Marco_1311126 Beiträge · seit 200713. Juni 2011 · #61
Hallo Serengeti,
ich kann Deinen Ärger über die kaputte Scheibe und das darauffolgende Theater beim Vermieter nachvollziehen. Das Gleiche ist uns in Australien passiert. Unser Auto war All Inklusive versichert, also kaputte Scheibe und geplatzte Reifen inbegriffen. Wir wollten das Auto am Airport in Darwin abgeben, hatten dort ein riesiges Theater und zahlten dann, weil der Abflug Richtung Singapur immer näher kam, mit der Kreditkarte die Rechnung.
Daheim angekommen, kontaktierte ich erstmal unser Reisebüro. Dort wurde mir mitgeteilt, dass diese Prozedur normal wäre. Über den Reiseveranstalter ist zwar alles versichert, aber im Schadensfall müssten wir erst in Vorleistung treten und die Rechnungen dann beim Reiseveranstalter einreichen. Da habe ich wieder etwas dazu gelernt. Im Nachhinein wurde uns alles wieder erstattet und für die nächsten Reisen weiß ich nun, wie es im Schadensfall abläuft.
marimari2'240 Beiträge · seit 201113. Juni 2011 · #62
Hallo Serengeti, ich freue mich, dass es bei Dir hier in Deinem Reisebericht weiter geht..- ja, auch bei Reisen ist nicht immer alles rosig, wie im sonstigen Leben auch😕 Ich denke, es ist gerade für ein Forum wichtig, verscchiedene Perspektiven abbilden zu können. Dem einen gefällt das und dem nächsten was anderes - Leben u. Leben lassen..hier die Devise. Bin gespannt, wie es bei Euch weiter geht - auf jedenfall an Wasser hat es bei Eurer Tour nicht gemangelt. Hoffe, das ist bei uns Ende September nicht mehr so schlammigB) Gruss Mari
casimodo4'528 Beiträge · seit 200713. Juni 2011 · #63
Hallo Serengeti,
Danke für Deinen lebhaften und trotzdem sehr sachlichen Bericht. Etliche Deiner Eindrücke kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen und freue mich auf die Fortsetzung Deines Berichtes.
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201014. Juni 2011 · #64
Hallo zusammen,
vielen Dank für das Feedback. Marco, ja das Theater mit Avis ist immer noch nicht "gegessen". Wir hatten noch eine "Reifenproblematik" während der Tour (dazu später) und der Schaden Windschutzscheibe wurde natürlich von Avis über MC eingezogen. Ich habe allerdings immer noch keine Rechnung über den Schaden, so daß ich auch die Abrechnung mit der Versicherung und DerTour nich machen kann. Aktuell habe ich die Kreditkartenfa. eingeschalten und klar gestellt, daß keinerlei Belege über die von Avis geforderten Belege vorliegen. Also eine Abbuchung ohne Nachweis vorliegt. Mal sehen, wie es weiter geht.
Ihr seht, da folgt schon noch was auf der Tour.
@marimari nun das mit dem Regen hat dann ab Swakop abgenommen. Die Auswirkungen spürten wir allerdings noch auf den Pads.
LG Serengeti
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201014. Juni 2011 · #65
Tag 10
Das Tagebuch kann ich leider erst nach 2 ereignisreichen Tagen weiter schreiben. Frühstück in der Beach Lodge. Sehr unpersönlich und steril finden wir die Atmosphäre. Zwar ein toller Blick auf das (neblige) Meer, aber das macht die Hotelatmosphäre nicht wett. Die Zimmer sind sehr hellhörig und das ganze Hotel u.E. ungemütlich. Uns gefällt es hier nicht. Vielleicht liegt es auch am nebeligen typischen Wetter hier in Swakop. Für den Tag ist es auch nicht sehr schön angesagt und unsere Bedenken hinsichtlich des geplanten Tagesprogramms wachsen. Hinzu kommt, dass mir nun leicht bis mittel übel in der Magengegend geworden ist. Hab ich mir vielleicht auch noch hier was gefangen? Wäre gar nicht gut, da ja die Schifffahrt durch die Bay und die Dünenfahrt mit Sandwich Harbour ansteht. Und diese Geschichten sind sowieso für den Magen nicht sehr gesund, auch wenn er nicht vorbelastet ist. Nun ich versuche es zu ignorieren und wir brechen erst einmal zu Avis wegen des Autotausches auf. Wir müssen unsere Fahrweise umstellen, denn nun steht ein Polo bereit. Also die Unebenheiten besser umfahren. Das ist in Swakop nun nach den Unwettern sehr schwierig, da Straßen mit Löchern von 1-2 Metern Durchmesser und einem halben Meter Tiefe vorhanden sind. Diese Löcher müssen allerdings bereits länger vorhanden sein. Der Regen gestern dürfte also nicht der Grund dafür gewesen sein.
Also dann mit dem Polo nach Walvis Bay zur Waterfront. Das Wetter wird nicht besser. Trüb und kühl ist es und mir wird immer übler. Bei Mola Mola angekommen können wir noch mit einem Angestellten quatschen, der uns die Boote von Mola Mola auf dem Meer zeigte und uns auch unseren „Einstiegssteg“ zuwies.
Doch, oh wunder, wir wurden dann zu ganz einer anderen Stelle am Hafen geführt und auf einen großen Katamaran verbracht. Ich kann mir das nur so erklären, dass zu wenig Buchungen für die Meertour bei Mola Mola vorlagen. Ich hatte noch ein Pärchen gesehen. Deshalb wurde die Tour von Mola Mola (wohl) von einem anderen Veranstalter durchgeführt. Es waren dann ca. 20 Leute an Bord des Kat. Diese waren allerdings teilweise die schlimmste Sorte von “Urlaubern“. Die Ausnahme waren 2 Französinnen. Bei jeder Fotogelegenheit wurde gedrängt und geschoben, obwohl doch auf dem Schiff viel Platz war. Irgendwie sehnte ich mich wieder in die Einsamkeit der weiten namibischen Landschaft. Und mir wurde immer übler. Das Schaukeln des Schiffes tat sein übriges. Ein Seehund kam über das Heck des Schiffes zu uns an Bord und wollte gestreichelt werden.
Danach flogen in großer Anzahl Pelikane neben unserem Schiff. Der Matrose fütterte diese vom Schiff aus. Absolut elegante und große (Spannweite) Tiere sind das. Ich wollte diese Vögel schon immer live sehen und war total begeistert. Wir kamen nun zur einer vor gelagerten Halbinsel (seals gathering). Dort tummelten sich Kolonien von Seehunden. Sie sahen uns und stürmten ins Wasser. Einige kamen sogar an Bord, wurden gefüttert und entschwanden wieder.
An der Spitze der Halbinsel dann mein zweites Highlight: Delfine. Sie tanzten und spielten um das Schiff und schwammen unter dem Katamaran. Einfach toll.
Wenn mir nur nicht so schlecht wäre. Eine halbe Stunde verbrachten wir bei den Delfinen. Dann legten wir auf Mitte der Halbinsel an einem kleinen Steg an. Hier sollten die Personen an Land abgesetzt werden, die eine Kombitour (Wasser und Dünen) gebucht hatten. Das waren die 2 Französinnen, ein Ehepaar aus Franken und wir. Dennoch alle wollten raus und eben Alles mitnehmen, was es so gab. Wir waren nicht in der Lage auszusteigen, da die „gruppendynamisierten Heinz Rüdigers“ nach draußen drangen und so den Ausstieg blockierten. Nachdem nun unser Skipper und die Guides vom Range Rover den Wilden erklärten, sie müssten wieder aufs Schiff und zurück in den Hafen und die Namen der Teilnehmer der Wüstentour aufgerufen hatten, dann war endlich Ruhe. Das Bild, das sich für uns in dieser Situation zeigte, war allerdings auch schon wieder fast belustigend. Der Skipper und die Guides kamen uns vor wie Zirkusdompteure mit Peitschen, die die wilde Meute zurückdrängten. Nachdem wir dann endlich aussteigen konnten beschwerte sich die Gruppe dann noch lautstark, nicht auf die weitere Tour mitfahren zu können, jedoch wer konnte denn da was dafür? Nicht Alles ist „all inclusive“. Gott sei Dank, denn es wurde dann, trotz des nicht optimalen Wetters, fantastisch.
Wir waren mit 6 Personen, 2 Land Rover und 2 Guides unterwegs. Die Guides waren „toll drauf“. Wir fuhren mit den Landys am Strand entlang, etwa eine halbe Stunde, dann die Dünen hoch, genossen Aussichtspunkte, die Dünen runter und hielten an einer Stelle in den Dünen zum Lunch. Ein Wüstenwaschbecken wurde mitten in der Wüstenlandschaft aufgebaut. Tische und Stühle und dann wurde aufgetischt, aber wie. Sekt mit Austern und Fingerfood gab es. Ich wusste jedoch bereits, dass ich gar nichts von meinen geliebten Austern essen konnte. Dennoch setzte ich mich zu einem Glas Wasser hin. Mir war hundeelend. Als ich die Leckereien sah, musste ich plötzlich den Tisch verlassen und ich beeilte mich hinter die nächste Düne zu kommen. Auch ein Erlebnis. Mitten in der Dünenlandschaft…… Zurück am Leckereientisch wurde ich heftigst bedauert während sie die tollen Sachen in sich hineinschlangen. Sogar meiner besseren Hälfte haben diesmal die Austern geschmeckt. Ausführlichst erzählte sie mir, wie man sie essen müsse. Danke! Weiter ging dann die Fahrt über Dünen und am Meer entlang. Die Guides entdeckten Wüstenschakale und Echsen. Plötzlich ein Stopp unseres Guides. Bitte vorsichtig aussteigen. Da lag doch tatsächlich unter einem Gebüsch eine Puffotter. Welche Augen haben nur unsere Guides. Sie bewegte sich nicht und beobachtete uns nur. Wir ließen sie in Ruhe und fuhren weiter.
Wir fuhren in ein Treibsandgebiet und die Guides erklärten und zeigten uns die Gefahr. Überhaupt erfuhren wir viel von der Wüste, ehe wir gegen 17 Uhr wieder an der Waterfront von Walvis Bay angelangten. Dieser Ausflug war absolut klasse und war jeden Penny wert.
Wir fuhren zurück in das Hotel, da sich mein Zustand nun eher verschlimmerte. Leider konnten wir deshalb den geplanten „Bummel“ durch Swakop nicht machen. Ich fühlte, dass ich fieberte und auch leichten Schüttelfrost bekam. Im Hotel ging es ins Bett. Schweißausbrüche folgten die ganze Nacht.
Sanne2'462 Beiträge · seit 200615. Juni 2011 · #66
Leider konnte ich die letzten Tage Deinen Bericht nicht verfolgen, durfte dafür aber heute gleich die Erlebnisse von mehreren Tagen nachlesen. Vielen Dank. Ich mag Deinen Bericht sehr und liebe die Fotos.
Wir waren in der Beach Lodge vor dem Umbau und hatten einen ähnlichen Eindruck wie Ihr. Die Lage ist spektakulär, der Service war bei uns sehr gut, aber hellhörig ist es da... Wir bekamen von den Nachbarn, aber vor allem von den Bauarbeiten alles mit. Da konnten wir nur mit der notwendigen Bettschwere schlafen... (gell, Canaga - war ganz schön viel Wein, oder??;) )
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201015. Juni 2011 · #67
Hi Sanne,
erst einmal vielen Dank für die Blumen.
Es stimmt, der Service in der Beach Lodge war wirklich gut, aber sonst auch so, wie Du schreibst. Wir hatten das Zimmer "Limpopo" im 1.Stock mit Blick aufs Meer. Die erste Nacht war tatsächlich viel Pinotage nötig um den Lärm zu ertragen. Deshalb dachte ich am nächsten Tag ja erst an "die Strafe des Alkohols" am Morgen. Aber das hatte dann wohl ganz andere Gründe. Ich empfehle jedenfalls das Restaurant de Kelders nicht!
Noch was zu Beach Lodge. Das Hotel liegt ziemlich weit ab vom Schuß. Das nächste Mal würde ich weiter in die Stadt gehen.
LG Serengeti
Sanne2'462 Beiträge · seit 200615. Juni 2011 · #68
Bislang habe ich nur Gutes gehört - ich hoffe, das bleibt so, bis wir dort sind 🙂
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201026. Juni 2011 · #69
Tag 11
Zum Frühstück ging nur eine Scheibe Toast und eine Tasse Kamillentee. Das Packen verlief entsprechend langsam und war wiederholt mit viel Schweiß verbunden. Wir warteten auf unseren geliebten Subaru. Um 9.30 kam die Dame und stellte uns das Fahrzeug mit nagelneuer Windscreen vor das Hotel. Wir dankten, beluden, tankten und da war doch irgendetwas nicht in Ordnung, oder? Ja richtig, ein Permit fehlte. Es handelte sich um das Grenzübertrittspermit für einen Wagen aus SA. Da unser Mietwagen ein SA Kennzeichen hatte, benötigt er für Namibia dieses Permit auf der Windscreen. Ohne ist bei der nächsten Kontrolle Schluss mit lustig bzw. mit Fahren. Also zurück zu Avis. Dort entschuldigte sich die Dame mehrmals für die Umstände (Hilft uns nur nix) und suchte in unserm Auto (Handschuhfach etc.) nach dem Permit. Es müsse laut Rep. Firma vorhanden sein. War es aber nicht. Auch nicht bei Avis. Mehrere Anrufe bei der Rep.Fa. folgten. Nach ca. einer Stunde die Erlösung. Das Permit ist irgendwo doch bei der Firma aufgetaucht (wahrscheinlich aus dem Papierkorb gezaubert). Ein Mitarbeiter flitzte hin, brachte es und klebte es kunstvoll auf unsere Scheibe. Dann mussten wir umplanen. Ursprünglich sollte es über HeintjesBay und weiter über D Straßen nach Spitzkoppe und Ameib gehen. Doch die Zeit war zu weit fortgeschritten um am Abend unser Endziel im Erongo (Farm Eileen) noch bei Helligkeit erreichen zu können. Die Anfahrt im Erongo bei diesen Straßenverhältnissen in Dunkelheit wäre tödlich.
Also auf die verhältnismäßig langweilige B2 nach Usakos (130 km auf TeerPad). Von weitem sahen wir links die Spitzkoppe, das Matterhorn Namibias in der Landschaft stehen. Schade, wir wären gerne auf der D1918 näher daran vorbei gefahren.
In Usakos sind wir dann auf die D 1935 Richtung Ameib abgebogen. Dort wollten wir vor der Fahrt zu unserer Farm noch eine Wanderung zu den dortigen bekannten Gesteinsformationen (Bulls Party) machen. Die Fahrt auf der Pad ging sehr gut und flott. Plötzlich eine wirklich große Wasserfurt, die zu durchqueren war. Hier hatte ich zum ersten Mal bedenken, trotz 4x4. Ca. 50 Meter zu durchfahren im Sand. Die Tiefe war ca. 30 cm. Kein Mensch weit und breit, doch, ein schwarzer Junge zeigte sich am gegenüberliegenden Ufer und setzte sich gespannt unter einem Baum und harrte der Dinge, die da kommen mögen. Ich gab Gas, immer gleichmäßig auf Druck bleibend und dennoch leicht driftend kam ich zur Mitte des Rivieres. Dann wurden meine Bedenken größer, da der Sand immer weicher wurde, aber unser braves Wägelchen zog tapfer durch. Ich machte auch nicht den Fehler vom Gas zu gehen oder auch panisch zu viel Gas zu geben. Die 4 Räder zogen super an das andere Ende der Furt und der kleine Junge winkte uns enttäuscht ob der entgangenen Chance auf eine Show im Wasser hinterher. Margits Gesicht hellte sich auch wieder etwas auf. Glücklicherweise mussten wir hier nicht wieder zurück, sondern konnten weiter zu unserer Farm auf anderer Pad fahren. Dann abgebogen auf die D 1937 auf das Gate von Ameib zu. Mist, erneut ein Rivier. Nach dem Regen liefen diese Riviers wie der Teufel. Dieses sah noch bedrohlicher und tiefer aus und wir waren wirklich in der Pampa. Aber nach unserer Einschätzung (Wir wateten ein wenig im Wasser herum) noch nicht so tief, dass das Wasser eindringen konnte (hoffte ich). Die Breite ca. 70 Meter und der blöde weiche Sand, fast schon Treibsand. Normalerweise ist die Fahrt nach Ameib mit einem 2x4 zu machen. Dieses Jahr und bei dieser Regenzeit wohl nicht. Wir überlegten. Jetzt waren wir so weit gefahren und wollten die Gesteinsformationen erwandern und nicht umkehren. Außerdem hatte uns unser tolles Wägelchen bis dato noch nicht im Stich gelassen. Also satt rein und gleichmäßig durchziehen. Schon beim Einfahren merkte ich, dass es sehr sehr knapp werden könnte. Der Wagen kam gleich in tiefen weichen Sand, zog aber nochmals driftend über die Mitte des Flusses. Noch 30 Meter und er drehte leicht durch. Bitte nicht. Noch ein wenig mehr Gas und die Lenkung auf vermeintlich festeren Sand wenn auch tieferes Wasser gestellt. Das war die Rettung. Das Wasser stand zwar bedrohlich hoch aber unser Wagen zog prima durch. Geschafft. Drüben angekommen mussten wir uns beide die Blässe aus dem Gesicht holen. Dann kam allerdings die Blässe sogleich zurück. Da mussten wir ja in 2 Stunden wieder hinüber! Oh my god. Nützt nichts. Jetzt erst einmal nach Ameib. Am Gate begrüßte uns der Farmangestellte mit breitem Grinsen, betrachtete unser Auto und stellte nur die Frage ob wir denn im Rivier hängen geblieben seien HäHä. Ich verneinte und hinterließ einen enttäuschten Gate Wächter, HäHä.
Anmerkung: Die Rivieres sind auf der Reise know how Karte sehr gut zu erkennen. Das erste R. quert die 1935, das zweite R. die 1937. Wir fuhren im Gebiet Ameib und entdeckten unsere ersten Giraffen in Namibia. Eine Herde mit 20-30 Tieren spazierte um die Straße herum und beäugte uns argwöhnisch. Danach wanderten wir ca. 2 Stunden auf Ameib, fotografierten Bulls Party und den Elefantenkopf. Gigantische Felsformationen lagen hier. Man hätte noch Stunden verbringen können aber leider drängte die Zeit, um nicht in die Dämmerung zu kommen und da war ja noch was!
Wir fuhren auf „unsere“ Flussdurchfahrt zu und hofften, dass die Wasserhöhe zumindest nicht angestiegen war. Und da sahen wir das Schlamassel. Mitten im Rivier stand ein PKW Hillux festgefahren. Ein 2x4 Hillux mit einem einheimischen Pärchen. Er schimpfte wie ein Rohrspatz darüber, dass man nicht angezeigt hatte nur mit 4x4 durchzukommen. Aber wir hatten ja auch Probleme. Helfen war erst einmal nicht, da wir ja erst einmal selbst die Durchfahrt schaffen mussten. Und die „Idealspur“ blockierte der Local. Da er zu weit am gegenüberliegenden Ufer stand und der Local nur ein kurzes Seil hatte, wäre es Selbstmord gewesen in das Wasser zu fahren, wo es treibsandig war. Die einzige Chance war von der anderen Seite ins Wasser zu fahren. Da hatten wir besseren Untergrund und das Seil würde eventuell reichen. Ich forderte den Swakopmunder auf die Türen und Fenster zu schließen, da wir sehr knapp am Hillux mit guter Geschwindigkeit vorbei mussten, um noch einigermaßen in der Ideallinie zu bleiben. Vorab wateten wir alle zusammen im Fluss, um die treibsandigen Stellen zu finden. Als wir dachten, die richtige Track gefunden zu haben, ging es los. Wir peitschten durch das Wasser in den Sand und kamen driftend und mit leicht durchdrehenden Rädern hinüber. Danach rollte ich zurück ins Wasser um „erste Hilfe zu leisten“. Ich musste doch noch aufgrund der Seillänge in tieferes Gewässer „vordringen“. Der Versuch misslang. Das Seil riss obwohl ich langsam bis zur Spannung zog, aber der Hillux war zu schwer. Die Zeit drängte auch für uns. Wir mussten ja auch weiter und hatten bereits eine halbe Stunde verbraten. Die armen Locals konnten wir aber auch nicht hängen lassen, obwohl ich mehr als ein Mal an unsere kaputte Windscreen und den flott fahrenden Verursacher dachte. Glücklicherweise kamen schwarze Ziegenhirten des Weges und hatten, man mag es kaum glauben, eine Kette! dabei. Nun Kette an die PKWs und ich zog an. Es rührte sich was. Langsam gab der Sand nach und wir konnten den Hillux rausholen. Wir waren stolz wie Oskar. Normalerweis belächeln die Locals die Europäer, wenn diese stecken bleiben, und helfen. Heute haben wir denen mal gezeigt „wo der Bartel den Most“ holt. Artig bedankte sich der Swakopmunder und wir machten uns hastig weiter auf den Weg. Die Pad war sehr rau aber die Gegend mit den Erongobergen ein absoluter Traum. Die Temperaturen waren mittlerweile wieder auf 30 Grad angestiegen bei wolkenlosem Himmel und mein Zustand hat sich auch schon etwas gebessert.
Anmerkung zu den Pads: Im Forum wurde hier im Vorfeld bereits Einiges geschrieben. Von Ameib kommend fuhren wir auf der D1935 und D2306 bis zur D2315. Auch die D2315 war noch „einigermaßen“ gut zu befahren. Dennoch viele Auswaschungen und Potholes. Schlimm wurde die D2316. Diese wird wohl von staatlicher Seite nicht mehr gepflegt und nur noch als Farmstrasse eingestuft. (Meine eigene laienhafte Beurteilung) Es war teilweise katastrophal zu fahren. Frederik von Farm Eileen war während unseres Besuches gerade damit beschäftigt sowohl seine Farmpad als auch die 2316 auf eigene Kosten instand zu setzen. Danach dürfte es wieder möglich sein mit einem „normalen PKW“ bis zur Farm zu gelangen. Ich denke, mittlerweile müssten die Arbeiten schon erledigt sein.
Die letzten 7 Kilometer Farmpad zur Farm benötigten 45 Minuten auf dem weitläufigen Gelände. 40 ha ist das Gelände groß. Haupteinkunftsquellen sind Rinder und Ziegenzucht sowie Beherbergung von max. 8 Gästen. Wir waren an diesem Abend die einzigen Gäste. Das Essen der Gastgeber war sehr gut. Unter anderem gab es einen Kudubraten mit Nudeln, Gemüse und Speck. So langsam konnte ich mich wieder an normales Essen herantasten. Höhepunkt des Abends war das enorme Wissen über Namibia, der Flora und Fauna des Erongo von Frederik v. Alphen, unserem Gastgeber. Soviel, wie wir in diesen zwei Tagen auf Eileen über Namibia, seiner Unabhängigkeit und auch den Folgen gehört haben, relativiert doch in vielen Belangen meine Meinung hinsichtlich afrikanischer „Lebensumstände“. Auch nach mehreren Urlauben in SA und, in denen ich mich durchaus mit der Politik des Landes zu beschäftigen versucht hatte, war immer noch die, ich bezeichne es mal als, „europäische Arroganz des Besserwissens“ hinsichtlich afrikanischer Verhältnisse in meinem Kopf vorhanden. Da gibt es m.E. doch sehr viele „Weltverbesserer „ bei uns, insbesondere auch in der Politik. Aber wir in Europa maßen uns immer wieder an, Situationen in einem fernen Land besser beurteilen zu können als es die Menschen vor Ort können. Missionierung und Kulturvereinheitlichung drücken wir durch mit der Argumentation, dass es den Völkern dann ja besser gehe. Tatsächlich wollen, tun es diese Völker aber oftmals in dieser rasanten Geschwindigkeit nicht. Wir lassen diese sich nicht selbst zum Besseren entwickeln. Wir sind quasi nicht Hebammen sondern die Chirurgen bei einem schnellen und oftmals unnötigen Kaiserschnitt. Aber das wäre so ein typischer „Diskussionsstoff“, der in das berühmte Nirwana führen könnte. Oh je, jetzt bin ich doch in die Gesellschaftspolitik „abgedriftet“. (Anmerkung bei Einstellen des Berichts in das Forum: Diese „politischen Zeilen“ waren und sind Inhalt meines Tagebuches. Sollte sich Jemand angegriffen fühlen, bitte einfach ignorieren und darüber hinweg lesen. Namen sind ja keine genannt und Beleidigungen sind ebenfalls nicht ausgesprochen) Noch etwas wackelig ging ich dann zu Bett und in der Nacht schwitzte ich die letzten Gifte von Swakop aus dem Körper. Übrigens, die Gastgeber erzählten uns, dass bei ca. 50% der Gäste, die über Swakop zu ihnen kommen ähnliche gesundheitliche Problematiken auftreten. Na Prost Mahlzeit.
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201027. Juni 2011 · #70
Tag 12
Keine Unwetter in der Nacht. Ruhiger Schlaf in der Unendlichkeit einer einsamen namibischen Farm. Die Einfachheit, Herzlichkeit und Ursprünglichkeit auf dieser schönen Farm hat uns in ihren Bann gezogen. So schön kann Namibia sein. Ein sehr gutes Frühstück mit den Gastgebern war der Start in diesen fantastischen, sonnigen und warmen Tag. Von 8 Uhr bis halb 11 Uhr lauschten wir beim langen Frühstück erneut namibischer Geschichte und vor allen Dingen auch die Millionen Jahre alte Entstehungsgeschichte des Gebirges des Erongo. Ein Traum für Geologen und Archäologen. Danach wanderten wir 2 Stunden auf die Höhen eines Aussichtsfelsen, konnten Gesteine und Pflanzen sowie verschiedenste Arten von Geckos entdecken. Die Einsamkeit und Ruhe war absolutes Balsam für von Hektik und Hetze „gebeutelte“ Seelen. Es war einfach schön. Gut, dass es noch solche Fleckchen gibt.
Nach unserer Rückkehr legten wir uns auf die Liegestühle am Pool bzw. auf die Terrasse zu einem Bier Shandy. Es kamen neue Gäste an (2 aus Hagen), welche in Swakop im gleichen Guesthouse zusammen mit den Hannoveranern übernachtet haben. Die Welt ist ein Dorf. Cornerstone Guesthouse war wohl die bessere Wahl in Swakop als unsere Beach „Lodge“. Gegen 16 Uhr musste unser Gastgeber mit seinem alten Landy und zwei schwarzen Angestellten auf dem Farmgelände Ziegen mit Neugeborenen suchen und auf die Farm bringen. Wir schlossen uns der Suchmannschaft an und durften bis in den Sonnenuntergang im Landy unterwegs sein. In einem Landy 1973 mit Seilwinde vorne und hinten sowie abgeklappter Windschutzscheibe. Einfachste Bauweise zigmal aus alten Teilen zusammengeschraubt und geschweißt. Die Blattfedern auf der linken Seite waren doppelt so dick wie auf der rechten Seite. Ein absolutes Erlebnis im Busch mit diesem Teil zu fahren. Und wie der funktionierte. Verstehe gar nicht, weshalb man „normalerweise“ in Namibia auf die Landys „sehr schlecht zu sprechen ist“. Wir haben auch alle Ziegen nebst Hunde gefunden und auf dem Aufbau des Landy verfrachtet. Dann ging es während des Sonnenunterganges nach Hause. Dort wurde heute Abend gegrillt. Zebra, Hähnchenkeule, Boereworst kamen auf den Grill. Die Schakale heulten in der Nacht und uns schmeckte der Wein. Gut gesättigt fielen wir ins Bett. Morgen müssen wir diese schöne Farm leider verlassen und werden für eine Nacht wieder den Hummeldumms ausgesetzt sein in der Twyvelfontein Lodge. Danach geht es für 2 Nächte zur wunderschönen (hoffentlich) Grootberg Lodge, dann in die Etosha. Gute Nacht!
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201027. Juni 2011 · #71
Tag 13
Nach unserem heutigen Frühstück zu sechst ging es wieder auf die Pad Richtung Twyvelfontein. Mit gemischten Gefühlen erwartete ich unsere geliebten Heinz Rüdigers. Die Pad war sehr schlecht. Immer wieder Schlaglöcher und Sandausspülungen. Nie hätte ich mit einem normalen PKW hier fahren mögen. Der Unterboden wäre sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Wir waren über unser Upgrade wirklich glücklich, denn auch mit unserem ursprünglich reservierten höheren 2x4 wäre es weitaus problematischer in einigen Anstiegen und Durchfahrten geworden.
Wir wollten eigentlich nicht über Omaruru fahren, sondern über Okombahe und D2306 auf die C36. Davon wurde uns jedoch abgeraten, da der Fluß, der die 2306 kreuzt (Name nicht mehr im Kopf) nicht zu durchfahren sei. Also über Omaruru, wo wir kurzen Stopp einlegten. Im weiteren Verlauf dann auch einen Kaffeestopp in Uis. Danach ging es durch traumhafte Landschaften und vorbei an gelbrote Berge nach Twyvelfontein zu den berühmten Steinmalereien und Felsgravuren.
Dort gegen spätem Nachmittag angekommen, war ich positiv überrascht. Ich erwartete einen Ansturm von Bussen und Deutschtouristen, ähnlich Schloss Neuschwanstein in Bayern. Aber oh Wunder nur ein Bus mit 12 Heinz Rüdigers vorhanden. Sonst nur 3 weitere PKW. Man muss sich dort am Touribüro einschreiben und bekommt einen Guide für die 1-2 stündige Tour durch das Gelände. Wir hatten das Glück und den Luxus eine persönliche Führerin nur für uns alleine zugeteilt zu bekommen. So konnten wir die wirklich fantastische Landschaft, die Wanderung durch die Vergangenheit mit einer einheimischen Damara erleben. Sie zeigte uns die alten Felszeichnungen in dieser Region. Die Sonne strahlte bei richtiger Einleuchtung. Wir hatten noch knapp 34 Grad und es war von Vorteil, dass wir eine Literflasche Wasser dabei hatten.
Nach dieser doch begeisternden Führung durch die Geschichte von Twyvelfontein checkten wir in unserer Lodge ein (Twyvelfontein Lodge) Diese liegt wunderbar in die roten Felsen eingebettet. Unser Bungalow war sehr geschmackvoll eingerichtet. Der Blick von der Terrasse ging über die weite Steppenlandschaft des Damaralandes. Die Berge mit rot leuchtender Farbe durch die gewaltige abendliche Sonneneinstrahlung waren einzigartig.
Wir hatten für das Dinner einen Tisch im „Turmrestaurant“ gebucht. Dieses erhebt sich auf Stelzen ca. 5 Meter über die Erde. Alle Seiten des Turmes sind offen und lassen einen unvergleichlichen Blick in die Landschaft zu. Wir wollten in Vorbereitung zum Dinner deshalb gerade unter die kühle Dusche hupfen, als unsere englischen Nachbarn furchtbares Geklopfe an unserer Türe veranstalteten. Unfassbar, die viel gerühmten Wüstenelefanten querten in etlicher Entfernung die Steppe. Wir hatten heute erfahren, diese seien im Gebiet des Goantagab Rivier gesehen worden, also weit hinter uns und wir hatten eine Sichtung dieser Gruppe schon abgehakt. Aber nun doch dieses Schauspiel.
Schnell schnappten wir uns nochmals den Wagenschlüssel und dann husch in die Landschaft. Wir konnten ihren Weg kurz später kreuzen und genossen bei ausgeschaltetem Motor die Szenerie. Der Bulle der etwa 10 köpfigen Gruppe passte vorne auf und die Gruppe „weidete“ im Hintergrund. Wir befanden uns ca. 30 Meter neben den Giganten und fotografierten erneut wie wild. Danach hatten wir uns endlich die Dusche verdient.
Im Restaurant wurde uns ein sehr schöner Tisch mit Blick in die Steppe zugeteilt. Das Vorspeisenbuffet war eine Enttäuschung. Altes trockenes Fleisch als „kalter Braten“. Auch der Fisch sah nicht mehr besonders frisch aus. Der Hauptgang war akzeptabel mit gemischtem Braten von Hähnchen, Oryx, Schwein. Das Dessert mundete ebenfalls. Aber hier von tollem Buffet zu sprechen, war u.E. keinesfalls angemessen. Sehr bald zogen wir uns mit einem Krug Eiswürfel in unseren Bungalow zurück. Wir kamen mit unseren englischen Nachbarn noch längere Zeit auf unserer Terrasse ins Gespräch (incl. Herrn Gin Tonic und Frau Eiswürfel), die uns nach dem Dinner bereits lächelnd erwarteten. Sie hatten das Buffet wohlweislich, aufgrund gestriger Erfahrung, nicht mehr gebucht. Das hätten sie uns aber auch vorher sagen können. Wir quatschten dann noch über Namibia und ihre weiteren Weltreisen. Sie erzählten uns blöderweise auch von einem faustgroßen orangen spider, den sie in ihrem Bungalow gesichtet haben. Diese seien hier gar nicht so selten und wir sollten auch noch mal in unserem Zimmer genauer nachsehen. Na toll. Wie soll Margit da jetzt schlafen? Also noch ein paar Gin Tonic rein. Die erste Flasche ist nun bereits leer. (War aber zu Anfang nicht voll!) Die Zweite steht bereit. Nun ist Alles egal und wir verabschieden uns ins Bett. Sleep well, good night and so on, hicks! Auch die Bakterien vom Buffet dürften hiermit vernichtet sein.
danke Dir für einen Bericht! Ich hab eihn erst heute entdeckt bzw. in Ruhe gelesen und freue mich auf die Fortsetzung!
Ein Teil der Route und der Unterkünfte stimmt mit unseren im Aug/Sept überein 🙂
Beste Grüße Antje
Sanne2'462 Beiträge · seit 200627. Juni 2011 · #73
Hallo Serengeti,
schön, dass Dein Bericht jetzt fortgesetzt wird. Es ist weiterhin sehr schön und informativ. Ich mag die Art, wie Du Dinge beschreibst, die Dir gut, aber eben auch weniger gut gefallen haben. 😉
Freu mich auf die Fortsetzung.
Viele Grüße Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201028. Juni 2011 · #74
Vielen Dank und Grüße ins Schwabenländle und nach Berlin.
Hey Antje, ich beneide Dich ob Deiner anstehenden Reise. Die Jahreszeit ist m.E. perfekt für die Tierbeobachtung. Unser Etoshabesuch stand ja unter keinem guten Stern, da die Regenzeit schon unglaublich intensiv war. Dennochh, wir hatten super Glück. Bericht folgt ja noch. Lass Dich überraschen.
Hi Sanne, ja ich werde weiter schreiben und auch weiterhin versuchen Infos zu geben.
LG Serengeti
Champagner8'672 Beiträge · seit 201028. Juni 2011 · #75
Serengeti schrieb:V
Hi Sanne, ja ich werde weiter schreiben und auch weiterhin versuchen Infos zu geben.
LG Serengeti
Hallo Serengeti
auch ich - eine "Angehörige" von Heinz-Rüdiger 😄 - lese deinen Bericht sehr gerne. Von Twyfelfontein hatten wir ja ziemlich ähnliche Eindrücke.... Und bestimmt waren das "unsere" Wüstenelefanten, die ihr dann gesehen habt. Btw - wann wart Ihr dort? April? Mai? Kommt mir irgendwie alles sehr ähnlich vor, was die Straßenzustände betrifft.
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201028. Juni 2011 · #76
Hi Schampus, Bele, nein Irmgard Löffler. Dann bist Du ja die Mama von H.-R.-
Spass beiseite, der Film mit meinem Landsmann Polt hat es mir schon in früheren Jahren angetan. Insoweit auch das "Synonym Heinz Rüdiger" in meinem Bericht.
Ihr habt ebenfalls eine schöne Tour gemacht und ich beneide Euch insbesondere hinsichtlich der Erlebnisse in Swakop. Da hat es mich wirklich toll "erwischt" und ich konnte den Ausflug nicht richtig geniessen. Im Vorfeld hatten wir uns auch für einen Rundflug interessiert. Da wir allerdings nur 1 Tag zur Verfügung hatten stand die Kombitour an 1. Stelle. Und was hätte ich denn im Flugzeug mit meinem Zustand gemacht? Weiß gar nicht, ob die "entsprechende Tüten" gehabt hätten.
Twyvelfontein hat uns ebenfalls sehr gefallen. Da hatte ich wirklich sehr starke Vorbehalte im Vorfeld. Die Elefanten könnten gleich gewesen sein. Wir hatten sie am 9.5. vor der Twyvelfontein Lodge.
Ich bin mal gespannt auf Euren Bericht zu Grootberg. Ich entnahm den Anmerkungen, dass Ihr auch dort wart.
Dann mal viele liebe Grüße ins nahe Schwabenländle und schreib weiter so toll Serengeti
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201003. Juli 2011 · #77
Tag 14
Ach du meine Güte, die Temperatur nahm nicht ab. Noch 25 Grad in der Nacht und wir schwitzten was das Zeug hielt. Keine gute Nacht zum Schlafen. Dann plötzlich um 3 Uhr in der Nacht Bewegung im Bungalow der Engländer. Yeah, der hunting Spider wurde selbst gejagt und letztendlich auch selbst zum Opfer. Für „Nichtspinnenfans“ wie unsereins wirklich kein „Kuscheltier“. In der heißen Nacht konnten wir gegen Morgen noch 1-2 Stunden die Augen zumachen. Es „kühlte ein wenig ab“. (auf ca. 21 Grad) Dann ging es gegen 7.30 zum Frühstück. Uff, schon um diese Zeit wieder 25 Grad. Wir nahmen unseren Platz ein, waren jedoch nicht besonders „enthusiasmiert“ vom Ablauf des Frühstücks. Vögel konnten in den Raum eindringen und tranken aus den Obstsalaten und Säften. Sie pickten im Käse und der Wurst umher. Wir beschränkten uns deshalb auf Kaffee und Brot mit Marmelade und verließen dann das nicht besonders kulinarische Camp. Wir wollten noch schnell auf dem Weg nach Grootberg die Basaltsäulen (Orgelpfeifen) und den „verbrannten Berg“ besichtigen. Nach Fahrt von 20 Minuten fanden wir diese „Highlights“. Die größte Frechheit wäre es für uns gewesen, hierfür noch Eintritt berappen zu müssen. Es langte schon die Tatsache, dass wir hierfür überhaupt Zeit verplempert hatten. Eine Basaltwand von ca. 100 Metern und darin einige Ausbrüche als „Orgelpfeifen“ zu erkennen. Fotos hab ich hier keine gemacht! Dann ein Haufen schwarzer Erdklumpen, welcher sich Burnt mountain nennt. Muss mir mal für meinen Garten was überlegen. Eventuell kann ich dann auch Touris anlocken. „Hummeldumms nach P“. Vielleicht „wooded high vegetables“ (verholztes Gemüse im Hochbeet). (Anmerkung bei Einstellen des Berichtes in das Forum: Siehe auch Bericht von Alex 0807, die die Basaltfelsen durchaus als sehenswert einstuft. Insoweit auch erneut der Hinweis auf die berühmte „Geschmacksvielfalt“. Man erlaube mir allerdings folgenden Hinweis. Wenn man einerseits diese Basaltwand und den verbrannten Berg als Sehenswürdigkeit in den Reiseführern darstellt und andererseits die nachfolgend von uns durchgeführte Streckenführung durch traumhafte Naturlandschaft kaum in eben diesen Reiseführern erwähnt, dann stimmt in meinen Augen die Relation überhaupt nicht mehr.)
Aber dann ging es auf eine unvergleichliche Fahrt über Palmwag nach Grootberg. Die Sonne strahlte. Die Temperaturen kletterten (34 Grad) und der Wagen musste wieder arbeiten. Die Landschaft zog uns unglaublich in ihren Bann. O.k. die „berühmte“ D707 war schön, sie war sehr schön, sie war anders mit den sanften roten Hügeln und Bergen. Aber diese Ecke hier war gigantisch. Im Iwanowski Reiseführer und in Reiseberichten wird allerdings, was mich sehr wundert, über diese Gegend nicht sehr viel geschrieben. Rechts und links hohe rötliche Schiefer und Basaltfelsen mit Grün bewachsen. Teilweise Tafelberge, die im Sonnenlicht leuchten. Mitten hindurch die Pad C39. Allerdings was für eine Pad. Nach den starken Regenfällen kaum befahrbar. Teilweise mit 10-20 km/h ging es über Stock und Stein sowie durch sandige Flussbetten. Sehr anstrengend aber jede Sekunde nahmen wir auf, um die Atmosphäre nie zu vergessen. Es taten sich immer wieder Ausbrüche an der Straße auf. Die Pad war teilweise tatsächlich weg! Vollends weggespült. Wir mussten dann 30 – 50 cm nach unten fahren, um über Felsen wieder auf eine provisorisch angelegte Pad zu kommen. Unendliche Einsamkeit umgab uns. Nur der Adler gab noch laut. Einige Ziegen waren zu hören und der Wind strich durch das hohe Steppengras. Ich könnte hier noch ewige Zeit versuchen, die richtigen Worte zur Beschreibung dieser 5 Stunden zu finden.
Wir waren dann über die C 40 in der Anfahrt auf den 1600 Meter hohen Grootbergpass. Nach jeder Kurve taten sich neue wunderschöne Ausblicke auf.
Auf Passhöhe ging nach rechts die ca. 1 km lange kleine Nebenstraße zur Grootberglodge hoch. Diese ist normalerweise mit einem 4x4 zu befahren. Die 2x4 müssen am Eingangstor zur Auffahrt geparkt werden. Bewachung ist garantiert. Doch dieses Jahr ist Alles anders. Auch unser 4x4 war nicht in der Lage. Wir versuchten es auch nicht, da der Unterboden nicht leiden sollte. Der Guide am Tor funkte nach oben zur Rezeption. Sofort wurde ein Shuttle geschickt, das Gepäck verladen und hoch ging es mit persönlichem Chauffeur und Führung. Die Lodge ist ein Projekt der europäischen Gemeinschaft zur Unterstützung der einheimischen, örtlichen Bevölkerung. Diese ist 100% Eigentümerin der Lodge. Hierzu hatten sie 6 Jahre angeblich hochprofessionelle Unterstützung bei der Führung und dem Service. Nun soll es selbstständig funktionieren. Eine absolute Luxuslodge. Die schönste unseres Urlaubes sollte es werden. So war die „Planung ausgelegt“. An der Kante des „Abgrundes“ gelegen, gruppierten sich das Haupthaus mit Rezeption, Pool und Restaurant mit 12 kleinen Rundbungalows entlang. Das Tal darunter sah aus wie ein Canyon (V-Ausschnitt) der Pool lag unmittelbar an der Kante. Im Pool konnte man die Ellenbogen am Rand abstützen und direkt nach unten in die Tiefe blicken. Alles auf 1600 Metern und noch bei 27 Grad. Gibt es noch Superlativen zu traumhaft, gigantisch? Solche Fleckchen Erde muss man einfach auch mal gesehen haben. Ich sitze aktuell auf der Holzterrasse um 4.30 und schreibe diese Gedanken nieder. Ein Biershandy davor, der Blick nach unten ins Klipriviere Tal. Wir müssen warten bis unser Duschwasser warm ist. Neben jeder Hütte befindet sich ein Kamin aus Stein. Mit Holz wird dieser von Angestellten jeden Tag um 4 Uhr befeuert. Dadurch erhitzt sich eine Art Boiler bzw. Wasserreservoir für die einzelnen Hütten. Wenn das Wasser warm ist, kann geduscht werden. Wiederum dekadent aber wiederum genial. Und diesmal ist der Nutznießer unserer Bezahlung zu 100% die einheimische Bevölkerung. Was wollen wir mehr?
Um 6 Uhr wird es ein Menü geben, welches auf einer große Tafel beschrieben sein wird. Dazu später. Die Guides der Lodge teilen uns noch mit, dass seit einiger Zeit ein Leopard die Gegend um und auch in der Lodge unsicher macht. Es wurden bereits zwei Pferde in der Nacht gerissen. Wir dürfen nach dem Dinner nur noch in Begleitung von Angestellten zu unseren Bungalows und von dort nach draußen Richtung Rezeption. Ist ja richtig aufregend. Wir sitzen dann noch eine Stunde vor unserem Bungalow auf der Terrasse und Abbruchkante und genießen den Blick in die weite Canyonwelt. An den Seitenwänden sind immer wieder die schönsten Vögel im Flug zu beobachten. Auf der rechten Seite der steil abfallenden Wand sind in den Felsen Paviane zu sehen und zu hören. Nach dem Duschen geht es zum Dinner. Im Restaurant wurde bei stimmungsvollem Kerzenlicht toll aufgedeckt. Freundlicher Empfang läutet dieses Abendessen ein. Aber was dann folgte wurde dieser tollen Lodge überhaupt nicht gerecht. Es war geradezu „jämmerlich“. Wir bekamen einen gemischten Salatteller als Vorspeise. Mein Salat hat kein Dressing gesehen. Zur Hauptspeise wurde ein nur noch fettes Schweinekotelett mit Reis, undefinierbarem süßem Gemüse und 2 Stängelchen grünen Spargel serviert. Das einzig Genießbare war Reis und 2 Stängelchen Spargel. Nachspeise: geröstete kleine Birne mit einem Teelöffel Sahne. Insgesamt völlig undiskutables Dinner. Wenigstens der von uns georderte Wein, ein Pinotage 2008 vom südafrikanischem Weingut Spier wurde dem tollen Ambiente gerecht. Ich war unglaublich enttäuscht. Wie kann man sich nur dieses tolle Ambiente, dieses kleine Fleckchen Paradies von Seiten der Lodgeleitung mit solch miserabler Leistung derartig selbst verderben und die Gäste so vor den Kopf stoßen. Wir sahen in die Gesichter der anderen Gäste. Aus diesen „sprach“ ebenfalls die absolute Enttäuschung. Anmerkung bei Einstellen des Berichtes: Auf der weiteren Reise haben wir noch Paare getroffen, die ebenfalls hinsichtlich des Essens auf Grootberg enttäuscht waren. Was in den Lodges des Öfteren passiert sind kurzfristige Wechsel in den Küchen. Evtl. war das auch auf Grootberg gerade der Fall. Ansonsten kann ich mir diese unterschiedliche Bewertung, wie z.B. im Reisebericht von Kiwi, nicht vorstellen. Es mag durchaus sein, dass ich etwas „kritischer“ hinsichtlich guter Verpflegung bin, meine bessere Hälfte ist da in jedem Falle sehr viel „toleranter“, hat es aber ebenfalls als sehr grausam empfunden. Ich werde allerdings leider auch in Zukunft mehrmals auf die Situation „Dinner in gut bezahlten Lodges“ eingehen müssen. Das war oft nicht der Hit und das Preis/Leistungsverhältnis war nicht stimmig. Man konnte uns allerdings die Stimmung in diesem schönen Land weder hier noch an anderen Orten dadurch kaputt machen, gingen zu unserem Bungalow und setzten uns noch einige Zeit auf unsere Terrasse, um die nächtliche Atmosphäre auf uns wirken zu lassen.
Champagner8'672 Beiträge · seit 201003. Juli 2011 · #78
Hallo Serengeti,
da wir gerade quasi nebeneinander her fahren bzw. schreiben, bin ich natürlich immer total neugierig, was du zu berichten hast und hake hier gleich mal ein.
Wir fanden das Essen auch alles andere als berauschend auf der Grootberg Lodge. Mittags war es kalt - wie geschrieben haben die Nudeln trotzdem super geschmeckt. Hätte aber auch anders sein können.... Vielleicht hat's auch der Hunger so gut schmecken lassen - das Leben ist ja eine Anhäufung von subjektiven Eindrücken!! 🙂
Über das Abendessen am ersten Abend habe ich gar nichts geschrieben, stelle ich gerade fest. Muss wohl ein Freud'scher Vergesser sein 😉 Die Sache mit dem fehlenden Wasser fand unser Guide ziemlich peinlich, er hat sich gleich zwecks Beschaffung auf den Weg gemacht. Das Frühstück am zweiten Tag war ein Chaos. Den Rest schreib ich noch.
Trotz allem fand ich das irgendwie liebenswert dort - gerade weil es so unperfekt war (ich bin auch sehr unperfekt....)! Werde dazu auch noch was schreiben....
Zum Glück weiß ich nicht, was wir für die Loge bezahlt haben - es war ja ein Pauschalpreis.... 😗
War denn nun der Löwe oder der Leopard der Mörder??? Ich hatte Löwe verstanden.... Den Pferden wird's im Rückblick egal sein... 🙁
Schönen Sonntag noch - achja, was ist euer nächstes Ziel?
Bele
Muss noch ein Edit nachschieben: "Luxuslodge"? War das ironisch gemeint? Ich verstehe unter Luxus etwas anderes (ohne es unbedingt haben zu wollen): Strom, immer warmes Wasser (hatten wir nicht, war aber kein wirkliches Problem), Fliegengitter, ein abgeschlossenes Bad, bzw. zumindest WC, sehr gutes Essen. Oder meinst du den Luxus der spektakulären Lage?
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201003. Juli 2011 · #79
Hi Bele,
find ich gerade klasse das "nebenher schreiben".
Die Eindrücke sind ziemlich identisch. Die Lodge an sich war sehr schön. Das Dinner war wirklich grausam und insoweit muss es krasse "Punktabzüge" bei einer Lodge mit hohem Preisniveau geben. Wir gehen zu Hause gerne gut essen und ich kann mich nicht erinnern, daß wir Essen haben zurückgehen lassen. Aber auf Grootberg hätte es mich wirklich Überwindung gekostet, Fett und Sehnen in halb rohem Zustand "zu essen".
Im gegensatz zu Euch hatten wir noch am Morgen warmes Wasser. Pünktlich um 16 Uhr wurde angefeuert. Zum Frühstück muss ich auch noch im nächsten Berichtteil was loswerden. Für mich ist das Alles völlig unverständlich.
Der "Mörder" war wohl tatsächlich der Leo. Das hatte uns der Guide erzählt. Den Leo hat meine Frau in der Nacht auch gehört.
Nächste Ziel nach einer weiteren Nacht auf Grootberg war Okaukuejo!
LG Serengeti
Champagner8'672 Beiträge · seit 201003. Juli 2011 · #80
Serengeti schrieb:
Nächste Ziel nach einer weiteren Nacht auf Grootberg war Okaukuejo!
Okay, man sieht sich! 😄
P.S. Leo der Löwe oder Leo der Leopard???? Und wie unterscheidet sich deren Gebrüll? Muss mich mal kundig machen...!