Beate2Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201014. Sept. 2011 · #81
Hallo Sanne, für einen weiteren Aufenthalt auf Erongo empfehlen wir zu warten, bis es ein neues Management gibt. Robert ist da leider eine Fehlbesetzung 🙁 Es sei denn, er kriegt eine 180° Drehung hin 😕 Ansonsten ist es ein tolles Fleckchen Erde! Und wir haben dort ja noch einen Tag vor uns... 😣
Hallo Topobär, ja, die Zeit und Gespräche mit Kules waren sehr schön. Seine Begeisterung war ansteckend und rührend. 🙂
Liebe Grüße Beate
Beate2Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201015. Sept. 2011 · #82
23. Juni 2011
Nein, es wird keine gute Nacht! Das Bett ist bretthart und es ist a...kalt im Zelt. Ein eiskalter Wind kommt durch die offenen Reißverschlüsse und „umschmeichelt“ unsere Köpfe. Aus der Nase läuft das Wasser - ich brauche etliche Taschentücher und hoffe, dass ich mich jetzt nicht auch noch wieder erkältet habe. Wie war das: „A coldfront is coming...“ 😐 Um 5.40 klingelt der Wecker, es ist noch dunkel und kalt draußen. Das Aufstehen fällt verdammt schwer. Duschen ist heute Morgen unvorstellbar, ein paar Wassertropfen auf die Augen und Zähne putzen muss reichen. Um 6.00 treffen wir uns für unseren 3 Stunden Morning Walk am Restaurant. Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich da wirklich Lust drauf habe... Aber heißer Kaffee und Rusks helfen mir, etwas wacher zu werden, und dann marschieren wir beide mit Kules los.
Es wird ein sehr schöner und informativer Gang über das Gelände. 🙂 Kules erklärt uns die Lodge und die Farm, Fauna und Flora: Welche Pflanzen sind giftig, welche Pflanzen werden zu medizinischen Zwecken genutzt, welche Pflanzen haben eine bestimmte Bedeutung etc. Er ist ein sehr guter guide, begeistert und kenntnisreich. 🙂
Wir treffen auf Dassies, die sich in der Morgensonne auf den Felsen wärmen
Und wir sehen ganz viele Vögel: Pearl-spotted Owlet, Lovebirds, White-tailed Shrike, Melba Finch, Bulbul, Swallow-tailed Bee-eater, Rock Bunting, Red-billed Frankolin, Yellow-billed, Red-billed und Monteiro-Hornbill, Grey Lourie, Glossy Starling etc.
Zwischendurch erzählt Kules viel von sich. Es ist schön zu merken, wie stolz er ist, dass er die Schule und die Ausbildung geschafft hat. Er ist glücklich, dass er einen Job hat, der ihm Spass macht und mit dem er seine kleine Familie ernähren kann. Und wir glauben, dass er einige von seinen Zukunftsträumen verwirklichen kann!
Um 9.30 sind wir zurück zum Frühstück. Das ist sehr gut. 🙂 Wir wählen Pfannkuchen mit Obst, Joghurt und Honig. Es gibt Müsli, Joghurt, viel frisches Obst, Wurst, Käse, Marmelade, verschiedene Brotsorten, Muffins. Und starken Kaffee. Das kommt jetzt gut! Vor den Fenstern geben ganz viele Vögel ein Konzert dazu.
Wir bringen dann schnell unsere Ankle-Bags, die wir für den Walk geliehen hatten, zu Robert zurück. Die Dinger waren Gold wert bei dem hohen Gras und all den Grannen! In Swakopmund wollen wir versuchen, uns welche zu kaufen. Robert fragt, wie wir geschlafen haben. Na, wie wohl?! 😠 Die Reißverschlüsse... „Oh...“ 🤨
Dann holen wir bis 12.00 erst mal Schlaf nach. Jetzt mögen wir auch duschen. Danach gehen wir mit Büchern und Kameras auf die Terrasse über dem pool und schreiben Tagebuch.
Um 15.00 ist wieder Teatime. Heute mit Vanillacake und Meatballs mit Chutney. Lecker! 🙂 Es sind 2 neue Gäste angekommen: Schotten, die in Südafrika leben - bei uns im Ort, 3 Straßen weiter! Diese Welt ist doch ein Dorf! 🤪 Um 15.30 starten wir alle zum Sundowner Drive. Nach dem Regen der letzten Monate ist der Weg ein einziges Schlagloch und es steht auch noch viel Wasser. Kules erzählt, sie hätten den Drive für 3 Monate nicht machen können und würden erst seit einigen Tagen wieder fahren. Das glaube ich sofort! Die Strecke führt uns erst durch die Ebene und dann hinauf in die Felsen. Unterwegs sehen wir hoch oben an einer Felswand einen Black Eagle auf seinem Horst. Ein winziger Punkt in einem riesigen Nest. Das Größenverhältnis ist in etwa ein Hausbewohner in einem Mehrfamilienhaus. Wir vermuten, dass ein Jungtier im Nest sitzt. Ein Damara Dik-Dik steht am Wegrand und streckt die Nase. Ein herrliches Bild! Leider nicht digital.
Von ganz weit oben auf den Felsen wird unsere Fahrt aufmerksam von 3 Klippspringern verfolgt.
Dann erklimmen wir die Felsen hinauf zu Paulas Cave. Ganz hinten in der Höhle wohnt Familie Barn Owl mit 5 Jungen, die uns mit großen Augen bestaunen. Sie sind schwer auszumachen - graue Bälle vor grauem Stein. Und ich will ihnen für Fotos nicht zu nahe auf‘s Gefieder rücken.
Die Felsmalereien am Eingang der Höhle sind wunderschön. Ganz fein, zum Teil sehr blass, zum Teil in kräftigem Rot.
Vor der Höhle nehmen wir unseren Sundowner, Brandy-Coke, und genießen die Stille und die Aussicht.
Die Rückfahrt ist ziemlich ätzend. War die Strecke bisher schon schlecht - jetzt wird sie ganz schlecht. Kules schaukelt uns im Schritttempo durch die Pfützen und tiefen Löcher. Es wird kalt und der Wind frischt auf. Wir haben keinerlei Orientierung mehr in der stockdunklen Nacht und hoffen bei jeder Kurve, dass die Lodge doch endlich kommen möge...
Vor dem Dinner ziehen wir uns noch schnell wärmer an - lange Unterhosen, Kaschmirpullover, Wollsocken...
Im Restaurant ist es kalt. Die 2 Holzscheite im Kamin wärmen sich gegenseitig, viel mehr ist nicht drin. 😗 Wir halten uns nicht lange auf und ordern unser Essen. Heute gibt es: Salmon Roses with Cottage Cheese, Toast. Mixed Salad. Ostrichfillet with Blue-Cheese-Sauce oder Lamb Curry. Als Dessert Amarula-Chocolade-Mousse.
Der Toast zur Vorspeise ist zu Beton erstarrt, der Rest dazu geschmacksneutral. 😵 Der Salat ist OK. Dann entschieden wir uns beide für das Lamm Curry. Was da im Dunkeln vor uns auf dem Teller liegt kommt uns doch komisch vor. Es ragen mehrere lange Dinger heraus, es sieht nicht nach Curry aus, es riecht nicht nach Curry...??? 😕 Die Berührung der Stöckchen mit dem Messer bringt mich einen Schritt weiter: Das sind Knochen! Knochen im Curry? 🤩 Der Geschmackstest offenbart: Kein Curry - Geschmacksverstärker pur! Genau das, was ich nicht möchte und was es hier angeblich nicht gibt!!! 😠 Ich bin stinksauer und Widerwillen gegen das Essen macht sich breit. 🤢
Die Bearbeitung des Knochenberges erweist sich als schwierig, da das Zeug verdammt zäh ist. Schließlich dämmert es uns: Es gibt Lammrippchen in Fertigmarinade. Wie zum Teufel kann man Lammrippchen servieren, die nur aus Knochen, Haut und Sehnen bestehen??? 😠 😠 😠 Würde ich das unseren Freunden zu Hause servieren - ich bräuchte mir nie wieder Gedanken um ein Dinner zu machen! Hinzu kommen etliche feine Knochensplitter auf die wir beissen. 😣 Ich stochere auf meinem Teller herum und esse nur das Gemüse. Mein Schatz schließt sich meinem Ärger an, es ist ungenießbar. 🤢 Robert kommt und fragt, ob es schmeckt. Nein, denn das ist das, was ihr angeblich nicht benutzt und es ist kein Curry. „Oh...“ 🤨
Ob ich statt dessen das Ostrichfillet möchte? Danke, mir ist der Appetit vergangen. 🙁 🙁 Gleich darauf bekomme ich mit, dass das Ostrichfillet am Nebentisch zurückgeht. Es ist weder mit dem Messer noch mit den Zähnen zu zerkleinern. 😮 Was für ein Desaster! 😣 Ich bin froh, dass ich das Filet als „Wiedergutmachung“ ausgeschlagen habe, denn ich weiss nicht, was passiert wäre, wenn ich auch noch ein zähes Filet auf dem Teller gehabt hätte. 😗
Dann kommt das Dessert - und wir staunen erneut. Das ist keine Amarula-Chocolade-Mousse. 🙁 Das ist ein kleines Teighörnchen mit Sahne gefüllt. 😵 Ich gehe los und will auf dem Menü nachsehen, ob wir da etwas falsch abgespeichert haben. Das Menü finde ich nicht mehr, dafür begegne ich Robert. „Is everything OK?“ „No, we are missing the Amarula-Chocolade-Mousse“. „No, no Amarula-Chocolade-Mousse today...“ Immerhin, wir schmecken einen Hauch Amarula in der Sahne. 😐 Robert geht in die Küche um die Irritation aufzuklären und kommt mit einer ganz simplen Erklärung zurück: „They printed the wrong menu. We had the Curry and Amarula-Chocolade-Mousse two days ago“. 🤩 🤩 Robert, herzlichen Glückwunsch, du hast deinen Laden voll im Griff! 😠 🤢 😣 🙁
Unsere Blicke sprechen Bände, der Nebentisch schließt sich uns an und Robert verschwindet ganz schnell. Also dies ist definitiv nicht die vollmundig versprochene Top-Küche. Dies ist eine Katastrophe! 🤢 🤢 🤢
Das Feuer im Kamin ist fast erloschen und wir verlassen diesen gastlichen Ort schleunigst. An unserem Zelt lassen sich die Reißverschlüsse nach wie vor nicht schließen. 😠 Am Eingang weht es unten eiskalt herein. Wir ziehen an, was wir haben, füllen alle Wärmflaschen und kriechen in die Betten. Uns graut vor der Nacht, denn heute ist es noch kälter als gestern. 😵
24. Juni 2011
Die vorige Nacht war schon a...kalt - diese ist drei mal a...kalt. 😣 Ich nehme zum Stirnband noch die Mütze und versuche, mich möglichst wenig umzudrehen, damit sich keine Luftlöcher bilden können. Außerdem muss ich das eiskalte Bettzeug an der neuen Position erst mal mühselig anwärmen. Und damit bin ich hellwach. Das Wasser läuft in Bächen aus der Nase. Meine Stimmung ist unter dem Gefrierpunkt angelangt, ich will nach Hause!!! 🤢 Ich bin es leid, in zugigen und ungeheizten Unterkünften zu frieren und überlege ernsthaft, ob ich den Urlaub wirklich wie geplant zu Ende bringen will. Der Kältepol Namibias steht uns ja angeblich mit Aus noch bevor. 🤩 🤩 Na, klasse! 🤩 🤩
Beim Aufstehen um 6.45 sind wir Eisblöcke. Die Katzenwäsche geht heute noch schneller, die Koffer packen wir im Rekordtempo zum warm werden. Auf dem boardwalk erwartet uns eine Überraschung: Die Holzplanken und das Geländer sind mit einer dicken Eisschicht überzogen. 😮 Wir tappen vorsichtig über den spiegelglatten Weg. Jetzt bloss nicht noch ausrutschen und die Knochen brechen!
Um 7.30 hat es im Restaurant Außentemperaturen. Im Kamin brennt kein Feuer. Der Kaffee ist kalt, bevor er in der Tasse ist. Zähneklappernd stehen wir herum und warten auf das Frühstück. Wir sagen jedem wie kalt es ist. Die Schotten schließen sich uns an. Das finden die Angestellten scheinbar etwas merkwürdig. Sie fragen uns, ob es denn in Deutschland nicht kalt wäre. Doch, aber da schlafen wir dann nicht im offenen Zelt... „Oh...“ 🤨
Vor dem Restaurant fressen ganz viele Lovebirds, Bunting, Tauben und eine dicke Dassie Rat die Samen, die für sie dort ausgestreut wurden.
Zum Frühstück bestelle ich 2 gekochte Eier. Als ich die XXS-Ausgabe aus ihrem Eierbecher kippe um sie auf zu schlagen, stelle ich fest, dass der große Teller, auf dem die beiden Eierbecher stehen, ganz heiß ist. Das ist mit Abstand das wärmste Teil weit und breit und ich überlege, ob ich mir den Teller nicht unter das Hemd stecken soll. 😗 😗 Meinen gekochten Eiern hilft er eh nicht... Dazu gibt es Erkältungstropfen. 😵 Wir frühstücken ganz schnell, es ist zu kalt und ungemütlich. Robert hält sich beim Auschecken sehr bedeckt. Wir wollen einfach nur weg hier. 🤢
Fazit zur Erongo Lodge: Eine schöne Anlage für schönes Wetter. Im Winter nie wieder! Einige Mitarbeiter sind pfiffig und engagiert. Aber das Management ist eine totale Fehlbesetzung. Das Wort „Entschuldigung“ kommt in Roberts Wortschatz offensichtlich nicht vor. Seine Gleichgültigkeit empfinden wir lähmend. Daher werden wir unter diesem Management nie wieder hierher kommen! Die Diskrepanz zwischen den beiden Abendessen ist enorm. So extrem haben wir es noch nie irgendwo erlebt. Wer hat am zweiten Abend wohl an den Töpfen gestanden? Das Preis-Leistungs-Verhältnis würde hier für uns auch ohne die Katastrophen nicht stimmen. So empfinden wir es als Abzocke. 😠
Im Nachhinein ärgere ich mich, dass wir Robert nicht heftiger auf die Zehen getreten sind oder am Ende zumindest einen Teil der noch ausstehenden Summe abgezogen haben. 🙁
Um 8.40 sitzen wir bei 4° endlich in unserem Auto und werfen sofort die Sitzheizung an. Fleecejacken und Stirnband mag ich noch nicht ablegen, ich habe Halsschmerzen und die Nase läuft.
Serengeti354 Beiträge · seit 201016. Sept. 2011 · #83
Hallo Beate,
erst einmal herzlichen Dank für Deinen toll geschriebenen Bericht. Ich bin seit längerer Zeit "heimlicher" Mitleser.
Die Problematik "Preis/Leistungs- Verhältnis" in den teuren Lodges haben wir ähnlich während unseres Aufenthalts erlebt. Nachdem im Forum hinsichtlich Verpflegung in den Lodges derart geschwärmt wurde, hatten wir schon überlegt, ob wir uns nicht völlig außerhalb jeglich vernünftiger Norm bewegen. Aber je mehr man in letzter Zeit liest, desto mehr findet man durchaus auch kritischere Töne bzgl. "Verpflegung in teuren Lodges". Da scheint man in jüngster Vergangenheit (nur die kann ich in Nam beurteilen), sei es was Küchenpersonal anbelangt oder auch Management, sehr geschludert zu haben.
Freue mich auf die Fortsetzung.
LG Serengeti
Topobär5'479 Beiträge · seit 200916. Sept. 2011 · #84
Wir waren letztes Jahr im Mai in diversen "teuren" Lodges in Namibia und Botswana; unter anderem auch in der Erongo Wilderness Lodge. Mir hat es in allen Unterkünften geschmeckt. Manchmal war es "nur" gut, manchmal aber auch excellent. Einzig an den Epupa Falls hätten die Portionen größer sein können.
Hat aber sicherlich auch etwas mit Erwartungshaltungen und persönlichen Vorlieben zu tun.
TanjaH956 Beiträge · seit 200916. Sept. 2011 · #85
Hi Beate!
Wie auch schon bei deinem Südafrika-Bericht reise ich hier mit Freude mit. Ich mag deine Beschreibungen und Fotos 🙂
Dein Bericht gibt unserer Art (durch Namibia) zu reisen recht. Wir waren im März als Selbstversorger unterwegs und ich muss sagen, ich würde jede Unterkunft wieder aufsuchen. Keine davon war mE wirklich teuer. Ich bin auch nicht bereit, unendlich viel Geld auszugeben, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht wirklich stimmt. Es natürlich ein sehr subjektives Empfinden, ob das Verhältnis stimmt, aber teilweise werden in Namibias Unterkünften schon ganz schön heftige Preise verlangt. Wir haben am Anfang unserer Reise-Planung echt einen Schock bekommen, da wir in Südafrika mit deutlich weniger Geld ausgekommen sind (ich weiß, dass in RSA Angebot und Konkurrenz größer sind). Jedenfalls konnten wir uns so immer über frische selbst zubereitete Ware freuen und haben uns öfter einen Restaurant-Besuch gegönnt.
Ich hoffe, dir hat die Reise trotzdem gefallen und ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht.
LG aus Österreich,
Tanja
Hanne6'152 Beiträge · seit 200616. Sept. 2011 · #86
Hallo Beate, waren schon 3x auf der Erongo Wilderness - weil wir sie einfach von der Lage einmalig finden -Managemnt und Essen waren immer hervorragend. Beim 2. Aufenthalt haben wir einen Gutschein von 25% erhalten, wenn wir wieder- kommen - war ja klar, bei der nächsten Tour in den Norden wurde dieser eingelöst. Schade, für Euch aber auch für den Ruf der Lodge- hoffe, dass der Eigentümer da rasch einen Wechsel vornimmt. Sonnige Grüsse Hanne
8 x Südafrika,1x Zimbabwe, 22x Namibia, 4x Botswana, 1x Lesotho, 1 x Swasiland
Beate2Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201016. Sept. 2011 · #87
Hallo Serengeti, Topobär, TanjaH und Hanne,
ich fasse meine Antworten an euch mal zusammen.
Ja, wir haben uns des öfteren gefragt, was in puncto Qualität des Essens los war. Bei so viel Lob zum Essen auf den Lodges, das ich im Vorfeld in vielen Berichten gelesen hatte, habe ich schon gedacht: "Na, wenn nur die Hälfte davon unseren Geschmack trifft, dann werden wir lecker essen".
Manches war einfach und sehr gut. Manches war ausgefallen und gut. Manches war na ja. Manches war ungenießbar. Wir hatten die ganze Palette.
Auch wenn es vielleicht nicht den Anschein hat - wir sind unkomplizierte Esser, die du mit einem einfachen Eintopf, einem zarten Stück Fleisch oder Fisch, selbst mit Milchreis oder Pfannkuchen glücklich machen kannst. "Schnick-Schnack auf Schäumchen am Schwänzchen im Körbchen" ist nicht unsere Welt. Die Nobelrestaurants dieser Welt verdienen an uns kein Geld.
Versalzenes Essen, bei dem dir vom Salzgehalt übel wird (konzentriertes Salzwasser ist bekanntlich ein Brechmittel) oder wenn statt Fleisch nur Knochen und Sehnen auf dem Teller liegen - beides ist unabhängig von persönlichen Vorlieben und Erwartungen für keinen Küchenchef ein Aushängeschild.
Robert hat uns die Küche auf Erongo als eine der besten in Namibia angepriesen. Am ersten Abend war sie da auch auf einem guten Weg. Am zweiten Abend hat sie sich leider verirrt.
Schein und Sein lagen oft leider weit voneinander entfernt.
Vielleicht lag es an der Winterzeit und die Köche hatten Urlaub? Vielleicht hatte der Koch / das Management gewechselt? Vielleicht waren Sparmassnahmen angesagt? Vielleicht ist es mangelnde Konkurrenz in der Weite des Landes? Vielleicht ist es eine "die kommen eh nicht wieder" Haltung?
Wir wissen es nicht.
Klar, auch das Preis-Leistungs-Verhältnis werten wir alle unterschiedlich. Ich glaube wir sind einer Meinung, dass viele Lodges und Restaurants in Namibia stolze Preise aufrufen. Und da hat für uns leider oft das Verhältnis nicht gestimmt.
Wenn wir noch mal nach Namibia fahren, dann werde ich wohl selbst den Kochlöffel in die Hand nehmen. Schade, denn ich setze mich nach langen, erlebnisreichen Tagen einfach gerne an den fertigen Tisch und lasse mich verwöhnen. Aber unsere Erfahrungen aus diesem Jahr wirken halt nach.
Insgesamt gebe ich unserer Reise das Prädikat "interessant". Für "toll", "erholsam" oder "sofort wieder hin wollen" fehlen doch einige Merkmale.
Bald geht es weiter. Und der nächste Stop in Swakopmund war schön!
Liebe Grüße Beate
marimari2'240 Beiträge · seit 201116. Sept. 2011 · #88
Hallo auch ich bin hier ein stiller Mitleser- vielen Dank für diesen Bericht..bin ja mal gespannt, was auf uns zu kommt. Das einzige afrikanische Land, wo mir das Essen durchaus geschmeckt hat, war Südafrika..auch in Kenia u. Tanzania hatte ich kulinarisch keine Highlights..von dem her stelle ich mich schon mal ein, dass ich meine Erwartungen nicht zu hoch schraube, vielleicht werd ich ja positiv überrascht?..ich seh's ja dann..wenn es mir nicht schmeckt, kann ich locker mal aussetzen..essen muss nicht sein, wenn es grauslig ist 😎 Gruss Mari..
Beate2Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201018. Sept. 2011 · #89
Hallo Mari,
das Positive an unseren Magen-Darm-Geschichten und der für uns "nie lekker nie" Verpflegung war, dass wir nur unwesentlich Hüftgold mit nach Hause gebracht haben. Das ist ja auch ein Vorteil... 😕
LG Beate
Beate2Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201019. Sept. 2011 · #90
24. Juni 2011 Fortsetzung 1.Teil
Ganz langsam tauen wir auf, ich nippe regelmäßig an meinen Erkältungstropfen und niese noch regelmäßiger. Mist! Die D2315 ist gut zu fahren, einige riviere führen noch Wasser, machen aber keine Schwierigkeiten.
Einen Elefanten sehen wir leider nur auf diesem Schild
Die Morgensonne wirft ein schönes warmes Licht auf die Landschaft und wir bewundern einmal mehr die Felsformationen und das üppige Gras.
Wir biegen auf die D1935 ab - auch sie ist wunderbar glatt. Nach einiger Zeit taucht in der Ferne schon die Spitzkoppe auf.
Weiter geht es auf der D1927 und D1930. Auch diese beiden sind ein Fahrvergnügen. 1 Warthog kreuzt die pad, wir sehen Rinder, Ziegen und einige Esel
Und endlich Erdmännchen! 🙂 Auf einer kleinen Lichtung im hohen Gras sonnt sich eines, während der Kumpel Wache hält. Und schwups, schon sind sie weg... 🙁
Leider ist es wieder etwas diesig in der Ferne, aber die Spitzkoppe ist auch so beeindruckend.
Beate2Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201019. Sept. 2011 · #91
24. Juni 2011 Fortsetzung 2.Teil
Über die D3716 fahren wir näher heran an die Spitzkoppe und können nun erkennen, dass es bis oben Flecken grüner Vegetation gibt. Das ist hier sicher nicht immer so...
Mittlerweile ist es 11.30 und wir haben 21°. Aber es weht ein eiskalter Wind hier. Ich mag nicht aussteigen und herumlaufen. Hals und Kopf tun weh und ich tauche tief in unsere Reiseapotheke ein. 😵
Wir haben lange nicht mehr so viele Autos auf einem Haufen gesehen wie hier: Es ist Freitag und in Südafrika haben die Schulferien begonnen.
Da wir noch genügend Zeit haben entschließen wir uns, auf der D1918 über Henties Bay nach Swakopmund zu fahren. Wieder rollen wir auf glatter pad dahin. Anfangs steht das Gras noch hoch und dicht.
Mit der Zeit wird es spärlicher und spärlicher und das Land wird immer flacher.
Einige Kilometer vor Henties Bay ist die Ebene dann mit Flecken von gelben, lila und roten Blüten gesprenkelt.
Insgesamt finden wir es aber recht eintönig hier. Bei Henties Bay biegen wir dann auf die C34 nach Swakopmund ab. Hier sind es nur noch 14° - der Ozean ist nah. Wlotzkas Baken wirkt mit den bunten Häusern ziemlich surreal.
Jetzt wird der Straßenbelag grausam: Spurrillen und darin dich an dicht Schlaglöcher. Das Ganze ist dann noch mit einer Schicht Schmierseife aus Sand und Salz überzogen. 😮 Oh, Mann! 😮 Zum Glück ist das Ende nicht weit und um 14.15 kommen wir bei 15° nach 307km in Swakopmund an. Unsere Unterkunft für die nächsten 3 Nächte ist das "Central Guesthouse". Es ist wirklich zentral gelegen, dabei ruhig und abseits der Hauptstraße. Wir werden sehr freundlich empfangen, herum geführt und beziehen unser Zimmer Nr.6. Es ist klein, aber nett eingerichtet - und warm, mit Fenstern, die schliessen! 🙂 Wir richten uns ein, packen aus, was wir in den nächsten Tagen brauchen werden, und geben 2 Säcke Wäsche in Auftrag. Danach müssen wir erst mal ausgiebig die gute und heiße Dusche nutzen. 😁
Hunger macht sich breit und wir gehen zu Fuss in die Stadt. Das Zentrum ist ja gleich um die Ecke. Wir bummeln ein bisschen herum, amüsieren uns über all die deutschen Namen und steuern dann das viel gerühmte Café Anton an. Der Kuchen ist OK, aber nicht Welt bewegend. Die Atmosphäre hier in der Stadt ist schon besonders: Deutschland im Ausland. So deutlich ist es uns bisher noch nicht aufgefallen.
Und dann wundern wir uns über die Dekoration im Café: Überall hängt Karnevalsdeko herum. 😕 Da wir keine eingefleischten Jecken sind müssen erst mal überlegen, wann denn in Deutschland eigentlich Karneval ist. Ende Juni ganz bestimmt nicht! 😵 Hängt das alles noch vom letzten Mal? Na ja, andere Länder andere Sitten...
Wir machen noch einen kurzen Gang ans Meer
und beeilen uns, noch rechtzeitig vor Toresschluss in die Kristall-Galerie zu kommen. Die Ausstellung der teilweise riesigen Kristalle und namibischen Spezialitäten gefällt uns gut. Auch der Schmuck, der dort gefertigt wird, ist schön und wirkungsvoll. Hier gibt es auch mal moderne, schlichte und pfiffige Stücke. Da gefällt mir schon einiges. 😗
In der Sonne ist es noch angenehm warm, aber der Wind weht kalt. Gut, dass ich mein Stirnband dabei habe. Um 17.00 schließen die Geschäfte und die Stadt ist schlagartig wie ausgestorben. Wir gehen zurück ins Guesthouse und ich versorge mich mit warmen Klamotten, Kräutertee und der Palette Erkältungsmittel. Wir bringen unsere Tagebücher auf den neuesten Stand und gehen um 19.00 los zum Dinner in die „Kupferpfanne“. Das ist ja eine skurrile Mischung dort: Voll mit alten Bildern und Möbeln, Mineralien, Löwenfett als Seife und anderen Besonderheiten der vergangenen Jahrzehnte. Neben 2 Gruppen, die in extra Räumen essen, sind wir zunächst die einzigen Gäste und stören so niemanden bei unserer Erkundung des Restaurants. Die Speisekarte gefällt uns ausnehmend gut und die Wahl fällt schwer. Wir entscheiden uns für Jägerschnitzel und Seezunge. Beides ist eine gute Wahl: Zart, saftig, gut abgeschmeckt und große Portionen. Und wir essen die besten Pommes, die wir je im südlichen Afrika bekommen haben! 🤩 Wir sind begeistert!!! 😁 😁 Ein Tequila als Verdauer danach ist auch noch fein.
Bald danach fallen wir wegen der letzten schlechten Nächte ins Bett und schlafen richtig gut und ungestört.
Beate2Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201020. Sept. 2011 · #92
25. Juni 2011
Kurz vor 7.00 stehen wir gut ausgeschlafen auf. Der Tag beginnt mit einer heißen Dusche und einem super Frühstücksbuffet: Müsli, frischer Obstsalat, Joghurt, Wurst, Käse, Marmelade, Brötchen, mehrere Brotsorten und guter Kaffee - herrlich! 🙂 Alles ist sehr lecker und liebevoll angerichtet. Die Sonne scheint ins Frühstückszimmer, der Tisch ist mit Blumen und Kerze dekoriert und wir lassen uns Zeit. Um 9.00 brechen wir auf zum Stadtbummel. Die Hauptstraße empfängt uns mit gähnender Leere.
Aber schon bald wird es lebhafter. Wir stöbern durch Buchläden, gucken nach Souvenirs und lassen uns einfach treiben. Überall entdecken wir schmucke Architektur mit deutschen Wurzeln.
Um 11.11 geht es dann los: Es ist Karneval in Swakopmund! 🤩 🤩 Helau! Alaaf! Mit Kamellen, Umzugswagen, Konfetti und allem PiPaPo. 🤩 🤩
Das diesjährige Motto lautet „Schön war die Zeit“.
Einige Wagen sind ganz witzig zum Thema dekoriert. Bei einigen Wagen leuchtet uns die Verbindung nicht ganz ein. Und einige halten mehr von der Gegenwart.
Egal, offensichtlich ist es eines der Highlights in der Stadt. Die Swakopmunder sind völlig aus dem Häuschen. 🤪 Viele haben sich verkleidet oder geschminkt. 🤪 Es werden Bonbons in die Menge geworfen. Und jeder kennt fast jeden... 😄 Manche sind aber auch über die Straßensperren verärgert und versuchen noch sich in letzter Sekunde durch zu mogeln. 😐 Da haben sie aber nicht mit der Vehemenz der Schaulustigen gerechnet: Nichts da, ihr müsst jetzt warten! 😎
Wir lassen den Zug an uns vorbei ziehen und gehen dann weiter, die Stadt erkunden. Ups - drei Ecken weiter begegnen wir dem ersten Wagen noch einmal. Das Zentrum ist wohl nicht so groß... 🤨 Wir laufen weiter durch die Stadt, ohne besonderes Ziel - und treffen den Karnevalszug noch ein drittes Mal. 🤨 Nun ist es aber gut!
Beate2Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201020. Sept. 2011 · #93
25. Juni 2011 Fortsetzung
Wir machen Pause, setzen uns in die Sonne, trinken etwas und gucken den Souvenirverkäufern neben dem alten Bezirksgericht zu.
Unser Weg führt uns dann noch zum alten Bahnhof, dem jetzigen Swakopmund Hotel. Schick schaut es aus! Wir dürfen hinein gehen und uns in der Halle und im Garten umsehen. Ganz schön edel hier.
Es ist ja eine ungewöhnliche Mischung hier in Swakopmund: Deutschland mit mediterranem Einschlag in Afrika. Für ein paar Tage ist es ganz nett, aber auf Dauer wäre die Stadt nichts für uns.
Zum Lunch gibt es ein leckeres Fischbrötchen auf die Faust und danach folgt ein kurzer Verdauungsschlaf. Später fahren wir noch nach Walvis Bay. Die Straße verläuft schnurgerade zwischen den Dünen und dem Meer. Die Dünen leuchten in der Sonne, das Meer glitzert und in der Ferne fahren etliche Schiffe vorbei. Die Wohn- und Feriensiedlungen, die zwischen die Straße und das Meer gequetscht wurden, muten schon ein wenig merkwürdig an. Sand, Wind und Feuchtigkeit rund um die Uhr. Nichts für uns! In Walvis Bay begegnen wir keiner Menschenseele: Es ist Samstagnachmittag und die Stadt ist wie ausgestorben. 😵 Wir fahren zum Jachthafen, der haut uns aber nicht vom Hocker. Daneben sind einige Kitesurfer auf dem Wasser. Ihnen sehen wir interessiert eine Weile zu, denn einer von ihnen ist richtig gut. Ansonsten begegnen wir nur Möwen. 🙁 Die Häuser an der Promenade sind zum Teil sehr edel. Ein Stück weiter stehen sie schon mitten in der Düne: Der Sand reicht bis über die Hälfte der Grundstücksmauer hinauf, direkt dahinter gibt es nur noch Sand. Das ist schon gewöhnungsbedürftig, dass die Orte nahtlos in Dünen und Sand übergehen. Wir fahren noch ein Stück weiter bis zur Saline. Es ist Ebbe und Vögel sind nicht zu sehen. Da wir leider schon spät dran sind kehren wir am Abzweig zum Sandwich Harbour wieder um und wollen uns in der Stadt Kaffee & Kuchen gönnen. Das erweist sich an einem Samstagnachmittag als nicht so leicht. Die gähnende Leere lässt uns das Weite suchen und wir fahren zurück nach Swakopmund.
Dort machen wir einen Stop an der Tiger Reef Bar.
Aber auch hier werden wir nicht wirklich fündig. Die Wind geschützten Plätze sind alle besetzt und im Wind ist es uns zu kalt. An einem warmen Sommertag ist dies sicher ein feines Plätzchen! Unseren Cappucino nehmen wir dann im Café neben dem Museum
und zum Sonnenuntergang sind wir an der Jetty. Leider ist es heute diesig, aber das Farbspiel ist dennoch sehr schön.
Die Luftfeuchtigkeit ist enorm, alles klebt und auf unserem Auto ist eine dicke Schicht aus Sand und Salz fest gebacken. Zurück auf unserem Zimmer gibt es den abendlichen Kräutertee und einen Medikamentencocktail. Mit Fotos sichten, Tagebuch schreiben und Wäsche sortieren verbringen wir die Zeit bis zum Dinner. Zu Fuß gehen wir zum „Tug“. Das Restaurant ist zur Hälfte besetzt und der Service rotiert schon ziemlich. Kaum halten wir die Speisekarte in Händen, will man auch schon unsere Bestellung aufnehmen. Wir sind noch nicht mal mit der ersten Seite durch... Dann kommt niemand mehr... Auch Handzeichen werden geflissentlich übersehen. Schließlich können wir doch bestellen. Ich nehme gebratenen Kabeljau mit Chips. Eine große Portion Fisch, saftig und lecker. Die Chips sind allerdings viel zu schlapp und fettig. Neben denen von gestern fallen sie deutlich ab. Mein Schatz entscheidet sich für Kabeljau mit Cajun Spices und Chips. Der Fisch ist sehr gut gewürzt, aber leider knochentrocken. Die Chips sind auch zu weich. Unsere Begeisterung hält sich in Grenzen. Schade, auch beim Tug scheint mittlerweile die Qualität sehr von der Tagesform abzuhängen. 🙁 Die übliche Frage (auch wenn sie oft als lästige Routine erscheint), ob denn alles OK sei, wurde gar nicht erst gestellt. Und unsere Überlegung, das Essen zurück zu geben, hätte sicher zu einer langen Wartezeit geführt, denn der Laden war mittlerweile rappelvoll. Die Auswahl der Weine, die hier im Glas ausgeschenkt werden, finde ich aber ausgesprochen gut und mein Villiera Sauvignon Blanc passt gut zum Fisch. 🙂 Ich möchte danach noch einen Verdauer, die Bedienung weiss aber nicht, was es gibt. Beim Barkeeper bestelle ich mir dann einen Tequila. Als der nach 10 Minuten noch nicht vor mir steht, verlangen wir die Rechnung. Weitere 10 Minuten später kommt die Rechnung und kurz danach der keuchende Barkeeper. Er fragt, ob ich den Tequila nicht mehr möchte. Er wäre extra „unten“ gewesen... Wo, „unten“? 😵 Ich gucke ihn etwas irritiert an, denn ich weiss nicht, wo er tief getaucht ist. Ich mag aber nun nicht mehr. Was den guten Mann offensichtlich ärgerlich stimmt, denn seine Blicke sprechen Bände... 😠 Sorry, aber ich bin auch ärgerlich, und ich kann den Blicken standhalten. 😠
Swakopmund bei Nacht ist wie ein dunkles Loch. Von den wenigen Straßenlaternen sind viele ausgefallen. Der Nebel hängt tief, es ist feucht und relativ warm. Feuchte Luft und Salz haben alles mit einem Schmierfilm überzogen. Da wir im Dunkeln kaum die schrägen Fußwege und Löcher im Belag erkennen können tappen wir vorsichtig zurück zum Guesthouse. Wir kuscheln uns früh in die Betten und schlafen wieder einmal sehr gut.
Beate2Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201030. Sept. 2011 · #94
26. Juni 2011
Um kurz vor 7.00 stehen wir ausgeschlafen auf. Auf uns wartet wieder ein leckeres Frühstück. Um 8.00 holt uns Johannes zur „Little 5 Tour“ ab. Wir sammeln noch 2 weitere Mitfahrer ein und treffen uns dann mit Tommy. In seinem Wagen sind 2 südafrikanische Familien mit von der Partie, 4 Erwachsene und 7 Kinder. Ostwind kommt auf und Tommy befürchtet, dass der uns die Tour versanden könnte... Aber wir haben Glück, in den Dünen ist es windstiller als an der Küste.
Es ist faszinierend, Tommy zu beobachten: Wie sein Auge von etwas Notiz nimmt, er aus dem Auto springt, los rennt und etliche Meter entfernt ein Tier aus dem Sand ausbuddelt. Seine Begeisterung ist greifbar und er erklärt uns das Ökosystem Wüste sehr anschaulich und interessant. Auf unseren Stopps sehen wir 2 Chamäleons
eine Eidechse, eine Blindschleiche, den kleinsten Käfer, eine Springspinne und eine Sidewinder Snake. Die Sidewinder Snake habe ich mir viel größer vorgestellt. Ihr bei ihrer Grabetechnik zuzusehen ist beeindruckend.
Einen Palmato Gecko sehen wir leider nicht. Tommy berichtet, dass auch er dieses Tier kaum noch sieht. Und sein Humor ist ansteckend! Die Tour gefällt uns und wir haben viel Spass. Auch wenn die Südafrikaner etwas anstrengend sind. 😵 Tommy erklärt gerade die wenigen Pflanzen, da haben die Kinder nichts anderes zu tun, als mit den Füssen die Blätter von den Stängeln zu kicken... Tommy sucht eine Sidewinder Snake in den Büschen - und die Kinder springen in eben diese Büsche hinein, barfuss natürlich... Hat Tommy eine Eidechse auf der Hand, dann müssen wir die Hälse recken, wenn wir auch etwas sehen möchten. Vor uns sind mindestens 5 Kinderköpfe, dahinter 2 Mütter und 2 Väter, die die kids in jeder Lage fotografieren müssen. Das Ganze unter viel Gekreisch „No, I don‘t touch the lizzard!“ und ständigen Ermahnungen „Don‘t do this, get away from that...!“ 😵 Irgendwann halten wir uns etwas zurück und bilden eine zweite Gruppe mit Johannes und unseren beiden Mitfahrern. Wir unterhalten uns angeregt und Johannes beantwortet uns viele Fragen.
Mich faszinieren die Farben und Formen der Dünen, sanft und matt erscheinen sie in der prallen Sonne.
Manchmal erinnert mich die Wellenform des Sandes an nassen Küstensand.
Vom Auto aus sehen wir noch 2 Eidechsen, die kämpfend über den Sand flitzen, einen Schlangenadler, einen Falken und einen Kapfuchs.
Zum Abschluss der Tour halten wir auf einer Düne mit Meerblick und genießen mit unserem x-ten cooldrink die Aussicht. Hier erfahren wir, dass die Südafrikaner 4 Game Lodges am Krüger Park besitzen. Wir wundern uns einmal mehr, wie unbedarft und unachtsam die Kinder mit der Natur umgehen. 😣
Gegen 14.00 sind wir zurück in unserer Unterkunft und fahren gleich los, Kaffee & Kuchen rufen. Am Vormittag haben wir schon gefragt, wo wir denn am Sonntagnachmittag fündig werden könnten. Schwere Frage - denn Sonntags ist in Swakopmund diesbezüglich tote Hose. Das finden wir doch sehr ungewöhnlich für einen Küstenort. Das "Strand Café" neben dem Museum hat offen - Kuchen, Cappucino und Eis hauen uns aber nicht vom Hocker.
Danach sehen wir uns das Museum an. Dies ist interessant und gut gemacht, mit Informationen zur Geschichte Namibias und Swakopmunds. Um 17.00 werden wir hinaus geklingelt, nicht ohne ein Kompliment für die Ausstellung auszusprechen. Wir sputen uns um rechtzeitig zum Sonnenuntergang an der Jetty zu sein. Heute versinkt ein Feuerball im Meer und die Stimmung ist kitschig schön...
Es ist viel kälter und feuchter als gestern und wir beeilen uns, zum Auto zu kommen. Im Guesthouse können wir den Wagen mit dem Gartenschlauch notdürftig von der Schicht Salz und Sand befreien. Auf unserem Zimmer sichten wir schnell die Fotos des Tages, schreiben Tagebuch und fahren dann zum Essen noch einmal in die "Kupferpfanne". Heute haben wir nicht reserviert und bekommen gerade noch einen Tisch, der Laden brummt! Mein Schatz bekommt nun endlich das Eisbein, auf das er sich schon den ganzen Urlaub freut. Es ist riesig, knusprig, saftig und lecker. Er ist zufrieden, pappsatt und lässt sich den Rest in ein doggy-bag packen. 🙂 Ich entscheide mich für Kudumedaillons mit Walnusskruste. Auch dies ist eine sehr gute Wahl, inclusive der Sauce! 🙂 Zum Abschluss bestelle ich mir wieder einen Tequila. Die freundliche Bedienung lacht - sie erinnert sich offensichtlich 😉 - und kurz darauf steht das Glas vor mir. 😁 Dies ist wieder ein sehr gutes Essen mit aufmerksamem Service.
Zurück auf dem Zimmer steht Koffer packen auf dem Programm und kurz nach 21.00 liegen wir schon wieder in den Betten.
Beate2Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201003. Okt. 2011 · #95
27. Juni 2011
Noch einmal schlafen wir gut und wachen um 6.30 auf. Unser heutiges Ziel ist Solitaire über den Welwitschia Drive und so stehen wir auf um nicht zu spät auf pad zu sein. Duschen fällt heute zur Abwechslung mal wieder aus. Nein, es ist nicht zu kalt - es gibt kein Wasser! 😵 Für die Katzenwäsche reicht es. Das Frühstück ist wieder sehr gut und wir erfahren, dass es in der Stadt einen Wasserrohrbruch gibt. Ab 8.30 soll das Wasser wieder fliessen. Da wir der afrikanischen Zeitplanung nur bedingt trauen, verabschieden wir uns so, wie wir sind. Das Central Guesthouse hat uns sehr gut gefallen. Gute und ruhige Lage, sehr liebevoller Service, ein super Frühstück. Wir kommen gerne wieder! 🙂
Um kurz vor 9.00 sind wir startklar, draußen sind es 12°. Zuerst gibt es noch einige Kleinigkeiten zu erledigen: In der Touri-Info will ich mich nach dem Straßenzustand erkundigen. Die freundliche Mitarbeiterin fragt mich erstaunt, ob ich mit meiner permit keine Straßenkarte bekommen hätte... Nein, die haben wir in Windhoek nicht bekommen... Aha, Windhoek... 😐 Auf meinen Karten finden wir aber alle Strecken, die wir heute fahren wollen und bekommen die Auskunft, dass die pads alle frei sind. Bei P&P hole ich noch schnell ein paar Kleinigkeiten, um unsere Eisbeinreste zum Lunch zu ergänzen und das Wichtigste: Papiertaschentücher. In den letzten 3 Wochen haben wir den Vorrat für den gesamten Urlaub verbraucht: 18 Packungen der schnäuzfesten deutschen Marke. Das entspricht in etwa unserem normalen Verbrauch in einigen Monaten. Im Regal liegt noch ein letztes Paket Kleenex, 3-lagig - das muss mit. Unserem Auto habe ich gestern Abend eine Wäsche versprochen. Die fällt wegen des Rohrbruchs auch aus, aber immerhin bekommen sie an der Tankstelle die Scheiben noch frei.
Die C28 ist gut zu fahren, es weht ein kräftiger Wind und leider ist es diesig. Am Welwitschia Drive fehlen die Hinweisnummern auf einige beacons. Wir raten also, wo wir was unterwegs sehen... Beeindruckt sind wir von der Moon Landscape, sie macht ihrem Namen wirklich alle Ehre. Die Strecke von Swakopmund aus finden wir ja recht eintönig. Hier ist es wirklich unwirtlich - aber wunderschön dabei! Wir fahren über einen Hügel und meinen, auf einem anderen Planeten zu sein. An den beacons 4 und 6 bieten sich tolle Aussichten. Hier treffen wir auf die einzigen beiden anderen Wagen auf dem gesamten Welwitschia Drive.
Schließlich gibt es wieder etwas mehr Vegetation
Interessant sind auch die Dolerit Brocken, die die Hänge herab gerutscht sind.
Das Flussbett des Swakop ist eine grüne Oase. Viele Blumen blühen und die Bäume sind saftig grün. In der Durchfahrt stehen noch 3 Pfützen. Es ist 11.30 und wir haben 21°.
Auf der anderen Seite des Flusses erwarten uns wieder ganz andere Farben.
Die Welwitschias schulden ihr Aussehen wirklich ihrem Alter - sie sehen ja recht zerfranst aus. Mein Schatz fragt, warum ich die nun unbedingt sehen will... Tja, Schönheiten sind sie nicht, aber etwas Besonderes. Die Riesen Welwitschia hat wirklich eine beachtliche Größe erreicht.
Auf der pad kollidieren wir dann mit einer Schlange, vermutlich einer Sand Snake. Sie ist so schnell und wieder einmal gut getarnt, dass der Zusammenstoss nicht zu vermeiden war. Das tut uns leid. 🙁
Der Welwitschia Drive ist sehr gut zu fahren, wir liegen im Zeitplan und machen uns auf den Weg zurück zur C28. Diese fahren wir zügig für ca. 57 km bis zum Abzweig der permit road in Richtung Hotsas / Ganab. Hier machen wir eine Pause und verspeisen unseren Lunch. Das Gras steht so hoch, dass es fast bis an das Verkehrsschild heran reicht.
Beate2Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201003. Okt. 2011 · #96
27. Juni 2011 Fortsetzung
Die permit road ist weiterhin gut zu fahren. Die Rivier-Durchfahrten sind recht sandig, aber machbar. Plötzlich rennt ein Erdhörnchen quer über die pad und vor das Auto. Kurz vor dem Seitenstreifen überlegt es sich anders und rennt wieder zurück auf die pad. In der Mitte bleibt es stehen. Gerade in diesem Moment kommt aus der anderen Richtung ein Tourbus. Der kleine Kerl ist nun völlig irritiert ob des immensen Verkehrs hier und braucht einige Zeit um sich für eine Richtung zu entscheiden. 🤨
Der Fahrer des Busses fragt uns, wie die pad denn sei... Das klingt so, als ob der vor uns liegende Abschnitt nicht so klasse ist...
Die Landschaft um uns gefällt uns ausnehmend gut mit den Bergen, Bäumen, Büschen und dem hohen Gras soweit das Auge reicht.
Unterwegs sehen wir Springböcke, Strauße, Oryx, Erdhörnchen, viele White-tailed Shrike, Sandgrouse und 2 Falken.
Kurz vor Ganab steht dann ein Schild „No Quad, no Moto Cross!“
Ich entdecke dann ein Chamäleon, dass über die pad wackelt. Zum Glück sind wir weit genug weg, hier besteht keine Gefahr.
Mittlerweile haben wir 29°. Die C14 ist dann der Albtraum des Tages - übelstes Wellblech, Schlaglöcher, viele große lose Steine... 😠 Wir brauchen ewig und sind genervt, denn die pad braucht so viel Aufmerksamkeit, dass für die Schönheit der Landschaft nicht mehr viel Raum bleibt. 🙁 Zwischen sanften Hügeln gibt es harte Einschnitte, hier ist es überall mit einem grünen Schimmer überzogen.
Die Landschaften heute finde ich ausgesprochen reizvoll: Der Wechsel zwischen sanft und schroff, die Farben, die Weite und die riesigen Grasflächen.
Noch einmal kreuzt eine Schlange blitzschnell die pad. Auch sie ist weit genug weg. Im Kuiseb fliesst noch etwas Wasser. Wir sind aber nicht mehr recht aufnahmefähig. Das Gerumpel auf der pad wird jetzt so arg, dass unser USB-Stick ständig den Kontakt verliert und wieder eingestöpselt werden muss... 😠 Zu Wellblech, Schlaglöchern und Steinen kommen jetzt noch Spurrillen hinzu. Eine grausame Mischung! 🤢 Erst ca. 20 km vor Solitaire wird die pad besser - sprich erträglich...
Jetzt ändert sich die Landschaft noch einmal: Der rote Sand der Namib kommt bereits deutlich durch.
Um 16.15 kaufen wir endlich beim Bäcker in Solitaire den lang ersehnten Apfelkuchen. Es gibt noch 4 Stücke... Der Kuchen ist lecker und kommt jetzt genau richtig und der Kaffee ist nach der Fahrt eine Wohltat! 😁
Um 16.45 kommen wir nach 330 km in unserer Unterkunft, der „Solitaire Guest Farm“ an. Endlich! Die Farm ist sehr schön vor den Bergen gelegen und vor dem Haus steht nur 1 Auto. Wir hoffen auf einen entspannten Rest des Tages. Nach einem kurzen Rundgang durch das Restaurant und die Bar werden wir zu unserem Zimmer Nr 2 gebracht. Gut, dass wir hier nur 1 Nacht bleiben wollen! 😮 Es ist stockfinster drinnen. Die 2 kleinen Fenster lassen kaum Licht herein. Dazu dunkelbraune Fussbodenfliesen und kakaobraune Wände. Ich fühle mich in die Höhlenatmosphäre früherer Wohngemeinschaften zurück versetzt. 😗 Auch die 3 Funzeln erhellen den Raum nicht wirklich. Wer hier außer uns noch wohnt bleibt ein Geheimnis. Die Koffer bleiben zu, wir packen nur das Nötigste aus. Und es müffelt, hier wurde länger nicht richtig gelüftet. Die Abflüsse im Bad tragen ihren Teil zum Wohlfühlen bei. 😣 Da hilft nur viel spülen und eine dreifache Dosis Raumspray... In der Dusche ist es stockfinster, die Deckenlampe ist weit weg. Tagebuch schreiben ist hier kaum möglich.
In der Zwischenzeit herrscht draußen ein ziemlicher Betrieb, es scheint doch voll zu sein hier. Um 18.30 gehen wir an die Bar und treffen dort Kirsten. Wir hatten unterwegs eine mail von ihr bekommen, mit der Frage, ob es denn bei unserer Buchung bliebe... Ja, sicher - warum nicht? Wir wussten nicht, was unklar war. Als ich nun die vielen Menschen um uns herum sehe, ahne ich dass die Lodge mehr als voll sein muss... Uns ist es zu trubelig. Ich zähle mindestens 50 Leute um uns herum, die sich offensichtlich alle irgendwie kennen und bester - sprich: lauter - Stimmung sind. 🤨 Dazu kids, die uns mit ihren Leuchtschwertern meucheln wollen...:S Der Kontrast nach der Stille des Tages ist heftig.
Walter erklärt uns dann, dass sie heute Nachmittag 4 Geparden in ein 500 ha großes Areal entlassen haben. Ein Problemtier soll dort bleiben, die anderen 3 sollen in 3-4 Monaten ausgewildert werden. Dafür sind heute extra ein Fernsehteam mit allem Drum und Dran, Leute von einem Nature Fund etc. angereist. Daher also der ganze Auftrieb! Das ist ja soweit eine gute Sache, wir fühlen uns aber etwas fehl am Platz. Sicherlich wäre es für uns anders, wenn wir die Umsiedlung auch miterlebt hätten.
Im Restaurant setzt sich die ausgelassene Stimmung fort. In einer Ecke stehen 2 kleine Tische, dort sitzen wir und 3 weitere Gäste. Die Rolläden sind zum Schutz gegen die Kälte herunter gelassen, sie helfen aber nicht wirklich. Jeder versucht sich im vorbeigehen an 2 großen Gasheizern ein wenig zu wärmen. Kleine Öllampen auf unseren Tischen und einige Deckenfunzeln bemühen sich, das Ganze zu erhellen. Um zu sehen, was wir mit dem Essen auf den Tellern machen, wären Stirnlampen allerdings sehr hilfreich. 😐
Das Buffet ist umfangreich. Allerdings kann man auch hier kaum erkennen, was in den Töpfen ist. Es gibt einfach nicht genug Licht. Die Qualität des Essens ist mittelmäßig, einiges ist wieder einmal versalzen. 🙁
Wir nehmen uns noch ein Bier mit und sind um 19.30 schon wieder auf unserem Zimmer. Hier ist es zumindest wärmer. Mein Tagebuch schreibe ich mit der Taschenlampe in der Hand zu Ende. Unser Zimmer ist der Gipfel an Ungemütlichkeit, es ist einfach lieblos. 🙁
Beate2Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201014. Okt. 2011 · #97
28. Juni 2011
Um 06.45 wachen wir auf. Die Nacht war angenehm warm im Zimmer. Wir sind schnell fertig, beladen das Auto und gehen frühstücken. Draußen ist es a...kalt. Im offenen Restaurant ist es nicht besser. Die Heizstrahler schlafen noch... Das Buffet ist umfangreich, in der Dunkelheit aber wieder kaum zu erkennen. Wir sind auch jetzt schnell fertig, da es einfach keinen Spass macht Zähne klappernd in der dunklen Ecke zu sitzen. 😵 Wir müssen noch die Rechnung bezahlen und gehen in die Rezeption. Diese ist genau so wenig einladend wie der Rest: Es ist schmuddelig und durcheinander. Kirsten fragt, ob unser Zimmer in Ordnung gewesen sei. Ich bin ehrlich und sage „Nein, wir finden es dunkel und ungemütlich“. Daraufhin zuckt sie lediglich die Achseln und wendet sich unserer Abrechnung zu... Danke der Nachfrage, gut dass wir darüber gesprochen haben! 😠 Nun funktioniert das Kartenlesegerät nicht. Die Verbindung bricht immer wieder ab. Wir stehen uns sicher 10 Minuten lang die Beine in den Bauch. Es gibt zwar 2 Sofas in der Rezeption - auf denen schnarchen aber 2 der großen Hunde im Tiefschlaf. Für Gäste ist da leider kein Platz mehr. 😗 Nach einer gefühlten Ewigkeit entschliessen wir uns, unsere letzten $ zusammen zu kratzen und bar zu zahlen. In der Hoffnung, dass der Automat in Solitaire Nachschub liefern wird.
Fazit: Dies ist die bisher schlechteste Unterkunft unserer Reise und daran wird sich auch nichts ändern. 🙁
Der Geldautomat in Solitaire ist gnädig: Er gibt uns was wir brauchen in einer bunten Mischung aus NAM Dollar und ZAR Noten. Egal, Hauptsache wir haben wieder Geld. Um 08.45 sind wir dann endlich bei 12° auf dem Weg zum Sossusvlei. Die C19 ist gut zu fahren. Das weiche Licht der Morgensonne versöhnt uns mit dem Tag, die Landschaft sieht einmal mehr wunderschön aus.
Bei der „Namib Desert Lodge“ machen wir einen Stopp für die Wanderung zu den "Versteinerten Dünen der Namib".
Auf dem Weg werden wir von vielen Springböcken neugierig gemustert.
Der Blick auf die Namib Desert Lodge gefällt uns: Direkt hinter der Lodge steigen die leuchtend roten Dünen an.
Wir werden freundlich begrüßt, durch die Anlage geführt und zum Ausgangspunkt des Wanderweges gebracht. Auch das, was wir von der Lodge sehen, sieht gut aus. Mit 75 Zimmern ist sie aber auch groß. Die Zimmer am Rande der Anlage, mit Blick auf die Dünen, sind sehr schön gelegen. Das hätte für unsere vorige Nacht eine Alternative sein können...
Der Wanderweg beginnt direkt hinter der Lodge und ist gut ausgeschildert. Allerdings steht jetzt das Gras so hoch, dass wir bei manchen Schildern die Hälse recken müssen um sie zu entdecken. Der Weg zieht sich am Fuss der Dünen entlang, dadurch ist er ohne Kletterei begehbar. Die Dünen selbst dürfen nicht betreten werden.
Wir lassen uns 1 Stunde Zeit für unseren Gang und begegnen nur 4 weiteren Besuchern. Somit können wir die Stille und die Landschaft genießen. 😁 Auf dem Rückweg fragen wir an der Rezeption, ob wir für den Gang etwas bezahlen müssen. Nein, der Wanderweg kann kostenlos genutzt werden. Gut, dann gibt es eine Spende in die Tipp-Box. Der junge Angestellte freut sich offensichtlich, dass er mit uns schwatzen kann: Er fragt uns nach unserem Eindruck zum Wanderweg und erzählt, dass es heute Morgen nur 0,3° gewesen seien, dass die Lodge im Sommerregen fast geflutet worden sei (es habe hier 11mal so viel wie üblich geregnet) und dass seit 1994 neulich erstmals wieder Schnee auf den Naukluftbergen gelegen habe. Wir bedanken uns nochmals und machen uns wieder auf den Weg zum Sossusvlei.
An der Abzweigung zur C27 gibt es eine Verkehrskontrolle. „Good morning, we check the roadworthiness of the vehicles and the fitness of the drivers...“ „OK...“ Während ich die Wagenpapiere zusammen suche blicke ich verstohlen in die Runde auf der Suche nach der weissen Linie, auf der mein Schatz Gleichgewichtsübungen machen soll... 😗 Jetzt nicht lachen! 😄 😄 Die Personalien und das Kennzeichen werden notiert. Woher kommen Sie, wohin fahren Sie? Dann werden wir daran erinnert, dass die Höchstgeschwindigkeit 80 km/h beträgt und dass wir uns daran halten mögen... „We wish you a good and save journey, good bye!“ Das ging sehr schnell und ausgesprochen freundlich über die Bühne. 🙂 Am Straßenrand stehen 2 namibische Wagen. Deren Fahrer hatten anscheinend nicht so viel Glück, denn sie sehen uns ziemlich missmutig hinterher. 😐
Beate2Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201014. Okt. 2011 · #98
28. Juni 2011 Fortsetzung
Auch die C27 ist gut zu fahren und um 12.30 erreichen wir nach ca. 100 km die „Sossus Dune Lodge“. Das Thermometer zeigt angenehme 22°. Wir parken unseren Wagen unten, laden unser Gepäck um und werden zur Lodge hoch gefahren. Zur freundlichen Begrüßung gibt es einen leckeren Saft und die übliche Einführung in die Lodge. Das Zentrum bilden die Lounge und das Restaurant. Beide sind riesig, eigentlich überdimensioniert. Hier müssen wir uns überall sehr vorsichtig bewegen, denn die Holzfussböden werden gerade frisch lasiert. Und die Mitarbeiter meinen es gut - zu gut! Überall steht die Lasur in Pfützen, es ist glatt wie auf einer Eisbahn! 🤩
Zu beiden Seiten liegen, aufgereiht an langen boardwalks, die Bungalows.
Dann werden wir zu unserem Dünen-Bungalow Nr. 20 gebracht. Bad und Zimmer sind hell und groß, die Wände sind aus Stoffbespannung. Große Fensterflächen geben den Blick in die Dünen frei. Zwei bequeme Lounger verlocken zum Faulenzen.
Direkt vor unserem Bungalow tummeln sich etliche Springböcke. Sehr schön! 🙂 🙂 Wir machen schnell ein paar Fotos, packen aus und gehen dann zum Lunch ins Restaurant. Zur Auswahl stehen Sandwich oder Beef-Kebab, beides mit Chips und gemischtem Salat. Als Dessert gibt es Obstsalat. Wir entscheiden uns für das Beef-Kebab und sind sehr zufrieden. Es ist gut und lecker. Danach geht es auf ins Vlei.
Wir können uns nicht satt sehen, die Farben und Formen sind einfach unbeschreiblich! 🤪 🙂 🤩 Dünen in Sand, Ocker, Orange, Rot, Lila und Braun.
In der Ebene davor und bis auf den Kamm wachsen ganz viele Gräser, die ihnen etwas Mystisches verleihen.
Manchmal sieht es aus wie ein Aquarell, manchmal wie Nebel. Dem vielen Regen der letzten Monate sei Dank für dieses Schauspiel!
Wir besteigen ein Stück weit die Düne 45, geben aber bald auf, da es sehr anstrengend ist.
Die Farben ändern sich ständig - wir sind einfach begeistert! 😁
Der 2x4 Parkplatz ist für heute die Endstation. Von hier aus wollen wir noch einen Gang ins Hidden Vlei machen. Wir finden den Weg aber nicht, da wir weder Markierungen noch Hinweisschilder entdecken können. Mist! Und außer uns ist keine Menschenseele hier. Da jetzt auch ein unangenehm kalter Westwind weht verschieben wir dies auf morgen. Gegen 17.00 fahren wir immer noch staunend zurück.
Es wird schnell dunkel und im letzten Licht erreichen wir die Lodge. Leider gibt es keinen shuttle vom Parkplatz nach oben, so dass wir im Dunklen den Weg hoch stolpern. Das ist suboptimal.
Wir genießen eine sehr gute Dusche und ziehen uns schon mal wieder warm an. Die Bungalows sehen zwar schön aus, lassen im Winter die Kälte aber auch ungehindert hinein.
Im Restaurant sind heute Abend nur 4 Tische gedeckt. Die Atmosphäre hier ist unpersönlich. Der Raum ist riesig und außer den 6 Esstischen, dem Kaffeetisch und dem Frühstücksbuffet gibt es nur 2 Stehlampen. Hier würde etwas mehr Dekoration sehr helfen. Wir rücken unseren Tisch noch etwas näher an den einzigen Heizstrahler heran. Heute Abend gibt es Avocadosalat, Butternutsoup und Springbockfilet mit Gemüse und Reis. Das Dessert ist eine Lemon Meringue. Salat und Suppe sind lecker. Das Filet ist leider zäh und sehnig. Die Sauce habe ich mir zum Glück extra bestellt - ich schmecke eindeutig Geschmacksverstärker. Die werden aber angeblich in der Küche nicht benutzt...
Einen Nachteil hat dies Restaurant im Winter: Die Küche liegt außerhalb des Restaurants, vielleicht 20 Meter entfernt. Das Personal muss also das warme Essen durch die Kälte des Abends tragen - ohne Wärmehauben auf den Tellern. Damit kommt das Essen lauwarm bei den Gästen an. 😵 Und da das Personal es weder mit vollen noch mit leeren Händen schafft die Türen hinter sich zu schließen zieht es wie Hechtsuppe... 😠 Hier besteht eindeutig Verbesserungsbedarf!
Im Zimmer schreiben wir noch Tagebuch und dann geht es schnell mit unseren Wärmflaschen in die Betten.
Liebe Beate, 1000 Dank für diesen wunderbaren Reisebericht mit den tollen Fotos. Da ich gerade unsere Namibia Reise für August 2012 plane, ist es super von euren Unterkünften und Unternehmungen zu lesen. Ich bin gespannt wie es weitergeht! Viele Grüße!
Beate2Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201018. Okt. 2011 · #100
Hallo Afrika Neuling,
schön, dass dir mein Reisebericht gefällt und hoffentlich auch hilft. Ich habe mir in der Vorbereitung auch alle Berichte hier "reingezogen" und fand das Forum eine tolle HIlfe. 😁
Morgen geht es weiter mit Sossusvlei. Heute haben wir eine schrottige Internetverbindung 🙁