leofantThemenstarter754 Beiträge · seit 201030. Nov. 2024 · #1
Liebe Fomis, vor genau einem Jahr hatte ich meinen letzten „tierischen Adventskalender“ hier im Forum eingestellt. Also ist es wieder an der Zeit, den Nachfolger 2024 zu präsentieren. Auch dieses Mal habe ich aus meinem „Fotobuch Nr. 2“ wieder pdfs generiert und Screenshots der einzelnen Seiten gemacht. Dadurch liegt die Qualität vielleicht nicht bei 100%, aber für einen virtuellen Kalender sollte es genug sein. Das Fotobuch beinhaltet 99 Seiten, also kann ich an jedem Tag ca. 4 Bilder einstellen. Ich habe manchmal kurze oder auch längere Kommentare zu der jeweiligen Situation geschrieben. So kann man nachvollziehen wie oder warum es zu den Fotos kam. Auch für diesen Kalender gilt: Für zarte Gemüter mögen manche Beschreibungen etwas brutal wirken, aber die Wildnis ist nun mal wild. Und daran will ich auch bei der Kommentierung einzelner Begebenheiten nichts ändern. Ich hoffe, die Tierbezeichnungen auf den jeweiligen Fotos sind korrekt und ihr werdet euch nicht langweilen.
Heute, am 30.11.2024 teste ich, ob noch alles so funktioniert wie gewohnt und stelle 2 Bilder ein, nämlich die Titelseite und die Rückseite des Fotobuchs. Beide Fotos entstanden bei einer der vielen Touren auf dem Chobe River. Meine Frau Ruth und ich hatten viele Jahre lang das riesige Glück, bei Freunden in Kasane unterzukommen. Die besaßen dort eine Lodge. Während Ruth öfter mit Freundin Gabi unterwegs war, um Besorgungen für die Lodge zu machen, konnte ich fast jeden Tag den Nationalpark besuchen. Entweder zusammen mit den Gästen, oder manchmal auch ganz alleine mit einem der Guides. Das war natürlich immer das „rosarote Paradies“ für mich, denn vor allen Dingen John und Tefo waren extrem engagiert, um mir so viel „tierische Situationen“ wie möglich zu präsentieren. Leider sind unsere Freunde seit 2021 nicht mehr in Botswana. Das war ein Schock für uns, aber immerhin ist es uns weiterhin einmal pro Jahr möglich unser geliebtes Land zu besuchen. Deshalb kann ich jetzt schon sagen, dass auch der nächste Kalender 2025 wieder erscheinen wird. Morgen – also am 01.12.2024 – geht es dann los mit dem Kalender
leofantThemenstarter754 Beiträge · seit 201001. Dez. 2024 · #4
Guten Morgen Konni und Freshy! Schön das ihr dabei seid 😁 Ich hoffe ich kann euch täglich einige nette Minuten schenken. Dann beginne ich doch gleich mal mit
Türchen Nummer 1
Bild 1 Zeitpunkt: November
Tatsächlich habe ich schon immer eine besondere Verbindung zu Elefanten gehabt. Sobald ich mich in der Nähe der grauen Riesen befinde, erfasst mich eine Hochstimmung, die normalerweise recht lang anhält. Im Freundes- bzw. Verwandtenkreis halten mich viele für total meschugge, weil ich unglaublich viele Elefantenbilder auf der Festplatte gespeichert habe. Aber dafür konnte ich das Leben der Elis von der Geburt bis zum Tod ganz gut (zumindest für meine Ansprüche) dokumentieren. Wie sagte Thoralf, ein deutscher Tierfilmer: Elefanten machen glücklich! Und das ist absolut wahr. Ich liebe es, wenn wir dicht an einem Elefantenpfad stehen, den Motor stoppen und auf das Herannahen einer Herde warten. Zumindest wir haben die Erfahrung gemacht: Wenn man vorher schon parkt und sich ruhig verhält, sind diese Begegnungen immer total entspannt, denn die Elis können ja selbst entscheiden, wie nahe sie an den Wagen herankommen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich bei den zahlreichen Begegnungen jemals Angst verspürt hätte, aber immer habe ich dieses unglaubliche Gefühl, wenn ich das Grummeln oder das kurze Trompeten der Tiere hören kann, während sie unseren Standort passieren.
Bild 2 Zeitpunkt: November Es ist schon einige Jahre her, aber ich kann mich noch gut erinnern. Wir tuckern mit dem Boot gemächlich am Ufer des Chobe entlang, als wir auf diese zwei Kampfhähne treffen. Sie meinen es nicht wirklich ernst, messen eher nur ihre Kräfte. Die Perlhühner am Rand der Arena kommen mir vor, wie die Ringrichter beim Boxen. Scheinbar mit kritischem Blick analysieren sie, wer von den beiden die bessere Technik drauf hat. Ach ja, der Kampf ging übrigens unentschieden aus 😄
Bild 3 Zeitpunkt: November Am späten Vormittag haben wir unseren weitesten Punkt in der Nähe der Chobe Savanna erreicht und gleiten langsam über das Wasser. Am Ufer versammeln sich immer mehr durstige Elefantenherden. Während sich die Mütter mit dem Nachwuchs in der Nähe des Ufers aufhalten, genießen die Älteren einen Ausflug ins tiefere Wasser. Guide John hat schon längst den Motor ausgeschaltet und wir treiben mit der Strömung auf die Elis zu. Ich habe mich ganz vorne am Bug positioniert, um möglichst nah an meinem Motiv zu sein. Der Eli hat sichtlich Spaß dabei, das Wasser mit dem Rüssel aufzusaugen, um es dann wieder als Springbrunnen auszustoßen. Ich kann das bei der aufkommenden Hitze des Tages sehr gut nachvollziehen und freue mich über dieses Motiv.
Bild 4 Zeitpunkt: Dezember Gerade die jugendlichen Elefanten beobachte ich immer wieder gerne, langweilig wird mir dabei nie. Auch diese drei Freunde haben sich etwas einfallen lassen, damit ich sie ja nicht übersehe und ein schönes Bild knipsen kann. Natürlich habe ich mich höflich bei ihnen bedankt. Vielleicht begegnen wir uns ja wieder 🙂
leofantThemenstarter754 Beiträge · seit 201002. Dez. 2024 · #5
Ich wünsche einen schönen guten Morgen ! Und weiter geht es zu
Türchen Nummer 02
Bild 5 Zeitpunkt: Juni „Meine“ Jungs (die Guides) haben ein exzellentes Gespür dafür, wie nahe man mit dem Boot an einen badenden Eli heranfahren kann, ohne dass er genervt wirkt. Bei manchen „Badegästen“ halten sie mehr Abstand, bei anderen weniger. Hin und wieder wurden wir in der Vergangenheit mit einem strengen Blick bedacht, wenn wir eine gewisse Grenze erreicht hatten, aber richtig wütend geworden ist keiner von ihnen.
Bild 6 Zeitpunkt: Oktober Ich finde, dieser Eli schaut sehr nachdenklich aus. Ob er wohl überlegt, welche Termine er in der aktuellen Woche noch wahrnehmen muss?
Bild 7 Zeitpunkt: Oktober Wir fahren ein Stück am Ufer des Lake Kariba entlang. Auch hier weiß unser Guide „Little Alex“ (er brachte übrigens geschätzte 150 kg auf die Waage) ganz genau, wie er das Boot positionieren kann. Immerhin nähern wir uns ja eine Mutter mit Kleinkind, das ist manchmal nicht ganz ungefährlich. Das Kleine tut mir den Gefallen und kommt unter dem Bauch der Mutter hervor. Wie alle Kinder ist es ziemlich neugierig, nachdem die Mutter scheinbar Entwarnung gegeben hat. Der halbe Körper ist im Schatten, das Hinterteil wird von der Nachmittagssonne angestrahlt, ich bin sehr zufrieden mit dieser Situation.
Bild 8 Zeitpunkt: November Wir starten vom Kanga Camp und machen mit Guide Bono einen Tagesausflug zu den Mana Pools. Auszug aus meinem Reisetagebuch: Eine Viertelstunde später tritt Bono auf die Bremse und macht den Motor aus. Ganz in unserer Nähe, im Schatten einiger Bäume, steht eine Elefantenkuh mit ihrem Kalb. Das Besondere: An ihren Hinterbeinen sieht man noch das verkrustete Blut und der kleine Eli hat noch seine Nabelschnur. Die Geburt kann also nicht lange her sein, vermutlich irgendwann in der letzten Nacht. Das Junge steht noch ziemlich wackelig, die Hinterbeine gespreizt, damit es nicht umfällt. Zu unserer Verwunderung zieht sich die Mama nicht sofort in den Busch zurück, sie beobachtet uns zwar eingehend, akzeptiert aber unsere Nähe. Was mir noch auffällt: Wenn wir in der Vergangenheit Elefantenbabies gesehen haben, dann hatten die eine rosa Farbe, dieses Kleine aber ist grau, nur die blauen Augen zeigen, dass es sich um ein Kind handelt. Das Baby stupst seine Mama an und versucht herauszufinden, wo sich denn wohl die Milchbar befindet. Augenscheinlich hat es bisher noch nicht getrunken. Das macht uns ein wenig nervös, denn es ist ja immerhin schon ein paar Stunden alt und braucht bestimmt dringend einen kräftigen Schluck der nahrhaften Milch! Immer wieder sucht es zwischen den Hinterbeinen, ist dort aber logischerweise nicht erfolgreich. Die Mama weiß scheinbar nicht, was zu tun ist, denn das Einzige, was ihr einfällt ist, das Kind immer wieder mit Sand einzupudern. So geht es eine Viertelstunde lang, das Kind sucht und sucht, die Mutter hat keine Ahnung, wie sie sich verhalten soll. Und jetzt? Werden wir hier etwa Zeuge, wie das Kleine langsam an Kraft verliert und verdurstet? Die Stimmung im Fahrzeug ist merklich gedämpft. Meine Frau, die ja gerne hilft, kämpft mal wieder gegen den Drang an, auszusteigen und dem Baby die richtige Stelle zu zeigen. Plötzlich geschieht etwas Faszinierendes. Es knackt im Busch. Wir waren so fokussiert auf das scheinbare Drama, dass wir nicht bemerkt haben, wie sich eine weitere Elefantenkuh dem Platz nähert. Kurz bevor sie Mutter und Kind erreicht, dreht sie sich um und läuft jetzt ganz langsam rückwärts weiter. Dann ist sie nahe bei Mutter und Kind und tatsächlich! Sie schiebt das Baby mit ihrem Rüssel zu den Zitzen der Mutter, das Kleine erforscht kurz die unbekannte Gegend, um dann mit sichtlichem Genuss die Milch zu trinken. Wir vermuten, die Mama hat eine erfahrene Schwester oder Tante gerufen, die wollte keine Panik auslösen und hat sich deshalb rückwärts genähert. Jetzt sind wir allerdings alle happy, Mama, Kind, Tante, Guide Bono, sowie Ruth und ich. Alles ist gut ausgegangen und wir mussten kein Drama erleben!
leofantThemenstarter754 Beiträge · seit 201003. Dez. 2024 · #6
An einem (zumindest bei uns im Rhein-Main Gebiet) weiteren trüben Morgen versuche ich, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen 🙂
Türchen Nummer 03
Bild 9 Zeitpunkt: November Wir verlassen das Hyena Pan Tented Camp und machen einen Ausflug zu den sogenannten Skybeds, das sind „Holztürme“, in denen man übernachten kann. Auf dem Rückweg stoppen wir an einer Wasserstelle. Hier hat man einen Container in der Erde vergraben. Er ist innen mit bequemen Sesseln und Sichtfenstern ausgestattet. Man sitzt fast auf Wasserhöhe, das gestattet natürlich interessante Ausblicke, ohne dass man von den Tieren bemerkt wird. In diesem Fall bekommen wir Besuch von einem wirklich netten Bullen. Er weiß scheinbar ganz genau, wie er sich zu positionieren hat, damit ich ihn im goldenen Sonnenlicht des Nachmittags gut in Szene setzen kann. Auch die Spiegelung habe ich wirklich gerne als „Sahnehäubchen“ mitgenommen 😁
Bild 10 Zeitpunkt: Juni Es hat mir immer viel Spaß gemacht, mit meinem Freund John einen Sunset-Cruise zu unternehmen. Er war an den meisten Tagen zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich musste dann eigentlich nur die Kamera bereithalten und darauf warten, dass meine Motive – wie in diesem Fall die Elis – das Foto noch ein wenig aufhübschen. Natürlich habe ich mir gewünscht, dass einer der Darsteller seinen Rüssel hebt, dass es aber so gut klappt, damit konnte ich nicht rechnen.
Bild 11 Zeitpunkt: April Zu diesem Foto ist eigentlich nicht viel zu sagen. Vielleicht nur: Das letzte Einhorn gibt es auch in Afrika am Chobe, dieser „Dagga Boy“ beweist es.
Die Inseln inmitten des Chobe River bieten eigentlich immer einen Grund, für einige Minuten zu stoppen. Da sie sich - bei niedrigem Wasserstand – ein Stück über der Wasserlinie befinden, habe ich eine interessante Perspektive, um diese zwei Kämpfer in ihrer Arena abzulichten. Ob die Oxpecker ihre „Reittiere“ vielleicht sogar anfeuern? 😄
Enilorac65768 Beiträge · seit 201703. Dez. 2024 · #7
Hallo Leofant, herzlichen Dank für diesen ganz besonderen Adventskalender! Was für eine schöne Idee! Die Geschichte mit dem Elefantenbaby ist sehr eindrücklich! Auch ich verbinde Elefantensichtungen bzw. Begegnungen mit den schönsten Tiererlebnissen. 🙂 Liebe Grüsse Caroline
2016: Südafrika mit Gardenroute
2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius
2020: Kapstadt und Gardenroute
2022: Namibia
2024: Namibia und Südafrika
2026: Namibia und Botswana in Planung :-)
leofantThemenstarter754 Beiträge · seit 201004. Dez. 2024 · #8
Hallo Caroline, es freut mich, dass du diese Gefühle – wenn man sich in unmittelbarer Nähe der Elis aufhält – nachvollziehen kannst. Im April 2024 hatten wir eine Frau im Auto, die hatte (etwas überspitzt ausgedrückt) eine Elefantophobie! Sie lebte in Namibia, war also mit wilden Tieren durchaus vertraut. Auf jeden Fall war sie in Botswana irgendwie fehl am Platz. Auf welche Ideen die Leute so kommen, um auf Safari zu gehen ... 😗 Was meinen Kalender betrifft wechsele ich allerdings jetzt zu anderen Tierarten. Ich denke, auch die haben eine Präsentation verdient. Kommen wir also zu
Türchen Nummer 04
Bild 13 Zeitpunkt: Mai Hypnotisieren sich die zwei Teilnehmer gegenseitig? Oder halten sie gerade ein stummes Zwiegespräch? Auf jeden Fall habe ich diesen Schnappschuss natürlich gerne mitgenommen.
Bild 14 Zeitpunkt: November Hin und wieder wechseln die Büffel vom Nationalpark über den Fluss auf die namibische Seite. Da das Flussufer in der Regel etwas höher liegt, hat man einen etwas ungewöhnlichen Blickwinkel. Ja, ich weiß, das ist jetzt etwas abwertend kommentiert: Diese beiden Büffel machen nicht gerade einen wahnsinnig intelligenten Eindruck auf mich.
Bild 15 Zeitpunkt: Juni Es ist später Nachmittag. Vor etwa 15 Minuten haben wir mit der Fähre den Luangwa River überquert und bewegen uns gemächlich durch die Landschaft. Die „goldene Stunde“ hat bereits angefangen, als wir auf diese beiden Giraffenbullen treffen. Obwohl wir in ihrer Nähe anhalten beachten sie uns überhaupt nicht. Sie stolzieren im Kreis herum und lassen sich keine Sekunde gegenseitig aus den Augen. Wir waren darauf vorbereitet, dass sie ihre Kräfte in einem typischen Giraffenkampf messen würden, aber wir werden enttäuscht. Nach wenigen Minuten gehen sie kampflos in verschiedene Richtungen. Ich mag an diesem Bild, dass Landschaft und Kämpfer in dieses wunderbar goldene Licht der untergehenden Sonne getaucht sind.
Bild 16 Zeitpunkt: Dezember Diese beiden Fotos entstanden zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Hinterland des Chobe, nicht weit vom der alten Flugpiste entfernt. Ich finde, man kann der ersten Giraffe auf dem linken Bild förmlich beim Grübeln zusehen. „Steht hier vor mir eine Gefahr, oder vielleicht auch nicht?“. So beobachten die Menschen im Fahrzeug die Giraffen und werden gleichzeitig von den Tieren ebenfalls begutachtet. Während die Giraffen links total auf uns fokussiert sind, behalten zumindest zwei Langhälse auf dem rechten Foto auch die unmittelbare Gegend im Blick. Das ist tatsächlich keine schlechte Idee, denn unter den Büschen im Hintergrund halten sich öfter mal die Löwen auf.
leofantThemenstarter754 Beiträge · seit 201005. Dez. 2024 · #9
... und hier kommt das Türchen am Donnerstag ...
Türchen Nummer 05
Bild 17 Zeitpunkt: Juni Es gibt eine bestimmte Stelle – ebenfalls im Hinterland des Chobe – die gerne von Elefanten und Giraffen aufgesucht wird. Hier finden sie lebenswichtige Mineralien, die sie gerne aufnehmen. Speziell die Giraffe im Vordergrund ist meiner Meinung nach sehr clever, denn mit gespreizten Beinen und gesenktem Hals ist sie verwundbar, aber um sie herum ist die Landschaft ohne Bewuchs, also kann sich kein Löwe einfach so anschleichen. Bei dieser Aufnahme war ich daran interessiert, die Beine in harmonischer Ausrichtung abzulichten. Ich finde, das ist mir auch ganz gut gelungen.
Bild 18 Zeitpunkt: Oktober Wir tuckern mit dem Boot am Ufer des Chobe entlang. Es ist etwas kühler geworden am Nachmittag, Zeit für viele Tiere ans Ufer zu kommen, um nach einem heißen Tag ein paar Schlucke zu trinken. Allerdings bevorzugt diese Giraffe das kleine Wasserloch, obwohl der Fluss unmittelbar daneben verläuft. Vermutlich weiß sie instinktiv, dass in dieser Gegend viele große Krokodile unterwegs sind und die sind durchaus schwer zu entdecken, wenn sie sich dicht unter der Wasseroberfläche nähern. Ich mag es, wenn das Tier ruckartig den Kopf hebt und die Wasserschlieren scheinbar einen Moment in der Luft stehen bleiben, bevor sie als kleiner Regenguss wieder auf den Boden tropfen.
Bild 19 Zeitpunkt: November Eigentlich gibt es auf diesem Foto nichts Besonderes zu sehen. Einige Giraffen und eine Herde Impalas. Ich finde aber die Farbkomposition ganz nett. Das überwiegende Braun der Tiere, das gelbe Gras, die grünen Streifen im Vordergrund, die weiße Pfanne und der blaugraue Himmel, der die bevorstehende Regenzeit ankündigt verleihen meiner Meinung nach der Szenerie eine besondere Stimmung. Und was ich gelernt habe: Solange die Giraffen still stehen heißen sie „a tower of giraffes“. Sobald sie sich bewegen wird aus dem „tower“ eine „journey of giraffes“.
Bild 20 Zeitpunkt: Mai Auszug aus meinem Reisetagebuch: Wir haben vor etwa einer Stunde die Sandibe Safari Lodge für den Morning Gamedrive verlassen. Es ist recht kühl heute früh. Links und rechts glitzert der Morgentau in den Sumpfwiesen, doch was ist dort? Da bewegt sich was! Wir halten an und der Motor wird abgestellt. Ein paar Sekunden später kommen drei jugendliche Hyänen aus dem Gras und beobachten uns neugierig. Guide Tale flüstert uns zu, dass die Tiere ihre Eltern verloren haben und jetzt zu dritt überleben müssen. Sie kennen das Auto und sind deshalb nicht besonders ängstlich. Es dauert auch nicht lange und sie verlieren jede Scheu, beschnuppern und balgen sich, spielen Nachlauf und kommen dabei immer näher an unser Fahrzeug. Dann hält die größte der drei Hyänen inne und läuft dicht an die Motorhaube, direkt unter den Sitz unseres Trackers, der sich außerhalb des Fahrzeugs befindet. Sie beschnüffelt seine Schuhe und fängt an, darauf herum zu beißen. Wir müssen uns alle das Lachen verkneifen, und er hebt seine Füße so hoch, dass sie außer Reichweite sind. Eine zweite Hyäne steht auf meiner Seite direkt neben dem Fahrzeug. Sie schaut unseren Fahrer unverwandt an, so als wäre sie ein Hund und würde auf ein Leckerli warten. Nachdem sie aber nichts bekommt, knabbert sie enttäuscht an einer Metallstange, die seitlich am Jeep angebracht ist. Wenn man das alles mitbekommt, dann könnte man fast vergessen, dass man sich in der Wildnis befindet und dass auch diese jungen Hyänen wilde Tiere sind. Für mich bedeutet das Zusammentreffen eine Bereicherung meiner Bilderkollektion, denn so nah konnte ich Hyänen – bei schönstem Morgenlicht – noch nie aufnehmen.
Hallo Walter, ich hänge mich schnell noch mit dran und habe alle "Türchen" aufgemacht 🙂 Deine Bilder sind ein Genuß ! Und als Hobbyfotografin, die viel in Namibia unterwegs ist, weiß ich, wie schwer es ist, solche Situationen wie z.B. bei den Elis mit der Kamera so festzuhalten wie Du es hier zeigst. Auch ich liebe u.a. Elis und bin immer fasziniert in ihrer Nähe sein zu dürfen, von den Geräuschen die ihre Füße auf Sand machen oder dem Geräusch der Haut wenn sie sich gegenseitig berühren. Die Doku über die Elis von Thoralf und Jens kenne ich auch, ein wunderbarer Film ! Ich freue mich schon auf die vielen weiteren Fotos 🙂 LG Anni
Enilorac65768 Beiträge · seit 201705. Dez. 2024 · #12
Ganz tolle Fotos! Und auch der Text dazu gefällt mir gut. Herzlichen Dank!
2016: Südafrika mit Gardenroute
2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius
2020: Kapstadt und Gardenroute
2022: Namibia
2024: Namibia und Südafrika
2026: Namibia und Botswana in Planung :-)
leofantThemenstarter754 Beiträge · seit 201006. Dez. 2024 · #13
Hallo freshy und Enilorac65, Danke für das Lob! Ich hoffe, ich kann euch weiterhin Freude bereiten 🙂
Hallo Anni, du triffst es ziemlich genau auf den Punkt. Wir haben bei den Elefantenbegegnungen wohl identische Gefühlsregungen 🙂 Und was Jens und Thoralf anbetrifft: Sie arbeiten ja rund um die Welt und haben wirklich tolle Tierfilme produziert. Und der Elifilm war für uns natürlich besonders, weil wir eine zeitlang quasi Beobachter der Aufnahmen waren. So, es wird Zeit für
Türchen Nummer 06
Bild 21 Zeitpunkt: Mai Wir bewegen uns mit dem Boot gemächlich am Ufer des Chobe entlang. Dann tauchen diese Hippos am Ufer auf. Es ist Nachmittag, die Hitze des Tages lässt allmählich nach, aber eigentlich – zumindest nach meiner Meinung – wäre der Aufenthalt im Wasser um diese Zeit doch sicher angenehmer für die Tiere, gerade wenn man die Sonnenbrandgefahr berücksichtigt. Auf der anderen Seite war ich noch nie ein Hippo und kann ihre Gedankengänge deshalb auch nicht nachvollziehen. Mir bringt dieses „Hippo-Arrangement“ jedenfalls ein nettes Bild. Besonders gefällt mir das Tier ganz rechts. Die pinkfarbenen Flecken an den Beinen wirken schon irgendwie schick 😄
Bild 22 Zeitpunkt: Mai Wenn wir die Hippos im Wasser beobachten und nur die Köpfe sehen, wird einem nicht unbedingt bewusst, WIE mächtig ihre Körper sein können. Ich finde, dieser Schnappschuss bringt die Dimensionen ganz gut zur Geltung
Bild 23 Zeitpunkt: Juni Nach dem Ende der Regenzeit, wenn der Wasserstand des Luangwa River langsam niedriger wird, kommen die ersten Sandbänke im Fluss zum Vorschein. Ein guter Ort, um das Treiben der Hippos zu beobachten, ist die Terrasse unseres Chalets im Nsefu Camp. Es ist gerade 14:00 und ziemlich heiß. Während die meisten Hippos dösend im Wasser verbringen, wechselt die kleine Familie mit extrem langsamer Geschwindigkeit den Standort. Während die Mutter den schweren Kopf scheinbar auf dem Sandboden abstützen will, beobachtet das Kleine neugierig die Umgebung. Für mich zeigt das Foto ein Stück weit den Unterschied zwischen dem „würdevollen“ Alter und dem jugendlichen Antrieb.
Bild 24 Zeitpunkt: Juni Das ist für mich ein ganz typisches Bild. Wir tuckern wieder einmal langsam über das Wasser und stellen wirklich für niemanden eine Bedrohung dar. Das hindert diesen jugendlichen Bullen aber nicht daran, sich mächtig „aufzuplustern“ um uns zu zeigen, wie gefährlich er schon ist und dass wir besser Abstand gewinnen, bevor er auf uns los geht. Selbstverständlich bleibt es bei dieser Drohung und wir können unseren Weg ungehindert fortsetzen
leofantThemenstarter754 Beiträge · seit 201007. Dez. 2024 · #14
Es ist Samstag früh und draussen ist es noch dunkel. Wir sind noch in "Klein-Afrika". So nennen wir das kleine Hotel mit Restaurant im afrikanischen Stil hier im Odenwald. Doch bevor wir unsere Sachen packen und wieder nach hause fahren, beschäftige ich mich noch schnell mit dem "richtigen" Afrika, Also wird das nächste Türchen geöffnet.
Türchen Nummer 07
Bild 25 Zeitpunkt: Dezember Das war eine wirklich spannende Situation, die mir einige gute Bilder bescherte. Der Bulle befindet sich auf einer Insel mitten im Chobe und grast friedlich, als wir uns vorsichtig nähern. Guide John stoppt den Motor und wir treiben ans Ufer. Wir sind mit dem kleinen 4-Personen-Boot unterwegs, meine Frau Ruth hat uns begleitet. Während ich mich im Bug des Bootes herunterbeuge, um eine gute Perspektive zu bekommen, hebt der Bulle den Kopf und schaut uns missmutig an. Dann läuft er mit grimmigem Ausdruck in unsere Richtung. Mein Freund John kennt mich lange genug und weiß genau, welche Bilder ich gerne haben möchte, deshalb wartet er noch ein paar Sekunden, bevor er den Motor startet. Der Bulle ist inzwischen im Wasser, kommt immer näher und macht eine Menge Lärm. Ruths Stimme wird lauter: „JOHN! ES REICHT JETZT“. Da lässt sich unser Freund erweichen und bewegt das Boot im Rückwärtsgang ein Stück weg. Der Bulle ist zufrieden. Nach ein paar weiteren Drohungen ändert er die Richtung. Auch ich bin zufrieden, denn ich konnte einige nette Actionfotos abspeichern. Dazu möchte ich bemerken: Mit „normalen“ Gästen würde John solche Aktionen auf keinen Fall durchziehen. Er ist sich seiner Verantwortung – was die Sicherheit der Gäste anbetrifft – absolut bewusst. Aber wir sind ja keine Gäste, sondern „Spielgefährten“ 😵 😗
Bild 26 Zeitpunkt: Mai Auszug aus meinem Reisetagebuch: Wir befinden uns im Kwando Lebala Camp. Während des Mittagessens erscheint unser Guide. Er fragt uns, ob wir heute Nachmittag zeitiger losfahren könnten, sie hätten am Morgen Geparde entdeckt und dort wolle er uns hinbringen. Wir zögern natürlich keine Sekunde und sagen zu. Die Siesta am Mittag fällt heute also kürzer aus, dann klettern Ruth und ich auch schon ins Auto. „Captain“ sitzt am Steuer, Tracker James schwingt sich auf den Beifahrersitz. Vorerst muss er keine Spuren finden, denn wir fahren auf der Piste Richtung Norden; die Jungs wissen ja, wo sie zu suchen haben. In schneller Fahrt geht es vorwärts, ab und zu mal ein kurzer Stopp für ein paar Fotos; nach ungefähr eineinhalb Stunden biegen wir ab und fahren querfeldein durch das hohe Gras. Dann werden wir langsamer und vier Augenpaare tasten jeden Meter der Umgebung ab, in der Hoffnung, ja keine Bewegung im dichten Buschwerk zu verpassen oder irgendwo eine Katze im Schatten liegen zu sehen. Wir fahren einen großen Kreis um ein paar Büsche – es gibt nichts zu entdecken. Unsere Begleiter sind sich sicher: Die Geparde müssen hier in der Nähe sein! Also steigen sie aus, um die nähere Umgebung zu Fuß abzusuchen. Ruth und ich bleiben alleine im Jeep zurück, haben aber trotzdem keine Angst. Wir waren oft genug im Busch unterwegs und wissen, dass wir in einem Fahrzeug – auch wenn es noch nicht einmal ein Dach hat – ziemlich sicher aufgehoben sind. Ein paar Minuten später kommen die zwei mit einem breiten Grinsen im Gesicht wieder. „Wir haben sie gefunden“ sagt Captain. „Sie müssen uns die ganze Zeit beobachtet haben, wie wir unsere Kreise gefahren sind, denn sie liegen unter einem Busch gleich nebenan.“ Wir starten und ich präpariere meine Kamera. Ein letzter Check, beide Apparate sind schussbereit, der Akku liefert auch genug Strom, dann kann es losgehen. Und tatsächlich! Nur ein paar Meter weiter können wir die drei Katzen im Schatten ausmachen. Zwei liegen dicht beisammen, während die dritte sich etwa drei Meter entfernt hingelegt hat. Unsere Begleiter sind der Meinung, dass zwei der Geparde Geschwister sind, während sich der dritte ihnen angeschlossen hat. Die soziale Bindung ist nicht ganz so eng, deshalb hält er etwas Abstand zu den anderen. Ich bin überrascht, dass alle drei uns nur mit einem flüchtigen Blick streifen, obwohl wir mit unserem Fahrzeug hin und her rangieren, um eine bessere Sicht zu bekommen. Die Äste bersten mit einem lauten Knacken, der Motor des Jeeps heult auf, spätestens jetzt hätte ich als Gepard einen ruhigeren Platz gesucht; aber nichts passiert, die drei bleiben liegen. Dann verstummt der Motor, um uns herum erklingt nur noch Vogelgezwitscher und das Klicken meiner Kamera. Die Tiere blicken in unsere Richtung, schauen gelangweilt überall herum, gähnen ein paar Mal herzhaft, strecken sich, lecken sich gegenseitig das Fell und ich schieße ein Bild nach dem anderen. Eigentlich hat es meine Frau gerade besser, die genießt einfach nur die Nähe dieser tollen Tiere und bewundert deren schlanke, gefleckte Körper. Aber ich kann mit dem Fotografieren nicht aufhören. Die Katze in meiner Nähe reißt das Maul auf, gähnt und zeigt ihr prachtvolles Gebiss, dann dreht sie den Kopf etwas, jetzt kann ich sie im Profil aufnehmen. Fotografenherz, was willst du mehr! Obwohl… die Lichtverhältnisse könnten etwas günstiger sein, oder ein paar Junge wären auch nicht schlecht, oder sie könnten jetzt anfangen zu jagen… Ich muss mich selbst „schütteln“. Hey, wir haben eine Menge Glück und können die Geparde sehen, bin ich denn nie zufrieden? Im Prinzip bin ich ja zufrieden, aber ich vermute, auch die meisten anderen Fotografen können sich ihre Bilder immer noch besser und ungewöhnlicher vorstellen. Das ist halt die ewige Jagd nach dem perfekten Bild. Unser Guide erhält einen Funkspruch. Die Gäste des Lebala Camps sind inzwischen ganz in unserer Nähe und er lotst sie das letzte Stück. Die Geparde spitzen die Ohren, sie haben wohl die Motorengeräusche bereits vernommen. Sie stehen auf und lassen sich dann an einer anderen Stelle wieder ins Gras fallen. Klick, klick, klick macht meine Kamera. Was mögen die Katzen bloß von uns denken? Wir können die anderen Fahrzeuge jetzt deutlich hören, auch die drei Geparde haben sich aufgerichtet und starren in die Richtung aus der gerade eine Menge Lärm herkommt. Dann haben uns die zwei Fahrzeuge erreicht. Die Guides unterhalten sich kurz mit den Kollegen, dann verlassen wir die Stelle, um den Anderen auch Gelegenheit für ein paar schöne Fotos zu geben.
Bild 27 Zeitpunkt: April Auszug aus meinem Reisetagebuch: Auszug aus meinem Reisetagebuch: Es ist früher Morgen. Wir verlassen die Sandibe Safari Lodge zum Gamedrive. Die Sonne steigt höher und höher, der Nebel verschwindet, dann tauchen ein paar Tsessebes und Zebras auf. Tracker „CT“ deutet auf die Pad. „Hier sind frische Spuren von einem Cheetah“, sagt er. Ich schaue mir das hohe Gras um uns herum an und denke: „Den finden wir hier nie“. Falsch gedacht! „CT“ zeigt auf einen Termitenbau, der ein ganzes Stück entfernt aus dem Gras ragt. Was? Wo soll denn da was sein? Ruth nimmt das Fernglas und scannt die Umgebung. „Ja, da ist der Cheetah“, sagt sie. Und tatsächlich, wenn ich ganz genau hinschaue, dann sehe ich direkt hinter dem Bau einen Kopf und den Teil seines Schwanzes. Er schaut jetzt sogar in unsere Richtung. „Gut gemacht, CT“, loben wir unseren Tracker. Guide „SK“ fährt jetzt mitten durch das hohe Gras in Richtung des Geparden. Der entfernt sich von dem Bau. Während er durch das hohe Gras läuft, kann man gerade noch den Kopf erahnen. Dann erreicht er einen Busch, sucht den Schatten und lässt sich auf den Boden fallen. Jetzt ist er komplett unsichtbar. Wir nähern uns vorsichtig. Die Rennkatze schaut uns etwas misstrauisch an, macht aber keine Anstalten, sich zu bewegen. Wären wir nur ein paar Minuten später hier entlanggekommen, dann hätten wir den Geparden niemals gesehen. Wir machen unsere Fotos, während „SK“ per Funk unseren Standort mitteilt. 20 Minuten später erscheint ein zweites Fahrzeug auf der Bildfläche. Jetzt wird es Zeit, dass wir uns zurückziehen, denn wir wollen die Katze nicht mehr als nötig stören und sie soll sich auf keinen Fall bedrängt fühlen.
Bild 28 Zeitpunkt: Juni Der South Luangwa NP ist unter anderem für seine hohe Leopardendichte bekannt. Auch wir wurden während unseres Aufenthalts in diesem Gebiet nicht enttäuscht. In dieser Situation hatten wir wieder einmal Glück, denn wir waren allein (also nur mit unserem Guide) unterwegs. Als wir den Leoparden entdeckten, ruhte er sich noch im Geäst aus. Wir hatten absolut keine Eile, parkten also in der Nähe und warteten ab. Irgendwann wurde ich für meine Geduld mit diesem Bild belohnt.
Guten Morgen, lieber Walter - Leofant, jeden Morgen sehe ich als erstes nach Deinem neuen Eintrag im tierischen Adventskalender und bin jedesmal von Bild und Text beeindruckt! Dankeschön! Gruß Friederike
leofantThemenstarter754 Beiträge · seit 201008. Dez. 2024 · #16
Guten Morgen Friederike ! Ich freue mich natürlich riesig, dass ich ein Teil deines "Frühstücks" sein darf 😄 Dann werde ich alles versuchen, um dir weiterhin etwas Abwechslung zu bieten. Liebe Grüsse - Walter
Türchen Nummer 08
Bild 29 Zeitpunkt: Mai An diesem Vormittag hatten wir tatsächlich einfach nur Glück. Unser Tracker spürt diese relativ junge Leopardendame auf. Sie kümmert sich überhaupt nicht um uns und so können wir ihr in langsamer Fahrt auf ihrem Streifzug folgen. Irgendwann erreichen wir einen umgestürzten Baum. Ich hätte nie damit gerechnet, dass die Katze tatsächlich auf den Stamm springt, sich sehr fotogen platziert und uns einfach nur unsere Bilder schießen lässt. Keine fünf Minuten später steht sie wieder auf und startet ihre Inspektionstour. Ich mag den Blickwinkel sehr, denn die junge Dame befindet sich ja auf Augenhöhe mit mir.
Bild 30 Zeitpunkt: Mai Auszug aus meinem Reisetagebuch: Wir sind wieder einmal am frühen Morgen unterwegs. Zunächst einmal fahren wir in die Gegend, in der wir gestern den Leoparden gesehen haben. Der Baum ist zwar leer, aber die scharfen Augen unseres Trackers entdecken die Katze gar nicht weit weg auf einem anderen Baum. Der Leo hat in der Nacht ein Impala getötet und in einer Astgabel platziert. Jetzt liegt er auf einem anderen Ast und döst. Wieder hängen alle vier Pfoten herunter. Der einzige gravierende Unterschied zu gestern Abend: Jetzt wird er vom goldenen Sonnenlicht angestrahlt! Ich kann es kaum glauben. Genau das Bild wollte ich! Und los geht´s: knips, knips, knips. Dann heißt es: Kamera beiseitelegen und einfach staunen und genießen. Aber Mutter Natur will nicht, dass ich einfach nur still herumsitze. Durch das goldgelbe Gras schleicht sich ein zweiter Leopard an. Misstrauisch werden wir gemustert, dann nähert sich die Katze dem Baum. Guide Kanawe erklärt uns, das wäre die Schwester des Leo, der es sich im Baum gemütlich gemacht hat. Sie schaut sehnsüchtig zu dem toten Impala hinauf. Dann rollt sie sich auf den Rücken und maunzt. Keine Frage, sie bettelt! Der Leo im Baum fängt an zu fauchen und zeigt deutlich seine prachtvollen Hauer. Übersetzt heißt das wohl: „Nein! Du bekommst nichts ab von meiner Beute! Die ist ganz alleine für mich!“ Etwas weiter entfernt taucht plötzlich eine Hyäne auf. Sie reckt die Nase in die Höhe und nimmt Witterung auf. Dann läuft sie weiter. Die Leopardin schnuppert ein wenig am Boden herum, dann versucht sie es ein zweites Mal. Auf den Rücken legen und maunzen. Die Antwort ist wieder ein fauchen. Ich glaube, der erfolgreiche Jäger lässt sich einfach nicht erweichen. „Schau mal“ sagt meine Frau. Ich setze die Kamera ab. Vor uns taucht die Hyäne auf und attackiert sofort die Leopardin. Die Katze zögert nicht lange und rennt davon. In sicherem Abstand stoppt sie noch einmal und beobachtet die Hyäne, dann verschwindet sie im dichten Busch.
Bild 31 Zeitpunkt: Dezember Gegen Ende des Jahres, wenn die Regenzeit beginnt, bevölkern innerhalb einer kurzen Zeitspanne hunderte von neugeborenen Impalas die Chobe Riverfront. Das ist nicht nur für uns als Besucher eine schöne Zeit, nein! Auch die Raubtiere freuen sich auf dieses „easy Food“. Wir sind auf dem Rückweg, haben die Chobe Savanna Lodge passiert und gleiten – natürlich schön langsam - dicht am Ufer Richtung „Elephant Beach“. Plötzlich taucht dieser Leopard aus dem Buschwerk auf und läuft am Ufer entlang. Unsere Anwesenheit scheint ihn nicht im Geringsten zu stören. Ich bin natürlich hoch erfreut über dieses unverhoffte Foto, auch wenn die Geschichte – zumindest für das neugeborenen Impala – sehr traurig endete. Aber es gibt nun mal keine „bösen“ Raubtiere und „lieben“ Opfer. Es geht in der Natur immer nur um das tägliche Überleben. Wer weiß, vielleicht wartet irgendwo ein junger Leopard auf sein Abendessen …
Bild 32 Zeitpunkt: April Es ist noch früher Morgen. Unser Tracker hat die Spur der Leopardin gefunden, die wir gestern Abend bereits beobachten konnten. Während wir also mit einem eher großen Fotomodell rechnen, erspähen wir diesen kleinen Kerl. Was für eine Freude! Die Mutter scheint auf der Jagd zu sein, denn der Jungspund ist alleine. Etwas ängstlich, aber auch irgendwie neugierig beobachtet er das große, grüne „Ungetüm“, dass neben ihm angehalten hat. Natürlich wissen wir, was sich gehört und unterhalten uns nur im Flüsterton. So werden wir mit ein paar wunderschönen Minuten belohnt, bevor sich der Nachwuchs dann doch lieber in den dichten Busch zurückzieht.
freshy3'883 Beiträge · seit 201108. Dez. 2024 · #17
Guten Morgen Walter! Herrjeh, sind das schöne Leopardenfotos!!! 9 X waren wir im südlichen Afrika und haben nicht einen einzigen Leoparden vor die Linse bzw. unsere Augen bekommen. Ich beneide euch sehr um diese phantastische Ausbeute.
Moin Walter, vielen vielen Dank für Deine wunderschönen Leopardenfotos, vor allem das erste von der jungen Dame ! Der düstere und verregnete Tag ist gerettet ;-)) LG Anni
leofantThemenstarter754 Beiträge · seit 201009. Dez. 2024 · #19
Hallo freshy, ooooh! Ich kann deinen „Frust“ sehr gut verstehen. Wir haben auf unserer siebten Afrikareise zum ersten Mal einen Leoparden gesehen. Und wir hatten uns seit Reise Nummer 1 gaaaaanz doll so eine Sichtung gewünscht. Allerdings habe ich später eine interessante Erfahrung gemacht: Nachdem der Leo quasi „abgehakt“ war, habe ich mich auf die Wilddogs fokussiert. Das war ein grosser Fehler! Im nächsten Jahr waren wir (mit Guide und Tracker) stundenlang beschäftigt, deren Spuren zu folgen. Was ist passiert? Am letzten Tag, als wir auf dem Weg zum Airstrip waren und wenig Zeit hatten, da lagen sie mitten auf der Piste. Im Jahr darauf ging es wieder auf die Jagd und plötzlich (Achtung ich übertreibe) tauchten an allen Ecken die Leoparden auf! Was soll ich sagen? Wir haben aufgehört, uns auf eine bestimmte Sichtung zu konzentrieren. Ausser: Ich möchte noch einen Caracal sehen der in die Luft springt und ein Perlhuhn im Flug fängt. Natürlich bei gutem Licht und nicht zu weit vom Auto entfernt. Und Ruth möchte eine Pangolinmama mit Kind auf dem Rücken sehen. Die Guides gucken immer so gequält, wenn wir unsere Wünsche vortragen. Warum bloss? 😗 Hallo Anni, ich helle WIRKLICH GERNE düstere und verregnete Tage auf. Danke für den Kommentar 😁
So, jetzt wird es aber Zeit für
Türchen Nummer 09
Bild 33 Zeitpunkt: Juni Zur falschen Zeit am falschen Ort! Dieser Spruch passt genau auf die Situation. Der Wasserbock hat ganz klar verloren, der Wilddog freut sich über das Frühstück. Wir folgen dem Luangwa und sind in der Nähe des Ufers, als wir unverhofft auf den „Tatort“ treffen. Die rötliche Farbe des Fells zeigt uns allerdings, dass der Wildhund nicht nur dieses eine Bein abbekommen hat. Scheinbar war diese Beute sehr einfach zu bekommen, denn … (siehe nächstes Bild)
Bild 34 Zeitpunkt: Juni … genau dieser Jäger dürfte für den Tod des Wasserbocks verantwortlich gewesen sein. Vermutlich hat er den Lohn seiner Arbeit nicht genießen können, denn er wurde von der Meute überrascht und hat sich auf den Baum gerettet. Immer wieder springen die Wildhunde ein Stück in die Luft, aber ich denke mal, es sind einfach nur Drohgebärden. Es dürfte ihnen klar sein, dass sie keine Chance haben, ihren Fressfeind zu erwischen.
Bild 35 Zeitpunkt: November Wir sitzen beim Lunch in einer Lodge am Ufer des Chobe. Unsere neuen Freunde Jens und Thoralf, die Tierfilmer, waren den ganzen Morgen bzw. Vormittag im Park unterwegs. Sie drehen zwar einen Film über Elefanten, aber zwangläufig laufen ihnen während der Dreharbeiten alle möglichen Tiere über den Weg. Heute bringen sie interessante Neuigkeiten mit. Sie haben – etwas abseits von den Hauptrouten – eine Familie von Wilddogs entdeckt. Scheinbar sind die Eltern auf der Jagd und der Nachwuchs wartet ungeduldig auf deren Rückkehr. Damit ist unser Ziel für den Nachmittags-Gamedrive klar! Die Tierfilmer fahren bereits gegen 13:30 wieder hinaus, wir warten noch etwas und folgen ihnen. Glücklicherweise sind wir nur zu dritt. Guide Tefo, meine Frau Ruth und ich, also ein perfektes Team. Wir wollen keine Zeit verlieren, kurz hinter dem Gate nehmen die Rüttelstrecke zum Sedudu Valley. Dann folgen wir der Upper Road, passieren die Chobe Game Lodge, queren den „Elephant Highway“ hinunter zum Fluss und nähern uns den Puku Flats. Hier macht der Chobe einen Knick nach rechts und fließt an der Chobe Savanna Lodge vorbei. Irgendwann biegen wir rechts ab und folgen der Sandpiste. Etwa 10 Minuten später sehen wir den Mercedes Van der Tierfilmer. Hier sind wir also richtig! Das Glück ist auf unserer Seite, denn nur wenige Minuten später kommen die erwachsenen Hunde zurück. Die Begrüßungszermonie wird mit lautem Winseln begleitet und die Jungen betteln um ein paar Fleischbrocken, die von den Älteren herausgewürgt werden. Wir sind fasziniert von dieser Vorstellung, die einer einstudierten Choreographie ähnelt. In der Zwischenzeit sind noch andere Safarifahrzeuge eingetroffen. Jetzt wird es etwas laut hier. Das ist nicht schlimm, denn wir hatten „unsere Minuten“ mit der Familie, also können wir sehr zufrieden weiterfahren.
Bild 36 Zeitpunkt: Mai Ich mag die Steinböckchen sehr. Irgendwie scheint es so, als wären Ohren, Kopf und Körper nicht wirklich aufeinander abgestimmt, aber natürlich hat sich Mutter Natur dabei etwas gedacht. Auf jeden Fall ist es gar nicht so schwer, sie aufzuspüren, denn diese Zwergantilopen halten sich eigentlich immer in ihrem relativ überschaubaren Revier auf.
SISilvy298 Beiträge · seit 200709. Dez. 2024 · #20
Hallo Walter, auch ich gehöre zu den Fans deines Adventskalenders. Nach dem Frühstück wird in aller Ruhe das nächste Fenster geöffnet und gelesen und die super Fotos mehrmals angeschaut. Ganz großartig! Ich freue mich auf die weiteren Türchen.