Severin Safari Camp. Tsavo West NP, 18. Januar 2015Im Laufe des Vormittags ist es mir möglich, von der Küche aus drei Mal mit Toni zu telefonieren. Die Verbindung im Küchenschrank-Abteil ist zwar echt nerventötend, da sie andauernd unterbricht 😈 und die Leute mit den Töpfen rumklappern, aber immerhin haben wir ein wenig Kontakt. Toni tönt sehr schwach, trotzdem bin ich dankbar, dass er überhaupt ansprechbar ist. Diese Hin- und Herrennerei zwischen meinem Bungalow und der Küche macht mich ganz fertig. Ich finde keine Ruhe, kaum im Bungalow angekommen, zieht‘s mich wieder zurück in die Küche. Und kaum in der Küche angekommen, ziehts mich wieder zum Bungalow, in der Hoffnung auf Email-Nachrichten von irgendwem 🙁 .
Nach dem Mittag kommt dann eine Email von Dr. Hooker, dem behandelnden Arzt rein:
Hi, your husband has Guillain-Barré-Syndrome wich is a post-infectious complication of infectious diarrhea causing a nerve Problem resulting in profound muscle weakness. He is being moved to ICU. It is very likely that he will make a good recovery. Please contact us for further informations. Warm regards Dr. Juzar Hooker.Nachdem ich erst mal ergoogelt habe, was ein Guillain-Barré-Syndrom ist, bin ich total am Anschlag. Dann geh ich zu Jürgen ins Büro. Ich möchte von ihm wissen, was ICU ist. ICU sei „intensive care unit“ = Intensivstation, sagt er. Toni liegt also auf der Intensivstation 🙁 .
Gemeinsam durchforsten wir das Netz und lesen über diese Krankheit, von der wir bis anhin nicht mal gewusst haben, dass es sie gibt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Guillain-Barr%C3%A9-Syndromoder
http://www.dr-gumpert.de/html/guillain-barre-syndrom.htmlDefinition
Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine neurologische Erkrankung die auf einer Entmarkung (Demyelinisierung) von Nervenfasern beruht.
Um das 25. und um das 60. Lebensjahr liegen zwei Erkrankungsgipfel. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
Die Häufigkeit des Guillain-Barré-Syndrom liegt bei 1-2/100.000/ Jahr.Bitte googelt selbst, falls ihr mehr über diese fiese neurologische Erkrankung, die schwere Lähmungen hervorruft, erfahren wollt. Jedenfalls wird sie oft durch Durchfall oder Impfungen gegen Grippe oder auch Tollwut usw. ausgelöst.
Ich mag schon gar nicht mehr darüber lesen. 🙁
Und - versteht ihr nun, weshalb ich euch nicht vor Tonis Durchfallproblemen verschonen konnte? Sie gehören einfach zu der Krankheitsgeschichte, denn dadurch wurde dieses Syndrom ja schlussendlich erst ausgelöst. Das könnte euch übrigens auch passieren!
Im Moment weiss ich nicht weiter. Eigentlich hab ich nur zwei Optionen:
1. Ich lasse wie von Jürgen angeboten unser Fahrzeug hier im Camp stehen und fahre mitsamt unserem Gepäck per Bus oder Taxi nach Nairobi ins Spital.
Nachteil: Das Fahrzeug müsste gemäß kenianischen Vorschriften spätestens nach drei Monaten außer Landes gebracht werden und wer weiss, wie‘s um Toni in drei Monaten steht.
Oder
2. Ich fahre unser Fahrzeug nach Arusha in den Heimathafen und fliege von dort nach Nairobi.
Vorteil: In Tansania darf unser Fahrzeug ein volles Jahr stehen.
Nachteil: Ich müsste die ganze Strecke bis Arusha allein zurücklegen.
Am Abend kann ich fast nichts essen. Ich zermartere mir den Kopf, wie‘s nun weiter gehen soll. Eines ist aber ganz klar geworden - Toni wird nicht mehr ins Severin Safari Camp zurückkehren können.
Bilder gibt’s heute leider keine.
Fortsetzung folgt………………