Namibia Reise 2011

120 Antworten · 40,8k Aufrufe · gestartet 26. Mai 2011 von Serengeti
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Themenstarter354 Beiträge · seit 201026. Mai 2011 · #1
Da war ich zu blöd, den Bericht unter der Kategorie "Reiseberichte" zu platzieren. Deshalb nun leider doppelt, hoffentlich nun richtig.

Liebe Foriker,
nachdem ich zur Vorbereitung unserer ersten Namibia Reise sehr viel Tipps dem Forum entnehmen konnte und auch viele Anfragen beantwortet bekam, nun ein "kleines" Feedback unserer Reise.


Nach 2 Jahren haben wir uns entschieden, erneut den afrikanischen Kontinent zu bereisen. Der vielgerühmte „Afrikavirus“ scheint uns nach unseren SA Reisen nun tatsächlich erwischt zu haben.
Namibia sollte es diesmal sein, um unsere Vorlieben wie Ruhe, Abgeschiedenheit, Natur und Tierwelt verwirklicht zu sehen. In der Vorbereitungszeit hatten wir viel im Namibia Forum gelesen und uns so, unserer Meinung nach, einen idealen Reiseverlauf für die Einsteigertour in Namibia zurecht gelegt.
Selbst gebuchte und eruierte Unterkünfte (teilweise unter Mithilfe eines Reisebüros bei der Buchung), eigene Tourplanung, Flug mit Air Berlin und Mietwagen über DERTOUR bzw. Avis . Es sollte ein 2x4 Honda CRV o-ä- sein. 4x4 war nicht nötig, da die Tour es nur in Sossusvlei erfordert hätte und wir so doch etwas Geld sparen konnten.
Diesen Bericht schreibe ich während unserer Reise durch Namibia. Er enthält nicht nur „Schönfärberei“, sondern soll durchaus auch kritische Aspekte ansprechen und beinhaltet unmittelbare Eindrücke am jeweiligen Abend.

Tag X

Los ging es um 17 Uhr. Nach überraschend unkompliziertem Packen (nur je 19 Kilo Gewicht und leichtes Handgepäck) fuhr uns ein Freund in Begleitung unserer Kids zum Flughafen nach München. Pünktlich ging der Flug, nachdem wir unsere vorreservierten XXL seats eingenommen hatten. Nun ja, es handelte sich um 2 Sitze direkt am Einstieg. Wir hatten zwar enorme Beinfreiheit, jedoch auch den Lärm des Flugpersonals über den gesamten Flug hinweg. Denn direkt neben den Sitzen arbeitete die Bordcrew. Fazit: Zwar viel Platz aber dennoch keine einzige Minute Schlaf gefangen. Meine bessere Hälfte war „down am Morgen“.

Tag 1

Um 5:00 hatten wir dann nach 2 Jahren Abstinenz wieder denn mittlerweile geliebten afrikanischen Boden unter unseren Füßen. Mit totaler Übermüdung schlenderten wir gemütlich über das Rollfeld vom Flugzeug zum Terminal. Ja richtig gelesen, wir befanden uns wirklich mitten im frühmorgendlichen Geschehen und Keiner hat irgendeine Notiz davon genommen, was wir Touris nach dem Ausstieg machen würden. In Deutschland, ja sogar in SA gibt es 100% Absperrungen und alle paar Meter Personal mit Warnwesten, das den Weg weist. Und hier gingen wir gemütlich spazieren.
Nun wir sollten aber doch bald richtig wach werden. Nach unserer Landung um 5 Uhr war auch noch ein Flug aus Frankfurt gelandet. Fazit: Die Ankunftshalle am Zoll war komplett gefüllt und das Chaos nahm seinen Lauf. 900 einreisewütige Touris incl. vieler Hektiker, die keine Zeit haben, gegen 6 Zollbeamte aus Namibia. Der Spielverlauf war klar. Namibia verliert haushoch. Dumm nur, dass wir hierbei mit verlieren. Irgendwie ein blödes Spiel.
Schieben, schimpfen, drängeln, die Herrschaften verstanden dies prächtig.
Höhepunkt dieser Aktionen: Im Flugzeug bekam jeder Einreisende ein Einreiseformular, welches er mit dem Reisepass am Zoll vorzeigen bzw. abgeben sollte. Das Ausfüllen dauert ca. 5 Minuten bei normal begabten Menschen. 50 % dieser bereits beschriebenen Spezies der Herrschaften füllten das Formular beim entsprechenden Zöllner aus und hatten dazu jede Menge Fragen. Was muss ich hier und was muss ich da?
Nach knapp 2 Stunden gegen 7 Uhr Ortszeit hatte ich den Zöllner passiert. Nun also schnell zu Avis. Diese öffneten gerade und mussten sich jedoch erst akklimatisieren, denn so früh am Morgen zu arbeiten ist schon eine Tragödie. Entsprechend schimpfte die Chefin auch auf ihr eigenes Personal, welches die vorreservierten Fahrzeuge nicht zum Flughafen brachte. Mir schwante Übles und richtig, auch unser Fahrzeug war betroffen. Und was das vorreservierte 2. Ersatzrad anbelangte, das gibt es sowieso nicht, basta. So langsam bemerkte ich, dass eine innere Wärme sich mir bemächtigte und ich eine innere Stimme benötigte, die mich bremsen sollte. Sie war aber nicht präsent und so erklärte ich der Chefin des Schalters was ich so über die Sache dachte, dass ich außerdem sehr müde sei und ich heute Morgen keine Lust auf irgendwelche „Spirenzchen“ hätte. (dies ist alles noch sehr höflich ausgedrückt)
Sie versicherte mir letztendlich, dass das Fahrzeug käme und auch ein Rad in die nächste Unterkunft unserer Reise geliefert werden sollte.

Also wir warteten und begaben uns nun zum ATM um Geld zu holen. Es gab aber kein Geld, da hier nur Visa Card akzeptiert wurde und keine Mastercard. Wieder eine Niederlage.
Ohne Geld versuchten wir eine Prepaid Karte für das Handy zu besorgen. Nach geschlagenen 15 Minuten hat der Automat im Laden die MC akzeptiert und wir hatten wenigstens eine Telefonkarte. Welch ein erster Erfolg in Namibia!
Am Avis Schalter tat sich nun was. Ein Upgrade ! Hurra wir hatten nun tatsächlich einen 4x4 errungen. Der Mitarbeiter führte uns stolze Besitzer zu unserem schönen weißen Subaru Forrester und half uns den 2. Ersatzreifen!!!!! ins Auto zu verladen. Na geht doch.

Schnell hatten wir uns an das Linksfahren wieder gewöhnt (nachdem ich die Angestellten von Avis, Hertz und Co beim Falschausfahren doch etwas irritiert hatte. Hoppla, ging aber gut).

Auf der Fahrt nach Mariental zur Kalahari Anib Lodge passierten wir 3 Polizeiabsperrungen und Kontrollen. Eine erwischte uns. Wir wurden sehr harsch angefahren, Führerschein Papiere und Grenzübertrittbescheinigung. Wie bitte? Haben wir nicht, ist ein Mietwagen. Es stellte sich heraus, dass wir ein Fahrzeug mit SA Kennzeichen (Provinz Gauteng) fuhren. Merke: Kontrolliert wurden keine Namibier und Touris sondern nur Bürger aus SA, und wie unfreundlich. Nachdem der Polizist merkte, dass wir aus Good Old Germany kommen, war er wie ausgewechselt, entschuldigte sich vielmals für die Unannehmlichkeiten und wollte nun gar nichts mehr sehen. Ich bestand aber darauf, da ich zum ersten Mal den immer im Forum angeratenen internationalen FS zeigen wollte. Den wollte er aber auf gar keinen Fall sehen, sondern lediglich den Nationalen. Verstehe Einer die Welt. Nach erneuter Entschuldigung von Seiten der namibischen Hoheit fuhren wir dann weiter Richtung Mariental und bogen kurz vorher zum Hardap Damm ab. Dieser wird als sehr tierreich beschrieben. Wir löhnten 90 Dollar und fuhren ein. Nur von den vielgerühmten Vögeln war kaum etwas zu sehen. 3 Pelikane ließen sich blicken. Das war es obwohl wir wirklich viel Geduld bewiesen hatten und den Fish Trail sowie den Bird Watch aufgesucht hatten. Überragend war jedoch die Landschaft, so dass wir lediglich halb enttäuscht den Damm in Richtung unserer ersten Unterkunft Anib Lodge verließen.
Dort angekommen wurden wir sehr freundlich von der Dame an der Rezeption begrüßt und zu unserem Chalet geführt. Es wurde erst neu gebaut und war wirklich sehr schön und auch verhältnismäßig komfortabel ausgestattet.
Wir meldeten uns zum vielgerühmten(kürzliche Forumsbeiträge) sundown drive und zum Abendessen im Restaurant an und ruhten uns bis zum Beginn des drives (15:30) noch ein wenig aus.
Als wir dann zur Rezeption gingen, um die Ausfahrt zum Sonnenuntergang mit den Guides zu beginnen, traf uns beinahe der Schlag. 60 Touris, die Meisten aus angekommenen Busgruppen und ein paar wenige Individualreisende verteilten sich auf 6 Jeeps! Hummeldumm lebt! Was wollten wir noch in Namibia, Ruhe, Besinnlichkeit oder wie?
Wir wurden einem Jeep zugeteilt und die bereits seit einiger Zeit sitzenden(deutschen) Touris machten uns mürrisch Platz. Nun unser Guide machte die Sache wirklich gut, ließ sich von dämlichen Kommentaren nicht beirren, zeigte uns tolle Landschaften, Oryx Antilopen, Springbock und Zebras. Allerdings hier war schon klar. Die Regenzeit in diesem Jahr mit 10 x mehr Regen als normal hat das Gras sehr hoch wachsen lassen (optisch wunderschön im Wind) und war aber absolut tödlich für Tierbeobachtung.
Der Höhepunkt sollte der Sundowner auf einem roten Hügel in der Kalahari sein. Hier trafen sich alle Jeeps zum gemütlichen Beisammensein bei Bier, Gin Tonic, Savanna Dry etc. und veranstalteten Volksfest am Hügel. Die Heinz-Rüdigers sprangen im roten Wüstensand mit den Aldi Kleinbildkameras durch die Gegend wie Springböcke und versuchten die ihrer Meinung nach besten Fotos zu schießen. Dazu wollten sie möglichst der untergehenden Sonne am nächsten sein und liefen laufend anderen Fotografen ins Bild. Hummeldumm ich liebe dich.
Nach den Gin Tonics waren viele Heinz Rüdigers in der Lage tolle Witze zu reißen und über diese selbst am meisten zu lachen. Herr Jaud, Respekt für Ihr Buch.
Zurück in der Lodge ging es zum Abendessen in das Restaurant. Alle Heinz Rüdigers waren wieder vertreten, scharrten sich in Busgruppen um die Tische, dröhnten in starker Lautstärke durch das Lokal. Wir an unserem 2er Tisch hatten uns mittlerweile mit der Situation und dem Ambiente einer kleinen Bahnhofshalle abgefunden und genossen den freundlichen Service und das wirklich sehr gute Essen. Es gab als Hauptgericht Springbock Pie. Ein absoluter Traum! Das muss man der Lodge wirklich lassen. Ein unglaublich freundlicher Service und auch ein Meisterkoch musste hier am Werk sein. Leider konnte dies aber gegen die Busgruppen im fortgeschrittenen Kegelclubalter nur wenig wettmachen.
Da es zu unserem Essen noch eine Flasche Pinotage gab, „flüchteten“ wir dann recht zeitig in unser Chalet und wir träumten von Ruhe in den nächsten Tagen, dennoch, die Heinz Rüdigers ließen mich irgendwie nicht los.
5'538 Beiträge · seit 200826. Mai 2011 · #2
Hallo Heinz-Rüdiger,

pardon ich meine natürlich hallo Serengeti,

das fängt ja gut an mit Eurer Tour. Ich hoffe, dass Ihr Euch unterwegs aber mehr entspannen konntet als am ersten Tag. Ansonsten bin ich natürlich gespannt wie es weitergeht.

Liebe Grüße
Gerd
1'409 Beiträge · seit 201026. Mai 2011 · #3
Hallo Serengeti,

irgendwie kommt mir die von Dir beschriebene Situation am Flughafen bekannt vor.
Wahrscheinlich waren wir am selben Morgen dort 😄
Da muß man sich nur über manche Mitmenschen wunden. 🤪

Freue mich auf die Fortsetzung....

LG
Fleur
https://www.TickerFactory.com/ Bots Zim 2014 http://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/283181-auf-tuchfuehlung-mit-zimbabwe-die-zim-light-tour.html KTP 2013 http://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/278551-ktp-ja-wo-sind-denn-alle-hin.html CKGR/KTP 2012 http://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/236736-schee-waras-ckgr-a-ktp-april-2012.html Nam/Bots 2011 http://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/195675-wie-alles-begannnambot-april-2011.html
160 Beiträge · seit 200926. Mai 2011 · #4
Hallo Serengeti,
wir waren 2001 das erste Mal in Namibia als Selbstfahrer 24 Tage unterwegs und unser zweites Quartier war ebenfalls die Anib-Lodge. Damals war diese allerdings noch "klitzeklein". Es gab nur einen Jeep und insgesamt noch 6 weitere Gäste auf der Farm. Da hat sich also in den letzten Jahren einiges getan.
Aktuell planen wir für 2012 eine Wiederholungstour durch Namibia und lesen deshalb alle aktuellen Reiseberichte mit ganz großem Interesse. Gut finde ich, dass Du durchaus kritisch Stellung beziehst.
Ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht. By the way: habe ich es überlesen? In welchem Monat wart Ihr unterwegs?

Gruß
uschisiggi
Mein Motto: Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen. (Hermann Hesse)
8'054 Beiträge · seit 200826. Mai 2011 · #5
Hallo Serengeti,

Musste schmunzeln als ich lies wie es auf der Anib Lodge zuging!:)

Da kamen Erinnerungen im Vorschein....B)

Ich bin schon gespannt wie es weitergeht!😜

Es grüsst
Annick
Südafrika 2014 http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/281763-miam-miam-und-mamamia.html Namibia 2014 [http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/283810/-die-frenchies-in-namibia.html] Tansania 2015 [http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285247-tansania-auf-jeden-fall-wieder.html] Uganda/Ruanda 2015 {http://namibia-forum.ch/forum/160-diverses/286948-uga,html} Tanzania 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/288428-rei,html} Südafrika/Simbabwe 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/290185.html} Südafrika Garden Road 2018 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/295032-the-garden-road-ein-bisschen-anders.html Malawi 2018{http://namibia-forum.ch/forum/154-diverses/296097-reisebericht-malawi-august-2018.html}
1'247 Beiträge · seit 200926. Mai 2011 · #6
Hallo Serengeti

die Heinz-Rüdigers gibt's leider überall auf der Welt - habe sie letztes Jahr in Aegypten auch erlebt. Eigentlich müsste man schon vor der Reise zuhause ein gutes Kilogramm afrikanische Gelassenheit einkaufen und mitnehmen können. Aber deinem Bericht nach hast du da zumindest eine kleine Quelle aufgetan - oder du hast den Bericht erst geschrieben, als der Dampf schon ein wenig abgelassen war 😉

Und dennoch: Ich freue mich auf unsere zweite Reise im Oktober - uns hat der Virus africanus nämlich auch erwischt!

Bitte weiter so!

Sonnige Grüsse
Thomas
Für mich ist Denkmal ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht (Fritz Grünbaum) Reisebericht: 50 Tage NamBots (PDF ganz am Ende)
Themenstarter354 Beiträge · seit 201026. Mai 2011 · #7
Danke für Euer Feedback,

war zu Anfang etwas am Rätseln, ob ich den Reisebericht einstellen soll, da man immer nur von Eitel Sonnenschein in den Berichten liest und man bei auch kritischer Betrachtung schnell in die "Nörgelecke" gestellt wird. Ich habe mich dennoch dazu entschlossen. Immerhin können die Negativerlebnisse durchaus mit "Fakten" belegt werden und ich habe mich in gewissen Situationen wirklich sehr geärgert. Und Thomas, ich versuchte mich in diesen Situationen daran erinnert, daß ich Urlaub habe und ich mir diesen keinesfalls verderben lassen will. Und in gewissen Gegenden habe ich durchaus auch bereits im Vorfeld mit solchen Situationen gerechnet.

Usschisiggi, wir waren von Ende April bis 24.Mai unterwegs.

Gruß Serengeti
Themenstarter354 Beiträge · seit 201026. Mai 2011 · #8
o.K.
dann "lege ich" den 2. Tag noch dazu.

Tag 2
Absichtlich begaben wir uns erst gegen 8:30 zum Frühstück, um die usgruppen zu umgehen. 15 Minuten hatten wir aber noch das Vergnügen. Dann konnten wir das Essen genießen. Unser Programm am heutigen Tag sollte die Fahrt nach Keetmanshoop mit Besuch des Köcherbaumwaldes zum Sonnenuntergang sein. Die Befürchtung hierbei allerdings nach den Erfahrungen des vergangenen Tages/Abends waren meine viel geliebten Heinz Rüdigers in den Busgruppen. Sollten wir uns dort wiedersehen?
An der Rezeption wurden wir freundlich verabschiedet und es wurde angeraten nicht die langweilige Strecke über die B1 sondern über die C20 nach Stampriet, C23 und C17 nach Keetmanshoop zu fahren. Wie sich später herausstellte, ein Traum von einem Vorschlag. Auf der gesamten Strecke begegneten wir 4 Fahrzeugen. Die namibische Einsamkeit ließ endlich grüßen. Ab Stampriet hatten wir dann unsere erste Pad auf Staub und Geröll über die nächsten Stunden. Wir gewöhnten uns recht schnell an die entsprechende Fahrweise. Nicht zu schnell, keine plötzlichen Lenkbewegungen. Man landet dann schnell in der „Pampas“.
Kurz vor Abzweig auf die C17 kann man auf die D 511 einbiegen und ca. 20 km über die roten Dünen der Kalahari fahren. Eine Traumstrecke. Wir sind diese dann wieder zurück gefahren, um auf die C 17 weiter nach Keetmanshoop zu gelangen.
Man konnte erahnen, welche Regenmassen in den vergangenen Wochen niedergingen. Teilweise starke Ausspülungen auf der Pad machten die Fahrt nicht ungefährlich. Immer wieder querten die mittlerweile ausgetrockneten Wasserläufe die Pad. Mit normalem (niedrigem)PKW wäre die Sache um Einiges unkomfortabler gewesen.
In Keetmanshoop angekommen, suchten wir vorab unsere gebuchte Unterkunft, Pension Gesserts, auf. Ich hatte vor ca. 6 Monaten angefragt, nach der Rückantwort reserviert und dann keinen Kontakt mehr mit der Pension gehabt. Man war allerdings über unsere Anreise doch überrascht. Das Haus schien voll zu sein. Ich hatte glücklicherweise den Mailwechsel mitgenommen und so entschuldigten sich die Hausherren vielmals über ihr Missgeschick die Reservierung nicht aufgenommen zu haben. Der Herr des Hauses konnte uns noch ein Zimmer zur Verfügung stellen. Nach dieser Aufregung ging es dann zum Köcherbaumwald mit den bekannten gemischten Gefühlen. Jedoch, oh Wunder, von Heinz Rüdigers keine Spur. Wir konnten tatsächlich mit einer Flasche guten Rotwein von Weingut Neethlingshof den Sonnenuntergang im“ berühmten“ Köcherbaumwald fast alleine genießen.
Danach ging es zu einem sehr gutem Essen nach Keetmanshoop. Im“Schützenhaus“ servierte man uns einen Spieß mit gemischtem Wild. Das Ambiente im Lokal war u.E. wiederum sehr schlecht. Auch hier eher der Charakter von Halle vorherrschend. Aber das Fleisch, ein Traum. Es war auf den berühmten Punkt medium gebraten. Auch das Personal wiederum extrem freundlich. Eine kleine Anekdote am Rande. Ich hatte mein Glas Bier etwa zweidrittel ausgetrunken. Da die Dame vom Service gerade zugegen war, bezahlte ich. Dann wollte ich den letzten Schluck des Bieres noch „verinnerlichen“ als mir die Dame noch vor den lechzenden Lippen das Glas aus den Fingern nahm und von Dannen zog. Ich hatte ja schließlich bereits bezahlt und somit augenscheinlich kein Anrecht mehr die Reste zu konsumieren. Trotzdem tat dies dem Essen keinen Abbruch.
Nach diesem kulinarischem Genuss leerten wir im Garten der Pension noch unsere Reste des Rotweins und fielen in die Federn. Morgen soll es zum Fish River Canyon gehen bei einer Übernachtung im Roadhouse.
351 Beiträge · seit 201026. Mai 2011 · #9
Hallo Serengeti,

wann genau seid ihr gestartet?? Bzw wann ward ihr auf Anib??? Wir am 28.4!
Dein Reisebericht könnte auch meiner sein. Bis jetzt ziemlich gleicher Ablauf inkl. Strecke, Wein im Köcherbaumwald, Gesserts und Schützenhaus 😄 ...
Der einzige Unterschied ist, dass mir die Heinz-Rüdigers das Frühstück auf Anib "belustigt" haben.... 🤩 ...wir haben dann im Rest vom Urlaub immer darauf geachtet den "Buffetfräsen" (sorry 😊 ) aus dem Weg zu gehen 😉 😛

LG
Alex
Themenstarter354 Beiträge · seit 201026. Mai 2011 · #10
Hi Alex,

dann sind wir uns begegnet. Ward Ihr evtl. die, die mit uns zusammen bei Gesserts ankamen? Dieses Pärchen hat dann im hinteren Bereich der Pension gewohnt.

LG Serengeti
351 Beiträge · seit 201026. Mai 2011 · #11
Nein, wir sind alleine angekommen.
Ich überlege gerade wer mit uns bei Gesserts war!
Wir waren aber vielleicht 1 von den 4 Autos, die Euch au der C17 begegnet sind 🤩.
Wir kriegen das raus. Wir hatten bei Gesserts ein Zimmer, wenn man reinkommtgleich links, das hintere...
LG
Themenstarter354 Beiträge · seit 201026. Mai 2011 · #12
Sorry Alex,

habe mich um einen läppischen Tag vertan. Wir waren am 27. auf Anib und am 28. bei Gesserts.
Hätte mich auch gewundert. Ich quatsche fast jeden an. Nur das eine Pärchen war eben sehr schnell "verschwunden". Ich dachte denen eilt es zum Köcherbaumwald.

LG S.

P.S. aber auf Anib ist ja augenscheinlich jeden Abend Volksfest. Zumindest hat die nette Angestellte, nachdem sie bemerkte, wie ich "schlucken musste" bei dem Anblick, uns mit den Worten beruhigt. : " Ach heute geht es ja noch mit 80 Busgästen". Oft haben wir mehr und 2/3 machen immer den Sundowner mit". Prost Mahlzeit. Hollereidüdeljö
Themenstarter354 Beiträge · seit 201026. Mai 2011 · #13
Ach was solls. Weil heute so schönes Wetter in München war mit Temperaturen an die 30 Grad, lege ich einfach noch den 3.Tag drauf.

Tag 3
Der Tag begann mit einem hervorragenden Frühstück. Alles was das Herz begehrt wurde aufgetischt. Die Superlativen, die man immer wieder über das Frühstück bei Gesserts lesen kann sind wirklich in allen Belangen angemessen.
Gut gestärkt ging es dann auf die B4 Richtung Lüderitz und nach einigen Kilometern auf die Pad nach links Richtung Naute Damm. (D545).
Auf der C12 angekommen fuhren wir entlang der kleinen Karasberge der C37 und dem Canyon entgegen. Die C12 hatte es wirklich in sich. Starke Ausspülungen nach den massiven Regenfällen machten die Tour nicht ungefährlich. Unerwartet tauchten immer wieder Unebenheiten über die gesamte Straßenbreite auf. Es kann durchaus passieren, dass man diese übersieht und der Wagen fliegt einige Meter. Mit normalem PKW hätten wir hier nicht fahren wollen.
Endlich erreichten wir die C37, auf der die Verhältnisse deutlich besser waren, sodass wir bereits gegen 12 Uhr im Canyon Roadhouse einchecken konnten. Unser Zimmer war noch nicht bereit und wir entschlossen uns bereits heute zum Canyon zu fahren. Geplant war ursprünglich noch am Samstag in aller Frühe, um das bessere Licht für Fotos nutzen zu können. Dennoch waren die Lichtverhältnisse um 12.30 am Hauptaussichtspunkt völlig in Ordnung und der Canyon an sich hat sehr beeindruckt. Kein Vergleich auch z.B. zum Blyde River Canyon in SA. Dort spielten sich an den Aussichtspunkten Volksfeste ab. Hier war es noch einigermaßen „moderat“. Am Hauptaussichtspunkt des FRC kamen wir mit einem „alten Hasen“ hinsichtlich Namibiareisen ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen Foriker des NA Forums handelte. Auch er nächtigte mit seinem Campingmobil am Roadhouse und so gingen wir davon aus, uns am Abend noch sprechen zu können.
Wir fuhren noch zu einem weiteren Aussichtspunkt rechts des Hauptpunktes und auf der Rückfahrt bogen wir eine kleine Pad nach rechts ein und folgten dieser einige Kilometer zu einem weiteren Aussichtspunkt in den Canyon. Hier legten wir eine Rast ein ehe wir die Rückfahrt antraten. Beeindruckende Momente in der Einsamkeit hatten wir an den angesprochenen Punkten. Der Fish River war entgegen unserer Vermutung und trotz der vielen Regenfälle immer noch verhältnismäßig „harmlos“ anzusehen. Nur ein kleines Rauschen war vom Grund des Canyons nach oben zu vernehmen.
Inzwischen hatten sich die Temperaturen auf knapp 30 Grad erhöht. Dies entgegen der Vorhersagen, welche eigentlich extreme Kühle prognostizierten. Uns konnte diese Temperatur durchaus erfreuen. Denn nach Rückkehr im Roadhouse machten wir es uns noch am Pool gemütlich. Danach schlenderten wir noch auf den „Hausberg“, um den Sunset zu genießen.
Danach ging es ins Restaurant. Eine Flasche guten Hauswein und Oryx / Springbockspieß bzw. Straußenfilet mit Roquefortsauce waren angesagt. Das Ambiente im Restaurant ist als „stylisch“ zu beschreiben. Man hatte eine Werkstatt mit alten Autos und diversen Werkstattutensilien als Restaurant konzipiert. Eine „Filling station“ bildete den Mittelpunkt als Bar. Wir fühlten uns hier sehr wohl.
Wir hatten uns im Vorfeld der Reise bei den Vorbereitungen absichtlich für das Roadhouse und gegen die Canyon Lodge entschieden, obwohl Letztere günstiger zum Canyon liegt. Während in dieser Lodge auch viele Busgruppen absteigen, hatten wir im Roadhouse Glück und die Individualreisenden waren unter sich.
Das bereits angesprochene Essen war zwar keinesfalls schlecht, jedoch fiel die Qualität des Fleisches sowie die Zubereitung doch zu den vergangenen Tagen ab. Insbesondere auf dem Strauß musste man doch länger „herumkauen“.
Wir entdeckten unsere Bekanntschaft vom Nachmittag an einem Tisch sitzen und baten ihn an unseren Tisch. Viel hatte er uns vom Namibia der „alten Tage“ nach ca. 30 Besuchen zu erzählen und wir hörten gebannt zu. Auch er wird morgen die ähnliche Strecke bewältigen. Wir bleiben in Aus und er wird noch bis Lüderitz reisen. Am Wochenende ist in Lüderitz crayfish festival.
Wir verabschiedeten uns und fielen müde ins Bett. Morgen soll es nach Aus gehen. An der Rezeption hatte man uns mitgeteilt, dass die Pad C12 kurz vor Seeheim gesperrt sei. Man hatte den Nautedamm in den vergangenen Wochen abgelassen. Hierbei kam es zu Überspülungen der Pad. Mittlerweile ist die Pad trocken, jedoch über einige zig Meter Länge mit tiefem Sand gefüllt. Man sagte mit dem 4x4 sei es uns machbar. Wir sollten es versuchen. Ich bin ja mal gespannt. Wird für uns wohl ein kleines Abenteuer werden.
58 Beiträge · seit 201126. Mai 2011 · #14
Hallo Serengeti

ich bin voll im Lesestress bei all den tollen Reiseberichten 😛

freue mich auf deine Fortsetzung

Gruss
Fahamu
Themenstarter354 Beiträge · seit 201027. Mai 2011 · #15
@Fahamu
ja, das ist ja im Augenblick ein richtiger Ansturm der "Berichtschreiber". Interessant auch, daß es sich bei den vergangenen Reisen nur um minimale Tagesverschiebungen handelt. Auch sind die Unterkünfte oft identisch. Hier sieht man dann sehr gut, das finde ich wieder sehr amüsant, wie die Geschmäcker doch verschieden sind und wie die einzelnen Reisenden "ticken". Viele Individualreisende stört schon ein für 20 Personen gedeckter Tisch im Speiseraum, der darauf schliessen lässt, dass gleich die Bustouris einfallen. (ich nehme mich da nicht ganz von aus, insbesondere auch aufgrund der aktuellen Erfahrung). Andere können gar nicht anders reisen als in einer Gruppe und erkennen in dieser Gemeinschaft ihr Verhaltensmuster anderen Gästen gegenüber gar nicht, das oftmals sehr negativ ist. Wieder anderen schmeckt ein Essen in der Unterkunft vorzüglich während die Einen es gruselig finden. Auf einen Nenner gebracht: Geschmäcker sind eben verschieden. Deshalb versuche ich im Bericht nicht nur pauschale Aussagen zu treffen, sondern diese Aussagen mit Beispielen und Fakten zu versehe. Ich hoffe , es gelingt und der geneigte Leser kann dann abwägen. Für mich ist z.B. klar, daß ich, trotz sehr gutem Essen und auch sauberer Unterkunft, nie wieder in die Anib Lodge gehen würde. Fakten für mich (!) sind eindeutig die Massen und das störende Oktoberfest am Hügel sowie die Hofbräuhausatmosphäre light im Restaurant. Die sogenannte Münchner "Wiesn" kommt früh genug im September/Oktober bei uns in München.

LG Serengeti
180 Beiträge · seit 201027. Mai 2011 · #16
Hallo Serengeti

Vielen Dank für deinen informativen und unterhaltsamen Reisebericht. Bis hierhin habe ich für unsere Reise, die in 5 Wochen startet, schon 2 Dinge gelernt:
1. Ich mache mich um 5 Uhr morgens am Flughafen in Windhoek einfach auf 2 Stunden gefasst, bis ich draussen bin. Was soll ich denn auch schon an einem Sonntagmorgen um 6 Uhr in Windhoek ohne Auto und Hotelzimmer anfangen?
2. Bin ich denn froh, dass es für uns in der Anib Lodge keine freien Zimmer mehr hatte und wir auf das Kalahari Farmhouse ausgewichen sind.

Vielen Dank nochmals,
Jacqueline
http://www.TickerFactory.com/
Themenstarter354 Beiträge · seit 201027. Mai 2011 · #17
Hallo Jacqueline,

die Visa CArd nicht vergessen! Da sind wir ja auch noch am Flughafen rumgeturnt. Bis wir das gecheckt hatten, dass es z.B. bei Bank Windhuk lediglich mit Visa geht.
S.
180 Beiträge · seit 201027. Mai 2011 · #18
Hallo Serengeti
Super Tipp, danke. Wir haben zwar alle möglichen Karten, aber so weiss ich, dass ich es mit MC gar nicht erst versuchen muss.
Jacqueline
http://www.TickerFactory.com/
351 Beiträge · seit 201027. Mai 2011 · #19
Hi,

wir hatten keine Visa Card. Bezahlen mit der MC ist auch kein Problem und Geld holen kann man z.Bsp bei der NedBank(gibt es fast überall) auch mit der normalen EC-Karte (Maestro). Ich habe in Swakop sogar an zwei aufeinanderfolgenden Tagen 4000 ND pro Tag ziehen können am 3ten zwar nur noch 3000 ND, aber immerhin. Wir wußten nicht wie es im Erongo ist mit Geld holen und haben uns da schon mal eingedeckt für Etosha.
Also an Geld zu kommen ist echt kein Problem.
LG
Alex
Themenstarter354 Beiträge · seit 201027. Mai 2011 · #20
Hi,

das mit Swakop ist lustig. Hier hatte ich auch mit Maestro das erste Mal versucht 4000 zu holen. Wir haben uns immer auf dei Standard Bank konzentriert. Master und Maestro. Nur, war schon ein blödes Gefühl am Flughafen keine Chance auf Geld zu haben. Da wurde meine bessere Hälfte etwas nervös. Und wer war schuld? Natürlich ich, der sich ja nicht richtig im Vorfeld erkundigt hatte.

Na ja, Klein Windhuk war ja dann nach 40 km schnell erreicht. Dort gabs dann cash.

S.