Namibia bei Nacht

Reisebericht 75 Antworten · 19,1k Aufrufe · gestartet 28. Mai 2015 von weitwinkelkarli
Themenstarter835 Beiträge · seit 201328. Mai 2015 · #1
Nachdem ich hier im Forum immer wieder sehr hilfreiche Tipps erhalten habe möchte ich höflich fragen ob jemand an meinem Reisebericht interessiert ist? Unsere Route führte uns in folgende Unterkünfte:

02.05 - 04.05 Duesternbrook
04.05 – 05.05 Okonjima
05.05 – 07.05 Onguma The Fort
07.05 – 10.05 Onguma Aoba
10.05 – 12.05 Okaukuejo
12.05 – 14.05 Twyfelfontein Lodge
14.05 – 16.05 Vingerklip Lodge
16.05 – 18.05 Ameib Ranch
18.05 – 20.05 Beach Hotel Swakopmund
20.05 – 22.05 Wüstenquell
22.05 – 24.05 Sossus Dune Lodge
24.05 – 25.05 Gocheganas


Deadvleilayingtree.jpeg


Untertags nicht ganz so beeindruckend...

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Da der Wettergott sehr gnädig mit uns war und ich wiedermal ein Permit fürs Deadvlei bis Mitternacht bekam gibt es auch viele Sternenfotos.
LG Wolfgang
zuletzt bearbeitet 28. Aug. 2021
6'152 Beiträge · seit 200628. Mai 2015 · #2
hallo Wolfgang,

nach klar, hau mal in die Tasten, ein Reisebericht ist immer interessant, gerade für die daheim-gebliebenen.
Beste Grüsse
Hanne
8 x Südafrika,1x Zimbabwe, 22x Namibia, 4x Botswana, 1x Lesotho, 1 x Swasiland
294 Beiträge · seit 200728. Mai 2015 · #6
Hallo Wolfgang,

natürlich bin ich auch daran interessiert!!! 🙂 🙂

VG
Achim
0
1'155 Beiträge · seit 200629. Mai 2015 · #8
…der Titel ist irgendwie voll daneben… Sorry 🤢
Themenstarter835 Beiträge · seit 201329. Mai 2015 · #9
Also ich finde, der Titel passt wunderbar....


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LG Wolfgang
zuletzt bearbeitet 25. Aug. 2021
284 Beiträge · seit 201429. Mai 2015 · #10
weitwinkelkarli schrieb:
Tomcat schrieb:…der Titel ist irgendwie voll daneben… Sorry 🤢
Wiesou wenn ich fragen darf?
Weils hier vermutlich nicht um Baden-Würtemberg geht.

(Für mich klingt er ähnlich als würde jemand seinen Reisebericht über Polen "Ostpreußen" nennen oder über Zimbabwe/Sambia "Rhodesien" oder von Österreich als "Alpen- und Donau-Reichsgaue" reden. Man muss die Geschichte nicht verleugnen, aber ihr auch Rechnung tragen, das sind heute eigenständige Staaten, mit aktuellen Namen, da muss man nicht auf überholte Beriffe ausweichen)


Oder du meinst was ganz anderes und der Titel wird von mir und anderen missverstanden.
franzastische Reisen, Fotos und mehr - https://franzastisch.de
Themenstarter835 Beiträge · seit 201329. Mai 2015 · #11
Sorry wenn euch der Titel nicht gefällt, aber bei mir löst der Name Deutsch-Südwest keine irgendwie gearteten negativen Gefühle aus. Und Lüderitz war bis vor wenigen Wochen wohl auch politisch korrekt, obwohl alles mit dem Schutz des Eigentums dieses Herrn angefangen hat. Darf man jetzt nie wieder Lüderitz schreiben.....? Allerdings fallen mir viele heutzutage noch aktuelle Ländernamen ein die man vielleicht besser auch umändern und nie wieder aussprechen sollte wenn jeder sofort an Kriegsverbrechen denkt.


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LG Wolfgang
zuletzt bearbeitet 25. Aug. 2021
284 Beiträge · seit 201029. Mai 2015 · #12
Mit so einem Titel, der von Vorgestern stammt und wahrscheinlich ein braunes (?) politisches Statement darstellen soll, erreichst du nur, dass du einen politische Diskurs lostrittst und dein Reisebericht in den Hintergrund tritt.
Schade, Thema verfehlt.

Gruss
Fredi
Die Massai haben erzählt, dass sich zwei Löwen das Grab als Ruheplatz ausgesucht haben. Von dort haben sie eine gute Sicht ins Tal und auf das Wild. Ich darf nicht vergessen, es Denys zu erzählen, er würde sich darüber freuen. ( Frei nach Tanja Blixen)
Themenstarter835 Beiträge · seit 201329. Mai 2015 · #13
Fredi1 schrieb:Mit so einem Titel, der von Vorgestern stammt und wahrscheinlich ein braunes (?) politisches Statement darstellen soll,....
Kriegsverbrechen mit Rechsradikalität zu verwechseln grenzt hart an Verleumdung, ich würde da vorsichtig sein, aber lassen wirs gut sein ich sehe schon, dass dies zu nicht führt. Sorry wegen meines Thread-Titels, ich hab mir nichts böses dabei gedacht, ehrlich. Löscht den thread einfach und vergessen wir das Ganze.....




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LG Wolfgang
zuletzt bearbeitet 25. Aug. 2021
1'933 Beiträge · seit 200929. Mai 2015 · #14
Och menno...muss denn hier alles und jedes zerredet werden?
Ich finde den Titel nun nicht so "schlimm".

Wolfgang, bitte schreibe deinen Reisebericht weiter! Danke im Voraus.
Liebe Grüße Lotusblume Reiseberichte(klick):2022-Sep/Okt Südafrika "Genuss-Reise ums Westkap"//2021-Nov "3670 km durch Namibias Nov.-Hitze"//2018-Okt Namibia "Von der Wüste zu den Wasserwelten"//2015-Aug/Sep Südafrika "Unser Wiedersehen mit Südafrika"//2013-Nov Namibia "Unsere Silberhochzeit bei Vollmond"//2010-Apr Namibia "Unsere Unterkünfte"
284 Beiträge · seit 201029. Mai 2015 · #15
Hallo Weitwinkelkarli,
ich wollte dich nicht verleumden, deshalb das Fragezeichen.
warum gibst du dem Kind nicht einfach einen anderen Namen und los geht's?
Alle sind auf deinen Bericht gespannt, ich auch.
Gruss
Fredi
Die Massai haben erzählt, dass sich zwei Löwen das Grab als Ruheplatz ausgesucht haben. Von dort haben sie eine gute Sicht ins Tal und auf das Wild. Ich darf nicht vergessen, es Denys zu erzählen, er würde sich darüber freuen. ( Frei nach Tanja Blixen)
284 Beiträge · seit 201429. Mai 2015 · #16
Lotusblume schrieb:Och menno...muss denn hier alles und jedes zerredet werden?
Ich finde den Titel nun nicht so "schlimm".
Es wird doch gar nichts zerredet, lediglich darauf hingewiesen, dass der Titel unangebracht ist. Namibia ist nun schon ne ganze Weile keine deutsche Kolonie mehr und ich verstehe nicht warum man das nicht akzeptieren kann. Für mich wirkt das immer - ob beabsichtigt oder nicht - wie die Glorifizierung der deutschen Herrschaft und die Ablehnung eines unabhängigen eigenständigen Namibia. Ich hätte weder ein Problem damit wenn "deutsch südwest" ein in Nambia akzeptierter Name wäre, oder die gebräuchliche Bezeichnung bei uns (wir sage ja auch Mailand statt Milano) aber beides ist nicht der Fall. Selbst ein "im ehemaligen deutsch südwest" wäre akzeptabel, aber einfach so tun, als wärs noch wie vor über 100 Jahren, geht einfach nicht. Ich fände es auch icht gut, wenn jemand seinen aktuellen Reisebericht über Deutschland "Deutsches Reich" oder "3. Reich" nennen würde oder "Heiliges römisches Reich deutscher Nationen". Solche überwundene Bezeichnungen lösen bei mir immer ein ungutes Gefühl aus.
So ein Hinweis unterstellt ja keine böse Absicht oder Desinteresse am Bericht.
Lotusblume schrieb:
Wolfgang, bitte schreibe deinen Reisebericht weiter! Danke im Voraus.
Ich glaube darüber würden sich alle freuen, auch die, die den (inzwischen geänderten) Titel nicht so gut fanden. Das ist ja jetzt geklärt und geändert und vielleicht findet sich ein Moderator, der den thread von dieser Diskussion bereinigt so dass mehr Platz für den Bericht und die Bilder ist.
franzastische Reisen, Fotos und mehr - https://franzastisch.de
1'155 Beiträge · seit 200630. Mai 2015 · #17
weitwinkelkarli schrieb:
Tomcat schrieb:…der Titel ist irgendwie voll daneben… Sorry 🤢
Wieso wenn ich fragen darf?
Hallo Wolfgang..."Deutsch Südwest" das suggeriert bei vielen halt.. Kolonialzeit, Ausbeutung, Krieg usw... 😗

Du hast Sterne im Deadvlei fotografiert... da würde doch etwa..

"Sternenzauber über der Namib"... besser passen und positiver wirken... 😎

lg tom
962 Beiträge · seit 200731. Mai 2015 · #18
Hallo Wolfgang
während unserer vielen Namibiafluege haben wir leider immer wieder die Nachkommen deutschstaemmiger Namibier Kennengelernt , die die alten DEUTSCHSUEDWEST-ZEITEN, für mich einigermaßen verständlich, glorifiziert haben, obwohl sie sich mit Kaiser und Militaer als nachfolgende Generation nicht identifizierten.
Auch sie fühlen sich als Opfer der Geschichte da ihre Vorfahren mit gutem Willen einwanderten und sehen sich nun ihres Eigentums zunehmend beraubt.
http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/193547-afrika-2011-so-qbeautiful-greenq-1teil.html http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/193761-afrika-2011-so-beautiful-green-teil-2.html http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/195398-a-f-r-i-k-a-2011-so-beautiful-green-teil-3.html
Themenstarter835 Beiträge · seit 201301. Juni 2015 · #19
Da der von mir ohne jeglichen bösen Hintergedanken ausgesuchte Titel „Deutsch-Südwest³“ bei den Korintenkackern nicht gut ankommt, nenne ich meinen Reisebericht nun schlicht „Namibia bei Nacht“.


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Vorwort:

Bereits Mitte der 80er Jahre blickte ich in sternenklaren Nächten fasziniert in den Himmel. Ich wusste nicht wie viele Sterne es dort oben gab und alleine die Vorstellung, dass es Milliarden Galaxien geben soll, von denen jede einzelne wiederum mehr als 1000 Milliarden Sonnensysteme beherbergen soll, sprengt den Rahmen alles vorstellbaren.

Als ich dann, Jahre später, 1988 die Fotografie als mein Hobby entdeckte, und an einem sternenklaren Abend auf den Malediven wieder den Himmel beobachtete wurde mir klar, dass ich irgendwann all die Sterne fotografieren wollte. Doch auch von da an sollte es fast noch 30 Jahre dauern bis ich mir das Wissen und das Können angeeignet hatte um meinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen.

Die Idee dahinter war ebenso simpel wie schwierig umzusetzen. Ich wollte naturbelassene Landschaften unter Einbeziehung des vorhandenen Restlichts in der Nacht fotografieren und zwar so wie es heutzutage viele Amateure versuchen, samt dem wundervollen Sternenhimmel.
Das Problem hierbei ist aber, dass es fast auf der ganzen Welt kaum noch naturbelassene Landschaften gibt. Kaum ein Fleckchen Erde, dass von uns Menschen noch nicht kultiviert wurde, und zwar von Patagonien bis Island. Und zum Kultivieren gehört auch dazu alles zu beleuchten, die Lichtverschmutzung und das damit verbundene schlechte Seeing von dem alle Astronomen heute sprechen.

Als der französische Astronom Charles Messier Mitte des 18. Jhd. Kometen, Galaxienhaufen, Sternenhaufen und Nebel entdeckte, war es auch in Paris noch sehr finster des Nächtens, denn das elektrische Licht wurde erst gut 100 Jahre später für die Beleuchtung von Straßen verwendet.
Hier bildet Namibia mit seiner geringen Bevölkerungsdichte von nur 2 Menschen pro km² und den beiden Wüsten (Kalahari im Osten und die Namib im Westen) eine interessante Ausnahme.
Man findet fast überall Landschaften die genauso aussehen wie vor Jahrmillionen und kann sich als Fotograf nach Lust und Laune austoben. Strom- resp Telegrafenmasten sowie Zäune existieren zwar, stören aber den Bildaufbau nur in die seltensten Fälle so massiv, dass deshalb auf ein gutes Foto verzichtet werden muss.


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Was aber macht die Nacht für einen Fotografen so interessant?

Es ist der Sternenhimmel über den unberührten Landschaften, der alles mystisch und geheimnisvoll erscheinen lässt. Und wo lässt sich der Sternenhimmel wohl besser beobachten als in Namibia?

Ich werde nie vergessen wie ich in meiner ersten Nacht in diesem fernen Land am Campingplatz in Sesriem hinauf in den abendlichen Sternenhimmel blickte und Millionen von Sterne zum ersten Mal in meinem Leben sah.

Den Sternenhimmel wie wir in kennen mit seinen gerade mal 2 - 300 Sternen kannte ich natürlich und das wäre auch nichts Besonderes gewesen, aber das Schauspiel das einem hier geboten wird, hat rein gar nicht mit dem in Europa gemein. Ich hatte das Gefühl als würde die gesamte Milchstraße in 3D das Firmament über mir durchbrechen und schien gleich einer IMAX Aufführung zum Greifen nahe zu sein.

Es war ein sehr bewegender Moment an jenem Abend des 11. Juni 2007. Leider war es gleichzeitig aber auch mein Ankunftstag und ich hatte in der naheliegenden Sossusvlei Lodge ein paar Bierchen gezwitschert, was meinen Willen in der Eises-Kälte noch ein paar Fotos zu machen deutlich dämpfte.

Auch wusste ich damals weder wie man die Sterne am Himmel punktförmig ablichtet, noch hatte ich die Muße mich länger mit meiner Kamera am Stativ zu beschäftigen. Denn mein Plan war morgen als Erster in Vlei zu düsen und dort schöne Aufnahmen von den toten Akazienbäumen zu machen.

Und so wurden es nur eine Handvoll Aufnahmen, alle mit 5 min Belichtungszeit und ISO 100 bei Blende f/4.0 an der Nikon D2Xs mit einem 24 mm (36 mm an KB). Mir war furchtbar kalt und ich wollte die wenigen Stunden bis zur allmorgendlichen Trottelralley noch eine kleine Mütze voll Schlaf bekommen. In meiner grenzenlosen Dummheit hatte ich aber auf den Wecker vergessen und so half mir die Kälte der Nacht schon nach fünf schlecht geschlafenen Stunden den eiskalten Schlafsack wieder zu verlassen und als erster am Gate zu stehen als dieses geöffnet wurde.

Hatte ich 2007 also nur dies eine Mal versucht den abendlichen Sternenhimmel zu fotografieren, dachte ich 2012 bestens vorbereitet für die Deep Sky Photography zu sein. Denn immerhin hatte ich die eben erst erschienene Nikon D4 im Handgepäck und auch das 14-24er war mit dabei. Ja ich hatte sogar darauf geachtet an einem Tag im Vlei zu sein wo kein Mond am Firmament zu sehen sein würde.

Mit entsprechende viel Enthusiasmus stellte ich mich dann in der Nacht ins Deadvlei, dachte an „The Cell“ und machte alle Fehler die man bei der Sternenfotografie so machen kann.
Angefangen bei zu langen Belichtungszeiten, über zu kleine Blenden bis hin zur falschen Fokussierung. Auf gut Deutsch, ich hatte 2012 so ziemlich alles falsch gemacht, was man als Fotograf falsch machen konnte. Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass ich damals noch nicht einmal wusste was „Deep Sky Photography“ bedeutet ….

Damals zu glauben ich würde mit guten Sternenfotos nach Hause kommen war anmaßend und dumm, zu mindestens aus heutiger Sicht. Wenn ich mir ansehe, wie großartig die Fotografien so manchem Astronomen sind kann ich nur demütig meinen Hut ziehen und mich vor ihrem Können, vor allem aber ihrer Ausdauer verneigen. Der Aufwand, der hier von so manchem betrieben wird hat nicht mehr viel mit dem zu tun, was man sich unter normaler Fotografie vorstellt.

Aber welcher Fotograf weiß schon etwas über die Rektaszensionsachse seiner parallaktischen Montierung? Oder habt ihr schon mal etwas von Magnituden pro Quadratbogensekunden gehört?
Jeder der sich intensiv mit der Astrofotografie beschäftigt stößt über kurz oder lang auf diese Begriffe und kommt nicht umhin sich mit ihnen zu beschäftigen. Da ich aber kein Wissenschaftler oder Astronom werden möchte und mich solche Details nur am Rande interessieren, habe ich versucht zu verstehen wo das Problem liegt und wie man es elegant umschiffen kann.
LG Wolfgang
zuletzt bearbeitet 25. Aug. 2021
Themenstarter835 Beiträge · seit 201301. Juni 2015 · #20
Im Fall der Nachtfotografie samt Sternenhimmel ist die Aufgabe relativ einfach.

Man braucht ein Gerät dass die Erdrotation ausgleicht um länger belichten zu können ohne dass die Sterne zu Strichen werden. Solche sogenannten parallaktischen Nachführungen gibt es von winzig klein bis riesengroß, manche kosten nur EUR 200.- andere viele tausend Euros. Sie versuchen aber alle dasselbe zu tun - mit mehr oder weniger großem Erfolg - nämlich wie schon zuvor erwähnt, die Erdrotation auszugleichen.

Je genauer man es haben will desto größer wird der Aufwand den man betreiben muss und trotz all dem werden die Ergebnisse immer nur verwaschen und unscharf aussehen, egal wie gut man mit Giotto und DSS schummelt, denn ausgleichen lässt sich nur eines, die Erdrotation. Die Bewegung unseres Sonnensystems um das Zentrum unserer Galaxie – welche mit 220 km/s stattfindet (792.000 km/h) – gleicht dies nicht aus! Was sich auch nicht ausgleichen lässt ist zum Beispiel aber auch die Annäherung der Galaxien zueinander oder voneinander weg, denn auch Galaxien bewegen sich relativ im All zueinander.

Nehmen wie die am weitesten von der Erde entfernte, aber noch mit freiem Auge sichtbare Galaxie, Andromeda her. Obwohl sie noch gut 2.538.000 Lichtjahre von unserer Galaxie entfernt ist bewegen sich beide, also die unsere und Andromeda mit knapp 410.000 km/h (114km/s) aufeinander zu. Betrachtet man aber die heliozentrische Radialgeschwindigkeit mit der sich M31 auf unsere Sonne zubewegt sprechen wir plötzlich sogar von 1.000.000 km/h (ca. 300 km/s).

Das ist aber alles nichts wenn man sich zB den Virgo Cluster ansieht, – welcher rund 50 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt ist - denn dort gibt es über 2000 Galaxien von denen die Spiralgalaxie NGC 4388 mit 2535 km/s bewegt (relativ von uns weg mit 1400 km/s). Das sind dann immerhin schon 5 Millionen km/h! Und während man 300 sec lang belichtet bewegt sich Virgo NBC 4388 um sage und schreibe 420.000 km weit von der Erde weg, das entspricht in etwa der Entfernung von der Erde zum Mond!

Klingt komisch für jemanden der sich nicht mit der Astrofotografie beschäftigt, ist aber so, und der Praxisbezug erschließt sich auch nicht auf den ersten Blick. Anders wird es erst, wenn man sich vor Augen führt, dass zB bei der Fotografie unseres Mondes trotz seiner relativen Größe am Firmament und seiner Nähe nicht einfach ist vernünftige, scharfe Fotos zu machen.

Dies liegt an seiner relativen Bewegung zur Erde, welche mit 3570 km/h oder 1 km/s relativ niedrig ist. Trotzdem ist es ratsam Belichtungszeiten von weniger als 1/60 sec zu wählen, möchte man halbwegs scharfe Fotos von unserem Trabanten machen.

In der Astrofotografie sind aber stundenlange Gesamtbelichtungszeiten an der Tagesordnung wenn es um Fotos von fernen Galaxien wie zB M31 (Andromeda) geht und die bewegt sich – wie wir vorher gelernt haben – nicht mit nur 1 km/s relativ zur Erde, sondern mit 300 km/s!

Spätestens an dieser Stelle wird auch dem Unbedarften klar, dass jedes Foto von M31 viel Photoshop erfahren muss um halbwegs den Eindruck eines scharfen Fotos vermitteln zu können.
Als kleines für uns Menschen recht belangloses Detail erwähne ich noch, dass unsere Galaxie lt den Computersimulationsmodellen der NASA in 4 bis 10 Milliarden Jahren mit M31 kollidieren wird.

Zum Glück hab ich da aber schon auswärts einen Termin…..

Irgendwie ist es doch spannend sich vorzustellen, dass man auch bei größtmöglicher Sorgfalt in der Astrofotografie immer nur ein winziges Problemchen eliminieren kann und mit einem Dutzend anderer leben muss.

Was ich damit sagen will…..

Egal wie viel Aufwand man auch treibt, am Ende ist und bleibt das Ergebnis der Astrofotografie immer ein Kompromiss aus Atmosphärischer Verschmutzung, Lichtverschmutzung, Unschärfe entstehend durch die relative Bewegung zueinander, der aktuellen Mondphase und der damit eingehenden Sonneneinstrahlung welche das Seeing verschlechtert und was weiß ich sonst noch alles….

Wenn man dies einmal verstanden hat lebt es sich auch viel entspannter, denn dann wird klar, dass die Perfektion die so mancher durch hunderte Aufnahmen und anschließendes stacken (aufsummieren von Lights, Darks, Flats und Biasaufnahmen mittels DSS) erreichen will, fast vergebene Liebesmüh ist.

Da werden für 5 - 10% weniger Rauschen, ein paar mehr Details und ein wenig intensivere Farben wertvolle Stunden in einer sternenklaren Nacht hergeschenkt.

Was für eine Verschwendung von wertvoller Lebenszeit…..

Apropos Lebenszeit.

Der Grund wieso Otto-Normalurlauber in Namibia nicht mit tollen Sternenfotos nach Hause kommen ist weder deren Unkenntnis der Materie, noch ein Mangel an guten Motiven, denn beides wäre im Überfluss vorhanden wenn man wochenlang unterwegs ist. Und wie Flickr beweist, sind viele sehr gute Fotografen unter euch!

Es ist schlicht und ergreifend die Zeit die fast jedem normalen Touristen fehlt. Denn wie untertags braucht es seine Zeit ein gutes Motiv zu finden und es anschließend abzulichten. Und in der Nacht fast ohne Licht, dauert dies umso länger.

Um wirklich gelungene Aufnahmen in der Nacht zu bekommen, muss man auch die ganze Nacht über fotografieren. Und dies wiederum setzt voraus, dass man nicht schläft während der Nacht. Ihr erkennt also wo das Problem liegt. Muss man am nächsten Morgen fit und munter sein und zur nächsten Destination aufbrechen, muss man auch schlafen. Deshalb machen die allermeisten auch nur ein zwei Fotos kurz vor dem zu Bett gehen.

Ein weiteres riesiges Problem bei Fotos in der Nacht ist – wer hätte sich das gedacht – die Dunkelheit. Das mag nun lustig klingen wenn man diesen Text am gut beleuchteten Arbeitsplatz oder zu Hause am Schreibtisch liest, in einer mondlosen Nacht aber, bei 21,7 mag/arcsec² ist es so finster wie im Arlbergtunnel nach einem Stromausfall.

Und wenn man als Fotograf nichts mehr sieht kann man auch kein Bild komponieren.

Das heißt, dass man egal was man fotografieren möchte, sich am besten schon untertags überlegt haben sollte wo man sein Stativ in der folgenden Nacht aufstellt und es dann bewaffnet mit einer Taschenlampe des Nächtens nur mehr durchführt. Auch das Scharfstellen ist ein nicht zu unterschätzendes Problem, denn entweder fokussiert man auf die Sterne und erhält damit schöne runde, punktförmige Sterne, oder man stellt auf den Vordergrund, die Landschaft scharf. Beides geht nicht.

Unerfahrene Fotografen werden nun einwenden, dass gerade bei einem 14mm die Schärfentiefe kein Problem darstellen kann, da sowieso fast alles scharf ist. Dem ist leider nicht so, denn sonst wären nicht fast bei allen meinen Sternenfotos aus 2012 die Sterne unscharf. Ich hatte mein Augenmerk hier offensichtlich zu sehr auf die Landschaften gelegt.

Zusätzlich zu der Zeit die man während der Nacht aufwenden muss, glauben viele es läge nur am guten Equipment das man mit sich herumschleppt. So scharen sich alleine schon wegen meines großen Gitzo Monsters immer wieder Amateure rings um mich und wollen genau von meinem Standpunkt aus fotografieren, als würde ich wissen wo der beste Platz ist?!

Auch ich bin früher diesem Irrtum aufgesessen und dachte ich müsse mit dem besten verfügbaren Equipment unterwegs sein und hatte an mich selbst den Anspruch mich mit nichts geringerem als dem Besten zufrieden zu geben. Hier tut es gut ein gewisses Alter und die damit eingehende Ruhe und Gelassenheit erreicht zu haben, von Weisheit will ich gar nicht sprechen.

Man erkennt irgendwann, dass selbst wenn sich die Technik und die Elektronik in den nächsten 50 Jahren nur in jenem Ausmaß weiterentwickelt wie sie es von 2005 bis 2015 getan hat, ein Handy bessere Fotos vom Mond machen wird als ich dies heute mit all meinem Wissen und den teuersten Stativ in einer ganzen Nacht hinbekommen kann.

Dies ist aber auch bei der Planung so einer lange vorbereiteten Reise eine sehr wichtige Erkenntnis, denn damit lebt es sich viel entspannter.

In Wirklichkeit ist es völlig egal mit welcher Kamera man was macht, denn wenn das Motiv sensationell ist, fragt kein Mensch nach dem letzten Quäntchen Schärfe oder Rauschfreiheit.
In meinem speziellen Fall bedeutete dies, dass ich versuchen würde schöne Fotos in der Nacht zu machen und dies wenn möglich noch vor einem tollen Sternenhimmel, ich würde aber nicht versuchen dem Hubble-Teleskop Konkurrenz zu machen.

Ich habe in diesem vorerst letzten Arbeitsauftrag in Südwest viel vorgehabt und fast alles dann auch tatsächlich in die Tat umgesetzt. Ich gebe allerdings zu, dass mehr notwendig war, als das richtige Equipment mit dabei zu haben, oder zu wissen wie man damit umgeht.

Besonders das Autofahren in der Nacht ist in Namibia leider ein sehr heikles Thema, wie ich schon 2012 erfahren musste. Wer hier unvorsichtig, vor allem aber zu schnell unterwegs ist macht zwangsläufig mit Tieren bis zur Größe eines Oryx Gesellschaft.

Wieso ich vom letzten Fotoabenteuer in Namibia spreche?

Mir ist natürlich bewusst, dass man nach wenigen Tagen in einem so fremden und weit entfernten Land nicht glauben sollte, etwas darüber zu wissen, oder gar eine abschließende Einschätzung treffen zu können, denn dies wäre sicher vermessen und gar nicht zutreffend. Was man allerdings sehr wohl machen kann ist, Eindrücke niederzuschreiben und sein ganz persönliches Fazit zu ziehen.
LG Wolfgang