Völkermord an Herero

371 Antworten · 44,5k Aufrufe · gestartet 14. Jan. 2018 von Old Women
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16,9k Beiträge · seit 201203. Juni 2021 · #161
Kommentar zum Zahlen WirrWarr in der AZ:

Patriotische Steigerung, wenn Nullen kullern https://www.az.com.na/nachrichten/patriotische-steigerung-wenn-nullen-kullern-2021-06-03/

...Hier scheiden sich die Wege. Die Brexit-Insulaner sind hier schon bei einer Billion und ein Teil der Namibier läuft ihnen hinterher.

1(deutsche) Billion schafft es auf 12 Nullen und hat also drei Nullen mehr als die Brexit-Billion.

Ein Teil der Namibier und das schöne Simbabwe kommen hier schon bei ihrer Trillion an

1 (deutsche) richtige Trillion =1 Million Billionen, bringt es hier auf 18 Nullen. Hier ham wir jetzt die Brexit-Insulaner und einen Teil der Namibier und verloren....


LG
Logi
7'296 Beiträge · seit 200603. Juni 2021 · #163
Logi schrieb:
...Die Zahlungen seien ein „magerer Betrag“. „Ich kann einfach nicht glauben, wie man bei über 85 000 Toten und 15 Millionen Hektar verlorenem Land zu so einer Zahl kommen kann“, so Mungunda.

Stimmen denn diese Zahlen überhaupt?
Wikipedia (ich weiß, dass dort auch oft Schrott steht, habe aber keine bessere Quelle) geht von 60-80.000 Hereros insgesamt aus, von denen 20.000 überlebten. Damit wären wir bei 40-60.000 toten Hereros plus 10.000 Nama.
Was die Landfläche angeht, habe ich überhaupt keine Ahnung. Kommt die Zahl da ungefähr hin?

Er verglich die Verhandlungen mit den Holocaust-Reparationen, bei denen sich die deutsche Regierung vor 70 Jahren auf einen Betrag von umgerechnet 12,3 Billionen N$ einigte. Ihm zufolge entspräche das heute 506 Billionen N$...

… damals sind allerdings auch ca. 6 Millionen Menschen gestorben und nicht 50-85.000.

Bei 500 Billion N$ (500 Milliarden) sind wir über den Daumen so bei 25 Milliarden Euro. Bei geschätzten 250.000 Menschen dieser Volksgruppe kämen wir auf 100.000 Euro pro Person (inkl. Kleinkindern). Das würde ein großer Teil dieser Leute mit ehrlicher Arbeit im ganzen Leben nicht verdienen können. Kleiner Nebeneffekt wäre wohl auch, dass sie keinen Grund mehr sehen würden, überhaupt noch zu arbeiten (wenn das Geld bei ihnen landen würde).

Selbst wenn Deutschland das bezahlen würde, käme das Geld aber wohl nicht bei den Menschen an. Die Herero-Führer würden ihr Volk mit Sicherheit um den Großteil des Geldes betrügen. Selbst wenn die Bevölkerung 10% davon bekäme, wäre es für die meisten Menschen ja ein unglaublicher Reichtum.

Und da die Einheimischen nach meinen Erfahrungen nirgendwo in Afrika schlechter rechnen können als in Namibia, würde das keiner merken.
Schon vor 20 Jahren lag in jedem Lehm- oder Blechhüttenshop ein Taschenrechner rum. Selbst beim Addieren des Preises von zwei Dosen Cola kam man nicht ohne Taschenrechner aus. Hatte man das Geld nicht passend, wurde wieder der Taschenrechner bemüht. Beim Kauf von drei Dosen Cola kam trotz Taschenrechner auch mal ein Betrag raus, der gar nicht durch drei teilbar war. Jetzt waren das aber überschaubare Kleinbeträge.
Kommt man der Bevölkerung jetzt mit 500 Billion N$ und die sollen ausrechnen, was da jedem "zustehen" würde, wenn es unter 250.000 Menschen aufgeteilt würde, scheitern die meisten schon daran, weil sie solche langen Zahlen gar nicht in ihren Taschenrechner eintippen können. Sie wüssten höchstwahrscheinlich nicht einmal, wie 500 Billion (Milliarden) in Zahlen geschrieben werden.
Wie überall (nicht nur in Afrika) würden sich die wenigen Personen an der entsprechenden Stelle bedienen und das Volk ginge weitgehend leer aus.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
33,1k Beiträge · seit 200603. Juni 2021 · #164
Ups, da steht Rukuro auf einmal ganz alleine da und "sein" Volk will ihm gar nicht folgen...
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Quelle: Twitter
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Gast03. Juni 2021 · #165
mitglied19210 schrieb:Eine Aufarbeitung ist sinnvoll, angemessen und nötig. Nur dass es genau diese nicht gab. Eine Aufarbeitung wäre es gewesen, wenn man eine mit Wissenschaftler/Historikern besetzte internationale Kommission eingesetzt hätte, die dann alles an verfügbarem Material untersucht und bewertet hätte. Denn es gibt ja sehr unterschiedliche Erzählungen und Bewertungen zu den damaligen Ereignissen. Das die deutsche Kolonialmacht in Südwestafrika Gräueltaten begangen hat, ist wohl unstrittig. Wie genau der Hergang damals war und ob das nach heutigen Maßstäben als Genozid zu bewerten wäre, ist dagegen sehr wohl strittig.
Haben Historiker das nicht schon längst geleistet? Das Ereignis war doch zeitlich, örtlich und von der Betroffenenzahl her überschaubar und war ja nicht die Ostfront oder die Westfront nach dem D-Day. Man müsste doch annehmen, dass die maßgeblichen (militär)historischen Quellen größtenteils bekannt und ausgewertet sind. Kann man sich also wirklich noch grundsätzliche neue Erkenntnisse erwarten, die die derzeitige Darstellung und Bewertung grundsätzlich in Frage stellen? Aber klar, es kann nie genug geforscht werden.
Aber vor allem. Was bringt das in der Frage ob „nur“ Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder eben doch Genozid (eine noch dazu rechtlich unscharfe Kategorie), wenn doch sowieso heute Konsens darüber herrscht, dass Unrecht geschehen ist. Um Letzteres zu verneinen, müsste doch eine massive Geschichtsklitterung stattgefunden haben und nachgewiesen werden. Wenn es kein Unrechtsbewusstsein gegeben hätte, hätte ja Berlin z. B. von Trothas Maßnahmen nicht außer Kraft setzen müssen, was PS12:35 ja eigentlich auch "entlastend" ist (was in den jetzigen Medienberichten zum Anlass übrigens keine Erwähnung findet).
Ob jetzt dafür aus eigener Verantwortung (also ohne Zwang durch Drittstaaten) symbolische oder materielle „Entschädigung“ geleistet wird, ist letztlich eine Frage des eigenen Selbst- und Rechtsverständnisses. Es gibt Für und Wider, die diskutiert werden können, weil es dafür keine "Regeln" gibt. Aber abwürgen sollte man die Diskussion darüber mE nicht. Wenn man nämlich eine „Staatshaftung“ für Fehlleistungen der Organe im Rechtsbestand hat, oder z. B. gegen den Staat wegen Einschränkung der Reisefreiheit in Pandemiezeiten Verfassungsklagen einbringt, Entschädigung für gestrandete Reisekosten fordert, „der Staat“ schlichtweg für alles Unbill des Bürgers gerade stehen soll, muss man sich wohl oder übel auch damit auseinandersetzen.
Dass solche Prozesse erst mehrere Generationen nach den Ereignissen stattfinden, ist eine historische Tatsache und auch verständlich, weil die direkt involvierte und zumindest Folgegeneration das einfach nicht „objektiv leisten“ können. Siehe z. B. unsere eigene Nachkriegsgeschichte. In der Endphase des zweiten Weltkrieges und danach wurden so ca. 15 Millionen Menschen, größtenteils Deutschsprechende, durch Flucht und Vertreibung „umgesiedelt“ oder fanden sich unter neuer Staatshoheit, dann die „Westverschiebung“ Polens, usw., usw. Die zivile Opferzahl bei der Flucht, durch (kriegs-)verbrecherische Akte der regulären Armeen und heimischen Bevölkerung war hoch und nie genau beziffert. Z. B. wurden tschechische Kommunisten, im Untergrundkampf gegen die Nazis kämpfend, vertrieben oder gelyncht, weil sie deutschstämmig waren. Aber erst seit ein paar Jahren gibt es in Tschechien eine Debatte darüber. Junge Leute fragen Zeitzeugen: Was geschah denn mit den Nachbarn, beim „Brünner Todesmarsch“? Machen Schulprojekte, Historiker beginnen zu erforschen was bisher tabu war. Dito in Polen... Es hat gerade erst begonnen und wird hoffentlich weitergehen, wenn man es zulässt und fördert. Und wer das will und begrüßt, muss sich wohl oder übel auch mit obig auseinandersetzten. Wahrheit ist immer „riskant“, Rosinenpicken geht nicht. Zumal wir (meine jetzt Österreicher!!) selbst erst mit großer Verspätung damit begonnen haben.
@das „Genozid“-Wort bin ich als Österreicher nie auf die Idee gekommen, hier einen kausalen Zusammenhang mit der deutschen Erklärung zur Ausrottung der Armenier in der Türkei zu vermuten. Auch deswegen, weil nach meiner Erinnerun Wieczorek-Zeul schon 2004 die Ereignisse als „Völkermord“ bezeichnet hat. Allerdings damals nicht in der jetzt angestrebten Rechtsform. Es zeigt aber, wie lange diese Einschätzung schon vorlag und gefestigt war.
zuletzt bearbeitet 03. Juni 2021
Gast03. Juni 2021 · #166
loser schrieb:Aber vor allem. Was bringt das in der Frage ob „nur“ Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder eben doch Genozid (eine noch dazu rechtlich unscharfe Kategorie), wenn doch sowieso heute Konsens darüber herrscht, dass Unrecht geschehen ist.
Du argumentierst sinngemäß "tot ist tot", aber ob fahrlässige Tötung, Totschlag oder vorsätzlicher Mord macht in der Bewertung wohl doch einen Unterschied, wenn ich diesen Vergleich mal benutzen darf.

Die Bundesregierung hat sich damals ausdrücklich von den Aussagen Wieczorek-Zeuls distanziert und gesagt, dass Wieczorek-Zeul das als Privatperson gesagt hat. Es ist also belegbar falsch, wenn jetzt so getan wird, als sei das schon 2004 die Position der deutschen Politik gewesen. Auch Wieczorek-Zeul hat im Übrigen im Konjunktiv gesprochen. Auch 2012 noch wurde im Bundestag ein Antrag abgelehnt, die damaligen Geschehnisse als Völkermord zu bewerten. Meinungen, dass die damaligen Geschehnisse als Völkermord bewertet werden müssen, gab es natürlich auch schon in den 70ern und 80ern. Aber das macht die Position ja nicht automatisch richtig. Der politische Meinungsumschwung kam wie gesagt erst, als Erdogan Deutschland im Kontext der Armenien-Resolution empfahl, doch erst mal vor der eigenen Türe zu kehren. Da war Deutschland blamiert, das so gern die hohe moralische Warte einnimmt.

Zu Staatshaftung: Der damalige deutsche Staat existiert nicht mehr und die Frage ist einfach: Wie lange wollen wir zurück gehen und Unrecht nicht nur historisch/moralisch aufarbeiten sondern vor allem auch finanziell entschädigen? Denn nur darum geht es den meisten Herero-Führern. Wo ziehen wir die Datumsgrenze, bis zu der wir das machen? Auf die Frage gibt es keine Antwort. Meines Erachtens kann es immer nur darum gehen, direkt Betroffene zu entschädigen - maximal unter besonderen Umständen vielleicht noch die Nachfolgegeneration. Dann muss Schluss sein. Die sind in Namibia nicht mehr am Leben, also keine Entschädigung.

Meines Erachtens wird hier die Büchse der Pandora geöffnet. Wenn Namibia etwas bekommt, kommen danach garantiert Tansania, Ruanda, Kamerun, Gabun, Kongo, Togo usw. Leistungslos Geldgeschenke zu bekommen, finden nämlich alle gut (ich auch). Dann kommen Polen, Griechenland, ... Ich habe auch Kinder und will nicht, dass die mal Tausende Euros für uralte Verbrechen abzahlen müssen, an denen sie (genauso wie ich) nicht die geringste Schuld tragen und von denen sie auch indirekt nicht im Geringsten profitieren. Das wird auch nicht zur Versöhnung beitragen. Denn wenn das so kommt, werden Entschädigungszahlungen an alle möglichen Länder hier jahrzehntelang die Politik dominieren. In dem Maße, in dem sich dann all die Zahlungsempfänger über die satten Geldgeschenke freuen, werden hierzulande Wut und Hass steigen. NPD, AFD und das ganze braune Gesocks dürften Zulauf bekommen. Ich möchte mir nicht ausmalen, wo das hinführt.

Grüße, Torsten
7'296 Beiträge · seit 200603. Juni 2021 · #167
mitglied19210 schrieb:
Wo ziehen wir die Datumsgrenze, bis zu der wir das machen? Auf die Frage gibt es keine Antwort. Meines Erachtens kann es immer nur darum gehen, direkt Betroffene zu entschädigen - maximal unter besonderen Umständen vielleicht noch die Nachfolgegeneration. Dann muss Schluss sein.

Ich stimme Dir da zu, obwohl ich indirekt selbst von Enteignungen aufgrund des Zweiten Weltkriegs betroffen bin.
Meine Vorfahren hatten ein großes Gelände mit Mühle, Hotelbetrieb und Gastwirtschaft. Meine Eltern sind dort noch aufgewachsen. Innerhalb von zwei Stunden mussten sie ihre Koffer packen und das Gebiet verlassen. Der gesamte Besitz war weg.
Natürlich war er nicht wirklich richtig weg. Er gehört fortan halt jemand anderem.

Als ich geboren wurde, kannte ich das gar nicht mehr, auch wenn ich später mal dort war. Meine Großeltern hatten einen Schaden und meine Eltern auch. Der Schaden für mich ist schon nicht mehr zu beziffern. Vielleicht hätte ich eine bessere Förderung hinsichtlich Ausbildung oder Sport bekommen können, aber da fängt das Glaskugellesen schon an. Weitere 1-2 Generationen in die Vergangenheit zu gehen, macht es noch schwerer.

Ich für mich bin nie auf die Idee gekommen, da eine Entschädigung zu fordern. Ich könnte gar keinen konkreten Nachteil für mich selbst benennen durch die damaligen Ereignisse.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
33,1k Beiträge · seit 200604. Juni 2021 · #168
Guten Morgen zusammen,

falls es interessiert, Vizepräsident Mbumba wird heute um 11:30 Uhr erstmals offiziell Stellung zum Abkommen nehmen. Dies wird live unter https://www.facebook.com/NamibianPresidency/ gestreamt.

Viele Grüße
Christian

"Heute will Vizepräsident Nangolo Mbumba erstmals öffentlich Stellung zum geplanten Völkermordsabkommen zwischen Namibia und Deutschland nehmen. Dies berichtet der Namibian. Dem Abkommensentwurf nach, der der Tageszeitung vorliegen soll, werde die darin genannte Summe alle historischen Schäden aus dem Völkermord abdecken. Während Deutschland zunächst fünf Milliarden Namibia Dollar in Projekten angeboten hatte, sei Namibias Standpunkt eine Summe von 1,26 Billionen Namibia Dollar gewesen. Medienberichten nach habe man sich auf etwa 17 Milliarden Namibia Dollar geeinigt." (Hitradio Namibia, 4.6.2021)


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Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
zuletzt bearbeitet 04. Juni 2021
16,9k Beiträge · seit 201204. Juni 2021 · #169
Moralische und historische Verpflichtung https://www.az.com.na/nachrichten/moralische-und-historische-verpflichtung-2021-06-04/

Im Rahmenabkommen zwischen Namibia und Deutschland für die Beilegung der Schuld hinsichtlich des Genozids aus den Jahren 1904 bis 1908, verpflichtet sich Deutschland zu einer Entschuldigung und „erkennt die moralische Verantwortung an, die infolge einer Kolonisierung Namibias entstanden ist“ - so die englische Ausgabe des Abkommens, das der AZ vorliegt...

LG
Logi
7'296 Beiträge · seit 200604. Juni 2021 · #170
Logi schrieb:Moralische und historische Verpflichtung https://www.az.com.na/nachrichten/moralische-und-historische-verpflichtung-2021-06-04/

Im Rahmenabkommen zwischen Namibia und Deutschland für die Beilegung der Schuld hinsichtlich des Genozids aus den Jahren 1904 bis 1908, verpflichtet sich Deutschland zu einer Entschuldigung und „erkennt die moralische Verantwortung an, die infolge einer Kolonisierung Namibias entstanden ist“ - so die englische Ausgabe des Abkommens, das der AZ vorliegt...

… ein Paradebeispiel für leere Worthülsen, die von gut bezahlten Politikern nach langen Debatten ausgehandelt werden.
Wer erkennt jetzt die "moralische Verantwortung" an?
Deutschland.
Wer genau ist das jetzt?
Ich fühle persönlich keine Verantwortung. Ich fühle mich dafür persönlich genauso verantwortlich wie für die Taten der Roten Khmer.

Selbst wenn ein Vorfahre von mir daran beteiligt gewesen wäre, was ja nur (mindestens) Hobby-Ahnenforscher noch rausbekommen könnten, wüsste ich davon nichts. Wenn ich es wüsste, hätte ich damit nichts zu tun. "Eltern haften für ihre Kinder" ist durchaus sinnvoll. "Urenkel haften für ihre unbekannten Vorfahren" ist bisschen seltsam.

Gruß
Wolfgang
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425 Beiträge · seit 201804. Juni 2021 · #171
Guten Morgen zusammen,
dieses sogenannte Rahmenabkommen sollte man unseren Politikern um die Ohren hauen. So lange die Engländer sich weigern, ein Schelm wer böses dabei denkt, ihre Archive insbesondere zu den Geschehnissen nach der Schlacht am Waterberg zu öffnen, ist eine objektive Beurteilung überhaupt nicht möglich.
Die vorauseilende Anerkennung eines geschichtlich nicht belegten Völkermordes wird weitere Forderungen nach sich ziehen.
Gruß Georg
Gast04. Juni 2021 · #172
Danke Thorsten, danke für die ausführliche Replik. Größtenteils reagierst du auf etwas, was ich so, wie du reagierst, gar nicht gesagt habe.
@"Du argumentierst sinngemäß "tot ist tot", aber ob fahrlässige Tötung, Totschlag oder vorsätzlicher Mord macht in der Bewertung wohl doch einen Unterschied, wenn ich diesen Vergleich mal benutzen darf. "
Mache ich nicht! Historische Aufarbeitung und Wahrheitsfindung ist für mich kein Strafprozess. An Letzterem habe ich kein Interesse, weil es Parteilichkeit erzeugt und die Wahrheitsfindung behindert. Habe ich doch mehrfach gesagt.
@die „persönliche“ Meinung aus Wieczorek-Zeuls aus 2004 wurde diese 2015 als offiziellen deutscher Standpunkt übernommen. Siehe unten, ab etwa der Hälfte.
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/pressekonferenzen/regierungspressekonferenz-vom-10-juli-847582
Du wirst es sicher besser wissen, aber für mich ist das aus dem o. a. Grund nicht so wichtig, wie man das, was passiert ist, jetzt auf Neudeutsch nennt.
@Staats-/Amtshaftung denke ich, dass es klar sein sollte, wie das gemeint war.
@“Verjährungsfrist“: Mit dem Kimbern-und-Teutonen-Argumenten gebe ich mich nicht ab. Das thematisierte Unrecht ist nur 35 Jahre älter als die Verbrechen für die wohl zu Recht (oder?) Wiedergutmachung geleistet wurde. Aber, wie von dir gesagt: Wo die Grenze ziehen? Regeln, wird/kann es nicht geben, es ist einfach „Ermessenssache“. Ich persönlich habe kein grundsätzliches Problem damit, wenn indigene Gruppen (noch) vom Staat alimentiert werden, bei Landnutzung privilegiert werden udgl. Dieses leistungslose Einkommen ist auch nichts anderes als Wiedergutmachung für früher zugefügtes Unrecht. Wenn in Tschechien und Slowakei Restitution für die Enteignungen durch die Kommunisten ein Thema ist, gibt es auch keine Proteste. Oder wegen Entschädigungen an Besitzer von restituiertem Land in RSA oder ZIM. Es gibt Für und Wider, eine Diskussion darüber ist mE legitim.

@Die Büchse der Pandora. Grundsätzlich möglich, aber seeehr theoretisch bzw. realpolitisch sehr unwahrscheinlich. Innerhalb der EU ist doch alles sehr ausbalanciert. Als z. B. Österreich die Aufhebung der Benes-Dekrete mit seiner Zustimmung zum EU-Beitritt Tschechiens junktimieren wollte, sind sie abgeblitzt. In Afrika bzw. OAU/AU herrscht seit der Entkolonisierung Konsens darüber, die „geerbten“ Grenzen nicht zu verändern. Es gab auch keine dramatisch großen Geldforderungen an die Ex-Kolonialmächte. Es gab/gibt „Förderprogramme“ zur Pflege der Einflusssphären, ODA, usw. bis Schuldenschnitte. Dass z. B. Tansania jetzt Forderungen an BRD stellen würde (die es an den Zwischenwirt GB nicht gestellt hat) halte ich für ziemlich unwahrscheinlich. Wie argumentieren nach 60 Jahren Schockstarre? Und wenn doch, hätte man ja auch gute Argumente dagegen und eine Position der Stärke, um nicht drauf einzugehen.

Also warum doch in Namibia? Die Verhätschelung Namibias durch alle deutschen Regierungen bei ODA, mal mehr, mal weniger, wird wohl auch etwas mit der deutschstämmigen Minderheit dort zu tun haben, so klein sie auch sein mag. Ist ja auch nicht von der Hand zu weisen und wohl ein Grund dafür, warum nicht auch in TZ oder Samoa.
Auch deswegen verstehe ich nicht, warum da jetzt so ein Popanz aufgeblasen wird, wo doch eigentlich eh schon alles klar war. Das deutsche „Angebot“ lässt sich rechtfertigen, ist gefinkelt verpackt (von EW nicht deutlich abgegrenzt), ist kein Geld ohne Mascherl, nur für qualifizierte Projekte, der Betrag ist nicht groß ….
Aber alle o.a. Argumente Für und Wider sind sowieso schon wieder Wasser unter der Brücke, seit einige traditionelle Führer mit Rechenschwäche und Zitaten von der dw sich und ihr Anliegen aus der Diskussion genommen haben. Ist doch ein aufgelegter Elfer für BRD und Gegner der "Vereinbarung" , der endgültigen "Verjährung" wieder ein paar Jahre näher zu kommen 😗 .
MM, Werner.
zuletzt bearbeitet 04. Juni 2021
Gast04. Juni 2021 · #173
Weil koloniales Recht und Unrecht für manche Leute immer so klar ist, hier ein paar Beispiele
postkolonialer Entschädigungsfragen,
die auch anders rum laufen können und überall dort virulent und offenbar wurden und noch immer werden, wo nach der Entkolonialisierung nennenswerte weißen Bevölkerungen und deren Vermögenswerte verblieben.
Der Rechtsstatus „Zambezias“ (später Nord- und Südrhodesien bzw. Sambia und Simbabwe) war ungeklärt und strittig. Eigentlich waren diese Privatbesitz der BSAC (Rhodes) und als Chartered Company (der Krone) mit Nutzungs- und Verwaltungsrechten ausgestattet. Die BSCA hatte von den traditionellen Führern EXKLUSIVE Nutzungsrechte für ALLE mineralischen Rohstoffe „erworben“. Wenn Einheimische Salz aus der Pfanne holten, mussten sie Steuer oder Strafe zahlen (siehe später Indien und Ghandi). In der Rhodesischen Föderation gingen die Gewinne der nordrhodesischen Kupferminen nach Südrhodesien, Sitz der BSAC. Bei der Unabhängigkeitswerdung Sambias hat die BSCA die Chuzpe, Entschädigung für ihre „exclusiven“ Rohstoffrechte zu fordern, ohne irgendeinen rechtlich anerkennungswerten dokumentarischen Nachweis dafür vorlegen zu können. Kaunda hat diese trotzdem gewährt, um einen langen Rechtsstreit zu vermeiden und einen kleine Mio.$betrag bewilligt, ein Treppenwitz der Geschichte. Später wurden die Kupferminen sowieso verstaatlicht, mit bekanntem (negativem) Ausgang.
Für Südrhodesien gestaltete sich das Ende der weißen Herrschaft so:
Das Ungleichgewicht bei der Landverteilung zwischen Weiß- und Schwarz war ja eine, wenn nicht die, zentrale Frage des Widerstandes gegen die „Kolonialisten“. Bei den Verhandlungen im Lancaster House konnte man keine Einigung über Entschädigungen erreichen. Diese hat ZANU/ZAPU aus Prinzip und auch mit Verweis auf fehlende Mittel abgelehnt. Man hat dann nur eine Absichtserklärung erreicht mit Vertröstung auf die Errichtung eines Fonds durch GB und USA, was nur ansatzweise gemacht wurde. Und das auch nur in einer vertraulichen Nebenabsprache, die nach Ablauf der Sperrfristen von Verhandlern aus GB und USA bestätigt wurde. Mugabe hat zur Rechtfertigung seines Schwenks immer diesen Wortbruch vorgeworfen, was tw. stimmen könnte. Nach dem Exodus vieler Farmen in den 1980ern wechselten viele Farmen den Besitzer. Bei jedem Farmverkauf hatte der Staat ein Vorverkaufsrecht, womit eine Landreserve für die Landreform für die schwarze Mehrheitsbevölkerung aufgebaut werden sollte. Aber der Staat hatte kein Geld dafür, was zur paradoxen Situation führte, dass immer mehr weiße Farmer rechtmäßige Besitzer unter der neuen Verfassung wurden; Mugabe schäumte.
Auch in GB war dieser Deal grundsätzlich verpönt, weil Labour sagte: Wir haben dauernd gegen die Kolonialisten gekämpft und werden sie jetzt nicht auch noch entschädigen. Sie standen auf der Bremse und warfen Mugabe vor, Gelder aus GB für Ansiedlungsprojekte an die Comrades und Veteranen zu verteilen. Jedenfalls brauchte Mugabe Geld für deren Ansprüche und wie er das gemacht hab, ist heute Geschichte.
In RSA beschäftigt das Thema Landverteilung und Restitution noch immer, ist ungelöst, weil der Staat das über „willing-seller willing-buyer“ nicht finanzieren kann und, unter bestimmten Umständen, entschädigungslose Enteignung zur Debatte steht. Corona hat das jetzt alles überdeckt…… man wird sehen.
zuletzt bearbeitet 04. Juni 2021
96 Beiträge · seit 201804. Juni 2021 · #174
..... Statt Versöhnung ein Riesenstreit um persönliche Entschädigungen

Doch vonseiten der deutschen Regierung gab es ein Missverständnis: dass überall in Namibia das Kleingedruckte verstanden würde. Die Anerkennung des Genozids ist eine politische Erklärung und die Zahlungen sind freiwillig. Daraus folgt kein rechtlicher Anspruch. Das ist vielen in Namibia nicht klar. .....



https://www.zeit.de/politik/ausland/2021-06/namibia-versoehnungsabkommen-ablehnung-voelkermord-deutschland-kolonialverbrechen-herero-nama-5vor8
zuletzt bearbeitet 04. Juni 2021
33,1k Beiträge · seit 200604. Juni 2021 · #175
Vizestaatspräsident Nangolo Mbumba hat im Namen Namibias erstmals öffentlich Stellung zu den Völkermordsverhandlungen mit Deutschland bezogen.

Das Abkommen, was unterzeichnet werde, beinhaltet:

1) Anerkennung der Verbrechen an den OvaHerero und Nama zwischen 1904 und 1908 als Völkermord.

2) Entschuldigung durch den deutschen Bundespräsidenten vor der namibischen Nationalversammlung.

3) Wiedergutmachung durch Versöhnung und Aufbau der besonders betroffenen Gemeinschaften (Erongo, Hardap, ||Karas, Khomas, Omaheke, Otjozondjupa)
- Landreform und -entwicklung
- Erneuerbare Energien
- TVET
- Straßen
- Wasser
in Höhe von 1,1 Milliarden Euro über 30 Jahre, davon 1,05 Mrd Euro für Aufbau, 50 Millionen Euro für Versöhnung. Die Wiedergutmachung in finanzieller Form kann nachverhandelt werden.

4) Der gemeinsame Weg der Zukunft zwischen Deutschland und Namibia.
Eilmeldung, Hitradio Namibia, 4.6.2021
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
425 Beiträge · seit 201804. Juni 2021 · #176
Noch mal guten Tag zusammen,
dieses Abkommen ist und bleibt, durch die widerspruchslose Anerkennung der Anschuldigungen des Herrn Erdogan, eine Bankrotterklärung der deutschen Außenpolitik. Angezettelt von einem prominenten Mitglied der Grünen.
Gruß Georg
zuletzt bearbeitet 04. Juni 2021
Gast04. Juni 2021 · #177
Es ging darum, was zu den aktuellen Entwicklungen geführt hat. Wieczorek-Zeul war irrelevant. Steffen Seibert hat damals in der Bundespresskonferenz gelogen, wenn er sagt, das Wieczorek-Zeul schon damals für die Bundesregierung gesprochen hat. Die Bundesregierung hat sich 2004 ausdrücklich distanziert. Der zuständige Außenminister Fischer (Grüne) hat das als Privatmeinung von Wieczorek-Zeul abgetan. Der Ablauf war ansonsten wie folgt.

23.04.2015 Bundespräsident Joachim Gauck bezeichnet die Geschehnisse in Armenien als Völkermord.
24.04.2015 Der Bundestag berät erstmals einen Antrag der Regierungsparteien CDU/CSU/SPD, in dem die Geschehnisse in Armenien als Völkermord benannt werden.

Es gab in den Folgetagen heftigste Reaktionen aus der Türkei mit der mehrfachen Empfehlung an Deutschland, doch erst mal vor der eigenen Türe zu kehren.

08.07.2015 Der formal zweithöchste Mann im Staat, der damalige Bundestagspräsident Lammert, hat in einem Zeitungsbeitrag für die Zeit erstmals geurteilt: "Wer vom Genozid an den Armeniern 1915 im Osmanischen Reich spreche, der müsse auch die Verbrechen des deutschen Militärs im Jahrzehnt davor beim Namen nennen. An den heutigen Maßstäben des Völkerrechts gemessen war die Niederschlagung des Herero-Aufstands ein Völkermord."
10.07.2015 Es gibt erstmals ein offizielles Dokument des AA, in dem die Geschehnisse in Südwestafrika als Völkermord benannt werden.
Ende 2015 Verhandlungen mit Namibia beginnen

02.06.2016 Die Armenien-Resolution wird im Bundestag beschlossen. Es gab wieder heftige Reaktionen aus der Türkei, aber Deutschland konnte nun darauf verweisen, dass es seine eigene Geschichte aufarbeitet und bereits mit Namibia verhandelt. Die türkische Kritik war nun substanzarm.

Es lässt sich nicht ausschließen, dass es auch sonst irgendwann einen Kurswechsel der Bundesregierung und Verhandlungen gegeben hätte. Der Kurswechsel, den wir erlebt haben und der zu den nun erst beendeten Verhandlungen führte, wurde eindeutig von Erdogan ausgelöst,

Grüße, Torsten
Gast04. Juni 2021 · #179
mitglied19210 schrieb: Der Ablauf war ansonsten wie folgt.
Danke Torsten, habe mir das archiviert
Grüße
zuletzt bearbeitet 04. Juni 2021