Ein Ersttäterbericht... ;-)

108 Antworten · 41,7k Aufrufe · gestartet 19. Aug. 2010 von Iven
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5'538 Beiträge · seit 200821. Aug. 2010 · #41
Hallo Iven,

wie schon einmal gesagt - klasse Bericht. Wenn Ihr mal wiederkommt, dann die 4 x 4 Tour tagsüber bis zum Ende. Und dann noch etwas zum Canon laufen. Mir hat's gefallen, aber beim letzten mal war ich auch zu spät und habe mir an dem Steilstück einen Reifen ruiniert, weil ich zu schnell war.

Liebe Grüße von der sonnigen Atlantikküste
Gerd
Themenstarter86 Beiträge · seit 201021. Aug. 2010 · #42
Hallo Gerd,
wir sind leider nur bis etwa 1 km vor den Endpunkt gekommen, dann war die death line zeitlich erreicht - aber wiederkommen wollen wir ja ohnehin 🙂
Gib jedem Tag die Chance der schönste deines Lebens zu werden! Fotos und mehr: eissner-dresden.de / gipfelbuch.de
Themenstarter86 Beiträge · seit 201022. Aug. 2010 · #43
Teil IV

Südwärts, die C37 entlang. Wir kommen, vor allem auf der Strecke nach dem Abzweig zum Canyon, nur zäh vorwärts – was nicht an der Strecke liegt (obwohl die bis Ai Ais ziemlich mies ist), sondern an den Fotostops. Diese kleinen Pausen nutzt die Familie inzwischen zunehmend um sich nach Mineralien am Boden umzusehen. Mit Quarzen und Rosenquarzen könnte man hier die Auffahrt schottern!
Irgendwo südlich des Abzweiges nach Ai-Ais öffnet sich die Landschaft und entlässt die Pad aus den Hügeln in Nichts.



Das Nichts ist groß! Es senkt sich langsam südwärts und nur ein paar kleine inselartige Erhebungen signalisieren, wie groß die öde Fläche hier wirklich ist. Die Strecke schlägt dann einen scharfen Haken, als wollte sie so mit einem letzten verzweifelten letzten Versuch der Ödnis entkommen. Eine Schotterwüste, die aber bald wieder spannende Stellen zu bieten hat, dort wo die Piste dem Gamchab Revier und dem Rand der Berge folgt.



Eine der ganz wenigen Stellen auf der Tour, an denen ich mal der Karte nicht traue und die GPS Navigation gründlicher in Augenschein nehme, ist der Punkt an dem der Gamchab zwischen den Bergen verschwindet, begleitet von einer 4x4 Strecke während die normale Route dem Rand der Berge folgt. Die Stelle ist nicht ganz so übersichtlich, beide Pisten sind zunächst ähnlich breit. Ich wäre auch gern der 4x4 gefolgt Tracks4Afrika gibt aber eine deutlich längere Fahrzeit aus und das passt leider in unsere ohnehin lange Strecke heute nicht mehr. Ich tröste mich damit, dass so die Strecke am Oranje etwas länger wird.

Die (Wieder-)Einfahrt zum Ai-Ais Richtersveld Transfrontier Park markiert ein kleiner Einlassposten mit der obligatorischen Registrierungsliste (och so eine namibische Spezialität), keinem Permit, dafür aber einem sehr freundlichen und beredem Straßenposten. Kunststück, viele Autos stehen heute auf der Liste nicht vor uns 😉



Der Oranje ist eingezwängt zwischen den Bergen, da bleibt oft nicht viel Platz für die Piste und auch nicht für viel Grün. Der schmale Gürtel gibt aber einen schönen Kontrast zu Schotterwüste vorher. Allerdings hat man dadurch auch oft keinen direkten Blick auf den Oranje. Wir gönnen uns eine Pause unten am Wasser, dazu gibt es einige nette Stellen an denen man auch soweit von der Straße weg kommt um den Verkehr nicht zu behindern.
Dort wo die C13 den Fluß verlässt, um den Stomberg auf der anderen Seite zu passieren, hört auch das Grün sofort wieder auf. Bevor man sich vom Oranje und dem letzten fließenden Wasser für die nächsten tausend Kilometer endgültig verabschiedet folgt die Piste noch einmal kurz dem Fluß um dann kurvig in Richtung Rosh Pinah anzusteigen. Hier gibt es noch einige Wasserschäden an der Straße die ahnenlassen mit welcher Gewalt das Wasser hier arbeitet wenn die kleinen Reviere abkommen.

Rosh Pinah sieht man das Reißbrett deutlich an, auf dem es entstanden ist. Wir wollen noch einmal in den Supermarkt und vielleicht auch noch an die ATM. Promt erwische ich an der Parkplatzeinfahrt die europäische Seite und ziehe mir den Unmut der gerade andersherum ausparkenden zu. Der Supermarkt schließt gerade, es ist Samstag Mittag und die ATM geht nicht – Rosh Pinah behandelt uns nicht grad einladend 😉
Die folgende Asphaltstrecke nach Aus ist laaaang. Landschaftlich durchaus schön, nur ändert sich das Bild der Landschaft eben doch nur sehr träge. Kaum sind wir wieder auf festem Belag hat mich auch das Vibrieren wieder. Beim Anfahren und in der Stadt wird es langsam echt unangenehm. War es vorher bei 65 verschwunden hält es sich jetzt länger und verschwindet erst bei 80. Was soll’s, wer fährt auf dieser Strecke schon langsamer als 80? Inzwischen habe ich auch entdeckt, das das Auto einen Tempomat hat und lasse den leicht überm Limit „einschnappen“ – nur lenken muss ich jetzt noch – allerdings auch nicht oft, die Straße ist doch sehr übersichtlich geführt… Es zieht sich und der iPod muss sein Bestes geben um mich richtig bei der Sache zu halten. Begeisterung für die Landschaft wechselt jetzt doch manchmal mit Willen einfach nur noch anzukommen 😉

Aus ist am Ende aber doch bald erreicht (ca 6,5 Stunden für die Strecke mit Fotostops haben wir letztlich insgesamt gebraucht). Das Nest macht einen netten Eindruck, man scheint derzeit viel für sein Erscheinungsbild zu tun, ob die Touristeninformation im schicken Gebäude aber viel zu tun hat? Wir tanken, schwatzen mit dem Tankwart und rollen dann weiter in Richtung Klein-Aus Vista. Hier ist viel los, der Parkplatz fas zur Hälfte gefüllt und eine Reisegruppe wird grad verladen. Das Desert Horse Inn ist ein hübscher Bau, das Restaurant ist in der oberen Etage mit tollem Blick, unten ist die Bar, zumindest später, wenn die Bauleute irgendwann einmal damit fertig sind. Der Check in ist schnell erledigt.

Die Doppelbungalows verteilen sich ein wenig am Hang, der Platz zwischen ihnen ist nicht großzügig (Verglichen mit der Weiter ringsum) aber man hat trotzdem nicht das Gefühl aufeinander zu hocken. Die Solarwassertanks auf dem Dach stören, wenn man von hinten auf die Häuser vor einem sieht etwas aber das macht der hübsche und durchaus großzügig bemessene Innenraum wieder wett. Wir sind sehr angetan. Mit dem Anleitung zum finden der Hütte gab es auch eine Beschreibung mehrerer markierten Wanderungen. Die findet sich auch noch einmal im dicken und echt lesenswerten Infoordner im Zimmer wieder.

Ich will noch mal zum Fotografieren raus und entscheide mich für eine der Strecken die als Sundowner Tour angegeben ist, da sollte man davon ausgehen auch einen Blick nach Westen erhaschen zu können. Zunächst mal muss man aber zum Trailhead am Zeltplatz fahren. Der verbirgt sich geschickt neben der Sanitäranlage so dass wir zwei Runden über den Campingplatz drehen. Dessen Anlage macht übrigens einen sehr guten Eindruck.



Der Weg ist lustig mit einem Fußabdruck markiert (ok, das finden wir später anderswo auch aber beim ersten Mal findet’s man halt originell.) Wir tappen also los und genießen unbeschwert die Landschaft – Etwa 50 Meter lang, dann folgt uns eine kleine Gruppe anderer Leute. Mein Gott muss das denn sein? Das hat man davon, wenn man den offiziellen Sundownerweg aussucht :-/
Die Felsen gegenüber bekommen jetzt richtig gutes Licht und unser Weg liegt schon tief im Schatten, höchstens noch 30 Minuten bis Sonnenuntergang… ein zwei Fotos noch von hier aus aber zum Trödeln ist keine Zeit mehr. Wir laufen immer noch auf der Ostflanke eines Felsrückens. Als ein Abzweig zu einer Aussicht kommt folge ich der, die muss ja irgendwo auf dem Felsrücken sein und vielleicht hilft ja die Flucht vom sundowner walk auch vor den Verfolgern. Mitnichten, Herdentrieb, ab geht es uns hinterher. Der Pfad wir steiler, die Wegführung etwas unübersichtlich, ein paar Steilstufen folgen, dann gibt es den ersten freien Blick auf die Westseite der Felsen und bald auch in die Ebene.



Jetzt spult sich der übliche Stress ab, Stativ aufstellen, Kamera einrichten, Objektive wechseln – sollte ich einfach irgendwann ohne Kamera verreisen und mal solche Landschaften und Momente einfach nur genießen können ? 😉 . Hier und heute jedenfalls nicht (also ohne Kamera, genießen kann ich das schon auch beim arbeiten, es ist gewissermaßen ein erarbeiteter Genuß) Noch der Mitwandergruppe mit einem freundlich-grimmig-zerknirschten Blick signalisiert, das sie im Weg steht und … Karte voll mitten in der Belichtungsreihe… :-/ Dafür macht sich die neue Kamera (das ist der erste große Reiseeinsatz für dieses Gehäuse und ich habe die Einstellungen vor der Tour noch einmal neu angepasst) richtig gut, vor allem die Belichtungsreihen auf eine der Individualeinstellunge legen zu können ist ein Segen. Nach der ersten Hast folgt die Ruhe, das Warten auf die Änderung der Lichtes und das aufmerksame Suchen nach neuen Einstellungen, bisher übersehenen Details oder neuen Ideen… Die Sonne gibt sich keine Blöße, wunderbar klar setzt sie am Horizont auf und gibt dem Farbenspiel seinen Lauf.
Sie taucht dabei eine wunderbare Landschaft in das intensive letzte Licht des Tages. Die Berge und darin eingeschlossene Ebene der Namib bilden einen wunderbaren Kontrast. Dann, nach Westen, öffnet sich die Ebene, wird mehr und mehr zur Wüste, als hätten es die Berge aufgegeben, sie einfassen zu wollen und bilden nur noch letzte Inseln.



In der Ruhephase zwischen dem eigentlichen Sonnenuntergang und dem letzten tiefroten Leuchten entstehen auch noch einige brauchbare Bilder. Meine Frau hat sich inzwischen schon langsam auf den Rückweg gemacht, um nicht im Dunkeln das steile Stück absteigen zu müssen. Die andere Gruppe ist inzwischen auch längst zurück gegangen. Wir machen noch ein paar Bilder und beginnen dann den Rückzug.



Da! Auf dem Sattel südlich müsste es eigentlich auch noch mal ein guter Standort sein … und so arbeiten wir uns, gelegentlich doch noch mal ein Foto vom letzten roten Leuchten gegen besonders markanten Vordergrund aufnehmend, zurück. Inzwischen ist es so dunkel, das ich die Taschenlampe aus dem Fotorucksack holen muss. Als wir den Fuß der Steilstufe etwas südlich der ursprünglichen Aufsstiegsstrecke erreichen ist es hier schon recht finster.
Meine Frau, die wegen der doch schon weit fortgeschrittenen Dunkelheit, auf dem ursprünglichen Weg auf uns gewartet hatte, hebt sich ganz oben auf den Felsen deutlich gegen den nur noch schwach leuchtenden Himmel ab. Sie hat sich als wir nicht kamen auf einen größeren Block gestellt um besser zu sehen zu sein.
Blöd nur, dass die übrigen Stirnlampen der Familie im Quartier liegen…
Ich deponiere meinen Sohn mit der Fototechnik an einer Stelle am Weg. Der protestiert natürlich, will ohne Licht nicht allein bleiben – auch der Hinweis doch gefälligst einzustecken, was man später braucht hilft da nur bedingt. Ich stelle ihm die Kamera aufs Stativ und erkläre ihm er könne ja dann alle Minute oder auf Zuruf den Blitz auslösen, dann würden wir ihn schon wiederfinden. Dann haste ich den Hang und die Steilstellen wieder hoch. Meiner Gattin gegenüber verzichte ich, den Tipp mit dem Einpacken der Dinge zu wiederholen 😉
Wir steuern den unten, im inzwischen stockfinsteren vor sich hinblitzenden Bodenposten, wieder an. Der ist dann auch sichtlich erleichtert. Statt des Meßblitzes hatte er aber doch jedes Mal ein Bild gemacht und ich muss später erst einmal Millionen schwarzer Bilder löschen. Einträglich stapfen wir nun im Schein der einen Taschenlampe zurück durchs Dunkel zum Auto.


Noch einmal erweitert: Weitere Fotos zu Namibia unter Gipfelbuch.de
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zuletzt bearbeitet 23. Aug. 2010
192 Beiträge · seit 200623. Aug. 2010 · #44
Lieber Iven,

Danke fürs weiter schreiben 😄 und danke fürs einfügen deiner tollen Bilder, da ich keine Zeit habe jeden Tag ins Forum zu schauen werde ich mir deinen Bericht dann gebündelt durchlesen, das ist dann wie ein gutes Buch! Ich bin sicher du hast deinen Bericht auch gespeichert, vielleicht gibts ja ganz am Ende ein PDF 😉 dann könnte man deinen Bericht gemütlich auf der Terrasse liegend lesen, muss aber nicht sein, ist nur eine Idee!

LG Kessie

@Goldmull, das war ja auch mehr ironisch gemeint, nicht alles so ernst nehmen 🤪
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150 Beiträge · seit 200723. Aug. 2010 · #45
Hallo Iven,

ich lese gespannt Deinen Reisebericht und freue mich schon auf Fortsetzung! 😉
Nun aber gleich eine fotografische Frage:

Du sprichst von Belichtungsreihen. z.B. das 3.Foto von unten (Sonne rechts und super ausgeleuchteter Blick ins Tal). Ist das ein HDR aus einer Belichtungsreihe oder wie machst Du das?
Welches Programm verwendest Du dafür?

Wäre sehr froh wenn Du hier ein "ganz klein wenig" aus der Nähkiste plaudern würdest 😛

LG, Mario
1'247 Beiträge · seit 200923. Aug. 2010 · #46
Hallo Iven

so ähnlich haben wir diesen Trip auch erlebt, nur konnte und kann ich es nicht so in (geschriebenen) Worten ausdrücken, wie du. Ganz abgesehen von den teilweise wirklich genialen Fotos. So langsam denke ich, es braucht einfach etwas Mut, manchmal auch etwas unkonventionell zu fotografieren (sprich: extreme Gegenlichtsituationen u.ä.).

Bitte weiter so!
Thomas
Für mich ist Denkmal ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht (Fritz Grünbaum) Reisebericht: 50 Tage NamBots (PDF ganz am Ende)
Themenstarter86 Beiträge · seit 201023. Aug. 2010 · #47
Hallo Mario,
also, aus dem Nähkästchen: Das Bild ist ein Panorama für eine Präsentation (Diaschau, hier für einen Beamer, FullHD) ich habe mal das Original bereitgestellt (http://www.gipfelbuch.de/images/namibia_forum/7942_Panorama_1080.jpg)(1920px hoch, 4MB) da sieht man dann, dass es leider keineswegs so perfekt ist, wie ich es mir wünschen würde, die Kante des Hanges ist überstrahlt und es gibt Reflexionen.
Ganz allgemein aber: ich fotografiere konsequent RAW + JPG (Ausnahmen bei geschwindigkeitskritischen Serien). Die JPEGS zum Sichten, Ordnen und RAW Entwicklungen für lohnende Aufnahmen. Dabei lassen sich Belichtungsprobleme noch gut ausarbeiten. Der Preis dafür ist natürlich ein höherer Speicherbedarf zu hause und vor Ort. Andererseits, eine mobile Festplatte mit 500 GB bekommt man ab 60, eine 16 GB CF (Ultra) für 50 Euro. Das sollte man dann mal in der Relation zu den teuren Gehäusen und Objektiven sehen die man sich so leistet. Der höhere zeitliche Aufwand beim Entwickeln und Ausarbeiten der RAWs ist natürlich nicht von der Hand zu weisen. Ich ärgere mich aber regelmäßig fast zu Tode, wenn ich irgendwo doch mal schnell nur JPG fotografiert habe und dann die Lichter ausgefressen oder die Schatte ohne Zeichnung sind...

Machte man früher bei Dia Belichtungsreihen mit halben Blendenstufen, so nutze ich die eher um die Option für HDR offen zu halten mit +- 2 Blenden. Das liegt auf einer Individualeinstellung und ist mit einem Dreh wieder ein oder ausgeschaltet. Neben der Option als HDR ist auch über die RAW-Daten dann eine Belichtungsstreuung fast Lückenlos über +3 bis -3 Blenden möglich, das hilft, wenn die Belichtungsmessung mal ganz weit daneben lag. Wobei die D7 die ich derzeit meist benutze da eine sehr ordentliche Arbeit leistet.
Wenn du Zeit hast, kannst du ja auch unmittelbar nach der Aufnahme (noch auf dem Stativ) das Histogramm ansehen und ggf die Belichtung korrigieren. (bei einigen Modellen sicher auch vorher im LiveView)

Gegen Reflexionen und überstrahlte Kanten hilft es manchmal, das Bild, mit ansonsten gleicher Einstellung, zweimal zu machen und beim zweiten Mal einen Finger, ein Lineal oder einen (schwarzen) Reflektor genau vor die Sonne zu halten. Die Stellen lassen sich dann authentisch aus der zweiten Aufnahme rekonstruieren. Auch die Sonne (oder die blendende Lichtquelle) in der Position zu verlegen kann manchmal Wunder wirken, ist damit die Bildkomposition im Eimer bleibt auch hier die Option als zweite Aufnahme für eine authentische Rekonstruktion. Die Anfälligkeit für Reflexionen hängt auch sehr vom Objektiv ab.

Ansonsten meine Vorsätze: die Faulheit besiegen, Stativ mitschleppen, loslaufen, auch wenn man keine Lust hat, wiederkommen auch wenn man es am Vortag eigentlich schon im Kasten hat, lieber ein Bild gründlich gestalten als 10 mal eben aus dem Handgelenk (nehme ich mir zB immer wieder vor und erwische mich dann mit 4500 Bilder auf dem Rückflug 😉 ), Aussteigen und Laufen (Das schmerzte mich in diesem Urlaub am meisten bezüglich der (verständlichen!) Sicherheitsbestimmungen in Etosha und der allgegenwärtigen Farmzäune)

PS: Manchmal machen aber auch meine Frau oder mein Sohn, ganz ohne viel Aufwand (und mit der Handknipse) und ohne tolle Tipps einfach mal das bessere Bild. 😉
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zuletzt bearbeitet 23. Aug. 2010
1'247 Beiträge · seit 200923. Aug. 2010 · #48
Iven schrieb:
PS: Manchmal machen aber auch meine Frau oder mein Sohn, ganz ohne viel Aufwand (und mit der Handknipse) und ohne tolle Tipps einfach mal das bessere Bild. 😉
Hallo Iven
du sprichst mir sowas von aus dem Herzen! Aber mal ehrlich: bei dem Aufwand, den du treibst, geht deiner Familie da nicht ab und zu die Geduld aus (geschrieben aus eigener Erfahrung)?

Gruss
Thomas
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Themenstarter86 Beiträge · seit 201023. Aug. 2010 · #49
ach Gott..., ...sie sind da sehr leidensfähig 😉

Nicht nur auf die Gefahr das hier die Familie mitlesen sollte: 😉
Doch doch, manchmal schon, allerdings eher wenn ich ihre Fotoambitionen mit Kommentaren wie 'Das geht im Leben nicht mehr aus der Hand bei dem Licht...' vermiese 😊
...da muss ich dann mal eher die Klappe halten, sonst ists für die anderen ja echt kein Spaß mehr!
Ansonsten waren die großen Touren immer auch als Fototouren gedacht und geplant (mit etwas abweichenden Wichtungen fürs Canyoning, Klettern, Schauen und Fotografieren)
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zuletzt bearbeitet 23. Aug. 2010
Themenstarter86 Beiträge · seit 201023. Aug. 2010 · #50
Teil V


Wir haben zwei Übernachtungen in Aus und wollen von hier aus nach Lüderitz, vor allem aber nach Kolmannskuppe.
Davon verspreche ich mir fotografisch viel.
Die Strecke von hier nach Lüderitz ist asphaltiert (wie langweilig! 😉 und da unser Auto keinen Asphalt zu mögen scheint, habe ich den Luftduck in den Reifen etwas niedriger gelassen, vielleicht hilft das ja gegen das Aufschwingen auch etwas. :-/ Zunächst fühlt sich das Auto wohl und ich mich daher auch. Der Tempomat tut sein Werk und der Wechsel der Landschaft von der Grassteppe über einzelne Büschel bis zur Sandwüste draußen vorm Fenster ist sehr schön, auch wenn die lange grade Strecke ansonsten wenig Abwechslung bietet. Beim Anfahren nach einem Fotostopp ist das Schwingen wieder zu merken, verschwindet aber bei höheren Geschwindigkeiten. Wenn auch inzwischen erst bei 90. So richtig kann ich mir noch keinen Reim drauf machen, die Räder sitzen fest, alles unterm Fahrzeug auch. Die Lenkung selbst scheint es nicht zu sein, direkt am Lenkrad ist das Schlagen nicht stärker zu spüren, das Fahrzeug läuft ruhig, wenn auch mit einem gelegentlich etwas nervigen linksdrall. (Ich kann schon grade aus fahren 😉 aber wenn das Fahrzeug nach einer Seite zieht, kann das ein Zeichen für langsamen Druckabfall in einem Reifen sein… oder eben für eine nach außen oder insgesamt geneigte Fahrbahn oder eine verstellte Spur… Grund genug jedenfalls immer mal wieder drauf zu achten.) Wenn es nur die Stoßdämpfer sind wärs ja nun kein gravierendes Problem. Andererseits, eines der Radlager… Ich beschließe für mich, dass es die Stoßdämpfer sind! Derlei Überlegungen gehen mir durch den Kopf bis wir die Einfahrt nach Kolmanskuppe erreichen.
Am Eingang dürfen wir permitten und stellen fest, das die Geisterstadt keinesfalls so einsam und verlassen in der Wüste steht wie man sich das vorgestellt hat. Genaugenommen steht sie überhaupt nicht in der Wüste, wie man sich das vorgestellt hat. Von den Sanddünen, die die Häuser unaufhaltsam unter sich begraben ist nämlich keine Spur. Das Ganze steht auf einem leichten Hang in einer kargen Sand- und Schotterwüste mit einigen Flugsandverwehungen und keine Spur von großen Dünen. Na gut. So ganz einsam ist es auch nicht, auf der anderen Seite der Straße ist der Flugplatz und direkt neben der Ghosttown befinden sich bewirtschaftete Gebäude einer Firma. Was soll’s, das wird auf meinen Fotos ja nicht zu sehen sein, wie es ja auch auf den Fotos die man immer gezeigt bekommt und die man so toll findet, nicht zu sehen ist.



Ich habe ohnehin die Erfahrung gemacht, wenn man von einem Ort viele Fotos sieht, die immer wieder das gleiche Motiv in sehr ähnlicher Perspektive zeigen ist nicht viel dran… (oder noch schlimmer, es steht direkt neben etwas, was keinesfalls aufs Foto sollte).
Aber so schlimm ist es nicht, alle haben ihre Unterhaltung beim Stöbern in den verlassenen Häusern. Alle? Ja alle Anderen auch 😉 Die Verlassenheit manchen Fotos muss man sich dann einfach auch mal erwarten. Die Führung die neben her begonnen hat bindet inzwischen einen Teil der Besucher bei den Häusern im unteren Teil. (Nebenbei: wir haben sie nicht mitgemacht aber wer nicht ausdrücklich zum Fotografieren hier ist, sollte sich das gönnen, zumindest die deutschsprachige Führung schien sehr spannend und unterhaltsam zu sein. – Ich bekam unfreiwillig einen Teil davon mit als ich an den wiederhergerichteten Räumen fotografierte.)
Wir sind nach etwa drei Stunden durch, die Speicherkarten voll und auch sonst zufrieden, nur das Schwimmbad habe ich nicht gefunden. Für den Rest des Tages habe ich keinen Plan und so fahren wir ohne Ziel nach Lüderitz.

Lüderitz Sonntag Mittag, die Bürgersteige sind hochgeklappt und bis auf ein paar Leute am Spar ist nichts los unterwegs. Dort allerdings pulsiert das Leben :-/ meine Frau gedenkt eher im Auto bleiben zu wollen. Ich will dann aber doch schnell etwas einkaufen… wobei schnell einkaufen ja nun wieder eher eine europäische Erfindung, jedenfalls keine Afrikanische, ist. Der Supermarkt ist ok, die Regale etwas leerer als in Windhoek und die Sicherheitsleute etwas präsenter. Die beiden Kassen sind belagert. Die Kassiererin tippt, davon ungerührt, bedächtig mit einem Finger die Preise in die Kasse und als die Touristin zwei Positionen vor mir mit ihrer Kreditkarte bezahlen möchte, geht sie mit ihr zum Terminal und bucht dort die Zahlung. Geduldig warten wir bis die Leitung steht und die Transaktion bestätigt wird. Der Belegdrucke zickt etwas, doch niemanden bringt das emotional aus der Fassung und nur 20 Minuten später stehe ich auch wieder auf der Straße. Einkaufen geht eben auch ohne Stress. Meine Gattin fühlt sich allerdings etwas erlöst aus ihrer Belagerung von Kindern und einem Bettler, in einem Auto, das sich wegen der geschlossenen Scheiben unaufhaltsam in der Sonne weiter aufheizt.

Wir fahren noch eine Runde, dann wenden wir uns wieder landeinwärts. An einer Ausfallstraße, als wir von der Kirch herunter kommen, will meine Frau dann doch noch mal in einen kleinen Supermarkt, der von außen viel freundlicher aussieht, schlüpfen. Wir Männer warten draußen.

Drei Leute kommen auf der Straße am Auto vorbei. Sie bleiben stehen und deuten auf das Fahrzeug und wollen mir etwas sagen. Das kann nett sein, kann aber eben auch der Anfang einer ganz dummen Masche werden. Die Verrieglung ist zu, „Georg, Türen bleiben zu!“ sage ich meinem Sohn und lasse dann das Fenster runter. So gefährlich sehen sie mir nicht aus und sie stehen auch weit genug vom Fahrzeug weg und zu albern will ich mich auch nicht haben. Am Fahrzeug würde etwas auslaufen sagt mir einer auf Englisch und deutet unter den Motor. Nein, aussteigen will ich in diese Situation dann aber nicht und schon gar nicht mich unters Auto legen. Ich bedanke mich sehr höflich für den Hinweis und versichere mir das dann anzusehen. Kurz schienen sie doch erwartet zu haben ich würde gleich nachsehen, gehen dann aber weiter, hinter dem Auto dann auch auf den Gehweg und noch ein Stück die Straße hinunter. Tja, was soll vorn schon auslaufen können? Meine Frau kommt zurück mit ihrem kleinen Einkauf und steigt ein. Ich lasse den Motor an, Öldrucklampe geht sofort aus, das war’s ja also nicht. Wir fahren 50 Meter vor, hier ist niemand mehr, ich steige aus und sehe unters Fahrzeug. Eine Lache unterm Auto ist natürlich, hier 50 m später nicht zu sehen, außer Kondenswasser von der Klimaanlage aber auch sonst keine feuchten Stellen. Mag sein, das es davon etwas tropfte…



Diaz Cross bietet sich noch für einen Ausflug an, denke ich und schlage das vor. Frau ist einverstanden. Aus Lüderitz raus, nach Süden, wird die Landschaft schnell extrem unwirtlich. Kahle dunkle Felsen und Schotter. Das man hier für die Kolionalerwerbung des alten Lüderitz anfangs wenig Begeisterung hatte kann ich mir gut vorstellen!
Am Diaz Point ist es dann aber richtig nett. Der Wind weht frisch und kühl vom Meer her und wir kehren erst mal in der Kneipe am Straßenende ein. Das Areal hier gefällt mir gut und mit der kurzen Wanderung zum Diaz Kreuz und am Strand entlang bringen wir den restlichen halben Tag gut rum. Die Familie sammelt Muschel, wovon es hier wirklich riesige Mengen gibt und dabei auch richtig schöne Stücke zu finden sind.

Auf der Rückfahrt will ich noch mal an der Wasserstelle von Garub nach den Wildpferden sehen. Die kurze Stichpiste dahin ist ziemlich schlecht aber ein paar Pferde kommen uns entgegen. Ein schönes Motiv - wenn sie nicht genau im Gegenlicht stünden. An der Wasserstelle gibt es einen kleinen Beobachtungsstand an dem ein mittleres Semester südafrikanischer Touristen mit schwerem Fotoequipment auf Bewegung bei den Pferden wartet.



Rechtzeitig bevor das Licht Farbe bekommt mahne ich zum Aufbruch. Ich will auf der Ebene unterhalb des Standortes von gestern fotografieren.
Die Wege zum Eagels Nest und zur Hab-vergessen-wie-sie-heist Selbstversorgerhütte gehen hier entlang und wir fahren ein Stück in die Grassteppe, die die Namib hier noch ist, hinein.
Nebenbei: Die Freiheit der Weite Namibias endet dann leider oft schnell, hätten wir genau drauf geachtet hätte auch ein Schild gestanden, das die Zufahrt auf Nutzer der Unterkünfte begrenzt. (eigentlich unverständlich denn dort sind auch Trailheads).
Mein Sohn verdrückt sich ein Stück zur eigenen Motivsuche, nicht ohne vorher zu maulen, dass er sich mit dem kleinen Objektiv zufrieden geben muss.



Die Stimmung hier ist toll. Auch ohne organisierten und ausgereichten Sundowner. Der Hauptscheinwerfer aber schwächelt auf seinen letzten Metern zum Horizont. (Er wird sich doch nicht gestern verausgabt haben?) Eine Wolkenbank knapp überm Horizont lässt das Farbenspiel bald erkalten. Trotzdem hat es sich, auch von den Fotos her, gelohnt!



Klein Aus Vista ist im Übrigen auch was das Essen betrifft eine abstrichlose Empfehlung!

Am Morgen darauf, ein Haus weiter unten steht ein (Miet)PKW mit einem platten Reifen. Komisch direkt hier einen Platten zu haben und das dann auch stehen zu lassen… Später wird dann mal ein freundlicher Service erscheinen und von irgendwoher ein Ersatzrad bringen und die Damen mit dem Fahrzeug werden darüber philosophieren, ob es günstig ist ein Auto nur mit einem Pannenset aber ohne Reserverad zu vermieten. Ich schleiche derweilen ums eigene Auto und kontrolliere die Reifen. Zum gefühlt hundertsten Mal wackle ich auch noch mal an den Rädern, den Spurstangen und eigentlich allem an was man so wackeln kann aber da ist nichts, macht alles einen tadellosen Eindruck.

Heute steht die 707 auf dem Programm. Hier ist der einzige richtig schwere Schnitzer im Routendesign unterlaufen. Als mir das dann, leider eben viel zu spät, aufging war es aber schon zu spät zum Umbuchen. Wir haben die Übernachtung im Helmeringhausen Hotel. (Das scheint magisch alle vorgebuchten Reisen und Katalogreisenden anzuziehen!) Ich hatte mich in der Vorplanung damit arrangiert dadurch eben ein großes S in den Tirasbergen zu fahren.



Die D707, immer mal wieder als die Traumstraße Namibias gehandelt, empfängt uns allerdings wenig gnädig. Es ist der einzige Tag mit (zunächst recht unfotogenen) Wolken und die Piste selbst ist, sandig, schottrig und wellig, weniger entspannter zu fahren als viele andere Stücken. (Der Pistenhobel begegnete uns dann aber kurz vor Ende der 707) Landschaftlich aber ist dies mit Sicherheit eines der schönsten Teilstücke unserer Tour! Beim Fotografieren stören leider die Farmzäune am Straßenrand hier besonders und so ist man im Bildaufbau oft sehr eingeschränkt. Herrlich wechseln die Farben des Grases im Verlauf der Strecke. Passend zur Düne finden sich auch ein par Oryxe davor und auch sonst gibt es relativ oft Tiere zu sehen. Ein Springbock der neben der Straße stand flüchtet vor uns, aber anstatt zur Seite einen Haken zu schlagen hetzt er sich die Straße entlang. Um das Tier nicht tot zu treiben halten wir an, der Bock auch, das Spiel wiederholt sich, dann endlich weicht er zur Seite aus.

Am Straßenrand in der Gegenrichtung ist ein Auto mit südafrikanischem Kennzeichen liegengeblieben, ein Mann werkelt am Anhänger. Wir werden langsamer um die Leute nicht einzustauben und zu sehen ob sie Hilfe brauchen. Nein, der Daumen geht hoch, sie kommen allein zurecht.



Bei einem Fotostopp fällt mir auf, dass wir hinter Flüssigkeit verlieren. Es tropft ziemlich stark hinten am Auto. Besorgt schaue ich nach aber es ist nur eine der 5 Liter Wasserpackungen, die das Geschuckel und Gescheuer im Auto nicht verkraftet hat und nun seit einiger Zeit auf der Ladefläche ausläuft. Da wo die Taschen in der Pfütze stehen haben die Müllsäcke verhindert, dass sie innen nass werden. Wer hätte gedacht, dass sie auch dazu gebraucht werden 😉 ansonsten ist nichts weiter passier außer das wir nun 4,5 Liter Wasser weniger haben. Mit immer wieder neuen Eindrücken und dem festen Vorsatz beim nächsten Mal eine der Farmen hier in Ruhe zu besuchen, fahren wir über die C27 unsere Schleife nach Helmeringhausen. Das letzte Stück vor Helmeringhausen ist auch noch mal interessant mit großen Hügeln von Granitblöcken gesäumt. Helmeringhausen besteht dann nicht aus nur drei Häusern – sondern mindestens 4 und sogar die Straße ist geteert im Ort. Wir tanken. Hier gibt es sogar 24h Service – gegen heftigen Aufpreis wenn man den Besitzer der Tankstelle nachts aus dem Bett holt.



Ansonsten gibt es noch einen Laden und das Hotel. Der frische Apfelkuchen dort ist echt lecker, das Abendessen auch, die Bewirtschaftung sehr freundlich, die Zimmer können damit dann nicht mehr so recht mithalten. Zum Sonnenuntergang fahren wir noch mal ein Stück raus, in Richtung der Granithügel. Heute sind ein paar Wolken da und es gibt einen sehr schönen Himmel. Ich verfluch den besch… Farmzaun an dem ich entlanghaste ohne eine gescheite Stelle mit Vordergrund zu finden. Zum durchkriechen ist zu dicht, um aus dem Stand drüber zu springen zu hoch und dann ist die Sonne weg 🙁

Gib jedem Tag die Chance der schönste deines Lebens zu werden! Fotos und mehr: eissner-dresden.de / gipfelbuch.de
zuletzt bearbeitet 23. Aug. 2010
315 Beiträge · seit 201024. Aug. 2010 · #51
Hallo Iven,

vielen Dank für den super geschriebenen Bericht.
Das weckt noch mehr Vorfreude auf unsere erste Namibia-Reise im April.
Deine Schilderung über Kolmanskop erschreckt mich allerdings doch etwas. Ich hatte mir das auch eher einsam vorgestellt.
Um wieviel Uhr seid ihr denn dort angekommen? Zur Führung oder zum Sonnenaufgang?
Wir werden uns ein Fotopermit besorgen und bei Sonnenaufgang oder kurz danach dort zu sein.
Wir werden im Eagles Nest in Aus übernachten. Wie lange habt ihr für die Fahrt nach Kolmanskop gebraucht?

Viele Grüße
Daniela



Reisebericht Namibia im April/Mai 2011 http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/197974-namibia--auf-der-suche-nach-dem-leopard.html Reisebericht Namibia, Botswana & Zimbabwe im September/Oktober 2012 http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/267757-the-elephant-trail--namibia-botswana-a-zimbabwe.html Reisebericht: Namibia die Dritte: Spitzkoppe, Waterberg & KTP - September/Oktober 2013 http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/281896-namibia-die-dritte-spitzkoppe-waterberg-ktp.html Reisebericht: Tansania Northern Circuit & Sansibar 2015 http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/289022-reisebericht-tansania-northern-circuit-sansibar.html#424977
150 Beiträge · seit 200724. Aug. 2010 · #52
Hi Iven!

vielen Dank für den gewährten Einblick ins "Kistchen" 😉
Einfach nur toll diese Bilder. Werde mich mal mit den Belichtungsreihen an meiner Nikon D200 beschäftigen...

Freu mich auf weitere Bilder und Berichte!

Liebe Grüße
Mario
Themenstarter86 Beiträge · seit 201024. Aug. 2010 · #53
Hallo Daniela,
nein, so richtig die einsame verlassenen Stadt irgendwo im Nirgendwo ist Kolmannkuppe sicher nicht. Verglichen mit touristisch ähnlich erschlossenen Ghosttowns in den USA (Bowdie, High Sierra) oder anderen "Geheimtipps" von Fotografen (Antelope Canyons, USA) ist es aber nicht überlaufen.
Es passiert halt mal, das sich mehrere Leute eines der ca 10 Häuser* dort gleichzeitig ansehen und dann muss man eben mal warten, bis die anderen aus dem Bild verschwunden sind oder mal höflich drum bitten.
Wir waren so gegen 9:30 Uhr dort, ich denke 7:30 Frühstück in Klein Aus und dann los. Die Strecke ist erstklassig asphaltiert ich denke man kann das in etwa einer Stunde fahren, hab jetzt aber das GPS Log von dem Tag nicht bei der Hand. Die Häuser bekommen auch von Osten früh Licht (denke ich mal), das kann sich für die Außenansichten also durchaus lohnen früh dort zu sein. Die Öffnungszeiten hab ich jetzt aber nicht im Kopf, meine aber sie hätten auf jeden Fall nur bis 13:00 Uhr täglich geöffnet.

*im Grunde stammen die meist gezeigten Bilder aus nur drei verschiedenen Häusern

Wenn du mal GoogleEarth anwirfst ist das Areal auch ganz gut zu überblicken.

der "bewirtschaftete" Bereich ist mal gekennzeichnet, die meistfotografierten Häuser in dem etwas dunkler unterlegten Bereich.
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zuletzt bearbeitet 24. Aug. 2010
1'242 Beiträge · seit 200926. Aug. 2010 · #54
Hallo Iven,

klasse geschrieben und super Fotos. Ich warte ungeduldig auf die Fortsetzung und hoffe dass dein Bericht bald in Richtung Sossusvlei und Etosha weitergeht. In knapp 4 Wochen werden mein Mann und ich auch da sein.
Liebe Grüsse aus Luxemburg
Lil
Namibia das 1. Mal http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/163129-namibia-das-1-mal-reisebericht.html Endlich Hippos - SA 2013 http://www.namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/280235-endlich-hippos-sa-2013.html ZIM - BOT 2014 Träume werden wahr http://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/283689-zim-bot-2014-traeume-werden-wahr.html
Themenstarter86 Beiträge · seit 201027. Aug. 2010 · #55
Hallo Lil,
danke für der Resonanz. Hier also das nächste Stückchen, inklusive Sossusvlei...

Viel Spaß beim Lesen
mit besten Grüßen Iven

Teil VI

Um nicht die gleiche Strecke wieder zu fahren wählen wir früh die C14 nordwärts. Die Hochfläche und die Tafelberge östlich von uns sehen toll aus aber gegen das Licht ist da nichts zu machen. Die Strecke dafür fährt sich samtig und es dauert nicht lange bis wir über kleineren Pisten an Duwisib vorbei fahren (tolle kurze Wellenschaukel, fast wie beim Parabelflug 😉, da hatte auch der Rückbankpassagier in der Dekompressionsphase seinen Spaß).



Die folgende Stecke ist großartig, vor allem der Teil im Namibrand! Oryxe, Zebras und Springböcke sind zu sehen. Zum Mittag sind wir am Sesriem Desert Camp. Tolle Anlage! Wir bekommen unseren Küchenkram geliehen, geben die Bestellung für die Fleischlieferung zum Abend ab und dann hält mich aber keine Minute mehr… eigentlich für morgen geplant, will ich heute schon in Richtung Sossusvlei in die Wüste. Für morgen des Permit haben wir ja schon in Windhoek gekauft, für heute müssen wir noch eines besorgen. Das die Öffnungszeiten der Tore zum Park so komisch gestaffelt sind hatte ich ja schon gelesen, ärgere mich aber auch hier vor Ort noch einmal darüber. Dann rollen wir in Richtung Vlei. 14:00 Uhr. 17:15 Uhr müssen wir wieder am äußeren Tor sein.
Die Fahrt zieht sich ganz schön, dafür gibt es aber auch eine tolle und langsam immer näher rückende Dünenlandschaft. Da wir doch noch ziemlich zeitig dran sind entschließen wir uns nicht an der gut besuchten Düne 45 anzuhalten sondern noch bis zum Vlei zu fahren. Meinen Sohn muss ich damit trösten, dass dort auch die höheren Dünen sind. Seit Jahren schon liegt er mir in den Ohren endlich mal Wüste mit richtigen Dünen zu sehen. Wir erreichen den 2x2 Parkplatz.



Was hab ich nicht im Vorfeld alles über den folgenden Abschnitt gelesen. Tiefsand so tief das Autos drin versinken, Spuren so verworren, dass man sich verfährt… =8-) ein paar harmlose Sandpassagen, dazwischen immer wieder save landings und nur ein paar Stellen hätten wohl überhaupt dazu getaugt, ein Allradler darin festzufahren. (Das geht auch alles mit normalem Reifendruck wie man ihn auf den Pisten fährt.) Auch der Parkplatz zum Death Vlei ist ausgeschildert und gut zu finden. (Konzentriert fahren sollte man aber bitte schon, es gibt Übergänge von hartem auf weichen Boden und die Spuren sind kräftig ausgefahren. Echter 4x4 obligat.)



‚Follow Markers’ – hmm welchen Markierungen? Nun am einfachsten sicher der von hunderten Füßen, solche Massen können nicht irren 😉 Ich habe das Satellitenbild und die Karte noch so etwa im Kopf und die Topologie vor Ort ist auch nicht so komplex also los. Da gibt es doch Marker, kleine Eisenstangen ragen aus dem Boden, nicht gerade geeignet um sie von weite gegen den Horizont auszumachen aber gut wenn man an einem vorbei kommt um zu wissen, hier ist man noch richtig. Außer uns ist hier niemand unterwegs, ein paar Autos standen zwar noch am Parkplatz im Schatten der Bäume aber die meisten kamen uns auf der Fahrstrecke entgegen.
Wir haben den Vlei für uns allein. Das Licht ist zwar noch nicht samtig weiches Abendlicht aber es beginnt angenehmer zu werden. 15:30 Uhr ziehe ich als Death Line für den Aufbruch aus dem Vlei und habe damit noch genug Zeit um hier in Ruhe zu fotografieren. Niemand steht im Weg, mit keinem muss man sich um den Standort streiten, herrlich 😉 das wiegt auch die natürlich noch nicht perfekte Lichtqualität (fast)auf. Es ist schon beeindruckend. Als ich vorher die Bilder gesehen habe hab ich mir immer gedacht, hoffentlich latschen die nicht alle die Bodenstruktur kaputt. Die Gefahr ist hier aber noch nicht so hoch der Tonoden ist hart wie Zement, die Kanten der einzelnen Platten eben und glatt, beste Voraussetzungen um dem stetigen Andrang hier standzuhalten. Es ist schwer irgendetwas zu finden, das nicht schon tausendmal so fotografiert wurde am Ende werden meine Bilder sicher so aussehen wie die, die man schon zuhauf im Netz findet. Was soll’s, schön ist es natürlich trotzdem! Ich finde auch Zeit, mich einfach mal hinzusetzen und die Bäume und die Landschaft auf mich wirken zu lassen – zugegeben nicht viel denn die magische Zeitgrenze ist viel zu schnell herangerückt. Wir stapfen begeistert zurück. Satellitenbild im Kopf zum Trotz verpeilen wir den Parkplatz auf dem Rückweg um gut 100 Meter.
Am Auto treffen wir ein paar Schweizer die noch eine Ausflugsziel für den Abend suchen (Campsitegäste, die haben eine Stunde mehr Zeit – seufz) ich helfe ihnen noch schnell mit der Orientierung zum Vlei, dann fahren wir zurück. Die Abendsonne taucht die Dünen in wunderbares Licht und so kommen wir nur zäh voran. Ich kämpfe mich von einem Also das muss ich noch fotografieren zum nächsten. 17:11 Uhr erreichen wir das Tor mit Müh und Not, die 60 km/h Geschwindigkeitsbegrenzung hier stimmt aber dann leider nur noch im (Gesamt-)Durchschnitt. Als wir im Camp sind ist es dunkel.
Nun tut sich aber ein neues Problem auf, wir haben zwar Feuerholz gekauft aber nichts zum Anzünden. Also geht’s auf die harte Tour - ein echter Boy Scout nimmt eh keine neumodischen Brandbeschleuniger fürs echte Campfire! 🙂 So richtig zum Späne ablösen eignet sich das Holz das wir bekommen haben aber irgendwie nicht so recht… letztlich aber brennt das Feuer dann doch und irgendwann kommt auch der Lieferservice mit allem (naja einigem 😉 was wir bestellt hatten.



Ich hatte mal munter alle Antilopenarten angekreuzt, des Überblicks wegen. Der fiel bei den Bergen von Fleisch jetzt allerdings schwer! Gut das wir hier zwei Nächte und einen Kühlschrank haben! Es wird ein wunderbarer Abend und wir wünschten uns mehr solcher Art Unterkünfte auf der Tour zu haben. Abend allein und in Ruhe (die Zelthütten sind geschickt so versetzt, das man die Nachbarn und deren Feuer so gut wie nicht sieht) Feuer und Grillen und sich dann umdrehen und richtige Betten und ein geräumiges Bad zu haben!
Das Frühstück wird weniger beschaulich – wir wollen ja zeitig am Tor sein. Da wir aber erst zum Sonnenaufgang reinkommen ist es aber erträglich von der Uhrzeit. Draußen im Feld bewegt sich ein Autoscheinwerfer nach dem Anderen in Richtung Sesriem. Die Treffen wir dann alle wieder am äußeren Tor.



Eine lange Schlange wartet darauf eingelassen zu werden. Ich sehe es gelassen, nur gut, das wir gestern schon im Death Vlei waren! Das Tor öffnet sich und auf wundersame Weise sind wir am inneren Tor bei der Registrierung plötzlich weit vor auf den zweiten Platz gerutscht. Alle anderen drängen sich jetzt nach einem Permit und bei dem üblichen Arbeitstempo sicher bis in den frühen Vormittag 😉
Entspannt, weil wir ja nicht auf Teufel komm raus dem Licht ins Vlei hinterherjagen müssen, fahren wir mit den ersten Sonnenstrahlen durchs Tor. Ich fotografiere lieber auf der Anfahrt ausgiebig anstatt die Stunde mit dem besten Licht mit der Fahrt zu vertrödeln so kommen wir dann kurz nach 8:00 Uhr am 2x2 Parkplatz vorbei. Bei einem Fotostopp am Anfang der 4x4 Strecke spricht uns ein junges französisches Pärchen an, ob wir sie mitnehmen könnten. Können wir natürlich und kramen dafür alles von der Rückbank nach hinten. Am Death Vlei Parkplatz ist die Hölle los und es stapfen noch immer Leute in die Richtung. Bin ich froh 🙂 wir driften gemütlich durch den Sand bis zur Endhaltestelle, entlassen unsere Mitreisenden in die Wildnis und stapfen selbst in Richtung der allseits beliebten Hauptwander(ungs)düne. Oben zelebriert gerade eine Reisegruppe einen Was-auch-immer Ritus, bei dem sie eine Deutsche Fahne schwenken. Ob das nun sein muss? Um das Land zu besetzen kommen sie zu spät und für die Fußball WM waren sie 1000 km zu weit nördlich. (Übrigens las ich später, dass das öffentlich Hissen und Führen von fremden Fahnen genehmigungspflichtig ist und sogar die Namibische Nationalfahne nur zu öffentlichen Festtagen von Jedermann zwischen Sonnenauf- und -untergang gehisst werden darf. Schmunzelnd musste ich da an eine alte deutsche Festlegung denken: Das Führen von Fahnen und Standarten (am Auto) ist genehmigungspflichtig.)
Nun, nach dieser Peinlichkeit, die ja nun nicht unsere war, konnten wir uns wieder unserer (aller) Düne zuwenden.



Oben dann haben wir ein gutes Stück Düne für uns allein und können den Blick genießen. Der weite Ausblick über die Vleis und die mächtigen Dünen, die wenigen grünen Tupfen und der endlose Sand beeindrucken mich sehr! Wir habens nicht eilig, es ist noch angenehm kühl im Wind. Irgendwann müssen wir natürlich wieder runter 😉 unten am Boden des Vlei ist es inzwischen auch schon sehr warm und niemand ist böse den Schatten der Bäume zu erreichen. Auf der gemütlichen Rückfahrt ist Gelegenheit für ein paar Fotos. Am Tor wollen wir noch kurz zum Sesriem Canyon abzweigen – ‚permit required’ kündet der Wegweiser und wir drehen noch mal um im Büro nachzufragen. Diesmal braucht es aber mal keinen neuen Schein.



Der Canyon ist nicht spektakulär aber, wenns oben langsam heiß wird, angenehmer kühl und wenn man schon mal da ist...(Wer schmale Canyons noch nicht so viele besucht hat, sollte sich jetzt von dem Urteil nicht abschrecken lassen. Der Reiz ist hier natürlich auch der Kontrast zwischen der ariden Oberfläche und den Wasserstellen unten im Canyon.) (Was mir noch auffällt: Vom Parkplatz zum Canyon zweigt auch die Zufahrt zur neuen Lodge ab. Man liest öfter es wäre die einzige Lodge im Park, soweit stimmt das aber die Hauptzufahrt mündet wieder zwischen den Toren, also nicht bereits innerhalb des inneren Tores und damit auch mit dessen zeitlichen Restriktionen! Oder gibt es doch noch eine weitere Zufahrt?) Wir klettern am Ende noch um die Wasserstellen herum, laufen noch einmal in die andere Richtung halten uns insgesamt aber nicht mehr lange auf und so erreichen wir das Camp heute deutlich früher als gestern. Während die Familie sich über ein paar freie Minuten des Faulenzens freut, treibt es mich natürlich wieder ins Feld so einen Sonnenuntergang darf man nicht einfach verfaulenzen, wenn man schon mal hier ist. Die Granitkuppe gleich hinter dem Camp scheint mir aber für diesen Abend ein ausreichendes Ziel zu sein. Noch immer fehlt mir mein Schirmakazien-mit-glutroter-Sonne-so-ist-Afrika-Bild aber das wird natürlich auch hier nichts 😉 Der Abend mit den Resten von gestern ist wieder sehr schön. Die Schakale kommen ziemlich dicht heran um nachzuschauen ab wir mit dem Essen auch wirklich fertig geworden sind und nachts heult der Wind uns die – tja keine Ahnung, was heult hier nachts und klingt ein wenig wie heiserer Coyote? Wenn ich schon nicht weiß, was nachts Krach macht, was am nächsten Morgen krach macht weiß ich genau :-/ die Spezies wohnt ein Zelt weiter und will früh nach Sesriem. Die Kleinen streiten über irgendwas und die Großen brüllen sich die Packliste fürs Auto zu – das nicht alle jeden Morgen gern mitgeweckt werden passt dabei nicht in ihr Vorstellungsvermögen. Wenn ich nun mal wach bin denke ich und stapfe mit dem Fotozeug raus. Fast hätte ich das obligatorische Ausschütteln der Stiefel die leider draußen bleiben müssen vergessen, bin also doch noch nicht ganz wach. Die Sonne ist noch lange nicht zu sehen und da wo sie aufgehen wird zeigt sich ein schmales aber tückisches Wolkenband.



Ich laufe in Richtung des Granithügels. Denke mal der wird im ersten Licht richtig schön Farbe bekommen. Kriegt er auch, jeden Tag, nur nicht heute. Das Licht ist, gedämpft durch die dünnen Wolken überm Horizont nicht kräftig genug. Auf der Suche nach guten Motiven klettere ich den Berg hinauf und in dem Maße wie die Sonne plötzlich kräftiger wird haste ich auch immer schneller. Das Stativ ist inzwischen nicht mehr nötig und stört nur solange es noch unten an der Kamera hängt aber zum wegpacken ist auch irgendwie keine Zeit.




Oben angekommen bin ich ziemlich außer Atem vom Aufstieg allerdings wäre auch der weite Blick auf die umliegende Landschaft geeignet einem den Atem zu nehmen. Grandios! Ich sag ja, manchmal sind es die unscheinbaren Orte, die es nie in einen Reiseführer schaffen werden… Es werden viele Fotos und entsprechend spät komme ich auch erst zum Frühstück hinunter.
Die Familie hat die Zeit genutzt ein paar der allzu steif gewordenen Socken und T-Shirts durchzuspülen. Jetzt früh vorm losfahren? Nein, ich hab vorher auch nicht dran gedacht und ja ich freue mich auch über ein frisches T-Shirt. Das Zeug trocknet ohnehin viel schneller als ich befürchtet hatte und do dekorieren nu noch ein paar restfeuchte Socken exponierte Stellen im Auto als wir losfahren.



Das Desert Camp hat uns allen sehr gefallen wenn’s nach uns ginge, könnten es davon ein paar mehr geben.
Die Strecke führt nordwärts, an Solitaire mit seinen Schrottautos vorbei und bietet zunächst sehr schöne Abschnitte. Um den Guab Pass herum ist die Landschaft seltsam. Zerschnitten in unzählige Senken und Täler ohne das darin ein System sichtbar werden würde.



Fast das negative Gegenstück zu den Hügeln der rolling prairie. Bergkristall und Quarze springen einem förmlich in die Hand wenn man sich beim Fotografieren bückt. Die Strecke bleibt kurzweilig und kurvig bis in den Kuiseb Canyon hinein. Auf der Brücke hat es jemandem die Anhängerkupplung abgerissen und während Auto und Hänger quer über die Piste verteilt sind suchen die Betroffenen mit Freunden ein fehlendes Teil. Nein helfen brauchen wir nicht. Dann führt die Piste irgendwann in die endlose schottrige Ebene der Namib in Richtung Walfish Bay. Das wird nun das wirklich ödeste Stück der ganzen Strecke. Irgendwann sind wir aber doch am Atlantic.



Nebel liegt dünn über einer Bucht und es ist ein toller Übergang vom Wasser zu den Sanddünen der Küste. Ab Walfish Bay ist die Straße geteert und natürlich mag unser Auto das noch immer nicht. Inzwischen geht das Vibrieren erst bei gut 100 weg. Als an einer Kreuzung in Swakopmund dann auch noch beim Bremsen ein dumpfes Poltern dazu kommt, stehen mir die Haare zu berge. Muss wohl was von der Ladung verrutscht sein, vielleicht schlägt das Stativ an die Bordwand. Beim Anfahren auch? Allerdings ist das Poltern da weniger deutlich gewesen. Beim nächsten Bremsen in der Kurve nichts, an der Ampel dann wieder ein deutliches rums. Sch… Beim Einrollen in die Pension liege ich schon fast unterm Auto, komme aber dann doch nicht dazu da wir schon vom Begrüßungskommando in Beschlag genommen werden. Das man sich hier immer mit dem Vornamen vorstellt bereitet mir noch ein wenig Schwierigkeiten 😉 die Unterkunft ist aber sehr schön unsere zwei separaten Zimmer hinter einer gemeinsamen Tür sind großzügig und sehr freundlich. Genau so freundlich ist auch die Beratung zur Stadt, zum Essen und zu den Möglichkeiten die wir morgen hätten. Fast ein wenig enttäuscht stellt er fest, dass wir mit der Blutkuppe schon ein festes Programm haben. Zunächst aber bestellt er für uns einen Tisch fürs Abendbrot in der Stadt und wir packen dann ein paar Sachen aus. Beim Ausladen der Taschen kontrolliere ich die Ladung und stelle fest, das das Stativ durchaus gegen die Rückwand geschlagen sein könnte, vielleicht!. Also Entwarnung? Jetzt drängt aber die Zeit, wenn ich noch ein paar Fotos von Swakopmund machen will bevor das Licht weg ist. Vom Gästehaus bis in die Stadt ist es nicht weit und der Weg führt am Meer entlang. Swakopmund ist für meinen Geschmack zwar etwas zu bunt aber eine nette Stadt und ich habe so einfach mal Spaß am Stadtbummel. Manche Läden dann eine echte Fundgrube für alles Möglich und Unmögliche zu Afrika und Deutsch Südwest. Etwas verschämt hinter einem Schrank findet sich dann auch noch ein paart Dinge, die unseren Zeitgeschmack zu hause nicht mehr treffen aber wir brauchen ja auch grad kein Foto von einem streng blickenden Mann mit schmalem Oberlippenbart… =8-/ Dafür bekommen wir einen Einblick in Afrikas Seele als meine Frau sich eine paar kleiner geschnitzter Elefanten ansieht. Das ist ein Kalender erklärt die Verkäuferin. Es sind 12 Elefanten und immer wenn ein Monat um ist drehen sie den Elefanten um. ‚Und die die Tage?’ fragt meine Frau. ‚Mein Gott, wir sind in Afrika, wen interessieren hier schon die Tage, hier zählen nur die Monate!’ sagt sie und zuckt lächelnd mit den Schultern. 😉
...


Bei mir auf der Fotoseite sind auch noch mal ein paar Bilder dazu gekommen, dort dann auch etwas größer als hier im Text.
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zuletzt bearbeitet 27. Aug. 2010
499 Beiträge · seit 200627. Aug. 2010 · #56
Einfach cool...
128 Beiträge · seit 201027. Aug. 2010 · #57
Hmmmmmm!
Da kommt doch Vorfreude auf, herzlichen Dank!
Wenn ich mir vorstelle, dass wir genau dort in bummelich zwei Wochen auch rumturnen werden....

Herzliche Grüße
Martin
354 Beiträge · seit 201027. Aug. 2010 · #58
Absolut klasse Bericht und tolle Fotos.
April 2011 bei uns auch desert camp. "kleiner Wermutstropfen" die wohl unvermeidlichen Menschenmassen am Eingang und im Vlei. Oder verläuft sich das in den Morgenstunden ?

Serengeti
303 Beiträge · seit 201027. Aug. 2010 · #59
Hallo Iven,

ein toller Bericht und auch die Fotos sind super. Freu mich schon auf die Fortsetzung.
Übrigens gibt es bei der Sossus Dune Lodge tatsächlich eine private Straße die nach (!) den Toren direkt auf die Teersstraße Richtung Vlei mündet und man darf tatsächlich zu jeder Tages- und Nachtzeit ins Vlei fahren.

@ Serengeti: Dann hat sich das auch mit den Menschenmassen und man kann von einer Dünenkuppe aus beobachten wie die Auto-Karawane anrollt. 🙂

Liebe Grüße
Tanja

PS: Hoffentlich geht´s bald weiter! 🤩
Reisebericht Namibia 2010 Reisebericht Namibia+KTP 2011 Reisebericht Botswana 2012 Reisebericht Namibia&Botswana 2013 Reisebericht Südafrika 2014
Themenstarter86 Beiträge · seit 201027. Aug. 2010 · #60
Hallo Tanja,
und ich dachte schon, ich kann mir die Mehrausgabe für die Sossus Dune Lodge beim nächsten Mal sparen 😉
Danke für den Tipp und der nächste Teil ist natürlich in Arbeit und wenn das Wetter am Wochenede so schlecht wird wie angedroht...

Beste Grüße Iven
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