A coldfront is coming... Namibia im Winter 2011

Reisebericht 160 Antworten · 70,5k Aufrufe · gestartet 16. Juli 2011 von Beate2
7 Beiträge · seit 201121. Juli 2011 · #21
Hallo Beate,
ja im Winter in die Wüste fahren ist nicht grade ideal. Aber auf der anderen Seite, im Sommer hast Du dann die grosse Hitze.
Wir haben für alle Fälle immer einen heater und eine Kühlbox dabei. Namibia ist auf den Winter noch nicht vorbereitet, wie SA, gib ihnen noch ein paar Jahre.
Was das Essen anbetrifft, haben wir weniger schlechte Erfahrung gemacht, aber wir sind der afrikaansen Kost nicht abgeneigt. Hoffe Ihr seid nicht zu sehr enttäuscht.
M.M.T
23 Beiträge · seit 200721. Juli 2011 · #22
Oh man, ich friere mit euch und erinnere mich an Namibia 2007 und den verregnetsten Mai seit vielen Jahren. Das Ding auf dem Bild vor dem Nutella-Glas ist übrigens der Heizlüfter, der uns die Brötchen mit halbwegs streichfähigem Schokokram beglückte...

nutella.jpg
2'462 Beiträge · seit 200621. Juli 2011 · #23
Das Bild ist herrlich!!! 😉 Wir hatten Glück und bislang nur im Juni nachts gefroren - tagsüber war es stets sehr schön sonnig! Ich freu mich auf die "kalte" Fortsetzung!

Liebe Grüße
Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
80 Beiträge · seit 201021. Juli 2011 · #24
Hallo Beate,
dein Bericht ist toll, vielen Dank dafür. Ein bischen kann ich das nachvollziehen, denn auch wir haben an den letzten Tagen in NAM ganz schön gefroren. Auf der Kamrav Guestfarm zwischen Waterberg und Grootfontein hatten wir am 8. Juni MINUS 4°. Zum Glück hat uns Maryina Decken zur Verfügung gestellt. Wir hatten Eis im Auto und das Gras ist morgens unter unseren Füßen förmlich gebrochen.
... und es war Winter ... Auch wir waren auf soo viel Kälte nicht unbedingt eingestellt.
Genieße einfach unseren "Sommer".

Grüße

Ralf
Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201022. Juli 2011 · #25
@M.M.T
Wäre es nicht so extrem kalt in diesem Winter gewesen, hätten wir damit ganz gut leben können.
Zumindest hat unser Plan, den nasskalten Regentagen am Kap zu entgehen, geklappt. Zu Hause hat es ordentlich geregnet und auf den Bergen lagen oft Schneekappen. Es war also nicht sooooo falsch gedacht!
Wir halten uns schon für unkomplizierte Esser - auch wenn es im Moment vielleicht nicht so erscheint 😉 - und haben keine "Haute Cuisine" erwartet. Brauchen wir auch nicht. Aber zähes Fleisch und versalzenes Essen ist wirklich nicht der Hit.

@ Ronaldo,
Nutella gibt es bei uns nur , wenn es im Urlaub mal serviert wird. Und auf den Lodges, wo es im Angebot war, war es warm genug dafür. War das lecker!!!

@ Sanne,
gedulde dich - schlimmer geht immer! Das lernten wir in diesem Urlaub 😗

@ Ralf
Zum Glück war es wenigstens unter den Bettdecken immer warm genug. Aber schlafen mit Stirnband und Mütze ist halt nur bedingt komfortabel.
Auf Hammerstein soll es einmal -8° gewesen sein. Zum Glück ohne uns!
Und zum Sommer: Am Kap begann mit unserer Rückkehr vor 2 Wochen der Winter-Sommer: Sonne pur, 20-26° tagsüber, nachts 4-8°, kein Wind. Genial!!! Das war gutes timing. Aber wir brauchen unbedingt noch Regen, also die long johns liegen noch bereit 😐

Und über manche Situationen können wir mittlerweile lachen. Das ist doch schon was!:)

Morgen geht es weiter.
LG
Beate
8'678 Beiträge · seit 201022. Juli 2011 · #26
Na, du hörst dich doch schon bedeutend besser an - bin gespannt, wie es weitergeht!

Schönen Freitag noch (und ich räum jetzt meine Küche auf - sollte mich jemand hier in der nächsten halben Stunde antreffen, dann möge er mich aus dem Forum schmeißen! Danke!)
Meine Reiseberichte im Namibia-Forum von 2011 bis heute
zuletzt bearbeitet 22. Juli 2011
354 Beiträge · seit 201022. Juli 2011 · #27
Champagner schrieb:ich räum jetzt meine Küche auf - sollte mich jemand hier in der nächsten halben Stunde antreffen, dann möge er mich aus dem Forum schmeißen! Danke!)
Mach aber die Türe zu, damit der Mann nicht gestört wird. 😛

Und jetzt raus hier!
Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201023. Juli 2011 · #28
09. Juni2011
Die Betten sind gut, die Decken warm und bis zum Morgengrauen habe ich gut geschlafen. Dann wache ich auf und mein Abendessen steht mir Oberkante Unterlippe. 🙁 Die Sauce fährt Fahrstuhl und beim Gedanken an ein Frühstück wird mir übel... 🙁 🙁 Beim Geschmack der Sauce wird mir ganz übel... 🙁 🙁 🙁 Was soll denn das jetzt?!? Ich habe keine Lust aufzustehen, drehe mich um und versuche noch mal einzuschlafen. Das klappt aber nicht richtig. Mir ist übel und mein Gedärm rumort... 😮
Um 7.00 klingelt der Wecker, denn wir hatten für 8.15 einen „Extended scenic and game drive to the Waterberg Plateau“ gebucht. Bingo! Ich kann mich nicht richtig entscheiden, was ich will: Eigentlich im Bett bleiben; Eigentlich losfahren, denn wir sind ja im Urlaub und wollen was sehen... Wir beschliessen erst mal zum Frühstück zu gehen und dann zu sehen. OK.
Für uns war ein ganz liebevolles, kleines aber feines Frühstücksbuffet gedeckt. Es fehlt soweit an nichts. Aber dass die Eier extra zu zahlen sind finden wir ziemlich daneben, zumal auf der Farm etliche Hühner herum laufen. 😵
Mein Schatz lässt es sich schmecken. Da er der Müsli-Mann ist, kann er gut auf die extra Ausgabe für Eier verzichten. Ich nehme nur Tee und trockenen Toast. Nicht mal mein geliebter Morgenkaffee hat eine Chance. 🙁
Wir erzählen Juliana und Macarius, dass es mir nicht gut geht und ich mir das Fondue am Abend gerade gar nicht vorstellen könne und es absagen möchte. Ich wäre ja nicht mal sicher, ob ich überhaupt den drive machen könne. Wir werden beruhigt: Erst einmal sollen wir frühstücken und dann würden wir weiter sehen. Da wir die einzigen Gäste seien wäre das gar kein Problem. Das hört sich gut an. Mir geht es nach Tee & Toast nicht besser, aber wir beschliessen, den drive zu machen. Zur Not kehren wir halt um.

Vor der Rezeption wartet unser Fahrer auf uns und das Auto finde ich etwas merkwürdig. Es gibt eine geschlossene Fahrerkabine und oben die offenen Sitze für die Gäste. Wie kommuniziert man da miteinander während der Fahrt?!? 😕 Das übernimmt Juliana, die uns begleitet. Aha, öfter mal was Neues. Bevor es richtig los geht halten wir noch am Schuppen und Juliana holt Decken für uns. Wie mir erst später richtig klar wird, war meine Decke offensichtlich das Nachtlager von einem Teil der 47 Hauskatzen, die zur Farm gehören. Echt Naturhaar... 😗 So lange sie Floh und Laus frei ist - na ja, nicht gerade prickelnd, aber wir sind nun schon unterwegs.

Die Fahrt geht erst einmal durch die Ebene und dann hinauf auf das Plateau der WABI Concession. Juliana erklärt uns so gut und viel sie kann an Flora und Fauna. Unser Fahrer fährt - er ist offensichtlich Fahrer und kein Guide oder Ranger, denn von ihm hören wir kein Wort. 😵 Und wenn er fährt, dann hält er von sich aus auch nicht an. Wir sagen Stop, wenn wir einen Vogel sehen, fotografieren oder etwas wissen möchten. Juliana klopft dann auf‘s Dach. Bis er anhält sind wir natürlich dran vorbei. Also zurück - und der Vogel ist weg. Meinem Schatz schwillt der Kragen, so sauer wird er. 😠
Die Fahrt auf das Plateau dauert ca. 90 Minuten, in denen es nicht viel zu sehen gibt. Das Buschwerk steht hoch und dicht direkt neben dem schmalen Weg, da drin ist nichts zu erkennen. Es ist ein ziemliches Gerumpel. Mir ist übel und ich habe immer noch das Gefühl, das Abendessen gerade zu mir genommen zu haben, so voll bin ich. Und die Sauce... 🙁 Aber mein Magen hält sich wacker.
Ab und zu gibt es einen kurzen Ausblick auf den Waterberg und die weite Ebene. An einem Wasserloch stehen etliche Oryx und Kudu. Sie laufen aber weg, als wir noch gut 100 Meter entfernt sind. Die Tiere sind ausgesprochen scheu hier. Wir halten an (unser Fahrer hält von sich aus an!!! 🙂 ) und klettern auf den hide in der Nähe des Wasserlochs. Ganz leise sind wir, nicht laut niesen, nur flüstern und warten... Nach einiger Zeit kommt ein Kudu vorsichtig um die Ecke und guckt zu uns herüber. Psssssst!

06Wabi.jpg


Und was macht unser Fahrer: Er schnappt sich einen Zweig und schlägt lautstark den Staub vom Kühlergrill. 🤩 Das Tier dreht sich auf dem Huf um und ist weg. Ihr erinnert euch an das HB-Männchen??? Mein lieber Mann ist ja ein sehr zurückhaltender, aber wenn er wütend wird... 😈 🤢 😈
Wir stapfen, nun auch nicht mehr leise, die Leiter wieder herunter, und er muss seinen Frust erst einmal loswerden: Was ist das für ein drive auf dem nicht angehalten wird und was soll der Lärm??? 😈 Juliana entschuldigt sich und will mit dem Fahrer reden.

Der Rückweg geht für eine weitere Stunde durch dichtes Gestrüpp, Tiere sind nicht zu sehen. Wir sind sauer, mir ist schlecht. 🙁 Möchtet ihr was trinken? Nein, danke. Denn: Getränke auf den drives, inklusive Wasser, sind extra zu zahlen... 😠
Unten in der Ebene angekommen sehen wir endlich Tiere. Von Weitem. Sowie sie unser Auto wahrnehmen machen sie sich aus dem Staub. Juliana muss immer wieder auf‘s Dach klopfen... Mit dem Fernglas erkenne ich Blesbok, Black und Blue Wildebeest, Waterbuck, Springbok, Impala, Warthog. Alle vieeeel zu weit weg für Fotos. Wir sehen die durch den Regen zerstörte Mauer des großen Hippo-Dams. Darin klafft ein riesiges Loch, der dam ist ausgelaufen.
Lediglich eine Gruppe Waterbuck ist nahe genug für einige Fotos.

07Wabi.jpg


08Wabi.jpg


An einem kleineren Dam in der Nähe entdeckt Juliana etwas auf der hinteren Böschung. Unser Fahrer hat mal wieder nichts mitgekriegt, steigt aus, erkennt immer noch nichts 😐 - und fragt uns, ob wir ein Fernglas haben. 😵 Haben wir, aber erst mal gucke ich 😛
Selber Schuld, wenn du kein Fernglas dabei hast! 😗
Da hat Juliana in der Tat ein Hippo auf der anderen Seite des dams entdeckt. Respekt! Dem schauen wir ein ganze Weile zu. Durch das Fernglas sieht es so aus, als ob dem Hippo eine Träne übers Gesicht läuft.

09Wabi.jpg


Ich könnte auch heulen. 🙁 🙁
Kurz bevor wir die Lodge wieder erreichen begegnen wir noch 3 Giraffen am Weg.

10Wabi.jpg


Um 12.00 sind wir zurück an der Lodge. Ein irrer drive! 🤩 🤩 Fast 4 Stunden waren wir unterwegs, haben kaum etwas gesehen und zahlen dafür jeder satte 450 NAM$ 😈 🤢
Juliana entschuldigt sich später noch für den Fahrer: Ihm sei nicht klar gewesen, dass wir Fotos machen wollten. Er mache ja sonst nur die game drives mit den Gästen... 😣
Darauf fällt uns nichts ein. 😵

Zum lunch hatten wir einen Greek Salad bestellt, der ist mittelmäßig. Juliana und Macarius erkundigen sich noch mal, wie es mir geht: Nach wie vor nicht besser und das Fondue am Abend kann ich mir nicht vorstellen. Und mein Schatz möchte alleine auch kein Fondue essen. Wir sollen ihnen bis 16.00 Nachricht geben, was wir essen möchten, das würde reichen. OK, wenn sie meinen...

An eine eigene Fahrt zum Waterberg Park ist nicht zu denken. Wir legen uns erst einmal hin und versuchen zu schlafen, was bei dem Lärm im Gedärm nicht leicht ist. Und ich esse immer noch die Sauce von gestern Abend. Jetzt kommt die ganz Magen-Darm-Palette der Reiseapotheke zum Zuge.
Gegen 14.30 ist klar: Kein Fondue, der Bauch krampft, ich bin randvoll und habe null Appetit. 🙁 Ich mache mich dann auf die Suche nach Juliana und gehe über unsere Terrasse in Richtung Rezeption. Nach dem kühlen Zimmer ist es schön warm in der Sonne. Im alleräußersten Augenwinkel nehme ich irgendetwas wahr und friere automatisch ein. Als ich in die Richtung blicke sackt mir das Herz in die Hose: 🤩 🤩 Da liegt eine Kobra in der Sonne und fühlt sich offensichtlich gestört. Vielleicht 2 m von mir entfernt richtet sie sich züngelnd auf und breitet ihren Schild aus. 😮 😮 Ganz ruhig, Mädchen, keine Panik - aaaaaahhhhh, Nichts leichter als das!!!!!!! 😗
Nicht bewegen, Lage checken - sie hat zu beiden Seiten und nach hinten ausreichend Platz. Wenn ich gaaaaaaaaaanz vorsichtig und gaaaaaaanz langsam zurück gehe, dann sollte das hoffentlich gut ausgehen?!? Ok, einen winzigen Schritt zurück. Sie bleibt, wo sie ist. Noch einen winzigen Schritt zurück. Sie bleibt, wo sie ist und warnt mich weiterhin. Noch ein Schritt und noch ein Schritt. Nach ich weiss nicht wie vielen Schritten drehen wir uns dann beide um. Ich flitze in unser Zimmer, schreie „Kobra“ - und jetzt mir ist richtig schlecht. Mein Herz schlägt Purzelbäume, mein Kreislauf rotiert. 🤪 🤪 Und mein Schatz fragt ruhig: „Kobra? Was ist mit einer Kobra...?“ „Na da, auf unserer Terrasse...“.„Wo???“. „Mann, da!“ „Wo?“ Mittlerweile ist nur noch ihr Schwanz zu sehen, sie kriecht bereits die Böschung hinab.
Leute, die war so gut getarnt: Auf einem Bodenbelag aus unregelmäßigen Fliesen in unterschiedlichen Farbtönen, mit unregelmäßig breiten Fugen und die schon recht tief stehende Sonne wirft zusätzlich noch den Schatten vom Terrassengeländer darauf. Sie muss sich bewegt haben und wurde damit von einer Fuge zu „da ist was im Augenwinkel“. Sie war noch recht klein, vielleicht 60 cm lang und in dem Licht kaum zu sehen. Und ehrlich gesagt - ich habe zu dem Zeitpunkt nicht mit einer Schlange dort gerechnet, weil den ganzen Nachmittag die 3 Esel mit viel Getrampel um unser Haus herum den Rasen gemäht haben. Nachdem ich den Schrecken halbwegs verdaut habe, suche ich - ALLES GENAU SCANNEND - wieder nach Juliana. Auf ihre Frage, wie es mir geht, erzähle ich ihr von meiner Begegnung. „Oh, they often come onto the terrasse in winter to warm up. You should close the door to the terrasse, that they cannot come into your room.“ Wow, danke, gut dass wir darüber sprechen! Den Hinweis hätte ich gerne schon ein bisschen eher bekommen, wenn die Situation so deutlich ist. 😐
Ich bestelle nun also endgültig unser Fondue ab. „Oh, but Macarius already prepared a lot and the meat is thawed...“ Hm, können wir nun bis 16.00 absagen oder nicht? Ich finde die Situation gerade ziemlich blöde. Wir einigen uns darauf, dass für den Mann das Fleisch irgendwie anders zubereitet wird. Das sollte bei Fonduefleisch ja kein Problem sein. Und ich möchte nur Kartoffeln und Gemüse - „plain, without anything, even without salt“.
Bis zum Sonnenuntergang sitzen wir dann doch noch auf unserer Terrasse, da wir aber ständig in alle Richtungen schielen, ist das auch nicht so entspannend. Ich lege mich noch einmal hin, der Schatz schreibt Tagebuch und um 18.30 gehen wir zum dinner.
Unser Tisch ist wieder liebevoll gedeckt und wir sind gespannt, was heute serviert wird. Ich bestelle mir erst mal einen Kräutertee. Als Vorspeise serviert Macarius Tomatensuppe. Die mag ich ja eigentlich sehr gerne und teste eine Löffelspitze voll. Oh, das geht völlig daneben - direkt aus der Tüte, Geschmacksverstärker und wieder diese Kräuter-Gewürz-Mischung obenauf. 😠 Eine totale Aversion gegen Essen macht sich bei mir breit. Mein Schatz mag sie auch nicht, löffelt sie aber tapfer weg. Zum Brot gibt es wieder ranzig riechende Butter. Als Hauptgang bekomme ich mein Gemüse - ohne Salz aber mit der Kräuter-Gewürz-Mischung. 😠 😠 Eine baby potato und eine baby carrot schaffe ich mir Mühe, dann gebe ich auf. Mein Schatz bekommt 4 undefinierbare Fleischscheibchen - wo ist das ganze Fonduefleisch? 😵 - Kartoffeln und Gemüse. Genau so salzig und mit derselben Sauce wie gestern. 😠 😠
Da ist wohl einiges nicht angekommen. 😈
Als dessert gibt es dann ein Stückchen Fertigkuchen. Das auf der website gepriesene Schlaraffenland ist es nun nicht gerade. Wir sind schnell fertig mit diesem dinner und verschwinden in unser Zimmer.
Um 19.45 liege ich mit Konzert und Krämpfen im Bauch im Bett. 🙁 🙁

10. Juni 2011
Kurz vor 7.00 stehen wir auf, es geht mir noch nicht besser. Das Frühstück ist, wie gehabt, lieb angerichtet. Für mich gibt es wieder nur Tee & trockenen Toast.
Beim Auschecken bekommen wir dann die Rechnung: Mark, der Besitzer, hätte gesagt, dass wir den Aufschlag für das Fondue zahlen müssten. Denn wir hätten es bestellt, er hätte die ganzen Vorbereitungen im Kühlschrank gesehen und wir hätten es zu spät abgesagt. Und das Fleisch müsse ja schon am Vorabend aufgetaut werden. Das widerspricht nun den gestrigen Angaben - es sei alles kein Problem, wir könnten uns bis 16.00 Zeit lassen etc. - völlig und zeigt für uns ein ziemliches Kommunikationsdefizit zwischen Management und Angestellten. 🤢 😠
Juliana entschuldigt sich, sie führe ja nur die Anweisungen aus...
Was uns hierbei am meisten ärgert ist, dass der Besitzer der Lodge offensichtlich anwesend war, und diese Anweisung ausgab, ohne sich bei uns vorzustellen oder das Verfahren mit uns zu besprechen: "Sorry, tut mir leid, aber...". 😈
Und wenn er sie schon bezahlen soll, dann hätte wenigstens mein Mann etwas von all den vorbereiteten Dingen serviert bekommen sollen. Mein Teebeutel in einem Becher Wasser zum dinner schlug auch mit satten 8NAM$ zu Buche. (Die Teebeutel auf unserem Zimmer hatten ein MHD bis März 2010... 😗 )

Unser Fazit kurz und knapp:
Gesamteindruck: Einmal und nie wieder.
Und von einem Lodgebesitzer erwarten wir da ein anderes Verhalten, zumal wenn von den beiden einzigen Gästen einer krank ist. 🤢 🤢
zuletzt bearbeitet 20. Juli 2013
4'451 Beiträge · seit 200823. Juli 2011 · #29
Hallo Beate,
das ließt sich ja wie in einem falschen Film 😠 Es tut mir wirklich wahnsinnig Leid, das Du während Du Dich so Krank fühlst, auch noch so eine schlechte Lodge erwischt hast.:( Gut das Du es so wiedergibst, ich kann sowas ähnliches mit den Eiern voll nachempfinden, und mit dem Gamedrive genauso. 😉 Gut das man immer diese schlechte Erfahrungen schnell verdrängt und die schöne Erlebnisse dann immer wieder die Sehnsucht nach Namibia verstärkt.

Liebe Grüße
Cécile 🙂
"I never knew of a morning in africa when I woke up and was not happy". Ernest Hemingway Reisebericht:2010 "Nach 4 Anläufen als Selbstfahrer in Namibia" http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/140297-nach-4-anlaeufen-als-selbstfahrer-in-namibia.html Reisebericht 2011 Eine neue Erfahrung.... http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/187663- eine-neue-erfahrung.html 2007 ,2008 ,2009 2mal ,2010,2011 Namibia Botswana. 2011 Shanghai, 2012 Florida Virgin islands Karibik. 2012 Namibia und KTP 2013 Das erste Mal Südafrika Kruger NP 2014 Kapstadt und Kruger NP 2015 Kruger National Park 2016 kruger National Park 2017 Kruger National Park 2 KLICKS auf die "SONNE" und man liest den Reisebericht OHNE Kommentare !!!!!
1'409 Beiträge · seit 201023. Juli 2011 · #30
Hallo Beate,

oh jeh, da habt Ihr bzw. inbesondere Du aber Pech gehabt 😵

Ich freue mich auf den weiteren Reiseverlauf, der hoffentlich positiver verlaufen ist...B)

Schönen Samstag-Abend
Fleur
https://www.TickerFactory.com/ Bots Zim 2014 http://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/283181-auf-tuchfuehlung-mit-zimbabwe-die-zim-light-tour.html KTP 2013 http://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/278551-ktp-ja-wo-sind-denn-alle-hin.html CKGR/KTP 2012 http://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/236736-schee-waras-ckgr-a-ktp-april-2012.html Nam/Bots 2011 http://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/195675-wie-alles-begannnambot-april-2011.html
8'678 Beiträge · seit 201023. Juli 2011 · #31
Huuu, Beate, das klingt ja gruselig...mir ist beim Lesen schon fast schlecht geworden!

Hoffentlich wirds bald besser in deinem Bericht - sonst les' ich das nur noch auf nüchternen Magen! 😄

Aber immerhin hast du einen schönen Kudu gesehen und fotografiert - ich mag deren Ohren so 😘 ! Nur: Wie blöd kann Mann eigentlich sein? Ich hätt glaub auch ein paar Takte gesagt! Irgendwie ist man ja auch Kunde, oder?

Gruß Bele
Meine Reiseberichte im Namibia-Forum von 2011 bis heute
zuletzt bearbeitet 23. Juli 2011
Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201024. Juli 2011 · #32
Liebe Cécile, Fleur und Bele,

danke für euer Mitgefühl.
Habt Geduld, übermorgen werden wir den Höhepunkt erreichen. 🤩
Mein lieber Mann liess seine Frau ja nicht alleine leiden... 😐

Ich habe keine Ahnung, was mich da so erwischt hat. Mein Gefühl sagt mir, ich hab was Falsches gegessen. Aber es bleibt Spekulation.
Jedenfalls war ich während des ganzen Urlaubs sehr empfindlich bei manchen Zutaten und Geschmäckern.
Ich habe mich 1 Woche lang fast nur von Tee & trockenem Toast ernährt. Nach einigen Tagen kamen Salzcräcker, abgestandene Cola und Apfel dazu.
Als "Anti-Hüftgold-Programm" nicht verkehrt, aber ansonsten… 😗

Euch einen schönen Sonntag, heute werde ich wohl nicht viel schreiben.
Liebe Grüße
Beate
Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201026. Juli 2011 · #33
10. Juni 2011 Fortsetzung
Um 9.00 sind wir auf der pad, das Thermometer zeigt 07°. Die D2512 ist wunderbar glatt und so rollen wir in der Morgensonne dahin. An die Umgebung kann ich mich nicht mehr genau erinnern, dichtes Buschwerk steht zu beiden Seiten, wir sehen einige Hornbill, Roller und Shrike und diesen hübschen jungen Pale Chanting Goshawk

01Goshawk.jpg


Wir passieren einige kleine Farm- und Wohnhäuser, Rinder stehen auf und neben der pad, Farmtore sind zu öffnen und zu schliessen.
Mir ist immer noch übel, ich huste und die Knochen tun mir weh. Ist wohl noch keine Besserung in Sicht. 🙁

Unser Abstecher zum Hoba Meteoriten fällt recht kurz aus. Wir drehen nur eine Runde und fahren dann Richtung Grootfontein. Hier machen wir nur den nötigen Tankstop und weiter geht es zum heutigen Ziel „Roy‘s Camp“. Um 12.30 kommen wir nach 291 km dort an, das Thermometer zeigt angenehme 23°. Unsere Hütte Nummer 2 ist ja etwas ganz Anderes als die bisherigen Unterkünfte. Eine witzige Konstruktion und Zusammenstellung, sehr rustikal. Aber leider auch sehr dunkel innen.

01RoysCampNo2.jpg


02RoysCamp.jpg


03RoysCamp.jpg


Wir richten uns nur kurz ein. Die Koffer bleiben zu, denn wir sind uns nicht sicher, wer noch in den dunklen Ecken sitzt und durch all die Spalten schlüpfen kann. Ich greife tief in die Reiseapotheke und schlafe für eine Stunde tief und fest. Das tut gut und etwas erholt machen wir einen Gang durch das Camp. Außer uns scheinen bisher nur Gäste auf 2 Campsites zu sein. Wir trinken Tee in der urigen Lounge und klären das Dinner: Für mich bitte nur Tee & Toast. Ich habe weder Hunger noch Appetit.

Nach dem Sonnenuntergang wird es sehr schnell kalt, zu kalt um draußen zu sitzen. Ich höre etwas von „a coldfront is coming...“. Na, das kommt uns doch bekannt vor. 😗 Und das Lagerfeuer ist bereits von einer Gruppe Motorradfahrer belegt. So kleiden wir uns im Zwiebelprinzip und stehen Gongschlag 18.00 im Restaurant. Das Buffet sieht lecker aus: Verschiedene Salate, Kudusteak, Hähnchenteile, Gemüse, Reis, Dessert. Christine scheint eine gute Köchin zu sein. Meinem Schatz schmeckt es, ich probiere eine Gabel Reis und bleibe beim Toast.
19.45 liege ich mit Wärmflasche und Kräutertee im Bett. Der Bauch rumort und krampft. Wärme und Medikamente helfen aber und ich schlafe recht früh ein.

11. Juni 2011
Die Nacht ist so weit OK und bis zum frühen Morgen ist es auch warm genug in unserer Hütte. Dann wird es ungemütlich, denn es zieht kalt durch alle Ritzen. Und um 3.15! fangen die Hähne wie blöd an zu krähen und kriegen sich nicht wieder ein. Schnabel halten 😠! 6.45 wachen wir auf. Mir geht es na ja und ich huste nun auch heftig. 🙁 Wir finden es viel zu kalt, um zu duschen. Da ich aber das Feuer rieche und unser donkey wohl schon ordentlich geheizt hat, sollten wir die Gunst der Stunde nutzen. Eine weise Entscheidung - die Dusche weckt doch einige Lebensgeister.

04RoysCamp.jpg


Das Frühstücksbuffet sieht wieder gut aus, ich bleibe bei Tee & Toast. Jeder Gedanke an Essen kommt nicht gut an bei mir.
Und der für heute geplante Ausflug ins San Village fällt aus. 🙁 🙁 Ich mag nicht über die pad rumpeln und den ganzen Tag unterwegs sein. Klasse, was tun an so einem Tag im Busch?! Wir entschließen uns später, einen der walks auf dem Campgelände zu machen und da wir manchmal nach dem Weg suchen müssen und nur langsam voran kommen, sind wir fast 90 Minuten unterwegs. Der Gang durch den Busch tut jedoch gut. Wir sehen einige Schmetterlinge, Kudu und Grey Lourie

05GreyLourie.jpg


Dieser Baum mit der interessanten Borke ist wohl ein Feuerdorn (Commiphora pyracanthoides)

06PaperbarkTree.jpg


Das hohe Gras beschert uns eine ausgiebige Beschäftigung im Nachhinein: Socken und Schuhe sind voll mit Grannen, die uns schon unterwegs gepiesackt haben. Wir haben dann irgendwann aufgegeben und pulen nun eine gute Stunde lang alles heraus. Wir haben ja Zeit heute... 😗
Den Nachmittag vertrödeln wir mit diesem und jenem. Ich wünsche mir einen bequemen Sessel oder eine Liege - da besteht hier im Camp eindeutig Verbesserungsbedarf. Und ich bin gefrustet, denn krank auf Roy‘s Camp zu sitzen finde ich nicht Hit verdächtig. 😵
An der Bar bitte ich Leon noch mal um Tee & Toast. Tee schmeckt, Toast nicht. Wir schwatzen ein bisschen, anfangs ganz angenehm, aber dann schwenkt Leon um auf Bibelauslegungen, Genesis, den kommenden Weltuntergang und die Richtigkeit von Darwins‘ Lehre... Danke, meine kleine Welt steht bereits kurz vor dem Untergang. 🤢 Das ist nun wirklich kein Thema, das ich krank an einer Bar in der namibischen Wüste mit jemandem diskutieren will, den ich kaum kenne. Zum Glück reisen weitere Gäste an und ich verkrümele mich erst einmal.

Um 18.00 liege ich im Bett, der Bauch gluckert und krampft. Mir ist zum Heulen. Ich bekomme wieder eine Wärmflasche, Kräutertee und diverse Pillen. Der Mann geht alleine zum Essen, er hat aber auch keinen rechten Appetit und ist bald zurück. Mir geht es ein bisschen besser.
Wir versuchen halb im Liegen, halb im Sitzen zu kniffeln. Plötzlich fängt mein Schatz an, neben mir zu zittern: Ihm sei kalt... Zieh dir noch eine Jacke an... Gesagt, getan. Aber kurz danach liegt er mit Schüttelfrost und heißem Kopf im Bett. Was kommt denn jetzt noch? 😮 🤨 😮 19.45 machen wir das Licht aus und hoffen auf eine passable Nacht...

Daraus wird aber nichts, denn wenig später geht es los: Akuter Brech-Durchfall. 🤩 🤩 Die ganze Nacht über rennt der Ärmste und gibt Alles, was er hat. Wir sind nur froh, dass es im Bad einen altmodischen Blecheimer gibt, und kein geflochtenes Körbchen... Es ist der pure Horror. Ich bin hellwach, lausche auf die Geräusche aus dem Nachbarbett, versuche zu helfen (Hey, was geht es mir doch gut! 😐 ) und spiele alle möglichen Szenarien für den nächsten Tag durch: Natürlich ist Sonntag! Arzt, Apotheke, Krankenhaus in Grootfontein - was, wenn er dort bleiben muss? Was wird aus unserer nächsten Station - wir haben ab morgen 4 Nächte Etosha gebucht?! Alternativen? Nach Hause fahren? Ich will sofort nach Hause, ich will in mein Bett!!! 🙁 🙁 🙁 Das ist aber viel zu weit weg... 🙁 🙁 🙁 Zwischendrin sagt er dann „Alles Gute zum Geburtstag, mein Schatz“... Ach, der findet heute ja auch noch statt, das passt mir irgendwie aber gerade gar nicht... 😵
Als es bei uns etwas ruhiger wird, gibt es draußen bei den Vögeln Alarm, da ist wohl jemand auf Beutefang. Kurz nach 3.00 fangen diese blöden Hähne wieder an zu krähen. Ihr seid gleich fällig 😠 ! Irgendwann schlafen wir erschöpft ein.
zuletzt bearbeitet 20. Juli 2013
186 Beiträge · seit 201026. Juli 2011 · #34
Ach Mensch das ist ja furchtbar. Das tut mir so leid. Es bleibt Euch aber auch nix erspart. Kommt denn noch was positives?? Hoffe es sehr für Euch😐
L.G.
Maria
Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201026. Juli 2011 · #35
12. Juni 2011
Ein Tag für die Hartgesottenen...
Um 7.30 wachen wir total erschlagen auf. Dem Armen geht es überhaupt nicht gut. Er bittet mich, ihn für eine Infusion ins Krankenhaus zu fahren. Nichts lieber als das, mein Schatz! Ich dusche fix um halbwegs in den Tag zu kommen und während ich unsere Sachen in die Koffer packe - mittlerweile kenne ich unser Packsystem zum Glück, so dass es ziemlich schnell geht - schiele ich immer wieder zu meinem Schatz, dass er mir im Bad nicht umkippt. 😵
Leon und Christine gucken erschrocken, als ich ihnen von der Nacht berichte und ich frage sie nach einem Arzt - nicht am Sonntag. Ein Krankenhaus - ja das gibt es in Grootfontein. Ich lasse mir den Weg erklären, und bezahle die Rechnung. Als Leon mir zum Abschied sagt, wenn wir noch mal nach Namibia kommen, dann sollten wir uns aber besser vorbereiten, knalle ich ihm meine frostige Antwort „Wir sind gut vorbereitet“ 😠 entgegen und gehe.
Schnell das Gepäck ins Auto wuchten und dann den Mann über die Rumpelpiste schaukeln. Oh je, wie kriege ich ihn hier bloss weg????? 😕 Allein die wenigen Meter von unserer Hütte zur Rezeption werden von endlosem Stöhnen begleitet. Immerhin verabschiedet Leon sich noch und wünscht uns Alles Gute. Das können wir gebrauchen!
Der Kilometer bis zur Straße ist eine Tortur, auf der Teerstraße wird es besser. Das gleichmäßige Fahren ist ansatzweise erträglich. Ich bin froh, dass mal wieder kein Verkehr auf der Straße ist, so geht es mit speed control und 120 nach Grootfontein. Irgendwie funktioniere ich, an meinen Bauch und meine Erkältung denke ich nicht.

9.30 erreichen wir die Notaufnahme des Private Hospital Grootfontein. Wir sitzen kaum, da kommt schon eine Krankenschwester und fragt auf deutsch nach unserem Problem. Obwohl wir das sicher auch auf Englisch hingekriegt hätten, erleichtert es die Kommunikation gerade noch mal sehr. Sie nimmt uns mit in einen Behandlungsraum, stellt jede Menge Fragen und erklärt uns das geplante Vorgehen. Diverse Untersuchungen, inklusive Malariatest stünden an und der Arzt sei informiert. „Wissen Sie, hier in Namibia gehen unsere Ärzte sonntags ja noch in die Kirche. Aber er weiss Bescheid, die Kirche ist gleich aus und dann kommt er.“ Heute ist nicht nur Sonntag, es ist auch noch Pfingsten. Wir nehmen scheinbar mit, was wir kriegen können! 😵
10.10 kommt der Arzt bereits. Er lässt sich noch mal alles erklären, untersucht uns und entscheidet die Behandlung: Infusion für den Mann und diverse Medikamente für uns beide sofort. Auf meine Frage, ob und wie wir wohl 4 Tage Etosha schaffen könnten, guckt er erst mal und überlegt. Der Schatz will da hin und nirgends sonst. Alle Untersuchungsergebnisse sind negativ.😁 OK, unter der Vorraussetzung XY und mit genügend Medikamenten gibt der Arzt grünes Licht. Wir beschliessen, dass wir das wohl hinkriegen können. Er stellt uns eine Tüte mit Medikamenten zusammen, mit genauen Instruktionen, auch bezüglich essen, trinken etc. Die Ursache dieser Attacke bleibt ungeklärt.

Von den Krankenschwestern werden wir sehr aufmerksam versorgt und bekommen Tee. Ich hole mir jetzt Kekse und einen Apfel aus dem Auto - ich fühle mich recht klapperig und brauche nun doch was in den Magen. Und er beschwert sich auch nicht. 😉
Während die Infusion vor sich hin tröpfelt fahre ich in die Stadt: Tanken, Geld holen. Alles easy und überall werde ich freundlich gegrüßt. Einkaufen im Supermarkt: Einen Wagen voll Wasser, Salzcräcker, Äpfel, Cola. Das Helferlein auf dem Parkplatz guckt mich irritiert an, denn ich habe wohl nicht den typischen Touristeneinkauf dabei.

Am Krankenlager hat sich die Situation etwas entspannt, wir scherzen mit der Schwester und ich bekomme wieder Hoffnung doch noch in die Etosha fahren zu können. Ansonsten ist mein Plan B: Wir bleiben erst mal in einer Lodge vor dem Lindequist Gate. Die werden jetzt im Winter schon noch ein freies Zimmer haben.

Die Aufstellung der Rechnung erfordert dann einige Zeit, denn in der Buchhaltung ist heute niemand. Die Schwester muss alle Posten handschriftlich addieren, etwas Spielraum dazu rechnen und ich bezahle per Karte. Ein eventuelles Guthaben soll dann auf unser Konto überwiesen werden. Mir ist Alles recht, denn meinem Schatz geht es deutlich besser 🙂 , er muss nicht im Krankenhaus bleiben 🙂 🙂 und der Urlaub scheint nicht ganz verloren. 🙂 Und für den Betrag hätten wir in einem deutschen Krankenhaus an einem Sonntag nicht viel mehr als einen feuchten Händedruck bekommen.
Um 13.00 beenden wir die Infusion, sonst schaffen wir den Weg in das gebuchte Halali definitiv nicht mehr. Wir sind unendlich froh über diese schnelle, freundliche und kompetente Betreuung. 😁 😁

Die C42 und B1 sind leer und gut zu fahren, mit speed control und 120 kmh kommen wir gut voran. Ich gucke immer wieder, wie es meinem Passagier geht, der mal mehr und mal weniger stöhnt. 😵 😵
Unter einem Baum auf einem Picknickplatz stehen die Herren in Uniform und machen nette Fotos. Da ich vom Gegenverkehr bereits angeblinkt wurde, ahne ich was da kommen wird.
Um 14.30 erreichen wir nach nur einem Nothalt die Abzweigung zur Etosha und wir klären noch mal, ob wir heute außerhalb bleiben oder noch in den Park fahren. Wir fahren hinein und wollen in Namutoni weiter sehen.

Am Von Lindequist Gate gibt es eine kleine Verzögerung, denn wir stören die Dame bei ihrer Lektüre und sie kann keinen funktionierenden Kugelschreiber finden. Dann sind wir im Park.
Und obwohl wir beide nur eingeschränkt aufnahmefähig sind, sind wir sofort begeistert: Was für ein Empfang! 😁 😁 Am Wegrand und in den Büschen stehen ganz viele Giraffen, Impala, Kudu, Springbok. Wir fahren langsam an ihnen vorbei und werden aufmerksam beäugt. Aber alle gehen entspannt ihrer Beschäftigung nach - Fressen... Auf dem kurzen Stück zwischen dem gate und Namutoni sehen wir sicher 30 Giraffen in allen Größen. Leider wird dies ein Nachmittag ohne Fotos: 🙁 Ich traue mich nicht, mehr als unbedingt nötig anzuhalten, denn bremsen und Gas geben gefällt dem Magen nicht. Und der Mann ist nicht in der Lage zu fotografieren. Schade, es ist eine so schöne Strecke: Landschaftlich mit all den Bäumen und Büschen und die Anzahl der Tiere haben wir nicht erwartet!

15.10 erreichen wir Namutoni und ich versuche mein Glück an der Rezeption: „Will it be possible to change our first booked night from Halali to Namutoni?“ „??Why??“ Es folgt ein Erklärung, wieso wir so spät dran sind... Das Gesicht der Dame verändert seine Züge in eine wenig vorteilhafte Richtung. 😣 „You first have to go to Halali and then come back“. „No, we want to stay here today and go to Halali tomorrow“. „No, that would be VERY complicated!“. Ihrem Gesicht lese ich ihre Gedanken ab: „WORK!!!“ 🤢 😠 😈
OK, neuer Versuch. „Will ist be possible to reach Halali in time, before they close the gate?“ „YES! No problem. It‘s 75k‘s.“. „How long will it take us to get there?“ „May be 30 minutes, may be one and a half hour“. 🤩 🤪 😣 Diese afrikanische Logik und Zeitplanung will ich nun nicht weiter diskutieren, hier verschwende ich kostbare Zeit. Also schnell bei der Kollegin die permit bezahlen, im shop eine Karte vom Park kaufen und am Auto die Lage checken. Wir haben 2 Stunden Zeit um Halali zu erreichen und im Gedärm ist Ruhe eingekehrt. Also noch mal auf die Toilette und los.

Die Strecke von Namutoni nach Halali ist toll: Es gibt viel Abwechslung in der Landschaft, Bäume, Büsche, offene Grasflächen. Und Giraffen ohne Ende!!! An diesem Nachmittag sehen wir insgesamt vielleicht 80 Giraffen. 😁 Wo kommen die alle her? Dazu weiterhin Impala, Kudu, Springbok, Elefanten... Wenn wir es schaffen, sollten wir in den nächsten Tagen noch mal zurück kommen. Wir kommen gut voran, nur wenige Tiere kreuzen in sicherem Abstand die pad.

Und dann kommt ER. Es ist 16.40 und wir haben noch etwas mehr als 10 km bis nach Halali vor uns. Auf einer leichten Anhöhe kommt uns ein riesiger Elefant entgegen. Wir stehen unten, er kommt von oben. Mitten auf der pad, mit federnden Schritten und locker im Hüftgelenk. Die Ohren schlagen und der Rüssel rotiert. Die Zeichen sind klar: 😠 DIES IST MEIN WEG! 😠
Ich halte an und schlucke schwer. 😮 Man, ist der groß!!! Wir sind ihm eindeutig zu nah, also müssen wir zurück. Ihn vorne im Auge behaltend und langsam rückwärts fahrend versuche ich, Abstand zu gewinnen. Der Mann stöhnt. Er wird schneller. Wir auch. Ups, es geht nicht nur bergab, da ist auch noch eine Kurve. Jetzt nicht noch rückwärts in die Botanik fahren... 😗 Neben uns macht sich ein zweiter Wagen davon. Wir gucken uns an und zucken mit den Schultern. Als der Abstand groß genug ist wende ich erst mal, fahre noch ein Stück weiter und warte. Hinter uns ist niemand zu sehen. Doch, da kommt er und ist nicht erfreut, dass wir immer noch auf seinem Weg stehen. 😠 Gut, dann also noch weiter zurück. Jetzt kommt uns ein Golf entgegen und ich gebe ein Handzeichen. Als der Wagen anhält erkenne ich, dass der Fahrer ein Park Ranger ist. Dich schickt der Himmel! Nachdem ich ihm erzählt habe, wer da kommt, meint er trocken: 😐 „Oh, I know him. That will take a while... We can only go back and hope he‘ll take the shortcut to Goas. There will be no way to pass him...“ 😐
Nach einigen Minuten kommt der Dicke dann und scheucht uns noch weiter vor sich her. Am Abzweig nach Goas sind wir nun wieder vorbei. Und wir warten... Und warten... Und die Zeit rennt uns davon... 😗 Mittlerweile warten 4 Wagen auf einen Elefanten. Aha, da sehen wir den Kopf.
Es ist 17.00 und ich bin froh, dass wir hier nicht alleine stehen. Und wir warten... Er frisst genüsslich ein wenig hier und ein wenig da. Er geht ein paar Schritte weiter und frisst. Als wir ihn wieder in ganzer Pracht sehen können stellt er sich mitten auf den Weg - und frisst... Am Abzweig nach Goas kommt er dann noch mal mit aufgestellten Ohren und hoch erhobenem Rüssel drohend auf uns zu. 😠 Dann biegt er endlich ab in Richtung Goas.
Es ist 17.12 und der Elefant ist weg. OK, Motoren an und los. In Kolonne, der Ranger vorweg, brettern wir in einer unglaublichen Staubwolke durch den Park. Ich hoffe nur, dass die Wagen vor uns alle potentiellen Versuche, die pad zu kreuzen, bereits im Keim erstickt haben. Denn wir sehen Nichts - außer Staub! Und die Abendsonne steht rot und tief direkt vor uns. Ich ertappe mich dabei, wie ich mit gespitzten Lippen versuche, den Staub vor meinem Gesicht weg zu blasen. Nein, es hilft nicht wirklich... 😗 Irgendwie läuft das alles wie im Film ab, ich denke das ist der helle Wahnsinn und funktioniere einfach.
Um 17.22 rollen wir durch das gate von Halali. Ein lautes Aufatmen und Stöhnen ist in unserem Auto zu hören, wir sind völlig fertig. Der Ranger kommt vorbei, grinst und mein trocken: 😉 „Just in time!“ Denn um 17.25 ist Toresschluss... 320 km haben wir an diesem Ausnahmetag geschafft.

Ich flitze zur Rezeption, das Einchecken geht zum Glück schnell und wir fahren zu unserem Bush Chalet No 60. Es liegt ganz am Ende der Anlage, das gefällt uns auf Anhieb. Wir schleppen das Gepäck rein, der Mann duscht, fällt ins Bett und schläft für 2 Stunden. In der Zwischenzeit packe ich aus und um, rücke die Möbel zurecht, wasche Wäsche, dusche...

Um 20.00 erwacht mein Schatz und es geht ihm deutlich besser als heute Morgen. Ich bereite eine Kleinigkeit zu essen vor, denn mein Magen meldet Bedarf an. Wir sinken in die riesigen Sessel und lassen diesen exquisiten Tag noch einmal Revue passieren. Dazu gibt es einen Medikamenten-Cocktail, Cräcker, einen Apfel und mit einem Glas abgestandener Cola stoßen wir doch noch auf meinen Geburtstag an. 😘 HAPPY BIRTHDAY! 😘
Noch vor 21.00 liegen wir im Bett.
zuletzt bearbeitet 20. Juli 2013
Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201026. Juli 2011 · #36
Hi Maria,

ja, da war wirklich der Wurm drin. Es gab dann auch noch richtig tolle Tage. Zum Glück - sonst... 😮 🙁
Aber die ersten Wochen waren wirklich hart und hingen uns ziemlich lange nach.

Es ist gut, das Ganze jetzt auch noch mal mit Abstand zu sehen. Die schönen Erlebnisse kommen jetzt mehr ins Gedächtnis 🙂

Liebe Grüße
Beate
372 Beiträge · seit 200827. Juli 2011 · #37
Hey Beate,

ich wollte eigentlich schon längst ins Bett - aber dasss, puuhhhh !!!
Hat mich ja so gefesselt 😕 Hoffe wirklich, dass der Trip noch
besser endet 😁

Kann Dir nur Danken bzgl. Deinen Beiträgen und jetzt noch dem soooo
toll geschildertem Reisebericht 🤩

Einfach TOLL 🙂

Coldfront iss hoffentlich Ende September abgehakt - dann kommen wir !!!

Grüßle Soni
zuletzt bearbeitet 27. Juli 2011
Themenstarter1'117 Beiträge · seit 201027. Juli 2011 · #38
Hi Soni,

danke für dein feedback.
Ja, es wird besser - sagen wir ein Kessel Buntes 😗
Aber die "Erkrankungshighlights" haben wir nun hinter uns, uff! 🙂

Eiiiiiiiiigentlich sollte die coldfront bis zu eurem Urlaub durch sein. Aber heutzutage weiss man ja nie... Ich drücke euch schon mal die Daumen!

Liebe Grüße
Beate
6'152 Beiträge · seit 200627. Juli 2011 · #39
Hallo Beate,

in groben Zügen wusste ich ja schon von eurer Tour und dem Krankenstand.
Aber in Deinem Reisebericht kann man erst mal nachvollziehen - was Ihr Beide
wirklich durchgemacht habt --es tut mir so unendlich leid - schade-schade-
dass Ihr nicht Namibia in vollen gesunden Zügen geniessen konntet.
Liebe Grüsse
Hanne
8 x Südafrika,1x Zimbabwe, 22x Namibia, 4x Botswana, 1x Lesotho, 1 x Swasiland
8'678 Beiträge · seit 201027. Juli 2011 · #40
Eijeijei, Beate, so hört sich Urlaub eigentlich nicht an...! Und dann noch dieser Elefanten-Dickschädel gegen Ende - sowas braucht man dann nicht, oder?

Obwohl sich das alles ungeheuer spannend liest und man quasi am Screen klebt, hoffe ich, dass der Rest etwas undramatischer wird - zu Euren Gunsten 😉

Schönen Abend - Gruß Bele
Meine Reiseberichte im Namibia-Forum von 2011 bis heute