WAWakter105 Beiträge · seit 200928. Mai 2011 · #41
Noch 7 Wochen bis zu unserer Reise nach Namibia.
Und ich lese hier jeden der Reiseberichte.
Und die kritische Haltung und auch die Anmerkungen habe ich schon mit gemischten Gefühlen gelesen, zudem wir ebenfalls auch 2 Nächte auf Anib sind.
Ich plane nun schon mehr als 6 Monate, und diese Planung macht viel Freude und gehört für uns einfach mit dazu. Und unsere Erfahrungen vom letzten Jahr in Namibia fließen mit ein.
Und auch damals hatten wir eine Begegnung mit einer Reisegruppe. Aber es war eine besondere Erfahrung. Es war eine sehr kultivierte Gesellschaft, ältere Herrschaften, die zudem wohl eine Selbstfahrertour nicht mehr machen könnten. Aber es waren sehr interessierte, sehr ruhige und auch sehr interessante Gesprächspartner, die uns ob unserer eigenen Tour ausfragten und uns wohl auch beneideten. Und gewundert haben wir uns über ein auch allein reisendes Pärchen, die sich sehr ablehnend, ja fast überheblich und auch abfällig dieser Reisegruppe gegenüber verhielt. Diese Reisegruppe störte uns keinesfalls, und wir gehören bestimmt zu den sich insgesamt sehr zurückziehenden Reisenden, die jeden Rummel meiden. Und Busreisen kämen uns nie in den Sinn (aber weiß man es?). Zum Glück kann man nicht alles über einen Kamm scheren. Aber ich glaube, der „typische Mallorcaurlauber“ ist bestimmt nicht der Namibiaurlauber.
Walter
Gerd19425'538 Beiträge · seit 200828. Mai 2011 · #42
Hallo Walter,
freu' Dich auf Deinen Urlaub. Er wird bestimmt supertoll. Lies mal den Bericht von Alex - die hat wie viele andere Fomis auch - die Anib ganz anders erlebt und deshalb auch ganz anders in Erinnerung. Jeder erlebt die Dinge aus seiner Sicht und da ist es ganz selbstverständlich, dass auch die Urteile unterschiedlich ausfallen.
Ich selbst fahre seit Jahrenden regelmäßig zur Anib. Als Vicky und Ernst die Anib abgegeben haben und Gondwana diesen enormen Ausbau vornahm, sind wir aus Protest auch erst in die Bagatelle und in die Zebra Lodge gefahren, weil wir mit soooo einem Rummel nichts zu tun haben wollten. Gott sei Dank hat unsere Freundin Isolde, die da 2006 ihren 50. feiern wollte, darauf bestanden, doch zur Anib zu fahren. Wir waren sehr positiv überrascht, wie gut das baulich gelöst war und wie wenig sich die Qualität von Service und Essen verschlechtert haben. Seitdem sind wir immer wieder dahin gefahren. Natürlich haben auch wir schon Busgruppen erlebt, natürlich haben wir auch schon erlebt, dass beim Game Drive mehrere Autos standen.
Aber die meisten Gruppen waren eben keine Ballermann-Touristen, sondern zivilisierte Touristen, die sich nur nicht trauten, alleine in einem fremden Land (und das noch in Afrika) zu reisen und für die es bequem war, dass sie eine fertige Reise bekommen und keine selbst gestrickte, die dann doch fast immer auf den gleichen Wegen geht. Denn eines muss man sagen - die organisierten Reisen fahren dort hin, wo es etwas zu sehen gibt. Und das wollen auch wir Individualtouristen. Und dann begegnen wir den Gruppen immer wieder - ob in der Lodge, am Diaz Point oder am Wasserloch, ob auf dem Meer bei der Delfintour oder bei der Living Desert Tour in Swakopmund. Aber - wie schon gesagt - benehmen sich die meisten Leute besser, als man hier den Eindruck hat. Und was die Game Drives auf der Anib angeht - die Wagen fahren nicht alle hintereinander her, sondern das Farmgelände ist so groß, dass Du die anderen Autos (fast) nie siehst.
Zu guter Letzt noch ein Ratschlag: Wenn Dich wirklich auf der Anib oder einer anderen großen Lodge eine Busgruppe stört, dann setze Dich halt abseits davon hin und nimm sie nicht zur Kenntnis. Es gibt überall den abgelegenen Platz zum Verweilen, so dass man sich nicht den Urlaub vermiesen lassen muss. Und schon mal gar nicht von Berge- und Meer-Fahrern.
In diesem Sinne wünsche ich Dir einen einmalig schönen Urlaub.
Erika schrieb: Um das menschen- und touristenleere Namibia erleben zu können, hättest du mindestens 20 Jahre früher dort hin fahren müssen.
Grüessli Erika
Leider konnte ich mir als Kind Namibia nicht leisten.. 😉
Es gibt ja auch einen Unterschied zwischen menschenleeren Unterkünften und offensichtlich leicht undisziplinierten "Mit-Touristen". Ich glaube zumindest, dass Gruppenreisen eher dazu führen seine Umwelt auszublenden (und damit vielleicht auch Rücksicht auf andere außerhalb der Gruppe zu nehmen), als das bei Individualreisenden der Fall ist. Zumindest ist das so meine Erfahrung.
PS: Meinen Mann als ausgeprägten Individualfahrer darf morgens aber auch keiner nach dem nächsten Etappenziel fragen - da ist er von der Gattin zur Route noch nicht gebrieft 😛
Viele Grüße Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201028. Mai 2011 · #44
Hallo, dann klinke ich mich nochmal ein.
Danke Thomas. Ich versuche wirklich sehr objektiv darzulegen.
Und noch etwas zu "meiner Intoleranz". In den angesprochenen Situationen beenden wir sehr schnell das Frühstück, in den angesprochenen Situationen ziehen wir uns sehr schnell und schweigend nach dem Dinner in eine ruhige Ecke zurück, in den angesprochenen Situationen verlassen wir schnell und oft zu frühzeitig die ursprünglich ruhige Landschaft oder die zu geniessende Sehenswürdigkeit und fahren schweigend ohne die Anderen zu stören weiter. Ich denke, größere Toleranz kann man nicht an den Tag legen. Wenn uns also Intoleranz vorgeworfen werden sollte, würde das jeglicher Grundlage entbehren.
Nein Walter,
Mallorca ist es natürlich nicht! Das Ganze wird jetzt natürlich durch die vielen Diskussionsbeiträge auch "aufgeheizt". Ein wunder wunderschönes Land. Und ich freue mich daruf dieses Land in naher Zukunft in Eckken bereisen zu dürfen, wo wirklich die Einsamkeit herrscht. Wir haben uns sehr viel umgehört in diesen 4 Wochen. Wir haben mit Einheimischen gesprochen, bis in die Nacht gebannt zugehört und mitdiskutiert. Gesellschaftspolitische Themen und auch Problemthemen (z.B. Jagd) diskutiert. Auch politische Vergleiche mit SA (auch SA Bürger waren oft an den Tischen) angestellt. Ich denke ich habe sehr viel erfahren über das schöne Land. Ich liebe es, ein Land zu bereisen und mir dann diese Land auch in allen gesellschaftlichen Bereichen "vor Augen zu führen". Deshalb ist es für mich ja so völlig unverständlich, wenn viele Menschen sich diese fremde Kulturen lediglich "servieren lassen" und nicht einmal wissen, wo sie sich genau befinden, wo sie morgen hinfahren und wo auf der Karte diese oder jene Örtlichkeit liegt. Ein Erlebnis z.B. im Waterberg restcamp: Am Abend gegen 17 Uhr kommt ein Bus an. Die Leute gehen in die Zimmer, dann zum Dinner. Die entsprechende Kinderstube möchte ich hier gar nicht erwähnen. Nach dem Dinner aufs Zimmer bzw. noch auf die Terrassen. Dann Schlafen. Um 7 Uhr Frühstück und dann Abreise. Also kein Spaziergang oder Wanderung auf den traumhaften Wegen dort. Kein Drive auf das Plateau oder Drive Tiersichtung. Kein Besuch der Gedenkstätte. Das Restaurant wurde x mal abgelichtet und ein paar Paviane im Camp. Der Guide erzählte also was von ehemaliger Polizeistation bzgl. Restaurant. Also ablichten, ablichten, ablichten. Dann auschecken und weiter. Warum war man denn hier? Ich kapiers nicht. Man muss natürlich auch nicht Alles verstehen und ich bin doch auch nicht intolerant, wenn ich es nicht verstehe, oder? Aber dies sind Dinge die auffallen, die "stutzig machen" und demzufolge auch geistig auf einer Reise registriert werden. Und wenn ich das dann so anspreche, bin ich dann überheblich? No way, ich kapiers nur nicht und punkt!
LG Serengeti
Gerd19425'538 Beiträge · seit 200828. Mai 2011 · #45
Hallo Serengeti,
jetzt möchte ich mich doch mal an Dich direkt wenden.
Nach dem Dinner aufs Zimmer bzw. noch auf die Terrassen. Dann Schlafen. Um 7 Uhr Frühstück und dann Abreise. Also kein Spaziergang oder Wanderung auf den traumhaften Wegen dort. Kein Drive auf das Plateau oder Drive Tiersichtung. Kein Besuch der Gedenkstätte. Das Restaurant wurde x mal abgelichtet und ein paar Paviane im Camp. Der Guide erzählte also was von ehemaliger Polizeistation bzgl. Restaurant. Also ablichten, ablichten, ablichten. Dann auschecken und weiter. Warum war man denn hier? Ich kapiers nicht. Man muss natürlich auch nicht Alles verstehen und ich bin doch auch nicht intolerant, wenn ich es nicht verstehe, oder?
Nein, ich glaube nicht, dass Du intolerant bist, aber es gibt eben - wie ich vorhin schon gesagt habe - sehr unterschiedliche Arten von Menschen, sehr unterschiedliche Auffassungen von Reisevorstellungen und der Art, wie die einzelnen Erlebnisse aufgenommen und verarbeitet werden. Darüber muss man nicht immer und immer wieder sein Unverständnis ausdrücken, sondern man kann das ganz einfach akzeptieren - so wie diese Reisenden es akzeptiert haben, dass Du nicht nur am Pool liegst, sondern mit großem Interesse alles aufsaugst, was Dir an Information geboten wird.
Auf jeden Fall gefällt mir Dein Bericht und ich werde ihn mit großer Spannung weiterlesen.
Liebe Grüße Gerd
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201028. Mai 2011 · #46
Tag 5
Oh, what a night. Nein, nicht das, was Ihr meint. Ein Unwetter zog durch die Berge der Namib. Blitz und Donner mit Sturm und Regen überfielen uns gegen 3 Uhr.
Das Chalet hielt jedoch den Stürmen stand, obwohl ich kurz mal daran zweifelte. Gegen 7 Uhr begann sich der Himmel wieder aufzuklaren und versprach wiederum einen traumhaften Tag. Aber falsch gedacht. Es sollte bedeckt bleiben und es sollte uns noch „kalt erwischen“. Aber der Reihe nach.
Wir gingen zum Frühstück ins Restaurant und verabschiedeten uns dann noch von einer Familie, die ebenfalls im Eagles Nest Quartier bezogen hatte (The Rock) und heute noch auf die Namtib für 2 Nächte fuhr. Da wir dort morgen ankommen, werden wir noch zusammen 1 Nacht auf der Farm verbringen können. Man sieht sich also. Den ursprünglichen Plan, nach Lüderitz zu fahren gaben wir auf. Die gestrigen Massen haben uns etwas abgeschreckt und so lockte uns die Weite der Tirasberge. Da wir morgen die D 707 fahren werden, entschieden wir uns heute für die Pad C37 nach Helmeringhausen und ein Stück C27 Richtung Betta. Wir wollten allerdings keine Rundtour fahren, da die Zeit zu knapp werden würde und wir auch noch um 16 Uhr unser Grillpacket abholen wollten.
Also auf die Pad. Diese war in Teilbereichen sehr schlecht. Man merkte auch hier den vielen Regen und insbesondere auch das Unwetter der letzten Nacht. Unser PKW bekam des öfteren „nasse Füße“ und dann passierte es auch. Kurz vor Helmeringhausen begegnete uns ein flott fahrender Hillux mit einer Selbstverständlichkeit hinsichtlich Eigentumsansprüchen auf die gesamte Fahrbahnbreite. Mit ca. 120 bretterte er an uns vorbei und ein Steinregen prasselte auf unseren armen Japaner. 2 Risse in Windschutzscheibe, Loch in Windschutzscheibe. Mir blieb jedoch nur übrig dem Local einen Fluch nachzuwerfen. Nun die Scheibe hält noch. Hoffentlich auch länger. Sie hat auch schon einige Unebenheiten ausgehalten und klebt noch drin. Mal sehen wie es weiter geht. In Helmeringhausen wurde dann erst einmal Rast bei Kaffee und Apfelkuchen gemacht. Gemütlich saßen wir im Garten des dortigen Hotels mit einigen anderen Gästen und verspeisten den wirklich sehr guten Kuchen. Die Landschaft auf dieser Seite der Tirasberge war absolut beeindruckend. Allerdings die Namib ist grün. Die rote Erde, die ich so derart faszinierend finde, ist unter den grünengelben Gräsern leider nur zu erahnen. Die Landschaft erinnert mit seinen sanften Hügeln und den Gräsern ein wenig an unsere heimatliche Voralpenlandschaft. Vielleicht hielt sich auch deshalb unser Enthusiasmus hinsichtlich der Landschaft hier in Grenzen. Ich bin auf morgen sehr gespannt, wenn wir auf der „schönsten Pad Namibias“ zur Farm Namtib fahren. Hoffentlich bei besserem Wetter als heute. Dies zog tatsächlich weiter zu und auf der Fahrt zu den Pferden der Garub, die wir vor der Fahrt ins Chalet noch sehen wollten, fing es an zu regnen.
Die Pferde waren am sogenannten viewpoint und wir konnten dies noch 10 Minuten alleine beobachten ehe ein „Hummeldumm“ ankam und wir die Szenerie verließen. Wir organisierten dann unser Braiipackage in Klein Aus Vista und plötzlich hörte es dann auch schon auf zu regnen. Bei 24 Grad schmissen wir den Grill an. Ein gutes „Timing“. Unglaublich, aber, die gestrigen Erfahrungen hinsichtlich Abendessen hatten Folgendes nicht vermuten lassen. Feinstes gut eingelegtes und zartes Oryx, Kartoffeln und Sandwich mit greek salad, Toast mit einer Frischkäsefüllung sowie der wirklich gute Kuchen mit Trauben zum Dessert waren einfach nur gigantisch. Der letzte Rest Pinotage und darauf Gin Tonic rundeten das Essen ab. Aber was war mit dem Wetter los? Es zog eine dicke schwarze Wolkenwand auf.
Es fing wieder an zu regnen. Und die Temperaturen sanken. Hey Namibia, was ist los? Du wirst Dich doch nicht lumpen lassen. In München herrscht schönstes Wetter. Schnell erledigten wir unseren Geschirrabwasch und versanken in die unendliche Welt der Träume. Wir träumten von einer unvergesslichen Namib im roten Sonnenuntergang. Ich hoffe, unser Traum geht morgen in Erfüllung.
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201028. Mai 2011 · #47
Hallo Gerd,
vielen Dank fürs Feedback. Meine ich ehrlich
LG Serengeti
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201028. Mai 2011 · #48
Tag 6
Sieht nicht so aus. Erneut eine furchtbare Nacht mit Unwetter in der Ferne an der Küste. Alle 5 Sekunden zuckten Blitze in den Boden. Das Wetter zog irgendwie nicht weiter, sondern blieb immer an der gleichen Stelle hängen. Es waren auch mehrere Stellen an denen Gewitter herrschte. Bei uns tobte „nur“ orkanartiger Sturm und das Nest wackelt, hielt jedoch erneut stand. Wie es hinter uns in den Bergen aussah, kann ich nicht beurteilen. Hoffentlich sind die Wege einigermaßen befahrbar. Nach Sonnenaufgang bekamen wir auch hier unseren sintflutartigen Regen ab. Wer hätte vermutet, dass wir Anfang Mai noch derartigen Unwettern ausgesetzt sein sollten. Und die Vorstellung nun auf die D707 ohne Sonneneinstrahlung und entsprechenden Fotolicht zu fahren, macht mich doch etwas „ärgerlich“. Wir tankten noch in Aus und erfuhren nun, wo das Unwetter nieder ging. Lüderitz wurde heute Nacht mehr oder weniger überschwemmt und steht unter Wasser. Dann fuhren wir bei verhältnismäßig gutem Wetter und Temperaturen um 20 Grad Richtung Namib.
Auf der D 707 war die Pad durch die rote Farbe unglaublich beeindruckend. Rechts und links die gelbgrünen Gräser und dahinter die sanften Berge. Weiter in der Ferne sahen wir auch schon die ersten roten kleinen Dünen liegen. Weiteres sahen wir. Augenscheinlich fuhren wir auf roter Pad mitten in die Hölle. Es tat sich eine dickschwarze Wand vor uns auf, die sehr Schlimmes befürchten ließ. Beim Hinweisschild zur Farmeinfahrt der Namtib Farm bogen wir rechts ab und durchfuhren eine wunderbare Landschaft.
Da mittlerweile schon keine Sonne mehr schien konnte man sich lediglich vage vorstellen, wie die Stimmung in heller Strahlung der Sonne sein würde. Man sah die Namib grün. Die rote Erde wurde (leider) bedeckt von den in der sehr starken Regenzeit wachsenden hohen Gräsern. Natürlich waren dadurch auch die Tiere unentdeckt.
Apropos Regen, kaum an der Farm nach 12 km Fahrt angekommen, brach tatsächlich die Hölle herein. Sintflutartiger Regen aus schwarzem Himmel, Blitze und Donner kreuz und quer brachen auf uns und die Farm nieder. 2 Stunden dauerte das Drama und unser Bungalow wurde überflutet. Dieser Bungalow hatte vorne die Eingangstür. Auf der anderen Seite musste man diesen durch eine weitere Tür verlassen und über einen ca. 5 Meter langen gepflasterten Weg zu Bad/Toilette gehen. Es gab auf beiden Seiten keine Türschwellen, so dass das Wasser ungehindert durchlaufen konnte. Ein eigenes kleines Riviere im Bungalow. Die nette Hausherrin Lynn erklärte uns dann auch noch einige Dinge zum Aufenthalt. Strom gab es nur bis 12 Uhr und ab 15 Uhr bis Sonnenuntergang. Duschen sollte man möglichst nicht am Morgen, da das Wasser dann noch nicht aufgeheizt ist.
Die Atmosphäre ist unglaublich schön hier. Ein guter Tipp aus dem Forum. Nur 5 Bungalows, deren Bewohner zusammen mit den Gastgebern am Essenstisch sitzen. Nur das Wetter spielt leider nicht mit. Prognosen für Sossusvlei sind schlecht. Sollte auch dort bei unserer Anwesenheit das Unwetter kommen, müssen wir leider sagen, Namibia, Du verscherzt es Dir mit uns. Plötzlich ein seltenes Naturschauspiel auf Namtib. Ca. 1 Stunde nach Beginn des starken Regens lief in den Bergen das Wasser nach unten und bildete ein Riviere, welches an der Farm vorbei lief und die Fahrpad zur Namtib vollkommen zuspülte. Die Pad war nun ein Riviere. Da werden wir Morgen mal sehen, wie wir durchkommen. Wir haben ja 4x4.
Inzwischen herrschte großes Hallo auf der Farm. Wir trafen „alte Bekannte“ wieder. Das Ehepaar aus Hannover, welches wir bereits im Eagles Nest trafen sowie das Schweizer Pärchen aus Basel, welches mit der Air Berlin ebenfalls aus München kam und das wir in der Pension Gesserts trafen. Alle werden wir morgen aufbrechen nach Sesriem. Plötzlich große Überraschung. Die Sonne brach heraus und wir marschierten auf den Aussichtspunkt der Farm bis zum Sonnenuntergang. Ein unglaublich beeindruckender Blick über das Farmgelände auf die umliegenden Berge und die Steppe. Und dann dieser Sonnenuntergang! Der Himmel brannte über den Bergen.
Die Farm bewirtschaften Lynn und Thorsten. Sie haben ca. 1000 Schafe und einige Rinder. Daneben ist der Tourismus mit 10 Gästen eine Haupteinnahmequelle. Abends werden die Schafe von der Weide wieder zu den Lämmern in die Koppeln getrieben, um diese in der Nacht vor den Leoparden und Schakalen zu schützen. Die Farm wurde aufgebaut von den Eltern Thorstens. Diese waren Lehrer in Baden Württemberg und verwirklichten sich dann ihren großen Traum. Alle, auch die Kinder von Lynn und Thorsten, sprechen perfekt deutsch. Die Kinder gehen in eine deutsche Schule und sind unglaublich höflich und zuvorkommend. Mittlerweile kamen noch 4 weitere Gäste an. Ein Pärchen aus Deutschland, welches kurz vor der Farm noch im Wasser stecken blieb und von Thorsten herausgezogen werden musste. Ein weiteres älteres Ehepaar kam aus Swakopmund für ein verlängertes Wochenende in die Namib. Mit diesem kamen wir während des Abendessens ins Gespräch und wir erfuhren sehr viel über das Leben, die wirtschaftliche und politische Situation in Namibia. Nebenbei merkten wir erneut, wie klein doch die Welt wirklich ist. Der Bruder des Swakopmunders war aus Namibia nach Deutschland ausgewanderter Arzt und arbeitete bei München bis zu seinem Tode Mitte der 90er Jahre in der gleichen Klinik wie meine Frau. Und meine bessere Hälfte kannte ihn. Vor jedem Chalet standen 2 brennende Öllampen, die uns zum gemeinsamen Abendessen eingestimmt hatten. Als wir Platz genommen hatten, gab es gute Rotwein und Lynn servierte vorab eine leckere Suppe mit Pilzen (bayrisch: Schwammerl). Danach als Hauptgericht gefüllte kleine Kürbisse überbacken mit Käse, Reis und einem Hackfleischauflauf überbacken. Lynn erklärte uns dieses kapmalayische Gericht. Es folgte ein Pfirsichgrützedessert. Das Essen war sehr leckere „Hausmannskost“. Sehr begeistert von der fantastischen Stimmung und Gastfreundschaft schlenderten wir dann unter einem traumhaften Sternenhimmel in unser Chalet. Dieser Himmel hier! Dieser Himmel hier in Namibia ist unbeschreiblich klar mit Sicht auf die Milchstraße. Einfach nur traumhaft.
Marco_1311126 Beiträge · seit 200728. Mai 2011 · #49
Hallo Serengeti,
zu dem Thema Heinz Rüdigers, Hummeldumm, Bus- oder Individualtouristen lasse ich mich nicht aus, es wurde ja eigentlich alles geschrieben und man muss jedem zugestehen, wie er seinen Urlaub verbringen möchte.
Zuerst mal, meine Frau und ich sind Individualreisende. Wir hatten unsere erste Übernachtung in der Kalahari Anib Lodge. Natürlich war uns der Trubel zuviel, aber was auf uns zukommen würde, war uns schon im Vorfeld klar. Und schließlich war es ja nur eine Zwischenübernachtung auf unserem Weg in den KTP. Dort hatten wir dann bei 6 Übernachtungen in Wilderness Camps die ultimative Ruhe. Nur die 7. Nacht haben wir im Restcamp Mata Mata verbracht, aber dort merkte man jetzt nicht unbedingt, dass man sich in einem großen Restcamp befindet. Die darauf folgende Nacht verbrachten wir dann im Canon Roadhouse. Dort hat es uns trotz der vielen Touristen sehr gut gefallen.
Im Eagle´s Nest waren wir ebenfalls total vom Eagle´s View begeistert. Wir waren für zwei Nächte dort. Da wir aber die Ruhe und Abgeschiedenheit mögen, haben wir für die Abende das Braai-Paket bestellt und für morgens zwei vollbeladene Frühstücksteller bekommen. Piet, der Eigentümer, hat uns dann noch gesagt, dass er schon Gäste hatte, die mit der Ruhe im Eagle´s Nest überhaupt nicht zu Recht kamen und auf die Lodge umgebucht hatten. Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen, für uns war die Stille und die Weite einfach nur ein Traum.
Ich finde Deinen Reisebericht super. Wir waren bis jetzt teilweise auf den gleichen Pfaden unterwegs (Das Glück ist mit den Dummen)
An der Rezeption wurden wir freundlich verabschiedet und es wurde angeraten nicht die langweilige Strecke über die B1 sondern über die C20 nach Stampriet, C23 und C17 nach Keetmanshoop zu fahren.
Hallo Serengeti, gratuliere Dir zu diesem sehr informativen Reisebericht. Gerade der Umstand, dass die Reiseerlebnisse hier im Forum aus unterschiedlicher Sichtweise geschildert und bewertet werden, macht die Berichte so interessant. Aus dem Mix der Beschreibungen ergibt sich dann für einen Neuling wohl ein Bild von dem, was er erwarten darf.
In diesem Sinne bitte weiter so und vielen Dank. Ich lechze nach den nächsten Berichten.
Frage: Wie viel Zeit habt ihr für die o. a. Route gebraucht?
Viele Grüße Horatio
marimari2'240 Beiträge · seit 201131. Mai 2011 · #52
Hallo Serengeti, auch ich finde Deinen Reisebericht super! Ich hab mich schon lange durch verschiedenste Berichte durchgelesen und immer wieder gefragt, wie wohl gewisse Lodges wirklich sind - gerade die Anib hab ich mir auch angeschaut - schlussendlich hab ich mich nun aber für das Kalahari Farmhouse entschieden und hoffe, dass da keine Busgruppe ist - ich habe nichts gegen Busgruppen - jeder so wie er will - nur ich hab eben gerne meine Ruhe und mag keine Kollonnen zum Frühstück u. Abendessen, die sich gegenseitig "Mahlzeit" zuzwitschern. Darum meide ich, falls immer möglich, Lodges mit mehr als 20 Zimmern;) - Ehrlich gesagt, auch die Wüstentour in Swakob und Mola Mola etc. stell ich mir ähnlich vor, wie den Sun-Downer bei Anib - auch diese Touren in Swakob, hab ich nicht in mein Programm aufgenommen - wir fahren lieber zur Spitzkoppe;) - Wo ich mich sehr davor fürchte ist die O-Lodge im Ethosa...- da stell ich mich auf all inclusive ein...ich brachte es nicht übers Herz, die Location nicht zu buchen, da jeder das Wasserloch so hoch jubelt - die Lodge (es graut mir wirklich davon) - wir fahren am nächsten Tag weiter zur Aoba..ich bin gespannt, was die Heinz-Ruedigers und Gundulas noch alles bei Dir im Bericht aushecken, lg Mari
Gerd19425'538 Beiträge · seit 200831. Mai 2011 · #53
Hallo Serengeti,
schon wieder eine Teilstrecke, bei der ich richtig dabei war. Ich kenne das alles ja von mehreren Besuchen. Aber Deine Schilderung zeigte mir mal wieder, dass es immer was Neues zu entdecken gibt. Vor allen Dingen das laufende Rivier auf der Namtib und die tollen Fotos dazu - ich warte schon richtig auf die nächste Etappe.
Liebe Grüße Gerd
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201001. Juni 2011 · #54
Hallo zusammen,
vielen Dank für Eure Resonanz. Ich hatte mir schon mal kurz überlegt doch mein "Berichte schreiben" einzustellen, da ich mglw. einigen Forikern zu stark auf den berühmten Schlips getreten bin. Dennoch, so wars halt in meinem Urlaub. Aber, ich denke man merkt dennoch, daß das Land fantastisch war/ist.
@Horatio wir sind gegen 9.30 aufgebrochen. Tankstopp in Stampriet mit kleinem Einkauf im Shop. Dann gemütlich mit Abstecher D511 sind wir gegen 16 Uhr in Keetmanshoop gewesen. Einchecken und zum Köcherbaumwald ist dann noch gut möglich.
@marimari ich denke, Kalahari Farmhouse ist die bessere Wahl. Hier hatten wir auch gute Resonanz von Mitreisenden, die wir auf der Reise getroffen haben. Ich habe auch schon vor unserem Urlaub Deine Threads gelesen. Ich denke, Du/Ihr "tickt" ähnlich wie wir im Anspruch an den Urlaub. Ich hatte ja schon geschrieben, dass die Geschmäcker verschieden sind und das ist auch gut. Viele werden wahrscheinlich gar nicht verstehen können, dass ich Anib so schrecklich fand. Wenn Du z.B. den Reisebericht von Champagner liest, wirst Du sehen, dass man über den Drive begeistert war, das Dinner eher als "nur" gut bezeichnete und die Zimmer eher als schlecht. Bei uns war dies völlig anders. Essen sahen wir als super an, die Zimmer als sehr geräumig, hell und ruhig und den Drive als Alptraum. Ich will damit nur andeuten, dass kein Reisebericht isoliert betrachtet werden soll, da er immer subjektiv,zumindest mit-, geprägt ist. Es hängt dann oftmals auch von einzelnen Tagen ab. Ich musste in diesem Zusammenhang ein wenig schmunzeln, als ich Aoba gelesen habe. Hier komme ich im weiteren Verlauf des Berichtes auch noch drauf. Eine absolut traumhafte Lodge mit superfreundlichem Personal und Service und auch guten Weinen. Wir waren 2 Nächte dort. Es kann fantastisches Bushfeeling aufkommen. Nur hatte man am ersten Abend leider eine spanische Flamencogruppe o.ä. mit Reiseleiter in der Lodge. Es wurde zwar fantastisch von den Angstellten der Lodge gesungen, jedoch auch Flamenco im Busch den Abend über von den Spaniern veranstaltet. Aber das war nur ein Abend und am nächsten Abend konnten wir mit Gästen aus Frankreich, Israel und der Schweiz traumhafte Stunden im Busch am Lagerfeuer verbringen.
Ich denke bei der"O-Lodge" in Etosha scheiden sich ein wenig die Geister. Wir fanden diese staatliche Unterkunft (2 Nächte)sehr gut. Wir hatten ein Bushchalet mit Grill vor der Türe. Gut, es waren viele Busse vor Ort aber wir haben sie kaum wahrgenommen. Zum Dinner gingen wir nicht und das Frühstück nahmen wir sehr zeitig ein, da wir nach Toröffnung auf "Pirsch" gingen. Da waren dann die Busse noch nicht auf den Beinen. Das Zimmer war sehr geräumig und sauber. Wir hatten uns an der Rezeption beim Auschecken für die immer sehr saubere Unterkunft bedankt. Das Personal war sehr erfreut über unser Feedback und erzählten, dass sie immer wieder großen Beschwerden ausgesetzt seien. Dies konnten wir überhaupt nicht verstehen. Enttäuschung für uns war das Wasserloch. Absolut "tote Hose" bis auf Moskitos zum Abwinken. 2. "Problem": ich bin ein absoluter Tier und auch Nationalpark "Freak". Die Serengeti ist ein großer großer Traum von mir . Bislang habe ich den KNP entdeckt und bin ein absoluter Fan dieses Parks in SA geworden. Insoweit hat mir die m.E. "landschaftliche Monotonie" um Okaukuejo nicht so gefallen. Auch die Tierwelt war, meine Reisezeit war sehr schlecht nach dem Regen, um O. sehr "mau". Begeistert war ich dann in Richtung Osten. Das oft verschmähte Halali und auch Namutoni waren landschaftlich (für uns!) sehr viel interessanter. Aber auch hier: reine Geschmackssache.
Kurz zu Mola Mola auch hier musste ich kurz schmunzeln. Die Fahrt aufs Meer ist natürlich bei allen Veranstaltern ziemlich identisch und die Attraktionen auch ähnlich. Mola Mola wirbt mit kleinen Booten und hat uns dennoch auf einen größeren Kat verbracht. Ich denke, dass Mola zu wenig Buchungen hatte (wohl 4 Leute) und deshalb uns zu einem anderen Veranstalter untergebracht hat (über 20 Leute!). Aber das sind Vermutungen. Ich habe den Ausflug wegen der Delfine und der Pelikane unbedingt mit machen wollen. Und dies war es dann auch wert. Absolut traumhaft war der Nachmittag mit sandwich harbour und der Fahrt in die Dünen. ALs Kombination war es insgesamt betrachtet sehr schön. In den Dünen waren wir zu sechst mit 2 Guides. ALso nur noch traumhaft.
@gerd ja, das Rivier, auch das in unserem Zimmer, waren "toll". Ich habe gehört, Thorsten hat Fotos auch in die örtliche Presse gestellt. Das scheint eine Seltenheit auf der Farm gewesen zu sein.
LG Serengeti
Topobär5'479 Beiträge · seit 200901. Juni 2011 · #55
Die Beiträge dieses Threads bestätigen mich in meiner Ansicht, dass man Einsamkeit und Ruhe am ehesten beim Campen findet und nicht in Lodges. Da braucht man sich auch keine Sorgen machen, wie das Essen ist, man ist ja schließlich selbst dafür verantwortlich. Sollte mal etwas nicht in Ordnung sein, ärgert man sich auch nicht so sehr, da man ja auch nicht soviel Geld in die Übernachtung investiert hat.
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201011. Juni 2011 · #56
Tag 7 Sossusvlei, wir kommen. Nach einem gemütlichen Frühstück brachen wir mit 3 Fahrzeugen auf die D707 auf. Eine Zeitlang begleitete uns das Ehepaar aus Swakopmund, ehe sie am Horizont entschwanden. Die Eindrücke auf dieser traumhaften Pad waren unglaublich. In der Vormittagssonne gaben die Berge rechts und die Savannen und Dünenlandschaft zur Linken imposante Fotomotive. Laufende Stopps verzögerten natürlich das Weiterkommen. Aber das war egal. Immer wechselte die Landschaft.
Die Schweizer zogen mit ihrem Cruisergerät von Dannen und die „Hannoveraner“ sowie wir wechselten uns in der Führung ab. Nach einiger Zeit blieben sie zurück um zu Fotografieren. Wir bogen in Betta in eine Tankstelle ein und vermuteten sie nun vor uns. Später stellte sich heraus, dass sie eine Panne in der Elektrik hatten. Sie konnte diese aber nach 30 Minuten reparieren und kamen dann erst nach uns in Sesriem an. Die Pad an sich war grauenhaft zu fahren. Ich war nach 4-5 Stunden auf Geröll und Staub fix und alle und brauchte erst mal ein kühles Getränk. Bei den letzten 20 Kilometern vor Sesriem hatte ich wirklich den Eindruck, dass die Wirtschaft in Namibia angekurbelt werden sollte. Derartige geschliffene Steine sind eigentlich nur maschinell zu fertigen und sind reine Reifenmörder. Ich hatte immense Angst um unsere Reifen. Sie hielten überraschenderweise, jedoch die Werkstatt in Sesriem war ausgelastet. Wagen nach Wagen rollte zur Reparatur. Uns machte vielmehr unsere Windschutzscheibe Kopfzerbrechen. Der Riss wird größer. Hoffentlich hält er noch bis Swakopmund. Dann müssen wir wirklich mit Avis Kontakt aufnehmen. Wir bogen in die Sossusvlei Lodge ein, reservierten einen Tisch für das angeblich beste Abendbuffet Namibias sowie einen Frühstücksbasket für den nächsten Morgen. Da wir um 5 aufstehen müssen, um gegen 6 Uhr ins Vlei zu starten, wollten wir nach unserer ersten Wanderung ins Dead Vlei anschließend unter den Bäumen rasten und gemütlich frühstücken. Bereits heute schon fuhren wir zum ersten Mal in den Park. Die Tore sind bis 17.30 geöffnet (dann müssen wir draußen sein). Wir organisierten das Permit für 2 Tage und los ging es in die beeindruckende Dünen und Wüstenwelt. Ursprünglich wollten wir nur max. bis zur Düne 45 (45 Kilometer hinein) fahren. Wir waren so ziemlich allein in dieser gigantischen Landschaft. Das Fotolicht am Nachmittag ließ gute Aufnahmen zur linken Hand zu. Wir fuhren und schauten und stoppten und fuhren und staunten und fotografierten tatsächlich bis zum Ende der geteerten Straße. Dort befindet sich der Parkplatz für 2x4 Fahrzeuge. Die letzten 4 Kilometer dürfen nur 4x4 fahren oder ein Shuttle des Parks. Mittlerweile hatte die Temperatur gewaltig zugelegt. Über 34 Grad wird angezeigt.
Wir hatten ursprünglich einen Shuttle in Erwägung gezogen. Aber stopp, wir haben ja ein 4x4 Upgrade. Oje my wife wird blass. Wir sind ganz allein im Vlei und sollen durch teilweise tiefen Sand 4 Kilometer ins Niemandsland fahren. Sie ist aber dann tapfer und findet sogar Spaß an der traumhaften Tour. Der Allrad schaltet sich bei Bedarf automatisch zu und unser Wägelchen zog sicher und stetig durch den Sand bis zum Parkplatz des 4x4 und dann zum Sossusvlei. Ich musste auch einige Male auf dieser Sandfahrt stehen bleiben um Springböcke, Oryxe und Strauße abzulichten. Die Umgebung mit gelben Blumen, grünen Büschen und den Dünen im Hintergrund ließ uns förmlich Tränen vor Begeisterung in die Augen laufen.
Wir hatten nun abgecheckt, was wir morgen noch genauer zu Fuß erkunden wollten und mussten auch schon unseren Rückweg antreten, um rechtzeitig am Gate zu sein. Eine Stunde Fahrt ist einzuplanen. Nun etwas mutiger und mit mehr Spaß durch den Sand die 4 km zur Teerpad und dann Richtung Ausgang. Morgen werden wir wieder hier sein.
Am Desert Camp angekommen trafen wir „unsere Hannoveraner“ wieder. Wir verabredeten uns zum Essen in der Lodge und bezogen unser Zeltquartier. Das Fundament und die Innenwände sind gemauert und außen wurden lediglich Zeltwände über und um das Gemäuer gezogen. Die Fenster konnten mit Reißverschluss aufgezogen werden. Ein Gitter war dann noch gegen Fliegen und sonstigem Getier vorhanden. Unglaublich passend für die Wüstenlandschaft und sehr „urig“. Dusche, Toilette und Waschbecken waren natürlich im Zelt integriert. Von der Terrasse blickte man über die weite Wüstenlandschaft.
Um 18 Uhr ging es zum Dinner in die 5 Km entfernte Lodge. Dort ließen wir uns dann einen Tisch für 4 Personen richten. Es war wirklich etwas umständlich für die Angestellten, aber unglaublich freundlich und zuvorkommend meisterten sie diese kleine Umstellung. Ein Bushbuffet unter freiem Sternenhimmel bei noch 23 Grad. Alles beleuchtet mit Kerzenlicht. Nur noch traumhaft. Es gab einen Bereich für Suppen und Vorspeise, einen Bereich für geschnittenes Fleisch, Fisch und Gemüse wo ein Koch vor den Augen des Gastes auf einem Großflächenofen die gewählten Speisen zubereitete und den Höhepunkt, einen großen Grill mit Fleischauswahl, die das Herz höher schlagen ließ. Springbock, Zebra, Oryx, Gnu, Wildbeast, Eland, Impala, Kudu, Strauß, etc. etc. Der Gast durfte wählen und es wurde auch tatsächlich medium oder well done zubereitet. Der Nachtisch ließ ebenfalls keine Wünsche mehr offen. Eine Flasche Wein dazu und wir waren nach 2 ½ Stunden „bettreif“ und „rollten“ in unser Wüstenzelt.
piscator1'483 Beiträge · seit 200911. Juni 2011 · #57
Hallo Serengeti, konnte mir erst heute deinen Bericht vornehmen. Es wäre schade gewesen, wenn du dich entschlossen hättest, nicht weiter zu schreiben. Lass dich nicht abschrecken. Jeder schreibt so, wie er es für richtig hält. Mir sind die subjektiven am liebsten, denn dann weiß ich, dass da wenig "Monstranzinteressen" im Hintergrund stehen. Die Zahl der Aufrufe lässt darauf schließen, dass es viele stille Leser gibt. Jeder hat eben eine andere Einstellung. Ein Hummeldummi hat uns mal gesagt, dass das Individualreisen ihm zu elitär sei. Konnten wir verstehen, als wir sahen, dass er seinen Pulverkaffee dabei hatte, weil es ja nirgends vernünftigen Kaffee gäbe. Ich werte dabei nicht den Menschen ab, sondern mokiere mich über bestimmte Verhaltensweisen, die eben oft und gerade aus der Sicht Einheimischer (nicht nur in NAM) als unangemessen oder noch schlimmer empfunden werden. Ich freue mich auf die Fortsetzung.
Herzlicher Gruß von Reinhard
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201012. Juni 2011 · #58
Hallo Reinhard,
ein "Danke schön" nach Bremen.
LG Serengeti
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201012. Juni 2011 · #59
Tag 8 Es war eine kurze Nacht im Camp. Um 5 Uhr klingelte unser und auch fast aller Wecker im Camp. Jeder wollte zum Sonnenaufgang am Gate sein und Einlass bekommen. Das Gate öffnet um 6 Uhr. Wir besorgten uns in der Lodge noch den zubereiteten großen Korb (eigentlich große Korbtruhe mit Frühstücksleckereien), füllten damit den Kofferraum und stellten uns am Gate an. Großes Hallo mit unseren Schweizern, die im Desert Homestead untergebracht sind und noch in der Früh 35 km zum Gate zurücklegen mussten. Die Bekannten aus Hannover hatten sich für eine geführte Tour entschlossen und waren so mit einem Guide unterwegs. Mittlerweile hatte sich eine stattliche Anzahl von anderen Touris mit den Fahrzeugen jeglicher Art in Position gebracht, um die Jagd über 64 km ins Vlei zu beginnen. Die Motoren liefen warm, der Startschuss fiel mit Öffnen des Tores und los ging es. Wir konnten die Pole einnehmen, da die meisten anderen Touris noch kein Permit hatten und erst mit der afrikanischen „Schnelligkeit“ im Büro Papiere und Stempel etc. erhalten mussten. Gut, dass wir das bereits Gestern erledigt hatten. Wir machten somit einige Runden gut und hatten nur noch einige Touribusse vor uns. Diese „packten wir“ an der Düne 45. Da wird erst einmal Jeder hin gekarrt, um diese gleich besteigen und fotografieren zu können. Sie klebten wie an einer Perlenschnur auf dem Dünensattel und „quälten“ sich nach oben. Uns konnte es recht sein, hatten wir wenig „Konkurrenz“ im „Dead Vlei“. Die Taktik hat funktioniert. Ohne Boxenstopp waren wir schneller.
Wir gruben uns mit unserem Gefährt durch die 4 km Sandpad und waren am 4x4 Parkplatz angelangt. Zum sogenannten Dead Vlei soll es von diesem Parkplatz nach links bei etwa 20 Minuten Marsch durch Sand und über Dünen gehen. Da noch kein Mensch vor Ort war, die Beschilderung o.ä. nicht vorhanden war marschierten wir vom Ende des Parkplatzes nach links und kamen über die erste große Düne zur Erkenntnis, dass wir wohl weiter zurück mussten. Auf dem Sattel der Düne zurückmarschierend sahen wir es dann. Unten lag das tote Tal mit den typischen abgestorbenen Bäumen und erwartete uns noch halb im Schatten. Nach diesem schweißtreibenden Frühsport hatten wir uns zum einen die fantastische Aussicht vom Dünensattel und zum anderen die tolle Atmosphäre im Vlei mit den Sonnen-/Schattenspielen verdient. Wir filmten und fotografierten was das Zeug hielt.
Danach ging es auf einfachem (direktem) Wege zurück zum Parkplatz, wo wir unter Kameldornbäumen einen Tisch mit Bänken einnehmen konnten. Auch das hatten wir uns verdient. Ein Frühstück unter Bäumen mit Blick auf die gigantischen Dünen.
Und was für einen Überraschungskorb wir dabei hatten. Wir wuchteten ihn aus dem Auto und holten eine Leckerei nach der anderen heraus. Auch vollständiges Geschirr für 2 Personen incl. Müslischalen waren dabei. Saft und Kaffee, Müsli und Milch, Wurst und Käseplatte, Marmelade, Obstsalat in Gläsern. Einfach nur dekadent mitten in der Wüste, aber absolut „genial“.
Nach dem ausgedehnten Mahl sahen wir auch noch „unsere Schweizer“ auf uns zusteuern. Sie hatten vor dem Ausflug ein kleines Frühstück zu sich genommen und freuten sich nun unsere restliche Verpflegung (insbesondere der Obstsalat war einfach zu viel) sich einverleiben zu können. Während wir noch gemütlich den Blick auf die Dünenlandschaft genossen, merkten wir plötzlich, dass von Norden her dicke Bewölkung aufzog. Oh nein, nicht schon wieder. Wir brachen dann auf, marschierten noch zum Sossusvlei, wo noch Wasser vom letzten großen Regen im Vlei vorhanden war. Einen weiteren Aufstieg wollten wir nach dem vom frühen Morgen nicht machen. Das war anstrengend genug gewesen. So wanderten wir noch ein wenig im Vlei umher und machten die letzten Fotos.
Dann ging es aus dem Park zum Shop, wo wir noch Wasser einkauften und an der Bar ein kühles Bier shandy zu uns nahmen. Schließlich noch der obligatorische Ausflug zum Sesriem Canyon (na ja) und dann zurück ins Camp zum Duschen und Ausruhen. Für heute Abend haben wir nochmals einen Tisch mit Hannover reserviert. Wir wollen bei unserem letzten gemeinsamen Abend letztmalig dieses gigantische Buffet genießen. Unsere neuen Bekannten aus Hannover brechen morgen für 2 Nächte in die Rostock Ritz Lodge bei Solitaire auf. Sie werden dann in Swakopmund ankommen, wenn wir am Morgen bereits Richtung Erongo abgereist sein werden. Schade, es war eine nette Begleitung und ein sehr angenehmes Paar. Unsere Schweizer Begleitung werden wir evtl. in Swakopmund treffen. Diese sind die nächsten 2 Tage ebenfalls dort ( Meikes Guesthouse). Ein Abendessen, vielleicht de Kelders, ist möglicherweise zu machen.
SerengetiThemenstarter354 Beiträge · seit 201012. Juni 2011 · #60
Tag 9 Es war wiederum nur eine kurze Nacht. Um 1 Uhr brach das große Unwetter über das Desert Camp herein. Direkt über uns erhellten die Blitze den Himmel und die Umgebung. Es war ein fast immerwährendes Donnerrollen zu hören und der Regen und der Sturm waren unbeschreiblich in seiner Intensität. Kein Vergleich mit unseren starken Gewitterregen. Das Wasser drang von der Terrasse durch die Türe ins Zelt ein. Das Zelt selbst war für diesen starken Regen nicht ausgelegt und so drang auch Wasser durch die Decke ein. Im Nu war der gesamte Boden unter Wasser. Glücklicherweise hatten wir in weiser Voraussicht keine Gepäckstücke am Boden liegen, so dass wir lediglich mit nassen Füßen und verspülten Schuhen leben mussten. Auch am Morgen war der Spuk noch nicht vorbei. Beim Frühstück in der nahe gelegenen Sossusvlei Lodge (wir hatten dort das Frühstück mit dazu gebucht) musste das Personal laufend die offenen Räumlichkeiten mit Besen von Wasser befreien. Mann, hatten wir ein Glück. Am Tag zuvor konnten wir bei 34 Grad mit Frühstückskorb im Vlei frühstücken und heute standen ebenfalls Gäste mit bestellten Körben in der Gegend bei massivem Dauerregen herum und konnten sich dieses Highlight abschminken. Ich litt wirklich mit diesen Leuten, die sehr viel Geld für diesen Höhepunkt bezahlt hatten und nun im wahrsten Sinne des Wortes im Regen standen. Am nächsten Morgen müssen sie ja schon wieder weiter auf die Tour. Wir hatten nach dem Frühstück einen langen Weg nach Swakopmund vor uns. Vorab aber zum Frühstück. Einfach nur grandios. Eier, auf welche Art und Weise auch immer, wurden vor den eigenen Augen auf einem Großflächenofen zubereitet. Wir entschieden uns heute für Omelette mit mushrom, Zwiebeln, Paprika und Tomaten. Dazu noch etwas Speck, weiter mit Wurst und Käse, Marmelade und Toast sowie Müsli und Cornflakes. Dann mussten wir schwerfällig bei Starkregen ins Auto sprinten, nachdem wir noch unsere bestellten Lunchpakete für die Tagesverpflegung abgeholt hatten.
Wir waren wieder auf der Pad. Diese wurde nun nach dem erneuten Regen immer schlechter. Auf Staub und Geröll bildeten sich große Wasserlöcher sowie kleine Riviere quer über die Pad. Um nicht ins Schlingern zu kommen, musste man sehr konzentriert und durfte auch nicht zu schnell fahren. Teilweise bei Anstiegen schlug der Allrad an. Eine wirklich anstrengende Fahrt.
In Solitaire, einem Kaff mit Tankstelle und kleinem Shop nebst Campingsite, fuhren wir zur Tankstelle. Der Chef erklärte uns, dass kein Petrol zu bekommen sei. Der Tankwagen hatte einen Crash auf schlechter Piste. Es war die einzige Tankstelle zwischen Sesriem und Swakopmund. 2 PKW hatten keinen Sprit mehr im Tank und mussten nun erst einmal pausieren. Wir hatten das Problem nicht. Bis Swakop würde es noch reichen. Allerdings sind wir in Afrika immer gewohnt sofort zu tanken, wo immer eine Tankstelle nur in Sichtweite war. Deshalb auch die Anfahrt auf Solitaire. Während wir das Auto vor den Zapfsäulen stehen ließen und uns im Shop befanden, fing es zu regnen an. Was heißt regnen. Nach 2 Minuten war es uns nicht mehr möglich ohne im knöcheltiefen Wasser zu versinken, das 5 Meter entfernte Auto zu erreichen bzw. die 10 Meter entfernte Toilette. Ich durchwatete den Rivier an der Tanke, holte den Wagen und wir konnten weiter auf die Pad. Nicht ohne die Warnung des Tankstellenbetreibers. Der Kuiseb Fluss hatte viel Wasser. Die Piste sei sehr schwierig aber mit 4x4 machbar. Na toll. Wir fuhren also weiter auf schlechtester Pad Richtung Swakop. Plötzlich tat sich der Himmel auf. Die Sonne brannte mit knapp 30 Grad vom Himmel und wir hatten traumhafte Sicht auf die Gegend um die Naukluft und die Canyons. Ein Fotostopp nach dem nächsten verzögerte die Fahrt. Es war einfach nur unbeschreiblich. Der Gaub Pass und der Kuiseb waren imposant anzusehen. Keine Probleme bei Überqueren des Kuiseb, obwohl er Hochwasser führte.
Was ist das für ein Urlaub. Eine Achterbahn der Gefühle und Eindrücke. Kaum hatte man Tränen vor Glück und Begeisterung in den Augen, kam schon wieder ein gigantischer Rückschlag, der Tränen des Ärgers hervorrief. Im Augenblick genossen wir die gigantische Bergwelt der Naukluft. Bis wann? Bis ca. 100 km vor Swakopmund.
In der Ferne sahen wir einen Himmel, den wir so noch nie „live“ gesehen hatten. Tiefschwarz setzte sich ein Streifen vom hellblauen Himmel ab. Dieses Schwarz bestand aus dichten Wirbeln, die bis auf die Erde reichten (ähnlich kleiner Tornados). Nach einiger Zeit tat sich eine schwarze Wand vor uns auf mit dichten Wolken bis auf die Erde. Wir fuhren (mussten) mitten hinein. Blitze und Donner sowie eine Regenintensität, die ich noch niemals erlebt hatte stoppten die Fahrt. Wir befanden uns mitten in einer Seenlandschaft bei überschwemmter Lehm, Staub und Geröllstrasse. Nachdem die Blässe aus unseren Gesichtern gewichen war und wir wieder die Orientierung fanden, kamen wir bei noch dichtem Regen in Swakop an.
Was für ein Drama. Die Stadt war in Schlamm und Wasser versunken. Richtig „abgesoffen“. Überall versuchte man die Folgen des Unwetters mit Besen und ähnlichen Gerätschaften zu beseitigen bzw. zu lindern. Wasser, Schlamm, Wasser, Schlamm.
Wir suchten und fanden schließlich Avis wegen unserer Scheibe. Die wird nun morgen repariert. Da wir aber eine Tour aufs Meer und in die Dünen geplant hatten, werden wir den PKW um 8 Uhr zu Avis bringen, einen Kleinwagen tauschen und nach Walvis Bay fahren. Am Samstag vor unserer Abreise ins Erongo Gebirge wird die nette Dame von Avis unseren 4x4 wieder bei uns im Hotel abliefern und die Wagen erneut tauschen. Viel Theater um die blöde Windschutzscheibe. Zu guter Letzt müssen wir die Scheibe auch bezahlen und können sie dann mit der Versicherung von DerTour abrechnen. Ich könnte diesen Local immer noch lynchen.
Endlich konnten wir in unserem Quartier, der Beach Lodge, einchecken. Toll sind die Lage des Hauses und der traumhafte Blick auf den Atlantik von unserem Balkon aus. Wir befinden uns ca. 30 Meter vom Meer entfernt und könnten bei schönem Wetter von unserem Balkon aus die Brandung genießen. Ansonsten ist das Zimmer sehr sehr klein, ebenso das Bad. Ich finde die Unterkunft ist überteuert. Man bezahlt die gigantische Lage. Es handelt sich u.E. sich um eine hellhörige Unterkunft mit typischem Hotelcharakter. Schnell duschen und in die Stadt. Mittlerweile hat sich die Sonne wieder gezeigt. Wir entschließen uns bereits heute allein in das bekannte Restaurant de Kelders zu gehen. Austern, Salat, Fisch bzw, ein Steak vom Oryx für mich. Pappsatt fallen wir ins Bett und hören noch die Brandung des Atlantiks. Bitte kein Unwetter mehr. Morgen wollen wir mit dem Veranstalter Mola Mola eine Kombi Tour aufs Meer (Delfine, Pelikane etc.) sowie am Nachmittag eine geführte 4x4 Tour in die Wüste machen.