Beim Lesen von Erikas Berichts, kam mir die Idee ebenfalls einen Rückblick meiner Zeit damals 74 bis 76 in Afrika zu erstellen.
Vorab muss ich noch sagen, dass ich mich zur Zeit wieder in Südafrika befinde, deshalb keine Fotos (Dias) zur Verfügung habe und das Tagebuch hat meine damalige Frau behalten, also kann ich es nicht als Gedankenstütze benützen.
Meine Lebsenpartnerin Christine ist noch mit den Korrkturen an diesem Bericht beschäftigt, er wird also nur in Portionen hier erscheinen.
Afrikavirus
Infiziert mit dem Afrikavirus hatte ich mich schon lange bevor ich einen Fuss auf den „Schwarzen Kontinent“ gesetzt hatte. René Gardi, welcher in meinen jungen Jahren im Berner Rossfeld-Quartier wohnte wie wir, zeigte im Schweizer Fernsehen Filme seiner Expeditionen im tiefsten Afrika.
Leben in Südafrika
Schon während der Berufsausbildung war mir klar, dass ich einige Jahre im Ausland verbringen wollte. Auswandern konnte man damals nach Australien oder Südafrika relativ einfach. Von Südafrika bekam man am meisten Unterstützung ohne eine Verpflichtung einzugehen. Bis es soweit war arbeitete ich noch und absolvierte die Rekrutenschule. Meine Freundin Margrit war einverstanden mit mir zusammen dieses Abenteuer zu wagen.
Wenn ich mich recht erinnere kamen wir im März 1974 in Johannesburg an. Von dort wurden wir von einem Mitglied einer staatlichen Organisation abgeholt und betreut. Wir hatten Kost und Logis, zudem erhielten wir Adressen von potenziellen Arbeitgebern. Schon bald hatten wir beide einen Job und mieteten als erstes im Mariston Hotel, unterhalb des Hillbrow, eine möblierte Wohnung. In meinem eigentlichen Beruf als Radio- und Fernseh-Techniker fand ich damals noch keinen interessanten Job. Ich war etwas zu früh im Land am Kap angekommen, Fernsehprogramm gab es erst ab 1976. Deshalb reparierte ich bei Photo-Me Fotoautomaten, die auch bei uns praktisch in jedem Bahnhof standen. Später suchten wir uns eine etwas günstigere Wohnung, richteten uns auch nur ziemlich behelfsmässig ein, denn wir hatten vereinbart nur zwei Jahre im Land zu bleiben. Nach kurzer Zeit wurde ich nach Durban versetzt, wo wir zusammen an den Photoautomaten arbeiteten. Nach etwa einem halben Jahr wollten man mich wieder nach Joh’burg holen aber und gefiel es in Durban besser, also kündigten wir. Meine Freundin fand bei der Durbaner Filiale der Joh’burger Firma wieder einen Job. Da nun bereits Fernseher und Antennen von diversen Firmen verkauft wurden, fand ich sogar auf meinem erlernten Beruf einen Job.
Zu dieser Zeit war Konkubinat in Südafrika zwar nicht verboten, aber zumindest nicht gern gesehen und das hatte uns schon früher bei der Wohnungssuche Ärger gemacht. Deshalb beschlossen wir in Südafrika zu heiraten.
In den gut zwei Jahren, die wir in Südafrika verbrachten besuchten wir im Urlaub und an langen Wochenenden vor allem die Provinzen Transvaal (Mpumalanga) und Natal (Kwazulu-Natal). Zweimal hatten wir Familienbesuch und mit ihnen mussten wir natürlich in den Krüger. Die kürzeste Strecke führte durch Swasiland, wo es auf unserer Route aber nur unbefestigte Strassen gab.
Es war die Zeit der Apartheid, von der wir als Weisse hautsächlich profitierten. Für uns galt die Jobreservation, das heisst, gewisse Arbeiten und Berufe waren für Schwarze nicht erlaubt auszuüben. Da war es für uns einfach eine Arbeit zu finden. Heute ist das umgekehrt, der Affirmativ Act privilegiert die Schwarzen. Wegen der Rassentrennung und dem Verbot für Schwarze sich nachts in den Ortschaften aufzuhalten, gab es zu dieser Zeit eine sehr geringe Kriminalität und wir konnten uns in der Stadt bedenkenlos aufhalten. In den Townships und Homelands sah das ganz anders aus. Wir bekamen aber schon die Benachteiligung der Bevölkerungsmehrheit mit, allerdings war bis 1976 nichts davon in den Medien zu lesen und zu hören. Damals wusste man aber schon, dass es so nicht weiter gehen kann und man vermutete, dass die Zukunft für die 10% Weissen wurde langfristig nicht gut aussehen würde.
Vorbereitung zur Heimkehr in die Schweiz
Wir hatten ja einen auf zwei Jahre beschränkten Aufenthalt geplant und die Aussichten für uns sahen aus der damaligen Sicht in diesem Land nicht rosig aus. So machten wir uns irgendeinmal Gedanken zur Rückkehr in die Heimat. Wir hatten einiges gespart, auch wenn uns der Währungsverfall des Rands zum US-Dollar unser Bankkonto etwas geschmälert hatte. Umtauschen in Dollar war aber kein Problem, wie wir erst befürchtet hatten.
Einfach ein Flugticket kaufen und auf dem direktem Weg in die Schweiz, war uns zu einfach. Darum entschieden wir uns für eine Rückkehr auf dem Landweg. Jedenfalls bis Mombasa und dann eine Verschiffung nach Alexandria (Ägypten). Denn der Suezkanal war kurz vorher wieder benutzbar geworden. Er war er wegen des ägyptisch-israelischen 6-Tagekriegs geschlossen. Von „Alex“ aus war der Plan durch Nordafrika bis Marokko zu fahren, dann mit der Fähre nach Spanien, danach über Frankreich in die Schweiz. Also kauften wir einen gebrauchten VW-Bus, den ich rudimentär zum Camper umbaute. Immerhin hatten wir einen Kühlschrank dabei, den man mit Gas, 12 und 220 Volt betreiben konnte. Allerdings gabs keinen Kamin, Gasbetrieb war nur mit offener Schiebetür möglich. Ein zwei flammiger Gaskocher stand uns auch noch zur Verfügung.
Wegen dem internationalen Boykott gegen Südafrika, fuhren wir vor der Abreise nach Swasiland um den Bus dort zu registrieren. Über die Schweizer Botschaft liessen wir uns in der Schweiz neue Pässe ausstellen, damit keine Eintragung aus Südafrika darin waren. Wir unternahmen noch einiges mehr um die Spuren unserer Vergangenheit zu vertuschen. Informationen, zu dem was uns erwartete, hatten wir eigentlich keine, da es noch kein Internet gab. GPS auch nicht, aber wir hatten die Afrika Karten von Michelin und die galten damals als recht zuverlässig. Reiseführer waren uns auch keine bekannt. Aber wir waren jung und ziemlich sorglos. Jedenfalls ich.
Im nächsten Beitrag geht es dann richtig los.
Gruss
Emanuel
Vorab muss ich noch sagen, dass ich mich zur Zeit wieder in Südafrika befinde, deshalb keine Fotos (Dias) zur Verfügung habe und das Tagebuch hat meine damalige Frau behalten, also kann ich es nicht als Gedankenstütze benützen.
Meine Lebsenpartnerin Christine ist noch mit den Korrkturen an diesem Bericht beschäftigt, er wird also nur in Portionen hier erscheinen.
Afrikavirus
Infiziert mit dem Afrikavirus hatte ich mich schon lange bevor ich einen Fuss auf den „Schwarzen Kontinent“ gesetzt hatte. René Gardi, welcher in meinen jungen Jahren im Berner Rossfeld-Quartier wohnte wie wir, zeigte im Schweizer Fernsehen Filme seiner Expeditionen im tiefsten Afrika.
Leben in Südafrika
Schon während der Berufsausbildung war mir klar, dass ich einige Jahre im Ausland verbringen wollte. Auswandern konnte man damals nach Australien oder Südafrika relativ einfach. Von Südafrika bekam man am meisten Unterstützung ohne eine Verpflichtung einzugehen. Bis es soweit war arbeitete ich noch und absolvierte die Rekrutenschule. Meine Freundin Margrit war einverstanden mit mir zusammen dieses Abenteuer zu wagen.
Wenn ich mich recht erinnere kamen wir im März 1974 in Johannesburg an. Von dort wurden wir von einem Mitglied einer staatlichen Organisation abgeholt und betreut. Wir hatten Kost und Logis, zudem erhielten wir Adressen von potenziellen Arbeitgebern. Schon bald hatten wir beide einen Job und mieteten als erstes im Mariston Hotel, unterhalb des Hillbrow, eine möblierte Wohnung. In meinem eigentlichen Beruf als Radio- und Fernseh-Techniker fand ich damals noch keinen interessanten Job. Ich war etwas zu früh im Land am Kap angekommen, Fernsehprogramm gab es erst ab 1976. Deshalb reparierte ich bei Photo-Me Fotoautomaten, die auch bei uns praktisch in jedem Bahnhof standen. Später suchten wir uns eine etwas günstigere Wohnung, richteten uns auch nur ziemlich behelfsmässig ein, denn wir hatten vereinbart nur zwei Jahre im Land zu bleiben. Nach kurzer Zeit wurde ich nach Durban versetzt, wo wir zusammen an den Photoautomaten arbeiteten. Nach etwa einem halben Jahr wollten man mich wieder nach Joh’burg holen aber und gefiel es in Durban besser, also kündigten wir. Meine Freundin fand bei der Durbaner Filiale der Joh’burger Firma wieder einen Job. Da nun bereits Fernseher und Antennen von diversen Firmen verkauft wurden, fand ich sogar auf meinem erlernten Beruf einen Job.
Zu dieser Zeit war Konkubinat in Südafrika zwar nicht verboten, aber zumindest nicht gern gesehen und das hatte uns schon früher bei der Wohnungssuche Ärger gemacht. Deshalb beschlossen wir in Südafrika zu heiraten.
In den gut zwei Jahren, die wir in Südafrika verbrachten besuchten wir im Urlaub und an langen Wochenenden vor allem die Provinzen Transvaal (Mpumalanga) und Natal (Kwazulu-Natal). Zweimal hatten wir Familienbesuch und mit ihnen mussten wir natürlich in den Krüger. Die kürzeste Strecke führte durch Swasiland, wo es auf unserer Route aber nur unbefestigte Strassen gab.
Es war die Zeit der Apartheid, von der wir als Weisse hautsächlich profitierten. Für uns galt die Jobreservation, das heisst, gewisse Arbeiten und Berufe waren für Schwarze nicht erlaubt auszuüben. Da war es für uns einfach eine Arbeit zu finden. Heute ist das umgekehrt, der Affirmativ Act privilegiert die Schwarzen. Wegen der Rassentrennung und dem Verbot für Schwarze sich nachts in den Ortschaften aufzuhalten, gab es zu dieser Zeit eine sehr geringe Kriminalität und wir konnten uns in der Stadt bedenkenlos aufhalten. In den Townships und Homelands sah das ganz anders aus. Wir bekamen aber schon die Benachteiligung der Bevölkerungsmehrheit mit, allerdings war bis 1976 nichts davon in den Medien zu lesen und zu hören. Damals wusste man aber schon, dass es so nicht weiter gehen kann und man vermutete, dass die Zukunft für die 10% Weissen wurde langfristig nicht gut aussehen würde.
Vorbereitung zur Heimkehr in die Schweiz
Wir hatten ja einen auf zwei Jahre beschränkten Aufenthalt geplant und die Aussichten für uns sahen aus der damaligen Sicht in diesem Land nicht rosig aus. So machten wir uns irgendeinmal Gedanken zur Rückkehr in die Heimat. Wir hatten einiges gespart, auch wenn uns der Währungsverfall des Rands zum US-Dollar unser Bankkonto etwas geschmälert hatte. Umtauschen in Dollar war aber kein Problem, wie wir erst befürchtet hatten.
Einfach ein Flugticket kaufen und auf dem direktem Weg in die Schweiz, war uns zu einfach. Darum entschieden wir uns für eine Rückkehr auf dem Landweg. Jedenfalls bis Mombasa und dann eine Verschiffung nach Alexandria (Ägypten). Denn der Suezkanal war kurz vorher wieder benutzbar geworden. Er war er wegen des ägyptisch-israelischen 6-Tagekriegs geschlossen. Von „Alex“ aus war der Plan durch Nordafrika bis Marokko zu fahren, dann mit der Fähre nach Spanien, danach über Frankreich in die Schweiz. Also kauften wir einen gebrauchten VW-Bus, den ich rudimentär zum Camper umbaute. Immerhin hatten wir einen Kühlschrank dabei, den man mit Gas, 12 und 220 Volt betreiben konnte. Allerdings gabs keinen Kamin, Gasbetrieb war nur mit offener Schiebetür möglich. Ein zwei flammiger Gaskocher stand uns auch noch zur Verfügung.
Wegen dem internationalen Boykott gegen Südafrika, fuhren wir vor der Abreise nach Swasiland um den Bus dort zu registrieren. Über die Schweizer Botschaft liessen wir uns in der Schweiz neue Pässe ausstellen, damit keine Eintragung aus Südafrika darin waren. Wir unternahmen noch einiges mehr um die Spuren unserer Vergangenheit zu vertuschen. Informationen, zu dem was uns erwartete, hatten wir eigentlich keine, da es noch kein Internet gab. GPS auch nicht, aber wir hatten die Afrika Karten von Michelin und die galten damals als recht zuverlässig. Reiseführer waren uns auch keine bekannt. Aber wir waren jung und ziemlich sorglos. Jedenfalls ich.
Im nächsten Beitrag geht es dann richtig los.
Gruss
Emanuel



