Ein Ersttäterbericht... ;-)

108 Antworten · 41,7k Aufrufe · gestartet 19. Aug. 2010 von Iven
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Themenstarter86 Beiträge · seit 201027. Aug. 2010 · #61
Hallo Serengeti,
im Vlei verläuft sich das. Störend fällt es ohnehin eher beim Fotografieren auf, wenn immer Irgendjemand im Weg wäre.
Das aber wohl vor allem im Death Vlei, da ist die Motiv-Blickwinkelrelation 😉 kritischer. Wie geschrieben, mit schon gekauftem Permit, fährt man einem guten Teil der Karawane auch noch davon 😉
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zuletzt bearbeitet 27. Aug. 2010
5'538 Beiträge · seit 200827. Aug. 2010 · #62
Hallo Iven,

mal wieder ein sehr schönes Teilstück. Schade, dass Ihr den Canon nicht bis zum Ende durchgewandert seid - es hätte sich gelohnt. Aber wie ich lese, denkst Du ja schon an den nächsten Besucht und dafür muss ja auch noch was bleiben.

Ansonsten weiterhin viel Spaß beim Schreiben. Wenn Du Dir Deine Anhängerschaft mal ansiehst - es sind ja doch eine ganze Menge Leute, die Deinen Bericht mit Spannung und Begeisterung verfolgen. Da solltest Du mal nach eine "Click"-Prämie bei den Sponsoren dieser Webside fragen.

Ganz liebe Grüße von der sonnigen Atlantikküste
Gerd
Themenstarter86 Beiträge · seit 201029. Aug. 2010 · #63
Hallo Gerd,
wir sind dem Canyon flußaufwärts gefolgt bis, hinter einem zweiten Becken, hoch aufgetürmt große Blöcke den Canyon fast blockieren, flußabwärts sind wir dann allerdings nicht mehr all zu weit gegangen. Aber du hast recht, nur wenn man sich etwas übrig läßt, hat man doch wirklich einen Grund wiederzukommen 😉 !

Und für alle, bei denen das Wetter genau so traurig ist wie hier bei mir...

Teil VII

Nahe der Jetty erwischt uns ein fliegender Händler. ‚Fine work’, ‚buy’ und ‚Mister’ verstehe ich nur während ich schon hastig, höflich lächelnd die Hände hebe und dankend ablehne. Dabei rutscht mir doch, neben einem hübschen englischen Satz, ein ‚Nix’ heraus.
Strategiewechsel beim Händler.
‚Du musst ja nichts kaufen, aber reden kannst du doch normal mit mir.’
Dumme Falle.
In Afrika muss man nämlich was verkaufen um Leben zu können, erklärt er und eine Familie hätte er natürlich auch und viele Kinder und das jüngste sei vier Monate alt. Themenwechsel!
Wie er denn zu seinem Deutsch gekommen wäre.
Oh, das habe er in Angola gelernt.
Ob ich Polizist wäre, fragt er. Auf meinen irritierten Blick hin - Alle Polizisten in Deutschland hätten doch einen Bart sagt er und deutet auf meinen Oberlippenbart! ('…und einen Säbel’ füge ich im Gedanken hinzu und stelle mir grade das vergilbte Schwarzweisfoto eines kaiserlichen Wachtmeisters vor, von dem er diese Erkenntnis haben mochte…)
Nette Unterhaltung, sage ich, ich würde gern mit ihm reden aber kaufen wolle ich trotzdem nichts – Nein, auch nicht mit dem Namen meines Sohnes drauf …
Ob ihn nun der Hinweis, er würde, wenn er hier nur mit uns weiterliefe und redete, am Ende noch echt zahlungswillige Kunden an der Jetty verpassen, dazu bewegt aufzugeben oder es ihm einfach nur genug ist, irgendwann einigen wir uns darauf, dass ich ihm beim nächsten Mal so ein Ding abkaufe und er verabschiedet sich. Egal, wie lästig man so etwas im Grunde findet, diese Begegnung hier hatte ja schon fast wieder Unterhaltungswert.
Wir amüsieren uns noch über die Bart-Geschichte und haben darüber schon den Leuchtturm erreicht.


Ob es eine so gute Idee war im Leuchtturm einen Tisch zu reservieren? Das Lokal ist noch ziemlich leer und wir bekommen einen Tisch im Kinderzimmer, einem kleinen mit einem Durchgang abgetrennten Seitenraum. Zwei besonders lebhafte Jung-Zeitgenossen verwandeln es wenig später in ein akustisches Schlachtfeld. Man trägt’s mit Fassung. Tapfer versucht die Bedienung, mit gedämpftem Brüllen, unsere Bestellung abzuwickeln, geschickt weichten die Kellner umfallenden Stühlen, herabfallenden Trinkflaschen und quirligen Kindern aus und das sogar erfolgreich – wenn auch gelegentlich nur knapp. Die Mütter lassen irgendwann zwar nicht erzieherischen Durchgriff aber immerhin Gnade walten und ordern den Hauptgang ‚to go’. Die folgende Stille ist zunächst fast beängstigend, bis sie auf normales Restaurantniveau abschwillt 😉 Jetzt wird, vorher kaum wahrnehmbar, der Vorteil des Kinderzimmers bemerkbar: es ist der Nichtraucherbereich!
Ich bestelle einen Salat mit Meeresfrüchten als Vorspeise – hätte ich lieber lassen sollen, die Portion ist riesig. 8-) Tapfer, wenn auch erfolglos kämpfe ich mich durch die Menge meines Abendbrotes. Der Rest der Familie war cleverer und hatte gleich mit mehr Bedacht (weniger) gewählt. Beim Bezahlen verschwindet der Kellner mit meiner Kreditkarte – uups, so war das nicht gedacht. Ich tröstete den reiseführerlesenden, auf sicherheitsempfehlungenhörenden, sicherheitssensiblen Teil in mir, damit, dass es erstens ein renommiertes ordentlichen Restaurant ist und zweitens die Karte ja nicht die Einzige wäre. (Um es vorweg zu nehmen die Buchung ging ordentlich über die Bühne und es gab auch hinterher nie Fehlbelastungen auf dieser Karte.) Entsetzlich überfressen schleppe ich mich letztlich zurück zum Gästehaus, jammere noch lange vor mich hin und auch der letzte Kaffee zum Abend kann es nicht ändern, dass ich mich immer noch unwohl fühle.
Vielleicht war auch das der Grund, warum mir mitten in der Nacht die entschlossene Eingebung kam, morgen zur Autovermietung zu fahren und die Sache mit dem Poltern und den stetig deutlicher werdenden Vibrationen zu klären, hatte ich doch gelesen, dass es in Swakopmund auch Niederlassungen der Vermieter gab.

Am nächsten Morgen, etwas gerädert von der Nacht und nicht mehr ganz so wild entschlossen, blättere ich die Reiseführer nach der Adresse des Vermieters hier im Ort durch und finde… nur ein paar andere, unseren aber nicht. Gut, da mal eben auf den Hof rollen wäre ja noch ok gewesen aber ellenlange telefonische Diskussionen über ein vages Vibrieren, das man auch nur auf Asphalt und nur zwischen 50 und 90 merkt und ich deshalb nun den Wagen tauschen wolle, den mir jemand von Windhoek nach Swakopmund bringen müsste und ich den ganzen Tag darauf warten müsste – dass will ich mir nicht antun. Ohnehin ist meine Erfahrung (Nicht in Namibia und nicht mit der Firma bei der wir hier mieteten!) ja eher, dass man Beruhigung und Parolen wie ‚Weiterbeobachten!’ erntet, solange das Fahrzeug aber nicht liegenbleibt auch keiner auf Verdacht Ersatzfahrzeuge durchs Land schippert. Wenn’s wirklich nur die Stoßdämpfer sind ist’s ohnehin nicht wirklich ein Problem. Anderen wäre es vielleicht noch nicht mal aufgefallen!
Das Frühstück im Obergeschoß, mit Blick bis zum Meer, reist mich aus diesen Überlegungen. Ein sehr gutes und vielseitiges Frühstücksbüfett und ein freundlicher und erstklassiger Service erwarten uns.

Wir wollen heute den Welwitschia Drive und zur Blutkuppe fahren, die Permits dafür hatten wir ja schon in Windhoek gekauft.
Wir tanken noch mal bevor wir aus der Stadt fahren. Dabei fragt der Tankwart uns, ob wir zum Endspiel fahren wollen. Ach ja, da war ja noch was. Nein, wollen wir nicht! Noch ein wenig am Auto gewackelt, auch den letzten Tropfen hinter den Dankdeckel gequetscht, dann geht es weiter. An den hohen Dünen vorbei und bald auch wieder vom Asphalt auf die Piste wo sich inzwischen ohnehin alle wohler fühlen. Das Poltern ist mir nicht noch mal aufgefallen. War es wohl doch nur das Stativ das gegen die Bordwand schlug. Die Vibration ist auf der Piste ja eh verschwunden, alles gut!



Die Landschaft, in der der Welwitschidrive beginnt, ist, nun sagen wir mal, auch nicht gerade kleingliedrig. Sie ist vor allem von dem geprägt was sie nicht hat – Vegetation und Abwechslung. Die Namib ist hier schottrig, eben und unendlich weitläufig. Nur weit weg am Horizont hebt sich mal eine einzelne Bergkuppe ab, ansonsten ist der Horizont wie mit dem Lineal gezogen. Irgendwann erreichen wir den Abzweig zum Welwitschia Drive und bald auch Ziffer 1 – Worin wir Flechten kennenlernen und lernen, wie sie sich mit Feuchtigkeit verändern. 🙂 artig träufeln wir unser Trinkwasser über die Flechten und artig färben sich auch die Flechten und versuchen sich ein wenig Aufzurichten. Toll. Die Mondlandschaft ist für meinen Geschmack nicht unwirtlicher oder außerirdischer als manch andere Ecken Namibias – karg ist das Land aber allemal und eine willkommene Abwechslung in der endlosen Ebene!



Das Areal ist von einigen Fahrspuren durchzogen. Sicher ist das nicht so gedacht aber es steht auch kein explizites Verbotsschild an der Stelle. Jedenfalls lockte es ungemein eine Runde durch die zerfurchte Senke zu ziehen. Zunächst mal will ich aber auf eine kleine Anhöhe die eine Gute Aussicht verspricht direkt neben der Straße fahren. Rums! Beim Bremsen schlägt es heftig und laut. Sch… Anfahren – Bremsen – Rums! Jetzt finde ich es ganz und gar nicht lustig! Ich rutsche unters Auto. Aufhängungen, Querlenker, Antriebe alles sieht top aus, nichts hat Spiel, alles ist fest. Andere Seite gleiches Rüttelspiel und das gleiche Ergebnis. Alles ok. Das wäre ja auch noch harmlos gewesen … Neuer Versuch – Rums. Das Gepäckabteil wird noch mal geprüft, das Reserverad nachgezurrt aber dort hinten ist eigentlich nichts, was sich auch nur ansatzweise so stark bewegen konnte als das es so viel Krach machen könnte. Meine Frau meint schließlich sie würde mal hinten aufsteigen und dort hören, dann ließe sich besser einordnen wo das Geräusch entstand. Sie klettert ins Gepäckabteil ich hinters Lenkrad. Daumen hoch von hinten. Anfahren, bremsen – Rums. Wir treffen uns alle drei wieder neben dem Auto. „Nichts zu hören!“ sagt meine Frau. „Bei mir war’s deutlich zu hören!“ Es war ein harter metallischer Anschlag. Etwas, was die Trägheit anschlagen lässt oder ein gelockerter Bremssattel? „Bei mir war es deutlich zu hören und sogar zu spüren.“ Steuert mein Sohn pflichtbewusst seinen Beitrag zur Fehlersuche bei. Spüren? Auf der Rückbank? A u f der Rückbank? Unter der Rückbank und dann fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren. Untertassengroß! Darin mischt sich Belustigung und Erleichterung. Schnell war die Rückbank hochgeklappt in einer der Mulden ist der Wagenheber verklemmt. Nicht mit Gurten gesichert sondern nur soweit expandiert, das er klemmt. Und tatsächlich in seiner Mulde liegt das unschuldige Teil so locker in seiner Aufnahme, dass es nach vorn hart anschlägt. Drei Umdrehungen mit der Hand und der Spuk ist vorbei. Oh Gott wäre das peinlich geworden, mit so einer Schadensmeldung in der Werkstatt vorzurollen =8-)

Die restlichen Ziffern sind entweder nicht mehr zu finden oder so unspektakulär, das wir weiterrollen. Bis in das Swakop-Revier fahren wir noch, dort sehen wir uns die Campsite an. Ein wenig heimliche Sehnsucht macht sich breit. Wir beraten noch mal über Karte und Uhr und entscheiden uns gegen die Welwitschia. Das eingezäunte Wunder ist wahrscheinlich weniger gut zu fotografieren und der Weg dahin doch noch ziemlich weit, zumal wir den ganzen Weg auch wieder zurück müssten. Diese Zeit würde uns an der Blutkuppe fehlen – dort versprach ich mir fotografisch eigentlich viel mehr. OK keine Welwitschia. Kaum ist das Auto gedreht kommen mir erste Zweifel – Namibia und keine Welwischia Mirabilis, Namibias Wappenpflanze, gesehen. Kurz nach dem Revier, kurz nach der Dioritader, die wir vorhin fotografiert hatten läst meine Frau mich anhalten. „Fahr mal ein Stück zurück.“ Mache ich und dann sehe auch ich sie! Dicht neben den Felsen unscheinbar und trocken, da ist sie wirklich, jene legendäre, sagenhafte Pflanze 🙂 eilig fotografiere ich sie. Im Grunde ist es nur ein eher mickriges, wegen der Nähe zum Felsen etwas einseitiges Exemplar. Egal ich hab mein Welwi-Foto. Erleichtert klettere ich wieder ins Auto wir rollen weiter. „Welwitschia auf 11 Uhr“ wird durchs Auto signalisiert.



Ha, noch eine, und diesmal frei stehend (also ja eher freiliegend) fotogen und etwas größer als die erste. Ich tappe also hinüber und versuche zwei drei Perspektiven und Bildausschnitte. Zurück im Auto, keine hundert Meter später die nächste Ansage und noch eine und noch eine. Die folgende Ebene bis direkt zur Hauptpiste ist voll von ihnen. Es ist wohl so wie mit den Köcherbäumen, das erste Exemplar verzweifelt gesucht, die nächsten 3 begeistert fotografiert, dann noch angesagt und irgendwann nur noch ein „oooch mal wieder Köcherbäume“ wert 😉

Die Strecke bis zur Blutkuppe zieht sich wieder eben und eintönig dahin. Manchmal ist die Piste von kurzen Asphaltstrecken unterbrochen, dust free sections, fürs Überholen der schweren LKW die von der Uranmiene kommen.
Eigentlich solle es noch eine längere 4x4 Zufahrt zur Blutkuppe geben, außer einer gesperrten Zufahrt zur Langer Heinrich Miene, ist aber nichts zu finden. Viel später kommt dann die Ausschilderung für die erste Zufahrt. Schon nach den ersten Metern auf der schmalen Fahrspur ist die lange langweilige Zufahrt vergessen. Die Landschaft ändert sich, je näher wir der Blutkuppe kommen je schneller. Ich bin begeistert, nicht so sehr nur von der Blutkuppe an sich, die gesamte Landschaft ist atemberaubend.



Das harte Mittagslicht ist eine fotografische Katastrophe aber für mich steht ohnehin schon fest, hierher wieder zu kommen. Wieder zu kommen und hier bleiben zu können für ein zwei Nächte! Was machte es da aus, dass es heute keine wirklich guten Fotos geben würde.
Wir fahren westlich ein Stück um die Kuppe herum und gönnen uns auf einer der Campsites eine Pause. Die Familie geht am Fuß der Felsen auf Mineraliensuche während ich die Kuppe ein stück hochsteige.



Der grobkörnige Granit ist stellenweise wunderbar ausgewittert ganz ähnlich der City of Rocks in Idaho. Von weiter obern ergibt sich ein beeindruckender Blick in die umliegende Ebene und nach westen zum Langen Heinrich.
Die Blutkuppe als ganzes lässt sich um diese Uhrzeit wie erwartet nicht sinnvoll fotografieren aber drum herum gibt es genug interessante Motive. Wir fahren die 4x4 Strecke in Richtung Tinkas.



Tja, was soll man da schreiben, die Fahrerei ist spannend, kurze Strecken über Felsen, tiefen Sand und steile Stufen wechseln sich ab. Leichten Passagen folgen immer mal wieder kurze Stücken, die schon mehr Aufmerksamkeit vom Fahrer verlangen. Die Landschaft ringsherum versucht sich kilometerweise selbst zu überbieten. Beim Aussteigen und fotografieren sind die Fliegen lästig aber das ist halt Afrika.



Letztlich fahren wir bis zum Felsbogen machen dort noch einmal eine längere Pause und fahren dann zurück. Dabei wird das Licht auch langsam besser und es gibt doch noch einige lohnende Fotos. Als wir irgendwann am späteren Nachmittag wieder auf die Mainroad auffahren und uns zurück nach Swakopmund wenden bin ich mir sicher die bisher schönste Etappe unseres Urlaubes gefahren zu haben und immer noch ganz sicher beim nächsten Mal mit Dachzelt hier ein oder zwei Nächte zu bleiben! Glücklich, begeistert und irgendwie im Landschaftskoller macht mir auch die Rückfahrt bis an die Küste, die natürlich nicht weniger öde ist als in die Gegenrichtung nichts aus.
Auf dem Weg kommt uns bald ein schwerer LKW entgegen, gibt Lichtsignale und hält. Wir halten ebenfalls. Der Fahrer erkundigt sich nach dem Weg, ob wir wüsten wo wir wären, wo wir herkämen und ob das der Weg nach Walfish Bay ist. Ich erkläre ihm, dass er sich da wohl verfahren hat, aus welcher Richtung wir kommen und welche Straße das ist. Als wir dann weiterfahren setzt er seinen Weg in die falsche Richtung unentschlossen langsam fort. Ich sehe mir das im Rückspiegel noch eine Weile an, dann drehe ich noch mal um. Er fährt auch sofort etwas weiter an den Rand hält an und steigt aus. Ich breite die Karte bei uns auf der Motorhaube aus und zeige ihm noch einmal wo wir sind und wo wir herkamen und warum ich mir sicher bin das es so ist. Abgesehen davon, dass ich das ja auch per GPS bestätigt bekommen. Er sieht sich leicht verzweifelt die Karte an. Wir besprechen den Weg nach Walfish Bay und dann geht er den Straßenrand sorgfältig ab um zu prüfen ob er hier wenden kann. Wir warten noch bis er den großen Auflieger gewendet hat, dann fahren wir voraus und bald verschwindet er hinter uns. Kurz vor Sonnenuntergang sind wir wieder an der Küste und fahren noch mal ein Stück aus der Stadt aber es ergibt sich kein wirklich gutes Motiv mehr. Nach der Erfahrung von Gestern verzichten wir auf ein zu üppiges Abendessen.


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zuletzt bearbeitet 29. Aug. 2010
45 Beiträge · seit 201029. Aug. 2010 · #64
Hallo Iven,

ein wirklich wunderbarer Bericht - ich habe teilweise Tränen gelacht. Es könnte (fast) meine Familie sein, die da unterwegs war 🙂
Und die grandiosen Fotos stimmen mich schon auf unseren Urlaub im nächsten Jahr ein - vielen Dank dafür!

Viele Grüße und bitte schreib' bald weiter, um mir die regnerischen Tage hier in S-H zu versüßen

Tukuliri
1'483 Beiträge · seit 200929. Aug. 2010 · #65
Hallo Iven,
eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mit einem Kommentar bis zum Ende deines Berichtes zu warten, aber heute habe ich es doch nicht mehr ausgehalten.

Einfach super, sowohl die Beschreibungen als auch die Fotos.
Das dürfte man eigentlich nicht unter Ersttäterbericht laufen lassen.

Herzliche Grüße
Reinhard
237 Beiträge · seit 201030. Aug. 2010 · #66
Hallo Iven, schöner Bericht und tolle Fotos.
Wir sind im Oktober wieder in Namibia und dein Bericht macht schon richtig Lust auf den Urlaub. #

Gruß aus Bayern
Dieter
Nur im Vorwärtsgehen gelangt man ans Ende der Reise. (Ovambo)
1 Beiträge · seit 201030. Aug. 2010 · #67
Hallo Iven
Wir verschlingen gerade deinen Reisebericht.
Wir fahren am 7. September 2010 nach Namibia und freuen uns total darauf.
Kannst du mir deinen kompletten Bericht zukommen lassen. Wir waren noch nie im Land und das hilft doch ungemein, wenn man die Erfahrungen der Anderen einmal kennt.
Vielleicht magst du es mir per E-Mail schicken.
zuletzt bearbeitet 30. Aug. 2010
Themenstarter86 Beiträge · seit 201030. Aug. 2010 · #68
Hallo Burk,
das wird schwierig, ich hab immer nur einen halben Tag Vorlauf 🙂 will heißen, viel mehr als hier veröffentlicht ist gibt es noch nicht, das entsteht nach und nach aus den Erinnerungen, meinen Reisenotizen und den Unmengen von Bildern (auf meiner Festplatte und in meinem Kopf 😉 )

Wenn du möchtest kann ich dir aber einen kurzen Abriß mit ein paar Informationen zu den noch fehlenden Tagen mailen.

Ansonsten lese ich immer gaaaaanz neidisch wann alle anderen so nach Namibia (wieder) aufbrechen und bei mir dauert es noch soooo lange 😕

An der Stelle aber auch mal ein Dankeschön an alle hier Mitlesenden für die viele Resonanz! 🙂

Iven
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zuletzt bearbeitet 30. Aug. 2010
1'247 Beiträge · seit 200930. Aug. 2010 · #69
Burk schrieb:
Wir waren noch nie im Land und das hilft doch ungemein, wenn man die Erfahrungen der Anderen einmal kennt.
Hallo Burk
Wenn du, ausgehend von der Startseite, links im Balken zuerst auf "Forum", und dann auf "Namibia" clickst, bekommst du ein Fenster mit den einzelnen Unterrubriken zum Bereich Namibia, darunter auch ein Thema "Reiseberichte". Dort findest du jede Menge Reisetagebücher, darunter auch dasjenige von Iven, und so ganz nebenbei auch eines von mir 😉 - ist allerdings schon auf Seite 3 abgerutscht 🙁

Da hast du bis am 7. September noch mehr als genug zu lesen und Infomaterial in Hülle und Fülle 🙂

Viel Vergnügen, gute Reise und Gruss
Thomas
Für mich ist Denkmal ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht (Fritz Grünbaum) Reisebericht: 50 Tage NamBots (PDF ganz am Ende)
zuletzt bearbeitet 30. Aug. 2010
4'451 Beiträge · seit 200830. Aug. 2010 · #70
Hallo Burk,
so wie es der Thomas, Eggitom erklärt hat stimmt es vollkommen. 🙂
Ich schreibe Dir hier deswegen um es Dir zu erleichtern, gehe einfach auf dem nachfolgendem Link, da ist unseren Reisebericht von diesem Jahr 🙂

http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/140297-nach-4-anlaeufen-als-selbstfahrer-in-namibia.html

Viel Spaß beim Lesen.
Lieben Gruß
Cécile 🙂
"I never knew of a morning in africa when I woke up and was not happy". Ernest Hemingway Reisebericht:2010 "Nach 4 Anläufen als Selbstfahrer in Namibia" http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/140297-nach-4-anlaeufen-als-selbstfahrer-in-namibia.html Reisebericht 2011 Eine neue Erfahrung.... http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/187663- eine-neue-erfahrung.html 2007 ,2008 ,2009 2mal ,2010,2011 Namibia Botswana. 2011 Shanghai, 2012 Florida Virgin islands Karibik. 2012 Namibia und KTP 2013 Das erste Mal Südafrika Kruger NP 2014 Kapstadt und Kruger NP 2015 Kruger National Park 2016 kruger National Park 2017 Kruger National Park 2 KLICKS auf die "SONNE" und man liest den Reisebericht OHNE Kommentare !!!!!
zuletzt bearbeitet 30. Aug. 2010
Themenstarter86 Beiträge · seit 201030. Aug. 2010 · #71
Teil VIII

Dichter Nebel hängt über Swakopmund. Der erste Morgen in Namibia ohne Sonne! Das Frühstück ist ebenso gut wie am Vortag. Die Bedienung, eine andere als Gestern, ist etwas gelangweilt und macht den Eindruck, als wenn sie im Gastgewerbe nicht ganz glücklich aufgehoben wäre. (Aber es gibt letztlich überall auf der Welt Menschen die ihren Beruf, zumal im Gastgewerbe leben und andere, die sich damit förmlich dahinschleppen... von letzteren sind mir in Namibia übrigens nur sehr wenige begegnet!)
Zum Aufbruch werden wir sehr freundlich verabschiedet und verlassen die Stadt vom Atlantik weg ins Landesinnere. Der dichte Hochnebel hält sich bis weit ins Land und es ist kalt.



Wir fahren auf Asphalt und das Auto benimmt sich wie gewohnt unwillig auf diesem Belag. Bei gut 100 ist aber wieder alles gut. Unser Primärziel ist heute die Spitzkoppe, auch wenn wir von dort aus dann noch weiter zur Unterkunft müssen. Die Spitzkoppe war wohl auch der erste geografische Punkt Namibias, von dem ich früher gehört hatte. Dementsprechend gespannt war ich natürlich auch.



Schon von weitem erhebt sich das Massiv aus der Ebene. Wir verlassen die Aspahltstraße. Dutzende klapprige Verkaufsstände säumen hier die Straße.
Ein Stückchen weiter halten wir am Straßenrand um ein paar Fotos zu machen. Wir stehen in einer leichten Senke aber die Piste ist recht breit. Aus der Gegenrichtung kommt ein Auto sehr schnell mit langer Staubfahne, schießt an uns vorbei. Plötzlich bremst es, wendet und kommt zurück. Alarmstufe Gelb bei uns. Ich bin wieder im Auto als das andere Auto längsseits steht. Im anderen Fahrzeug ist eine Familie, er auf dem Fahrersitz, sie mit einem kleinen Baby auf dem Schoß neben ihm und die Rückbank voll der restlichen Kinder. Der Fahrer ist stinksauer und erzählt mir, dass ich nicht einfach auf der Straße stehen darf. Das ist unheimlich gefährlich und er würde beim Straßenbau arbeiten und sich damit auskennen. So So. Ich bedanke mich höflich aber distanziert für den security advice und will das natürlich auch zukünftig berücksichtigen um Risiken im Straßenverkehr zu vermeiden. Die bissige Frage ob er eine artgerechte Haltung seiner Kinder im Auto nicht auch für eine bessere Idee hielte und vor allem das Baby auf dem Schoß seiner Beifahrerin potenziell katastrophal ist verkneife ich mir natürlich. Der Man fährt sich langsam wieder herunter und dreht ab.
Ich kontrolliere noch mal, ob ich nicht wirklich zu weit in der Mitte gestanden habe. Das ist nun wieder der Nachteil, wenn man in der Mitte der Piste fliegt, im Vertrauen den Gegenverkehr schon an seiner Staubfahne erkennen zu werden. Bei der Gelegenheit nehme ich mir aber auch vor bei jeder Stelle, bei der man spät zu sehen sein könnte, noch weiter nach links, so weit von der Straße weg wie möglich, in Deckung zu gehen. (Auch wenn der Typ sich ein wenig unangemessen aufgespult haben mag, das Bremsen aus hohen Geschwindigkeiten in den Stand herunter ist auf den Schotterpisten eine echt haarige Angelegenheit und sollte keinesfalls unterschätzt werde! Die Bremswege sind wegen der geringen Traktion vergleichsweise riesig, das ABS chronisch überfordert und die Alternative Elch-Manöver setzt ganz andere Erfahrungen als auf ebenem Aspahlt voraus!)



Neben der Straße tauchen bald ärmliche Hütten und noch ärmlichere Verkaufsstände auf… am Abzweig zur Spitzkoppe springen Kinder von ihrem Stand winkend auf die Straße. Anhalten will ich trotzdem nicht!



Diese Wellblechhütten haben etwas Beklemmendes. Plötzlich rückt die andere Seite Afrikas in den Vordergrund. Plötzlich nicht nur tolle Katalogseitenlandschaft! Natürlich weiß man vorher, dass selbst Namibia nicht nur Friede, Freude, Wohlstand zu bieten hat! (Andererseits ist meine Erfahrung, darf man sich auch von den anderen Lebensumständen nicht täuschen lassen, Zufriedenheit mit dem Leben ist nicht proportional zur Zahl der verfügbaren Elektrogeräte.)



[Ein weiterer Aspekt: Man ist hier bereits im Kommunalgebiet der Damara. (Während der Apartheid Homeland.) Hier sind die Folgen Südafrikanischer Apartheid und junger namibischer Entwicklung einfach anders zu sehen als auf Farmen die seit 100 Jahren von weißen Farmern bewirtschaftet werden.]

Die Spitzkoppe ist eingezäunt und ich weiß, dass ich den Bewohnern des Umlandes damit Unrecht tue, aber ich bin nicht wirklich böse darüber. Das Spitzkoppe Rest Camp ist ein kommunales Projekt. Das finde ich in so fern gut, wenn es den hier Wohnenden hilft, Beschäftigung, Unterhalt und Entwicklung zu fördern. Das es gegenüber einer renommierten Gästefarm eine andere Ausstrahlung hat ist halt so.
Am Tor tragen wir uns in eine Besucherregistrierung ein, keine 30 Meter weiter am Büro, tragen wir die gleichen Daten geduldig in die nächste Liste ein, bezahlen unseren Eintritt und vergessen unsere Betrachtungen zu den Lebens- und Arbeitsumständen aber auch bald wieder in Anbetracht der großartigen Landschaft.



Wir haben keinen konkreten Plan und folgen deshalb einfach den Fahrspuren um die Pontok Berge und die Spitzkoppe herum. Ein paar Klipdachse flüchten vor uns die steile Granitwand eines Blocks hinauf. Ein Jungtier kann nicht so schnell folgen und wird so wenigstens noch fotografische Beute.



Was die Fotografie betrifft ist es wie an der Blutkuppe, richtig gute Bilder sind bei dem harten Tageslicht schwierig. Trotzdem freuen wir uns an den immer neuen Blickwinkeln, die die Fastumrundung uns bietet. (Ganz herum scheint es nicht zu gehen, man endet am Zaun) Bei der Gelegenheit sehen wir uns schon mal nach einem geeigneten Campingplatz für den nächsten Aufenthalt hier um – denn, dass wir auch hierher wiederkommen werden steht für mich fest!



Bis dahin wollen wir uns aber natürlich trotzdem noch ein wenig umsehen 😉 Bushmans Paradise wollen wir uns auf jeden Fall noch ansehen. Die Strecke dorthin ist weder weit noch schwer, hat aber ein paar tiefe Ausspülungen und hohe Stufen, so dass man schon aufpassen muss beim Fahren. Auf dem Weg kommen uns zwei ältere Männer mit einem normalen PKW entgegen, wie sie das geschafft haben, ohne den Wagen aufzusetzen bleibt mir ein Rätsel. Ich jedenfalls bin (wieder einmal) froh mir dann doch einen hochbeinigen Allradler gemietet zu haben.

Der kleine Klettersteig, der hinaufführt ins Buschmann-Paradis, liegt angenehm im Schatten und sobald man oben auf die Granitflanke des Berges tritt, öffnet sich ein sagenhafter Blick auf das Umland. Eingeschlossen vom Granit der Felsen haben sich hier in mehreren Terrassen Becken mit Erde und Pflanzen gebildet in denen sich das Wasser sammelt und lange hält.



Leider ist es jedoch bald an der Zeit, von der Spitzkoppe aufzubrechen zu unserer nächsten Unterkunft zwischen Karibib und Omaruru. Es ist unser erstes Quartier, das wir auf einer Gästefarm haben. Die Strecke ist Asphalt, sonderbarerweise aber läuft das Auto wunderbar gerade und ruhig. Die Landschaft ist abwechslungsreich und ändert sich vom Grasland in lockere Baumsavanne. Die Einfahrt zur Farm ist geschlossen und von einem Wächter besetzt. Einen Spalt breit öffnet er das Tor und schlüpfte hindurch. Wir melden uns freundlich an, der Wachmann schaut grimmig drein als wir an ihm vorbei rollen. Es ist ein ganzes Stück von der Straße bis zum Farmhaus. Dort werden wir sehr herzlich begrüßt. Da man nicht ausgebucht ist, bietet man uns, statt einer Aufbettung, zwei Räume an. Das nehmen wir natürlich gern an, unser Sohn tönt natürlich wieder sein eigenes Zimmer zu nehmen. Die Zimmer sind die beiden Hälften des gleichen Bungalows. Die Elternseite zeigt zum, nachts auch beleuchteten, Wasserloch, die großen Fenster bieten einen guten Blick darauf.



Die hohe Strohdecke, die großzügige Raumaufteilung und die helle freundliche Möblierung macht einen wunderbaren Eindruck. Taschen fallen lassen und sich zu hause fühlen… Wir gesellen uns dann wenig später wie angeboten zum Tee an den Pool. Unserem Sohn ist das Wasser freilich viel zu kalt um darin zu baden aber die zwei Farmhunde und der Junge anderer Gäste lassen keine Langeweile aufkommen. Geselligkeit ist ja nicht so mein Ding im Urlaub aber zwanglos beim Kaffee am gleichen Tisch sitzen, ein paar Kekse und etwas lockere Konversation, ergeben sich von allein. Man kann zwar in Namibia schwerlich übers Wetter sprechen (das man es doch kann lernen wir erst am nächsten Tag), das ist um die Jahreszeit immer gleich mild und gleich sonnig, aber Fahrtstrecke und Ziel geben immer einen guten Einstieg ins Gespräch. Ich beantworte ein paar kurze freundliche Fragen dazu und habe darüber dann schon die zweite Tasse Kaffe in der Hand. Inzwischen geht die Sonne unter und natürlich ist es eigentlich schade um das ungenutzte Licht aber hier ist beim besten Willen kein passendes Motiv zu finden. Macht ja nichts. Mit dem Abend aber wird es Zeit für die Jagt. Mein Sohn reklamiert mit säuerlichem Gesicht eine fette Spinne an seiner Zimmerwand. Als ich mich der Sache annehmen soll, erweist sich das Krabbeltier als unheimlich flink und verschwindet hinter der Kommode. Fast wäre sie auch beim Wegrücken entkommen aber eben nur fast. Den zweiten Waffengang fordern zwei, echt große, Spinnen an der Wand unseres Eltern-Zimmers, die den wohl in den letzten Tagen genutzten Lebensraum nicht kampflos den Menschen überlassen wollen. Allerdings sitzen sie so weit oben, dass nicht so einfach heranzukommen ist. Mein Sohn, der sich inzwischen nicht mehr sicher ist, ob er denn nun wirklich allein in seinem Zimmer übernachten will, bietet meiner Frau nun die günstige Gelegenheit das Schlachtfeld zu räumen und mir die Sache zu überlassen. Ich hab ja nichts gegen Spinnen aber später im Bett möchte ich sie auch nicht haben. Das allgegenwärtige Insektensray (das gehört hier neben „Peaceful Sleep“ zur Grundausstattung vieler Zimmer in Namibia) ist zwar unter der Würde des Großwildjägers aber was soll’s. Scheinbar kennen die Spinnen ohnehin das Spiel, der erste Hieb mit der chemischen Keule verfehlt zwar noch sein Ziel, blitzschnell sind die Tiere trotzdem im Dach verschwunden. Das ist Afrika, sagen wir uns und damit ist’s auch gut. (Dafür stehen wir so viel weiter oben in der Nahrungskette, Vegetarier mal aus Prinzip eingeschlossen, als das wir uns gegenseitig ins Beuteschema passen würden, die Spinnen und wir.) Nebenbei: das waren im ganzen Urlaub die einzigen Krabbeltierchen die man hätte als lästig empfinden können! Mein Sohn allerdings traut dem Frieden noch nicht so recht.

Kurz vor dem Abendbrot gesellen wir uns zum Feuer an dem der (Gäste-)Farmer das Fleisch fürs Essen bereitet und die übrigen Gäste ringsherum sitzen und sich unterhalten lassen. Als wir an die Tische gebeten werden wundern wir uns zunächst über die Platzverteilung, wir jedenfalls wurden an einen Tisch für vier gebeten. Bei den paar Leuten (außer uns mochten es noch 7 andere Gäste sein) hätte man doch eigentlich passend decken können? Die Dame des Hauses stellt uns das Menü persönlich vor und serviert dann auch selbst, bevor sie mit ihrem Teller bei uns am Tisch Platz nimmt. Aha, daher das Gedeck! So unter der Beobachtung der Chefin müssen wir uns natürlich bemühen, dass es schmeckt! 😉 Müssen wir nicht, denn das Essen ist echt gut und auch die kleinen Kürbisse, deren Namen ich mir schon beim ersten Mal nicht hatte merken können, sind wieder mit dabei. Das Gespräch ist anregend und es ist endlich mal eine Gelegenheit in Ruhe so viel Spannendes über das Leben und die Menschen hier zu erfahren, dass es ziemlich spät wird. (Ein paar Mal bin ich echt froh, viel vor der Reise gelesen zu haben über Namibias Geschichte, die Kolonialzeit und die politische Situation der Nachbarländer. Innenpolitische Themen versucht man zwar immer ein wenig zu umschiffen und auch mit der Kolonialzeit ist es nicht immer ganz einfach aber eine solide Vorbildung ist sehr angenehm wenn es gilt Fettnäpfchen ebenso auszulassen wie Reizthemen.) Für mich war das eine sehr wertvolle Erfahrung. Inzwischen ist es empfindlich kalt geworden und wir ziehen uns auf in die Zimmer zurück. Am Wasserloch ist noch einiges los und so stehe ich noch eine Weile, mit dem letzten Bier aus dem Zimmerkühlschrank in der Hand, am Fenster und sehe dem Treiben draußen zu.
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zuletzt bearbeitet 30. Aug. 2010
Themenstarter86 Beiträge · seit 201030. Aug. 2010 · #73
Onduruquea Guest Farm, von der Familie Sibold bewirtschaftet und entgegen dem Eindruck im Bericht ist es eher keine Jagdfarm 😄 (die liegt von der gleichen Einfahrt etwas südöstlicher)
na, im Ernst: sorry für die Geschichte mit den Spinnen, Unterkünfte, Essen und die Gastgeber waren große Klasse und direkt vom Zimmerfenster mal eben nachts aufs Wasserloch blicken war auch sehr schön
Gib jedem Tag die Chance der schönste deines Lebens zu werden! Fotos und mehr: eissner-dresden.de / gipfelbuch.de
Themenstarter86 Beiträge · seit 201030. Aug. 2010 · #75
immer aufs Schlimme - darüber das versäumt zu haben, ärgere ich mich immer noch 😠 - wäre bei der Diaschau sicher der Brüller im Zusammenhang mit Trophäenjagd und Tierbeobachtung geworden 😄
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842 Beiträge · seit 201005. Sept. 2010 · #76
Tjuhu,
habe heute Deinen Reisebericht entdeckt und freue mich auf das "Studiium"!
Danke schon mal !
Liebe Grüße
Antje
Themenstarter86 Beiträge · seit 201008. Sept. 2010 · #77
Nach etwas längerer Pause geht es hier weiter. Der Abschnitt ist nicht ganz konfliktfrei, das ist mir bewusst, dass muss er aber auch nicht, es ist ja immer nur meine ganz persönliche Sicht auf die Dinge.

Teil IX

Morgens ist es kalt – also richtig kalt, nicht nur so ein bisschen morgenkühl! Über uns liegt eine dicke Nebeldecke. Auf dem Weg zum Frühstück beist es in den Fingern jede Wette auf knapp 0 Grad!
Die Zeltbahnen vor den Fenstern sind geschlossen und der Heizpilz tut sein bestes. Südafrika unterm Heizpilz – wem man das erzählen soll? Auf der Frühstücksveranda ist es inzwischen aber ganz erträglich warm und die gute Frühstücksauswahl tut ihr übriges.
-4 Grad wären es gewesen und Nebel gäbe es hier eigentlich sonst nie zu der Zeit, heist es und wir lernen: Man kann doch übers Wetter reden im namibischen Südwinter.

Wir müssen für unser Tagesziel wieder ein gutes Stück zurück. In dieser Hinsicht ist die Farm in ihrer Lage nicht optimal wir haben uns aber entschlossen bei der Gelegenheit gleich eine große Runde um das Erongo Gebiet zu drehen, dann passt es wieder.


nicht ganz alltäglich im winterlichen Erongogebiet, dichter Frühnebel

Jetzt drängle ich aber zur Eile, denn ein letzter Rest Nebel hängt noch am Bergmassiv. Nur einen geeigneten Standort hier zwischen den Bäumen zu finden ist schwierig. Mehr als zwei Versuche sind auch nicht drin, dann ist der Nebel weg und es ist wie immer in Namibia im Winter – sonnig.
Der Wachmann am Tor ist noch oder wieder der gleiche, jetzt, wo wir von innen kommen, lächelt er aber recht freundlich – na bitte geht doch 😉
(Andererseits wer stellt schon einen Wachmann ein, der zur Abschreckung lächeln würde?)
Die Fahrt führt wieder nach Süden nach Karibib und weiter nach Usakos. Unterwegs sitzt ein riesiger Pavian am Straßenrand, irgendwie ist er aber genau so plötzlich verschwunden wie er auftauchte und ich bin mir gar nicht sicher, ob ich nun wirklich einen Pavian in der Größe gesehen habe. (Später stellt sich raus, dass es Paviane und Warzenschweine an den Straßenrändern mancher Gegenden häufiger gibt als Gegenverkehr.)
Die Abfahrt in Usakos verpassen wir zunächst und drehen noch eine Ehrenrunde durch den Ort. Dann aber geht es in Richtung Ameib. Je näher wir kommen je spannender wird die Landschaft. Vom Tor aus ist es noch ein ganzes Stück bis zum Farmhaus. Der Blick auf das Erongomassiv ist großartig.
Giraffe auf 3 Uhr gibt der Signalwart von Backbord. Klar, Giraffe, hier? Das ist höchstens aus Holz das Teil. Meine Gattin ist etwas gekränkt, die „Giraffe“ will sich aber nicht bewegen, scheint doch nur Holz zu sein! Es ist auch zu weit weg um es klar ausmachen zu können. Wir lassen das Ding Ding sein und fahren weiter, eine kleine Wasserdurchfahrt und wir erreichen das Farmhaus mit seiner tollen, gepflegten Außenanlage. Alles wirkt ein wenig verspielt. Der schwarze Man am inneren Zaun wiest uns freundlich eine der Stellflächen zum Parken und bittet mich zur Anmeldung ins Haus. Dorthin begleitet er mich auch unaufdringlich und bleibt dann draußen. Die Anmeldung ist schmal, vollgestopft und einen Hauch muffig. Das modernste Teil im ganzen Haus scheint mir das Fax auf dem Tisch zu sein. Die alte Dame, die mich freundlich begrüßt passt so nahtlos, so symbiotisch in diese Umgebung, dass es mir irgendwie einen Hauch zu gestellt vorkommt. Sie fragt, wofür wir uns interessieren und gibt uns das Infomaterial der Farm und (sicher diagnostiziert) das Faltblatt für den Klettersteig mit. Erklärt mir noch das eine oder andere und wünscht mir dann viel Spaß.

Wir fahren das Stück weiter bis zum Parkplatz für Bull's Party und den Elefantenkopf. Das mit dem „Perkplatz am Ende der Straße“ erweist sich als ungeahnt schwierig. Die Fahrspuren enden auf der großen Granitfläche. Vor lauter Parkplatz stellen wir uns, fast verschämt, auf eine Ausbuchtung der Fahrspur vor der Felsfläche.
Die gesamte Landschaft ist grandios. Fas tut es mir leid, die Klettersachen zu hause gelassen zu haben…
Wir wollen uns den Klettersteig ansehen.



Satte grüne Punkte (stellenweise so dicht, dass es vom Blinden und Sehschwachenverband in Auftrag gegeben sein könnte (sorry, ausdrücklich nichts gegen dessen Mitglieder!) oder aber die Einrichter mit häufigem Nebel rechneten 🙂 (Hasso, nichts für ungut, die Anlage sonst ist toll!)) leiten uns am Fuß des Massivs entlang, vorbei an den riesigen Granitkugeln.



Der Fels ist bei näherer Betrachtung doch recht krümelig und vielleicht war es letztlich nicht so schlimm, das Kletterzeug nicht mit hier zu haben? Die Wanderung wir zunächst jedoch jäh unterbrochen weil ich mir nun gar nicht mehr sicher bin, das Auto abgeschlossen zu haben. (Also nicht, dass es hier auf Ameib notwendiger gewesen wäre als sonst irgendwo aber wer kennt das nicht, da war man irgendwie beim Loslaufen abgelenkt und dann…) Unser Sohn opfert sich und läuft noch einmal zurück während wir die unvermeidlichen Atlas-Weltkugel-Auf-den-Schultern Fotos mit den großen Blöcken machen (aber keine Sorge, die muss sich hier natürlich niemand ansehen) Die Verwitterungsformen des Granits und die Formen der Blöcke sind vielseitig, immer wieder interessant und mit etwas Fantasie finden sich auch immer wieder prägnante Formen und Vergleiche. Der Weg folgt dem Fuße des Massives nach Süden, bis die Markierungen in das Gewirr der Blöcke tiefer hineinleiten. Der Klettersteig ist schön angelegt, technisch nicht weiter schwer.



Die kurze steile Passage im oberen Teil ist mit einer Kette und Bügeln gut gesichert und auch nicht extrem exponiert. Der Vergleich mit den Stiegen des Elbsandsteins liegt eher nahe als der Vergleich zu den alpinen Klettersteigen (Was möglicherweise auch an seinen Entstehungsumständen liegt 😉 ). Ausrüstung ist keine erforderlich. Was man aber geboten bekommt, ist eine Aussicht, die einen (mich zumindest) sehr stark in ihren Bann zieht, wenn man aus den Schluchten des Klettersteiges plötzlich oben herauskommt und sich mit einem Mal der Blick bietet, in die schier endlose Weite. Hoch hinüber gegen das Erongogebirge und weit, weit nach Westen bis zur Spitzkoppe, die wie eine Insel aus der Ebene ragt, zieht der Blick. Wir sind alle drei sehr begeistert und lassen uns einfangen von der Landschaft.



Langsam, immer wieder die neuen Blickwinkel auf das Panorama genießend, wandern wir über den Felsrücken nach Westen zurück zum Auto. Ein kleiner Felsbogen und die Reste eines früheren, finden sich auf dem Weg ebenso, wie immer neue Motive, die sich zu fotografieren lohnen würden wenn das Licht, jetzt um die Mittagszeit, nicht so hart und (nur aus fotografischer Sicht) langweilig wäre. Es dauert seine Zeit und bevor wir in Richtung des Autos, über die sanft auslaufende Granitflanke absteigen, bleiben wir noch eine ganze Weile sitzen und sind einfach nur da, irgendwo in Afrika, irgendwo, an einem Ort an dem man das Gefühl hat nirgendwo sonst sein zu wollen auf dieser Welt als jetzt eben genau hier…

Wir wandern noch zwischen den riesigen Steinkugeln von Bull’s Party herum und kehren dann zum Auto zurück. Der Tag ist schon weit fortgeschritten und so fahren wir nur noch ein Stück auf dem Weg in Richtung Philippshöhle, wollen aber nicht mehr bis dort laufen. (Mehr sehen ist für mich oft nicht mehr behalten. Ich erlebe lieber oft einen Ort intensiver und gefühlvoller als drei in Eile und so bleibt immer auch ein guter Grund um noch einmal wieder zu kommen an solche Orte.)
Der Tag nimmt aber erlebnisseitig wenig später noch eine entscheidende Wende, als uns die farmeigene Giraffenherde auf dem Fahrweg entgegen kommt. Hier lassen sich die Tiere auch sehr gut fotografieren, der Hintergrund ist abwechslungsreich und man ist nicht gezwungen, mit dem Auto zu zielen und sich zwischen Lenkrad und Tür zu verrenken.



Die Giraffen beschäftigen uns auch ihre Zeit, so dass es bald wirklich höchste Eisenbahn ist, wieder aufzubrechen. Es ist schon erstaunlich, wie einen die Tiere hier in (relativ) freier Wildbahn (im Grunde ist ja nur das Gehege größer) in Beschlag nehmen und faszinieren können. Auch mich, den keine zehn Pferde in einen Zoo bekommen!



Wir verlassen Ameib nicht ohne noch einige Fotos zu machen und dabei auch auf das Gedenkkreuz am Straßenrand zu stoßen.
Anstatt wieder über Karibib zurück zu fahren wollen wir den großen Ring um das Erongogebirge schließen und folgen der D 1935 nach Norden um den Hohnstein herum. Das Licht wird langsam besser. Entlang der Erongoberge fahren wir so nordwärts, bis wir auf die 2315 nach Osten einbiegen können. Endlich fallen für eine Weile auch die Farmzäune neben der Straße wieder weg. Das Warnschild vor Elefanten verspricht allerdings mehr, als es halten kann. Noch einmal in das Erongomassiv hinein zu fahren, schaffen wir leider zeitlich nicht mehr, erst kurz vor Sonnenuntergang sind wir später wieder auf der Gästefarm.
Das Essen ist gewohnt gut, die Unterhaltung anregend und nach dem Essen gedeiht das Südwesternlatein in geselliger Runde.
Am Feuer unterhalten wir uns mit den Gastgebern auch über Ameib. Viele schöne Tagestouren hätten sie im Laufe der Jahre immer wieder dort gemacht. Die Dame die die Farm führt wäre doch schon recht alt und man habe Sorge, dass die Farm dann verkauft und zu einem Luxusareal, ohne die Möglichkeit der Tagesnutzung, werden könnte. Was wir alle an diesem Abend dort am Feuer nicht wussten: bereits drei Tage vorher war die Farm Ameib für etwas über eine Million Euro (Zwangs?)versteigert worden.


Am nächsten Morgen ist es wieder klar, keine Spur von Nebel (so wie die restlichen 364 Tage im Jahr, schätze ich 😉 wir haben uns mit dem etwas späteren Frühstück zwar den anderen Gästen angepasst rollen dann aber zügig vom Hof. Wir sollten lieber in Omaruru tanken und nicht extra nach Uis hineinfahren, der Ort wäre nicht so anheimelnd bekommen wir noch al Tipp.
Etwas hinter Uis gibt es, bei einer kurzen Fotorast mit Blick zum Brandberg, wieder viel Mineralienkunde am Straßenrand und große und schöne Quarzbrocken. Dazu findet sich noch eine recht große Bartagame (?) fürs Foto. (Ich weis ja nicht, ob das für alle Exemplare ihrer Art gilt aber dieses hier ist sehr fotografenfreudig, auch die größte Objektivsammlung hätte man durchprobieren können, ohne das sich das Motiv verändert hätte 😉


Wo die die C35 nach Osten verschwenkt nutzen wir die Gelegenheit endlich wieder auf schmalere Pisten zu kommen und fahren statt dessen die „grüne“ 2319 über Soris Soris.
Die Landschaft wird richtig toll, zwischen Felsen und goldenem Gras windet sich die Piste ins Ugab Revier und dann nach Soris Soris. Ein Ort der uns echt überrascht hat. Als erstes Gebäude spring einem der bunt bemalte und beschriftete „Kindergarten“ ins Auge. Daneben die Kindergartenkinder die fröhlich winken. An der Schule wird grad der Zaun saniert und überhaupt scheint alles auf den Beinen zu sein. Der Ort macht einen freundlichen und recht gepflegten Eindruck. Richtung Ortsausgang klingt der Eindruck zwar etwas ab aber wir überlegen noch, ob man sich nicht ein paar Minuten hätte Zeit nehmen sollen im Ort, als uns ein Eselsgespann entgegen kommt. Die Piste ist hier schmal und mit hohem Rand, so dass ich an einer breiteren Stelle anhalte um das Gespann vorbei zu lassen.


Begegnungsvorbereitung...noch schnell das Baby nach vorn holen...

Auf dem Wagen sitzt eine schwarze Familie in dicken Sachen mit einem Baby auf dem Arm. Der Mann hält den Karren vor uns auf der Straße und bedeutet uns fragend eine trinkende Geste. Ich gehe mit ihm ans Heck, reiche ihm eine große Wasserflasche. Nun hab ich ja keinen Dankesbezeigungen erwartet aber das Wasser schein nicht so wichtig zu sein sondern nur der Einstieg… Es ist für mich hier sehr schwer abzuwägen, was reale Story und was Mähr ist, zuwenig kennt man sich hier wirklich aus. Auf dem Wagen zeigen sich inzwischen noch einige Kinder mehr.
Letztlich habe ich, als wir weiterfahren können, nach dem er seinen Karren dann soweit am Auto vorbei gefahren hat, recht zwiespältige Gefühle. (Bei der Aufarbeitung der Fotos wird sich später zufällig zeigen, dass die Frau auch das Baby erst von hinten nach vorn auf ihren Schoß hob, als wir uns begegneten.)
Mir kommen noch mal die Gespräche im Flugzeug mit einer Mitarbeiterin des Penduka-Projekts ins Gedächtnis, worin sie so begeistert schilderte, wie die Frauen dort arbeiten um die Produkte im Tourismus zu verkaufen. Auch der Hinweis zur Besichtigung eines San-Dorfes (living museum) Schmuck von ihnen zu kaufen, dabei auch (solange keine Mondpreise verlangt werden) nicht extra zu handeln aber keine Almosen zu verteilen. Allerdings ist mir durchaus klar, dass eben nicht jeder in einem der Musterprojekte arbeiten kann…



Der Abzweig nach Twyfelfontein, auf die 2612 ist bald erreicht. Die Landschaft ähnelt inzwischen ein wenig einem weidläufigen Landschaftspark mit verstreuten Bäumen. Dazwischen immer wieder interessante Felshügel und kleine Häuser und Hütten, daneben kleine Krals mit Vieh.

Quitschgelbe Vögel fliegen uns entgegen, elegant, in harter Kurve drehen sie kurz vorm Auto ab. Bei der zweiten Welle aber schafft es einer nicht… eine winzige gelbe Feder im Kühlergrill vorn ist alles was noch zu finden ist.
Auto fressen kleinen gelben Vogel.
Betreten stehen wir vorm Auto. (Während unser Sohn pietätlos darüber zu philosophieren beginnt, welcher Art die rötliche Substanz an der Feder und am Grill wohl sei.)
Als wenig später, ein Farmhund einen ähnlichen Angriffskurs aufs Auto einschlägt und ich in der Mischung aus bremsen, lenken (Schotterpiste! – hier sollte man keinen Elchtest fahren!) und Gas geben den Erfolg des Abfangkurses grad so vermeiden kann, bin ich froh, das Auto keine Hunde mag… Die Leute denen der Hund gehört stehen derweilen etwas abseits und ich wäre mir über deren Begeisterung auch nicht sicher.

Im Folgenden passe ich also noch mehr auf, sobald Tiere am Horizont auftauchen.



Twyfelfontain County Lodge, unser heutiges Tagesziel, passt sich gut in die Landschaft ein. Der Empfang an der Rezeption ist sehr freundlich und wir hören auch das erste Mal das Klicken der Damara live. Die Lapa ist riesig und wenn man dann zu den vermeidlich kleinen, Häusern mit den Zimmern kommt, merkt man auch, warum sie das sein muss. Durchaus geschickt haben die Architekten nämlich eine beachtlich hohe Gästedichte realisiert. Die Zimmer sind sauber, klein aber durchaus nett und für eine Nacht auch völlig ausreichend. Vier Räume hat eine Hausfront – und die Rückseite auch noch einmal.
Ich will die paar Minuten Leerlauf, die wir haben für die Rückbestätigung unseres Heimfluges zu nutzen. Ich hatte mir am Flughafen eine PrePaid-Karte eines hiesigen Anbieters gekauft und dazu noch einen Guthabenschnipsel zum freirubbeln. Ok, das Freirubbeln fordert mich handwerklich noch nicht wirklich. Das Eintippen des gefunden Codes bleibt aber erfolglos. (Scheint nämlich erst nach dem ersten Telefonat zu gehen!) Gut dann versuchen wir einfach mal so bei Air Namibia in Windhoek anzurufen. Dort meldet sich auch bald jemand, die beworbene deutschsprachige Hotline ist aber heut nur in Englisch verfügbar. Wir kommen bis zum dritten Buchstabieren meines Namens, dann ist das Guthaben aufgebraucht. Hatte man sich auf einer Farm beschwert, dass die Angestellten ihr ganzes Gehalt mit nach hause telefonieren verplempern würden erscheint das namibische Gehaltsgefüge jetzt in anderem Licht. 😉 zumindest am Tage können sie damit nicht lange beschäftigt sein (oder doch so gut verdienen, wie mancher Übernachtungspreis nahelegt) Da ich jedoch wenig Lust habe, zu warten, bis der Nachttarif gilt, (um dann möglicherweise festzustellen, dass alle Angestellten der Air Namibia auch Feierabend haben) laufe ich mit meinem Ticket zur Rezeption. Dort nimmt man sich freundlich meines Problems an. Auch die Dame an der Rezeption kämpft sich geduldig durch dreimaliges Buchstabieren und kann mir dann die Bestätigung des Rückfluges und die unveränderte Abflugzeit verkünden.
Im Souvenirladen kaufe ich sicherheitshalber noch so einen Rubbelschnipsel und laufe zurück zum Zimmer. Nur gut, dass man nicht einem Fahrzeugservice hatte erklären wollen, wer man sei, wo man stünde und was am Fahrzeug nicht gänge, ich fürchte so viele Guthaben muss man erst mal mithaben! Unsere Idee mit dem geliehen Satellitentelefon war wohl, nicht nur wegen der Netzabdeckung (auch wenn das natürlich der ursprüngliche und wichtigere Grund war), im Grunde keine schlechte Idee!
Der eigentliche Grund für uns, nach Twyfelfontain zu kommen war aber natürlich nicht das Telefonat mit der Fluglinie gewesen, sondern die interessante Anhäufung landesbekannter Sehenswürdigkeiten auf engstem Raum. Die Orgelpfeifen, der verbrannte Berg und die Felsgravuren sollten sich hier regelrecht aneinanderreihen. Wir brachen zum Nachmittag auf um zunächst die Orgelpfeifen zu besuchen. Die fehlen, ebenso wie der verbrannte Berg, in keinem Reisekatalog oder Führer.
Auf dem Infoblatt der Lodge sind sie natürlich auch aufgeführt und die Anfahrt beschrieben.
Was ich bisher gesehen habe von Namibia hat mich tief beeindruckt, viele Landschaften waren atemberaubend großartig aber was sich hier seinen Stern auf der Landkarte verdient ist schon fast peinlich für ein Land solcher Dimensionen wie Namibia. Natürlich ist es nicht an sich peinlich einen hübschen Basaltaufschluß mit den typischen Orgelpfeifen zu haben. In einem vielleicht 6 Meter tief eingeschnittenem Revier, 10 Meter neben der Pad, finden sich einige gut ausgebildete Basaltsäulen die auch schön stufig abbrechen. Peinlich finde ich die Texter der Kataloge, die Naturwunder beschreiben, die sie nie sahen, ohne jeden Anspruch, ihren Reisenden etwas mitzugeben um von einem so großartigen Land und seinen landschaftlichen Höhepunkten wirklich etwas zu erleben.


Maßstablos-schön, so könnte es in jedem Reiseführer oder Katalog aussehen.


vom Auto aus fotografiert, der kleine Basaltaufschluss in der Bildmitte



Und so hetzen sich tausende Urlauber über die Jahre durch großartige Landschaften von denen man in Europa eben nichts findet um sich dann an einem kleinen Basaltaufschluß zu freuen, wie es sie in deutschen Mittelgebirgen reichlich gibt, um die berühmten Orgelpfeifen in Namibia als gesehen abzuhaken.
Nun sei es drum, wir haben unser Häckchen gesetzt, auch wenn wir nicht mit einem großen Kataloganbieter hier waren und ich habe mir bei der Gelegenheit vorgenommen mir nun endlich auch mal die hohen Basaltsäulen am Scheibenberg (nach namibischen Entfernungsverhältnissen gleich bei mir um die Ecke) anzusehen.
Ja was soll man schreiben, es finden sich in Namibia viele Stellen an denen dunkle Böden und die dunklen Grasbüschel darauf, zumal im Gegenlicht, wirklich den Eindruck erwecken, als habe es eben erst dort gebrannt. Tja und entweder ich habe den richtigen verbrannten Berg nicht gefunden oder es war die touristische Reinkarnation der Orgelpfeifen, jedenfalls wenden wir uns in Richtung der Felsgravuren.

Inzwischen ist es auch schon später Nachmittag, das Licht beginnt schön zu werden und der Andrang am Besucherzentrum ist nur noch mäßig. Wir bekommen unsere Guide zugeteilt und stapfen mit ihr den längeren der zwei Rundwege zu den Petroglyphen von Tweyfelfontein.



Der Kontrast zwischen dem noch tiefblauen Himmel, dem roten Sandstein und den niedrigen Sträuchern dazwischen ist wunderbar. Mit der tief stehenden Sonne heben sich die Gravuren gut ab und sind auch dankbar zu fotografieren. Die ältere Frau, die uns führt, spult ihr Programm ab, nicht mit wirklicher Begeisterung aber auch nicht übertrieben lustlos und mit ein paar Fragen kann man sie dann sogar aus der Reserve locken. Das die Pinguine und Flusspferde aus der Gravuren von Tweyfelfontain die einzigen auf unserer Reise bleiben werden ahnen wir, bei den anderen Tieren haben wir ja noch Hoffnung für Etosha.



Besonders gefallen haben mir die menschlichen Fußabdrücke die sich (als Signe) auf einigen Blöcken fanden, sie erinnerten mich an die Fußabdrücke an der Wand in unserem Schulklub vor vielen Jahren. Zwei große und zwei kleinere und die Zehen schauten nicht in die gleiche Richtung…ich habe damals lange gebraucht, bis mir aufging, was der Künstler da wohl hatte übermitteln wollen 🙂

Wir sind so ziemlich die letzten die noch eine Führung in Anspruch nahmen, es ist inzwischen angenehm leer und das Licht bekommt Farbe.



Eine wunderbare Landschaft und viele Gelegenheiten das Stativ aufzustellen, lässt uns erst mit dem allerletzten Licht an wieder an der Lodge ankommen.


Felsen oberhalb der Lodge im letzten Licht

Der ohnehin schon tiefrote Sandstein strahlt jetzt fas unnatürlich gesättigt in den letzten Strahlen der eben untergehenden Sonne.
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zuletzt bearbeitet 09. Sept. 2010
5'538 Beiträge · seit 200809. Sept. 2010 · #78
Hallo Iven,

mal wieder ein sehr guter Bericht und ganz besonders schöne Bild. "Neid". Aber ich bin ja noch "jung" und lerne ja noch. Wenn ich dann groß bin, mache ich vielleicht auch so tolle Fotos.

Liebe Grüße von der Atlantikküste
Gerd
5'479 Beiträge · seit 200909. Sept. 2010 · #79
Hallo Iven,

sehr schön eine weiteres Kapitel Eurer Reise miterleben zu können, aber wo war denn da das Konfliktpotential? Ich hatte schon gehofft, dass mal ein wenig Leben in dieses Schmuse-Forum kommt. 😉

Wenn Ihr vor einem dunklen Hügel standet, der deutlich kleiner und unscheinbarer war, als alle Berge ringsumher, dann ward Ihr am berühmten verbrannten Berg. Das der in jeden Reiseführer und auf jeder Touristenkarte auftaucht ist absolut lächerlich.
Unser Reise-Blog: KaTho_VanTour Staub & Schlamm (Kenia 21/22) 7 Wochen in der Regenzeit !? (NAM/BOT 18/19) Leoparden hautnah (Tansania 2016/2017) Elefantös - Zimbabwe 2016 Auf Großer Fahrt (Reisebericht SA-NAM-BOT-ZIM 2014/2015) Rivers & Sand (Reisebericht Namibia/Botswana 2013) Reisebericht Tansania 2013: "Das volle Programm"
Themenstarter86 Beiträge · seit 201009. Sept. 2010 · #80
Werd mich hüten, als Greenhorn hier fundamentale Debatten loszutreten 😉

Die Eselskarren-Geschichte war für mich vor allem deshalb emotional nicht ganz einfach weil man eben sehr wenig weiß von den echten Lebensumständen und Chancen (schwarzer) namibischer Landbevölkerung.
Das fällt mir in Europa leichter eine Gruppe rumänischer Betteltouristen einzuschätzen, die sich vor ihren Auftritten zurecht machen und nachher ihre Prozente erhalten, während das meiste Geld beim (kriminellen) „Reiseveranstalter“ landet.

Wenn jemand mich auf einer staubigen Straße irgendwo im Nirgendwo anhält und nach Wasser fragt, bekommt er natürlich welches, wenns dann mit Essen und Süßigkeiten weitergeht (und weitergehen meint durchaus einen kontinuierlichen und sich im folgenden steigernden Prozeß) wird’s aber schwieriger… das ist sicher eine Situation, mit der sich viele Neu-Namibiareisenden überfordert sehen.

Was die „Lächerlichkeit“ von Orgelpfeifen und Verbranntem Berg betrifft, das war ja nun kaum zu topen, mit dem verbrannten Berg hatte ich mich ja nicht gleich outen wollen.
Die mitkriegen schwarzen Halden wollte ich echt nicht wahrhaben, habs ein paar mal mit den GPS Karten geprüft…
Wenn Ihr vor einem dunklen Hügel standet, der deutlich kleiner und unscheinbarer war, als alle Berge ringsumhe
genau der 😕

Bin immer wieder mal entsetzt, welche Lapalien es in jeden Reiseführer schaffen und welch tollen Landschaften keiner erwähnt. Bei Katalogen ist man das ja schon gewohnt...
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zuletzt bearbeitet 09. Sept. 2010