf mehr.
Von Moskenes aus biegt man nach links gen Å ab, wo unser Häuschen für die nächsten Tage steht. Da wir jedoch der Stabilität einer Schönwetterlage in Norwegen noch nicht so recht trauen mögen, biegen wir erstmal nach rechts ab, um das nur wenige Kilometer entfernte Fischerdorf Reine zu besuchen, dessen wunderschöne Lage so manches Reiseführercover ziert. Wir finden einen Parkplatz am Ortsrand und spazieren zu den Aussichtspunkten, die eine wirklich spektakuläre Sicht auf das Dörfchen, den Fjord und die umgebenden Berge eröffnen. Diese Blicke finden wir jetzt wirklich erstaunlich. Und bereits jetzt scheint klar zu werden, dass die Lofoten landschaftlich zum besten gehören, das wir auf unseren Reisen bisher erleben durften. Es ist einfach unglaublich schön hier.
In Reine kaufen wir im Dorfladen für viel Geld wenig ein. Die Auswahl ist begrenzt. Es gibt mehr Ansichtskarten als Lebensmittel. Heute Abend wird also Tiefkühlpizza serviert.
In den frühen Abendstunden fahren wir schließlich nach Å. Das warme Licht wird uns noch einige Stunden begleiten. Das ist wirklich fabelhaft und verdrängt die Müdigkeit des langen Reisetags.
Am Ortsrand des kleinen Fischerdorfs, das wie ein Freilichtmuseum wirkt, liegt in exponierter und doch sehr ruhiger Lage unser kleines weißes Häuschen, das wir für die nächsten drei Nächte bewohnen werden. Die Freude ist groß!
Im Erdgeschoss finden sich Küche, Wohnzimmer und ein Bad. Alles gemütlich im „Vintage-Style“ eingerichtet – bei meinen Großeltern sah es tatsächlich ähnlich aus.
Im ersten Stock sind zwei schlichte Schlafräume und eine weiteres Badezimmer zu finden. Vom Haus aus blickt man in einer Richtung über das Dorf hinweg, in der anderen eröffnet sich der Blick zum Meer hin. Das ist fast noch schöner.
Wir spazieren ein wenig durch Å. Ein schönes Dörfchen, das dieser Tage aber vor allem akustisch Aufmerksamkeit erzeugt, denn auf einigen Dächern nisten dicht an dicht unzählige Dreizehenmöwen, die unablässig ihr durchdringendes „Kittiwäääh!“ ausstoßen. Am Hafenbecken können wir sogar kurz einen Fischotter entdecken – leider ist das falsche Objektiv montiert und so entsteht hier nichts Vorzeigbares. Schade.
Dann zieht es uns natürlich irgendwann noch ans Meer, das wir von unserem Haus aus in wenigen Augenblicken über Stock und Stein erreichen. Je nach Stand der Flut kann man hier nach Herzenslust über Felsen kraxeln und in Gezeitenpools herumplanschen. Das ist jetzt und in den kommenden Tagen ein echtes Highlight für die Kinder.
Ich nutze die Zeit und das schöne Licht lieber, um ein wenig den anwesenden Austernfischern nachzustellen.
Den fortgeschrittenen Abend verbringen wir (noch immer im T-Shirt! 😉 ) bei Tiefkühlpizza und Kaltgetränken auf unserer Terrasse mit Blick über die Küste und das Meer. Was ist das herrlich hier. Unglaublich.
Randvoll mit neuen Eindrücken geht es viel zu spät in die Betten. So richtig dunkel will es trotz der von uns vor den Fenstern installierten Rettungsdecken nicht werden und so ist der Schlaf eher von der leichten Sorte. Noch nachts um zwei ziehen Mutter und Tochter von der Stimmung begeistert ums Haus.
Um kurz nach halb vier Uhr verrät mir ein Blick aus dem Fenster: Das Licht ist wieder einfach nur göttlich. Zeit für einen nächtlichen Spaziergang durch Å, auf den ich euch im nächsten Kapitel mitnehmen werde.
in "A" waren wir auch, allerdings nur auf einen Abstecher. Das Dörfchen haben wir uns aus Zeitgründen nicht angeschaut, dafür aber das Ende der Welt. Das war eine tolle Stimmung dort am Meer, einfach schier unglaublich. Vor dir nur Wasser, Wind und eine wahnsinnige Weite.
Dein Bericht ist wie immer superschön zu lesen. Und perekt hast Du das beschrieben:
Und bereits jetzt scheint klar zu werden, dass die Lofoten landschaftlich zum besten gehören, das wir auf unseren Reisen bisher erleben durften. Es ist einfach unglaublich schön hier.
Genau so ist es - die Lofoten sind das Allerbeste!
Was dem Ganzen aber das i-Tüpfelchen verpasst - jetzt kennen wir Dich und Deine Frau persönlich, und so ist es einfach ganz was anderes, wenn man nun weiß, wer sich hinter den Zeilen verbirgt. Übrigens: nachdem´s bei Euch ja so schön warm war in Norwegen vermute ich mal, dass Deine Frau nirgendwo eine zusätzlich Wolldecke gebraucht hat, oder? 😉 🙂
In Reine seid Ihr ja auch gewesen. Seid Ihr hoffentlich den Reinebringen hochgekraxelt? Das war für uns das absolute highlight unseres Lofoten-Urlaubes. Bin gespannt - für Euere zwei Mädels dürfte der Reinebringen kein Problem gewesen sein. Für Euch .....hoffentlich auch nicht ....?)
H.BadgerThemenstarter1'824 Beiträge · seit 201617. Feb. 2025 · #85
@ bayern schorsch Lieber Claus, Wolldecken hat es tatsächlich nicht gebraucht, aber wir hatten schließlich auch unsere Minus-Grad-zertifizierten Mumienschlafsäcke dabei 😉 Ernsthaft: Es war echter Hochsommer auf den Lofoten und daher haben wir ganz viel Zeit an und im Wasser verbracht. Die Natur rings um A hat uns auch sehr gut gefallen und wir sind dort ausgiebig an der Küste entlangspaziert.
Tja - der Reinebringen... Ich wollte das eigentlich gern machen, fand aber keine Mehrheit und allein mochte ich mich dann auch nicht auf den Weg machen. Die Kinder haben bezüglich dieser Wanderung absolut ihr Veto in sehr deutlicher Form eingelegt und auch meine Frau hatte ihre Zweifel, ob der Anstieg für nicht ganz schwindelfreie Menschen geeignet ist. Dazu kam, dass der Reinebringen zu unserer Reisezeit von unten aus gesehen immer wieder einer Ameisenstraße glich. Das hat meine Lust dann auch nicht ins Unermessliche gesteigert. Den Ausblick aber hätte ich natürlich gern genossen. Für einen zweiten Lofotenbesuch steht der Reinebringen gemeinsam mit einigen anderen schönen Aussichtspunkten daher noch auf unserer to-do-Liste.
tja, der Reinebringen. Zum Glück hielt sich bei uns die "Ameisenstraße" überschaubar, und dass Ihr vielleicht beim nächsten mal die Tour nach dort oben wagt, erlaube ich mir, ein paar wenige Bilder hier in Deinen RB reinzustellen. Ich hoffe, Du siehst mir das nach.
Schau mal, so sah das bei uns von unten aus:
Und wenn Du dann mal oben ist, dann ist man schier überwältigt:
Selten hab ich meine Conny so zufrieden und stolz gesehen. Es war ein steiler Marsch, aber es hat sich 100% gelohnt:
Also, red mit Deinen Mädels, ein absolutes must do bei der nächsten Reise!
Herzliche Grüße der bayern schorsch
P.S. das war jetzt schon bald wieder ein kleines Hexenwerk, bis ich die Handypics in die richtige Position gebracht hab. 😈
H.BadgerThemenstarter1'824 Beiträge · seit 201617. Feb. 2025 · #87
Lieber Claus, das ist wirklich ein grandioser Blick bei bestem Wetter! Glückwunsch, dass ihr es dort hinauf geschafft habt. Die Zufriedenheit ist Conny deutlich anzusehen. 🙂 Definitiv ist der Reinebringen für das nächste Mal gesetzt. Danke für die Bestärkung. Herzlich Sascha
H.BadgerThemenstarter1'824 Beiträge · seit 201617. Feb. 2025 · #88
Fortsetzung
Um kurz vor vier Uhr ist die Welt auf den Lofoten im Juli in wunderbar warmes Licht getaucht. Eigentlich viel zu müde, möchte ich diese schöne Stimmung keinesfalls verpassen. Ein kleiner Spaziergang führt mich zur Hafenmole. Von hier aus hat man meiner Ansicht nach den schönsten Blick auf Å und die es umgebenden Berge. Erstaunlicherweise bin ich zu dieser unchristlichen Zeit hier nicht allein. Eine Handvoll weiterer Morgensonnenanbeter genießt die Stimmung. Und die ist tatsächlich zum Niederknien.
Ich streife ein wenig durch das Fischerdorf. Dabei interessieren mich in erster Linie die Dreizehenmöwen, die auch in aller Herrgottsfrühe ihr „Kittiwäh“ ohne Rücksicht auf etwaige Schlafbedürfnisse ihrer Nachbarn erschallen lassen. Auf einigen Dorfhäusern nisten ganze Kolonien dieser eleganten Vögel. Leider konnten wir nicht in Erfahrung bringen, wie die Bewohner der Häuser zu den lärmenden Möwenmassen stehen. Ich jedenfalls bin trotz Vogelliebe ganz froh darüber gewesen, dass zwischen unserem Haus und dem nächsten Möwenhaus ein paar hundert Meter lagen…
Da die anderen bei meiner Rückkehr noch schlummern, spaziere ich aus Å heraus in Richtung Zivilisationsende. Die Straße endet am Ortsrand in einem größeren Parkplatz. Von dort aus gibt es ein paar Wanderwege und ganz viel Natur. Es ist eine große Freude abseits der Pfade über felsige Küstenlandschaft zu wandeln und dabei die wunderbare Aussicht über das Meer zu genießen. In der Ferne sieht man die Insel Værøy liegen.
Einen kleinen Fels zu finden, sich darauf niederzulassen, den Blick schweifend und den Geräuschen des Windes lauschend. Das ist schon wirklich schön.
Außer mir ist hier zu dieser Zeit niemand unterwegs und so freue ich mich irgendwann darüber, zwei Schmarotzerraubmöwen zu entdecken. Geduldig und vorsichtig nähere ich mich den Tieren und ich bin erstaunt darüber, wie dicht sie mich herankommen lassen. Ich setze mich auf einen Nebenfelsen und erfreue mich an dieser schönen Erstsichtung.
Außerdem findet sich in der Nähe des Dorfes der Ågvatnet, ein kleinerer See inmitten schöner Natur.
Dieser wird heute nach dem gemeinsamen Frühstück noch eine Hauptrolle spielen, denn der nordische Hochsommer lädt im Familienurlaub zu ausgedehntem Badespaß ein – und dem wollen wir hier im See und (damit wir auch etwas von den Inseln zu sehen bekommen) am Strand von Haukland nachgehen.
H.BadgerThemenstarter1'824 Beiträge · seit 201619. Feb. 2025 · #89
Es folgt ein gemütliches Frühstück auf unserer sonnenbeschienenen Terrasse mit schönen Blick übers Meer. Was haben wir es gut hier! Während die Kinder am Häuschen bleiben, machen die Erwachsenen einen kurzen Einkaufsschlenker gen Reine. Natürlich nicht, ohne das Panorama nochmal in vollen Zügen zu genießen.
Der weitere Tag gehört schwerpunktmäßig dem Wasser. Wir schnappen uns ein wenig Proviant und die Badesachen und marschieren unter leeren Stockfischgestellen zum nahen Ågvatnet.
Hier suchen wir uns einen schönen Spot am Ufer, breiten unsere Decken aus und alsbald sind große Teile der Familie im kühlen Nass verschwunden. Außer uns sind nur wenige Menschen anwesend und so hat man ganz viel See und ganz viel Natur mehr oder weniger für sich. Das ist eines der großartigen Dinge in Norwegen: Würden wir in der Heimat einen heißen Sommertag sardinen-like im städtischen Freibad oder höchstens an einem nahen Baggersee verbringen, so taucht man hier im wahrsten Sinne des Wortes in grandiose Natur ein. Und so kann sogar ich mich für Badepausen erwärmen.
Nach diesem Programmpunkt und einer ausgedehnten Pause im schönen Ferienhaus steigen wir ins Auto und steuern den Strand von Haukland an, der sich an der Nordseite der Lofoten befindet. Auf der Fahrt dorthin entschlüpfen uns ob der Schönheit der Landschaft in sehr regelmäßigen Abständen „Ahs“ und „Ohs“.
Der Strand selbst ist wunderschön!
Das Wasser ist bei diesem Wetter karibisch türkis. Der Sand warm und weiß. Umgeben ist man von schöner Berglandschaft und sattgrünen Wiesen. Natürlich ist man hier im Sommer nicht allein – vor allem am Hang unterseits der Straße sind zahlreiche Zelte aufgebaut. Wer will es dem Campern verübeln, an einem so schönen Ort zu wohnen? Und einen Parkplatz zu finden, ist auch gar nicht so einfach. Aber die Anzahl der Menschen verteilt sich sehr gut über den langen Strand und die angrenzenden Buchten und so ist das Stranderlebnis von Haukland nicht mit solchen an weiten Teilen der deutschen oder niederländischen Nordseeküste oder gar einer Mittelmeerinsel zu vergleichen. Allen Unkenrufen bezüglich der im Sommer von Touristen überrannten Lofoten zum Trotz.
Wir bleiben bis in den fortgeschrittenen Abend am Strand. Die Kinder planschen und schwimmen fröhlich im eiskalten Nordmeer. So stellen sie sich ihre Ferien vor und wir sind froh, ihnen auch mal solche Tage bieten zu können. Beim Blick auf fröhliche Kinder und auf die grandiose Lofoten-Landschaft vergeht die Zeit schnell. Die Sonne nähert sich dem Horizont. Das Licht wird immer schöner.
Die Rückfahrt stellt die Hinfahrt bei weitem in den Schatten. Wir fahren zwar naturgemäß die gleiche Strecke wieder zurück. Aber das Licht des späten Abends taucht die sowieso schon grandiose Landschaft in wunderschöne Stimmungen. Jetzt müssen wir tatsächlich (zum Leidwesen der Kinder) immer wieder anhalten und versuchen, diese Atmosphäre irgendwie zu konservieren.
Gegen 23 Uhr kommen wir an unserem Häuschen an. Während die Kinder sich zum Lesen zurückziehen, gehen meine Frau und ich noch ein wenig am Rand des Dörfchens spazieren. Wir haben es schon in der letzten Nacht gesehen und heute kommt es zum Glück zu einer erneuten Begegnung: Zu vorgerückter Stunde sind hier Schneehasen unterwegs. Im Gegensatz zu gestern ist aber die Kamera bereit und so können wir eine neue Tierart in unsere Fotosammlung aufnehmen.
Irgendwann geht es dann auch für uns ins Bett. Morgen früh soll eine Bootstour über den Reinefjord anstehen. Das soll ein weiterer Höhepunkt dieser schönen Reise werden.
H.BadgerThemenstarter1'824 Beiträge · seit 201620. Feb. 2025 · #91
Liebe Friederike, meiner Frau und mir - und bestimmt auch dir ! - sieht man das natürlich nicht an, aber die Kinder können den Lauf der Zeit nicht verhehlen. Wie lange ist das auch her, dass wir uns in Büsnau das letzte Mal gesehen haben? Sicher fünf Jahre!
Schön, dass du weiter mitliest! Es ist toll, dass du uns durch eines deiner Lieblingsländer begleitest!
H.BadgerThemenstarter1'824 Beiträge · seit 201621. Feb. 2025 · #92
Noch immer 7. Station: Westliche Lofoten
Auch am heutigen Tag herrscht wieder echtes Kaiserwetter und wir verbringen den Morgen mit einer sehr empfehlenswerten Aktivität. Am Vortag haben wir eine Fahrt über den Reinefjord mit der öffentlichen Fähre gebucht. Diese verbindet Reine mit den kleinen Dörfern, die rund um den Fjord verteilt liegen: Rostad und Kirkefjord. Schöner Nebeneffekt des öffentlichen Nahverkehrs ist, dass man die Tour für kleines Geld bekommt. Wir machen das Ganze als Rundfahrt, man kann aber auch gut zwischendurch aussteigen, um zu diversen Wanderungen aufzubrechen. Von Bord der kleinen Fähre bieten sich – wie an so vielen Orten der Lofoten – fantastische Ausblicke auf die den Fjord umschließenden Berge und die erstaunlich kleinen Ortschaften, die sich malerisch in die Landschaft schmiegen. Es ist wieder angenehm warm und so verbringen wir eine gute Zeit an Bord.
Auf der Rückfahrt gen Å halten wir kurz in Tind, um dort die an den gelben Holzfassaden nistenden Dreizehenmöwen zu beobachten.
Den Rest des Tages verbringen wir am Meer und auf Spaziergängen rund um Å. Dabei entdecken wir eine kleine Brutkolonie von Dreizehenmöwen und Krähenscharben. Es ist das einzige Mal, dass wir Dreizehenmöwen einmal nicht als Hausbesetzer erleben.
Für die Kinder ist am Nachmittag einmal mehr ausgedehnte Bade- und Kletterzeit angesagt, die Erwachsenen machen mit oder beobachten und fotografieren Vögel und sind mit der Ausbeute am Ende ziemlich zufrieden. Es macht einfach Spaß, an der schönen Küste zu hocken und zu beobachten, was so alles im Laufe der Zeit vorbeikommt. Da vergeht die Zeit wie im Flug.
Krähenscharben
Gryllteiste
Eiderente
Austernfischer
Trauerschnäpper
Am Ende entdecken die Kinder eine jagende Kegelrobbe, die wir interessiert beobachten. Ganz schön fette Beute!
Unseren letzten Abend in Å verbringen wir auf der schönen Terrasse. Hier waren wir wirklich gern!
Morgen geht es stracks gen Osten: Unser Ziel wird Kalle sein, auf dem Weg dorthin wollen wir das Wikingermuseum in Bøstad besuchen.
Wunderschöne Fotos ! Es macht Spaß, bei euch mitzureisen.....
Liebe Grüße
Makra
casimodo4'528 Beiträge · seit 200721. Feb. 2025 · #94
Also Sascha,
ich finde es ja ziemlich crazy und cool, dass Du hier die gleiche, von uns auch bereiste Gegend in einem ganz anderen Gewand beschreibst. Haukland sieht ja fast wie Karibik aus, während wir dort mit dunklen Wolkenstimmungen unterwegs waren.
Ganz tolle Bilder zeigst du da! 😎 Und zu den Birds. Wir haben ja nur so ein wenig halbherzig nach ihnen geschaut. Aber ihr habt ja einiges mehr gesehen!
Auf jeden Fall ganz herrliche Eindrücke und wie immer ein perfekter H Badger Bericht!
Ich freue mich schon so auf den Mai, auch wenn es da für uns noch ein wenig weiter nach Norden geht! Knapp drei Wochen Zeit habe ich hier noch zum Mitlesen. Dann geht es zuerst einmal in Namibias Süden und in den Richtersveld. Also: Zackzack, damit die Zeit nicht knapp wird 😘
H.BadgerThemenstarter1'824 Beiträge · seit 201623. Feb. 2025 · #95
Guten Morgen!
@ Makra Vielen Dank für das Fotolob. Das freut mich sehr! 🙂
@ Casimodo Es ist wirklich erstaunlich und faszinierend, wie stark die Lofoten im Laufe der Jahreszeit ihren Charakter ändern. Vor ein paar Tagen lief auf 3Sat eine Doku über die Inseln im Jahresverlauf. Hier ist das auch sehr anschaulich geworden. Für die Kids war es top, im Sommer dort zu sein - das Badevergnügen an Küste und Seen war für sie ein guter Teil des Gesamtspaßes. Mich würde die raue Seite der Lofoten mit den genialen Herbstfarben ja auch reizen. Mit der Vogelausbeute war ich zufrieden. Der Sommer ist ja nicht die beste Zeit zum Birden. Trotzdem haben es einige für mich neue Arten auf die Liste und in die Fotosammlung geschafft. Auf eure Schneehuhnsichtung bin ich in diesem Zusammenhang etwas neidisch... Ich hatte ja auf mehr Eulen gehofft. Aber dafür waren wir - je nachdem - entweder zu früh oder zu spät dran. Klasse, dass es für euch bald ins südliche Afrika geht. Da müssen wir uns noch gedulden... Ich versuche, bis dahin noch erheblich weiter zu kommen, verspreche aber nichts... 😎
H.BadgerThemenstarter1'824 Beiträge · seit 201624. Feb. 2025 · #96
8. Station: Kalle und die östlichen Lofoten
Heute ist es tatsächlich bewölkt und recht windig. Ein deutlicher Kontrast zu den ersten drei Tagen auf den Lofoten. Bei dieser grauen Atmosphäre fällt der Abschied von unserem schönen weißen Haus über dem Meer ein wenig leichter. Sicherlich werden wir nicht zum letzten Mal in der Gegend gewesen sein.
Wir sagen den Dreizehenmöwen Adieu.
Nachdem unser Auto schließlich wieder randvoll gepackt ist, machen wir uns auf den Weg gen Osten. Durch die tiefhängenden Wolken lädt die Fahrt heute weitaus weniger zu regelmäßigen Fotostopps ein und auch den Abstecher nach Nusfjord lassen wir wegen der heute herrschenden Witterung aus. Vielleicht beim nächsten Mal…
Gegen Mittag erreichen wir schließlich das Wikingermuseum in Bøstad. Rückblickend ein sehr lohnenswertes Ziel für uns als Familie. Trotz der dichten Wolken, die die Sonne nur für kurze Momente durchscheinen lassen, ist es relativ warm und vor allem: Es bleibt trocken. Und so erkunden wir in den nächsten Stunden das weitläufige Areal des Freilichtmuseums. Vor einigen Jahren wurden auf dem Gelände die Überreste eines Wikingerlanghauses gefunden. Neben dieser mit einigen Holzpfählen markierten Ausgrabungsstelle findet sich eine unbedingt sehenswerte Rekonstruktion des Hauses.
Hier wird auch für die Kinder sehr anschaulich, wie man sich das Leben zur damaligen Zeit vorstellt. Alles hier ist zum Anfassen und Ausprobieren gestaltet und so können sich alle Interessierten in Wikingerkluft schmeißen, diverse Handwerkstätigkeiten erproben oder einen Wikingereintopf, die über offenem Feuer gegart wurde, löffeln.
Das Museumsgelände erstreckt sich weitläufig herunter bis zu einem See. Hier sind weitere Stationen aufgebaut. Man kann sich z.B. mit Säcken bewaffnet duellieren und von einem Schwebebalken herunterkloppen. Oder Tauziehen. Oder Bogenschießen. Oder Äxte-Werfen. Oder Pony-Reiten. Für Abwechslung für alle Altersgruppen ist also gesorgt und wir verbringen einen schönen Wikinger-Familientag.
Ein Höhepunkt ist dann noch die Fahrt über den See mit einem nachgebauten Wikingerboot. Im warmen Wind blähen sich die Segel und wir bekommen richtig Schwung.
Zusammengefasst: Vor allem für Familien mit Kindern ist der Besuch des Wikingermuseums eine wirklich runde Sache.
Weiter geht unsere Fahrt gen Kalle.
Von einem Ort zu sprechen, wäre irreführend. Kalle ist vielmehr ein alter Fischerei- oder Agrarbetrieb, der zum Gästehaus umfunktioniert worden ist. Es besteht aus einem großen Bootshaus, das nun das Haupthaus bildet und einer Handvoll kleiner und größerer Hütten. Wir haben die Trollstua gemietet, die vielleicht zweihundert Meter von den übrigen Unterkünften entfernt direkt am Fjordufer und sehr malerisch vor einem riesigen Bergmassiv liegt.
Von hier aus hat man einen schönen Blick über den Fjord.
In Kalle verbringen wir die nächsten vier Nächte. Dabei steht neben einigen Ausflügen in die Umgebung vor allem ein kindgerechtes Freizeitprogramm auf dem Plan. Kalle bietet hier nämlich so einiges. Neben einer Sauna, die wir an fast jedem Abend nutzen, gibt es im Bootshaus ein Badmintonfeld und Tischtennisplatten.
Zur Freude unserer Kinder warten außerdem Flügel und andere Instrumente auf interessierte Musiker. Irgendwie scheint Klavierspielen auf den Lofoten cooler zu sein als in heimischen Gefilden… Außerdem kann man Fahrräder, Ruderboote und Kajaks leihen. Die Kinder cruisen begeistert auf klapprigen Rädern durch die Gegend und legen sich mit ihren Büchern bewaffnet an den kleinen Privatstrand.
Mehrfach rudern wir mit Boot und Kajak über den Fjord. Das geht alles erstaunlich gut von der Hand und macht richtig Spaß!
Auch Angelausrüstung steht für die Gäste bereit. Hier stellen wir uns aber selten blöd an und erbeuten höchstens ein wenig Tang, bevor sich die Angelschnur hoffnungslos verknotet… Erfahrene Angler haben Mitleid mit uns und schenken uns zwei wunderbare Makrelen aus ihrem umfangreichen Fang, die sie, als wir dankbar und immer noch etwas überfordert dreinblicken, auch noch für uns ausnehmen.
So steht einem leckeren Abendessen - vielleicht dem besten auf dieser Reise – nichts mehr im Wege.
Der erste ganze Tag in Kalle steht ausschließlich im Zeichen dieser sportlichen Familienaktivität und die Zeit vergeht viel zu schnell. So wird der Aufenthalt in Kalle zu einer ganz tollen Familienzeit, bei der jeder von uns vieren zu seinem Recht kommt.
Am nächsten Tag wollen wir neben dem hauseigenen Sportprogramm ein wenig in der Gegend wandern, was zu überraschenden landschaftlichen Höhepunkten führen wird. Außerdem stehen zwei absolute Top-Aktivitäten an: Eine RIB-Tour in den Trollfjord mit Seeadler-Beobachtung und eine abendliche Wildlife-Tour. Nach dem heutigen Tag in Kalle, der eher im Zeichen der Entschleunigung stand, wird der kommende Tag also bis zum Rand gefüllt sein.
Eine herrliche Reise habt ihr gemacht! Ganz vielen Dank fürs Zeigen deiner schönen Bilder und das Berichten! Die Robbe mit dem Fang hat mich gerade an unser Erlebniss in de Hoop in SA erinnert, als wir auch eine Robbe mit ihrem Oktopus-Kill beobachten konnten! Es ist doch wunderbar, wenn schon die Kinder solch gute Beobachter sind! Unsere nächste Camperreise geht auch wieder, wie schon so oft, in den Norden! Ich freue mich sehr!
H.BadgerThemenstarter1'824 Beiträge · seit 201627. Feb. 2025 · #98
Hallo Sue, wie schön, dass dir der Bericht gefällt. Ich habe ja lange gezögert, ihn zu schreiben und hier einzustellen. Aber so ein Feedback bestärkt mich in meinem Entschluss. 🙂 Nach unseren Reisen 2023 und 2024 kann ich deine Vorfreude auf eine weitere Tour in den Norden sehr gut verstehen. Wir überlegen für 2026 bereits auch schon wieder...
Wir haben ab heute Straßenkarneval und Ausnahmezustand. Ich geh jetzt erstmal nach Vögeln gucken und habe dann die Tage bestimmt Zeit, hier weiterzuschreiben.
H.BadgerThemenstarter1'824 Beiträge · seit 201627. Feb. 2025 · #99
Noch immer 8. Station: Östliche Lofoten
Der heutige Tag beginnt einmal mehr früh bei bestem Wetter. Und einmal mehr stehe ich als erster auf, um mit der Kamera bewaffnet, die lokale Vogelwelt zu stalken. Höhepunkt der „Morgenpirsch“ ist ein Mittelsäger, der mit seinen Küken über den Fjord zieht. Zuerst in einiger Entfernung vom Land. Doch wieder einmal wird geduldiges Ausharren belohnt. Eine schöne Erstsichtung.
Während die Kinder in und um unsere Hütte entspannen und dann ein wenig durch die Gegend radeln wollen, brechen die Erwachsenen zu einer kleinen Wanderung durch die nähere Umgebung Kalles auf. Es zieht uns zur Küste und wir folgen einem Wanderweg, der uns durch schönste Landschaft dorthin bringt. Man kann sich gar nicht satt sehen. Ob die Menschen, die hier leben, ihre Umgebung in ihrer außergewöhnlichen Schönheit noch bewusst wahrnehmen?
Rechts uns links des Pfads wachsen Moltebeeren – es ist das erste Mal, das wir diese leckeren Früchte kosten können.
Als wir die Küste erreichen, lassen wir uns auf dem felsigen Untergrund nieder. Der Blick schweift über die nahen Berge der Inselkette. Hier möchte man zum Augenblick sagen: Verweile doch, du bist so schön!
Am frühen Nachmittag geht es weiter gen Svolvær. Auf dem Weg dorthin kommen wir an der „Lofotenkathedrale“ vorbei, die einen Stopp wert ist.
Viel Zeit haben wir hier aber nicht, denn wir haben schon weit im Voraus der Reise eine RIB-Tour zum Trollfjord mit Seeadlerbeobachtung gebucht. Schnell finden wir einen Parkplatz in der übersichtlichen Inselhauptstadt und marschieren zum kleinen Hafen. Dort finden sich einige Touranbieter. Wir haben bei RIB-Lofoten gebucht und werden dort freundlich empfangen. Als die Chefin unser Objektiv sieht, lacht sie und meint, dass diese Brennweite hier auf keinen Fall benötigt werden würde. Ich sollte das große Ding besser im Auto lassen, es sei nur im Weg. Rückblickend stellt sich das leider als Unfug heraus – 500mm wären für die Adlerfotografie ziemlich ideal gewesen und so hadere ich vor allem mit den Flugaufnahmen. 😈
Kurz vor Abfahrt muss jeder Teilnehmer einen Schutzanzug anlegen. Wir sehen damit wie Aushilfs-Astronauten aus und kommen gehörig ins Schwitzen. Der Fahrtwind während der flotten Schlauchboottour gleicht die Stauwärme zum Glück aus. Los geht die Fahrt aus dem Hafen Svolværs heraus.
Wir befahren den Raftsund, der – welch Überraschung – wieder mal schöne Landschaft bereithält.
Nach einigen Minuten turbulenter Fahrt – man hüpft quasi über die Wasseroberfläche – erreichen wir einen ersten Adler-Sitzplatz. Aufgereiht auf einem Felsen sind hier rund zehn Seeadler zu sehen, die schön von der Sonne angestrahlt werden. Leider reicht die Brennweite nicht für schöne Fotos… Meine Laune sinkt in Richtung Keller… 😵 Nah genug kommen die Adler entweder im Überflug.
Oder aber, wenn einer der mitgebrachten Fische in hohem Bogen ins Wasser geworfen wird. Dann nämlich macht sich alsbald so mancher Adler auf, den leichten Fang für sich zu beanspruchen. Das ist schon sehr beeindruckend, denn die Seeadler sind auf Nahdistanz riesig und laut rauschen ihre Schwingen.
Die Fahrt wird zum berühmten Trollfjord fortgesetzt. Dieser soll dem schönen Geirangerfjord in Punkto Spektakel ähneln und so haben wir hohe Erwartungen, die nicht ganz erfüllt werden. Natürlich sind die enge Einfahrt in den Fjord, der an seiner Mündung nur 100 Meter breit ist, und die rund tausend Meter steil heraufragenden Felswände beeindruckend. Aber bei all der Schönheit, die die Lofoten abseits des Trollfjords zu bieten haben, hebt sich die Wasserzunge in unseren Augen nicht zu sehr ab.
Auf dem Rückweg steuern wir einen weiteren „Adler-Hotspot“ an. Ein juveniler Adler begrüßt uns im niedrigen Überflug. Dafür reicht meine beschränkte Brennweite tatsächlich: Das Bild ist mit 105mm aufgenommen und nur unwesentlich gecroppt.
Der Motor wird gedrosselt und wir treiben nah an einen Adler-Felsen heran. Jetzt lacht mein Fotografenherz und es entsteht eines meiner Lieblingsbilder dieser Reise: Stolze Adler an schönster Landschaft in idealem Licht.
Auch hier wird wieder eine kleine Jagdsimulation durchgeführt. Durch den Seegang ist das Fotografieren aber alles Andere als einfach. Und so nehmen wir nur diesen Schnappschuss mit nach Hause.
Nachdem wir die Adler ausgiebig betrachten konnten, geht es zurück nach Svolvær. Die Hafeneinfahrt wird von der Statue der Fischersfrau markiert, die daran erinnern soll, wie einst die Frauen hoffnungsvoll auf die Rückkehr ihrer Männer und Söhne von der rauen See warteten.
Auch ohne 500er Objektiv war das ein ganz wunderbarer Ausflug. Für Adler-Freunde sehr zu empfehlen!