Die kurze Schönwetterphase ist dem (gewohnten) Dauerregen gewichen und so ist wieder Zeit für die Fortsetzung.Teil XIAm nächsten Morgen geht es das kurze Stück nach Etosha.
Was für viele der Höhepunkt für einen Namibia-Urlaub darstellt, war für mich ursprünglich eher so eine Abrundung der Tour gewesen. Tiere schauen für die Familie. Ich selbst mache mir nicht so viel aus Tieren und bin bekennender Nicht-Zoo-Besucher. Inzwischen aber war alles etwas anders gekommen. Draußen im freien Gelände ist es etwas völlig anderes Tiere zu beobachten und zu fotografieren. (Auch wenn das viel gehasste Zoo-Problem der Gitter im Vordergrund wegen der allgegenwärtigen Farmzäune auch in Namibia bisweilen besteht 😉 zumindest fotografiert man hier das Ende des Geheges nicht mit 🙂
So waren wir jedenfalls alle gleichermaßen gespannt auf den Etosha Nationalpark.
Das übliche Registrierungsprozedere am Einlass ist schnell erledigt, dann fahren wir auf der Asphaltstraße vom Anderson Gate in Richtung Okaukuejo. Die Herde Zebras die bald nach dem Tor über die Straße läuft gibt gleich einen guten Einstieg. Toll! (Tja, spätestens nach der zweiten Hälfte des ersten Tages staunt keine Besucher mehr über Zebras aber wir waren ja erst am Anfang!) Darüber vergessen wir leider gleich das Ombika Wasserloch zu besuchen 🙁 und fahren weiter.
LinksverkehrAm Straßenrand arbeiten eine Gruppe Männer lang auseinandergezogen. Ein bewaffneter Ranger steht etwas gelangweilt mit dabei. Ob er jedoch auch den letzten Mann, der in seinem Rücken noch auf Knien am Straßenrand irgendwie beschäftigt ist rechtzeitig im Blick hätte?

Außer der Herde Zebras gibt es nicht mehr viel Spannendes bis Okaukueju dort wollen wir zunächst einchecken, auch wenn es noch sehr zeitig ist. Im Anmeldungsbüro lesen wir das Beobachtungslog der Gäste und finden eine Eintragung zu Ombika, kurz bevor wir dran vorbei fuhren wurden zwei Löwen und ein Nashorn kolportiert. Hmmm :-/
Wir werden aber zunächts 500 N$ Schlüsseldeposit und dazu die Parkgebüren los. Da sich alles mit Kreditkarte zahlen lässt beleibt unser Bargeldvorat unangetastet. Was auch nicht weiter schlimm ist, hatten wir doch in Swakopmund noch einmal Rand aus dem Automaten bekommen und damit bestand gut die hälfte unserer Barreserven aus Rand und würde sogar in Deutschland noch tauschbar bleiben). Die Buchung dauert wie üblich ewig, irgendwann rattert aber doch der Belegdrucker. Nur unsere Zimmerschlüssel bekommen wir noch nicht, die Zimmer sind noch nicht frei. Nun gut, vor heute Abend brauchen wir das ja ohnehin nicht. Stattdessen drehen wir eine ausgedehnte Runde zu den Wasserlöchern im Umkreis.

In einem Auto eingesperrt zu sein um Tiere ansehen zu können ist ja im Grunde schon hart (nein, das wird jetzt keine neue Etosha-Aussteige-Diskussion 🙂 ) aber Fotografieren aus dem Auto ist eine Strafe! Schon der versuch eine Position zu finden, bei der alle drei Insassen halbwegs gleichgute Chancen haben ist zum Scheitern verurteilt. Das auch noch mit dem Anspruch verbinden zu wollen aus einer der geöffneten Seitenscheiben eine vernünftige Perspektive zu finden schlicht ein ding der Unmöglichkeit. Neidisch blicke ich nicht nur einmal auf einen der kommerziellen Safarikreuzer mit umlaufend offenem Dach. (Während die da drinnen wohl verfluchen, dass sie immer nur eine Perspektive von oben bekommen 😉 )
Und noch etwas hasse ich bald: die Gepäcksparwut beim Zusammenstellen der Fotoausrüstung der das 2.8 200 L (für Nichtfotografen: ein weiteres Teleobjektiv, das für die Tierfotografie einige Vorteile gebracht hätte) zum Opfer fiel. Ich habe zwar mit dem 70-200 und dem 2x Extender am Ende die gleiche Brennweite kann da aber nur noch per Hand oder LiveView fokussieren. Das trotzdem ein paar brauchbare Bilder entstehen ist eher der Tatsache zu verdanken, dass die Bilder im Netz so furchtbar klein sind und die viel gescholtenen 18 Megapixels der Kamera manchmal ja doch einen Vorteil haben.
Was mir während der Fahrten im Park durch den Kopf geht: Was macht man eigentlich bei einer Reifenpanne? Eine zentrale Notrufnummer für die Ranger hab ich, glaub ich, nirgendwo gesehen. (Es ist jetzt nicht so, das mir nicht ein Katalog möglicher Optionen einfiele ich überlege nur, wie die Nationalparkverwaltung sich das gedacht hat wie man es „korrekt“ machen soll. Um es vorweg zu nehmen, es ging kein Reifen kaputt und auch nach längeren Standzeiten an den Wasserlöchern sprang der Motor immer wieder an.)
Irgendwann, viele Springböcke, etliche Zebras und einen Elefanten später, sind wir wieder zurück im Camp und bekommen jetzt auch zwei Zimmerschlüssel. Die zugehörigen Zimmer zu finden ist etwas schwieriger, erst bei der dritten Runde im Camp fällt mir auf, dass man dazu erst durch Tor hinaus muss, um durch den Seiteneingang wieder hineinzugelangen. Die Zimmer sind sauber, ordentlich, hübsch zurechtgemacht und winzig 😉
Nach ein wenig Shopping im Souvenirladen und dem, eher übersichtlich bestückten, Laden, sehen wir uns das Wasserloch an, bevor wir noch eine Runde ins Umland unternehmen. An der Ausfahrt des Camps mahnt die Uhrmarkierung die Zeit des Toreschlußes an, bis dahin möchten wir wieder im Camp sein.
Sitzt uns also wieder die Zeit im Nacken 😉
Wir fahren bis Homob, die Straße dort hin ist auf dem letzten Stück recht schlecht und das Wasserloch ist leider recht weit vom Fahrzeug entfernt. Trotzdem sind wir begeistert als ein Spitzmaulnashorn und eine Giraffe zur Tränke kommen. Für das Foto muss ich aber das letzte Pixel herauskitzeln… wir schaffen es auch zum Sonnenuntergang zurück ins Camp, wenn auch nicht mehr mit ganz so vielen Fotostopps wie eigentlich schön gewesen wären…
Abends, mit einem Bier am Wasserloch, endlich aus dem engen Auto befreit, genieße ich die einbrechende Nacht. Bis eine Horde HummelTouris ihre Koffer über die unebenen Wege hinter sich her rollen. Was für eine Geräuschkulisse =8-0 Die Einzigen, die es nicht zu stören scheint, sind die letzten Tiere am Wasserloch. Später, es ist inzwischen empfindlich kühl, sind nur noch wenige übrig am Wasserloch. Auf beiden Seiten der niedrigen Mauer. Während sich aber auf der Campsite der Menschen wenig tut, die letzten sich an die Rotweinflasche klammern oder tiefer im Schlafsack verschwinden, wechselt drüben am Wasser gemächlich die Besetzung. Ein alter Elefantenbulle (leider mit unfotogenem Funksenderhalsband) gibt seine Vorstellung… ein Schakal gibt den zweiten Aufzug und die Giraffen scheinen alle Zeit der Welt zu haben bis sie endlich mal zum Wasser herunter kommen.
Am nächsten Tag fahren wir nach Westen besuchen wir den Moringa „Wald“, auch dort ist es sehr schade, das Auto nicht verlassen zu können, so ist es noch schwieriger ordentliche Bilder zu bekommen.

Dann legen wir uns an der Okondeka Wasserstelle auf die fotografische Lauer. Hier finden sich fast garantiert auch Löwen verspricht ein Reiseführer. Es spielen sich durchaus spannende Szenen ab wenn Oryxe und Springböcke mit laut krachenden Gehörnen miteinander kämpfen.


Leider ist auch hier die Entfernung ziemlich groß für gute Fotos und die Löwen werden den Reiseführer nicht gelesen haben, es kam jedenfalls keiner vorbei.
Eher als gestern entfliehn wir dem Eingesperrtsein im Auto ans Wasserloch des Camps. Es ist gut besucht – auf beiden Seiten. Die Sonne senkt sich. Sie steht bald nur noch knapp überm Horizont als die Elefanten anrücken.

Eine gute Chance auf ein paar wunderbare Bilder!
In einer Wasserloch-Pause gehen wir Essen, hatten wir uns doch extra einen Tisch reservieren lassen. Nun, eigentlich gibt es zum Essen wenig zu sagen, es war weder besonders gut noch besonders schlecht, dafür aber gab die Sangesgruppe der örtlichen Schule ihren Auftritt um danach mit der Schulkollekte durch den Saal zu ziehen.
An diesem Abend gibt es richtig großes Kino hier am Wasserloch! Wir sind begeistert!

Es beginnt mit den Giraffen. Mit unendlicher Geduld arbeiten sie sich aus dem Hintergrund vor bis ans Wasser. Ein paar Nashörner erscheinen am späteren Abend. Es dauert nicht lange bis sie auf einander losgehen.

Mit lauten Poltern treffen sie aufeinander und ich überlege wie die niedrige Mauer die uns trennt so ein Viech in voller Fahrt wohl aufhalten würde…

Eine Elefantenherde kündigt sich laut aus der Ferne an und erscheint mit viel Getöse. Das Fotografieren ist bei dem schwachen Licht schwierig (ISO 12800 und 1/20 IS und Stativ - das reicht kaum für die kleinen Bildchen hier) aber es ist auch ohne Fotos spannend und fesselt uns bis tief in die Nacht.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich die Tiere hier so spannend finden würde und auch so viel Spaß am Fotografieren hätte, trotz allen schwierigen Bedingungen.
Nur die Löwen hatten wohl keine Zeit für uns 🙁 müssen wir halt auch hier hin noch einmal wiederkommen, aber zunächst haben wir ja noch einen ganzen Tag für die Fahrt ans östliche Parkende.
Wir besuchen Halali und müssen von dort leider einen Umweg fahren um zur Pan-Aussicht zu kommen, da an der kürzeren Verbindung gebaut wird. Einen Vorteil hat der Umweg aber doch – ich treffe mein Lieblingstier! Nein, nicht die Löwen, von denen ist weiterhin nicht die Schwanzspitze zu sehen! Nur ein Vollbremsung kann verhindern, das Auto auch Chamäleon frisst =8-0
Faszinierend, wie das kleine Tier die Überquerung der Straße zelebriert.

„Walk Like an Egyptian“ (Oh Gott, wer kennt noch dieses alte Video, war das eigentlich schon in Farbe 😉
Die kurze Stichpiste in die Etoshapfanne ist eindrucksvoll. Gewissermaßen Auge-in-Auge mit dem großen grün-weiße Nichts.

Irgendwo am Weg stauen sich die Autos. Löwen!? Nein, Schakale streiten sich um ein totes Zebra und die Geier warten bis sie an der Reihe sind.


Vor Namutoni bemerken wir noch ein paar Elefanten, wir verlassen die Hauptpiste um vielleicht noch eine günstigere Position fürs Foto zu bekommen. Dort wo der Trampelpfad der Elefanten die Piste kreuzt, ist zwar die Perspektive gut, parken möchte ich da aber nicht lange 😉

Am Abend verlassen wir Etosha – leider immer noch ohne einen Löwen gesehen zu haben :-/
Gleich hinter dem Tor geht es zu den Onguma Camps. Wir haben ein Quartier im Bushcamp. Der Weg dorthin entlang des Zaunes, der hier eher der Todeszone einer Grenze gleicht als einem Wildzaun, hat daher etwas Beklemmendes.
Nach der Enge der Unterkunft in Okaukuejo empfinde ich das Zimmer und die Anlage von Onguma regelrecht luxoriös! Großes Zimmer, großes Bad mit Dusche und tiefer Wanne… Allerdings haben sie das Bettzeug für die Aufbettung vergessen. Ich stiefle also noch mal zur Rezeption und erkläre mein Problem. Nein, das hätten sie natürlich nicht vergessen, während wir beim Dinner wären, würden sie das dritte Bet zurecht machen. Auch gut!
Ich setze mich aber zunächst mal ans ungenutzt vor sich hin brennende Feuer und gönne mir ein kleines Tagesausgangsbier.

Zum Abendessen gibt es Schwein und den Männerchor des Küchenpersonals.
Wieder zurück in unserem Zimmer ist auch tatsächlich umgeräumt und das dritte Bett bereitet. Was mir fehlt ist ein Moskitonetz, grad hier im Norden, wo die Risikogrenze für Malaria angesetzt wird wäre mir das eigentlich lieber. Die Dosis Peaceful Sleep fällt entsprechend höher aus. Ein paar mal in der Nacht schrecke ich auf weil ich mir einbilde es an meinem Ohr summen gehört zu haben =:-/