30. Januar; vom Buschmannland an den KavangoIm ersten Licht entern wir wieder den Ausguck und geniessen den erwachenden Morgen. Ein vielstimmiges Vogelkonzert wird gegeben, das Wasserloch aber bleibt verwaist.
Noch dauert es bis die Sonne aufgeht.
Das Camp ist malerisch unter dem Baobab gelegen.
In direkter Nachbarschaft liegt dieser Urahn eines Baobabs, der zwar einen weitgehend ausgefaulten Stamm hat, trotzdem aber sich bislang erfolgreich gegen das Sterben sträubt.
Wir frühstücken gemütlich in der wärmenden Sonne, dann kommen auch die zwei jungen San wieder angetrabt. Wir zahlen die Gebühr und unterhalten uns noch etwas. Der Jüngere, der gut Englisch spricht und über den die Konversation läuft, erklärt uns noch den weiteren Weg, denn es soll viel Wasser auf der weiteren Strecke geben. Dazu malt er mir eine Skizze in mein Notizbuch, und so bin ich nun im Besitz eines Bushman Paintings.
Dann verlassen wir diesen schönen Platz und passieren das Dorf, um weiter Richtung Osten zu fahren.
Dabei gewahren wir viele Lesser Spotted Eagles, Schreiadler. Einige kreisen in der beginnenden Thermik, einige hocken auf Bäumen rum, die meisten aber sitzen am Boden und machen zu Fuß Jagd auf Termiten, die heute Nacht geschwärmt sind.
Schreiadler. Lateinisch hört er auf den Namen
Aquila pomarina, der Pommernadler.
Der nasse Sand ist übersät mit roten Samtmilben, Red Velvet Mites, sowie mit den abgestossenen Flügeln der Termiten, die sie nach ihrem Schwärmflug nicht mehr brauchen.
Dann kommen wir an eine Stelle, wo die Fahrspur nicht mehr auszumachen ist, ein flacher See deckt alles zu. Die vermutete Pad erweist sich als falsch, der Hilux wird immer langsamer und stoppt schliesslich. Um uns nur Wasser. Ich habe eigentlich keine Lust auszusteigen, vom Freischaufeln ganz zu schweigen.
Mit L 4 und dem eingeschalteten Difflock schaffe ich es gerade so, rückwärts wieder freizukommen.
Der neuerliche Versuch auf einer anderen Route lässt sich meistern.
Wir passieren das Dorf Makuri, hier gibt es einen weiteren Campsite, den wir uns auch anschauen. Der Platz hat ebenso einen riesigen Baobab sowie die gleichen, nagelneuen Einrichtungen zu bieten, allerdings fehlt die schöne Aussicht.
Aufgrund des Regens blühen nun flächig diese Lilien auf dem sonst blanken Sandboden.
Wir kommen an die Strasse, die nach Gam führt und folgen dieser, bis mir die Richtung anhand des Sonnenstands komisch vorkommt. Ja klar, wir fahren in die falsche Richtung. Hätte ich mal meiner Bushmanzeichnung vertraut, die zeigt deutlich an, dass wir zunächst nach links müssen.
Dann erreichen wir wieder die C 44 und fahren das Stück bis Dobe, wo wir die üblichen Grenzformalitäten über uns ergehen lassen. Da laut dem grossen Buch heute erst ein Auto hier passiert hat, also nicht gerade wirklich der Bär steppt, sind wir auch bald auf der botswanischen Seite.
Wir fahren bis Quabi, dem nächsten Dorf. Hier müssen wir uns etwas orientieren, denn die Hinweisschilder sind verwirrend. Wir fragen ein paar Männer, die in der Dorfmitte rumsitzen, nach dem rechten Weg. Dafür fragen sie, ob wir nicht eine Frau mit ihrem Kleinkind mitnehmen könnten. Ich räume den Beifahrersitz frei, und eine African Mom mit Kind und Gepäck quetscht sich auf den Sitz. Sie möchte bis ins nächste Dorf Quangwa, um dort den Gottesdienst in der Kirche zu besuchen, dann wird sie wieder zurücktrampen.
Nachdem wir sie in der Dorfmitte in Quangwa abgesetzt haben, geht die Fahrt einsam weiter. Ab und an passieren wir einzelne Elefanten, hin und wieder einen Schreiadler.
Richtig Leben kommt auf die Strasse allerdings in Form von Hunderten, nein Tausenden Schmetterlingen, die an Pfützen sitzen und saugen. So viele Schmetterlinge habe ich noch nie gesehen, ein paar Mal halten wir, aber so richtig zufriedenstellend zu fotografieren ist das Gewimmel nicht.
Alles Bläulinge. Wenigstens drei Arten kann ich bestimmen, neben einem Grass Jewel Blue ( der mit der orangenen Binde ) und zwei Hintza Blues ( die beiden Grossen ) einige Dotted Blues.
Hauptsächlich alles Broad-bordered Grass Yellows, links noch ein Common Orange Tip, dazu ein paar Yellow Pansys.
Die Fahrt über die Buschpiste zieht sich, und es ist schon Nachmittag, als wir endlich die Teerpad bei Gumare Richtung Shakawe erreichen.
Aber auch hier geht es nicht wirklich schneller voran. Zwar ist das erste Stück in einem recht passablen Zustand, das ändert sich aber bald, und die Strasse besteht mehr aus Löchern denn aus Teer. Oft fährt man auf der Gegenspur, oder auf dem sandigen Randstreifen beiderseits der Pad. Dabei muss man sich noch mit dem Gegenverkehr arrangieren.
Donkeykarre unterwegs.
Die Strecke über die verschiedenen Etshas zieht sich, und wir brauchen deutlich länger als veranschlagt. So ist es kurz vor Sechs Uhr, als wir endlich bei Drotzky´s Cabins auf den Hof fahren. Hier schickt man uns gleich weiter, denn die Campsites haben eine eigene Reception. Stimmt, hatte ich vergessen.
An der richtigen Reception wollen die Leute grade Feierabend machen. Wir klären nur das Nötigste, was das Camp betrifft. Das Wichtigste jedoch ist für mich für morgen früh eine Bootstour klar zu machen. Ich frage nach Otto, und der Manager sagt, das wäre kein Problem, da Otto morgen on duty wäre. Abfahrt um Sieben, wäre das okay? Aber klar doch, ich freue mich.
Wir bauen die Zelte auf, dann gehen wir zum Bootssteg, um schonmal bissle Flussluft zu schnuppern.
Über uns hockt ein Crested Barbet im Baum und trillert minutenlang sein monotones Lied.
Es ist soo schön, wieder hier zu sein.
Unablässig fliegen Reiher auf und ab, diverse Schwalben fangen Mücken, ein Riesenfischer hockt neben dem Steg. Eine herrliche Ruhe überkommt uns, und nachdem die Sonne unter gegangen ist, gehen wir zum Camp zurück.
Wir haben die schönste Campsite, denn wir sind die einzigen Gäste.
Während wir unser Nachtmahl brutzeln, fangen die geliebten Bell Frogs zu klickern an, Coucals lassen ihre abfallende Tonleiter erklingen und die Hippos grunzen.
Wir sitzen noch eine Weile am Feuer, und die ortsansässige Woods Owl singt dazu. Ich liebe diese Geräuschkulisse.
Zufrieden und voller Vorfreude auf die morgige Bootsfahrt gehen wir zu Bett.
Kosten: 200.- Pula pP
Viele Grüße,
Matthias