Reisebericht: Mit Fahrrad, Bus und Zug durch Kuba

Reisebericht 121 Antworten · 17,4k Aufrufe · gestartet 29. Juli 2020 von Gu-ko
Themenstarter275 Beiträge · seit 201430. Aug. 2020 · #61
loser schrieb:Hallo Gu-ko, ich bin Späteinsteiger...PS aber deswegen nicht weniger begeisterter Mitleser 🙂
Herzlichen Dank, deine Reiseberichte sind für mich immer was Besonderes.
Vor ein paar Monaten war (wo?) eine ungewöhnliche TV-Reportage über Kuba. Von einem (US?) amerikanischen Journalisten über den Alltag in Städten und am Land. Er hatte vor Jahrzehnten als junger Mann die Akzeptanz des damaligen Fidel Castro - Regimes gewonnen, Kontakte und Freundschaften geknüpft und so Reportagen über den kubanischen Alltag produziert. Über die folgenden Jahrzehnte hat er dann, in längeren Abständen, immer wieder dieselben Personen und Familien besucht und interviewed und so entstand eine sehr sympathische und sehr informative Dokumentation über das harte Leben von zwei Generationen einfacher kubanischer Bürger in der Stadt und am Land. Hätte dir wahrscheinlich gefallen…..aber du machst ja sowas selber. Respekt!!
Danke und Grüße, Werner
Hallo Werner, das hört sich interessant an, du weißt nicht zufällig wie die Reportage heißt?
lg GuKo
Guko Reiseberichte: Reisebericht: Bilder einer Äthiopienreise Reisebericht: Mit Bus, Matatu und Liemba durch Ostafrika Reisebericht: Mit Öffis durch Ostafrika u. Ost-Kongo Reisebericht: Mit-Fahrrad Bus-und Zug durch-Cuba
Themenstarter275 Beiträge · seit 201430. Aug. 2020 · #62
Manzanillo - Bartolomé Masó

Am nächsten Morgen bin ich wieder mal früh auf den Beinen. Es ist noch dunkel und nicht einmal die Hähne krähen, als ich im engen Treppenhaus meiner Casa das Fahrrad bepacke. Die ersten Sonnenstrahlen streichen über das noch schläfrige Städtchen, als ich Manzanillo verlasse. Doch mit der Schläfrigkeit ist es bald vorbei. Als ich auf die Straße Richtung Bayamo stoße, herrscht dort trotz der frühen Stunde reger Verkehr. Menschen fahren, oder laufen zur Arbeit, LKWs, Busse und landwirtschaftliche Fahrzeuge überholen mich mit dröhnenden und rußenden Motoren.


Manzanillo – der erste Fahrradweg, den ich in Kuba gesehen habe

Aber, Kuba ist immer für eine Überraschung gut. Zum ersten Mal komme ich in den Genuss eines Fahrradweges. Ich wusste bislang nicht einmal, dass es so etwas in Kuba überhaupt gibt. Allerdings ist der Radweg eine abenteuerliche Angelegenheit voller Löcher und Bodenwellen. Radfahrer sind zwar vor dem recht dichten Verkehr geschützt, müssen aber gut aufpassen, nicht in einer der zahlreichen Furchen und Rillen hängen zu bleiben.


Straße Manzanillo - Bayamo

Auf Schildern wird immer wieder vor gefährlichen Streckenabschnitten gewarnt. Man bekommt die Zahl der Unfälle, Toten und Verletzten mitgeteilt. Ob es die Fahrweise positiv beeinflusst, weiß ich nicht.


Bei Sonnenaufgang verlasse ich Manzanillo

Eine erste Pause mache ich in Yara. Yara ist ein kleines Städtchen auf halben Weg zwischen Manzanillo und Bayamo. Hier zweigt die Straße nach Bartolomé Masó, meinem heutigen Tagesziel, ab.

Inzwischen bin ich mächtig durstig geworden und auch mein Magen knurrt hörbar. Das Frühstück heute Morgen in der Casa in Manzanillo war mehr als kärglich gewesen.

An der Hauptstraße sehe ich einige Stände mit Bocaditos (Sandwich) und einen Guarapo-Stand. Guarapo ist der aus frisch geschnittenem Zuckerrohr gewonnene Zuckerrohrsaft. Mittels einer Zuckerrohrpresse, die gleich hinter dem Verkaufsstand steht, wird der Guarapo frisch gepresst. Dabei wird das Zuckerrohr mehrmals zwischen zwei Walzrädern hindurchgezogen, bis kein Tropfen mehr herauskommt. Das Ergebnis ist ein milchiges, süßlich schmeckendes Getränk, das, mit geschreddertem Eis gekühlt, für 0,5 – 1 Peso MN (CUP), also etwa 0,03 € - 0,06 € verkauft wird.


Guarapopresse

Mir klebt von der staubigen Landstraße die Zunge am Gaumen und ich stürze mich zuallererst auf den Guarapo-Stand. Der Guarapo schmeckt so köstlich, dass ich erst nach dem fünften oder sechsten Glas aufhören kann zu trinken. Da der Zuckerrohrsaft mit Eis vermischt wird, hoffe ich, dass das Eis sauber ist. Ich vertraue mal meinem robusten Magen.

Die Verkäuferin strahlt mich an:

„Con eso tienes energía para todo el día“ (Das gibt dir Energie für den ganzen Tag)

Ein Campesino grinst mich an und ergänzt:

„Y por toda la noche“ (Auch für die ganze Nacht)

Alle Anwesenden kichern.

In Kuba gilt Guarapo als Wunder- und Heilmittel für alles Mögliche. Kubanische Männer schwören auf eine aphrodisierende und leistungssteigende Wirkung, für andere ist es ein Lebenselixier schlechthin. Für einen durstigen Radfahrer ist ein eiskalter Guarapo das Beste was ihm an einem heißen Tag passieren kann.

Da ich jetzt tatsächlich vor Energie strotze 😎, lege ich die letzten 20 km bis Bartolomé Masó ohne weitere Pausen zurück. Die Strecke ist wieder angenehmer zu fahren, kaum Verkehr und immer die Sierra Maestra vor Augen.


Landstraße nach Bartolomé Masó


Landstraße nach Bartolomé Masó

Bartolomé Masó

Bartolomé Masó ist ein Städtchen am Rande der Sierra Maestra. Nach der Einsamkeit der Landstraße wirkt Masó quirlig und voller Leben, aber tatsächlich ist es ein kleines Nest mit einer Central Azucarera (Zuckerfabrik), ein paar kioskartigen Geschäften entlang der Hauptstraße und dem Hotel Balcon de la Sierra.

Von Maso aus sind es nur noch 23 km bis Santo Domingo, bzw. bis zum Nationalpark Turquino, eine der unwegsamsten Gegenden Kubas. Im Nationalpark liegt die höchste Erhebung des Landes, der Pico Turquino. Von dem verschlafenen Bergdorf Santo Domingo aus kann man Wanderungen zur Comandancia de la Plata machen, der ehemaligen Kommandozentrale der kubanischen Revolutionäre. Unter anderen waren hier Ché Guevara und die Castro-Brüder Fidel und Raul.


Die Ausläufer der Sierra Maestra bei Bartolomé Masó

Ich bin vor ein paar Jahren schon einmal mit dem Fahrrad von Bartolomé Masó nach Santo Domingo gefahren. Das war, was Steilheit anbelangt, eine der extremsten Strecken, die ich jemals mit dem Fahrrad bewältigt habe. Damals beschrieb ich die Tour in einem Reisebericht wie folgt:

„Um es kurz zu machen, die ersten 15 km sind relativ locker zu fahren, mal geht’s hoch, dann wieder runter, durch eine faszinierende Berglandschaft. Dass es die Sierra in sich hat, wird mir auf den letzten sieben Kilometer vor Santo Domingo unmissverständlich klar. Was da kommt, sind keine ‚lomas‘ (Hügel), das ist Schinderei vom Feinsten. Ein Anstieg nach dem anderen, einer fieser als der andere. Dazu knallt die Sonne genau von vorne. Habe ich einen Anstieg geschafft, geht’s steil bergab und gleich dahinter ebenso steil wieder hoch. Der Straßenbelag besteht aus waschbrettartigem Beton, ansonsten hätten die Fahrzeuge mit ihren oft abgefahrenen Reifen keine Chance.

Schließlich wird es so steil, dass ich schieben muss. Aber selbst das Schieben des beladenen Fahrrades ist unglaublich anstrengend und schweißtreibend. Während ich mich dem Ende meiner Kräfte nähere, taucht plötzlich ein Campesino („Cuido animales“) wie aus dem Nichts auf und ohne viele Worte zu verlieren hilft er mir beim Schieben. Während wir eine Pause machen erzählt er von Unfällen, die sich auf der Strecke in den letzten Jahren ereignet hatten, vor allem Camiones (LKWs), deren Bremsen versagten. Wir essen Käse und Brot aus Maso, dann verschwindet er auf einem schmalen, steilen Trampelpfad.“


Diesmal werde ich mir diese Schinderei nicht antun. Stattdessen fahre ich zum einzigen Hotel und checke dort ein. Das Hotel Balcon de La Sierra ist eine angenehme Überraschung. Es liegt am Rande des Städtchens auf einer Anhöhe und man hat von dort einen phantastischen Blick auf die Berge. Für 15 CUC bekomme ich einen kompletten Bungalow, mit zwei Schlafzimmer, Wohnzimmer und Küche. Was will man mehr?


Hotel Balcon de La Sierra

Etwas oberhalb der Bungalows befindet sich eine Hotel-Bar mit Swimmingpool. Der Pool ist zwar wegen was auch immer geschlossen, aber von dort hat man die beste Aussicht auf die Umgebung. Links, die Gebirgsketten der Sierra, auf der rechten Seite weites Land, aus dem mehrere kegelförmige Bergen ragen.


Hotel Balcon de La Sierra – Sundowner zum Sunset

Der Tag verabschiedet sich zu einem prächtigen Sonnenuntergang, den ich bei einem Sundowner genieße. Später entstehen noch seltsame Lichterscheinungen am dunkler werdenden Himmel.




Seltsame Lichterscheinungen nach Sonnenuntergang
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zuletzt bearbeitet 30. Aug. 2020
Themenstarter275 Beiträge · seit 201430. Aug. 2020 · #63
Bartolomé Masó – Bayamo

Und wieder einmal bin ich früh auf den Beinen. Den Sonnenaufgang über der Sierra Maestra möchte ich keinesfalls verpassen. Zunächst sind Berge und Täler in dicke, graue Nebelbänke gehüllt, die Luft ist ungewohnt frisch. Aber schon bald färben die ersten Sonnenstrahlen die Landschaft in zarte Rosa- und Orangetönen.


Am nächsten Morgen


Die Sierra Maestra am frühen Morgen

Nachdem sich die Nebel verzogen haben verabschiede ich mich von der Sierra Maestra und mache mich auf den Weg nach Bayamo. Die knapp 50km bis Bayamo kann man in 3 Stunden gut schaffen. Unterwegs mache ich ein paar mal Halt, um an kleinen Cafeterias Nahrung zu fassen. Die Auswahl ist überall gleich überschaubar:

„Pan con Queso“ (Brot mit Käse),
„Pan con Jamon“ (Brot mit Schinken).
„Pan con Queso y Jamon“ (Brot mit Käse und Schinken

Zum Glück gibt es hin und wieder Guarapo-Stände, so dass ich mich mit flüssigem Zuckerrohr tunen kann.


Frühstück in der Cafeteria

Als ich wieder auf die Hauptverbindungsstraße Manzanillo – Bayamo einbiege, nimmt der Verkehr stark zu. Manchmal wird es bedrohlich eng, wenn gleichzeitig ein Fahrzeug entgegenkommt und ein Camion sich von hinten nähert. Ich höre dann hinter mir das Aufheulen des Motors, wenn der Fahrer herunterschaltet, um dann, sobald die Fahrbahn frei ist, wieder voll beschleunigend an mir vorbeizurasen. In solchen Situationen bleibt mir nichts anderes übrig, als soweit irgend möglich am rechten Fahrbahnrand zu fahren und zu hoffen, dass die Bremsen der Fahrzeuge funktionieren und, dass die Fahrer ihr Handwerk beherrschen.

Definitiv keine Traumstrecke für Radfahrer.


„29 Unfälle, 5 Tote, 42 Verletzte“


Kleiner Rast mit Che

Gegen Mittag rolle ich wohlbehalten in Bayamo ein.
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1'543 Beiträge · seit 201330. Aug. 2020 · #64
Hallo Guko,
Deine Fotos sind ja vom Allerfeinsten 🙂 . Sehr stimmungsvoll und so gewählt, dass man, auch wenn man noch nie in Cuba war, den Puls der Insel sehr gut nachempfinden kann. Die Menschen sind hilfsbereit und liebenswürdig und vor allem allem Fremden gegenüber sehr aufgeschlossen. Es machte mir, die ich wie du sehr gut spanisch spreche, viel Spass, mich mit den Menschen auszutauschen, und ihnen von unserem Leben in Deutschland zu berichten.
Lieben Dank für deine Mühe.

Herzliche Grüße
Beate
Reiseberichte: Patagonien 2020: Zwischen Anden, Pampa und Eis: https://namibia-forum.ch/forum/weiterelaender/299353-patagonien-2020-zwischen-anden-pampa-und-eis.html Das schönste Ende der Welt-Südafrika März 2017 https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/292402-das-schoenste-ende-der-welt-suedafrika-maerz-2017.html Südafrika 2018-Ohne Braai gibt es keine Katzen https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/296432-suedafrika-2018-ohne-braai-gibt-es-keine-katzen.html
Themenstarter275 Beiträge · seit 201407. Sept. 2020 · #67
Bayamo


Bayamo Parque Cespedes

Einst war der Parque Cespedes in Bayamo einer der schönsten Kubas. Im Schatten uralter, mächtiger Laubbäume spielten Kinder, trafen sich Alt und Jung, um tagsüber der Hitze der Straßen zu entkommen. In den Blättern Bäume zwitscherten tausende Vögel. Ich habe es selbst erlebt, als ich im Jahre 2008 Bayamo besuchte.

Eines Tages beschlossen die für Stadtplanung zuständigen Funktionäre, dass sämtliche Laubbäume im Rahmen einer Neugestaltung des Parks entfernt werden sollen. Man stelle sich diesen Wahnsinn vor, 60-80 Jahre alte, gesunde, schattenspendende Bäume wurden gefällt, weil sie der Neugestaltung des Parks im Wege standen. Die Argumente für die Fällung waren, dass Laubbäume zuviel Schmutz verursachen, dass ihre Wurzeln die neugangelegten Wege beschädigen könnten und das sie die Wi-Fi-Verbindung stören würden.

Im Jahre 2017 war es dann soweit, alle Bäume wurden abgeholzt. Heute lässt die unerbittliche Sonne dort niemanden mehr auf den Bänken sitzen, tagsüber ist der Park wie ausgestorben.

Entsprechend der Schock, der mich trifft, als ich Bayamo gegen Mittag erreiche und mir erst einmal ein schattiges Plätzchen im Parque suchen möchte. Außer einer handvoll schlanker Palmen, die zwar hübsch anzusehen sind, aber als Schattenspender überhaupt nicht taugen, gibt es keinen einzigen Baum mehr. Dafür flimmernde Hitze und gleißende, spiegelnde Bodenplatten.


Bayamo – Der Parque im Jahr 2008, Treffpunkt für jung und alt.


Bayamo – Der Parque im Jahr 2008 mit altem Baumbestand.

In Bayamo bleibe ich nur eine Nacht. Da die Strecke Bayamo – Santiago stark befahren und auch landschaftlich nicht so reizvoll ist, packe ich am nächsten Morgen mein Fahrrad in den Bus und lasse mich nach Santiago fahren. Die kubanischen VIAZUL-Busse nehem problemlos Fahrräder mit, was sehr angenehm ist, hat man mal keine Lust eine bestimmte Strecke zu fahren, steigt man einfach in den Bus.

Bayamo – Santiago – Siboney


Unterwegs

Als wir gegen Mittag in Santiago ankommen, habe ich plötzlich keine Lust mehr auf Lärm, Hitze und Stadt. Ein paar Strandtage wären deutlich verlockender. Vor dem Terminal de Autobus frage ich einen der Maquina-Fahrer, ob er mich ins ca. 15 km entfernte Siboney fahren würde. Siboney ist ein kleiner Küstenort und quasi der Hausstrand Santiagos. Vor allem an Wochenenden zieht es viele Santiagueros nach Siboney, unter der Woche ist ist es dort eher ruhig.

Nachdem ich mit dem Fahrer einen akzeptablen Preis ausgehandelt habe, laden wir das Fahrrad in die Maquina. Sie ist so geräumig, dass wir das Fahrrad auf die Rückbank stellen können, ohne das Vorderrad abzumontieren. Immer wieder erstaunlich, wie geräumig diese US-Oldtimer konstruiert wurden.

Vamos a la playa. 🙂
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201407. Sept. 2020 · #68
Siboney (bei Santiago)


Siboney

Der Strand von Siboney ist nichts Besonderes, aber gut genug, um mal zwei oder drei Tage dort abzuhängen. Er wird hauptsächlich von Kubanern besucht, ausländische Touristen sind selten.

Da ich das Fahrrad in zwei Tagen zurückgeben muss, mache ich noch ein paar Ausflüge in die Umgebung.

Das Museo Nacional de Transporte befindet sich knapp 10 km Richtung Osten. Es besitzt eine Sammlung von Oldtimern, unter anderem Autos aus dem ehemaligen Besitz von Batista und den Castros. Das behauptet zumindest mein Reiseführer.

Man kann sich fragen, warum überhaupt in Kuba ein Automobilmuseum besuchen, schließlich fahren genug Oldtimer auf den Straßen herum. Aber im Umkreis von Siboney gibt es nicht wirklich viel, was man besuchen kann. Also fahre ich da hin.


Auf dem Weg zum Museum gelingen mir ein paar Tierbeobachtungen… 😎


Museo Nacional de Transporte


Museo Nacional de Transporte


Museo Nacional de Transporte - Maya Cuba

Auch kann man in diesem Museum das einzige Auto bewundern, das Kuba jemals produziert hat. Ein winziges, einzylindriges Gefährt Namens Maya Cuba, von 1963. Irgendwie sieht es aus, als hätte man es aus diversen Schrottteilen zusammengebaut…


Museo Nacional de Transporte

Die Rückgabe des Fahrrades an die Mitarbeiter von Profil-Cuba-Reisen in Santiago verläuft problemlos. Das Fahrrad wurde bei dem Unfall nicht beschädigt, lediglich eine meiner Ortlieb-Taschen hat ein paar Risse und ein Loch bekommen. Vermutlich hat die Tasche das meiste abgefangen.

Auch den Unglückshut gebe ich zurück. La Abuela hatte mir ja ausdrücklich eingeschärft:

„Prestado no es regalado“ (Geliehen ist nicht geschenkt) 😉

Und ich will sie keinesfalls enttäuschen. Als ich sie aufsuche um ihr den alten, fleckigen Hut wieder zurückzugeben, freut sie sich sehr. Als sie meine aufgeschürften Arme und Beine sieht, muss ich natürlich erzählen, was mir passiert ist. Die alte Frau ist so nett und voller Mitgefühl, dass ich die verhängnisvolle Rolle des Huts nicht erwähne.
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zuletzt bearbeitet 10. Sept. 2020
Themenstarter275 Beiträge · seit 201407. Sept. 2020 · #69
Und wie geht es weiter?

Ich habe noch knapp zwei Wochen Kuba vor mir. Nach einigem hin und her überlegen habe ich beschlossen, von Santiago mit dem Bus nach Baracoa weiterzufahren. Baracoa liegt im sogenannten „tropischen Osten“ der Provinz Guantanamo. Ihre größte Sehenswürdigkeit ist die üppige, reiche Natur, die die Stadt umgibt.

Ich will versuchen dort noch einmal ein Fahrrad für eine kürzere Tour zu mieten.
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zuletzt bearbeitet 07. Sept. 2020
Gast07. Sept. 2020 · #70
Hallo Gu-ko,
Danke für die Fortsetzung deines Berichts.
@ Reportage und Netflix ist an und für sich einfach zu lösen: Mit einer billigen Wertkarte vom Supermarkt oder einem Gratisprobemonat, bei welchen du aber die Abbestellungsfrist beachten solltest. Ist aber letztlich eine Frage, welchen Aufwand dir das Anschauen der Reportage wert ist. Ich fand sie gut.
Grüße
PS @ die Bäume in Bayamo: Es gibt übrigens einen berühmten europäischen „Platzarchitekten“, der meint(e) Bäume hätten im urbanen Raum nichts verloren. Wer Bäume wolle, solle in den Wald gehen! Bäume in der Stadt seien nicht "authentisch", hätten dort nichts zu suchen, Stadt müsse „urban“ sein. Nach diesem Muster hat er einige, im Sommer unerträglich heiße, Steinwüsten quer durch Europa produziert. Ich schreibe das deswegen so ausführlich, weil ich zu den durch diesen Idixxxx Geschädigten gehöre 😈 .
zuletzt bearbeitet 07. Sept. 2020
Themenstarter275 Beiträge · seit 201410. Sept. 2020 · #71
loser schrieb:Hallo Gu-ko,
Danke für die Fortsetzung deines Berichts.

PS @ die Bäume in Bayamo: Es gibt übrigens einen berühmten europäischen „Platzarchitekten“, der meint(e) Bäume hätten im urbanen Raum nichts verloren. Wer Bäume wolle, solle in den Wald gehen! Bäume in der Stadt seien nicht "authentisch", hätten dort nichts zu suchen, Stadt müsse „urban“ sein. Nach diesem Muster hat er einige, im Sommer unerträglich heiße, Steinwüsten quer durch Europa produziert. Ich schreibe das deswegen so ausführlich, weil ich zu den durch diesen Idixxxx Geschädigten gehöre 😈 .
"Wer Bäume sehen will soll in den Wald gehen" 😄 Das hört sich gruselig an, hoffentlich bekommt dieser Architekt keine Aufträge mehr. In Kuba gab es nachträglich einige Proteste seitens der Bevölkerung gegen die Abholzung, aber zumindest in Bayamo kamen die zu spät. In Kuba werden solche Projekte auch nicht mit der Bevölkerung abgesprochen, da werden Beschlüsse gefaßt und dann durchgeführt.
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201410. Sept. 2020 · #72
loser schrieb:Hallo Gu-ko,

@ Reportage und Netflix ist an und für sich einfach zu lösen: Mit einer billigen Wertkarte vom Supermarkt oder einem Gratisprobemonat, bei welchen du aber die Abbestellungsfrist beachten solltest. Ist aber letztlich eine Frage, welchen Aufwand dir das Anschauen der Reportage wert ist. Ich fand sie gut.
Grüße

Werd mich drum kümmern!
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201410. Sept. 2020 · #73
Santiago – Baracoa

Am nächsten Morgen sitze ich im VIAZUL-Bus Santiago - Baracoa. VIAZUL ist eine ursprünglich auf ausländische Touristen ausgerichtete Busgesellschaft, die alle größeren Städte und auch die meisten Touristenzentren anfährt. In den letzten Jahren wird die Buslinie zunehmend auch von den Kubanern genutzt, die sich die vergleichsweise teuren Tickets leisten können. Die andere große staatliche Busgesellschaft wird unter der Marke ASTRO betrieben und ist Kubanern vorbehalten. Da die Fahrpreise staatlich subventioniert werden, kosten die Tickets nur etwa ein Drittel der VIAZUL-Preise. Dafür gibt es oft wochenlange Wartelisten und wer früher verreisen will muss die Ticketverkäufer bestechen.


Küstenstraße zwischen Santiago und Baracoa

Die Fahrt von Santiago nach Baracoa dauert gut sechs Stunden. Erster und einziger Stopp ist nach knapp zwei Stunden Fahrzeit in Guantanamo. Der Bus ist gut besetzt, aber nicht voll. Die meisten Fahrgäste sind Touristen-Pärchen, altersmäßig so Anfang bis Mitte Zwanzig. Ein paar Kubaner sind auch dabei, aber sie sind deutlich in der Minderzahl. Verwunderlich ist das mangelnde Interesse der Touristen (und der Kubaner) an der Landschaft, die wir durchfahren. Die meisten sitzen hinter zugezogenen Vorhängen, schlafen, oder tippen auf ihren Smartphones herum.


Küstenstraße zwischen Guantanamo und Baracoa


Küste zwischen Guantanamo und Baracoa




Sierra de Purial

Die gut ausgebaute Straße schlängelt sich mal entlang der felsigen Küste, dann durchs karge Hinterland und durch kleine, schläfrige Ortschaften. Obwohl ich die Strecke schon von früheren Reisen kenne, bin ich immer wieder fasziniert von der staubtrockenen, wüstenartigen Landschaft, die hinter Guantanamo beginnt. Auf den steinigen Böden wachsen fast nur noch Kakteen und dornige Büsche. Alles ist auf Hitze und Trockenheit eingestellt. Als ich bei einer kurzen Rast den klimatisierten Bus verlasse, kann ich kaum glauben, dass man bei diesen Backofentemperaturen leben kann.


Die Passstraße „La Farola“ Richtung Baracoa

Hinter Cajo Babo beginnt die enge und teilweise steile Passstraße „La Farola“ über die Sierra de Purial. Mit jedem Höhenmeter ändert sich die Vegetation von halbtrockener, wüstenähnlicher Kaktuslandschaft hin zu tropisch-grüner Bergwelt. Die Luft wird schwüler und feuchter, Wolkenbänke füllen die Täler. Wir haben ein paar schöne Ausblicke auf die umliegenden Bergketten, bevor es in vielen Kurven wieder bergab nach Baracoa geht.


La Farola – Die Passstraße


La Farola – Die Passstraße
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201410. Sept. 2020 · #74
Baracoa

Baracoa ist die tropischste Stadt Kubas. Sie ist von Bergketten umgeben, deren steilen Hänge mit Regenwäldern bedeckt sind. Hier wächst alles, was warm und feucht braucht, Palmenwälder, Bananen, Kaffee, Kakao. Baracoa ist für sein heißes Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit berühmt. Für Naturliebhaber gehört die Landschaft um Baracoa zu den schönsten Kubas. Zu den sehenswerten Destinationen gehört der Alexander-von-Humboldt-Nationalpark, der Tafelberg El Yunke, mehrere Flüsse (Rio Moa, Rio Toa, Rio de Yumurí) und abgelegene Strände.


Baracoa


El Yunque, der Tafelberg und Wahrzeichen Baracoas

Im Baracoa-Busterminal werden wir von einer Schar Casa-Besitzer erwartet. Alle reden durcheinander, preisen ihre Unterkünfte an, oder strecken den Ankommenden bebilderte Heftchen hin, auf denen ihre Casas zu sehen sind. Die Konkurrenz scheint groß zu sein.

Eine Señora hält mir ein Fotoalbum unter die Nase.

„Casa con vista al mar“ (Haus mit Meeresblick) "Solo 15 CUC" (nur 15 CUC) sagt sie.

Meeresblick hört sich für mich gut an. Da man in Kuba immer ein bisschen handeln kann, frage ich:

„Con desayuno?“ (Mit Frühstück?)

Sie nickt, und ich sage: „OK“.

Die meisten anderen Touristen im Bus haben wohl schon Unterkünfte vorreserviert, sie werden mit Namensschildern erwartet.


Casa mit Meeresblick.

Tatsächlich kann ich von der oberen Terrasse meiner Casa, wenn ich mich auf die Zehenspitzen stelle, den versprochenen Meeresblick genießen. 😉

Während wir zur Casa laufen erzähle ich meiner Casa-Wirtin von meinem Vorhaben, ein Fahrrad auszuleihen, um zur Playa Maguana zu radeln. Sie gibt mir die Adresse eines örtlichen Fahrradverleihers. Sobald ich in die Casa eingecheckt habe, gehe ich dorthin.

Camilo, ein sympathischer junger Kubaner, betreibt den „Baracoa Bike Rental“ (baracoabikerental.com), Fahrradverleih und Reparatur. Wer schon mal versucht hat, in Kuba ein gutes Bike auszuleihen, weiß, dass das nicht einfach ist. Ok, in den letzten Jahren hat sich das Angebot deutlich verbessert, trotzdem ist es immer noch ein ziemliches Glücksspiel.

Aber bei Camilo werde ich fündig. Für 10 CUC (2 Tage) bekomme ich ein ordentliches Fahrrad. Schaltung funktioniert, Bremsen sind ok, nur die Kette rutscht manchmal ein bisschen durch, wenn ich zu stark „Gas“ gebe. Aber ich will nicht zu kritisch sein…

Erstaunlich wie vertrauensvoll Camilo die Fahrradübergabe gestaltet. Kein Dokument muss unterschrieben werden, keine Kaution hinterlegt, er fragt mich lediglich nach meinem Namen und in welcher Casa ich wohne.


Baracoa


Baracoa


Jeden Tag regnet es mindestens einmal


El Yunque

Tja und am nächsten Morgen bin ich schon wieder unterwegs. In der vergangenen Nacht hat es heftig geregnet und als ich losfahre, künden dicke Wolken weitere Regenschauer an. Unterwegs bekomme ich tatsächlich ein paar Wolkenbrüche ab. Aber das ist nicht schlimm, ich stelle mich irgendwo unter und warte bis der stärkste Regen vorbei ist.

Die Straße ist zunächst geteert, später ungeteert, dann wieder halb geteert, aber insgesamt gut befahrbar. Nur auf Brücken muss ich aufpassen, da sich dort oft breite und tiefe Risse gebildet haben. Mein Rad läuft fast wie von selbst. Einheimische grüßen vom Straßenrand her, manche winken mir im Vorbeifahren zu, oder rufen etwas hinterher, Kinder legen sich mächtig ins Zeug um mich mit ihren Fahrrädern zu überholen.


Straße Baracoa Richtung Maguana


Einer der Flüsse zwischen Baracoa und Maguana


Brücken sind oft in schlechtem Zustand


ÖPNV


Einer der Rios


Patria o Muerte


Manchmal wünscht man sich als Radfahrer eine Gasmaske
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zuletzt bearbeitet 10. Sept. 2020
Themenstarter275 Beiträge · seit 201410. Sept. 2020 · #75
Playa Maguana


Playa Maguana

Die Playa Maguana ist einer der schönsten Strände Ostkubas. Feiner heller Sand und ein kristallklares Meer. Noch ist hier die Natur von Hotelanlagen und anderer touristischer Infrastruktur verschont geblieben.

Früher war die einzige legale Übernachtungsmöglichkeit das kleine Hotel Villa Maguana ganz am südlichen Ende der Bucht. Inzwischen gibt es im Hinterland ein paar Casas Particulares und zwei oder drei winzige Restaurants.

Als ich an der Playa Maguana ankomme ist der Strand menschenleer. In den kleinen Restaurants dösen Angestellte vor leeren Tischen. Selbst die sonst sehr geschäftigen Strandverkäufer dämmern im Schatten der Bäume vor sich hin und erheben sich nur träge, als sie mich kommen sehen. Es ist keine Touristenzeit.


An der Playa Maguana

Ich lehne das Fahrrad an einen entwurzelten, von Sonne und Salz ausgebleichten Baumstamm. Ein netter Strandhund übernimmt die Bewachung, während ich im glasklaren Wasser herumplansche. Das Wasser ist warm genug, um Stunden darin zu verbringen. Meine immer noch offenen Wunden brennen zwar im Salzwasser, aber ich habe das Gefühl, dass die Reinigung guttut.

Kaum aus dem Wasser werde ich von Strandverkäuferinnen umringt, die alle mögliche lokale Produkte anbieten. Eigentlich brauche ich nichts, aber um die örtliche Wirtschaft zu unterstützen, und damit sie irgendwann Ruhe geben, kaufe ich ein paar Kleinigkeiten.

Den Rest des Tages mache ich das, was Strandurlauber allgemein machen. Schwimmen, unter Palmen abhängen und gelegentlich ein kaltes Bier trinken. Ein Junge versorgt mich aufmerksam mit cerveza. Sobald eine Flasche leer ist, bringt er unaufgefordert die nächste. So kann man es aushalten.


Maguana


Maguana


Casa Particular Hidiolvis

Ich miete mich in der Casa Hidiolvis ein. Sie haben hinter dem eigentlichen Wohnhaus einen neuen Holz-Bungalow gebaut. Ein schönes Häuschen, geräumig, mit viel Glas und einer Veranda mit Schaukelstühlen. Aber auch das „Paradies“ hat seine Schattenseiten. Nach Einbruch der Dunkelheit muss ich mich dick mit Anti-Mücken Mitteln einreiben, sonst hätten mich die Biester in kürzester Zeit ausgesaugt.

Ich bleibe nur eine Nacht. Am Nachmittag des Folgetages radle ich wieder nach Baracoa zurück.

Ein paar Bilder vom Rückweg:






Taxi Colectivo

Sammeltaxis, und gelegentlich Camiones, sind die einzige Möglichkeit die nördlichen Küstengebiete von Baracoa mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu besuchen.




Zurück in Baracoa
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573 Beiträge · seit 201411. Sept. 2020 · #76
Hallo Guko,
Traumhaft, deine Schilderung vom Osten. Auch ich fand es sehr, sehr schön dort.
Und dem Camilo habe ich eine ganze Tasche voll mit Fahrrad Ersatzteilen von Deutschland mitgebracht. Ein Bekannter hatte dort auch Räder geliehen und es war etwas kaputt gegangen, sodass er mich gebeten hat, die Teile mitzunehmen, was ich gerne gemacht habe.
Hast du denn den el yunkee erklommen?
Ich bin gespannt, wie weiter geht.
Danke für den schönen Bericht.
LG
Martina
2020: Februar/März Kuba und mehr https://martinasreisen.blog/ 2019 Mai/Juni: Botswana - Caprivi - Vic Falls hier im Forum https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/297741-slow-motion-runde-um-s-okavango-delta.html 2018 Sizilien, Äolische Inseln, La Reunion und mehr: https://martinasreisen.blog/ 2018 Ost-Sizilien und Liparische Inseln Reisebericht: https://www.umdiewelt.de/mTravelogue.php?t=9215&m=p 2017 Island - Spitzbergen - Nordkap - Norwegen Reisebericht: http://www.umdiewelt.de/Europa/Nordeuropa-oder-Skandinavien/Island/Reisebericht-9019/Kapitel-0.html 2016 Vietnam Reisebericht: https://www.vivien-und-erhard.de/forum/index.php?thread/9522-knapp-3-wochen-vietnam-von-s%C3%BCd-nach-nord-reisebericht/&pageNo=1 2015 Namibia Reisebericht: https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/286330-namibia-die-erste-mai-2015-ein-traum.html
4'382 Beiträge · seit 201511. Sept. 2020 · #77
Die meisten sitzen hinter zugezogenen Vorhängen, schlafen, oder tippen auf ihren Smartphones herum.
Das scheint mir eine weit verbreitete Seuche zu sein!
Vor ein paar Jahren saßen in der Jungfraujochbahn runterwärts zwei junge Chinesen, die vor lauter wechselseitigen Fotosherzeigen von ihrer „In-zehn-Tagen-um-die Welt“-Tour versäumt hatten, oben auszusteigen 🤩 🤩 🤩
Deine Reise finde ich nach wie vor äußerst interessant und Dein fundiertes Wissen über Land und Leute auch!
Viele Grüße
Friederike
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201414. Sept. 2020 · #78
Martina56 schrieb:Hallo Guko,
Traumhaft, deine Schilderung vom Osten. Auch ich fand es sehr, sehr schön dort.
Und dem Camilo habe ich eine ganze Tasche voll mit Fahrrad Ersatzteilen von Deutschland mitgebracht. Ein Bekannter hatte dort auch Räder geliehen und es war etwas kaputt gegangen, sodass er mich gebeten hat, die Teile mitzunehmen, was ich gerne gemacht habe.
Hast du denn den el yunkee erklommen?
Ich bin gespannt, wie weiter geht.
Danke für den schönen Bericht.
LG
Martina
Da hat sich der Camilo sicher gefreut. In Kuba ist es nicht leicht und teilweise recht teuer, Ersatzteile für das Fahrrad zu bekommen. Auf einer anderen Tour musste ich mein Rad reparieren lassen und da haben die Ersatzteileverkäufer z.B. für einen Bremszug, also nur ein dünnes Drahtseil, 10 CUC verlangt. In Deutschland kostet sowas 1 Euro. zum Glück hatte ich welche mitgenommen.

Nein, auf den El Yunque bin ich nicht gestiegen. Auf einer früheren Reise war ich wandern im Nationalpark und habe natürlich auch Yumuri besucht. Vielleicht mache ich das das nächste Mal.
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201414. Sept. 2020 · #79
Letzter Tag in Baracoa


Baracoa Malecón

Obwohl sich mein Zimmer auf dem Dach eines zweistöckigen Hauses im Zentrum Baracoas befindet, werde ich in aller Frühe von einem dieser nervigen Hähne geweckt. Zuerst kann ich es kaum glauben, ich bin doch nicht auf dem Campo. Ein Blick aus dem Fenster klärt mich auf. Ein Nachbar auf der gegenüberliegenden Straßenseite betreibt eine Hühnerzucht auf seinem Balkon im zweiten Stock, Luftlinie nur wenige Meter von meinem Bett entfernt. In Havanna hatte ich schon Balkone gesehen, die zur Schweinezucht mißbraucht wurden, aber Schweine krähen wenigstens nicht in aller Frühe.

Ein Blick auf die Uhr, es ist kurz nach vier.

Als ich aus dem Bett steige, trete ich in etwas nasses, kaltes. In meinem Zimmer haben sich überall Pfützen gebildet, stellenweise steht das Wasser knöcheltief. In der Nacht hat es gestürmt und heftig geregnet. Fenster haben in Kuba überwiegend keine Glasscheiben, sie werden über Lamellen-Fensterläden geöffnet, oder geschlossen. Wegen der Luftzirkulation hatte ich die Lamellen halb offengelassen, was bei dem nächtlichen Starkregen zu der Überschwemmung geführt hat. Zum Glück ist mein Rucksack wasserdicht, denn der steht mitten in der größten Lache.

Da ich heute nichts Besonderes vorhabe, verbringe ich den Tag mit Müßiggang. Ein bissl spazieren, in den Parks sitzen und Erdnüsse essen, den Malecon entlanglaufen und das eine oder andere Foto schießen. Ich glaube vielmehr habe ich an diesem Tag nicht gemacht.


Baracoa


Baracoa


Baracoa


Baracoa

Halt, noch etwas habe ich an diesem Tag erledigt. Ich war beim VIAZUL-Busbahnhof, denn meine Zeit in Kuba neigt sich unweigerlich dem Ende zu, und schon in wenigen Tagen geht mein Flieger von Holguín zurück nach Deutschland und so langsam aber sicher muss ich meine Rückreise planen. Der „normale“ Weg von Baracoa nach Holguín würde über Santiago führen. Das heißt, mit dem VIAZUL-Bus nach Santiago und von dort mit Bus oder Sammeltaxi nach Holguín.

Irgendwo habe ich mal gehört, dass zwischen Guantánamo und Holguín ein Zug verkehren soll. Eine Zugfahrt würde bestimmt mehr Spaß machen, als die Fahrt mit dem VIAZUL. Ich habe auf früheren Reisen schon andere Bahnstrecken Kubas kennengelernt und diese entschleunigte Art des Reisens hat durchaus seine Reize. Solange man es nicht eilig hat. Also kaufe ich ein Busticket nach Guantánamo, für den morgigen Tag.

Abends regnet es wieder, dadurch sind Straßen und Parks menschenleer. Ich empfinde die leichte Abkühlung als ganz angenehm, die Kubaner haben schreckliche Angst vor 'gripe', kaum fallen die ersten Regentropfen sind die Straßen wie leergefegt.

Ich gehe früh schlafen und diesmal schließe ich die Fensterläden und stecke ich mir ein Paar selbstgebastelte Oropax in die Ohren.
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201414. Sept. 2020 · #80
Me voy pa' Guantánamo


Parque Marti mit der Iglesia Parroquial de Santa Catalina

Der Busterminal von Guantánamo liegt ein paar Kilometer außerhalb der Stadt in Richtung Santiago. Von Baracoa kommend fährt man erst durch Guantánamo hindurch und muss dann vom Busbahnhof mit einem Taxi wieder zurück in die Stadt. Eine umständliche Prozedur. Ich frage deshalb den Busfahrer, ob ich schon im Stadtzentrum aussteigen kann, was auch ohne Probleme geht.

Es ist nicht schwer, sich in Guantánamo sich zu orientieren. Die Straßen sind schachbrettartig angeordnet, in der Mitte liegt der Parque Marti und drum herum so ziemlich alles, was für mich als Touri relevant ist.

Guantánamo ist ein relaxtes Städtchen, fast ohne Fremdenverkehr. Die meisten Touristen fahren zwar auf dem Weg von oder nach Baracoa mit dem Bus durch Guantánamo hindurch, aber kaum jemand steigt aus. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Guantánamo in den einschlägigen Reiseführern als ein für Touristen eher uninteressantes Ziel abgehandelt wird. Das hat zur Folge, dass es in Guantánamo kaum Nepper, Schlepper und Touristenfänger gibt. Ich mag Guantánamo gerade weil es dort unspektakulär zugeht, weil man in aller Ruhe kubanisches Provinzstadtleben erleben kann, ohne ständig lästige Jineteros abwehren zu müssen. Hier werden Fremde noch mit Neugier empfangen.

In einer der Seitenstraßen unweit des Parque Marti finde ich eine nette Casa. (Casa Oasis/15 CUC)). Die Casa-Wirtin versichert mir auf mein Nachfragen, dass es in der Nachbarschaft weit und breit keinen Gallo (Hahn) gibt.


Guantánamo – Parque Marti


Guantánamo – Parque Marti

Der Parque Marti ist zentraler Treffpunkt der Guantanameros. Morgens kommen die Älteren dort auf ein Schwätzchen zusammen, oder lesen die Granma (Zentralorgan der Kommunistischen Partei Kubas). Tagsüber nutzen vor allem die Jüngeren den Park als Wifi-Hotspot, abends bevölkern Familien mit Kindern den Park.
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