Erika schrieb:Freki schrieb:Ansonsten halte ich die Vorstellung für reichlich amüsant, wenn man sich permanent im Jeep oder Flugzeug durch Afrika bewegt und dann meint, ein Naturliebhaber zu sein.
Falls du nicht zu den wenigen Typen gehörst, welche jeweils zu Fuss von Europa nach Afrika trampen, steht dir diese völlig überflüssige Bemerkung nicht zu.
Deine aufgeführte Prämisse führt nur scheinbar zu dieser Konklusion, denn Du erweiterst die Kategorie von einem Bushwalk auf eine 2-Kontinent-Durchquerung. Deshalb steht dir diese völlig überflüssige Polemik aufgrund ihrer logischen Unhaltbarkeit nicht zu.
Zur Eigenverantwortung, die man möglichst nicht beim Campmanager vorher abgeben sollte, gehört es nämlich auch, eventuell fit genug für eine kleine Flucht zu sein.
Hast du schon mal ein Nashorn rennen gesehen? Da reicht auch deine Fitness nicht mehr aus, du bräuchtest nämlich Flügel um zu entkommen.
Einem deutschen Gaul werde ich auf einer offenen Weide auch nicht entkommen können, wenn er mir in den Hintern beissen will. Steht aber ein Baum ein paar Meter weiter, ist die Wahrscheinlichkeit schon größer, daß ich mit einem kurzen Sprint etwas Schutz finde. Diese Fähigkeit ist nichts Besonderes, sie hat bloß für die meisten Leute keine Bedeutung mehr, weil wir in Europa unsere wilden Tiere weitestgehend ausgerottet haben. Afrikaner gehen auch überall im Busch zu Fuß ihren Tagesverrichtungen nach, sie leben mit den Tieren und lassen die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen walten. Ergo bin ich als Europäer dazu auch grundsätzlich fähig - wenn die Geldgesellschaft mich nicht schon zu sehr verblödet und verfettet hat.
Tatsache ist, dass die Touristin nur angegriffen und verletzt, und das Nashorn angeschossen wurde, weil die Leute zu Fuss unterwegs waren.
Auch das ist leider nur scheinbar eine kausale Verknüpfung: Ich könnte mit dem gleichen Recht behaupten, daß es verboten werden müsste, über eine Straße zu gehen, weil man von einem Auto überfahren werden kann. Im Umkehrschluss müsstest Du einen San aus der Kalahiri, der auf Besuch in Berlin ist, in einen Jeep setzen und ihm verbieten, auszusteigen und über die Straße zu gehen, wenn er mal pinkeln muss oder sich den Checkpoint Charlie ansehen will...
Gerade im Krügerpark wurden in den letzten Jahren hunderte von Nashörnern gewildert, was sich auf das Verhalten dieser Tiere auswirkt.
Da hätte man wohl den Ansatz, der zu einer Verbesserung der Situation beitragen würde. Es ist schon erstaunlich, daß "Whitys", die sonst Zeter und Mordio schreien, wenn ihr Bewegungs-und Handlungsspielraum in ihrer Heimat durch Gesetze und Regelungen eingeschränkt wird, sich in Afrika anstandslos in ihre Touristenzwangsjacke stecken lassen, nur weil sie der Illusion erliegen, es hätte etwas mit "Natur erleben" zu tun, wenn sie auf Safaris wie eine Kindergartengruppe im Bollerwagen durch einen Zoo gefahren werden. Der Zaun um die "gefährlichen Tiere" wird dann eben durch die Autokarosse ersetzt. Wenn alle die "Naturliebhaber" wären, für die sie sich ausgeben, dann gäbe es nämlich genug Druck auf die afrikanischen Länder, der Wilderei mit geeigneten Mitteln beizukommen und damit gleichzeitig diese einmaligen Naturräume für ALLE zu bewahren - nicht nur für diejenigen, die sich eine Luxussafari leisten können.
Es ist schwierig, einen Menschen dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn sein Gehalt davon abhängt, dass er es nicht versteht!