Eine wüste Wüste und nichts als Wüste!
Mich treibt es früh aus den Federn. Der Wind hat zum Morgen hin zwar etwas nachgelassen, aber das lässt mich auch nicht mehr länger im Zelt verbringen. Die Erkältung hängt noch in den Knochen und nachdem ich kurz im Bad war denke ich mir, dass ich im Endeffekt jetzt auch gleich wachbleiben kann.
In der Küchenzeile ist etwas Unordnung, Blattgrün und kleinere Äste von den Büschen liegen verstreut und ich räume auf:
OH SCHRECK!!! – da nimmt man nichtsahnend einen kleinen Ast aus der Spüle und schon wird man aus 4 Augenpaaren angeblinzelt.
Was macht den Egon hier?, der Doof kommt alleine nicht mehr aus der Spüle raus. 😕
Eusparassus walckenaeri, Riesenkrabbenspinne, Jagdspinne, ungiftig - Danke, Sanne! 🙂

Fieses Krabbelgetier heißt immer Egon bei uns, einen echten Grund dafür gibt es nicht. 😉 Ich baue Egon eine Rampe aus Ästen, aber er nutzt den Weg in die Freiheit immer nur als Unterschlupf. Also muss er irgendwann aus der Spüle geschnippst werden und zack verschwindet er hinter der Holzverkleidung der Küche und wartet darauf anderen Campern einen Schreck einzujagen. 😈
(jeder von euch, der behauptet er springt nicht 10cm hoch, wenn so ne fette Spinne unerwartet vor einem sitzt, der lügt ungeniert meines Erachtens nach) 😄
Ab an die Küche, einen Topf rausgeholt und dann hier auch mal ein Bild der neuen Küchenkonstruktion, die wir auch super finden. Eben weil man hier die Töpfe und alles reinkriegt was man so braucht. Das war vorher in einer Plastikkiste im Rückraum, auch das geht jetzt alles schneller von der Hand.

Ich setze schonmal Kaffee auf und Mara bekommt eine frische Tasse ins Zelt gebracht. Das bleibt eine einmalige Ausnahme, denn eigentlich ist sie immer als Erste wach. 😛
Hier gibt es noch
Tipp#7 einzuwerfen. Mara hat neben den Thermoflaschen auch einen großen
Thermobecher ToGo mitgenommen. In den wird morgens immer Kaffee abgefüllt, den teilen wir uns und haben so bis Nachmittags Kaffee im Wagen.
so sieht es aus ihrer Perspektive aus
Währenddessen beschäftige ich mich damit das Wasser parat zu stellen und nochmal zu schauen, wo die ganzen Kanister untergebracht werden können. Da haben wir ja gestern noch mal welche nachgeholt und bevor wir heute losfahren, möchte ich gerne alles am richtigen Platz haben.

Natürlich ist das noch lange nicht alles… und auch die Kanister auf dem nächsten Bild stellen nur einen teil der Ausbeute dar. Wir machen hier wirklich keine Gefangenen. 🙄
Wenn man 1,5 Wochen in die Wüste fährt, dann ist auf jeden Fall mal genug Wasser an Bord. Natürlich kommt man immer mal wieder an Orten vorbei, aber könnte ja auch passieren, dass man irgendwo völlig ab vom Schuss hängen bleibt. Man mag denken, dass wir hier übertreiben, aber uns ist das egal. Lieber Haben als Brauchen und so lange Platz im Bakkie ist, packen wir jede Ecke voll.
(außerdem haben wir ja unerwartet viele Mitfahrer, an die müssen wir jetzt ja auch denken) 🙂
Insgesamt haben wir 18x 5 Liter Kanister Wasser dabei!!!
Ich hole auch unsere Frühstückskiste aus dem Wagen… achja, nicht nur Kisten, sondern entsprechend sortiert sind die natürlich auch. Eine für das Frühstück, eine für das Abendessen und eine für Snacks und kleine Mitbringsel + Getränkedosen. So muss man nicht immer alles Bereitstellen auf der Campsite und ist bestens organisiert.
So, wo war ich gerade nochmal… achja, beim
Soja-Saucen Debakel. Denn diese Plastikflasche hat irgendwann beim Gerumpel zu viel Druck bekommen. Das hat den Deckel gesprengt und Mara wundert sich, als sie aus dem Bett klettert, warum
1. beim Frühstück die Abendbox und alle möglichen Teile auf dem Tisch stehen
2. ich gerade dabei bin Dosen und Nudelpackungen zu spülen?! 🤨
Jetzt brauchen wir natürlich diese mit Sojasauce, labbrig getränkte Kiste trotzdem, es hatte jetzt alles so schön gepasst. Kurzerhand wird die Kiste also in die Sonne gestellt zum trocknen und zum Ausgleich der fehlenden Stabilität wird der Weinkarton zerschnitten und verstärkt die Kiste zukünftig, dass sollte halten, dann können wir ja los. 🙂


Den Schlüssel lassen wir einfach laut Anweisung stecken, die Campsite-Rezeption ist heute morgen besetzt und wir holen nochmal Feuerholz nach und bekommen auch direkt hier schon unser Permit für eine Nacht in der Palmwag Concession. Wir lassen als Dankeschön für die schöne Campsite und Gastfreundschaft ein paar Goldbären da und verabschieden uns in Richtung Abenteuer.
Die Ausfahrt aus der Lodge erinnert nochmal daran, dass man immer der sein sollte, der nicht am langsamsten laufen kann. 😄

Wir fahren ins südliche Gate rein und nehmen ab hier den Weg einmal komplett durch die Day-Visitors Area. Dann fahren wir in den Crowther’s Trail, suchen uns dort etwas für die Nacht und dann geht es den Tag später wieder raus in den Hoanib.
Das ist unser Plan, aber den sieht Robert am Gate so gar nicht. 😐
„Mit nur einer Nacht ist das zu stressig und wenn man durch den Trail möchte muss man zwei Nächte nehmen. Das schafft man sonst nicht…" und mit einem Blick zur Uhr stellt er außerdem fest, dass es ja schon 10:40h hat.
"Das geht ja noch weniger.“Wir haben den Trail noch nie gefahren und da verlassen wir uns auf seinen Rat und nehmen eine zweite Nacht für unser Permit und planen direkt mal ein, dass wir eben evtl. länger hier sein werden als geplant. Wir machen uns noch schnell ein Foto seiner Papierkarte und können die jetzt ja auch direkt mal nutzen um euch den geplanten Weg der nächsten Tage einzuzeichnen.

Es geht in die Day Visitors Area und genau so hatten wir das in Erinnerung. Rote Steine, eine einzelne Fahrspur die mitten durch führt und es rumpelt wie verrückt. 😣

Gleich zu Beginn scheuchen wir zwei Trappen auf… es wird Zeit in den Safari-Modus zu schalten. Und was ein Glück, es handelt sich, bei Sichtung der Bilder zu Hause, um Rüppelltrappen. Schon wieder eine Erstsichtung für uns. Das geht ja gut los! 🤩

Das große ABER: Nach dem Start war es das dann aber auch. Es ist knochentrocken, Tiere sehen wir nahezu gar keine und wenn doch, dann sind sie so weit weg, dass bei den Hitzeschlieren in der Luft keinerlei Fotos möglich sind. Aber, dieses Problem haben wir sowieso nur vielleicht ein halbes Dutzend Mal unterwegs. Diesen Springbock habe ich noch, aber das war es dann auch. 😗

Also zockeln wir durch eine sehr
schöne Gegend über
grandios schlechte Wege. 😏
Diesen Weg versuche ich jetzt mal einfach anhand einiger Bilder nachzuzeichnen. Rein in die Concession nutzen wir jetzt erstmal
Tipp#8, der sich für uns im Laufe der Reise als immer wertvoller erwiesen hat. Die
Tracks-4-Africa App ist eine grandiose Hilfe vor Ort, auch wenn wir die GPS Funktion erst nach ein paar Tagen aktiviert kriegen, aber wir wussten auch nicht, dass es sie überhaupt gibt, also haben wir erstmal nur die Offline-Karte an sich genutzt. Sehr detailliert und alle möglichen Orte eingezeichnet. Sehr cool. 😎


Einen ersten Stopp legen wir am Kawaxab Canyon ein. Da kann man ein Stück am Rand entlang fahren bis zu einem Viewpoint mit schönem Blick über den Canyon… ein wenig Grün in der Landschaft zur Abwechslung.


Weiter geht es durch die Landschaft und wir rumpeln und pumpeln über Stock und Stein, also eigentlich nur über Stein wenn man genau ist. Denn die Ebenen sind einfach übersät damit und die dickeren Brocken säumen die Fahrspur links und rechts.

Wir orientieren uns anhand der Karte und der App, es gibt nicht viele Wege, daher fällt die Orientierung nicht allzu schwer. Wir fahren mehr oder minder signifikante Punkte an, lassen, uns an 2017 erinnernd einen Viewpoint aus, der eine fiese Auffahrt hat und schauen vom Viewpoint über Awaxas… wo es damals viele Tiere hatte, ist heute gähnende Leere. 😕
Bevor noch der falsche Eindruck entsteht… uns stört das gar nicht. 😁
Tiere sind für uns auf diesem Teil der Reise ein Bonus und recht schnell bleiben die langen Tüten abgeschraubt und wir genießen einfach die Weite und Landschaft. Den Viewpoint zum Aub Canyon, wo wir damals die Wüstenelefanten gesehen haben, finden wir nicht mehr oder es ist eine der vielen gesperrten Pisten entlang unseres Weges. Wir erreichen den eigentlichen Canyon gegen 13:15h und damit sind jetzt weiter in die Concession gefahren als 2017 und haben somit ab jetzt, ganz offiziell, unbekanntes, neues und spannendes Terrain unter den Reifen.
Den Canyon nutzen wir um uns etwas die Beine zu vertreten und werfen einen vorsichtigen Blick über die Kante. Aber auch hier zwitschert nichtmals ein Vogel, keine Eidechse ist zu sehen, einfach nichts. Das wundert uns schon… einen kleinen Tümpel hat es am Anfang der Schlucht und es ist wenigstens etwas Grün vorhanden.


Wir verlassen den Canyon nach einem kleinen Picknick und ein paar Fotos eine gute halbe Stunde später wieder und uns begegnet ein Ranger-Fahrzeug. Ein Novum, denn es ist das einzig andere Fahrzeug, dass wir den gesamten Tag sehen. Kein anderer Tourist, kein Gamedrive-Fahrzeug, nichts. Niemand ist unterwegs hier. 🙄
Es geht als nächstes auf den Aub-Garab Pass hinauf. Die Piste ist schlecht, an manchen Stellen unübersichtlich und so zieht sich der Weg. Oben angekommen haben wir einen schönen Blick über den kommenden Weg.

In der darunterliegenden Ebene geht es dann endlich wieder deutlich leichter voran, immer in Richtung des spitzen Berges den wir jetzt schon seit gut einer Stunde sehen.

Und so dauert es nicht mehr zu lange, bis wir den Abzweig zum Trail erreichen. Dennoch zeigt die Uhr immerhin 14:42h, damit haben wir für die letzten 55km ziemlich genau 4 Stunden benötigt.

Nach einer sandigen, kurvigen Querung des Baras sind wir endlich auf dem Trail und die ersten Kilometer geht es über eine kleine Ebene und recht zügig voran. Aber natürlich ist auch das, nach knapp 10km dann wieder vorbei, die Steinwüste hat uns zurück, wir klettern die Fahrspur runter und währenddessen klettert das Thermometer immer weiter rauf. Ganze 41 Grad erreichen wir mittlerweile. 😊


Bis zur Xai Ais Campsite passiert auf dem Trail nicht viel, dort in der Nähe ist dann laut Karte auch ein erstes Wasserloch, angegeben als Fountain, zumindest vermuten wir dort Wasser und auf die
„Campsites“ hier sind wir auch schon sehr gespannt. Und wir werden nicht enttäuscht, Xai-Ais wurde uns zwar gesagt, man solle besser vorbei fahren, aber es hat ein paar Bäume und Büsche, die Lage ist nicht sonderlich attraktiv, aber mit nahem Wasser
(wo wir noch nicht waren) könnten wir uns eine Nacht hier gut vorstellen.

Das kleine Stück zur Fontain ergibt hier eine Art von Wasser. Es ist auf jeden Fall Grün und ein Rabe fliegt umher, aber Wasser an sich können wir keines sehen. Tiere auch nicht… egal, es wäre jetzt eh noch zu früh und unser Plan sah auch so aus, dass wir eher die zweite oder dritte Option als Campsite ziehen. Also geht es weiter.

Wir nutzen verschiedene Abzweige, manche Viewpoints erweisen sich als Senke mit zwei bis vier Bäumen drin, alles etwas verwirrend. 😏
Zur Crowthersquelle, eine permanente Wasserstelle kommt man laut T4A App gar nicht, das sehen wir auch erst jetzt, so nehmen wir das Obob River Valley noch mit, die Sonne steht mittlerweile schon tiefer am Himmel und auf dem Weg raus vom Obob fangen wir langsam an schonmal zu schauen wo man Notfalls stehen könnte.
Geschickt ist nichts, denn nirgends gibt es eine versteckte Stelle, alles ist sehr exponiert und die paar Welwitischias bieten jetzt auch nicht wirklich Sichtschutz. Ich hab das Bild heute eingestellt und zitiere mal den Kommentar, den ich nur ein paar Minuten später unter dem Bild hatte.
"Dies ist die unfotogenste Pflanze der Erde. Es sieht so aus, als wäre es dreimal von einem Lastwagen überfahren worden." 😛

Aber vor allem bieten die Welwitschias keinen Windschutz, denn es pfeift schon wieder über die Ebenen wie nichts Gutes. 😵 Was ist denn hier schon wieder los. Den Tag über brüten wir in der Hitze, jetzt zum Abend fegt es um uns herum. Eigentlich schläft doch Wind Abends eher ein.
Also auf zur nächsten Campsite, mit Namen Crowther‘s. Jeder der das Gebiet kennt, weiß schon jetzt, dass dies nicht unsere Bleibe für die Nacht werden kann. Aber bevor wir das auch realisieren haben wir doch noch ein wenig tierisches Glück und im Riverbed Crossing kurz vor der Campsite entdecken wir fünf Giraffen. Da sieht man nix, anscheinend hat es nirgendwo Wasser, aber diese riesigen Tiere sind hier unterwegs… man glaubt es kaum. 🤩



Und sogar eine Kleine ist mit dabei. 😘

Wir kommen zum Abzweig zur Crowther’s Campsite und sehen einen kleinen Stichweg der nach oben auf ein kahles, felsiges Plateau führt. Wir kriegen die Tür kaum auf! 😣
Pfeift der Wind über die Ebenen, dann stürmt es hier oben kräftig und es hat keinerlei Windschutz hier. Keine Frage, die Aussicht ist der Wahnsinn und hier morgens früh beim Müsli zu sitzen und der Sonne beim Aufgehen zuzuschauen ist bestimmt wunderschön, aber hier können wir nicht bleiben. Da fliegen wir ja direkt vom Hügel runter.
Tja, und nun?Gestern war um 18:54h Sonnenuntergang… das lässt uns nicht viel Spielraum, aber wir müssten Theuns mit ein wenig Licht noch erreichen. Genug zumindest, damit wir dort noch Zelt und Feuer aufbauen können, bevor die Sonne komplett weg ist. Aber ob Theuns besser ist, das wird sich zeigen… also rollen wir weiter.
18:25h fahren wir in ein Flussbett was ziemlich wahrscheinlich Theuns sein müsste. Direkt am Anfang ist ein kleine, ein paar Meter hohe Böschung, die hilft aber nichts, weil der Wind völlig falsch steht. Ein Weg führt weiter ins Flussbett, denen folgen wir noch 5 Minuten, aber da sich nichts ändert wählen wir jetzt einfach die Fläche, stellen den Wagen genau in den Wind und fangen an Tisch und Stühle etc. aufzubauen. Ich sammel‘ ein paar Steine für die Feuerstelle und Mara macht ein Foto inkl. Sonnenuntergang.

Dieser hübsche Platz und Sonnenuntergang soll aber nicht unserer werden. Wir stehen vielleicht 20 Minuten am Platz und dann dreht der Wind plötzlich wieder komplett. Mara schaut mich an und ich ahne schon was kommt…
denn der Wind steht jetzt tatsächlich genau so, dass die Böschung am Anfang einen perfekten Schutz gibt. 😛 🤪
NA GUT… wir packen fix zusammen, fahren mit dem letzten Restlicht wieder nach vorne und stellen den Wagen Schnauze voran ab. Es ist tatsächlich schön ruhig jetzt, allerdings auch stockduster. Also Zelt hoch, Mara baut das Kochfeld auf die Heckklappe und wir machen nur ein paar Nudeln und den Rest vom Ratatouille, lohnt sich, dass man direkt zwei Töpfe nutzen kann.
Ich baue Tisch und Stühle wieder auf und schaue mich nach neuen Steinen für die Feuerstelle um. Groß genuge liegen nur an der Böschung und es kommt, wie es kommen musste. Ich ziehe einen Stein weg, dabei löst sich ein dicker Brocken etwas weiter oben und rollt runter, ich versuche noch zur Seite zu springen, lande aber genau im Weg des Steins und er knallt mir gegen den Knöchel. 😮 😣
Ein schneller Schmerz zieht einmal durch's Bein und ein Blick mit der Stirnlampe zeigt, dass der Knöchel sofort mächtig dick geworden ist. 🤢
So eine, Ohren und Augen zu beim Lesen…
„SCHEISSE“. Das ist jetzt genau das was man nicht braucht. Mara schaut sich das Ungeschick an und verdonnert mich sofort dazu mich zu setzen, Fuß hoch, kalte Dose drauf und sie sucht die Voltaren-Creme.
Ich bleibe 15 Minuten dort sitzen, kühle und schmiere dick Creme auf den gesamten Knöchel, aber länger halte ich es auch nicht aus, ich will jetzt auch wissen ob der Fuß belastbar ist und
Glück im Unglück 🙂 . Die Reise über schmerzt der Knöchel zwar, aber ansonsten ist es ok und die Schwellung ist auch schon wieder etwas weniger doll.
PUHHHH, nur eine Prellung… ich bin in dem Moment echt erleichtert. Ich starte das Feuer, Mara hat die Nudeln fertig und so wird es doch noch ein schöner Abend unter dem Sternenhimmel. Wir sitzen noch etwas am Feuer und genießen die Atmosphäre, hier völlig alleine im Nichts.
Und so geht ein
„fast“ entspannter Tag zu Ende. 🙂

Lieben Gruß,
Robin & Mara