Kriminalität

193 Antworten · 31,2k Aufrufe · gestartet 24. Okt. 2014 von Rainer 1
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9 Beiträge · seit 202425. Dez. 2024 · #101
Hallo zusammen,

wir waren in den letzten Jahren 5 mal als Selbstfahrer in Namibia (und Botswana) unterwegs.
Jedesmal mehrere Wochen, in Lodges und auch im Dachzelt.

Wir haben keine schlechten Erfahrungen gemacht.
OK, wir sind umsichtig und benutzen den Verstand (gesunder Menschenverstand).
Wenn wir jedem misstrauen würden, dann blieben wir zuhause.

Viel Spaß weiterhin.
2'462 Beiträge · seit 200626. Dez. 2024 · #102
Seyko schrieb:Liebe Sanne,

Wenn du allen Ernstes erklären willst, dass Berlin eine sichere Stadt ist, hat sich die Diskussion doch schon erledigt. Aber was hat Berlin mit Kriminalität in Namibia zu tun? Warum nimmst du an, dass sei ON TOPIC? Viele andere Aussagen, die Schreiber vor dir getätigt haben, gehen für mich als on topic einher, da es persönliche Erfahrungen beschreibt. Wenn jemand nach Statistiken reisen möchte, kann er/sie/es gerne tun, benötigt dafür aber kein Forum, wo es um "Erfahrungsaustausch" geht. In dem Fall reicht der Besuch der Seite des auswärtigen Amtes.

Btw. selbstverständlich hat der "gesunde Menschenverstand" viel damit zu tun, ob ich in ein Risiko gerate oder nicht. Das ist eben nichts, was mit Logik zu tun hat, sondern mit dem Erfassen einer Situation und einer sinnvollen Handlung. Dier Nummer mit den Parkplatzwächtern hat mir im Bauch weh getan. Du beschreibst dich selber als reiseerfahren und listet die Länder im südlichen Afrika auf und dann kommst du mit so einer Aussage daher, die als "Beleg" dienen soll für hohe Kriminalität? Schäm dich ruf ich dir da entgegen.
Du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass jemand in einer FNB gesponsorten Wächterweste auch nur einen Finger krumm machen würde, wenn da einer mit nem Vorschlaghammer, einer Schusswaffe oder einem Messer kommt um dein Auto leerzuräumen, oder?
Bei diesen Jobs geht es darum, Menschen von der Strasse zu holen, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich zu versorgen und eine Perspektive zu erhalten. Das nennt sich Prävention. Ist dasselbe wie die Leute, die mit dem Besen den Sand gerade ziehen in Lodges oder auf privaten Plots. Das ist in einer Gesellschaft wichtig und weltweit identisch. Lediglich das Niveau der "Unterstützung" variiert und ist abhängig vom wirtschaftlichen Level einer Gesellschaft. Die Wächter sind zudem eine Möglichkeit, als Tourist mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen und etwas Smalltalk zu betreiben. Dasselbe gilt für die Helferlein im Supermarkt, die dir deine Einkäufe zum Wagen bringen.

OT Zu guter Letzt: Von mir geschätzte Mitglieder dieses Forums sind am Anfang einer mehrmonatig geplanten Reise in Italien auf dem Supoermarktparpkplatz leergeräumt worden, als sie einkaufen gingen. Die Reise war an diesem Tag beendet, bevor sie begonnen hat. Das sind Leute mit Jahrzehnten Reiseerfahrung. Was sagt denn da die Statistik? OT Ende

Liebe Grüsse
Guido
Guten Abend,

es macht wenig Sinn zu diskutieren, wenn Du persönliche Erfahrungen und subjektive Erlebnisse über Statitiken stellst. Alles, was ich sage, ist, dass viel Reiseerfahrung durch objektive Gefahren relativiert wird. Du darfst gern die Statistik in Frage stellen, aber wo in Deutschland stehen bewaffnete Männer vor Malls? Wo wird darauf hingewiesen, sich besser kein Taxi von der Straße zu fangen? Wo stehen Schilder wie "high crime area"? Wo in Deutschland warnen Einheimische, bestimmte ATMs nicht zu nutzen?

Selbst in Berlin, dem slum, wie es ein FoMi so liebevoll benannte, gibt es sicher Ecken, die man nachts meiden sollte. In den touristischen Ecken ist die Stadt absolut sicher und ja auch nur unerheblich größer als Swakop oder Windhuk.
Berlin ist ontopic als Vergleich, weil jemand behauptet hat, Namibia wäre vergleichbar sicher oder "gefährlich" zu Deutschland. Das wird aber nicht wahrer, nur weil man das ein oder andere Mal dort nicht überfallen wurde. Windhoek ist so groß wie Hannover, bewaffneter Raub findet dort aber nicht statt - Handtaschendiebstahl vermutlich schon.

Hier im Forum wird diskutiert, wie viele Rand man einem Parkplatzwächter geben sollte. Ich bin überzeugt, dass niemand ernsthaft annimmt, für das Geld verteidigt der nun meinen Mietwagen mit seinem Leben, muss er auch nicht. Im Gegenzug bin ich aber auch nicht bereit, Geld dafür zu zahlen, mit jemandem in Kontakt zu treten. Es ist natürlich auch nicht das Gleiche, ob Lodges Angestellte haben, um den Hof zu fegen oder ob Touristen animiert werden, Almosen an Parkwächter zu verteilen, weil der Staat es nicht hinbekommt Erstere haben eine Job, andere sind am Ende perspektivlos.

Man kann diese Länder auch sehr gern bereisen und dennoch nicht die Augen vor der Realität verschließen. Die Idee, da "wäre es überall so sicher wie bei uns" ist falsch und ignoriert, dass die Kriminalitätsstatistik etwas ganz Anderes sagt und die Gründe überwiegend in der Armut und Perspektivlosigkeit liegen.

Ob mein Auto ausgeräumt wird, wäre mir persönlich völlig egal, sofern ich unversehrt bleibe. Dem angeblichen "Menschenverstand" stelle ich mal die Threads zu "Touristen Opfer von Raubüberfall mit Todesfolge in Namibia auf Rastplatz in XY am hellichten Tage" entgegen. Die gibt es hier ja immer mal wieder - allerdings kann ich mich nicht erinnern, Vergleichbares über Deutschland in den letzten 30 Jahren gelesen zu haben.

Viele Grüße

Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
537 Beiträge · seit 202026. Dez. 2024 · #103
“Touristen Opfer von Raubüberfall mit Todesfolge in Namibia auf Rastplatz in XY am hellichten Tage"
Kannst du da mal ein paar Beispiele nennen? Da es sie ja „immer mal wieder“ geben soll, hätte ich sie beim Googlen finden können - hab ich aber nicht.

Ich stimme dir tatsächlich zu, dass es in Namibia häufiger zu Kriminalität gegenüber Touristen kommt als in Deutschland. Und natürlich liegt der Grund in der wesentlich niedrigeren Einkommensstruktur und hohen Arbeitslosigkeit. Dennoch sind, relativ gesehen, die Zahlen angesichts dieser Gründe verschwindend gering, und tatsächlich ist es die eigene Verhaltensweise (aus dem gesunden Menschenverstand heraus), die sehr oft über Unversehrtheit (auch des Eigentums) oder Diebstahl entscheidet.
Ganz allgemein halte ich es für verkehrt, die Kriminalität Namibias mit der Deutschlands via Statistiken zu vergleichen. In unsere Weihnachtsmärkte ist zB noch nie jemand mit dem Auto reingefahren und hat dabei Menschen umgebracht. Dagegen sterben bei uns die meisten Menschen bei Unfällen weltweit.
Übrigens sind Vorfälle mit Taxis und Touristen äußerst selten. Gibt es in Deutschland eigentlich noch Taxis, die auf der Suche nach Kunden durch die Stadt fahren und die man mit einer Handbewegung anhält? Wo wir wohnten, gab es nur Anruftaxis. Und mit Anruftaxis gibt es in Namibia überhaupt keine Probleme.
Mir fällt jetzt auf die Schnelle auch keine Mall in Windhoek ein, wo bewaffnete Sicherheitsleute auf dem Parkplatz stehen, wohl aber Polizeipräsenz in Deutschland auf Weihnachtsmärkten, und die Durchsuchung von Handtaschen älterer Damen auf Messer.

Es sollte also doch immer mal differenziert werden.
1'095 Beiträge · seit 200926. Dez. 2024 · #104
Guten Tag Sanne,

um das Ganze mal wieder on topic zu bringen:

Mir ist keine einzige Mall in Namibia bekannt, vor der bewaffnete Menschen zum Schutz der Bevölkerung stehen. Wo soll sich diese Mall befinden? Belege bitte.
Mir ist in Namibia kein einziges Schild bekannt, auf dem „High Crime Area“ steht (Das kenne ich nur aus bspw. Musina in Südafrika).
Ich kenne aus Namibia sowieso keine Warnhinweise vor Gegenden. Wo sollen die sein? Belege bitte.
Der Hinweis auf Taxis ist mehr als sinnvoll. Das hat damit zu tun, dass es in Namibia zwei Arten von Taxis gibt. Durch den Hinweis vermeidest du, als Tourist aus Versehen in einem Ovambo Taxi zu landen .Jedes Guesthouse oder auch Restaurant ist behilflich mit einem Taxi, dass touristischen Standards entspricht. Das ist überhaupt kein Ding.
Die Aussage über Parklplatzwächter ist von deiner Seite an Arroganz nicht zu überbieten. Das nächste Mal wenn du in NAM bist, lass es mich wissen. ich mache dich mit Wächtern bekannt, die davon leben und durch diesen Job eine Perspektive erhalten haben. Sie bauen sogar eine Beziehung zu dir auf, wenn sie dich öfter sehen. Ich habe noch keinen von ihnen je betteln gesehen bzw die Situation ausnutzen. Ich kann diese Aussage nicht auf das ganze Land übertragen - das wäre absurd. Ich kann aber sicher sagen, dass die Unterstützung in dieser Form präventiv wirkt und auch funktioniert. Diese Jungs wirken übrigens schon - gegen kleinkriminelle Opportunisten.

Der Rest deines Textes ist voller Allgemeinplatitüden, dass es da gar keine sinnvolle Antwort darauf gibt.

Liebe Grüsse
Guido

Nachtrag:
Im Leben gibt es nirgends Garantien. Auch im Busch kann ich mich „korrekt“ verhalten und dennoch Opfer eines Elefantenangriffs werden o.ä. Letzte Risiken bleiben immer. Das ist überall auf der Welt so. Das Problem bei Statistiken liegt imho darin, dass das eigene Risiko dabei nicht greifbar wird. „Kriminalität“ ist ein allgemeiner Begriff und die Statistiken unterscheiden nicht zwischen Einheimischem und einem Touristen. Genau aus dem Grund halte ich die Kombination aus Wissen - um Missverständnissen vorzubeugen (bspw. was ist ein Ovambo Taxi?) - und Erfahrungsberichten für effektiver als das nackte Studieren von Statistiken.
Meine Frau und ich sind insgesamt ca 3 Jahre in unserem eigenen Auto im südlichen Afrika unterwegs gewesen. Wir haben nirgends eine einzige schlechte Erfahrung gemacht. Das finde ich schon beachtlich, denn die Wahrscheinlichkeit sollte dagegen sprechen. Wir haben allerdings gewisse Grundregeln beachtet, die immer gesetzt waren. Dazu haben wir uns mit anderen Reisenden ausgetauscht und Erfahrungen anderer in unsere Überlegungen einbezogen. Damit will ich nicht negieren, dass Touristen nicht überfallen werden - das wäre selbstverständlich idiotisch. Manchmal ist man zur falschen Zeit am falschen Ort und dann hat es einen erwischt, obwohl man alles "richtig" gemacht hat. Allerdings gehört zur Wahrheit auch dazu, dass die allermeisten Betroffenen "Fehler" begangen haben und selbst einen Anteil am Geschehen haben. Der grosse Vorteil, den ich in Namibia ggü anderen Ländern erkenne, liegt darin, dass der Namibier kein "Krieger" ist. Die Menschen sind grundsätzlich sehr friedliebend. Deshalb halte ich es auch für sehr wichtig, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.
zuletzt bearbeitet 26. Dez. 2024
128 Beiträge · seit 202426. Dez. 2024 · #105
makis schrieb:Ich stimme dir tatsächlich zu, dass es in Namibia häufiger zu Kriminalität gegenüber Touristen kommt als in Deutschland. Und natürlich liegt der Grund in der wesentlich niedrigeren Einkommensstruktur und hohen Arbeitslosigkeit.


Da möchte ich widersprechen. Es gibt keinen kausalen Zusammenhang arm = kriminell. In einigen asiatischen Ländern herrscht mehr Armut als in Namibia und trotzdem gibt es da diese gegen Touristen gerichtete Kriminalität nicht. Die, die in Namibia Touristen ausrauben, die machen das nicht aus purer Not, um sich von der Beute dann ein Brot und eine Packung Maismehl leisten zu können und so ihre Familie vor dem Hungertod zu retten.
makis schrieb:Ganz allgemein halte ich es für verkehrt, die Kriminalität Namibias mit der Deutschlands via Statistiken zu vergleichen. In unsere Weihnachtsmärkte ist zB noch nie jemand mit dem Auto reingefahren und hat dabei Menschen umgebracht.
Letzteres fällt zwar auch unter Sicherheitsrisiken, hat aber in der Regel wenig mit Kriminalität zu tun, sondern fällt unter islamistisch oder rechtsextrem motivierten Terrorismus. Der ist in Namibia in der Tat kaum ein Thema.

Viele Grüße
7'296 Beiträge · seit 200626. Dez. 2024 · #106
ewbabmiz schrieb:
makis schrieb:Ich stimme dir tatsächlich zu, dass es in Namibia häufiger zu Kriminalität gegenüber Touristen kommt als in Deutschland. Und natürlich liegt der Grund in der wesentlich niedrigeren Einkommensstruktur und hohen Arbeitslosigkeit.


Da möchte ich widersprechen. Es gibt keinen kausalen Zusammenhang arm = kriminell. In einigen asiatischen Ländern herrscht mehr Armut als in Namibia und trotzdem gibt es da diese gegen Touristen gerichtete Kriminalität nicht. Die, die in Namibia Touristen ausrauben, die machen das nicht aus purer Not, um sich von der Beute dann ein Brot und eine Packung Maismehl leisten zu können und so ihre Familie vor dem Hungertod zu retten.

Da spielen aber andere Gründe noch eine wichtige Rolle. In vielen in Asien verbreiteten Religionen (Buddhismus, Hinduismus, Sikhismus) ist Geisterglaube, Wiedergeburt und Karma ein zentraler Punkt. Wer sich im Leben schlecht verhält, wird in seinem nächsten Leben dann halt z.B. als Regenwurm geboren. Das will man nicht so gerne ... 😉

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
128 Beiträge · seit 202426. Dez. 2024 · #107
BikeAfrica schrieb:
Da spielen aber andere Gründe noch eine wichtige Rolle. In vielen in Asien verbreiteten Religionen (Buddhismus, Hinduismus, Sikhismus) ist Geisterglaube, Wiedergeburt und Karma ein zentraler Punkt.
Ich weiß nicht, ob ich mich schlecht ausgedrückt habe, aber genau darauf wollte ich ja hinaus. Hohe Armut/Arbeitslosigkeit = hohe Kriminalität ist eben falsch, sondern es sind eher soziokulturelle Gründe, Religion, staatliche Strukturen bzw. die Abwesenheit dieser, die diese Form der Kriminalität befördern oder hemmen.

Pauschalisieren kann man auch da nicht mehr, aber auch in vielen islamischen Ländern gibt es kaum Diebstahl-/Raubkriminalität. Jahrhundertelang gab es da für Diebstahl die barbarische Strafe des Handabschlagens. Einmal geklaut und Dein Leben war hinüber. Man konnte nicht mehr arbeiten und für den Rest des Lebens hat einem jeder auf den ersten Blick angesehen, was man gemacht hat. Das hat einige Gesellschaften/Völker jahrhundertelang tief geprägt.

Viele Grüße
29 Beiträge · seit 202427. Dez. 2024 · #108
>"Windhoek: wenn man da so mitliest, hat man das Gefühl, sobald man ein Foto macht, wird man als Tourist identifiziert & hat sein Handy gleich nicht mehr in der Hand…"

Habe zwei Wochen in Windhoek verbracht und mich niemals irgendwie bedroht gefühlt, auch nicht in Taxis oder so. Die Hitze nervte und die "Trickbetrüger" (in Abgrenzung zu armen Bettelfrauen und -kindern nenne ich so die Typen, die dich eine Viertelstunde lang auf deutsch mit ihren Lebensgeschichten vollquatschen, bevor sie zur "Spende für ein Kinderheim" kommen).
1'677 Beiträge · seit 200727. Dez. 2024 · #109
Ich kann Seyko/Guido weiter oben nur zustimmen. Aber weil er schreibt "Meine Frau und ich sind insgesamt ca 3 Jahre in unserem eigenen Auto im südlichen Afrika unterwegs gewesen. Wir haben nirgends eine einzige schlechte Erfahrung gemacht", dazu meine andekdotische Evidenz:
Wir haben in über 30 Jahren fast vier Jahre mit eigenem Auto dort verbracht. Zwei Diebstähle: in Grootfontein an der Hauptstraße beim Einladen vorm Supermarkt, jemand greift vorne ins Auto. War ein Hotspot, ist dort öfter passiert. Campsite Tautona Lodge bei Ghanzi, wir einzige Camper, abends kurzer Spaziergang auf dem Gelände, Auto unverschlossen. War ein Insider Job des Parkwächters, wie sich dann herausstellte. 3 Jahre ohne irgendwas ist wohl tatsächlich Glück. Erstaunlicherweise war bei uns in Südafrika nie was.
Makalani-Schnitzer und ähnliches sind natürlich auch schlechte Erfahrungen, aber halt was ganz anderes.
Südliches Afrika seit 1992: 49 Reisen, 1.369 Tage, 174.380 km, 493 Vogelarten
1'095 Beiträge · seit 200927. Dez. 2024 · #110
Wolfgang,

ein klitzekleines „aber“…

Ich zitiere dich: „ wir einzige Camper, abends kurzer Spaziergang auf dem Gelände, Auto unverschlossen. War ein Insider Job des Parkwächters, wie sich dann herausstellte.“

Ok, Fall 2 vermeidbar.

Fall 1: Wir haben es immer so gehandhabt, dass wir Einkäufe an "Trubelplätzen" nur als Ganzes ins Fahrzeug gelegt haben und dann zeitnah an einem geeigneten Auto angehalten haben um es in Ruhe zu versorgen. Vielleicht wäre es so bei euch auch vermeidbar gewesen. Aber egal wie: 1 Fall von einfachem Diebstahl in 4 Jahren Dauerpräsenz ist nun auch absolut akzeptabel.

Man muss sich ja auch mal die Zeiträume klar machen. 4 Jahre sind round about 40 Reisen a 1 Monat Dauer.

Liebe Grüsse
Guido
107 Beiträge · seit 201727. Dez. 2024 · #111
In Windhoek schärfte uns unsre Vermieterin ein, wir dürfen nach unsrem Dinner in Joes Beerhouse ja nicht raus vors Gebäude um uns dort ein Taxi zu rufen, sondern müssen drin an der Rezeption Bescheid geben wenn wir fahren wollen, dann holt uns ein Taxifahrer drinnen ab und begleitet uns zu seinem Taxi.
In Swakopmund sagte uns die Besitzerin von Sophia Dale, wir sollen nicht mit einem Taxi in die Stadt und wieder retour fahren sondern nur mit dem eigenen Auto, weil es gängige Praxis sei, dass Taxifahrer während dem Rückweg uns den vielfachen Preis abknöpfen wollen, und falls wir uns weigerten, lassen sie uns auf halben Weg auf der Straße stehen.
Auf Supermarkt Parkplätzen sollte bestenfalls immer jemand beim Auto bleiben.

Sowas kann mein "gesunder Menschenverstand" aus Mitteleuropa nicht wissen und nicht selber einschätzen.

Ob diese Gefahren real oder übertrieben sind, kann ich als Ausländer auch nicht selber bewerten, ich muss mich auf den Rat der Einheimischen verlassen.

Jedenfalls bekommt als Tourist suggeriert, man sei ständiger Gefahr ausgesetzt.
537 Beiträge · seit 202027. Dez. 2024 · #112
Tini___ schrieb:
Sowas kann mein "gesunder Menschenverstand" aus Mitteleuropa nicht wissen und nicht selber einschätzen.

Ob diese Gefahren real oder übertrieben sind, kann ich als Ausländer auch nicht selber bewerten, ich muss mich auf den Rat der Einheimischen verlassen.

Jedenfalls bekommt als Tourist suggeriert, man sei ständiger Gefahr ausgesetzt.
Ueberleg doch mal: die Vermieterin/Gastgeber wollen natuerlich jeglichen Schaden an ihren Gaesten vermeiden, und werden deshalb groessere Vorsicht ausrufen, als moeglicherweise noetig waere. Wenn wir mal im Joes essen gehen, muessen wir auch zum Parkplatz laufen (manchmal der ueber der Strasse), und werden da nicht jedes Mal ueberfallen. Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass in der ueberwiegenden Mehrheit der Faelle, wo Touristen an der Strasse auf ihr Taxi warten, ueberhaupt nichts passiert - aber WENN es halt passiert, und die Leute wurden nicht gewarnt, dann sieht das nicht so gut aus. Wie das mit den Taxis in Swakopmund ist, kann ich nicht beurteilen - aber wenn es da auch Lefa gibt oder eben Firmen, die Taxidienste anbieten, wuerde ich denken dass das Risiko ausgesetzt zu werden sehr gering ist.
In Prag zB wurden wir auch gewarnt, unsere Taschen vorne am Koerper gut festzuhalten, aber das haette mir keiner zu sagen brauchen - alleine die dicht gedraengte Menschenmenge hat mir rote Flaggen gezeigt. Gelegenheit macht nunmal Diebe.

Also: die Suggestion, dass alle Touristen staendig Gefahren ausgesetzt seien, ist vollkommen uebertrieben, aber wir Einheimischen muessen die Touristen natuerlich darueber aufklaeren, was passieren KANN, wenn man nicht aufpasst.
Als wir in Namibia ankamen (das war 2006), hat unser deutscher Bekannter, bei dem wir in den ersten Wochen unterkamen, mir auch Warnungen gegeben, die ich damals als absurd empfand, und auch heute noch nach 18 Jahren Namibia. Mangels Handtasche stopfte ich mir meinen Geldbeutel hinten in den Hosenbund. Als er das merkte, zischte er mich an: "Das kannst du nicht machen, die klauen dir das!" Niemand hat mir jemals den Geldbeutel aus der Hose geklaut....
Als ich mal mit ihm im KH sass, und die Vorbeigehenden alle anlaechelte und auch teilweise freundlich gruesste (ich fand deren Frisuren immer so schoen, und sie waren alle so nett und freundlich) meinte er zu mir: "Lach die nicht so an, die ziehen dich hinter den Busch und tun dir was an!" Niemals in 18 Jahren hat mich irgendwer hinter irgendeinen Busch gezerrt, nur weil ich ihn angelaechelt hab (und auch sonst nicht 😄 ). Er hatte ein Geschaeft und viel mit Diebstahl durch das eigene Personal zu kaempfen, somit war er auch davon ueberzeugt, dass wir genauso beklaut werden wuerden - die Ereignisse, wo uns etwas gestohlen wurde von Angestellten, lassen sich aber an einer Hand abzaehlen.
Unser erstes Auto hatte keine Zentralverriegelung, und wenn ich unterwegs war, hab ich die Tueren nicht verriegelt. Meine damalige Bekannte hat mir dann erklaert, dass das extrem risikoreich sei. Mein Hilux hat Zentralverriegelung, und aus Gewohnheit benutze ich sie auch beim Fahren, aber noch nie hat jemand versucht, meine Tueren aufzumachen. Das heisst nicht, dass es nicht passieren kann - darum treffe ich ja die Vorsichtsmassnahme - aber halt mir noch nicht, und ich hoere auch nicht, dass es regelmaessig vorkommt.

DAS meine ich mit gesundem Menschenverstand. Einfach ueberlegen, wo ein Risiko sein koennte, und dann entsprechend vorsorgen, aber immer mit dem Hintergedanken, dass dies nicht bedeutet, dass man 24/7 auf der Hut sein muss weil einem mit Sicherheit sonst jemand etwas antut.
145 Beiträge · seit 201727. Dez. 2024 · #113
Seyko schrieb:
Mir ist in Namibia kein einziges Schild bekannt, auf dem „High Crime Area“ steht
Am Avis-Dam stand zumindest bis letztes Jahr eins.
Dieses Jahr hab ich mich in Windhoek grob in der Region Olympia/Auablick verfahren. Dort stand auch eins an einer Straße durch die Hügel. Wo genau dort weiß ich nicht mehr, nur dass an der Strasse durch die Hügel noch keine wirkliche Bebauung war, aber schon dafür vorbereitete Flächen mit Wegen (sehr seltsam) und man in der Entfernung das State House auf einem Hügel sah.
Diese Schilder gibt es also schon.

Trotzdem ist Namibia ein schönes Urlaubsland. Von daher verstehe ich die latente Aggressivität nicht, die hier im Forum manchmal aufkommt, wenn das Thema Kriminalität angesprochen wird.
zuletzt bearbeitet 27. Dez. 2024
275 Beiträge · seit 201327. Dez. 2024 · #114
Die "High crime Schilder" stehen immer noch: beim Stadtteil Auasblick und oberhalb des Neubaustadtteils von "Kleine Kuppe". Ich war schon lange nicht mehr beim Avisdamm, aber da standen sie auch und Bekannte von uns (Besucher aus Übersee!) sind da überfallen worden. Wer hier lebt, bekommt ein Gespür für gefährliche Situationen und verhält sich meist automatisch richtig. Bei Erstbesuchern bin ich manchmal überrascht ob deren Naivität und Unbekümmertheit. Da ist Aufklärung wichtig. In einer fremden Umgebung/fremden Land bin ich auch erst mal unsicherer, was die Sicherheit in bestimmten Situationen angeht. Deshalb informiert man sich ja vorher. Mit angemessener Information und "gesunder Achtsamkeit" erlebe ich Namibia als ziemlich sicher. Zu einem Vergleich mit Deutschland kann ich nichts sagen. LG, chrisanna, die in 9 Jahren noch nie beraubt oder überfallen wurde.
zuletzt bearbeitet 27. Dez. 2024
80 Beiträge · seit 201327. Dez. 2024 · #115
Kleine Information vorweg: wir hatten vor, unseren Land Rover nach Südafrika zu verschiffen und dort monatelang herumzureisen. Leider haben wir auf einer kürzlichen Reise durch Marokko den Eindruck gewonnen, dass unser Fahrzeug nicht mehr zuverlässig genug ist für ein solches Projekt.
Will heißen:
Während im Fall des Falles z.B. in Ländern wie Iran oder Saudi-Arabien damit zu rechnen wäre, dass uns jede mögliche Hilfe zuteil würde, dürften wir im südlichen Afrika eher damit rechnen, durch ein liegen gebliebenes Fahrzeug zur leichten Beute von Kriminellen zu werden, wobei wir froh sein dürften, wenn wir "nur" komplett ausgeraubt werden würden, ohne verletzt oder getötet zu werden.

Da dieses Projekt also gestorben ist, habe ich das Forum aktuell nur sporadisch verfolgt.
Eines ist mir aber aufgefallen: immer wieder ist davon die Rede, jemand habe einen "Fehler" begangen und sei deshalb Opfer eines Verbrechens geworden.

Meines Erachtens bewegt sich diese Argumentation auf dem gleichen Level wie die Argumentation, frau sei selber schuld vergewaltigt worden zu sein. (Wäre sie nicht dorthin gegangen, hätte sie nicht dies oder jenes gesagt, sich anders angezogen, etc., dann wäre ihr auch nichts passiert.)
Im Fall von Vergewaltigung wäre so gut wie jeder empört über eine Argumentation, die dem Verbrechensopfer die Schuld zuweist. Das scheint im Zusammenhang mit einem Raubüberfall im südlichen Afrika aber anders zu sein. Mich wundert jedenfalls, dass niemand gegen diese Sichtweise protestiert.
Das möchte ich hiermit ausdrücklich nachholen... 🤢
Mehr Worte muss ich dazu wohl nicht machen, denn ich habe keine Lust auf Zoff zu Weihnachten.

Was die Behauptung betrifft, Verbrechensrisiken gebe es "überall":
Ich kann allein nachts schlafwandelnd durch die dunkelsten Gassen Tokios gehen, und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird mir absolut kein Leid geschehen.
Und ja - es gibt in DE und EU Vorfälle auf Weihnachtsmärkten. Aber das sind seltene Ausnahmen, die sich nicht mit den hohen Verbrechenszahlen in Afrika vergleichen lassen. Auch wenn wir im Zuge der Migrationspolitik inzwischen auch schon deutlich andere Verhältnisse bei uns haben als früher.

Ich reise viel und gern, aber ich fühle mich nicht wohl, wenn ich in jedem Augenblick auf einen Überfall gefasst sein soll.

Ich jedenfalls habe wieder einmal fertig mit dem Thema Südliches Afrika - nicht anders als vor 10 Jahren, als ich schon mal ernsthaft daran dachte für längere Zeit nach SA zu reisen und dann von einem absoluten Horror-Überfall erfahren habe, wie er weder in Magdeburg noch in Berlin und erst recht nicht in Vietnam, Kuba, Iran, China oder Japan auch nur vorstellbar(!) gewesen wäre.
(Letztere Bemerkung für den gar nicht so seltenen Fall, dass jemand bei Kritik dieser Art empfehlen möchte 'dann fahr doch nach Mallorca'. LOL )
zuletzt bearbeitet 27. Dez. 2024
107 Beiträge · seit 201727. Dez. 2024 · #117
Nun ja, Namibia war bisher das einzige Reiseland, in welchem wir solche Ratschläge erhalten haben.
In diversen Nord/Mittel/Südamerikanischen Ländern mit den unterschiedlichsten Kriminalitätsraten hieß es immer lediglich, man solln sich außerhalb der touristischen Zentren immer ein Taxi nehmen, und als Frau mach Möglichkeit bei Dunkelheit nicht allein unterwegs sein. Ok. Nur in Namibia gab's viel strengere Ratschläge.
Und wie gesagt, ich maße es mir nicht an, die Ratschläge der Einheimischen beiseite zu wischen, sie kennen ihr Land am besten.
1'127 Beiträge · seit 202227. Dez. 2024 · #118
Weil es sowieso nur mehr OT ist, im Sinne von nicht „Anekdotisch“

Das Thema wurde ja für NAM, RSA …. Xfach durchgekaut, aber die letzten Seiten haben tw. echten Unterhaltungswert. Danke dafür. Ein echtes Schmankerl sind die kontroversen Wahrnehmungen der Sicherheitsrisiken (für Touristen!!!!), mit 180°-Wende der Argumente der Wortführer, je nach Länderpräferenz mit politischer Schlagseite. Und das von Leuten, die schon viele Jahre und in Summe mehrere Jahre dort waren, ohne nennenswert zu (Sach)Schaden gekommen zu sein….. was natürlich über das Sicherheitsrisiko für Touristen nichts aussagt 😎 und nur deren Umsicht zu verdanken ist. Und bei der Begründung wird auch kein noch so blödsinniges Klischee ausgelassen, wie z. B.
"…….. Der grosse Vorteil, den ich in Namibia ggü anderen Ländern erkenne, liegt darin, dass der Namibier kein "Krieger" ist. Die Menschen sind grundsätzlich sehr friedliebend……"

Bei so viel Afrikapsychekenntnis könnte das Wesentliche auf der Strecke bleiben, z. B.:
Erfahrene Reisende können Situationen einschätzen und haben sich Verhaltensweisen antrainiert. Leute ohne diese (Landes)Kenntnisse könn(t)en davon profitieren. Dafür sind Reiseforen da. Das ist aber nur Risikominimierung (und das ist schon sehr viel!!!) aber nie Risikoausschließung. Denn die meisten Eigentumsdelikte werden von Profis ausgeführt und gegen die hat man (fast) keine Chance, wenn sie es durchziehen. Die vielen hier genannten Verhaltensregeln helfen aber dabei, nicht als Opfer auserwählt zu werden. Das hilft schon, denn

Das Böse ist immer und überall
,https://www.youtube.com/watch?v=KYiNcxBqmsE

wie z. B. Alltag in A:
Jugendbande knackte Hunderte Autos
Obwohl sie bereits im April aufgeflogen war, hat eine Jugendbande in Ostösterreich offenbar weiterhin Straftaten begangen. Wie die Wiener Polizei am Donnerstag mitteilte, soll die Bande mittlerweile rund 1.200 Taten begangen haben, darunter Hunderte Pkw-Einbrüche.

https://wien.orf.at/stories/3286793/

Fazit: Urlaub in der Wachau gestrichen und Glauben an das Reisewohlgefühl verloren?
zuletzt bearbeitet 27. Dez. 2024
537 Beiträge · seit 202027. Dez. 2024 · #119
my4seasons schrieb:
Eines ist mir aber aufgefallen: immer wieder ist davon die Rede, jemand habe einen "Fehler" begangen und sei deshalb Opfer eines Verbrechens geworden.

Meines Erachtens bewegt sich diese Argumentation auf dem gleichen Level wie die Argumentation, frau sei selber schuld vergewaltigt worden zu sein. (Wäre sie nicht dorthin gegangen, hätte sie nicht dies oder jenes gesagt, sich anders angezogen, etc., dann wäre ihr auch nichts passiert.)
Im Fall von Vergewaltigung wäre so gut wie jeder empört über eine Argumentation, die dem Verbrechensopfer die Schuld zuweist. Das scheint im Zusammenhang mit einem Raubüberfall im südlichen Afrika aber anders zu sein. Mich wundert jedenfalls, dass niemand gegen diese Sichtweise protestiert.
Das mag daran liegen, dass die Erwähnung eines Fehlers nicht automatisch eine Schuldzuweisung beinhaltet.
Worum geht es denn im Wesentlichen? Doch darum, dass man unversehrt bleibt und nicht bestohlen wird. Wenn man da Fehler macht, kann es passieren, dass böse Menschen das dann ausnutzen. Natürlich sind dann immer noch die bösen Menschen Schuld, aber der Schaden ist dann passiert.
Ich hatte zB mal einen Unfall, wo ich einem Fahrzeug seitlich reinfuhr, das aus einer Nebenstraße ohne anzuhalten meine Hauptstraße querte. Instinktiv wich ich nach rechts aus, allerdings wäre links die bessere Wahl gewesen, da hätte ich den Aufprall vermeiden können. Klar war der andere Schuld, aber ich habe einen Fehler gemacht, und hatte dann ein kaputtes Auto. Was nützt mir da, dass ich nicht Schuld war?
Das, und nichts anderes, ist gemeint, wenn man hier auf vermeidbare Fehler hinweist - das hilft dann hoffentlich anderen dabei, vorsichtiger zu sein.
my4seasons schrieb: Ich reise viel und gern, aber ich fühle mich nicht wohl, wenn ich in jedem Augenblick auf einen Überfall gefasst sein soll.
Das kann ich verstehen. Ich war noch nie in SA, vielleicht muss man da so denken. Für Namibia gilt das nicht.
537 Beiträge · seit 202027. Dez. 2024 · #120
tacitus schrieb:
Erfahrene Reisende können Situationen einschätzen und haben sich Verhaltensweisen antrainiert. Leute ohne diese (Landes)Kenntnisse könn(t)en davon profitieren. Dafür sind Reiseforen da. Das ist aber nur Risikominimierung (und das ist schon sehr viel!!!) aber nie Risikoausschließung.
Dem kann ich nur zustimmen!
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