Unterwegs in den 1970er Jahren

550 Antworten · 99,5k Aufrufe · gestartet 24. Juli 2011 von wernerbauer
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1'715 Beiträge · seit 200617. Dez. 2016 · #401
Beim Lesen von Erikas Berichts, kam mir die Idee ebenfalls einen Rückblick meiner Zeit damals 74 bis 76 in Afrika zu erstellen.

Vorab muss ich noch sagen, dass ich mich zur Zeit wieder in Südafrika befinde, deshalb keine Fotos (Dias) zur Verfügung habe und das Tagebuch hat meine damalige Frau behalten, also kann ich es nicht als Gedankenstütze benützen.

Meine Lebsenpartnerin Christine ist noch mit den Korrkturen an diesem Bericht beschäftigt, er wird also nur in Portionen hier erscheinen.

Afrikavirus
Infiziert mit dem Afrikavirus hatte ich mich schon lange bevor ich einen Fuss auf den „Schwarzen Kontinent“ gesetzt hatte. René Gardi, welcher in meinen jungen Jahren im Berner Rossfeld-Quartier wohnte wie wir, zeigte im Schweizer Fernsehen Filme seiner Expeditionen im tiefsten Afrika.

Leben in Südafrika
Schon während der Berufsausbildung war mir klar, dass ich einige Jahre im Ausland verbringen wollte. Auswandern konnte man damals nach Australien oder Südafrika relativ einfach. Von Südafrika bekam man am meisten Unterstützung ohne eine Verpflichtung einzugehen. Bis es soweit war arbeitete ich noch und absolvierte die Rekrutenschule. Meine Freundin Margrit war einverstanden mit mir zusammen dieses Abenteuer zu wagen.

Wenn ich mich recht erinnere kamen wir im März 1974 in Johannesburg an. Von dort wurden wir von einem Mitglied einer staatlichen Organisation abgeholt und betreut. Wir hatten Kost und Logis, zudem erhielten wir Adressen von potenziellen Arbeitgebern. Schon bald hatten wir beide einen Job und mieteten als erstes im Mariston Hotel, unterhalb des Hillbrow, eine möblierte Wohnung. In meinem eigentlichen Beruf als Radio- und Fernseh-Techniker fand ich damals noch keinen interessanten Job. Ich war etwas zu früh im Land am Kap angekommen, Fernsehprogramm gab es erst ab 1976. Deshalb reparierte ich bei Photo-Me Fotoautomaten, die auch bei uns praktisch in jedem Bahnhof standen. Später suchten wir uns eine etwas günstigere Wohnung, richteten uns auch nur ziemlich behelfsmässig ein, denn wir hatten vereinbart nur zwei Jahre im Land zu bleiben. Nach kurzer Zeit wurde ich nach Durban versetzt, wo wir zusammen an den Photoautomaten arbeiteten. Nach etwa einem halben Jahr wollten man mich wieder nach Joh’burg holen aber und gefiel es in Durban besser, also kündigten wir. Meine Freundin fand bei der Durbaner Filiale der Joh’burger Firma wieder einen Job. Da nun bereits Fernseher und Antennen von diversen Firmen verkauft wurden, fand ich sogar auf meinem erlernten Beruf einen Job.

Zu dieser Zeit war Konkubinat in Südafrika zwar nicht verboten, aber zumindest nicht gern gesehen und das hatte uns schon früher bei der Wohnungssuche Ärger gemacht. Deshalb beschlossen wir in Südafrika zu heiraten.

In den gut zwei Jahren, die wir in Südafrika verbrachten besuchten wir im Urlaub und an langen Wochenenden vor allem die Provinzen Transvaal (Mpumalanga) und Natal (Kwazulu-Natal). Zweimal hatten wir Familienbesuch und mit ihnen mussten wir natürlich in den Krüger. Die kürzeste Strecke führte durch Swasiland, wo es auf unserer Route aber nur unbefestigte Strassen gab.

Es war die Zeit der Apartheid, von der wir als Weisse hautsächlich profitierten. Für uns galt die Jobreservation, das heisst, gewisse Arbeiten und Berufe waren für Schwarze nicht erlaubt auszuüben. Da war es für uns einfach eine Arbeit zu finden. Heute ist das umgekehrt, der Affirmativ Act privilegiert die Schwarzen. Wegen der Rassentrennung und dem Verbot für Schwarze sich nachts in den Ortschaften aufzuhalten, gab es zu dieser Zeit eine sehr geringe Kriminalität und wir konnten uns in der Stadt bedenkenlos aufhalten. In den Townships und Homelands sah das ganz anders aus. Wir bekamen aber schon die Benachteiligung der Bevölkerungsmehrheit mit, allerdings war bis 1976 nichts davon in den Medien zu lesen und zu hören. Damals wusste man aber schon, dass es so nicht weiter gehen kann und man vermutete, dass die Zukunft für die 10% Weissen wurde langfristig nicht gut aussehen würde.

Vorbereitung zur Heimkehr in die Schweiz
Wir hatten ja einen auf zwei Jahre beschränkten Aufenthalt geplant und die Aussichten für uns sahen aus der damaligen Sicht in diesem Land nicht rosig aus. So machten wir uns irgendeinmal Gedanken zur Rückkehr in die Heimat. Wir hatten einiges gespart, auch wenn uns der Währungsverfall des Rands zum US-Dollar unser Bankkonto etwas geschmälert hatte. Umtauschen in Dollar war aber kein Problem, wie wir erst befürchtet hatten.

Einfach ein Flugticket kaufen und auf dem direktem Weg in die Schweiz, war uns zu einfach. Darum entschieden wir uns für eine Rückkehr auf dem Landweg. Jedenfalls bis Mombasa und dann eine Verschiffung nach Alexandria (Ägypten). Denn der Suezkanal war kurz vorher wieder benutzbar geworden. Er war er wegen des ägyptisch-israelischen 6-Tagekriegs geschlossen. Von „Alex“ aus war der Plan durch Nordafrika bis Marokko zu fahren, dann mit der Fähre nach Spanien, danach über Frankreich in die Schweiz. Also kauften wir einen gebrauchten VW-Bus, den ich rudimentär zum Camper umbaute. Immerhin hatten wir einen Kühlschrank dabei, den man mit Gas, 12 und 220 Volt betreiben konnte. Allerdings gabs keinen Kamin, Gasbetrieb war nur mit offener Schiebetür möglich. Ein zwei flammiger Gaskocher stand uns auch noch zur Verfügung.

Wegen dem internationalen Boykott gegen Südafrika, fuhren wir vor der Abreise nach Swasiland um den Bus dort zu registrieren. Über die Schweizer Botschaft liessen wir uns in der Schweiz neue Pässe ausstellen, damit keine Eintragung aus Südafrika darin waren. Wir unternahmen noch einiges mehr um die Spuren unserer Vergangenheit zu vertuschen. Informationen, zu dem was uns erwartete, hatten wir eigentlich keine, da es noch kein Internet gab. GPS auch nicht, aber wir hatten die Afrika Karten von Michelin und die galten damals als recht zuverlässig. Reiseführer waren uns auch keine bekannt. Aber wir waren jung und ziemlich sorglos. Jedenfalls ich.

Im nächsten Beitrag geht es dann richtig los.
Gruss
Emanuel
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zuletzt bearbeitet 30. Dez. 2016
1'715 Beiträge · seit 200618. Dez. 2016 · #402
DBN-JHB.jpg
Südafrika
Zu dritt, wir hatten noch die junge Katze Blacky dabei, fuhren wir ca. im Mai 1976 los. Da wir den südlichen Teil unseres Gastlandes noch nicht besucht hatten fuhren wir zuerst Richtung Kapstadt. Die Transkei (Wild Coast) durchquerten wir auf schnellstem Weg, dieses Homeland galt damals als unsichere und gefährliche Gegend. In Etappen erreichten wir Kapstadt, wo es dann schon ziemlich kühl, regnerisch und windig war. Das Kap der guten Hoffnung besuchten wir in der irrigen Meinung das sei der südlichste Punkt Afrikas.
Anmerkung: Ich bekomme Bilder aus Google Foto nur als Link hier rein.

https://lh3.googleusercontent.com/Z_sz3nkucOkRs3DYZCHYrqJB868avhGrRqQDdc7tm8q1Kzoa3bq4BnR5W3V_xcAFl2Iob8_4gupPwkHy2psXuBvhnnsUyX3sLJfUAlf5wnv6tP5FL2xuetjnv1qG1WjlyJmfavIvhgnJWF8c5Kwe7JHqrgaKyBuXqDemtaOG1CiWNnUnTDbE-fNUg9mzqGG1RN_GTBT16GJR1WtZpRp3GHDxsNrgQ3pz4t5z9OIJZl0Oh8xOiaFgMU2PzmP0PE8ZkP_yJTXmo9X9oMMqAaOzAaXBgkIKqNQy5pz9bUKKwJ4I6e-UMKei2-l_9N2K9zsaNWK-EHcZgJZE1gtpjNUI1sUEVzXSU79nRRKL4rP9wX9i3DtjjEjmDtXOtiPfg4AVoM3GJ-mwO4GBXZ_Dbv25rnQsJ5CpN5Wu5omBXaZpwrt5IUKhluWOu1MdV4kRPS7D3U90AIgRTCmg3ZhdrmeRxzyrN5SmAPmMAEvJ0N6YKWXCZ_x6OLXTGYY_SUqjyHPS_qVfVrbBFYK9KcEU31qI-3UQo5ZyDlTuuUW4PWHBAn8j2VZ0ryQKoywm5eYsHDMlYnWy-9Z1OJNjZkSjMdVx9zRC36xrDLlT52a6ohfWe-m_D0nBY9INyg=w897-h608-no

Nächstes Ziel war Johannesburg, aber vorher übernachteten wir noch bei einer Tankstelle im Karoo. Da Sonntag war begegneten wir von dort bis Kimberly nur ganz wenigen Fahrzeugen. Das Big Hole mussten wir uns am Etappenziel natürlich ansehen. Von Verwandten hatten wir die Adresse einer Mission in der Nähe von Pretoria erhalten, welche wir als Nächstes aufsuchten. Als wir an Johannesburg vorbei führen fanden gerade die Aufstände in Soweto gegen den Afrikaans Unterricht statt. Davon lasen wir erst später in den lokalen Zeitungen, was ziemlich aussergewöhnlich war damals. Bei der Missionars Familie bekamen wir ein Zimmer worüber wir froh waren, denn es war ziemlich kalt. Am nächsten Tag besichtigten wir noch das einfach eingerichtete, aber saubere Spital. Etwas seltsam schien uns, dass es nicht für alle ein Bett gab, einige mussten sich mit einer Matratze begnügen.
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zuletzt bearbeitet 30. Dez. 2016
1'715 Beiträge · seit 200619. Dez. 2016 · #403
JHB-Naiobi.jpg

Rhodesien

Am Grenzübergang Beitbridge, der heute berüchtigt ist für sein Chaos, verliessen wir damals ziemlich einfach Südafrika. Am rhodesischen Zoll (Simbabwe) bekamen wir auf unser Verlangen den Einreisestempel auf ein Blatt Papier. Das Land wurde damals noch von einer weissen Minderheit regiegiert und wurde auch von den meisten Länder boykottiert. Es gab Zeiten da durfte man zwischen den grossen Ortschaften nur im Konvoi mit Militäreskorte reisen. Das wurde kurz vor unserer Ankunft aufgehoben, aber uns war es dann schon etwas mulmig, wenn wir am Strassenrand Bewaffnete im Tarnanzug sahen. Waren das Soldaten oder Terroristen welche vom Nachbarland Sambia unterstützt wurden. Mugabe war damals ihr Anführer. In Bulawayo suchten wird den Campingplatz auf, der sich mehr oder weniger im Zoo befand. Wir hatten jedenfalls Wildtiergehege neben unserem Stellplatz.

Am nächsten Tag ging es gleich weiter bis zu den Vitoria Fällen. Da war die Brücke über den Grenzfluss Sambesi für den Autoverkehr gesperrt. Aber die Eisenbahn fuhr noch, jedenfalls der Güterverkehr. Komisch war auch, dass wir einen Rundflug über die Wasserfälle unternehmen konnten, denn eigentlich waren die beiden Länder ja im Krieg. Aber wir kurvten etliche Male über Sambia. Sehr unangenehm war indes, dass ein Passagier wegen den Luftlöchern in dem kleinen Flieger eine Papiertüte abfüllte.

Botswana
Da die Brücke für uns gesperrt war, mussten wir nach Botswana , um in Kazangula mit der Fähre nach Sambia einzureisen. Den Ausreisestempel von Rhodesien bekamen wir wieder auf das Blatt Papier und von Botswana hatten wir dann unseren ersten Stempel in den neuen Pässen.

Ausser der Piste von einer Grenze zur andern haben wir damals nicht viel gesehen von Botswana, Es diente uns nur als Transit nach Sambia. Während sich die Fähre näherte machte ich Fotos. Da kam so ein Aufpasser und wollte den Film, weil man ja an der Grenze nicht fotografieren durfte. Nach langem diskutieren durfte ich hin dann doch behalten.
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zuletzt bearbeitet 30. Dez. 2016
2'338 Beiträge · seit 200720. Dez. 2016 · #406
Hallo Emanuel

Schön, dass du hier weitermachst. Ich lese natürlich genüsslich mit. 🙂

Meine Cousine und ihr Mann lebte etwa zur gleichen Zeit wie du ebenfalls in Durban. Die Beiden kauften sich auch einen VW-Bus um damit nach Hause zu fahren.

Bevor sie die grosse Reise anraten, machten sie mit ihrem Bus eine Jungfernfahrt nach Botswana. Damals gab es ja dort noch kaum geteerte Strassen. Nach einigen hundert Kilometern blieben sie hoffnungslos im Tiefsand stecken. Es dauerte eine geschlagene Woche, bis jemand zufällig vorbeikam und sie aus ihrer misslichen Lage rettete. Meine Cousine erzählte mir, dass sie beide fasersplitternackt gewesen seien als man sie endlich fand. Sie konnte im Nachhinein nicht erklären, weshalb sie sich alle Klamotten vom Leib gerissen haben. Es muss die totale Verzweiflung und Panik gewesen sein.

Am Tag bevor's auf die grosse Heimreise ging, parkierten sie ihren bereits voll bepackten VW-Bus abreisefertig vor dem Haus und als sie am Morgen darauf abfahren wollten, stellten sie mit Schrecken fest, dass er total leergeräumt war. Sie mussten erst wieder all die geklauten Sachen ersetzen, was ein grosses Loch in die Reisekasse gerissen hat.

Die Heimreise via Westküste verlief scheints ohne weitere grössere Katastrophen,…. ausser dass der Fotoapparat ohne dass sie es merkten ausgestiegen war und sie deshalb kein einziges Erinnerungsbild an diese Reise mit nach Hause brachten 🙁 .

Viele Grüsse
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
1'715 Beiträge · seit 200620. Dez. 2016 · #407
Botswana
Da die Brücke für uns gesperrt war, mussten wir nach Botswana , um in Kazangula mit der Fähre nach Sambia einzureisen. Den Ausreisestempel von Rhodesien bekamen wir wieder auf das Blatt Papier und von Botswana hatten wir dann unseren ersten Stempel in den neuen Pässen.

Ausser der Piste von einer Grenze zur andern haben wir damals nicht viel gesehen von Botswana, Es diente uns nur als Transit nach Sambia. Während sich die Fähre näherte machte ich Fotos. Da kam so ein Aufpasser und wollte den Film, weil man ja an der Grenze nicht fotografieren durfte. Nach langem diskutieren durfte ich hin dann doch behalten.

Sambia
Auf der Sambia- Seite angekommen, wollte der Zöllner wissen warum wir nur Stempel von Botswana hatten. Ohne gross zu überlegen sagte meine Frau, das sei weil wir aus Südafrika kämen und man dieses Land in Afrika nicht so gerne hätte. Ich hatte, glaube ich, einen kurzen Herzstillstand und sah unsere Afrikareise hiermit schon zu Ende gehen. Der Zöllner stutzte kurz und stempelte unsere Pässe ohne weitere Nachfrage. Bis Lusaka gab es Polizeikontrollen, wovon mir eine im Gedächtnis geblieben ist. Der Polizist fragte uns ob wir Terroristen sind. Wir waren etwas perplex und wussten nicht genau was wir antworten sollten. Machte er einen Scherz, oder wollte er „Touristen“ sagen. Machte man in einem Land, welches Terroristen Unterschlupf gewährte, und offiziell mit dem Nachbarn im Krieg war, solche Scherze? Wir beschlossen seine Frage mit Ja zu beantworten. Er reagiert darauf nicht negativ, wollte aber in den Kofferraum schauen. Für jüngere Leser sei hier angemerkt das VW während Jahrzehnten in ihren Fahrzeugen den Motor im Heck untergebracht hatte. So war das auch bei unserm Bus. Ich zeigte dem Polizisten gerne unseren Motorraum. Er staunte ein wenig lies es aber dabei, und wir konnten weiterfahren.

In Lusaka mussten wir das Konsulat aufsuchen, denn damals konnte man ja mit seinen Lieben daheim nicht per E-Mail kommunizieren. Wir teilten ihnen mit wo wir demnächst in etwa durchfahren und sie schickten die Briefe an die jeweiligen Konsulate und Botschaften. Manchmal auch Postlagernd. Für das Konsulat in Lusaka hatten wir eine Adresse, aber keine Ahnung wo sich die Strasse befand. Schliesslich baten wir einen Taxifahrer uns dorthin zu lotsen. Er führte uns in das Industriegebiet wo der Konsul hauptamtlich Chef der Bosch-Vertretung war. Er händigte uns dann die Briefe persönlich aus.

Unser VW-Bus hatte ausser der Inneneinrichtung und einem Dachträger nur noch stärkere Stossdämpfer bekommen. Keinen Zusatztank für Benzin, zwei 10 Liter Kanister reichten, dachten wir. Micropur behandeltes Wasser hatten wir in einem 20 Liter Kanister. In Südafrika, Swaziland und Rhodesien war die Versorgung so gut, dass wir damit immer durch kamen. Wie schon erwähnt, wir hatten so gut wie keine Informationen zu den Ländern die wir durchquerten. Reiseführer hatten wir auch keine, gab es die damals schon? So kam es dass wir von Lusaka bis fast zur Grenze nach Tansania kein Benzin bekamen. Tankstellen gab es zwar aber die hatten keinen Sprit.

Irgendeinmal fing der Motor an zu stottern und wir konnten nur noch an den Strassenrand fahren. So, was nun? Wir standen eine Weile herum und überlegten was wir tun sollen. Plötzlich kam ein Engländer mit seinem Land Rover und Anhänger, hielt an und fragte ob wir ein Problem hätten. Wir hatten so ein Schwein, er hatte in seinem Anhänger mehrere 20 Liter Armeekanister, welche die er los werden wollte. Einer war sogar mit Benzin gefüllt, diesen kauften wir ihm ab und damit kamen wir dann doch noch bis zu einer nicht ausverkauften Tankstelle.
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zuletzt bearbeitet 30. Dez. 2016
82 Beiträge · seit 201320. Dez. 2016 · #408
Hi,

sehr witzig, er wurde in Tunesien gesichtet und er meinte noch zwei Grenzen und er ist wieder daheim....

Ich bin auch mit einem Moppet unterwegs sollte es auch mal Probieren 😉

Ich meinte den Eintrag von lilitrotter auf Seite 9.

Gruß

Bertl
zuletzt bearbeitet 20. Dez. 2016
1'715 Beiträge · seit 200621. Dez. 2016 · #409
Tansania
Wir hatten ja eine Katze dabei und uns irgendwie schlau gemacht wie Grenzübertritte mit Tieren möglich wären. Irgendwo stand, dass man für Tansania eine Importgenehmigung braucht. Da stand aber nicht dass das auch für Haustier gilt, aber es schloss sie auch nicht aus. Deshalb hatten wir unseren Tierarzt in Durban um ein Schlafmittel für Blacky gebeten. Wie er uns instruiert hatte, gaben wir ihr dieses etwa eine Stunde vor der Grenze. Dort angekommen schlief sie aber nicht sondern wurde immer aggressiver. Nach zwei Stunden gaben wir die Hoffnung auf dass sie sich in Morpheus Arme begeben würde, und hofften nur dass der Zöllner nicht den Finger in den Katzenkorb steckt. Sonst könnte er annehmen sie hätte Tollwut. Er kümmerte sich jedoch überhaupt nicht um die Katze und inspizierte den Innenraum des Busses nur ganz oberflächlich. Auch sonst wurde der Grenzübertritt sehr einfach abgewickelt. Hatten wir von anderen gehört wie schwierig es da sein soll. Kurz nach der Grenze schleif die Katze und wir konnten sie wieder aus dem Korb nehmen. Mitten in der Nacht erwachte sie dann und war so benommen, dass wir sie zu ihrer Sicherheit wieder in den Korb steckten.

Der erste Defekt an unserm Bus trat kurz nach Tunduma auf. Das Batteriekontrolllämpchen leuchtete auf. Der Regler an der Lichtmaschine hatte den Geist aufgegeben. Von da bis Dar es Salam übernachteten wir bei Tankstellen welche ein Ladegrät hatten an das wir unsere Batterie anhängen konnten. Ja, wir hatten damals nur eine Batterie und Solarpanel gab es höchstens bei der NASA, wenn überhaupt. Von einem indischen Tankstellenbesitzer wurden wir noch zum Nachtessen eingeladen und wir konnten sogar Geld wechseln. Er wollte lieber einen Traveler Check nehmen als Bargeld. Sein Interesse an Devisen kam wohl daher, dass ihm die Entwicklung in Uganda Sorgen machte, wie er uns erzählte. Er befürchtete, dass Tansania wie Idi Amin alle Inder aus dem Land schaffen könnte.

In der Hauptstadt fanden wir dann eine Werkstatt welche den Regler ersetzte. Etwas ausserhalb des Stadttrubels durften wir auf einem Hotelgelände stehen. Da blieben wir einige Tage und erholten uns von der bisherigen Reise. Seit Kapstadt waren wir fast jeden Tag unterwegs.

https://lh3.googleusercontent.com/Ak99k6nH_eSS64IqACnBzOkWDJFR0US2LyV2ZwCksUtUJEIspBJEb8ynStTQbVOUx9CjXRvnuNPV_FalkI5CfLDvi4YFe2IECOFqvn0ih5rmatDvbAJNqKAAQXostrMMp4297MdAFscgioNlpHj36yt-0h0--lSLwEM-5lFzUvK_Q2m0u8PLDDteu8WZn36S2mgxY5AZ0llfl2vu3NoMJL8FOuYjA6Q5TKzbMFbq6FAoFA1mXggAkmp8tJYelkM4AbfoC4v9VP01cljwbfa_SaJSqp48LV7m-abexWOjozon5GrvD86AYYg-YMhfHI1j_fN6p5-D4W7rrO1ZdZAiLqAyG33gcfSmJwgztwxA6SoWRgSS5DvRTuh941sQPkauNLk55DvRDsV6mh9ehtZvsc0Z4JBtD8lMspJhZXOEo9-aULrLf-rsTIKW05GXokBPk14FpmfahdrzuJVydq0CMMi4oRs7wRRZQqQcj6wxvW3GQdTwNUlbfdt-yW-ma_miRSI3mPqzP2ZyKmt4I-nQV_anCw23LAVljBIm6i4pneulyp62Tv7udHGzT7G03zBWY2e6vdNTmBcfqtdyAnRG-495n-0yhdY7PpyCS06wq5Ix3lb0A5mlxA=w897-h608-no

Die Nahrungsversorgung war in Tansania relativ schwierig. President Nyerere hatte versucht das kommunistische Kolchose System einzuführen. Was in Russland nicht sehr gut funktionierte, musste auch in Afrika scheitern. Die Gestelle in den Läden waren praktisch leer, es gab höchstens ein paar chinesische Konservendosen zu kaufen. Butter hatte ich im Restaurant eines Hotels erbettelt.

Regional konnte man aber hie und da schon etwas Lebensmittel bekommen. Zum Beispiel um Arusha und Moshi, die bekannt waren als fruchtbare Gegenden, bekam man auch frisches Gemüse. In Mwanza bekam man Margarine, weil dort welche produziert und in Dosen verpackt wurde. Der Transport von diesen Gütern wurde aber vernachlässigt. Uns erzählte man, dass Bauern zum Anpflanzen von Baumwolle angehalten wurden. Die Logistik für den Transport zur Fabrik wurde aber nicht organisiert, also blieben die Bauern auf ihrer Ernte sitzen.

Wir besuchten den Lake Manjara National Park. Eigentlich ist es dort für Haustieren verboten, aber es hat niemand gemerkt. Diesmal haben wir sie auch nicht vor dem Eintritt versucht zu betäuben. Der Park ist bekannt für seine Löwen die auf Bäume klettern um sich dort auszuruhen. Am See konnten wir auch hunderte Flamingos beobachten. Ein Meer in rosa. Hier musste unser Bus noch als Ambulanz dienen, ein Parkbesucher wurde von einem Skorpion gestochen und wir wurden gebeten ihn zur Lodge in der Nähe zu bringen weil es dort einen Arzt gab.

Den Kilimanjaro sahen wir von Arusha aus übrigens nicht, er war wolkenverhangen.
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zuletzt bearbeitet 30. Dez. 2016
1'715 Beiträge · seit 200622. Dez. 2016 · #410
Kenia
Danach verliessen wir Tansania und fuhren nach Nairobi wo wir den Motor überholen liessen. Der Bus wurde uns mit der Angabe verkauft, er habe einen Austauschmotor. Allerdings wurde daran gepfuscht, wie sich bei Cooper Motors nun herausstellte. Die Ölpumpe passte nicht zum Motorblock, so dass die Schmierung nicht 100%ig funktioniert. Ich weiss nicht mehr was alles ausgewechselt wurde, aber es riss ein ziemliches Loch in unsere Reisekasse. Während der Reparatur standen wir einige Tage im gesicherten Teil der Autowerkstatt.

Um die Reparatur zu bezahlen wollten wir Geld auf dem Schwarzmarkt wechseln und wurden, naiv wie wir waren, prompt übers Ohr gehauen. Mit dem Trick vom ausgetauschten Briefumschlag hat man uns einige Reise-Checks geklaut. Diese wurden uns zwar ersetzt, aber es dauerte einige Tage bis das erledigt war. Aber wir haben daraus gelernt, und bei andern solchen Transaktionen haben wir uns dann so positioniert, dass wir dem Händler den Fluchtweg abschnitten.

Danach wohnten wir bei einem Vetter zweiten Grades meiner Frau, der an der Hotelfachschule in Nairobi unterrichtete. Bei seinem Haus lungerte ein junger magerer Hund herum, der sich aus den Abfallkübeln ernährte. Da er uns leid tat gaben wir ihm öfter die Katzenfutterreste. Da hat er uns bald adoptiert und wir beschlossen, ihn mit zu nehmen. Aber unter dem Vorbehalt, dass er gesund war. Der Tierarzt bestätigte dies, bis auf die obligaten Würmer. Um diese los zu werden gab er uns ein Mittel. Er verabreichte ihm noch die nötigen Impfungen und stellte ihm und der Katze ein Gesundheitszeugnis aus. Von da an waren wir zu viert.

Die Katze gab der Hündin Nelly, so haben wir sie getauft, gleich den Tarif durch in dem sie der Neuen die Krallen in die Schnauze schlug. Aus der blutenden Nase hat sie ihre Lehre gezogen. Sie hat die Katze immer noch gern geneckt, wusste aber nun den Krallen auszuweichen. Im Bus herrschte aber Waffenstillstand, da gingen sie sich soweit als möglich aus dem Weg.

In die Stadt fuhren wir meistens mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn es nicht anders ging nahmen wir auch unseren Bus, aber einer von uns blieb immer drin sitzen.

Wir machten uns dann auf zur Küste, weil wir uns in Mombasa nach der Verschiffung nach Alexandria erkundigen wollten. Das war nicht einfach, mussten wir doch im Hafen die Reedereien abklappern. Wir fanden nur eine, welche uns ein Angebot machte, aber mehrere tausend US$ konnten wir dafür nicht ausgeben. Damals war die amerikanische Währung noch einiges mehr Wert als heute.. Damit war unser Plan nach Ägypten zu reisen, gestorben.

Wir fuhren nach Malindi um etwas Zeit zu haben uns eine Alternative zu überlegen. An einem wunderschönen Strand mit vorgelagertem Korallenriff, hielten wir es einige Tage aus. Hier beschlossen wir nach Südafrika zurück zufahren, den Bus zu verkaufen und dann halt doch ganz konventionell heim zu fliegen.

Unser Weg führte uns noch einmal über Nairobi, wo wir nach Freunden suchten, welche wir aus Südafrika kannten. Sie waren kurz vor uns gestartet, hatten sich aber länger als wir in Botswana aufgehalten. Irgendwie hatten wir von einem inoffiziellen Campingplatz erfahren und schauten uns dort um. Da fanden wir unsere Freunde nicht, sahen aber einen älteren VW Bus mit der getrennten Frontscheibe und deutschen Kennzeichen. Siegried und Edwin waren damit von Kapstadt hier hergefahren. Nun suchten sie jemand, der mit ihnen durch den Zaire (Kongo), Nigeria, Algerien fuhr, um nur ein Paar Länder zu nennen. Uns schien das Unternehmen ohne 4x4 ziemlich riskant und wir konnten uns nicht dafür erwärmen. Wir versprachen es uns zu überlegen, aber glaubten eigentlich nicht daran. Wie das so ist wenn man jungen Leuten eine Irrwitzige Idee präsentiert….. Nach und nach konnten wir mit dem Gedanken doch noch etwas anfangen.
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zuletzt bearbeitet 30. Dez. 2016
Gast22. Dez. 2016 · #411
Danke swisscheese für die Weiterführung dieses threads und deine Schilderungen, spannend war's schon bisher aber jetzt wird's besonders spannend:
swisschees schrieb:Kenia
Nun suchten sie jemand, der mit ihnen durch den Zaire (Kongo), Nigeria, Algerien fuhr, um nur ein Paar Länder zu nennen. Uns schien das Unternehmen ohne 4x4 ziemlich riskant und wir konnten uns nicht dafür erwärmen. Wir versprachen es uns zu überlegen, aber glaubten eigentlich nicht daran. Wie das so ist wenn man jungen Leuten eine Irrwitzige Idee präsentiert….. Nach und nach konnten wir mit dem Gedanken doch noch etwas anfangen.
Danke und Grüße
PS: Die Schilderungen der VW-Schicksale macht mich schmunzeln. Manchmal glaube ich in der Rückschau dass VW in SA hauptsächlich von Immigranten lebte, die meisten Südafrikaner hatten schon die Finger von diesem luftgekühlten Wunderwerk gelassen (die PS-schwachen Modelle ausgenommen). Dass man in großen Werkstätten überholte Austauschmotoren vorrätig hatte sagt eigentlich schon alles. Hätte man in einer Toyota-, Ford-, etc. Werkstätte um einen Austauschmotor mit kurzer Lieferzeit gefragt, hätten sie nur verständnislos die Schultern gezuckt.
zuletzt bearbeitet 22. Dez. 2016
1'715 Beiträge · seit 200622. Dez. 2016 · #412
In den 70er gabe es aber in Südafrika noch neue VW-Busse zu kaufen. Der Fleetliner wurde noch in Südamerika produziert. Es handelte sich dabei um den mit geteilter Frontscheibe. Den alten VW-Golf sieht man hier heute noch tagtäglich auf den Strassen.

Auf Austauschmotoren spezialisierte Werkstätten gab es in Durban damals mehrere.

Zum VW-Bus gab es damals als Altrenative praktisch nur den Landrover, aber wir hatten ja keine 4x4 Strecken geplant.

Gruss
Emanuel
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zuletzt bearbeitet 23. Dez. 2016
Gast23. Dez. 2016 · #413
Hi Emanuel, ich hoffe, dass du das nicht als Kritik aufgefasst hast, das war keineswegs meine Absicht.
In der Sache selbst meine ich, dass alle leistungsstärkeren luftgekühlten VW-Modelle unter den afrikanischen Verhältnissen ein gravierendes Kühlungsproblem hatten, wobei der Käfer vergleichsweise weniger betroffen war. Das war nicht nur das bekannte Zylinderkopfproblem unter dem Ölkühler. Bei 35 °C im Schatten blinkte nach einer langen Fahrt das Öldruckwarnlicht im Leerlauf ständig. Damit war ja auch die Ölqualität beeinträchtigt und Verschleiß vorprogrammiert. Leute haben deswegen 90er (!!) Öl zugemischt, Bastler montierten am 412er zusätzliche außen liegende Ölkühler, was alles viel sagt. Durch die ständige Überhitzung gingen auch Fügestellen auf und es entstanden Öllecks, welche wieder mit dem Staub von unbefestigten Straßen den Wärmeübergang verschlechterten…ein Teufelskreis. Ich erinnere mich auch an abgebrochene Motoraufhängungen bei viel Betrieb auf schlechten Straßen.

Eine gute Alternative zum Büssli war m.E. der Toyota Hiace, da erinnere ich mich nicht an derartige Probleme.
Mein Eindruck war, dass man einen VW wollen und/oder lieben musste, womit ich aber keineswegs die Gefühle von VW-Liebhabern verletzen möchte…..schließlich soll es sowas auch beim Landrover gegeben haben 😗 .
Grüße und Alles Gute für das Neue Jahre vom leser
zuletzt bearbeitet 23. Dez. 2016
1'715 Beiträge · seit 200623. Dez. 2016 · #414
Hallo Leser

Kein Problem, ich wollte nur sagen, dass der VW-Bus damals auch bei den einheimischen immer noch beliebt war. Auch jetzt sehe in ich immer noch von Zeit zu Zeit welche auf den SA Strasse, wie auch den Käfer.

Unser Bus hatte bei den Lüftungsschlitze noch zusätzlich Belche montiert damit mehr Luft zum Motor kam.

Genial war übrigens der Zyklon-Luftfilter mit Öl. Man konnte den Dreck mit einer Spachtel o.ä. am Boden des Filters wegkratzen.

Bei unserem war es aber so, dass eingebaute die Ölpumpe nicht zum Motorblock passte. Laut Mechaniker waren die Löcher leicht versetzt.

VW-Liebhaber war ich, wie Du richtig vermutest, zudem auch, meine Lehrfahrten habe ich zum grössten Teil auf einem Bus gemacht.

Unterwegs hatten, zumindest wir, mit unserem Motor keine weiteren Probleme. Erst Zuhause, als ich den Motor auseinander nahm ist mir ein Kolben in den Händen auseinander gefallen. Aber was dann in der Schweiz mit dem Bus geschah ist eine andere Geschichte.

Gruss
Emanuel
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zuletzt bearbeitet 23. Dez. 2016
Gast23. Dez. 2016 · #415
swisschees schrieb:

VW-Liebhaber war ich, wie Du richtig vermutest, zudem auch, meine Lehrfahrten habe ich zum grössten Teil auf einem Bus gemacht.

Danke Emanuel, das dachte ich mir schon und dann musst du unbedingt bei den Aircooled Wonders hineinschauen, da wird dir das Herz übergehen 🙂 http://www.aircooledwonders.com/category/featured-wonders/vw-wonders/ ..... mir übrigens auch 🙂
Grüße vom leser
PS: und weißt du noch wie man am VW mangels Temperaturanzeige feststellen konnte ob der Motor überhitzte? Solange man den Ölstandskontrollstab gerade noch angreifen konnte war man noch im zulässigen Bereich 😉
http://www.aircooledwonders.com/simply-werner/werners-tips/overheating/
zuletzt bearbeitet 23. Dez. 2016
1'715 Beiträge · seit 200623. Dez. 2016 · #416
Vorbereitung zur Transafrika
Viel gab es nicht vorzubereiten, aber das Benzin Problem musste gelöst werden. Seit dem Kauf des Armeekanisters konnten wir zwar 110 Liter mitführen, unser Bus war aber schon auf geteerten Strassen ziemlich durstig und uns erwartete ganz anderes Gelände. Auf dem Abbruch fanden wir einen Volvo Lastwagentank mit einem Fassungsvermögen von 120 Litern. Der einzig mögliche Platz dafür war auf dem selber gebauten Dachträger. Dass der Bus damit ziemlich kopflastig wurde kümmerte uns nur ganz wenig. Das wurde uns aber später fast zum Verhängnis.

Auch die Route musste festgelegt werden. Der kürzeste Weg in den Zaire (Kongo) führte über Uganda, aber da wütetet gerade Idi Amin und das war uns zu heiss. In den kenianischen Zeitungen wurde einiges über sein Terrorregime berichtet. Dabei muss man bedenken, dass Präsident Keniatta sein Land auch nicht mustergültig demokratisch führte. Blieb noch Ruanda, da mussten wir wieder zurück nach Tansania und der kürzeste Weg führte hier durch die Massai Mara und den Serengeti Park. Mit Katze und Hund? Wird schon gehen. Die nachfolgenden Länder zähle ich hier nicht auf, die kommen dann nach und nach in diesem Bericht. Wir mussten uns in Nairobi noch für die Länder mit Visapflicht um die notwendigen Genehmigungen kümmern, was aber damals in wenigen Tagen erledigt war.
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zuletzt bearbeitet 30. Dez. 2016
1'715 Beiträge · seit 200624. Dez. 2016 · #417
Nairobi-Kigali.jpg


Tansania – Ruanda

Wir waren in unserem jugendlichen Übermut sicher, dass wir mit unseren Tieren schon irgendwie durch die Massai Mara und die Serengeti kommen würden. Tatsächlich gab es weder in den Parks noch am Grenzübertritt Kenia-Tansania eine Innenraumkontrolle. Die Katze hatten wir jeweils in den Katzenkorb gesperrt, und der Hund blieb brav am Boden, wenn wir es ihm befahlen. Das war recht erstaunlich für einen ehemaligen Strassenkötter der erst etwa ein halbes Jahr alt war.

Ein Katzenklo hatten wir dabei, aber der Hund musste ja zwischen durch mal raus. Das machten wir von Zeit zu Zeit irgendwo in der offenen Steppen wenn gerade kein anderes Fahrzeug zu sehen war. Die ganze Strecke, durch die beiden Parks machten wir in einem Rutsch. Tiere sahen wir übrigens auch. Vor allem sehr oft Gnus in so grossen Herden, wie ich sie vorher und bis heute nie mehr gesehen habe.
An der Grenze nach Ruanda war der Zöllner offensicht betrunken, und wollte unbedingt den Gepäckträger besichtigen. Das war nüchtern nicht so einfach, denn man musste auf die Rücklehne des Fahrersitzes klettern. Er schaffte es aber ohne zu Stürzen rauf und wieder runter.

Auf der Weiterfahrt erlebten wir einen Buschbrand von dem wir aber nur den Rauch und die Hitze mitbekamen. Es war aber trotzdem beklemmend, weil wir nicht wussten ob und wann er die Strasse erreichen würde.
Die Hauptstadt Kigali war damals ein kleiner überschaubarer Ort, aber an der wichtigsten Kreuzung gab es tatsächlich eine Ampel. Hier mussten wir immer beim rechts Abbiegen höllisch aufpassen. Dass wir nicht auf der linken Fahrbahn landeten, denn ab Ruanda galt Rechtsverkehr, was für uns, die wir schon seit mehr als zwei Jahren Links fuhren, ungewöhnlich war. Wenn Edwin vorausfuhr hatte er oft Mühe damit.

Ruanda hat uns landschaftlich gut gefallen, denn es ist sehr hügelig und es gab viel Wald. Wir verbrachten ein paar Tage am Lake Kiwu, bevor wir nach Zaire einreisten. Da gab es ein Restaurant in dem man Fondue bestellen konnte. Der Name ist mir entfallen und ob wir welches assen weiss ich auch nicht mehr.

Bevor wir Ruanda verliessen füllten wir alle Tanks und Kanister mit Benzin, denn wir hatten keine Ahnung wann wir wieder welches kaufen könnten.
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zuletzt bearbeitet 30. Dez. 2016
1'715 Beiträge · seit 200625. Dez. 2016 · #418
Kigali-Bangui.jpg


Zaire
An die Grenze nach Zaire habe ich keine Erinnerungen, deshalb gehe ich davon aus, dass nichts Besonderes geschah. Wir waren aber von den ersten Reisenden in diesem Land, weil es erst kürzlich seine Grenze für Fremde geöffnet hatte. Vermutlich nach einem der vielen Umstürze oder Versuche den Präsidenten zu entmachten. Auf der ersten Etappe kamen wir am Vulkan Ruwenzori vorbei, der später in den Medien erwähnt wurde, als er ausbrach.

Wir wussten nicht dass die Piste durch einen Park führte. Als wir völlig unvorbereitet zum Virunga Nationalpark kamen, stoppte uns ein Polizist. Als er unsere Haustiere sah wollte er die Gesundheitszeugnisse sehen. Zum Glück hatten wir für beide in Nairobi welche ausstellen lassen. Diese studierte er eine Weile, dann fragte er mich ob das von einem Veterinär sei. Er war nicht Analphabet, aber in Zaire war französisch die Amtssprache und die Zeugnisse waren natürlich in Englisch geschrieben. Nachdem ich ihm die Frage bejaht hatte, konnten wir weiterfahren.

Praktisch die ganze Strecke führte durch den Urwald. Etwas Langweiligeres kann man sich kaum vorstellen. Hohe Bäume links und rechts, selten ein kleiner Weiler mit ein paar Hütten. Noch weniger häufig eine kleine Stadt. In diesem tropischen Urwald regnet es aber ziemlich häufig, was uns mehrmals Probleme machte.
Das erste Mal war die Piste in einer Senke und alle hundert Meter kam ein Wasserloch. Es wäre sehr zeitraubend gewesen, durch jedes durchzuwaten um die Tiefe auszuloten. Deshalb fuhr ich vorsichtshalber immer am Rand durch, so dass zwei Räder an der Böschung waren und zwei durch das Wasserloch rollten. Eine dieser Pfützen erwies sich dann aber als deutlich tiefer, so dass wir beinahe kippten. Mit extremer Vorsicht brachte ich den Bus aus der gefährlichen Schräglage heraus. Die Inspektion der Dachrinne zeigte eine starke Beschädigung, da wo der Gepäckträger auflag. Kein Wunder, bei der Schräglage und 140 Liter Benzin, einem Reserverad und sonst noch ein paar Kleinigkeiten. Später als der grosse Tank leer war, wurde der Gepäckträger um 10 Zentimeter verschoben, so dass er nicht bei der nächsten Möglichkeit komplett abrutschte. Das hielt dann auch für den Rest der Reise. Edwin und Siegried fuhren vor uns durch ein Dorf in dem kurz vorher ein Platzregen die stark gewölbte und lehmige Piste extrem rutschig gemacht hatte. Als ich sah wie ihr Bus ins Schleudern kam sagte ich noch „Ohoo“ und war dann auch schon schwer am kurbeln um zu verhindern, dass wir im Graben landeten. Wir hatten Glück und brachten beide Fahrzeug ohne Schaden zum Stehen.

Das dritte und schwierigste Problem war ein Schlammloch in einer Senke. Hier kam Erwin recht gut durch aber wir blieben stecken. Aus Schlamm ist es am schwierigsten ein Fahrzeug zu bergen. Rausziehen war keine Option, da hätte sich der zweite Bus auch noch eingegraben denn die trockene Piste war zu weit entfernt. Wir versuchten den Schlamm unter dem Bus weg zu schaufeln aber das war eine mühsame und langwierige Arbeit. Zudem in diesem Klima sehr schweisstreibend. Nach einiger Zeit kam ein Lastwagen mit vielen Männern auf der Ladefläche. Da wir die Piste blockierten kamen halfen alle schaufeln und schieben um unseren Bus zu befreien.
In diesen tropischen Gegenden kam es öfter zu Wolkenbrüchen. Einmal waren wir froh darum, denn so konnten wir unsere knapp gewordenen Trinkwasservorräte aufstocken. Wir stellten alle möglich Behälter so auf, dass das Wasser von einem Wellblechdach hinein tropfte.

Übernachtungsmöglichkeiten fanden wir entweder bei Missionen oder in Dörfern, wo wir immer die grosse Attraktion waren. Vor allem Kinder beobachteten uns von der Ankunft bis wir Bett gingen mit Ausdauer. Am Morgen wussten wir nicht ob sie immer noch oder schon wieder da waren. In der Regel hielten sie zwar einen angemessen Abstand ein, aber das ewige glotzen kann einen mit der Zeit schon nerven. Es war auch immer wieder erstaunlich, wenn wir auf einer vermeintlich leeren Strecke im Dschungel anhielten, dauerte es nur wenige Minuten bis Leute auftauchten.

Unsere Begleiter hatten viele alte Kleider mitgenommen und diese gegen allerlei Gegenstände eingetauscht. Unter anderem eine Lanze, Bogen, inklusiv Giftpfeile. Wenn sie hinter nicht uns fuhren, wussten wir nie ob sie wegen einer Panne oder Tauschhandel angehalten hatten. Einmal wurde ihnen für eine Plastikplane ein Huhn angeboten. Ein lebendes Huhn. Er plante es für ihr Nachtessen ein, aber so konnte er es ja nicht gut im Wagen transportieren. Es wurde in unseren Katzenkorb gesperrt. Nur hatte er diesen nicht richtig verschlossen, während der Fahrt flatterte plötzlich das Federvieh durch den Bus. Es wurde wieder eingefangen und am Abend geschlachtet.

Den Zairefluss mussten wir einige Male überqueren. Brücken gab es keine, aber Fähren. Eigentlich waren diese staatlich und kostenlos, aber vermutlich bekamen die Angestellten nicht immer oder nicht genug Lohn. Man versuchte immer wieder Geld oder Diesel zu erbetteln. Letzteres hat wir eh nicht, unser Bus waren ja Benziner. Einmal hatten sie auch keine Batterie um den Motor zu starten. Da der Anlasser aber 24 Volt brauchte, bauten wir die Batterien aus unseren beiden Fahrzeugen aus, und in Serie geschaltet lief der Schiffmotor an. Pech wäre gewesen wenn sie unsere auch noch geleert hätten.

Mit unseren Benzinvorräten kamen wir ganz gut vorwärts, nur zweimal wurde es etwas kritisch. An einer Tankstelle gab es gerade keinen Strom, aber zum Glück konnte man die Zapfsäule mit einer Kurbel bedienen. Beim zweiten Mal war das Benzin ausgegangen weil das Transportschiff den Ort längere Zeit wegen dem tiefen Wasserstand nicht erreichen konnte. Als wir dann aber hörten dass das Schiff gerade da war stellten wir uns in der noch relativ kurzen Warteschlange an. Irgendeinmal kam dann der Tanklastwagen mit der kostbaren Flüssigkeit. Als wir an der Reihe waren durften wir aber nur den Tank und keine Kanister auffüllen. Edwin hatte seinem Bulli einen grösseren Tank verpasst, aber ich hatte ein Problem. Zum Füllen des 120 Liter Tanks musste ich auf den Gepäckträger klettern. Wir organisierten uns so, dass unser Bus zuerst betankt wurde. Dann reichte ich den Zapfhahn Edwin weiter. In dieser Zeit kletterte ich auf unsern Gepäckträger und er reichte mir den Schlauch wieder an. Da ging das Zetern des Tankwart los, aber damit konnte ich mich abfinden, denn wir wussten nicht wo und wann wir wieder zu Sprit kommen würden. Manchmal muss man egoistisch sein, auch wenn es einem nicht leicht fällt.

Die Piste, die wir fuhren war oft sehr ausgewaschen. Das zwang uns meist zu einer relativ langsamen Fahrt. Es gab Tage an den wir den dritten Gang nur ganz selten benutzten. Wenn der vierte zum Einsatz kam war das ein Gefühl wie daheim auf der Autobahn. An einen Tag kann ich mich erinnern an dem wir in acht Stunden nur 120 Kilometer schafften. Das ergibt einen Durchschnitt von 15km/h.

Geld mussten wir auch wechseln. In einem etwas grösseren Ort gab es eine Bank. Hier wollte man uns werde Bargeld noch Reiseschecks umtauschen. Man schickte uns aber zum Portugiesen, der hier im Ort einen Laden führte. Dieser wollte zuerst wissen wer uns zu ihm geschickt hatte. Er schaute etwas skeptisch als wir es ihm sagten. Aber wir bekamen unser Zaire-Geld.

Als wir dann an der Grenze zur Republik Zentral Afrika ankamen wussten wir, dass uns hier noch einmal eine Fähre erwartete. Durch den Zoll kamen wir eigentlich ohne besondere Vorkommnisse. Dann hielt uns ein Militäroffizier an. Zuerst zeigte er uns Englisches Geld welches er zu einem astronomischen Kurs zum Tauschen anbot. Als wir uns weigerten wollte er unsere Busse inspizieren. Bei unseren Mitreisenden fand er die die Lanze und Pfeile und Bogen. Er war der Meinung für Waffen Export müssten wir Zoll bezahlen. Auf unser Argument dass dies keine Kriegswaffen seien, änderte er sein Argument: auf Holz gäbe es auch einen Exportzoll. Ein zweistündiges Palaver half nichts, die Waffen wurden konfisziert. Wohl gemerkt Edwin sprach kein Wort französisch und ich musste alles übersetzten. Ein Soldat brachte die Souvenirs weg. Edwin beobachtete ihn und sah in welche Hütte er sie brachte. Später wurde er dann dabei erwischt als er sie dort zurück holen wollte. Das erzürnte den Offizier sehr und da er inzwischen nicht mehr ganz nüchtern war wurde die Situation kritisch. Die Dorfbewohner waren auf den korrupten Kerl auch nicht gut zu sprechen und stellten sich auf unsere Seite. Durch das ganze Palaver hatten wir die letzte Fähre verpasst und wir mussten im winzigen Grenzort übernachten. Uns war nicht wohl dabei, denn wir wussten nicht ob der Typ uns noch einmal heimsuchen würde.
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zuletzt bearbeitet 30. Dez. 2016
444 Beiträge · seit 201125. Dez. 2016 · #419
Hallo Swisscheese,
"Praktisch die ganze Strecke führte durch den Urwald. Etwas Langweiligeres kann man sich kaum vorstellen. Hohe Bäume links und rechts, selten ein kleiner Weiler mit ein paar Hütten."
Wir sind erst 1989 durch Zaire gefahren und haben es als die spannendsten 4 Wochen unserer Afrikaquerung in Erinnerung. Lange Weile ist nie aufgekommen. Wo immer wir hielten waren Menschen sofort zur Stelle, um uns zu bestaunen, bzw. Handel mit uns zu treiben. Die Pistenbedingungen waren oftmals katastrophal. Wir sind immerhin schon mit einem VW Syncro unterwegs gewesen, unsere schlechteste Tagesetappe betrug bei rund 8 Stunden Fahrzeit 75 Kilometer. Wir sind übrigens nicht die ganze Strecke durch Zaire gefahren, sondern haben von Bumba eine "Fähre" bis Kisangani genommen. Das waren auch 4 Tage echtes Abenteuer.
Wir sagen bis heute, Zaire war das echte Afrika (was immer das zu bedeuten hat).
Gruß Wilfried
1'715 Beiträge · seit 200625. Dez. 2016 · #420
So verschieden sind die Geschmäcke. Uns fehlte die Weitsicht. Es war ja auch sehr flach. Die Leute fanden wir mit der Zeit nervig, wir hatten ja keine unbeobachtete Minute. Wir waren vermutlich auch die ersten Fremden nach einer längeren Sperrzeit. Es gab hie und da auch interessante Gespräche mit den Einwohner und den Missionare.

Die Strassen sind in den 12 Jahren nach unserer Reise sicher nicht besser geworden, weil niemand etwas daran macht, seit die Belgier raus sind.


Wir fanden die Sahara am Abwechslungsreichsten und fast menschenleer.

Gruss
Emanuel
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