BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200919. Feb. 2022 · #41
Guten Morgen! 6.45 Uhr bin ich schon fertig mit dem Frühstück und besuche zum letzten Mal vergeblich das Was-serloch. Als ich in Okaujuejo auschecken will, bricht die Stromversorgung zusammen und alles ist dunkel. Nur gut, dass die Ladies alle Smartphones mit Taschenlampen haben, so bekomme ich die 500 N$ Kaution zurück. 😉 Es gat schon wieder leicht zu regnen begonnen. Von wegen "in der Regenzeit setzt der Regen meist am Nachmittag ein!", es kann auch mal fast konstant durchregnen. Man sieht ja gerade, was im Extremfall so abgehen kann! Ich bin noch nicht lange gefahren, da läuft eine Hyäne im Regen neben mir her. Scheißwetter! Doch dann die Überraschung des Tages! Auf und neben der Straße befindet sich ein Löwenrudel. Bestehend aus 3 Männchen, 4 Weibchen und 3 Jungtieren. Hier hätte ich viele tolle Fotos machen können, vor allem von den Kleinen, die ausgelassen herumtollen, wenn nicht der Regen noch heftiger geworden wäre und ausgerechnet auf meiner Seite zum Fenster hereinweht und mich und die Kamera nass macht. So muss ich leider weiter fahren. Ein paar schnelle Schnappschüsse:
Der älteste männliche Löwe war zweifelsohne der Boss, auch wenn er schon ein wenig hinkte. Trotzdem wird er von den Halbwüchsigen angehimmelt. Im Westen der Etoscha hat es bisher weniger geregnet, weil die Straßen fast trocken sind und ausgerechnet heute muss es Gießen! Auch am nächsten Wasserloch noch einmal eine Löwen-Regen-Szene: Es ist am Wasserloch Sonderkop, wo gerade zwei Löwinnen sich an eine Springbockherde heranpirschen, diese aber die Bedrohung rechtzeitig erkennen und das Weite suchen. Die Bildqualität ärgert mich und tut mir hier leid, aber mehr gab der Regen nicht her. 🙁 🙁 Umterwegs stehen nochmals zwei Giraffen und kurz danach noch eine Kuhantilope zum Abschied von Etoscha neben der Straße. Die letzten 20km bis zum Gate sind teilweise in katastrophalem Zustand, stark ausgeschwemmt und werden gerade von Straßenbautrupps wieder instand gesetzt. Viele große Bau-LKW kommen mir entgegen und so komme ich nur langsam voran. 11.00 Uhr bin ich am Galton Gate. Vier Camper stehen vor mir in Schlange Soviel Autos auf einmal! Der Veterinär-Kontrolleur besichtigt die Kühlschränke. Ein Damen-Terzett unter einem Baum winkt mich heran, kontrolliert freundlich mein Permit und gibt dann die Ausreise frei. Kurz nach dem Abbiegen auf die C35 weisen zwei große Beton-Farmtore auf Hobatere hin, doch die richtige Einfahrt zur Lodge ist erst 1,5 km weiter. Dort mache ich das Farmtor auf und zu. Ein Schild weist darauf hin, dass man nur 40 km/h fahren darf und das Aussteigen wegen Löwen und Elefanten verboten ist. Bis zur Lodge sind es um 11.20 Uhr noch 16 km. Diese haben es in sich, es ist übelste Farmpad und teilweise ohne 4x4 nicht zu befahren. Die schwierigste Strecke bisher! Und von wegen 40 km/h! Das war fast nirgends zu schaffen! 🤩 Für diese 16 km habe ich 45 Minuten gebraucht! An der Rezeption werde ich von Ingrid (Herero) empfangen, bekomme Fieber gemessen – 36°C ! (unterkühlt!? 😗 ) und muss Hände desinfizieren. Dann erst erfolgt der Checkin, ich werde noch „Melodie“ an der Bar vorgestellt und dann zum Haus Nr. 9 gebracht, wo ich mit einem nett eingerichteten Zimmer überrascht werde.
Das Zimmer ist sehr groß, sauber und gut ausgestattet. Die Lodge selbst ist realtiv groß, hat eine schöne Terrasse, ein eigenes Wasserloch mit Aussichtsterrasse, einen Pool, eigentlich durchaus für mehr als einen Tag geeignet. Als ich vor vielen Jahren mal hier war, gab es noch Löwenfütterungen, doch nach dem Brand und dem Verkauf an den Staat, der es dann an eine kommunale Organisation verpachtet hat, sind die Löwen nun freilaufend und die ganze Anlage ist umgestaltet und macht einen sehr positiven Eindruck. Man kann auch ein Selbstversorger-Baumhaus in einem Rivier gelegen mit eigenem Wasserloch mieten, das aber derzeit geschlossen, da nicht erreichbar ist. Das Personal ist sehr freundlich und engagiert. 17.00 Uhr starten wir zum Gamedrive. Samuel, der Guide, erzählt viel über Bäume und Sträucher (Ana-, Mopane- und Kameldornbaum usw.) und über die starken Regen der letzten Tage, weshalb er nicht überall hinfahren kann, aber leider auch viele Tiere weiter rauf in die Berge gezogen sind. Daher ist wohl diesbezüglich nicht viel zu erwarten. Elefanten und auch Löwen laufen hier frei herum und können normalerweise gesichtet werden. So blieb es lediglich bei einem Bergzebra im Gegenlicht, das Sekunden später schon wieder verschwunden war und einem Milchuhu, der auf einem Baum döste.
Schließlich kehrt Samuel um, weil sich am Horizont eine schwarze Wolkenwand gebildet hat und er noch durch zwei Riviere zurück fahren muss. Trotzdem geschieht es, kurz vor der Lodge bleibt das Auto im nassen Sand stecken und versackt. Alle Versuche, das Auto frei zu bekommen, scheitern. Erst nach einer Stunde erhalten wir Funkkontakt zur Lodge und ein zweites Fahrzeug kommt und zieht uns raus. Wir fahren zur Lodge und machen den Sundowner auf der Aussichtsterrasse. Das Abendessen, war sehr schmackhaft und reichlich. Bis 21.00 Uhr unterhalten wir uns unter der überdachten Terrasse. Dann tritt noch der Personalchor zu einem kleinen Konzert auf. Es regnet auch in der Nacht weiter und wir - ein Paar auf Hochzeitsreise ist auch eingetroffen - befürchten, am nächsten Tag das Camp nicht verlassen zu können. Mal sehen! 😉 Schönes Wochenende: Burschi
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200920. Feb. 2022 · #42
So, in der Nacht hat es wieder geregnet! 😉 Ja, auch auf Hobatere und am Morgen geht es zunächst mit leichtem Nieselregen weiter. Und der Regen wird heftiger und der Strom fällt auch noch aus! Nach einem ordentlichen Frühstück hört es endlich auf zu regenen und um 8.00 Uhr starte ich zusammen mit dem holländischen Paar von der Lodge. Die Jungs von der Lodge sind bereits vorausgefahren. Wir fahren auf der steinigen Pad relativ problemlos, das Wasser ist abgelaufen. Ich hatte größere Ausschwemmungen erwartet und an einer Rivierdurchfahrt wartet Samuel mit einem kleinen Trupp auf uns und sagt, dass alles ok ist. Eine etwas problematische Stelle haben sie ausgebessert. So erreichen wir nach 45 Minuten und 15 km das Farmtor. Es ist alles gut gegangen und nun liegt nur noch Teerstraße vor mir. Über Hobatere stehen im Moment schwarze Wolken und wahrscheinlich regnet es wieder. Ich fahre über Kamanjab Richtung Outjo. Die Fahrt ist langweilig, inzwischen scheint die Sonne heiß und links und rechts der Straße ist nur Farmland, mal mehr – auch zuviel! – mal weniger intensiv genutzt. Nur wenige Autos begegnen mir. 12.30 Uhr habe ich ca. 18 km vor Outjo die Einfahrt zur Farm Matunda auf der rechten Straßenseite erreicht. Zweimal Farmtor auf und zu und schon bin ich beim Guesthouse. Es ist eine gepflegte und saubere Anlage. Besitzer ist Michel Jentzsch, der schon seit 20 Jahren hier lebt. Mein Häuschen liegt etwas abseits, hinter einer kleinen Zitronenplantage, das Auto steht im Schatten unter einem Kameldornbaum. Das Zimmer ist geräumig, mit Kühlschrank und Schreibtisch und auch sonst ordentlicher Ausstattung. Mein Häuschen und der Pool, den ich angesichts der heißen Nachmittagstemperaturen gerne nutze. Hier auf der Farm wird nach ökologischen Gesichtspunkten gewirtschaftet: Kein Plastik, eigene Stromversorgung, eigener Anbau, alles technisch auf dem neuesten Stand, z.B. Lademöglichkeit für Handy über USB-Anschluss. Ich treffe hier Gabi, eine nette, ältere Dame, ehemalige Lehrerin, Namibia-Überwinterin, die hier Socken strickt . Auch eine Möglichkeit über den tristen grauen deutschen Winter zu kommen! 😄 Nach dem Frühstück, das sehr ordentlich war, bezahle ich meine Getränke und fahre durch Outjo und dann weiter Richtung Otjiwarongo. Dort mache ich eine Kaffeepause und tanke auf. Unterwegs liegen mehrere Male tote Schlangen auf der Fahrbahn, die in der Nacht zum Wärmen auf den Asphalt kriechen, was sie mit dem Leben bezahlen. Teerstraße C 33 nach Omaruru. Die Fahrt ist sehr langweilig, links und rechts der Straße ist ein breiter Streifen Grasland, dann Farmzaun und dahinter Farmland. Kaum Abwechslung. 10.25 bin ich am Ortsanfang von Kalkfeld, eine Shebeen, eine verlassene Lodge, eine Farmruine, Wellblechsiedlung, am Ortsende eine Schule – das war´s dann auch schon. 50 km vor Omaruru die erste abgerundeten Felsformationen, die auf das Erongo hinweisen. 11.20 Uhr in Omaruru; der Ort ist wie ausgestorben, das Mronsky-Haus von 1907 ist geschlossen, um die Kirche herum ist niemand. Ein paar Leute stehen vor dem Supermarkt. Neben der Straße eine Mülldeponie, direkt vor dem Museum – und schon bin ich durch den Ort. Irgendwie hat der Ort einen tristen Eindruck gemacht. Sonst habe ich hier immer gerne ein Päuschen eingelegt. Die nächsten 45 km Gravelroad sind schon von der etwas heftigeren Sorte. Der Regen hat seine Spuren hinterlassen, unvermittelt ziehen sich plötzlich tiefere Rinnen über die Straße und die Schilder, die auf Riviere hinweisen, sind dieses Mal auf jeden Fall zu beachten. Einige der Riviere sind gelaufen, manche muss man vorsichtig queren oder größere Pfützen umfahren. Mittags komme ich bei meinem nächsten Ziel, der Guestfarm Omandumba an. Begrüßt werde ich von Fritz und Barbara, welche die Farm derzeit verwalten, weil die Familie Rust nicht anwesend ist. Hier erfahre ich eine ziemliche Enttäuschung. Ich wollte eigentlich an einem Tag die Buschmann-Siedling besuchen und an den verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen. Deshalb hatte ich drei Übernachtungen hier gebucht. Doch es gibt derzeit keine Buschleute hier mehr. Sie sind alle abgezogen. Was dann? Gamedrive gibt es mangels Wild auch nicht. Aber man kann spazieren gehen. Hhm, drei Tage lang? Fritz bietet mir noch eine Faht zu Felsmalereien an. Und ich entscheide mich, diese zu machen und dafür einen Tag füher nach Swakopmund zu fahren. Telefonsch stimmt Deike Rust diesem Vorschlag zu. Ich ziehe also in mein Häuschen
und schaue mal, was es in der Umgebung so gibt.
Überall wuseln flinke Eidechsen umher, die derart schnell sich verstecken, dass ich nur wenige fotografieren kann. Ein Nachtfalter ist da schon geduldiger. Er schläft am Tag und besucht uns aber mit seinen Kollegen beim Abendessen. Besonders scharf ist er auf Bier! Wahrscheinlich Alkoholiker! 🤩 Tiere - Haustiere! - gibt es aber reichlich.
Aber worauf liegt die Katze? Da steht auf der eisernen Platte ein Rezept! Es ist ein antiker Herd, in den man statt einer normalen Herdplatte ein Waffeleisen integrieren kann. So etwas habe ich noch nicht gesehen! Man beachte auch die Mengenangaben! 🤩
Zum Abendessen ist der Kreis dann größer geworden. Zu Fritz und Barbara gesellen sich noch Deike und Harald Rust und Gabi, die von Matunda ebenfalls nach Omandumba gekommen ist.
Zum Sonnenuntergang stehen wir zusammen vor der Farm und Harald erinnert sich nun, dass er mich schon einmal bei einem meiner Vorträge in Swakomund getroffen hat. So klein ist Namibia! So, es ist Sonntag - war es auch auf Omandumba - das muss für heute reichen. Schönen Tag noch! Burschi
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200921. Feb. 2022 · #43
Guten Morgen, heute steht also ein ganzer Tag auf Omandumba an. Von 6.45 bis 7.00 Uhr mache ich einen Sonnenaufgangsspaziergang mit Fotos. So richtig tolle Szenen finden sich aber nicht.
7.30 Uhr kann ich eine Tasse Kaffee trinken und muss dann noch bis 8.00 Uhr zum gemeinsamen Frühstück warten. Der nächste Tagesordnungspunkt ist um 16.00 Uhr das Kaffeetrinken und um 17.00 Uhr erst die Fahrt zu den Felsmalereien. Und bis dahin? Mit dem Auto darf ich auf dem Farmgelämde micht allein fahren, also Spazierengehen. Dann mache ich eine kurze Wanderung zur Campsite und die Felsen in der Nähe. Ich mache eine Reihe von Landschaftsaufnahmen, wofür sich das Erongo ja gut eignet.
Aus der Ferne sehe ich in dieser Felspartie ein Indianergesicht. Ihr auch?
Erstaunlich ist immer wieder wo die Bäume die Nährstoffe hernehmen, um hier noch wachsen zu können. Die Wanderung dauert leider nicht zu lange, denn es ist zwischen den Felsen extrem heiß, sodass ich mich bald auf den Rückweg mache. Wie lange ein Tag sein kann, wenn es über 30°C hat und der erste Programmpunkt um 17.00 Uhr ist und dazu der Magen rebelliert!! Eine Ewigkeit! Um 17.00 Uhr bis 19.00 Uhr machen wir zusammen die Fahrt zu den Felsmalereien mit Sundowner. Fritz fährt uns im offenen Wagen durch die Gegend. Zweimal halten wir an und gehen zu etwas versteckten Felsen mit Malereien der San, die zwischen 300 und 3000 Jahre alt sein können. Fritz erklärt ausführlich die Entstehung und fügt seine eigene Deutung an. Eine besondere Darstellung ist die eines Köcherbaumes, da normalerweise nirgends sonst Pflanzen gemalt wurden. Beim zweiten Halt ist die Besonderheit die Darstellung eines Bienenschwarmes in mehreren Bildern. Größere Tiere gabe es keine zusehen, von ein paar Springböcken mal abgesehen, so musste als Ersatz der kleine gestreifte Kerl herhalten.
Dann fotografiere ich auf der Rückfahrt noch einen „Finger Gottes“, einen Erosionsrestfelsen und die "Dicke Berta" (Name kommt von dem Riesengeschütz hergestellt von der Fa. Krupp im Ersten Weltkrieg.
Zum Schluss fahren wir auf einen steilen Felsen hinauf – zu spät für den Sonnenuntergang, denn die Berge sind nur noch Scherenschnitte – und ich bekomme mein bestelltes Savanna serviert. Heute ist um 22.00 Uhr Abendessen. Das Oryx ist leider in der Pfanne ein zweites Mal gestorben und die Hühnerleber als Vorspeise war auch kei Highlight. Das Essen hat mir nicht so besonders geschmeckt, auch wenn es alle loben, aber warum haben dann alle nach den Salzstreuern gegriffen? Ich verlasse die Runde bald, weil zwei neue Gäste das Gespräch völlig an sich gerissen haben und mit ihren Südwester- und Roverwitzen mich nicht zum Lachen bringen können. Außerdem will ich am Morgen so schnell wie möglich nach Swakopmund. Bis bald: Burschi
Graskop960 Beiträge · seit 201321. Feb. 2022 · #44
Oh je, da sind wir aber froh, dass wir die Höhle als Unterkunft hatten, so konnten wir wenigstens die Aussicht genießen. Und auf unsere Frage nach einem Dinner wurde uns gesagt: "Abendessen gibt es hier nicht" Das wir nicht allein umher fahren dürfen haben wir nicht mitbekommen. Nachdem wir am ersten Abend (24.01.) gesehen haben, dass der Farmer mit Gast oder Gästen in der Nähe von Three Elephants zu einem Felsen gelaufen ist bin ich am nächsten Tag hin gefahren und habe die Malereien entdeckt. Danke für deinen Bericht. Gruß, Silvio
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200921. Feb. 2022 · #45
Hallo Silvio, den Gast mit noch einer Frau zusammen und dem "Farmer", das waren wir! 🤩 Wir haben euch auch - unbekannterweise - aus der Ferne gesehen. Es können nur wir gewesen sein, weil sonst keine weiteren Gäste auf der Farm waren. Dass ihr vom Abendessen abgewiesen wurdet, hat vermutlich einen ganz anderen Grund, den ich auch erst später erfahren habe. Der "Farmer" bei uns war nicht der Besitzer, sondern der Farmverwalter "Fritz". Harald Rust gehörte zu diesem Zeitpunkt die Farm schon nicht mehr. Der neue Besitzer sollte erst nach meiner Abreise kommen. Harald und Deike sind jetzt als Besitzer (?) nur für das Buschcamp zuständig und haben angeblich mit der Farm nichts mehr zu tun. Das wird wohl auch der Grund gewesen sein, warum ich am nächsten Tag eine Meinungsverschiedenheit wegen der Abrechnung hatte. Was, wie und mit wem in diesen Tagen aberechnet wurde, kann ich dir nicht genau sagen. Gruß: Burschi
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200922. Feb. 2022 · #46
Guten Morgen, heute geht es nach Swakopmund, wo ich vier Tage nun verweilen werde. Zuerst hieß es von Omandumba Abschied nehmen. Der wurde mir nicht allzu schwer gemacht. Mit Deike hatte ich ja vereinbart, den stornierten Tag mit der Fahrt und den Getränken zu verrechnen. Doch nun musste ich doch die Getränke extra zahlen und außerdem "hast du ja bei der Fahrt die Luxusvariante mit Sundowner gehabt!", meinte sie. Ok, die Fahrt zu den Felsbildern kostet 500 N$, die Lususvariante (mit Fahrt auf einen Felshügel und einem Getränk) 800 N$. Ein Savanna für 300 N$!? 🤩 Echter Luxus! Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich es mit mehr Andacht getrunken! 😗 🙄 Egal, als Ausgleich habe ich dann für Harald noch zwei Kisten mit nach Swakopmund genommen und mich bei Deike für diese Gefälligkeit bedankt, dass ich den Transport übernehmen durfte. Abgehakt! Die Fahrt nach Swakop verlief ohne jegliche Ereignisse, die Gravelroads waren frisch geschoben, also gut zu befahren, was sich inzwischen ja durch den heftigen Regen geändert hat. Die B1, die Teerstraße bis Swakomund, ist immer mit großer Vorsicht zu befahren, denn hier sind sehr viele riesige LKW unterwegs, die oft sehr riskant überholt werden. Es ist mit die gefährlichste Strecke in Namibia! Die weiteren Tage in Swakopmund will ich nicht in dem ereigneten Verlauf schildern, da zu viel Privates dabei war. Daher will ich es ein wenig thematisch angehen und heute vor allem auf Unterkunft und Verpflegung eingehen. zunächst ist allgemein zu bemerken, dass auch hier nur sehr wenige Touristen anwesend waren. Die Straßen waren zum Teil erschreckend leer. Bei einem Spaziergang entlang der Strandstraße am Nachmittag war ich z.B. völlig allein. Man hätte schon glauben können, die Pest sei ausgebrochen! Auch in den Geschäften kaum Kunden, erst recht nicht bei den Händlern am Holzmarkt, die verzweifelt versuchten zu Kundschaft zu kommen. Manche haben Tage lang nichts verkauft. Bei den Hotels und Unterkünften hatten viele geschlossen. Der Europahof, wo sonst immer Busse davor stehen, war geschlossen. Überhaupt habe ich keinen einzigen Reisebus gesehen. Das TUG hatte zu, manche Restaurants nur am Abend offen. Auch in meiner Unterkunft, dem Prinzessin Rupprecht Hotel war ich an zwei Tagen der einzige Gast. Warum diese Unterkunft? Mir gefällt die Idee, dass aus dem ehemaligen Hauptgebäude des Roten Kreuz Heimes ein Hotel gemacht wurde, das mit seinen Einkünften ein Altersheim dahinter finanziert. Daher unterstütze ich es gerne. Außerdem ist es hier sauber und ruhig. Die Zimmer sind groß und mit allem eingerichtet, was man braucht, Kühlschrank, Schreibtisch, Kofferablage, TV und Heizung. Gerade letzteres kann in manch kalten Nächten in Swakopmund, die immer auftreten können, sehr angenehm sein!
Das Frünstück erhält man ab 6.30 Uhr und ist recht ordentlich. Die hohen Räume mögen für manchen befremdlich sein, sind aber der Historie des Baus geschuldet. Hinter dem Hotel kann man einen ruhigen Garten nutzen, der schön mit vielen Blumen gepflegt ist, eine schattige Laube hat und einen Brunnen, an dem den ganzen Tag Vögel zum Trinken und Baden kommen. z.B. etliche Felsentauben, oder es begegnen sich Bülbül und Oranjebrillenvogel und viele andere. Die Bewohner des Altersheimes stören überhaupt nicht! 😉 😉 In folgenden Restaurants habe ich gegessen: 1. "Altstadt Restaurant" in der Anton Lubowski Street: größerer Biergarten mit entsprechender Atmosphäre, Fischgerichte, große Portionen, freundliche Bedienungen 2. das "Andy´s" neben der einstigen Kupferkanne, in der Nähe der Post: hier sollte man vorher reservieren, wenn man nach 18.00 Uhr essen will. Sehr gute Fischgerichte und leckere Austern in verschiedenen Variationen. Gute Weinauswahl, aufmerksame Bedienung; man kann im Freien sitzen mit mobiler Überdachung (gegen Sonne und Nieselregen)
3. "Butchers und Brewers", eines der Restaurants im Erdgeschoß des Strandhotels mit verschiedenen Biersorten, auch als Testreihe in kleinen Gläsern und unterschiedlichem Bierangebot zu verschiedenen Zeiten; gute Pizzas. Als Gegenstück zum Fisch kann man hier ja mal die "Carnivoren-Pizza" probieren. 😄 Ich habe sie nicht ganz geschafft und man bekommt den Rest - bei mir die Hälfte - jederzeit eingepackt. Doch dann hatte ich ein etwas bedrückendes Erlebnis. Ich ging nach dem Treffen dort mit einem Freund zurück in das Hotel, wo ich meine zweite Pizzahälfte abends essen wollte. Mit dem Doggybag in der Hand wurde dieser Gang fast zum Spießrutenlauf! Mehrfach wurde ich angesprochen, ob ich nicht mein Doggybag verschenken oder gar gegen einige Makkalaninüsse eintauschen wolle. Die Menschen sahen ganz genau, dass ich da was zum Essen in der Hand hatte und Geringverdiener, wie Parkwächter haben Hunger, wenn sie sich keine Mahlzeit am Tag leisten können. Bedrückend! Das muss für heute mal reichen, denn andere Termine stehen an. Bis morgen: Burschi
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200923. Feb. 2022 · #47
Guten Morgen, heute gehen wir in die Wüste. Heute habe ich erstmals langes Hemd, Weste und lange Hose an, denn es ist kühl geworden. eine Begleiterin, die früh dachte, es geht in die heiße Wüste, musste sich eine Jacke leihen, denn es war recht frisch und nieselte leicht. 8.10 Uhr kommt „Tommy´s Desert Tours“ und holt mich ab. Es ist aber nicht mehr Tommy selbst, sondern eine junge Frau namens Bianca, die aber insgesamt ihre Sache recht gut macht. Tommy fungiert nur noch im Hintergrund und die Firma hat nur noch seinen Namen. Wir fahren gegen 8.30 Uhr in die Wüste, nachdem Bianca erst einmal Luft aus den Reifen gelassen hat. Dann geht es langsam von Station zu Station und Bianca gibt eine Menge guter Erklärungen. Da ich die Tour mit verschiedenen Anbietern schon viermal gemacht habe, bin ich mehr stiller Zuschauer. Bianca geht auch vorsichtig mit verschiedenen Tieren um, weshalb sie z.B. Die beiden Spinnenarten - Weiße Witwe und Schwarze Witwe (giftig!) - nicht ausgräbt, sondern nur vorsichtig den Eingang des Baus freilegt. Toktokie – Käfer und verschiedene Ameisen sind mehrfach zu sehen. Der Skink – eine blinde Echse, ähnlich Blindschleiche - muss dann aber doch daran glauben, ist aber ganz flink wieder im Sand verschwunden. Gleiches gilt für den Palmato-Gecko - er muss natürlich vorgezeigt werden, zumal er ja sooo attraktiv ist - aber Bianca setzt ihn vorsichtig in seinen Bau zurück und sorgt auch dafür, dass er nicht verschüttet wird. Zweimal können wir ein Namaqua-Chamäleon entdecken, das mit Mehlwürmern gefüttert wird.
Es ist natürlich das Highlight der Tour. Wir verbeiben dabei so lange, dass für die Schaufelnaseneidechse keine Zeit zum Einfangen bleibt. Mein persönliches Highlight aber sind andere Tiere. Zum einen der Oranjeschmätzer, der seine Mehlwürmchen auf der Hand abholt. Der Schmätzer hat schon bei einem Toilettenhäuschen auf uns gewartet. Da steht wirklich in der Wüste ein richtiges Klo! Und der Vogel weiß, dass da jeden Tag Leute mit Futter kommen! 🤩 😄 Und dann ein Vogel, den ich schon lange mal in der Wüste sehen wollte, die Damara-Seeschwalbe. Sie ist eine der gefährdetsten Vogelarten. Sie brütet nur in der Namib-Wüste auf Kiesflächen. Auch wegen ihr wurde das Doro-Schutzgebiet errichtet. Natürlich führt Bianca auch das Spiel mit dem großen Magneten vor, mit dem sie Magnetit aus dem Sand holt. Am Schluss folgt die übliche Achterbahnfahrt durch die Dünen, die ich für absolut überflüssig halte, doch die jungen Leute sind begeistert. Ich kann nicht verstehen, wie man zwei Stunden über Tiere und ihre Gefährdung redet und dann mit Affengeschwindigkeit durch deren Lebensraum düst. Die Seeschwalbe haben wir z.B. so von ihrem Brutplatz aufgescheucht, zu dem sie nur sehr zögerlich zurückgekehrt ist. Wenn am Tag die Sonne brennt, dann genügen 10 Minuten für die offen liegenden Eier, um die Brut zu vernichten! Am Nachmittag mache ich noch eine zweite Tour. Ich fahre mit Tom Welte in die Mondlandschaft. Mehr als 80 km auf der Teerstraße (hin und zurück Richtung Arandis) und noch 20 km durchs Gelände! Ich bin ein wenig unterZeitdruck, weil ich am Abend noch ein persönliches Treffen mit Freunden habe. Erste Station ist eine Abbaustelle von Muskowit (weißer Glimmer). Hier liegen noch große Glimmerkristalle herum. Dann fahren wir auf einen der vielen Dolorithügel hinauf und haben einen schönen Ausblick auf die "Mondlandschaft", die ihren Namen zu Recht verdient. Ich wollte eigentlich mal wieder einige der Welwitschias sehen, jene endemische Pflanze, die nach einem österreichischen Naturforscher benannt ist, die eigentlich ein Baum mit nur zwei Blättern ist und zu einer Symbolpflanze für Namibia geworden ist. Das ist nur ein Beispiel davon. Zudem gibt es männliche und weibliche Pflanzen. Es schließt sich noch eine kleine Wanderung im Swakoptal an. Tom will nicht dort reinfahren, denn er vermutet noch Wasser im Untergrund. Doch wie schnell sich der Boden bei der Hitze wandelt, sieht man hier: Vor wenigen Tagen floss hier noch Wasser! Und jetzt sieht man gar nichts mehr, denn der Swakop ist total abgekommen und hat seit 11 Jahren mal wieder das Meer erreicht. Wer jetzt in Namibia unterwegs ist, sieht ein wundervoll grünes Land, hat aber auf den Straßen oft erhebliche Probleme mit den enormen Fluten. Doch die Sintflut kam erst nach mir! 😉 😄 In diesem Sinne: Schönen Tag: Burschi
Ich kann nicht verstehen, wie man zwei Stunden über Tiere und ihre Gefährdung redet und dann mit Affengeschwindigkeit durch deren Lebensraum düst. Die Seeschwalbe haben wir z.B. so von ihrem Brutplatz aufgescheucht,
möchte ich mich noch einmal "extra" bedanken! Gruß Friederike
Graskop960 Beiträge · seit 201323. Feb. 2022 · #50
Burschi schrieb: Ich kann nicht verstehen, wie man zwei Stunden über Tiere und ihre Gefährdung redet und dann mit Affengeschwindigkeit durch deren Lebensraum düst. Die Seeschwalbe haben wir z.B. so von ihrem Brutplatz aufgescheucht, zu dem sie nur sehr zögerlich zurückgekehrt ist. Wenn am Tag die Sonne brennt, dann genügen 10 Minuten für die offen liegenden Eier, um die Brut zu vernichten!
Genau aus diesem Grund haben wir diese bestimmt sehr interessante Tour bei 3 Aufenthalten in Swakopmund noch nie mit gemacht. Jeder Tourist entscheidet durch seine Buchung ein wenig mit, ob diese Tour so statt findet oder nicht. Aber, das soll jeder für sich selbst entscheiden. Deshalb möchte ich das nicht als Kritik verstanden wissen. Gruß, Silvio
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200923. Feb. 2022 · #51
Hallo Silvio, gebe dir völlig Recht. Habe das bei meiner ersten Tour vor vielen Jahren mit Chris (war damals noch mit Tommy zusammen) schon damals kritisiert. Seine Ausrede war, dass man nur immer die gleiche Fahrspur fährt. Die letzte Tour bei Batis Birding Safari mit Francois fand ohne das Achterbahnfahren statt. Vielleicht auch nur, weil ich vorher mit ihm darüber diskutiert habe. Diese Tour habe ich deswegen noch einmal gemacht, weil eine Bekannte das unbedingt machen wollte und sie in dieser Zeit nur allein angemeldet war. Sowohl Chris als auch Tommy wollten aber dafür den doppelten Preis für eine Einzelperson. Gruß: Burschi
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200924. Feb. 2022 · #52
Guten Morgen, letztes Stichwort war "Sintflut". Was derzeit in Namibia mit dem Regen abgeht, werdet ihr sicher auch verfolgen. Da waren die Gewitter und der Regen, den ich erlebt habe noch relativ harmlos, doch ein paar Probleme zeichneten sich schon ab. So wollte ich auf dem Weg zurück über den Gamsberg-Pass eine Übernachtung auf der "Corona-Lodge" (nomen est non omen! 😉 ) einlegen. Ich hatte aber erfahren, dass der Weg vom Pass zur Lodge, etwa 16 km lang, durch die Regenfälle schon stark in Mitleidenschaft gezogen ist und nur mit 4x4 und mit einem Zeitaufwand von einer Stunde zu befahren ist. Nun bin ich zwar in Namibia schon viele 4x4 Strecken gefahren, aber in einer Zeit in der Regen unberechenbar ist und ich ja außerdem ganz alleine war und zudem wohl kaum ein weitere Tourist auf der Strecke unterwegs ist, habe ich mir denn doch überlegt, ob ich dieses Risiko eingehen soll. So habe ich mich dann entschlossen, die "Corona-Lodge" sausen zu lassen und auf der ungeliebten B1-Teerstraße nach Windhoek zurück zu fahren. Dazu waren einige Telefonate notwendig, die ich mit der bei der Ankunft gekauften Sim-Karte gut erledigen konnte. Apropos: Auf der Sim-Karte sind noch 24 Minuten Sprechzeit drauf. Wenn sie jemand von den Lesern haben möchte, gebe ich sie gerne gegen Portoersatz ab. Nun aber zum letzten Tag in Swakopmund, Thema heute sind die sozialen Projekte. 9.00 Uhr treffe ich mich mit Anja Rohwer beim Kubatsirana. Anja ist die Frau, die weiter alle die Projekte betreut, die ihre Mutter Jutta vor vielen Jahren ins Leben gerufen hat und die ich zum Teil seit 17 Jahren mit der Erstellung eines Kalenders, dessen Erlös in die Projekte fließt und dem Verkauf der Frauen-Bastelarbeiten auf Weihnachtsmärkten unterstütze, . Das "Kubatsirana" liegt in der Nahe des Hohenzollernhauses und da werden die Dinge verkauft, welche die Frauen in den Projekten herstellen. Verständlicher Weise ist natürlich auch hier das Geschäft durch die Pandemie eingebrochen. Das Frauenselbsthilfeprojekt mit Kindergarten und Vorschule liegt im Stadtteil Mondesa DRC. Das ist der Teil an dem auch die Township-Führungen in Mondesa aufhören und eigentlich kaum ein Tourist hin kommt.
Und noch ein Blick aus dem Projekt auf die Umgebung:
Gegen dieses "Wohngebiet" ist Katutura ein Villenviertel. Das Projekt konnte im letzten Jahr durch eine sehr großzügige Spende neu gebaut werden und Anja führte mich durch die gesamte Anlage. 4 Klassenzimmer, Gärtnerei, Küche, Arbeitszimmer für die Frauen, sanitäre Anlagen auf dem neuesten Stand. Da ist es leider notwendig, wie ihr auf dem letzten Bild seht, die Anlage nach außen abzusichern. Die Kinder erhalten hier eine tägliche Mahlzeit und von drei Lehrkräften auch Unterricht, der sehr diszipliniert und gut organisiert durchgeführt wird. Auch die Hygiene steht hoch im Kurs, so ist das Händewaschen nach den Mahlzeiten Pflicht. Die Frauen, deren Kinder unerrichtet werden, arbeiten derweil in einem anderen Gebäude. Sie stellen Schmuck und Bastelarbeiten her. Daneben befindet sich auch ein Garten im Projekt , wo die Frauen zu eigenem Gärtnern angelernt werden und die Produkte zudem in der Küche Verwendung finden.
Auch das alte Projekt bleibt bestehen und soll nun unter neuer Leitung weitergeführt werden. Am Nachmittag habe ich mich dann mit Joel, dem Leiter der "African Vocals" getroffen. Mit ihm sind wir seit den zwei Konzerten der Vocals in unserem Heimatort befreundet und stehen in Kontakt. Joel arbeitet als Musiklehrer und er wollte mir mal seinen Arbeitsplatz zeigen. 12.15 Uhr holt mich Joel ab und bringt mich zuerst zum Kindergarten von Hilda Meyer. Sie freut sich über die Wiederbegegnung und zeigt mir den kleinen aber sehr gut organisierten Kindergarten. Hilda hatte die erste Tour der Vocals in Deutschland begleitet und leitet hier in Mondesa einen Kindergarten, der mit viel Liebe eingerichtet ist. Kurz nach 13.00 Uhr fahren wir weiter und Joel bringt mich zur MYO-Schule, eine Privatschule, hauptsächlich durch Spenden des amerikanischen Rotary-Clubs finanziert. Ich werde der Managerin Anke Husemeyer übergeben, sie lädt mich zum Kaffee ein und wir plaudern über das Schulprojekt, das sich der Förderung besonders begabter Kinder angenommen hat. Die Kinder kommen um 13.00 Uhr aus der normalen Schule, haben eine Stunde Pause, in der sie etwas zu essen bekommen, um 14.00 Uhr ist Versammlung mit Gebet und Ansprache, dann geht es in den Unterricht, der im 30minütigem Wechsel in Mathematik, Englisch, PC-Kenntnisse, Musik und Sport stattfindet. Anke führt mich durch die Klassen, wo ich auch Joel beim Musikunterricht beobachten kann. Zuletzt besuchen wir die erstaunlich umfangreiche Bibliothek. Auch der Computerraum ist toll ausgestattet. Und Joel in Aktion! 🤩 Am späten Nachmittag bin ich wieder im Hotel, sitze in der Laube des Gartens und lasse die Eindrücke des Tages noch einmal an mir vorüber ziehen. Die tollen Projekte sind leider nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Bei zu vielen Menschen in Mondesa DRC geht es ums nackte Überleben. Aber sie sind ein kleines Licht, das mit seinem Schein ein wenig Hoffnung in diese triste Welt bringt. Ich habe die Tage in Swakopmund ein wenig nach Themen geordnet. In Wirklichkeit sind sie nicht ganz so abgelaufen und es waren auch noch eine Reihe von privaten Treffen und verschiedene andere Dinge zu erledigen, die hier im Forum nicht von Interesse sind. Morgen geht es zurück nach Windhoek. Schönen Tag: Burschi
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200925. Feb. 2022 · #53
Noch einmal guten Morgen. Heute heißt es Abschied nehmen von Swakopmund. Ich werde die letzten Tage in Windhoek zusammenfassen, weil private Treffen hier nicht von Interesse sind und mich daher nur noch auf Unterkünfte beschränken will. Wie sich im Nachhinein herausgestellt hat, war die Eintscheidung, nicht über den Gamsbergpass mit Abstecher zur Corona Lodge zu fahren, richtig. So bin ich am frühen Morgen von Swakopmund aus auf der B1 abgefahren, habe in Usakos nochmal getankt und in Okahandja Pause gemacht. Gegenüber dem Holzmarkt ist ein nettes Cafe´ und gleich daneben kann man ordentlich Biltong einkaufen. Das Navi meines Handys hilft mir rasch und ohne Umwege Guesthouse Londiningi, das etwas versteckt im Stadtteil Eros liegt, um 12.30 Uhr zu erreichen. Ich bin wieder der einzige Gast für die zwei Tage, die ich mich hier aufhalte. Es ist ruhig und das Zimmer ist geräumig mit großem Bett, es ist sogar TV da, der aber nicht funktionierte, was mich überhaupt nicht störte, denn mir ist ein Schreibtisch wichtiger, auf dem ich das Reisetagebuch schreiben kann.
Auf dem Weg zum Haupthaus liegt ein Pool, der sauber und gepflegt ist, wie auch der kleine Garten, wo man gut im Schatten sitzen kann und lesen oder einen Sundowner trinken.
Lobenswert ist aber die Verpflegung, sowohl das umfangreiche Frühstück, als auch das Abendessen. So kann man getrost darauf verzichten nochmals nach Windhoek zum Essen zu fahren. Das Diner besteht aus drei Gängen, das Elandsteak war sehr gut und der Nachtisch (Apple Tart mit Amarula) war nett dekoriert.
Ich füge auch gleich nochmal den Nachtisch vom nächsten Tag (Creppes Suizettes) an. 😄 😄 Das Guesthouse verfügt aber auch noch über eine kleine Attaktion. Ich beobachte eine Fuchsmanguste, die sich an die Küche anschleicht und um was bettelt. Und tatsächlich, Hilde gibt ihr ein Ei. Sie frisst es aber erst, als sie es im Schälchen serviert und aufgemacht bekommt.
Wie sich im Laufe der zwei Tage herausstellt, sind es drei Mangusten, zwar keine Streicheltiere, aber doch nette Unterhaltung. Den zweiten Tag habe ich hier verbracht, weil ich nicht die Corona Lodge aufgesucht habe, nun aber habe ich wegen des annulierten Fluges von Lufthansa noch zwei weitere Tage anhängen müssen, die ich nochmals auf Voigtland gebucht habe. ich wollte einfach nur entspannen. Natürlich waren hier die Giraffen wieder die Hauptunterhaltung. Über die Möglichkeiten der Vogelbeobachtung habe ich schon berichtet, zu dieser Zeit ergaben sich immer mal neue Motive, weil viele mit dem Nestbau beschäftigt sind und neben den schon erwähnten Maskenwebern waren auch die Kapstelzen emsig beim Heimbau. Inzwischen wisst ihr ja auch, dass ich mich für alles Getier interessiere und daher ist mir auch dieser elegant gekleidete Nachtfalter nicht entgangen. 😉 🙂 Auf Voigtland wird auch ein Gamedrive angeboten, auf dem man - wenn man Glück hat - Bergzebras sehen kann. Wir hatten kein Glück, wir haben nichts gesehen, außer grünem Busch. 😛 Die Tiere hatten sich alle verzogen und versteckt. Kein Wunder, denn kaum waren wir wieder an der Farm, ging es auch schon wieder los. Die Himmelsschleusen öffneten sich. Immer wieder bildeten sich neue Gewitterzellen, bis schließlich der zweite Tag - von kurzen Pausen abgesehen - nur noch aus Regen bestand. Zweimal habe ich die Lodge für den Nachmittag verlassen, um eine Bekannte zu besuchen. Von der sehr guten Küche habe ich ebenfalls schon berichtet, das Essen mussten wir aber wegen des ständigen Regens drinnen einnehmen. Ab und zu spitzte ich schnell mal nach draußen, denn auch bei Regen gibt es schöne Stimmungen. Und dann war er auch schon da, der letzte Tag in Namibia. Letzter Spaziergang in Windhoek durch das Craft-Center. Traurige Gesichter an der Verkaufsständen, viele haben schon ganz aufgegeben. Die Pandemie hat viele Lücken gerissen. Die Autoabgabe verlief problemlos. Ich war Zuhörer als zwei junge Männer ein beschädigtes Fahrzeug zurück brachten. Auf Gravelroad zu schnell gefahren. Da habe ich kein Mitleid. Selbstüberschätzung kann eben teuer werden. Dabei lässt sich das Land viel besser genießen, wenn man ruhig und besonnen unterwegs ist. Aber viele bringen ihre Hektik aus Deutschland mit. Ich bin ca. 80.000 km in Namibia bisher gefahren und hatte erst einen Platten, bin noch nicht versackt, trotz Wasser- und Sandfahrten, und habe auch keinen Unfall gehabt. Besonnenheit macht sich auf Dauer bezahlt. Auch auf dieser Reise habe ich trotz der Wetterkapriolen viel gesehen und erlebt. Ich habe nun Namibia in allen Monaten (außer Dezember) bereist und kann sagen, dass es immer eine Reise wert war, mit ganz unterschiedlichen Eindrücken, von denen ich keine missen möchte. Auch nicht die zum Teil schlimmen Beobachtungen, die sich durch die Pandemie ergeben haben. Es war einsam an vielen Orten, aber ich habe die Ruhe genossen, auch die Zeit, die sich etliche Menschen für lange Gespräche genommen haben. ich konnte sehen, dass man auch bei großer Not nicht in lautes Lamentieren und Gekreisch verfallen muss. Und die Not ist hier erheblich größer als bei uns. Ich wollte mit diesem Bericht zeigen, dass Namibia immer ein lohnenswertes Ziel ist, wenn man die Augen für all die kleinen Reize offen hält und die Tierwelt nicht nur auf die Big Five reduziert und sich Zeit nimmt in Ruhe zu genießen. Leider sind nicht alle Bilder in der Qualität geworden, wie ich sie gerne hätte und genügen meinen Ansprüchen nicht unbedingt. Aber die wahren Bilder hat man ja sowieso im Herzen. Inzwischen bin ich leider schon wieder zurück in unserer hektischen, aggressiven Gesellschaft und habe das Gefühl, bald wieder weg zu müssen. Ob es doch noch einmal Namibia sein wird? Aber Afrika will ich auf keinen Fall streichen, auch wenn die Reise vielleicht in anderer Form abläuft. Ich kann nur jedem raten, Namibia zu besuchen, es in Ruhe zu erleben und gesund wieder zu kommen, um die nächste Reise planen zu können. Mit diesem Gefühl bin ich bei Sonnenuntergang in den Flieger nach Deutschland gestiegen.
Liebe Fomis, vielen Dank, dass ihr mich hier begleitet habt, ich wünsche euch alles Gute und eine baldige und schöne Reise nach Namibia. Viele Grüße: Burschi
Guten Morgen Burschi, hab herzlichen Dank für die Beschreibung Deiner Eindrücke. Die Mixtur aus „Land und Leute“ hat mir sehr gefallen. Schöne Grüße Friederike
Lieber Burschi Auch von mir ein herzliches Dankeschön für die unterhaltsame Beschreibung deiner Reise. Besonders gefallen mit deine teilweise kritischen Bemerkungen und Eindrücke. Schade ist deine Reise schon zuende. Liebe Grüsse Grosi
freshy3'883 Beiträge · seit 201125. Feb. 2022 · #56
Burschi schrieb: Auch auf dieser Reise habe ich trotz der Wetterkapriolen viel gesehen und erlebt. Ich habe nun Namibia in allen Monaten (außer Dezember) bereist und kann sagen, dass es immer eine Reise wert war, mit ganz unterschiedlichen Eindrücken, von denen ich keine missen möchte. Auch nicht die zum Teil schlimmen Beobachtungen, die sich durch die Pandemie ergeben haben. Es war einsam an vielen Orten, aber ich habe die Ruhe genossen, auch die Zeit, die sich etliche Menschen für lange Gespräche genommen haben. ich konnte sehen, dass man auch bei großer Not nicht in lautes Lamentieren und Gekreisch verfallen muss. Und die Not ist hier erheblich größer als bei uns. Ich wollte mit diesem Bericht zeigen, dass Namibia immer ein lohnenswertes Ziel ist, wenn man die Augen für all die kleinen Reize offen hält und die Tierwelt nicht nur auf die Big Five reduziert und sich Zeit nimmt in Ruhe zu genießen. Leider sind nicht alle Bilder in der Qualität geworden, wie ich sie gerne hätte und genügen meinen Ansprüchen nicht unbedingt. Aber die wahren Bilder hat man ja sowieso im Herzen. Inzwischen bin ich leider schon wieder zurück in unserer hektischen, aggressiven Gesellschaft und habe das Gefühl, bald wieder weg zu müssen. Ob es doch noch einmal Namibia sein wird? Aber Afrika will ich auf keinen Fall streichen, auch wenn die Reise vielleicht in anderer Form abläuft.
Guten Tag Burschi, vielen Dank für deinen eindrucksvollen Reisebericht und besonders für dieses Resumée. So sehr ich beim Angucken vieler sehr guter Fotos ins Schwärmen gerate und in Sehnsucht verfalle, mir hat vor allem dein Bericht gefallen. Ich bin sicher, dass du 13 Fotos für den nächsten Kalender für gut genug befinden kannst, denn ich hoffe auf den nächsten Kalender!
Ich wünsche dir ein angenehmes, friedliches Wochenende, Liebe Grüße freshy
Hallo Burschi Mit Interesse habe ich Deinen Reisebericht gelesen. Auch ich habe Namibia im April-Mai 2021 alleine besucht. Meine 3 geplanten Mitfahrer trauten sich Corona bedingt nicht. Die Erlebnisse waren gigantisch und das bei der 3 Namibia Reise und garantiert nicht die letzte. Wünsche noch ein schönes Wochenende Peter
Lieber Burschi, vielen, vielen Dank für diesen ehrlichen Bericht. Ich finde es sehr gut, auch mal über Dinge zu schreiben, wenn etwas nicht so gut läuft/ passt. Auch wir waren jetzt im Januar/ Februar`22 in Namibia bei so viel Regen unterwegs, aber auch wie Du geschrieben hast - ruhig und besonnen. 😉 Es tut einen in der Seele weh, zu sehen, wie die Menschen leiden, weil der Tourismus eingebrochen ist. Wir können nur JEDEN empfehlen der dieses Land liebt, JETZT dorthin zu reisen, denn man ist fast alleine unterwegs.
ich sag einfach nur DANKE für deine schönen und wahren Worte. Omandumba war im November auch für uns etwas befremdlich (der "neue" Besitzer/Betreiber soll lt. Fritz der Bruder von Harald sein?!) Aber JA du hast vollkommen recht, Namibia ist zu jeder Jahreszeit und auch immer eine Reise wert. Ganz besonders jetzt. Gerade wenn man komplett ohne großem Plan das Land bereist, ergeben sich immer wieder sehr schöne Situationen. Wir freuen uns schon auf deinen neuen Kalender und sind wieder sehr gern dabei. LG Uwe