Nachmaßen die Genozid-Verhandlungen zwischen Namibia und Deutschland voranschritten, wurde wiederholt die Rechtmäßigkeit eines 100-Jahre alten Anspruchs angezweifelt. Die Ureinwohner Namibias seien zu jener Zeit untereinander zerstritten gewesen und hätten versucht, einander auszurotten. Nun liegt der AZ ein Schreiben von Metusalem ?Neib vor, der als Vertreter der interkulturellen Stiftung CCTN (Cross-cultural Trust of Namibia) und im Namen der San- und Damara-Bevölkerungsgruppen den Herero, Nama und Deutschen eine Entschuldigung abverlangt...
"Die Traditionelle Behörde der Ovaherero will vor die Vereinten Nationen ziehen um gegen Deutschland vorzugehen. Dies berichtet der Namibian. Demnach sei Deutschland ein „Kriegsverbrecher“, solange es nicht in direkte Völkermordsverhandlungen mit den legitimen Vertretern der damaligen Opfer eintrete. Rechtlich waren mehrere Klageversuche einer Herero-Fraktion gegen Deutschland bei Gerichten in den USA gescheitert. Deshalb werde man nun auf diplomatisch auf allen Fronten vorgehen, so Ovaherero-Vertreter Vekuii Rukoro. Anders als Rukuro haben sich andere Hererovertreter geäußert. Sie wollen das nun zur Unterschrift bereitstehende Abkommen zwischen Deutschland und Namibia mittragen. " (Hitradio Namibia, 10.6.2021)
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Logi16,9k Beiträge · seit 201210. Juni 2021 · #243
Eine emotionale Debatte entlädt sich im Parlament infolge der Regierungserklärung über den Abschluss der Genozid-Verhandlungen. Ausdrücke wie „Verräter“, „Ausverkauf an Berlin“ und „Neo-Kolonialismus“ widerspiegeln die Entrüstung über den ausgehandelten Versöhnungsbetrag in Höhe von 1,1 Mrd. Euro. Unterdessen hat das US-Berufungsgericht die Völkerrechtsklage der Herero und Nama abgewiesen...
LG Logi
Logi16,9k Beiträge · seit 201210. Juni 2021 · #244
Ich weiß nicht, wie viele Gefolgsleute die einzelnen Herero-Gruppierungen jeweils haben. Aber wenn einige das Abkommen akzeptieren und andere es kategorisch ablehnen und sich beleidigt fühlen, dann soll die Regierung es doch so regeln, dass nur die Herero-Gruppierungen an dem Geld partizipieren, die das Abkommen akzeptieren. Die anderen können ja irgendwie für ein anderes Abkommen mit viel mehr Geld weiter kämpfen. Möglicherweise gäbe das bei einigen auch ein Umdenken? Für jeden heute lebenden Herero sind in dem Abkommen rechnerisch 90.000 N$ drin (inkl. Babys etc.). Natürlich verteilt über 30 Jahre und nicht als cash ausgezahlt. Aber trotzdem ist das angesichts der Lebensverhältnisse vor Ort ein substanzieller Betrag, der bei der Mehrheit der Familien dem Gegenwert von vielen Jahreseinkommen entsprechen dürfte.
Das Abkommen sehe ich nach wie vor kritisch und befürchte weiter, dass man damit die Büchse der Pandora öffnet. Im damaligen Deutsch-Ostafrika gab es beispielsweise zeitgleich zum Herero-Aufstand in Südwestafrika den Maji-Maji-Aufstand. Dabei kamen je nach Quelle 100.000-300.000 Menschen ums Leben - also mehr als in Südwestafrika. Zumindest von einigen Historikern wird das auch als Vernichtungskrieg eingeordnet. Man kann nicht erklären, das nach Namibia nun mehr als 1 Milliarde fließen soll und nach Tansania nichts, zumal es auch für Namibia ausdrücklich keine Reparationen für einen Genozid sind. Dann kann man auch etwaige Forderungen aus Tansania nicht damit abwehren, dass das kein Genozid war. Es wird einer nach dem anderen kommen und Forderungen stellen und Deutschland wird sich sehr schwer tun, dass mit haltbaren Begründungen abzuwehren. Unsere europäischen Nachbarn werden sich auch noch "bedanken".
Ich fürchte das Ganze geht nach hinten los! Durch die (durchaus gut gemeinte) Beschäftigung mit dieser Sache wird dieselbige dadurch jedem präsent gemacht, es werden Erwartungen (unbeabsichtigt) generiert, die dann nicht eingehalten werden, weil; - die Summe einigen zu gering erscheint, - das Geld dann doch irgendwo versickert, - das Geld sinnvoll, aber nicht für jedem sichtbar, oder "prioritär" (d.h. nicht in die eigene Tasche fließt) ausgegeben wird!
Ich fürchte, dass dieses gut gemeinte Abkommen, deutlich mehr Unmut und Unzufriedenheit generieren wird als das was vorher schon vorhanden war.....eine typische "lose-lose" Situation!
Liebe Grüße, busko
Der Übergang vom Affen zum Menschen sind wir! - Konrad Lorenz
Ich fürchte, dass dieses gut gemeinte Abkommen, deutlich mehr Unmut und Unzufriedenheit generieren wird als das was vorher schon vorhanden war
Bei Herrn Rukuro und seiner Handvoll Anhängern mit Sicherheit. Bei allen anderen nicht. Man muss nur mal vor Ort hier fragen, was die Hereros von den Deutschen halten, also den normalen Mann auf der Straße, die Putzfrau usw. Sie werden über kaum jemanden so positiv sprechen, wie über die Deutschen. Es versuchen nur einige Fraktionen ein anderes Bild darzulegen, was aber eben schon durch den Zuspruch der Mehrheit (!) der traditionellen Führer zum Abkommen nicht so wirklich klappt. Und das "lustige" ist, dass Rukuro meistens in seiner traditionellen [sic] Uniform dies tut... die sich an der Uniform der dt. Schutztruppe orientiert. Irgendwie mag er "uns" doch (und ein kleines Stückchen mehr, wenn das Geld in bar in seine Taschen fließen würde) 😉
Viele Grüße Christian
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Logi16,9k Beiträge · seit 201210. Juni 2021 · #249
travelNAMIBIA schrieb: Und das "lustige" ist, dass Rukuro meistens in seiner traditionellen [sic] Uniform dies tut... die sich an der Uniform der dt. Schutztruppe orientiert.
....Damit droht er, ähnlich wie Adv. Vekuii Rukoro (der Paramount Chief der Herero) vor drei Jahren, den deutschsprachigen Einwohnern Namibias. Unter den Nachkommen der beiden Bevölkerungsgruppen mache sich Hoffnungslosigkeit breit und frage man sich, „ob- und wann der Zeitpunkt anbrechen wird, an dem der wirtschaftliche Verlust, der durch Enteignungen entstanden ist, wieder wettgemacht wird“. Er warnt, dass auch in Namibia wieder ein Genozid vorkommen könnte.
Guten Morgen zusammen, hallo busko. Dieses Abkommen ist für mich kein gut gemeintes, sondern ein von gelangweilten Wichtigtuern durch die Armenien Geschichte angeschobenes nicht zu Ende gedachtes Abkommen. Dadurch haben die Betreffenden einen unguten Geist aus der Flasche gelassen den keiner mehr wieder dort hinein bekommt. Dadurch wurde etwas in Gang gesetzt das nicht nur für uns unabsehbare Folgen haben wird. Gruß Georg
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fordfahrer1'003 Beiträge · seit 200811. Juni 2021 · #253
Hi,
sehr schön, dass der Außenminister tatsächlich genau auf den von mir immer wieder hervorgehobenen Punkt abstellt, dass es keinen Rechtsanspruch gibt und dass das nur ein "moralisches" Angebot der Bundesrepublik and Namibia ist und in sofern kann man das jetzt auf namibischer Seite entweder akzeptieren oder man lässte es und bekommt eben nichts. Eine starke Verhandlungsposition hat man ja mangels Rechtsgrundlage nicht. Ob man damit jetzt eine Welle von "moralischen" Ansprüchen aus aller Herren Länder los tritt, bleibt abzuwarten. Repararationszahlungsdebatten sind ja zum Glück davon komplett unberührt. Finde ich gut, dass er das strikt trennt.
Ich finde das auch sehr gut, dass man im Umgang mit afrikanischen Partnern offensichtlich gelernt hat, dass reiner Geldtransfer in persönlichen Taschen landet und tatsächlich eine strikte Projektbindung realisiert werden soll. Ob das jetzt geschickt ist, dass man offensichtlich Landrückkauf finanziert, da bin ich mir nicht sicher.
Gibt es eine Liste mit den Sachen, die finanziert werden sollen??
Gibt es eine Liste mit den Sachen, die finanziert werden sollen??
Projekte in 7 Regionen (||Karas, Hardap, Omaheke, Khomas und Erongo sowie Otjozondjupa und Kunene in den Bereichen "Land Reform, in particular Land Acquisition within the framework of the Namibian Constitution and Land development; Agriculture; Rural Livelihoods and Natural Resources; Rural Infrastructure; Energy and Water Supply; Technical and Vocational Education and Training (TVET)."
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Für interessierte Normalverbraucher sind Anzahl und Stellenwert der Köche, die das „Abkommensgericht“ schmackhaft oder ungenießbar machen sollen oder wollen, mittlerweile schwer über- und durchschaubar. Stammesaristroktaten und ihre Clans …. Gebietskörperschaften …. Traditions- und Geschädigtenverbände …. Parlament … Danke im Voraus für sachdienliche Hinweise. Wird spannend, wie BRD damit jetzt umgehen wird. Abwarten, verzögern, ignorieren ….. ?
Logi16,9k Beiträge · seit 201214. Juni 2021 · #259
Die hoch-emotionale, teils hysterische Reaktion von Stammesführern und Oppositionsparteien auf das Versöhnungspaket, das in Berlin und Windhoek zur Ratifizierung vorgelegt wird, ist total aus dem Ruder gelaufen. Allein das Poker mit Milliarden, Billionen und Trillionen Nam-Dollar und Euros steigert sich zur Farce...
LG Logi
Logi16,9k Beiträge · seit 201215. Juni 2021 · #260
...Das Forum wehrt sich jedoch gegen Drohungen von Eigentümern namibischen Farmlandes und deutschsprachige Namibier. „Wir möchten daran erinnern, dass deutschsprachige Namibier vor dem Gesetz gleichberechtigte Bürger Namibias sind.“ Laut der Mitteilung möchte das Forum an alle Namibier eindringlich appellieren, von jeglicher Gewaltandrohung abzusehen und die laufenden Entwicklungen nicht dazu zu missbrauchen, das Land zu destabilisieren....