Ukraine

163 Antworten · 25,2k Aufrufe · gestartet 01. März 2022 von peterw
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1'127 Beiträge · seit 202213. Jan. 2023 · #101
Eine Medienanlyse und –kritik, aus Sicht eines (Süd-)Afrikaners, an der westlich (= weiß) dominierten Berichterstattung südafrikanischer Medien über den „Ukrainekrieg“.
Western bias in South African media threatens press freedom
Mandla J Radebe
13 Jan 2023
https://mg.co.za/opinion/2023-01-13-western-bias-in-south-african-media-threatens-press-freedom/

Obig ist nur zur Info, keine Diskussionsaufforderung oder -beitrag, jedenfalls lesenswert zum Verständnis künftiger Empörungen..... falls Jemand an (süd)afrikanischer Außenpolitik interessiert ist
zuletzt bearbeitet 13. Jan. 2023
Gast15. Jan. 2023 · #102
tacitus schrieb:Eine Medienanlyse und –kritik, aus Sicht eines (Süd-)Afrikaners, an der westlich (= weiß) dominierten Berichterstattung südafrikanischer Medien über den „Ukrainekrieg“.
Western bias in South African media threatens press freedom
Mandla J Radebe
13 Jan 2023
https://mg.co.za/opinion/2023-01-13-western-bias-in-south-african-media-threatens-press-freedom/

Obig ist nur zur Info, keine Diskussionsaufforderung oder -beitrag, jedenfalls lesenswert zum Verständnis künftiger Empörungen..... falls Jemand an (süd)afrikanischer Außenpolitik interessiert ist
Auch wenn Du keine Diskussion willst: so ein Unsinn. Es ist nur insofern lesenswert, um zu verstehen, wie verpeilt einige sind. Ausweislich seiner sonstigen Arbeiten und Artikel hängt der Herr Radebe offenbar sozialistischen und kommunistischen Ideen an - wie auch viele alte ANC-Kader.

Zum Artikel: Er beklagt, dass schon vor dem Überfall auf die Ukraine die Berichterstattung in westlichen Medien zu Putin/Russland nachweisbar negativ war. Stimmt. Könnte das aber vielleicht daran liegen, dass Putins/Russlands Handeln und Wirken schon vor dem Ukrainekrieg überaus negativ war? Völkerrechtswidrige Annexion der Krim, völkerrechtswidriger Einmarsch im Donbass, Unterdrückung der Medien, Vergiftung/Exekution/Unterdrückung von Oppositionellen, Korruption usw. Das ist exakt so, als wenn Radebe beklagen würde, dass die Berichterstattung zu Hitler überaus negativ ist. Ja, Hitlers Handeln und Wirken war nun mal objektiv überaus negativ und dann ist die Darstellung in den Medien entsprechend. Das hat nichts mit einem Bias zu tun, den Radebe aber beklagt.

Als nächstes versucht Radebe das Narrativ zu etablieren, dass ja nur der Westen den Ukrainekrieg und Russland negativ sieht und südafrikanische Medien diese Sichtweise übernehmen, statt ausgewogen berichten. In der UN-Vollversammlung haben 141 Länder gegen Russland gestimmt. Darunter auch Länder wie Kenia und Sambia, die eine erhebliche Abhängigkeit von China haben. Mit Russland haben nur 4 Länder gestimmt: Nordkorea, Syrien, Belarus und Eritrea. Und dann will Radebe ernsthaft erzählen, dass die Verurteilung des Überfalls Russlands auf die Ukraine nur die einseitige, westliche Sichtweise sei? Das ist belegbar faktischer Unsinn. Da möchte anscheinend ein Putinfreund die russische Propaganda in Südafrika verbreitet sehen.

Grüße, Torsten
1'127 Beiträge · seit 202215. Jan. 2023 · #103
mitglied19210 schrieb:.....Es ist nur insofern lesenswert, um zu verstehen, wie verpeilt einige sind...
Genau. Aber es rentiert sich immer zu wissen (für mich jedenfalls), warum man keinen Konsens erzielen kann.
Beim Rest sehe ich das etwas differenzierter, das hier ist kein Einzelfall
https://www.youtube.com/watch?v=QJsKCSPU6PU
in CAR wurde gerade ein Denkmal für die Wagner-Truppe errichtet....
Es würde aber das Thema sprengen und zu hier unerwünschten Diskussionen führen
zuletzt bearbeitet 15. Jan. 2023
1'127 Beiträge · seit 202223. Jan. 2023 · #104
Lawrow in Pretoria
Foreign minister says Russia open to negotiations over war, unlike Ukrainian president
https://www.news24.com/news24/southafrica/news/foreign-minister-says-russia-open-to-negotiations-over-war-unlike-ukrainian-president-20230123
Russia's Lavrov Gets Controversial Welcome in South Africa
https://www.themoscowtimes.com/2023/01/23/russias-lavrov-gets-controversial-welcome-in-south-africa-a80015
Russian warship armed with hypersonic missiles to join drills with China, South Africa
https://www.news24.com/news24/africa/news/russian-warship-armed-with-hypersonic-missiles-to-join-drills-with-china-south-africa-20230123
SA won't abandon 'neutral position' on Russia-Ukraine conflict - defence ministry
https://www.news24.com/news24/southafrica/news/sa-wont-abandon-neutral-position-on-russia-ukraine-conflict-defence-ministry-20230123
zuletzt bearbeitet 23. Jan. 2023
441 Beiträge · seit 201416. Feb. 2023 · #105
Übrigens hat "Putins Bluthund" Kadyrow gerade noch gemeint, Ostdeutschland wäre russisches Territorium und man sollte dahin zurück. Das ist nicht irgendwer...

Falls sich jemand fragt, warum die russischen Nachbarn alle in die NATO/EU wollen...
Und wer jetzt noch meint, Putler würde nach der Eroberung der Ukraine aufhören muss schon ziemlich blöd sein. Oder ist eine "Sockenpuppe" aus Skt Petersburg.
Danke und Gruß Matze
1'127 Beiträge · seit 202216. Feb. 2023 · #106
Hallo MatzeHH
Ich verstehe deine Verärgerung und teile deine Besorgnis. Folgend ist auch keine Kritik, aber:
Kadyrow ist zwar ein für Putin verlässlicher Lieferant von Kanonenfutter im Donbas, aber auf Putins geopolitische Ambitionen hat er keinen Einfluss. Das macht der Chef schon selber. MM.
Und noch zum Thema
Hier gibt es eine übersichtliche Zusammenstellung des Abstimmungsverhaltens Afrikas und des Rests der Welt 😉 zu den bisher 4 UNGV-Resolutionen
https://www.aljazeera.com/news/2023/2/16/mapping-where-every-country-stands-on-the-russia-ukraine-war

UNGV.jpg
zuletzt bearbeitet 16. Feb. 2023
441 Beiträge · seit 201417. Feb. 2023 · #107
Ich bin ziehmlich sicher das Typen wie Kadyrow etc durchaus Einfluss auf den Kremling haben.
Einen Einmarsch nach D sehe ich nicht, aber das Putler seinen dreckigen Pfoten nach anderen Ländern ausstreckt gilt für mich als gesichert.
Danke und Gruß Matze
Gast18. Feb. 2023 · #108
tacitus schrieb:
Hier gibt es eine übersichtliche Zusammenstellung des Abstimmungsverhaltens Afrikas und des Rests der Welt 😉 zu den bisher 4 UNGV-Resolutionen
https://www.aljazeera.com/news/2023/2/16/mapping-where-every-country-stands-on-the-russia-ukraine-war

UNGV.jpg
Ohne das jetzt im Detail diskutieren zu wollen nur als Anmerkung: So eine Kartendarstellung ist in gewisser Weise manipulativ. Da ist eine ungefähr gleich große Fläche rot/orange wie blau/hellblau. Zudem ist Gelb für neutral dichter an orange als an blau. Auf den ersten Blick ergibt das zwangsweise die Wahrnehmung, dass Russland gar nicht isoliert ist, sondern ungefähr gleich viele für Russland wie gegen Russland sind. Der Eindruck ergibt sich u.a. dadurch, dass Russland das flächenmäßig größte Land der Welt ist und schon mal ganz viel Fläche rot einfärbt. Auch Länder wie China, Kasachstan, Iran sind große Flächenländer.

Das ist aber irreführend und der Blick auf die Zahlen sagt etwas anders. Bei der Resolution ES-11/1, die den russischen Überfall auf die Ukraine verurteilt hat, haben 141 Länder dafür und 5 dagegen (also für Russland) gestimmt.

Bei Resolution ES-11/4, die die völkerrechtswidrige Annexion der ukrainischen Provinzen durch Russland verurteilt hat, waren 143 dafür und 5 dagegen.

Grüße, Thorsten
zuletzt bearbeitet 18. Feb. 2023
1'678 Beiträge · seit 200718. Feb. 2023 · #109
UN-Abstimmungen sind bedeutungslos. Es gaht nur darum, wie Länder hinter den Kulissen tatsächlich agieren.
Wie Egon Bahr treffend sagte :"In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt."

Und gerade im Wirtschafts- und Energiebereich ignorieren eben sehr viele Staaten die westlichen Positionen und Forderungen. Scholz ist ja gerade in Brasilien bei seinem linken Hoffnungsträger Lula abgeblitzt, der ihm dasselbe wie Bolsonaro gesagt hat.
Südliches Afrika seit 1992: 49 Reisen, 1.369 Tage, 174.380 km, 493 Vogelarten
1'127 Beiträge · seit 202218. Feb. 2023 · #110
Du hast schon Recht pollux, dass (manche aber nicht alle) GV-Abstimmungen in Realpolitik bedeutungslos sein mögen, aber das Abstimmungsverhalten muss deswegen nicht gleich uninteressant sein. Es ist doch ein „geopolitischer Stimmungsbarometer“, welcher Interessensübereinstimmungen und –unvereinbarkeiten aufzeigt; finde ich. Mich jedenfalls interessiert es schon, wie z. B. „unsere westlichen Positionen“ vom Rest der Welt wahrgenommen und beurteilt werden.
Ein Beispiel: Der Iran wurde kürzlich in der Resolution A/C.3/77/L.34: Situation of human rights in the Islamic Republic of Iran zwar erwartungsgemäß abgemahnt (79 Yes) aber Enthaltungen (68 Abstained) plus Ablehnungen (28 No) waren in der Mehrheit, 15 Länder haben an der Abstimmung nicht teilgenommen, z. B. Serbien und Türkei.
Einem Ausdruck von Besorgnis und Bedauern über die rapide Verschlechterung der Frauen-, Menschen und Minderheitenrechte konnten so viele also nicht beipflichten, und das am Höhepunkt des zivilen Widerstandes gegen den Gottesstaat. Eigentlich keine Sache bei der „man“ lange überlegen müsste, zumal ja auch keine kontroversen Handlungen (Sanktionen…. ) gefordert wurden, also eine reine Meinungs- und Standortbekundung.
Von 46 afrikanischen Festlandstaaten waren 4 dafür (Botswana, Cabo Verde, Liberia, Marokko), 2 dagegen (Eritrea, Zimbabwe), 35 haben sich enthalten und 4 nicht teilgenommen. Und das sagt mE schon etwas aus.
Dieses Abstimmungsverhalten macht aus afrikanischer Interessenslage (aktuell und auch historisch) aber auch Sinn, denn das (staatliche) Interesse an Menschen-, Frauen-, Bürger, Minderheiten-…rechten ist in der gelebten Praxis vielerorts in Afrika noch nicht besonders ausgeprägt. Wer selbst im Glashaus sitzt …
Uninteressant finde ich sowas also nicht, denn kompakter kann man gar nicht vorgeführt bekommen, warum die EU und einzelne EU-Staaten in vielen afrikanischen Staaten schon vor langer Zeit bedeutungslos wurden. Denn (fast) kein afrikanischer Staat kann den Aufforderungen der Resolution zustimmen, ohne in Erklärungsnotstand zu kommen.
Grüße
zuletzt bearbeitet 18. Feb. 2023
Gast24. Feb. 2023 · #111
Namibia, Südafrika und Simbabwe haben sich in der UN-Vollversammlung anders als Botswana, Kenia und Sambia wieder enthalten. Sie verurteilen den Überfall auf die Ukraine nicht und sind nicht für einen Abzug russischer Truppen aus der Ukraine. So ein Stück weit kommt bei mir da ja das Gedankenmodell auf, was denn wäre, wenn Namibia mal überfallen und besetzt wird. Und dann möchte Namibia den Schutz und die Hilfe der Weltgemeinschaft und die zuckt einfach nur mit den Schultern und sagt "Stört uns nicht. Da halten wir uns raus". So wie Namibia jetzt.

Mit Blick auf die Nachbarn erscheint das für Namibia natürlich völlig realitätsfern. Vor gut 10 Jahren war das in der Ukraine aber nicht so viel anders. Mit Viktor Yanukovych gab es da einen Russland-freundlichen Präsidenten und das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine schien sehr gut zu sein.

Südafrika treibt es noch wilder und hält in dieser Situation gemeinsam mit Russland und China Marine-Manöver ab. Auch wenn das vielleicht lange geplant war, kann man so etwas unter einem Vorwand ja durchaus absagen, ohne Russland und China öffentlich zu verprellen. Hat Südafrika aber nicht gemacht, sondern ausgerechnet jetzt an der Seite Russlands Krieg geübt. Ich bin ziemlich sicher, dass das Auswirkungen darauf haben wird, welche Unterstützung Südafrika zukünftig aus dem Westen bekommt. Weil da fragt sich natürlich die Politik "Ticken die noch ganz richtig?" Keine radikalen Auswirkungen, aber Auswirkungen.

230220dm.png

© Zapiro / Daily Maverick

Grüße, Thorsten
zuletzt bearbeitet 24. Feb. 2023
18 Beiträge · seit 201424. Feb. 2023 · #112
Wenn Namibia außenpolitisch lieber mit China als mit Deutschland kooperiert, dann sind deutsche Mittel zur Wirtschaftsförderung in der Ukraine offensichtlich besser aufgehoben als bei der Regierung in Windhuk.
1'127 Beiträge · seit 202224. Feb. 2023 · #113
mitglied19210 schrieb: Südafrika ...... Ich bin ziemlich sicher, dass das Auswirkungen darauf haben wird, welche Unterstützung Südafrika zukünftig aus dem Westen bekommt.....
Hallo Thorsten
Also wirtschaftlich lässt es sich auf ersten Blick sicher nicht erklären 😉 . Der Handel mit Russland ist verschwindend klein im Vergleich zu China und dem „Westen“.
Aber, OT, vielleicht denkt Ramaphosa hier schon voraus 😉 , denn über die Auswirkungen des Lieferkettengesetzes auf die Wirtschaftsbeziehungen mit Afrika wurde bei uns noch nicht reflektiert.

Jedenfalls scheint RSA, schön langsam, rhetorisch wie faktisch, mehr als sein Pflicht(enthaltungs)programm zu machen. Siehe z. B. die Neuordnung der Flugzeugbetankung durch internationale Versorger, die sich an die Sanktionen halten. Siehe hier:
Russian planes can't get fuel at SA airports - now ACSA wants to change that
“.... According to a presentation by ACSA, this will deal with a scenario "where a sanctioned friend of the South African government needs servicing and refuelling....."

https://www.news24.com/fin24/economy/russian-planes-cant-get-fuel-at-sa-airports-now-acsa-wants-to-change-that-20230221

Medial wird zu dessen Erklärung immer Historisches, wie die Unterstützung des Befreiungskampfes durch die UdSSR genannt. Aber folgender Aspekt wirkt vielleicht auch noch mit.
Der große Elefant im Raum bei Südafrikas Außenpolitik ist zwar (mE) China, es gibt aber auch einen „kleinen“, nämlich die South African Communist Party (SACP). Das mag jetzt, aus unserer Außensicht, lächerlich klingen, aber wir nehmen wenig wahr, dass diese in alle wesentlichen Entscheidungsprozesse des Landes integriert ist. Das Vehikel dafür heißt Tripartite Alliance, bestehend aus ANC, Gewerkschaft (COSATU) und SACP. Diese geht auf die 1990er Jahre zurück und ist eine informelle Übereinkunft, dass alle Entscheidungen von nationaler und gesellschaftlicher Wichtigkeit in diesem Kollegium beraten und abgestimmt werden. Die SACP ist also Huckepack immer mit dabei (siehe z. B. Interview mit DeRuyter). SACP beteiligt sich nicht an Wahlen (außer ein wenig regional) und braucht(e) das auch nicht zu tun, weil sie über Gewerkschaftsbeiträge finanziert wurde/wird. Dagegen gab es auch schon Widerstand, aber mW wurde das nicht geändert (bitte um Korrektur wenn es jemand besser weiß).
Für uns wird südafrikanische Politik durch den ANC repräsentiert, aber ganz so ist es eben nicht (siehe oben). Das ist immer bekannt gewesen, also vollkommen transparent, aber im konkreten Thema hier vielleicht zu wenig gewürdigt. Der ANC ist zwar die stärkste Partei dabei, aber eben nicht alleine im „Triumvirat“. Sowas ist auch nicht ungewöhnlich, bei uns agieren Interessensvertretungen auch öfters als „Schattenregierungen“, aber in RSA ist es, zum konkreten Thema hier, eben die SACP…….
Grüße
Interessant ist im afrikanischen Abstimmungsverhalten, dass in Bangui zwar ein Dankesmonument für die Unterstützung durch die Wagner Group errichtet wurde, CAR sich aber in der Abstimmung enthalten hat. Falschen Knopf gedrückt? 🙂
zuletzt bearbeitet 24. Feb. 2023
537 Beiträge · seit 202024. Feb. 2023 · #114
walberlin schrieb:Wenn Namibia außenpolitisch lieber mit China als mit Deutschland kooperiert, dann sind deutsche Mittel zur Wirtschaftsförderung in der Ukraine offensichtlich besser aufgehoben als bei der Regierung in Windhuk.
Es ist schon interessant, wie die Enthaltung Namibias, also die Absicht neutral zu bleiben hier interpretiert und als Hinwendung zu China bezeichnet wird. Zum Glueck habt ihr auch hier, wie bei allen anderen Entscheidungen eurer Regierung, ueberhaupt keinen Einfluss, und die Wirtschaftsfoerderung Namibias durch Deutschland wird durch das Abstimmungsverhalten nicht beeinflusst werden.
Auch wenn es in Deutschland inzwischen en vogue ist, fuer den Krieg zu sein: ich bin froh und dankbar dafuer, wie Namibia sich hier verhaelt.
Zitat von Hitradio Namibia vom 20.Februar 2023:
"Namibia hat sich erneut für eine friedliche Lösung im Ukraine-Krieg ausgesprochen. Premierministerin Saara Kuugongelwa-Amadhila erklärte auf der Münchener Sicherheitskonferenz, dass niemandem mit weiteren Investitionen in Waffen geholfen sei.
Dabei nahm sie sowohl den Westen als auch Russland in die Pflicht. Die Ressourcen, die aktuell in Waffensysteme fließen würden, seien verschwendet, so die Premierministerin weiter. Sie sollten stattdessen eingesetzt werden, um beispielsweise die Entwicklung auf dem afrikanischen Kontinent voranzutreiben. Gleichzeitig betonte sie noch einmal, dass Namibia sich nicht an gegenseitigen Schuldzuweisungen beteiligen werde. Bei Resolutionen bei den Vereinten Nationen zum Ukraine-Krieg hatte sich Namibia bisher stets enthalten."

Der Guardian hat sie woertlich zitiert:
"The prime minister of Namibia, Saara Kuugongelwa, said: “We want to solve the problem, we don’t want to find the culprit. It is of no use that Russia is spending money on weapons and the west is financing Ukraine to buy weapons.”"

Ich bin da ganz bei ihr. Und ihr koennt gerne weiter hetzen - das bestaetigt nur was ich inzwischen ueber die Deutschen denke.
Gast24. Feb. 2023 · #115
tacitus schrieb:Der große Elefant im Raum bei Südafrikas Außenpolitik ist zwar (mE) China, es gibt aber auch einen „kleinen“, nämlich die South African Communist Party (SACP). Das mag jetzt, aus unserer Außensicht, lächerlich klingen, aber wir nehmen wenig wahr, dass diese in alle wesentlichen Entscheidungsprozesse des Landes integriert ist.
Da hast Du recht. Das Problem ist allerdings aus meiner Sicht noch größer und gar nicht auf die SACP beschränkt. Diese Denke ist auch in Teilen des ANC tief verankert. Wie auch der de Ruyter jüngst im Interview sagte: "Unfortunately the ghosts of Marx and Lenin haunt the halls of Lethuli House. People are still firmly committed to a 1980s-style ideology. They still address one another as comrade." Man fühlt sich auch da irgendwie noch dem alten Vorbild Russland verbunden, auch wenn die kleptokratische Oligarchen-Wirtschaft unter Putin so gar nichts mehr mit Marx und Lenin zu tun hat.

Grüße, Thorsten
Gast24. Feb. 2023 · #116
makis schrieb:Gleichzeitig betonte sie noch einmal, dass Namibia sich nicht an gegenseitigen Schuldzuweisungen beteiligen werde.
Was aktuell euphemistisch "Friedensverhandlungen" genannt wird, meint effektiv die Kapitulation der Ukraine. Putin schließt aus, über die Rückgabe der völkerrechtswidrig besetzten Gebiete zu verhandeln und macht es zur Vorbedingung, dass anerkannt wird, dass diese Gebiete dauerhaft russisch sind. Wenn ich Dir in Namibia rechtswidrig 10.000 Euro klaue, dann möchtest Du sicher auch, dass der namibische Staat sagt: "Wir machen da keine Schuldzuweisungen". Und Du sollst Dich bitte mit mir zusammensetzen, ob ich Dir vielleicht 5.000 Euro zurückgeben würde, wenn Du anerkennst, dass die anderen 5.000 Euro jetzt rechtmäßig mir gehören. Genau das ist Eure Position. Und die ist erbärmlich.

Abchasien, Südossetien, Krim, Donbass, Ukraine: Wann immer ihm die Gelegenheit günstig schien, hat Putin militärisch zugeschlagen und sich Gebiete gesichert. Wieder und wieder und wieder. Wenn er jetzt mit dem Überfall auf die Ukraine auch wieder fette Beute macht, dann hat er Motiv und Motivation, um weiter zu machen. Es ist dann ja offenkundig erfolgreich.

2 Punkte über die im Westen kaum einer offen spricht:
Die 3 baltischen Staaten sind zwar NATO-Gebiet, wären für die NATO aber schwer zu verteidigen. Es gibt nur einen schmalen Korridor nach Polen, den Russland bei einem Angriff schließen würde. Und dann fehlt sowohl der Anschluss an das NATO-Kerngebiet als auch in den kleinen baltischen Staaten das, was man strategische Tiefe nennt. In Litauen ist die Hauptstadt und das Machtzentrum Vilnius z.B. kein 30 km von der Grenze zu Belarus entfernt. Das ist bei einem russischen Angriff nicht zu verteidigen.

Die viel gerühmte NATO-Beistandklausel nach §5 sieht mitnichten einen verpflichtenden militärischen Beistand vor, sondern jedes NATO-Land ist zum Beistand verpflichtet, entscheidet aber souverän, in welcher Form es Beistand leisten will. In weniger als 2 Jahren könnte in den USA wieder Trump oder ein Trumpist an der Macht sein und gar keine Lust haben, Europa zu verteidigen. Wenn er im Angriffsfall auf das Baltikum eine Packung Pflaster und ein aufmunterndes Schreiben schickt "Ich drück' Euch ganz fest die Daumen", dann war es das und wäre im Übrigen vollkommen konform zum NATO-Vertrag.

Deshalb möchte ich, dass Putin jetzt verliert und endlich gestoppt wird. Der Westen hat dem Treiben Putins viel zu lange zu gesehen. In Russland singt man bei offiziellen Anlässen mit Teilnahme Putins bereits wieder, dass bald die rote Flagge über Berlin wehen wird.

Immer wieder fordert Namibia, dass es vom Westen auf Augenhöhe behandelt wird. Das geht halt nicht, wenn Namibia sich wegduckt. Jeden Cent von meinem Steuergeld sehe ich in der Ukraine derzeit besser angelegt als in Namibia.

Grüße, Thorsten (Hetzer)
zuletzt bearbeitet 24. Feb. 2023
18 Beiträge · seit 201424. Feb. 2023 · #117
Hallo makis, danke für die Zitate von Premierministerin Premierministerin Saara Kuugongelwa-Amadhila. Ich kannte das nicht. Die Zeit schrieb übrigens am 13.1.23:
„Wir als Europäer brauchen in diesen Zeiten, wo unsere Friedensordnung in Europa durch den russischen Angriffskrieg angegriffen worden ist, die Unterstützung von unseren Freunden und Partnern weltweit», sagte Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) am Freitag am AU-Sitz in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba.“
Also, wenn die namibische Regierung auch auf eindringliche Bitten Berlins nicht reagiert, dann ist es doch höchste Zeit für eine Neujustierung der Beziehungen. Das ist doch einfach nur pragmatisch.
33,1k Beiträge · seit 200624. Feb. 2023 · #118
Also, wenn die namibische Regierung auch auf eindringliche Bitten Berlins nicht reagiert, dann ist es doch höchste Zeit für eine Neujustierung der Beziehungen.
Na ja, eine Enthaltung ist ja keine Entscheidung gegen den Westen. Ich denke es soll eher den neutralen Standpunkt darstellen. Das ist zugegebenermaßen beim Antrag gestern in der Vollversammlung durchaus schwierig sich durch eine Enthaltung "neutral" zu präsentieren. Generell ist es aber so, dass der Westen nicht ein besserer Freund oder Partner Namibias ist, als der Osten. Das hat vor allem historische Hintergründe und würde sich mit einer Nicht-Freiheitskampf-Partei an der Spitze in Namibia womöglich schnell ändern. Ob man deshalb nun die ganzen Beziehungen von Land A zu Land B in Frage stellen muss, ist dahingestellt. Deutschland würde das in Bezug auf Namibia, schon aus sehr historischen Gründen, mit großer Wahrscheinlichkeit nie machen. Die USA z. B. sehen Namibia weiterhin als sehr engen Partner und Freund in allen Bereichen (zumindest predigt das FLOTUS seit 3 Tagen hier in Windhoek).

Viele Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
1'127 Beiträge · seit 202224. Feb. 2023 · #119
Hallo mitglied 19210
@SACP

MW hat sie und „Kommunismus“ überhaupt (worunter damals viel Unterschiedliches verstanden wurde) , in der schwarzen Bevölkerung nie eine nennenswerte Bedeutung erlangt. Kommunisten und „die Linke“ in RSA und international waren aber die „Pioniere“ in der Bekämpfung und Überwindung der Apartheid. Die bürgerlich/liberale und christliche Opposition wurde (von wenigen Einzelpersonen abgesehen) erst ab Ende der 1970er zu einer zivilgesellschaftlich kritischen Masse. Aber der ANC könnte sich ruhig darauf besinnen, wie sehr ihm UN-Resolutionen …. bis internationale Sanktionen und Boykottmaßnahmen bei der Überwindung des Unrechtsregimes geholfen haben. Das ist jetzt schon ein veritables außenpolitisches Dilemma, wenn wenn man selber so eine Geschichte hat und nur dadurch dahin gekommen ist, wo man ist, weil sich der Rest der Welt nicht "neutral" verhalten hat.
zuletzt bearbeitet 01. März 2023
1'127 Beiträge · seit 202224. Feb. 2023 · #120
mitglied19210 schrieb:...Abchasien, Südossetien, Krim, Donbass, Ukraine: Wann immer ihm die Gelegenheit günstig schien, hat Putin militärisch zugeschlagen und sich Gebiete gesichert. Wieder und wieder und wieder...
Es ging einmal um legitime Sicherheitsinteressen und daraus hätte man was Konstruktives machen können/müssen. Das ist aber mE nur mehr Geschichte und Diskussionsstoff für Historiker, denn folgend ist längst prominent geworden:

Präsidiale Nachhilfe: Putin erklärt Schüler: "Die Grenzen Russlands enden nirgendwo"
https://www.focus.de/politik/videos/praesidiale-nachhilfe-putin-erklaert-schueler-die-grenzen-russlands-enden-nirgendwo_id_6255844.html
Putin hat das zwar gleich zum Scherz erklärt aber es wurde jetzt von Medwedew dankbar aufgenommen und engagiert vertieft
https://www.n-tv.de/politik/Georgien-und-Kasachstan-fuer-Medwedew-nur-kuenstliche-Staaten-Unsere-Grenzen-enden-nirgendwo-article23502122.html
"Nach der Befreiung von Kiew und allen kleinrussischen Gebieten von den nationalistischen Gangs, die sich die ukrainische Kultur ausgedacht haben, wird Russland wiedervereint, mächtig und unverwundbar sein. So wie vor 1000 Jahren zu Zeiten des antiken russischen Staates." … Anschließend wird nach Angaben von Medwedew der "nächste Feldzug beginnen, um die Grenzen unseres Mutterlandes wiederherzustellen. Und diese Grenzen, das wisst ihr, enden nirgendwo."
….. es wurde zwar wieder gelöscht…
…. aber am 20.02.2023 in Moskau und St. Petersburg plakatiert (siehe twitter).

RusslandsGrenzen.jpg

(ich kann kein russisch, aber angeblich steht das da drauf

In diesem Sinn und Geist hat Medwedew auch schon wieder nachgelegt
“That is why it is so important to achieve all the goals of the special military operation. To push back the borders that threaten our country as far as possible, even if they are the borders of Poland,” said Medvedev (siehe aktuell www)

Also, vertrauensbildend ist das nicht wirklich
und wozu vor Putin fürchten, wenn es Medwedew gibt
zuletzt bearbeitet 24. Feb. 2023